Oktober 2nd, 2017 by Dominik

Aus, Ende, vorbei. Für zwanzig der dreißig MLB-Teams ist die Saison 2017 seit letzter Nacht abgeschlossen. Manche dieser zwanzig sind bitter enttäuscht, entweder weil sie bis kurz vor Schluss noch Playoff-Hoffnungen hatten wie die Los Angeles Angels und die Milwaukee Brewers oder weil sie im ganzen Jahr nie die selbst gesetzten Erwartungen erfüllen konnten wie zum Beispiel die New York Mets und die San Francisco Giants. Andere wie die Philadelphia Phillies oder die Chicago White Sox ziehen den Schlussstrich schneller und bereitwilliger, weil 2017 für sie ohnehin nur ein Zwischenschritt beim Neuaufbau war. Über all diese Teams wird in der kommenden Offseason noch zu reden sein, aber jetzt stehen erst mal die anderen zehn Mannschaften im Mittelpunkt: Willkommen zu den MLB-Playoffs 2017!

Morgen Nacht geht es los mit den spannendsten Spielen des bisherigen Baseballjahres, den Wild Card Games. Der Modus ist für diese Sportart extrem untypisch, denn es entscheidet jeweils ein einziges Spiel über Weiterkommen oder Ausscheiden. Das muss man nicht gut finden – tue ich auch nicht –, aber es ist zumindest insofern interessant, als es eine ganz eigene taktische Herangehensweise bedingt, insbesondere beim Pitching. Jedes der vier Teams wird seinen besten Starter ins Rennen schicken und gleichzeitig bereit sein, bei der kleinsten Schwäche zu wechseln.

New York Yankees – Minnesota Twins
Die American League macht den Anfang mit der Partie der Yankees gegen die Twins Dienstagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Beide Teams haben gemeinsam, dass sie eine überraschend starke Saison gespielt und es ziemlich unerwartet in die Playoffs geschafft haben. Die Yankees gehen als deutlicher Favorit in das Spiel, nachdem sie eine Bilanz von 91-71 aus der regulären Saison mitbringen und sich dadurch das Heimrecht gegenüber den Twins (85-77) verdient haben. Auch das Run Differential – mit +198 das zweitbeste in der AL hinter den Indians – spricht klar für die Yankees, während es die Twins nur auf +27 bringen. Von den bislang sechs direkten Aufeinandertreffen in diesem Jahr haben die Yankees vier gewonnen, darunter vor zwei Wochen die komplette Drei-Spiele-Heimserie.

Mir persönlich geht es so, dass ich bei den Yankees vor allem an die Offensiv-Power um Aaron Judge und Gary Sanchez denke, aber tatsächlich haben die New Yorker in der AL nicht nur die zweitmeisten erzielten Runs (hinter den Astros), sondern auch die zweitwenigsten zugelassenen Runs (hinter den Indians) auf dem Konto. Mit einem Starter-ERA von 3.98 und einem Bullpen-ERA von 3.34 stehen die Yankees jeweils in der Spitzengruppe, während die Twins mit Werten von 4.73 bzw. 4.40 nur unter ferner liefen auftauchen. Mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) für die Yankees und Ervin Santana (3.28 ERA, 4.46 FIP) treten beide Teams mit ihrer besten Option auf dem Mound an.

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will – ich finde kein Argument, das für die Twins spricht. Außer vielleicht, dass sie unter weitaus geringerem Erfolgsdruck stehen. Für Minnesota hat die Saison schon jetzt historischen Wert, nachdem sie es vom schlechtesten Team der gesamten MLB mit 103 Niederlagen 2016 zum Playoff-Teilnehmer 2017 gebracht haben. Die Yankees haben zwar ebenfalls bereits die Erwartungen übertroffen, aber es ist jedem klar: Wenn die Yankees in die Playoffs kommen, dann erwartet man von ihnen, dass sie um die World Series spielen.

Der Sieger des Spiels wird ab Donnerstag in der ALDS gegen die Cleveland Indians antreten. Ich tippe, dass das die Yankees sein werden, auch wenn ich Max Kepler und den Twins alle verfügbaren Daumen drücke.

Arizona Diamondbacks – Colorado Rockies
In der National League treffen ab Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) zwei Teams aufeinander, die sich sehr gut kennen. Die Diamondbacks und die Rockies teilen sich seit Jahren in der Saisonvorbereitung einen gemeinsamen Trainingskomplex und als Divisionsrivalen in der NL West haben sie dieses Jahr schon 19-mal gegeneinander gespielt. Die Bilanz sowohl dieser Begegnungen (11-8) als auch die der Saison insgesamt (93-69) spricht für die Diamondbacks, weshalb die Rockies (87-75) auswärts antreten müssen.

Wie in der AL treffen auch in der NL zwei Teams aufeinander, die nicht Viele auf der Rechnung für eine Playoff-Saison hatten. Und ähnlich wie in der AL ist die Favoritenrolle relativ eindeutig festgelegt: Das Run Differential der Diamondbacks (+153) übertrifft das der Rockies (+67) sehr deutlich. Das liegt vor allem daran, dass sie viel weniger Runs zugelassen haben (659 gegenüber 757), während bei den erzielten Runs die Rockies (824) leicht die Nase vor den Diamondbacks (812) haben. Bei beiden Werten muss man berücksichtigen, dass die Rockies die Hälfte ihrer Spiele im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga austragen. Greift man auf Statistiken mit Korrekturfaktor zurück wie wRC+ oder ERA+, so ergibt sich ein recht deutlicher Vorteil für die Diamondbacks sowohl in der Offense als auch in der Defense.

Als Starter werden die Diamondbacks in Zack Greinke (3.20 ERA, 3.31 FIP) einen der besten Pitcher der Liga aufbieten. Greinke hat in der regulären Saison unter Beweis gestellt, dass sein schwaches Jahr 2016 für ihn nicht mehr als ein statistischer Ausreißer nach unten war. Sein Gegenüber wird der deutlich unerfahrenere Jon Gray sein, dessen Werte von 3.67 ERA und 3.18 FIP aber für einen Rockies-Pitcher erstaunlich gut sind. Im Gegensatz zu den Rockies insgesamt kann man von Gray nicht behaupten, dass er gegen Saisonende nachgelassen hätte: In seinen letzten 13 Starts hat er kein einziges Mal mehr als drei Runs zugelassen.

Der Sieger wird ab Freitag in der NLDS gegen die Los Angeles Dodgers antreten. Mein Tipp lautet, dass das Spiel knapp an die Diamondbacks geht.

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September 28th, 2017 by Dominik

Fast alle Entscheidungen zur Playoff-Qualifikation sind gefallen. Einzig das zweite Wild-Card-Team der National League ist noch nicht ganz fix, aber nach dem Sieg der Colorado Rockies letzte Nacht bei gleichzeitigen Niederlagen der Milwaukee Brewers und der St. Louis Cardinals scheint die Sache auch hier relativ klar. Im letzten Grand Slam am Donnerstag der regulären Saison konzentriere ich mich heute, statt wie üblich die einzelnen Divisionen abzuklappern, komplett auf die Playoff-Teams und die anstehenden Paarungen in den Wild-Card-Spielen und den Divisional Series.

American League
Die Cleveland Indians (99-59) und die Houston Astros (98-60) haben sich beide bereits den Heimvorteil in Spiel 1, 2 und 5 der American League Divisional Series (ALDS) gesichert. Unklar ist nur noch, wer von beiden welche Serie spielt: Das Team mit der besseren Bilanz wird auf den Sieger des Wild-Card-Spiels treffen, das mit der schlechteren Bilanz auf den Sieger der AL East. Falls die Astros und die Indians sich anschließend in der American League Championship Series (ALCS) wiedersehen sollten, hat ebenfalls das Team mit der besseren Bilanz einen leichten Heimvorteil, indem es Gastgeber der Spiele 1, 2, 6 und 7 ist. Falls die Astros und die Indians die reguläre Saison mit exakt gleicher Bilanz abschließen sollten, geben die Ergebnisse des direkten Vergleichs zwischen den beiden Teams den Ausschlag; diesen haben die Indians mit 5:1 gewonnnen.

In der AL East stehen vier Spiele vor Schluss die Boston Red Sox (92-66) drei Spiele vor den New York Yankees (89-69). Das sieht gut aus für die Red Sox, allerdings müssen die Yankees nur noch gegen die Tampa Bay Rays und die Toronto Blue Jays ran, für die es längst um nichts mehr geht. Die Red Sox hingegen bekommen es noch viermal mit den Houston Astros zu tun, welche wie oben erwähnt noch um den Heimvorteil sowie darum spielen, ob sie in der ALDS gegen den schwächeren oder den stärkeren Gegner antreten müssen. Lustigerweise könnten das in jedem der beiden Fälle erneut die Red Sox sein. Falls die Red Sox und die Yankees die Saison mit identischer Bilanz abschließen sollten, wird es übrigens am Montag noch ein Entscheidungsspiel zwischen den beiden darum geben, wer die Division gewinnt und wer in das Wild-Card-Spiel muss. Gastgeber dieses Spiels wären die Yankees, weil sie den direkten Vergleich gegen die Red Sox mit 11:8 gewonnen haben.

