August 13th, 2017 by Dominik

Als Fan der New York Mets hat man es zurzeit nicht leicht. Nicht nur, weil die Ergebnisse der Mets in dieser Saison massiv enttäuschen und nicht nur, weil (tatsächliche oder vermeintliche) Stars wie Matt Harvey, Noah Syndergaard und David Wright ständig verletzt sind – sondern auch und vor allem, weil derzeit fast täglich ein etablierter und beliebter Spieler weg getradet wird: Zuerst gingen kurz vor der Trade-Deadline First Baseman Lucas Duda (Tampa Bay Rays) und Closer Addison Reed (Boston Red Sox), nach der Deadline folgten Outfielder Jay Bruce (Cleveland Indians) und letzte Nacht Second Baseman Neil Walker (Milwaukee Brewers).

Alle vier waren mehr oder weniger Leistungsträger bei den Mets und auf den ersten Blick fällt es schwer zu verstehen, dass die Teamverantwortlichen sich für relativ wenig Gegenleistung von ihnen trennten. Alle genannten Spieler wurden gegen nicht mehr als ein paar nachrangige Minor-League-Reliever oder einen „Player to be named later“ eingetauscht. Bei näherem Hinsehen wird aber auch klar, dass es für die Mets sinnvoll war, diese Spieler abzugeben und dass die eigene Verhandlungsposition dabei nicht besonders stark war: Die vier standen nur noch für dieses Jahr unter Vertrag und hätten den Verein jeweils mehrere Millionen Dollar an Gehalt gekostet. Diese Gehälter wollten die Mets sich sparen, da für sie sportlich in diesem Jahr ohnehin nichts mehr erreichbar ist. Sie mussten also Tradepartner finden, die bereit sind, die Restgehälter der Spieler zu übernehmen. Das war für die Mets die Priorität und das ist ihnen gelungen. Auf der anderen Seite mussten sie darauf verzichten, von den aufnehmenden Teams hochwertige Prospects zu verlangen.

Verständlich ist das Handeln der Mets also, gut finden muss man es deswegen aber noch lange nicht: Als Fan möchte man natürlich immer vielversprechende Talente zum eigenen Team kommen sehen und schert sich recht wenig darum, ob die Teambesitzer ein paar Millionen Dollar sparen oder nicht. Das gilt insbesondere, wenn die Owner – so wie die Mets-Besitzer Fred und Jeff Wilpon – als knauserig bekannt sind und somit die Befürchtung besteht, dass das Geld tatsächlich gespart wird statt es in das Team der Zukunft zu investieren.

Die Zukunft hat derweil begonnen, indem die Mets in den letzten Tagen in Shortstop Amed Rosario und First Baseman Dominic Smith die beiden aussichtsreichsten Prospects ihres Farmsystems in das MLB-Team geholt haben. Beide sollen in den kommenden Jahren tragende Säulen der Mannschaft bilden, gemeinsam mit den Outfieldern Michael Conforto und Yoenis Cespedes. Alle anderen Positionen sind mehr oder weniger vakant wegen auslaufender Verträge (OF Curtis Granderson, IF Jose Reyes, C René Rivera), schwankender Leistungen (C Travis d’Arnaud, IF Asdrubal Cabrera, IF Wilmer Flores, OF Brandon Nimmo) und einem wahrscheinlich anstehenden Karriereende (3B David Wright).

