April 20th, 2017 by Dominik

Knapp zehn Prozent der MLB-Saison 2017 sind absolviert und Einiges, was die Fans bestimmter Teams nach den ersten Spielen himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt hinterließ, hat sich inzwischen relativiert. Geblieben sind bisher die überraschend guten Ergebnisse der Cincinnati Reds, der Arizona Diamondbacks und der Colorado Rockies sowie der katastrophale Start der Toronto Blue Jays. Ebenfalls zu den großen Überraschungen der bisherigen Saison zähle ich die neun Siege der New York Yankees in den letzten zehn Spielen, darunter acht in Folge. Hier wie jeden Donnerstag der Überblick über das Geschehen in der MLB:

American League
Die American League East scheint sich zu gefallen in der Rolle, die sie schon in der letzten Saison spielte: Damals gab es einen bis zum Schluss spannenden Dreikampf auf hohem Niveau, an dessen Ende alle drei beteiligten Teams in die Playoffs einzogen. Auch jetzt, nach rund 15 Spielen in der neuen Saison stehen wieder drei Teams mit überzeugender Bilanz nahezu Kopf an Kopf – mit dem einzigen Unterschied, dass sich anstelle der absolut enttäuschend gestarteten Toronto Blue Jays (3-11) die New York Yankees (10-5) eingeschaltet haben, um mit den Baltimore Orioles (9-4) und den Boston Red Sox (9-6) um die Spitze zu ringen.

Sagenhafte Ausgeglichenheit hat hingegen die AL Central zu bieten: Vier von fünf Teams stehen bei sieben Siegen und sieben Niederlagen, nur die Detroit Tigers (8-6) tanzen minimal aus der Reihe. Die Minnesota Twins haben sich von ihrem kurzen Höhenflug inzwischen verabschiedet, nach drei Niederlagen am Stück und fünf aus den letzten sieben Spielen sind sie in der Riege der ausgeglichenen Bilanzen angekommen und der Trend zeigt klar nach unten. Die positive Nachricht aus Minnesota ist, dass Max Kepler nach verhaltenem Start seinen Rhythmus gefunden hat und nach 14 Spielen starke .294/.351/.490 schlägt.

In der AL West geben die Houston Astros (10-5) nach wie vor klar den Ton an, alle anderen Teams der Division weisen eine negative Bilanz auf. Ein bisschen gefangen haben sich nach ihrem katastrophalen Start die Seattle Mariners (7-9) mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen. Drei davon gingen zu Lasten der Texas Rangers (5-10), die früh in der Saison schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Das Problem der Rangers ist in erster Linie das Pitching, denn während sie die viertmeisten Runs erzielt haben, haben sie gleichzeitig die drittmeisten erlaubt. Und interessanterweise haben sie bisher mit 0-4 die schlechteste Bilanz der Liga in 1-Run-Games, also Spielen, die mit nur einem Run Unterschied enden – nachdem sie letztes Jahr mit einer 36-11-Bilanz in solchen Spielen einen MLB-Rekord aufgestellt hatten.

National League
Die Washington Nationals (9-5) führen nach drei Siegen am Stück sowohl die National League East als auch die National League insgesamt an, getragen vor allem von einer beeindruckenden Offense. Von MLB-weit acht Stammspielern, die eine OPS von über 1.100 aufweisen, haben die Nationals in Bryce Harper (1.362) und Ryan Zimmerman (1.146) gleich zwei und mit einem Team-OPS von .846 stehen sie klar an der Spitze der Liga. Aber noch haben die Nationals nicht direkt gegen ihren mutmaßlichen Hauptkonkurrenten, die New York Mets (8-7), spielen müssen. Letztere haben letzte Nacht gegen die Philadelphia Phillies (5-9) den ersten Sieg nach einer äußerst unglücklichen Serie von vier Niederlagen eingefahren – alle vier Spiele wurden erst im letzten At Bat des Gegners verloren. Apropos äußerst unglücklich: Das sind wohl auch einige Pitcher der Miami Marlins (8-7) – nicht weil sie schlechte Leistungen gezeigt hätten, sondern weil sie innerhalb der letzten Tage gleich zweimal haarscharf einen combined No-Hitter verpasst haben.

Die Cincinnati Reds (9-6) genießen nach wie vor ihre Rolle als Überraschungsteam der Liga und stehen in der NL Central immer noch vor dem World-Series-Champion Chicago Cubs (8-7). Nach vier Niederlagen in fünf Spielen – darunter drei gegen die Milwaukee Brewers (8-8) – scheint ein Ende des unwahrscheinlichen Höhenfluges der Reds jedoch absehbar, zumal sie übers Wochenende dreimal gegen die Cubs ran müssen. Eine halbe Saison, genauer gesagt 80 Spiele lang überhaupt nicht mehr ran darf unterdessen Outfielder Starling Marte von den Pittsburgh Pirates (6-9), nachdem er des Dopings mit Nandrolon überführt wurde. Die Pirates zeigten sich auf dem Feld angemessen geschockt, indem sie ihrem Drei-Spiele-Sweep gegen die Cubs nach dieser Nachricht eine Serie von drei Niederlagen gegen die St. Louis Cardinals (6-9) folgen ließen, die damit den Anschluss an den Rest der Division wiedergefunden haben.

Am Tabellenbild der NL West hat sich seit letzter Woche außer einem leichten Abgleiten der San Diego Padres (6-10) nicht viel getan, was aber durchaus als Überraschung durchgeht. Vorne halten sich nämlich immer noch wacker die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies mit jeweils 10-6, die Diamondbacks sogar mit der erfolgreichsten Offense der ganzen Liga (78 Runs). Gegen beide Teams kamen die Los Angeles Dodgers (8-8) nicht über unentschiedene Serien hinaus und bleiben somit derzeit als einer der beiden Favoriten der Division auf dem mittleren Rang hängen. Noch schlechter ergeht es dem Mitfavoriten San Francisco Giants (6-10), bei dem bislang auf jeden kleinen Lichtblick ein Rückschlag erfolgt ist. Die Giants, die im Outfield dieses Jahr ohnehin schon unterbesetzt schienen, mussten nun Leftfielder Jarrett Parker mit gebrochenem Schlüsselbein auf die Verletztenliste setzen. Dafür ist Catcher Buster Posey von selbiger Liste wieder zurück im Lineup und kann den Giants beim Versuch mithelfen, nächste Woche in einer Vier-Spiele-Serie gegen die Dodgers das Ruder herumzureißen.

Szene der Woche
Es war eine weder besonders schöne noch lustige Szene, aber der Walk-Off-Error, mit dem die Detroit Tigers gestern Nacht das Spiel gegen die Tampa Bay Rays verloren, war definitiv ein aufreibender Moment. Mit einer knappen Führung, geladenen Bases und nur einem Out im neunten Inning legten es die Tigers auf ein siegbringendes  Double Play an und das wäre es wohl auch geworden, wäre nicht Shortstop José Iglesias über die Base gestolpert, wodurch sein Wurf an die erste Base misslang und zwei Runs zum Sieg der Rays nach Hause kamen. Zu allem Überfluss bekam der gefallene Iglesias auch noch das Knie des slidenden Brad Miller ab und verletzte sich dabei.

Statistik der Woche 
129. So viele Plate Appearances in der regulären Saison absolvierte Mookie Betts zwischen seinem vorletzten Strikeout und dem gestern Nacht gegen Blue-Jays-Pitcher Francisco Liriano. Der vorletzte unterlief ihm am 12. September 2016 gegen Oliver Drake von den Orioles. Es war die längste solche Serie eines Red-Sox-Spielers seit 1975, als Denny Doyle 159 Plate Appearances ohne Strikeout hatte, und die längste in der MLB seit 2004 (147 von Juan Pierre, Marlins). Betts schlägt in dieser Saison bislang .347/.407/.469.

Spiel der Woche
Die Miami Marlins und die New York Mets lieferten sich in der Nacht zu letztem Freitag den ersten 16-Inning-Marathon des Jahres. Nach 5 Stunden und 38 Minuten, 509 Pitches durch 17 Pitcher und 29 Hits in 119 At-Bats brachte ausgerechnet der Spieler die Entscheidung, der wohl über das gesamte Spiel hinweg den schwierigsten Job hatte: Mets-Catcher Travis d’Arnaud absolvierte alle 16 Innings hinter der Platte, brauchte ab dem zehnten teilweise Hilfe, seine vom Kauern tauben Beine in den Dugout zu bewegen, aber den Trott um die Base nach seinem Homerun zum 9:8-Sieg schaffte er dann doch alleine.