Etwas besseres als solch ein Entscheidungsspiel zwischen Red Sox und Yankees könnte den Minnesota Twins (83-75) gar nicht passieren. Denn die Twins werden auf jeden Fall Dienstagnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) im Wild-Card-Spiel auf das unterlegene Team aus der AL East treffen. Die Twins haben letzte Nacht den Playoff-Einzug perfekt gemacht und damit ein wahrhaft historisches Comeback gefeiert: Zum ersten Mal hat sich ein Team nach einer 100-Niederlagen-Saison (genauer gesagt waren es sogar 103) im folgenden Jahr für die Postseason qualifiziert. Das ist bereits ein Riesenerfolg und alles, was für Max Kepler und Co. zusätzlich herausspringen sollte, wäre eine Sensation. Wenn der Gegner statt des vorgesehenen Ruhetages ein zusätzliches Spiel einschieben müsste, würde das die Chancen der Twins für das Wild-Card-Spiel sicher verbessern.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der ALDS folgende:

Wild-Card: New York Yankees vs. Minnesota Twins (Dienstagnacht, 2 Uhr)

ALDS 1: Houston Astros vs. Boston Red Sox (ab nächsten Donnnerstag)

ALDS 2: Cleveland Indians vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Donnnerstag)

National League
In der National League steht bereits fest, dass die Los Angeles Dodgers (102-57) auch am Saisonende die beste Bilanz aufweisen. Sie werden somit in der National League Divisional Series (NLDS) auf den Wild-Card-Sieger treffen und sowohl in der NLDS als auch in der Championship Series (NLCS) die vermeintlich günstigeren Heimspiele haben. Auch für die World Series sieht es stark nach Heimvorteil für die Dodgers aus: Selbst wenn sie auf die Indians treffen und diese in den verbleibenden vier Spielen noch die drei Spiele Rückstand auf die Dodgers aufholen sollten, würde der direkte Vergleich für die Dodgers sprechen.

Mit den Washington Nationals (95-63) und den Chicago Cubs (89-69) stehen auch die anderen beiden Divisionssieger sowie deren Rangfolge untereinander bereits fest. Es wird daher auf jeden Fall zu einer NLDS zwischen diesen beiden Teams kommen, in der die Nationals Gastgeber der Spiele 1, 2 und 5 sind.

Für die Arizona Diamondbacks (92-67) ist soweit ebenfalls alles klar: Sie spielen Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Wild-Card-Spiel der NL. Unsicher ist lediglich, gegen wen sie das tun werden. Es ist schon irgendwie witzig, dass ausgerechnet das die letzte offene Frage der Playoff-Qualifikation ist, denn nicht nur ich habe während der Saison monatelang gebetsmühlenartig wiederholt, dass es für die Diamondbacks und die Colorado Rockies (86-73) nur noch um die Vorbereitung auf das Wild-Card-Spiel geht. Es folgten ein heftiger Absturz der Rockies und ein enges Rennen gegen die Milwaukee Brewers (83-75) und die St. Louis Cardinals (82-76). Nun sieht es aber doch ganz danach aus, als hätten die Rockies gerade rechtzeitig noch mal die Kurve bekommen. Vor ihren letzten drei Spielen gegen die Dodgers beträgt die Magic Number der Rockies 2. Das heißt, jede Kombination aus insgesamt zwei Siegen der Rockies und/oder Niederlagen der Brewers bringt die Rockies ins Wild-Card-Spiel. Die Brewers spielen heute Nacht noch mal gegen die Cincinnati Reds und dann dreimal bei den Cardinals. Die haben selbst noch eine minimale Chance auf die Wild Card, müssten dazu aber heute gegen die Cubs und dann alle drei Spiele gegen die Brewers gewinnnen, während die Rockies dreimal gegen die Dodgers verlieren – und selbst dann müssten sie noch in einem Entscheidungsspiel gegen die Rockies bestehen.

Zu einem solchen „Spiel 163“ würde es kommen, wenn die Rockies und eines der anderen beiden Teams am Ende die gleiche Bilanz aufweisen. Das Spiel würde am Montag stattfinden, das Heimrecht würde sich am direkten Vergleich orientieren: Zwischen den Rockies und den Brewers würde das Spiel in Colorado stattfinden, zwischen den Cardinals und den Rockies wäre es in St. Louis.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der NLDS folgende:

Wild-Card: Arizona Diamondbacks vs. Colorado Rockies (Mittwochnacht, 2 Uhr)

NLDS 1: Washington Nationals vs. Chicago Cubs (ab nächsten Freitag)

NLDS 2: Los Angeles Dodgers vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Freitag)

Szene der Woche
Ich liebe den guten alten „hidden ball trick“ und freue mich immer tierisch, wenn er in der MLB mal erfolgreich angewendet wird. Ein besonders schönes Exemplar gelang Ryan Goins am Freitag beim Sieg seiner Blue Jays gegen Todd Frazier und die Yankees. Ich könnte mir diese Szene noch hundert Mal ansehen, ohne dass sie langweilig wird.

Statistik der Woche 
50, 204, 124. Alle drei Zahlen stammen von Yankees-Slugger Aaron Judge und sind Rookie-Rekorde. Innerhalb weniger Wochen hat Judge die Bestmarke für Neulinge in Bezug auf alle drei „true outcomes“ – Homeruns, Strikeouts und Walks – in einer Saison erhöht. Mit Homerun Nummer 49 hat er am Montag gegen die Kansas City Royals den bisherigen Rekordhalter Marc McGwire zunächst eingeholt und ihn dann noch im gleichen Spiel mit seinem 50. Homerun des Jahres hinter sich gelassen. Bereits zwei Tage zuvor gegen die Blue Jays hatte er seinen zweihundertsten Strikeout der Saison kassiert und damit Kris Bryants Rekord von 199 übertroffen. Den Rekord für die meisten Walks eines Rookies hält Judge sogar schon seit drei Wochen und hat seinen Vorgänger Les Fleming (106 Walks in seiner Rookie-Saison 1942) inzwischen weit hinter sich gelassen.

Spiel der Woche
Als ich letzte Woche die Serie zwischen den Cubs und den Brewers angepriesen habe, habe ich ausnahmsweise mal nicht zu viel versprochen – ich habe nur das falsche Spiel empfohlen, denn die Partie vom Sonntag war die einzige, die nicht hochspannend war und in Extra-Innings ging. Am sehenswertesten war meiner Ansicht nach das Spiel am Samstag. Zweimal gingen die Cubs in den späten Innings in Führung, zweimal bezwangen die Brewers Chicagos Star-Closer Wade Davis per Homerun. Zunächst war es im neunten Inning Orlando Arcia, der das Spiel durch einen Solo-Shot in die Extras schickte. Chicago antwortete im zehnten Inning prompt und ging mit einem RBI-Single von Jon Jay erneut in Führung. Wieder erhielt Davis die Chance zum Save, wieder vergab er sie und dieses Mal endgültig, denn Travis Shaws 2-Run-Homerun besiegelte den Walkoff-Sieg der Brewers. Die Brewers hatten zuvor 69-mal hintereinander verloren, wenn sie nach acht Innings zurücklagen. Und Wade Davis hatte 38 erfolgreiche Save-Gelegenheiten am Stück gehabt, bevor er in diesem Spiel einen blown Save kassierte – eigentlich sogar zwei, auch wenn die offizielle Zählweise das nicht berücksichtigt.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Partien der kommenden sieben Tage sind natürlich die Wild-Card-Spiele der NL und der AL. Da aber beide Paarungen noch nicht endgültig feststehen, bleibe ich mit meinem Einschalttipp in der regulären Saison und empfehle das Spiel zwischen den Milwaukee Brewers und den St. Louis Cardinals Freitagnacht um 2:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mindestens für die Brewers und vielleicht auch noch für die Cardinals geht es in diesem Spiel sowie im Fernduell mit den Colorado Rockies noch um alles, für den Verlierer dürfte die Saison dann allerdings gelaufen sein. Die Brewers schicken mit Chase Anderson (2.81 ERA, 3.56 FIP) ihren besten Starter ins Rennen, bei den Cardinals wird John Gant (3.65 ERA, 6.97 FIP) erst seinen zweiten Start der Saison absolvieren.

