März 1st, 2018 by Dominik

Seit einer Woche läuft das Spring-Training und ganz ehrlich: Es langweilt mich jetzt schon. Als es losging, war ich noch heiß wie Frittenfett darauf, die Spieler wieder live in Aktion zu sehen, doch leider nutzt sich das schnell ab, wenn es um nichts geht und die echte Saison noch volle vier Wochen auf sich warten lässt. Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, denn man kann ja froh sein, dass überhaupt so viel auf mlb.tv gezeigt wird – mit täglichen Liveübertragungen aus der Saisonvorbereitung kann wohl keine andere Sportart mithalten. Ich schalte auch brav jeden Tag ein und schaue mir zumindest zwei, drei Innings – also den Teil, in dem üblicherweise noch viele „echte“ MLB-Spieler auf dem Feld sind – an. Dennoch interessieren mich in dieser Phase noch mehr die News von abseits des Feldes, also Free-Agents-Signings und Ähnliches. Von allem, was in den letzten Tagen rund um die MLB los war, gibt es hier wie gewohnt eine kurze Zusammenfassung:

Erste Erkenntnisse aus dem Spring-Training
Könnte man aus den Ergebnissen der Spring-Training-Spiele irgend etwas ableiten, so wären die Aussichten für die Kansas City Royals rosig: Mit 4:0 Siegen (und einem Unentschieden) führen sie die Tabelle der Cactus League an. Auch die Boston Red Sox hatten einen starken Start, sie stehen in der Grapefruit League vorne mit 6:1 Siegen. Nichts zu holen war bislang für die Pittsburgh Pirates, sie bringen es nach fünf Spielen nur auf ein Unentschieden und vier Niederlagen.

Interessant zu sehen fand ich vor allem die beeindruckende Frühform von Mets-Pitcher Noah Syndergaard, der gegen die Astros zwei perfekte Innings absolvierte und es auf Pitch-Geschwindigkeiten von über 100 mph brachte. Besondere Aufmerksamkeit wurde zudem dem Debüt von Shohei Ohtani für die Los Angeles Angels zuteil. Sein erster Auftritt als Pitcher gegen die Milwaukee Brewers war eher durchwachsen: In 1 1/3 Innings gelangen ihm zwei Strikeouts, er erlaubte aber zwei Hits, einen Walk und zwei Runs, darunter einen Homerun. Besser lief es für Ohtani zwei Tage später, als er gegen die San Diego Padres erstmals als Batter zum Einsatz kam: Mit zwei Walks und einem RBI-Single nutzte er seine drei Plate Appearances nahezu bestmöglich.

Bedauerlicherweise sind auch schon die ersten Verletzungen zu beklagen. Am schlimmsten erwischt hat es Brent Honeywell, ein Top-Pitching-Prospect der Tampa Bay Rays. Für ihn wird dieses Jahr nichts aus dem ersehnten Durchbruch in der MLB, denn er hat sich ein Band im Ellbogen gerissen und muss sich nun der Tommy-John-Surgery unterziehen. Das bedeutet für ihn eine Pause bis Mitte 2019. Auch für Will Middlebrooks von den Philadelphia Phillies ist die Saison wahrscheinlich gelaufen. Er stieß beim Fielden eines Flugballs so unglücklich mit einem Teamkollegen zusammen, dass er sich ein Bein brach.

Neue First Basemen für Royals und Twins
Die beiden wichtigsten Neuverpflichtungen der Woche betreffen beide die erste Base: Lucas Duda wird dort seinen neuen Arbeitsplatz bei den Kansas City Royals einnehmen. Er erhält einen Einjahresvertrag über 3,5 Millionen Dollar und spielt nun ausgerechnet bei dem Team, gegen das ihm in der World Series 2015 ein folgenschwerer Error unterlaufen war, welcher die Niederlage seines damaligen Teams New York Mets eingeleitet hatte. Aber keine Sorge, liebe Royals-Fans: Duda ist ein guter Griff, meiner bescheidenen Ansicht nach sogar ein echtes Schnäppchen, da er seinem sehr viel teureren Vorgänger Eric Hosmer weder im Feld noch an der Platte in irgendetwas nachsteht.

