Januar 2nd, 2018 by Dominik

Zum Abschluss der Serie über Baseball auf der ganzen Welt werfe ich einen Blick auf Wettbewerbe der Nationalmannschaften. Traditionell haben im Baseball – genau wie in den anderen US-Sportarten – Nationalteams bei weitem nicht die Bedeutung wie zum Beispiel im Fußball. Doch es gibt die internationalen Turniere seit Jahrzehnten und gerade für Spieler aus „kleinen“ Baseballnationen ist die Gelegenheit, sich auf höherem Niveau zu messen, etwas ganz Besonderes.

Organisiert wird Baseball auf internationaler Ebene von der World Baseball Softball Confederation (WBSC), die 2013 aus der Fusion der seit 1938 bestehenden International Baseball Federation (IBAF) und der International Softball Federation (ISF) entstand. Die WBSC führt eine Weltrangliste. An deren Spitze steht zurzeit Japan, dicht gefolgt vom aktuellen Weltmeister USA. Bei der Ermittlung der Punktwerte fließen Ergebnisse der letzten vier Jahre ein – übrigens nicht nur die der Senioren-Nationalmannschaften, sondern auch die der Jugendmannschaften ab U12. In der Liste geführt werden momentan 122 Baseball-Nationalteams – von Afghanistan bis Zypern.

Weltmeisterschaften: Vom World Cup zum World Baseball Classic
Die erste Baseball-Weltmeisterschaft und gleichzeitig das erste offizielle Baseball-Länderspiel fand 1938 statt. Das „Turnier“ umfasste lediglich zwei Teilnehmer, die USA und Großbritannien. Großbritannien wurde erster Baseball-Weltmeister durch 4:1 Siege in einer Best-of-7-Serie. Kurioserweise schaffte es Großbritannien nach diesem Erfolg über 70 Jahre lang nicht mehr, sich überhaupt für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Der Baseball World Cup (BWC), zunächst bekannt als Amateur World Series, fand ab 1938 bis 1953 mit wenigen Ausnahmen jährlich statt, dann bis Ende der 1960er Jahre nur noch unregelmäßig. Der Teilnehmerkreis rekrutierte sich in diesem Zeitraum meistens nahezu ausschließlich aus Süd- und Mittelamerika. Das änderte sich, als ab 1969 die USA nach 27 Jahren Pause wieder mitmachten und in den Jahren darauf asiatische (Japan, Südkorea) und europäische (Niederlande, Italien) Vertreter dazustießen. Ab 1974 bis 1990 wurde das Turnier alle zwei Jahre ausgespielt, dann im vierjährlichen und ab 2001 wieder im zweijährlichen Rhythmus. 2011 fand der letzte BWC statt – ausgerechnet in diesem letzten Turnier siegte erstmals seit 1938 wieder eine europäische Mannschaft, nämlich die Niederlande.

Zu diesem Zeitpunkt hatte allerdings bereits ein anderes internationales Turnier dem BWC den Rang abgelaufen. Die Regeln des BWC hatten bis 1998 vorgesehen,  dass nur Amateurspieler teilnehmen durften. Ab 1998 waren Minor-League-Profis erlaubt, jedoch keine Major-League-Spieler. Dies war der entscheidende Unterschied zum 2006 in Kooperation mit der MLB aus der Taufe gehobenen World Baseball Classic (WBC). Bei diesem Turnier durften erstmals Profis aus den Major Leagues eingesetzt werden, sodass man eigentlich nur den WBC als echte Weltmeisterschaft bezeichnen kann. Dem Interesse sowohl der Zuschauer als auch der teilnehmenden Verbände folgend, konzentrierte man sich nach zwei erfolgreichen Durchführungen auf den WBC und stellte den BWC ein.

Für die ersten WBCs 2006 und 2009 wurde durch den Verband ein in beiden Turnieren identisches Teilnehmerfeld aus 16 Mannschaften festgelegt. Japan gewann beide Male, 2006 im Finale gegen Kuba und 2009 gegen Südkorea. Im Vorfeld des WBC 2013 fand erstmals ein Qualifikationswettbewerb statt, an dem die vier schwächsten Teams der letzten Runde sowie zwölf Teams, die beim letzten Mal nicht dabei gewesen waren, teilnahmen. So schafften es Brasilien und Spanien, die Plätze von Südafrika und Panama zu erobern. Den Titel holte die Dominikanische Republik im Finale gegen Puerto Rico.

World Baseball Classic 2017 im Dodger Stadium1

Der Qualifikationsmodus blieb für den WBC 2017 unverändert. Dieses Mal kamen Kolumbien und Israel erstmals ins Turnier. Insbesondere Israel sorgte auch in der Hauptrunde für einen Achtungserfolg, indem es in einer Gruppe mit Südkorea, Taiwan und den Niederlanden ungeschlagen die zweite Runde erreichte – das Team bestand allerdings fast ausschließlich aus jüdisch-amerikanischen Major- oder Minor-League-Profis. Erstmals seit Beginn der WBC-Turniere überzeugten auch die bislang stets enttäuschenden USA und holten sich am Ende den Titel im Endspiel gegen Puerto Rico. Im Gegensatz zu früheren Turnieren war die öffentliche Aufmerksamkeit für den WBC in Amerika dieses Mal größer und es fanden sich deutlich mehr namhafte Spieler als früher bereit, für ihr Nationalteam anzutreten. Bis dahin war man gewohnt, dass für die anderen Nationen fast alle MLB-Stars aus dem jeweiligen Land in der Nationalmannschaft spielten, während die meisten US-Profis das Interesse daran vermissen ließen. Dieses Mal waren für die USA zum Beispiel Chris Archer, Marcus Stroman, Andrew Miller, Eric Hosmer, Daniel Murphy, Paul Goldschmidt und Giancarlo Stanton im Einsatz und prompt reichte es zur ersten Meisterschaft.