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September 21st, 2017 by Dominik

Nur noch elf Tage, dann ist die reguläre Saison 2017 der MLB vorbei. Das bedeutet noch neun bis zwölf Spiele pro Team und für die meisten Teams haben diese Spiele keine große Bedeutung mehr. Zumindest steht für sie bereits fest, ob sie an den Playoffs teilnehmen oder nicht. Je ein Divisionssieger und je ein Wild-Card-Team in jeder Liga sind aber noch offen und auf diese vier Entscheidungen konzentriere ich mich im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

National League
Haken wir schnell die National League East ab, denn hier stehen die Washington Nationals (92-59) schon lange als Sieger fest und den Rest der Division kann man dieses Jahr getrost vergessen.

Auch die NL West ist zu Gunsten der Los Angeles Dodgers (96-56) bereits klar entschieden und den Arizona Diamondbacks (88-65) ist die Wild Card auch nur theoretisch noch zu nehmen. Richtig spannend wird es aber noch für die Colorado Rockies (82-70). Sie sahen über weite Strecken der Saison wie ein weiteres sicheres Wild-Card-Team aus, doch auf der Zielgeraden ist ihnen anscheinend die Puste ausgegangen. Von den letzten zehn Spielen verloren die Rockies sieben, zuletzt drei hintereinander gegen die Kellerkinder San Diego Padres und San Francisco Giants. Der einst komfortable Vorsprung gegenüber den Milwaukee Brewers (81-71) ist dadurch auf nur noch ein einziges Spiel zusammengeschmolzen.

Die Brewers haben im Hinblick auf die Playoffs sogar noch zwei Eisen im Feuer, denn auch um den Divisionssieg in der NL Central ist die Entscheidung noch nicht gefallen: Die Chicago Cubs (84-67) liegen zwar dreieinhalb Spiele in Front, doch ab heute steht in Milwaukee eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Brewers und den Cubs an (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und danach kann die Welt in der NL Central komplett anders aussehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist freilich gering: Fangraphs beziffert die Chancen der Brewers auf den Divisionssieg auf gerade mal 2,9% und die auf eine Wild Card auch nur auf 18,7%. Mit 68,1% Wahrscheinlichkeit hingegen wird die zweite Wild Card bei den Rockies gesehen, was mir persönlich ein wenig hoch gegriffen erscheint. Zwar hat Colorado das etwas leichtere Restprogramm (Padres, Marlins, Dodgers) als die Brewers (Cubs, Reds, Cardinals), aber diese weisen derzeit die deutlich günstigere Leistungskurve auf.

American League
Die American League East ist die zweite Division der MLB, die eineinhalb Wochen vor Schluss noch nicht entschieden ist. Die Boston Red Sox (88-64) halten sich mit beeindruckender Konstanz vor den New York Yankees (85-67), obwohl diese ihnen vom Run Differential und insbesondere der Offensivstärke her statistisch deutlich überlegen sind. Aber wen interessieren schon Statistiken, wenn man wie die Red Sox derzeit einfach ein Talent dafür hat, auch höchst mittelmäßige Auftritte durch ein paar defensive Highlight-Aktionen und einen Wild-Pitch-Score im elften Inning zu gewinnen oder im neunten Inning drei Runs aufzuholen und den Gegner im fünfzehnten aus dem Stadion zu ballern (siehe „Spiel der Woche“)? Die Red Sox stehen derzeit 15-3 in Spielen mit Extra-Innings und führen in dieser Statistik deutlich die Liga an.

Die AL Central ist fest in der Hand der Cleveland Indians (95-57), die auch das Ende ihrer 22-Siege-Serie nicht aus der Fassung gebracht hat. Nach ihrer einzigen Niederlage seit einem Monat haben sie sich kurz für den aufgestellten Rekord feiern lassen und danach mit dem weiter gemacht, was sie zurzeit am besten können: Spiele gewinnen. Ihrem stärksten Konkurrenten in der Division, den Minnesota Twins (78-74) ist das zurzeit ganz recht, denn ihre beiden jüngsten Siege haben die Indians gegen die Los Angeles Angels (76-75) erzielt. Mit denen liefern sich die Twins ein Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz der AL und mit momentan eineinhalb Spielen Vorsprung hat das Überraschungsteam des Jahres derzeit die Nase vorn. Wobei der Begriff „Rennen“ vielleicht nicht ganz der richtige ist angesichts der Tatsache, das sowohl die Twins als auch die Angels zuletzt dreimal in Folge im Gleichschritt verloren haben

Neben den Angels gibt es in der AL West, deren Spitze längst zugunsten der Houston Astros (93-58) entschieden ist, mit den Texas Rangers (75-76) und den Seattle Mariners (74-78) noch zwei weitere Anwärter auf die zweite Wild Card.  Mit zweieinhalb bzw. vier Spielen Rückstand und schweren Restspielplänen sieht Fangraphs die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Mariners und die Rangers – ebenso wie für die Kansas City Royals (74-77) aus der AL Central – bei unter 5% und das scheint mir sehr realistisch.

Szene(n) der Woche
Diese Rubrik steht diese Woche unter dem Motto „MLB-Profis sind auch nur Menschen“. Als solche sind sie auch vor haarsträubenden Fehleinschätzungen nicht gefeit, was zum Beispiel Nationals-Outfielder Jayson Werth in dieser Szene unter Beweis stellte. Dass man so einen Flyball an die Wand nicht fängt, kommt schon mal vor; originell wird die Sache dadurch, dass Werth felsenfest und voller Selbstvertrauen an seinem Platz steht und auf den Ball wartet, der dann ganz woanders landet. Genauso originell war ein Call von Umpire Jordan Baker im Spiel der Cubs gegen die Cardinals vom Freitag, der nach einem glasklaren Strike bei vollem Count auf Walk entschied. Dass Pitcher John Lackey und Catcher Willson Contreras danach auf die Barrikaden gingen, brachte ihnen zurecht Platzverweise ein, aber auch ihre Reaktionen waren letztlich ganz klar: menschlich.

Statistik der Woche 
5.753. So viele Homeruns wurden dieses Jahr bisher in der MLB geschlagen. Damit ist schon eineinhalb Wochen vor Saisonende ein neuer Rekord erreicht. Die bisherige Bestmarke von 5.693 stammte aus dem Jahr 2000. Sie wurde Dienstagnacht von Alex Presley (Detroit TIgers) eingestellt und von Alex Gordon (Kansas City Royals) mit Nummer 5.694 übertroffen. Den größten Beitrag zum Rekord hat Giancarlo Stanton geleistet, der die Liga mit bislang 56 Homeruns in diesem Jahr anführt. Die meisten Homeruns als Team haben die Baltimore Orioles mit 227 erzielt.

Spiel der Woche
Wie weiter oben schon erwähnt, überzeugen die Boston Red Sox momentan vor allem dadurch, dass sie Mittel und Wege finden, auch nach schwachen Auftritten den Platz als Sieger zu verlassen. Ein Paradebeispiel dafür war die Partie gegen die Tampa Bay Rays am Freitag: In einem der schwächeren Starts von Chris Sale gingen die Red Sox zwar im ersten und im vierten Inning knapp in Führung, gerieten dann aber bis nach dem achten Inning 2:5 ins Hintertreffen, unter anderem durch zwei Homeruns von Tampas Wilson Ramos. Irgendwie gelang es Boston gegen Rays-Closer Alex Colome mit Hilfe von einem Walk, einem Wild Pitch, einem Error und ein paar Hits auf 5:5 auszugleichen. Vier scorelose Innings später gelang den Red Sox mit einem Single von Rafael Devers die Führung, doch Kevin Kiermaier wollte das Spiel im Namen der Rays nicht hergeben: Zuerst besorgte der Centerfielder das dritte Aus, indem er Mitch Moreland an der dritten Base auswarf, dann schlug er einen Solo-Homerun zum erneuten Ausgleich. Im fünfzehnten Inning sah ein Ball auf Tampas 2B Brad Miller stark nach Doubleplay aus, doch Miller bekam ihn nicht in den Griff und Jackie Bradley Jr. scorte das 7:6. Dann brachen plötzlich alle Dämmme und die Red Sox zogen auf den 13:6-Endstand davon. In dem sechs Stunden und fünf Minuten langen Spiel gab es insgesamt sechs Führungswechsel und 37 Strikeouts, davon 24 gegen die Rays.

