April 2nd, 2018 by Dominik

Die MLB-Saison 2018 läuft – soweit es der späte Wintereinbruch in den USA zulässt – auf Hochtouren und es ist höchste Zeit, dass ich hier nach der führenden Baseball-Simulation MLB The Show auch die führende Baseball-Management-Simulation in ihrer neuesten Version vorstelle. Grundlegendes zu Out of the Park Baseball habe ich schon in meinem Artikel zu OOTP 18 geschrieben, daher gehe ich heute vor allem auf die Neuerungen der vor ein paar Tagen erschienenen jüngsten Ausgabe ein.

Ähnlich wie bei The Show bestehen die Veränderungen von OOTP gegenüber dem Vorjahr hauptsächlich in optischen Verbesserungen. Stark überarbeitet wurde vor allem die animierte Darstellung der Spiele. Hier sind nun erstmals nicht mehr nur Mensch-ärgere-dich-nicht-Kegel sondern echte Spieler zu sehen. Gegenüber den Vorgängern ist das eine kleine Revolution und lässt deutlich mehr TV-Feeling aufkommen. Wie im ganzen Spiel steckt in dieser Neuerung viel Arbeit und Liebe zum Detail. Für mich persönlich fällt sie aber ehrlich gesagt nicht sehr stark ins Gewicht, da mir bei OOTP die Rolle des General Managers am meisten Spaß macht und ich mir selten die Zeit nehme, die einzelnen Begegnungen ausführlich anzuschauen.

Erstmals mit animierten Männchen: das Gameplay von OOTP 19

Auch die grafischen Oberflächen der Manager-Homescreens sehen auf den ersten Blick anders aus als bisher. Auf den zweiten Blick wurden aber nur wenige Screens wirklich neu designt, ansonsten besteht die Änderung vor allem in neuen Hintergründen und einem dunklen Menüstil mit Semitransparenz, der nun Grundeinstellung ist. Meinen Geschmack trifft dieser Stil nicht ganz, das macht aber überhaupt nichts, denn zum Glück lässt sich das wie sehr vieles in diesem Spiel individuell anpassen. Die Individualisierungsmöglichkeiten von OOTP wurden gegenüber den Vorgängern übrigens noch erweitert; man kann nun zum Beispiel auch Widgetgrößen, Schriftarten und einiges mehr nach Belieben ändern.

Das neue Menüdesign ist mir ein bisschen zu unruhig, aber…

…zum Glück ist eine nüchternere Darstellung nur wenige Klicks entfernt

Alles in allem ist OOTP 19 noch schöner und noch individueller geworden, am eigentlichen Spiel hat sich aber kaum etwas verändert. Für mich ist das Wichtigste an der Neuauflage die Aktualisierung der Roster und Spielerbewertungen, die OOTP wie gewohnt nicht nur für die MLB sondern auch für das komplette Minor-Leaue-System und zahlreiche Baseball-Ligen weltweit zu bieten hat. Das Fazit bleibt somit auch dasselbe wie das meines Artikels über OOTP 18: Out of the Park Baseball ist ein hervorragendes Spiel, das sich kein Baseballfan entgehen lassen sollte. Die von mir beim vorherigen Test identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten bleiben ebenfalls dieselben: Am meisten würde ich mir eine Integration der Baseball-Bundesliga wünschen (dies scheitert bislang an Lizenzschwierigkeiten) und der Realismus der Trade-AI hat nach wie vor Luft nach oben.

Eine größere Neuigkeit wird übrigens noch folgen: Voraussichtlich im Laufe des Sommers soll für OOTP 19 ein komplett neuer Online-Modus namens „Perfect Team“ in Form eines kostenlosen Updates nachgeliefert werden. Ich bin schon sehr gespannt darauf und werde zu gegebener Zeit darüber berichten.

