März 29th, 2018 by Dominik

Heute. Ich schreibe es noch ein paarmal, weil es so schön klingt: Heute. Heute. Heute. Heute beginnt die neue MLB-Saison. Die Offseason kam mir vor wie eine Unendlichkeit, tatsächlich war es aber eine ungewohnt kurze Saisonpause: Der 29. März ist der früheste Opening Day, den es in der MLB je gegeben hat. Erfreulicherweise hat die Liga zum ersten Mal seit 50 Jahren darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams sollten heute ihr erstes Spiel haben. Daraus wird nun leider nichts, denn wegen angekündigter Regenfälle wurde das Spiel der Cincinnati Reds gegen die Washington Nationals bereits auf Freitag verschoben und es könnten durchaus noch weitere Partien folgen. Sei es wie es will, nächste Woche um diese Zeit sind auf jeden Fall alle Teams mitten drin in der MLB-Saison 2018. Aus diesem Grund lest ihr heute den vorerst letzten Grand Slam am Donnerstag in der Offseason-Variante. Ab nächster Woche gibt es an dieser Stelle wieder die nach Ligen und Divisionen gegliederte Saison-Version des wöchentlichen Überblickartikels.

Bumgarner, Bird und Puk verletzt 
Noch bevor die Saison richtig begonnen hat, gibt es leider schon wieder so viele verletzte Spieler, dass es mir schwerfällt, einen vollständigen Überblick zu bewahren. Das namhafteste „Opfer“ ist diese Woche Madison Bumgarner. Der Giants-Pitcher wurde von einem Comebacker an seiner Wurfhand getroffen und erlitt eine Fraktur, die operiert werden musste. Er wird seinem Team voraussichtlich rund zwei Monate lang fehlen.

Ähnlich lang werden die Yankees auf ihren First Baseman Greg Bird verzichten müssen. Bird musste sich einer OP am rechten Knöchel unterziehen, bei der Knochensplitter entfernt wurden. Man kann nur hoffen, dass mit der neuen Maßnahme endlich die Ursache beseitigt wurde, wegen der der hochtalentierte 25-Jährige einen Großteil der vergangenen beiden Saisons versäumte.

Die gesamte Saison 2018 und auch den Beginn der Saison 2019 wird A. J. Puk, Pitching-Prospect der Oakland Athletics, verpassen. Genau wie sein Teamkollege Jharel Cotton in der Woche zuvor, muss Puk sich wegen einer Verletzung am Wurfellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

Scott Kingery: 6 Jahre, 24 Millionen, 0 MLB-Spiele
Eine eher ungewöhnliche Vertragsverlängerung gab es bei den Philadelphia Phillies: Scott Kingery einigte sich mit dem Klub auf einen Sechsjahresvertrag mit einem garantierten Einkommen von 24 Millionen Dollar, bevor er auch nur ein einziges At Bat in der MLB absolviert hat. Das spricht für großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Infielders, der ein sehr starkes Spring Trainig gespielt hat (.411/.441/.786). Der Vertrag deckt die komplette Zeit ab, in der Kingery sonst drei Monate für den Mindestlohn der MLB und weitere drei Jahre für ein im Arbitration-Verfahren ausgehandeltes Gehalt gespielt hätte. Die Vertragssumme ist ein Rekord für Spieler ohne MLB-Erfahrung, aber wenn Kingery die Erwartungen halbwegs erfüllt, hätte er über die sechs Jahre gerechnet wohl auch sonst in dieser Größenordnung verdient. Vorteilhaft für den Klub erscheint vor allem, dass der Vertrag Optionen für drei weitere Jahre zu 13 Millionen, 14 Millionen und 15 Millionen Dollar enthält.

