März 23rd, 2018 by Dominik

Wie üblich kommen kurz vor Beginn der MLB-Saison die etablierten Baseball-Videospiele mit neuen Versionen auf den Markt. Die Nummer eins unter ihnen ist seit Jahren „MLB The Show“, das seit 2006 existiert und am kommenden Dienstag, dem 27. März, in seiner dreizehnten Auflage namens „MLB The Show 18“ erscheint. Zum Leidwesen der Besitzer anderer Systeme ist The Show schon immer ein Titel, der exklusiv für die Playstation angeboten wird – früher für die Playstation 3, seit letztem Jahr nur noch für die Playstation 4. Bekommen kann man das Spiel in Deutschland über den gut sortierten Onlinehandel oder natürlich über den Playstation-Store – als Vorbesteller kann man The Show dort übrigens schon ab heute herunterladen.

Das Spielprinzip
Da ich auf diesem Blog zum ersten Mal eine Version von The Show vorstelle, beginne ich mit einer grundlegenden Beschreibung des Spiels. Wer schon frühere Versionen gespielt hat, kann getrost zur nächsten Überschrift springen.

The Show ist in erster Linie eine Simulation des Baseballspiels auf dem Feld, obwohl es auch Manager- und Storyelemente enthält. Das grundlegende Spielprinzip ist einfach: Wenn man am Schlag ist, kann man per Knopf oder Analogstick die Zielrichtung und die Härte des Schwungs beeinflussen, wobei vor allem das Timing entscheidend dafür ist, ob man erfolgreiche Hits landet oder nicht. Sobald man Baserunner hat, kann man zum Beispiel versuchen, Bases zu stehlen, man kann bei einem Flyball entscheiden, ob man direkt rennt, erst mal an der Base tagt und dann losläuft oder ganz dort bleibt usw. Kurz gesagt, man kann so ziemlich alles tun, was auch im echten Spiel möglich ist. Die Steuerung ist recht eingängig und bietet diverse Optionen, sie an den eigenen Geschmack anzupassen. Das gilt in gleicher Weise auch für die defensive Seite des Spiels: Man wählt aus dem Repertoire des jeweiligen Pitchers einen Pitch aus, lokalisiert den gewünschten Punkt innerhalb oder außerhalb der Strikezone und bestimmt dann je nach Steuerungsoption durch zeitgerechtes Knöpfchen- oder Hebeldrücken die Geschwindigkeit und Genauigkeit des Pitches. Sobald der Ball im Spiel ist, steuert man den jeweils nächsten Fielder, um den Ball entweder zu fangen oder ihn aufzunehmen und an die richtige Base zu werfen.

Im simpelsten Fall spielt man auf diese Weise eine einzelne Partie, wahlweise online oder offline, alleine oder mit zwei bis vier Spielern, von denen bis zu zwei ein Team gemeinsam steuern können. Natürlich kann man auch eine ganze Saison oder nur die Playoffs spielen. Einen Schritt weiter geht der Franchise Mode, bei dem man ein Team langfristig als General Manager führt. Man kann diesen Modus als reine Management-Simulation spielen, wobei man meiner Ansicht nach merkt, dass dies nicht der Schwerpunkt der Entwickler ist – mit einem puren Managerspiel wie „Out of the Park Baseball“ kann The Show in diesem Feld nicht mithalten (übrigens gibt es auch von OOTP eine neue Version, die ich im Laufe der nächsten Tage ebenfalls vorstellen werde). Was der Franchise Mode von The Show einem reinen Manager voraus hat, ist die Möglichkeit, in die Spiele aktiv einzugreifen und zwar entweder indem man sie komplett selbst steuert oder aber sich auf ausgewählte entscheidende Spielszenen beschränkt.

Ein weiterer Modus nennt sich „Road to the Show“ (RTTS). Hier schlüpft man in die Rolle eines einzelnen Spielers, dessen Geschicke man über seine gesamte Karriere hinweg steuert, von der Draft über die Minor Leagues bis in die MLB. Für mich persönlich ist das der Modus mit der größten Langzeitmotivation. Erfreulicherweise kann man einen Spieler, mit dem man RTTS in The Show 17 gespielt hat, in The Show 18 importieren und mit ihm weiterspielen. Dieses Fortsetzen von alten Spielständen ist übrigens auch im Franchise Mode möglich.

In „Diamond Dynasty“ baut man sich ein Team über virtuelle Sammelkarten und Items auf, ähnlich wie FIFA-Spieler es von „Ultimate Team“ kennen. Das ist für mich ein Modus, zu dem ich nie einen nennenswerten Zugang gefunden habe, aber das ist sicher Geschmackssache.

Für alle, die einfach mal ein paar Bälle über den Zaun hauen möchten, lohnt sich das Homerun Derby. Abgerundet wird das Portfolio des Spiels durch wöchentliche Online-Challenges sowie die Möglichkeit, verschiedene Trainings und Tutorials zu absolvieren.

Besonders gut finde ich, dass der Schwierigkeitsgrad von The Show sehr variabel ist und sowohl manuell als auch automatisch angepasst werden kann. Das funktioniert sehr gut, sodass das Spiel sowohl für langjährige Spieler wie mich als auch für absolute Neulinge wie meinen 6-jährigen Sohn gleichermaßen angemessen herausfordernd und nie frustrierend ist.