Spiel der kommenden Woche
Es stehen eine Menge interessante Serien an, zum Beispiel die große Überraschung Cincinnati Reds gegen Titelverteidiger Chicago Cubs (Freitag bis Sonntag) und das Duell der vermeintlichen Top-Teams der NL West Los Angeles Dodgers gegen San Francisco Giants (Montag bis Donnerstag). Am spannendsten finde ich aber das erstmalige Aufeinandertreffen in dieser Saison zwischen den Washington Nationals und den New York Mets, von denen ich über das gesamte Jahr hinweg ein enges Rennen um die NL East erwarte. Mein Einschalttipp ist das Spiel am Samstag zur europafreundlichen Zeit ab 22:10 Uhr. Auf dem Mound werden voraussichtlich der wiedererstarkte Matt Harvey (2.45 ERA) für die Mets und der ebenfalls überraschend stark in die Saison gestartete Gio Gonzalez (1.33 ERA) für die Nationals stehen.

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April 13th, 2017 by Dominik

Hoffentlich erinnert sich niemand mehr an mein Power-Ranking. Die MLB-Saison ist eineinhalb Wochen alt und das bisher erfolgreichste Team mit 7-2 sind die Cincinnati Reds. Genau, eben jene Reds, die ich als schwächstes Team der Liga eingestuft hatte. Auf der anderen Seite haben ein paar Teams, denen ich eine gute Rolle zugetraut hatte, einen wirklich miesen Start hingelegt, allen voran die Toronto Blue Jays (1-7) und die Seattle Mariners (2-8). Sicher ist nach acht bis zehn von 162 Spielen noch keine Panik angebracht, aber wie kürzlich festgestellt kann eine schlechte Bilanz im April die Chancen auf eine Playoff-Teilnahme schon sehr stark beschädigen.

National League
In der National League East haben die New York Mets (6-3) durch einen Drei-Spiele-Sweep gegen die Philadelphia Phillies (3-6) die Führung übernommen und vor allem mit dem 14:4-Erfolg im mittleren Spiel auch etwas für das Run Differential getan. Schlecht lief es bisher für die Atlanta Braves (2-6), die aber bisher nur auswärts antreten durften und morgen ihren großen Tag mit der Einweihung des neuen Stadions gegen die San Diego Padres haben.

In der NL Central dominieren wie erwähnt die Cincinnati Reds (7-2) und das noch nicht mal mit Glück sondern mit überwiegend deutlichen Erfolgen gegen die St. Louis Cardinals (3-6) und die Pittsburgh Pirates (3-5). Die Reds haben nun nicht nur die beste Bilanz sondern auch das beste Run Differential (+25) der Liga. Gleich hinter dem bisherigen Überraschungsteam lauert aber bereits Titelverteidiger Chicago Cubs (5-3), der sich gerade eine spannende Serie mit den Los Angeles Dodgers liefert mit bislang einem knapp gewonnenen und einem knapp verlorenen Spiel.

Die Dodgers (5-4) haben in der NL West ihrerseits mit starker Konkurrenz zu kämpfen: Die Arizona Diamondbacks (7-3) und die Colorado Rockies (6-4) sind gut in die Saison gestartet und auch die San Diego Padres (5-5) stehen mit einer ausgeglichenen Bilanz bislang besser da als ich es ihnen über die gesamte Saison hinweg zutraue. Einen schwachen Start hatten in dieser Division nur die San Francisco Giants (4-6), die sich aber mit zwei Siegen in der Heimspielserie gegen die Diamondbacks etwas gefangen haben und nun in vier Spielen gegen die Rockies die Möglichkeit haben, das Tabellenbild für sich angenehmer zu gestalten.

American League
Den Boston Red Sox (4-4) wurde der Start in die American League East erschwert durch eine Grippewelle im Team, die sicher eine Rolle dabei spielte, dass sie die Serie gegen die Detroit Tigers 1:3 verloren. Besser läuft es bisher für die  Baltimore Orioles (5-2), die nun zu einer interessanten Vier-Spiele-Serie nach Toronto reisen. Die Toronto Blue Jays (1-7) müssen diese Serie dringend gewinnen, um nach ihrem Katastrophenstart nicht schon ganz früh in der Saison den Anschluss zu verlieren.

In der AL Central hatten die Minnesota Twins (5-3) einen starken Start mit gewonnenen Serien gegen die Kansas City Royals (2-6) und die Chicago White Sox (3-4), aber nach zwei Niederlagen gegen die Detroit Tigers (6-2) könnte der unerwartete Höhenflug der Twins bereits vorbei sein. Unser Lokalmatador Max Kepler ist bisher leider noch nicht richtig in Schwung gekommen, seine Slashline steht nach acht Spielen bei .222/.300/.259. Schwer einzuschätzen sind bisher die Cleveland Indians (4-4): erst sweepen sie die Texas Rangers, dann lassen sie sich von den Arizona Diamondbacks sweepen und zuletzt gab es je einen knappen Sieg und eine knappe Niederlage gegen die White Sox.

Die Houston Astros (6-4) werden ihrer Favoritenrolle in der AL West bisher gerecht. Außer ihnen weisen etwas überraschend auch die Los Angeles Angels (6-3) und die Oakland Athletics (5-4) positive Bilanzen auf, während ebenso überraschend die Texas Rangers (3-5) und die Seattle Mariners (2-8) schwach in die Saison gestartet sind. Die Rangers und die Mariners treffen am Wochenende dreimal direkt aufeinander, danach könnte es für einen von beiden schon ziemlich zappenduster aussehen.

Szene der Woche*
Ein guter Catcher zieht den Ball an wie ein Magnet. Allerdings sollte es im Regelfall eher der Handschuh sein, der die magnetische Wirkung entfaltet und nicht die Schutzkleidung des Catchers. Bei Yadier Molina war es am letzten Donnerstag anders: Als er Matt Szczur nach dem nicht gefangenen dritten Strike auswerfen wollte, gelang ihm das nicht, weil er den Ball nicht finden konnte. Erst nach freundlichem Hinweis des Schiedsrichters entdeckte er ihn schließlich in Höhe seines Bauchnabels – schwebend, klebend, feststeckend? So genau konnte oder wollte das niemand sagen. Molina beteuerte natürlich, dass weder der Ball noch seine Kleidung mit irgendwelchen Substanzen behandelt waren. Klar.

Statistik der Woche 
15. So viele Cycles – ein Single, ein Double, ein Triple und ein Homerun eines Spielers im gleichen Spiel – hat es in der Geschichte des Coors Field gegeben, den jüngsten davon am Montag durch Will Myers von den San Diego Padres. Das Stadion der Colorado Rockies führt diese Statistik für die Zeit seit seiner Eröffnung im Jahr 1995 mit großem Abstand vor allen anderen Ballparks an. Der Globe Life Park der Texas Rangers liegt mit 7 Cycles auf Platz zwei.

Spiel der Woche
Eigentlich war es eher das Inning als das Spiel der Woche: Sage und schreibe 12 Runs erzielten die Philadelphia Phillies Samstagnacht im ersten Inning gegen die Washington Nationals. Neun Hits, vier Walks und zwei Sacrifice Flyballs trugen zum besten Start der Phillies in ein Spiel in ihrer 134-jährigen Geschichte bei. Danach war das Spiel weitgehend gelaufen; anders als eine Woche zuvor den Bad Homburg Hornets in der Baseball-Bundesliga gelang es den Nationals nicht, die Partie noch mal spannend zu machen. Die Phillies gewannen letzten Endes mit 17:3. Die tragische Figur des Tages war Nationals-Starter Jeremy Guthrie. Ausgerechnet an seinem 38. Geburtstag kam der arme Kerl nicht aus dem ersten Inning heraus, sein Arbeitstag endete mit zehn zugelassenen Runs und nur zwei Outs. Einen Tag später wurde Guthrie, dessen ERA für die Saison bei 135.0 steht, aus dem Kader der Nationals entlassen.

Spiel(e) der kommenden Woche
Hier entscheide ich mich wieder für eine Serie statt für ein einzelnes Spiel: In der AL West haben zwei der drei Teams, die vor der Saison als relativ gleichrangige Favoriten galten, einen klassischen Fehlstart hingelegt. Von Freitag bis Sonntag treffen nun die Texas Rangers und die Seattle Mariners dreimal direkt aufeinander und das könnte für eines der Teams bedeuten, dass das Erreichen der Playoffs schon sehr früh in weite Ferne rückt. Wenn ihr euch eines der Spiele anschauen wollt, empfiehlt sich das am Sonntag wegen der europafreundlichen Startzeit von 22:10 Uhr und wegen des interessanten Pitching-Matchups von Cole Hamels gegen James Paxton.

