Februar 16th, 2017 by Dominik

Wie gewohnt fasst der Grand Slam am Donnerstag die Geschehnisse der vergangenen sieben Tage rund um die MLB zusammen. Inzwischen sind alle Teams ins Training für die neue Saison eingestiegen. Dementsprechend werden die Free-Agent-Signings weniger und die Verletzungsmeldungen mehr. Die meisten Schlagzeilen produzierten diese Woche die Miami Marlins und damit meine ich gar nicht so sehr die sensationelle Meldung, dass Marlins-Spieler wieder Bärte tragen dürfen sondern die Gerüchte um einen möglichen Verkauf der Franchise:

Loria, die Marlins und der Trump-Clan
Eine knappe Stunde nach Veröffentlichung des Grand Slams am letzten Donnerstag begann die Nachricht die Runde zu machen, die Miami Marlins stünden für 1,6 Milliarden Dollar zum Verkauf und Owner Jeffrey Loria habe bereits eine mündliche Vereinbarung mit einem potenziellen Käufer getroffen. Der Zeitpunkt ärgerte mich ein bisschen, denn natürlich hätte ich diese Neuigkeit gern noch berücksichtigt; andererseits erschienen mir die Gerüchte noch zu vage als dass ich ihnen einen eigenen Artikel hätte widmen wollen. Tatsächlich sieht es inzwischen so aus, als sollte aus dem Geschäft derzeit nichts werden: Zunächst sickerte durch, dass es sich bei dem geheimnisvollen Bieter um die Kushner Group handelte – ein Immobilienunternehmen in Händen der Familie von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und engen Berater von US-Präsident Donald Trump. Dann wurde gestern bekannt, dass der aktuelle Teambesitzer Loria von Trump zum US-Botschafter in Frankreich berufen werden soll. Die Kushner Group ließ daraufhin verlauten, dass sie unter diesen Umständen vorerst auf den Kauf verzichtet, um nicht den Eindruck eines Zusammenhanges entstehen zu lassen. Im Endeffekt war der angebliche Verkauf der Marlins also viel Lärm um nichts, aber man hat mal wieder ein bisschen was über die Zusammenhänge im amerikanischen Sport-, Politik- und Wirtschaftsbetrieb gelernt….

Test einer neuen Extra-Innings-Regel
Über die voraussichtlich anstehenden Regeländerungen in Bezug auf das untere Ende der Strikezone und die vereinfachte Durchführung von Intentional Walks wurde hier schon ein paar Mal berichtet. Neu ist ein weiterer Vorschlag zur angestrebten Beschleunigung des Spiels: Ab dem zehnten Inning soll jedes Team sein Halbinning mit einem Runner auf der zweiten Base beginnen. Diese Regel soll bereits in diesem Jahr in einem Teil der Minor Leagues getestet werden und hat das Ziel, in den Extra-Innings mehr Scores und gleichzeitig ein schnelleres Spielende hervorzubringen. Ein ähnliches Verfahren wurde auch schon bei der Baseball-EM 2016 in den Niederlanden angewendet – dort begann man jedes Extra-Inning mit Runnern auf der ersten und zweiten Base.
Ich bin wirklich alles andere als ein konservativer, Änderungen gegenüber verschlossener Mensch. Aber ich hoffe ganz stark, dass dieser Vorschlag sich nicht durchsetzt, denn er würde in meinen Augen das Spiel unattraktiver machen. Die logische Konsequenz, wenn ein Inning mit einem Runner auf der zweiten Base und null Outs beginnt, ist Small Ball: Sacrifice Flys, Sacrifice Bunts, schwache Grounder und im schlimmsten Fall Walkoff-Passed-Balls. Großartiges Pitching und großartiges Batting sind in diesem veränderten Modus nicht gefragt, zum Helden taugt allenfalls ein Pinch Runner. Sorry, liebe MLB-Verantwortliche, aber für mich ist das die absurdeste Regelidee, von der ich seit Langem gehört habe.