Spiel der kommenden Woche
Realistisch betrachtet gibt es sieben Teams, für die es ernsthaft noch um etwas geht in dieser Saison, also darum ob und auf welchem Weg (Divisionssieg oder Wild Card) sie die Playoffs erreichen: die Red Sox, die Yankees, die Twins, die Angels, die Cubs, die Brewers und die Rockies. Nur in einer einzigen Serie spielen dieses Jahr noch zwei Teams aus dieser Reihe direkt gegeneinander. Daher ist diese von heute bis Sonntag laufende Serie zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs ganz klar mein Einschaltipp der Woche. Für beide Teams geht es, wie oben beschrieben, sowohl um den Divisionssieg als auch – falls selbiger verpasst wird – um eine Wild Card, die man zunächst den Colorado Rockies abjagen müsste. Holen die Cubs mindestens zwei der vier Spiele, so sind sie wohl durch als Vertreter der NL Central. In jedem anderen Fall wird es für sie eine extrem heiße letzte Woche. Da es sich von der Startzeit um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit her anbietet und auch das voraussichtliche Pitcherduell zwischen José Quintana (4.27 ERA, 3.87 FIP) und Chase Anderson (2.74 ERA, 3.58 FIP) reizvoll erscheint, empfehle ich aus der Serie konkret die Partie am Sonntag. Anderson ließ übrigens bei seinem letzten Start gegen die Cubs nur einen Hit in fünf Innings zu und wurde nach 67 Pitches zur Schonung ausgewechselt, weil die Brewers bereits 14:0 führten.

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Juni 15th, 2017 by Dominik

Im Mittelpunkt des Geschehens der MLB stand in den letzten drei Tagen die Draft, die mit einem überraschenden Pick der Minnesota Twins begann (siehe „Szene der Woche“). Gleichzeitig lief auch der normale Spielbetrieb. Am Tabellenbild der Divisionen hat sich gegenüber letzter Woche wenig geändert, abgesehen davon dass im hochkarätigen Dreikampf der NL West zur Abwechslung mal die Dodgers knapp die Nase vorn haben. Interessant ist der Blick auf die Wild-Card-Stände der beiden Ligen: In der AL würden momentan beide Wild Cards an die AL East gehen, doch im Rennen sind ausnahmslos noch alle Teams, selbst die Oakland Athletics mit dem höchsten Rückstand von 6.5 Spielen. In der NL hingegen scheint die Sache relativ früh in der Saison so gut wie entschieden. Auch hier würden die Plätze zurzeit beide an eine Division – die NL West – gehen und das mit sehr deutlichem Abstand: Mit 8.0 Spielen sind die Chicago Cubs als erster Verfolger in der NL schon weiter weg von den Wild Cards als die Athletics als letzter Verfolger in der AL, die meisten NL-Teams weisen bereits einen zweistelligen Rückstand auf.

National League
In der National League East knüpfen die Washington Nationals (39-26) nahtlos an ihre bisherige Saison an: Mit starkem Starting Pitching und hervorragender Offensive halten Sie sich unangefochten in der Division, während ihr mieser Bullpen dafür sorgt, dass die Spiele spannend bleiben und wenigstens ab und zu auch mal verloren werden. Mit gehörigem Abstand folgt der Rest der NL East, zurzeit angeführt von den New York Mets (30-34), die in den letzten Tagen ordentlich Kapital aus der Rückkehr der lange verletzten Steven Matz, Seth Lugo und Yoenis Cespedes geschlagen haben. Mit Neil Walker und Asdrubal Cabrera gibt es aber schon wieder zwei neue Verletzte und auch Matt Harveys Arm soll noch einmal untersucht werden, nachdem er letzte Nacht bei einem schwachen Start in Chicago über ein unangenehmes Gefühl in selbigem klagte. Das bedauernswerteste Team der Liga sind unterdessen die Philadelphia Phillies (21-43), die mit Abstand die schlechteste Bilanz der MLB aufweisen und zuletzt acht Niederlagen in Folge erlitten haben.

Die Milwaukee Brewers (35-32) halten in der NL Central nach wie vor die Chicago Cubs (32-33) auf Distanz. Die Cubs kommen einfach nicht in Tritt, haben diese Woche sowohl die Heimserie gegen die Colorado Rockies als auch die Auswärtsserie bei den New York Mets verloren. Sie können von Glück sagen, dass sie in einer der zurzeit schwächsten Divisionen der MLB spielen, ansonsten wäre der Zug in Richtung Playoffs wohl schon so gut wie abgefahren. So aber befinden sich die Cubs nach wie vor in Lauerstellung und benötigen – ebenso wie die St. Louis Cardinals (30-34) und vielleicht sogar die Pittsburgh Pirates (30-36) – nur ein paar starke Spiele, um wieder voll im Rennen zu sein. Genauso schnell kann man aber auch nach unten durchgereicht werden, wie die Cincinnati Reds (29-36) gerade mit sechs Niederlagen am Stück am eigenen Leib erfahren haben.

In der MLB gibt es zurzeit vier Teams mit über 40 Saisonsiegen – drei davon spielen in der NL West. Das sagt eigentlich schon alles über die Stärke dieser Division, die wie eingangs erwähnt wahrscheinlich beide Wild Cards der NL erobern wird. Das heißt natürlich nicht, dass die Mitglieder des Triumvirats – die Los Angeles Dodgers (41-25), die Colorado Rockies (42-26) und die Arizona Diamondbacks (41-26) – sich auf dieser Position ausruhen können, denn nur der Erstplatzierte zieht direkt in die „richtigen“ Playoffs ein, während zwischen den Wild-Card-Teams ein einzelnes Spiel über Ausscheiden oder Weiterkommen entscheidet. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass der letzte Sieger im NL-Wild-Card-Spiel die San Francisco Giants (26-41) waren? Das scheint Ewigkeiten her, wenn man zurzeit das (von Madison Bumgarners Verletzung abgesehen) kaum veränderte, aber komplett implodierte Team sieht, das nach sieben Niederlagen in den letzten zehn Spielen sogar wieder hinter die San Diego Padres (27-40) gerutscht ist.

American League
In der American League East geben die New York Yankees (38-25) den Ton an. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich mir die Statistiken ansehen und feststelle, dass die Yankees nicht nur von ihrer spektakulären Offense um Rookie Aaron Judge leben, sondern auch im Pitching Top-Werte aufweisen. Zumindest die Starter fliegen für mich immer ein bisschen unter dem Radar, weisen aber immerhin die sechstwenigsten erlaubten Runs (3.93 ERA) der MLB auf. Das Run Differential der Yankees (+114) führt die Liga an mit 12 Runs Vorsprung auf die Houston Astros. Nach fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen halten die Boston Red Sox (37-28) den Kontakt zur Spitze, welchen die Baltimore Orioles (32-32) nach einer Serie von sechs Niederlagen derzeit verloren haben. Dazwischen haben sich heimlich, still und leise die Tampa Bay Rays (35-33) geschoben, die momentan den zweiten Wild-Card-Platz der AL einnehmen.

Die AL Central sieht der NL Central sehr ähnlich: Auch hier sind die Teams relativ eng beisammen und auch hier liegt mit den Minnesota Twins (33-29) ein Überraschungsteam vor dem letztjährigen World-Series-Teilnehmer Cleveland Indians (31-31). Und – auch das ist eine Parallele zur NL Central – die Formkurve fast aller Teams der Division weist eher nach unten. Einzig die Kansas City Royals (30-34) weisen aus den letzten zehn Spielen eine positive Bilanz auf, sie befinden sich auf einer Serie von zurzeit vier Siegen in Folge. Allerdings hatten sie auch das Glück, dass ihre Gegner dabei die San Diego Padres und die San Francisco Giants waren.

Kommen wir zu guter Letzt zum immer noch erfolgreichsten Team der Saison, den Houston Astros (45-22). Seit dem Ende ihrer Serie von elf Siegen haben die Astros nur drei von neun Spielen gewonnen, aber ihr Vorsprung in der AL West ist mehr als komfortabel genug, um solch eine Phase zu überstehen, ohne sich allzu große Sorgen zu machen. Was allerdings durchaus Sorgen verursacht, sind die zunehmenden Verletzungen: Mit Dallas Keuchel, Charlie Morton und nun Lance McCullers sind schon drei Starter auf der DL und Outfielder Josh Reddick erholt sich noch von der Gehirnerschütterung, die er beim Crash in die Mauer während eines Fangversuchs erlitten hat. Ernstzunehmende Verfolger haben die Astros nach wie vor nicht, am nächsten dran sind die Los Angeles Angels (35-34) mit elf Spielen Rückstand, alle anderen Teams der Division stehen unter .500.