Das deutsche Team war von 1972 bis 2011 fünfmal beim BCW dabei und landete immer auf einem der hinteren Plätze. An den Qualifikationsrunden zu den WBCs 2013 und 2017 nahm Deutschland teil, scheiterte aber jeweils.

Baseball bei Olympia
Das Bestreben, Baseball zu einer olympischen Sportart zu machen, ist fast so alt wie die Olympischen Spiele der Neuzeit selbst: Schon 1904 fand während der Spiele in St. Louis ein inoffizielles Baseballturnier statt. 1912 in Stockholm war Baseball erstmals als offizielle Demonstrationssportart vertreten, was sich 1936, 1956, 1964, 1984 und 1988 wiederholte. Von 1992 bis 2008 war Baseball dann fünfmal vollwertige Medaillensportart. Dabei durften zunächst nur Amateuerspieler antreten, ab 2000 dann auch Profis. Dennoch musste sich das Turnier mit Spielern aus der dritten Reihe oder bestenfalls Prospects zufrieden geben, denn die Olympischen Sommerspiele fielen zeitlich immer mitten in die MLB-Saison und die Prioritäten der Teams und der Liga waren eindeutig: Spieler aus den aktuellen 25-Mann-Kadern wurden nicht freigestellt. Schaut man auf die Kader des bislang letzten olympische Baseballturniers im Jahr 2008 zurück, so stößt man dennoch auf einige aus heutiger Sicht illustre Namen: Zum Beispiel traten Jake Arrieta, Stephen Strasburg und Dexter Fowler für die USA an, Masahiro Tanaka und Yu Darvish für Japan, Hyun-Jin Ryu und Dae-Ho Leee für Südkorea und Yuliesky Gurriel für Kuba.

Olympia 2008 in Beijing: Die Teams China und USA mit US-Präsident George W. Bush2

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Baseball ab 2012 wieder aus dem Programm zu nehmen, hing mit Sicherheit stark damit zusammen, dass es die Verantwortlichen der MLB nicht überzeugen konnte, die besten Spieler zu Olympia zu schicken – anders als beispielsweise die NBA seit 1992 und die NHL seit 1998. Seither gab es drei Abstimmungen über eine Wiederaufnahme, von denen die ersten beiden verloren gingen:  2016 wurden Golf und Rugby neu aufgenommen und für 2020 das ursprünglich schon als Streichkandidat festgelegte Ringen doch als olympische Sportart erhalten. In der dritten Abstimmung wurde auf Vorschlag des japanischen Organisationskomitees beschlossen, Baseball (männliche Athleten) und Softball (weibliche Athleten) für Tokio 2020 zumindest einmalig aufzunehmen. Die Entscheidung dürfte insofern leicht gefallen sein, als diese Sportarten in Japan sehr populär und zahlreiche geeignete Wettkampfstätten vorhanden sind. Für Paris 2024 wird neu entschieden und ich fürchte, die Aussichten für den Baseball sind dann nicht mehr so gut.

Die Bereitschaft der MLB, die Top-Spieler für Olympia freizustellen, wäre sicher ein gutes Argument, Baseball wieder dauerhaft bei den Spielen zu etablieren. Allerdings wäre das ein gravierender Eingriff in den Spielplan, dessen einzige längere Unterbrechung bislang der All-Star-Break von vier bis fünf Tagen darstellt. Eine Olympia-Pause würde rund 14 Tage Ende Juli / Anfang August in Anspruch nehmen und müsste von den Teambesitzern sowie von der Spielergewerkschaft abgesegnet werden.

Bei den fünf bisherigen olympischen Baseball-Turnieren war Kuba mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen die dominierende Mannschaft. Die nicht von Kuba gewonnenen Turniere gingen im Jahr 2000 an die USA und 2008 an Südkorea. Deutschland qualifizierte sich bislang nie für die Olympia-Teilnahme.

Europa- und sonstige Kontinentalmeisterschaften
Der internationale Verband WBSC gliedert sich in vier Kontinentalverbände. Einer davon ist die Confederation of European Baseball (CEB), die seit 1954 die Baseball-Europameisterschaft ausrichtet.

Die Europameisterschaft fand zunächst jährlich statt, seit 1959 hat sie einen zweijährlichen Rhythmus. In Ausnahmefällen wurde der Abstand zwischen zwei Turnieren auf drei Jahre ausgedehnt, um das Ergebnis für die Qualifikation einer Weltmeisterschaft oder eines olympischen Turniers mitzunutzen. Spanien 1955 und Belgien 1967 sind die einzigen beiden Länder, die die Dominanz der Niederlande (22 EM-Titel) und Italiens (10) kurz unterbrechen konnten. Deutschland ist regelmäßiger Teilnehmer der Turniere, erreichte aber nur 1957 einmal das Finale, das man gegen die Niederlande verlor. Bei der letzten EM 2016 wurde Deutschland Vierter hinter den Niederlanden, Spanien und Italien. Die nächste Europameisterschaft findet 2019 in Bonn und Solingen statt.