Auch die Minnesota Twins haben einen neuen First Baseman gefunden: Logan Morrison, zuletzt Teamkollege von Duda bei den Tampa Bay Rays, unterschreibt für zunächst ein Jahr und 5,5 Millionen Dollar. Eine Option auf ein weiteres Jahr für 8 Millionen aktiviert sich automatisch, wenn Morrison in diesem Jahr 600 Plate Appearances erreicht. Diese Marke zu erreichen wird schwer, denn auf seiner Stammposition wird Morrison nur Ersatz hinter Joe Mauer sein. Man kann aber davon ausgehen, dass er regelmäßig als Designated Hitter auflaufen wird.

Nachsitzen für Martinez und die Red Sox
Schon letzte Woche hatte ich hier den Deal zwischen OF/DH J. D. Martinez und den Boston Red Sox verkündet. Dieser ist inzwischen bestätigt, doch die beiden Verhandlungspartner mussten noch mal nachsitzen. Der Grund waren Röntgenaufnahmen von einer Fußverletzung, derentwegen Martinez letztes Jahr sechs Wochen pausieren musste und die wohl dauerhafte Spuren hinterlassen hat. Die Red Sox wollten sich in den Nachverhandlungen dagegen absichern, einen Haufen Geld zu verlieren, falls sich langfristige Spätfolgen der Verletzung zeigen. Daher einigte man sich, dass Martinez‘ Gehalt sich 2021 und 2022 deutlich reduziert, falls es zu nennenswerten Ausfallzeiten im Zusammenhang mit dieser Sache kommt. Im Gegenzug hat Martinez nun nicht mehr nur nach dem dritten, sondern auch nach dem zweiten und dem vierten Jahr die Option, aus dem Vertrag auszusteigen.

Weitere Signings und Trades
Hier noch ein paar kleinere Rostermoves aus den letzten Tagen:

Die Detroit Tigers ergänzen ihr Pitching-Personal um Francisco Liriano. Für einen Einjahrsvertrag über 4 Millionen Dollar wird der 34-jährige Linkshänder entweder den Bullpen der Tigers verstärken und/oder bei Bedarf Einsätze als Starter bekommmen.

Outfielder Corey Dickerson, den die Tampa Bay Rays letzte Woche designated hatten, wurde zu den Pittsburgh Pirates getradet. Im Gegenzug wechseln Reliever Daniel Hudson, Infield-Prospect Tristan Gray und eine nicht näher bezifferte Geldsumme nach Tampa.

Einen Tag zuvor hatten die Pirates sich mit Outfielder Michael Saunders auf einen Minor-League-Vertrag mit Major-League-Option geeinigt. Nach dem Dickerson-Trade sah Saunders jedoch seine Chancen auf einen Platz im Team deutlich geschmälert und bat daher die Pirates, den Vertrag wieder aufzulösen. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt und gab ihm die Freiheit, stattdessen – ebenfalls im Rahmen eines Minor-League-Vertrages – bei den Kansas City Royals anzuheuern.

Auch Reliever Seung-hwan Oh einigte sich diese Woche mit zwei verschiedenen Teams: Zuerst nahm er ein Angebot der Texas Rangers an, die ihm einen Einjahresvertrag über 2,75 Millionen Dollar offerierten. Bei der medizinischen Untersuchung fiel Oh jedoch aus unbekannten Gründen durch und die Rangers zogen ihr Angebot zurück. Oh unterschrieb daraufhin bei den Toronto Blue Jays für ein Jahr und 1,75 Millionen. Auch bei den Blue Jays gehört natürlich eine medizinische Beurteilung zum Prozess des Vertragsabschlusses, doch offenbar waren die Bedenken in Toronto geringer. Eine Sicherheit hat man trotzdem eingebaut: Ein zweites Vertragsjahr, für das Oh 2,5 Millionen Dollar erhalten würde, tritt nur in Kraft, wenn er es im ersten Jahr auf mindestens 70 Einsätze bringt.

