Dezember 14th, 2017 by Dominik

Der Knoten in der MLB-Offseason ist geplatzt: Am Wochenende haben sich Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani, die wichtigsten Wechselkandidaten des Jahres, für neue Teams entschieden. Gerade rechtzeitig vor den Winter Meetings der MLB, die diese Woche in Orlando stattfinden. Diese Meetings oder wohl eher die Lunch- und Kaffeepausen dazwischen sind traditionell eine Gelegenheit, zu der viele Trades und sonstige Transaktionen in die Wege geleitet oder zum Abschluss gebracht werden. In diesem Jahr ist bislang vor allem der Markt für Reliever sehr aktiv gewesen. Ein spannender Teil und zugleich der Abschluss der Winter Meetings ist die heute Nachmittag stattfindende Rule-5-Draft.

Jubel und Sorgen um Ohtani
Die Los Angeles Angels sind der Gewinner des großen Buhlens um den japanischen Star-Pitcher und -Outfielder Shohei Ohtani. Diese Nachricht kam etwas überraschend: Als Ohtani letzte Woche zunächst 23 Teams einschließlich den ehemals als Favoriten geltenden Yankees absagte, wurden ihm diverse Ziele zugeschrieben: Er wolle an die Westküste, hieß es, und zumindest dazu passt seine Wahl der Angels. Zu den anderen Kriterien, von denen man lesen durfte, passt sie allerdings weniger: Er wolle zu einem Team mit mittelgroßem Markt, das sind die Angels sicher nicht. Er wolle zu einer Franchise mit einer guten Farm, das behaupten von den Angels nicht viele – erst recht nicht nachdem sie gerade zwei von ihren ohnehin nicht zahlreichen Prospects nach Detroit geschickt haben als Gegenleistung für 2B Ian Kinsler. Und er wolle zu einem Team, in dem er der Star ist – dazu müsste er in Anaheim erst mal an Mike Trout vorbei kommen. Aber sei es wie es will, die Angels sind es geworden, es sei ihnen herzlich gegönnt und jetzt darf man gespannt sein, ob Ohtani dem Hype gerecht wird.

Die jüngsten Meldungen sind leider nicht allzu ermutigend: Vorgestern wurde bekannt, dass Ohtani unter einem beschädigten ulnaren Seitenband im Wurfellenbogen leidet. Es handelt sich wohl vorerst nur um einen kleinen Riss, der ihn nicht zwingend beeinträchtigt. Aber für den Fall, dass das Band komplett durchreißen sollte, droht Ohtani die berüchtigte Tommy-John-Surgery und damit mindestens ein Jahr Pause.

Ziemlich neueste Freunde 
Auch Giancarlo Stanton hat eine neue Heimat gefunden und vermutlich auch einen neuen Freund: Mit Aaron Judge bildet er bei den New York Yankees zukünftig eine Mitte des Lineups, wie die MLB sie kaum jemals gesehen hat. 111 Homeruns haben die beiden 2017 zusammen geschlagen und es würde mich nicht wundern, wenn es demnächst noch mehr werden: erstens weil Judge dieses Jahr ein Rookie war und daher wohl noch Steigerungspotenzial hat; zweitens weil Stanton nun in einem deutlich hitterfreundlicheren Heimstadion spielt als bisher; drittens weil es für gegnerische Pitcher schwieriger wird, um einen der beiden herum zu pitchen, wenn danach direkt der andere an die Platte tritt.

Die Yankees haben Stanton von den Marlins mehr oder weniger geschenkt bekommen: Sie schicken nach Miami zwei nachrangige Prospects sowie 2B Starlin Castro inklusive dessen als zu teuer geltenden Zweijahresvertrag. Derek Jeter, Yankees-Legende und jetzt Miteigentümer der Marlins, ist seinem alten Klub sogar noch in der Form entgegen gekommen, dass die Marlins 30 von den 295 Millionen Dollar übernehmen, die Stanton aus seinem Vertrag noch zustehen. Somit spielt Stanton gut ein Jahr lang kostenlos für die Yankees.

Der Ausverkauf der Marlins geht weiter 
Jeter und die Marlins meinen es ernst damit, sich von ihren Stars trennen und den Kader billiger machen zu wollen. Das beweist nicht nur der Stanton-Trade zu den Yankees, sondern auch der Trade von 2B/OF Dee Gordon zu den Seattle Mariners und der von OF Marcell Ozuna zu den St. Louis Cardinals. Für beide erhalten die Marlins eine Reihe von Prospects. Als nächstes könnte OF Christian Yelich auf dem Sprung sein, womit die Marlins ihr komplettes bisheriges Outfield und damit ihre größte Stärke los wären. Zudem sind sie wohl nicht abgeneigt, den frisch von den Yankees übernommenen 2B Starlin Castro direkt weiter zu traden.

Cubs rüsten Pitching auf
Die Chicago Cubs zählen zu den aktiveren Franchises der letzten Tage und ihre Aufmerksamkeit galt klar dem Pitching: Tyler Chatwood wurde für drei Jahre und 38 Millionen Dollar verpflichtet, um die Starting Rotation zu ergänzen – nicht zuletzt weil eine Weiterbeschäftigung von Jake Arrieta inzwischen als unwahrscheinlich gilt. Chatwood hatte bei den Rockies zuletzt eher unspektakuläre Zahlen (4.69 ERA) produziert, die aber stark durch den Einfluss des Ballparks in Colorado bestimmt waren. Eine weitere Investition in die Rotation haben die Cubs mit Drew Smyly getätigt, der einen Zweijahresvertrag erhält. Nützen wird er seinem neuen Team wohl erst 2019, denn Smyly hatte im Juni eine Tommy-John-Surgery und wird somit frühestens gegen Ende der Saison 2018 einsetzbar sein. Eine sofortige Verstärkung für den Bullpen dürfte Brandon Morrow sein. Der Reliever hatte ein starkes Jahr inklusive einer arbeitsreichen Postseason, in der er in allen 15 Spielen des letztendlichen Vizemeisters Los Angeles Dodgers aktiv war.  Die Cubs zahlen Morrow 21 Millionen für zwei Jahre und haben die Option auf ein drittes Jahr.

Pineda zu den Twins
Die Minnesota Twins haben mit dem Zweijahresvertrag für Starter Michael Pineda ein ähnliches Projekt gestartet wie die Cubs mit Drew Smyly. Pineda kommt ebenfalls frisch von einer Tommy-John-Surgery und wird mindestens einen Großteil der kommenden Saison verpassen.

Tigers signen Fiers und Martin
Auch die Detroit Tigers haben ein paar Free Agents an Land gezogen, wobei SP Mike Fiers und OF Leonys Martin nicht wirklich Spieler sind, die einer bestenfalls auf der Stelle tretenden Franchise entscheidend weiterhelfen dürften. Beide Verpflichtungen sind wohl eher Wetten darauf, dass nach einem enttäuschenden Jahr ein gewisser Rebound erfolgt und man sie zur Trade Deadline gewinnbringend – das heißt gegen ordentliche Prospects – eintauschen kann.

Reliever heiß umworben 
Besonders gefragt waren in der bisherigen Offseason Relief-Pitcher. Das bestätigt die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, dass Reliever von den Teams als immer wichtiger eingestuft werden. Die Zeiten, in denen Einjahresverträge der Standard für Reliever waren, scheinen jedenfalls vorbei zu sein: Neben dem bereits erwähnten Brandon Morrow (Cubs) haben auch Luke Gregerson (Cardinals), Pat Neshek (Phillies), Bryan Shaw (Rockies), Tommy Hunter (Phillies), Jake McGee (Rockies), Anthony Swarzak (Mets), Juan Nicasio (Mariners), Joe Smith (Astros), Brandon Kintzler (Nationals) und Chris Martin (Texas Rangers) in den vergangenen paar Tagen allesamt Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen.

Machado ist zu haben
Kaum dass das Thema Giancarlo Stanton abgeschlossen ist, drängt sich die nächste mögliche Trade-Geschichte um einen Star auf: Die Baltimore Orioles sind offenbar interessiert daran, 3B Manny Machado loszuwerden, solange sie noch etwas für ihn bekommen, bevor nach der kommenden Saison ohnehin sein Vertrag ausläuft. Machado wäre mit einem Trade wohl einverstanden, insbesondere weil er gern wieder auf seiner ursprünglichen Position als Shortstop spielen würde. Viel zu melden hat Machado bei einem Deal allerdings nicht, denn sein Vertrag enthält keine No-Trade-Klausel. Angeblich liegen bereits fünf Traadeangebote vor, als Favorit  gelten zurzeit die Cardinals. Auch die Yankees sollen Interesse bekundet haben. Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass die Orioles einen Trade innerhalb der eigenen Division anstreben. Zumindest würden sie dann wohl einen höheren Preis verlangen als ihn die Yankees zu zahlen bereit sind.

