August 10th, 2017 by Dominik

Rund 50 Spiele hat jedes MLB-Team noch zu absolvieren in diesem Jahr. Das sind mehr Partien als in den meisten anderen Sportarten in einem ganzen Jahr gespielt werden, in der MLB aber nicht mal ein Drittel der Saison. Ungefähr die Hälfte der für die Playoffs relevanten Entscheidungen ist so gut wie gefallen – die NL East sowie die beiden West-Divisionen sind entschieden, die Wild-Card-Plätze in der NL quasi sicher vergeben. Aber zum Glück gibt es ja noch die andere Hälte der Divisionen sowie die Wild Cards der AL, um die allesamt noch lange gerangelt werden wird, vielleicht bis zum letzten Spieltag. Und wenn nicht, dann lässt man sich eben durch die vielen netten Geschichten am Rande unterhalten: von kuriosen Spielverläufen, von verblüffenden Statistiken oder von MLB-Stars, die sich mit Drachen anlegen. Das alles und noch viel mehr gibt es heute im Grand Slam am Donnerstag.

National League
Um eine Steigerungsmöglichkeit zu wahren, fangen wir an mit der langweiligsten Division im Baseball, der National League East. Die Washington Nationals (67-45) dominieren souverän und fliegen doch ein wenig unter dem Radar, was die Gesamtbetrachtung der Liga angeht: Den Divisionssieg haben sie längst in der Tasche, weil Konkurrenz darum nicht existent ist, mit den ganz Großen – also den Dodgers und den Astros – können sie aber mit ihrer bisherigen Bilanz nicht mithalten. Ich muss es hier mal sagen, so leid es mir tut: Die Teamführung der Nationals leistet sehr gute Arbeit. Ohne viel Rampenlicht und ohne viel dafür abzugeben, wurde zur Trade-Deadline die bisherige Schwachstelle ausgemerzt, indem das Relief Pitching mit Ryan Madson, Sean Doolittle und Brandon Kintzler aufgerüstet wurde. Ganz anders hingegen meine New York Mets (50-61): Sie haben mit OF Jay Bruce (nach Cleveland) gestern den dritten Top-Spieler nach RP Addison Reed (nach Boston) und 1B Lucas Duda (nach Tampa Bay) abgegeben. Das wäre prinzipiell völlig in Ordnung und sinnvoll, wenn sie nur ein bisschen mehr dafür herausgeholt hätten als fünf unter ferner liefen einzustufende Minor-League-Reliever…

Deutlich mehr Spaß als der Blick auf die NL East macht der auf die NL Central. Das bisherige Führungsduo schwächelte in den letzten Tagen: Die Chicago Cubs (59-54) verloren zweimal gegen die San Francisco Giants, die Milwaukee Brewers (59-57) unterlagen gegen die Tampa Bay Rays und die San Francisco Giants viermal in Folge. Lachender Dritter sind die St. Louis Cardinals (58-56), die mit fünf Siegen hintereinander zu den beiden anderen aufgeschlossen haben, sodass nun alle drei nahezu gleichauf liegen. Auch die Pittsburgh Pirates (56-58), die seit letzten Donnerstag fünf von sieben Spielen gewonnen haben, könnten zumindest theoretisch noch ins Geschehen an der Spitze eingreifen. Die NL Central ist dieses Jahr sicher nicht die hochkarätigste, aber wohl die spannendste Division der MLB.

Das krasse Gegenteil davon ist die NL West. Hochkarätig? Aber hallo – mit den unglaublichen Los Angeles Dodgers (80-33) an der Spitze und dahinter den Colorado Rockies (65-48) und den Arizona Diamondbacks (64-49), die in jeder anderen Division um Platz eins mitspielen würden. Spannend? Leider nein – die Dodgers haben inzwischen fünfzehneinhalb Spiele Vorsprung und den beiden anderen sind die Wild Cards der NL so gut wie sicher. Die einzige Frage, die im Hinblick auf die Playoffs noch zu beantwoten ist, ist die nach dem Heimrecht im Wild-Card-Spiel. Wenigstens dieses Rennen ist noch spannend zwischen den Rockies und den Diamondbacks.

