Mai 17th, 2017 by Dominik

Das Fielding ist ein wichtiger Teil des Baseballsports. Spiele werden nicht nur durch Batting und Pitching sondern auch durch die Abwehrarbeit im Feld gewonnen oder verloren, auch wenn dieser Aspekt des Spiels gegenüber den anderen oft ein wenig im Schatten der Aufmerksamkeit zu stehen scheint – gerade was die Statistiken angeht. An die Prominenz der Batting-Slashline oder des Earned Run Averages kommen die Fielding-Stats nicht heran, aber das macht sie nicht weniger interessant und ich möchte heute ein paar von ihnen vorstellen.

Putouts, Assists
Putouts und Assists sind klar definiert und sehr einfach zu zählen. Für jedes Out des schlagenden Teams wird einem Spieler des verteidigenden Teams der Putout gutgeschrieben. Ihn erhält der Spieler, der den Ball aus der Luft fängt (Flyout), mit ihm den Gegner zum Tagout berührt, die Base zum Forceout betritt oder als Catcher den dritten Strike beim Strikeout fängt. Ein Assist wird dem Spieler zugerechnet, der den Ball vor dem Putout berührt hat. Wenn also zum Beispiel der Shortstop einen Ball aufnimmt und ihn zum Forceout dem First Baseman zuwirft, dann hat der SS den Assist und der 1B den Putout. Ist kein zweiter Spieler involviert, dann ist der Putout „unassisted“. Der Pitcher erhält übrigens keinen Assist dafür, dem Catcher den dritten Strike zuzuwerfen.
Man könnte nun einfach schauen, wer die meisten Putouts und wer die meisten Assists sammelt und diese Spieler dann zu den besten Fieldern erklären. Dieses Vorgehen hinkt aber an mindestens zwei Stellen: Erstens ist die Anzahl der Putouts und Assists stark abhängig von der gespielten Position: Die meisten Putouts gehen üblicherweise auf das Konto des First Basemans, auch wenn dies sicher nicht die anspruchsvollste Defensivposition ist. Man läge somit höchstwahrscheinlich daneben, wenn man einen 1B zum besten Verteidiger des Teams erklärte, nur weil er die meisten Putouts hat. Zweitens hängt die Zahl der Putouts und Assists, die ein Spieler ansammelt, auch ganz wesentlich davon ab, wie viele Gelegenheiten dazu der Stil des jeweiligen Pitchers bietet – produziert er eher Groundballs (mehr Putouts für Infielder), Flyballs (mehr Putouts für Outfielder) oder Strikeouts (mehr Putouts für Catcher)?
Die meisten Putouts in der Saison 2016 erzielte – ebenso wie schon 2015 und 2013 – Paul Goldschmidt von den Arizona Diamondbacks mit 1.378. 2017 führt bislang Wil Myers von den San Diego Padres mit 362 die Rangliste an. Der Rekord für die meisten Putouts in einem Jahr ist schon 110 Jahre alt: Jiggs Donahue stellte ihn 1907 mit 1.846 Putouts auf. Im gleichen Jahr erreichte Jake Beckley die bis heute einzigartige Marke von 23.767 Putouts in seiner Karriere. Die beste Leistung eines noch aktiven Spielers vollbrachte Albert Pujols mit 1.597 Putouts im Jahr 2005 und mit bislang 15.626 in seiner Karriere. Alle genannten Spieler sind oder waren (natürlich) First Basemen.

Errors
Errors sind die wichtigste Defensivstatistik – jedenfalls wichtig in dem Sinne, dass sie standardmäßig in jedem Boxscore und auf jedem Scoreboard dargestellt werden. Ein Error wird einem Spieler zugerechnet, wenn er ein mit „normalem Aufwand“ (ordinary effort) erreichbares Aus verhindert – zum Beispiel, indem er den Ball fallen lässt, beim Fangen oder Aufnehmen daneben greift oder ihn so ungenau wirft, dass der Teamkamerad ihn nicht bekommen kann. Jeder Spieler möchte vermeiden, in der Error-Spalte des Boxscores aufzutauchen und viele Errors sind in der Regel ein Zeichen für schlechtes Defensivspiel. Allerdings sind auch die Errors stark von der Position abhängig: Shortstops und Second Basemen produzieren üblicherweise deutlich mehr Errors als Outfielder. Etwa weil sie schlechtere Abwehrspieler sind? Meistens ist eher das Gegenteil der Fall: Auf diese Posten stellt man gute Abwehrspieler, weil die Bälle im Infield schneller, härter und häufiger ankommen als im Outfield. Deshalb gibt es im Infield viel mehr Gelegenheiten, etwas falsch zu machen, also Errors zu sammeln.
2016 hatte Jonathan Villar von den Milwaukee Brewers die zweifelhafte Ehre, mit 29 Erros die Liste der meisten Abwehrfehler anzuführen, 2017 liegen bislang acht Spieler mit jeweils 7 gleichauf. Die meisten Errors in einer Saison unterliefen 1889 Herman Long und 1890 Billy Shindle mit jeweils 122. Long führt mit 1.096 Errors auch die Karriererangliste an. Nach aktuellen Spielern muss man in diesen Listen recht lange suchen: Auf Platz 259 findet man Adrian Beltre mit 296 Errors in seiner Karriere. In einer einzelnen Saison hatte kein aktiver Spieler je mehr als 35 Errors (welche Marcus Semien 2015 und Mark Reynolds 2008 verursachten).