Die Baseball Federation of Asia führt seit 1954 die Asia Baseball Championship durch, seit 1983 findet sie regelmäßig alle zwei Jahre statt. Mit 18 Titeln aus 27 Turnieren ist Japan Rekordmeister, regelmäßig auf dem Treppchen stehen zudem Südkorea und Taiwan. Diese drei Teams haben 2017 ein neues, zusätzliches Turnier ins Leben gerufen: die Asia Professional Baseball Championship. Es richtet sich hauptsächlich an Spieler unter 24 oder mit weniger als drei Profijahren; jedes Team darf aber drei Spieler einsetzen, die diesen Kriterien nicht entsprechen. Das erste Turnier fand im November statt und wurde von Japan durch drei Siege in drei Spielen gewonnen.

Japan und Südkorea vor dem allerersten Spiel der Asia Professional Baseball Championship3

Die African Baseball and Softball Association scheint derzeit keine regelmäßige Kontinentalmeisterschaft zu veranstalten. In den 1990er und den frühen 2000er Jahren gab es ein paarmal die Africa Cup Baseball Championship und zweimal (1999 und 2003) war Baseball eine Disziplin bei den Africa Games. Beide Wettbewerbe wurden offenbar nicht fortgesetzt, jedenfalls habe ich nichts darüber gefunden. Was man sicher sagen kann ist, dass im afrikanischen Baseball eine große Kluft zwischen dem übermächtigen Südafrika und den restlichen Nationalmannschaften des Kontinents besteht.

Auch im Gebiet der Baseball Confederation of Oceania finden mangels Konkurrenz derzeit keine Meisterschaften statt. Die beiden bislang letzten Anläufe wurden 2004 und 2007 unternommen, als der jeweils einzige gemeldete Gegner für Australien – 2004 Guam und 2007 Neuseeland – seine Teilnahme zurückzog, sodass Australien kampflos zum Sieger erklärt wurde.

Die Pan American Baseball Confederation umfasst die Länder der kompletten amerikanischen Kontinente. Eine eigenständige panamerikanische Meisterschaft existiert nicht, aber Baseball ist eine Disziplin der Pan American Games seit deren Einführung 1951. Die Spiele finden alle vier Jahre statt. Prinzipiell sind auch Profispieler erlaubt, es haben aber bislang noch nie MLB-Spieler an dem Turnier teilgenommen. Kuba hat die bisher 18 Turniere mit 12 Goldmedaillen deutlich dominiert. Zuletzt hat allerdings 2011 und 2015 zweimal hintereinander Kanada gewonnen und Kuba auf Platz drei hinter den USA verwiesen.

Südamerika hat zudem noch eine eigene Meisterschaft, die South American Baseball Championship. Es gibt die Veranstaltung seit 1957, allerdings mit Unterbrechungen zwischen 1973 und 2004 sowie zwischen 2005 und 2011. Das Turnier fand bisher meistens alle zwei Jahre statt, manchmal aber auch jährlich und 2016 sogar zweimal in einem Jahr. Häufigster Titelträger und auch amtierender Champion ist Brasilien.

Wer darf in welcher Mannschaft spielen? 
Die Antwort auf diese Frage scheint eigentlich auf der Hand zu liegen, aber die Spielberechtigung für Baseball-Nationalmannschaften orientiert sich nicht am Staatsbürgerschaftsrecht und ist für Außenstehende mitunter schwer durchschaubar. Generell scheint die Auslegung des WBSC recht großzügig zu sein. So können zum Beispiel die Niederlande regelmäßig auf Spieler aus ihren ehemaligen Überseegebieten zurückgreifen (mehr dazu im Artikel über die Niederlande) und oft treten astreine US-Amerikaner für ein Land an, in dem ihre Vorfahren gewohnt haben oder zu dem sich irgendein anderer Bezug herstellen lässt. So sind beispielsweise die beiden Mets-Outfielder Brandon Nimmo aus Wyoming und Michael Conforto aus Seattle für Italien spielberechtigt, das fast komplett amerikanische Team Israel habe ich oben schon erwähnt und auch Deutschland hatte schon „Gastspieler“ wie Bruce Maxwell oder Will Ohman.

Wie kann man die internationalen Turniere verfolgen? 
Um das weltweite Interesse an internationalem Baseball zu befördern, sollte es im digitalen Zeitalter eigentlich selbstverständlich sein, dass man die Spiele zumindest im Internet live verfolgen kann. Tatsächlich ist die Lage in dieser Hinsicht leider sehr uneinheitlich und instabil. Bei jedem Turnier ist es wieder eine spannende und oft erst kurzfristig zu klärende Frage, ob und wie man an aktuelle Informationen oder gar bewegte Bilder kommt. Beim WBC 2017 zum Beispiel gab es zwar einen Videostream von mlb.tv, den man aber trotz Abo außerhalb der USA nicht empfangen konnte. Auch von der Europameisterschaft 2016 gab es leider keine Livebilder, aber immerhin konnte man dank des Engagements von meinsportradio.de zumindest die Spiele mit deutscher Beteiligung als Audioübertragung verfolgen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: redlegsfan21 (CC BY 2.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Eric Draper (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: civitatis94/Garam (CC BY 2.0 KR)

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März 23rd, 2017 by Dominik

Das Spring Training neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu und in nur zehn Tagen beginnt endlich die neue MLB-Saison – schon zwei Tage vorher startet übrigens die deutsche Baseball-Bundesliga, auf die ich mich genauso sehr freue. Heute steht aber erst einmal das Ergebnis eines anderen Wettbewerbs im Vordergrund: Die USA haben den World Baseball Classic gewonnen und sind somit zum ersten Mal das geworden, was man in den meisten anderen Sportarten als Weltmeister bezeichnen würde. Herzlichen Glückwunsch dazu!

