April 5th, 2018 by Dominik

Sieben Tage MLB liegen hinter uns, jedes Team hat schon mal gewonnen, jedes Team hat schon mal verloren und ganz vorne stehen – von wegen World-Series-Hangover! – die Houston Astros. Die neue Saison hat gut angefangen, nur das Wetter spielte leider vielerorts nicht mit. Eine Menge Spiele mussten wegen Regens, Schnees und eines Sturms verlegt werden, darunter allein drei mit Beteiligung der Detroit Tigers. Man könnte die vielen Spielausfälle als Argument gegen den dieses Mal besonders frühen Saisonstart anführen, aber im Endeffekt ist es wohl einfach Pech, dass der Frühling in den USA genau wie bei uns in diesem Jahr noch nicht so recht in die Gänge kommt. Der Grand Slam am Donnerstag fast das Geschehen der vergangenen sieben Tage zusammen, heute erstmals wieder in der Saison-Variante – los geht’s.

American League
In der American League East stehen die beiden Teams vorne, die man genau dort erwartet hatte: die Boston Red Sox (5-1) und die New York Yankees (4-2). Die Red Sox begannen das Jahr zwar mit einer Niederlage in Tampa Bay, ließen dieser aber fünf Siege folgen und gehen selbstbewusst in die erste Heimserie. In dieser geht es erneut gegen die Rays (1-5), welche nach fünf Niederlagen hintereinander ebenso einen Fehlstart hingelegt haben wie die Baltimore Orioles (1-5). Die Fans der Yankees machten übrigens in ihrem Home Opener sehr deutlich, dass sie dieses Jahr nicht bereit sind, Geduld walten zu lassen: Neuverpflichtung Giancarlo Stanton, der einen schlechten Tag erwischt hatte und fünf Strikeouts kassierte, wurde von einem Teil der Zuschauer gnadenlos ausgebuht – ungeachtet der Tatsachen, dass die Yankees das Spiel deutlich gewannen und dass Stanton bei seinem Debüt für den neuen Klub ein paar Tage vorher zwei Homeruns in Toronto geschlagen hatte. Die Blue Jays (4-3) hatten übrigens ebenfalls einen guten Start, ließen einem Split gegen die Yankees, eine 2:1 gewonnene Serie gegen die White Sox folgen.

Trotz der verlorenen Serie gegen die Blue Jays finden die Chicago White Sox (3-2) sich derzeit an völlig ungewohnter Stelle wieder, nämlich an der Spitze der AL Central. Das liegt vor allem daran, dass sie die Eröffnungsserie gegen die Kansas City Royals (1-3) mit 2:0 gewonnen haben und dass die in der Division favorisierten Cleveland Indians (2-4) etwas holprig in die Saison gestartet sind – sowohl gegen die Seattle Mariners als auch gegen die Los Angeles Angels setzte es verlorene Serien. Die Minnesota Twins (3-2) hingegen hatten einen guten Start mit drei deutlichen Siegen bei zwei knappen Niederlagen. Max Kepler ist ebenfalls gut drauf: Er stand in allen fünf Spielen in der Startformation, kam mindestens einmal pro Spiel auf Base und schlug am Samstag gegen Baltimore seinen ersten Homerun der Saison. Die schlechteste Bilanz in der AL haben bislang die Detroit Tigers (1-4) – das sollte man allerdings noch nicht zu hoch bewerten, denn angesichts von drei Spielverlegungen ist es nicht einfach, in Tritt zu kommen, und ein Run Differential von -2 zeigt, dass die Tigers bei den bisherigen Resultaten wohl auch ein bisschen Pech hatten.

In der AL West cruisen die Houson Astros (6-1) schon wieder überlegen an der Spitze. Nach einer 3:1-Serie gegen die Texas Rangers (2-5) wurden die Baltimore Orioles 3:0 gesweept und die in der Offseason oft gehörte Frage „Wer soll dieses Team aufhalten?“ harrt weiterhin einer Antwort. Aber vielleicht ist diese Antwort gar nicht weit weg, denn die Los Angeles Angels (5-2) machen bislang ebenfalls einen guten Eindruck. Sie haben ihre Serien gegen die Oakland Athletics (3-4) sowie gegen Cleveland gewonnen und Shohei Ohtani scheint tatsächlich das Zeug zu dem Doppel-Star zu haben, als der er angepriesen wurde: Sein erstes Outing als Pitcher (6 IP, 3 H, 3 R, 6 SO) war mindestens solide, als Designated Hitter war er noch besser mit 6 Hits in 14 At Bats, darunter zwei Homeruns. Die Seattle Mariners (3-2) sind eigentlich auch gut in die neue Saison gekommen, machen aber gleichzeitig ihrem Ruf als einer der Pechvogel-Klubs der Liga wieder mal Ehre: Ausgerechnet auf dem Weg von einem Homerun zurück in den Dugout knickte DH Nelson Cruz um und steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

National League
Die Tabelle der National League East möchte ich als Fan der New York Mets (4-1) am liebsten für den Rest des Jahres einfrieren, aber sie ist natürlich nur eine Momentaufnahme und neben den Mets haben auch die Atlanta Braves (4-2) und die Washington Nationals (4-2) bereits vier Siege auf dem Konto. Ensprechend gespannt darf man auf die ab heute anstehende Serie der Nationals gegen die Mets sein. Nach dem Wochenende kann man vermutlich etwas besser einschätzen, wie die Kräfteverhältnisse zwischen diesen beiden in diesem Jahr aussehen. Die Miami Marlins (2-4) stehen nach der ersten Woche wie erwartet bei einer negativen Bilanz; die beiden Siege gegen die Chicago Cubs sind schon mehr als man ihnen zugetraut hätte angesichts des schweren Anfangsprogramms mit den Cubs und den Red Sox. Das Ende der Tabelle zieren die Philadelphia Phillies (1-4), die kurz nach Saisonbeginn schon mit ihrem neuen Manager Gabe Kapler hadern. Kapler leistete sich in den ersten Spielen einige seltsame Entscheidungen, wechselte zum Beispiel am Samstag nach drei Innings Starter Vince Velasquez aus, ohne dass sich jemand im Bullpen aufgewärmt hatte, und schickte später im Spiel ohne erkennbare Not einen Positionsspieler auf den Mound. Nach dem Spiel entschuldigte er sich für seine Fehler und versprach gleichzeitig, die Phillies würden dieses Jahr die Playoffs erreichen. Übrigens treffen auch die Marlins und die Phillies ab heute direkt aufeinander.

Den besten Start in der NL Central hatten überraschenderweise die Pittsburgh Pirates (4-1), sie waren bis gestern sogar noch das einzige ungeschlagene Team der Liga. Auch die Milwaukee Brewers (4-2) sind gut aus den Startlöchern gekommen, wobei die Bilanz ihnen etwas schmeichelt, denn alle vier Siege waren sehr knapp. Drei klare Siege, aber auch drei Niederlagen haben die St. Louis Cardinals (3-3) auf dem Konto. Die Cardinals haben sich übrigens letzten Donnerstag, kurz nach meinem letzten Grand Slam, des letzten wichtigen Free Agents erbarmt und Closer Greg Holland unter Vertrag genommen. Holland erhält 14 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag und wird voraussichtlich Anfang nächster Woche bereit für seine ersten Einsätze sein. Die Chicago Cubs (2-3) müssen ihre Auftaktwoche als Fehlstart verbuchen – ein Split gegen das wohl schwächste Team der Liga, die Marlins, sowie eine Niederlage gegen die bis dahin sieglosen Cincinnati Reds (1-3) sind definitiv zu wenig für ein Team mit höchsten Ansprüchen an sich selbst.

Einen Fehlstart haben auch die Los Angeles Dodgers (2-5) hingelegt, die vor der Saison als übergroßer Favorit auf den Gewinn der NL West galten. Der Favorit sind sie immer noch, aber nach zwei Niederlagen gegen den Erzrivalen San Francisco Giants (3-3) zum Auftakt sowie nach einem Sweep durch die Arizona Diamondbacks (5-1) hat die Euphorie erst mal einen deutlichen Dämpfer bekommen. Anders sieht es bei den Colorado Rockies (3-3) aus: Deren Start war zwar auch nur durchwachsen, aber ihre Schlagzeile der Woche ist die Vertragsverlängerung mit Star-Outfielder Charlie Blackmon. Für 108 Millionen Dollar bindet der 31-Jährige sich für die nächsten sechs Jahre an Colorado und wird somit langfristig das Gesicht der Franchise bleiben.

Szene der Woche
Die Saison ist gerade erst eine Woche alt, hat aber schon so viele tolle Momente zu bieten, dass die Entscheidung an dieser Stelle mal wieder schwer fällt. In die nähere Auswahl gehören ganz sicher die Aktionen von Edwin Encarnacion, der eigentlich viel zu langsam für einen Inside-the-Park-Homerun, und von Ichiro Suzuki, der eigentlich viel zu alt für so einen Catch ist. Die Szene der Woche ist für mich aber dennoch der Homerun von Ian Happ beim allerersten Pitch der MLB-Saison 2018. Besser als mit einem solchen Paukenschlag kann man das Jahr nicht eröffnen.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns hat Joe Panik dieses Jahr schon für die San Francisco Giants geschlagen. Das ist eine ganze Menge für jemanden, der bislang nie mehr als zehn Homeruns in einem ganzen Jahr geschafft hat. Das Interessante an diesen drei Homeruns ist, dass es die drei ersten Runs waren, die die Giants in diesem Jahr zustande gebracht haben. Die drei ersten Runs eines Teams in einer Saison alle per Solo-Homerun durch denselben Spieler, das hatte es bisher noch nie gegeben. Dass ein Team seine ersten beiden Spiele mit 1:0 gewinnt und beide durch einen Homerun desselben Spielers, ist übrigens ebenfalls ein historisches Novum.

Spiel der Woche
Angesichts der Tatsache, dass die Chicago Cubs allgemein als eines der besten Teams dieser Saison eingeschätzt werden und die Miami Marlins als eines der schlechtesten, kam es recht überraschend, dass ausgerechnet diese beiden sich Freitagnacht die erste epische 17-Inning-Schlacht der Saison lieferten: Je ein Run auf jeder Seite im dritten Inning waren die einzigen Scores bis zum Walkoff der Marlins, den nach 5 Stunden und 18 Minuten drei 2-Out-Singles von Brian Anderson, Cameron Maybin und Miguel Rojas besiegelten. Zuvor durften die tapfer ausharrenden Zuschauer 34 Strikeouts, 33 gestrandete Baserunner und eine ganze Menge sehenswerter Szenen, insbesondere in der Defensive, bewundern.

