Juni 15th, 2017 by Dominik

Im Mittelpunkt des Geschehens der MLB stand in den letzten drei Tagen die Draft, die mit einem überraschenden Pick der Minnesota Twins begann (siehe „Szene der Woche“). Gleichzeitig lief auch der normale Spielbetrieb. Am Tabellenbild der Divisionen hat sich gegenüber letzter Woche wenig geändert, abgesehen davon dass im hochkarätigen Dreikampf der NL West zur Abwechslung mal die Dodgers knapp die Nase vorn haben. Interessant ist der Blick auf die Wild-Card-Stände der beiden Ligen: In der AL würden momentan beide Wild Cards an die AL East gehen, doch im Rennen sind ausnahmslos noch alle Teams, selbst die Oakland Athletics mit dem höchsten Rückstand von 6.5 Spielen. In der NL hingegen scheint die Sache relativ früh in der Saison so gut wie entschieden. Auch hier würden die Plätze zurzeit beide an eine Division – die NL West – gehen und das mit sehr deutlichem Abstand: Mit 8.0 Spielen sind die Chicago Cubs als erster Verfolger in der NL schon weiter weg von den Wild Cards als die Athletics als letzter Verfolger in der AL, die meisten NL-Teams weisen bereits einen zweistelligen Rückstand auf.

National League
In der National League East knüpfen die Washington Nationals (39-26) nahtlos an ihre bisherige Saison an: Mit starkem Starting Pitching und hervorragender Offensive halten Sie sich unangefochten in der Division, während ihr mieser Bullpen dafür sorgt, dass die Spiele spannend bleiben und wenigstens ab und zu auch mal verloren werden. Mit gehörigem Abstand folgt der Rest der NL East, zurzeit angeführt von den New York Mets (30-34), die in den letzten Tagen ordentlich Kapital aus der Rückkehr der lange verletzten Steven Matz, Seth Lugo und Yoenis Cespedes geschlagen haben. Mit Neil Walker und Asdrubal Cabrera gibt es aber schon wieder zwei neue Verletzte und auch Matt Harveys Arm soll noch einmal untersucht werden, nachdem er letzte Nacht bei einem schwachen Start in Chicago über ein unangenehmes Gefühl in selbigem klagte. Das bedauernswerteste Team der Liga sind unterdessen die Philadelphia Phillies (21-43), die mit Abstand die schlechteste Bilanz der MLB aufweisen und zuletzt acht Niederlagen in Folge erlitten haben.

Die Milwaukee Brewers (35-32) halten in der NL Central nach wie vor die Chicago Cubs (32-33) auf Distanz. Die Cubs kommen einfach nicht in Tritt, haben diese Woche sowohl die Heimserie gegen die Colorado Rockies als auch die Auswärtsserie bei den New York Mets verloren. Sie können von Glück sagen, dass sie in einer der zurzeit schwächsten Divisionen der MLB spielen, ansonsten wäre der Zug in Richtung Playoffs wohl schon so gut wie abgefahren. So aber befinden sich die Cubs nach wie vor in Lauerstellung und benötigen – ebenso wie die St. Louis Cardinals (30-34) und vielleicht sogar die Pittsburgh Pirates (30-36) – nur ein paar starke Spiele, um wieder voll im Rennen zu sein. Genauso schnell kann man aber auch nach unten durchgereicht werden, wie die Cincinnati Reds (29-36) gerade mit sechs Niederlagen am Stück am eigenen Leib erfahren haben.

In der MLB gibt es zurzeit vier Teams mit über 40 Saisonsiegen – drei davon spielen in der NL West. Das sagt eigentlich schon alles über die Stärke dieser Division, die wie eingangs erwähnt wahrscheinlich beide Wild Cards der NL erobern wird. Das heißt natürlich nicht, dass die Mitglieder des Triumvirats – die Los Angeles Dodgers (41-25), die Colorado Rockies (42-26) und die Arizona Diamondbacks (41-26) – sich auf dieser Position ausruhen können, denn nur der Erstplatzierte zieht direkt in die „richtigen“ Playoffs ein, während zwischen den Wild-Card-Teams ein einzelnes Spiel über Ausscheiden oder Weiterkommen entscheidet. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass der letzte Sieger im NL-Wild-Card-Spiel die San Francisco Giants (26-41) waren? Das scheint Ewigkeiten her, wenn man zurzeit das (von Madison Bumgarners Verletzung abgesehen) kaum veränderte, aber komplett implodierte Team sieht, das nach sieben Niederlagen in den letzten zehn Spielen sogar wieder hinter die San Diego Padres (27-40) gerutscht ist.

American League
In der American League East geben die New York Yankees (38-25) den Ton an. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich mir die Statistiken ansehen und feststelle, dass die Yankees nicht nur von ihrer spektakulären Offense um Rookie Aaron Judge leben, sondern auch im Pitching Top-Werte aufweisen. Zumindest die Starter fliegen für mich immer ein bisschen unter dem Radar, weisen aber immerhin die sechstwenigsten erlaubten Runs (3.93 ERA) der MLB auf. Das Run Differential der Yankees (+114) führt die Liga an mit 12 Runs Vorsprung auf die Houston Astros. Nach fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen halten die Boston Red Sox (37-28) den Kontakt zur Spitze, welchen die Baltimore Orioles (32-32) nach einer Serie von sechs Niederlagen derzeit verloren haben. Dazwischen haben sich heimlich, still und leise die Tampa Bay Rays (35-33) geschoben, die momentan den zweiten Wild-Card-Platz der AL einnehmen.

