Mai 11th, 2017 by Dominik

Beim 18-Inning-Thriller zwischen den Yankees und den Cubs am Montagmorgen kam bei mir zum ersten Mal in diesem Jahr  so etwas wie Playoff-Feeling auf. Das hat Spaß gemacht, aber trotzdem bin ich froh, dass die MLB-Saison noch sehr lange dauert und noch sehr viel passieren kann und wird. Was in den vergangenen sieben Tagen alles passiert ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

American League
Die New York Yankees (21-10) und die Baltimore Orioles (23-11) marschieren an der Spitze der American League East nahezu im Gleichschritt: Beide haben sieben der letzten zehn Spiele gewonnen, beiden ist diese Woche eine Serie von sechs Siegen in Folge gelungen und für beide endeten diese Serien gestern Abend. Allerdings machen die Yankees deutlich stärker den Eindruck, sich dort oben auf Dauer halten zu können, als die Orioles: Sie scoren mehr Runs, sie lassen weniger Runs zu, vor allem sind sie weniger abhängig von 1-Run-Games. Die Orioles haben acht ihrer Siege mit nur einem Run Unterschied eingefahren, was in der Regel mit Glück und einem guten Bullpen zu tun hat. Nur ist Glück nicht planbar und Baltimores Bullpen hat gerade einen herben Schlag durch die erneute Verletzung von Zach Britton erlitten. Knapp positiv, aber immerhin schon fünf Spiele hinter den beiden Führenden, stehen die Boston Red Sox (17-16), die immer noch nach ihrem Rhythmus suchen. Vielleicht hilft die anstehende Heimserie gegen die Tampa Bay Rays (17-19) den Red Sox, sich ein bisschen aus dem Mittelmaß zu befreien.

Die AL Central ist nach wie vor eng beisammen. Zwischen den Cleveland Indians (18-15) an der Spitze und den Chicago White Sox (15-16) auf Platz vier liegen gerade mal zwei Spiele. Von Freitag bis Sonntag steht eine Serie zwischen den Indians und den derzeit zweitplatzierten Minnesota Twins (16-14). Da sollte man mal reinschauen – zum einen weil es interessant ist, wie sich der erklärte Favorit Cleveland gegen den überraschend guten Underdog Minnesota schlägt, zum anderen um mal wieder unseren deutschen Lokalmatador Max Kepler in Aktion zu sehen, der bei den Twins in diesem Jahr unumstrittener Stammspieler ist. Sein Bat ist im bisherigen Mai (.136/.269/.136) gegenüber dem April (.280/.368/.467) leider deutlich abgekühlt, aber vielleicht geht es ja schon in der Serie gegen die Indians wieder aufwärts.

Unter die AL West möchte man gedanklich schon fast einen Haken machen, so deutlich liegen die Houston Astros (23-11) vorne. Der Abstand zum Zweiten beträgt schon sechs Spiele, das ist mehr als zwischen dem Ersten und dem Letzten in der NL Central. Interessant ist allerdings, wer neuerdings auf Platz zwei steht, denn mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen haben sich die Seattle Mariners (17-17) nach ihrem enttäuschenden Start zu einer ausgeglichenen Bilanz und vorbei an den Los Angeles Angels (17-19) gearbeitet. Auch die Texas Rangers (15-20) haben mit vier Siegen eine ordentliche Woche hinter sich und damit immerhin verhindert, am Tabellenende völlig abgeschlagen zu sein.

National League
Ähnlich wie in der AL West herrschen auch in der National League East klare Verhältnisse und ich habe nicht den Eindruck, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte. An den Washington Nationals (22-12) und ihren als einziges MLB-Team über 200 erzielten Runs (209) scheint dieses Jahr kein Weg vorbei zu führen. Die New York Mets (16-17) sind in meinen Augen das einzige Team der Division, das grundsätzlich mit den Nationals mithalten könnte, doch eine Kombination aus Verletzungen, schlechtem Feldmanagement und fortwährender Selbstbeschäftigung (siehe „Szene der Woche) hält sie davon ab. Mit den Philadelphia Phillies (13-19), den Miami Marlins (13-20) und den Atlanta Braves (11-20) hat die AL West gleich drei Teams, die derzeit nicht konkurrenzfähig sind – im Gleichschritt haben alle drei jeweils acht der letzten zehn Spiele verloren.

