Juni 15th, 2017 by Dominik

Im Mittelpunkt des Geschehens der MLB stand in den letzten drei Tagen die Draft, die mit einem überraschenden Pick der Minnesota Twins begann (siehe „Szene der Woche“). Gleichzeitig lief auch der normale Spielbetrieb. Am Tabellenbild der Divisionen hat sich gegenüber letzter Woche wenig geändert, abgesehen davon dass im hochkarätigen Dreikampf der NL West zur Abwechslung mal die Dodgers knapp die Nase vorn haben. Interessant ist der Blick auf die Wild-Card-Stände der beiden Ligen: In der AL würden momentan beide Wild Cards an die AL East gehen, doch im Rennen sind ausnahmslos noch alle Teams, selbst die Oakland Athletics mit dem höchsten Rückstand von 6.5 Spielen. In der NL hingegen scheint die Sache relativ früh in der Saison so gut wie entschieden. Auch hier würden die Plätze zurzeit beide an eine Division – die NL West – gehen und das mit sehr deutlichem Abstand: Mit 8.0 Spielen sind die Chicago Cubs als erster Verfolger in der NL schon weiter weg von den Wild Cards als die Athletics als letzter Verfolger in der AL, die meisten NL-Teams weisen bereits einen zweistelligen Rückstand auf.

National League
In der National League East knüpfen die Washington Nationals (39-26) nahtlos an ihre bisherige Saison an: Mit starkem Starting Pitching und hervorragender Offensive halten Sie sich unangefochten in der Division, während ihr mieser Bullpen dafür sorgt, dass die Spiele spannend bleiben und wenigstens ab und zu auch mal verloren werden. Mit gehörigem Abstand folgt der Rest der NL East, zurzeit angeführt von den New York Mets (30-34), die in den letzten Tagen ordentlich Kapital aus der Rückkehr der lange verletzten Steven Matz, Seth Lugo und Yoenis Cespedes geschlagen haben. Mit Neil Walker und Asdrubal Cabrera gibt es aber schon wieder zwei neue Verletzte und auch Matt Harveys Arm soll noch einmal untersucht werden, nachdem er letzte Nacht bei einem schwachen Start in Chicago über ein unangenehmes Gefühl in selbigem klagte. Das bedauernswerteste Team der Liga sind unterdessen die Philadelphia Phillies (21-43), die mit Abstand die schlechteste Bilanz der MLB aufweisen und zuletzt acht Niederlagen in Folge erlitten haben.

Die Milwaukee Brewers (35-32) halten in der NL Central nach wie vor die Chicago Cubs (32-33) auf Distanz. Die Cubs kommen einfach nicht in Tritt, haben diese Woche sowohl die Heimserie gegen die Colorado Rockies als auch die Auswärtsserie bei den New York Mets verloren. Sie können von Glück sagen, dass sie in einer der zurzeit schwächsten Divisionen der MLB spielen, ansonsten wäre der Zug in Richtung Playoffs wohl schon so gut wie abgefahren. So aber befinden sich die Cubs nach wie vor in Lauerstellung und benötigen – ebenso wie die St. Louis Cardinals (30-34) und vielleicht sogar die Pittsburgh Pirates (30-36) – nur ein paar starke Spiele, um wieder voll im Rennen zu sein. Genauso schnell kann man aber auch nach unten durchgereicht werden, wie die Cincinnati Reds (29-36) gerade mit sechs Niederlagen am Stück am eigenen Leib erfahren haben.

In der MLB gibt es zurzeit vier Teams mit über 40 Saisonsiegen – drei davon spielen in der NL West. Das sagt eigentlich schon alles über die Stärke dieser Division, die wie eingangs erwähnt wahrscheinlich beide Wild Cards der NL erobern wird. Das heißt natürlich nicht, dass die Mitglieder des Triumvirats – die Los Angeles Dodgers (41-25), die Colorado Rockies (42-26) und die Arizona Diamondbacks (41-26) – sich auf dieser Position ausruhen können, denn nur der Erstplatzierte zieht direkt in die „richtigen“ Playoffs ein, während zwischen den Wild-Card-Teams ein einzelnes Spiel über Ausscheiden oder Weiterkommen entscheidet. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass der letzte Sieger im NL-Wild-Card-Spiel die San Francisco Giants (26-41) waren? Das scheint Ewigkeiten her, wenn man zurzeit das (von Madison Bumgarners Verletzung abgesehen) kaum veränderte, aber komplett implodierte Team sieht, das nach sieben Niederlagen in den letzten zehn Spielen sogar wieder hinter die San Diego Padres (27-40) gerutscht ist.

American League
In der American League East geben die New York Yankees (38-25) den Ton an. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich mir die Statistiken ansehen und feststelle, dass die Yankees nicht nur von ihrer spektakulären Offense um Rookie Aaron Judge leben, sondern auch im Pitching Top-Werte aufweisen. Zumindest die Starter fliegen für mich immer ein bisschen unter dem Radar, weisen aber immerhin die sechstwenigsten erlaubten Runs (3.93 ERA) der MLB auf. Das Run Differential der Yankees (+114) führt die Liga an mit 12 Runs Vorsprung auf die Houston Astros. Nach fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen halten die Boston Red Sox (37-28) den Kontakt zur Spitze, welchen die Baltimore Orioles (32-32) nach einer Serie von sechs Niederlagen derzeit verloren haben. Dazwischen haben sich heimlich, still und leise die Tampa Bay Rays (35-33) geschoben, die momentan den zweiten Wild-Card-Platz der AL einnehmen.

Die AL Central sieht der NL Central sehr ähnlich: Auch hier sind die Teams relativ eng beisammen und auch hier liegt mit den Minnesota Twins (33-29) ein Überraschungsteam vor dem letztjährigen World-Series-Teilnehmer Cleveland Indians (31-31). Und – auch das ist eine Parallele zur NL Central – die Formkurve fast aller Teams der Division weist eher nach unten. Einzig die Kansas City Royals (30-34) weisen aus den letzten zehn Spielen eine positive Bilanz auf, sie befinden sich auf einer Serie von zurzeit vier Siegen in Folge. Allerdings hatten sie auch das Glück, dass ihre Gegner dabei die San Diego Padres und die San Francisco Giants waren.

Kommen wir zu guter Letzt zum immer noch erfolgreichsten Team der Saison, den Houston Astros (45-22). Seit dem Ende ihrer Serie von elf Siegen haben die Astros nur drei von neun Spielen gewonnen, aber ihr Vorsprung in der AL West ist mehr als komfortabel genug, um solch eine Phase zu überstehen, ohne sich allzu große Sorgen zu machen. Was allerdings durchaus Sorgen verursacht, sind die zunehmenden Verletzungen: Mit Dallas Keuchel, Charlie Morton und nun Lance McCullers sind schon drei Starter auf der DL und Outfielder Josh Reddick erholt sich noch von der Gehirnerschütterung, die er beim Crash in die Mauer während eines Fangversuchs erlitten hat. Ernstzunehmende Verfolger haben die Astros nach wie vor nicht, am nächsten dran sind die Los Angeles Angels (35-34) mit elf Spielen Rückstand, alle anderen Teams der Division stehen unter .500.

Szene der Woche
Der wichtigste Moment der MLB-Woche war der erste Pick der Draft in der Nacht von Montag auf Dienstag. Entgegen der deutlichen Mehrzahl aller Spekulationen entschieden sich die Minnesota Twins weder für den hochgelobten Highschool-Pitcher Hunter Greene noch für einen der Collegespieler, denen man einen schnelleren Übergang in die MLB zutraute. Stattdessen wählten sie einen anderen direkt aus der Highschool kommenden Spieler, Shortstop Royce Lewis. Lewis war zwar ebenfalls als hoher Pick prognostiziert, doch dass er vor Greene gewählt würde, hatte kaum jemand vorhergesagt. Greene ging an Nummer zwei zu den Cincinnati Reds, der andere Favorit auf den Top-Pick, Louisvilles Brandon McKay, wurde erst als Vierter von den Tampa Bay Rays gepickt. Offenbar spielten bei den Picks auch finanzielle Erwägungen eine Rolle: Die Teams dürfen für die gedrafteten Spieler bestimmte nach Draftposition gestaffelte Höchstsummen ausgeben. Den Twins wird nachgesagt, dass ihnen kein Spieler die volle Höhe von 7.770.700 Dollar wert war. Deshalb entschieden sie sich für einen, der Ihnen vorab signalisierte, sich mit weniger zufrieden zu geben.

Statistik der Woche 
28. So viele Hits erzielten die Minnesota Twins Dienstagnacht beim 20:7 gegen die Seattle Mariners. Das war ein Franchise-Rekord und gleichzeitig MLB-weit das Spiel mit den meisten Hits eines Teams seit 2007. Den größten Beitrag zum offensiven Feuerwerk leisteten Eddie Rosario mit vier Hits, davon drei Homeruns, und Eduardo Escobar mit fünf Hits. Auch unser Lokalmatador Max Kepler hatte ordentlichen Anteil am Erfolg mit drei Hits, darunter ein Solo-Homerun, und einem Walk.

Spiel der Woche
Zwischen den Detroit Tigers und den Arizona Diamondbacks sah es Dienstagnacht nach einer klaren Angelegenheit aus: Die Diamondbacks beendeten den Tag von Tigers-Starter Buck Farmer nach nur zweieindrittel Innings mit neun Hits und sechs Runs, darunter Homeruns von Brandon Drury und Paul Goldschmidt. Auf der anderen Seite cruiste Zack Greinke durch fünf Innings mit nur zwei Hits und einem Walk. Doch im sechsten Inning bekamen Greinke und seine Defense plötzlich Probleme und kassierten sechs Runs zum Ausgleich – fünf davon „unearned“, weil ein schlechter Wurf von Drury und ein misslungener Catch von David Peralta dazu beitrugen, dass die Tigers in diesem Inning elf Runner an die Platte schicken und sechs Hits erzielen konnten. Ausgerechnet Peralta, der in der Outfield-Defense mehrere schwache Szenen hatte, sorgte schließlich doch noch für ein Happy End aus Sicht der Diamondbacks, indem er per Solo-Homer im neunten Inning das letztlich entscheidende 7:6 für Arizona erzielte.