Szene der Woche
Der wichtigste Moment der MLB-Woche war der erste Pick der Draft in der Nacht von Montag auf Dienstag. Entgegen der deutlichen Mehrzahl aller Spekulationen entschieden sich die Minnesota Twins weder für den hochgelobten Highschool-Pitcher Hunter Greene noch für einen der Collegespieler, denen man einen schnelleren Übergang in die MLB zutraute. Stattdessen wählten sie einen anderen direkt aus der Highschool kommenden Spieler, Shortstop Royce Lewis. Lewis war zwar ebenfalls als hoher Pick prognostiziert, doch dass er vor Greene gewählt würde, hatte kaum jemand vorhergesagt. Greene ging an Nummer zwei zu den Cincinnati Reds, der andere Favorit auf den Top-Pick, Louisvilles Brandon McKay, wurde erst als Vierter von den Tampa Bay Rays gepickt. Offenbar spielten bei den Picks auch finanzielle Erwägungen eine Rolle: Die Teams dürfen für die gedrafteten Spieler bestimmte nach Draftposition gestaffelte Höchstsummen ausgeben. Den Twins wird nachgesagt, dass ihnen kein Spieler die volle Höhe von 7.770.700 Dollar wert war. Deshalb entschieden sie sich für einen, der Ihnen vorab signalisierte, sich mit weniger zufrieden zu geben.

Statistik der Woche 
28. So viele Hits erzielten die Minnesota Twins Dienstagnacht beim 20:7 gegen die Seattle Mariners. Das war ein Franchise-Rekord und gleichzeitig MLB-weit das Spiel mit den meisten Hits eines Teams seit 2007. Den größten Beitrag zum offensiven Feuerwerk leisteten Eddie Rosario mit vier Hits, davon drei Homeruns, und Eduardo Escobar mit fünf Hits. Auch unser Lokalmatador Max Kepler hatte ordentlichen Anteil am Erfolg mit drei Hits, darunter ein Solo-Homerun, und einem Walk.

Spiel der Woche
Zwischen den Detroit Tigers und den Arizona Diamondbacks sah es Dienstagnacht nach einer klaren Angelegenheit aus: Die Diamondbacks beendeten den Tag von Tigers-Starter Buck Farmer nach nur zweieindrittel Innings mit neun Hits und sechs Runs, darunter Homeruns von Brandon Drury und Paul Goldschmidt. Auf der anderen Seite cruiste Zack Greinke durch fünf Innings mit nur zwei Hits und einem Walk. Doch im sechsten Inning bekamen Greinke und seine Defense plötzlich Probleme und kassierten sechs Runs zum Ausgleich – fünf davon „unearned“, weil ein schlechter Wurf von Drury und ein misslungener Catch von David Peralta dazu beitrugen, dass die Tigers in diesem Inning elf Runner an die Platte schicken und sechs Hits erzielen konnten. Ausgerechnet Peralta, der in der Outfield-Defense mehrere schwache Szenen hatte, sorgte schließlich doch noch für ein Happy End aus Sicht der Diamondbacks, indem er per Solo-Homer im neunten Inning das letztlich entscheidende 7:6 für Arizona erzielte.

Spiel der kommenden Woche
Die momentan größte Attraktion der Liga ist der Dreikampf um die NL West. Deshalb ist mein Einschalttipp für nächste Woche die Serie der Arizona Diamondbacks bei den Colorado Rockies. Konkret empfehle ich die Partie Mittwochnacht um 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Auf dem Mound stehen dann voraussichtlich zwei Pitcher, die zurzeit in hervorragender Form sind: für Arizona Taijuan Walker (ERA 3.32, in den letzten drei Spielen 2.12) und für Colorado Jeff Hoffman (ERA 2.33, in den letzten drei Spielen 1.33).

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Oktober 6th, 2016 by Dominik

Im Grand Slam am Donnerstag dreht sich dieses Mal wenig überraschend alles um die Playoffs der MLB. Ich blicke auf die beiden bevorstehenden Divisional-Serien und gebe meine Tipps dazu ab. Außerdem schaue ich zurück auf die zwei großartigen Wild-Card-Duelle, die mich einen Großteil der beiden vergangenen Nächte gekostet haben, aber jede Minute davon wert waren.

American League
Die American League wird heute Nacht vorlegen mit den ersten Spielen der beiden Divisional-Serien. Als Erstes treffen um 22:30 Uhr unserer Zeit die Toronto Blue Jays und die Texas Rangers aufeinander, angeführt von Marco Estrada (3.48 ERA) und Cole Hamels (3.32 ERA). Obwohl der #1-Seed (Texas) gegen das Wild-Card-Team (Toronto) antritt, sehe ich diese Serie als ziemlich ausgeglichen an. Tatsächlich frage ich mich nach wie vor, wie ein Team, das offensiv wie defensiv eher mittelmäßige Zahlen produziert, die Saison mit der besten Bilanz der AL abschließen konnte. Einer Antwort kann man sich über das übermäßig erfolgreiche Abschneiden der Rangers in knappen Spielen annähern. Dabei spielten mit Sicherheit Taktik, Erfahrung und Selbstvertrauen eine Rolle, mindestens ebenso sicher aber auch eine gehörige Portion Glück. Worauf ich hinaus will ist, dass die Rangers sicher keine Übermannschaft sind. Zumindest im Pitching dürften die Blue Jays sogar überlegen sein. Mein Tipp ist, dass es eine ganz enge Serie wird, in der die Rangers am Ende dank des Heimrechts und dank ihrer Nervenstärke im entscheidenden Spiel die Oberhand behalten.

Um 2 Uhr heute Nacht beginnt die zweite Divisional-Serie der AL mit dem ersten Spiel zwischen den Boston Red Sox um Rick Porcello (3.15 ERA) und den Cleveland Indians mit Trevor Bauer (4.26 ERA). Diese Serie schätze ich als weniger knapp ein, die Red Sox sind in meinen Augen klarer Favorit. Das fußt zum einen darauf, dass Boston schon das ganze Jahr über das offensive Powerhouse der Liga ist, zum anderen darauf, dass auch das Pitching der Red Sox im Laufe der Saison immer besser wurde, während auf der anderen Seite das der Indians durch Verletzungen stark gebeutelt wurde und entsprechend nachgelassen hat. Zur Illustration: Bis zum All-Star-Break hatten die Indians in der AL die wenigsten Runs (355) zugelassen, die Red Sox hingegen die fünftmeisten (424). Nach dem All-Star-Break hingegen hat Boston mit Abstand die wenigsten Runs (270) erlaubt, während Cleveland (321) nur noch im Mittelfeld landet. Man kann diese sehr oberflächliche Darstellung über diverse fortgeschrittene Statistiken durchdeklinieren, das Ergebnis ist immer, dass die Red Sox nicht mehr nur offensiv sondern seit einigen Monaten auch defensiv den Indians überlegen sind. Meine Erwartung ist daher ein deutlicher Seriengewinn der Red Sox.

National League
In der National League fand das Wild-Card-Spiel einen Tag später statt als in der American League, deshalb beginnen auch die Divisional-Serien einen Tag später. Los geht es morgen um 23:30 Uhr unserer Zeit mit den Los Angeles Dodgers bei den Washington Nationals. Wer letzte Nacht Bumgarner gegen Syndergaard genossen hat, der darf sich jetzt schon auf den nächsten Leckerbissen freuen, denn das Duell des Auftaktspiels lautet Ian Kershaw (1.69 ERA) gegen Max Scherzer (2.96 ERA). Den Zahlen nach geht Kershaw als leichter Favorit in die Partie und als leichten Favoriten sehe ich auch seine Dodgers in der gesamten Serie. Bei den Nationals bleibt abzuwarten, wie sie die Verletzungen von Wilson Ramos und Stephen Strasburg verkraften und wie fit die Angeschlagenen Daniel Murphy und Bryce Harper sein werden.

Als letzte Divisional-Serie der diesjährigen Playoffs startet morgen Nacht um 3 Uhr das Kräftemessen zwischen den Chicago Cubs und den San Francisco Giants, ebenfalls mit einem attraktiven Pitching-Matchup zwischen Jon Lester (2.44 ERA) und Johnny Cueto (2.79). Für einen Erfolg der Giants in dieser Serie sprechen zwei Faktoren: Madison Bumgarner sowie der Umstand, dass die Giants in diesem Jahrzehnt offenbar ein Abo auf Meisterschaften in den geraden Jahren haben. Für einen Erfolg der Cubs spricht hingegen so ziemlich alles Andere. Wenn man nun bedenkt, dass Bumgarner nach dem Wild-Card-Spiel aller Voraussicht nach nur für eine der bis zu fünf NLDS-Partien zur Verfügung steht und es sich bei der „even year magic“ um nicht mehr als einen spaßigen Aberglauben handelt, sieht es für mich ganz stark nach einer klaren Angelegenheit für Chicago aus.

Spielzug der Woche
Die Ehre des Spielzugs der Woche haben dieses Mal zwei vergleichbare Aktionen aus verschiedenen Spielen gleichermaßen verdient: Beide Wild-Card-Spiele wurden erst im letzten Inning (in Toronto im elften, in New York im neunten) entschieden und in beiden war es ein 3-Run-Homerun, der die Waage zum Kippen brachte. Die Plays der Woche sind somit die Homeruns von Edwin Encarnacion und von Conor Gillaspie.

