März 23rd, 2017 by Dominik

Das Spring Training neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu und in nur zehn Tagen beginnt endlich die neue MLB-Saison – schon zwei Tage vorher startet übrigens die deutsche Baseball-Bundesliga, auf die ich mich genauso sehr freue. Heute steht aber erst einmal das Ergebnis eines anderen Wettbewerbs im Vordergrund: Die USA haben den World Baseball Classic gewonnen und sind somit zum ersten Mal das geworden, was man in den meisten anderen Sportarten als Weltmeister bezeichnen würde. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Klarer Sieg der USA im Finale des WBC 
Das Finale zwischen den Gastgebern und Puerto Rico verlief einseitiger als erwartet: 8:0 siegten die USA, die in der Zwischenrunde den Puerto Ricanern noch mit 5:6 unterlegen gewesen waren. Ganz großen Anteil an dem Erfolg hatte der Starting Pitcher der USA, Marcus Stroman, der erst im siebten Inning den ersten Hit zuließ und hinterher zum MVP des Spiels gewählt wurde. In der Offensive leisteten 2B Ian Kinsler und OF Andrew McCutchen mit je zwei Hits, darunter ein 2-Run-Homerun von Kinsler, und je einem Walk den größten Beitrag.

Gute und schlechte Nachrichten für die Yankees
Die meisten Schlagzeilen aus dem Spring-Training gebührten diese Woche den New York Yankees. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass sie mit 19 Siegen und nur 7 Niederlagen bislang das erfolgreichste Team der Vorbereitungsrunde sind. Für besonderes Aufsehen sorgte die Leistung vom vergangenen Freitag, als Masahiro Tanaka, Chasen Shreve und Jordan Montgomery einen No-Hitter gegen die Detroit Tigers pitchten – übrigens den ersten Spring-Trainig-No-Hitter seit zwei Jahren. Natürlich sind solche Freundschaftsspiel-Erfolge im Endeffekt nichts wert und so wird die Freude über die guten Leistungen wohl deutlich von der schlechten Nachricht dieser Woche überschattet: Shortstop Didi Gregorius kehrte mit einem gezerrten Schultermuskel von seiner WBC-Teilnahme für das niederländische Nationalteam zurück und wird mindestens bis in den Mai hinein ausfallen. Naturgemäß gab es sofort Spekulationen über einen Trade, beispielsweise für Freddy Galvis von den Phillies oder für Zack Cozart von den Reds, aber wahrscheinlicher erscheint eine interne Vertretungslösung. Diese wird aller Voraussicht nach nicht Top-Prospect Gleyber Torres sein, dem man mehr Zeit zur Entwicklung in den Minor Leagues geben will. Starlin Castro, Tyler Wade und Ruben Tajada sind wohl die aussichtsreichsten Kandidaten für den Job.

Neue Tommy-John-Opfer
Noch schlimmer als Gregorius hat es die beiden Starting Pitcher Cody Anderson von den Cleveland Indians und Trevor May von den Minnesota Twins erwischt: Beide mussten sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery zur Reparatur von Bändern im Ellbogen unterziehen. Das bedeutet, dass die Saison 2017 ohne die beiden stattfinden wird. Sowohl Anderson als auch May waren zuletzt keine festen Größen in ihren Teams und konnten vor der Verletzung allenfalls auf den fünften Platz in der jeweiligen Rotation hoffen.

Vertragsverlängerung für Kevin Kiermaier und Tim Anderson
Grund zur Freude gibt es für OF Kevin Kiermaier von den Tampa Bay Rays und Shortstop Tim Anderson von den Chicago White Sox, denn beide haben diese Woche neue millionenschwere Verträge unterzeichnet. Kiermaier – defensiv unbestreitbar einer der besten Outfielder der Liga, als Batter bislang nicht mehr als solide – erhält von den Rays 53,5 Millionen Dollar für sechs Jahre, ein weiteres Jahr ist optional für 13 Millionen.

Anderson hat ebenfalls für sechs Jahre unterschrieben und bekommt dafür 25 Millionen Dollar. Seine Vertragsverlängerung kam überraschend, denn er spielt seit nicht mal einem Jahr in der MLB. Er wäre daher nach den zwischen der Spielergewerkschaft MLBPA und der Liga ausgehandelten Regeln ohnehin noch sechs Jahre an die White Sox gebunden gewesen und hätte sich auch mit weit weniger Geld zufrieden geben müssen. Kernstück des Vertrages sind daher die beiden optionalen Jahre, in denen die White Sox ihren Shortstop für 12,5 und 14 Millionen Dollar nach der festen Laufzeit weiterbeschäftigen können.