Spiel der kommenden Woche
Die momentan größte Attraktion der Liga ist der Dreikampf um die NL West. Deshalb ist mein Einschalttipp für nächste Woche die Serie der Arizona Diamondbacks bei den Colorado Rockies. Konkret empfehle ich die Partie Mittwochnacht um 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Auf dem Mound stehen dann voraussichtlich zwei Pitcher, die zurzeit in hervorragender Form sind: für Arizona Taijuan Walker (ERA 3.32, in den letzten drei Spielen 2.12) und für Colorado Jeff Hoffman (ERA 2.33, in den letzten drei Spielen 1.33).

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Mai 18th, 2017 by Dominik

Sie ist schon toll, diese MLB, da ist für jeden was dabei: Mögt ihr klare Verhältnisse, einer geht voran und alle anderen folgen in respektvollem Abstand? Dann werdet ihr die NL East und die AL West lieben. Seht ihr lieber einen spannenden Dreikampf auf hohem Niveau? Dann ist die AL East oder die NL West die passende Division für euch. Oder gefällt euch eher große Ausgeglichenheit mit Chancen für jeden? Dann beschäftigt ihr euch am besten mit den Central-Divisionen. Egal, welche Division ihr zurzeit am liebsten verfolgt – der Grand Slam am Donnerstag bringt sie euch alle:

National League
Fangen wir an mit der momentan langweiligsten Division, der National League East. Die Washington Nationals (25-14) ziehen einsam ihre Kreise und der Rest übt sich gekonnt darin, sie dabei auf keinen Fall zu stören. Stolze acht Spiele beträgt der Vorsprung auf den Zweiten – zurzeit übrigens die Atlanta Braves (16-21) – bereits, das sind mehr als in manch anderer Division der Abstand zwischen dem Ersten und dem Letzten. Tatsächlich waren die Braves die Einzigen, die in den letzten Tagen mit einer Serie von drei Siegen gegen die Blue Jays ein Lebenszeichen von sich gaben. Die anderen drei Teams verloren im Gleichschritt jeweils acht ihrer letzten zehn Spiele, die New York Mets (16-23) sogar sieben in Folge. Die Nationals sind beileibe kein Überteam – zwar haben sie eine brachiale Offense um Bryce Harper und Ryan Zimmerman, doch im Pitching gibt es Schwächen, vor allem im Bullpen. Das merkt aber keiner, solange der Rest der Division so desolat bleibt wie er momentan ist.

Der direkte Gegenentwurf zur einseitigen NL East ist die NL Central. Woche für Woche darf ich hier einen neuen Tabellenführer vorstellen, dieses Mal die Milwaukee Brewers (23-18). Die Brewers haben sich in den letzten Tagen ausgiebig an halbtoten Teams wie den Mets und den Padres gelabt und so die St. Louis Cardinals (21-17) hinter sich gelassen. Aber auch die Chicago Cubs (20-19) und trotz zuletzt fünf Niederlagen die Cincinnati Reds (19-20) sind nicht weit entfernt von der Spitze. Selbst die Pittsburgh Pirates (17-23) sind auf ihrem letzten Platz nur fünfeinhalb Spiele hinter den Brewers. Eine für die Division möglicherweise richtungweisende Serie steht am Wochenende an, wenn von Freitag bis Sonntag die Cubs die Brewers im Wrigley Field empfangen (siehe auch „Spiel der kommenden Woche“).

Spannend ist auch die NL West, allerdings in deutlich zweigeteilter Weise: Die Colorado Rockies (25-15), die Arizona Diamondbacks (24-18) und die Los Angeles Dodgers (23-18) spielen die Spitze unter sich aus, während die San Francisco Giants (17-25) und die San Diego Padres (15-27) sich das Schneckenrennen gegen den letzten Platz liefern. Ich muss zugeben, ich hatte für die vergangene Woche erwartet, dass die Dodgers sich den Spitzenplatz holen und dass die beiden Überraschungsteams aus Arizona und Colorado so langsam nachlassen. Aber ich habe mich geirrt: Die Spitzenserie zwischen den Dodgers und den Rockies endete unentschieden und die Diamondbacks haben sich durch einen Sweep über die Mets den Verbleib im Führungstrio gesichert.

American League
Kommen wir zu einer ganz ähnlichen Division, der American League East. Auch hier ringen drei Teams um die Spitze, während die anderen beiden dieses Jahr mit selbiger nicht viel zu tun haben werden. Die Kluft ist hier allerdings nicht ganz so groß wie in der NL West und dass die Boston Red Sox (21-18) sich eher nach oben Richtung New York Yankees (24-13) und Baltimore Orioles (23-15), die Tampa Bay Rays (21-22) sich hingegen eher nach unten Richtung Toronto Blue Jays (17-24) zu orientieren haben, ist vielleicht eher mein Bauchgefühl und Vorurteil als dass es wirklich aus dem bisherigen Saisonverlauf ableitbar wäre – immerhin haben die Rays gerade Auswärtsserien gegen die Red Sox und gegen die Indians gewonnen und das jeweils völlig verdient.

Lediglich fünf Spiele auseinander von Platz eins bis fünf liegen die Teams der AL Central. Keines davon ist zurzeit in allzu bestechender Form, aber die Ausgeglichenheit der Division ist schon sehr reizvoll. Vorne liegen zurzeit die Minnesota Twins (19-16) dank der gewonnenen Serie gegen die Cleveland Indians (20-19). Die Detroit Tigers (19-19) spielen nach wie vor einen konsequenten .500-Ball und besetzen damit die Mitte der Rangliste vor den Chicago White Sox (17-21) und den Kansas City Royals (16-23), die durch einen Zwischenspurt mit gewonnen Serien gegen die Rays und die Orioles den Anschluss an den Rest des Feldes wiederhergestellt haben.

Ähnlich einseitig wie die NL East, aber von den aktuellen Bilanzen her auf insgesamt höherem Niveau ist die AL West. Die Houston Astros (29-12) haben neun ihrer letzten zehn Spiele gewonnen und führen mit einer Winning Percentage von .707 mit Abstand die gesamte Liga an. Angesichts dieser Dominanz könnte man fast übersehen, dass sich hinter den Astros ebenfalls Erstaunliches tut: Nach derzeit acht Siegen in Folge sind die katastrophal in die Saison gestarteten Texas Rangers (21-20) inzwischen bei einem positiven Record und auf Platz zwei angelangt. Und auch die Los Angeles Angels (22-21) sind mit bisher vier Siegen hintereinander in starker Form und da sie es nun mit den derzeit restlos enttäuschenden Mets zu tun bekommen, könnte diese Serie durchaus noch etwas anhalten, vor allem wenn ihr Superstar Mike Trout an seine fünf Homeruns aus den letzten sechs Spielen anknüpft.

Szene der Woche
Die für mich bemerkenswerteste Szene der letzten Tage stammt aus einem Spiel der Chicago White Sox gegen die San Diego Padres: Beim Stand von 2:1 für die Padres im vierten Inning erreicht Chicagos Jose Abreu die erste Base und scort dann im Zuge von drei Wild Pitches von Trevor Cahill während eines einzigen At Bats den Ausgleich. So etwas sieht man nur sehr selten, also schaut es euch an.

Statistik der Woche 
1849. So viele RBIs hat Albert Pujols in seiner langen MLB-Karriere schon über die Platte gebracht und nimmt damit inzwischen Platz dreizehn in der ewigen Rangliste ein. Zumindest Platz zwölf (derzeit Mel Ott mit 1860) wird er wohl dieses Jahr noch erreichen, vielleicht sogar Rang elf (Willie Mays, 1903). Wenn der 37-jährige Pujols seinen bis 2021 laufenden Vertrag bei den Angels erfüllt, wird ihm ein Platz in den Top-10 wohl sicher sein. Ein weiterer statistischer Meilenstein steht ihm ebenfalls voraussichtlich noch dieses Jahr bevor: Mit 596 Homeruns steht er vor der Aufnahme in den exklusiven 600er-Club, der bisher nur acht Mitglieder hat.

Spiel der Woche
Das sehenswerteste Spiel der letzten Tage war für mich das zwischen den Detroit Tigers und den Baltimore Orioles am Dienstag. Zu bieten hatte die Partie unter anderem: 7 Runs der Orioles im dritten Inning; zwei durch Baltimores Bullpen im siebten und im zwölften Inning vergebene hohe Führungen; zwei Homeruns von Chris Davis in aufeinander folgenden Extra-Innings; und am Ende einen 13:11-Erfolg der Orioles, die zuvor vier Niederlagen hintereinander mit jeweils nur einem Run Unterschied erlitten hatten.

Spiel der kommenden Woche
Mein Einschalttipp der Woche ist das Spiel der Chicago Cubs gegen die Milwaukee Brewers am Samstag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Titelverteidiger Chicago wird unter Beweis stellen wollen, dass man in der NL Central über kurz oder lang wieder den Ton anzugeben gedenkt. Ein Erfolg gegen die Überraschungsmannschaft aus Milwaukee wäre ein guter erster Schritt für die Cubs und Jake Arrieta, der mit einem ERA von 5.44 und 4.18 FIP noch nicht die Form des Meisterjahres gefunden hat. Die Brewers schicken Chase Anderson auf den Mound, der mit einem ERA von 3.43 und 3.02 FIP bislang sein bestes Jahr in den Majors hat.

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April 6th, 2017 by Dominik

Die MLB-Saison 2017 hat begonnen, daher gibt es ab sofort wieder die „In-Season“-Version des Grand Slams am Donnerstag. Über Tabellenstände brauchen wir noch nicht groß zu reden, nachdem jedes Team erst eins bis drei von 162 Spielen absolviert hat, aber die eine oder andere interessante Entwicklung oder Überraschung hat es bereits gegeben – und leider auch schon mehrere Spielausfälle wegen schlechten Wetters; der neueste davon betrifft die für heute vorgesehene Partie der Pittsburgh Pirates bei den Boston Red Sox.