Rule-5-Draft heute
Heute ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft die Rule-5-Draft der MLB. Der Zweck der Veranstaltung besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Rosters ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen. Als Kandidaten, die dieses Jahr gewählt werden könnten, gelten zum Beispiel P Mark Appel (#1-Pick der Astros 2013, enttäuschte bisher in den Minors), P Kohl Stewart (#4-Pick der Twins 2013, verletzungsanfällig) und (C/1B Max Pentecost #11-Pick der Blue Jays 2014, ebenfalls oft verletzt).

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Dezember 7th, 2017 by Dominik

Die MLB-Offseason ist im Vergleich zu den vergangenen Wochen deutlich in Bewegung gekommen: Die Yankees haben einen neuen Manager, die ersten interessanten Free Agents haben neue Teams gefunden und auch für die beiden „großen“ Personalien Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani sind nun zumindest gewisse Entwicklungslinien absehbar.

Aaron Boone ist neuer Yankees-Manager
Als letztes Team, das noch nach einer neuen sportlichen Leitung gesucht hatte, haben sich die New York Yankees für einen Nachfolger von Joe Girardi entschieden. Aaron Boone heißt der neue Mann, dessen Verpflichtung – zumindest in meinen Augen – eine Überraschung ist. Boone kommt nämlich ohne jede Vorerfahrung als Trainer oder Manager an den wohl begehrtesten Baseball-Job der Welt. Die acht Jahre seit dem Ende seiner Spielerkarriere hat der 44-Jährige als TV-Experte bei ESPN verbracht. Zuvor war Boone von 1997 bis 2009 als Infielder in der MLB aktiv, darunter 2003 ein halbes Jahr lang für die Yankees. Dieser Aufenthalt dürfte in New York in zwiespältiger Erinnerung geblieben sein: seine größte Heldentat war ein Walkoff-Homerun in Spiel 7 der ALCS gegen Boston, seine größte Verfehlung war die unerlaubte Teilnahme an einem Basketballspiel, bei der er sich das Knie verletzte und damit seinen vorzeitigen Abschied von den Yankees provozierte.
Den unrühmlichen Abgang von damals hat man Boone offenbar verziehen und auch die fehlende Erfahrung war kein Grund, seine Bewerbung als Manager der Yankees negativ zu bescheiden. Boone gilt als kommunikative Persönlichkeit mit einem guten Draht zu jungen Spielern, was genau dem Typ entspricht, den die Yankees gesucht und den sie in Boones Vorgänger Girardi nicht gesehen haben.

Sieben Kandidaten im Rennen um Ohtani
Nachdem das Supertalent Shohei Ohtani und sein Agent Bewerbungsunterlagen von allen 30 Teams angefordert (und wahrscheinlich auch erhalten) hatten, haben sie eine Auswahl von sieben Teams getroffen, mit denen man sich zusammensetzen und einen Vertragsabschluss ausloten will. Die größte Überraschung ist sicherlich, dass die Yankees nicht in der engeren Auswahl sind. Der Pitcher und Outfielder, den einige den japanischen Babe Ruth nennen, bevorzugt einen Arbeitsplatz an der Westküste und trifft sich dieser Tage mit Vertretern der San Francisco Giants, Los Angeles Dodgers, Los Angeles Angels, Seattle Mariners, San Diego Padres, Texas Rangers und Chicago Cubs. Das meiste Geld könnte er bei den Texas Rangers verdienen, die über 3,535 Millionen Dollar aus dem Bonuspool für internationale Verpflichtungen verfügen. Die Mariners und die Angels haben letzte Nacht extra noch je 1 Million Dollar für ihren Bonuspool ertradet, indem sie Prospects zu den Minnesota Twins geschickt haben – sie verfügen nun über einen Spielraum von 2,557 Millionen (Mariners) bzw. 2,315 Millionen (Angels). Ohtani hat zwar längst deutlich gemacht, dass Geld nicht an erster Stelle für ihn steht – andernfalls hätte er die zwei Jahre bis zu seinem 25. Geburtstag gewartet, was ihm ermöglicht hätte, für eine neunstellige Summe zu unterschreiben. Ich gehe aber schon davon aus, dass er zu einem der drei genannten Teams geht, da die restlichen Kandidaten jeweils nicht mehr als 300.000 Dollar bieten können.

Die Entscheidung liegt bei Stanton
Nicht nur Ohtani sondern auch Giancarlo Stanton hat in den nächsten Tagen eine wichtige Entscheidung zu treffen: Der MVP der National League hat die Wahl, ob er zukünftig in San Francisco oder in St. Louis spielen möchte – oder ob ihm beides nicht recht ist und er die Miami Marlins zwingt, seinen Vertrag zu erfüllen oder einen attraktiveren Tradepartner zu finden. Mit den Giants und den Cardinals haben die Marlins bereits Einigungen erzielt, zu welchen Konditionen ein Trade des Sluggers durchgeführt werden könnte. Ohne Stantons Zustimmung läuft allerdings nichts, da sein Vertrag eine No-Trade-Klausel enthält.

Aberkannte Braves-Prospects finden neue Teams
Nachdem die Atlanta Braves vor zwei Wochen wegen Regelverstößen eine ganze Reihe von internationalen Prospects ziehen lassen mussten, sind diese nun frei, bei anderen Teams zu unterzeichnen. Den größten Fang haben dabei die Los Angeles Angels gemacht: Für einen Signing Bonus von 2,2 Millionen Dollar haben sie den 17-jährigen Shortstop Kevin Maitan verpflichtet, der als sehr großes Talent gilt. Maitan wird von mlb.com derzeit auf Rang 38 der besten Prospects geführt. Für 850.000 Dollar hat auch Livan Soto, ein weiterer 17-jähriger Shortstop, bei den Angels unterschrieben.

Neuer Catcher für die White Sox
Die Chicago White Sox befinden sich erklärtermaßen im Rebuilding und sind nach wie vor auf der Suche nach Tradepartnern für alle Spieler, die anderen Klubs etwas wert sein könnten, zum Beispiel Jose Abreu und Avisail Garcia. Vor diesem Hintergrund kommt die Meldung etwas überraschend, dass die White Sox den 30-jährigen Catcher Wellington Castillo mit einem Zweijahresvertrag über 15 Millionen Dollar plus Team-Option für ein drittes Jahr ausstatten. Castillo ist vor allem für seine Defensivstärke bekannt. 2017 führte er die MLB mit 49% ausgeworfenen Basestealern an, aber auch offensiv produzierte er für die Baltimore Orioles mit .282/.323/.490 sehr ordentlich. Für die unerwartete Investition der White Sox sehe ich zwei potenzielle Erklärungen: Entweder geht es ihnen darum, die Entwicklung junger Pitcher durch die Anwesenheit eines erfahrenen Catchers zu fördern, oder sie hoffen, Castillo im Juli gewinnbringend traden zu können. Vielleicht spielen auch beide Gedanken eine Rolle.

Rangers verpflichten Mike Minor
Das von der Vertragssumme her bedeutendste Signing der bisherigen Offseason haben die Texas Rangers getätigt, indem sie Pitcher Mike Minor mit einem Kontrakt über 28 Millionen Dollar für drei Jahre ausgestattet haben. Minor hatte zuletzt ein starkes Jahr (2.55 ERA, 2.62 FIP) als Reliever für die Kansas City Royals. Die Rangers planen aber wohl, den Linkshänder als Starter einzusetzen. Als solcher hatte er vor der Zeit in Kansas City und einer längeren Verletzungspause fünf Jahre lang für die Atlanta Braves gepitcht und es dabei auf solide, aber nicht herausragende Werte von 4.10 ERA und 3.90 FIP gebracht.

Mikolas von Japan nach St. Louis
Die St. Louis Cardinals haben ebenfalls ihr Starting Pitching aufgerüstet: Miles Mikolas hat für 15,5 Millionen Dollar und zwei Jahre unterschrieben. Mikolas spielte von 2012 bis 2014 mit eher mittelmäßigem Erfolg für die Padres und die Rangers. Nach seiner Entlassung in Texas ging er 2015 nach Japan zu den Yomiuri Giants und entwickelte sich dort umgehend zu einem Star-Spieler, der er es in drei Spielzeiten auf einen ERA von 2.18 brachte (besser als Shohei Ohtani). Man darf gespannt sein, ob es dem 29-Jährigen gelingt, die Erfolge aus der NPB in die MLB zu transferieren.

Wily Peralta zu den Royals
Auch die Kansas City Royals gönnen sich einen neuen Pitcher, allerdings eher in der Sparvariante: Für 1,5 Millionen Dollar plus leistungsbezogene Bestandteile spielt Rechtshänder Wily Peralta 2018 in Kansas City, zudem hat sich das Team eine Option für 2019 gesichert. Peralta war nach sechs Jahren in Milwaukee Free Agent geworden und hatte ausgerechnet im letzten Jahr seines Vertrags bei den Brewers eine katastrophale Saison (7.85 ERA, 5.34 FIP). Die Brewers beorderten ihn nach acht schwachen Starts zunächst in den Bullpen und verzichteten in den letzten drei Monaten ganz auf seine Dienste. Das klingt nach keiner besonders vielversprechenden Verpflichtung, aber manchmal wirkt ein Neuanfang in veränderter Umgebung ja Wunder.