Chase Utley bleibt bei den Dodgers
Wo ich schon gerade dabei bin, mit meiner unmaßgeblichen Meinung hausieren zu gehen: Chase Utley hätte spätestens nach seiner unrühmlichen Blutgrätsche gegen Ruben Tejada vor eineinhalb Jahren in Rente gehen sollen. Aber natürlich interessiert es die Dodgers nicht die Bohne, dass mir immer noch jedes Mal, wenn ich Utley an die Platte treten sehe, der Hals schwillt. Dass der 38-Jährige auch leistungsmäßig seinen Zenit längst überschritten hat, sollte sie schon eher interessieren, aber auch das hielt sie nicht davon ab, ihm einen neuen Einjahresvertrag über 2 Millionen Dollar anzubieten. Was soll’s, ohne Feindbilder macht Sport ja auch nur halb so viel Spaß. 😉

Travis Wood zu den Royals
Weit weniger Emotionen hat die zweite nennenswerte Free-Agent-Verpflichtung der vergangenen Tage bei mir ausgelöst: Lefty Travis Wood geht für zwei Jahre und zwölf Millionen Dollar zu den Kansas City Royals. Nach Jason Hammel ist Wood innerhalb weniger Tage der zweite Pitcher vom World-Series-Sieger Chicago Cubs, dessen Dienste die Royals sich gesichert haben. Beide waren in Chicago eher am unteren Ende der Rotation angesiedelt, Wood zuletzt sogar im Bullpen, aber bei den Royals haben beide gute Aussichten auf einen Posten als Starter.

Braves traden für Brandon Philipps
Die Atlanta Braves arbeiten weiter daran, zur Eröffnung ihres neuen Stadions ein schlagkräftiges Team zu präsentieren. Um den Ausfall von Sean Rodriguez (siehe unten) zu kompensieren, wurde in einem Trade mit den Cincinnati Reds 2B Brandon Phillips an Land gezogen. Für die Braves war es ein extrem günstiges Geschäft, denn sie mussten nur die eher vernachlässigbaren Pitching-Prospects Andrew McKirahan und Carlos Portuondo abgeben und die Reds übernehmen sogar noch 13 von den 14 Millionen Dollar, die Phillips dieses Jahr an Gehalt zustehen. Die Reds wollten den 35-jährigen Veteranen offenbar verzweifelt loswerden, obwohl dieser mit einer Slashline von .291/.320/.416 eine sehr ordentliche Saison hinter sich hat und bei den Fans sehr beliebt war. Da Cincinnatis Team dieses Jahr definitiv nicht konkurrenzfähig sein wird, mit Jose Peraza und Dilson Herrera aber zwei große Infield-Talente darauf warten, ihr Können unter Beweis zu stellen, war man froh, für das letzte Vertragsjahr von Phillips überhaupt noch einen Gegenwert zu erhalten.

Verletzungsopfer der ersten Trainingswoche
Leider hat die erste Trainingswoche bereits einige nennenswerte Verletzungen hervorgebracht. An erster Stelle ist hier sicher Alex Reyes zu nennen, der als die große Pitcher-Hoffnung der St. Louis Cardinals galt. Letztes Jahr hatte er in der zweiten Saisonhälfte seine ersten zwölf MLB-Auftritte, darunter fünf Starts, und produzierte einen beachtlichen ERA von 1.57. Dieses Jahr hätte sein endgültiger Durchbruch anstehen können, doch stattdessen wird er sich nun der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery am Ellbogen unterziehen müssen. Die Saison ist damit für ihn vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hatte.

Ähnlich schlimm hat es Infield/Outfield-Allrounder Sean Rodriguez erwischt, der gerade erst von den Pittsburgh Pirates zu den Atlanta Braves gewechselt war. Er verletzte sich bei einem Autounfall an der Schulter und wird nach der notwendigen Operation wohl ebenfalls für die gesamte Saison ausfallen.

Nicht die schlimmste, aber die auf skurrilste Art zugezogene Verletzung erlitt Royals-Reliever Brian Flynn: Der frisch Vermählte wollte kurz vor Abreise zum Spring Training noch schnell das Dach der Scheune abdichten, die zum neu erworbenen Häuschen am See gehört. Leider brach er dabei durch das Dach und landete nach knapp vier Metern freiem Fall bewusstlos auf Beton. Zum Glück stellte sich heraus, dass er mit einer gebrochenen Rippe und drei angeknacksten Wirbeln davon gekommen ist und wahrscheinlich nach rund zwei Monaten wieder spielen kann.

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Januar 19th, 2017 by Dominik

Jeff Bagwell, Tim Raines und Ivan Rodriguez ziehen am 30. Juli in die National Baseball Hall of Fame ein. Das ist die Neuigkeit der Woche und damit auch das erste Thema im Grand Slam am Donnerstag. Außerdem haben in den letzten Tagen ein paar weitere Free Agents eine neue – oder ihre alte – Bleibe gefunden, allen voran Mr. Batflip Jose Bautista.