American League
Die American League East hatte dieses Jahr die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten – zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees, zwei Teams, die in diesem Jahr voraussichtlich für nicht allzu viel Furore sorgen werden. Der Favoritenrolle gerecht geworden sind bisher die Boston Red Sox mit zwei Siegen in zwei Spielen gegen die Pittsburgh Pirates, auch wenn im zweiten Spiel erst ein Walkoff-Homerun von Sandy Leon die ersten Punkte und gleichzeitig die Entscheidung brachte. Ebenfalls schadlos hielten sich die Baltimore Orioles, die zweimal gegen die Toronto Blue Jays gewannen und damit zeigten, dass sie von dem Abwärtstrend nichts wissen wollen, den viele (mich selbst eingeschlossen) ihnen für dieses Jahr prognostiziert hatten.

Die AL Central präsentiert sich in dieser sehr frühen Momentaufnahme als die stärkste Division der Liga mit gleich drei ungeschlagenen Teams. Im Fall der Cleveland Indians, welche die Texas Rangers 3-0 gesweept haben, entspricht das der Erwartungshaltung eines AL-Champions und erneuten Mitfavoriten; für die Detroit Tigers ist die perfekte Bilanz ein Muster von wenig Wert, da sie nur ein einziges Spiel absolviert haben, denn die zweite Partie gegen die White Sox musste wegen Regens verschoben werden; bleiben als Dritter im Bunde die Minnesota Twins, bislang das Überraschungsteam der Liga – nicht nur, weil sie die beiden ersten Spiele gegen die Kansas City Royals gewonnen haben, sondern weil die Ergebnisse von 7:1 und 9:1 an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Damit haben die Twins bislang ligaweit sowohl die meisten Runs pro Spiel erzielt als auch die wenigsten Runs pro Spiel zugelassen. Die sehenswerteste Defensivaktion der bisherigen Saison geht übrigens ebenfalls auf das Konto der Twins.

Für die AL West rechne ich dieses Jahr mit einem Dreikampf zwischen den Texas Rangers, den Seattle Mariners und den Houston Astros. Das bisherige Bild ist allerdings ein anderes, denn die Astros haben zum Saisonstart durch drei Siege in drei Spielen gegen den Mitkonkurrenten aus Seattle ein klares Ausrufezeichen hinter ihren Anspruch auf den Divisionstitel gesetzt. Die Mariners hingegen müssen neben dem 0-3-Start auch noch die Hiobsbotschaft verdauen, dass Starter Drew Smyly mit einer Ellbogenverletzung im Wurfarm für mindestens zwei Monate ausfällt. Die Rangers kamen gegen die Cleveland Indians mit drei Niederlagen unter die Räder und hoffen, nun in den Oakland Athletics den benötigten Aufbaugegner zu finden.

National League
In der National League East starteten die Washington Nationals mit zwei erwarteten Siegen gegen die Miami Marlins, alle anderen Teams haben von ihren ersten beiden Spielen eines gewonnen und eines verloren. Die Extra-Innings-Niederlage meiner Mets in der letzten Nacht tut besonders weh – nicht nur, weil es mich wehmütig stimmt, Bartolo Colon im Citi Field in der falschen Uniform zu sehen, sondern auch weil eine Glanzleistung von Jacob deGrom am Ende unbelohnt blieb, da der Bullpen und die Batter ihm keine Stütze waren.

Die NL Central ist am schwächsten in das Jahr gestartet, kein einziges Team weist bislang eine positive Bilanz auf. Das wird sich heute allerdings definitiv ändern, wenn die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals gegeneinander das dritte Spiel ihrer Serie absolvieren – vorausgesetzt, die wegend schlechten Wetters von gestern auf heute verschobene Partie muss nicht erneut ausfallen. Einen großen Erfolg haben die Cardinals vor ein paar Tagen abseits des Platzes erzielt: Mit Catcher Yadier Molina, dem Gesicht der Franchise, einigte man sich auf eine Vertragsverlängerung, die ihm in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Dollar einbringt.

Die NL West ist die einzige Division, in der schon jedes Team mindestens einmal gewonnen und einmal verloren hat. Erwähnenswert finde ich hier die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies, die als einzige Teams der Liga mit negativem Rundifferential eine positive Bilanz (jeweils 2-1) erspielt haben. Spricht das nun für Glück oder für Effizienz? Vielleicht auch für nichts von beidem, die Stichprobengröße ist ja noch extrem klein.

Spielzug der Woche
Es gab in den ersten Spielen schon eine Menge sehenswerter Hits und Catches, aber eines habe ich wirklich noch nie gesehen und das war dass innerhalb eines Innings dreimal derselbe Spieler vom Ball getroffen wurde. Stephen Piscotty, Outfielder der St. Louis Cardinals, ist der Pechvogel, dem im fünften Inning der 1:2-Niederlage gegen die Cubs genau das passiert ist. Ich fand es beim ersten Mal zum Lachen, beim zweiten Ansehen machte ich mir Sorgen, ob sich der arme Kerl vor allem bei dem dritten Treffer nicht ernsthaft verletzt hat. Zum Glück hat er das nicht; er wurde zwar auf eine Gehirnerschütterung untersucht, aber es war alles in Ordnung.

Statistik der Woche 
50. So viele aufeinanderfolgende Saves hat der Closer der Orioles, Zach Britton, inzwischen erzielt. Das ist eine beeindruckende Serie, mit der er bereits auf Platz 5 der ewigen Bestenliste der MLB liegt. Platz zwei ist bereits in Sichtweite, denn davon trennen Britton nur noch Jose Valverde (51), Jeurys Familia (52) und Tom Gordon (54). Bis zu Platz eins, den Eric Gagne mit 84 erfolgreichen Save-Opportunities hintereinander belegt, ist es aber noch ein weiter Weg.

Spiel der Woche
Es gab bereits einige sehenswerte Begegnungen an diesen ersten Tagen der Saison, aber ich entscheide mich für das Spiel der San Francisco Giants bei den Arizona Diamondbacks am Opening Day. Zum einen weil es ein sehenswertes und spannendes Spiel war – mit Madison Bumgarner, der mit fünf perfekten Innings startete und obendrein zum ersten Pitcher wurde, der zwei Homeruns am Opening Day schlug, mit einem nie aufgebenden Diamondbacks-Team, dem ersten Blown Save und schließlich dem ersten Walkoff des Jahres –, zum anderen weil es das erste Spiel seit sehr langer Zeit war, dass im deutschen Free-TV zu empfangen war. Ich habe mir die Übertragung aus Interesse angeschaut und fand sie größtenteils gelungen, außer der ärgerlichen Tatsache, dass man erst mitten in das schon seit einer Stunde laufende Spiel eingestiegen ist. Ich hoffe sehr, dass das bei der nächsten Übertragung anders wird. Übrigens habe ich keine Ahnung, wann das sein wird, im Sport1-Programm bin ich bisher nicht fündig geworden. Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Spiel(e) der kommenden Woche
Mit der Serie der Los Angeles Dodgers beim World-Series-Titelverteidiger Chicago Cubs von Dienstag bis Donnerstag treten erstmals in diesem Jahr zwei der vermutlichen Spitzenteams gegeneinander an. Daher sind diese Spiele mein Einschalttipp für die kommende Woche.

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März 16th, 2017 by Dominik

Die Tigers sind neben den Kansas City Royals das zweite Team der AL Central, das seinen Zenit wohl überschritten hat, aber bislang weitgehend in Untätigkeit verharrt. Genau wie bei den Royals gehe ich auch bei den Tigers davon aus, dass man zumindest bis zur Trade-Deadline Ende Juli probieren möchte, ob angesichts der schwachen Divisionskonkurrenz hinter den Indians ein Angriff auf die Wild Card und somit ein letztes Aufbäumen der aktuellen Tigers-Generation möglich ist. Danach, also je nach Erfolg des Vorhabens entweder zur Trade-Deadline oder in der nächsten Offseason, steht ein größerer Neuaufbau des zu alt und zu teuer gewordenen Teams an. Justin Verlander, Miguel Cabrera und Ian Kinsler wären wohl die aussichtsreichsten Kandidaten auf Trades, die das dringend benötigte frische Blut in Form von Talenten einbringen könnten. Solange sie noch da sind und gesund bleiben, können diese drei gemeinsam mit ein paar weiteren Veteranen (Justin Upton, J. D. Martinez) und den wenigen Jungstars wie SP Michael Fulmer (Rookie of the Year 2016) und SS Jose Iglesias wahrscheinlich ein Wörtchen um die Playoffteilnahme mitreden. Meine Prognose ist allerdings, dass sie diese verpassen, weil die Wild-Card-Konkurrenz aus der AL East und der AL West zu stark ist.

Voraussichtliches Lineup
C James McCann
1B Miguel Cabrera
2B Ian Kinsler
SS Jose Iglesias
3B Nick Castellanos
LF Justin Upton
CF Tyler Collins
RF J. D. Martinez
DH Victor Martinez

Voraussichtliche Rotation
SP Justin Verlander
SP Jordan Zimmermann
SP Michael Fulmer
SP Daniel Norris
SP Anibal Sanchez
Closer Francisco Rodriguez

Wichtigster Zugang
C Alex Avila (Chicago White Sox)

Wichtigster Abgang
OF Cameron Maybin (Los Angeles Angels)

Bestes Prospect
SP Matt Manning

Größte Stärke
Miguel Cabrera: Der Slugger wird in einem Monat 34, kann aber immer noch ein Lineup tragen und bei Bedarf wohl noch gut getradet werden – allerdings nur zu einem Team, das in der Lage ist, seinen bis 2023 laufenden Vertrag über rund 30 Millionen Dollar pro Jahr zu übernehmen.