 

*Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht aufgefallen, dass diese Kategorie ab heute anders heißt – statt „Spielzug der Woche“ nun „Szene der Woche“, einfach weil ich mich hier sowieso noch nie zwangsläufig auf Spielzüge beschränkt sondern immer den interessantesten, beeindruckendsten oder lustigsten Clip gewählt habe, der mir in der jeweiligen Woche begegnet ist.

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März 2nd, 2017 by Dominik

Eine knappe Woche Spring Training liegt hinter uns und bisher haben wir einen klaren Gewinner und einen klaren Verlierer. Die Los Angeles Angels of Anaheim haben fünf von fünf Spielen als Sieger beendet, die Cincinnati Reds hingegen kassierten in sechs Versuchen sechs Niederlagen. Dass die Reds auch in der regulären Saison eher wenige Erfolge feiern werden, ist wohl zu erwarten; dass die Angels ab April weiterhin groß auftrumpfen, ist hingegen nicht allzu wahrscheinlich. Die gute Nachricht für die Reds (und gleichzeitig die schlechte Nachricht für die Angels) ist jedenfalls, dass die Ergebnisse des Spring Trainings erfahrungsgemäß nur einen sehr schwachen Zusammenhang mit den Ergebnissen der kommenden Saison aufweisen. Also genießt es fürs Erste einfach, Baseball unter der Sonne Arizonas und Floridas sehen zu können, drückt euren Lieblingsspielern die Daumen, wenn sie noch um einen Stammplatz kämpfen, aber macht euch über die Resultate eures Teams nicht allzu viele Gedanken.
Während die Baseballwelt gierig die ersten Vorbereitungsspiele komsumierte, passierte jenseits der Ballparks nicht allzu viel Erwähnenswertes: Diese Woche gab es keine Regeländerungen, keine Skandale, kaum relevante Free-Agent-Signings – aber immerhin einen Trade der Mariners wie gefühlt in jeder Woche dieser Offseason.

Kubanische Talente suchen ihre Chance 
Aus Kuba flüchten nach wie vor regelmäßig Baseballer, die auf ein Engagement in der MLB hoffen. Zwei davon haben diese Woche Verträge bekommen: Der 24-jährige Outfielder Jose Adolis Garcia, ein Bruder von Braves-3B Adonis Garcia, unterzeichnete bei den St. Louis Cardinals und der 28-jährige Infielder Luis Valdes bei den Detroit Tigers. Beide gelten als talentiert genug, um es in einer Rolle als Reserve- oder Ergänzungsspieler in die MLB zu schaffen. Deutlich mehr wird dem 19-jährigen Outfielder Luis Robert zugetraut, den die Scouts allgemein als vielversprechendstes internationales Talent neben dem Japaner Shohei Ohtani einstufen. Robert wird voraussichtlich Ende März ein Vorführtraining für die MLB-Clubs absolvieren; bis alle Formalitäten seitens der Liga und der Einreisebehörden geklärt sind, wird es wahrscheinlich Juni oder Juli werden. Die Athletics, Astros, Braves, Cardinals, Nationals, Padres und Reds hoffen stark, dass die Freigabe vor dem 15. Juni erfolgt. An diesem Tag endet die aktuelle Signing-Periode und in der neuen Periode ab 2. Juli dürfen sie – ebenso wie schon jetzt die Cubs, Dodgers und Royals – nicht mitbieten, weil sie ihre Limits für die Verpflichtung internationaler Free Agents überzogen haben.

Joe Blanton zu den Nationals 
Die Washington Nationals haben sich in Person von Joe Blanton noch eine Ergänzung ihres Bullpens gesichert. Der 36-jährige Free Agent bekommt einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar plus bis zu einer weiteren Million in Abhängigkeit von den absolvierten Innings. Interessant sind die durchgesickerten Zahlungsdetails: Die Nationals planen demnach, von dem Gehalt für 2017 eine Million erst 2018 und zwei Millionen sogar erst 2019 zu bezahlen. Der Hintergrund dieses Konstrukts ist unklar – falls die Nationals finanziell so klamm sein sollten, dass sie das Gehalt anders nicht zahlen können, dürften sie für weitere Verpflichtungen (im Gespräch sind Outfielder Angel Pagan sowie ein Trade für Closer David Robertson) wohl aus dem Rennen sein.

Dodgers und Mariners traden Prospects 
Die Seattle Mariners um General Manager Jerry Dipoto untermauern ein weiteres Mal, dass sie derzeit das verhandlungsfreudigste Team der Liga sind. Dieses Mal wurden „nur“ Prospects getauscht und zwar senden die Mariners Shortstop Drew Jackson und Pitcher Aneurys Zabala zu den Los Angeles Dodgers und erhalten dafür Pitcher Chase De Jong. Keiner der drei ist den gängigen Rankings zufolge ein Top-Prospect mit unmittelbaren Aussichten auf eine MLB-Karriere. Aber die Mariners scheinen in De Jong – laut mlb.com Prospect #16 der Dodgers – etwas zu sehen, das ihnen sehr gefällt, denn laut Dipoto versuchten sie schon seit Juli letzten Jahres, ihn von den Dodgers loszueisen und nach Seattle zu holen.

Sorge um David Price
Ganz frisch eingetrudelt ist die Meldung, dass David Price, Starpitcher der Boston Red Sox, seinen ersten Spring-Training-Einsatz wegen Ellenbogenproblemen absagen muss. Nach einem ersten MRT möchte er eine zweite Meinung bei Dr. Andrews einholen. Dieser Name ist in der MLB so beliebt wie gefürchtet, denn Andrews gilt als Experte für die Tommy-John-Surgery – die OP, die Pitcherkarrieren rettet, aber in der Regel auch ein Jahr Pause bedeutet. Ich hoffe, Price hat Glück und seine Verletzung stellt sich als nicht so schlimm heraus wie man nach diesen ersten Meldungen befürchten muss.

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März 2nd, 2017 by Dominik

Der Nachteil von vollständigen Rankings ist, dass irgendein Team ganz unten stehen muss. Bei mir sind es die Reds und ich habe dafür keine bessere Entschuldigung als dass es letztlich eine Bauchentscheidung zwischen drei Teams war, welche ich alle für ungefähr gleich schwach halte. Ich sehe die Reds prinzipiell auf dem richtigen Weg: Sie setzen stark auf junge Spieler im Team und im Farmsystem und trennen sich konsequent von teuren Veteranen, die ihnen langfristig nicht weiterhelfen – beste Beispiele dafür sind die Trades von OF Jay Bruce zu den Mets kurz vor der Trade-Deadline 2016 und von 2B Brandon Phillips zu den Braves in der Offseason. Der Weg wird allerdings noch ein langer sein, insbesondere das Pitching ist noch weit von MLB-Konkurrenzfähigkeit entfernt. Ich rechne mit den Reds weder in diesem noch im nächsten Jahr.

Voraussichtliches Lineup
C Devin Mesoraco
1B Joey Votto
2B Jose Peraza
SS Zack Cozart
3B Eugenio Suarez
LF Adam Duvall
CF Billy Hamilton
RF Scott Schebler

Voraussichtliche Rotation
SP Anthony DeSclafani
SP Brandon Finnegan
SP Homer Bailey
SP Tim Adleman
SP Robert Stephenson
Closer Raisel Iglesias

Wichtigster Zugang
RP Drew Storen (Toronto Blue Jays)

Wichtigster Abgang
2B Brandon Phillips (Atlanta Braves)

Bestes Prospect
3B Nick Senzel

Größte Stärke
Die fehlende Erwartungshaltung: Wie schon im letzten Jahr (52 eingesetzte Spieler, darunter 12 MLB-Debüts) können die Reds ganz ungeniert mit Spielern und Systemen experimentieren und niemand wird enttäuscht sein, wenn es dabei immer wieder mal Fehlgriffe und Niederlagenserien setzt.

Größte Schwäche
Das Pitching: Außer DeSclafani und dem verletzten Homer Bailey sind die Starter allesamt unerfahren. Der Bullpen war im vergangenen Jahr mit Abstand der schwächste der Liga, erlaubte bei einem ERA von 5.09 die meisten Runs, die meisten Homeruns und die meisten Walks. Als Verstärkung von außen kam Drew Storen hinzu, der aber selbst ein miserables Jahr hinter sich hat. Das gibt wenig Anlass zu Optimismus.