Die Hall-of-Fame-Klasse 2017
Mit meiner Vorhersage lag ich nicht allzu weit daneben: Die fünf Spieler, deren Aufnahme in die Hall of Fame ich prognostiziert hatte, belegten bei den Wahlergebnissen tatsächlich die ersten fünf Plätze, allerdings scheiterten Trevor Hoffman (74,0%) und Vladimir Guerrero (71,7%) knapp an der 75%-Hürde, während Jeff Bagwell (86,2%), Tim Raines (86,0%) und Ivan „Pudge“ Rodriguez (76,0%) diese nahmen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Hoffman und Guerrero es bei der Wahl im nächsten Jahr schaffen – es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass man mit einem Ergebnis von über 70% im Folgejahr gewählt wird.

Hinter den fünf Genannten klafft ein großes Loch, nächster in der Reihe ist Edgar Martinez mit 58,6%. Die beiden wegen ihrer Dopinggeschichte umstrittenen Stars Roger Clemens (54,1%) und Barry Bonds (53,8%) erhielten weniger Stimmen als allgemein erwartet wurde und sehen ihre Chancen, es irgendwann in das Ehrenmuseum zu schaffen, langsam aber sicher schwinden. Auch Manny Ramirez, der mit Außenseiterchancen in sein erstes Jahr als wählbarer Kandidat gegangen war, wird sich nach seinen 23,8% keine großen Hoffnungen mehr machen, auch wenn er noch neun Chancen haben wird. Keine Chance mehr hat hingegen Jorge Posada (3,8%). Da er im ersten Anlauf unter 5% blieb, ist er bei der nächsten Wahl nicht mehr dabei – ein Schicksal, das er mit 15 anderen Ex-Spielern teilt.

Bautista bleibt bei den Blue Jays
Es hat sehr lange gedauert, aber am Ende stand dann doch das erwartete Ergebnis: Jose Bautista bleibt das Gesicht der Franchise Toronto Blue Jays. Der erhoffte längerfristige Vertrag war für den 36-Jährigen nicht drin, aber 18 Millionen Dollar für ein Jahr plus zwei für beide Seiten optionale Jahre klingen nach einem fairen Deal.

Tyson Ross geht zu den Rangers
Eines der großen Schnäppchen dieser Offseason könnten die Texas Rangers gemacht haben. Der rechtshändige Pitcher Tyson Ross wurde, nachdem die Padres entschieden hatten, ihn ziehen zu lassen, von angeblich über 20 Clubs umworben. Ross hatte drei starke Jahre in San Diego mit einem ERA von 3.16, verpasste allerdings die letzte Saison nahezu vollständig wegen einer Verletzung am Wurfarm. Ross wurde (genau wie z. B. Matt Harvey) wegen eines „Thoracic Outlet Syndrome“ operiert und es bleibt abzuwarten, ob er danach wieder der Alte ist. Wenn er es ist, sind die 6 Millionen Dollar für seinen Jahresvertrag sehr gut angelegtes Geld. Mit Andrew Cashner, Yu Darvish, Cole Hamels, Martin Perez, A.J. Griffin und Ross haben die Rangers nun eine Rotation, die auch ein, zwei Verletzte wegstecken kann.

Die Phillies holen Saunders
Auch die Philadelphia Phillies haben noch eine Verstärkung an Land gezogen. Michael Saunders, zuletzt bei den Blue Jays unter Vertrag, bekommt zunächst für ein Jahr 9 Millionen Dollar und der Club hat noch die Option auf ein zweites Jahr für 11 Millionen. Saunders ist der lange gesuchte linkshändige Veteran, der wohl im Right Field auflaufen wird und damit Prospect Roman Quinn Zeit verschafft, etwas mehr AAA-Erfahrung zu sammeln. Jetzt müssen die Phillies nur hoffen, dass sie den Saunders aus der ersten Saisonhälfte 2016 erleben (.298/.372/.551, 16 HRs) und nicht den aus der zweiten (.178/.282/.357, 8 HRs).

Vertragsverlängerungen für Myers, Arenado und Duffy
Zu guter Letzt seien noch ein paar interessante Vertragsverlängerungen erwähnt: All-Star-3B Nolan Arenado bleibt für 29,5 Millionen Dollar die nächsten zwei Jahre bei den Colorado Rockies und umgeht mit diesem Deal das Schiedsverfahren (Arbitration), das sonst angestanden hätte.