Einstweilen habe ich mein persönliches Projekt gestartet, das ich schon seit dem Test von OOTP 18 geplant hatte: eine Saison mit den New York Mets in Echtzeit parallel zur realen Saison. Die Eröffnungsserie gegen die Cardinals habe ich übrigens genau wie die echten Mets 2:1 gewonnen, wenngleich in veränderter Reihenfolge (erst die Niederlage, dann zwei Siege). Das heutige* Match gegen die Phillies habe ich auch schon gespielt. Wenn ihr wissen wollt, wie es (hoffentlich auch im richtigen Leben) ausgeht:

Schöner Erfolg für die Mets im ersten Spiel gegen die Phillies

Es gibt übrigens kaum Ausreden, OOTP 19 nicht zu kaufen: Man bekommt es über die Plattformen Steam und Origin ebenso wie als direkten Download auf der Herstellerseite und es ist nach wie vor sowohl für Windows als auch für Mac und Linux verfügbar.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

 

*PS: Und nur eine Stunde nach dem Verfassen dieses Artikels stehe ich vor der Frage, wie ich damit umgehe, dass ich ein für heute angesetztes Spiel gespielt habe, das nun in Wirklichkeit des Wetters wegen auf den 9. Juli (!) verlegt wurde…

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März 23rd, 2018 by Dominik

Wie üblich kommen kurz vor Beginn der MLB-Saison die etablierten Baseball-Videospiele mit neuen Versionen auf den Markt. Die Nummer eins unter ihnen ist seit Jahren „MLB The Show“, das seit 2006 existiert und am kommenden Dienstag, dem 27. März, in seiner dreizehnten Auflage namens „MLB The Show 18“ erscheint. Zum Leidwesen der Besitzer anderer Systeme ist The Show schon immer ein Titel, der exklusiv für die Playstation angeboten wird – früher für die Playstation 3, seit letztem Jahr nur noch für die Playstation 4. Bekommen kann man das Spiel in Deutschland über den gut sortierten Onlinehandel oder natürlich über den Playstation-Store – als Vorbesteller kann man The Show dort übrigens schon ab heute herunterladen.

Das Spielprinzip
Da ich auf diesem Blog zum ersten Mal eine Version von The Show vorstelle, beginne ich mit einer grundlegenden Beschreibung des Spiels. Wer schon frühere Versionen gespielt hat, kann getrost zur nächsten Überschrift springen.

The Show ist in erster Linie eine Simulation des Baseballspiels auf dem Feld, obwohl es auch Manager- und Storyelemente enthält. Das grundlegende Spielprinzip ist einfach: Wenn man am Schlag ist, kann man per Knopf oder Analogstick die Zielrichtung und die Härte des Schwungs beeinflussen, wobei vor allem das Timing entscheidend dafür ist, ob man erfolgreiche Hits landet oder nicht. Sobald man Baserunner hat, kann man zum Beispiel versuchen, Bases zu stehlen, man kann bei einem Flyball entscheiden, ob man direkt rennt, erst mal an der Base tagt und dann losläuft oder ganz dort bleibt usw. Kurz gesagt, man kann so ziemlich alles tun, was auch im echten Spiel möglich ist. Die Steuerung ist recht eingängig und bietet diverse Optionen, sie an den eigenen Geschmack anzupassen. Das gilt in gleicher Weise auch für die defensive Seite des Spiels: Man wählt aus dem Repertoire des jeweiligen Pitchers einen Pitch aus, lokalisiert den gewünschten Punkt innerhalb oder außerhalb der Strikezone und bestimmt dann je nach Steuerungsoption durch zeitgerechtes Knöpfchen- oder Hebeldrücken die Geschwindigkeit und Genauigkeit des Pitches. Sobald der Ball im Spiel ist, steuert man den jeweils nächsten Fielder, um den Ball entweder zu fangen oder ihn aufzunehmen und an die richtige Base zu werfen.

Im simpelsten Fall spielt man auf diese Weise eine einzelne Partie, wahlweise online oder offline, alleine oder mit zwei bis vier Spielern, von denen bis zu zwei ein Team gemeinsam steuern können. Natürlich kann man auch eine ganze Saison oder nur die Playoffs spielen. Einen Schritt weiter geht der Franchise Mode, bei dem man ein Team langfristig als General Manager führt. Man kann diesen Modus als reine Management-Simulation spielen, wobei man meiner Ansicht nach merkt, dass dies nicht der Schwerpunkt der Entwickler ist – mit einem puren Managerspiel wie „Out of the Park Baseball“ kann The Show in diesem Feld nicht mithalten (übrigens gibt es auch von OOTP eine neue Version, die ich im Laufe der nächsten Tage ebenfalls vorstellen werde). Was der Franchise Mode von The Show einem reinen Manager voraus hat, ist die Möglichkeit, in die Spiele aktiv einzugreifen und zwar entweder indem man sie komplett selbst steuert oder aber sich auf ausgewählte entscheidende Spielszenen beschränkt.