Die AL Central sieht der NL Central sehr ähnlich: Auch hier sind die Teams relativ eng beisammen und auch hier liegt mit den Minnesota Twins (33-29) ein Überraschungsteam vor dem letztjährigen World-Series-Teilnehmer Cleveland Indians (31-31). Und – auch das ist eine Parallele zur NL Central – die Formkurve fast aller Teams der Division weist eher nach unten. Einzig die Kansas City Royals (30-34) weisen aus den letzten zehn Spielen eine positive Bilanz auf, sie befinden sich auf einer Serie von zurzeit vier Siegen in Folge. Allerdings hatten sie auch das Glück, dass ihre Gegner dabei die San Diego Padres und die San Francisco Giants waren.

Kommen wir zu guter Letzt zum immer noch erfolgreichsten Team der Saison, den Houston Astros (45-22). Seit dem Ende ihrer Serie von elf Siegen haben die Astros nur drei von neun Spielen gewonnen, aber ihr Vorsprung in der AL West ist mehr als komfortabel genug, um solch eine Phase zu überstehen, ohne sich allzu große Sorgen zu machen. Was allerdings durchaus Sorgen verursacht, sind die zunehmenden Verletzungen: Mit Dallas Keuchel, Charlie Morton und nun Lance McCullers sind schon drei Starter auf der DL und Outfielder Josh Reddick erholt sich noch von der Gehirnerschütterung, die er beim Crash in die Mauer während eines Fangversuchs erlitten hat. Ernstzunehmende Verfolger haben die Astros nach wie vor nicht, am nächsten dran sind die Los Angeles Angels (35-34) mit elf Spielen Rückstand, alle anderen Teams der Division stehen unter .500.

Szene der Woche
Der wichtigste Moment der MLB-Woche war der erste Pick der Draft in der Nacht von Montag auf Dienstag. Entgegen der deutlichen Mehrzahl aller Spekulationen entschieden sich die Minnesota Twins weder für den hochgelobten Highschool-Pitcher Hunter Greene noch für einen der Collegespieler, denen man einen schnelleren Übergang in die MLB zutraute. Stattdessen wählten sie einen anderen direkt aus der Highschool kommenden Spieler, Shortstop Royce Lewis. Lewis war zwar ebenfalls als hoher Pick prognostiziert, doch dass er vor Greene gewählt würde, hatte kaum jemand vorhergesagt. Greene ging an Nummer zwei zu den Cincinnati Reds, der andere Favorit auf den Top-Pick, Louisvilles Brandon McKay, wurde erst als Vierter von den Tampa Bay Rays gepickt. Offenbar spielten bei den Picks auch finanzielle Erwägungen eine Rolle: Die Teams dürfen für die gedrafteten Spieler bestimmte nach Draftposition gestaffelte Höchstsummen ausgeben. Den Twins wird nachgesagt, dass ihnen kein Spieler die volle Höhe von 7.770.700 Dollar wert war. Deshalb entschieden sie sich für einen, der Ihnen vorab signalisierte, sich mit weniger zufrieden zu geben.

Statistik der Woche 
28. So viele Hits erzielten die Minnesota Twins Dienstagnacht beim 20:7 gegen die Seattle Mariners. Das war ein Franchise-Rekord und gleichzeitig MLB-weit das Spiel mit den meisten Hits eines Teams seit 2007. Den größten Beitrag zum offensiven Feuerwerk leisteten Eddie Rosario mit vier Hits, davon drei Homeruns, und Eduardo Escobar mit fünf Hits. Auch unser Lokalmatador Max Kepler hatte ordentlichen Anteil am Erfolg mit drei Hits, darunter ein Solo-Homerun, und einem Walk.

Spiel der Woche
Zwischen den Detroit Tigers und den Arizona Diamondbacks sah es Dienstagnacht nach einer klaren Angelegenheit aus: Die Diamondbacks beendeten den Tag von Tigers-Starter Buck Farmer nach nur zweieindrittel Innings mit neun Hits und sechs Runs, darunter Homeruns von Brandon Drury und Paul Goldschmidt. Auf der anderen Seite cruiste Zack Greinke durch fünf Innings mit nur zwei Hits und einem Walk. Doch im sechsten Inning bekamen Greinke und seine Defense plötzlich Probleme und kassierten sechs Runs zum Ausgleich – fünf davon „unearned“, weil ein schlechter Wurf von Drury und ein misslungener Catch von David Peralta dazu beitrugen, dass die Tigers in diesem Inning elf Runner an die Platte schicken und sechs Hits erzielen konnten. Ausgerechnet Peralta, der in der Outfield-Defense mehrere schwache Szenen hatte, sorgte schließlich doch noch für ein Happy End aus Sicht der Diamondbacks, indem er per Solo-Homer im neunten Inning das letztlich entscheidende 7:6 für Arizona erzielte.

Spiel der kommenden Woche
Die momentan größte Attraktion der Liga ist der Dreikampf um die NL West. Deshalb ist mein Einschalttipp für nächste Woche die Serie der Arizona Diamondbacks bei den Colorado Rockies. Konkret empfehle ich die Partie Mittwochnacht um 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Auf dem Mound stehen dann voraussichtlich zwei Pitcher, die zurzeit in hervorragender Form sind: für Arizona Taijuan Walker (ERA 3.32, in den letzten drei Spielen 2.12) und für Colorado Jeff Hoffman (ERA 2.33, in den letzten drei Spielen 1.33).