American League
In der American League East herrscht ein bisschen Showdown-Stimmung: Die Boston Red Sox (65-49) haben zuletzt acht Partien in Folge gewonnen und dabei den Abstand auf die New York Yankees (60-52) auf vier Spiele ausgebaut. An den beiden kommenden Wochenenden kann sich in dieser Division eine Vorentscheidung ergeben, denn die Red Sox und die Yankees treffen sich zu sechs direkten Duellen – diese Woche in New York, nächste Woche in Boston. Wenn die Red Sox aus diesen beiden Serien als deutlicher Sieger hervorgehen, dürften sie so gut wie durch sein. Die Yankees müssen übrigens dazwischen viermal gegen die Mets spielen – mit denen ist zwar zurzeit nicht viel los, aber umso motivierter dürften sie in die Stadtderbys gehen. Die Tampa Bay Rays (58-57) laufen immer Gefahr, im Windschatten der Red Sox und Yankees übersehen zu werden. Dabei spielen sie nach wie vor eine konstant solide Saison und in der ausgeglichenen AL könnte das am Ende durchaus für einen Wild-Card-Platz reichen.

Die AL Central wird angeführt vom nächsten Gegner der Rays, den Cleveland Indians (60-51). Die haben allerdings drei der letzten vier Spiele verloren und können froh sein, dass die Kansas City Royals (57-56) es ihnen gleich getan und somit nichts am Abstand von vier Spielen geändert haben. Anders als die Royals haben die Minnesota Twins (56-56) die Gunst der Stunde genutzt und sich mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen zurück in die Spitzengruppe gespielt, aus der ich sie schon abgeschrieben hatte. Mit drei Homeruns, fünf RBIs und drei Walks in diesen Spielen hatte „unser“ Major Leaguer Max Kepler einen ordentlichen Anteil an den Erfolgen. Minnesota steht nun viereinhalb Spiele hinter Cleveland und nur eineinhalb Spiele hinter der zweiten Wild Card.

Diese Wild Card belegen momentan die Seattle Mariners (59-56). Die Mariners haben sich nach einem enttäuschenden Saisonstart beständig hochgearbeitet und weisen seit 1. Juni eine Bilanz von 34-27 auf. In der AL West gibt es für sie zwar mit Sicherheit kein Vorbeikommen an den Houston Astros (71-42), auch wenn diese momentan etwas schwächeln und gerade eine Serie gegen die Chicago White Sox verlieren. Aber nach dem schwachen Beginn überhaupt in die Playoffs zu kommen, wäre schon ein toller Erfolg für die Mariners. Doch noch ist es ein weiter Weg, denn um die eine Wild Card (die andere wird wohl an die Yankees gehen) balgen sich mit den Mariners noch die Rays, die Royals, die Twins, die Orioles sowie in der eigenen Division die Los Angeles Angels (57-58). Die Angels sind übrigens ab heute zu einer Vier-Spiele-Serie zu Gast in Seattle.

Szene der Woche
Ich habe offen gestanden massiv damit geliebäugelt, den Cameo-Auftritt von Mets-Pitcher Noah Syndergaard bei Game of Thrones zur Szene der Woche zu erklären. Es war dann aber doch nicht so großartig wie erhofft, meinen Lieblingsspieler in meiner Lieblingsserie zu sehen. Zum einen war sein Auftauchen so kurz, dass man quasi mit Lupe und Standbild danach suchen musste. Zum anderen ließ die Leistung aus sportlicher Sicht zu wünschen übrig: He hit the first opponent he faced and then he got burned badly. (Sorry, das Wortspiel funktioniert nur auf Englisch.) Daher wähle ich dann doch die konservativere Variante und bestimme den Walk-Off-Homerun von Steven Souza Jr. zur Szene der Woche. Das Besondere daran ist, dass dieser Hit die längste Phase eines MLB-Teams ohne einen Walk-Off-Homerun beendete. Seit 22. Mai 2014 hatten die Tampa Bay Rays keinen solchen mehr erzielt, bis Souza Jr. am Sonntag mit seiner Aktion den 2:1-Sieg über die Milwaukee Brewers sicherte.