Umso spannender präsentiert sich dieser Tage die NL Central. Wer mit einem glatten Durchmarsch der Chicago Cubs (17-17) gerechnet hatte, sieht sich getäuscht. Stattdessen ist der Titelverteidiger nach dem Sweep durch die Yankees und einer verlorenen Serie gegen die Rockies auf Platz vier der sehr eng beisammen stehenden Division abgerutscht. Vorne stehen plötzlich die St. Louis Cardinals (19-14), die die vergangene Woche zu einer Serie von sechs Siegen genutzt haben. Das war zwar nur gegen die Braves und die Marlins, aber nun stehen drei Spiele gegen die Cubs an, in denen die Cardinals zeigen können, ob sie zurecht Platz eins besetzen. Mehr als solide halten sich auch die Cincinnati Reds (18-15) und die Milwaukee Brewers (18-16), während die Pittsburgh Pirates (14-20) als einziges Team der Division eine Negativbilanz aufweisen und sich nach bislang vier Niederlagen in Folge für die nächste Zeit im Keller der Tabelle eingerichtet haben.

Noch tiefer im Keller sitzen in der NL West die San Francisco Giants (12-23), bei denen dieses Jahr einfach gar nichts zusammen läuft – die zweitwenigsten Runs (115) und die meisten kassierten Runs (183) der MLB machen wenig Hoffnung, dass diese Saison noch zu retten wäre. Mit den San Diego Padres (13-22) haben die Giants in ihrem Keller immerhin einen Nachbarn in ähnlich aussichtsloser Lage. Zwischen diesen beiden und dem Führungstrio Colorado Rockies (22-13), Los Angeles Dodgers (20-14) und Arizona Diamondbacks (19-16) klafft bereits eine Lücke von sechs Siegen. Die Dodgers haben diese Woche fünf Spiele absolviert und fünf Siege eingefahren und mischen nun auf Augenhöhe mit den beiden anderen mit. Da passt es geradezu perfekt, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Dodgers und den Rockies ansteht (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Diese werden die Dodgers allerdings – ebenso wie den Rest der Saison – ohne Outfielder Andrew Toles bestreiten müssen, der sich im vorgestrigen Spiel gegen die Pirates das Kreuzband gerissen hat.

Szene der Woche
Die bisherige Saison der New York Mets ist sportlich eher mittelmäßig, vom Drumherum aber ist es eine erstklassige Seifenoper. Bisherige Highlights: ein Closer, der sich gegen häusliche Gewalt engagiert und dann 15 Spiele gesperrt wird, nachdem er im Streit mit seiner Frau eine Tür zerstört hat (Jeurys Familia); ein Starting Pitcher, der eine ärztliche Untersuchung ablehnt, weil er „seinen Körper am besten kennt“ und sich im nächsten Spiel den Muskel reißt (Noah Syndergaard); ein anderer Starter, der nicht zum Spiel erscheint, nachdem er bis 4 Uhr morgens seinen Frust darüber ertränkt hat, dass seine Ex mit ihrem Ex ausgegangen ist (Matt Harvey). Und jetzt meine Szene der Woche: Die Mets veröffentlichen auf Twitter ein Foto von T. J. Rivera, der seinen ersten MLB-Homerun geschlagen hat – und übersehen, dass im Hintergrund im Schrank von Kevin Plawecki ein großer schwarzer Dildo zu sehen ist. Ich fürchte, wenn für mich als Metsfan von dieser Saison etwas hängen bleibt, dann vor allem das Gefühl des Fremdschämens.

Statistik der Woche 
4,62 Fuß. Das sind 1,41 Meter und somit eine ziemliche Höhe für einen Pitch, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Strike Zone ihre obere Grenze auf ca. 3,5 Fuß (1,07 Meter) hat. Orioles-Slugger Mark Trumbo hat am Montag beim 6:4-Sieg seines Teams gegen die Nationals das Kunststück fertig gebracht, solch einen Pitch von Gio Gonzalez zum Homerun zu schlagen. Es war der höchste Homerun-Pitch seit Beginn der Messungen, also seit mindestens 2008.