Spannendste Frage
Wann trennen sich die Reds von ihrem Star Joey Votto? Der Kanadier ist der Leistungsträger und das Gesicht der Franchise und noch bis 2023 unter Vertrag. Auch wenn es schwer fällt: Wahrscheinlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, ihn zu einem Contender zu traden und ihn sich teuer mit weiteren vielversprechenden Prospects bezahlen zu lassen.

Prognose
Platz 5 in der NL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Januar 5th, 2017 by Dominik

Was stellt die Welt der Baseballschreiber und -analysten an, wenn sich in der MLB aktuell kaum etwas tut und wenn fast jede halbwegs sinnvolle Spekulation über anstehende Trades oder Vertragsabschlüsse schon längst zwei-, dreimal aufgewärmt und durchgekaut worden ist? Ganz klar: Man stürzt sich auf eine obskure Meldung, laut der einer der größten Stars des Spiels einer juristischen Spitzfindigkeit wegen angeblich plötzlich Free Agent werden könnte. In 50 von 52 Wochen des Jahres wäre die Geschichte nicht mehr als eine Randnotiz wert gewesen, aber jetzt im tiefsten Winterloch ist man ja schon dankbar und irgendwie ist die Sache ja auch ganz witzig. Daher stellt auch der Grand Slam am Donnerstag heute die weltbewegende Frage:

Wird Mike Trout sich zum Free Agent erklären?
Und hier ist auch schon die Antwort (Trommelwirbel bitte): Nein, wird er nicht. Dass über diese Möglichkeit überhaupt spekuliert wird, obwohl der 25-jährige Superstar noch bis 2020 bei den Los Angeles Angels of Anaheim unter Vertrag steht, liegt an einem kalifornischen Staatsgesetz, das Nathaniel Grow von Fangraphs ausgegraben hat. In seinem gut recherchierten, lesenswerten Artikel führt der Jurist Grow aus, dass nach Absatz 2855 des California Labor Code kein Arbeitsvertrag länger als sieben Jahre gelten darf und dass dementsprechend ein Arbeitnehmer, der einen Kontrakt mit längerer Gültigkeit unterzeichnet hat, diesen nach sieben Jahren jederzeit einseitig kündigen kann. Nun hat Trout zwar 2014 „nur“ einen Sechsjahresvertrag unterzeichnet und fällt damit nicht eindeutig unter jene Regel. Doch es gibt mindestens ein kalifornisches Gerichtsurteil, nach dem auch die Zeit zu berücksichtigen ist, in der der der Arbeitnehmer schon vor dem aktuellen Vertrag unter Kontrolle des Arbeitgebers stand. Das würde für Trout, wenn man seine Zeit bei den Angels und in deren Farmsystem vor dem aktuellen Vertrag berücksichtigt, zutreffen – und übrigens auch für eine Reihe anderer Spieler wie Madison Bumgarner oder Clayton Kershaw.

Es ist ein interessantes Gedankenspiel, sich einen dieser Stars vorzustellen, wie er sich heute oder morgen zum Free Agent erklärt und seinen Agenten beauftragt, ihm ein neues Team zu suchen. Es wird aber nicht passieren, denn was hätte ein Spieler in dieser Situation zu gewinnen? Einige Millionen zusätzlich zu denen, die er ohnehin schon bekommt und im Leben nicht alle ausgeben kann. Was hätte er zu verlieren? Zum einen natürlich den unweigerlich folgenden, wahrscheinlich jahrelangen Rechtsstreit mit seinem Team und der MLB – und damit mindestens jene erhofften zusätzlichen Millionen. Zum anderen müsste er davon ausgehen, unabhängig vom Prozessausgang in erster Linie nicht als der große Spieler, der er ist, in die Baseballgeschichte eingehen, sondern als der gierige Raffzahn, der eine zum Schutz „einfacher“ Arbeitnehmer gedachte Regel für sich auszunutzen versucht. So etwas macht kein Trout und auch kein Bumgarner oder Kershaw. Wenn diesen Weg tatsächlich mal jemand geht, dann wohl eher ein weniger bekannter Spieler, vielleicht ein Karriere-Minor-Leaguer, für den das Verhältnis zwischen dem, was er zu gewinnen und was er zu verlieren hat, deutlich anders aussieht. Quasi ein Jean-Marc Bosman des Baseballs.

A’s holen sich Rajai Davis zurück
Ein paar wenige „echte“ News gab es in den letzten Tagen auch; die interessanteste davon war, dass Outfielder Rajai Davis zu den Oakland Athletics zurückkehrt. 6 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag sind kein schlechtes Geschäft für den 36-jährigen Veteranen. Durch seine Verpflichtung werden die A’s sicher keine Contender und bis sie es irgendwann mal werden, wird Davis wohl seine Karriere beendet haben. Aber Davis gilt als erstklassiger Integrations- und Führungsspieler und als solcher kann er einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der Prospects leisten, mit denen die A’s ihren Neuaufbau vorantreiben.

Drew Storen unterschreibt bei den Reds
Auch die Cincinnati Reds sind kein Team, das mit großen Hoffnungen in die neue Saison starten dürfte. Mit Drew Storen haben sie sich für ein Jahr und drei Millionen Dollar die Dienste eines ehemaligen Top-Relievers gesichert, der nach einem schlechten Jahr zurück in die Spur zu finden versucht. Storens Zeit in Toronto (6.21 ERA, 5.01 FIP) erwies sich als wahres Fiasko, aber immerhin ging es nach dem Wechsel zu den Seattle Mariners schon deutlich aufwärts (3.44 ERA, 2.76). Das nährt die Hoffnung für die Reds, dass Storen seinen Job nicht verlernt hat und den im letzten Jahr katastrophalen Bullpen des Teams ein bisschen besser macht.

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August 25th, 2016 by Dominik

Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle drei Divisionen –  die AL West, die NL East und die NL Central – für so gut wie entschieden erklärt, letzte Woche kam die AL Central hinzu. Diese Woche bin ich noch nicht so weit, die NL West ebenfalls abzuhaken, aber wenn die San Francisco Giants nicht sehr schnell zurück in die Spur finden, werden sie wohl nicht mehr lange an den Dodgers dranbleiben. Zum Glück gibt es noch die AL East, in der von einer Entscheidung keine Spur zu finden ist, und das Ringen um die Wild-Card-Plätze, an dem noch mindestens zehn Teams beteiligt sind.

American League
Legen wir gleich los mit der tollen American League East. Die Boston Red Sox (71-55) und die Toronto Blue Jays (71-55) sind inzwischen exakt gleichauf und die Baltimore Orioles (70-56) nur ein Spiel dahinter. Die Red Sox könnten in den kommenden Tagen davon profitieren, dass die Orioles und die Blue Jays nächste Woche von Montag bis Mittwoch dreimal gegeneinander antreten müssen, allerdings haben sie selbst es zuvor mit den red hot Kansas City Royals zu tun. Die Orioles-Schedule der nächsten zehn Tage hat es in sich, denn vor und nach der Blue-Jays-Serie treffen sie je dreimal auf die New York Yankees (65-61), die fünf Spiele hinter ihnen (und damit dem zweiten Wild-Card-Platz) auf ihre letzte Chance lauern, doch noch am Playoff-Topf zu schnuppern.

Die AL Central ist an der Spitze sicher zugunsten der Cleveland Indians (72-53) entschieden, aber sowohl die Detroit Tigers (67-59) als auch seit Neuestem und ziemlich überraschend die Kansas City Royals (65-61) kämpfen noch um eine Wild Card. Der Titelverteidiger hat mal wieder gezeigt, wie schnell es im Baseball geht und sich mit einer Siegesserie von neun Spielen zurückgemeldet. Ein Wild-Card-Platz ist mit fünf Spielen Rückstand auf die Orioles nach wie vor ein Long Shot, aber für ein längst abgeschriebenes Team machen die Royals derzeit einen sehr lebendigen Eindruck. Von den Minnesota Twins (49-77) kann man das nicht behaupten, sie haben gerade sechs Spiele am Stück verloren und sind damit das zweitschlechteste Team der Liga vor den Atlanta Braves. Auch unser Lokalmatador Max Kepler ist derzeit etwas abgekühlt, sein letzter Homerun ist drei Wochen her. Mit .278/.366/.443 ist seine August-Slashline aber nach wie vor sehr ordentlich, also wollen wir nicht meckern und weiterhin die Daumen drücken.