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März 22nd, 2017 by Dominik

Heute Nacht ab 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt in Los Angeles das Finale des World Baseball Classic, der Weltmeisterschaft der Baseball-Nationalmannschaften. Im vierten Anlauf haben die USA erstmals das Finale erreicht, indem sie im Halbfinale knapp mit 2:1 die Oberhand gegen den Weltranglistenersten Japan behielten. Ihr Gegner im Endspiel ist Puerto Rico, das beim letzten WBC 2013 Vizemeister wurde und bisher im gesamten Turnier unbesiegt blieb. Im Halbfinale hatten die Puerto Ricaner sich per Walkoff im elften Inning 4:3 gegen die Niederlande durchgesetzt.

Als Starting Pitcher wird für die USA heute Nacht Marcus Stroman (Toronto Blue Jays) zum Einsatz kommen, für Puerto Rico startet Seth Lugo (New York Mets). Wenn man sich die Gegenüberstellung der vorgesehenen Spieler ansieht, so sieht das sehr stark nach einem Duell auf Augenhöhe aus – wofür auch spricht, dass sich die beiden Teams beim ersten Aufeinandertreffen in diesem Turnier mit einem knappen 6:5 für Puerto Rico trennten, übrigens mit den gleichen Starting Pitchern. Ich bin immer wieder erstaunt, was für ein großartiges Lineup das kleine Puerto Rico (die Einwohnerzahl entspricht in etwa der Berlins) auf den Platz bringt: Yadier Molina, Francisco Lindor, Javier Baez, Carlos Correa, Carlos Beltran, Edwin Diaz – wenn die alle im gleichen MLB-Team antreten würden, würde es sicher ganz oben mitspielen.

Die Aufmerksamkeit innerhalb der USA für den WBC erscheint mir dieses Mal deutlich größer als bei den früheren Turnieren: Mehr als sonst folgten zahlreiche (wenn auch längst nicht alle) Superstars dem Ruf ins Nationalteam, schon vor den Halbfinalspielen war ein neuer Zuschauerrekord erreicht und Cubs-Manager Joe Maddon dachte bereits laut darüber nach, ob man nicht zukünftig den WBC-Sieger und den aktuellen World-Series-Gewinner gegeneinander antreten lässt.

Zum Gesicht des Turniers scheint übrigens Outfielder Adam Jones zu avancieren: nicht so sehr, weil ihm im Halbfinale der entscheidende RBI gegen Japan gelang, sondern vor allem durch den sehenswerten geraubten Homerun im Spiel zwischen den USA und der Dominikanischen Republik, ausgerechnet gegen seinen Orioles-Teamkameraden Manny Machado.

Ob das Finale in Deutschland zu empfangen ist, ist leider fraglich. Rechteinhaber DAZN hat sporadisch einige Spiele des Turniers gezeigt, aber ich konnte noch nichts darüber herausfinden, ob eine Übertragung des Endspiels geplant ist.

Aktualisierung: DAZN hat bekannt gegeben, dass das Spiel übertragen wird.

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März 16th, 2017 by Dominik

Zum Glück bin ich nicht abergläubisch, sonst müsste ich mich jetzt schlecht fühlen: Letzte Woche habe ich mich an dieser Stelle gefreut, dass es im Spring Training bis dato keine ernsthaften Verletzungen gegeben hatte. In den Tagen darauf schienen die MLB-Spieler plötzlich zu fallen wie die Fliegen. Außerdem freute ich mich mit Israel, dem Überraschungstam der ersten Runde beim World Baseball Classic. Nach zwei Niederlagen in der Zwischenrunde sind die Israelis nun leider ausgeschieden. Hier die wichtigsten Neuigkeiten der letzte sieben Tage aus der MLB sowie vom WBC:

Japan und Niederlande im WBC-Halbfinale 
Die erste der beiden Zwischenrundengruppen des WBC hat ihre Spiele bereits abgeschlossen. Israel ist zwar auch in diese Runde mit einem Sieg über einen Favoriten gestartet (4:1 gegen Kuba), doch dann setzte es klare Niederlagen gegen den Weltranglistenersten Japan und Europameister Niederlande, die nun als erste für das Halbfinale qualifiziert sind. So weit waren beide auch 2013 beim letzten WBC gekommen, dann war allerdings Endstation gegen die Dominikanische Republik bzw. gegen Puerto Rico. Tatsächlich könnte es dazu kommen, dass dieses Jahr alle vier Halbfinalisten die gleichen sind wie 2013. Allerdings sind in der zweiten Gruppe der Zwischenrunde noch mindestens vier Spiele zu absolvieren und neben den beiden Genannten dürften auch die USA in Bezug auf den Halbfinaleinzug noch ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Übrigens hat sich DAZN als Inhaber der Übertragungsrechte in Deutschland inzwischen erbarmt und zeigt einige Spiele des WBC als Livestream. Der Dienst kostet 9,99 Euro im Monat. Wenn man nur den WBC sehen will, reicht dafür der kostenlose Probemonat.

Chad Bettis benötigt Chemotherapie
Für Chad Bettis, Starting Pitcher der Colorado Rockies, ist die Saison wahrscheinlich gelaufen, bevor sie überhaupt begonnen hatte: Der 27-Jährige musste erfahren, dass seine Erkrankung an Hodenkrebs sich nicht wie zunächst erhofft durch eine Ende letzten Jahres vorgenommene OP erledigt hat. Stattdessen hat der Krebs sich ausgebreitet und macht eine ausführlichere Behandlung inklusive Chemotherapie nötig. Immerhin liegen die Heilungschancen wohl bei über 90%. Ob Bettis dieses Jahr noch auf den Mound zurückkehren kann, steht in den Sternen; die Prioritäten in dieser Situation sind natürlich auch ganz klar andere.

Viele, viele Verletzungen
In der dritten Woche des Spring Trainings kam es leider zu einer ganzen Reihe von Verletzungen. Hier eine Auswahl:

IF/OF Ian Desmond, der bei den Rockies als First Baseman zum Einsatz kommen sollte, hat sich die linke Hand gebrochen, als er von einem Pitch getroffen wurde. Er musste operiert werden und dürfte frühestens Ende April wieder einsatzbereit sein.

SP Trevor May von den Minnesota Twins hat ein Band im Ellbogen des Wurfarmes gerissen. Das bedeutet, dass er sich voraussichtlich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss und somit mindestens für den Rest des Jahres ausfällt.

Auch bei den SPs Anthony DeSclafani von den Cincinnati Reds und Cody Anderson von den Cleveland Indians bereiten die Ellbogenbänder Probleme, allerdings sind sie bei beiden wohl nicht abgerissen und es besteht derzeit noch Hoffnung, dass beide ihre Arme nach einer mehrwöchigen Erholungspause wieder belasten können.

Ähnlich ergeht es Jason Kipnis, 2B der Indians. Bei ihm sitzt die Verletzung in der Schulter und auch in seinem Fall ist die Hoffnung derzeit, dass es mit ein paar Wochen Pause getan ist. Den Opening Day wird Kipnis in jedem Fall verpassen.

Eine wahre Schrecksekunde gab es am Freitag im Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Detroit Tigers, als RP T. J. House von einem Comebacker hart am Hinterkopf getroffen wurde. House blieb zunächst reglos liegen, wurde lange behandelt und anschließend ins Krankenhaus gebracht, das er aber glücklicherweise schon am nächsten Tag wieder verlassen durfte, nachdem eine ernste Verletzung ausgeschlossen wurde.

Derek Norris released
Die Washington Nationals haben sich von Catcher Derek Norris getrennt. Das ist insofern bemerkenswert, als die Nationals ihn erst im Dezember via Trade geholt und im Gegenzug Pitching-Prospect Pedro Avila an die San Diego Padres abgegeben hatten. Überraschend kam der Move aber nicht, nachdem die Nationals sich auf der Catcherposition mit Free Agent Matt Wieters verstärkt haben. Norris wurde offiziell released und kann somit frei nach einem neuen Arbeitgeber suchen. Vermutlich wird er einen solchen relativ schnell finden. Die Tampa Bay Rays haben bereits ihr Interesse bekundet.

Und natürlich ein Trade der Mariners
Was wäre die MLB-Woche ohne einen Trade der Seattle Mariners? Als Partner haben sich dieses Mal die Philadelphia Phillies gefunden, die den beidhändigen Pitcher Pat Venditte bekommen und dafür OF-Prospect Joey Curletta nach Seattle schicken. Für Jerry Dipoto, den offensichtlich shoppingsüchtigen General Manager der Mariners, war es der fünfzehnte Trade in dieser Offseason.