Spiel der Woche
Das Matchup der New York Yankees gegen die Chicago Cubs versprach schon vorher ein interessantes zu werden, aber das dritte Spiel der Serie am Sonntag übertraf alle Erwartungen. Bis zur Mitte des neunten Innings sah es nach einem relativ klaren Sieg der Yankees aus mit einer 4:1-Führung und Top-Closer Aroldis Chapman auf dem Weg zum Mound. Doch Chapman vergab die Save-Situation, nach zwei Walks und drei Singles ließ er durch einen Hit-by-Pitch bei geladenen Bases den Ausgleich zu. So ging das Spiel in die Verlängerung, welche nach den neun regulären Innings volle neun weitere Innings andauerte und deren Highlight ein Wahnsinnscatch von Kyle Schwarber im zwölften Inning war. Die Entscheidung im 18. Inning brachte ein mit äußerster Mühe – Bunt, Error, Sacrifice, Fielders Choice – zusammengeschusterter Run der Yankees durch Aaron Hicks. Was aber vor allem in Erinnerung bleiben wird, ist der neue MLB-Rekord für die meisten Strikeouts in einem Spiel: Mit 48 wurde die alte Marke von 43 (aus einem 20-Inning-Spiel der Angels gegen die Athletics von 1971) deutlich übertroffen.

Spiel der kommenden Woche
Die Colorado Rockies und die Los Angeles Dodgers haben ab heute vier Tage lang Gelegenheit, unter sich auszumachen, wer Herr im Hause NL West ist. Das vierte Spiel der Serie läuft am Sonntag nicht nur zur europafreundlichen Zeit von 21:10 Uhr, es ist obendrein sogar das Free Game of the Day auf mlb.tv. Das Pitching-Matchup dieses Spiels besteht aus zwei Top-Talenten: Für die Dodgers wird Julio Urias (1.06 ERA) starten, der vorgestern gegen die Pirates einen No-Hitter bis ins siebte Inning laufen hatte. Sein Gegenüber ist Antonio Senzatela (2.86 ERA), der NL-Rookie des Monats April.

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Januar 26th, 2017 by Dominik

Der vergangene Sonntag wird als ein besonders trauriger Tag in die Baseballgeschichte eingehen, denn an ihm verloren gleich zwei MLB-Spieler viel zu früh ihr Leben. Die Trauer um Yordano Ventura und Andy Marte dominierte diese Woche das Geschehen rund um die Major Leagues, aber natürlich halten auch zwei tragische Todesfälle die Welt nicht davon ab, sich weiterzudrehen und so gab es auch einige „normale“ News, die ich in dieser Folge des Grand Slam am Donnerstag nicht unberücksichtigt lassen will.

Ventura und Marte sterben bei Autounfällen
Das Leben schreibt manchmal wirklich komische Geschichten: Yordano Ventura und Andy Marte sind am gleichen Tag im gleichen Land (ihrer Heimat Dominikanische Republik) bei zwei verschiedenen Autounfällen ums Leben gekommen. Ventura stand noch relativ am Anfang einer vielversprechenden Karriere als Pitcher, wenngleich er für seine 25 Jahre schon beachtliche drei Spielzeiten als Starter für die Kansas City Royals absolviert und eine World Series gewonnen hatte. Infielder Marte hingegen war nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinausgekommen und verbrachte die beiden vergangenen Jahre in Korea. Seine MLB-Karriere endete am 6. August 2014 mit einem Spiel für die Arizona Diamondbacks gegen die Kansas City Royals. Starting Pitcher in jener Partie war ein Rookie namens Yordano Ventura…

Karriereende für Matt Imhof
Ein anderer, im Juni letzten Jahres erlittener Unfall, kostete Pitching-Prospect Matt Imhof zwar wenigstens nicht das Leben, aber seine Karriere. Das Talent der Philadelphia Phillies hatte Dehnübungen an einem Trainingsgerät absolviert, als sich ein Metallteil aus der Wand löste und ihm ins Gesicht schlug. Imhof brach sich mehrere Gesichtsknochen und verlor ein Auge. Gestern gab er bekannt, dass er seine aktive Laufbahn beendet und zurück an die Uni geht, um sein finanzwissenschaftliches Studium abzuschließen und gleichzeitig als Assistenz-Pitching-Trainer eine mögliche neue Karriere zu beginnen.