Mein Einschalttipp
Wie schon erwähnt werden sich ab heute drei Spiele lang die Washington Nationals und die New York Mets gegenüber stehen. Diese Partien werden einen Eindruck davon geben, ob dieses Jahr mit mehr Spannung in der NL East zu rechnen ist als im letzten. Besonders sehenswert dürfte das erste Spiel der Serie sein, denn mit Stephen Strasburg gegen Jacob deGrom kündigt sich eines der Premium-Pitcherduelle der Liga an. Obendrein läuft das Spiel am heutigen Donnerstag zur besten europäischen Sendezeit ab 19:10 Uhr MESZ, live zu sehen auf DAZN und natürlich über mlb.tv. Übrigens: Wusstet ihr schon, dass deGrom mit einem ERA von 1.98 (bei mind. 100 IP) der erfolgreichste Pitcher der MLB-Geschichte in Mittagsspielen ist? Muss wohl ein Morgenmensch sein.

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Februar 11th, 2018 by Dominik

Mit dem Start in die Saisonvorbereitung der MLB ist auch die Zeit der Vorhersagen  angebrochen. Während der Spring-Training-Spiele werde ich mir selbst wieder jedes Team einzeln vornehmen, heute schaue ich aber erst mal durch die bekannteste Baseball-Glaskugel: die PECOTA-Projektionen von Baseball Prospectus. Diese werden auf Ebene der Einzelspieler ermittelt, sagen in der Gesamtschau aber auch komplette Tabellenstände voraus. (Wenn ihr wissen wollt, wie PECOTA und andere Vorhersagesysteme funktionieren, schaut doch mal in meinen Artikel vom letzten Jahr).

PECOTA sieht für diese Saison eine klare Dominanz von vier Teams voraus: Den Los Angeles Dodgers (99 Siege), den Houston Astros (99), den Cleveland Indians (97) und den New York Yankees (96) werden jeweils fast 100 Wins zugetraut, alle anderen Teams landen in der prognostizierten Endabrechnung bei unter 90 Siegen. Ich schätze allerdings, dass sich das für die Chicago Cubs (89) noch ändern wird, sobald die letzte Nacht getätigte Verpflichtung von Top-Free-Agent Yu Darvish in die Zahlen eingearbeitet ist.

Neben den fünf genannten Teams komplettieren die Washington Nationals (89) die Riege der vorhergesagten Divisionssieger. Die aussichtsreichsten Kandidaten für die Wild Cards sind die Diamondbacks (86), die Cardinals (84) und die Giants (84) in der NL sowie die Red Sox (87) und die Rays (84) in der AL. Düstere Zeiten prognostiziert PECOTA hingegen den Miami Marlins (66), den Kansas City Royals (66), den Detroit Tigers (68) und den Baltimore Orioles (69) mit jeweils unter 70 Siegen.

Im Großen und Ganzen ähnelt das von PECOTA für 2018 gezeichnete Bild den tatsächlichen Verhältnissen aus der letzten Saison. Die größte Veränderung wird den San Francisco Giants zugetraut, denen nach dem enttäuschenden Jahr 2017 eine Steigerung um glatte 20 Siege vorhergesagt wird.  Auf der anderen Seite wird den Kansas City Royals ohne Eric Hosmer, Mike Moustakas, Lorenzo Cain und Jason Vargas ein Absturz um 14 Siege prophezeit. Keine großen Sprünge erwartete die Projektion von den Los Angeles Angels (80) und den Milwaukee Brewers (83). Beide Teams haben zwar während der Offseason deutlich aufgerüstet, konnten PECOTA aber offenbar nicht überzeugen, dass von ihnen mehr zu erwarten ist als im letzten Jahr.

Auf Ebene der Einzelakteure ist es keine spektakuläre Weissagung, Angels-Outfielder Mike Trout mit 7.1 WARP als besten Spieler der MLB einzuschätzen. Auf den weiteren Plätzen der Positionsspieler finden sich aber doch ein paar Überraschungen: Giants-Catcher Buster Posey (5.6 WARP) hätte ich nicht auf Rang zwei erwartet und Nationals-Shortstop Trea Turner (5.3) erst recht nicht auf Platz drei. Ich bin gespannt, ob PECOTA Recht behält und Posey und Turner wirklich mehr produzieren werden als beispielsweise Bryce Harper (4.2), Jose Altuve (3.9) oder Giancarlo Stanton (3.9). Bei den Pitchern fallen die Vorhersagen etwas erwartbarer aus: Chris Sale (6.0 WARP), Clayton Kershaw (4.9), Corey Kluber (4.5) und Max Scherzer (4.1) hätte ich aus dem Bauch heraus auch auf den ersten vier Plätzen gesehen, wenngleich nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Was ist eigentlich mit Shohei Ohtani, dem am stärksten umworbenen Newcomer aller Zeiten? PECOTA traut ihm einen erfolgreichen MLB-Karrierestart zu: Mit 2.8 WARP als Pitcher würde er die Rotation der Angels anführen und ligaweit auf Rang 19 landen. Zudem werden ihm weitere 0.7 WARP als Batter zugerechnet – mehr als doppelt soviel wie Albert Pujols trotz deutlich weniger prognostizierter At Bats.

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Dezember 14th, 2017 by Dominik

Der Knoten in der MLB-Offseason ist geplatzt: Am Wochenende haben sich Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani, die wichtigsten Wechselkandidaten des Jahres, für neue Teams entschieden. Gerade rechtzeitig vor den Winter Meetings der MLB, die diese Woche in Orlando stattfinden. Diese Meetings oder wohl eher die Lunch- und Kaffeepausen dazwischen sind traditionell eine Gelegenheit, zu der viele Trades und sonstige Transaktionen in die Wege geleitet oder zum Abschluss gebracht werden. In diesem Jahr ist bislang vor allem der Markt für Reliever sehr aktiv gewesen. Ein spannender Teil und zugleich der Abschluss der Winter Meetings ist die heute Nachmittag stattfindende Rule-5-Draft.

Jubel und Sorgen um Ohtani
Die Los Angeles Angels sind der Gewinner des großen Buhlens um den japanischen Star-Pitcher und -Outfielder Shohei Ohtani. Diese Nachricht kam etwas überraschend: Als Ohtani letzte Woche zunächst 23 Teams einschließlich den ehemals als Favoriten geltenden Yankees absagte, wurden ihm diverse Ziele zugeschrieben: Er wolle an die Westküste, hieß es, und zumindest dazu passt seine Wahl der Angels. Zu den anderen Kriterien, von denen man lesen durfte, passt sie allerdings weniger: Er wolle zu einem Team mit mittelgroßem Markt, das sind die Angels sicher nicht. Er wolle zu einer Franchise mit einer guten Farm, das behaupten von den Angels nicht viele – erst recht nicht nachdem sie gerade zwei von ihren ohnehin nicht zahlreichen Prospects nach Detroit geschickt haben als Gegenleistung für 2B Ian Kinsler. Und er wolle zu einem Team, in dem er der Star ist – dazu müsste er in Anaheim erst mal an Mike Trout vorbei kommen. Aber sei es wie es will, die Angels sind es geworden, es sei ihnen herzlich gegönnt und jetzt darf man gespannt sein, ob Ohtani dem Hype gerecht wird.

Die jüngsten Meldungen sind leider nicht allzu ermutigend: Vorgestern wurde bekannt, dass Ohtani unter einem beschädigten ulnaren Seitenband im Wurfellenbogen leidet. Es handelt sich wohl vorerst nur um einen kleinen Riss, der ihn nicht zwingend beeinträchtigt. Aber für den Fall, dass das Band komplett durchreißen sollte, droht Ohtani die berüchtigte Tommy-John-Surgery und damit mindestens ein Jahr Pause.

Ziemlich neueste Freunde 
Auch Giancarlo Stanton hat eine neue Heimat gefunden und vermutlich auch einen neuen Freund: Mit Aaron Judge bildet er bei den New York Yankees zukünftig eine Mitte des Lineups, wie die MLB sie kaum jemals gesehen hat. 111 Homeruns haben die beiden 2017 zusammen geschlagen und es würde mich nicht wundern, wenn es demnächst noch mehr werden: erstens weil Judge dieses Jahr ein Rookie war und daher wohl noch Steigerungspotenzial hat; zweitens weil Stanton nun in einem deutlich hitterfreundlicheren Heimstadion spielt als bisher; drittens weil es für gegnerische Pitcher schwieriger wird, um einen der beiden herum zu pitchen, wenn danach direkt der andere an die Platte tritt.

Die Yankees haben Stanton von den Marlins mehr oder weniger geschenkt bekommen: Sie schicken nach Miami zwei nachrangige Prospects sowie 2B Starlin Castro inklusive dessen als zu teuer geltenden Zweijahresvertrag. Derek Jeter, Yankees-Legende und jetzt Miteigentümer der Marlins, ist seinem alten Klub sogar noch in der Form entgegen gekommen, dass die Marlins 30 von den 295 Millionen Dollar übernehmen, die Stanton aus seinem Vertrag noch zustehen. Somit spielt Stanton gut ein Jahr lang kostenlos für die Yankees.

Der Ausverkauf der Marlins geht weiter 
Jeter und die Marlins meinen es ernst damit, sich von ihren Stars trennen und den Kader billiger machen zu wollen. Das beweist nicht nur der Stanton-Trade zu den Yankees, sondern auch der Trade von 2B/OF Dee Gordon zu den Seattle Mariners und der von OF Marcell Ozuna zu den St. Louis Cardinals. Für beide erhalten die Marlins eine Reihe von Prospects. Als nächstes könnte OF Christian Yelich auf dem Sprung sein, womit die Marlins ihr komplettes bisheriges Outfield und damit ihre größte Stärke los wären. Zudem sind sie wohl nicht abgeneigt, den frisch von den Yankees übernommenen 2B Starlin Castro direkt weiter zu traden.

