April 9th, 2017 by Dominik

Seit gut einer Woche fliegt nicht nur in der MLB, sondern auch in der Baseball-Bundesliga wieder der Ball und obwohl erst wenige Spiele absolviert sind, gab es schon ein paar regelrecht historische Highlights zu bestaunen.

Die Saarlouis Hornets starteten letzte Woche in ihre erste Bundesligasaison nach dem Aufstieg nicht nur mit einem 10:3-Erfolg in Bad Homburg. Sie ließen auch ein schier unglaubliches erstes Inning im zweiten Spiel des Doubleheaders folgen, in dem sie mit 12:0 in Führung gingen. Das allein wäre schon eine Meldung wert – aus der Bundesliga habe ich zwar keine historischen Zahlen parat, doch als am Samstag in der MLB den Phillies ebenfalls zwölf Runs im ersten Inning gelangen, war es das erste Mal in deren 134-jähriger Teamgeschichte und ligaweit das erste Mal seit sechs Jahren, dass das einem Team gelang. Noch viel verblüffender war an dem Spiel in Bad Homburg aber der weitere Verlauf, denn die Gastgeber gaben sich keineswegs auf, scorten immer wieder Runs und drehten bei zwei Outs im neunten Inning die Partie mit einem 2-Run-Walkoff-Single zum 17:16. Wahnsinn.

Nur eine knappe Woche später, am vergangenen Freitag, wurde ich Zeuge eines weiteren unglaublichen Comebacks. Der amtierende Meister Mainz Athletics war bei den Mannheim Tornados zu Gast und dominierte das Spiel mit dem glänzenden Starter Tim Stahlmann und einer schlagfreudigen Offense achteinhalb Innings lang quasi nach Belieben. Als im neunten Inning Marcel Schulz einen Grand Slam zum 10:0 für die A’s schlug, machten sich viele Mannheimer Zuschauer schon auf den Heimweg. Zu früh, wie sich herausstellte: Stahlmann bekam im unteren neunten Inning erstmals Probleme und musste nach 110 Pitches mit geladenen Bases die Segel streichen. Der 18-jährige Reliever Yannick Wildenhain ließ mit seinem ersten Wurf per Wild Pitch den ersten Run der Tornados zu, die sich ab diesem Moment in einen regelrechten Rausch spielten und Wildenhain sowie dessen Nachfolger auf dem Mound, Ben Briggs, eine Horrorshow bereiteten, nach der es plötzlich 10:10 stand. Briggs und die restlichen A’s überstanden dann zwar das Inning und noch ein weiteres, waren aber stehend K. O. und als Mannheim im elften Durchgang der Walkoff gelang, waren wohl alle Beteiligten froh, dass es endlich vorbei war.

Als Fan der Athletics muss ich sagen, dass es das frustrierendste Baseballspiel war, das ich je gesehen habe. Aber auf der anderen Seite sind solche Spiele ein Markenzeichen und auch eine Webung für diesen Sport, bei dem es eben keine 85. Minute gibt, in der klar ist, dass fünf Tore zeitlich gar nicht mehr machbar sind, sondern bei dem bis zum letzten Out im letzten Inning immer alles möglich ist. Hier gibt es übrigens einen kurzen Videobericht des SWR über das Spiel.

Apropos alles möglich: Neben den beiden erwähnten Partien ist in der Bundesliga Süd vor allem der schwache Start der Regensburg Legionäre erwähnenswert. Die ersten drei Spiele wurden gegen Mannheim (5:15, 1:11) und gegen Heidenheim (3:18) allesamt vorzeitig per Gnadenregel verloren, das vierte ebenfalls deutlich mit 0:6 gegen Heidenheim. Solche Ergebnisse ist man nicht gewohnt von den Legionären, die auf Grundlage ihrer starken Infrastruktur eigentlich immer vorne mitspielen. Dieses Jahr haben sie ein recht junges Team am Start, das vielleicht noch etwas reifen muss, zudem warten die Legionäre noch auf zwei amerikanische Verstärkungen, die verspätet zum Team stoßen werden. Nicht übersehen sollte man, dass die bisherigen Niederlagen allesamt gegen Teams kassiert wurden, die zum Favoritenkreis der Liga zählen. Ernsthafte Sorgen müsste man sich wohl machen, wenn Regensburg auch nach den anstehenden Spielen in Bad Homburg noch Letzter sein sollte.