Mark Trumbo bleibt bei den Orioles
Um nach all den traurigen Geschichten endlich mal eine gute Nachricht für einen MLB-Spieler zu verkünden: Mark Trumbo und die Baltimore Orioles haben sich auf einen neuen Vertrag geeinigt. Mit dem Deal über 37,5 Millionen Dollar für drei Jahre können meiner Ansicht nach beide Seiten zufrieden sein: Die Orioles behalten ihren Power-Hitter und dürfen gespannt sein, ob er die ligaweite Spitzenleistung von 47 Homeruns aus der letzten Saison wiederholen kann; Trumbo hat nicht den ganz großen Vertrag bekommen, den er sich wohl erhofft hatte, aber die erzielte Summe ist für einen 31-jährigen eher eindimensionalen Slugger eine Menge Geld. Einen Monat vor Beginn des Spring Trainings stehen nun als letzte große Namen, die bisher noch kein neues Engagement gefunden haben, Catcher Matt Wieters und 1B/DH Mike Napoli auf der Liste der Free Agents.

Die Dodgers traden für Forsythe
Die Los Angeles Dodgers waren lange auf der Suche nach einem als Leadoff-Hitter geeigneten Second-Baseman als Nachfolger des 38-jährigen Chase Utley. In Logan Forsythe haben sie für diesen Posten nun eine adäquate Besetzung gefunden, allerdings für einen recht hohen Preis: Im Austausch für ihn mussten die Dodgers das hoch gerankte Pitching-Prospect Jose De Leon zu den Tampa Bay Rays schicken. Das ist ein klassischer Deal zwischen einem Team, das oben mitspielt, und einem Team, das sich im Neuaufbau befindet. Wenn man mich fragt: Ich finde, die Rays haben das bessere Ende des Handels erwischt. Aber mit Sicherheit sagen kann man das natürlich erst, wenn sich im Laufe der nächsten Jahre zeigt, ob De Leon zurecht als eines der vielversprechendsten Pitching-Talente gesehen wurde.

Neue Arbeitgeber für Felix, Holland und Feldman
Zwei der prominenteren Reliever haben in den letzten Tagen neue Teams gefunden: Neftali Feliz geht für ein Jahr zu den Milwaukee Brewers und dürfte dort eine Chance auf den Closer-Job haben. Den hatte er vor Jahren schon mal erfolgreich für die Texas Rangers ausgefüllt, bevor ihn ab 2012 eine Tommy-John-Surgery und mehrere kleinere Verletzungen aus der Bahn warfen. In Pittsburgh fand er letztes Jahr mit einem ERA von 3.52 in 62 Auftritten erstmal wieder seine Form und verdiente sich so das neue Engagement, das leistungsabhängig zwischen 5,35 und 6,85 Millionen Dollar wert sein soll.
Ebenfalls für ein Jahr (plus ein optionales zweites Jahr) hat bei den Colorado Rockies Reliever Greg Holland unterschrieben. Auch er hat eine Tommy-John-Surgery hinter sich und infolgedessen seit 16 Monaten nicht gepitcht. In der Hoffnung, dass Holland an seine bis zur Verletzung sehr starken Leistungen (Karriere-ERA 2.42 für die Kansas City Royals) anknüpfen kann, bezahlen ihm die Rockies laut noch unbestätigten Berichten ein Gehalt von 7 Millionen Dollar, das leistungsabhängig bis zum Doppelten ansteigen könnte.
Ebenfalls einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat Starting Pitcher Scott Feldman. Der 34-Jährige Veteran ergänzt die Rotation der im Umbruch befindlichen Cincinnati Reds und erhält für ein Jahr 2,3 bis 4,5 Millionen Dollar.

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Dezember 29th, 2016 by Dominik

Zum letzten Mal in diesem Jahr fasst der Grand Slam am Donnerstag das Geschehen der vergangenen sieben Tage in der MLB zusammen. Allzu viel hat sich erwartungsgemäß nicht getan über die Weihnachtstage, aber ein paar interessante Vertragsabschlüsse und das Gerücht über eine möglicherweise 2018 anstehende Europareise zweier MLB-Teams gibt es immerhin zu berichten.