Ein weiterer Modus nennt sich „Road to the Show“ (RTTS). Hier schlüpft man in die Rolle eines einzelnen Spielers, dessen Geschicke man über seine gesamte Karriere hinweg steuert, von der Draft über die Minor Leagues bis in die MLB. Für mich persönlich ist das der Modus mit der größten Langzeitmotivation. Erfreulicherweise kann man einen Spieler, mit dem man RTTS in The Show 17 gespielt hat, in The Show 18 importieren und mit ihm weiterspielen. Dieses Fortsetzen von alten Spielständen ist übrigens auch im Franchise Mode möglich.

In „Diamond Dynasty“ baut man sich ein Team über virtuelle Sammelkarten und Items auf, ähnlich wie FIFA-Spieler es von „Ultimate Team“ kennen. Das ist für mich ein Modus, zu dem ich nie einen nennenswerten Zugang gefunden habe, aber das ist sicher Geschmackssache.

Für alle, die einfach mal ein paar Bälle über den Zaun hauen möchten, lohnt sich das Homerun Derby. Abgerundet wird das Portfolio des Spiels durch wöchentliche Online-Challenges sowie die Möglichkeit, verschiedene Trainings und Tutorials zu absolvieren.

Besonders gut finde ich, dass der Schwierigkeitsgrad von The Show sehr variabel ist und sowohl manuell als auch automatisch angepasst werden kann. Das funktioniert sehr gut, sodass das Spiel sowohl für langjährige Spieler wie mich als auch für absolute Neulinge wie meinen 6-jährigen Sohn gleichermaßen angemessen herausfordernd und nie frustrierend ist.

Die Neuerungen von MLB The Show 18
Kommen wir zu dem, was an The Show 18 anders ist als an den Vorgängern. Das ist zunächst mal nicht viel, jedenfalls was das prinzipielle Gameplay betrifft. Alles, was ich oben über das Spiel geschrieben habe, traf schon auf die vorherige Version zu und auch auf die davor. Das muss nichts Schlechtes sein, denn The Show ist einfach ein sehr gutes und sehr ausgereiftes Spiel, das man nicht jedes Jahr neu erfinden muss. Die meisten Änderungen sind dementsprchend eher kosmetischer Natur: Es gibt jetzt einen Batting Stance Generator und ein erweitertes Replay-System, die Reaktionen der Spieler und Zuschauer auf Ereignisse im Spiel sind vielfältiger und realistischer geworden, die Wettereffekte wurden verbessert, die Spieler sehen noch etwas lebensechter aus als zuvor und natürlich wurden alle Roster auf den aktuellen Stand gebracht. Was mir besonders gut gefällt ist, dass es jetzt auch Rain Delays gibt. Aber keine Sorge, das heißt nicht, dass man zwei Stunden untätig vor dem Bildschirm sitzen und warten muss, ob das Spiel fortgesetzt wird – man sieht aber, wie die Groundcrew aktiv wird, und darf zum Beispiel die taktische Entscheidung treffen, ob man den aktuellen Pitcher nach der Pause wieder aufs Feld schickt oder nicht.

Mehr als nur kosmetische Veränderungen gab es am Modus RTTS. Hier gibt es jetzt deutlich größere Storyanteile als früher. Man erstellt nun am Anfang nicht nur wie bisher einen Spieler, den man entweder frei oder in Anlehnung an einen realen Akteur gestaltet, sondern man wählt auch eine Grundausrichtung, das heißt ob man sich z. B. eher als Power Hitter sieht oder ob die eigene Spielweise mehr auf Kontakt und Speed beruht. Abhängig davon erhält man bestimmte Start- und Maximalwerte für die Spielerentwicklung. Zudem findet man sich gelegentlich in Dialogsituationen mit Scouts, Coaches und Managern wieder, in denen man unter verschiedenen Antworten wählen kann, welche wiederum Auswirkungen auf das Spiel haben.