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Oktober 6th, 2016 by Dominik

Im Grand Slam am Donnerstag dreht sich dieses Mal wenig überraschend alles um die Playoffs der MLB. Ich blicke auf die beiden bevorstehenden Divisional-Serien und gebe meine Tipps dazu ab. Außerdem schaue ich zurück auf die zwei großartigen Wild-Card-Duelle, die mich einen Großteil der beiden vergangenen Nächte gekostet haben, aber jede Minute davon wert waren.

American League
Die American League wird heute Nacht vorlegen mit den ersten Spielen der beiden Divisional-Serien. Als Erstes treffen um 22:30 Uhr unserer Zeit die Toronto Blue Jays und die Texas Rangers aufeinander, angeführt von Marco Estrada (3.48 ERA) und Cole Hamels (3.32 ERA). Obwohl der #1-Seed (Texas) gegen das Wild-Card-Team (Toronto) antritt, sehe ich diese Serie als ziemlich ausgeglichen an. Tatsächlich frage ich mich nach wie vor, wie ein Team, das offensiv wie defensiv eher mittelmäßige Zahlen produziert, die Saison mit der besten Bilanz der AL abschließen konnte. Einer Antwort kann man sich über das übermäßig erfolgreiche Abschneiden der Rangers in knappen Spielen annähern. Dabei spielten mit Sicherheit Taktik, Erfahrung und Selbstvertrauen eine Rolle, mindestens ebenso sicher aber auch eine gehörige Portion Glück. Worauf ich hinaus will ist, dass die Rangers sicher keine Übermannschaft sind. Zumindest im Pitching dürften die Blue Jays sogar überlegen sein. Mein Tipp ist, dass es eine ganz enge Serie wird, in der die Rangers am Ende dank des Heimrechts und dank ihrer Nervenstärke im entscheidenden Spiel die Oberhand behalten.

Um 2 Uhr heute Nacht beginnt die zweite Divisional-Serie der AL mit dem ersten Spiel zwischen den Boston Red Sox um Rick Porcello (3.15 ERA) und den Cleveland Indians mit Trevor Bauer (4.26 ERA). Diese Serie schätze ich als weniger knapp ein, die Red Sox sind in meinen Augen klarer Favorit. Das fußt zum einen darauf, dass Boston schon das ganze Jahr über das offensive Powerhouse der Liga ist, zum anderen darauf, dass auch das Pitching der Red Sox im Laufe der Saison immer besser wurde, während auf der anderen Seite das der Indians durch Verletzungen stark gebeutelt wurde und entsprechend nachgelassen hat. Zur Illustration: Bis zum All-Star-Break hatten die Indians in der AL die wenigsten Runs (355) zugelassen, die Red Sox hingegen die fünftmeisten (424). Nach dem All-Star-Break hingegen hat Boston mit Abstand die wenigsten Runs (270) erlaubt, während Cleveland (321) nur noch im Mittelfeld landet. Man kann diese sehr oberflächliche Darstellung über diverse fortgeschrittene Statistiken durchdeklinieren, das Ergebnis ist immer, dass die Red Sox nicht mehr nur offensiv sondern seit einigen Monaten auch defensiv den Indians überlegen sind. Meine Erwartung ist daher ein deutlicher Seriengewinn der Red Sox.

National League
In der National League fand das Wild-Card-Spiel einen Tag später statt als in der American League, deshalb beginnen auch die Divisional-Serien einen Tag später. Los geht es morgen um 23:30 Uhr unserer Zeit mit den Los Angeles Dodgers bei den Washington Nationals. Wer letzte Nacht Bumgarner gegen Syndergaard genossen hat, der darf sich jetzt schon auf den nächsten Leckerbissen freuen, denn das Duell des Auftaktspiels lautet Ian Kershaw (1.69 ERA) gegen Max Scherzer (2.96 ERA). Den Zahlen nach geht Kershaw als leichter Favorit in die Partie und als leichten Favoriten sehe ich auch seine Dodgers in der gesamten Serie. Bei den Nationals bleibt abzuwarten, wie sie die Verletzungen von Wilson Ramos und Stephen Strasburg verkraften und wie fit die Angeschlagenen Daniel Murphy und Bryce Harper sein werden.

Als letzte Divisional-Serie der diesjährigen Playoffs startet morgen Nacht um 3 Uhr das Kräftemessen zwischen den Chicago Cubs und den San Francisco Giants, ebenfalls mit einem attraktiven Pitching-Matchup zwischen Jon Lester (2.44 ERA) und Johnny Cueto (2.79). Für einen Erfolg der Giants in dieser Serie sprechen zwei Faktoren: Madison Bumgarner sowie der Umstand, dass die Giants in diesem Jahrzehnt offenbar ein Abo auf Meisterschaften in den geraden Jahren haben. Für einen Erfolg der Cubs spricht hingegen so ziemlich alles Andere. Wenn man nun bedenkt, dass Bumgarner nach dem Wild-Card-Spiel aller Voraussicht nach nur für eine der bis zu fünf NLDS-Partien zur Verfügung steht und es sich bei der „even year magic“ um nicht mehr als einen spaßigen Aberglauben handelt, sieht es für mich ganz stark nach einer klaren Angelegenheit für Chicago aus.