Anders als vor der laufenden Saison, als die Mets auf Kontinuität setzten und damit baden gingen, steht in der kommenden Offseason ein größerer Umbruch an. Offen ist noch, ob es ein echtes Rebuilding-Projekt wird, mit dem man sich für ein paar Jahre selbst aus dem Rennen nimmt, oder ob die Mets anstreben, sich zügig neu zu formieren und direkt wieder anzugreifen. Letzteres wäre natürlich schöner, kann aber nur funktionieren, wenn man von Vereinsseite her erstens bereit ist, nennenswert Geld in die Hand zu nehmen und für die vakanten Positionen echte Verstärkungen an Land zu ziehen. Zweitens sind die Konzepte und Personalien der Medizin- und Trainingsabteilungen überarbeitungsbedürftig, denn die Verletzungsgeschichten der letzten Jahre sind zu zahlreich und intensiv als dass man sie auf reines Pech zurückführen könnte. Bekäme man dieses Problem in den Griff, so könnte die Pitcher-Rotation ohne größere Personaländerungen in der Lage sein, die Erwartungen zu erfüllen, denen sie dieses Jahr nicht gerecht wurde. Drittens und vor allem anderen ist eine Entscheidung über die Zukunft von Manager Terry Collins zu treffen. Der 68-Jährige, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, ist ein sehr sympathischer Mensch und steht immer felsenfest hinter seinen Spielern. Aber seine lange Liste zweifelhafter Entscheidungen beim Lineup-, Batting-Order-und In-Game-Management, seine übertriebene Nibelungentreue zu formschwachen Veteranen und seine Tendenz, Reliever zu verheizen, sprechen dagegen, an ihm noch länger festzuhalten. Ich mag Collins wirklich sehr, doch ich finde es ist an der Zeit, ihm einen freundlichen und ehrenvollen Abschied zu bereiten und auch von Seiten des Managements frischen Wind ins Team zu bringen.

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Juni 15th, 2017 by Dominik

Im Mittelpunkt des Geschehens der MLB stand in den letzten drei Tagen die Draft, die mit einem überraschenden Pick der Minnesota Twins begann (siehe „Szene der Woche“). Gleichzeitig lief auch der normale Spielbetrieb. Am Tabellenbild der Divisionen hat sich gegenüber letzter Woche wenig geändert, abgesehen davon dass im hochkarätigen Dreikampf der NL West zur Abwechslung mal die Dodgers knapp die Nase vorn haben. Interessant ist der Blick auf die Wild-Card-Stände der beiden Ligen: In der AL würden momentan beide Wild Cards an die AL East gehen, doch im Rennen sind ausnahmslos noch alle Teams, selbst die Oakland Athletics mit dem höchsten Rückstand von 6.5 Spielen. In der NL hingegen scheint die Sache relativ früh in der Saison so gut wie entschieden. Auch hier würden die Plätze zurzeit beide an eine Division – die NL West – gehen und das mit sehr deutlichem Abstand: Mit 8.0 Spielen sind die Chicago Cubs als erster Verfolger in der NL schon weiter weg von den Wild Cards als die Athletics als letzter Verfolger in der AL, die meisten NL-Teams weisen bereits einen zweistelligen Rückstand auf.

National League
In der National League East knüpfen die Washington Nationals (39-26) nahtlos an ihre bisherige Saison an: Mit starkem Starting Pitching und hervorragender Offensive halten Sie sich unangefochten in der Division, während ihr mieser Bullpen dafür sorgt, dass die Spiele spannend bleiben und wenigstens ab und zu auch mal verloren werden. Mit gehörigem Abstand folgt der Rest der NL East, zurzeit angeführt von den New York Mets (30-34), die in den letzten Tagen ordentlich Kapital aus der Rückkehr der lange verletzten Steven Matz, Seth Lugo und Yoenis Cespedes geschlagen haben. Mit Neil Walker und Asdrubal Cabrera gibt es aber schon wieder zwei neue Verletzte und auch Matt Harveys Arm soll noch einmal untersucht werden, nachdem er letzte Nacht bei einem schwachen Start in Chicago über ein unangenehmes Gefühl in selbigem klagte. Das bedauernswerteste Team der Liga sind unterdessen die Philadelphia Phillies (21-43), die mit Abstand die schlechteste Bilanz der MLB aufweisen und zuletzt acht Niederlagen in Folge erlitten haben.