Eine weitere Neuerung sind drei zusätzliche Teams, die in The Show aufgenommen wurden. Neben den 30 MLB-Teams plus Minor-Affiliates und den zwei aktuellen All-Star-Teams gibt es nun drei Teams mit Legenden aus je unterschiedlichen Ären des Baseballs. Auf diese Art sind nun auch beispielsweise Babe Ruth und Jackie Robinson mit von der Partie. Die Spieler aus den Legenden-Teams können auch im Homerun Derby gewählt werden und sind in die Diamond Dynasty integriert.

Was man noch besser machen könnte
Alles in allem liefert The Show 18 so ab, wie man es gewohnt ist: stark wie eh und je mit wohldosierten punktuellen Verbesserungen. Ich schicke daher erst mal eine klare Empfehlung voraus, bevor ich auf ein paar Punkte eingehe, an denen bei mir noch Wünsche offen bleiben.

Ich habe ja schon erwähnt, dass mir die neuen Rain Delays gut gefallen. Schön wäre, wenn man auch den nächsten Schritt ginge, indem für die längerfristig angelegten Modi auch Rainouts und die Ansetzung von Doubleheadern zu den möglichen Ereignissen gehören würden. Soweit ich es bisher erforschen konnte, gibt es so etwas in The Show 18 nach wie vor nicht.

Sehr schade finde ich, dass im Spiel die Tiefe der Minor Leagues nicht abgebildet wird. Berücksichtigt sind nur AA und AAA und selbst auf diesen Ebenen bietet The Show leider nicht die echten Ballparks. Enthalten sind nur die 30 MLB-Ballparks sowie 18 historische Ballparks, während für die Minor Leagues und das Spring Training nur je eine Handvoll Standardstadien zur Verfügung stehen.

Wo wir schon bei der Tiefe des Spiels sind: Eine Ausweitung würde ich mir nicht nur in Richtung Minor Leagues, sondern auch in Richtung Internationales wünschen. Ein guter Anfang wären ein paar Ballparks und Nationalmannschaften, um beispielsweise den World Baseball Classic nachspielen zu können. Reizvoll wären auch Nicht-US-Ligen wie die NPB oder die karibischen  Ligen – darauf zu hoffen, wäre wohl unrealistisch, obwohl die Manager-Simulation Out of the Park Baseball vormacht, wie es geht.

Die Darstellung des Spiels wird zwar von Jahr zu Jahr besser, aber mir fallen immer noch einige relativ alltägliche Szenen ein, die ich in The Show bislang noch nicht gesehen habe – zum Beispiel Kollisionen von Fieldern, die beide auf dem Weg zum Ball sind, oder Spieler, die beim Fangen eines Foulballs die Barriere zum Zuschauerraum überspringen. Hier könnte man also durchaus noch etwas tun.

Was ich mir außerdem sehr wünsche, sind mehr Statistiken. Die Sabermetrics-Revolution ist bislang relativ spurlos an MLB The Show vorüber gegangen, man sucht leider vergeblich nach fortgeschrittenen Indikatoren wie wRC oder DRS und nach Splits wie z. B. Ergebnissen gegen Rechts- und Linkshänder oder in Heim- und Auswärtsspielen.

 

 

Zum Schluss der übliche Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir zum Vorabtest als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – ihr lest hier immer meine ehrliche und ungeschminkte Meinung.

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November 19th, 2017 by Dominik

Die Offseason ist noch lang und Weihnachten steht vor der Tür – das klingt für mich nach einem guten Zeitpunkt, um in loser Folge ein paar Baseball-Spiele vorzustellen, mit denen man sich allein oder in trauter Runde lange Winterabende und -nächte vertreiben kann. Den Anfang macht ein Computerspiel, das bei vielen Angehörigen meiner Generation angenehme Erinnerungen wecken wird an Stunden, die man mit Perlen wie dem „Bundesliga-Manager Professional“ oder der „Anstoss“-Reihe verbracht hat. Später gab es den FIFA-Fußball-Manager, aber da war mein Interesse an Fußball schon erkaltet, weswegen ich die weitere Entwicklung dieses Sektors nicht verfolgt habe.