Die Neuerungen von MLB The Show 18
Kommen wir zu dem, was an The Show 18 anders ist als an den Vorgängern. Das ist zunächst mal nicht viel, jedenfalls was das prinzipielle Gameplay betrifft. Alles, was ich oben über das Spiel geschrieben habe, traf schon auf die vorherige Version zu und auch auf die davor. Das muss nichts Schlechtes sein, denn The Show ist einfach ein sehr gutes und sehr ausgereiftes Spiel, das man nicht jedes Jahr neu erfinden muss. Die meisten Änderungen sind dementsprchend eher kosmetischer Natur: Es gibt jetzt einen Batting Stance Generator und ein erweitertes Replay-System, die Reaktionen der Spieler und Zuschauer auf Ereignisse im Spiel sind vielfältiger und realistischer geworden, die Wettereffekte wurden verbessert, die Spieler sehen noch etwas lebensechter aus als zuvor und natürlich wurden alle Roster auf den aktuellen Stand gebracht. Was mir besonders gut gefällt ist, dass es jetzt auch Rain Delays gibt. Aber keine Sorge, das heißt nicht, dass man zwei Stunden untätig vor dem Bildschirm sitzen und warten muss, ob das Spiel fortgesetzt wird – man sieht aber, wie die Groundcrew aktiv wird, und darf zum Beispiel die taktische Entscheidung treffen, ob man den aktuellen Pitcher nach der Pause wieder aufs Feld schickt oder nicht.

Mehr als nur kosmetische Veränderungen gab es am Modus RTTS. Hier gibt es jetzt deutlich größere Storyanteile als früher. Man erstellt nun am Anfang nicht nur wie bisher einen Spieler, den man entweder frei oder in Anlehnung an einen realen Akteur gestaltet, sondern man wählt auch eine Grundausrichtung, das heißt ob man sich z. B. eher als Power Hitter sieht oder ob die eigene Spielweise mehr auf Kontakt und Speed beruht. Abhängig davon erhält man bestimmte Start- und Maximalwerte für die Spielerentwicklung. Zudem findet man sich gelegentlich in Dialogsituationen mit Scouts, Coaches und Managern wieder, in denen man unter verschiedenen Antworten wählen kann, welche wiederum Auswirkungen auf das Spiel haben.

Eine weitere Neuerung sind drei zusätzliche Teams, die in The Show aufgenommen wurden. Neben den 30 MLB-Teams plus Minor-Affiliates und den zwei aktuellen All-Star-Teams gibt es nun drei Teams mit Legenden aus je unterschiedlichen Ären des Baseballs. Auf diese Art sind nun auch beispielsweise Babe Ruth und Jackie Robinson mit von der Partie. Die Spieler aus den Legenden-Teams können auch im Homerun Derby gewählt werden und sind in die Diamond Dynasty integriert.

Was man noch besser machen könnte
Alles in allem liefert The Show 18 so ab, wie man es gewohnt ist: stark wie eh und je mit wohldosierten punktuellen Verbesserungen. Ich schicke daher erst mal eine klare Empfehlung voraus, bevor ich auf ein paar Punkte eingehe, an denen bei mir noch Wünsche offen bleiben.

Ich habe ja schon erwähnt, dass mir die neuen Rain Delays gut gefallen. Schön wäre, wenn man auch den nächsten Schritt ginge, indem für die längerfristig angelegten Modi auch Rainouts und die Ansetzung von Doubleheadern zu den möglichen Ereignissen gehören würden. Soweit ich es bisher erforschen konnte, gibt es so etwas in The Show 18 nach wie vor nicht.

Sehr schade finde ich, dass im Spiel die Tiefe der Minor Leagues nicht abgebildet wird. Berücksichtigt sind nur AA und AAA und selbst auf diesen Ebenen bietet The Show leider nicht die echten Ballparks. Enthalten sind nur die 30 MLB-Ballparks sowie 18 historische Ballparks, während für die Minor Leagues und das Spring Training nur je eine Handvoll Standardstadien zur Verfügung stehen.

Wo wir schon bei der Tiefe des Spiels sind: Eine Ausweitung würde ich mir nicht nur in Richtung Minor Leagues, sondern auch in Richtung Internationales wünschen. Ein guter Anfang wären ein paar Ballparks und Nationalmannschaften, um beispielsweise den World Baseball Classic nachspielen zu können. Reizvoll wären auch Nicht-US-Ligen wie die NPB oder die karibischen  Ligen – darauf zu hoffen, wäre wohl unrealistisch, obwohl die Manager-Simulation Out of the Park Baseball vormacht, wie es geht.

Die Darstellung des Spiels wird zwar von Jahr zu Jahr besser, aber mir fallen immer noch einige relativ alltägliche Szenen ein, die ich in The Show bislang noch nicht gesehen habe – zum Beispiel Kollisionen von Fieldern, die beide auf dem Weg zum Ball sind, oder Spieler, die beim Fangen eines Foulballs die Barriere zum Zuschauerraum überspringen. Hier könnte man also durchaus noch etwas tun.

Was ich mir außerdem sehr wünsche, sind mehr Statistiken. Die Sabermetrics-Revolution ist bislang relativ spurlos an MLB The Show vorüber gegangen, man sucht leider vergeblich nach fortgeschrittenen Indikatoren wie wRC oder DRS und nach Splits wie z. B. Ergebnissen gegen Rechts- und Linkshänder oder in Heim- und Auswärtsspielen.

 

 

Zum Schluss der übliche Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir zum Vorabtest als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – ihr lest hier immer meine ehrliche und ungeschminkte Meinung.

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