Klarer Sieg der USA im Finale des WBC 
Das Finale zwischen den Gastgebern und Puerto Rico verlief einseitiger als erwartet: 8:0 siegten die USA, die in der Zwischenrunde den Puerto Ricanern noch mit 5:6 unterlegen gewesen waren. Ganz großen Anteil an dem Erfolg hatte der Starting Pitcher der USA, Marcus Stroman, der erst im siebten Inning den ersten Hit zuließ und hinterher zum MVP des Spiels gewählt wurde. In der Offensive leisteten 2B Ian Kinsler und OF Andrew McCutchen mit je zwei Hits, darunter ein 2-Run-Homerun von Kinsler, und je einem Walk den größten Beitrag.

Gute und schlechte Nachrichten für die Yankees
Die meisten Schlagzeilen aus dem Spring-Training gebührten diese Woche den New York Yankees. Erfreulich aus ihrer Sicht ist, dass sie mit 19 Siegen und nur 7 Niederlagen bislang das erfolgreichste Team der Vorbereitungsrunde sind. Für besonderes Aufsehen sorgte die Leistung vom vergangenen Freitag, als Masahiro Tanaka, Chasen Shreve und Jordan Montgomery einen No-Hitter gegen die Detroit Tigers pitchten – übrigens den ersten Spring-Trainig-No-Hitter seit zwei Jahren. Natürlich sind solche Freundschaftsspiel-Erfolge im Endeffekt nichts wert und so wird die Freude über die guten Leistungen wohl deutlich von der schlechten Nachricht dieser Woche überschattet: Shortstop Didi Gregorius kehrte mit einem gezerrten Schultermuskel von seiner WBC-Teilnahme für das niederländische Nationalteam zurück und wird mindestens bis in den Mai hinein ausfallen. Naturgemäß gab es sofort Spekulationen über einen Trade, beispielsweise für Freddy Galvis von den Phillies oder für Zack Cozart von den Reds, aber wahrscheinlicher erscheint eine interne Vertretungslösung. Diese wird aller Voraussicht nach nicht Top-Prospect Gleyber Torres sein, dem man mehr Zeit zur Entwicklung in den Minor Leagues geben will. Starlin Castro, Tyler Wade und Ruben Tajada sind wohl die aussichtsreichsten Kandidaten für den Job.

Neue Tommy-John-Opfer
Noch schlimmer als Gregorius hat es die beiden Starting Pitcher Cody Anderson von den Cleveland Indians und Trevor May von den Minnesota Twins erwischt: Beide mussten sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery zur Reparatur von Bändern im Ellbogen unterziehen. Das bedeutet, dass die Saison 2017 ohne die beiden stattfinden wird. Sowohl Anderson als auch May waren zuletzt keine festen Größen in ihren Teams und konnten vor der Verletzung allenfalls auf den fünften Platz in der jeweiligen Rotation hoffen.

Vertragsverlängerung für Kevin Kiermaier und Tim Anderson
Grund zur Freude gibt es für OF Kevin Kiermaier von den Tampa Bay Rays und Shortstop Tim Anderson von den Chicago White Sox, denn beide haben diese Woche neue millionenschwere Verträge unterzeichnet. Kiermaier – defensiv unbestreitbar einer der besten Outfielder der Liga, als Batter bislang nicht mehr als solide – erhält von den Rays 53,5 Millionen Dollar für sechs Jahre, ein weiteres Jahr ist optional für 13 Millionen.

Anderson hat ebenfalls für sechs Jahre unterschrieben und bekommt dafür 25 Millionen Dollar. Seine Vertragsverlängerung kam überraschend, denn er spielt seit nicht mal einem Jahr in der MLB. Er wäre daher nach den zwischen der Spielergewerkschaft MLBPA und der Liga ausgehandelten Regeln ohnehin noch sechs Jahre an die White Sox gebunden gewesen und hätte sich auch mit weit weniger Geld zufrieden geben müssen. Kernstück des Vertrages sind daher die beiden optionalen Jahre, in denen die White Sox ihren Shortstop für 12,5 und 14 Millionen Dollar nach der festen Laufzeit weiterbeschäftigen können.

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März 22nd, 2017 by Dominik

Heute Nacht ab 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt in Los Angeles das Finale des World Baseball Classic, der Weltmeisterschaft der Baseball-Nationalmannschaften. Im vierten Anlauf haben die USA erstmals das Finale erreicht, indem sie im Halbfinale knapp mit 2:1 die Oberhand gegen den Weltranglistenersten Japan behielten. Ihr Gegner im Endspiel ist Puerto Rico, das beim letzten WBC 2013 Vizemeister wurde und bisher im gesamten Turnier unbesiegt blieb. Im Halbfinale hatten die Puerto Ricaner sich per Walkoff im elften Inning 4:3 gegen die Niederlande durchgesetzt.