Die Milwaukee Brewers (35-32) halten in der NL Central nach wie vor die Chicago Cubs (32-33) auf Distanz. Die Cubs kommen einfach nicht in Tritt, haben diese Woche sowohl die Heimserie gegen die Colorado Rockies als auch die Auswärtsserie bei den New York Mets verloren. Sie können von Glück sagen, dass sie in einer der zurzeit schwächsten Divisionen der MLB spielen, ansonsten wäre der Zug in Richtung Playoffs wohl schon so gut wie abgefahren. So aber befinden sich die Cubs nach wie vor in Lauerstellung und benötigen – ebenso wie die St. Louis Cardinals (30-34) und vielleicht sogar die Pittsburgh Pirates (30-36) – nur ein paar starke Spiele, um wieder voll im Rennen zu sein. Genauso schnell kann man aber auch nach unten durchgereicht werden, wie die Cincinnati Reds (29-36) gerade mit sechs Niederlagen am Stück am eigenen Leib erfahren haben.

In der MLB gibt es zurzeit vier Teams mit über 40 Saisonsiegen – drei davon spielen in der NL West. Das sagt eigentlich schon alles über die Stärke dieser Division, die wie eingangs erwähnt wahrscheinlich beide Wild Cards der NL erobern wird. Das heißt natürlich nicht, dass die Mitglieder des Triumvirats – die Los Angeles Dodgers (41-25), die Colorado Rockies (42-26) und die Arizona Diamondbacks (41-26) – sich auf dieser Position ausruhen können, denn nur der Erstplatzierte zieht direkt in die „richtigen“ Playoffs ein, während zwischen den Wild-Card-Teams ein einzelnes Spiel über Ausscheiden oder Weiterkommen entscheidet. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass der letzte Sieger im NL-Wild-Card-Spiel die San Francisco Giants (26-41) waren? Das scheint Ewigkeiten her, wenn man zurzeit das (von Madison Bumgarners Verletzung abgesehen) kaum veränderte, aber komplett implodierte Team sieht, das nach sieben Niederlagen in den letzten zehn Spielen sogar wieder hinter die San Diego Padres (27-40) gerutscht ist.

American League
In der American League East geben die New York Yankees (38-25) den Ton an. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich mir die Statistiken ansehen und feststelle, dass die Yankees nicht nur von ihrer spektakulären Offense um Rookie Aaron Judge leben, sondern auch im Pitching Top-Werte aufweisen. Zumindest die Starter fliegen für mich immer ein bisschen unter dem Radar, weisen aber immerhin die sechstwenigsten erlaubten Runs (3.93 ERA) der MLB auf. Das Run Differential der Yankees (+114) führt die Liga an mit 12 Runs Vorsprung auf die Houston Astros. Nach fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen halten die Boston Red Sox (37-28) den Kontakt zur Spitze, welchen die Baltimore Orioles (32-32) nach einer Serie von sechs Niederlagen derzeit verloren haben. Dazwischen haben sich heimlich, still und leise die Tampa Bay Rays (35-33) geschoben, die momentan den zweiten Wild-Card-Platz der AL einnehmen.

Die AL Central sieht der NL Central sehr ähnlich: Auch hier sind die Teams relativ eng beisammen und auch hier liegt mit den Minnesota Twins (33-29) ein Überraschungsteam vor dem letztjährigen World-Series-Teilnehmer Cleveland Indians (31-31). Und – auch das ist eine Parallele zur NL Central – die Formkurve fast aller Teams der Division weist eher nach unten. Einzig die Kansas City Royals (30-34) weisen aus den letzten zehn Spielen eine positive Bilanz auf, sie befinden sich auf einer Serie von zurzeit vier Siegen in Folge. Allerdings hatten sie auch das Glück, dass ihre Gegner dabei die San Diego Padres und die San Francisco Giants waren.

Kommen wir zu guter Letzt zum immer noch erfolgreichsten Team der Saison, den Houston Astros (45-22). Seit dem Ende ihrer Serie von elf Siegen haben die Astros nur drei von neun Spielen gewonnen, aber ihr Vorsprung in der AL West ist mehr als komfortabel genug, um solch eine Phase zu überstehen, ohne sich allzu große Sorgen zu machen. Was allerdings durchaus Sorgen verursacht, sind die zunehmenden Verletzungen: Mit Dallas Keuchel, Charlie Morton und nun Lance McCullers sind schon drei Starter auf der DL und Outfielder Josh Reddick erholt sich noch von der Gehirnerschütterung, die er beim Crash in die Mauer während eines Fangversuchs erlitten hat. Ernstzunehmende Verfolger haben die Astros nach wie vor nicht, am nächsten dran sind die Los Angeles Angels (35-34) mit elf Spielen Rückstand, alle anderen Teams der Division stehen unter .500.