Statistik der Woche 
26. So alt ist Mike Trout seit Montag, was an sich noch keine bemerkenswerte Zahl ist. Aber wie wäre es mit diesen hier: Es war bereits das vierte Mal, dass Trout an seinem Geburtstag einen Homerun erzielte. Ausgerechnet an seinem Geburtstag gelang ihm auch sein 1000. Hit in der MLB. Währenddessen schlug Bryce Harper den 150. Homerun seiner Karriere – im auf den Tag genau gleichen Alter von 24 Jahren und 295 Tagen, in dem auch Trout seinen 150. Homerun erzielte. Und das ausgerechnet an dessen Geburtstag.

Spiel der Woche
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Chicago Cubs und die Arizona Diamondbacks sich dieses Jahr in den Playoffs begegnen. Falls es dazu kommen sollte, werden es hoffentlich wieder Spiele wie das am vergangenen Donnerstag. In einer geradezu epischen Regenschlacht machte Arizonas Paul Goldschmidt den Unterschied, indem er nach jeder Regenpause einen Homerun erzielte. Der erste trug dazu bei, die Diamondbacks im ersten Inning mit 4:0 in Front zu bringen. Der zweite baute die Führung im fünften Durchgang auf 6:1 aus. Nachdem die Cubs die Partie zwischenzeitlich auf 6:7 gedreht hatten und es nach acht Innings 8:8 stand, war es gegen Cubs-Closer Wade Davis Goldschmidts dritter Blast, der Arizona endgültig auf den Weg zum 10:8-Sieg brachte.

Spiel der kommenden Woche
In den kommenden Tagen sollte man sich das eine oder andere Spiel der Boston Red Sox anschauen – zum einen, weil sie mit ihrer aktuellen Acht-Siege-Serie das sind, was man im US-Sport „red hot“ nennt, zum anderen weil ihr Spielplan für die nächsten zwei Wochen ausnahmsls hochkarätige Begegnungen vorsieht: sechsmal gegen die Yankees, fünfmal gegen die Indians und zweimal gegen die Cardinals. Mein konkreter Einschalttipp ist die Partie gegen die Yankees am Samstag mit einem interessanten Pitcherduell zwischen Luis Severino (2.91 ERA, 2.91 FIP) und Drew Pomeranz (3.36 ERA, 3.69 FIP) und einer bequemen Startzeit von 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , ,

Juli 20th, 2017 by Dominik

Willkommen in der Trade Season: Ab Mitte Juli bis zur Trade Deadline am 31. Juli ist traditionell die Zeit, in der sich die Clubs der MLB auf diverse Spielerwechsel einigen. Die Teams, die sich Chancen auf einen Playoff-Run ausrechnen, rüsten ihren Kader auf; die aktuell schwächeren Teams entledigen sich guter, aber oft teurer Spieler, die meist sowieso nicht mehr lange unter Vertrag stehen, und lassen sich dafür mit Talenten entschädigen, die ihnen langfristig weiterhelfen. Die bislang interessantesten Trades dieses Jahres fanden zwischen den New York Yankees und den Chicago White Sox (IF Tod Frazier, RP David Robertson und RP Tommy Kahnle für drei Prospects und RP Tyler Clippard), den Chicago Cubs und den Chicago White Sox (SP Jose Quintana für vier Prospects) sowie zwischen den Washington Nationals und den Oakland Athletics (RP Sean Doolittle und RP Ryan Madson für zwei Prospects und RP Blake Treinen) statt. Einmal mehr sehen die White Sox nach dem großen Gewinner unter den Rebuilding-Teams aus. Inzwischen haben sie 10 der 70 besten Prospects laut der Liste von mlb.com unter Vertrag – allen voran Prospect Nummer eins, 2B Yoan Moncada, der gestern Abend sein MLB-Debüt feierte.

Noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich bin die nächsten gut zwei Wochen im Urlaub. Mein Plan ist, auch in dieser Zeit den Grand Slam am Donnerstag regelmäßig zu schreiben und zu veröffentlichen. Aber wundert euch bitte nicht, wenn er mal etwas später kommt oder kürzer ausfällt als gewohnt und wenn ich wenige oder gar keine zusätzlichen Artikel schreibe.

American League
In der American League East liegen nach vor die Boston Red Sox (54-42) vorne, doch das bemerkenswerteste an der Rangliste ist Platz zwei, der inzwischen von den Tampa Bay Rays (51-45) belegt wird. Die Rays sicherten sich beide Serien, die sie seit dem All-Star-Break zu absolvieren hatten, während die New York Yankees (48-45) über einen Split gegen Boston und ein 1-2 gegen Minnesota nicht hinauskamen. Von ihrem Run Differential (+96) sind die Yankees nach wie vor ein Top-Team, doch sie haben mittlerweile zehn Serien hintereinander nicht für sich entscheiden können. Noch belegt New York einen Wild-Card-Platz, doch der Vorsprung ist auf nur noch ein halbes Spiel vor Minnesota, eineinhalb vor Seattle und zwei vor Kansas City zusammengeschmolzen. Und es steht nun ausgerechnet eine Vier-Spiele-Serie in Seattle an.

Die AL Central ist an der Spitze sehr eng beisammen, nur eine einzige Niederlage trennt die Cleveland Indians (48-45) und die Minnesota Twins (48-46). Auch die Kansas City Royals (46-47) haben noch alle Chancen, wenngleich sie mit vier Niederlagen aus sechs Spielen gegen Gegner, die allesamt eine schlechtere Bilanz aufwiesen, schwach in die zweite Saisonhälfte gestartet sind. Den Royals stehen nun sieben weitere Spiele gegen die beiden Kellerkinder der Division, die Detroit Tigers (43-50) und die Chicago White Sox (38-54), bevor. Die müssen sie positiv bestreiten, wenn sie im Kampf um den Divisionssieg weiterhin mitmischen wollen.

Die Houston Astros (63-32) müssen sich schon lange keine Sorgen mehr um den Divisionssieg in der AL West machen. Dieser ist so sicher wie er sein kann und die Astros können den Rest der Saison gelassen angehen. Der Terminplan ist derzeit ebenfalls freundlich zu ihnen, denn sie spielen nun neun Spiele gegen Gegner mit negativer Bilanz. Keine negative Bilanz mehr haben die Seattle Mariners, die sich durch eine 2-1 gewonnene Serie gegen die Astros auf 48-48 hochgearbeitet haben und zwar 15.5 Spiele hinter Houston, aber nur 1.5 Spiele hinter der Wild Card stehen. Die Texas Rangers (45-49) sind derweil durch vier Niederlagen hintereinander deutlich in den negativen Bereich und gleichzeitig hinter die Los Angeles Angels (47-50) gerutscht.

National League
Nachdem die Washington Nationals (57-37) nun auch ihre eine große Schwäche, den Bullpen, aufgerüstet haben, ist der Abstand zwischen ihnen und dem Rest der National League East noch größer geworden. Keines der anderen Teams ist konkurrenzfähig, weder in der Division noch in Bezug auf die Wild Cards. Das hat durchaus auch Vorteile für die Atlanta Braves (45-48), die New York Mets (43-50), die Miami Marlins (42-51) und die Philadelphia Phillies (32-61). Im Gegensatz zu vielen anderen Teams in der Liga müssen sie sich keine Gedanken machen, ob man zur Trade Deadline noch irgendwelche Ambitionen für die laufende Saison hat. Sie können alle vier beruhigt als Seller auftreten und an ihren Plänen für eine bessere Zukunft arbeiten.