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März 9th, 2017 by Dominik

Das Spring Training läuft seit zwei Wochen auf Hochtouren und ich freue mich, mal eine vorbehaltlos positive Nachricht weitergeben zu können: Sofern ich nichts übersehen habe hat sich seit Beginn der Frühlingsspiele kein einziger MLB-Spieler so ernsthaft verletzt, dass er für mehr als ein paar Wochen ausfällt. Auch die letzte Woche erwähnten Sorgen um David Price erwiesen sich glücklicherweise als unbegründet, statt einer Tommy-John-Surgery wird es wohl mit ein paar Taugen Pause getan sein. Im Endeffekt ist das alles, was beim Spring Training zählt: sich warmspielen für die Saison und gesund bleiben. Dass die Yankees mit 10-3 die bisher beste Bilanz aufweisen, dass die Hitter der Mets mit .301 den höchsten Average erzielt haben und die Pitcher der Pittsburgh Pirates mit 2.89 den niedrigsten ERA – das wird am 2. April niemanden mehr interessieren, deswegen gehe ich hier auch gar nicht weiter darauf ein.

Israel und Niederlande überraschen beim WBC 
Parallel zum Spring Training läuft der World Baseball Classic, bei dem ganz im Gegensatz zu Ersterem jedes Ergebnis zählt. Gruppe A ist schon durch mit der Vorrunde und es gibt eine faustdicke Überraschung: Gruppensieger mit drei Siegen in drei Spielen wurde Israel – ausgerechnet das Team, das ich in meinem Vorschauartikel als den einzigen krassen Außenseiter des Turniers bezeichnet hatte. Dafür entschuldige ich mich hiermit in aller Form und wünsche Israel viel Erfolg für den Rest des WBC. Den wünsche ich im Übrigen auch den Niederlanden, die mit ihrem Einzug in Runde 2 ebenfalls die Erwartungen übertrafen und den Favoriten Südkorea und Taiwan ein frühzeitiges Turnierende bescherten. Weniger unerwartet geht es bisher in Gruppe B zu: Mit Siegen gegen Australien und Kuba hat der Weltranglistenerste Japan sich das Weiterkommen bereits gesichert; spannend wird es morgen Früh, wenn Kuba und Australien untereinander Platz zwei der Gruppe ausspielen. Auch die Gruppen C und D greifen in der kommenden Nacht mit den Begegnungen Kanada gegen Dominikanische Republik und Mexiko gegen Italien endlich ins Geschehen ein.

Leider fühle ich mich als deutscher Baseballfan etwas abgehängt von der WBC-Begeisterung – nicht weil das deutsche Team die Qualifikation nicht geschafft hat, sondern weil wir hierzulande keine bewegten Bilder zu sehen bekommen. Dass der WBC auf mlb.tv nur in den USA live zu empfangen sein wird, war frühzeitig bekannt. Leider erwies sich dann auch die zunächst von mlb.tv selbst verbreitete Info, man könne als internationaler Nutzer wenigstens auf die Aufzeichnungen zugreifen, als falsch. Am ersten Tag des Turniers gab es wohl auf der Facebookseite des WBC einen Livestream zu sehen, aber das war offenbar nur eine einmalige Werbeaktion.

Brett Lawrie will abwarten 
Brett Lawrie wurde Ende letzter Woche von den Chicago White Sox entlassen, die den verletzungsanfälligen Infielder offenbar nicht als Baustein ihres Rebuilding-Projektes sahen und auch keinen Tradepartner für ihn fanden. Unmittelbar nach der Ankündigung gab es sofort Gerüchte um vier bis fünf potenzielle Interessenten an einer Verpflichtung. Lawrie hat aber inzwischen von seinem Agenten verkünden lassen, dass er eine Auszeit nehmen und sich gründlich auskurieren möchte, bevor er einen neuen Vertrag unterzeichnet.

Angel Pagan noch nicht am Ende
Der ehemalige Giants-Outfielder Angel Pagan ist für 2017 noch ohne Vertrag, aber an ein Ende der Karriere denkt der 35-Jährige nicht. Bei den Blue Jays, Nationals, Braves und Orioles ist er wohl im Gespräch, aber etwas Konkretes hat sich noch nicht ergeben, auch weil Pagan offenbar nicht bereit ist, einen Minor-League-Vertrag zu unterschreiben. Als Mitglied der Nationalmannschaft von Puerto Rico möchte er sich beim WBC für ein neues MLB-Engagement empfehlen.