Encarnacion ist ein Indian
Die Cleveland Indians wollen sich nicht auf dem Gewinn der American League ausruhen, sie wollen auch in den nächsten Jahren oben mitspielen und mindestens einmal die World Series holen. Das war schon vor der Verpflichtung von 1B/DH Edwin Encarnacion das erklärte Ziel, wurde durch diese aber noch mal deutlich untermauert. 60 Millionen Dollar ist den Indians der Deal für drei Jahre wert, ein viertes Jahr wurde als Club-Option vereinbart. Es ist kein Geheimnis, dass die Toronto Blue Jays Encarnacion gern behalten hätten und ihm vor einigen Wochen wohl einen Vier-Jahres-Vertrag über 80 Millionen vorgelegt hatten, was Encarnacion nicht genug war. Dass er jetzt einen etwas schlechteren Vertrag unterschrieben hat – im Alter von 34 Jahren ist eine möglichst lange garantierte Laufzeit wünschenswert – deutet daraufhin, dass „EE“ sich etwas verzockt hat. Aber am Hungertuch wird er nicht nagen und die starken Indians noch etwas stärker zu machen ist sicher eine angenehme Herausforderung.

Nova bleibt bei den Pirates 
Die Aufnahme von Ex-Yankee Ivan Nova zur Trade-Deadline der vergangenen Saison erwies sich für die Pittsburgh Pirates als wahrer Glücksgriff. Der 29-jährige Pitcher produzierte in den elf Starts für das neue Team die besten Zahlen (3.06 ERA, 2.62 FIP) seiner Karriere. Nun wird er reichlich Gelegenheit haben, unter Beweis zu stellen, dass seine bisherigen Leistungen „for real“ sind und nicht nur ein statistischer Ausreißer nach oben, denn Nova und die Pirates haben sich auf einen Dreijahresvertrag über 26 Millionen Dollar geeinigt.

Inciarte verlängert in Atlanta
Auch die Atlanta Braves haben sich das langfristige Engagement eines Leistungsträgers gesichert, indem sie eine Vertragsverlängerung mit Centerfielder Ender Inciarte fix gemacht haben. Der Abschluss weist frappierende Ähnlichkeit mit dem auf, den vor zwei Wochen die Philadelphia Phillies mit Odubel Herrera erzielt haben: Beide laufen über fünf Jahre plus Team-Option, beide sind 30, 5 Millionen Dollar wert und das für Spieler, die in der gleichen Division auf der gleichen Position spielen und ihre größten Stärken in der Defense haben. Vielleicht sehe ich das Business zu naiv, aber in meiner Vorstellung hat Inciarte seinen Agent angewiesen, für ihn das gleiche herauszuholen, was Herrera bekommen hat und so ist es dann gekommen. Beide Verträge gelten als eher teamfreundlich – Herrera und Inciarte waren offenbar bereit, zu Gunsten langfristiger Sicherheit auf die Chance zu verzichten, noch mehr jährliches Einkommen herauszuholen.

Noch einige Top-Leute zu haben
Die meisten bedeutenden Free Agents haben inzwischen eine neue (oder die alte) Heimat gefunden. Ein paar Hochkaräter sind zum Jahreswechsel aber immer noch ohne neuen Vertrag:

Für 1B/DH Mike Napoli steht seit der Encarnacion-Verpflichtung fest, dass man in Cleveland nicht mehr mit ihm plant. Er wird momentan vor allem mit den Texas Rangers in Verbindung gebracht, ein Zweijahresvertrag soll im Raum stehen.

OF José Bautista scheint Probleme bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber zu haben. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass der 36-Jährige inzwischen verlauten lässt, unter gewissen Umständen auch mit einem Einjahresvertrag zufrieden zu sein.