Gleiches gilt für OF/1B Wil Myers, dessen Dienste sich die San Diego Padres für sechs Jahre und 83 Millionen Dollar gesichert haben. In meinen Augen ist es aus Clubsicht etwas riskant, sich so langfristig und für so viel Geld an einen Spieler zu binden, der in seiner bisherigen Karriere solide, aber nicht überragende Zahlen (.257/.331/.429) geliefert und sich nicht ganz unanfällig für Verletzungen gezeigt hat.

Auch Starting Pitcher Danny Duffy und die Kansas City Royals haben die Arbitration vermieden und sich stattdessen auch einen Fünfjahresvertrag über 65 Millionen Dollar geeinigt. Linkshänder Duffy kommt ebenfalls nicht ohne Fragezeichen aus, denn Konstanz war bislang nicht seine Stärke. 2016 fand er sich zunächst in den Bullpen versetzt, schwang sich dann aber mit 179.2 gepitchten Innings und einem ERA von 3.51 zum besten Starter der Royals auf. Klar, dass sie ihn halten wollten, aber ob es fünf Jahre sein mussten, lasse ich mal dahingestellt.

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Januar 14th, 2017 by Dominik

Am kommenden Mittwoch, dem 18. Januar, wird die Baseball Writers Association of America (BBWA) bekannt geben, welche ehemaligen Spieler dieses Jahr in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen werden.

Wahlberechtigt sind die Mitglieder der BBWA, sofern sie dieser seit mindestens zehn Jahren angehören und in dieser Zeit durchgehend an der Berichterstattung über die MLB beteiligt gewesen sind. Jeder Wähler darf für bis zu zehn Spieler stimmen. Gewählt werden können Spieler, die zehn oder mehr Jahre in der MLB aktiv waren und seit mindestens fünf Jahren ihre Karriere beendet haben. Wer in einem Jahr auf 75% oder mehr der Stimmzettel landet, wird in die Hall of Fame aufgenommen. Wer in einem Jahr weniger als 5% der Stimmen erhält oder in zehn Versuchen nie die 75% erreicht, scheidet aus; alle anderen haben im nächsten Jahr erneut die Chance, gewählt zu werden.

Nach diesem Verfahren sind üblicherweise 25 bis 40 Spieler wählbar. In diesem Jahr sind es 34, die man hier aufgelistet findet. 19 davon sind zum ersten Mal im Pool, 14 zum zweiten bis zehnten Mal und einer – Lee Smith – sogar zum fünfzehnten Mal. Smith ist der letzte Spieler, der noch unter die alte Regel fällt, nach der man fünfzehn statt zehn Versuche hatte, die nötigen Stimmen zu bekommen.

Wer schafft es auf Anhieb? 
Anders als im letzten Jahr, als Ken Griffey Jr. mit dem Rekordergebnis von 99,32% beim ersten Versuch in die Hall gewählt wurde, gibt es dieses Mal keinen Spieler auf der Liste, dessen Wahl als sicher gilt. Berechtigte Hoffnungen dürfen sich Manny Ramirez, Vladimir Guerrero, Ivan Rodriguez und Jorge Posada machen.

Ramirez war einer der großen Hitter seiner Zeit (.312/.411/.585), ließ sich allerdings zweimal mit leistungssteigernden Drogen erwischen, was seine Chancen auf einen sofortigen Einzug in die Hall deutlich schmälern dürfte. Auch gegen „Pudge“ Rodriguez gab es Dopingvorwürfe, allerdings keinerlei Beweise und aus unbestätigten Gerüchten sollte man einem der offensiv wie defensiv besten Catcher aller Zeiten (mit unter anderem den meisten Spielen, den meisten Hits und den meisten Extra-Base-Hits sowie 13 Gold Gloves als Catcher) keinen Strick drehen. Er ist meinen Augen der aussichtsreichste Kandidat, im ersten Jahr gewählt zu werden. Guerrero könnte es ebenfalls schaffen. Er war ein großartiger Hitter, bekannt für seine Fähigkeit, auch nach schlechten Pitches zu schlagen und Basehits daraus zu produzieren. Als Fielder beging er einerseits viele Errors, hatte aber andererseits einen sehr starken rechten Arm. Ich bin sicher, Guerrero wird in die Hall of Fame kommen, vielleicht im ersten, spätestens aber im zweiten Jahr. Posada schließlich hat in 17 Jahren mit den Yankees vier World Series gewonnen und es mit einer Karriere-Slashline von .273/.374/.474 auf gute Zahlen gebracht; für so überragend, dass er zwangsläufig in die Hall of Fame gewählt wird, halte ich ihn aber nicht.