Statistik der Woche
23. Das ist die Anzahl scoreloser Innings, die Madison Bumgarner in Postseason-Spielen hintereinander absolviert hat – den Complete-Game-Shutout gegen die Mets von letzter Nacht mitgerechnet. Betrachtet man die Giants insgesamt, so haben diese von Spiel 3 der NLDS des Jahres 2012 bis zum gestrigen Wild-Card-Spiel nun neun Spiele in Folge gewonnen, bei denen sie im Falle einer Niederlage ausgeschieden wären.

Spiel der Woche
Auch beim Spiel der Woche entscheide ich mich nicht für eines, denn die Wild-Card-Spiele waren beide äußerst sehenswert und an Spannung nicht zu überbieten. Zwischen Toronto und Baltimore stand es bis ins elfte Inning 2:2, zwischen New York und San Francisco bis ins neunte 0:0, die jeweiligen Enden habe ich schon oben als Spielzüge der Woche erwähnt. In beiden Fällen stand hinterher ein prominenter Relieve Pitcher im Mittelpunkt der Analysen und Kritiken: Bei den Mets wiederholte sich die Geschichte aus dem letzten Jahr, dass Closer Jeurys Familia in der Postseason nicht an seine Leistungen aus der regulären Saison anknüpfen konnte. Er ließ zuerst zwei Baserunner und dann den entscheidenden Homerun in einem ansonsten von hervorragendem Pitching auf beiden Seiten geprägten Spiel zu. Der andere Verlierer der Wild-Card-Runde, die Orioles, ernteten hingegen Kopfschütteln dafür, dass sie in Zach Britton den wohl besten Reliever der Liga elf Innings lang auf der Bank ließen. Klar, man hätte Britton irgendwann ab dem achten Inning für ein, zwei Innings bringen können, vielleicht hätte man ihn im elften Inning bei Scoring Position und nur einem Aus sogar bringen müssen. Ich kann allerdings Manager Buck Showalter verstehen, dass er davor zurück schreckte, im Auswärtsspiel seinen Closer zu verheizen, ohne selbst in Führung zu liegen. Hätte er das getan und dann verloren, wäre das Geschrei mindestens genauso groß gewesen.

Spiel der kommenden Woche
Diese Kategorie ist während der regulären Saison als Einschalttipp gedacht, aber in den Playoffs ist natürlich jedes Spiel hochinteressant und relevant und ich kann nur jedem Baseballfan empfehlen, sich so viele wie möglich davon anzuschauen. Dennoch möchte ich ein Spiel hervorheben und zwar das erste Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Texas Rangers heute Nacht. Ich schätze, so ziemlich jeder neutrale Fan sowie jeder Anhänger eines der beiden Teams hat sich gewünscht, dass sich dieses Aufeinandertreffen aus dem letzten Jahr wiederholt und tatsächlich ist es so gekommen. Denn seit der ALDS 2015 verbindet die beiden Teams eine (hoffentlich) gesunde Rivalität, zu deren Sinnbild der legendäre Batflip von José Bautista wurde. Ich bin gespannt, wie Spieler und Fans das Wiedersehen aufnehmen. Von mir aus darf es gern ein bisschen hitzig werden, aber bitte ohne Gewalt.

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Oktober 3rd, 2016 by Dominik

Irgendwie ist es schon seltsam, dass man sich 162 Spiele lang abrackert, um an einem einzigen Spiel teilzunehmen, bei dem der Verlierer direkt ausscheidet. Baseball ist grundsätzlich auf Serien ausgelegt und darauf, den längeren Atem zu beweisen. Dass man auch mal zwei Spiele gewinnen oder verlieren und das Ruder dann trotzdem noch herumgerissen werden kann, macht in meinen Augen einen Teil des Reizes der Playoffs aus. Deshalb bin ich kein Freund des aktuellen Wild-Card-Modus, dass sich zwei Teams für ein One-Game-Playoff qualifizieren, in dem es für beide um Alles oder Nichts geht.

Das wollte ich nur kurz mal loswerden, aber der Modus ist nunmal so wie er ist und natürlich bin ich auch froh, dass unter anderen meinen Mets überhaupt trotz des deutlich verpassten Divisionssieges noch ein Weg durch die Postseason offen steht.

Toronto Blue Jays – Baltimore Orioles
Dienstagnacht um 2:08 Uhr unserer Zeit macht die American League den Anfang mit dem Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Baltimore Orioles. Da beide Teams aus der über weite Strecken der Saison heiß umkämpften AL East kommen, kennen sie sich bereits in- und auswendig. In den 19 Spielen, die sie dieses Jahr gegeinander absolviert haben, gewannen zehnmal die Blue Jays und neunmal die Orioles, von den Spielen in Toronto gingen sechs für die Blue Jays aus und vier für die Orioles. Beide haben identische Bilanzen von 89-73 in der Gesamtsaison und 11-9 in den letzten 20 Spielen.

Die Blue Jays gehen für mich als leichter Favorit in das Spiel. Dafür spricht neben dem Heimvorteil das deutlich günstigere Run Differential von Toronto (+93 gegenüber +29), welches seine Ursache vor allem im besseren Starting Pitching der Blue Jays hat. Deren Starter brachten es während der Saison auf einen ERA von 3.64 und damit Rang 1 in der AL, die der Orioles hingegen nur auf 4.72 und Platz neun. Andererseits haben die Orioles mit Zach Britton (47/47 Saves, 0.54 ERA) den wohl besten Reliever der Liga in ihren Reihen. In der Offense nehmen die Teams sich kaum etwas, sie haben ungefähr gleich viele Runs erzielt und gehören beide zu den homerunfreudigsten Mannschaften der Liga.

Ihren besten Starter haben die Blue Jays mit Aaron Sanchez bereits für das letzte Regular-Season-Spiel verbraucht, daher wird Marcus Stroman (4.37 ERA, 3.71 FIP) starten und sich Chris Tillman (3.77 ERA, 4.23 FIP) gegenüber sehen. Je nachdem, ob man eher an ERA oder an FIP glaubt, ist der eine oder der andere Pitcher im Vorteil. Stroman sah dieses Jahr gegen die Orioles nicht besonders gut aus (4 Starts, 23 IP, 18 ER, 7.04 ERA), Chris Tillman gegen die Blue Jays hingegen ganz ordentlich (4 Starts, 22.1 IP, 9 ER, 3.63 ERA).

New York Mets – San Francisco Giants
Das Wild-Card-Spiel der National League folgt Mittwochnacht, ebenfalls um 2:08 Uhr unserer Zeit. Mit den New York Mets und den San Francisco Giants treffen auch hier zwei Teams mit einigen Gemeinsamkeiten aufeinander. Beide leben vor allem von starkem Pitching, welches aus dem unterdurchschnittlichen Scoring der jeweiligen Offense positive Bilanzen gezaubert hat. Beide landeten am Ende bei 87-75, allerdings mit sehr unterschiedlichem Saisonverlauf: Die Giants waren bis zum All-Star-Break das erfolgreichste Team der Liga, danach hingegen das zweitschlechteste. Mit vier Siegen zum Abschluss haben sie gerade noch die Kurve bekommen, um die Playoffteilnahme nicht zu verspielen. Die Mets hingegen standen am 15. August noch bei 59-59 und hatten die Saison schon fast als Misserfolg abgehakt, bevor sie einen siebenwöchigen Endspurt hinlegen, während dem ihre 28-16-Bilanz nur von den Chicago Cubs übertroffen wurde. Im direkten Vergleich haben die Mets dieses Jahr gegen die Giants vier Spiele gewonnen und drei verloren.

Das Pitcherduell am Mittwoch lässt das Herz jedes Baseballfans höher schlagen: Noah Syndergaard wird auf Madison Bumgarner treffen. Nach ERA sind das mit 2.60 respektive 2.74 die beiden besten Pitcher, die nicht bei den Cubs spielen. Nach anderen Werten (2.29 FIP, 6.5 fWAR) ist Syndergaard sogar der beste Pitcher der Liga und Bumgarner (3.24 FIP, 4.9 fWAR) zumindest in den Top-10. Bei früheren Aufeinandertreffen der Mets und der Giants in diesem Jahr sahen sowohl Bumgarner (2 Starts, 11 IP, 4 ER, 3.27 ERA) als auch Syndergaard (2 Starts, 13.2 IP, 4 ER, 2.63 ERA) gut aus.

Ich halte auch in diesem Spiel das Heimteam für leicht favorisiert, aber da spielt zugegebenermaßen die Fanbrille eine gewisse Rolle. Ich sehe jedenfalls einer langen Nacht von Mittwoch auf Donnerstag entgegen, denn das wird eines der Spiele, bei denen für mich eine Aufzeichnung oder gar Zusammenfassung keine Alternative zur Liveübertragung darstellt.