Cubs rüsten Pitching auf
Die Chicago Cubs zählen zu den aktiveren Franchises der letzten Tage und ihre Aufmerksamkeit galt klar dem Pitching: Tyler Chatwood wurde für drei Jahre und 38 Millionen Dollar verpflichtet, um die Starting Rotation zu ergänzen – nicht zuletzt weil eine Weiterbeschäftigung von Jake Arrieta inzwischen als unwahrscheinlich gilt. Chatwood hatte bei den Rockies zuletzt eher unspektakuläre Zahlen (4.69 ERA) produziert, die aber stark durch den Einfluss des Ballparks in Colorado bestimmt waren. Eine weitere Investition in die Rotation haben die Cubs mit Drew Smyly getätigt, der einen Zweijahresvertrag erhält. Nützen wird er seinem neuen Team wohl erst 2019, denn Smyly hatte im Juni eine Tommy-John-Surgery und wird somit frühestens gegen Ende der Saison 2018 einsetzbar sein. Eine sofortige Verstärkung für den Bullpen dürfte Brandon Morrow sein. Der Reliever hatte ein starkes Jahr inklusive einer arbeitsreichen Postseason, in der er in allen 15 Spielen des letztendlichen Vizemeisters Los Angeles Dodgers aktiv war.  Die Cubs zahlen Morrow 21 Millionen für zwei Jahre und haben die Option auf ein drittes Jahr.

Pineda zu den Twins
Die Minnesota Twins haben mit dem Zweijahresvertrag für Starter Michael Pineda ein ähnliches Projekt gestartet wie die Cubs mit Drew Smyly. Pineda kommt ebenfalls frisch von einer Tommy-John-Surgery und wird mindestens einen Großteil der kommenden Saison verpassen.

Tigers signen Fiers und Martin
Auch die Detroit Tigers haben ein paar Free Agents an Land gezogen, wobei SP Mike Fiers und OF Leonys Martin nicht wirklich Spieler sind, die einer bestenfalls auf der Stelle tretenden Franchise entscheidend weiterhelfen dürften. Beide Verpflichtungen sind wohl eher Wetten darauf, dass nach einem enttäuschenden Jahr ein gewisser Rebound erfolgt und man sie zur Trade Deadline gewinnbringend – das heißt gegen ordentliche Prospects – eintauschen kann.

Reliever heiß umworben 
Besonders gefragt waren in der bisherigen Offseason Relief-Pitcher. Das bestätigt die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, dass Reliever von den Teams als immer wichtiger eingestuft werden. Die Zeiten, in denen Einjahresverträge der Standard für Reliever waren, scheinen jedenfalls vorbei zu sein: Neben dem bereits erwähnten Brandon Morrow (Cubs) haben auch Luke Gregerson (Cardinals), Pat Neshek (Phillies), Bryan Shaw (Rockies), Tommy Hunter (Phillies), Jake McGee (Rockies), Anthony Swarzak (Mets), Juan Nicasio (Mariners), Joe Smith (Astros), Brandon Kintzler (Nationals) und Chris Martin (Texas Rangers) in den vergangenen paar Tagen allesamt Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen.

Machado ist zu haben
Kaum dass das Thema Giancarlo Stanton abgeschlossen ist, drängt sich die nächste mögliche Trade-Geschichte um einen Star auf: Die Baltimore Orioles sind offenbar interessiert daran, 3B Manny Machado loszuwerden, solange sie noch etwas für ihn bekommen, bevor nach der kommenden Saison ohnehin sein Vertrag ausläuft. Machado wäre mit einem Trade wohl einverstanden, insbesondere weil er gern wieder auf seiner ursprünglichen Position als Shortstop spielen würde. Viel zu melden hat Machado bei einem Deal allerdings nicht, denn sein Vertrag enthält keine No-Trade-Klausel. Angeblich liegen bereits fünf Traadeangebote vor, als Favorit  gelten zurzeit die Cardinals. Auch die Yankees sollen Interesse bekundet haben. Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass die Orioles einen Trade innerhalb der eigenen Division anstreben. Zumindest würden sie dann wohl einen höheren Preis verlangen als ihn die Yankees zu zahlen bereit sind.

Rule-5-Draft heute
Heute ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft die Rule-5-Draft der MLB. Der Zweck der Veranstaltung besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Rosters ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen. Als Kandidaten, die dieses Jahr gewählt werden könnten, gelten zum Beispiel P Mark Appel (#1-Pick der Astros 2013, enttäuschte bisher in den Minors), P Kohl Stewart (#4-Pick der Twins 2013, verletzungsanfällig) und (C/1B Max Pentecost #11-Pick der Blue Jays 2014, ebenfalls oft verletzt).

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November 30th, 2017 by Dominik

Saure-Gurken-Zeit oder die Ruhe vor dem Sturm? Auf jeden Fall hat sich in den letzten Tagen nicht viel getan in der MLB und es spricht schon eine deutliche Sprache, wenn die Verpflichtung eines Relievers durch die Athletics die interessanteste Meldung der Woche darstellt. Ansonsten wird weiterhin munter über den zukünftigen Verbleib von Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani1 spekuliert und die Yankees suchen immer noch einen neuen Manager. Für meinen Geschmack dürfte nun mal die eine oder andere Entscheidung fallen, sonst schlägt die Spannung bald um in Langeweile.

Yusmeiro Petit unterschreibt in Oakland 
Einen einzigen nennenswerten Free-Agent-Move gab es diese Woche: Relief-Pitcher Yusmeiro Petit geht für zwei Jahre und zehn Millionen Dollar zu den Oakland Athletics. Zusätzlich gibt es eine Team-Option auf ein drittes Jahr für 5,5 Millionen. Der 33-jährige Rechtshänder hatte bei den Los Angeles Angels mit 87.1 gepitchten Innings und einem ERA von 2.76 ein gutes Jahr, in dem er sich schrittweise nach oben arbeitete von einem nachrangigen Reliever in die Setup-Rolle.

Ohtani bittet die Klubs zum Bewerbungsverfahren 
Die Absicht des japanische Star-Pitchers und -Outfielders Shohei Ohtani, in die USA zu wechseln, stößt seitens der MLB-Teams auf so großes Interesse, dass Ohtani und sein Agent Nez Balelo das übliche Verfahren einer Bewerbung kurzerhand auf den Kopf gestellt haben: Alle 30 Teams wurden von ihnen gebeten, schriftlich einen ausführlichen Fragenkatalog zu beantworten. In dem Fragebogen geht es in erster Linie darum, wie die Klubs Ohtanis Fähigkeiten einschätzen, wie sie sich die Verteilung seiner Einsätze als Pitcher und/oder Positionsspieler vorstellen und warum sie ihren Verein und ihre Stadt für die beste Wahl halten. Nachdem sich die Konditionen eines möglichen Wechsels von den Nippon Ham Fighters letzte Woche geklärt haben, kann Ohtani ab dem kommenden Wochenende von einem MLB-Team verpflichtet werden. Da er unter 25 ist, wird sein Vertrag in jedem Fall ein Minor-League-Vertrag sein, das heißt er verdient drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor er als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann. Was ihm die Teams jetzt schon anbieten können, ist ein Unterschriftsbonus im Rahmen eines vorgegebenen Budgets. Von diesem Budget haben die Texas Rangers mit 3,53 Millionen Dollar den größten noch verfügbaren Rahmen, dicht gefolgt von den New York Yankees mit 3,5 Millionen. Ich bleibe bei meinem Tipp, dass Ohtani in der Bronx landen wird, aber denkbar ist alles mögliche – zum Beispiel, dass er gar nicht zu einem der ganz großen Teams will, sondern zu einem, bei dem er der unumstrittene Star sein kann; oder dass er lieber in die National League möchte als in die American League, weil dort die Chance höher ist, auch als Outfielder zum Einsatz zu kommen. Ohtani hat durchblicken lassen, dass er Japan auch deshalb verlässt, weil er dort zuletzt auf die Rollen als Pitcher und DH festgelegt worden war, während er lieber auch regelmäßig im Feld gespielt hätte.

Stantons Wunschliste 
Im Gegensatz zu Shohei Otani hat Giancarlo Stanton bereits unter Beweis gestellt, dass er in der MLB zu Höchstleistungen fähig ist. Wer ihn will, muss aber deutlich tiefer in die Tasche greifen, denn sein Vertrag sichert ihm noch 295 Millionen Dollar bis 2027. Die Miami Marlins werden auch eine Gegenleistung dafür haben wollen, dass sie Stanton ziehen lassen. Allerdings haben sie ihre Verhandlungsposition sicher nicht dadurch gestärkt, dass sie Stanton diese Woche offen gedroht haben, er solle einen Trade akzeptieren, sonst würde er in Miami bald in einem Team ohne sonstige Stars spielen. Spätestens jetzt ist für die anderen Teams klar, dass die Marlins den Outfielder und seinen Vertrag unbedingt loswerden wollen. Stanton hat bereits reagiert und dem Team eine Liste von Teams vorgelegt, zu denen er einen Wechsel akzeptieren würde. Die komplette Liste ist bislang nicht bekannt geworden, aber ganz oben stehen wohl die Los Angeles Dodgers. Stanton ist als Dodgers-Fan in Kalifornien aufgewachsen, daher wären die Dodgers das logische Ziel für ihn, zumal er bei dem World-Series-Teilnehmer auch die Chance hätte, um einen Titel zu spielen. Was einem Wechsel entgegen stehen könnte, ist allerdings die bereits jetzt ungünstige Gehaltsstruktur der Dodgers. Schon ohne Stanton werden sie 2018 über der Schwelle liegen, ab der eine Strafabgabe – die Luxury Tax – an die Liga fällig wird, mit Stanton wird diese Abgabe im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Yankees suchen weiter, Beltran ein Kandidat
Die New York Yankees nehmen sich nun schon über einen Monat Zeit bei der Suche nach einem neuen Manager. Mit fünf Kandidaten wurden bereits im Laufe der letzten Wochen Vorstellungsgespräche geführt:

  • Rob Thomson, Bench-Coach der Yankees
  • Eric Wedge, Berater bei den Blue Jays
  • Hensley Meulens, Bench-Coach der Giants
  • Aaron Boon, ESPN-Analyst
  • Chris Woodward, Third-Base-Coach der Dodgers

Offenbar hat noch keiner der Bewerber nachhaltig überzeugen können, denn es werden dieser Tage weitere Interviews geführt. Von den neuen Kandidaten ist bislang nur einer bekannt geworden: Carlos Beltran hatte sein Gespräch gestern. Der ehemalige Outfielder hatte erst zwei Wochen zuvor sein Karriereende als Spieler verkündet und bereits durchblicken lassen, dass er interessiert ist, zukünftig als Manager tätig zu sein. Über eine Anstellung Beltrans mit seinem bekanntermaßen guten Draht zu jungen Spielern würden sich Fans und Mitspieler sicher freuen, aber die fehlende Erfahrung in der Rolle des sportlich Verantwortlichen macht es in meinen Augen relativ unwahrscheinlich, dass man ihn direkt mit dem renommiertesten Baseball-Traineramt der Welt betraut.

1Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich ab heute nicht mehr „Otani“ schreibe, sondern „Ohtani“ mit „h“. Ich habe mich bezüglich der korrekten Schreibweise eines Besseren belehren lassen.

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November 23rd, 2017 by Dominik

Diese Woche könnte man eine ganze Folge des Grand Slam am Donnerstag einem einzigen Team widmen: Die Atlanta Braves beherrschten die MLB-News – im Positiven, aber auch und leider vor allem im Negativen. Zum Glück gibt es ein paar verlässliche Dauerbrenner-Themen, dank derer man auch ein bisschen was schreiben kann, was nichts mit den Braves zu tun hat: die Frage, für wen Giancarlo Stanton nächstes Jahr seine Homeruns schlagen wird, die ersehnte Ankunft von Supertalent Shohei Otani und natürlich wieder einige Trades der Seattle Mariners. Außerdem wachsen seit dieser Woche die Spekulationen um eine schon lange diskutierte mögliche Regeländerung. Und bevor ich es vergesse: Happy Thanksgiving an alle, die diesen Tag in irgendeiner Weise feiern!

Braves dominieren die Arizona Fall League
Die wichtigste Herbstliga für MLB-Talente, die Arizona Fall League, hat am Samstag ihre Saison abgeschlossen. Im Finale siegten die Peoria Javelinas 8:2 gegen die Mesa Solar Sox und was von der AFL-Spielzeit 2017 hängen bleibt, sind vor allem die Leistungen der Prospects der Atlanta Braves. Wie jedes Team der AFL werden die Javelinas mit Nachwuchs aus mehreren MLB-Franchises bestückt, doch die der Braves ragten deutlich heraus. Das gilt vor allem für den 19-jährigen Outfielder Ronald Acuna, der zum MVP der AFL-Saison gewählt wurde. Aber auch Infielder Austin Riley, Catcher Alex Jackson und Pitcher Max Fried hatten großen Anteil am Erfolg von Peoria. Das Farmsystem der Braves könnte somit der große Gewinner dieser Offseason sein, wenn da nicht diese unangenehme andere Sache wäre:

Harte Strafen gegen die Braves und ihren Ex-GM 
Wie ich letzte Woche schon berichtet hatte, haben die Braves sich dabei erwischen lassen, dass sie mehrere Regeln verletzt haben, vor allem im Bereich der Verpflichtung von internationalen Talenten. Im Wesentlichen ging es darum, dass sie die dafür von der MLB festgelegten Budgetgrenzen umgingen, indem sie mehreren Spielern zusätzliche verschleierte Zahlungen zukommen ließen. Die MLB hat nun die Strafen für die Verstöße bekannt gegeben und man kann sie durchaus als drastisch beschreiben: Die Braves verlieren 13 ihrer internationalen Talente, darunter den hoch gehandelten venezolanischen Shortstop Kevin Maitan. Die restlichen betroffenen Spieler sind Juan Contreras, Yefri del Rosario, Abrahan Gutierrez, Juan Carlos Negret, Yenci Peña, Yunior Severino, Livan Soto, Guillermo Zuniga, Brandol Mezquita, Angel Rojas, Antonio Sucre und Ji Hwan Bae. Sie alle sind nun wieder Free Agents und können ab einem Zeitpunkt in ca. zwei Wochen von jedem MLB-Team verpflichtet werden. Die Braves dürfen derweil bis 2020 lediglich Talente aus dem Ausland verpflichten, die mit einem Bonus von unter 10.000 Dollar zufrieden sind, und 2021 verfügen sie nur über die Hälfte des Budgets für Auslandsverpflichtungen. Persönlich bestraft wurden der ehemalige General Manager der Braves, John Coppolella, mit einem lebenslänglichen sowie sein Assistent Gordon Blakely mit einem einjährigen Beschäftigungsverbot innerhalb der MLB. Zu unguter Letzt verlieren die Braves ihren Drittrundenpick in der nächsten Draft, nachdem sie auch einem gedrafteten Spieler eine unzulässige Zahlung angeboten hatten.

Rücktritt von John Hart 
Und noch mal die Braves: Der bisherige Teampräsident John Hart war letzte Woche im Zuge der Anstellung des neuen GM Alex Anthopoulos entmachtet worden, auch darüber hatte ich berichtet. Mit der ihm zugedachten neue Rolle als „Senior Advisor“ konnte Hart sich offenbar nicht anfreunden, denn wenige Tage später gab er seinen Rücktritt bekannt. Vermutlich ist das ein Schritt, auf den die Braves gehofft hatten, denn wenn eine Franchise je einen kompletten Neuanfang im Front Office nötig hatte, dann sicher diese. Ob und inwiefern Hart eine Rolle bei den Regelverstößen der Braves gespielt hatte, bleibt derweil unklar. Bei den von der MLB ausgesprochenen Strafen ging er leer aus, da man ihm wohl glaubte – oder zumindest nichts anderes beweisen konnte –, dass er von den Vorgängen nichts mitbekommen hatte.

Verhandlungen um Stanton nehmen Fahrt auf
Für den heißesten Trade-Kandidaten der Offseason liegen die ersten konkreten Angebote vor: Die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals sind in konkrete Verhandlungen mit den Miami Marlins um den MVP der National League eingetreten. Neben diesen beiden Teams gelten die Boston Red Sox und die Los Angeles Dodgers als realistische Kandidaten für eine Aufnahme von Stanton mitsamt seinem teuren Vertrag. Dieser Vertrag sichert Stanton nicht nur 295 Millionen Dollar und eine Anstellung bis 2027, sondern auch das letzte Wort bei einem möglichen Trade. Ohne seine Zustimmung können die Marlins keinen Deal eingehen. Nicht zuletzt deshalb gelten die Giants als Favorit, das Rennen um Stantons Dienste zu machen. Denn der gebürtige Kalifornier wird wohl eher geneigt sein, in seinen Heimatstaat zu wechseln als beispielsweise nach St. Louis.

Der Weg für Otani ist frei
Der Hype um den japanischen Pitcher und Outfielder Shohei Otani strebt seinem Höhepunkt zu: Nach zähen Verhandlungen zwischen der MLB, der Spielergewerkschaft MLBPA und der japanischen Liga NPB hat man sich auf ein Verfahren geeinigt, nach dem Otanis Wechsel in die MLB ablaufen kann. Es ging dabei vor allem um die Modaltitäten, nach denen sein bisheriger Klub, die Nippon Ham Fighters, bei einem Wechsel entschädigt wird. Was Otani selbst aus einem ersten MLB-Vertrag herausholen kann, war vorher klar: Als ausländischer Spieler unter 25 fällt er unter den Budgetdeckel, der ihm unter günstigsten Umständen rund 10 Millionen Dollar ermöglichen würde. Tatsächlich liegt die höchste derzeit bei einem Team verfügbare Summe bei 3,535 Millionen, die die Texas Rangers investieren könnten, gefolgt von den New York Yankees mit 3,5 Millionen. Nebenverabredungen wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht geben, denn so etwas werden sich die Teams nach dem rigorosen Durchgreifen der Liga gegen die Braves mehr als zweimal überlegen.

Die Mariners-Trades der Woche
Was wäre eine Offseason-Woche ohne Trades der Seattle Mariners? Diese Woche schickte der rührige Mariners-GM Jerry Dipoto Reliever Thyago Vieira gegen 500.000 Dollar Budget für internationale Verpflichtungen zu den Chicago White Sox sowie die Pitching-Talente Juan Then und J.P. Sears im Austausch gegen Pitcher Nick Rumbelow zu den New York Yankees. Das sind alles keine bedeutenden Namen, aber hinter dem Trade mit den White Sox könnte sich Größeres verbergen: Die Mariners gelten nämlich als eines der Teams, die sich stark um Shohei Otani bemühen wollen und die aus Chicago erhaltene halbe Million erhöht das Budget, das sie Otani für einen Vertrag anbieten können.

Kommt die Pitch-Clock schon 2018?
Das Ziel der MLB-Führung, die Dauer von Baseballspielen zu reduzieren, ist allgemein bekannt. Ein Mittel, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll, ist die Einführung einer Pitch-Clock. Diese Uhr soll die Zeit messen und begrenzen, die ein Pitcher sich zwischen einem Pitch und dem Beginn der Bewegung zum nächsten Pitch nehmen darf. Nachdem die Pitch Clock seit 2014 auf verschiedenen Levels der Minor Leagues getestet wurde, scheint ihre Einführung in die Major Leagues nun unmittelbar bevorzustehen, wie Buster Olney und andere MLB-Journalisten vermelden. Unter den Spielern – insbesondere natürlich den Pitchern – gelten diese Pläne als nicht gerade beliebt, doch die Ligaleitung um Commissioner Rob Manfred hat die Macht, die entsprechende Regeländerung auf eigene Faust zur kommenden Saison einzuführen. Von daher ist die Verhandlungsposition der Spielergewerkschaft MLBPA schwach und es wäre für sie schon ein Erfolg, wenn sie ein etwas großzügigeres Limit als die vorgesehenen 20 Sekunden herausholen könnte. 20 Sekunden würden von fast allen Pitchern eine Anpassung ihrer Spielweise verlangen, der Durchschnitt für die Zeit zwischen Pitches lag 2017 bei 23,5 Sekunden. Aber auch die Batter müssten einige Gewohnheiten ändern, damit die Zeiten eingehalten werden können – aus der Box herauszutreten, die Handschuhe zurechtzuziehen, einen zusätzlichen Übungsschwung auszuführen sind allesamt Praktiken, die heute zum Alltag des Spiels gehören, in ein paar Monaten aber bereits weitgehend Geschichte sein könnten.

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November 17th, 2017 by Dominik

Letzte Nacht wurden die beiden wichtigsten individuellen Titel für die abgelaufene MLB-Saison vergeben: Giancarlo Stanton von den Miami Marlins und Jose Altuve von den Houston Astros sind nun offiziell die wertvollsten Spieler des Jahres 2017.