Wer kommt noch rein?
Hinter der aus Griffey Jr. und Mike Piazza bestehenden Hall-of-Fame-Klasse von 2016 verpassten Jeff Bagwell (71,6%), Tim Raines (69,8%) und Trevor Hoffman (67,3%) letztes Jahr nur knapp die Aufnahmeschwelle. Alle drei können guter Hoffnung sein, dass es dieses Mal klappt – in aller Regel wird man mit solchen Zustimmungswerten im Folgejahr gewählt.

Hinter den drei Genannten landete 2016 mit Curt Schilling (52,3%), Roger Clemens (45,2%) und Barry Bonds (44,3%) ein Trio großer Namen, deren Chancen auf eine der begehrten Plaketten in Cooperstown nur mittelmäßig sind. Vor allem Clemens und Bonds spalten die Gemüter – beide gehören unzweifelhaft zu den besten MLB-Spielern aller Zeiten, beide sind aber auch bekannte Dopingsünder. In welchem Ausmaß sind die Karriereleistungen der Beiden auf verbotene Substanzen zurückzuführen? Und welche Rolle soll bei der Wahl die charakterliche Einwandfreiheit der Kandidaten spielen? Vor diesen Fragen stehen die BBWA-Mitglieder in Bezug auf Bonds und Clemens nun zum fünften Mal. Der Ausgang ist offen, wenngleich sich die Anzeichen mehren, dass der Widerstand gegen ihre Aufnahme bröckelt und sie dieses Mal wohl zumindest näher an die 75% herankommen als in den Jahren davor. Wenn es nach mir ginge: Ich würde sie in die Hall of Fame aufnehmen, das Dopingthema aber nicht verschämt unter den Tisch kehren, sondern durch entsprechende Darstellung im Museum eine offensive Auseinandersetzung damit befördern.

Um eine konkrete Prognose zu wagen: Ich tippe, dass die diesjährige Hall-of-Fame-Klasse aus Rodriguez, Guerrero, Bagwell, Raines und Hoffman bestehen wird. Bonds und Clemens bleiben dieses Mal noch draußen, sind aber nächstes Jahr dabei.

Neben dem „normalen“ Verfahren der Wahl durch die BBWA gibt es übrigens noch einen zweiten Weg in die Hall of Fame des Baseballs: Die sogenannten Eras Committees (früher bekannt als Veterans Committee) sind vier vom Direktorat der Hall of Fame eingesetzte Expertengruppen, die sich auf verschiedene historische Zeiträume des Baseballsports spezialisiert haben. Die Era Committees tagen im jährlichen Wechsel und entscheiden gemeinsam (ebenfalls mit Dreiviertelmehrheiten) über die Aufnahme von Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären sowie von durch die BBWA nicht mehr wählbaren Spielern in die Hall of Fame. Für die Aufnahme in diesem Jahr haben die Committees bereits während der Winter Meetings im Dezember die beiden Funktionäre John Schuerholz (Präsident der Atlanta Braves) und Bud Selig (ehemaliger Commissioner der MLB) gewählt.

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August 11th, 2016 by Dominik

Rund 50 Spieltage sind noch zu absolvieren und für die Hälfte der MLB-Divisionen kann man schon sagen, dass sich die Spreu vom Weizen getrennt hat und die Divisionssieger nahezu sicher erscheinen. In den anderen drei Divisionen geht es noch äußerst spannend zu. Neben den aktuellen Spielergebnissen sind die wichtigsten Neuigkeiten der letzten Tage die angekündigten Karriereenden der drei großen Baseballer Alex Rodriguez (siehe auch „Spiel der kommenden Woche“), Mark Teixeira und Prince Fielder.

American League
Fangen wir gleich mit der spannendsten Division an, der American League East. Die Toronto Blue Jays (65-50) sind zurück an der Spitze, dicht gefolgt von den Baltimore Orioles (63-50) und den Boston Red Sox (61-51). Baltimore hat gerade dreimal gegen die Oakland Athletics verloren und nun ein schweres Programm vor sich mit Serien gegen die Giants, die Red Sox, die Astros und die Nationals. In diesen Spielen wird sich zeigen, ob die Orioles „for real“ sind oder ob Fangraphs damit Recht behält, ihnen trotz einer bisher guten Saison beständig schlechtere Playoffchancen einzuräumen als den beiden Kontrahenten um die Divisionskrone.