Was für ein Catch!
Ich weiß nicht, ob Infield-Prospect Luis Guillorme es jemals in die MLB schafft, aber seinen Namen hat nun wohl jeder Baseballfan schon mal gehört und verbindet ihn mit einer Szene, die ich mir stundenlang in Endlosschleife ansehen könnte: Marlins-Shortstop Adeinys Hechavarria schwingt nach dem Ball und lässt dabei versehentlich den Schläger los. Dieser fliegt bedrohlich auf den Dugout der Mets zu, in dem mehrere Spieler hastig in Deckung gehen – nur Guillorme bleibt seelenruhig auf die Reling gelehnt stehen, fängt den Bat mit einer Hand und wirft ihn zurück zu Hechavarria. Wenn ihr das Video noch nicht gesehen habt, schaut es euch hier an.

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März 5th, 2017 by Dominik

Am morgigen Montag beginnt die Weltmeisterschaft im Baseball, der World Baseball Classic. Das Turnier findet in den kommenden zweieinhalb Wochen in vier verschiedenen Ländern statt. Deutschland hat sich nicht für den WBC qualifizieren können und die Möglichkeiten, das Turnier zu verfolgen, sind hierzulande leider sehr eingeschränkt.

Die Teilnehmer
Von den 16 teilnehmenden Mannschaften waren 12 gesetzt aufgrund ihres Abschneidens beim letzten WBC 2013: USA, Japan, Kuba, Kanada, China, Taiwan, Italien, Niederlande, Südkorea, Puerto Rico, Venezuela und der Titelverteidiger Dominikanische Republik. Die restlichen vier Plätze wurden über Qualifikationsturniere im Laufe des letzten Jahres vergeben. Deutschland bekam es dabei vor ziemlich genau einem Jahr mit Nicaragua, Tschechien und Mexiko zu tun und schied leider sang- und klanglos aus. Die Qualifikation schafften letztlich die favorisierten Mexikaner, hinzu kommen aus den anderen Qualifikationsgruppen Australien sowie die beiden erstmaligen Teilnehmer Israel und Kolumbien.

Spielorte und Turniermodus
Die Verteilung des Turniers auf vier Länder lässt Einiges an Reisestress befürchten, jedenfalls für die Teams, die zur Endrunde von Asien nach Amerika wechseln müssen. In der Vorrunde spielt zunächst jede Gruppe an einem festen Ort: Gruppe A in Seoul, Gruppe B in Tokio, Gruppe C in Guadalajara und Gruppe D in Miami. Innerhalb der Gruppe spielt jeder gegen jeden, die jeweils besten zwei Teams kommen weiter.

Die Zwischenrunde findet für die Teams aus den Gruppen A und B in Tokio und für die anderen in San Diego statt. Der Modus bleibt der gleiche wie in der Vorrunde: jeder gegen jeden, je zwei kommen weiter und zwei scheiden aus.

Die Endrunde schließlich steigt in Los Angeles. Hier spielen die Erst- und Zweitplatzierten der Zwischenrunde über Kreuz ein Halbfinale aus und die Sieger am 22. März das Finale.

Außenseiter und Favoriten
Dass die USA als Heimat des Baseballsports und der bedeutendsten Profiliga regelmäßig zu den Favoriten des WBC gehören, dürfte auf der Hand liegen. Tatsächlich sind die Amerikaner bei den drei bisherigen Turnieren aber nie über Platz vier hinausgekommen. Die erfolgreichste Baseballnation ist Japan mit zwei Weltmeistertiteln und einem dritten Platz beim letzten WBC 2013.

Japan führt auch die Weltrangliste an, gefolgt von den USA, Südkorea, Taiwan und Kuba. Dementsprechend dürfen diese fünf, hinter denen in der Liste punktemäßig eine gewisse Lücke klafft, als Favoriten des Turniers gelten.

Dass es im Baseball nicht zwangsläufig nach Rangliste läuft, zeigte sich 2013 beim letzten WBC: Gleich zwei Überraschungsteams schafften es ins Finale, in dem die Dominikanische Republik mit 3:0 die Oberhand gegen Puerto Rico behielt.

Ein nicht allzu geheimer Geheimtipp für dieses Jahr ist Venezuela, das beim letzten WBC enttäuschte und sich dieses Mal beweisen will – das Personal dafür ist mit Leuten wie Miguel Cabrera, Jose Altuve, Carlos Gonzalez, Ender Inciarte und Odubel Herrera zweifellos vorhanden. Generell dürfte die Leistungsdichte unter den 16 Teams so hoch sein, dass fast jeder jeden schlagen kann. Das gilt selbst für Kolumbien, das zum ersten Mal dabei ist, aber mit den Assen José Quintana und Julio Teheran als Startern aufwartet. Als krasser Außenseiter gilt lediglich Israel, für das bereits die Qualifikation zum Turnier eine Sensation darstellte.