Größte Schwäche
Die fehlende Richtung: Der Ansatz, den die Tigers in dieser Offseason verfolgen, ist in jeder Hinsicht halbherzig. Solange man sich weder verstärkt, um ernsthaft oben mitzuspielen, noch sich klar zum Neuaufbau bekennt, sieht es schwer nach einem verschenkten Jahr aus.

Spannendste Frage
Wie geht es weiter nach dem Tod von Owner Mike Ilitch? Ilitch, der neben den Tigers auch den NHL-Club Detroit Red Wings besaß, ist am 10. Februar im Alter von 87 Jahren gestorben. Spekulationen, dass der Verein verkauft werden könnte, scheinen sich aber nicht zu bewahrheiten. Sein Sohn Chris Ilitch hat die Geschäfte übernommen und macht bisher keine Anstalten, sich von der auf einen Wert von 1,15 Milliarden Dollar bezifferten Franchise trennen zu wollen.

Prognose
Platz 2 in der AL Central (keine Wild Card)

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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März 2nd, 2017 by Dominik

Eine knappe Woche Spring Training liegt hinter uns und bisher haben wir einen klaren Gewinner und einen klaren Verlierer. Die Los Angeles Angels of Anaheim haben fünf von fünf Spielen als Sieger beendet, die Cincinnati Reds hingegen kassierten in sechs Versuchen sechs Niederlagen. Dass die Reds auch in der regulären Saison eher wenige Erfolge feiern werden, ist wohl zu erwarten; dass die Angels ab April weiterhin groß auftrumpfen, ist hingegen nicht allzu wahrscheinlich. Die gute Nachricht für die Reds (und gleichzeitig die schlechte Nachricht für die Angels) ist jedenfalls, dass die Ergebnisse des Spring Trainings erfahrungsgemäß nur einen sehr schwachen Zusammenhang mit den Ergebnissen der kommenden Saison aufweisen. Also genießt es fürs Erste einfach, Baseball unter der Sonne Arizonas und Floridas sehen zu können, drückt euren Lieblingsspielern die Daumen, wenn sie noch um einen Stammplatz kämpfen, aber macht euch über die Resultate eures Teams nicht allzu viele Gedanken.
Während die Baseballwelt gierig die ersten Vorbereitungsspiele komsumierte, passierte jenseits der Ballparks nicht allzu viel Erwähnenswertes: Diese Woche gab es keine Regeländerungen, keine Skandale, kaum relevante Free-Agent-Signings – aber immerhin einen Trade der Mariners wie gefühlt in jeder Woche dieser Offseason.

Kubanische Talente suchen ihre Chance 
Aus Kuba flüchten nach wie vor regelmäßig Baseballer, die auf ein Engagement in der MLB hoffen. Zwei davon haben diese Woche Verträge bekommen: Der 24-jährige Outfielder Jose Adolis Garcia, ein Bruder von Braves-3B Adonis Garcia, unterzeichnete bei den St. Louis Cardinals und der 28-jährige Infielder Luis Valdes bei den Detroit Tigers. Beide gelten als talentiert genug, um es in einer Rolle als Reserve- oder Ergänzungsspieler in die MLB zu schaffen. Deutlich mehr wird dem 19-jährigen Outfielder Luis Robert zugetraut, den die Scouts allgemein als vielversprechendstes internationales Talent neben dem Japaner Shohei Ohtani einstufen. Robert wird voraussichtlich Ende März ein Vorführtraining für die MLB-Clubs absolvieren; bis alle Formalitäten seitens der Liga und der Einreisebehörden geklärt sind, wird es wahrscheinlich Juni oder Juli werden. Die Athletics, Astros, Braves, Cardinals, Nationals, Padres und Reds hoffen stark, dass die Freigabe vor dem 15. Juni erfolgt. An diesem Tag endet die aktuelle Signing-Periode und in der neuen Periode ab 2. Juli dürfen sie – ebenso wie schon jetzt die Cubs, Dodgers und Royals – nicht mitbieten, weil sie ihre Limits für die Verpflichtung internationaler Free Agents überzogen haben.

Joe Blanton zu den Nationals 
Die Washington Nationals haben sich in Person von Joe Blanton noch eine Ergänzung ihres Bullpens gesichert. Der 36-jährige Free Agent bekommt einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar plus bis zu einer weiteren Million in Abhängigkeit von den absolvierten Innings. Interessant sind die durchgesickerten Zahlungsdetails: Die Nationals planen demnach, von dem Gehalt für 2017 eine Million erst 2018 und zwei Millionen sogar erst 2019 zu bezahlen. Der Hintergrund dieses Konstrukts ist unklar – falls die Nationals finanziell so klamm sein sollten, dass sie das Gehalt anders nicht zahlen können, dürften sie für weitere Verpflichtungen (im Gespräch sind Outfielder Angel Pagan sowie ein Trade für Closer David Robertson) wohl aus dem Rennen sein.

Dodgers und Mariners traden Prospects 
Die Seattle Mariners um General Manager Jerry Dipoto untermauern ein weiteres Mal, dass sie derzeit das verhandlungsfreudigste Team der Liga sind. Dieses Mal wurden „nur“ Prospects getauscht und zwar senden die Mariners Shortstop Drew Jackson und Pitcher Aneurys Zabala zu den Los Angeles Dodgers und erhalten dafür Pitcher Chase De Jong. Keiner der drei ist den gängigen Rankings zufolge ein Top-Prospect mit unmittelbaren Aussichten auf eine MLB-Karriere. Aber die Mariners scheinen in De Jong – laut mlb.com Prospect #16 der Dodgers – etwas zu sehen, das ihnen sehr gefällt, denn laut Dipoto versuchten sie schon seit Juli letzten Jahres, ihn von den Dodgers loszueisen und nach Seattle zu holen.

Sorge um David Price
Ganz frisch eingetrudelt ist die Meldung, dass David Price, Starpitcher der Boston Red Sox, seinen ersten Spring-Training-Einsatz wegen Ellenbogenproblemen absagen muss. Nach einem ersten MRT möchte er eine zweite Meinung bei Dr. Andrews einholen. Dieser Name ist in der MLB so beliebt wie gefürchtet, denn Andrews gilt als Experte für die Tommy-John-Surgery – die OP, die Pitcherkarrieren rettet, aber in der Regel auch ein Jahr Pause bedeutet. Ich hoffe, Price hat Glück und seine Verletzung stellt sich als nicht so schlimm heraus wie man nach diesen ersten Meldungen befürchten muss.

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September 29th, 2016 by Dominik

Bei all der Trauer und den emotionalen Szenen um den Tod von José Fernández ging in den letzten Tagen das tagesaktuelle sportliche Geschehen in der MLB verständlicherweise fast ein wenig unter. Aber es ist viel passiert, unter anderem haben inzwischen sämtliche Entscheidungen über die Divisionssieger auch die letzten theoretischen Hürden genommen. Noch keine Entscheidungen sind hinsichtlich der heiß umkämpften Wild Cards gefallen, die Rennen in beiden Ligen bleiben spannend bis zum letzten der nur noch vier Spieltage. Entsprechend stark werde ich mich dieses Mal auf die beiden Wild-Card-Rennen konzentrieren. Daneben gehe ich kurz auf die Playoffpaarungen ein, wie sie momentan aussähen.

National League
In der National League ist der Dreikampf zwischen den New York Mets (85-74), den San Francisco Giants (83-75) und den St. Louis Cardinals (82-76) nach wie vor in vollem Gange. Die Mets konnten sich inzwischen ein wenig absetzen, indem sie ihre Pflichtaufgaben gegen die Phillies und bei den Marlins lösten, während die Konkurrenz sich Patzer erlaubte. Alle drei müssen in ihrer letzten Serie der regulären Saison gegen langjährige Rivalen ran, von denen keine Geschenke zu erwarten sind: die Mets gegen die Phillies, die Cardinals gegen die Pirates und die Giants gegen die Dodgers. Auch hier sieht es danach aus, dass die Mets die einfachste Aufgabe haben. Allerdings haben sie schon ein Spiel mehr auf dem Konto und müssen heute tatenlos zusehen, was die beiden Mitbewerber aus ihren Chancen machen, jeweils einen Sieg aufzuholen.

Die Playoffpaarungen der National League mit Ausnahme des Wild-Card-Spiels stehen bereits weitgehend fest: Der Wild-Card-Sieger wird in der NLDS-Runde auf die Chicago Clubs (101-57) treffen, die das erste Heimrecht genießen. Die andere NLDS-Serie findet zwischen den Washington Nationals (92-66) und den Los Angeles Dodgers (90-68) statt. Die Nationals haben derzeit zwei Siege mehr und hätten somit Heimrecht, aber das kann sich durch die verbleibenden vier Spiele noch ändern.

American League
In der American League geht es um die Wild Cards genauso spannend zu wie in der NL, nur dass hier sogar noch vier Teams im Rennen sind. Die Toronto Blue Jays (87-71) haben momentan die besten Karten, nur ein Spiel dahinter belegen die Baltimore Orioles (86-72) zurzeit den zweiten Wild-Card-Platz. Die beiden treffen heute noch einmal aufeinander, nachdem sie sich die aktuelle Serie bisher geteilt haben. Auf ihre Chance lauern noch die Detroit Tigers (85-73) und die Seattle Mariners (84-74). Mit den Braves respektive den Athletics haben beide schlagbare Gegner in ihren letzten Serien, während es die Orioles gegen die Yankees und die Blue Jays gegen die Red Sox mit dickeren Brocken zu tun bekommen.

Wäre die Saison jetzt schon zuende, so würden Toronto und Baltimore das Wild-Card-Spiel bestreiten und der Sieger dann bei den Texas Rangers (94-65) zur ALDS-Runde antreten. Die anderen ALDS-Spiele fänden zwischen den Boston Red Sox (92-66) und den Cleveland Indians (91-67) statt. Die drei Divisionssieger sind aber derzeit noch so nah beieinander, dass sowohl die Paarungen als auch die Heimrechte noch komplett durcheinander gewürfelt werden können.