Nun hat mich das Fieber aber wieder voll gepackt, denn ich bin auf die Managersimulation „Out of the Park Baseball 18“ gestoßen – viel zu spät eigentlich, denn die OOTP-Reihe existiert schon seit 1999. Vater des Spiels ist der deutsche Entwickler Markus Heinsohn aus Eimsbüttel, veröffentlicht wird es über dessen eigene Firma „Out of the Park Developments“. Trotz des deutschen Ursprungs von OOTP liegt sein wichtigster Markt naturgemäß in Nordamerika, deshalb gibt es das Spiel auch ausschließlich auf Englisch. Von den Plattformen her hat OOTP eine größere Vielfalt zu bieten: Es läuft auf Windows, Mac und erfreulicherweise auch auf Linux. Erwerben kann man das Spiel ausschließlich als Download, entweder direkt über die Herstellerseite oder über Steam. Getestet wurde von mir die Linux-Version über Steam. Der reguläre Preis für die aktuelle Version beträgt 39,99 Dollar, wobei es gelegentlich auch Sonderangebote gibt. Auch ein Demo-Mode ist verfügbar, wenn man erstmal unverbindlich anspielen möchte.

Der Daten- und Funktionsumfang von OOTP ist schlichtweg gigantisch: Man kann die aktuelle MLB-Saison nachspielen, aber auch jede beliebige Saison seit 1871; die Minor Leagues sind komplett eingebunden, ebenso historische Ligen wie zum Beispiel die Negro Leagues sowie Ligen aus aller Welt (Japan, Korea, Mexiko, Niederlande, Italien etc.) – alles komplett mit vollständigen Rostern, Namen, Logos und Uniformen, da OOTP über die nötigen Lizenzen verfügt. Für realistische Player-Ratings sorgt eine Anbindung zum ZiPS-System von Dan Szymborski. Darüber hinaus gibt es umfangreiche Möglichkeiten, nationale und internationale Ligen und Turniere selbst zusammenzustellen und zu editieren.

Wenn man sich für eine Liga und ein Startjahr entschieden hat, kann man wahlweise als Manager, General Manager oder als beides gleichzeitig agieren – abhängig von dieser Entscheidung ist man entweder für Aufstellungen, Spieltaktiken und dergleichen verantwortlich oder für die Zusammenstellung des Kaders, Trades, Personalentscheidungen etc. oder eben für alles. Man arbeitet auf einer grafischen Oberfläche, die sehr eingängig bedienbar ist. Ähnlich wie in einem Web Browser steuert man das Spiel per Maus mit Drag&Drop-Funktionen, Hyperlinks, durch Rechtsklick öffnende Kontextmenüs usw.

OOTP ist mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt, was man zum Beispiel beim Verletzungssystem sieht – jeder Spieler hat eine individuelle Verletzungsgeschichte mit unterschiedlichen Langzeiteffekten – oder bei den Trades, die diverse Konstellationen erlauben inklusive Optionen wie dass das abgebende Team einen Teil des Spielergehalts übernimmt. Die Möglichkeiten, was man alles steuern und worauf man alles achten kann, scheinen geradezu unendlich, lassen sich aber gezielt reduzieren, indem man einige Aufgaben automatisiert erledigen lässt. Das ist dann auch die erste Aufgabe, die man beim Spielen an sich selbst stellen sollte: Man muss für sich einen Weg finden, was man tut und was man laufen lässt, sonst erschlägt einen die Komplexität der Handlungsmöglichkeiten.

Dementsprechend ist der Zeitaufwand des Spiels sehr variabel: Wenn man jede Kleinigkeit verfolgen und in der Hand haben möchte, kann man ohne Weiteres mehrere Stunden mit Recherchen, Verhandlungen und sonstigen Managementaufgaben verbringen, ohne im Spielverlauf einen einzigen Tag weiterzuschalten; auch ein Match des eigenen Teams kann man mit vollständigem In-Game-Management locker eine halbe Stunde lang zelebrieren. Genauso gut kann man aber, wenn man viel automatisiert und weiterklickt, in einer halben Stunde eine komplett Saison durchgespielt haben. Ich selbst habe in den vergangenen 14 Tagen gut 20 Stunden mit OOTP verbracht und dabei zweieinhalb Saisons mit einer Franchise absolviert. Angemeldet habe ich mich als General Manager und Manager, allerdings habe ich relativ schnell herausgefunden, dass mir die GM-Aufgaben mehr Spaß machen und dass ich die Lineups und das In-Game-Management gerne vertrauensvoll in die Hände der AI lege.