In der Nordstaffel der Bundesliga wurden bislang noch nicht so viele Spiele absolviert wie im Süden und es gab auch keine ganz so spektakulären Ergebnisse. Erwähnenswert ist der starke Start des Aufsteigers Dohren Wild Farmes mit 3-1 Siegen, darunter einer bei den Solingen Alligators. Noch kein Spiel hatten bisher die Paderborn Untouchables. Sie sorgten dafür mit einem Trainerwechsel in letzter Minute für Aufsehen: Stefan Fechtig wurde am Donnerstag mit sofortiger Wirkung gegen Jendrick Speer ersetzt. Man wolle neue Strukturen aufbauen und Impulse setzen. Das klingt einerseits nachvollziehbar, andererseits aber doch etwas seltsam angesichts des Zeitpunkts.

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August 14th, 2016 by Dominik

Nun sind es nur noch vier Teams, die sich Hoffnung auf die Deutsche Meisterschaft 2016 machen dürfen. In allen Viertelfinalpaarungen haben sich die von mir vor zwei Wochen zum Favoriten erklärten Mannschaften durchgesetzt, aber durchweg souverän traten dabei nur die Bonn Capitals auf.

Nach dem Artikel über das Viertelfinale wurde ich gefragt, warum ich nichts über die Abstiegs-Playoffs geschrieben habe. Offen gestanden finde ich diese Runden ziemlich reizlos, solange nicht davon auszugehen ist, dass am Ende tatsächlich jemand absteigen wird. In aller Regel passiert das nicht, weil die Teams aus der zweiten Liga gar nicht aufsteigen wollen. Warum das so ist, kann ich als Außenstehender nur mutmaßen – muss man hohe Auflagen erfüllen, will man finanzielle Risiken meiden oder ist der Niveausprung so groß, dass man fürchtet, sich zum Prügelknaben zu machen und den Spaß am Spiel zu verlieren? Wie dem auch sei, es führt jedenfalls dazu, dass die Playdowns für mich so interessant sind wie das Hornberger Schießen. Dass im Süden die Bad Homburg Hornets die Mannheim Tornados durch je einen Heim- und einen Auswärtssplit ins nächste Woche stattfindende fünfte Spiel gezwungen haben, ist aber schon eine kleine Sensation, die ich nicht unerwähnt lassen möchte.

Jetzt aber zurück zur Meisterschaftsrunde, hier meine kurze Einschätzung zu den Halbfinals:

Bonn – Regensburg
Bonn hat als einziges Team sein Viertelfinale zu keinem Zeitpunkt spannend gemacht und mit drei klaren Siegen gegen die Stuttgart Reds seine Favoritenrolle untermauert. Der Weg ins Finale wird aber sicher kein Selbstläufer, denn mit den Regensburg Legionären wartet als nächste Aufgabe das in den vergangenen Jahren dominierende Team des deutschen Baseballs auf die Capitals. Die Legionäre gaben letzte Woche überraschend ein Heimspiel gegen die Hamburg Stealers ab, sorgten nun aber mit zwei Shutoutsiegen in Hamburg für die erwarteten klaren Verhältnisse. Bonn muss nächstes Wochenende gut vorlegen, sonst könnte es schwer werden, weil dieses Jahr der Modus drei Heimspiele für das schlechter platzierte Team (in dem Fall Regensburg) vorsieht, falls die Serie über fünf Spiele geht.
Mein Tipp: knapper Erfolg für Bonn. 

Mainz – Heidenheim 
Südmeister Mainz ging es ähnlich wie den Regensburgern: Auch die Athletics gaben unerwarteterweise ein Heimspiel ab, auch sie gaben sich dann aber keine weitere Blöße und gewannen die Serie letztlich klar mit 3:1. 3:1 lautet übrigens auch die Bilanz der Mainzer gegen die Heidenheim Heideköpfe aus der regulären Saison und beim 11:1/4:1-Doppelsieg am letzten Spieltag schien die Mainzer Überlegenheit in Offensive wie Defensive sehr deutlich. Wenn die Heideköpfe das Halbfinale überstehen wollen, müssen sie sich schon massiv steigern – sowohl gegenüber jenem letzten Auftritt in Mainz als auch gegenüber dem Viertelfinale, das sie nur knapp gegen Solingen gewannen, nachdem sie mit 0:1 und 1:2 Spielen zweimal in Rückstand gelegen hatten.
Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz. 