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September 22nd, 2016 by Dominik

Während wir in Deutschland zwei Tage vor dem Beginn der Meisterschaftsserie stehen, ist die MLB noch nicht ganz so weit, aber auch hier steigt die Spannung mit jedem Tag. Heute in zwei Wochen finden bereits die ersten Spiele der Divisional Championships der American League statt, bis dahin werden alle Entscheidungen über die Playoffteilnehmer gefallen sein – einschließlich der Wild-Card-Spiele und möglicherweise einer zusätzlichen Tie-Break-Runde. Dass es zu Letzterer kommt, scheint momentan durchaus möglich, deswegen habe ich mich etwas näher damit beschäftigt, wie ein solcher Tie-Breaker ablaufen wird. Mehr dazu im Abschnitt über die National League.

American League
Beim Blick auf die American League hat es schon Tradition, dass ich mich zu allererst darüber auslasse, wie spannend es in der AL East zugeht und dass hier bis zum letzten Tag um den Divisionstitel gerungen wird. Schluss damit, aus, vorbei! Die Boston Red Sox (88-64) werden diese Division gewinnen. Nach sieben Siegen in Folge – darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die New York Yankees (79-72) und Erfolge in den ersten drei von vier gegen die Baltimore Orioles (82-70) – liegen die Red Sox nun fünf Spiele vor den Toronto Blue Jays (83-69). Fangraphs sieht die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort oben bleiben, mittlerweile bei 98% und das erscheint mir sehr realistisch. Die Red Sox komplettieren damit das Feld der AL-Divisionssieger neben den Cleveland Indians (88-63) und den Texas Rangers (90-63). In die Playoffs geht Boston für mich als Favorit auf die World-Series-Teilnahme. Dafür spricht zum einen ihr überragendes Run Differential, das darin wurzelt, dass nicht nur die Offense aus allen Rohren feuert sondern spätestens seit dem All-Star-Break auch die Pitcher einen sehr respektablen Job machen. Hinzu kommt, dass die Red Sox aus der ausgeglichensten und stärksten Division kommen, sodass der Druck in den Playoffs für sie nichts Neues ist.

Kommen wir zum Wild-Card-Rennen der AL. Hier sah es lange danach aus, dass auf diesem Weg zwei weitere Teams aus der starken AL East den Weg in die Playoffs finden und das ist momentan auch noch aktuell: Die Toronto Blue Jays (83-69) hätten zurzeit das Heimrecht im Wild-Card-Game und würden dabei auf die Baltimore Orioles (82-70) treffen. Allerdings nehmen sich die beiden noch in drei der zehn verbleibenden Spielen auf jeden Fall gegenseitig Punkte weg und das öffnet die Tür für die Detroit Tigers (80-70) und die Houston Astros (81-71), die jeweils nur ein Spiel hinter den Orioles und zwei hinter den Blue Jays liegen. Selbst die Seattle Mariners (80-72) sind noch nicht ganz draußen, wenngleich sie in der letzten Woche mit verlorenen Serien gegen die Astros und die Blue Jays wohl ihre beste Gelegenheit verpasst haben. Vom Restprogramm her sehe ich die Tigers leicht favorisiert, weil sie als einzige keine Serie gegen einen direkten Konkurrenten um die WC-Plätze absolvieren müssen. Mit den Kansas City Royals und den Cleveland Indians warten allerdings auch auf sie noch zwei dicke Brocken.

National League
In der National League sind die Divisionssieger ja schon länger klar, ich zähle die Washington Nationals (89-63), die Chicago Cubs (97-55) und die Los Angeles Dodgers (86-66) hier lediglich als Merkposten auf. Dass die Cubs diese Saison der große Favorit sind, muss man wohl auch nicht mehr erwähnen. Wenn sie Glück haben, spielen ihnen sogar die Wild-Card-Teams noch in besonderem Maße in die Hände, denn wenn es unter diesen zusätzliche Tie-Break-Spiele geben sollte, können die Cubs gemütlich zuschauen, während ihre nächsten Gegner sich dabei verausgaben und ihre besten Pitcher verheizen.

Würde die Saison heute enden, wäre tatsächlich eine erweiterte Wild-Card-Runde nötig, denn die New York Mets, die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals stehen allesamt bei einer Bilanz von 80-72 und damit schon den zweiten Tag in Folge exakt gleichauf. Noch hat jeder zehn Spiele vor sich und somit reichlich Gelegenheit, sich ein oder zwei Spiele von den Konkurrenten abzusetzen, aber was passiert, wenn auch in eineinhalb Wochen zwei oder drei Teams die gleiche Bilanz aufweisen?

Der einfachste Fall wäre, wenn zwei Teams mit gleicher Bilanz die beiden Wild-Card-Plätze belegen. Es ginge dann „nur“ um das Heimrecht und das bekäme die Mannschaft mit dem besseren direkten Vergleich oder – wenn auch hier Gleichstand herrscht – mit der besseren Bilanz innerhalb der eigenen Division.

Wenn zwei Teams gleichauf stehen und es um den zweiten Wild-Card-Platz geht, gibt es ein Entscheidungsspiel direkt nach Saisonende, also am Montag, den 3. Oktober. Das Heimrecht in diesem Spiel entscheidet sich nach den oben genannten Regeln.

Stehen so wie heute drei Teams gleichauf für zwei Wild-Card-Plätze, dann wird es ein bisschen kompliziert. Ihr könnt auf mlb.com die Details nachlesen, im Endeffekt würde es jedenfalls auf eine Wild-Card-Runde mit drei Spielen hinauslaufen. Dabei würden wahrscheinlich zunächst am Montag St. Louis und New York aufeinandertreffen. Der Verlierer würde dann am Dienstag gegen San Francisco spielen. Die Sieger aus beiden Spielen würden sich am Mittwoch zum offiziellen Wild-Card-Spiel treffen und entscheiden, wer ab Freitag die Divisional-Serie gegen die Cubs spielen darf.

Stehen drei Teams gleichauf für den zweiten Wild-Card-Platz (was in der AL passieren könnte), dann ist das Verfahren ähnlich. Auch hier gäbe es zwei Tie-Breaker-Spiele, allerdings wäre der Verlierer des ersten Spiels draußen und der Gewinner würde im zweiten Spiel gegen die dritte Mannschaft darum spielen, wer im eigentlichen Wild-Card-Spiel auf das bereits qualifizierte Team trifft.

Spielzug der Woche
Die Texas Rangers sind 36-11 in One-Run-Games. Wie kommt man zu so einer Bilanz? Mit starken Nerven, mit etwas Glück und mit solchen Aktionen wie der von Pitcher Nick Martinez beim 5:4-Sieg gegen die Los Angeles Angels. Was für ein Catch! Oder, um es mit Adrian Beltre (ganz unten in dem verlinkten Artikel) zu sagen: Wow!

Statistik der Woche
45. Das ist die Anzahl von MLB-Spielen in der jungen Karriere von Gary Sanchez. Das Besondere daran ist, dass der 23-Jährige Yankee in diesen 45 Spielen 19 Homeruns geschlagen hat, was ein wirklich historischer Rekord ist: Der zweitschnellste Spieler der MLB-Geschichte, der 19 Homeruns erzielt hat, war Wally Berger im Jahr 1930 – in 51 Spielen. Sanchez steht nun bei einer OPS von 1.157 und ist trotz seiner verhältnismäßig kurzen Zeit in den Big Leagues wohl Top-Favorit auf die Auszeichnung als Rookie of the Year.

Spiel der Woche
Die Red Sox haben die Yankees geschlagen. Das kam dieses Jahr öfter vor, allein 4-mal hintereinander in der letzten Woche und insgesamt schon 11-mal in 16 Spielen (wäre es andersherum gelaufen, stünden übrigens die Yankees an der Spitze der AL East und die Red Sox wären Vierter). Der wichtigste und nachhaltigste dieser Siege dürfte allerdings der vom vergangenen Donnerstag gewesen sein: Das Comeback der Red Sox nach einem 1:5-Rückstand durch Homeruns von Big Papi David Ortiz und Hanley Ramirez war für beide Teams ein mentaler Knackpunkt, dem ein Sweep in der entscheidenden Serie folgte. Seitdem haben die Red Sox den Divisionssieg und die Yankees die Nichtteilnahme an den Playoffs so gut wie sicher.