Ebenfalls zu den spannenden Divisionen zählt die AL Central. Die Detroit Tigers (61-53) standen am Wochenende kurz davor, die Cleveland Indians (63-48) zu entthronen, doch dann ließen sie sich von den Seattle Mariners sweepen und sind nun wieder 3.5 Siege hinter den Indians. Die Chicago White Sox und die Kansas City Royals (jeweils 54-59) sind inzwischen deutlich abgehängt. Das gilt natürlich auch für die Minnesota Twins (46-67), aber wie immer schauen wir kurz nach Max Kepler: Seit letzter Woche hat er seiner Bilanz keine weiteren Homeruns, aber immerhin sechs Hits und drei Walks hinzugefügt und schlägt im August nun. 343/.442/.686. Das sind Spitzenwerte und mit ihnen hat Kepler es verdientermaßen zum AL Player Of The Week gebracht. Herzlichen Glückwunsch! 

Im Hinblick auf die AL West hatte ich letzte Woche bereits geunkt, dass die Aufholjagd der Houston Astros (58-55) beendet und der Weg zum Divisionssieg für die Texas Rangers (68-47) nun frei wäre. Dieser Eindruck hat sich inzwischen bestätigt: Die Rangers sitzen mit 7 Siegen Vorsprung fest im Sattel und diesen Vorsprung haben sie nicht auf die Astros sondern auf die Seattle Mariners (60-53), welche die Astros inzwischen von Platz zwei verdrängt haben und sich wieder ernsthaft Hoffnung auf einen Wild-Card-Platz machen dürfen. Mit acht Siegen aus den letzten neun Spielen haben die Mariners gerade einen ganz starken Lauf und die Schedule meint es gut mit den ihnen, denn für sie geht es nun siebzehnmal hintereinander gegen Teams, die nicht mehr um die Playoffs spielen.

National League
Die National League East war lange umkämpft, ist inzwischen aber klar in der Hand der Washington Nationals (67-46). 7.5 Siege dahinter stehen die Miami Marlins (60-54) zumindest im Wild-Card-Rennen noch gut da. Für meine New York Mets (57-56) hingegen dürfte die Saison gelaufen sein. Außenseiterchancen auf einen WC-Platz bestehen noch, aber eine ellenlange Verletztenliste sowie immer öfter kritikwürdiges Management von Terry Collins lassen mich nicht daran glauben, dass sich dieses Jahr noch etwas zum Besseren wendet.

Die Chicago Cubs (71-41) haben seit letzter Woche nichts anderes getan als zu gewinnen, neun Siege in Folge haben sie nun eingefahren. Die NL Central haben sie schon vorher nach Belieben dominiert und nun steht auch noch eine Vier-Spiele-Heimserie gegen den „Verfolger“ St. Louis Cardinals (60-54) an. Die größte Herausforderung für die Cubs dürfte darin bestehen, die Konzentration aufrecht zu erhalten, wenn der Divisionssieg frühzeitig feststeht und bis zu den Playoffs keine ernsten Prüfungen mehr warten. Die Cardinals liefern sich unterdessen ein Fernduell mit den Miami Marlins, mit denen sie momentanen Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz der NL exakt gleichauf liegen. 

Der erste WC-Platz dürfte ziemlich sicher in die NL West gehen als Trostpreis für den am Ende Unterlegenen des Kampfes um die Division zwischen den San Francisco Giants (65-49) und den Los Angeles Dodgers (64-50). Das kurze Aufflammen der Colorado Rockies (55-59) ist nach vier Niederlagen in Folge wieder erloschen und die Rockies sind sowohl in der Division als auch in Bezug auf die Wild Cards wieder genauso abgeschrieben wie sie es vor dem All-Star-Break schon gewesen waren.

Spielzug der Woche
An dieser Stelle wähle ich dieses Mal ganz klassisch einen Homerun. Natürlich nicht irgendeinen Homerun, sondern den mit 504 Yards (461 Meter) weitesten Homerun, der seit der Einführung von Statcast gemessen wurde. Giancarlo Stanton gelang die sehenswerte Aktion am Samstag zum zwischenzeitlichen 3:2 seiner Miami Marlins im Coors Field in Colorado. Die Rockies ließen sich von dem Monsterhit nicht beeindrucken, sie gewannen am Ende mit 12:6.