Mark Trumbo führte 2016 die MLB mit 47 Homeruns an und ist mit 30 Jahren im besten Alter. Trotzdem stehen die Teams offenbar nicht gerade bei ihm Schlange. Vermutlich hat er seinen eigenen Marktwert etwas überschätzt, als er das Angebot der Orioles über 52 Millionen Dollar für vier Jahre ablehnte. Eigentlich war das ein ziemlich gutes Angebot für einen Spieler, der erst noch beweisen muss, dass er die Leistung des Vorjahres wiederholen kann und der zudem so gut wie keinen Wert für die Defensive mitbringt. Eine zusätzliche Abschreckung für andere Teams besteht darin, dass wegen des ebenfalls abgelehnten Qualifying Offers ein Erstrundendraftpick für Trumbo fällig würde.

Der zweite „Ladenhüter“ der Orioles ist Catcher Matt Wieters. Bei seinem bisherigen Team dürfte er keine Zukunft haben, nachdem die Orioles Wellington Castillo für seine Position verpflichtet haben. Vielleicht hat auch Wieters sich etwas verzockt, weil er angesichts des recht dünnen Catcher-Marktes dieser Offseason auf bessere Angebote gehofft hatte, als er sie nun tatsächlich erhält. Als unbestritten bester offensiver Catcher unter allen Free Agents wird er aber sicher noch ein Team finden. Als Favoriten gelten zurzeit drei NL-East-Teams: die Washington Nationals, die Atlanta Braves und die New York Mets.

Red Sox vs. Yankees in London? 
Die NFL ist seit geraumer Zeit jährlich für mehrere reguläre Saisonspiele in London zu Gast. Möglicherweise tut es ihr die MLB bald nach. Nach bereits absolvierten Spielen in Mexiko, Japan, Puerto Rico und zuletzt 2014 in Australien liegt die Vorstellung nicht fern, dass auch Europa mal Gastgeber für eine Serie sein darf, um die weltweite Popularität der Liga zu steigern. Tatsächlich wird London im neuen Collective Bargaining Agreement ausdrücklich als mögliches Ziel für eine oder mehrere Auslandsserien genannt. Diese Woche kam sogar schon eine konkrete Paarung ins Gespräch und zwar die hochkarätigste, die der Baseball zu bieten hat: Die New York Yankees und die Boston Red Sox drängen laut dem Boston Herald gemeinsam darauf, 2018 eine Serie in London austragen zu dürfen. Als weiterer Favorit, innerhalb der nächsten paar Jahre mindestens einmal in London anzutreten, gelten nach dem Artikel die New York Mets. Eine definitive Entscheidung seitens der Liga, ob und zwischen wem es 2018 ein Gastspiel in London gibt, soll im Frühjahr 2017 fallen.

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November 8th, 2016 by Dominik

Es ist eine schöne Tradition, dass um diese Jahreszeit allseits darüber spekuliert wird, wo die wichtigsten Free Agents der MLB unterkommen. Teams und Spieler, die Verlängerungs- oder Ausstiegsklauseln ziehen wollten, haben das größtenteils vor dem heutigen Beginn der Free Agency getan. Zudem war gestern Abend die Deadline für sogenannte Qualifying Offers. Zehn Spieler haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,2 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die zehn Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Die Free-Agent-Klasse dieses Jahres erscheint mir insgesamt eher schwach; die beste Auswahl besteht an Hittern im Outfield und auch einige gute Closer sind zu haben, der Markt für Starting Pitcher, Catcher und Middle Infielder ist hingegen sehr dünn. Hier sind meine Top 20 der diesjährigen Free Agents:

  1. Yoenis Cespedes, OF, New York Mets

Nach dem vorhersehbaren Opt-Out aus dem Vertrag mit den Mets strebt Cespedes nun den großen Zahltag seiner Karriere an – mit Recht, muss man sagen, denn in seinen eineinhalb Saisons in New York hat er unter Beweis gestellt, dass er nicht nur ein guter Hitter sondern auch in der Lage ist, ein Team zu tragen. Er ist für mich die klare Nummer eins der diesjährigen Free Agency und wird für vier bis fünf Jahre einen deutlich dreistelligen Dollarbetrag herausholen. Cespedes fühlt sich bekanntlich wohl in New York und die Metsfans lieben ihn, aber ich fürchte, er wird der Vereinsführung zu teuer sein. Mein Tipp ist, dass er bei den anderen New Yorkern landet.