Ein alter Bekannter ist zurück in Cleveland: Die Indians verpflichten Mike Napoli im Rahmen eines Minor-League-Vertrages. Ein Rosterspot für das MLB-Team ist für ihn nicht in Sicht, da die erste Base mit Edwin Encarnacion und Yonder Alonso gut besetzt ist. Aber den Minor-League-Kontrakt ist Napoli als Absicherung für Verletzungen sowie als Mentor für junge Spieler sicher wert.

Und noch ein alter Bekannter ist wieder da: Pitcher Tim Lincecum hatte seine besten Zeiten mit den San Francisco Giants, für die er 2008 und 2009 den Cy-Young Award holte und 2013 und 2014 No-Hitter warf. Diverse Verletzungen beeinträchtigten seine Karriere und ein Comeback-Versuch bei den Los Angeles Angels misslang 2016 gründlich mit nur neun Einsätzen und einem ERA von 9.16. Doch Lincecum hat nie aufgegeben und konnte bei einem Tryout vor mehreren Teams letzte Woche offenbar überzeugen. Die Texas Rangers verpflichten ihn für 1 Million Dollar zuzüglich Leistungsprämien für ein Jahr. Er wird voraussichtlich aus dem Bullpen eingesetzt werden und die Chance erhalten, sich um die Rolle des Closers zu bewerben.

Saisoneröffnung 2019 in Tokio 
Die letzte Nachricht für heute wird erst in einem Jahr relevant: Die MLB-Saison 2019 soll in der japanischen Hauptstadt Tokio eröffnet werden. Aller Voraussicht nach werden es wie schon 2012 wieder die Oakland Athletics und die Seattle Mariners sein, die eine Zwei-Spiele-Serie im Tokyo Dome spielen. Es wird das achte Mal sein, dass die MLB reguläre Saisonspiele außerhalb der USA und Kanadas stattfinden lässt. Bislang war die Liga zweimal in Mexiko (1996 und 1999) zu Gast, viermal in Japan (2000, 2004, 2008, 2012) und einmal in Australien (2014). Als nächstes Ziel ist vor allem die Dominikanische Republik im Gespräch, aber auch in Mexiko soll es in den nächsten Jahren wieder MLB-Spiele geben und vielleicht auch in London.

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Januar 19th, 2017 by Dominik

Jeff Bagwell, Tim Raines und Ivan Rodriguez ziehen am 30. Juli in die National Baseball Hall of Fame ein. Das ist die Neuigkeit der Woche und damit auch das erste Thema im Grand Slam am Donnerstag. Außerdem haben in den letzten Tagen ein paar weitere Free Agents eine neue – oder ihre alte – Bleibe gefunden, allen voran Mr. Batflip Jose Bautista.

Die Hall-of-Fame-Klasse 2017
Mit meiner Vorhersage lag ich nicht allzu weit daneben: Die fünf Spieler, deren Aufnahme in die Hall of Fame ich prognostiziert hatte, belegten bei den Wahlergebnissen tatsächlich die ersten fünf Plätze, allerdings scheiterten Trevor Hoffman (74,0%) und Vladimir Guerrero (71,7%) knapp an der 75%-Hürde, während Jeff Bagwell (86,2%), Tim Raines (86,0%) und Ivan „Pudge“ Rodriguez (76,0%) diese nahmen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Hoffman und Guerrero es bei der Wahl im nächsten Jahr schaffen – es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass man mit einem Ergebnis von über 70% im Folgejahr gewählt wird.

Hinter den fünf Genannten klafft ein großes Loch, nächster in der Reihe ist Edgar Martinez mit 58,6%. Die beiden wegen ihrer Dopinggeschichte umstrittenen Stars Roger Clemens (54,1%) und Barry Bonds (53,8%) erhielten weniger Stimmen als allgemein erwartet wurde und sehen ihre Chancen, es irgendwann in das Ehrenmuseum zu schaffen, langsam aber sicher schwinden. Auch Manny Ramirez, der mit Außenseiterchancen in sein erstes Jahr als wählbarer Kandidat gegangen war, wird sich nach seinen 23,8% keine großen Hoffnungen mehr machen, auch wenn er noch neun Chancen haben wird. Keine Chance mehr hat hingegen Jorge Posada (3,8%). Da er im ersten Anlauf unter 5% blieb, ist er bei der nächsten Wahl nicht mehr dabei – ein Schicksal, das er mit 15 anderen Ex-Spielern teilt.