Szene der Woche
Der wichtigste Moment der MLB-Woche war der erste Pick der Draft in der Nacht von Montag auf Dienstag. Entgegen der deutlichen Mehrzahl aller Spekulationen entschieden sich die Minnesota Twins weder für den hochgelobten Highschool-Pitcher Hunter Greene noch für einen der Collegespieler, denen man einen schnelleren Übergang in die MLB zutraute. Stattdessen wählten sie einen anderen direkt aus der Highschool kommenden Spieler, Shortstop Royce Lewis. Lewis war zwar ebenfalls als hoher Pick prognostiziert, doch dass er vor Greene gewählt würde, hatte kaum jemand vorhergesagt. Greene ging an Nummer zwei zu den Cincinnati Reds, der andere Favorit auf den Top-Pick, Louisvilles Brandon McKay, wurde erst als Vierter von den Tampa Bay Rays gepickt. Offenbar spielten bei den Picks auch finanzielle Erwägungen eine Rolle: Die Teams dürfen für die gedrafteten Spieler bestimmte nach Draftposition gestaffelte Höchstsummen ausgeben. Den Twins wird nachgesagt, dass ihnen kein Spieler die volle Höhe von 7.770.700 Dollar wert war. Deshalb entschieden sie sich für einen, der Ihnen vorab signalisierte, sich mit weniger zufrieden zu geben.

Statistik der Woche 
28. So viele Hits erzielten die Minnesota Twins Dienstagnacht beim 20:7 gegen die Seattle Mariners. Das war ein Franchise-Rekord und gleichzeitig MLB-weit das Spiel mit den meisten Hits eines Teams seit 2007. Den größten Beitrag zum offensiven Feuerwerk leisteten Eddie Rosario mit vier Hits, davon drei Homeruns, und Eduardo Escobar mit fünf Hits. Auch unser Lokalmatador Max Kepler hatte ordentlichen Anteil am Erfolg mit drei Hits, darunter ein Solo-Homerun, und einem Walk.

Spiel der Woche
Zwischen den Detroit Tigers und den Arizona Diamondbacks sah es Dienstagnacht nach einer klaren Angelegenheit aus: Die Diamondbacks beendeten den Tag von Tigers-Starter Buck Farmer nach nur zweieindrittel Innings mit neun Hits und sechs Runs, darunter Homeruns von Brandon Drury und Paul Goldschmidt. Auf der anderen Seite cruiste Zack Greinke durch fünf Innings mit nur zwei Hits und einem Walk. Doch im sechsten Inning bekamen Greinke und seine Defense plötzlich Probleme und kassierten sechs Runs zum Ausgleich – fünf davon „unearned“, weil ein schlechter Wurf von Drury und ein misslungener Catch von David Peralta dazu beitrugen, dass die Tigers in diesem Inning elf Runner an die Platte schicken und sechs Hits erzielen konnten. Ausgerechnet Peralta, der in der Outfield-Defense mehrere schwache Szenen hatte, sorgte schließlich doch noch für ein Happy End aus Sicht der Diamondbacks, indem er per Solo-Homer im neunten Inning das letztlich entscheidende 7:6 für Arizona erzielte.

Spiel der kommenden Woche
Die momentan größte Attraktion der Liga ist der Dreikampf um die NL West. Deshalb ist mein Einschalttipp für nächste Woche die Serie der Arizona Diamondbacks bei den Colorado Rockies. Konkret empfehle ich die Partie Mittwochnacht um 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Auf dem Mound stehen dann voraussichtlich zwei Pitcher, die zurzeit in hervorragender Form sind: für Arizona Taijuan Walker (ERA 3.32, in den letzten drei Spielen 2.12) und für Colorado Jeff Hoffman (ERA 2.33, in den letzten drei Spielen 1.33).

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