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Juli 2nd, 2016 by Dominik

Nun ist Baseblog.de schon gut drei Wochen alt und ich habe noch kein Wort über die Baseball-Bundesliga geschrieben – eigentlich ein Skandal, vor allem weil ich regelmäßig in Mainz auf der Tribüne sitze und genieße, wie die A’s dieses Jahr die Liga rocken. Da sollte doch wenigstens ein kleiner Überblick über den Stand der Dinge in den beiden Ligateilen mal drin sein, oder? Also los:

Bundesliga Süd

Im Süden hat man sich in den letzten Jahren an eine Dreiteilung der Liga gewöhnt: Die Regensburg Legionäre und die Heidenheim Heideköpfe machen üblicherweise die ersten beiden Plätze unter sich aus, die Tübingen Hawks und die Bad Homburg Hornets die letzten beiden und der interessanteste Teil ist das Mittelfeld aus vier Teams, die oft bis zum letzten Spieltag darum kämpfen, wer in die Playoffs darf und wer in die Playdowns muss. Dieses Jahr ist es weitgehend genauso mit der einen Ausnahme, dass die Mainz Athletics (16-4) ganz oben mitspielen und aus dem Zweikampf um die Spitze einen Dreikampf machen, in dem sie zurzeit sogar knapp die Nase vorn haben.

Um die Playoff-Teilnahme müssen sich die Mainzer jedenfalls keine Sorgen machen, nicht nur wegen des Vorsprungs von sechs Siegen auf Platz fünf, sondern auch weil sie gegen die Stuttgart Reds (11-9), die Mannheim Tornados (9-9) und die Haar Disciples (10-11) jeweils schon den direkten Vergleich in der Tasche haben. Für den Rest der Saison können die A’s sich nun ganz auf das höhere Ziel, die Süd-Meisterschaft, konzentrieren. Sowohl Regensburg (16-5) als auch Heidenheim (15-7) haben in den Heimspielen gegen die Athletics einen Split abgegeben und müssen in den nächsten Wochen noch nach Mainz.

Die Athletics führen die Statistiken sowohl in der Offensive (7,8 Runs pro Spiel) als auch in der Defensive (2,4 zugelassene Runs pro Spiel) deutlich an, wobei solche Vergleiche in der Bundesliga immer etwas verzerrt sind durch das große Leistungsgefälle und die häufige Anwendung der Mercy-Rules (u. a. Spielende bei 10-Run-Führung nach sieben Innings). Im Pitching sind die Mainzer jedenfalls mit einem Team-ERA von 1.73 und einem zugelassenen Average von .204 unzweifelhaft eine Klasse für sich. Zum Vergleich: Zweiter sind jeweils die Legionäre mit 2.80 ERA und .229 OAVG.

Hinter dem Spitzentrio balgen sich Stuttgart, Mannheim und Haar um nur noch einen verbleibenden Playoffplatz. Die drei treffen in den restlichen Wochen noch in jeder Kombination aufeinander und haben es somit selbst in der Hand, sich von den Konkurrenten abzusetzen. Vom Record her hat Stuttgart die beste Ausgangsposition, die Reds müssen aber noch zu zwei Spielen nach Regensburg, während für Haar nur noch einmal gegen eines der drei Topteams antreten muss (im Nachholspiel gegen Mainz).

Im Tabellenkeller bleibt es wohl ebenfalls spannend bis zum Schluss, denn Tübingen (2-17) und Bad Homburg (1-18) treffen erst am letzten regulären Spieltag aufeinander und sehen sich in aller Regel dann später noch einmal zum Abschluss der Playdowns. In den Statistiken sehen derzeit in allen Bereichen die Hornets besser aus – nur nicht beim Record, nachdem den Tübingen Hawks am Donnerstag eine faustdicke Überraschung gelungen ist, indem sie das Nachholspiel in Stuttgart 6:5 gewannen.

Bundesliga Nord

In der Nordstaffel ist die Spannung nach drei Vierteln der regulären Saison nicht mehr ganz so groß. Theoretisch ist zwar noch fast alles möglich, aber angesichts der klaren Führung der Bonn Capitals (16-2) sind die Meisterschaftschancen der Verfolger Solingen Alligators (11-7), Hamburg Stealers (12-8) und Paderborn Untouchables (10-8) nur noch theoretischer Natur.

Gleichzeitig stehen mit den vier genannten Teams auch die Playoffteilnehmer so gut wie fest, denn zwischen dem Viertplatzierten Paderborn und den Cologne Cardinals (6-12) auf Rang fünf klafft sechs Spiele vor Schluss bereits ein Abstand von vier Siegen. Dahinter stehen noch die Hannover Regents (5-13) und die Dortmund Wanderers (2-12).

Die Capitals dominieren die Nordliga auch statistisch deutlich, in der Südliga wären sie mit 6,9 Runs pro Spiel und einem Team-ERA von 2.33 allerdings nicht ganz vorne. Dieser Vergleich hinkt natürlich gewaltig, solange wir nicht gesehen haben, wie die Topteams der beiden Ligen gegeneinander abschneiden und das wird leider erst in den Playoffs geschehen.

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