Fielding Percentage
Betrachtet man die Errors nicht als absolute Zahlen sondern als Anteil erfolgreicher Plays an allen möglichen Plays, dann ist das Problem der unterschiedlichen Anzahl von Möglichkeiten weitgehend ausgeschaltet. Beispiel: Nehmen wir an, während eines Spiels werden zwölf Bälle in Richtung des Third Basemans geschlagen. Zwei davon sausen ihm so schnell um die Ohren, dass man ihm daraus keinen Vorwurf machen kann. Diese beiden fließen nicht in die Berechnung ein. Von den anderen zehn setzt er neun in ein Aus um, indem er sie entweder aus der Luft fängt oder nach Bodenkontakt aufnimmt und zur ersten Base wirft. Den zehnten könnte er locker fangen, aber weil ihn die Sonne blendet greift er daneben, muss sich nach dem Ball bücken und bis er ihn zur ersten Base werfen kann, ist der Batter/Runner dort schon angekommen. Das war ein Error und seine Fielding Percentage (FP) steht damit bei .900 (in Deutschland würden wir sagen: 90%).
Die FP ist bei angemessen großem Stichprobenumfang schon ein recht brauchbares Maß für die Fähigkeit eines Fielders, aber auch sie ist nicht ohne Probleme: Zum einen sind Errors subjektiv, denn es muss ein Mensch – der Scorer – entscheiden, welcher Ball mit „normalem Aufwand“ spielbar ist und welcher nicht. Darüber hinaus berücksichtigt die FP nicht die Reichweite eines Spielers. Das kann zu der paradoxen Situation führen, dass ein besonders guter Spieler mehr Errors und damit eine schlechtere FP hat als ein schlechterer. Denn der bessere Spieler deckt einen größeren Bereich des Feldes ab und übernimmt häufig die schwierigeren Plays im Grenzgebiet der Zuständigkeiten. Bei diesen Plays unterlaufen naturgemäß die meisten Fehler und diese Fehler werden dem guten Fielder zugerechnet, weil er im Gegensatz zum schlechten Fielder eine Chance gehabt hätte, an den Ball heranzukommen.
Auch hierzu ein paar Statistiken: 2016 hatten drei qualifizierte Spieler eine perfekte FP von 1.000: die Outfielder Curtis Granderson (Mets), Hunter Pence (Giants) und Randal Grichuk (Cardinals). Die schlechteste FP hatte 3B Yunel Escobar (Angels) mit .937. 2017 haben bislang noch zahlreiche Spieler eine FP von 1.000, ganz hinten liegt derzeit 3B Nick Castellanos (Tigers) mit .920 und Yunel Escobar ist mit .930 nicht wirklich besser geworden. Die schlechteste FP aller Zeiten hatte übrigens Joe Doyle 1872 als SS der Nationals mit .667.

Neben den bisher geschilderten „klassischen“ Fielding-Statistiken gibt es natürlich auch zu diesem Bereich des Baseballspiels fortgeschrittene Statistiken, sogenannte Sabermetrics. Über jede davon könnte man ohne Weiteres einen eigenen Artikel schreiben, aber ich stelle mal beispielhaft drei davon in aller Kürze vor:

Ultimate Zone Rating
Großer Beliebtheit erfreuen sich Statistiken, die direkt in der „Währung“ des Spiels ausgedrückt werden, also in Runs. In Runs dargestellte Defensivstatistiken sind besonders gut mit Offensivstatistiken vergleich- und kombinierbar, die auf dem gleichen Prinzip basieren, beispielsweise Runs Created oder wRAA. Eine solche Statistik ist das Ultimate Zone Rating (UZR). UZR setzt sich zusammen aus zahlreichen Komponenten des Defensivspiels, die jeweils mit einem Wert von Runs bzw. Anteilen davon versehen werden. Diese Werte werden ermittelt, indem der zu beurteilende Spielzug mit dem durchschnittlichen Ausgang ähnlicher Situationen aus der Vergangenheit verglichen wird. Nehmen wir beispielsweise an, in Richtung des Left Fielders wird ein Ball mit einer bestimmten Geschwindigkeit zu einer bestimmten Stelle geschlagen, aus dem ein durchschnittlicher Fielder in 40% der Fälle ein Aus produziert und der ansonsten üblicherweise zu 0,8 Runs für das gegnerische Teams führt. Wenn der Left Fielder das Play macht, dann hat er 0,48 Runs verhindert (die durchschnittliche Schadenshöhe 0,8 multipliziert mit der Eintrittswahrscheinlichkeit von 0,6) und sein UZR steigt entsprechend an. Die Übersetzung von Plays in Runs geschieht über lineare Gewichte. Wer sich in die Details der UZR-Berechnung einlesen will, dem sei ein sehr guter Artikel von Fangraphs ans Herz gelegt.
UZR kann Werte über oder unter Null annehmen – je nachdem, ob der betreffende Spieler seinem Team mehr oder weniger gegnerische Runs beschert als ein durchschnittlicher Fielder. Überdurchschnittliches Defensivspiel ergibt Werte über Null, die besten Fielder erreichen pro Saison üblicherweise UZR-Werte von über 15.
Der beste Fielder im Jahr 2016 laut UZR war Outfielder Adam Eaton (White Sox) mit 23,1. 2017 liegt bislang OF Odubel Herrera (Phillies) mit 7,7 vorne. Das höchste Karriere-UZR seit Beginn der Messung (2002) hat bislang Adrian Beltre mit 180,8 inne. Die beste defensive Einzelsaison spielte Alfonso Siriano 2007 für die Cubs mit einem UZR von 32.0.