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November 30th, 2017 by Dominik

Saure-Gurken-Zeit oder die Ruhe vor dem Sturm? Auf jeden Fall hat sich in den letzten Tagen nicht viel getan in der MLB und es spricht schon eine deutliche Sprache, wenn die Verpflichtung eines Relievers durch die Athletics die interessanteste Meldung der Woche darstellt. Ansonsten wird weiterhin munter über den zukünftigen Verbleib von Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani1 spekuliert und die Yankees suchen immer noch einen neuen Manager. Für meinen Geschmack dürfte nun mal die eine oder andere Entscheidung fallen, sonst schlägt die Spannung bald um in Langeweile.

Yusmeiro Petit unterschreibt in Oakland 
Einen einzigen nennenswerten Free-Agent-Move gab es diese Woche: Relief-Pitcher Yusmeiro Petit geht für zwei Jahre und zehn Millionen Dollar zu den Oakland Athletics. Zusätzlich gibt es eine Team-Option auf ein drittes Jahr für 5,5 Millionen. Der 33-jährige Rechtshänder hatte bei den Los Angeles Angels mit 87.1 gepitchten Innings und einem ERA von 2.76 ein gutes Jahr, in dem er sich schrittweise nach oben arbeitete von einem nachrangigen Reliever in die Setup-Rolle.

Ohtani bittet die Klubs zum Bewerbungsverfahren 
Die Absicht des japanische Star-Pitchers und -Outfielders Shohei Ohtani, in die USA zu wechseln, stößt seitens der MLB-Teams auf so großes Interesse, dass Ohtani und sein Agent Nez Balelo das übliche Verfahren einer Bewerbung kurzerhand auf den Kopf gestellt haben: Alle 30 Teams wurden von ihnen gebeten, schriftlich einen ausführlichen Fragenkatalog zu beantworten. In dem Fragebogen geht es in erster Linie darum, wie die Klubs Ohtanis Fähigkeiten einschätzen, wie sie sich die Verteilung seiner Einsätze als Pitcher und/oder Positionsspieler vorstellen und warum sie ihren Verein und ihre Stadt für die beste Wahl halten. Nachdem sich die Konditionen eines möglichen Wechsels von den Nippon Ham Fighters letzte Woche geklärt haben, kann Ohtani ab dem kommenden Wochenende von einem MLB-Team verpflichtet werden. Da er unter 25 ist, wird sein Vertrag in jedem Fall ein Minor-League-Vertrag sein, das heißt er verdient drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor er als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann. Was ihm die Teams jetzt schon anbieten können, ist ein Unterschriftsbonus im Rahmen eines vorgegebenen Budgets. Von diesem Budget haben die Texas Rangers mit 3,53 Millionen Dollar den größten noch verfügbaren Rahmen, dicht gefolgt von den New York Yankees mit 3,5 Millionen. Ich bleibe bei meinem Tipp, dass Ohtani in der Bronx landen wird, aber denkbar ist alles mögliche – zum Beispiel, dass er gar nicht zu einem der ganz großen Teams will, sondern zu einem, bei dem er der unumstrittene Star sein kann; oder dass er lieber in die National League möchte als in die American League, weil dort die Chance höher ist, auch als Outfielder zum Einsatz zu kommen. Ohtani hat durchblicken lassen, dass er Japan auch deshalb verlässt, weil er dort zuletzt auf die Rollen als Pitcher und DH festgelegt worden war, während er lieber auch regelmäßig im Feld gespielt hätte.

Stantons Wunschliste 
Im Gegensatz zu Shohei Otani hat Giancarlo Stanton bereits unter Beweis gestellt, dass er in der MLB zu Höchstleistungen fähig ist. Wer ihn will, muss aber deutlich tiefer in die Tasche greifen, denn sein Vertrag sichert ihm noch 295 Millionen Dollar bis 2027. Die Miami Marlins werden auch eine Gegenleistung dafür haben wollen, dass sie Stanton ziehen lassen. Allerdings haben sie ihre Verhandlungsposition sicher nicht dadurch gestärkt, dass sie Stanton diese Woche offen gedroht haben, er solle einen Trade akzeptieren, sonst würde er in Miami bald in einem Team ohne sonstige Stars spielen. Spätestens jetzt ist für die anderen Teams klar, dass die Marlins den Outfielder und seinen Vertrag unbedingt loswerden wollen. Stanton hat bereits reagiert und dem Team eine Liste von Teams vorgelegt, zu denen er einen Wechsel akzeptieren würde. Die komplette Liste ist bislang nicht bekannt geworden, aber ganz oben stehen wohl die Los Angeles Dodgers. Stanton ist als Dodgers-Fan in Kalifornien aufgewachsen, daher wären die Dodgers das logische Ziel für ihn, zumal er bei dem World-Series-Teilnehmer auch die Chance hätte, um einen Titel zu spielen. Was einem Wechsel entgegen stehen könnte, ist allerdings die bereits jetzt ungünstige Gehaltsstruktur der Dodgers. Schon ohne Stanton werden sie 2018 über der Schwelle liegen, ab der eine Strafabgabe – die Luxury Tax – an die Liga fällig wird, mit Stanton wird diese Abgabe im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Yankees suchen weiter, Beltran ein Kandidat
Die New York Yankees nehmen sich nun schon über einen Monat Zeit bei der Suche nach einem neuen Manager. Mit fünf Kandidaten wurden bereits im Laufe der letzten Wochen Vorstellungsgespräche geführt:

  • Rob Thomson, Bench-Coach der Yankees
  • Eric Wedge, Berater bei den Blue Jays
  • Hensley Meulens, Bench-Coach der Giants
  • Aaron Boon, ESPN-Analyst
  • Chris Woodward, Third-Base-Coach der Dodgers

Offenbar hat noch keiner der Bewerber nachhaltig überzeugen können, denn es werden dieser Tage weitere Interviews geführt. Von den neuen Kandidaten ist bislang nur einer bekannt geworden: Carlos Beltran hatte sein Gespräch gestern. Der ehemalige Outfielder hatte erst zwei Wochen zuvor sein Karriereende als Spieler verkündet und bereits durchblicken lassen, dass er interessiert ist, zukünftig als Manager tätig zu sein. Über eine Anstellung Beltrans mit seinem bekanntermaßen guten Draht zu jungen Spielern würden sich Fans und Mitspieler sicher freuen, aber die fehlende Erfahrung in der Rolle des sportlich Verantwortlichen macht es in meinen Augen relativ unwahrscheinlich, dass man ihn direkt mit dem renommiertesten Baseball-Traineramt der Welt betraut.

1Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich ab heute nicht mehr „Otani“ schreibe, sondern „Ohtani“ mit „h“. Ich habe mich bezüglich der korrekten Schreibweise eines Besseren belehren lassen.

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November 16th, 2017 by Dominik

Wir befinden uns mitten in der Award-Woche der MLB: Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher des Jahres wurden an den vergangenen drei Tagen ausgezeichnet, heute Nacht steht noch die Bekanntgabe des wertvollsten Spielers (MVP) der beiden Teilligen aus. Letzte Nacht gab es den ersten nennenswerten Trade der Offseason – selbstverständlich unter Beteiligung der Seattle Mariners, dem tradefreudigsten aller MLB-Teams. Diese und ein paar andere interessante Nachrichten habe ich im heutigen Grand Slam am Donnerstag zusammengefasst.

Bellinger und Judge sind die Rookies of the Year
An dieser Wahl gab es kaum Zweifel und das Ergebnis war dann auch entsprechend eindeutig: Cody Bellinger von den Los Angeles Dodgers und Aaron Judge von den New York Yankees wurden zu den Rookies des Jahres gewählt und erst zum vierten Mal in der MLB-Geschichte wurden beide Entscheidungen einstimmig getroffen. Es passt dabei wie die Faust aufs Auge, dass in dem Jahr mit den meisten Homeruns aller Zeiten zwei Spieler ausgezeichnet werden, die in den jeweiligen Ligen neue Rookie-Rekorde für Homeruns aufgestellt haben: Bellinger mit 39 in der National League, Judge mit 52 in der American League.
Bellinger sollte dieses Jahr eigentlich noch gar keine große Rolle in der MLB spielen. Der 22-Jährige war allenfalls für etwas Spielpraxis als September-Call-up vorgesehen, doch Verletzungen von Andrew Toles und Adrian Gonzalez gaben ihm schon im April eine Chance und die nutzte er auf eindrucksvolle Art und Weise. Offensiv sprechen die 39 Homeruns und eine .267/.352/.581-Slashline für sich und auch im Feld überzeugte Bellinger mit Verlässlichkeit wo auch immer man in spielen ließ: meistens an der First Base, oft im Left Field, gelegentlich auch im Center und im Right Field.
Der 25-jährige Right Fielder Judge drückte der AL massiv seinen Stempel auf, indem er sie sowohl bei den Homeruns als auch bei gescorten Runs (128) und Walks (127), aber auch mit den meisten Strikeouts (208) anführte. Mit seiner spektakulären Spielweise, seiner imposanten körperlichen Erscheinung und natürlich auch, weil er für den bekanntesten Baseball-Klub der Welt spielt, scheint Judge wie geschaffen für die Rolle eines langjährigen Superstars. Das scheint man auch bei Sony zu denken, denn letzte Woche wurde bekannt gegeben, dass Judge das Cover der nächsten Ausgabe des Playstation-Hits MLB The Show zieren wird. Angesichts all dessen ist es geradezu überraschend, dass der Junge immer noch so sympathisch und bodenständig rüberkommt.