Als Starting Pitcher wird für die USA heute Nacht Marcus Stroman (Toronto Blue Jays) zum Einsatz kommen, für Puerto Rico startet Seth Lugo (New York Mets). Wenn man sich die Gegenüberstellung der vorgesehenen Spieler ansieht, so sieht das sehr stark nach einem Duell auf Augenhöhe aus – wofür auch spricht, dass sich die beiden Teams beim ersten Aufeinandertreffen in diesem Turnier mit einem knappen 6:5 für Puerto Rico trennten, übrigens mit den gleichen Starting Pitchern. Ich bin immer wieder erstaunt, was für ein großartiges Lineup das kleine Puerto Rico (die Einwohnerzahl entspricht in etwa der Berlins) auf den Platz bringt: Yadier Molina, Francisco Lindor, Javier Baez, Carlos Correa, Carlos Beltran, Edwin Diaz – wenn die alle im gleichen MLB-Team antreten würden, würde es sicher ganz oben mitspielen.

Die Aufmerksamkeit innerhalb der USA für den WBC erscheint mir dieses Mal deutlich größer als bei den früheren Turnieren: Mehr als sonst folgten zahlreiche (wenn auch längst nicht alle) Superstars dem Ruf ins Nationalteam, schon vor den Halbfinalspielen war ein neuer Zuschauerrekord erreicht und Cubs-Manager Joe Maddon dachte bereits laut darüber nach, ob man nicht zukünftig den WBC-Sieger und den aktuellen World-Series-Gewinner gegeneinander antreten lässt.

Zum Gesicht des Turniers scheint übrigens Outfielder Adam Jones zu avancieren: nicht so sehr, weil ihm im Halbfinale der entscheidende RBI gegen Japan gelang, sondern vor allem durch den sehenswerten geraubten Homerun im Spiel zwischen den USA und der Dominikanischen Republik, ausgerechnet gegen seinen Orioles-Teamkameraden Manny Machado.

Ob das Finale in Deutschland zu empfangen ist, ist leider fraglich. Rechteinhaber DAZN hat sporadisch einige Spiele des Turniers gezeigt, aber ich konnte noch nichts darüber herausfinden, ob eine Übertragung des Endspiels geplant ist.

Aktualisierung: DAZN hat bekannt gegeben, dass das Spiel übertragen wird.

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März 16th, 2017 by Dominik

Zum Glück bin ich nicht abergläubisch, sonst müsste ich mich jetzt schlecht fühlen: Letzte Woche habe ich mich an dieser Stelle gefreut, dass es im Spring Training bis dato keine ernsthaften Verletzungen gegeben hatte. In den Tagen darauf schienen die MLB-Spieler plötzlich zu fallen wie die Fliegen. Außerdem freute ich mich mit Israel, dem Überraschungstam der ersten Runde beim World Baseball Classic. Nach zwei Niederlagen in der Zwischenrunde sind die Israelis nun leider ausgeschieden. Hier die wichtigsten Neuigkeiten der letzte sieben Tage aus der MLB sowie vom WBC:

Japan und Niederlande im WBC-Halbfinale 
Die erste der beiden Zwischenrundengruppen des WBC hat ihre Spiele bereits abgeschlossen. Israel ist zwar auch in diese Runde mit einem Sieg über einen Favoriten gestartet (4:1 gegen Kuba), doch dann setzte es klare Niederlagen gegen den Weltranglistenersten Japan und Europameister Niederlande, die nun als erste für das Halbfinale qualifiziert sind. So weit waren beide auch 2013 beim letzten WBC gekommen, dann war allerdings Endstation gegen die Dominikanische Republik bzw. gegen Puerto Rico. Tatsächlich könnte es dazu kommen, dass dieses Jahr alle vier Halbfinalisten die gleichen sind wie 2013. Allerdings sind in der zweiten Gruppe der Zwischenrunde noch mindestens vier Spiele zu absolvieren und neben den beiden Genannten dürften auch die USA in Bezug auf den Halbfinaleinzug noch ein gewichtiges Wörtchen mitreden.

Übrigens hat sich DAZN als Inhaber der Übertragungsrechte in Deutschland inzwischen erbarmt und zeigt einige Spiele des WBC als Livestream. Der Dienst kostet 9,99 Euro im Monat. Wenn man nur den WBC sehen will, reicht dafür der kostenlose Probemonat.

Chad Bettis benötigt Chemotherapie
Für Chad Bettis, Starting Pitcher der Colorado Rockies, ist die Saison wahrscheinlich gelaufen, bevor sie überhaupt begonnen hatte: Der 27-Jährige musste erfahren, dass seine Erkrankung an Hodenkrebs sich nicht wie zunächst erhofft durch eine Ende letzten Jahres vorgenommene OP erledigt hat. Stattdessen hat der Krebs sich ausgebreitet und macht eine ausführlichere Behandlung inklusive Chemotherapie nötig. Immerhin liegen die Heilungschancen wohl bei über 90%. Ob Bettis dieses Jahr noch auf den Mound zurückkehren kann, steht in den Sternen; die Prioritäten in dieser Situation sind natürlich auch ganz klar andere.

Viele, viele Verletzungen
In der dritten Woche des Spring Trainings kam es leider zu einer ganzen Reihe von Verletzungen. Hier eine Auswahl:

IF/OF Ian Desmond, der bei den Rockies als First Baseman zum Einsatz kommen sollte, hat sich die linke Hand gebrochen, als er von einem Pitch getroffen wurde. Er musste operiert werden und dürfte frühestens Ende April wieder einsatzbereit sein.