Mir gefällt diese Wahl aus mehreren Gründen. Der erste Grund ist natürlich, dass die beiden es schlichtweg verdient haben. Jose Altuve ist ein sensationeller Baseballspieler und das zeigt er seit Jahren, ohne dass er dafür die verdiente Beachtung gefunden hätte. Altuve schlägt keine 30 Homeruns und seine Defense ist eher solide als spektakulär. Aber er trifft den Ball und zwar öfter als jeder andere: In jedem der letzten vier Jahre führte er die AL mit den meisten Hits an, in zwei davon auch die gesamte MLB. Sein Batting Average lag dieses Jahr mit .346 so hoch wie nie in seiner Karriere und weit vor jeglicher Konkurrenz (Zweiter der MLB war Charlie Blackmon mit .331). In Sachen Wins Above Replacement sind sich die beiden führenden Berechnungsverfahren uneinig: Laut Baseball-Reference führt Altuve die AL mit 8.3 WAR an, Fangraphs sieht ihn mit 7.5 WAR knapp hinter dem Rookie des Jahres Aaron Judge (8.2). Judge war bei den von den Baseball Writers of America (BBWA) durchgeführten Wahlen auch der engste Verfolger von Altuve. Die Entscheidung fiel aber letztlich sehr eindeutig: Auf 27 von 30 Wahlzetteln stand Altuve ganz oben, Judge nur auf zwei und ein einziger entfiel auf Jose Ramirez. Als MVP und World-Series-Sieger darf sich der 1,68 Meter kleine Altuve nun zu den ganz Großen der MLB zählen.

Giancarlo Stanton gewann die Wahl in der NL zwar ebenfalls verdient, aber nur hauchdünn vor Joey Votto von den Cincinnati Reds. Beide brachten es auf zehn erste Plätze auf den Stimmzetteln, insgesamt lag Stanton mit 302 zu 300 Punkten knapp vorne. Neben Stanton und Votto erhielten auch Paul Goldschmidt (4), Charlie Blackmon (3), Nolan Arenado (2) und Kris Bryant (1) Stimmen als MVP der NL. Stanton überzeugt vor allem mit Power: 59 Homeruns sind nicht nur führend für diese Saison, sondern auch die meisten seit dem Rekord von Barry Bonds mit 73 im Jahr 2001. Oder anders formuliert: Stanton hat die meisten Homeruns seit der Einführung von Doping-Tests in der MLB erzielt. Darüber hinaus führte er dieses Jahr auch mit 132 RBIs und mit den meisten WAR die NL an – laut Fangraphs gleichauf mit Anthony Rendon (6.9), laut Baseball-Reference gleichauf mit Max Scherzer (7.4).

Ein zweiter Grund, das Ergebnis der MVP-Wahl zu mögen, ist das Signal, das durch das ungleiche Paar der Gewählten gesendet wird. Was ich damit meine, sieht man auf den ersten Blick, wenn man sich (hier zum Beispiel) Stanton und Altuve anschaut: 1,68 Meter und 75 Kilo zu 1,98 Meter und 111 Kilo. Stanton ist der größte Spieler, der je zum MVP gewählt wurde, Altuve ist aktuell gemeinsam mit zwei anderen der kleinste Spieler der Liga. „[T]hat’s what I love about baseball — it gives the opportunity to every single guy to develop and play the game. There’s not a rule that you have to be 6-foot or you have to be real strong to play baseball and to become a good player“ – treffender als Jose Altuve selbst kann man es nicht formulieren.

Der dritte Grund, warum mir die Wahl gefällt, ist pure Eitelkeit: Ich muss zugeben, dass es sich gut anfühlt, bei einer Prognose ausnahmsweise mal fast alle Awards richtig vorausgesagt zu haben…

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November 9th, 2017 by Dominik

Herzlich willkommen zur ersten Offseason-Ausgabe des Grand Slam am Donnerstag in diesem Jahr. Bis es im April wieder um Spiele und Ergebnisse geht, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich aus Zeitgründen nicht in einem ausführlichen Artikel verarbeiten kann, aber zumindest mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich hiermit ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, und ich freue mich über jede weitere.

Roy Halladay und Daniel Flores sind tot
Einsteigen muss ich leider mit zwei sehr traurigen Meldungen: Roy Halladay, während seiner aktiven Zeit für Philadelphia und Toronto einer der besten Pitcher der MLB, ist im Alter von nur 40 Jahren ums Leben gekommen. Halladay brachte es von 1988 bis 2013 dreimal zum All-Star und gewann je einen Cy-Young-Award in der National und in der American League. Legendär wurde er im Jahr 2010,  als er für die Phillies ein Perfect Game in der regulären Saison und einen No-Hitter in den Playoffs warf. „Doc“ Halladay starb am Dienstag beim Absturz eines von ihm selbst gesteuerten Leichtflugzeuges in den Golf von Mexiko.
Genauso traurig ist die Geschichte von Daniel Flores: Gerade mal 17 Jahre alt wurde der Nachwuchs-Catcher, den die Boston Red Sox erst im Sommer dieses Jahres für einen Signing-Bonus von über drei Millionen Dollar aus seiner Heimat Venezuela geholt hatten. Er schien eine große Zukunft vor sich zu haben, galt als Top-10-Prospect sowohl innerhalb der Franchise als auch unter allen Catchern im US-Baseball. Flores starb laut Meldung der Red Sox an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung.

Neue Manager für sechs MLB-Teams
Ein Fünftel der MLB-Teams wird mit einem neuen Manager in die Saison 2018 gehen. Zur Erinnerung: Der Manager ist im Baseball-Sprachgebrauch die Position, die man in anderen Sportarten als Headcoach oder Cheftrainer bezeichnet.
In Detroit hat man sich für einen alten Hasen entschieden in Person von Ron Gardenhire, der von 2002 bis 2014 dreizehn Jahre lang die Minnesota Twins gemanagt hatte. Der 60-Jährige soll mit seiner Erfahrung den dringend nötigen Neuaufbau der Tigers begleiten.
Ebenfalls im Neuaufbau befinden sich die Philadelphia Phillies, die dabei auf ein ganz neues Gesicht setzen: Gabe Kapler verfügt bisher über keine Erfahrung als Manager außer einem kurzfristigen Minor-League-Engagement vor zehn Jahren, nach dem er dann doch noch bis 2011 seine Karriere als Spieler fortsetzen. Als Director of Player Development der Los Angeles Dodgers durfte der 42-Jährige in den vergangenen drei Jahren unter Beweis stellen, dass er ein gutes Händchen in der Entwicklung junger Spieler hat.
Die anderen vier Teams, die sich für einen Wechsel des Managers entschieden haben, streben keinen Neuaufbau sondern zeitnahe Erfolge an. Die Boston Red Sox erhoffen sich diese von Alex Cora, der als Bench Coach in Houston gerade die World Series gewonnen hat. Außer diesem einen Jahr Coaching-Erfahrung ist Cora in dem Metier noch ein unbeschriebenes Blatt. Er gilt aber als hervorragender Analyst und stand bei mehreren Teams auf der Kandidatenliste als Manager.
Eines dieser Teams waren die New York Mets. Sie haben sich letztlich für Mickey Callaway entschieden, den bisherigen Pitching-Coach der Cleveland Indians. In dieser Rolle hat er fünf Jahre lang sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und sich damit für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter empfohlen. Callaway ist genau wie Kapler und Cora 42 Jahre alt, das scheint dieses Jahr ein beliebtes Einstiegsalter zu sein.
Ein paar Jahre älter, genauer gesagt 53, musste Dave Martinez werden, bevor ihm die Washington Nationals seine erste Chance als Manager auf höchster Ebene anboten. Er bringt zehn Jahre Erfahrung als Bench Coach der Tampa Bay Rays und der Chicago Cubs mit.
Die einzige derzeit noch offene Managerstelle der MLB ist die wohl begehrteste, nämlich die der New York Yankees. Etwas überraschend trennten sich die Yankees nach der Saison von Joe Girardi, der zehn Jahre lang das Zepter in der Hand gehalten und 2009 einen World-Series-Titel geholt hatte. Die Yankees haben gerade erst mit den Bewerbungsgesprächen begonnen; als erster wurde der bisherige Bench Coach Rob Thomson interviewt. Die Kandidatenliste ist noch lang, der prominenteste Name darauf ist jedoch bereits gestrichen: Alex Rodriguez hat deutlich gemacht, dass er kein Interesse an dem Job hat.

Die Gold Gloves sind vergeben
Als erste Einzelspielerauszeichnungen für die vergangene Saison wurden die Gold Glove Awards für herausragende Defensivleistungen vergeben. 18 Preisträger gibt es, je einen auf jeder Position in der National League und in der American League. Besonders hervorzuheben sind 3B Nolan Arenado (Rockies), LF Jason Heyward (Cubs) und LF Alex Gordon (Royals), die jeweils schon zum fünften Mal in ihrer Karriere die Ehrung erhalten haben. Hier gibt es die komplette Übersicht über die Gold Glove Awards des Jahres 2017.

Weitere Awards folgen nächste Woche
Im Laufe der nächsten Woche von Montag bis Donnerstag werden die weiteren individuellen Awards für die abgelaufene Spielzeit bekannt gegeben. Die Finalisten für die Auszeichnungen wurden vor einigen Tagen veröffentlicht. Meine persönliche Einschätzung hatte ich Anfang September bereits abgegeben und anscheinend habe ich zumindest nicht ganz falsch gelegen, denn meine Favoriten sind allesamt noch im Rennen.

Qualifying Offers für neun Spieler
Der wichtigste Teil der Offseason ist die Free Agency, die am Sonntag offiziell begonnen hat. Ihr Startschuss ist gleichzeitig die Deadline für das Einreichen sogenannter Qualifying Offers. Neun Spieler mit auslaufendem Vertrag haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,4 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die neun Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Stanton, Gordon, Yelich im Ausverkauf?
Trade- und Free-Agent-Gerüchte gibt es in dieser Zeit des Jahres mehr als man erzählen kann. Im Mittelpunkt davon stehen dieses Mal die Miami Marlins, nachdem die neue Owner-Gruppe um Derek Jeter angekündigt hat, einen massiven Umbruch einzuleiten und die Kosten des Kaders deutlich zu reduzieren. RF Giancarlo Stanton, 2B Dee Gordon und CF Christian Yelich sind die drei herausragenden Kandidaten, die gesteigertes Interesse anderer Teams hervorrufen dürften. Das gilt ganz besonders für Stanton, der dieses Jahr die meisten Homeruns (59) erzielt hat seit Barry Bonds 2001 auf dem Höhepunkt der Doping-Ära 73 gelangen. Ihn hätte sicher jeder General Manager gern im Team, allerdings kommt Stanton mit einem dicken Rucksack: Das neue Team müsste den noch bis 2028 laufenden Vertrag übernehmen, der Stanton durchschnittlich 25 Millionen Dollar im Jahr einbringt. So krank es sich anhören mag: 25 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen Superstar sind in der MLB durchaus im normalen Rahmen. Das Problem bei der Sache ist die Verpflichtung, die teure Bezahlung noch elf Jahre aufrecht zu erhalten, ohne zu wissen ob Stanton mit 38 noch fit ist und abliefert. Ich bin relativ sicher, dass die Marlins jemanden finden, der den Vertrag übernimmt. Viel Gegenwert in Form von Prospects werden sie wegen der problematischen Vertragssituation aber nicht erwarten dürfen.