Manager des Jahres: Molitor und Lovullo
Nicht ganz so eindeutig wie bei den Rookies war die Wahl der Manager des Jahres, aber mit dem Manager der Minnesota Twins, Paul Molitor, und dem der Arizona Diamondbacks, Torey Lovullo, gibt es auch hier zwei würdige Preisträger. Beiden gelang es in diesem Jahr, eine enttäuschende Franchise in verblüffend kurzer Zeit zu einem Playoff-Team umzudrehen.
Molitor ist der Vater des historisch einmaligen Erfolgs der Minnesota Twins, nach einer Saison mit über 100 Niederlagen (103 im Jahr 2016) im darauf folgenden Jahr in die Playoffs einzuziehen. Um 26 Siege verbesserten sich die Twins im dritten Jahr unter Molitor auf eine Bilanz von 85-77 und sind damit das Cinderella-Team des Jahres, auch wenn das Gaststpiel in den Playoffs durch die Wild-Card-Niederlage gegen die Yankees nur von kurzer Dauer war.
Noch beeindruckender liest sich die Bilanz von Torey Lovullo: Er trat vor einem Jahr in Arizona seine erste Stelle als MLB-Manager an und führte das Team prompt zu 93 Siegen und zur ersten Playoff-Teilnahme seit 2011. Insbesondere das Pitching der Diamondbacks erlebte unter Lovullo einen kompletten Turnaround: Dem schlechtesten ERA der Franchise-Geschichte mit 5.09 im Jahr 2016 (letzter Platz in der MLB) folgte der beste ERA der Franchise-Geschichte mit 3.67 im Jahr 2017 – und damit Platz drei in der MLB trotz eines hitter-freundlichen Heim-Ballparks.

Cy-Young-Awards für Scherzer und Kluber 
Wer dieses Jahr die Auszeichnung als bester Pitcher erhalten würde, war während der Saison lange unklar, da in jeder Teilliga zwei aussichtsreiche Kandidaten im Rennen waren. Im Endeffekt fielen die Wahlen dann aber sehr klar aus: Max Scherzer (Washington Nationals) ist zum zweiten Mal in Folge und zum dritten Mal insgesamt der Preisträger der National League, Corey Kluber (Cleveland Indians) sicherte sich in der American League nach 2014 seinen zweiten Titel.
Scherzer erhielt von 30 Stimmen 27 erste und drei zweite Plätze und setzte sich somit klar von Clayton Kershaw ab. Scherzer (2.51 ERA, 2.90 FIP) blieb zwar von den relevanten Durchschnittszahlen hinter Kershaw (2.31 ERA) bzw. Stephen Strasburg (2.71 FIP) zurück, bewies aber mit rund 25 mehr absolvierten Innings ein größeres Durchhaltevermögen als die beiden Konkurrenten und brachte es auf führende 6.0 Wins Above Replacement (WAR). Damit sowie mit seinen 268 Strikeouts überzeugte er die wahlberechtigten Mitglieder der BBWA.
Noch ein Stück klarer war der Wahlgewinn für Kluber, der in der Abstimmung für die American League 28-mal auf Platz eins landete und nur von zwei Wählern hinter Chris Sale eingestuft wurde. Mit 2.25 ERA führte Kluber die gesamte MLB an. Davon abgesehen hätten sich auch gute Argumente für Sale gefunden, der in puncto FIP (2.45), WAR (7.7) und Strikeouts (308) MLB-weit vorne lag. Am Ende spielen neben den reinen Zahlen auch das Bauchgefühl und die subjektive Wahrnehmung der Wähler eine Rolle und vermutllich hatten viele den gleichen Eindruck wie ich, dass Sale trotz der starken Werte seine Leistungen nicht so konstant abrief wie Kluber.

Anthopoulos neuer GM der Braves
Die Atlanta Braves waren seit Anfang Oktober ohne General Manager. Der ehemalige Amtsinhaber John Coppolella hatte zurück treten müssen, nachdem zahlreiche von ihm begangene Regelverstöße, unter anderem bei internationalen Spielerverpflichtungen, aufgedeckt worden waren. Als sein Nachfolger steht nun Alex Anthopoulos fest. Der 40-Jährige, der das gleiche Amt von 2009 bis 2015 für die Toronto Blue Jays ausübte, erhält einen Vierjahresvertrag und umfangreiche Kompetenzen in der sportlichen Leitung des Klubs. Er übernimmt nämlich nicht nur das Amt des GM von Coppolella sondern als „Executive Vice President of Baseball Operations“ auch einen guten Teil des bisherigen Aufgabenbereichs von John Hart, der vom Teampräsidenten zum Berater herabgestuft wurde. Während das Front Office der Braves somit ordentlich durcheinander gewirbelt wurde, will man sportlich auf Kontinuität setzen: Anthopoulos plant nach eigenen Aussagen derzeit keine Änderungen am Coaching-Personal.

Carlos Beltran hat neue Ziele
Die 20 Jahre lange MLB-Karriere von Carlos Beltran hat im World-Series-Titel mit den Houston Astros ihren Höhepunkt und würdigen Abschluss gefunden. So sieht es der 40-jährige Outfielder, der zuvor für die Royals, die Mets, die Giants, die Cardinals und die Yankees aktiv gewesen war und nun das Ende seiner aktiven Zeit als Spieler verkündet hat. Zur Ruhe setzen will sich der neunmalige All-Star aber nicht, vielmehr strebt er nach neuen Tätigkeitsfeldern: Zum einen möchte er mehr für seine Familie da sein, zum anderen kann er sich gut vorstellen, zukünftig als Manager eines MLB-Teams tätig zu sein. Rein zufällig sind der Ort, in dem seine Familie wohnt, und der, in dem gerade eine renommierte MLB-Franchise nach einem neuen Manager sucht, derselbe. Dass die Yankees erklärtermaßen einen Kandidaten suchen, der anders als der frisch entlassene Joe Girardi einen Draht zu jungen Spielern und einen positiven Einfluss auf das persönliche Klima im Team hat, passt ebenfalls ins Bild. Fragt sich nur, ob der Verein bereit ist, das Risiko eines kompletten Neueinsteigers auf der Position einzugehen.

Alle Qualifying Offers werden abgelehnt
Die Frist der neun Qualifying Offers, die letzte Woche von MLB-Teams ausgestellt wurden, läuft offiziell noch bis heute Nacht. Es gilt allerdings bereits als sicher, dass alle betroffenen Spieler – Eric Hosmer, Lorenzo Cain, Mike Moustakas (alle Royals), Jake Arrieta, Wade Davis (beide Cubs), Carlos Santana (Indians), Greg Holland (Rockies), Alex Cobb (Rays) und Lance Lynn (Cardinals) – die standardisierten Angebote über ein Jahr und 17,4 Millionen Dollar ablehnen werden. Sie alle streben Verträge über mehr Dollars und eine längere Laufzeit an. Für ihre Clubs sind die Offers dennoch ein gutes Geschäft, denn wenn die Spieler nun das Team wechseln, erhält das abgebende Team einen Draft-Pick als Kompensation.

Mariners traden für Healy 
Jerry Dipoto, der General Manager der Seattle Mariners, macht seinem Ruf als eifrigster Trader der Liga weiterhin alle Ehre. Im ersten nennenswerte Move der Offseason hat Dipoto First Baseman Ryon Healy von den Oakland Athletics geholt. Der Handel ist für beide Teams sinnvoll, denn die Athletics hatten mit den Youngsters Matt Olson, Matt Chapman und Healy ein Überangebot für die Infield-Corners und als DH soll zukünftig verstärkt Khris Davis zum Einsatz kommen. Healy war somit verzichtbar und wird nun den 1B-Job in Seattle übernehmen, wo Yonder Alonso und Danny Valencia Free Agents geworden sind. Für Healy wechseln RP Emilio Pagan und Infield-Prospect Alexander Campos nach Oakland.

Dodgers und Padres spielen 2018 in Mexiko
Zum ersten Mal seit 1999 wird die MLB 2018 ein Gastspiel in Mexiko absolvieren. Vom 4. bis zum 6. Mai spielen die San Diego Padres und die Los Angeles Dodgers eine Drei-Spiele-Serie in Monterrey. Die Padres haben wegen ihrer grenznahen Heimat viele Fans in Mexiko und werden sich diesen nach 1996 gegen die Mets und 1999 gegen die Rockies zum dritten Mal in regulären Saisonspielen vor Ort präsentieren. Die Spiele in Monterrey ersetzen eine Heim-Serie der Padres. Die MLB strebt an, in den kommenden sechs Jahren regelmäßig Serien in Mexiko zu spielen und mittelfristig auch Spiele in Asien und in Europa (voraussichtlich Großbritannien) anzusetzen.