SP Trevor May von den Minnesota Twins hat ein Band im Ellbogen des Wurfarmes gerissen. Das bedeutet, dass er sich voraussichtlich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss und somit mindestens für den Rest des Jahres ausfällt.

Auch bei den SPs Anthony DeSclafani von den Cincinnati Reds und Cody Anderson von den Cleveland Indians bereiten die Ellbogenbänder Probleme, allerdings sind sie bei beiden wohl nicht abgerissen und es besteht derzeit noch Hoffnung, dass beide ihre Arme nach einer mehrwöchigen Erholungspause wieder belasten können.

Ähnlich ergeht es Jason Kipnis, 2B der Indians. Bei ihm sitzt die Verletzung in der Schulter und auch in seinem Fall ist die Hoffnung derzeit, dass es mit ein paar Wochen Pause getan ist. Den Opening Day wird Kipnis in jedem Fall verpassen.

Eine wahre Schrecksekunde gab es am Freitag im Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Detroit Tigers, als RP T. J. House von einem Comebacker hart am Hinterkopf getroffen wurde. House blieb zunächst reglos liegen, wurde lange behandelt und anschließend ins Krankenhaus gebracht, das er aber glücklicherweise schon am nächsten Tag wieder verlassen durfte, nachdem eine ernste Verletzung ausgeschlossen wurde.

Derek Norris released
Die Washington Nationals haben sich von Catcher Derek Norris getrennt. Das ist insofern bemerkenswert, als die Nationals ihn erst im Dezember via Trade geholt und im Gegenzug Pitching-Prospect Pedro Avila an die San Diego Padres abgegeben hatten. Überraschend kam der Move aber nicht, nachdem die Nationals sich auf der Catcherposition mit Free Agent Matt Wieters verstärkt haben. Norris wurde offiziell released und kann somit frei nach einem neuen Arbeitgeber suchen. Vermutlich wird er einen solchen relativ schnell finden. Die Tampa Bay Rays haben bereits ihr Interesse bekundet.

Und natürlich ein Trade der Mariners
Was wäre die MLB-Woche ohne einen Trade der Seattle Mariners? Als Partner haben sich dieses Mal die Philadelphia Phillies gefunden, die den beidhändigen Pitcher Pat Venditte bekommen und dafür OF-Prospect Joey Curletta nach Seattle schicken. Für Jerry Dipoto, den offensichtlich shoppingsüchtigen General Manager der Mariners, war es der fünfzehnte Trade in dieser Offseason.

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März 9th, 2017 by Dominik

Das Spring Training läuft seit zwei Wochen auf Hochtouren und ich freue mich, mal eine vorbehaltlos positive Nachricht weitergeben zu können: Sofern ich nichts übersehen habe hat sich seit Beginn der Frühlingsspiele kein einziger MLB-Spieler so ernsthaft verletzt, dass er für mehr als ein paar Wochen ausfällt. Auch die letzte Woche erwähnten Sorgen um David Price erwiesen sich glücklicherweise als unbegründet, statt einer Tommy-John-Surgery wird es wohl mit ein paar Taugen Pause getan sein. Im Endeffekt ist das alles, was beim Spring Training zählt: sich warmspielen für die Saison und gesund bleiben. Dass die Yankees mit 10-3 die bisher beste Bilanz aufweisen, dass die Hitter der Mets mit .301 den höchsten Average erzielt haben und die Pitcher der Pittsburgh Pirates mit 2.89 den niedrigsten ERA – das wird am 2. April niemanden mehr interessieren, deswegen gehe ich hier auch gar nicht weiter darauf ein.

Israel und Niederlande überraschen beim WBC 
Parallel zum Spring Training läuft der World Baseball Classic, bei dem ganz im Gegensatz zu Ersterem jedes Ergebnis zählt. Gruppe A ist schon durch mit der Vorrunde und es gibt eine faustdicke Überraschung: Gruppensieger mit drei Siegen in drei Spielen wurde Israel – ausgerechnet das Team, das ich in meinem Vorschauartikel als den einzigen krassen Außenseiter des Turniers bezeichnet hatte. Dafür entschuldige ich mich hiermit in aller Form und wünsche Israel viel Erfolg für den Rest des WBC. Den wünsche ich im Übrigen auch den Niederlanden, die mit ihrem Einzug in Runde 2 ebenfalls die Erwartungen übertrafen und den Favoriten Südkorea und Taiwan ein frühzeitiges Turnierende bescherten. Weniger unerwartet geht es bisher in Gruppe B zu: Mit Siegen gegen Australien und Kuba hat der Weltranglistenerste Japan sich das Weiterkommen bereits gesichert; spannend wird es morgen Früh, wenn Kuba und Australien untereinander Platz zwei der Gruppe ausspielen. Auch die Gruppen C und D greifen in der kommenden Nacht mit den Begegnungen Kanada gegen Dominikanische Republik und Mexiko gegen Italien endlich ins Geschehen ein.