Spielzug der Woche
Eigentlich sollte es ein Unding sein, sich über einen Homerun gegen die eigene Lieblingsmannschaft zu freuen. Montagnacht ist mir das aber tatsächlich passiert: Es war das erste Spiel der Miami Marlins nach dem tragischen Tod von José Fernández, der übrigens in genau diesem Spiel hätte starten sollen. Schon vor der Partie gab es bewegende Szenen im Marlins Park, aber der Gipfel der Emotionen wurde erst mit Dee Gordons Leadoff-At-Bat erreicht: Gordon trat zunächst für einen Pitch mit Fernandez‘ Helm und auf der ungewohnten Rechtshänderseite an, um seinen toten Freund zu ehren. Dann wechselte er auf seine gewohnte Seite und schlug den Ball weit aus dem Feld zu seinem ersten Homerun der Saison. Beim Umrunden der Bases flossen die ersten Tränen und kurz darauf lagen sich die Spieler der Marlins ein weiteres Mal in den Armen. Ich kann mich nur an einen einzigen so emotionsgeladenen, in seiner Bedeutung weit über das Ballspiel hinausreichenden Homerun erinnern – das war fast auf den Tag genau 15 Jahre vorher.

Statistik der Woche
21. So viele Strikeouts erzielten die Pitcher der Boston Red Sox während der ersten neun Innings ihrer Partie gegen die Tampa Bay Rays am Sonntag. Das ist ein neuer MLB-Rekord, genauso wie die Anzahl von 11 aufeinander folgenden Strikeouts, die Starter Eduardo Rodriguez und Reliever Heath Hembree zwischenzeitlich warfen. Eine Siegesgarantie war der Rekord nicht, stattdessen wurde ein zehntes Inning nötig. Erst dann entschieden ein RBI-Double von David Ortiz und zwei weitere Strikeouts das Spiel zu Gunsten von Boston.

Spiel der Woche
Ein wirklich irres Spiel lieferten sich die Mets und die Phillies letzten Donnerstag zum Auftakt ihrer Serie im Citi Field: Erst gingen im zweiten Inning die Mets per Homerun von Curtis Granderson 2:0 in Führung, welche die Phillies im fünften Inning durch Homeruns von Ryan Howard und Cameron Rupp zum 3:2 drehten. Die Mets glichen direkt wieder aus und gingen im siebten Inning 4:3 in Front. Ein Inning und einen 3-Run-Homerun von Maikel Franco später stand es 6:4 für die Phillies. Mit einem Out im Bottom des neunten Innings gelang José Reyes der 2-Run-Homer zum 6:6. Im zehnten Inning roch es kurz nach Walk-off, doch Lucas Dudas weiter Schlag verfehlte den Foulpfosten um Haaresbreite. Es ging also ins elfte Inning, in dem Philadelphia zwei Runs über die Platte brachte. Game over? Mitnichten, da waren sich die Mets einig. Nach einem Walk von Conforto und einem Single von Reyes brachte Ausdrubal Cabrera das Spiel mit einem Homerun zum 9:8 nach Hause und ließ zur Krönung noch einen epischen Batflip folgen.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Spiele vor nächsten Donnerstag sind natürlich die Wild-Card-Spiele der AL am Dienstag und der NL am Mittwoch. Aber erstmal muss ja entschieden werden, wer daran teilnimmt und deshalb ist mein Spiel der Woche das Rubber-Match zwischen den Blue Jays und den Orioles heute Nacht (1:07 Uhr unserer Zeit) als das letzte Aufeinandertreffen von zwei direkten Konkurrenten um die Wild-Card-Plätze – und darüber hinaus von den beiden Teams, die nach derzeitigem Stand auch das Wild-Card-Spiel gegeneinander bestreiten würden.

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September 22nd, 2016 by Dominik

Während wir in Deutschland zwei Tage vor dem Beginn der Meisterschaftsserie stehen, ist die MLB noch nicht ganz so weit, aber auch hier steigt die Spannung mit jedem Tag. Heute in zwei Wochen finden bereits die ersten Spiele der Divisional Championships der American League statt, bis dahin werden alle Entscheidungen über die Playoffteilnehmer gefallen sein – einschließlich der Wild-Card-Spiele und möglicherweise einer zusätzlichen Tie-Break-Runde. Dass es zu Letzterer kommt, scheint momentan durchaus möglich, deswegen habe ich mich etwas näher damit beschäftigt, wie ein solcher Tie-Breaker ablaufen wird. Mehr dazu im Abschnitt über die National League.

American League
Beim Blick auf die American League hat es schon Tradition, dass ich mich zu allererst darüber auslasse, wie spannend es in der AL East zugeht und dass hier bis zum letzten Tag um den Divisionstitel gerungen wird. Schluss damit, aus, vorbei! Die Boston Red Sox (88-64) werden diese Division gewinnen. Nach sieben Siegen in Folge – darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die New York Yankees (79-72) und Erfolge in den ersten drei von vier gegen die Baltimore Orioles (82-70) – liegen die Red Sox nun fünf Spiele vor den Toronto Blue Jays (83-69). Fangraphs sieht die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort oben bleiben, mittlerweile bei 98% und das erscheint mir sehr realistisch. Die Red Sox komplettieren damit das Feld der AL-Divisionssieger neben den Cleveland Indians (88-63) und den Texas Rangers (90-63). In die Playoffs geht Boston für mich als Favorit auf die World-Series-Teilnahme. Dafür spricht zum einen ihr überragendes Run Differential, das darin wurzelt, dass nicht nur die Offense aus allen Rohren feuert sondern spätestens seit dem All-Star-Break auch die Pitcher einen sehr respektablen Job machen. Hinzu kommt, dass die Red Sox aus der ausgeglichensten und stärksten Division kommen, sodass der Druck in den Playoffs für sie nichts Neues ist.

Kommen wir zum Wild-Card-Rennen der AL. Hier sah es lange danach aus, dass auf diesem Weg zwei weitere Teams aus der starken AL East den Weg in die Playoffs finden und das ist momentan auch noch aktuell: Die Toronto Blue Jays (83-69) hätten zurzeit das Heimrecht im Wild-Card-Game und würden dabei auf die Baltimore Orioles (82-70) treffen. Allerdings nehmen sich die beiden noch in drei der zehn verbleibenden Spielen auf jeden Fall gegenseitig Punkte weg und das öffnet die Tür für die Detroit Tigers (80-70) und die Houston Astros (81-71), die jeweils nur ein Spiel hinter den Orioles und zwei hinter den Blue Jays liegen. Selbst die Seattle Mariners (80-72) sind noch nicht ganz draußen, wenngleich sie in der letzten Woche mit verlorenen Serien gegen die Astros und die Blue Jays wohl ihre beste Gelegenheit verpasst haben. Vom Restprogramm her sehe ich die Tigers leicht favorisiert, weil sie als einzige keine Serie gegen einen direkten Konkurrenten um die WC-Plätze absolvieren müssen. Mit den Kansas City Royals und den Cleveland Indians warten allerdings auch auf sie noch zwei dicke Brocken.

National League
In der National League sind die Divisionssieger ja schon länger klar, ich zähle die Washington Nationals (89-63), die Chicago Cubs (97-55) und die Los Angeles Dodgers (86-66) hier lediglich als Merkposten auf. Dass die Cubs diese Saison der große Favorit sind, muss man wohl auch nicht mehr erwähnen. Wenn sie Glück haben, spielen ihnen sogar die Wild-Card-Teams noch in besonderem Maße in die Hände, denn wenn es unter diesen zusätzliche Tie-Break-Spiele geben sollte, können die Cubs gemütlich zuschauen, während ihre nächsten Gegner sich dabei verausgaben und ihre besten Pitcher verheizen.

Würde die Saison heute enden, wäre tatsächlich eine erweiterte Wild-Card-Runde nötig, denn die New York Mets, die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals stehen allesamt bei einer Bilanz von 80-72 und damit schon den zweiten Tag in Folge exakt gleichauf. Noch hat jeder zehn Spiele vor sich und somit reichlich Gelegenheit, sich ein oder zwei Spiele von den Konkurrenten abzusetzen, aber was passiert, wenn auch in eineinhalb Wochen zwei oder drei Teams die gleiche Bilanz aufweisen?

Der einfachste Fall wäre, wenn zwei Teams mit gleicher Bilanz die beiden Wild-Card-Plätze belegen. Es ginge dann „nur“ um das Heimrecht und das bekäme die Mannschaft mit dem besseren direkten Vergleich oder – wenn auch hier Gleichstand herrscht – mit der besseren Bilanz innerhalb der eigenen Division.

Wenn zwei Teams gleichauf stehen und es um den zweiten Wild-Card-Platz geht, gibt es ein Entscheidungsspiel direkt nach Saisonende, also am Montag, den 3. Oktober. Das Heimrecht in diesem Spiel entscheidet sich nach den oben genannten Regeln.

Stehen so wie heute drei Teams gleichauf für zwei Wild-Card-Plätze, dann wird es ein bisschen kompliziert. Ihr könnt auf mlb.com die Details nachlesen, im Endeffekt würde es jedenfalls auf eine Wild-Card-Runde mit drei Spielen hinauslaufen. Dabei würden wahrscheinlich zunächst am Montag St. Louis und New York aufeinandertreffen. Der Verlierer würde dann am Dienstag gegen San Francisco spielen. Die Sieger aus beiden Spielen würden sich am Mittwoch zum offiziellen Wild-Card-Spiel treffen und entscheiden, wer ab Freitag die Divisional-Serie gegen die Cubs spielen darf.

Stehen drei Teams gleichauf für den zweiten Wild-Card-Platz (was in der AL passieren könnte), dann ist das Verfahren ähnlich. Auch hier gäbe es zwei Tie-Breaker-Spiele, allerdings wäre der Verlierer des ersten Spiels draußen und der Gewinner würde im zweiten Spiel gegen die dritte Mannschaft darum spielen, wer im eigentlichen Wild-Card-Spiel auf das bereits qualifizierte Team trifft.