Bautista bleibt bei den Blue Jays
Es hat sehr lange gedauert, aber am Ende stand dann doch das erwartete Ergebnis: Jose Bautista bleibt das Gesicht der Franchise Toronto Blue Jays. Der erhoffte längerfristige Vertrag war für den 36-Jährigen nicht drin, aber 18 Millionen Dollar für ein Jahr plus zwei für beide Seiten optionale Jahre klingen nach einem fairen Deal.

Tyson Ross geht zu den Rangers
Eines der großen Schnäppchen dieser Offseason könnten die Texas Rangers gemacht haben. Der rechtshändige Pitcher Tyson Ross wurde, nachdem die Padres entschieden hatten, ihn ziehen zu lassen, von angeblich über 20 Clubs umworben. Ross hatte drei starke Jahre in San Diego mit einem ERA von 3.16, verpasste allerdings die letzte Saison nahezu vollständig wegen einer Verletzung am Wurfarm. Ross wurde (genau wie z. B. Matt Harvey) wegen eines „Thoracic Outlet Syndrome“ operiert und es bleibt abzuwarten, ob er danach wieder der Alte ist. Wenn er es ist, sind die 6 Millionen Dollar für seinen Jahresvertrag sehr gut angelegtes Geld. Mit Andrew Cashner, Yu Darvish, Cole Hamels, Martin Perez, A.J. Griffin und Ross haben die Rangers nun eine Rotation, die auch ein, zwei Verletzte wegstecken kann.

Die Phillies holen Saunders
Auch die Philadelphia Phillies haben noch eine Verstärkung an Land gezogen. Michael Saunders, zuletzt bei den Blue Jays unter Vertrag, bekommt zunächst für ein Jahr 9 Millionen Dollar und der Club hat noch die Option auf ein zweites Jahr für 11 Millionen. Saunders ist der lange gesuchte linkshändige Veteran, der wohl im Right Field auflaufen wird und damit Prospect Roman Quinn Zeit verschafft, etwas mehr AAA-Erfahrung zu sammeln. Jetzt müssen die Phillies nur hoffen, dass sie den Saunders aus der ersten Saisonhälfte 2016 erleben (.298/.372/.551, 16 HRs) und nicht den aus der zweiten (.178/.282/.357, 8 HRs).

Vertragsverlängerungen für Myers, Arenado und Duffy
Zu guter Letzt seien noch ein paar interessante Vertragsverlängerungen erwähnt: All-Star-3B Nolan Arenado bleibt für 29,5 Millionen Dollar die nächsten zwei Jahre bei den Colorado Rockies und umgeht mit diesem Deal das Schiedsverfahren (Arbitration), das sonst angestanden hätte.

Gleiches gilt für OF/1B Wil Myers, dessen Dienste sich die San Diego Padres für sechs Jahre und 83 Millionen Dollar gesichert haben. In meinen Augen ist es aus Clubsicht etwas riskant, sich so langfristig und für so viel Geld an einen Spieler zu binden, der in seiner bisherigen Karriere solide, aber nicht überragende Zahlen (.257/.331/.429) geliefert und sich nicht ganz unanfällig für Verletzungen gezeigt hat.

Auch Starting Pitcher Danny Duffy und die Kansas City Royals haben die Arbitration vermieden und sich stattdessen auch einen Fünfjahresvertrag über 65 Millionen Dollar geeinigt. Linkshänder Duffy kommt ebenfalls nicht ohne Fragezeichen aus, denn Konstanz war bislang nicht seine Stärke. 2016 fand er sich zunächst in den Bullpen versetzt, schwang sich dann aber mit 179.2 gepitchten Innings und einem ERA von 3.51 zum besten Starter der Royals auf. Klar, dass sie ihn halten wollten, aber ob es fünf Jahre sein mussten, lasse ich mal dahingestellt.

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