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November 9th, 2017 by Dominik

Herzlich willkommen zur ersten Offseason-Ausgabe des Grand Slam am Donnerstag in diesem Jahr. Bis es im April wieder um Spiele und Ergebnisse geht, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich aus Zeitgründen nicht in einem ausführlichen Artikel verarbeiten kann, aber zumindest mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich hiermit ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, und ich freue mich über jede weitere.

Roy Halladay und Daniel Flores sind tot
Einsteigen muss ich leider mit zwei sehr traurigen Meldungen: Roy Halladay, während seiner aktiven Zeit für Philadelphia und Toronto einer der besten Pitcher der MLB, ist im Alter von nur 40 Jahren ums Leben gekommen. Halladay brachte es von 1988 bis 2013 dreimal zum All-Star und gewann je einen Cy-Young-Award in der National und in der American League. Legendär wurde er im Jahr 2010,  als er für die Phillies ein Perfect Game in der regulären Saison und einen No-Hitter in den Playoffs warf. „Doc“ Halladay starb am Dienstag beim Absturz eines von ihm selbst gesteuerten Leichtflugzeuges in den Golf von Mexiko.
Genauso traurig ist die Geschichte von Daniel Flores: Gerade mal 17 Jahre alt wurde der Nachwuchs-Catcher, den die Boston Red Sox erst im Sommer dieses Jahres für einen Signing-Bonus von über drei Millionen Dollar aus seiner Heimat Venezuela geholt hatten. Er schien eine große Zukunft vor sich zu haben, galt als Top-10-Prospect sowohl innerhalb der Franchise als auch unter allen Catchern im US-Baseball. Flores starb laut Meldung der Red Sox an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung.

Neue Manager für sechs MLB-Teams
Ein Fünftel der MLB-Teams wird mit einem neuen Manager in die Saison 2018 gehen. Zur Erinnerung: Der Manager ist im Baseball-Sprachgebrauch die Position, die man in anderen Sportarten als Headcoach oder Cheftrainer bezeichnet.
In Detroit hat man sich für einen alten Hasen entschieden in Person von Ron Gardenhire, der von 2002 bis 2014 dreizehn Jahre lang die Minnesota Twins gemanagt hatte. Der 60-Jährige soll mit seiner Erfahrung den dringend nötigen Neuaufbau der Tigers begleiten.
Ebenfalls im Neuaufbau befinden sich die Philadelphia Phillies, die dabei auf ein ganz neues Gesicht setzen: Gabe Kapler verfügt bisher über keine Erfahrung als Manager außer einem kurzfristigen Minor-League-Engagement vor zehn Jahren, nach dem er dann doch noch bis 2011 seine Karriere als Spieler fortsetzen. Als Director of Player Development der Los Angeles Dodgers durfte der 42-Jährige in den vergangenen drei Jahren unter Beweis stellen, dass er ein gutes Händchen in der Entwicklung junger Spieler hat.
Die anderen vier Teams, die sich für einen Wechsel des Managers entschieden haben, streben keinen Neuaufbau sondern zeitnahe Erfolge an. Die Boston Red Sox erhoffen sich diese von Alex Cora, der als Bench Coach in Houston gerade die World Series gewonnen hat. Außer diesem einen Jahr Coaching-Erfahrung ist Cora in dem Metier noch ein unbeschriebenes Blatt. Er gilt aber als hervorragender Analyst und stand bei mehreren Teams auf der Kandidatenliste als Manager.
Eines dieser Teams waren die New York Mets. Sie haben sich letztlich für Mickey Callaway entschieden, den bisherigen Pitching-Coach der Cleveland Indians. In dieser Rolle hat er fünf Jahre lang sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und sich damit für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter empfohlen. Callaway ist genau wie Kapler und Cora 42 Jahre alt, das scheint dieses Jahr ein beliebtes Einstiegsalter zu sein.
Ein paar Jahre älter, genauer gesagt 53, musste Dave Martinez werden, bevor ihm die Washington Nationals seine erste Chance als Manager auf höchster Ebene anboten. Er bringt zehn Jahre Erfahrung als Bench Coach der Tampa Bay Rays und der Chicago Cubs mit.
Die einzige derzeit noch offene Managerstelle der MLB ist die wohl begehrteste, nämlich die der New York Yankees. Etwas überraschend trennten sich die Yankees nach der Saison von Joe Girardi, der zehn Jahre lang das Zepter in der Hand gehalten und 2009 einen World-Series-Titel geholt hatte. Die Yankees haben gerade erst mit den Bewerbungsgesprächen begonnen; als erster wurde der bisherige Bench Coach Rob Thomson interviewt. Die Kandidatenliste ist noch lang, der prominenteste Name darauf ist jedoch bereits gestrichen: Alex Rodriguez hat deutlich gemacht, dass er kein Interesse an dem Job hat.

Die Gold Gloves sind vergeben
Als erste Einzelspielerauszeichnungen für die vergangene Saison wurden die Gold Glove Awards für herausragende Defensivleistungen vergeben. 18 Preisträger gibt es, je einen auf jeder Position in der National League und in der American League. Besonders hervorzuheben sind 3B Nolan Arenado (Rockies), LF Jason Heyward (Cubs) und LF Alex Gordon (Royals), die jeweils schon zum fünften Mal in ihrer Karriere die Ehrung erhalten haben. Hier gibt es die komplette Übersicht über die Gold Glove Awards des Jahres 2017.

Weitere Awards folgen nächste Woche
Im Laufe der nächsten Woche von Montag bis Donnerstag werden die weiteren individuellen Awards für die abgelaufene Spielzeit bekannt gegeben. Die Finalisten für die Auszeichnungen wurden vor einigen Tagen veröffentlicht. Meine persönliche Einschätzung hatte ich Anfang September bereits abgegeben und anscheinend habe ich zumindest nicht ganz falsch gelegen, denn meine Favoriten sind allesamt noch im Rennen.

Qualifying Offers für neun Spieler
Der wichtigste Teil der Offseason ist die Free Agency, die am Sonntag offiziell begonnen hat. Ihr Startschuss ist gleichzeitig die Deadline für das Einreichen sogenannter Qualifying Offers. Neun Spieler mit auslaufendem Vertrag haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,4 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die neun Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Stanton, Gordon, Yelich im Ausverkauf?
Trade- und Free-Agent-Gerüchte gibt es in dieser Zeit des Jahres mehr als man erzählen kann. Im Mittelpunkt davon stehen dieses Mal die Miami Marlins, nachdem die neue Owner-Gruppe um Derek Jeter angekündigt hat, einen massiven Umbruch einzuleiten und die Kosten des Kaders deutlich zu reduzieren. RF Giancarlo Stanton, 2B Dee Gordon und CF Christian Yelich sind die drei herausragenden Kandidaten, die gesteigertes Interesse anderer Teams hervorrufen dürften. Das gilt ganz besonders für Stanton, der dieses Jahr die meisten Homeruns (59) erzielt hat seit Barry Bonds 2001 auf dem Höhepunkt der Doping-Ära 73 gelangen. Ihn hätte sicher jeder General Manager gern im Team, allerdings kommt Stanton mit einem dicken Rucksack: Das neue Team müsste den noch bis 2028 laufenden Vertrag übernehmen, der Stanton durchschnittlich 25 Millionen Dollar im Jahr einbringt. So krank es sich anhören mag: 25 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen Superstar sind in der MLB durchaus im normalen Rahmen. Das Problem bei der Sache ist die Verpflichtung, die teure Bezahlung noch elf Jahre aufrecht zu erhalten, ohne zu wissen ob Stanton mit 38 noch fit ist und abliefert. Ich bin relativ sicher, dass die Marlins jemanden finden, der den Vertrag übernimmt. Viel Gegenwert in Form von Prospects werden sie wegen der problematischen Vertragssituation aber nicht erwarten dürfen.

Lackey, Colon, Granderson haben noch lange nicht genug
Im Gegensatz zum letzten Jahr, als zum Beispiel David Ortiz und Alex Rodriguez ihre Karriere beendeten, hat in der laufenden Offseason noch kein ganz Großer seinen Übergang in den Ruhestand verkündet. Die Pitcher Matt Cain (Giants) und Bronson Arroyo (Reds) sind bislang die namhaftesten Neurentner des Jahres. Drei andere Kandidaten, Pitcher John Lackey (39, Cubs), Pitcher Bartolo Colon (44, Twins) und Outfielder Curtis Granderson (36, Dodgers) haben trotz fortgeschrittenen Alters und auslaufender Verträge bereits angekündigt, dass sie auch nächstes Jahr noch in der MLB zu spielen gedenken. Ich freue mich drauf.