Spielzug der Woche
Die Texas Rangers sind 36-11 in One-Run-Games. Wie kommt man zu so einer Bilanz? Mit starken Nerven, mit etwas Glück und mit solchen Aktionen wie der von Pitcher Nick Martinez beim 5:4-Sieg gegen die Los Angeles Angels. Was für ein Catch! Oder, um es mit Adrian Beltre (ganz unten in dem verlinkten Artikel) zu sagen: Wow!

Statistik der Woche
45. Das ist die Anzahl von MLB-Spielen in der jungen Karriere von Gary Sanchez. Das Besondere daran ist, dass der 23-Jährige Yankee in diesen 45 Spielen 19 Homeruns geschlagen hat, was ein wirklich historischer Rekord ist: Der zweitschnellste Spieler der MLB-Geschichte, der 19 Homeruns erzielt hat, war Wally Berger im Jahr 1930 – in 51 Spielen. Sanchez steht nun bei einer OPS von 1.157 und ist trotz seiner verhältnismäßig kurzen Zeit in den Big Leagues wohl Top-Favorit auf die Auszeichnung als Rookie of the Year.

Spiel der Woche
Die Red Sox haben die Yankees geschlagen. Das kam dieses Jahr öfter vor, allein 4-mal hintereinander in der letzten Woche und insgesamt schon 11-mal in 16 Spielen (wäre es andersherum gelaufen, stünden übrigens die Yankees an der Spitze der AL East und die Red Sox wären Vierter). Der wichtigste und nachhaltigste dieser Siege dürfte allerdings der vom vergangenen Donnerstag gewesen sein: Das Comeback der Red Sox nach einem 1:5-Rückstand durch Homeruns von Big Papi David Ortiz und Hanley Ramirez war für beide Teams ein mentaler Knackpunkt, dem ein Sweep in der entscheidenden Serie folgte. Seitdem haben die Red Sox den Divisionssieg und die Yankees die Nichtteilnahme an den Playoffs so gut wie sicher.

Spiel der kommenden Woche
Die Cardinals gegen die Cubs, die Yankees gegen die Blue Jays und die Mariners gegen die Astros dürften die drei interessantesten Serien der nächsten Tage sein, aber zum Spiel der Woche wähle ich die Partie der Colorado Rockies bei den Los Angeles Dodgers am kommenden Sonntag um 22:10 Uhr unserer Zeit. Wer an dem Tag in LA ins Stadion geht statt vor dem Fernseher zu sitzen, ist selber schuld, denn sehens- bzw. hörenswert ist diese Partie vor allem deshalb, weil sie das letzte Heimspiel sein wird, das von Reporter-Legende Vin Scully kommentiert wird. Nutzt die Chance, wenn ihr die Möglichkeit habt, und genießt noch einmal Scullys angenehme Stimme und seinen unvergleichlichen, herrlich altmodischen Stil, ein Baseballspiel zu präsentieren. Wer das verpassen sollte, hat übrigens eine Woche später ein letztes Mal die Gelegenheit, Scully live zu erleben, denn seine letzte Übertragung wird das Spiel der Dodgers in San Francisco am 2. Oktober sein.

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September 15th, 2016 by Dominik

Nur noch 15 bis 18 Spiele haben die Teams der MLB zu absolvieren, dann ist die reguläre Saison 2016 Geschichte. Bis dahin werden sich noch einige große Hoffnungen erfüllen oder zerschlagen, denn obwohl die Divisionssieger bis auf einen mehr oder weniger feststehen ist durch sehr enge Wild-Card-Rennen Spannung bis zum Schluss garantiert.

National League
In der National League ist das Ringen um die Playoffs deutlich überschaubarer als in der Schwesterliga. Welche Teams in der NL als Divisionssieger in die Playoffs einziehen, ist so gut wie entschieden. Die Washington Nationals (87-59) und die Chicago Cubs (93-52) sind allenfalls theoretisch noch einholbar. Die Los Angeles Dodgers (82-63) können sich ihrer Sache mit fünf Spielen vor den San Francsico Giants (77-68) noch nicht hunderprozentig sicher sein, aber die von Fangraphs zugerechnete Wahrscheinlichkeit von 96,4%, dass die Dodgers am Ende oben stehen, erscheint mir sehr realistisch.

Auch in Bezug auf die Wild-Card-Plätze gibt es in der NL schon seit ein, zwei Wochen kein unübersichtliches Getümmel mehr, sondern lediglich drei Teams, die um die beiden Plätze wetteifern. Dieses Rennen könnte allerdings kaum enger sein als es ist: Die Giants liegen nach wie vor mit einem halben Spiel vorne, allerdings haben die New York Mets (77-69) nach Siegen bereits gleichgezogen und liegen ihrerseits nur ein halbes Spiel vor den St. Louis Cardinals (76-69). Der leichte Schiefstand in der Tabelle wird übrigens heute behoben, denn die Mets sind spielfrei, während die Giants und die Cardinals das erste Spiel einer Vierer-Serie gegeneinander austragen. Danach haben die drei Teams gleich viele Spiele absolviert und die Bilanzen sind besser vergleichbar – falls die Cardinals das Spiel gewinnen, sind die Bilanzen aller drei Teams sogar komplett identisch. Von Freitag bis Sonntag befinden sich die Mets dann in der komfortablen Situation, zu Hause gegen das schlechteste Team der Liga, die Minnesota Twins (54-92), anzutreten, während die beiden Konkurrenten sich unweigerlich gegenseitig Punkte abnehmen. Auch sonst meint es der Restspielplan gut mit den Mets. Sie haben noch 16 Spiele vor sich, davon kein einziges gegen ein Team mit positivem Record. Die Giants hingegen sehen sich noch in 10 von 17 und die Cardinals in 7 von 17 Spielen Gegnern mit mehr Siegen als Niederlagen gegenüber.

American League
In der American League haken wir schnell mal die Cleveland Indians (84-61) und die Texas Rangers (87-60) als Divisionssieger ab und konzentrieren uns ansonsten auf die AL East, die dieses Jahr sicher schon so manchem Fan graue Haare beschert hat. Immer, wenn man denkt, dass sich ein Team langsam nach oben oder unten von den anderen absetzt, legt genau dieses Team plötzlich einen positiven oder negativen Lauf hin, der alles wieder auf den Kopf stellt. Zum Beispiel haben die Boston Red Sox (81-64) gerade eine Serie gegen die Baltimore Orioles (80-65) verloren und stehen nun nur noch einen Sieg vor diesen. Gleichzeitig haben die Toronto Blue Jays (79-66) im September bislang nur 3 von 9 Spielen gewonnen und sich von Platz eins auf Platz drei durchreichen lassen. Der Spielplan sieht in den nächsten Tagen lösbare Aufgaben für die Blue Jays (bei den Angels) und die Orioles (gegen die Rays) vor, während die Red Sox gegen die New York Yankees (77-68) antreten, die selbst noch nicht ganz aus dem Rennen sind – ein Sweep in die eine oder die andere Richtung könnte für mindestens eines der beiden Teams eine Vorentscheidung bedeuten. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass in dieser Division irgend etwas vorentschieden wird, hier bleibt es spannend bis zum letzten Tag der Saison (an dem übrigens die Red Sox gegen die Blue Jays und die Orioles gegen die Yankees spielen).

Was das Wild-Card-Rennen der AL angeht, habe ich schon mehrfach gemutmaßt, dass am Ende nur ein AL-East-Team übrig bleibt, weil man sich innerhalb der Division die Punkte gegenseitig wegnimmt. Bisher hat sich das allerdings noch nicht bewahrheitet, die WC-Plätze sind seit vielen Wochen stabil in der Hand des jeweiligen Zweit- und Drittplatzierten der AL East. Aus den anderen Divisionen halten die Detroit Tigers (78-67) ebenso Tuchfühlung zu den Wild Cards wie die Seattle Mariners (78-68). Die Mariners haben zurzeit einen tollen Lauf mit acht Siegen in Folge, wobei die letzten sechs gegen die abgeschlagenen Oakland Athtletics und Los Angeles Angels (jeweils 63-82) eingefahren wurden. In den nun anstehenden Serien gegen die Houston Astros (76-70) und die Toronto Blue Jays wird sich zeigen, wie ernst die Aufholjagd der Mariners zu nehmen ist. Momentan würde ich noch sagen, dass ich Detroit für das konstantere Team halte und deshalb die Tigers im Wild-Card-Spiel sehe.

Spielzug der Woche
Wenn man sich auf ein Knie sinken lässt, drückt man damit oft Demut, Unterwürfigkeit oder Erschöpfung aus. Manchmal ist es auch eine Form von Protest, man denke an die Diskussion um Colin Kaepernicks Verhalten während der Nationalhymne. Dass man in die Knie geht, um einen Homerun zu schlagen, sieht man jedoch eher selten und deswegen erhält Adrian Beltre heute von mir die Auszeichnung für den Spielzug der Woche.

Statistik der Woche 
19. So viele Spiele absolvieren Divisionsrivalen in der MLB in einer Saison gegeneinander und in so vielen Spielen hat Daniel Murphy mindestens einen Hit gegen sein ehemaliges Team, die New York Mets, erzielt. Murphy kam in diesen 19 Spielen auf einen Average von .413 mit 7 Homeruns und 21 RBI. Als Metsfan tut es mir weh, das zu sagen, aber: Die Mets haben es nicht besser verdient. Sie haben Murphy vor der Saison recht rüde aussortiert, indem sie ihm kein ernstzunehmendes Angebot vorgelegt haben, obwohl er eine atemberaubende Postseason hingelegt, immer wieder deutlich signalisiert hatte, bei den Mets bleiben zu wollen und nach allem, was man weiß, keine überzogenen Forderungen stellte. Das Front Office um Sandy Alderson ließ ihn ziehen und nun spielt er beim wichtigsten Konkurrenten die Saison seines Lebens. Dumm gelaufen.