Defensive Runs Saved
UZR und ein anderes verbreitetes Maß für Defensivstärke, Defensive Runs Saved (DRS), sind sich äußerlich betrachtet sehr ähnlich: Auch DRS wird in Form von Runs angegeben, auch DRS bewertet Einzelaktionen des Fielders anhand des Vergleichs mit dem Durchschnitt auf der jeweiligen Position und auch hier stehen Werte über Null für eine überdurchschnittliche Leistung und Werte unter Null für eine unterdurchschnittliche. In den Details der Berechnung weisen die beiden Statistiken ein paar Unterschiede auf. Zum Beispiel verwendet DRS für den Vergleich mit dem Durchschnitt die jeweils letzten zwölf Monate, während UZR immer auf mehreren Jahren basiert. DRS enthält zudem Anpassungen, die sogenannte Videoscouts bei einer Sichtung der Plays festlegen, indem sie Spielzüge als besonders gut oder schlecht einstufen. Diese und andere feine Unterschiede können dazu führen, dass die beiden Statistiken über manche Spieler zu gegensätzlichen Aussagen kommen. Das ist aber eher der Ausnahmefall, in den meisten Fällen kommen UZR und DRS zu sehr ähnlichen Ergebnissen und es ist letztlich Geschmackssache, welches der beiden Maße man bevorzugt. Beide liefern in jedem Fall deutlich bessere und belastbarere Aussagen als die reine Fielding Percentage. Auch zu DRS empfehle ich einen ausführlichen Artikel, der die Berechnungsmethode näher erläutert.
Die meisten DRS der MLB-Saison 2016 hatte Red-Sox-Outfielder Mookie Betts mit 32, 2017 haben bisher 3B Nolan Arenado (Rockies) und SS Addison Russell (Cubs) mit je 8 DRS die Nase vorn. Die Karriererangliste seit Beginn der Darstellung 2002 führt wie bei UZR auch hier Adrian Beltre an mit 206 DRS. Die beste Einzelsaison hatte OF Kevin Kiermaier (Rays) mit 42 DRS im Jahr 2015.

Defensive Wins Above Replacement
Das bekannteste Maß, die Qualität eines Baseballspielers vollständig in einem einzigen Wert auszudrücken, sind Wins Above Replacement (WAR), deren Grundprinzip ich hier mal erklärt habe. WAR berücksichtigt sowohl die defensiven als auch die offensiven Leistungen eines Spielers, bietet aber auch die Möglichkeit, die beiden Komponenten getrennt voneinander zu betrachten. Der defensive Teil von WAR (dWAR) basiert dabei im Wesentlichen auf den beiden gerade vorgestellen Werten. Von den beiden wichtigsten Statistikseiten verwendet Fangraphs UZR für seine Version von WAR, während Baseball Prospectus auf DRS setzt.
Die besten Feldspieler einer MLB-Saison bringen es in der Regel auf 3 bis 5 dWAR. Im Vergleich dazu landen die besten Batter eines Jahres meist bei 7 bis 10 oWAR.
Rays-OF Kevin Kiermaier führte zuletzt zwei Jahre in Folge, 2015 und 2016, mit 5,0 und 2,9 die dWAR-Rangliste der MLB an. 2017 führt bislang SS Addison Russell (Cubs) mit 1,0 dWAR. Die meisten dWAR in einer Karriere gelangen dem legendären Shortstop Ozzie Smith mit 43,4. Bester Aktiver in dieser Liste ist einmal mehr Adrian Beltre mit 27,1 dWAR. Die besten Einzelsaisons hatten mit jeweils 5,4 dWAR in zwei sehr unterschiedlichen Ären Terry Turner im Jahr 1906 und Andrelton Simmons 2013.

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