September 12th, 2017 by Dominik

Die Saison 2017 ist in der ganz heißen Phase und natürlich wollen wir alle wissen: Werden die Indians je wieder verlieren? Werden die Dodgers je wieder gewinnen? Wer holt die noch umstrittenen Wild-Card-Plätze? Und natürlich: Wer gewinnt die World Series? Aber neben all den aktuellen spannenden Fragen beglückt uns die MLB heute auch mit einem Ausblick in die etwas fernere Zukunft, denn vor wenigen Stunden wurde der Spielplan für 2018 veröffentlicht.

Die MLB ist die einzige mir bekannte Liga, die die Planung für das kommende Jahr schon während der vorherigen Saison herausgibt. Das birgt gewisse Risiken, z. B. dass zum jetzigen Zeitpunkt besonders interessant erscheinende Matchups durch den Verlauf der Restsaison ihre Brisanz verlieren. Andererseits sehe ich es als einen tollen und vorbildlichen Service für die Fans an, die langfristig planen können, ob und wie sie die Besuche von Spielen in ihre Jahresplanung einbauen.

Die beste Nachricht in Verbindung mit dem neuen Spieplan ist: Die Offseason wird angenehm kurz, denn der Opening Day am 29. März wird der früheste Saisonstart sein, den es je gegeben hat. Genauso erfreulich finde ich, dass man dieses Mal darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams haben am ersten Tag ihr erstes Spiel. Das gab es zuletzt 1968, damals allerdings mit nur 20 MLB-Teams.

Der frühe Start hängt damit zusammen, dass die Saison leicht in die Länge gezogen wird, um jedem Team drei bis vier zusätzliche freie Tage zu ermöglichen. Das Ende der reglären Saison 2018 ist für den 30. September vorgesehen, unter anderem mit dem Kracher Yankees gegen Red Sox. Voraussichtlich wird die World Series dann auch bei vollen sieben Spielen noch im Oktober entschieden werden.

Weitere Besonderheiten sind zwei nominelle Heimspiele der Minnesota Twins gegen die Cleveland Indians in Puerto Rico am 17. und 18. April sowie zum Ende des All-Star-Breaks am 19. Juli ein einzelnes Spiel zwischen den Chicago Cubs und den St. Louis Cardinals, bevor alle anderen erst einen Tag später in den Spielbetrieb zurückkehren.

Den Spielplan könnt ihr entweder als Überblick für die gesamte Liga anschauen oder nach einzelnen Teams, die ihr oben per Dropdown-Menü wählen könnt. Saisontickets können für die meisten Stadien ab sofort reserviert werden, Einzeltickets gehen je nach Team meistens im Dezember oder Januar in den Verkauf.

Posted in MLB Tagged with: ,

Juni 21st, 2016 by Dominik

Eigentlich hatte ich mir diesen Beitrag so vorgestellt, dass ich aufzeige was für einen großen Einfluss der Spielplan auf die Chancengleichheit in der MLB hat und welche Teams in diesem Jahr besonders bevorteilt oder benachteiligt sind. Doch meine Recherchen dazu brachten ein – jedenfalls für mich – überraschendes Ergebnis.

Es wird ja immer gern damit argumentiert, manche Teams hätten es in einer gegebenen MLB-Saison deutlich leichter als andere, weil sie im Durchschnitt auf schwächere Gegner treffen. Dieses Argument leuchtet ein, denn das System ist so ausgelegt, dass man die meisten Spiele gegen die Teams der eigenen Division absolviert. Wenn man das Glück hat, mehrere schwache Teams in der Division zu haben, sollte das ein erheblicher Vorteil sein. Oder?

Tatsächlich sind die Bevor- oder Benachteiligungen durch die Schedules weit geringer als man denkt. Um das zu veranschaulichen, lohnt sich ein Blick auf eine einfache Auswertung von playoffstatus.com, hier für die NL und hier für die AL. Es wird dort dargestellt, welche kombinierte Bilanz aktuell die Gegner jedes Teams aufweisen, unterteilt in a) alle Gegner, b) die bisherigen Gegner, c) die zukünftigen Gegner. Wie man in den verlinkten Tabellen sieht, streuen die Werte in den betreffenden Spalten allesamt sehr eng um 50% herum. Das spricht für eine große Ausgeglichenheit der Spielpläne und somit dafür, dass schwierigere oder leichtere Spielpläne nur ein sehr geringer Teil der Erklärung für das unterschiedliche Abschneiden der Teams sind.

Eine weitere Illustration der vergleichsweise geringen Auswirkungen der sogenannten Strength of Schedule bietet meine Lieblings-Statistikseite fangraphs.com, in dem Fall basierend auf Projektionen statt wie oben auf tatsächlichen Ergebnissen: John Sullivan betrachtet in diesem Artikel aus der Offseason auf Basis einer leicht reproduzierbaren Gegenüberstellung von zwei Schätzungen – eine davon berücksichtigt die Schwere des Spielplans, die andere nicht – die Auswirkung des Spielplans in Form von Siegen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Einfluss des Spielplans über eine volle Saison hin betrachtet für fast alle Teams deutlich geringer ist als ein Sieg mehr oder weniger. Selbst in den extremsten Fällen – in diesem Jahr die Mets und die Nationals auf der Positiv- und die Orioles auf der Negativseite – geht die Statistik von nur zwei Siegen Unterschied durch den Spielplan aus.

Es wäre übertrieben zu sagen, die Schwere des Spielplans macht keinen Unterschied. Wie Sullivan schreibt, muss man für einen Sieg mehr in der Free Agency rund 8 Millionen Dollar investieren. Oder, um es noch etwas plakativer zu machen: Zwei Spiele mehr oder weniger zu gewinnen entspricht, einen R. A. Dickey oder einen Albert Pujols in der Form von 2015 zu haben oder nicht zu haben (beide brachten in dem Jahr jeweils 2.0 WAR laut Fangraphs). Andererseits, was sind schon zwei Siege? Es sind gerade mal 2,4% der Ausbeute einer durchschnittlichen Teamsaison. Und wenn beispielsweise die New York Mets durch den Spielplan um zwei Siege begünstigt wurden, dann haben sie diesen Vorteil spätestens am letzten Wochenende annuliert, indem sie sich von den Atlanta Braves sweepen ließen.

Alles in allem lautet meine Antwort auf die Frage aus der Überschrift: Die Schwere des Spielplans in der MLB hat einen Einfluss, aber mit in der Regel weniger als einem und allerhöchstens zwei Siegen in einer 162-Spiele-Saison ist dieser viel kleiner als ich gedacht hätte.

Posted in MLB, Statistik Tagged with: , , ,