Spiel der Woche
Die Dodgers haben am vergangenen Samstag 5:0 gegen die Marlins gewonnen, allerdings war das Resultat nach dem Spiel kaum ein Thema, denn alles drehte sich um die Entscheidung von Dodgers-Manager Dave Roberts, seinen Starting Pitcher Rich Hill nach sieben Innings aus dem Spiel zu nehmen. Hill hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein Perfect Game gepitcht, also keinen einzigen Baserunner zugelassen. Ein solches Spiel über die volle Distanz ist der Traum jedes Pitchers und wenn es Hill gelungen wäre, wäre es das erste Perfect Game in der MLB seit vier Jahren gewesen. Aber Robertson entschied anders und Reliever Joe Blanton gab im achten Inning prompt gegen Jeff Francoeur einen Hit ab. Hill war sichtlich wütend über die entgangene Chance, sich selbst ein Denkmal zu setzen, aber natürlich muss man auch Roberts‘ Position sehen, dass er seinen erst vor wenigen Wochen erworbenen und durchaus als verletzungsanfällig bekannten Pitcher nicht zugunsten eines symbolischen Erfolgs verheizen wollte. Dass diese Entscheidung überhaupt zu treffen war, verdankte Hill übrigens neben seinem eigenen starken Auftritt auch Teamkamerad Yasiel Puig, der ihm im siebten Inning mit einem fantastischen Catch den perfekten Auftritt erhielt.

Spiel der kommenden Woche
Das ewig junge Duell der Erzrivalen Boston Red Sox und New York Yankees steht mal wieder an und weil es in einer Situation kommt, in der es für beide Teams quasi um alles geht, drängt sich diese Serie förmlich auf, aus ihr das Spiel der Woche zu wählen. Da keines der voraussichtlichen Pitcher-Matchups besonders herausragt, ist mein Einschalttipp das Spiel mit der aus mitteleuropäischer Sicht günstigsten Anfangszeit: Am Samstag um 19:05 Uhr wird von Bryan Mitchell der erste Pitch der Yankees geworfen, die Red Sox schicken David Price ins Rennen.

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September 1st, 2016 by Dominik

Ich finde es herrlich, mich zu irren. Naja, nicht unbedingt immer, aber zumindest fast immer dann, wenn Teams, die ich im Laufe des Jahres schon mal abgeschrieben hatte, plötzlich aus dem Nichts wieder auftauchen und mit einer Siegesserie für neue Spannung in der Liga sorgen. Konkret meine ich damit diese Woche die Houston Astros, die Detroit Tigers und die New York Mets, allesamt mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen und allesamt nun wieder ernsthafte Bewerber um Wild-Card-Plätze, wobei die Tigers vielleicht sogar noch mal um den Divisionstitel mitreden könnten.

National League
In die National League East ist Bewegung gekommen: Zwar sind die Washington Nationals (78-55) nach wie vor unangefochten, doch Platz zwei haben nach drei Siegen gegen die Miami Marlins (67-66) nun die New York Mets (69-64) zurück erobert. Nur noch 1.5 Spiele trennen die Mets vom Wild-Card-Platz und von allen konkurrierenden Teams – Giants, Cardinals, Pirates, Marlins – haben sie das leichteste Restprogramm. Ich weiß, letzte Woche habe ich hier noch herumgejammert und die zahlreichen Schwächen der Mets aufgezählt, aber über nichts irre ich mich lieber als darüber.

Über die Dominanz der Chicago Cubs (85-47) gibt es eigentlich nichts Neues zu sagen, aber es ist interessant zu sehen, wie stark der Einfluss der Cubs auf das Wild-Card-Rennen ist: Die Pittsburgh Pirates (67-64) waren bis vor ein paar Tagen noch gut dabei, wurden nun aber von den Cubs gesweept und sind entsprechend ins Hintertreffen geraten. Kurz vor Saisonende müssen sie übrigens noch viemal gegen die Cubs ran. Die St. Louis Cardinals (70-62) belegen momentan den zweiten WC-Platz, aber auch für sie könnten die Cubs in sechs noch ausstehenden Begegnungen zum Spielverderber werden. Da die Cardinals und die Pirates obendrein noch sechsmal gegeneinander spielen, sehe ich für die Wild-Card-Ambitionen der NL Central trotz des momentanen Tabellenbildes relativ schwarz.

Auch für die San Francisco Giants (72-60), die momentan die Wild-Card-Rangliste anführen, könnten die Cubs Schicksal spielen, denn die Giants müssen ab heute viermal hintereinander in Chicago antreten. Wenn die Form beider Teams aus den letzten Wochen halbwegs für eine Prognose taugt, dürften die Giants dort nicht viel zu lachen haben. Für die Los Angeles Dodgers (74-59) sieht das nach einer willkommen Gelegenheit aus, sich an der Spitze etwas abzusetzen; ihre eigenen Aufgaben in Form von zwei Heimserien gegen die Padres und die Diamondbacks erscheinen jedenfalls sehr lösbar.

American League
In der American League East geht es weiterhin eng zu, aber so langsam werden auch in dieser Divsion gewisse Tendenzen erkennbar. Dazu beigetragen hat sicher die von den Toronto Blue Jays (76-57) gewonnene Serie gegen die Baltimore Orioles (72-61). Zwischen den beiden liegen nun schon vier Spiele und angesichts des schweren Restprogramms der Orioles sind diese in meinen Augen schon so gut wie raus aus dem Kampf um den Divisionssieg. Genau zwischen Toronto und Baltimore stehen noch die Boston Red Sox (74-59), mit denen ich fest in den Playoffs rechne, sei es über die Division oder über die Wild Card. Dort werden sie ein unangenehmer Gegner sein, denn nachdem sie schon in der gesamten Saison die erfolgreichste Offense der Liga ihr eigen nennen, scheinen sie nun auch ihr Pitching auf die Reihe gebracht zu haben: Im August lagen sie mit einem Team-ERA von 3.69 auf Platz sechs der MLB – das heißt, sie haben pro Spiel fast einen Run weniger kassiert als in der ersten Saisonhälfte.

In der AL Central liegen die Detroit Tigers (72-61) nach acht Siegen aus den letzten zehn Spielen nur noch vier Spiele hinter den führenden Cleveland Indians (76-56). Ein Angriff auf die Spitze erscheint mir möglich, aber nicht wahrscheinlich, für eine Wild Card hingegen sind die Tigers ein ganz heißer Kandidat. Ihre Hauptkonkurrenten um diese sind die Orioles, die Astros, mit Außenseiterchancen die Yankees und vielleicht noch die Kansas City Royals (69-64). Was aus diesem „vielleicht“ wird, dürften die drei bevorstehenden Partien zwischen den Tigers und den Royals zeigen. Max Kepler hat gestern Abend endlich wieder einen Homerun für die Minnesota Twins (49-84) geschlagen. Die dreizehnte Niederlage seines Teams in Folge konnte er damit jedoch nicht verhindern, die Twins haben in ihrem freien Fall inzwischen die Atlanta Braves als bisheriges schlechtestes Team der Liga an sich vorbei ziehen lassen.

Die Texas Rangers (80-54) sind ein Phänomen: Mit einem höchst mittelmäßigen Run Differential von +22 (das vor dem gestrigen 14:1 gegen Seattle noch viel mittelmäßiger war) führen sie nicht nur die AL Central an sondern weisen auch den besten Record der gesamten AL auf. Das Erfolgsgeheimnis der Rangers: Sie gewinnen knappe Spiele – nicht immer, aber in 78,9% der Fälle. Mit der aktuellen Bilanz von 30-8 in Spielen, die durch einen einzigen Run Abstand entschieden werden, würden die Rangers einen neuen Einzelsaison-Rekord im modernen Baseball (d. h. seit 1900) aufstellen. Hinter den Rangers habe ich im Wild-Card-Rennen erst letzte Woche noch den Seattle Mariners (68-65) gute Chancen zugerechnet und die Houston Astros (71-62) als zu unbeständig abgeschrieben. Inzwischen haben sich die Vorzeichen komplett gedreht, wobei man sagen muss, dass ein wesentlicher Faktor der von den Mariners gegen die Rangers erlittene Sweep war und dass die Astros erst noch zeigen müssen, ob sie „for real“ sind, wenn sie ihrerseits nun dreimal gegen die Rangers, dann viermal gegen die Indians, dreimal gegen die Cubs und wieder dreimal gegen die Rangers antreten müssen. Das sind dreizehn Spielen gegen Divisionsführer hintereinander – Houston, wir haben ein Problem.

Spielzug der Woche
Relief Pitcher Zach McAllister von den Indians hat beim 8:4 gegen die Twins meiner Ansicht nach schlichtweg das Aus des Jahres produziert. Was soll ich groß schreiben, schaut es euch einfach an.

Statistik der Woche 
86 Jahre. So alt sind Bartolo Colon und Ichiro Suzuki, die beiden ältesten aktiven Spieler der MLB, zusammen. Gestern Abend trafen die beiden aufeinander und keiner von ihnen machte den Eindruck, zum alten Eisen zu gehören: Colon pitchte sieben Innings, in denen er nur einen earned Run zuließ; Ichiro erzielte einen Single, in dessen Folge er zwei Fehler der Mets sowie seine Schnelligkeit und Übersicht nutzte, um die Homeplate zu erreichen; zudem verhinderte er mit einem spektakulären Catch im Centerfield einen Homerun.