Leider fühle ich mich als deutscher Baseballfan etwas abgehängt von der WBC-Begeisterung – nicht weil das deutsche Team die Qualifikation nicht geschafft hat, sondern weil wir hierzulande keine bewegten Bilder zu sehen bekommen. Dass der WBC auf mlb.tv nur in den USA live zu empfangen sein wird, war frühzeitig bekannt. Leider erwies sich dann auch die zunächst von mlb.tv selbst verbreitete Info, man könne als internationaler Nutzer wenigstens auf die Aufzeichnungen zugreifen, als falsch. Am ersten Tag des Turniers gab es wohl auf der Facebookseite des WBC einen Livestream zu sehen, aber das war offenbar nur eine einmalige Werbeaktion.

Brett Lawrie will abwarten 
Brett Lawrie wurde Ende letzter Woche von den Chicago White Sox entlassen, die den verletzungsanfälligen Infielder offenbar nicht als Baustein ihres Rebuilding-Projektes sahen und auch keinen Tradepartner für ihn fanden. Unmittelbar nach der Ankündigung gab es sofort Gerüchte um vier bis fünf potenzielle Interessenten an einer Verpflichtung. Lawrie hat aber inzwischen von seinem Agenten verkünden lassen, dass er eine Auszeit nehmen und sich gründlich auskurieren möchte, bevor er einen neuen Vertrag unterzeichnet.

Angel Pagan noch nicht am Ende
Der ehemalige Giants-Outfielder Angel Pagan ist für 2017 noch ohne Vertrag, aber an ein Ende der Karriere denkt der 35-Jährige nicht. Bei den Blue Jays, Nationals, Braves und Orioles ist er wohl im Gespräch, aber etwas Konkretes hat sich noch nicht ergeben, auch weil Pagan offenbar nicht bereit ist, einen Minor-League-Vertrag zu unterschreiben. Als Mitglied der Nationalmannschaft von Puerto Rico möchte er sich beim WBC für ein neues MLB-Engagement empfehlen.

Was für ein Catch!
Ich weiß nicht, ob Infield-Prospect Luis Guillorme es jemals in die MLB schafft, aber seinen Namen hat nun wohl jeder Baseballfan schon mal gehört und verbindet ihn mit einer Szene, die ich mir stundenlang in Endlosschleife ansehen könnte: Marlins-Shortstop Adeinys Hechavarria schwingt nach dem Ball und lässt dabei versehentlich den Schläger los. Dieser fliegt bedrohlich auf den Dugout der Mets zu, in dem mehrere Spieler hastig in Deckung gehen – nur Guillorme bleibt seelenruhig auf die Reling gelehnt stehen, fängt den Bat mit einer Hand und wirft ihn zurück zu Hechavarria. Wenn ihr das Video noch nicht gesehen habt, schaut es euch hier an.

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März 5th, 2017 by Dominik

Am morgigen Montag beginnt die Weltmeisterschaft im Baseball, der World Baseball Classic. Das Turnier findet in den kommenden zweieinhalb Wochen in vier verschiedenen Ländern statt. Deutschland hat sich nicht für den WBC qualifizieren können und die Möglichkeiten, das Turnier zu verfolgen, sind hierzulande leider sehr eingeschränkt.

Die Teilnehmer
Von den 16 teilnehmenden Mannschaften waren 12 gesetzt aufgrund ihres Abschneidens beim letzten WBC 2013: USA, Japan, Kuba, Kanada, China, Taiwan, Italien, Niederlande, Südkorea, Puerto Rico, Venezuela und der Titelverteidiger Dominikanische Republik. Die restlichen vier Plätze wurden über Qualifikationsturniere im Laufe des letzten Jahres vergeben. Deutschland bekam es dabei vor ziemlich genau einem Jahr mit Nicaragua, Tschechien und Mexiko zu tun und schied leider sang- und klanglos aus. Die Qualifikation schafften letztlich die favorisierten Mexikaner, hinzu kommen aus den anderen Qualifikationsgruppen Australien sowie die beiden erstmaligen Teilnehmer Israel und Kolumbien.

Spielorte und Turniermodus
Die Verteilung des Turniers auf vier Länder lässt Einiges an Reisestress befürchten, jedenfalls für die Teams, die zur Endrunde von Asien nach Amerika wechseln müssen. In der Vorrunde spielt zunächst jede Gruppe an einem festen Ort: Gruppe A in Seoul, Gruppe B in Tokio, Gruppe C in Guadalajara und Gruppe D in Miami. Innerhalb der Gruppe spielt jeder gegen jeden, die jeweils besten zwei Teams kommen weiter.

Die Zwischenrunde findet für die Teams aus den Gruppen A und B in Tokio und für die anderen in San Diego statt. Der Modus bleibt der gleiche wie in der Vorrunde: jeder gegen jeden, je zwei kommen weiter und zwei scheiden aus.

Die Endrunde schließlich steigt in Los Angeles. Hier spielen die Erst- und Zweitplatzierten der Zwischenrunde über Kreuz ein Halbfinale aus und die Sieger am 22. März das Finale.

Außenseiter und Favoriten
Dass die USA als Heimat des Baseballsports und der bedeutendsten Profiliga regelmäßig zu den Favoriten des WBC gehören, dürfte auf der Hand liegen. Tatsächlich sind die Amerikaner bei den drei bisherigen Turnieren aber nie über Platz vier hinausgekommen. Die erfolgreichste Baseballnation ist Japan mit zwei Weltmeistertiteln und einem dritten Platz beim letzten WBC 2013.