Lackey, Colon, Granderson haben noch lange nicht genug
Im Gegensatz zum letzten Jahr, als zum Beispiel David Ortiz und Alex Rodriguez ihre Karriere beendeten, hat in der laufenden Offseason noch kein ganz Großer seinen Übergang in den Ruhestand verkündet. Die Pitcher Matt Cain (Giants) und Bronson Arroyo (Reds) sind bislang die namhaftesten Neurentner des Jahres. Drei andere Kandidaten, Pitcher John Lackey (39, Cubs), Pitcher Bartolo Colon (44, Twins) und Outfielder Curtis Granderson (36, Dodgers) haben trotz fortgeschrittenen Alters und auslaufender Verträge bereits angekündigt, dass sie auch nächstes Jahr noch in der MLB zu spielen gedenken. Ich freue mich drauf.

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September 5th, 2017 by Dominik

Baseball ist ein Teamsport, man gewinnt zusammen und man verliert zusammen – weswegen es zum Beispiel blödsinnig ist, Pitcher-Wins und -Losses zu zählen. Aber natürlich sind es im Baseball noch mehr als in den meisten anderen Mannschaftssportarten auch immer wieder die Leistungen von einzelnen Spielern, die Aufmerksamkeit erregen und manchmal so bedeutend sind, dass sie Erfolg oder Misserfolg des jeweiligen Teams sehr stark mitbestimmen. Um dies zu würdigen, gibt es am Ende der Saison eine Reihe von Auszeichnungen, die überwiegend vom Baseball-Journalistenverband Baseball Writers‘ Association of America (BBWA) vergeben werden. Die wichtigste Auszeichnung ist natürlich die des wertvollsten Spielers (Most Valuable Player, kurz: MVP) in jeder der beiden Major-Ligen. Darüber hinaus gibt es für jede Liga den Cy Young Award für den besten Pitcher, einen Award für den besten Rookie und einen für den besten Manager. Nicht die BBWA sondern die MLB selbst vergibt zudem den Award des Comeback Players of the Year. Dieser geht an je einen Spieler, der es nach einer längeren Formschwäche oder Verletzung geschafft hat, wieder Top-Leistungen zu bringen.

Da sich die reguläre Saison dem Ende zuneigt, darf man so langsam anfangen zu spekulieren, wer dieses Jahr eine oder mehrere der begehrten Auszeichnungen abräumen wird. Bevor ich noch lange um den heißen Brei herum rede – hier sind meine Tipps:

American League MVP
In den letzten Jahren hat sich an dieser Stelle immer Mike Trout aufgedrängt, nicht zuletzt weil er regelmäßig die WAR-Statistik anführte. Trout ist meiner Ansicht nach immer noch der beste Spieler der MLB, aber dieses Jahr hatte er eine längere Verletzungspause und konnte der Saison deswegen nicht so sehr seinen Stempel aufdrücken wie man es von ihm gewohnt ist. Ganz anders Jose Altuve, bei dem dieses Jahr alles zusammenpasst: Er führt die AL sowohl mit 7.4 bWAR als auch mit 183 Hits, einem Batting Average von .354, einer On-Base-Percentage von .415, 290 Total Bases und einer OPS+ von 168 an und ist damit das Herzstück des besten Teams der Liga, der Houston Astros. So sieht für mich eine MVP-Saison aus, auch wenn Altuve mit „nur“ 21 Homeruns nichts für Power-Hitting-Fanatiker ist. Diese werden wohl eher für Aaron Judge mit seinen 38 teilweise monströsen Homeruns Partei ergreifen. Judge ist auch ein toller Baseballer, keine Frage. Aber wenn ich die Wahl hätte, wen von beiden ich lieber in meinem Team haben möchte, würde diese klar auf Altuve fallen.

National League MVP
In der NL liegt nach bWAR Max Scherzer vorne – eine besondere Leistung angesichts der Tatsache, dass er als Starting-Pitcher nur in jedem fünften Spiel dabei ist und obendrein ein paar Starts durch Verletzungen verpasst hat. Erfahrungsgemäß werden Pitcher nur selten zum MVP gewählt und ich vermute, dass sich das auch dieses Mal bewahrheitet, denn in Giancarlo Stanton drängt sich eine spektakulärere Option auf. Mit bislang 53 Homeruns ist Stanton auf dem Weg zu einer historischen Saison und das Kriterium, dass er sein Team deutlich wertvoller macht als es ohne ihn wäre, trifft auf ihn wohl so sehr zu wie auf kaum einen anderen. Neben Stanton und Scherzer dürften auch Paul Goldschmidt und Joey Votto in die nähere Auswahl kommen. Bryce Harper ist wegen seiner aktuellen Verletzung vermutlich aus dem Rennen.

American League Cy Young
Chris Sale war über weite Teile der Saison der Favorit auf den Cy-Young-Award und das nicht zu Unrecht, schließlich führt er die gesamte MLB mit 189.2 gepitchten Innings, 270 Strikeouts und einem FIP von 2.20 sehr deutlich an. Allerdings hatte er in zwei seiner letzten drei Spiele schwache Starts und plötzlich steht ein Anderer im Zentrum der Aufmerksamkeit: Clevelands Corey Kluber hatte einen holprigen Start in die Saison und musste fast den ganzen Mai über pausieren. Aber in den 18 Starts seit seiner Rückkehr war er extrem dominant und brachte es auf einen ERA von 1.85. Selbst auf das gesamte Jahr gesehen liegt er mit seinem ERA von 2.56 und FIP von 2.55 inzwischen auf Platz eins bzw. zwei der AL. Es wird ein spannender Endspurt zwischen Sale und Klubwr, aber Kluber scheint zurzeit auf der Überholspur.

National League Cy Young
Lange Zeit sah es so aus, als sollte es dieses Jahr eine klare Angelegenheit für Max Scherzer werden, nachdem sein ewiger Konkurrent Clayton Kershaw längere Zeit pausieren musste. Doch rechtzeitig zur heißen Phase der Saison ist Kershaw wieder fit und bei seinem Start am Freitag sah er aus, als wäre er nie weg gewesen. Mit einem ERA von 1.95 führt Kershaw die NL an, gefolgt von Scherzer mit 2.19. Momentan sehe ich Scherzer als leichten Favoriten, weil er seinem Team 25 Innings mehr geben konnte, aber es stehen noch vier bis fünf Starts für jeden der beiden aus und das Rennen ist eng.

American League Rookie
Wie oben ausgeführt glaube ich zwar nicht, dass Aaron Judge in seiner ersten kompletten MLB-Saison den MVP-Titel abräumen kann. Der Titel des besten Rookies in der AL dürfte ihm hingegen kaum zu nehmen sein. Mit 38 Homeruns, 101 Runs, 5.7 bWAR und 154 OPS+ ist er unter den jungen Spielern eine Klasse für sich. Allenfalls Matt Olson kommt auf ein vergleichbares Niveau, welches er aber über einen viel kürzeren Zeitraum gezeigt hat. Aus diesem Grund dürfte Olson nicht mal für Platz zwei in Frage kommen, auf dem ich eher Andrew Benintendi sehe.

National League Rookie
Auch in der NL sehe ich kein spannendes Duell um die Auszeichnung als bester Rookie sondern einen sehr deutlichen Favoriten. Cody Bellinger steht kurz davor, den Rekord für die meisten Homeruns eines Rookies in der NL zu brechen. Unter den Rookie-Battern ist er dieses Jahr konkurrenzlos. Allenfalls die Pitcher German Marquez und Kyle Freeland könnten zumindest Außenseiterchancen haben, ihm den Titel streitig zu machen. Beide haben das Problem, dass sie im hitterfreundlichen Ballpark der Rockies spielen, wodurch ihre Statistiken immer ein bisschen schwächer aussehen als sie sind.

American League Comeback Player
Ich tippe auf Michael Brantley, der wegen Schulteroperationen fast das gesamte letzte Jahr verpasst hat. Vor der Saison schien völlig offen, ob er an frühere Leistungen anknüpfen kann und seinen Platz wiederfindet in einem Team, das ohne ihn die World Series erreicht hatte. Er schlägt dieses Jahr .299/.358/.445 und sieht voll und ganz nach dem Spieler aus, der er immer war. Das einzige, was seine Chancen auf den Award beeinträchtigen könnte ist, dass er derzeit erneut verletzt ist, auch wenn es dieses Mal wohl eine deutlich kleinere Geschichte ist. Ein anderer Kandidat wäre Craig Kimbrel. Bei ihm ist es etwas zweifelhaft, ob man von einem Comeback sprechen soll, denn er hatte 2016 zwar das schlechteste Jahr seine Karriere, das mit 31 Saves, 3.40 ERA und 2.92 FIP aber für die meisten anderen Pitcher ein ziemlich ordentliches Jahr gewesen wäre. Dieses Jahr ist er jedenfalls wieder der Alte mit bislang 32 Saves, 1.55 ERA und 1.33 FIP.

National League Comeback Player
Zack Greinke war in Arizona nach einer schwachen Saison 2016 mit 4.37 ERA und 4.12 FIP sowie einigen nagenden Wehwehchen schon zum Fehleinkauf abgestempelt. Doch dieses Jahr ist er einer der entscheidenden Faktoren, dass die Diamondbacks die Kurve nach oben gekriegt haben und eine ganz hervorragende Saison spielen. Mit 3.08 ERA und 3.14 ERA in bislang 172.1 gepitchten Innings hat Greinke es ins All-Star-Team geschafft und ist mit 5.4 bWAR der drittbeste Pitcher in der NL. Andrew McCutchen und Greg Holland sind weitere Kandidaten für den Comeback-Award der NL.