Und was wird aus Greg Holland?
Es war eine seltsame Free Agency in dieser Offseason, doch im Endeffekt sind die meisten prominenten Spieler irgendwann irgendwo untergekommen. Die wichtigste Ausnahme davon bleibt Greg Holland. Der ehemalige Closer der Colorado Rockies wurde schon mit diversen Teams in Verbindung gebracht – den Rockies, den Diamondbacks, den Braves, den Cardinals, zuletzt den Mets –, aber etwas Konkretes hat sich nicht ergeben. Offenbar haben Holland und sein Agent Scott Boras, der dafür bekannt ist, die Teams in Verhandlungen lange hinzuhalten, sich verzockt und die besten Möglichkeiten verpasst. Holland wird nicht lange arbeitslos bleiben, wenn die Saison erst begonnen hat, aber er wird möglicherweise mit einem Einjahresvertrag und einem „nur“ siebenstelligen Gehalt vorlieb nehmen müssen. In der Größenordnung der 17,4 Millionen, die er sich durch die Ablehnung des Qualifying Offers der Rockies zu Beginn der Offseason entgehen ließ, wird er jedenfalls nicht mehr rechnen dürfen.

Ein paar weitere Free Agents, die innerhalb der ersten Saisonwochen noch irgendwo unterkommen dürften, sind SP John Lackey, OF Jose Bautista, 1B Mark Reynolds und 2B Brandon Phillips.

Steven Wright wird gesperrt
Die Boston Red Sox werden zu Beginn der Saison für einige Zeit auf Pitcher Steven Wright verzichten müssen. Zunächst steht Wright auf der Verletztenliste (DL), weil er nach einer im Mai 2018 durchgeführten Knieoperation noch nicht wieder ganz fit ist. Zudem muss er eine 15-tägige Sperre absitzen, die erst dann in Kraft tritt, wenn die Verletzung überwunden ist. Wright war im Dezember zu Hause in Tennessee festgenommen worden wegen eines häuslichen Übergriffs gegenüber seiner Frau Shannon und wegen Verhinderung eines Notrufs. Wright räumt sein Fehlverhalten ein, beteuert aber, dass es bei dem Vorfall nicht darum ging, dass er seine Freu geschlagen oder auch nur angefasst hätte. Gerichtlich endete die Sache mit Zahlung einer Strafe und einer Art vereinfachter Bewährung: Wenn Wright sich innerhalb von zwölf Monaten nichts mehr zu schulden kommen lässt, wird das Verfahren eingestellt.

Oh shit! 
Die Überschrift hätte zwar auch für den vorherigen Abschnitt gepasst, ist hier aber wörtlich gemeint: Wegen eines gebrochenen Abwasserrohres wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Teil des Foul-Territorys von Dodger Stadium von Fäkalien überflutet. Das Ganze passierte während des fünften Innings des Spring-Training-Spiels zwischen den Dodgers und den Angels, das daraufhin abgebrochen wurde. Das Leck und die entstandenen Schäden sind wohl mittlerweile behoben, sodass die heutige Saisoneröffnung der Dodgers gegen den Erzrivalen San Francisco Giants nicht in Gefahr ist.

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Dezember 28th, 2017 by Dominik

Der Grand Slam fällt heute etwas dünner aus als gewohnt, denn es tut sich nicht viel in der MLB über Weihnachten und zwischen den Jahren. Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist aber, wie langsam sich der Free-Agent-Markt dieses Jahr insgesamt entwickelt: Von meinen Top-20 Free Agents haben bislang nur vier einen neuen Vertrag unterzeichnet, 16 sind noch auf der Suche. Letztes Jahr war es genau umgekehrt, da hatten um diese Zeit lediglich vier Top-20-FAs noch keinen Arbeitgeber gefunden. Ich schätze, dass es nach Silvester bald Schlag auf Schlag geht mit den FA-Signings – schließlich sind es nur noch 46 Tage bis zum Reporting der Pitcher und Catcher, also dem Trainingsauftakt der Saison 2018.

Diamondbacks holen japanischen Closer 
Die interessanteste Neuverpflichtung der Woche hatte vorher kaum jemand auf der Rechnung: Die Arizona Diamondbacks haben sich die Dienste des Relievers Yoshihisa Hirano gesichert. Hirano wird im März 34 und erhält in diesem relativ hohen Sportleralter erstmals die Chance, seine Fähigkeiten in der MLB zu beweisen. Hirano erzielte in den letzten fünf Jahren als Closer der Orix Buffaloes 143 Saves mit einem ERA von 2.62 und wird in Arizona seine Chance auf die gleiche Rolle erhalten. Aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung konnte Hirano – anders als zum Beispiel Shohei Ohtani – einen frei ausgehandelten Vertrag unterschreiben. Dieser läuft über zwei Jahre und bringt ihm sechs Millionen Dollar ein.