Auch in der AL West ist im Hinblick auf den Divisionssieg die Messe gelesen, sechseinhalb Spiele Vorsprung werden sich die Texas Rangers (74-53) nicht mehr nehmen lassen. Die Seattle Mariners (67-59) weisen allerdings, trotz zuletzt zwei Niederlagen gegen die Yankees, mit 22-25 die beste Bilanz eines AL-Teams seit dem All-Star-Break auf und sind mit drei Spielen Rückstand auf einen Wild-Card-Platz auf jeden Fall noch in dessen Reichweite. Auch die Houston Astros (66-61) stehen mit fünf Spielen über .500 noch ordentlich da; für meinen Geschmack sind sie aber zu unbeständig, um noch ernsthaft um die Wild Cards mitzureden.

National League
Die National League East wird die Washington Nationals (73-53) in die Playoffs schicken, aber was passiert dahinter? Die Miami Marlins (66-60) liegen nur eineinhalb Spiele hinter dem von St. Louis besetzten zweiten Wild-Card-Platz, müssen allerdings die Verletzung von Superstar Giancarlo Stanton wegstecken. Vier Siege aus den vergangenen fünf Spielen lassen vermuten, dass sie das können und warum auch nicht, sie waren ja auch während Stantons Slump im ersten Saisondrittel überraschend erfolgreich. Wenig Hoffnung sehe ich für die New York Mets (63-63), wenngleich auch für sie mit viereinhalb Spielen Rückstand die Wild Card prinzipiell noch erreichbar ist. Es liegt meiner Ansicht nach zu viel im Argen bei den Mets, als dass sie diese Saison noch herumdrehen könnten – die Offensive steht und fällt mit einem einzigen Spieler und die Defensive leidet unter dem schwachen Bullen, dem Fehlen eines fünften Starters und Formschwankungen der vorhandenen Asse. Andererseits sieht das Restprogramm recht vorteilhaft aus: Von den restlichen 36 Spielen geht es 22-mal gegen die Phillies, Braves, Reds oder Twins.

Dass die Chicago Cubs (81-45) eine sensationelle Saison spielen, kann man an dieser Stelle nur gebetsmühlenartig wiederholen. Sie waren schon vor dem All-Star-Break sehr gut, seitdem haben sie noch mal eine Schippe drauf gelegt und sind mit großem Abstand das erfolgreichste Team seit der Pause. 28-10 lautet die Bilanz in diesem Zeitraum, die Zweitbesten (Boston und Seattle) haben jeweils sechs Siege weniger eingefahren. In der NL Central ist somit schon lange für niemanden sonst etwas zu holen, aber immerhin sind sowohl die St. Louis Cardinals (67-58) als auch die Pittsburgh Pirates (63-61) noch voll dabei, was die Wild Cards angeht. Die Cardinals würden momentan eine bekommen, die Pirates sind mit dreieinhalb Spielen Rückstand nicht weit entfernt.

Auf dem ersten WC-Platz liegen derzeit noch die San Francisco Giants (68-58), aber man muss sich langsam fragen, wie lange sie diese Position noch halten können. Den ersten Platz in der NL West sind sie jedenfalls schon mal an die Los Angeles Dodgers (71-55) los und mit momentan vier Niederlagen in Folge – davon zwei gegen den direkten Konkurrenten – ist kein Ende des Abwärtstrends in Sicht. Ich bemühe an der Stelle noch mal den Split vor und nach dem All-Star-Break: Die Giants waren vor der Pause mit 57-33 das beste Team der MLB, nach der Pause sind sie mit 11-25 mit Abstand das schlechteste. Woran das liegt? Ich bin offen gestanden relativ ratlos, ein offensichtlicher Grund wie Verletzungen, Unstimmigkeiten oder übermächtige Gegner ist nicht in Sicht.

Spielzug der Woche
Die Entscheidung fällt mir schwer, denn an dem unglaublichen homerun-robbing Catch von Ben Revere kommt man an dieser Stelle kaum vorbei, doch an dem Inside-the-park-walkoff-HR von Tyler Naquin eigentlich genauso wenig. Ich nehme mir die Freiheit, mich nicht zu entscheiden. Schaut euch einfach beide an.

Statistik der Woche 
584. So viele Homeruns hat Albert Pujols seit letzter Nacht auf seinem Karrierekonto und damit hat er Mark McGwire von Platz 10 der Allzeit-Rangliste verdrängt. Er ist nun, wenn man Alex Rodriguez als retired betrachtet, der einzige aktive Spieler in den Top-10 und wenn man sich die Liste anschaut, so man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass ihn so schnell keiner einholen wird.

Spiel der Woche
Das Aufeinandertreffen zwischen den Los Angeles Dodgers und den Cincinnati Reds am Montag war an offensiven Superlativen kaum zu toppen: insgesamt 35 Hits und 27 Runs, darunter sieben Homeruns der Dodgers, welche am Ende deutlich mit 18:9 gewannen. Für Zuschauer und Batter war es ein Fest, für die Pitcher weniger: 13 Stück kamen insgesamt zum Einsatz, inklusive Reds-Centerfielder Tyler Holt, der im letzten Inning auf den Mound musste, um die Reliever zu relieven. Das tat er übrigens sehr gut: Während alle anderen Reds-Pitcher an dem Abend mehrere Runs zuließen, gelang Holt ein perfektes Inning.

Spiel der kommenden Woche
Mein Einschalttipp geht diese Woche definitiv an die AL East und zwar an das Duell der Toronto Blue Jays gegen die Baltimore Orioles. Ich finde nicht, dass eines der Matchups am Montag, Dienstag und Mittwoch gegenüber den anderen besonders herausragt, deshalb empfehle ich die Serie als Ganzes. Vom Pitching her dürften die Blue Jays in allen drei Spielen favorisiert sein, aber die homerunfreudigen Orioles sind sicher alles andere als ein einfacher Gegner.

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August 23rd, 2016 by Dominik

Für die Teams, die sich Hoffnungen auf die Playoffs machen, ist längst die heiße Phase der Saison angebrochen. Aber auch bei denen, die schon aus dem Rennen sind, geht es in mancher Hinsicht noch heiß her – unter anderem unter den Stühlen einiger Manager.

(Nur kurz zur Erklärung für alle, die mit den sprachlichen Gepflogenheiten im Baseball nicht vollständig vertraut sind: Unter dem Manager versteht man in der MLB die Person, die für Strategie und Einstellung des Teams verantwortlich ist; in anderen Sportarten nennt man diese Personen Head Coach oder Cheftrainer.)

Die Atlanta Braves haben sich bereits im Mai von Fredi Gonzalez getrennt. Die Kandidatenliste, wer der nächste gefeuerte Manager sein wird, ist lang und es ist eine beliebte Beschäftigung der Baseball-Schreiberlinge, entsprechende Tipps abzugeben. Da will ich nicht zurück stehen, hier sind meine Top 5:

1. Terry Collins, New York Mets
Es mag verwundern, dass Collins ganz oben auf dieser Liste steht, nachdem er ein jahrelang erfolgloses Team vor wenigen Monaten bis in die World Series geführt hat. Aber die aktuelle Saison der Mets ist eine massive Enttäuschung und auch wenn das sicher nicht allein Collins‘ Verschulden ist, häufen sich doch zunehmend kritikwürdige Handlungen und Entscheidungen des Managers – zum Beispiel eine nicht genutzte Challenge, die ohne Risiko die Möglichkeit geboten hätte, das letzte Out einer Niederlage gegen die Tigers anzufechten; oder die Entscheidungen, angeschlagene Spieler wie Yoenis Cespedes und Steven Matz zu oft oder zu lange aufs Feld zu schicken, bis sie schließlich auf der DL landeten; oder das Überstrapazieren von Closer Jeurys Familia in der zweiten Julihälfte, das in zwei blown Saves endete; von einigen seltsamen Lineups und Pinch-Hit-Entscheidungen in den letzten Wochen mal ganz abgesehen. Ich weiß nicht, was mit Collins los ist und es tut mir leid, weil er ein verdienter Coach und ein sehr sympathischer Mensch ist. Aber er macht momentan keinen guten Job und ich hoffe, das Front Office ist bereit, frühzeitig die Weichen für einen Neubeginn zu stellen, sobald das absehbare Aus im Playoffrennen endgültig besiegelt ist.