Die Spieler
Ein Grund, dass die USA bei bisherigen Turnieren nicht die erwartete Rolle spielten, dürfte sein, dass für viele der amerikanischen Spieler eine von Nationalmannschaften ausgetragene Weltmeisterschaft keinen überragenden Stellenwert hat und man sich lieber auf die anstehenden 162 MLB-Spiele konzentriert. Die ganz Großen wie Clayton Kershaw, Madison Bumgarner, Mike Trout und Bryce Harper sucht man vergeblich im Kader. Trotzdem bieten die USA unter allen beteiligten Teams wohl die größte Ansammlung gestandener MLB-Profis auf: Chris Archer, Marcus Stroman, Andrew Miller, Daniel Murphy, Nolan Arenado, Giancarlo Stanton und einige mehr werden dabei sein.

Die süd- und mittelamerikanischen Mannschaften haben zwar schon rein von der Größe der Länder her nicht ganz so viele Topspieler zur Auswahl, die Ausschöpfung des Potenzials ist dafür aber meistens recht gut. Die Beispiele Venezuela und Kolumbien habe ich schon genannt, ein anderes ist Titelverteidiger Dominikanische Republik mit Akteuren wie Johnny Cueto, Jeurys Familia, Adrian Beltre, Manny Machado, Jose Bautista und Starling Marte. Etwas aus der Reihe fällt in dieser Hinsicht Kuba: Die kubanischen MLB-Profis haben ihre US-Karriere in aller Regel durch eine Flucht aus ihrer Heimat begonnen und werden in der Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt.

Bei den europäischen Vertretern Italien und Niederlande rechnet man eigentlich nicht unbedingt mit vielen MLB-Spielern, aber dank der großzügigen Handhabung der Spielberechtigung durch den internationalen Verband WBSC können beispielsweise die beiden Mets Gavin Cecchini und Brandon Nimmo für Italien spielen. Beide sind weder in Italien geboren noch haben sie die italienische Staatsbürgerschaft, aber italienische Vorfahren reichen aus, um für die Squadra Azzurra antreten zu dürfen. Europameister Niederlande kommt zugute, dass die Karibikinseln Curaçao und Aruba zum niederländischen Königreich gehören. Dem Nationalteam beschert das die Verfügbarkeit beispielsweise von Xander Bogaerts, Jurickson Profar und Kenley Jansen.

Der zweifache Weltmeister Japan setzt überwiegend auf Spieler aus der eigenen Profiliga. Namen wie Koji Uehara, Yu Darvish, Masahiro Tanaka und Kenta Maeda sucht man vergeblich und auch Supertalent Shohei Otani wird wegen einer Verletzung auf die WBC-Teilnahme verzichten. Man darf gespannt sein, wer sich dieses Mal in die Notizbücher der Scouts spielen wird.

Wie kann man den WBC sehen?
Es könnte so ein schönes und interessantes Turnier werden, wenn man nur irgendeine Möglichkeit hätte, die Spiele in bewegten Bildern zu verfolgen. Leider scheint es so zu sein, dass es diese Möglichkeit in Deutschland nicht gibt, jedenfalls nicht hundertprozentig legal und ohne technischen Aufwand. Die Spiele werden zwar auf mlb.tv übertragen, sind aber nur innerhalb der USA verfügbar. Durch Einsatz eines Proxy-Anbieters kann man diese Einschränkung vermutlich umgehen, allerdings riskiert man dadurch möglicherweise eine Kündigung seitens mlb.tv – ein Risiko, das ich für meinen Teil auf keinen Fall eingehen werde. Viel mehr als die Ergebnisse, Spielberichte und vielleicht Zusammenfassungen auf worlbaseballclassic.com zu verfolgen ist daher wohl leider nicht drin.

Kleiner Nachtrag hierzu: Immerhin kann man auf mlb.tv als Nutzer aus Deutschland ab ca. 90 Minuten nach dem Ende jedes Spiels auf die Aufzeichnung zugreifen.

Und noch ein Nachtrag: Der angekündigte Zugriff 90 Minuten nach dem Spiel scheint bislang nicht zu funktionieren. Aber es gibt Livestreams über die Facebookseite des Turniers.

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