Das beste Gegenbeispiel dazu ist die NL Central, in der einzig die Cincinnati Reds (40-55) schon klar aus dem Rennen sind. Die Milwaukee Brewers (52-46), das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, hat derzeit fünf Spiele in Folge verloren, darunter ein Vier-Spiele-Sweep durch die Pittsburgh Pirates (48-48). Schon vor Wochen war Pittsburgh eigentlich komplett abgeschrieben, jetzt beträgt der Abstand auf die Spitze nur noch drei Spiele. Zwischen den Pirates und den Brewers steht noch Titelverteidiger Chicago Cubs (49-45), der seit dem Ende des All-Star-Breaks ebenfalls auf einer Erfolgswelle reitet. Diese könnte durchaus noch eine Weile anhalten, denn mit den St. Louis Cardinals (46-49) und dem Stadtrivalen Chicago White Sox (38-54) stehen zwei Serien gegen deutlich angezählte Gegner bevor und anschließend kommt es gegen Milwaukee möglicherweise zu einem Showdown um die Divisionsführung.

Die NL West, nein: die ganze Liga wird zurzeit klar von den Los Angeles Dodgers (66-29) dominiert. Ich gehe weiter unten bei der Statistik noch ein bisschen näher darauf ein, was für unglaubliche Zahlen die Dodgers zurzeit produzieren. Vor nicht allzu langer Zeit war in dieser Division noch ein Dreikampf zugange, doch inzwischen haben die Dodgers einen genauso großen Abstand vor dem Rest des Feldes wie die Nationals in der NL East. Im Gegensatz zu den East-Teams stehen die Colorado Rockies (56-41) und die Arizona Diamondbacks (55-40) aber immer noch in einer sehr guten Position, was die Wild-Card-Plätze angeht. Nach wie vor abgeschlagen sind die San Diego Padres (40-54) und die San Francisco Giants (37-59), die nun zu allem Überfluss viermal gegeneinander antreten müssen.

Szene der Woche
Die Woche brachte eine ganze Reihe großartiger Szenen hervor. Da wäre zum einen der spektakuläre Homerun-Klau von Jackie Bradley Jr. gegen Aaron Judge im achten Inning eines 3:0-Sieges der Red Sox über die Yankees am Sonntag. Dann natürlich die vier Hits von Cody Bellinger zum ersten Cycle eines Rookies in der Geschichte der Dodgers. Nicht zu vergessen der erste Homerun in der Karriere von Seth Lugo einschließlich der coolen Reaktion seiner Teamkameraden und des Mets-Pitchers selbst. Mein Lieblingsmoment dieser MLB-Woche jedoch stammt von Derek Holland: Der White-Sox-Pitcher fängt einen Aufsetzer hinter dem Rücken, stellt fest, dass der Ball im kaputten Netz des Handschuhs feststeckt – und wirft daraufhin einfach den kompletten Handschuh mitsamt Ball zum Force Out an der First Base durch Jose Abreu.

Statistik der Woche 
44. So viele Spiele haben die Los Angeles Dodgers hintereinander gewonnen, wenn sie an irgendeinem Punkt des Spiels in Führung gegangen sind. Das ist die längste solche Serie, die es je in der MLB gegeben hat. Ebenfalls beeindruckend: Die Dodgers haben derzeit elf Spiele hintereinander gewonnen und 31 von den letzten 35. Mit ihren bislang 66 Siegen in dieser Saison sind sie momentan auf Kurs für 113 Siege. Das wären die zweitmeisten seit den Seattle Mariners von 2001.

