Februar 8th, 2018 by Dominik

Die meisten Teams haben bereits ihre Spring-Training-Quartiere bezogen, nächste Woche geht es offiziell los mit der Vorbereitung auf die MLB-Saison 2018. Noch immer haben aber rund 120 eigentlich etablierte Spieler keinen Verein gefunden und es scheint auch niemand damit zu rechnen, dass sich das auf die Schnelle noch massiv ändert. Die Spielergewerkschaft MLBPA stellt sich jedenfalls bereits auf die besondere Situation ein, indem sie auf der Suche nach geeigneten Orten für ein eigenes Spring-Training-Camp der Free Agents ist.

Unter den Spielern regt sich Unzufriedenheit
Viele Spieler und deren Vertreter haben in den letzten Tagen ihren Ärger über die aus ihrer Sicht geizigen Klubs kundgetan. Noch sieht es nicht nach einem Arbeitskampf aus, aber es mehren sich die Anzeichen, dass bald vorgezogene Neuverhandlungen anstehen könnten. Das aktuelle Collective Bargaining Agreement (CBA), eine Art Rahmentarifvertrag zwischen der MLB und der MLBPA, wurde zwar erst vor einem Jahr neu unterzeichnet und gilt noch bis 2021. Die Spielerseite kommt aber zunehmend zu der Überzeugung, man sei mit dem Vertrag einen schlechten Deal eingegangen.

Ein Grund für die offenbar schwache Verhandlungsposition der Spieler dürfte sein, dass die Luxury-Tax-Regeln des neuen CBA die Klubs stärker zum Sparen anhalten als man vorher dachte. Selbst notorisch ausgabefreudige Franchises wie die Yankees oder die Dodgers bemühen sich, wenigstens in einzelnen Jahren unter die Schwellwerte der Luxussteuer zu rutschen. Denn bei dauerhafter Überschreitung drohen nicht mehr nur einfache Strafzahlungen sondern diese steigen mit jeder Wiederholung und gehen mit weiteren Nachteilen einher wie späteren Draftpicks oder reduzierten Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

In diesem Jahr scheint es den Vereinen auch deshalb leichter zu fallen, sich mit großzügigen Angeboten zurück zu halten, weil die Free-Agent-Klasse des nächsten Jahres deutlich hochkarätiger zu werden verspricht als die jetzige. Bryce Harper und Manny Machado sind dann zum Beispiel zu haben und möglicherweise auch Clayton Kershaw, der eine Opt-Out-Klausel im Vertrag hat. Selbst die reichen Teams müssen schon jetzt darauf achten, sich den Spielraum gegenüber ihrem Budget und der Luxussteuergrenze zu bewahren, wenn sie 2019 einen dieser Stars abgreifen möchten. Das kann durchaus dazu beitragen, sich dieses Jahr mit größeren Investitionen zurückzuhalten.

Andere Faktoren, über die sich zum Beispiel Spieleragent Scott Boras öffentlich beklagt hat, sind die zunehmenden Neigungen der Teams, sich von Spielern über 30 abzuwenden und stattdessen über längere Zeit Prospects zu tanken. Da mag er nicht ganz falsch liegen. Allerdings kann man wohl kaum dagegen streiken oder protestieren, dass die Teams dazulernen. Langjährige Verträge für Spieler, bei denen kaum absehbar ist, zu welchen Leistungen sie in der zweiten Hälfte des Kontrakts noch fähig sind, haben sich in den letzten Jahren allzu oft als schlechte Idee erwiesen. Und die geduldige Strategie eines Aufbaus durch selbst herangezogene Talente hat sich für Teams wie die Cubs und die Astros ganz offensichtlich bewährt und findet nun entsprechend viele Nachahmer.

Man darf jedenfalls schon jetzt gespannt sein auf die nächste Offseason, denn dann wird sich zeigen, ob sich der Trend zur Zurückhaltung der Klubs auf dem Free-Agent-Markt verfestigt oder ob sich dieses Jahr als ein durch das Aufeinandertreffen einiger Besonderheiten verursachter Ausreißer erweist.

Mets verpflichten Todd Frazier
Wenigstens ein relevanter Free Agent ist diese Woche bei einem Team untergekommen und zwar Third Baseman Todd Frazier bei den New York Mets. Die Verpflichtung passt in jeglicher Hinsicht: Frazier stammt aus New Jersey und war erklärtermaßen daran interessiert, nach seinem letztjährigen Engagement bei den Yankees weiterhin in Heimatnähe zu bleiben. Die Mets hatten dringenden Bedarf im Infield, da die Zukunft des seit zwei Jahren verletzten David Wright mehr als fragwürdig ist und die Allzweckwaffen Asdrubal Cabrera, Wilmer Flores und Jose Reyes auf der Position allesamt überfordert schienen. 2017 brachten die drei es zusammen auf üble -17 DRS auf 3B. Frazier war mit +10 DRS einer der Top-Fielder auf diesem Posten und bringt offensiv (.213/.344/.428) zusätzliche Power ins Lineup, die seinen schwachen Average aufwiegt. Frazier erhält einen Zweijahresvertrag über 17 Millionen Dollar.