2. Chip Hale, Arizona Diamondbacks
Ähnlich wie Collins hatte Hale 2015 eine gute Saison mit seinem Team, konnte 2016 aber die daraus entstandenen hohen Erwartungen nicht erfüllen. Schon seit Wochen gibt es immer wieder Gerüchte um Hales Entlassung – sogar unter konkreter Nennung eines designierten Nachfolgers in Person von Phil Nevin – und das Front Office um General Manager Dave Stewart tritt diesen Gerüchten nur wachsweich entgegen. Welche Verfehlungen man Hale genau vorwirft, liegt nicht so klar auf der Hand wie bei Collins. Weder der schlechte Trade für Shelby Miller noch die Verletzungsmisere sind Hale zuzurechnen, aber Stewart kämpft selbst um seinen Job und wird über kurz oder lang ein Signal setzen wollen, dass man bereit zu radikalen Änderungen ist. Dass Hale dafür geopfert wird, ist alles andere als unwahrscheinlich.

3. Robin Ventura, Chicago White Sox
Die Achterbahnfahrt, die Collins und Hale mit ihren Teams in zwei Jahren erlebt haben, machte White-Sox-Manager Ventura innerhalb von wenigen Monaten durch: Einem 23-10-Start in die laufende Saison, der so Manchen schon von einer World Series als Stadtderby träumen ließ, folgte der Absturz auf inzwischen 59-64. Insgesamt ist es Venturas fünftes Jahr und nachdem also auch 2016 trotz des Traumstarts nicht der erhoffte Turnaround gelungen ist, könnte die Zeit gekommen sein, das Experiment mit dem damals ohne Vorerfahrung eingestellten Manager für gescheitert zu erklären.

4. Bryan Price, Cincinnati Reds
Im Gegensatz zu den drei oben genannten Managern blickt Price nicht auf Aufs und Abs in seiner Zeit mit den Reds zurück, sondern lediglich auf Abs. In den knapp drei Jahren hat er es auf eine Bilanz von 193-255 gebracht und Besserung ist nicht ernsthaft in Sicht. Natürlich hatte er es schwer, weil in Cincinnati nicht das große Geld zu Hause ist und weil viele gute Spieler weggetradet wurden, um kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit gegen die Hoffnung auf langfristigen Erfolg auf Basis einer starken Farm zu tauschen. Aber als die guten Spieler da waren, hat Price auch nicht wirklich etwas daraus gemacht. Er hatte zur gleichen Zeit Todd Frazier, Johnny Cueto, Aroldis Chapman, Jay Bruce und Joey Votto, aber auch in dieser Zeit waren die Reds nicht konkurrenzfähig. Ich kann mir vorstellen, dass man noch ein Jahr an Price als Manager festhält, aber nicht weil man von ihm überzeugt wäre sondern weil man dem Team für 2017 noch nicht den Sprung zum Contender zutraut und einen neuen Manager nicht verheizen möchte. In dem Moment, in dem die Reds sich in der Lage sehen, von der Kultur des Verlierens zur Kultur des Gewinnens zu wechseln, wird dieser angestrebte Wechsel auch durch einen Austausch des Managers manifestiert werden.

5. Mike Scioscia, Los Angeles Angels
Scioscia ist mit großem Abstand der dienstälteste Manager eines MLB-Teams. Nicht nur deswegen wäre es gewagt, seine Ablösung vorherzusagen, sondern auch weil er erst letztes Jahr einen jahrelang schwelenden teaminternen Machtkampf gewann, indem General Manager Jerry Tipoto nach Jahren der Reibung zwischen ihm und Scioscia seinen Hut nahm. Seit Übernahme seines Postens im Jahr 1999 hatte Scioscia viele erfolgreiche Jahre mit den Angels, doch momentan gehören diese zum Bodensatz der Liga – trotz Superstar Mike Trout und trotz einer Payroll im oberen Fünftel der Liga. So ziemlich jeder andere Manager würde in dieser Situation mit dem Rücken zur Wand stehen, aber Scioscia wird wohl auch diese Widrigkeiten überstehen. Denn ihn zu feuern würde die Entscheidung der Teamführung im letzten Jahr, ihm gegenüber Tipoto den Vorzug zu geben, nachträglich in Frage stellen. Diese Blöße wird man sich nicht geben wollen.

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August 11th, 2016 by Dominik

Rund 50 Spieltage sind noch zu absolvieren und für die Hälfte der MLB-Divisionen kann man schon sagen, dass sich die Spreu vom Weizen getrennt hat und die Divisionssieger nahezu sicher erscheinen. In den anderen drei Divisionen geht es noch äußerst spannend zu. Neben den aktuellen Spielergebnissen sind die wichtigsten Neuigkeiten der letzten Tage die angekündigten Karriereenden der drei großen Baseballer Alex Rodriguez (siehe auch „Spiel der kommenden Woche“), Mark Teixeira und Prince Fielder.

American League
Fangen wir gleich mit der spannendsten Division an, der American League East. Die Toronto Blue Jays (65-50) sind zurück an der Spitze, dicht gefolgt von den Baltimore Orioles (63-50) und den Boston Red Sox (61-51). Baltimore hat gerade dreimal gegen die Oakland Athletics verloren und nun ein schweres Programm vor sich mit Serien gegen die Giants, die Red Sox, die Astros und die Nationals. In diesen Spielen wird sich zeigen, ob die Orioles „for real“ sind oder ob Fangraphs damit Recht behält, ihnen trotz einer bisher guten Saison beständig schlechtere Playoffchancen einzuräumen als den beiden Kontrahenten um die Divisionskrone.

Ebenfalls zu den spannenden Divisionen zählt die AL Central. Die Detroit Tigers (61-53) standen am Wochenende kurz davor, die Cleveland Indians (63-48) zu entthronen, doch dann ließen sie sich von den Seattle Mariners sweepen und sind nun wieder 3.5 Siege hinter den Indians. Die Chicago White Sox und die Kansas City Royals (jeweils 54-59) sind inzwischen deutlich abgehängt. Das gilt natürlich auch für die Minnesota Twins (46-67), aber wie immer schauen wir kurz nach Max Kepler: Seit letzter Woche hat er seiner Bilanz keine weiteren Homeruns, aber immerhin sechs Hits und drei Walks hinzugefügt und schlägt im August nun. 343/.442/.686. Das sind Spitzenwerte und mit ihnen hat Kepler es verdientermaßen zum AL Player Of The Week gebracht. Herzlichen Glückwunsch! 

Im Hinblick auf die AL West hatte ich letzte Woche bereits geunkt, dass die Aufholjagd der Houston Astros (58-55) beendet und der Weg zum Divisionssieg für die Texas Rangers (68-47) nun frei wäre. Dieser Eindruck hat sich inzwischen bestätigt: Die Rangers sitzen mit 7 Siegen Vorsprung fest im Sattel und diesen Vorsprung haben sie nicht auf die Astros sondern auf die Seattle Mariners (60-53), welche die Astros inzwischen von Platz zwei verdrängt haben und sich wieder ernsthaft Hoffnung auf einen Wild-Card-Platz machen dürfen. Mit acht Siegen aus den letzten neun Spielen haben die Mariners gerade einen ganz starken Lauf und die Schedule meint es gut mit den ihnen, denn für sie geht es nun siebzehnmal hintereinander gegen Teams, die nicht mehr um die Playoffs spielen.

National League
Die National League East war lange umkämpft, ist inzwischen aber klar in der Hand der Washington Nationals (67-46). 7.5 Siege dahinter stehen die Miami Marlins (60-54) zumindest im Wild-Card-Rennen noch gut da. Für meine New York Mets (57-56) hingegen dürfte die Saison gelaufen sein. Außenseiterchancen auf einen WC-Platz bestehen noch, aber eine ellenlange Verletztenliste sowie immer öfter kritikwürdiges Management von Terry Collins lassen mich nicht daran glauben, dass sich dieses Jahr noch etwas zum Besseren wendet.

Die Chicago Cubs (71-41) haben seit letzter Woche nichts anderes getan als zu gewinnen, neun Siege in Folge haben sie nun eingefahren. Die NL Central haben sie schon vorher nach Belieben dominiert und nun steht auch noch eine Vier-Spiele-Heimserie gegen den „Verfolger“ St. Louis Cardinals (60-54) an. Die größte Herausforderung für die Cubs dürfte darin bestehen, die Konzentration aufrecht zu erhalten, wenn der Divisionssieg frühzeitig feststeht und bis zu den Playoffs keine ernsten Prüfungen mehr warten. Die Cardinals liefern sich unterdessen ein Fernduell mit den Miami Marlins, mit denen sie momentanen Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz der NL exakt gleichauf liegen. 