Spiel der Woche
Endlich kann ich mal ruhigen Gewissens behaupten, dass mein Einschalttipp im letzten Grand Slam sich tatsächlich als das interessanteste Spiel der Woche herausgestellt hat. Das Aufeinandertreffen der Yankees und der Red Sox Freitagnacht hatte es gewaltig in sich. Hier nur ein paar der zahlreichen Highlights dieses Spiels: Zunächst mal gab es hervorragendes Pitching zu sehen. Red-Sox-Starter Chris Sale absolvierte 7 2/3 Innings mit 13 Strikeouts, ließ nur drei Hits zu und keinen Run. Auf der anderen Seite hielt Luis Severino sieben Innings durch, in denen er vier Hits und einen Run erlaubte. Anschließend teilten sich sieben Reliever der Yankees die restlichen neun Innings und ließen keinen weiteren Run zu. Dass es überhaupt so viele Innings gab, haben die Yankees Matt Holliday zu verdanken, der im neunten Inning gegen Closer Craig Kimbrel per Solo-Homerun den 1:1-Ausgleich besorgte. Zwei Innings später stand Holliday erneut im Mittelpunkt, dieses Mal mit einer sehr seltsamen Baserunning-Aktion: Holliday geriet nach einem Schlag von Jacoby Ellsbury auf dem Weg von der ersten zur zweiten Base in ein Force Out, doch statt den Lauf einfach abzubrechen, drehte er um, rannte zurück, slidete zur ersten Base und behinderte dort Mitch Moreland beim Versuch, den Ball zum Double Play zu fangen. Ellsbury wurde von den Umpires save an der ersten Base gegeben, was zu vergeblichen Beschwerden der Red Sox führte. Boston spielte daraufhin unter Protest weiter, doch die Szene erwies sich als nicht spielentscheidend, denn das Inning war kurz darauf beendet. Erst nach 16 Innings, 5:50 Stunden und 512 Pitches endete das umkämpfte Spiel mit einem 4:1-Sieg der Yankees. Es war das längste Spiel zwischen Boston und New York im Fenway Park seit 1966.

Spiel der kommenden Woche
Generell empfiehlt es sich zurzeit, die Spiele der Los Angeles Dodgers anzuschauen – zum einen, weil man sie auf dem atemberaubenden Trip, auf dem sie sich gerade befinden, mal gesehen haben sollte, zum anderen weil man natürlich auch gerne dabei sein möchte, wenn die Serie irgendwann mal endet. Davon abgesehen erscheint mir die heute Nacht beginnende Vier-Spiele-Serie zwischen den New York Yankees und den Seattle Mariners die interessanteste der kommenden Tage zu sein. Beide stehen gerade am Scheideweg dieser Saison, die Mariners eineinhalb Spiele hinter den Yankees im Wild-Card-Rennen, aber dafür mit deutlich mehr Rückenwind aus den letzten Spielen. Mein Einschalttipp ist das Serienfinale am Sonntag – aus dem pragmatischen Grund, dass man es ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit ohne allzu viel Schlafentzug anschauen kann.

Posted in Grand Slam, In eigener Sache, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Mai 25th, 2017 by Dominik

Was für ein Tag ist heute eigentlich? Religiöse Menschen feiern Christi Himmelfahrt, gleichzeitig gilt der Tag aber auch in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums als Vatertag oder – hauptsächlich in den östlichen Bundesländern – als Herrentag. Nennt ihn wie ihr wollt, auf jeden Fall ist es ein Donnerstag und da gibt es hier wie üblich den Grand Slam, den wöchentlichen Überblick zur MLB. Wenn ihr mit Lesen fertig seid, dann schnappt euch eure Freundinnen und Freunde, Kinder und sonstigen Familienmitglieder und macht einen Ausflug in den lokalen Ballpark, denn fast überall wird heute Baseball gespielt und schöner kann man einen Feiertag doch kaum verbringen, ganz egal wie er bei euch heißt.