American League Manager
Zum Manager of the Year wird man ernannt, wenn man ein Team dazu bringt, unter ungünstigen Umständen und trotz niedriger Erwartungen eine erfolgreiche Saison zu spielen. Das trifft wohl auf niemanden so sehr zu wie auf A. J. Hinch, den Manager der Houston Astros. Houston galt vor der Saison als eines von drei Teams, die mit den Texas Rangers und den Seattle Mariners um die AL West spielen könnten, doch stattdessen haben die Astros jegliche Konkurrenz schnell und dauerhaft weit hinter sich gelassen. Hinch ist es gelungen, das Lineup der Astros zur erfolgreichsten Offense der gesamten MLB zu formen und trotz diverser Verletzungen auch das Pitching auf Kurs zu halten.

National League Manager
In der NL fällt es mir schwerer, einen klaren Favoriten zu identifzieren. Dave Roberts von den Los Angeles Dodgers ist die offensichtlichste Option, denn als Manager des sowohl von den Siegen (92) als auch vom Run Differential (+189) mit Abstand erfolgreichsten Teams der Liga hat man definitiv eine Menge richtig gemacht. Der andere heiße Kandidat ist Torey Lovullo. Der nimmt zwar mit seinen Diamondbacks nur Platz zwei in der Division ein, doch dass Arizona so gut dasteht, mit einer Bilanz von 80-58 und aktuell einer Serie von elf Siegen hintereinander, hätte vor der Saison sicher niemand gedacht. Letztes Jahr hatten die Diamondbacks noch ein enttäuschendes Jahr mit 93 Niederlagen. Die größte Veränderung, die sie in der Offseason vorgenommen haben und die sich offenbar als Schlüssel zum Erfolg erwiesen hat, war die Anstellung eines neuen Managers: Lovullo.

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August 31st, 2017 by Dominik

Die Los Angeles Dodgers sind schlagbar und sie werden dieses Jahr nicht den Rekord für die meisten Siege in der regulären Saison brechen. Das ist wohl die zentrale Erkenntnis dieser MLB-Woche, nachdem das stärkste Team der Liga gerade viermal hintereinander verloren hat. Die Gewinner der Woche sind unterdessen die Baltimore Orioles, die zurück im Kampf um eine Wild Card in der AL sind, die Arizona Diamondbacks, die ihre Wild Card in der NL wohl endgültig gebucht haben, sowie die Cleveland Indians, deren starke zweite Saisonhälfte höchstwahrscheinlich im Divisionssieg gipfeln wird.

American League
In der American League East naht wohl die Entscheidung: Nachdem die Boston Red Sox (76-57) gerade dreimal hintereinander gegen die Toronto Blue Jays (61-72) gewonnen und die New York Yankees (70-62) ebenso oft gegen die Cleveland Indians verloren haben, beträgt der Abstand zwischen beiden bereits fünfeinhalb Spiele. Übers Wochenende reisen die Red Sox zu den Yankees in der Hoffnung, in den vier direkten Aufeinandertreffen den Sack zuzumachen. Die Yankees benötigen mindestens ein 3:1, besser aber einen Sweep, um die Hoffnung auf den Divisionssieg am Leben zu erhalten. Andernfalls richtet sich der Blick zwangsläufig nach unten, denn der Vorsprung der Yankees im Wild-Card-Rennen ist auf ein einziges Spiel geschmolzen. Die Verfolger kommen unerwarteterweise nicht mehr nur aus den beiden anderen Divisionen, denn auch für die Baltimore Orioles (68-65) ist nach derzeit sieben Siegen in Folge plötzlich wieder alles drin.

Die AL Central differenziert sich derweil zunehmend aus: Was vor nicht allzu langer Zeit noch ein enger Dreikampf um den Divisionstitel war, ist inzwischen erstens eine klare Dominanz der Cleveland Indians (76-56); zweitens eine gute Aussicht der Minnesota Twins (69-63) auf die Teilnahme am Wild-Card-Spiel; drittens eine weitgehend gelaufene Saison für die Kansas City Royals (65-67). Die erste und die dritte Entwicklung haben sich vor allem aus dem direkten Duell der Indians und der Royals am vergangenen Wochenende ergeben, welches die Indians mit einem beeindruckenden Shutout-Sweep (4:0, 4:0, 12:0) für sich entschieden. Für die Twins hat Max Kepler (.247/.315/.435) am Samstag im Spiel gegen die Toronto Blue Jays den zweiten Grand Slam seiner noch jungen MLB-Karriere erzielt. Herzlichen Glückwunsch, Max!

Die AL West wird nach wie vor souverän angeführt von den Houston Astros (79-53), die angesichts der über ihre Stadt hereingebrochenen Naturkatastrophe natürlich jedes Recht der Welt haben, sich zurzeit mit Herz und Verstand nicht ganz auf Baseball zu konzentrieren. Gespielt wird trotzdem, momentan eine „Heim“-Serie in Tampa Bay gegen die Rangers, bei der die beiden bisherigen Spiele 2:12 und 1:8 verloren gingen. Aber schon am Samstag geht es zurück ins eigene Stadion (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und ich kann mir gut vorstellen, dass die Astros sich dann von einer Stimmung tragen lassen, jetzt erst recht alles für ihre Stadt und deren Bewohner zu geben. Die Divsionsführung ist jedenfalls nicht in Gefahr, die Aufmerksamkeit der Los Angeles Angels (69-65) gilt ganz dem Wild-Card-Rennen. In der Division haben sie dabei klar die Nase vor den Texas Rangers (66-66), auf die sie das Wochenende über in einer vielleicht vorentscheidenden Drei-Spiele-Serie treffen werden. Die Seattle Mariners (66-68) sind nach fünf Niederlagen in Folge fast schon aus dem Rennen.

National League
Fast wäre die National League East noch mal interessant geworden – nicht, was den Divisionssieg angeht, den schon lange niemand mehr den Washington Nationals (81-51) streitig macht. Aber die Miami Marlins (66-66) hatten, getragen von Giancarlo Stantons unglaublicher Homerun-Power, für kurze Zeit den Eindruck erweckt, noch mal an die Wild Card herankommen zu können. Doch dann ließen sie sich von den Nationals in drei Spielen sweepen und schon liegt der Abstand auf die Colorado Rockies wieder bei fünfeinhalb Spielen, die man wohl nicht mehr aufholen wird – und wenn doch, dann stehen dazwischen noch die Milwaukee Brewers. So wird den Marlins am Ende wohl nicht mehr bleiben als das Prestige des zweiten Platzes in der NL East, der ihnen weder von den Atlanta Braves (59-72) noch von den New York Mets (58-74) genommen werden wird. Von den Philadelphia Phillies (49-83), dem nach wie vor schlechtesten Team der Liga, sowieso nicht.

Den St. Louis Cardinals (66-66) geht es ähnlich wie den Marlins: Auch sie machten sich kurzzeitig Hoffnung, noch mal heranzukommen, aber nach nur drei Siegen aus den letzten zehn Spielen dürfte der Zug abgefahren sein. Das gilt sowohl in Bezug auf die Wild Cards als auch im Kampf um den Divisionssieg in der NL Central. Die Chicago Cubs (72-60) stehen weiterhin ganz vorne, die Milwaukee Brewers (69-64) bleiben dran. Dreieinhalb Spiele Rückstand haben sie zu den Cubs, drei zu den Colorado Rockies auf dem zweiten Wild-Card-Platz – beides ist absolut noch machbar.

Sicher nicht machbar ist es, in der NL West die Los Angeles Dodgers (91-40) noch abzufangen. Dennoch ist es eine Meldung wert, dass die Dodgers gerade zum ersten Mal in dieser Saison vier Spiele hintereinander verloren haben und dass sie heute Abend aufpassen müssen, von den Arizona Diamondbacks (75-58) nicht auch den ersten Sweep der Saison zu kassieren. Die Diamondbacks haben ihr Zwischentief zweifellos überwunden und sich im Wild-Card-Rennen ein Polster von sechs Spielen zugelegt. Noch etwas zittern müssen hingegen die Colorado Rockies (72-61), die lange im Gleichschritt mit den Diamondbacks gingen, zuletzt aber deutlich nachgelassen haben und den Atem der Brewers im Nacken spüren. Zu allem Überfluss müssen die Rockies in elf der kommenden vierzehn Spiele gegen die Diamondbacks oder die Dodgers ran.

Szene der Woche
Zu gerne würde ich an dieser Stelle über den sagenhaften Catch von Kevin Pillar sprechen oder über den Irrtum von Ian Happ, der bei einem Flyout ins Leftfield zur dritten Base lief und dachte, er hätte gerade den Cycle geschafft. Leider wurden aber diese und alle anderen schönen Baseballmomente von den Prügeleien zwischen den New York Yankees und den Detroit Tigers überschattet. Vier Hit-By-Pitches (und mindestens ein weiterer versuchter), drei größere Rangeleien zwischen den kompletten Teams, acht Platzverweise gegen Spieler und Trainer sowie fünf später ausgesprochene Sperren waren die Bilanz des wohl hässlichsten Spiels dieser Saison. Interessanterweise ohne Sperre kamen die beiden Pitcher davon, die die Unruhen ausgelöst hatten: Detroits Michael Fulmer mit einem Pitch auf die Hand von Yankees-Catcher Gary Sanchez und New Yorks Tommy Kahnle mit einem Pitch hinter den Rücken von Tigers-Star Miguel Cabrera, welcher daraufhin ausrastete und die erste handfeste Prügelei begann. Worum es bei der Sache wirklich ging, ist nicht ganz zu klären – Fulmers Pitch könnte eine „Bestrafung“ dafür gewesen sein, dass Sanchez ein Inning zuvor seinen vierten Homerun der Serie geschlagen hatte, es könnte aber auch die Fortsetzung eines Konflikts gewesen sein, der am 31. Juli begonnen hatte – damals waren es ebenfalls Fulmer und Kahnle, die Hit-by-Pitches ausgeteilt hatten.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns in den ersten 18 MLB-Spielen eines Rookies sind Rekord. Aufgestellt hat diese Bestleistung Rhys Hoskins von den Philadelphia Phillies – und das, obwohl er seine MLB-Karriere mit 0 Hits aus den ersten 10 At-Bats begonnen hatte. Ich habe mal ein paar Zahlen zum Vergleich rausgekramt: Um die 11 Homeruns von Hoskins zu übertreffen, müssten Babe Ruth (2), Hank Aaron (2), Barry Bonds (3), Giancarlo Stanton (2) und Aaron Judge (3) die Homeruns aus ihren ersten 18 Spielen zusammenlegen.