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Oktober 19th, 2017 by Dominik

Nächsten Dienstag beginnt die World Series. Noch wissen wir nicht, welche Teams dann um den höchsten Titel im Baseball gegeneinander antreten werden, doch schon heute Nacht kann die erste Entscheidung darüber fallen und morgen die zweite. Im Grand Slam am Donnerstag konzentriere ich mich heute ganz auf das aktuelle sportliche Geschehen. Gleichzeitig vollziehen sich auch jenseits der Spielfelder hochinteressante Entwicklungen. Diese könnten zu einer massiven Umstruktierung der MLB führen. Aber dieses Thema hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf, der innerhalb der nächsten Tage folgen wird.

National League
Die Los Angeles Dodgers waren nah dran, nach der NLDS auch die NLCS zu sweepen: Mit 3:0 Siegen lagen sie bereits in Führung, bevor sie letzte Nacht zum ersten Mal in dieser Postseason ein Spiel abgeben mussten. Die Offense der Chicago Cubs, die sich seit einigen Spielen im Tiefschlaf befand, ist nicht gerade explodiert, bekam aber gerade genug Runs beisammen, um aus dem starken Start von Jake Arrieta einen 3:2-Erfolg herauszuholen. Zwei davon waren Solo-Homeruns von Javier Baez, der zuvor mit 0 Hits aus seinen letzten 20 At-Bats gegangen war.

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steht Spiel fünf an und wenn die Cubs danach noch im Rennen sein wollen, müssen sie sich wohl eine Menge einfallen lassen. Denn mit einer abgekühlten Offense gegen einen der (wahrscheinlich sogar den) besten Pitcher der Welt, Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP), antreten zu müssen, klingt nicht allzu vielversprechend. Mit José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) schicken auch die Cubs einen Top-Pitcher auf den Mound, der beim letzten Aufeinandertreffen in Spiel eins genau wie Kershaw fünf Innings durchhielt und zwei Runs zuließ. Der Bullpen verlor schließlich die Partie mit 2:5. Mein Tipp ist, dass es heute ähnlich laufen wird, denn ich wüsste beim besten Willen nicht, auf welcher Basis ich der Kombination aus Kershaw und dem Bullpen der Dodgers etwas anderes prophezeien sollte als den vierten Sieg und den Einzug in die World Series.

American League
Während in der NL die Rollen des Favoriten und des Außenseiters klar verteilt sind, scheint der Ausgang der ALCS noch weit offen. Die Houston Astros gewannen ihre beiden Heimspiele, getragen von Dallas Keuchel und Justin Verlander, anschließend siegten aber dreimal hintereinander die New York Yankees in ihren eigenen Heimspielen. Wenn es nach diesem Muster weitergeht, haben die Astros beste Chancen, da sie das Heimrecht für die Spiele fünf und sechs besitzen. Doch der Druck, der nach der vergebenen 2:0-Führung auf ihnen lastet, dürfte enorm sein. Die Yankees hingegen können sich von der Euphorie tragen lassen, gestern Abend sogar gegen ihren Angstgegner Keuchel einen astreinen 5:0-Sieg eingefahren zu haben und nur noch einen Sieg von der World Series entfernt zu sein.

Den ersten von zwei Matchbällen haben die Yankees morgen Nacht ab 2 Uhr mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) gegen Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). In Spiel zwei gab es dieses Duell schon einmal und es ging deutlich an Verlander, der neun dominante Innings pitchte (siehe Statistik der Woche), während Severino schon nach vier Innings vorsichtshalber ausgewechselt wurde, nachdem er einen Ball ans linke Handgelenk bekommen hatte. Nach einer Bullpen-Session am Mittwoch gab es aber grünes Licht für seinen Einsatz. Es wird sicher spannend, aber ich tippe auf einen Sieg der Astros und somit auf ein alles entscheidendes Spiel sieben am Samstag.

Szene der Woche
Einen der wohl seltsamsten Spielzüge des Jahres gab es am Dienstag in Spiel vier der ALCS: Es ging los mit einem Walk für Aaron Judge, gefolgt von einem Lineout durch Didi Gregorius – soweit alles normal. Als nächstes war Gary Sanchez an der Reihe, der einen Flyball ins halbrechte Outfield schlug. Für Judge sah der Ball wohl nach einem wahrscheinlichen Basehit aus, deshalb war er schon über die zweite Base hinaus gerannt, bevor er seinen Fehler bemerkte und sich schnell auf den Weg zurück zur ersten Base begab. Der Wurf dorthin von Astros-Outfielder Josh Reddick war schwach, er sprang ein paarmal auf und kam nach Ansicht des Umpires gerade noch rechtzeitig für das Out an. Yankees-Manager Joe Girardi ließ die Entscheidung überprüfen und sie wurde zurückgenommen: Judge war safe an der ersten Base. Nun protestierte wiederum Astros-Manager A. J. Hinch, der gesehen haben wollte, dass Judge auf dem Weg zurück die zweite Base nicht noch mal berührt hatte. Um darüber eine Entscheidung herbeizuführen, war ein Appeal-Play nötig – in dem Fall ein Wurf zur zweiten Base, an der dann der Umpire zu entscheiden hatte, ob dadurch an der Stelle ein Out stattfand. Astros-Pitcher Lance McCullers war dabei aber etwas voreilig, denn der nächste Batter stand noch nicht in der Box und der Ball war somit nicht freigegeben. Also musste er den Wurf wiederholen, doch nun rannte Judge plötzlich – und wurde problemlos ausgetagt. Was auf den ersten Blick aussah wie einer der dämlichsten Steal-Versuche aller Zeiten, war übrigens völlig rational: Judge und den Yankees war klar, dass er die zweite Base nicht berührt hatte und das Appeal-Play der Astros erfolgreich sein würde; daher war es den Versuch wert, die zweite Base vor dem Ball zu erreichen und auf diese Weise den Appeal abzuwehren.

Statistik der Woche 
93. So viele Strikes warf Justin Verlander bei seinem complete Game in Spiel zwei der ALCS, das er mit den Astros 2:1 gegen die Yankees gewann. Es waren die meisten Strikes durch einen einzelnen Pitcher in einem Playoffspiel seit 2011. Kurioserweise war es auch damals Verlander und zwar ebenfalls in der ALCS, in Spiel fünf der Detroit Tigers gegen die Texas Rangers. Insgesamt warf Verlander am Samstag 124 Pitches und schickte 13 Batter per Strikeout aus der Box.

Spiel der Woche
Das für mich beste Spiel der bisherigen Championship Series war Spiel zwei der NLCS. Es war ein hochkarätiges, defenselastiges Duell zwischen zunächst Jon Lester und Rich Hill und anschließend zwischen zwei sehr starken Bullpens. Im fünften Inning wurden die vorerst einzigen Runs ausgetauscht durch einen Homerun von Addison Russell und einen RBI-Single von Justin Turner. Auf Turners Konto gingen im Endeffekt alle vier RBIs der Dodgers, denn ihm gelang gelang im neunten Inning gegen den zum Reliever umfunktionierten John Lackey der  Walkoff-Homerun. Das Ganze ereignete sich übrigens auf den Tag genau 29 Jahre nach einem anderen legendären Walk-Off-Homerun der Dodgers – über den Justin Turner anschließend erzählte, dass er ihn als Dreijähriger im Haus seiner Oma live im Fernsehen gesehen hat.

Spiel der kommenden Woche
Wir sind auf der Zielgeraden der Saison und ich versuche, trotz der oft ungünstigen Zeiten jedes Spiel zumindest teilweise live zu sehen. Für Spiel sechs der Yankees gegen die Astros werde ich mir auf jeden Fall für Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Wecker stellen.

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Oktober 12th, 2017 by Dominik

Nur noch fünf Teams sind in Rennen um die World Series 2017: Die Yankees, die Astros und die Dodgers sind bereits für die Championship-Serien der beiden Ligen qualifiziert; als letztes Überbleibsel der Divisional-Runde tragen heute Nacht noch die Chicago Cubs und die Washington Nationals das fünfte und entscheidende Spiel ihres NLDS-Duells aus. Im Grand Slam am Donnerstag gibt es heute eine kleine Vorschau zu diesem Spiel und schon mal das wichtigste über die ALCS und die NLCS.

American League
Wie schon in den ersten beiden Runden legt auch in den Championship-Serien die American League vor: Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit der ALCS zwischen den Houston Astros und den New York Yankees.

Die Astros entschieden die Serie gegen die Boston Red Sox mit 3:1 für sich, indem sie nach zwei deutlichen Heimsiegen und einer ebenso deutlichen Auswärtsniederlage Spiel vier in Boston mit 5:4 gewannen. Beide Teams hatten alles in die Waagschale geworfen, was sie hatten, und aus dem ursprünglichen Matchup von Charlie Morton gegen Rick Porcello nach wenigen Innings ein Duell der Asse Justin Verlander gegen Chris Sale gemacht.