American League
Die American League East bleibt neben der NL West die Highlight-Division der MLB. Dem tut auch keinen Abbruch, dass die New York Yankees (27-17) und die Baltimore Orioles (25-20) diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen haben. Im Gegenteil, das erlaubte den Boston Red Sox (24-21) den Anschluss an die Spitze herzustellen und aus dem bisherigen Zwei- einen Dreikampf zu machen.

Quasi täglich rechne ich damit, dass die Minnesota Twins (25-18) der unvermeidlich erscheinende Einbruch ereilt, doch bislang bleibt er aus: Nach derzeit vier Siegen in Folge, darunter ein Sweep gegen die Orioles, haben sie die Führung in der AL Central sogar etwas stabilisiert, auch wenn ihnen die Cleveland Indians (24-21) nach wie vor dicht auf den Fersen sind. War letzte Woche noch die gesamte Division sehr eng beisammen, so hat sich das inzwischen etwas entzerrt, da die Detroit Tigers (22-23), die Chicago White Sox (20-25) und die Kansas City Royals (19-27) in den letzten Tagen allesamt schwächelten und momentan den Anschluss an die Twins und die Indians nicht halten können.

Die Houston Astros (31-16) haben als erstes MLB-Team in diesem Jahr 30 Siege erreicht und führen nach wie vor souverän die AL West an. Dennoch brachte diese Woche mehrere Rückschläge für die Astros, denn zum einen wurden sie in der Serie gegen die Indians zum ersten Mal in diesem Jahr gesweept und zum anderen mussten sie ihr Pitching-Ass Dallas Keuchel auf die Verletztenliste setzen. Es sieht momentan aber ganz danach aus, dass Keuchel schon am kommenden Wochenende wieder dabei sein kann und auf die verlorene Serie antworteten die Astros direkt mit einem Sweep gegen die Tigers. Ernsthafte Verfolger hat Houston bislang noch nicht, aber mit den wiedererstarkten Texas Rangers (24-23) und den überraschend soliden Los Angeles Angels (25-24) weisen immerhin zwei weitere Teams der Division eine positive Bilanz auf. Die Oakland Athletics (21-25) und nach der jüngsten Serie von fünf Niederlagen auch die Seattle Mariners (20-27) sind schon recht abgeschlagen.

National League
Es tut mir in der Seele weh, aber zurzeit habe ich den Eindruck, dass ich – obwohl erst gut ein Viertel der Saison vorbei ist – für den Rest des Jahres immer nur das Gleiche über die National League East zu sagen habe: Die Washington Nationals (28-17) spulen routiniert ihr Programm ab und langweilen sich dabei ein bisschen, denn die anderen Teams der Division sind derzeit schlichtweg nicht konkurrenzfähig – entweder weil sie wie die Atlanta Braves (20-24) und die Philadelphia Phillies (15-29) in der Entwicklung ihres Rosters generell noch nicht so weit sind oder weil sie wie die New York Mets (19-25) extrem von Verletzungen gebeutelt werden oder weil sie die Miami Marlins (16-29) sind, bei denen beide Faktoren zutreffen und sich mit massiver Plan- und Richtungslosigkeit der Franchise paaren.

Was die Minnesota Twins in der American League sind, sind die Milwaukee Brewers (25-21) in der National League: ein Team, das eigentlich mitten im Rebuild steckt, sich aber erstaunlich stark und erstaunlich konstant an der Spitze hält, in diesem Fall an der der NL Central. Je drei Siegen gegen die Mets und die Padres sowie einem Split mit den Cubs folgte nun zwar ein gegen die Blue Jays erlittener Sweep, der die Führung der Bewers vor den St. Louis Cardinals (23-20) und den Chicago Cubs (24-21) aber noch nicht gefährdete. Deutlich abgerutscht ist hingegen das zweite überraschend stark gestartete Team, die Cincinnati Reds (22-24), die sich nach neun Niederlagen aus den letzten zwölf Spielen nur noch knapp vor dem derzeitigen Schlusslicht Pittsburgh Pirates (21-26) halten.