Der erste WC-Platz dürfte ziemlich sicher in die NL West gehen als Trostpreis für den am Ende Unterlegenen des Kampfes um die Division zwischen den San Francisco Giants (65-49) und den Los Angeles Dodgers (64-50). Das kurze Aufflammen der Colorado Rockies (55-59) ist nach vier Niederlagen in Folge wieder erloschen und die Rockies sind sowohl in der Division als auch in Bezug auf die Wild Cards wieder genauso abgeschrieben wie sie es vor dem All-Star-Break schon gewesen waren.

Spielzug der Woche
An dieser Stelle wähle ich dieses Mal ganz klassisch einen Homerun. Natürlich nicht irgendeinen Homerun, sondern den mit 504 Yards (461 Meter) weitesten Homerun, der seit der Einführung von Statcast gemessen wurde. Giancarlo Stanton gelang die sehenswerte Aktion am Samstag zum zwischenzeitlichen 3:2 seiner Miami Marlins im Coors Field in Colorado. Die Rockies ließen sich von dem Monsterhit nicht beeindrucken, sie gewannen am Ende mit 12:6.

Statistik der Woche 
7. Die offensichtlichste Wahl wäre sicher 3000 gewesen, aber ich habe mich dagegen entschieden. Erstens weil Ichiro schon vor ein paar Wochen angemessen von mir gewürdigt wurde. Zweitens weil mir der Hype um den lange bevorstehenden und jetzt vollzogenen dreitausendsten Hit offen gestanden etwas auf die Nerven gegangen ist, so sehr ich Ichiro mag und achte. Und drittens, weil Brandon Crawford es schlichtweg verdient hat, mit seinen sieben Hits in einem Spiel gesondert erwähnt zu werden. Geschafft hat er das am Montag im 8:7-Sieg der Giants über die Marlins in 14 Innings. Es war das erste 7-Hit-Spiel eines Batters in der MLB seit 1975.

Spiel der Woche
Einen Comeback-Win der besonders sehenswerten Sorte feierten die St. Louis Cardinals am Montag gegen die Cincinnati Reds. Letztere hatten den Sieg wohl gedanklich bereits für sich verbucht, als sie mit einer 4:0-Führung ins letzte Halbinning des Spiels gegangen und in selbigem nur noch ein Out vom erfolgreichen Shutout entfernt waren. Doch es kam anders, die Cards nutzten die letzte Gelegenheit und erzielten noch fünf Runs, um das Spiel zu drehen. Der Held des Tages war Yadier Molina, der das Inning mit einem Single begann und es mit dem Walk-Off-RBI beendete. Für den musste er nicht mehr tun als stehen zu bleiben, denn der Score kam durch ein Hit by Pitch durch Ross Ohlendorf bei geladenen Bases zustande.

Spiel der kommenden Woche
Diese Woche wähle ich ein Spiel, dessen Ergebnis höchstwahrscheinlich unbedeutend sein wird, denn sowohl die Yankees als auch die Rays sind nicht mehr im Rennen um einen Platz in der Postseason. Trotzdem hat die Partie am Freitag einen ganz besonderen Reiz, denn sie wird das Abschiedsspiel von Alex Rodriguez sein. A-Rods (mutmaßliches) Karriereende wurde relativ kurzfristig entschieden, nachdem seine Leistungen dieses Jahr deutlich auf dem absteigenden Ast waren und die Yankees – wie schon zur Trade-Deadline eindeutig signalisiert – den Rest der Saison damit verbringen möchten, Weichen für die Zukunft zu stellen. Mit A-Rod geht ein ganz Großer dieses Sports, der diverse Offensivstatistiken als bester derzeit noch aktiver Spieler anführt.

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Juli 30th, 2016 by Dominik

Die Bundesliga hatte heute ihren letzten Spieltag – einen Nachholspieltag, um genau zu sein, aber wegen des vielen Regens in den letzten Monaten waren so viele Spiele nachzuholen, dass mehr als die Hälfte der Teams noch mal ran müsste. Die letzte playoff-relevante Entscheidung fiel erst im vierzehnten Inning des letzten Spiels, das die Haar Disciples letztlich 6:7 gegen Mainz verloren und dadurch die Teilnahme an der Meisterschaftsrunde verpassten. Nun stehen alle Paarungen das Viertelfinale der Playoffs fest und es geht gleich am nächsten Wochenende los, damit man rechtzeitig vor der Europameisterschaft im September den neuen Deutschen Meister küren kann. Als Favoriten gehen eindeutig Nordmeister Bonn und Südmeister Mainz ins Rennen, die beide ihre jeweilige Liga deutlich dominierten und sich vorzeitig Platz eins sicherten. Aber auch Heidenheim, Regensburg und Solingen sollte man nicht unterschätzen, immerhin haben diese drei alle Deutschen Meisterschaften der letzten acht Jahre unter sich aufgeteilt.

Die Serien dieser Runde werden im Modus Best of Five ausgetragen, man benötigt also drei Siege zum Weiterkommen. In den ersten beiden Spielen hat das besser platzierte Team Heimrecht, in den nächsten beiden die andere Mannschaft. Falls ein fünftes Spiel nötig wird, so hat offiziell wieder das besser platzierte Team Heimrecht, aber gespielt wird trotzdem auf dem Platz des anderen Teams. Klingt komisch, ist aber so.

Mainz Athletics – Untouchables Paderborn
Die Mainzer waren in der regulären Saison nicht zu stoppen – nicht vom amtierenden Meister Heidenheim, nicht von den immer ambitionierten Regensburgern oder sonst jemandem – sie haben jede Saisonserie 3:1 oder 4:0 gewonnen. Verletzte Leistungsträger wie Pitcher Jan-Niclas Stöcklin, Catcher Jonathan Wagner und Shortstop Trey Stover wurden mühelos durch vorhandenes Personal ersetzt und während der Saison kam mit dem belgischen Outfielder Thomas de Wolf noch eine massive Verstärkung hinzu. Obwohl de Wolf nur die zweite Saisonhälfte spielte, führt er mit zehn Homeruns die gesamte Liga an. Der Erfolg der Athletics wird gleichermaßen von der explosiven Offense wie von der dominanten Pitcherriege um Eric Massingham und Tim Stahlmann getragen.

Die Untouchables haben eine durchwachsene Saison hinter sich, in der sie gegen jeden außer Bonn gewonnen, aber auch gegen jeden außer Dortmund verloren haben. Es handelt sich um ein recht ausgeglichenes Team, das in der Nordstaffel die zweitmeisten Runs erzielt und die drittwenigsten Runs zugelassen hat und seinen herausragenden Akteur in Pitcher Matt Kemp hat.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz.

Bonn Capitals – Stuttgart Reds
Genauso dominant wie die Mainzer in der Südliga waren die Bonner im Norden. Auch sie gewannen sämtliche Serien, einzelne Ausrutscher erlaubten sie sich gegen Solingen sowie überraschenderweise gegen Köln und Hannover. Bonn hat die meisten Runs erzielt und die wenigsten kassiert, dank einer ganzen Reihe starker Batter, allen voran Daniel Lamb-Hunt und Wilson Norman Lee, und ebenso starkem Pitching, vor allem von dem nahezu unschlagbar erscheinenden Sascha Koch.

Stuttgart hatte einen guten Start in die Saison mit Splits gegen Regensburg und Mainz sowie einem Doppelsieg gegen Haar, den direkten Konkurrenten um Platz vier. Einem Durchhänger in der Saisonmitte, während dem es sogar eine sensationelle Heimniederlage gegen Tübingen setzte, folgte ein solider Endspurt, der letztlich hauchdünn vor Haar die Playoffteilnahme sicherte. Die Teamleistungen waren sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive sehr wechselhaft, dauerhaft Verlass war nur auf den amerikanischen Outfielder Gary Michael Owens.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Bonn.

Regensburg Legionäre – Hamburg Stealers
Für Regensburg ist eine Saison, die man nicht auf Platz eins abschließt, schon ein kleiner Misserfolg, aber Mainz war dieses Jahr einfach in allen Belangen besser, was sich auch in der direkten Saisonserie zeigte, in der man Mainz dreimal deutlich unterlag und nur einmal knapp gewann. Interne Querelen, die in der Entlassung von Headcoach Ivan Rodriguez gipfelten, taten ein Übriges, dass die Saison nicht so verlief wie erhofft. Aber in den Playoffs werden die Karten neu gemischt und wenn es ein Team gibt, das man in Bezug auf die Deutsche Meisterschaft nie abschreiben darf, dann sind es die Legionäre.