Spielzug der Woche
Die Ehre des Spielzugs der Woche haben dieses Mal zwei vergleichbare Aktionen aus verschiedenen Spielen gleichermaßen verdient: Beide Wild-Card-Spiele wurden erst im letzten Inning (in Toronto im elften, in New York im neunten) entschieden und in beiden war es ein 3-Run-Homerun, der die Waage zum Kippen brachte. Die Plays der Woche sind somit die Homeruns von Edwin Encarnacion und von Conor Gillaspie.

Statistik der Woche
23. Das ist die Anzahl scoreloser Innings, die Madison Bumgarner in Postseason-Spielen hintereinander absolviert hat – den Complete-Game-Shutout gegen die Mets von letzter Nacht mitgerechnet. Betrachtet man die Giants insgesamt, so haben diese von Spiel 3 der NLDS des Jahres 2012 bis zum gestrigen Wild-Card-Spiel nun neun Spiele in Folge gewonnen, bei denen sie im Falle einer Niederlage ausgeschieden wären.

Spiel der Woche
Auch beim Spiel der Woche entscheide ich mich nicht für eines, denn die Wild-Card-Spiele waren beide äußerst sehenswert und an Spannung nicht zu überbieten. Zwischen Toronto und Baltimore stand es bis ins elfte Inning 2:2, zwischen New York und San Francisco bis ins neunte 0:0, die jeweiligen Enden habe ich schon oben als Spielzüge der Woche erwähnt. In beiden Fällen stand hinterher ein prominenter Relieve Pitcher im Mittelpunkt der Analysen und Kritiken: Bei den Mets wiederholte sich die Geschichte aus dem letzten Jahr, dass Closer Jeurys Familia in der Postseason nicht an seine Leistungen aus der regulären Saison anknüpfen konnte. Er ließ zuerst zwei Baserunner und dann den entscheidenden Homerun in einem ansonsten von hervorragendem Pitching auf beiden Seiten geprägten Spiel zu. Der andere Verlierer der Wild-Card-Runde, die Orioles, ernteten hingegen Kopfschütteln dafür, dass sie in Zach Britton den wohl besten Reliever der Liga elf Innings lang auf der Bank ließen. Klar, man hätte Britton irgendwann ab dem achten Inning für ein, zwei Innings bringen können, vielleicht hätte man ihn im elften Inning bei Scoring Position und nur einem Aus sogar bringen müssen. Ich kann allerdings Manager Buck Showalter verstehen, dass er davor zurück schreckte, im Auswärtsspiel seinen Closer zu verheizen, ohne selbst in Führung zu liegen. Hätte er das getan und dann verloren, wäre das Geschrei mindestens genauso groß gewesen.

Spiel der kommenden Woche
Diese Kategorie ist während der regulären Saison als Einschalttipp gedacht, aber in den Playoffs ist natürlich jedes Spiel hochinteressant und relevant und ich kann nur jedem Baseballfan empfehlen, sich so viele wie möglich davon anzuschauen. Dennoch möchte ich ein Spiel hervorheben und zwar das erste Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Texas Rangers heute Nacht. Ich schätze, so ziemlich jeder neutrale Fan sowie jeder Anhänger eines der beiden Teams hat sich gewünscht, dass sich dieses Aufeinandertreffen aus dem letzten Jahr wiederholt und tatsächlich ist es so gekommen. Denn seit der ALDS 2015 verbindet die beiden Teams eine (hoffentlich) gesunde Rivalität, zu deren Sinnbild der legendäre Batflip von José Bautista wurde. Ich bin gespannt, wie Spieler und Fans das Wiedersehen aufnehmen. Von mir aus darf es gern ein bisschen hitzig werden, aber bitte ohne Gewalt.

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Oktober 3rd, 2016 by Dominik

Irgendwie ist es schon seltsam, dass man sich 162 Spiele lang abrackert, um an einem einzigen Spiel teilzunehmen, bei dem der Verlierer direkt ausscheidet. Baseball ist grundsätzlich auf Serien ausgelegt und darauf, den längeren Atem zu beweisen. Dass man auch mal zwei Spiele gewinnen oder verlieren und das Ruder dann trotzdem noch herumgerissen werden kann, macht in meinen Augen einen Teil des Reizes der Playoffs aus. Deshalb bin ich kein Freund des aktuellen Wild-Card-Modus, dass sich zwei Teams für ein One-Game-Playoff qualifizieren, in dem es für beide um Alles oder Nichts geht.

Das wollte ich nur kurz mal loswerden, aber der Modus ist nunmal so wie er ist und natürlich bin ich auch froh, dass unter anderen meinen Mets überhaupt trotz des deutlich verpassten Divisionssieges noch ein Weg durch die Postseason offen steht.

Toronto Blue Jays – Baltimore Orioles
Dienstagnacht um 2:08 Uhr unserer Zeit macht die American League den Anfang mit dem Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Baltimore Orioles. Da beide Teams aus der über weite Strecken der Saison heiß umkämpften AL East kommen, kennen sie sich bereits in- und auswendig. In den 19 Spielen, die sie dieses Jahr gegeinander absolviert haben, gewannen zehnmal die Blue Jays und neunmal die Orioles, von den Spielen in Toronto gingen sechs für die Blue Jays aus und vier für die Orioles. Beide haben identische Bilanzen von 89-73 in der Gesamtsaison und 11-9 in den letzten 20 Spielen.

Die Blue Jays gehen für mich als leichter Favorit in das Spiel. Dafür spricht neben dem Heimvorteil das deutlich günstigere Run Differential von Toronto (+93 gegenüber +29), welches seine Ursache vor allem im besseren Starting Pitching der Blue Jays hat. Deren Starter brachten es während der Saison auf einen ERA von 3.64 und damit Rang 1 in der AL, die der Orioles hingegen nur auf 4.72 und Platz neun. Andererseits haben die Orioles mit Zach Britton (47/47 Saves, 0.54 ERA) den wohl besten Reliever der Liga in ihren Reihen. In der Offense nehmen die Teams sich kaum etwas, sie haben ungefähr gleich viele Runs erzielt und gehören beide zu den homerunfreudigsten Mannschaften der Liga.

Ihren besten Starter haben die Blue Jays mit Aaron Sanchez bereits für das letzte Regular-Season-Spiel verbraucht, daher wird Marcus Stroman (4.37 ERA, 3.71 FIP) starten und sich Chris Tillman (3.77 ERA, 4.23 FIP) gegenüber sehen. Je nachdem, ob man eher an ERA oder an FIP glaubt, ist der eine oder der andere Pitcher im Vorteil. Stroman sah dieses Jahr gegen die Orioles nicht besonders gut aus (4 Starts, 23 IP, 18 ER, 7.04 ERA), Chris Tillman gegen die Blue Jays hingegen ganz ordentlich (4 Starts, 22.1 IP, 9 ER, 3.63 ERA).

New York Mets – San Francisco Giants
Das Wild-Card-Spiel der National League folgt Mittwochnacht, ebenfalls um 2:08 Uhr unserer Zeit. Mit den New York Mets und den San Francisco Giants treffen auch hier zwei Teams mit einigen Gemeinsamkeiten aufeinander. Beide leben vor allem von starkem Pitching, welches aus dem unterdurchschnittlichen Scoring der jeweiligen Offense positive Bilanzen gezaubert hat. Beide landeten am Ende bei 87-75, allerdings mit sehr unterschiedlichem Saisonverlauf: Die Giants waren bis zum All-Star-Break das erfolgreichste Team der Liga, danach hingegen das zweitschlechteste. Mit vier Siegen zum Abschluss haben sie gerade noch die Kurve bekommen, um die Playoffteilnahme nicht zu verspielen. Die Mets hingegen standen am 15. August noch bei 59-59 und hatten die Saison schon fast als Misserfolg abgehakt, bevor sie einen siebenwöchigen Endspurt hinlegen, während dem ihre 28-16-Bilanz nur von den Chicago Cubs übertroffen wurde. Im direkten Vergleich haben die Mets dieses Jahr gegen die Giants vier Spiele gewonnen und drei verloren.

Das Pitcherduell am Mittwoch lässt das Herz jedes Baseballfans höher schlagen: Noah Syndergaard wird auf Madison Bumgarner treffen. Nach ERA sind das mit 2.60 respektive 2.74 die beiden besten Pitcher, die nicht bei den Cubs spielen. Nach anderen Werten (2.29 FIP, 6.5 fWAR) ist Syndergaard sogar der beste Pitcher der Liga und Bumgarner (3.24 FIP, 4.9 fWAR) zumindest in den Top-10. Bei früheren Aufeinandertreffen der Mets und der Giants in diesem Jahr sahen sowohl Bumgarner (2 Starts, 11 IP, 4 ER, 3.27 ERA) als auch Syndergaard (2 Starts, 13.2 IP, 4 ER, 2.63 ERA) gut aus.

Ich halte auch in diesem Spiel das Heimteam für leicht favorisiert, aber da spielt zugegebenermaßen die Fanbrille eine gewisse Rolle. Ich sehe jedenfalls einer langen Nacht von Mittwoch auf Donnerstag entgegen, denn das wird eines der Spiele, bei denen für mich eine Aufzeichnung oder gar Zusammenfassung keine Alternative zur Liveübertragung darstellt.

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September 22nd, 2016 by Dominik

Während wir in Deutschland zwei Tage vor dem Beginn der Meisterschaftsserie stehen, ist die MLB noch nicht ganz so weit, aber auch hier steigt die Spannung mit jedem Tag. Heute in zwei Wochen finden bereits die ersten Spiele der Divisional Championships der American League statt, bis dahin werden alle Entscheidungen über die Playoffteilnehmer gefallen sein – einschließlich der Wild-Card-Spiele und möglicherweise einer zusätzlichen Tie-Break-Runde. Dass es zu Letzterer kommt, scheint momentan durchaus möglich, deswegen habe ich mich etwas näher damit beschäftigt, wie ein solcher Tie-Breaker ablaufen wird. Mehr dazu im Abschnitt über die National League.

American League
Beim Blick auf die American League hat es schon Tradition, dass ich mich zu allererst darüber auslasse, wie spannend es in der AL East zugeht und dass hier bis zum letzten Tag um den Divisionstitel gerungen wird. Schluss damit, aus, vorbei! Die Boston Red Sox (88-64) werden diese Division gewinnen. Nach sieben Siegen in Folge – darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die New York Yankees (79-72) und Erfolge in den ersten drei von vier gegen die Baltimore Orioles (82-70) – liegen die Red Sox nun fünf Spiele vor den Toronto Blue Jays (83-69). Fangraphs sieht die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort oben bleiben, mittlerweile bei 98% und das erscheint mir sehr realistisch. Die Red Sox komplettieren damit das Feld der AL-Divisionssieger neben den Cleveland Indians (88-63) und den Texas Rangers (90-63). In die Playoffs geht Boston für mich als Favorit auf die World-Series-Teilnahme. Dafür spricht zum einen ihr überragendes Run Differential, das darin wurzelt, dass nicht nur die Offense aus allen Rohren feuert sondern spätestens seit dem All-Star-Break auch die Pitcher einen sehr respektablen Job machen. Hinzu kommt, dass die Red Sox aus der ausgeglichensten und stärksten Division kommen, sodass der Druck in den Playoffs für sie nichts Neues ist.

Kommen wir zum Wild-Card-Rennen der AL. Hier sah es lange danach aus, dass auf diesem Weg zwei weitere Teams aus der starken AL East den Weg in die Playoffs finden und das ist momentan auch noch aktuell: Die Toronto Blue Jays (83-69) hätten zurzeit das Heimrecht im Wild-Card-Game und würden dabei auf die Baltimore Orioles (82-70) treffen. Allerdings nehmen sich die beiden noch in drei der zehn verbleibenden Spielen auf jeden Fall gegenseitig Punkte weg und das öffnet die Tür für die Detroit Tigers (80-70) und die Houston Astros (81-71), die jeweils nur ein Spiel hinter den Orioles und zwei hinter den Blue Jays liegen. Selbst die Seattle Mariners (80-72) sind noch nicht ganz draußen, wenngleich sie in der letzten Woche mit verlorenen Serien gegen die Astros und die Blue Jays wohl ihre beste Gelegenheit verpasst haben. Vom Restprogramm her sehe ich die Tigers leicht favorisiert, weil sie als einzige keine Serie gegen einen direkten Konkurrenten um die WC-Plätze absolvieren müssen. Mit den Kansas City Royals und den Cleveland Indians warten allerdings auch auf sie noch zwei dicke Brocken.

National League
In der National League sind die Divisionssieger ja schon länger klar, ich zähle die Washington Nationals (89-63), die Chicago Cubs (97-55) und die Los Angeles Dodgers (86-66) hier lediglich als Merkposten auf. Dass die Cubs diese Saison der große Favorit sind, muss man wohl auch nicht mehr erwähnen. Wenn sie Glück haben, spielen ihnen sogar die Wild-Card-Teams noch in besonderem Maße in die Hände, denn wenn es unter diesen zusätzliche Tie-Break-Spiele geben sollte, können die Cubs gemütlich zuschauen, während ihre nächsten Gegner sich dabei verausgaben und ihre besten Pitcher verheizen.

Würde die Saison heute enden, wäre tatsächlich eine erweiterte Wild-Card-Runde nötig, denn die New York Mets, die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals stehen allesamt bei einer Bilanz von 80-72 und damit schon den zweiten Tag in Folge exakt gleichauf. Noch hat jeder zehn Spiele vor sich und somit reichlich Gelegenheit, sich ein oder zwei Spiele von den Konkurrenten abzusetzen, aber was passiert, wenn auch in eineinhalb Wochen zwei oder drei Teams die gleiche Bilanz aufweisen?

Der einfachste Fall wäre, wenn zwei Teams mit gleicher Bilanz die beiden Wild-Card-Plätze belegen. Es ginge dann „nur“ um das Heimrecht und das bekäme die Mannschaft mit dem besseren direkten Vergleich oder – wenn auch hier Gleichstand herrscht – mit der besseren Bilanz innerhalb der eigenen Division.

Wenn zwei Teams gleichauf stehen und es um den zweiten Wild-Card-Platz geht, gibt es ein Entscheidungsspiel direkt nach Saisonende, also am Montag, den 3. Oktober. Das Heimrecht in diesem Spiel entscheidet sich nach den oben genannten Regeln.

Stehen so wie heute drei Teams gleichauf für zwei Wild-Card-Plätze, dann wird es ein bisschen kompliziert. Ihr könnt auf mlb.com die Details nachlesen, im Endeffekt würde es jedenfalls auf eine Wild-Card-Runde mit drei Spielen hinauslaufen. Dabei würden wahrscheinlich zunächst am Montag St. Louis und New York aufeinandertreffen. Der Verlierer würde dann am Dienstag gegen San Francisco spielen. Die Sieger aus beiden Spielen würden sich am Mittwoch zum offiziellen Wild-Card-Spiel treffen und entscheiden, wer ab Freitag die Divisional-Serie gegen die Cubs spielen darf.

Stehen drei Teams gleichauf für den zweiten Wild-Card-Platz (was in der AL passieren könnte), dann ist das Verfahren ähnlich. Auch hier gäbe es zwei Tie-Breaker-Spiele, allerdings wäre der Verlierer des ersten Spiels draußen und der Gewinner würde im zweiten Spiel gegen die dritte Mannschaft darum spielen, wer im eigentlichen Wild-Card-Spiel auf das bereits qualifizierte Team trifft.

Spielzug der Woche
Die Texas Rangers sind 36-11 in One-Run-Games. Wie kommt man zu so einer Bilanz? Mit starken Nerven, mit etwas Glück und mit solchen Aktionen wie der von Pitcher Nick Martinez beim 5:4-Sieg gegen die Los Angeles Angels. Was für ein Catch! Oder, um es mit Adrian Beltre (ganz unten in dem verlinkten Artikel) zu sagen: Wow!

Statistik der Woche
45. Das ist die Anzahl von MLB-Spielen in der jungen Karriere von Gary Sanchez. Das Besondere daran ist, dass der 23-Jährige Yankee in diesen 45 Spielen 19 Homeruns geschlagen hat, was ein wirklich historischer Rekord ist: Der zweitschnellste Spieler der MLB-Geschichte, der 19 Homeruns erzielt hat, war Wally Berger im Jahr 1930 – in 51 Spielen. Sanchez steht nun bei einer OPS von 1.157 und ist trotz seiner verhältnismäßig kurzen Zeit in den Big Leagues wohl Top-Favorit auf die Auszeichnung als Rookie of the Year.

Spiel der Woche
Die Red Sox haben die Yankees geschlagen. Das kam dieses Jahr öfter vor, allein 4-mal hintereinander in der letzten Woche und insgesamt schon 11-mal in 16 Spielen (wäre es andersherum gelaufen, stünden übrigens die Yankees an der Spitze der AL East und die Red Sox wären Vierter). Der wichtigste und nachhaltigste dieser Siege dürfte allerdings der vom vergangenen Donnerstag gewesen sein: Das Comeback der Red Sox nach einem 1:5-Rückstand durch Homeruns von Big Papi David Ortiz und Hanley Ramirez war für beide Teams ein mentaler Knackpunkt, dem ein Sweep in der entscheidenden Serie folgte. Seitdem haben die Red Sox den Divisionssieg und die Yankees die Nichtteilnahme an den Playoffs so gut wie sicher.

Spiel der kommenden Woche
Die Cardinals gegen die Cubs, die Yankees gegen die Blue Jays und die Mariners gegen die Astros dürften die drei interessantesten Serien der nächsten Tage sein, aber zum Spiel der Woche wähle ich die Partie der Colorado Rockies bei den Los Angeles Dodgers am kommenden Sonntag um 22:10 Uhr unserer Zeit. Wer an dem Tag in LA ins Stadion geht statt vor dem Fernseher zu sitzen, ist selber schuld, denn sehens- bzw. hörenswert ist diese Partie vor allem deshalb, weil sie das letzte Heimspiel sein wird, das von Reporter-Legende Vin Scully kommentiert wird. Nutzt die Chance, wenn ihr die Möglichkeit habt, und genießt noch einmal Scullys angenehme Stimme und seinen unvergleichlichen, herrlich altmodischen Stil, ein Baseballspiel zu präsentieren. Wer das verpassen sollte, hat übrigens eine Woche später ein letztes Mal die Gelegenheit, Scully live zu erleben, denn seine letzte Übertragung wird das Spiel der Dodgers in San Francisco am 2. Oktober sein.

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September 8th, 2016 by Dominik

Im heutigen Grand Slam am Donnerstag, dem wöchentlichen Überblick zur MLB, weiche ich ein bisschen vom bisherigen Muster ab: Die meisten Divisionen sind inzwischen im Hinblick auf den Gruppensieg mehr oder weniger entschieden, während das Ringen um die Wild Cards zunehmend in den Mittelpunkt gerät. Daher trenne ich nun innerhalb der AL und der NL nicht mehr nach Divisionen sondern nach Divisions- und Wild-Card-Rennen.

American League
In der American League reden wir nur noch von einem einzigen Divisionsrennen, denn die Cleveland Indians (80-58) in der AL Central werden ihre Führung von 5.5 Spielen vor den Detroit Tigers (75-64) nicht mehr verspielen und die Texas Rangers (83-57) in der AL West den 8.5-Spiele-Vorsprung vor den Houston Astros (74-65) erst recht nicht. In der AL East ist aber nach wie vor alles drin und seit letzter Woche gab es auch schon wieder einen Wechsel an der Spitze: Die Boston Red Sox (78-61) liegen nun vor den Toronto Blue Jays (77-62), die sich einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht haben, um sich von den New York Yankees (73-65) sweepen zu lassen. Ebenfalls noch voll im Rennen um den Divisionssieg sind die Baltimore Orioles (76-63) und selbst die Yankees sind gar nicht so weit weg – 4.5 Spiele Rückstand auf die Spitze sind theoretisch noch aufzuholen. Aber es ist natürlich sehr unwahrscheinlich, dass sie in den verbleibenden vier Wochen noch drei Teams überholen. Nach der ab heute Nacht anstehenden Vier-Spiele-Serie der Red Sox gegen die Blue Jays wird man in Bezug auf die AL East vielleicht etwas klarer sehen, vielleicht aber auch gerade nicht.

Auch das Wild-Card-Rennen der AL ist stark geprägt von dem Drei- bis Vierkampf in der AL East – schon seit Wochen halten sich beständig der jeweilige Zweite und Dritte der East auf den beiden Wild-Card-Plätzen, zurzeit also Toronto und Baltimore. Ernsthafte Hoffnungen können sich auf jeden Fall noch die Detroit Tigers machen, die nur ein Spiel hinter Baltimore liegen und jetzt – man hätte es nicht besser planen können – von Freitag bis Sonntag dreimal gegen eben jene Orioles spielen. Im Anschluss an diese Serie haben die Tigers gegenüber den East-Teams den großen Vorteil, dass jene bis zum Ende der Saison immer wieder untereinander spielen und sich somit gegenseitig die Punkte wegnehmen. Aus diesem Grund ist meine Prognose, dass am Ende nur eines der East-Teams (ich tippe auf Toronto) eine Wild Card erhält und die andere an die Tigers geht. Mit zwei Spielen Rückstand sind auch die Houston Astros noch dabei, aber ich hatte ja letzte Woche schon erwähnt, dass ich für sie angesichts des aktuellen Spielplans relativ schwarz sehe. Noch siebenmal hintereinander müssen sie gegen Divisionsführer ran: heute gegen die Indians, dann dreimal gegen die Cubs und dreimal gegen die Rangers.