Japan führt auch die Weltrangliste an, gefolgt von den USA, Südkorea, Taiwan und Kuba. Dementsprechend dürfen diese fünf, hinter denen in der Liste punktemäßig eine gewisse Lücke klafft, als Favoriten des Turniers gelten.

Dass es im Baseball nicht zwangsläufig nach Rangliste läuft, zeigte sich 2013 beim letzten WBC: Gleich zwei Überraschungsteams schafften es ins Finale, in dem die Dominikanische Republik mit 3:0 die Oberhand gegen Puerto Rico behielt.

Ein nicht allzu geheimer Geheimtipp für dieses Jahr ist Venezuela, das beim letzten WBC enttäuschte und sich dieses Mal beweisen will – das Personal dafür ist mit Leuten wie Miguel Cabrera, Jose Altuve, Carlos Gonzalez, Ender Inciarte und Odubel Herrera zweifellos vorhanden. Generell dürfte die Leistungsdichte unter den 16 Teams so hoch sein, dass fast jeder jeden schlagen kann. Das gilt selbst für Kolumbien, das zum ersten Mal dabei ist, aber mit den Assen José Quintana und Julio Teheran als Startern aufwartet. Als krasser Außenseiter gilt lediglich Israel, für das bereits die Qualifikation zum Turnier eine Sensation darstellte.

Die Spieler
Ein Grund, dass die USA bei bisherigen Turnieren nicht die erwartete Rolle spielten, dürfte sein, dass für viele der amerikanischen Spieler eine von Nationalmannschaften ausgetragene Weltmeisterschaft keinen überragenden Stellenwert hat und man sich lieber auf die anstehenden 162 MLB-Spiele konzentriert. Die ganz Großen wie Clayton Kershaw, Madison Bumgarner, Mike Trout und Bryce Harper sucht man vergeblich im Kader. Trotzdem bieten die USA unter allen beteiligten Teams wohl die größte Ansammlung gestandener MLB-Profis auf: Chris Archer, Marcus Stroman, Andrew Miller, Daniel Murphy, Nolan Arenado, Giancarlo Stanton und einige mehr werden dabei sein.

Die süd- und mittelamerikanischen Mannschaften haben zwar schon rein von der Größe der Länder her nicht ganz so viele Topspieler zur Auswahl, die Ausschöpfung des Potenzials ist dafür aber meistens recht gut. Die Beispiele Venezuela und Kolumbien habe ich schon genannt, ein anderes ist Titelverteidiger Dominikanische Republik mit Akteuren wie Johnny Cueto, Jeurys Familia, Adrian Beltre, Manny Machado, Jose Bautista und Starling Marte. Etwas aus der Reihe fällt in dieser Hinsicht Kuba: Die kubanischen MLB-Profis haben ihre US-Karriere in aller Regel durch eine Flucht aus ihrer Heimat begonnen und werden in der Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt.

Bei den europäischen Vertretern Italien und Niederlande rechnet man eigentlich nicht unbedingt mit vielen MLB-Spielern, aber dank der großzügigen Handhabung der Spielberechtigung durch den internationalen Verband WBSC können beispielsweise die beiden Mets Gavin Cecchini und Brandon Nimmo für Italien spielen. Beide sind weder in Italien geboren noch haben sie die italienische Staatsbürgerschaft, aber italienische Vorfahren reichen aus, um für die Squadra Azzurra antreten zu dürfen. Europameister Niederlande kommt zugute, dass die Karibikinseln Curaçao und Aruba zum niederländischen Königreich gehören. Dem Nationalteam beschert das die Verfügbarkeit beispielsweise von Xander Bogaerts, Jurickson Profar und Kenley Jansen.

Der zweifache Weltmeister Japan setzt überwiegend auf Spieler aus der eigenen Profiliga. Namen wie Koji Uehara, Yu Darvish, Masahiro Tanaka und Kenta Maeda sucht man vergeblich und auch Supertalent Shohei Otani wird wegen einer Verletzung auf die WBC-Teilnahme verzichten. Man darf gespannt sein, wer sich dieses Mal in die Notizbücher der Scouts spielen wird.

Wie kann man den WBC sehen?
Es könnte so ein schönes und interessantes Turnier werden, wenn man nur irgendeine Möglichkeit hätte, die Spiele in bewegten Bildern zu verfolgen. Leider scheint es so zu sein, dass es diese Möglichkeit in Deutschland nicht gibt, jedenfalls nicht hundertprozentig legal und ohne technischen Aufwand. Die Spiele werden zwar auf mlb.tv übertragen, sind aber nur innerhalb der USA verfügbar. Durch Einsatz eines Proxy-Anbieters kann man diese Einschränkung vermutlich umgehen, allerdings riskiert man dadurch möglicherweise eine Kündigung seitens mlb.tv – ein Risiko, das ich für meinen Teil auf keinen Fall eingehen werde. Viel mehr als die Ergebnisse, Spielberichte und vielleicht Zusammenfassungen auf worlbaseballclassic.com zu verfolgen ist daher wohl leider nicht drin.

Kleiner Nachtrag hierzu: Immerhin kann man auf mlb.tv als Nutzer aus Deutschland ab ca. 90 Minuten nach dem Ende jedes Spiels auf die Aufzeichnung zugreifen.

Und noch ein Nachtrag: Der angekündigte Zugriff 90 Minuten nach dem Spiel scheint bislang nicht zu funktionieren. Aber es gibt Livestreams über die Facebookseite des Turniers.

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