Vor ein paar Wochen wäre ich nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, dass ich das ein paar Tage vor Beginn des Spring Trainings schreiben kann, aber es ist wahr: Die New York Mets sind eines der aktivsten Teams der Offseason. Das ist angsichts der sparsamen Eigentümer der Franchise eine echte Überraschung. General Manager Sandy Alderson ist es durch gezieltes und geduldiges Handeln gelungen, das Lineup mit verhältnismäßig wenig Geld zu ergänzen und zu verstärken – neben Frazier unterschrieben OF Jay Bruce für 39 Millionen (2 Jahre), IF Jose Reyes für 2,5 Millionen (1 Jahr) und 1B Adrian Gonzalez für 545.000 (1 Jahr). Zudem wurden Schwachstellen im Bullpen durch die Verpflichtung von Anthony Swarzak (14 Millionen, 2 Jahre) und den schon letztes Jahr eingefädelten Trade für A. J. Ramos beseitigt. Wenn jetzt noch ein solider Starter wie Lance Lynn oder Alex Cobb hinzukommt, bin ich von der Offseason der Mets aufrichtig begeistert.

Rangers sichern sich ab mit Colon
Minor-League-Signings lasse ich an dieser Stelle meistens unerwähnt, aber für ihn bin ich zu jeder Ausnahme bereit: Bartolo „Big Sexy“ Colon setzt seine Karriere fort. Der bald 45-jährige Akteur des legendärsten Homeruns aller Zeiten hat zwar kein Team gefunden, dass ihm einen MLB-Vertrag anbietet, aber er konnte einen ordentlichen Minor-League-Vertrag mit den Texas Rangers aushandeln. Colon hatte 2017 ein schwaches Jahr mit 6.48 ERA in 28 Starts für die Atlanta Braves und die Minnesota Twins. Dennoch kann er mit seiner Erfahrung und seinem Durchhaltevermögen sowohl als Mentor wie auch als Absicherung für den Fall von Verletzungen eine wertvolle Rolle spielen. Sein Engagement wird automatisch in einen Einjahresvertrag über 1,75 Millionen Dollar umgewandelt, wenn und sobald er in den 40-Mann-Kader der Rangers berufen wird.

Ein Quarterback für die Yankees
Es muss sehr an Yankees-GM Brian Cashman genagt haben, dass die Mets einen Heisman-Trophy-Gewinner in ihren Reihen haben und er nicht. Die Scharte ist nun ausgewetzt, denn in einem Trade mit den Texas Rangers haben die Yankees sich die Rechte an dem Superbowl-Champion und vierfachen Pro Bowler Russell Wilson gesichert. Warum verpflichtet ein Baseballteam einen Quarterback? Es ist im Endeffekt nicht mehr als ein Marketing-Gag, denn obwohl Wilson in seiner Collegezeit ein brauchbarer Second Baseman war und zwei Spielzeiten in der Organisation der Colorado Rockies verbrachte, strebt er nicht an, eine MLB-Karriere zu verfolgen. Also keine Angst, liebe Seahawks-Fans, Wilson wird weiterhin Football spielen. Seine Rolle bei den Yankees wird sich darauf beschränken, ein, zwei Tage im Spring Training mitzumachen und sich damit einen Kindheitstraum zu erfüllen.

Carlos Martinez unter Anklage
Unschöne Neuigkeiten von jenseits des Spielfelds gab es diese Woche über Pitcher Carlos Martinez von den St. Louis Cardinals. Gegen Martinez läuft ein Gerichtsverfahren, weil er am 4. Juli 2014 an einer gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein soll. Diese begann wohl in einem Strip-Club und eskalierte dann draußen in einer Schlägerei, bei der Martinez der Anklage zufolge gemeinsam mit anderen einen Mann attackierte. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, unter anderem eine Rückenfraktur, und klagt nun auf Entschädigungszahlungen. Mit einer Sperre durch die Liga ist nach derzeitigem Stand nicht zu rechnen: erstens weil es sich um einen Zivilprozess handelt, nicht um eine Strafanklage, zweitens weil das verschärfte Vorgehen der MLB gegenüber Vorfällen wie sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt erst nach den hier betroffenen Ereignissen in Kraft getreten ist.

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