Für die NL West erwartet zwar fast jeder, mich selbst eingeschlossen, dass über kurz oder lang die Los Angeles Dodgers (27-20) sich als die konstanteste Größe im derzeitigen Führungstrio erweisen, aber noch gibt es dafür keine sichtbaren Anzeichen, denn sowohl die Colorado Rockies (31-17) als auch die Arizona Diamondbacks (29-19) befinden sich schon wieder auf Siegesserien. Die San Francisco Giants (20-28) scheinen mit acht Siegen aus den letzten zwölf Spielen, darunter eine Serie von fünf gewonnenen Partien hintereinander, so langsam in Tritt zu kommen. Von einer Aufholjagd zu sprechen, wäre derzeit noch übertrieben; aber zumindest setzen sich die Giants inzwischen deutlich von den San Diego Padres (17-31) ab, dem momentan schlechtesten Team außerhalb der NL East.

Szene der Woche
Zugegeben, mit Baseball hat meine Szene der Woche nicht viel zu tun, aber mit irgendwas muss man sich ja während einer zweistündigen Regenpause beschäftigen. Die Bullpens der Chicago Cubs und der Milwaukee Brewers nutzten die Unterbrechung des Spiels am Freitag, um sich und die ausharrenden Zuschauer mit einem lustigen Tanzwettbewerb bei Laune zu halten. Joachim Llambi wäre ob der dargebotenen Künste wohl nicht gerade vor Begeisterung vom Stuhl gefallen, aber ich habe mich köstlich amüsiert.

Statistik der Woche 
8. In so vielen Spielen hintereinander hat Red-Sox-Pitcher Chris Sale jeweils eine zweistellige Anzahl von Strikeouts erzielt. Damit hat er seinen eigenen, mit Pedro Martinez geteilten Rekord von 2015 eingestellt. Übertreffen konnte er ihn aber nicht, denn letzte Nacht endete die Serie, als Sale beim 9:4-Sieg gegen die Texas Rangers nur sechs Strikeouts gelangen.

Spiel der Woche
Die San Francisco Giants haben dieses Jahr bislang nicht allzu viele Highlights produziert, aber der Sieg bei den St. Louis Cardinals vom Samstag war auf jeden Fall eines: Volle zwölf Innings lang gelang es San Francisco nicht, auch nur einen einzigen Runner in Scoring Position, also auf die zweite Base oder weiter zu bringen – das hatte seit 1990 kein anderes Team „geschafft“. Im dreizehnten Inning fanden die Giants dann doch noch ihre Bats. Mit drei Singles hintereinander wurden die Bases geladen und der 21-jährige Rookie Christian Arroyo brachte am Ende eines 12-Pitch-At-Bats einen Double an und damit die ersten zwei Runs des 3:1-Erfolges nach Hause. Erwähnen sollte man noch die starken Auftritte der beiden Starter Jeff Samardzija (Giants) und Carlos Martinez (Cardinals): Es war das erste Spiel in diesem Jahr, in dem beide Starter mindestens acht Innings durchhielten und keine Runs erlaubten.

Spiel der kommenden Woche
Letzte Woche habe ich an dieser Stelle ordentlich daneben gegriffen, denn ausgerechnet das von mir als Einschalttipp gewählte Spiel der Cubs gegen die Brewers wurde wegen schlechten Wetters abgesagt. In der Hoffnung, dass sich meine Empfehlung nicht wieder als schlechtes Omen erweist, lege ich euch für diese Woche das Gipfeltreffen der AL East zwischen den New York Yankees und den Baltimore Orioles ans Herz. Das europafreundlichste Spiel der Serie ist gleich das erste am Montag um 19:05 Uhr unserer Zeit. Die Starting Pitcher werden voraussichtlich Luis Severino (3.11 ERA) für die Yankees und Dylan Bundy (2.92 ERA) für die O’s sein.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , ,