April 25th, 2017 by Dominik

Derzeit wird heiß diskutiert, bei welchem Team das frisch als Free Agent freigegebene kubanische Talent Luis Robert landen wird. Da will ich natürlich nicht zurückstehen und meinen Senf sowohl zu Robert als auch zu ein paar weiteren Kandidaten des internationalen Marktes loswerden, die wir in absehbarer Zeit in der MLB erleben könnten.

Zunächst ein paar Erläuterungen, wie internationale Verpflichtungen in der MLB ablaufen: Im Gegensatz zur Auswahl der US-amerikanischen Talente gibt es für internationale Spieler keine Draft. Um trotzdem eine faire Verteilung zu gewährleisten, ist die Summe, die jeder Club für internationale Signings ausgeben darf, begrenzt. Bislang ist es so, dass bei Überziehung dieses sogenannten „Bonus Pools“ der jeweilige Verein für zwei Jahre keine internationalen Verpflichtungen für über 300.000 Dollar mehr tätigen darf. Aufgrund dieser Regel dürfen die Athletics, die Astros, die Padres, die Cardinals, die Braves, die Nationals und die Reds, die ihren Pool in der aktuellen Periode 2016/17 bereits überzogen haben, in der am 2. Juli beginnenden Periode 2017/18 keine nennenswerten Signings mehr vornehmen. Dasselbe gilt für die Cubs, die Dodgers, die Royals und die Giants, welche sich dann im zweiten Jahr ihrer schon jetzt andauernden Strafe befinden.

Ab der kommenden Signing-Periode wird das System etwas vereinfacht: Ab dann gelten harte Obergrenzen, das heißt ein Überziehen des Pools ist nicht mehr möglich und dementsprechend braucht man auch keine Strafen mehr. Die Höhe des Pools beträgt 4,75 bis 5,75 Millionen Dollar je Team, wobei die durch einen kleineren Markt benachteiligten Teams die etwas höheren Summen ausgeben dürfen. Die erlaubten Summen können zwischen den Teams in Form von Trades verschoben werden. Spieler ab 25, die sechs oder mehr Jahre in einer professionellen Liga (z. B. in Kuba, Japan oder Südkorea) gespielt haben, sind von der Pool-Regel ausgenommen.

Um von einer MLB-Franchise verpflichtet werden zu können, muss ein Spieler zunächst beantragen, von der Liga als internationaler Free Agent anerkannt zu werden. Im Fall des kubanischen Outfielders Luis Robert ist das vor ein paar Tagen passiert und nun stehen die Teams Schlange, um ihn vorspielen zu sehen. Der 19-Jährige, der im November seine Heimat verlassen hat, gilt als herausragender Power Hitter und wird von den Scouts im Rang eines Erstrundendraftpicks eingestuft. Die Astros, Padres, Reds, Cardinals und vor allem die White Sox werden als Favoriten auf seine Verpflichtung gehandelt. Die White Sox haben eine lange und positive Geschichte mit kubanischen Spielern, welche mir Minnie Minoso begann und mit Jose Contreras, Alexei Ramirez, Jose Abreu und ihrem aktuellen Top-Talent Yoan Moncada fortgesetzt wurde. Robert würde wohl gut in diese Reihe passen und in Chicago hätte er angesichts der derzeitigen Rebuilding-Situation auch die Zeit, die er braucht, um sich in den Minor Leagues zu entwickeln.

Die meisten internationalen Verpflichtungen stammen wie Robert aus Mittel- oder Südamerika. Die neben ihm momenten interessantesten internationalen Prospects sind aber allesamt Japaner. Allen voran gilt Shohei Otani als absoluter Ausnahmespieler und das sowohl als Pitcher wie auch als Batter. Der Hype um Otani geht so weit, dass er regelmäßig mit der Legende Babe Ruth verglichen wird. Der 22-Jährige pitcht mit rechts und schlägt mit links und brachte es in Japan 2016 auf einen ERA von 1.86 in 140 Innings auf dem Mound sowie auf eine Slashline von .322/.416/.588 mit 22 Homeruns als Batter. Die große Frage ist, wann Otani den Schritt in die MLB unternimmt. Viele gehen davon aus, dass es nach der laufenden Saison soweit ist. Allerdings würde das bedeuten, dass er finanziell in den ersten Jahren verhältnismäßig kleine Brötchen backen würde, denn unter der neuen Regelung könnte ihm ein MLB-Team selbst mit größter Anstrengung nicht mehr als rund 10 Millionen Dollar für seine Unterschrift bieten. Daher könnte er sich auch entscheiden, noch die drei Jahre zu warten, bis er nicht mehr unter die Bonus-Pool-Regel fällt.

Pitcher Shintaro Fujinami, 2B Testuto Yamata und 3B/OF Yoshitomo Tsutsugo sind ein paar weitere japanische Namen, an die wir uns innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre möglicherweise in der MLB gewöhnen dürfen.

Internationale Verpflichtungen aus Europa kommen in der MLB natürlich ebenfalls vor, haben aber Seltenheitswert. Nach dem Italiener Alex Liddi und den beiden Deutschen Donald Lutz und Max Kepler hat es ganz aktuell gestern Abend zum vierten Mal im modernen Baseball ein Europäer in die Major League geschafft – sofern man einen Europäer definiert als Spieler, der hier geboren und als Spieler entwickelt wurde, also nicht in früher Jugend ins amerikanische Schul- und Collegesystem gewechselt ist. Der litauische Pitcher Dovydas Neverauskas wurde gestern in den Kader der Pittsburgh Pirates befördert und kam gegen die Chicago Cubs zu seinem ersten Einsatz als Reliever. Er pitchte zwei Innings, in denen der zwei Hits und einen Run erlaubte und einen Strikeout ablieferte.

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März 2nd, 2017 by Dominik

Eine knappe Woche Spring Training liegt hinter uns und bisher haben wir einen klaren Gewinner und einen klaren Verlierer. Die Los Angeles Angels of Anaheim haben fünf von fünf Spielen als Sieger beendet, die Cincinnati Reds hingegen kassierten in sechs Versuchen sechs Niederlagen. Dass die Reds auch in der regulären Saison eher wenige Erfolge feiern werden, ist wohl zu erwarten; dass die Angels ab April weiterhin groß auftrumpfen, ist hingegen nicht allzu wahrscheinlich. Die gute Nachricht für die Reds (und gleichzeitig die schlechte Nachricht für die Angels) ist jedenfalls, dass die Ergebnisse des Spring Trainings erfahrungsgemäß nur einen sehr schwachen Zusammenhang mit den Ergebnissen der kommenden Saison aufweisen. Also genießt es fürs Erste einfach, Baseball unter der Sonne Arizonas und Floridas sehen zu können, drückt euren Lieblingsspielern die Daumen, wenn sie noch um einen Stammplatz kämpfen, aber macht euch über die Resultate eures Teams nicht allzu viele Gedanken.
Während die Baseballwelt gierig die ersten Vorbereitungsspiele komsumierte, passierte jenseits der Ballparks nicht allzu viel Erwähnenswertes: Diese Woche gab es keine Regeländerungen, keine Skandale, kaum relevante Free-Agent-Signings – aber immerhin einen Trade der Mariners wie gefühlt in jeder Woche dieser Offseason.

Kubanische Talente suchen ihre Chance 
Aus Kuba flüchten nach wie vor regelmäßig Baseballer, die auf ein Engagement in der MLB hoffen. Zwei davon haben diese Woche Verträge bekommen: Der 24-jährige Outfielder Jose Adolis Garcia, ein Bruder von Braves-3B Adonis Garcia, unterzeichnete bei den St. Louis Cardinals und der 28-jährige Infielder Luis Valdes bei den Detroit Tigers. Beide gelten als talentiert genug, um es in einer Rolle als Reserve- oder Ergänzungsspieler in die MLB zu schaffen. Deutlich mehr wird dem 19-jährigen Outfielder Luis Robert zugetraut, den die Scouts allgemein als vielversprechendstes internationales Talent neben dem Japaner Shohei Ohtani einstufen. Robert wird voraussichtlich Ende März ein Vorführtraining für die MLB-Clubs absolvieren; bis alle Formalitäten seitens der Liga und der Einreisebehörden geklärt sind, wird es wahrscheinlich Juni oder Juli werden. Die Athletics, Astros, Braves, Cardinals, Nationals, Padres und Reds hoffen stark, dass die Freigabe vor dem 15. Juni erfolgt. An diesem Tag endet die aktuelle Signing-Periode und in der neuen Periode ab 2. Juli dürfen sie – ebenso wie schon jetzt die Cubs, Dodgers und Royals – nicht mitbieten, weil sie ihre Limits für die Verpflichtung internationaler Free Agents überzogen haben.

Joe Blanton zu den Nationals 
Die Washington Nationals haben sich in Person von Joe Blanton noch eine Ergänzung ihres Bullpens gesichert. Der 36-jährige Free Agent bekommt einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar plus bis zu einer weiteren Million in Abhängigkeit von den absolvierten Innings. Interessant sind die durchgesickerten Zahlungsdetails: Die Nationals planen demnach, von dem Gehalt für 2017 eine Million erst 2018 und zwei Millionen sogar erst 2019 zu bezahlen. Der Hintergrund dieses Konstrukts ist unklar – falls die Nationals finanziell so klamm sein sollten, dass sie das Gehalt anders nicht zahlen können, dürften sie für weitere Verpflichtungen (im Gespräch sind Outfielder Angel Pagan sowie ein Trade für Closer David Robertson) wohl aus dem Rennen sein.

Dodgers und Mariners traden Prospects 
Die Seattle Mariners um General Manager Jerry Dipoto untermauern ein weiteres Mal, dass sie derzeit das verhandlungsfreudigste Team der Liga sind. Dieses Mal wurden „nur“ Prospects getauscht und zwar senden die Mariners Shortstop Drew Jackson und Pitcher Aneurys Zabala zu den Los Angeles Dodgers und erhalten dafür Pitcher Chase De Jong. Keiner der drei ist den gängigen Rankings zufolge ein Top-Prospect mit unmittelbaren Aussichten auf eine MLB-Karriere. Aber die Mariners scheinen in De Jong – laut mlb.com Prospect #16 der Dodgers – etwas zu sehen, das ihnen sehr gefällt, denn laut Dipoto versuchten sie schon seit Juli letzten Jahres, ihn von den Dodgers loszueisen und nach Seattle zu holen.

Sorge um David Price
Ganz frisch eingetrudelt ist die Meldung, dass David Price, Starpitcher der Boston Red Sox, seinen ersten Spring-Training-Einsatz wegen Ellenbogenproblemen absagen muss. Nach einem ersten MRT möchte er eine zweite Meinung bei Dr. Andrews einholen. Dieser Name ist in der MLB so beliebt wie gefürchtet, denn Andrews gilt als Experte für die Tommy-John-Surgery – die OP, die Pitcherkarrieren rettet, aber in der Regel auch ein Jahr Pause bedeutet. Ich hoffe, Price hat Glück und seine Verletzung stellt sich als nicht so schlimm heraus wie man nach diesen ersten Meldungen befürchten muss.

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