Spiel der kommenden Woche
Die Cardinals gegen die Cubs, die Yankees gegen die Blue Jays und die Mariners gegen die Astros dürften die drei interessantesten Serien der nächsten Tage sein, aber zum Spiel der Woche wähle ich die Partie der Colorado Rockies bei den Los Angeles Dodgers am kommenden Sonntag um 22:10 Uhr unserer Zeit. Wer an dem Tag in LA ins Stadion geht statt vor dem Fernseher zu sitzen, ist selber schuld, denn sehens- bzw. hörenswert ist diese Partie vor allem deshalb, weil sie das letzte Heimspiel sein wird, das von Reporter-Legende Vin Scully kommentiert wird. Nutzt die Chance, wenn ihr die Möglichkeit habt, und genießt noch einmal Scullys angenehme Stimme und seinen unvergleichlichen, herrlich altmodischen Stil, ein Baseballspiel zu präsentieren. Wer das verpassen sollte, hat übrigens eine Woche später ein letztes Mal die Gelegenheit, Scully live zu erleben, denn seine letzte Übertragung wird das Spiel der Dodgers in San Francisco am 2. Oktober sein.

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September 8th, 2016 by Dominik

Im heutigen Grand Slam am Donnerstag, dem wöchentlichen Überblick zur MLB, weiche ich ein bisschen vom bisherigen Muster ab: Die meisten Divisionen sind inzwischen im Hinblick auf den Gruppensieg mehr oder weniger entschieden, während das Ringen um die Wild Cards zunehmend in den Mittelpunkt gerät. Daher trenne ich nun innerhalb der AL und der NL nicht mehr nach Divisionen sondern nach Divisions- und Wild-Card-Rennen.

American League
In der American League reden wir nur noch von einem einzigen Divisionsrennen, denn die Cleveland Indians (80-58) in der AL Central werden ihre Führung von 5.5 Spielen vor den Detroit Tigers (75-64) nicht mehr verspielen und die Texas Rangers (83-57) in der AL West den 8.5-Spiele-Vorsprung vor den Houston Astros (74-65) erst recht nicht. In der AL East ist aber nach wie vor alles drin und seit letzter Woche gab es auch schon wieder einen Wechsel an der Spitze: Die Boston Red Sox (78-61) liegen nun vor den Toronto Blue Jays (77-62), die sich einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht haben, um sich von den New York Yankees (73-65) sweepen zu lassen. Ebenfalls noch voll im Rennen um den Divisionssieg sind die Baltimore Orioles (76-63) und selbst die Yankees sind gar nicht so weit weg – 4.5 Spiele Rückstand auf die Spitze sind theoretisch noch aufzuholen. Aber es ist natürlich sehr unwahrscheinlich, dass sie in den verbleibenden vier Wochen noch drei Teams überholen. Nach der ab heute Nacht anstehenden Vier-Spiele-Serie der Red Sox gegen die Blue Jays wird man in Bezug auf die AL East vielleicht etwas klarer sehen, vielleicht aber auch gerade nicht.

Auch das Wild-Card-Rennen der AL ist stark geprägt von dem Drei- bis Vierkampf in der AL East – schon seit Wochen halten sich beständig der jeweilige Zweite und Dritte der East auf den beiden Wild-Card-Plätzen, zurzeit also Toronto und Baltimore. Ernsthafte Hoffnungen können sich auf jeden Fall noch die Detroit Tigers machen, die nur ein Spiel hinter Baltimore liegen und jetzt – man hätte es nicht besser planen können – von Freitag bis Sonntag dreimal gegen eben jene Orioles spielen. Im Anschluss an diese Serie haben die Tigers gegenüber den East-Teams den großen Vorteil, dass jene bis zum Ende der Saison immer wieder untereinander spielen und sich somit gegenseitig die Punkte wegnehmen. Aus diesem Grund ist meine Prognose, dass am Ende nur eines der East-Teams (ich tippe auf Toronto) eine Wild Card erhält und die andere an die Tigers geht. Mit zwei Spielen Rückstand sind auch die Houston Astros noch dabei, aber ich hatte ja letzte Woche schon erwähnt, dass ich für sie angesichts des aktuellen Spielplans relativ schwarz sehe. Noch siebenmal hintereinander müssen sie gegen Divisionsführer ran: heute gegen die Indians, dann dreimal gegen die Cubs und dreimal gegen die Rangers.

National League
In der National League stehen ebenfalls zwei Divisionssieger, die Washington Nationals (82-57) in der East und die Chicago Cubs (89-50) in der Central faktisch fest. Der dritte eigentlich auch, denn die Los Angeles Dodgers (79-60) haben in der NL West mittlerweile fünf Spiele Vorsprung auf die San Francisco Giants (74-65), die mit 17-32 nach wie vor die schlechteste Bilanz aller MLB-Teams nach dem All-Star-Break aufweisen. Aus diesem Loch werden sie wohl, zumindest was den Divisionssieg angeht, nicht mehr heraus kommen.

Um die Wild Cards spielen die Giants nach wie vor mit, auch wenn der einst sicher scheinende Vorsprung inzwischen auf 0.5 Spiele zusammengeschrumpft ist. Es ist im Wesentlichen ein Dreikampf um die zwei zu vergebenden Plätze und dicht hinter den Giants stehen die St. Louis Cardinals (73-65) jetzt gleichauf mit den New York Mets (74-66). Die Mets sind das Team der Stunde in der MLB mit fünf Siegen aus den letzten Spielen und vierzehn aus den letzten achtzehn. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass von der einstigen Traumrotation Syndergaard-Harvey-deGrom-Matz-Colon momentan nur Syndergaard und Colon übrig geblieben sind und auch Zack Wheeler dieses Jahr nicht mehr fit wird. Vom Restprogramm her dürfen die Mets sich nun sogar als Favorit auf einen der beiden Plätze sehen: Auf sie warten sechsmal die Braves, siebenmal die Phillies, dreimal die Twins, dreimal die Marlins und als einziges Team mit einer positiven Bilanz dreimal die Nationals. Die Giants müssen hingegen noch sechsmal gegen die Dodgers, die Cardinals noch sechsmal gegen die Cubs und beide noch viermal gegeneinander spielen. Ich tippe, dass es zwischen den Cardinals und den Giants ein ganz enges Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Mets wird.

Spielzug der Woche
Hier gibt es mal wieder mehrere Kandidaten: Zwei sehenswerte Aktionen der vergangenen Tage waren für mich Dansby Swansons Inside-the-park-Homer, der schnellste des Jahres und gleichzeitig der erste MLB-Homerun des Rookies, und Brett Gardners großartiger Catch, der einen von drei Siegen der Yankees gegen die Blue Jays sicherte. Noch beeindruckender fand ich aber Brian Doziers Einleitung eines Double Plays gegen die Royals, weil sich darin ein sehr guter Catch und eine artistische Ballweitergabe perfekt vereinen. Außer Konkurrenz, aber zu lustig um auf den Link zu verzichten: Carlos Beltran schießt ein „H“.

Statistik der Woche 
15. So viele Homeruns haben die St. Louis Cardinals dieses Jahr schon durch Pinch Hitter erzielt, was einen neuen MLB-Rekord darstellt. Nummer 15 war ein besonders wichtiger, denn Matt Carpenter glich damit am Dienstag im neunten Inning das Spiel gegen die Pittsburgh Pirates aus und bereitete so den Weg zum Sieg in einem fast schon verlorenen Spiel. Gleichzeitig stellten die Cardinals einen NL-Rekord auf mit dem 25. Spiel hintereinander, in dem sie mindestens einen Homerun erzielten. Diese Serie endete allerdings tags darauf beim 3:4 gegen den gleichen Gegner.

Spiel der Woche
Ein wahres Wechselbad der Gefühle war für beide Seiten das Spiel der Los Angeles Angels bei den Seattle Mariners vom vergangenen Freitag. Die Angels legten mit 4:0 im oberen ersten Inning vor, darunter ein 3-Run-Homer von Mike Trout noch vor dem ersten Out. Die Mariners zeigten sich alle andere als demoralisiert und revanchierten sich mit einem Score im ersten und sage und schreibe neun Runs im zweiten Inning – alle neun übrigens ohne einen einzigen Extra-Basehit, allein durch Singles, Walks und einen Error. Mit 10:4 und einem weiteren Run der Mariners im achten Inning schien das Spiel gelaufen, doch die Angels hörten so auf wie sie angefangen hatten: mit vier Runs und mit Mike Trout. Nur dass Trout dieses Mal keinen Homerun schlug, der sein Team einem epischen Comeback näher gebracht hätte, sondern einen Pop Out, der das aufregende Spiel beim Stand von 11:8 für Seattle beendete.

Spiel der kommenden Woche
Kompliment an die Ersteller der MLB-Schedule: Ein interessanteres Matchup als die Boston Red Sox gegen die Toronto Blue Jays kann es zurzeit gar nicht geben und genau das steht von Freitag bis Montag viermal hintereinander auf dem Programm. Mein Spiel der Woche ist aufgrund der Pitcher das erste davon: Rick Porcello gegen Marco Estrada lautet das voraussichtliche Duell ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Nacht von Freitag auf Samstag.

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