  1. Justin Turner, 3B, Los Angeles Dodgers

Ein flexibler Infielder, der offensiv wie defensiv seit drei Jahren gut produziert und darüber hinaus sowohl bei den Fans als auch im Clubhouse hohes Ansehen genießt – mit diesem Profil steht Justin Turner in dieser Free-Agent-Klasse ziemlich alleine da. Die Dodgers wissen, was sie an ihm haben und gelten als Favorit für eine Weiterverpflichtung, nicht zuletzt weil Turner in Kalifornien aufgewachsen und verwurzelt ist. Aber er wird sich nicht billig verkaufen, vier bis fünf Jahre für 70 bis 80 Millionen sollten schon drin sein – wenn nicht in Los Angeles, dann vielleicht in San Francisco oder in Atlanta („Hauptsache Kalifornien“ hätte Andi Möller jetzt gesagt).

  1. Aroldis Chapman, RP, Chicago Cubs

Die diesjährige Postseason hat gezeigt, dass die Reliever im modernen Baseball eine immer wichtigere Rolle spielen und Aroldis Chapman hatte daran großen Anteil, auch wenn er im legendären Spiel 7 fast zur tragischen Figur geworden wäre. Er tritt seit fünf Jahren als Closer an, in der Zeit hat er 91% seiner Savegelegenheiten verwandelt und nur 1.84 ERA zugelassen. Die heißesten Kandidaten auf einen hochdotierten Vertrag mit ihm sind die Teams, für die er letztes Jahr gespielt hat, also die Cubs und die Yankees. Aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und prognostiziere, dass er bei den Giants unterschreibt, die damit ihren lange gehegten Schwachpunkt ausmerzen.

  1. Rich Hill, SP, Los Angeles Dodgers

Hill wird bis Saisonbeginn 37 sein und spätestens seit er in der vergangenen Saison wochenlang wegen einer Blase am Finger ausfiel, haftet ihm der Ruf der Verletzungsanfälligkeit an. Wenn er auf dem Mound stand, hat er jedoch hervorragende Arbeit abgeliefert (2.12 ERA) und angesichts der kaum vorhandenen Konkurrenz auf dem FA-Markt für Starting Pitcher dürften Hill eine Menge gut dotierter Angebote ins Haus flattern. Er wird für zwei bis drei Jahre irgendwo landen, wo Geld vorhanden und Starting Pitching gesucht ist – beides trifft auf seinen bisherigen Club zu und deshalb sehe ich ihn weiterhin bei den Dodgers.

  1. Edwin Encarnacion, 1B/DH, Toronto Blue Jays

Mit einer OPS von .886, 42 Home Runs und 127 RBIs ist Encarnacion der vielleicht gefährlichste Batter unter allen diesjährigen Free Agents. Geschmälert wird sein Wert allerdings nicht nur durch sein Alter von bald 34 Jahren, sondern auch dadurch, dass defensiv mit ihm nicht viel anzufangen ist. Ich schätze, damit ist er für die gesamte National League unattraktiv. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich letzten Endes mit den Blue Jays auf eine weitere Zusammenarbeit einigt. Wenn nicht, dann vermute ich, dass er bei den Boston Red Sox die Nachfolge für Big Papi David Ortiz antritt. Sagen wir mal 60 Millionen für drei Jahre.

  1. Kenley Jansen, RP, Los Angeles Dodgers
  2. Deter Fowler, OF, Chicago Cubs
  3. Mark Trumbo, OF, Baltimore Orioles
  4. Jose Bautista, OF, Toronto Blue Jays
  5. Mark Melancon, RP, Washington Nationals
  6. Jeremy Hellickson, SP, Philadelphia Phillies
  7. Ian Desmond, SS/OF, Washington Nationals
  8. Neil Walker, 2B, New York Mets
  9. Colby Rasmus, OF, Houston Astros
  10. Carlos Gomez, OF, Texas Rangers
  11. Wilson Ramos, C, Washington Nationals
  12. Josh Reddick, OF, Los Angeles Dodgers
  13. Matt Wieters, C, Baltimore Orioles
  14. Steve Pearce, 1B/OF, Baltimore Orioles
  15. Mike Napoli, 1B, Cleveland Indians

Zu guter Letzt noch eine Erinnerung: Ich freue mich über jeden weiteren Beitrag zum Offseason-Wunschkonzert.

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