Spiel der Woche
Es scheint zwar schon eine Ewigkeit her, aber da die „Grand-Slam-Woche“ von Donnerstag bis Mittwoch reicht, gehört der Beinahe-No-Hitter von Matt Moore vom vergangenen Donnerstag in diesen Artikel. Angesichts der schwachen Form der Giants seit dem All-Star-Break ist ein gutes Spiel von ihnen fast schon für sich allein eine Erwähnung wert, aber der wichtige 4:0-Erfolg gegen die Dodgers geriet in den Hintergrund angesichts des geradezu tragischen Verlusts des möglichen No-Hitters – tragisch deshalb, weil der erste und einzige Hit der Dodgers nach zwei Aus im neunten Inning erfolgte. Corey Seager war der Spielverderber, wobei ich Spielverderber nicht negativ meine. Ich finde es vielmehr richtig und gut, auch bei einem quasi verlorenen Spiel bis zum letzten Aus ernsthaft zu spielen. Für Moore war es schade, aber ein angeknackstes Selbstvertrauen scheint er nicht erlitten zu haben, denn sein nächster Start gegen Arizona gestern Abend war ebenfalls ein ordentlicher Auftritt.

Spiel der kommenden Woche
Madison Bumgarner gegen Jake Arrieta und das Ganze zur besten mitteleuropäischen Sendezeit am Samstag um 20:20 Uhr direkt nach der Tagesschau. Baseballherz, was willst du mehr?

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Juni 16th, 2016 by Dominik

Ich blicke zurück auf die Woche, in der Max Kepler seinen ersten Homerun in der MLB geschlagen hat, in der Freddie Freeman der erste Cycle des Jahres gelungen ist und in der Ichiro Suzuki für einen Rekord gefeiert wird, den es offiziell nicht gibt. Noch sind wir ein gutes Stück entfernt von der Halbzeit der Saison, aber in der Mehrzahl der Divisionen hat man bereits den Eindruck, dass sich die Spreu vom Weizen trennt.

American League

Die American League bleibt der spannendere der beiden MLB-Teile, denn in zwei von drei Divisionen ist die Tabellenspitze ganz eng beisammen.

In der AL East wechselt die Führung zwischen den Baltimore Orioles (37-27) und den Boston Red Sox (37-27) hin und her, momentan sind beide gleichauf. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, treffen die beiden Kontrahenten gerade in einer Drei-Spiele-Serie in Boston aufeinander, deren Rubber Match heute Nacht stattfinden wird. Die Toronto Blue Jays (37-31) haben gleich viele Siege eingefahren wie die Red Sox und die Orioles, allerdings schon vier Niederlagen mehr. Dass mit ihnen noch zu rechnen ist, haben sie jedenfalls am Wochenende mit einer 3:1 gewonnenen Serie gegen die Orioles untermauert. Und zu allem Überfluss zeigen plötzlich auch die schon abgeschriebenen Tampa Bay Rays (31-32) mehr als nur Zeichen von Leben, indem sie neun ihrer letzten elf Spiele gewonnen haben.

Genauso knapp geht es in der AL Central zu, in der die Cleveland Indians (35-30) und die Kansas City Royals (35-30) sich die Spitze teilen, nachdem die Royals einer Niederlagenserie von acht Spielen eine Siegesserie von bislang fünf Spielen folgen ließen. Nur zwei bzw. zweieinhalb Spiele zurück sind die Detroit Tigers (33-32) und die Chicago White Sox (33-33).

Als zurzeit einzige AL-Division weist die AL West relativ klare Verhältnisse auf: Die Texas Rangers (41-25) kristallisieren sich nach Anlaufschwierigkeiten inzwischen mehr und mehr als das dominierende Team der AL heraus und haben 19 ihrer letzten 25 Spiele gewonnen – das sind stolze 76% und das trotz der erneuten Verletzung von Pitching-Ass Yu Darvish und eines immer noch fragwürdigen Bullpens (ERA von 4.99). Die Seattle Mariners (34-31) sind mit einer Juni-Bilanz von bisher 3-10 nun schon ziemlich abgeschlagen, der Rest der Division steht ohnehin klar unter .500.

National League

Die klaren Verhältnisse, die es in der AL nur in einer Division gibt, sind für die National League inzwischen der Normalfall und wer nicht gerade Fan eines der drei führenden Teams ist wird hoffen, dass das nicht auf Dauer so bleibt, denn sonst beschränkt sich das Playoff-Rennen dieses Jahr schon bald auf die Wild-Card-Plätze.

In der NL Central drehen die Chicago Cubs (44-20) nach wie vor einsam ihre Kreise und man muss als neutraler Beobachter schon dankbar sein, dass sie aus den letzten zehn Spielen wenigstens mal „nur“ mit 5-5 herausgegangen sind. Es folgen nun zwei interessante Serien, zuerst gegen die Pittsburgh Pirates (33-32) und dann gegen die St. Louis Cardinals (35-30). Je nach Ausgang dieser Serien kommt in der Division vielleicht doch noch ein bisschen Spannung auf oder wir können im Grand Slam der nächsten Woche bereits einen dicken Haken an die NL Central machen, weil dort – zumindest was den Divisionssieg angeht – nichts mehr passieren wird.

Die NL West war vor einer Woche noch vom Zweikampf zwischen den San Francisco Giants (41-26) und den Los Angeles Dodgers (35-32) geprägt, doch mit sechs Siegen in den letzten sieben Spielen (darunter eine 2:1 gewonnene Serie gegen die Dodgers) haben sich die Giants an der Spitze etwas Luft verschafft. Die Dodgers haben im gleichen Zeitraum nur drei Spiele gewonnen und müssen so langsam über die Schulter schauen, denn die Colorado Rockies (32-33) sind richtig gut drauf und haben acht ihrer letzten zehn Spiele gewonnen.

Acht von zehn haben auch die Washington Nationals (41-25) zuletzt gewonnen und damit den Vorsprung vor den New York Mets (35-29) vergrößert. Das tut mir als Metsfan natürlich weh, aber die gestrige Offensivexplosion (11:2 gegen die Pirates) gibt mir Hoffnung. Das Monatsrestprogramm der Mets sieht unter anderem drei Spiele gegen die Nationals und sieben gegen die Atlanta Braves (19-46), das schwächste Team nicht nur der Division sondern wahrscheinlich der ganzen Liga, vor. Wenn sie danach nicht wieder Tuchfühlung zur Spitze haben, haben sie es wohl nicht besser verdient. Nicht ganz abschreiben darf man unterdessen die Miami Marlins (34-32), die sich – für mich überraschend – mit einem offensiv und defensiv recht ausgeglichenen Team beständig bei einer knapp positiven Bilanz halten und das, obwohl ihr Star-Batter Giancarlo Stanton nach wie vor (2016: .193/.301/.416) weit von seiner Normalform (Karriere: .264/.357/.538) entfernt ist.

Spielzug der Woche

In dieser Kategorie entscheide ich mich diese Woche nicht für ein einzelnes Play sondern für vier, genauer gesagt für einen Single, einen Double, einen Triple und einen Homerun. Im Baseball nennt man das Kunststück, jede Sorte von Hit in einem einzigen Spiel unterzubringen, einen Cycle und der gelang letzte Nacht zum ersten Mal in dieser Saison Freddie Freeman während des 9:8-Sieges seiner Atlanta Braves gegen die Cincinnati Reds. Natürlich hat ein Cycle keine zählbare Auswirkung, die über die Summme seiner Teile hinausgeht, und wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich lieber vier Homeruns schlagen als die vier verschiedenen Hits. Aber ich halte es für eine liebenswürdige Eigenart des Baseballs, dass solchen kleinen Besonderheiten hohe Aufmerksamkeit zuteil wird. Es ist zudem nur fair, dass man auch als Batter die Möglichkeit hat, sich die Anerkennung der Baseballszene mit einer Leistung zu verdienen, die von der Häufigkeit ihres Auftretens dem No-Hitter sehr ähnlich ist.

Statistik der Woche

4.257. So viele Hits hat Ichiro Suzuki in seiner Karriere in den höchsten Ligen erzielt – jedenfalls, wenn man sich erlaubt, als „höchste Ligen“ die Hits in der MLB und in der Japan Pacific League zusammenzuzählen. Das ist methodisch nicht ganz sauber und deshalb auch nur eine inoffizielle Statistik. Ist Ichiro, der in dieser kombinierten Zählung seit gestern Nacht MLB-All-Time-Leader Pete Rose (4256) überholt hat, nun der größte Hitter aller Zeiten oder bleibt dieser Titel bei Rose? Dazu kann man stehen wie man will. Eine beeindruckende Karriereleistung sind die 4.257 Hits in jedem Fall und das auch deshalb, weil Ichiro sie in über 1.500 weniger Plate Appearances als Rose vollbracht hat (14.334 gegenüber 15.890).

Spiel der Woche

Einen wahren Krimi lieferten sich Montagnacht die Chicago White Sox und die Detroit Tigers. Dabei hatte es nach zweieinhalb Innings bei einer 7:0-Führung der Tigers gegen Chicagos bislang glücklose Neuverpflichtung James Shields schon so ausgesehen, als wäre die Partie gelaufen. Aber die White Sox gaben sich nicht auf und arbeiteten sich bis zum fünften Inning auf 6:7 heran, unter anderem durch Homeruns von Jose Abreu und Dioner Navarro. Im sechsten und im neunten Inning baute Detroit die Führung jeweils auf zwei Runs aus, Chicago verkürzte beide Male gleich im Anschluss auf einen Run. Erst als mit zwei Outs und Full Count der letzte Strike des Spiels anzustehen schien, gelang Avisail Garcia mit einem Single der Ausgleich für die White Sox und zweeinhalb scorelose Innings später machte Adam Eaton per Walk-Off-RBI-Single das Comeback für Chicago perfekt.

Spiel der kommenden Woche

Bei meinem Anschau-Tipp entscheide ich mich dieses Mal für das von der Tabellenkonstellation her interessanteste Spiel: Kommende Nacht, genauer gesagt um 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, treffen die Boston Red Sox und die Baltimore Orioles zum dritten Spiel ihrer bisher 1:1-unentschiedenen Serie aufeinander und machen die Tabellenführung der AL East unter sich aus. Als Starting Pitcher treffen die Youngster Tyler Wilson (Orioles) und Eduardo Rodriguez (Red Sox) aufeinander.

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