Für Hamburg muss es wie ein böser Traum wirken: Die letzten sechs Playoff-Teilnahmen der Stealers endeten allesamt in der ersten Runde und fünf davon gegen die Legionäre. Das waren immer Duelle Vierter gegen Erster, aber kaum dass Hamburg nun mal auf Platz drei gelandet ist, warten schon wieder die Regensburger auf sie. Die Stealers haben ihre Stärken und vor allem in Louis Cohen einen sehr guten Pitcher, aber auch dieses Mal gehen sie als Außenseiter ins Viertelfinalduell.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Regensburg.

Solingen Alligators – Heidenheim Heideköpfe
Auf dem Papier ist das die interessanteste Paarung der ersten Playoffrunde, immerhin treffen die Deutschen Meister der beiden vergangenen Jahre aufeinander und nach meiner Einschätzung dürfte dieses Duell auch das spannendste werden. Anders als in den vergangenen Jahren lieferte sich Solingen dieses Mal kein enges Rennen mit den Capitals um Platz eins der Nordliga sondern schien relativ früh in der Saison auf den zweiten Platz geeicht und selbst der geriet gegen Ende der Saison leicht ins Wackeln. Dennoch sind die Alligators ein solides Team, das mit gutem Pitching und den Offensivwaffen Daniel Sánchez Reyes und Dominik Wulf jeden schlagen kann.

Den Heideköpfen geht es ähnlich wie den Alligators: Auch sie spielten in den letzten Jahren immer bis zum Schluss um die Meisterschaft in ihrer Liga, waren dieses Mal aber den bärenstarken Mainzern einfach nicht gewachsen und landeten hinter Regensburg auf Rang drei, was auch ihrem Abschneiden in den meisten Offensiv- und Defensivstatistiken entspricht. Mit Wes Roemer haben auch die Heideköpfe einen starken amerikanischen Pitcher, ansonsten liegen ihre Stärken in der Offensive: In der gesamten Südliga gibt es neun Batter mit einer OPS über 1.000, mit Terrell Charles Joyce, James McOwen, Shawn Larry und Simon Gühring kommen vier davon aus Heidenheim.

Mein Tipp: knapper Erfolg für Heidenheim.

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Juli 4th, 2016 by Dominik

Jedes Jahr am 2. Juli ist der International Signing Day der MLB. Das bedeutet, dass ab diesem Tag Spieler von außerhalb USA, Kanada und Puerto Rico von MLB-Teams verpflichtet werden dürfen, sofern sie mindestens 17 Jahre alt sind oder es in Kürze werden. Wie üblich wurde auch dieses Jahr gleich zu Beginn der noch bis 15. Juni 2017 andauernden Periode ein Großteil der interessantesten Talente unter Vertrag genommen. Die Spieler, um die es geht, haben in aller Regel noch einen weiten Weg durch die diversen Minor Leagues vor sich, bis sie es vielleicht irgendwann in die MLB schaffen. Deshalb spare ich mir die Mühe, hier auf eine große Anzahl von Spielern einzugehen, von denen wir vielleicht in fünf Jahren und vielleicht auch nie wieder etwas hören werden.

Erwähnen sollte man auf jeden Fall das Top-Prospect der auf mlb.com gepflegten Liste der besten in dieser Signing-Periode verfügbaren Talente: Der 16-Jährige Shortstop Kevin Maitan hat überschwängliche Scouting Reports erhalten, die ihn mit Größen wie Miguel Cabrera und Chipper Jones vergleichen und ihn zum höchstbewerteten Prospect seit Miguel Sano (2009 von den Twins verpflichtet) küren. Er ist ein Switch-Hitter mit Power, der an der Plate bereits sehr reif für sein Alter wirkt. Auch seine Defense wird gelobt, allerdings sieht die Mehrzahl der Scouts ihn langfristig eher auf 3B als auf SS. Maitan wurde von den Atlanta Braves mit einem Vertrag über 4,25 Millionen Dollar ausgestattet.

In der Liste nur auf Platz sechs, aber finanziell bislang der größte Abräumer ist der 22-jährige SS Alfredo Rodriguez, der von den Cincinnati Reds einen 7-Millionen-Dollar-Vertrag erhalten hat. Dieser Deal stand schon seit einigen Monaten fest, wurde aber in die neue Signing-Periode verschoben. Dafür, dass Rodriguez zwar defensiv als Spitzentalent eingestuft wird, sich offensiv aber noch sehr viel weiterentwickeln muss, erscheint der gezahlte Preis für ihn sehr hoch, vor allem wegen der fälligen Strafe gegen die Reds (dazu später mehr). In seiner letzten Saison in Kuba schlug Rodriguez gerade mal .265/.301/.284 mit nur vier Extra-Basehits und keinem Homerun in 304 Plate Appearances.

Die Braves haben sich nicht nur die Nummer eins der Liste gesichert sondern waren auch darüber hinaus eines der aktivsten Teams zu Beginn der Signing-Periode: Laut mlb.com haben sie bereits 13 internationale Talente unter Vertrag genommen, darunter fünf aus der erwähnten Top-30-Liste. Ebenfalls sehr rührig waren die San Diego Padres, die sechs Top-30-Talente an sich banden. Andere Teams mit mehreren hochkarätigen Vertragsabschlüssen sind die Astros, die Athletics, die Cardinals, die Nationals und die Phillies.

Welche Teams mehr oder weniger aktiv auf dem internationalen Markt sind, hängt übrigens nicht nur von den Vorlieben des Front Offices ab. Zum einen bestimmt das Abschneiden der Teams im Vorjahr darüber, wie hoch das erlaubte Budget für internationale Verträge sein darf. Weil die Phillies 2015 den schlechtesten Record hatten, dürfen sie 2016 etwas mehr ausgeben als die anderen Teams, die Cardinals mit dem besten Record 2015 haben dementsprechend das geringste Budget. Zum anderen können die Teams, um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, mit den zugewiesenen Budgets untereinander Handel treiben und sie zudem in gewissem Rahmen überziehen. Allerdings zieht das Überziehen Strafen nach sich: erstens eine finanzielle Strafe in Höhe von 100% des überzogenen Budgets und zweitens Auflagen für die folgenden Signing-Perioden. Wer sein Budget um 5-10 Prozent überzieht, darf ein Jahr lang keine internationalen Spieler für mehr als 500.000 Dollar verpflichten, bei 10-15 Prozent vermindert sich dies auf 300.000 Dollar pro Spieler und bei über 15 Prozent gilt die gleiche Auflage für zwei Jahre. Erst im Lichte dieser Regeln wird deutlich, wie teuer beispielsweise die Reds für Eduardo Rodriguez bezahlt haben, denn er kostet sie nicht nur die 7 Millionen Dollar für den Vertrag sondern auch die Strafzahlung und vor allem die Handlungsfähigkeit auf dem Markt internationaler Talente für voraussichtlich die nächsten zwei Jahre (durch Trades lässt sich die Strafe eventuell noch drücken).

Hier ein Artikel, in dem die Regeln noch mal übersichtlich erläutert und die Bonuspools der einzelnen Teams für die aktuelle Signing-Periode dargestellt sind. 2016 gilt für die Cubs, die Dodgers, die Giants, die Royals, die Angels, die Diamondbacks, die Rays, die Yankees und die Blue Jays, dass sie keine Spieler aus dem internationalen Talentepool für mehr als 300.000 Dollar verpflichten dürfen. Noch härter trifft es die Red Sox: Weil Boston letztes Jahr versucht hat, die Regeln zu umgehen, wurde ihnen für dieses Jahr die Verpflichtung internationaler Prospects komplett verboten und fünf Verträge aus dem letzten Jahr wurden aufgelöst (wobei die betreffenden Spieler die erhaltenen Bonuszahlungen behalten dürfen, damit sie nicht die Leidtragenden der Schummelei des Vereins sind).

Die internationale Signing-Periode hat erst begonnen und einige interessante Deals werden in den nächsten Tagen noch folgen. Es lohnt sich daher, den Tracker von Baseball America zu verfolgen. Zu beachten ist dabei, dass Baseball America eine eigene Prospect-Liste führt, die sich von der auf mlb.com unterscheidet.

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