Zwei Reliever für die Reds
Weniger Ruhe als der Rest der Liga haben sich die Cincinnati Reds über die Feiertage gegönnt: Sie rüsten ihren in der letzten Saison sehr schlechten Bullpen mit Jared Hughes und Daniel Wright auf. Hughes erhält eine  Zweijahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar zuzüglich Leistungsprämien und ein Jahr Teamoption. Der 32-Jährige, zuletzt für Milwaukee tätige Rechtshänder ist als feste Größe vor Closer Raisel Iglesias eingeplant. Daniel Wright kommt mit einem Minor-League-Vertrag zurück zu den Reds, die ihn ursprünglich gedraftet hatten. Seine bisherigen MLB-Erfahrungen sammelte er in den letzten eineinhalb Jahren bei den Los Angeles Angels. In 56.1 Innings mit einem ERA von 5.61 gelang ihm dort nicht der Durchbruch.

Huff und Garcia suchen ihr Glück in Korea
Zwei ehemalige MLB-Spieler gaben diese Woche neue Engagements in der koreanischen KBO bekannt: Pitcher David Huff ist dort schon 2016 und 2017 für die LG Twins erfolgreich im Einsatz gewesen und wechselt nun zu den Yakult Swallows (ja, die heißen wirklich so). Die Twins haben derweil MLB-erfahrene Verstärkung für die dritte Base gefunden: Der Kubaner Adonis Garcia war zuletzt für die Atlanta Braves tätig, verpasste allerdings weite Teile der Saison 2017 wegen Verletzungen und versucht es nun mit einem Neustart in Asien.

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Juni 12th, 2017 by Dominik

…und niemand schaut hin. O. K., ganz so unbeachtet ist die Draft der MLB, die heute Nacht (1 Uhr mitteleuropäischer Zeit) beginnt, dann auch wieder nicht. Aber im Vergleich mit den anderen großen US-Sportarten erfährt die Spielerauswahl der MLB recht wenig Aufmerksamkeit. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • College Baseball ist nicht so populär wie College Football oder College Basketball, daher haben die meisten Kandidaten für eine Profikarriere zum Zeitpunkt der Draft einen geringeren Bekanntheitsgrad als die Kollegen in den anderen Sportarten.
  • Der Weg von der Draft bis ins MLB-Team ist in aller Regel ein Prozess von einigen Jahren, in denen mehrere Stufen der Minor Leagues durchlaufen werden. Das ist in der NFL, der NBA und der NHL anders; dort erwartet man von den Top-Draftpicks, dass sie vom ersten oder spätestens vom zweiten Jahr an das Team verstärken.
  • Durch das breite Farmsystem und den meist langen Aufenthalt in selbigem, dauert es nicht nur seine Zeit, bis man die Prospects im MLB-Team sieht, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt dazu kommt, ist auch deutlich geringer. Die meisten gewählten Spieler, auch viele Erstrundenpicks, schaffen es entweder gar nicht bis in die MLB und/oder sie wechseln während der Minor-League-Karriere (durch Trades oder die Rule-5-Draft) in eine andere Franchise. Durch diese Unwägbarkeiten entsteht seitens der Fans meist relativ wenig Identifikation mit den von ihrem Klub gedrafteten Spielern.
  • Auch der Zeitpunkt der MLB-Draft spielt eine Rolle für die relativ geringe Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird: In der NFL beispielsweise findet die Draft in der Mitte der Offseason statt und ist deren unumstrittenes Highlight, weil Ende April ansonsten absolute Saure-Gurken-Zeit für Football-News wäre. In der MLB hingegen findet die Draft mitten in der Saison statt, es wird dafür noch nicht mal eine Pause eingelegt. So tritt die MLB mit der TV-Übertragung der Draft in direkte Konkurrenz zum zeitgleich laufenden eigenen Spielbetrieb.
  • Schließlich kommt noch hinzu, dass für die MLB-Draft ausschließlich Spieler aus den USA, Kanada und US-Territorien (vor allem Puerto Rico) gewählt werden können. Damit betrifft die Draft nur einen Teil des Talentpools, während die Verpflichtung internationaler Prospects einem gesonderten Verfahren unterliegt. Auch das ist in den anderen US-Sportarten anders geregelt, in ihnen läuft auch die Verteilung internationaler Nachwuchsspieler vorrangig über die Draft.