Noch spannender ging es in der anderen ALDS zu, in der die Yankees gegen die Cleveland Indians einen Rückstand von 0:2 Spielen noch in eine 3:2-Serie drehten. Beide Teams gewannen zunächst ihre Heimspiele, bevor in der entscheidenden fünften Partie die Yankees in Cleveland triumphierten. Held des Tages beim 5:2-Sieg war New Yorks Shortstop Didi Gregorius, der Indians-Star Corey Kluber zwei Homeruns einschenkte.

In die ALCS gehen die Astros als klarer Favorit, nachdem sie die bessere reguläre Saison und die dominantere Divisional-Serie hatten und sich dadurch zwei zusätzliche Ruhetage und das günstigere Heimrecht (Spiele 1, 2, 6, 7) verdient haben. Dass die Yankees mit der Rolle des Außenseiters gut umgehen können, haben sie dieses Jahr aber auch schon oft genug bewiesen. Dallas Keuchel (2.90 ERA, 3.79 FIP) wird das erste Spiel der Best-of-Seven-Serie für die Astros starten, bei den Yankees läuft es vermutlich auf Masahiro Tanaka (4.74 ERA, 4.34 FIP) hinaus.

National League
In der National League warten die Los Angeles Dodgers schon seit Montag auf einen Gegner. Sie selbst entledigten sich der Arizona Diamondbacks – in der regulären Saison noch der Angstgegner der Dodgers – souverän mit 3:0 Siegen.

Zwischen den Chicago Cubs und den Washington Nationals ist derweil noch nichts entschieden. Zweimal haben die Cubs vorgelegt, zweimal haben die Nationals ausgeglichen. Washington kam dabei zugute, dass Spiel vier wegen Regens um einen Tag von Dienstag auf Mittwoch verschoben werden musste. Der zusätzliche Ruhetag ermöglichte den Nationals, Stephen Strasburg starten zu lassen, der an den Tagen zuvor unter „grippeähnlichen Symptomen“ gelitten hatte. Von diesen war bei seinem Auftritt über sieben dominante Innings, in denen er nur drei Hits und keine Runs zuließ, nichts zu spüren. 5:0 siegten die Nationals und holten damit die Serie zurück nach Washington, wo heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit das fünfte und letzte Spiel der Serie stattfindet (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Den Sieger des entscheidenden Spiels empfangen die Dodgers Samstagnacht um 2 Uhr zum ersten Spiel der NLCS in Los Angeles.

Szene der Woche
Das Thema „Homeruns mit freundlicher Unterstützung“ hatten wir dieses Jahr schon einmal. Jackie Bradley Jr. hat in Spiel drei gegen die Astros ein weiteres Exemplar beigesteuert: Sein Drei-Run-Homer im siebten Inning, der die Partie endgültig zum 10:3-Sieg der Red Sox entschied, war eigentlich einen halben Meter zu kurz. Ein missglückter Catch von Astros-Outfielder Josh Reddick beförderte den Ball aber doch aus dem Spielfeld und die ALDS in ein viertes Spiel. 

Statistik der Woche 
432-378. Das ist die Bilanz von John Farrell aus fünf Jahren als Manager der Boston Red Sox. Das entspricht einer Siegesquote von .533, die noch ansehnlicher dadurch wird, dass in Farrells Zeit der Gewinn der World Series 2013 sowie zwei Divisionssiege hintereinander 2016 und 2017 fallen. Nachdem die Red Sox nun allerdings auch zweimal hintereinander in der ALDS ausgeschieden sind, musste Farrell ein Jahr früher als vertraglich vorgesehen seinen Hut nehmen.

Spiel der Woche
Die spannendste der diesjährigen Divisional-Serien war die zwischen den Cleveland Indians und den New York Yankees. Dieser Serie entstammt auch das spannendste Einzelspiel der Runde: In Spiel zwei des Duells legten die Yankees per Homerun von Gary Sanchez zwei Runs im ersten Inning vor, die von den Indians prompt ausgeglichen wurden. Bis zum fünften Inning zogen die Yankees dann aber, unter anderem durch Homeruns von Aaron Hicks und Greg Bird, auf 8:3 davon. Spiel gelaufen? Mitnichten, denn im sechsten Inning brachte Francisco Lindor die Indians mit einem Grand Slam an den Foul Pole zurück ins Rennen. Jay Bruce, der schon im ersten Spiel der Held gewesen war, vollendete die Aufholjagd durch seinen Homerun zum 8:8. In den Extras waren noch einmal die Yankees nah am Sieg, doch Indians-Catcher Yan Gomes erstickte im elften Inning durch einen Pickoff-Throw an die zweite Base die Hoffnung der New Yorker auf Punkte im Keim. Ausgerechnet Gomes war es schließlich im dreizehnten Inning, dessen Single Austin Jackson nach Hause brachte und damit das Spiel doch noch zugunsten von Cleveland entschied.

Spiel der kommenden Woche
Wie jeder MLB-Fan fiebere ich den Championship-Serien entgegen, aber vorher steht heute Nacht um 2 Uhr noch das Entscheidungsspiel um den letzten Startplatz im Finale der National League an: Die Washington Nationals empfangen den Titelverteidiger Chicago Cubs. Als Starter werden aller Voraussicht nach Kyle Hendricks (3.03 ERA, 3.88 FIP) für Chicago und entweder  Tanner Roark (4.67 ERA, 4.13 FIP) oder Gio Gonzalez (2.96 ERA, 3.93 FIP) für Washington antreten. Nach Hendricks‘ sehr starkem Auftritt aus Spiel eins kann man die Cubs mit ihm als leichte Favoriten sehen – allerdings müssen sie dazu auch ihre mit nur acht Runs aus den ersten vier Partien zu harmlose Offensive in Schwung bekommen. Wenn es hart auf hart kommt, könnten übrigens die beiden Starter aus Spiel drei – Jose Quintana und Max Scherzer – als Reliever zum Einsatz kommen.

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Oktober 9th, 2017 by Dominik

Bis zum Ende des MLB-Jahres sind es zum Glück noch rund drei Wochen hin, aber schon heute haben wir zum letzten Mal die Gelegenheit zu einer gepflegten langen Baseballnacht: Vier Spiele hintereinander kann man von heute Abend um sieben bis ca. halb acht morgen früh anschauen und in drei davon kann – muss aber nicht – je eine der Divisional-Serien entschieden werden. Mehr als zwei Spiele pro Nacht werden es danach für den Rest des Jahres nicht mehr werden.

Den Anfang machen um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Houston Astros und die Boston Red Sox mit Spiel vier ihrer Serie im Fenway Park. Dass es zu diesem Spiel überhaupt kommt, haben die Red Sox mit ihrem Comeback-Sieg gestern Abend sichergestellt: Einen 0:3-Rückstand drehten sie, unter anderem durch Homeruns von Jackie Bradley und Rafael Devers, noch in einen 10:3-Erfolg. Auf dem Mound brillierte, nachdem Starter Doug Fister schon nach 1.1 Innings raus musste, David Price mit vier Shutout-Innings. Boston hofft auf einen Rick Porcello (4.65 ERA, 4.60 FIP) in der Form von 2016 in der Hoffnung, auf 2:2 ausgleichen und ein entscheidendes Spiel 5 erzwingen zu können. Die Astros wollen mit Charlie Morton (3.62 ERA, 3.46 FIP) ihren zweiten Matchball zum Erreichen der American League Championship Series verwandeln.

Um 22 Uhr treffen die Chicago Cubs im Wrigley Field auf die Washington Nationals im einzigen Duell, von dem es auf jeden Fall noch eine weitere Auflage geben wird. Nach einem 3:0 der Cubs und einem 6:3 der Nationals steht es in der Serie unentschieden. Das Pitching-Matchup verspricht ein Leckerbissen zu werden mit Cy-Young-Kandidat Max Scherzer für die Nationals (2.51 ERA, 2.90 FIP) und José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) für die Cubs. Scherzer ist allerdings durch seine Oberschenkelzerrung, die ihn an der Teilnahme an den ersten beiden Spielen gehindert hatte, noch eingeschränkt und wird möglicherweise nur einen verkürzten Start absolvieren.

Als nächstes kämpfen um 1 Uhr die New York Yankees ums Überleben gegen die Cleveland Indians. Ein Galauftritt von Masahiro Tanaka mit sieben Shutout-Innings sowie ein Homerun von Greg Bird brachte den Yankees letzte Nacht einen 1:0-Sieg und verhinderte den Sweep der Indians. Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) wird heute darauf brennen, seinen enttäuschenden Start im Wild-Card-Spiel vergessen zu lassen. Die Indians setzen – für mich etwas überraschend – zum zweiten Mal in der Serie auf Trevor Bauer (4.19 ERA, 3.88 FIP) beim Versuch, die ALDS für sich zu entscheiden und sich drei Ruhetag bis zum Start der Championship-Series zu verdienen.