National League
In der National League stehen ebenfalls zwei Divisionssieger, die Washington Nationals (82-57) in der East und die Chicago Cubs (89-50) in der Central faktisch fest. Der dritte eigentlich auch, denn die Los Angeles Dodgers (79-60) haben in der NL West mittlerweile fünf Spiele Vorsprung auf die San Francisco Giants (74-65), die mit 17-32 nach wie vor die schlechteste Bilanz aller MLB-Teams nach dem All-Star-Break aufweisen. Aus diesem Loch werden sie wohl, zumindest was den Divisionssieg angeht, nicht mehr heraus kommen.

Um die Wild Cards spielen die Giants nach wie vor mit, auch wenn der einst sicher scheinende Vorsprung inzwischen auf 0.5 Spiele zusammengeschrumpft ist. Es ist im Wesentlichen ein Dreikampf um die zwei zu vergebenden Plätze und dicht hinter den Giants stehen die St. Louis Cardinals (73-65) jetzt gleichauf mit den New York Mets (74-66). Die Mets sind das Team der Stunde in der MLB mit fünf Siegen aus den letzten Spielen und vierzehn aus den letzten achtzehn. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass von der einstigen Traumrotation Syndergaard-Harvey-deGrom-Matz-Colon momentan nur Syndergaard und Colon übrig geblieben sind und auch Zack Wheeler dieses Jahr nicht mehr fit wird. Vom Restprogramm her dürfen die Mets sich nun sogar als Favorit auf einen der beiden Plätze sehen: Auf sie warten sechsmal die Braves, siebenmal die Phillies, dreimal die Twins, dreimal die Marlins und als einziges Team mit einer positiven Bilanz dreimal die Nationals. Die Giants müssen hingegen noch sechsmal gegen die Dodgers, die Cardinals noch sechsmal gegen die Cubs und beide noch viermal gegeneinander spielen. Ich tippe, dass es zwischen den Cardinals und den Giants ein ganz enges Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Mets wird.

Spielzug der Woche
Hier gibt es mal wieder mehrere Kandidaten: Zwei sehenswerte Aktionen der vergangenen Tage waren für mich Dansby Swansons Inside-the-park-Homer, der schnellste des Jahres und gleichzeitig der erste MLB-Homerun des Rookies, und Brett Gardners großartiger Catch, der einen von drei Siegen der Yankees gegen die Blue Jays sicherte. Noch beeindruckender fand ich aber Brian Doziers Einleitung eines Double Plays gegen die Royals, weil sich darin ein sehr guter Catch und eine artistische Ballweitergabe perfekt vereinen. Außer Konkurrenz, aber zu lustig um auf den Link zu verzichten: Carlos Beltran schießt ein „H“.

Statistik der Woche 
15. So viele Homeruns haben die St. Louis Cardinals dieses Jahr schon durch Pinch Hitter erzielt, was einen neuen MLB-Rekord darstellt. Nummer 15 war ein besonders wichtiger, denn Matt Carpenter glich damit am Dienstag im neunten Inning das Spiel gegen die Pittsburgh Pirates aus und bereitete so den Weg zum Sieg in einem fast schon verlorenen Spiel. Gleichzeitig stellten die Cardinals einen NL-Rekord auf mit dem 25. Spiel hintereinander, in dem sie mindestens einen Homerun erzielten. Diese Serie endete allerdings tags darauf beim 3:4 gegen den gleichen Gegner.

Spiel der Woche
Ein wahres Wechselbad der Gefühle war für beide Seiten das Spiel der Los Angeles Angels bei den Seattle Mariners vom vergangenen Freitag. Die Angels legten mit 4:0 im oberen ersten Inning vor, darunter ein 3-Run-Homer von Mike Trout noch vor dem ersten Out. Die Mariners zeigten sich alle andere als demoralisiert und revanchierten sich mit einem Score im ersten und sage und schreibe neun Runs im zweiten Inning – alle neun übrigens ohne einen einzigen Extra-Basehit, allein durch Singles, Walks und einen Error. Mit 10:4 und einem weiteren Run der Mariners im achten Inning schien das Spiel gelaufen, doch die Angels hörten so auf wie sie angefangen hatten: mit vier Runs und mit Mike Trout. Nur dass Trout dieses Mal keinen Homerun schlug, der sein Team einem epischen Comeback näher gebracht hätte, sondern einen Pop Out, der das aufregende Spiel beim Stand von 11:8 für Seattle beendete.

Spiel der kommenden Woche
Kompliment an die Ersteller der MLB-Schedule: Ein interessanteres Matchup als die Boston Red Sox gegen die Toronto Blue Jays kann es zurzeit gar nicht geben und genau das steht von Freitag bis Montag viermal hintereinander auf dem Programm. Mein Spiel der Woche ist aufgrund der Pitcher das erste davon: Rick Porcello gegen Marco Estrada lautet das voraussichtliche Duell ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Nacht von Freitag auf Samstag.

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