Wenn es mal irgendwo hakt, findet man in vielfältiger Weise Hilfen: es gibt ein umfangreiches Online-Manual, auf das man innerhalb und außerhalb des Spiels zugreifen kann, zudem eine Knowledge Base, einige Video-Tutorials und das Entwicklerteam um Markus Heinsohn und Andreas Raht leistet schnellen und zuverlässigen Support. Zudem gibt es eine recht aktive Community zu OOTP, die ebenfalls sehr nützlich ist wenn man Probleme hat, aber auch wenn man Mitspieler für eine Online-Liga sucht oder sich einfach so über das Spiel austauschen möchte.

Ich glaube, es spricht schon aus meinen vorangehenden Schilderungen, aber ich möchte es noch mal ausdrücklich sagen: Ich bin von OOTP begeistert!

Ein paar Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge habe ich aber natürlich auch und möchte sie euch nicht vorenthalten – den Entwicklern übrigens auch nicht, deswegen habe ich sie schon darauf angesprochen und lasse ihre Antwort direkt in meine Punkte einfließen:

– Schade finde ich, dass es bei aller Vielfalt von Ligen und Zeiträumen ausgerechnet die deutsche Baseball-Bundesliga in OOTP nicht gibt. Der Grund dafür sind Lizenzprobleme, genauer gesagt das Fehlen einer zentralen Lizenzverwaltung für die Bundesliga. Man müsste jede Verwendung von Namen und Logos mit den betreffenden Teams und Spielern einzeln verhandeln, was ein unverhältnismäßiger Aufwand wäre. Ich hoffe, dass sich irgendwann doch eine pragmatische Lösung findet.

– Eine Synchronisierungsmöglichkeit zwischen OOTP und dem Ableger „MLB Manager“ für Mobilgeräte wird es auf absehbare Zeit leider nicht geben, vor allem wegen der zu großen Datenmengen.

– Was ich – in rührseliger Erinnerung an die „Anstoss“-Reihe – toll fände, wäre eine Möglichkeit, Einzelgespräche mit Spielern zu führen und kurze Ansprachen an das Team zu halten. Bei Anstoss wählte man bei solchen Gelegenheiten unter vorgegebenen Aussagen und in Abhängigkeit davon veränderte sich die Stimmung der Spieler. Laut Heinsohn sind Features dieser Art für zukünftige Versionen bereits in Planung.

– Im Spiel selbst ist mir nur eine einzige Sache aufgefallen, die nach meinem Geschmack noch nicht befriedigend gelöst ist und das ist der Realismus von Trades. Mir wurde zum Beispiel  Ende Juli 2017 über die Funktion „Shop Player around“ von meinem direkten Verfolger im Divisionsrennen, den Nationals, Star-Pitcher Max Scherzer mit Vertrag bis 2021 angeboten im direkten Tausch gegen Lucas Duda, einen mittelmäßigen First Baseman mit auslaufendem Vertrag. Für mich war das der Startschuss zu einem größer angelegten Test der Trade-AI und innerhalb der verbleibenden  zehn Tage bis zur Trade Deadline hatte ich mein Team um Scherzer, Giancarlo Stanton, Freddie Freeman, Dee Gordon, Nolan Arenado, Kyle Schwarber und Aaron Altherr aufgerüstet, ohne viel dafür herzugeben. Zwar kann man über die Einstellungen an der Trading Difficulty drehen, aber wenn man Trades auf andere Weise als über „Shop Player around“ versucht, sind sie bereits schwierig genug und man will ja nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Auch dieses Thema ist den Entwicklern bereits bekannt und OOTP teilt es mit allen anderen Sport-Management-Spielen: Eine rundum realistische Trade-AI existiert bislang leider nicht. Wenn man Wert auf Realismus legt, muss man sich in Selbstdisziplin üben und auch mal einen Trade nicht machen, wenn man den Eindruck hat, der Computergegner übervorteilt sich selbst.

Von dieser einen Einschränkung abgesehen kann ich nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Ich freue mich schon riesig auf das Erscheinen des nächsten Teils zum Beginn der neuen MLB-Saison. Mein Plan ist, dass ich dann mal ein komplettes Jahr spiele, bei dem ich mich im Team um wirklich alles kümmere und an jedem echten Tag genau einen Tag im Spiel laufen lasse.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – ihr lest wie gewohnt meine ehrliche und ungeschminkte Meinung.

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