Entsprechend wenig überraschend ist es, dass viele Baseballfans kaum einen der vor der Draft kursierenden Namen der Prospects kennen, während nahezu jeder Footballfan schon Wochen vor der NFL-Draft seine persönliche Mockdraft (also eine Prognose, welcher Spieler wann von welchem Team gewählt wird) mindestens für die erste Runde pflegt. Mir geht es selbst auch nicht anders, aber ein paar Namen habe ich dann doch aufgeschnappt:

Die mit Abstand größte Aufmerksamkeit bekommt im Vorfeld dieser Draft Hunter Greene. Greene überzeugte in der Notre Dame California High School sowohl als rechtshändiger Pitcher als auch als Hitter und Infielder; für seine Zukunft als Profi wird er aber klar als Pitcher vorgesehen. Mit seinen 17 Jahren wirft er bereits regelmäßig über 100 mph schnelle Fastballs, hat zudem einen soliden Slider und einen ordentlichen Changeup im Repertoire und übt trotz seiner hohen Pitchgeschwindigkeit so viel Kontrolle aus, dass er nur wenige Walks verursacht.

Obwohl Greene in aller Munde ist und überwiegend als das größte Talent dieser Draft angesehen wird, gilt es als längst nicht gesichert, dass die Minnesota Twins ihn heute Nacht als ersten Pick der MLB-Draft 2017 aufrufen. Greene wird angesichts seiner Jugend und fehlenden College-Erfahrung einige Jahre brauchen, bis er zum fertigen Spieler gereift ist, und in diesen Jahren kann viel passieren. Daher ist durchaus denkbar, dass die Twins sich für eine risikoärmere Variante in Form eines College-Spielers entscheiden.

Wenn das der Weg ist, den die Twins gehen, dann sind wohl Linkshänder Brendan McKay (Louisville) und Rechtshänder Kyle Wright (Vanderbilt) die Favoriten auf den #1-Pick. McKay ist insofern ein interessanter Fall, als er sowohl als First Baseman als auch als Pitcher als Top-Talent eingestuft wird und es wahrscheinlich vom jeweiligen Team abhängt, in welche Richtung man ihn entwickeln wird. Die Prognose ist, dass die Twins, die Reds (#2) oder die Padres (#3) ihn eher als Pitcher draften würden, die Braves (#4) oder die Rays (#5) eher als Hitter. Wright hingegen gilt unter den Top-Prospect dieses Jahres als die verlässlichste Größe – das Team, das ihn draftet, erhält einen Pitcher, der vom Potenzial vielleicht nicht ganz mit McKay oder Greene mithalten kann, jedoch in Vanderbilt in der SEC bereits auf einem Niveau entwickelt wurde, das bestmöglich auf den zügigen Übergang zur MLB vorbereitet. Aus Vanderbilt kommt auch Jeren Kendall, der gute Chancen hat, als erster Outfielder der diesjährigen Draft gewählt zu werden.

Weitere hoch gehandelte Kandidaten aus der High School sind LHP Mackenzie Gore (Whiteville High School) und SS/OF Royce Lewis (JSerra Catholic High School). Wie bei Greene ist auch bei ihnen die Frage, auf wieviel Risiko und Wartezeit sich das draftende Team einlassen möchte, um sich dafür mit der Sicherung von Top-Talenten ohne Umweg über ein College zu belohnen.

Die Draft findet von heute Nacht bis Mittwoch statt, die 75 Picks des ersten Tages werden einschließlich Vorbericht ab Mitternacht auf mlb.com gestreamt. Auch die Runden 3 bis 10 an Tag 2 werden Dienstag ab 13 Uhr übertragen, die Runden 11 bis 40 an Tag 3 gibt es am Mittwoch ab 18 Uhr unserer Zeit als Radiostream.

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