Statistik der Woche 
7. Die offensichtlichste Wahl wäre sicher 3000 gewesen, aber ich habe mich dagegen entschieden. Erstens weil Ichiro schon vor ein paar Wochen angemessen von mir gewürdigt wurde. Zweitens weil mir der Hype um den lange bevorstehenden und jetzt vollzogenen dreitausendsten Hit offen gestanden etwas auf die Nerven gegangen ist, so sehr ich Ichiro mag und achte. Und drittens, weil Brandon Crawford es schlichtweg verdient hat, mit seinen sieben Hits in einem Spiel gesondert erwähnt zu werden. Geschafft hat er das am Montag im 8:7-Sieg der Giants über die Marlins in 14 Innings. Es war das erste 7-Hit-Spiel eines Batters in der MLB seit 1975.

Spiel der Woche
Einen Comeback-Win der besonders sehenswerten Sorte feierten die St. Louis Cardinals am Montag gegen die Cincinnati Reds. Letztere hatten den Sieg wohl gedanklich bereits für sich verbucht, als sie mit einer 4:0-Führung ins letzte Halbinning des Spiels gegangen und in selbigem nur noch ein Out vom erfolgreichen Shutout entfernt waren. Doch es kam anders, die Cards nutzten die letzte Gelegenheit und erzielten noch fünf Runs, um das Spiel zu drehen. Der Held des Tages war Yadier Molina, der das Inning mit einem Single begann und es mit dem Walk-Off-RBI beendete. Für den musste er nicht mehr tun als stehen zu bleiben, denn der Score kam durch ein Hit by Pitch durch Ross Ohlendorf bei geladenen Bases zustande.

Spiel der kommenden Woche
Diese Woche wähle ich ein Spiel, dessen Ergebnis höchstwahrscheinlich unbedeutend sein wird, denn sowohl die Yankees als auch die Rays sind nicht mehr im Rennen um einen Platz in der Postseason. Trotzdem hat die Partie am Freitag einen ganz besonderen Reiz, denn sie wird das Abschiedsspiel von Alex Rodriguez sein. A-Rods (mutmaßliches) Karriereende wurde relativ kurzfristig entschieden, nachdem seine Leistungen dieses Jahr deutlich auf dem absteigenden Ast waren und die Yankees – wie schon zur Trade-Deadline eindeutig signalisiert – den Rest der Saison damit verbringen möchten, Weichen für die Zukunft zu stellen. Mit A-Rod geht ein ganz Großer dieses Sports, der diverse Offensivstatistiken als bester derzeit noch aktiver Spieler anführt.

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Juli 4th, 2016 by Dominik

Jedes Jahr am 2. Juli ist der International Signing Day der MLB. Das bedeutet, dass ab diesem Tag Spieler von außerhalb USA, Kanada und Puerto Rico von MLB-Teams verpflichtet werden dürfen, sofern sie mindestens 17 Jahre alt sind oder es in Kürze werden. Wie üblich wurde auch dieses Jahr gleich zu Beginn der noch bis 15. Juni 2017 andauernden Periode ein Großteil der interessantesten Talente unter Vertrag genommen. Die Spieler, um die es geht, haben in aller Regel noch einen weiten Weg durch die diversen Minor Leagues vor sich, bis sie es vielleicht irgendwann in die MLB schaffen. Deshalb spare ich mir die Mühe, hier auf eine große Anzahl von Spielern einzugehen, von denen wir vielleicht in fünf Jahren und vielleicht auch nie wieder etwas hören werden.

Erwähnen sollte man auf jeden Fall das Top-Prospect der auf mlb.com gepflegten Liste der besten in dieser Signing-Periode verfügbaren Talente: Der 16-Jährige Shortstop Kevin Maitan hat überschwängliche Scouting Reports erhalten, die ihn mit Größen wie Miguel Cabrera und Chipper Jones vergleichen und ihn zum höchstbewerteten Prospect seit Miguel Sano (2009 von den Twins verpflichtet) küren. Er ist ein Switch-Hitter mit Power, der an der Plate bereits sehr reif für sein Alter wirkt. Auch seine Defense wird gelobt, allerdings sieht die Mehrzahl der Scouts ihn langfristig eher auf 3B als auf SS. Maitan wurde von den Atlanta Braves mit einem Vertrag über 4,25 Millionen Dollar ausgestattet.