Spiel der Woche
Manchmal ist es ein einzelnes Spiel, das für beide Teams den Rest der Saison vorzeichnet. Gestern Nacht gab es ein solches Spiel zwischen den Brewers und den Cardinals. Am Tag zuvor hatten die Cardinals das erste Spiel der kurzen Serie gewonnen. Mit einem weiteren Sieg hätten die Cards die eigenen Playoffhoffnungen am Leben erhalten und denen der Brewers einen Dämpfer verpasst. Doch es kam anders, die Brewers siegten 6:5 nach einer spannenden Partie mit mehreren Führungswechseln und einer Aufholjagd des Gegners, die durch einen heldenhaften homerunverhindernden Catch von Keon Broxton gestoppt wurde.

Spiel der kommenden Woche
Wenn am Samstag die New York Mets zum Doubleheader bei den Houston Astros antreten, dann wird der Name „Harvey“ in aller Munde sein, im Guten wie im Schlechten. Im Schlechten, weil Harvey der Name des tropischen Wirbelsturms ist, der in Houston furchtbare Überschwemmungen und Verwüstungen hinterlassen hat. Die Astros mussten für die derzeit laufende Serie gegen die Texas Rangers nach Tampa Bay ausweichen, werden danach aber viel früher als allseits erwartet in den heimischen Minute Maid Park zurückkehren, um den Einwohnern von Houston ein Stück Normalität zu geben. Im Guten, weil für die Mets im ersten Spiel (Samstag, 20:10 Uhr europäischer Zeit) ihr ehemaliges Pitching-Ass Matt Harvey (5.25 ERA, 6.17 FIP) nach diversen Formkrisen und Verletzungen einen erneuten Comebackversuch unternehmen wird. Für die Astros wird in der Partie voraussichtlich Brad Peacock (3.12 ERA, 2.69 FIP) starten.

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August 17th, 2017 by Dominik

Die Dodgers, die Nationals, die Red Sox und die Astros marschieren, Spannung bieten in erster Linie die Central-Divisionen – soweit gibt es nichts Neues in der MLB. Aber eines schon: Das Wild-Card-Rennen in der National League erweckt gerade den Eindruck, dass es vielleicht doch noch nicht entschieden ist. Die Rockies und die Diamondbacks mussten zuletzt ein paar Federn lassen und plötzlich sind die Brewers und die Cardinals nur noch vier bis fünf Spiele entfernt von der Hintertür in die Playoffs.

American League
In der Parallelliga wird eine der beiden Wild Cards relativ sicher in die American League East an die New York Yankees (64-55) gehen. Das Tabellenbild der Division hat sich deutlich entzerrt, indem die Boston Red Sox (69-51) die Serie gegen die Yankees gewonnen haben. Gleichzeitig haben die Yankees sich mit bislang drei Siegen in der Subway-Series gegen die Mets weiter von den Tampa Bay Rays (60-62) und den Baltimore Orioles (59-62) absetzen können, bei denen es zurzeit nicht so gut läuft.

Eine ähnliche Entzerrung der Spitze ist auch in der AL Central zu beobachten. Die Cleveland Indians (65-52) reiten gerade eine Serie von fünf Siegen. Dadurch haben sie sich bereits ein Stück weit sowohl von den zwischenzeitlich gefährlich nahen Kansas City Royals (61-59) als auch von den immer noch überraschend guten Minnesota Twins (59-58) abgesetzt. Nun wird es die nächsten Tage darum gehen, ob die Indians frühzeitig den Sack zumachen können – heute noch zweimal gegen die Twins, am Wochenende dann dreimal gegen die Royals (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Die Houston Astros (74-46) hatten in der ersten Augusthälfte eine Durststrecke mit nur drei Siegen bei zehn Niederlagen. Ihre herausgehobene Position in der AL West brachte das nicht in Gefahr, aber natürlich macht man sich im Hinblick auf die Playoffs Sorgen, wenn sich reihenweise Pitcher verletzen und die bislang explosivste Offense der Liga plötzlich nicht mehr klickt. Das erste Thema könnte noch Gegenstand eines Trades werden – Justin Verlander? -, das zweite hat sich nach den zwei Siegen über Arizona mit je neun erzielten Runs vielleicht schon erledigt. Hinter den Astros ist das Wetteifern um Platz zwei und vor allem um eine Wild Card in vollem Gange. Die Los Angeles Angels (62-59) haben momentan knapp die Nase vorn, aber auch für die jeweils schon mehrfach tot gesagten Seattle Mariners (61-61) und Texas Rangers (60-59) ist noch alles drin. Richtungsweisend könnte die Vier-Spiele-Serie der Rangers bei den Angels werden, die nächste Woche von Montag bis Donnerstag läuft.

National League
Der National League East muss niemand mehr eine Richtung weisen, für die Washington Nationals (71-47) geht der Blick längst in Richtung Playoffs und besonders dahin, Bryce Harper bis zu selbigen wieder fit zu bekommen. Dahinter haben sich die Miami Marlins (58-61) dank des unglaublich gut aufgelegten Giancarlo Stanton (siehe Statistik der Woche) etwas absetzen können im wohl uninteressantesten Rennen um Platz zwei, das jemals in einer Division geführt wurde. Na gut, sagen wir jemals seit Einführung der Wild Cards.

Wie eingangs schon bemerkt, macht sich Hoffnung breit in der NL Central – nicht nur die Hoffnung, die Division zu gewinnen, welche die Chicago Cubs (63-56), die Milwaukee Brewers (63-59) und die St. Louis Cardinals (61-59) schon seit einer Weile teilen; sondern auch die Hoffnung, eine Wild Card in die Division zu holen, denn der Abstand zu den Colorado Rockies und den Arizona Diamondbacks ist diese Woche deutlich kleiner geworden. Passenderweise treten die Brewers in den kommenden Tagen zu einer Drei-Spiele-Serie gegen die Rockies an.

Dass die Los Angeles Dodgers (85-34) dieses Jahr unfassbar gut sind, ist wohl niemandem entgangen, das lasse ich heute einfach mal so stehen. Interessant ist, was sich in der NL West dahinter tut. Sowohl die Colorado Rockies (67-53) als auch die Arizona Diamondbacks (66-54) haben in den letzten zwei Wochen mehr Spiele verloren als gewonnen und das – insbesondere im Fall der Rockies – nicht nur gegen die Top-Teams der Liga. So sehr mich die bisher erfolgreiche Saison dieser beiden Teams erfreut hat und immer noch erfreut, genauso sehr freut es mich aber auch, wenn nun ein bisschen Spannung einkehrt, wo lange keine da zu sein schien.

Szene der Woche
Die meisten Schlagzeilen machte diese Woche eine hässliche Verletzungsszene: Bryce Harper, Washingtons Star-Outfielder, rutschte bei einem verregneten Spiel der Nationals gegen die San Francisco Giants unglücklich auf der ersten Base aus und verdrehte sich dabei das Knie. Erfreulicherweise stellte sich heraus, dass Harper wohl Glück im Unglück hatte: Statt des befürchteten Kreuzbandrisses zeigte sich bei den Untersuchungen nur eine starke Prellung des Gelenks und die Chancen stehen gut, dass Harper noch vor Saisonende wieder fit wird. Damit es nicht die hässliche Szene ist, die hängen bleibt, hier noch eine Feel-Good-Story: Chad Bettis, Pitcher bei den Colorado Rockies, kam am Montag zu seinem ersten Einsatz nach rund neun Monaten Pause wegen einer Krebserkrankung. Er überstand OPs, Chemotherapie und alles, was dazu gehört – und stand nun gegen die Braves sieben Innings auf dem Mound, ohne einen Run zuzulassen. Schön, dass er wieder da und offensichtlich topfit ist.

Statistik der Woche 
44. So viele Homeruns hat Giancarlo Stanton dieses Jahr schon geschlagen. Das sind zurzeit die meisten in der Liga und es ist bereits jetzt ein Teamrekord für die Miami Marlins. Besonders bemerkenswert ist Stantons derzeitige Form: 11 Homeruns hat er in den letzten 13 Spielen erzielt, darunter eine Serie von 6 Spielen mit Homerun hintereinander, die erst gestern Abend beim 8:1 gegen die San Francisco Giants abriss.

Spiel der Woche
Die Rivalität der Red Sox und der Yankees erlebt dieses Jahr eine Renaissance. Das liegt zum einen am Tabellenstand in der AL East und zum anderen an Duellen wie dem von Sonntagnacht – dem Rubbergame der Serie, nachdem jeder eine der beiden vorherigen Partien gewonnen hatte. Es war von Anfang an ein ganz enges Spiel, in dem beide Starter – Jordan Montgomery für die Yankees und Chris Sale für die Red Sox – eine starke Leistung zeigten und jeweils nur einen Run zuließen. Als den Yankees im achten Inning per Sacrifice Fly von Todd Frazier gegen Reliever Matt Barnes das 2:1 gelang und im neunten Inning Closer Aroldis Chapman zum Save antrat, freuten sich einige zu früh. Zum Beispiel dieser emotionale Yankees-Fan, der sich selbst filmte, während Rafael Devers den Homerun zum 2:2 schlug. Bis dahin hatte Chapman zu 387 Linkshändern hintereinander gepitcht, ohne einem von ihnen einen Homerun zu erlauben. Im folgenden Extra-Inning traf Chapman mit dem Ball einen weiteren Linkshänder, Jackie Bradley Jr., welcher schließlich bei einem Single von Andrew Benintendi das entscheidende 3:2 für die Red Sox erzielte. Zu dem Zeitpunkt hatte Chapman schon Platz machen müssen für Tommy Kahnle, der Run ging aber offiziell noch auf Chapmans Kappe.

Spiel der kommenden Woche
Die Yankees und die Red Sox treffen am Wochenende schon wieder aufeinander, dieses Mal im Fenway Park in Boston. Ich freue mich drauf und werde bestimmt reinschauen, aber es wäre ja langweilig, immer nur diesen beiden Teams den Einschalttipp zu widmen. Daher empfehle ich an dieser Stelle ein anderes interessantes Matchup und zwar die Cleveland Indians gegen die Kansas City Royals. Ein klares Ergebnis in dieser Serie kann determinieren, ob die AL Central bald zugunsten der Indians entschieden ist oder aber bis zum Schluss spannend bleibt. Falls ihr ohnehin nicht viel von Schlaf haltet, dann schaut Freitagnacht Corey Kluber bei der Arbeit zu, andernfalls empfiehlt sich das Spiel am Sonntagabend.

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