In der Liste nur auf Platz sechs, aber finanziell bislang der größte Abräumer ist der 22-jährige SS Alfredo Rodriguez, der von den Cincinnati Reds einen 7-Millionen-Dollar-Vertrag erhalten hat. Dieser Deal stand schon seit einigen Monaten fest, wurde aber in die neue Signing-Periode verschoben. Dafür, dass Rodriguez zwar defensiv als Spitzentalent eingestuft wird, sich offensiv aber noch sehr viel weiterentwickeln muss, erscheint der gezahlte Preis für ihn sehr hoch, vor allem wegen der fälligen Strafe gegen die Reds (dazu später mehr). In seiner letzten Saison in Kuba schlug Rodriguez gerade mal .265/.301/.284 mit nur vier Extra-Basehits und keinem Homerun in 304 Plate Appearances.

Die Braves haben sich nicht nur die Nummer eins der Liste gesichert sondern waren auch darüber hinaus eines der aktivsten Teams zu Beginn der Signing-Periode: Laut mlb.com haben sie bereits 13 internationale Talente unter Vertrag genommen, darunter fünf aus der erwähnten Top-30-Liste. Ebenfalls sehr rührig waren die San Diego Padres, die sechs Top-30-Talente an sich banden. Andere Teams mit mehreren hochkarätigen Vertragsabschlüssen sind die Astros, die Athletics, die Cardinals, die Nationals und die Phillies.

Welche Teams mehr oder weniger aktiv auf dem internationalen Markt sind, hängt übrigens nicht nur von den Vorlieben des Front Offices ab. Zum einen bestimmt das Abschneiden der Teams im Vorjahr darüber, wie hoch das erlaubte Budget für internationale Verträge sein darf. Weil die Phillies 2015 den schlechtesten Record hatten, dürfen sie 2016 etwas mehr ausgeben als die anderen Teams, die Cardinals mit dem besten Record 2015 haben dementsprechend das geringste Budget. Zum anderen können die Teams, um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, mit den zugewiesenen Budgets untereinander Handel treiben und sie zudem in gewissem Rahmen überziehen. Allerdings zieht das Überziehen Strafen nach sich: erstens eine finanzielle Strafe in Höhe von 100% des überzogenen Budgets und zweitens Auflagen für die folgenden Signing-Perioden. Wer sein Budget um 5-10 Prozent überzieht, darf ein Jahr lang keine internationalen Spieler für mehr als 500.000 Dollar verpflichten, bei 10-15 Prozent vermindert sich dies auf 300.000 Dollar pro Spieler und bei über 15 Prozent gilt die gleiche Auflage für zwei Jahre. Erst im Lichte dieser Regeln wird deutlich, wie teuer beispielsweise die Reds für Eduardo Rodriguez bezahlt haben, denn er kostet sie nicht nur die 7 Millionen Dollar für den Vertrag sondern auch die Strafzahlung und vor allem die Handlungsfähigkeit auf dem Markt internationaler Talente für voraussichtlich die nächsten zwei Jahre (durch Trades lässt sich die Strafe eventuell noch drücken).

Hier ein Artikel, in dem die Regeln noch mal übersichtlich erläutert und die Bonuspools der einzelnen Teams für die aktuelle Signing-Periode dargestellt sind. 2016 gilt für die Cubs, die Dodgers, die Giants, die Royals, die Angels, die Diamondbacks, die Rays, die Yankees und die Blue Jays, dass sie keine Spieler aus dem internationalen Talentepool für mehr als 300.000 Dollar verpflichten dürfen. Noch härter trifft es die Red Sox: Weil Boston letztes Jahr versucht hat, die Regeln zu umgehen, wurde ihnen für dieses Jahr die Verpflichtung internationaler Prospects komplett verboten und fünf Verträge aus dem letzten Jahr wurden aufgelöst (wobei die betreffenden Spieler die erhaltenen Bonuszahlungen behalten dürfen, damit sie nicht die Leidtragenden der Schummelei des Vereins sind).

Die internationale Signing-Periode hat erst begonnen und einige interessante Deals werden in den nächsten Tagen noch folgen. Es lohnt sich daher, den Tracker von Baseball America zu verfolgen. Zu beachten ist dabei, dass Baseball America eine eigene Prospect-Liste führt, die sich von der auf mlb.com unterscheidet.

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