Zum Abschluss empfangen um 4 Uhr die Arizona Diamondbacks die Los Angeles Dodgers. Durch 9:5- und 8:5-Siege in ihren Heimspielen haben sich die Dodgers eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Sie haben nun drei Versuche, zum dritten Mal zu gewinnen und damit in das Finale um die National League einzuziehen. Leicht werden es ihnen die Diamondbacks im Chase Field sicher nicht machen, da ihr Top-Starter Zack Greinke (3.20 ERA, 3.31 FIP) zum ersten Mal in der Serie den Mound übernimmt. Sein Gegenüber wird mit Yu Darvish (3.86 ERA, 3.83 FIP) aber auch kein Schlechter sein.

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Oktober 5th, 2017 by Dominik

Es wird wohl niemanden überraschen, dass es im Grand Slam am Donnerstag diese Woche vor allem um die ab heute anstehenden Divisional Series der MLB geht. Seit letzter Nacht ist das Teilnehmerfeld komplett, aus den Wild-Card-Spielen haben es die New York Yankees und die Arizona Diamondbacks in die erste „richtige“ Playoff-Runde geschafft. Nun wird es für beide richtig schwer, noch weiter in die Playoffs vorzudringen, denn sie treffen auf die erfolgreichsten Teams der regulären Saison, welche sich die Wild-Card-Spiele ganz entspannt im Fernsehen anschauen durften.

American League
Die American League wird heute vorlegen mit den ersten Spielen der beiden Divisional-Serien. Als Erstes treffen heute Abend um 22 Uhr unserer Zeit die Boston Red Sox und die Houston Astros aufeinander, angeführt von Chris Sale (2.92 ERA, 2.84 FIP) und Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). Vom Pitching-Matchup in Spiel 1 her scheinen die Red Sox leicht favorisiert, allerdings sollte man nicht übersehen, dass Verlander seit dem Wechsel von Detroit nach Houston regelrecht aufgeblüht ist: In seinen fünf Starts für die Astros hat er 34 Innings gepitcht und nur vier Runs zugelassen, was Werten von 1.06 ERA und 2.69 FIP entspricht. Insgesamt sehe ich das Pitching der Red Sox als etwas stärker an als das der Astros, während das Batting klar für die Astros spricht. Mit 896 gescorten Runs führt Houston die gesamte MLB deutlich an. Da die Astros auch vom Run Differential (+196 zu +117) und von den erreichten Siegen in der gesamten Saison (101 zu 93) sowie in den letzten 30 Spielen (22 zu 18) her die Red Sox hinter sich lassen und zudem die günstigeren Heimspiele (Spiel 1, 2 und evtl. 5) haben, sehe ich sie als die Favoriten des Duells an. Mein Tipp ist, dass die Astros mit 3:1 Siegen die Oberhand behalten.

Um 1:30 Uhr heute Nacht beginnt die zweite Divisional-Serie der AL mit dem ersten Spiel zwischen den New York Yankees um Sonny Gray (3.55 ERA, 3.90 FIP) und den Cleveland Indians mit Trevor Bauer (4.19 ERA, 3.38 FIP). Ich finde es etwas überraschend, dass die Indians Bauer in Spiel 1 ins Rennen schicken und nicht ihren besten Starter Corey Kluber. Offenbar denkt man sich, wenn die Yankees nach dem Wild-Card-Spiel erst mal ihren Nummer-1-Starter Luis Severino ruhen lassen müssen, kann es auch mit Bauer reichen. Ähnlich wie in der anderen ALDS-Paarung tritt auch hier ein Team, das besonders in der Offense überzeugt – die Yankees haben 858 Runs erzielt – auf ein besonders defensivstarkes – die Indians haben nur 564 Runs kassiert, mit Abstand die wenigsten der Liga. Insgesamt bringen beide Mannschaften sehr starke Gesamtpakete auf die Waage, was auch dadurch illustriert wird, dass sie mit +254 (Indians) und +198 (Yankees) die beiden höchsten Run Differentials der gesamten MLB aufweisen. Im Endeffekt halte ich die Indians für das bessere Team – sie gehen ausgeruhter in die Serie, sie haben vor allem in den letzten sechs Wochen der Saison die Liga dominiert und gegen die Yankees haben sie dieses Jahr bereits fünf von sieben Spielen gewonnen. Ich tippe auf einen 3:0-Sweep für Cleveland.

National League
In der National League fand das Wild-Card-Spiel einen Tag später statt als in der American League, deshalb beginnen auch die Divisional-Serien einen Tag später. Los geht es Freitagnacht um 1:30 Uhr unserer Zeit mit den Chicago Cubs bei den Washington Nationals. Die Cubs gehen mit Kyle Hendricks (3.03 ERA, 3.88 FIP) an den Start. Hendricks steht von der Aufmerksamkeit her immer etwas im Schatten von Jon Lester und Jake Arrieta, obwohl er sowohl dieses Jahr als auch im Meisterschaftsjahr 2016 die besseren Zahlen produziert hat als jene beiden. Bei den Nationals ist Max Scherzer (2.79 ERA, 2.77 FIP) der beste Starter, allerdings ist er nach einer Oberschenkelzerrung noch leicht angeschlagen, sodass noch unklar ist, ob er in Spiel 1 pitcht oder noch ein, zwei Tage länger geschont wird. In Stephen Strasburg (3.46 ERA, 2.81 FIP) steht adäquater Ersatz bereit. Sowohl bei den Cubs als auch bei den Nationals handelt es sich um homogen besetzte und hervorragend gemanagte Teams, die beide sowohl beim Erzielen als auch beim Verhindern von Runs zu den absoluten Topmannschaften der NL gehören. Für mich ist das die engste Serie der Divisional-Runde. Ich tippe auf ein 3:2 für die Nationals.

Als letzte Divisional-Serie der diesjährigen Playoffs startet morgen Nacht um 4:30 Uhr das Kräftemessen zwischen den Los Angeles Dodgers und den Arizona Diamondbacks mit einem wohl etwas unausgeglichenen Matchup zwischen Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP) und einem noch zu benennenden Pitcher der Diamondbacks, der nicht Zack Greinke oder Robbie Ray heißt. Die beiden Top-Starter der Diamondbacks wurden im Wild-Card-Spiel gebraucht und stehen deshalb nicht für Spiel 1 zur Verfügung. Innerhalb der Best-of-5-Serie sind sie dann wohl jeweils nur einmal einsetzbar, was die Erfolgschancen ihres Teams deutlich schmälern dürfte. Für die Dodgers sah es noch vor wenigen Wochen so aus, als wäre ein rekordverdächtiger Durchmarsch bis zur World Series vorprogrammiert; dann folgte Ende August bis Mitte September ein brutaler Slump mit 16 Niederlagen aus 17 Spielen und plötzlich sieht LA absolut schlagbar aus. Tatsächlich haben die Dodgers die Saisonserie gegen ihren Divisionskonkurrenten aus Arizona mit 8-11 verloren, darunter die letzten sechs Duelle in Folge. Dadurch relativiert sich etwas ihr aus den meisten Zahlen (Run Differential, Wins, ERA, wRC+,…) ableitbarer Favoritenstatus. Ich glaube dennoch, dass die Dodgers sich durchsetzen werden, in erster Linie weil sie beim Starting Pitching im Gegensatz zum Gegner aus dem Vollen schöpfen können. Mein Tipp ist ein 3:1 für LA.

Szene der Woche
Die Szene der Woche umfasst dieses Mal neun Episoden mit dem immer gleichen Hauptdarsteller: Detroits Super-Utility-Player Andrew Romine. Er nutzte das ansonsten bedeutungslose vorletzte Spiel seiner Tigers am Samstagabend gegen die Twins für ein interessantes Selbstexperiment, indem er auf allen neun Positionen spielte. Er begann im Left Field, von wo er das erste Out des Spiels erzielte und arbeitete sich dann von links nach rechts und von hinten nach vorne durch. Auf jedem Posten verbrachte er ein ganzes Inning, nur als Catcher und Pitcher spielte er etwas kürzer, brachte aber immerhin Miguel Sano zu einem Groundout. Am Schluss war die erste Base dran, an der Romine auch das letzte Out der Partie erzielte und damit den 3:2-Sieg sicherte.

Statistik der Woche 
5.14. Das ist der Earned Run Average der Starter für die New York Mets in dieser Saison. Es ist nicht der schlechteste Starter-ERA der Liga (den hatten die Baltimore Orioles mit 5.70). Aber es ist der schlechteste, den die traditionell pitching-fokussierten Mets jemals hatten und das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Rotation der Mets vor der Saison von vielen (mich selbst eingeschlossen) als die beste der MLB bezeichnet wurde. Noah Syndergaard, Jacob deGrom, Matt Harvey, Steven Matz, Zack Wheeler und als Ersatz Robert Gsellman und Seth Lugo – das hat sich toll angehört, aber außer deGrom sind sie alle weder gesund geblieben noch den Erwartungen gerecht geworden. Die größte Enttäuschung war Matt Harvey, ein Schatten des früher als „The Dark Knight“ bekannten Asses mit einem ERA von 6.70 – und damit der mit Abstand schlechteste Pitcher, der je18 Starts in einer Saison für die Mets absolvieren durfte.

Spiel(e) der Woche
Die erste Playoffrunde bestand zwar leider nur aus zwei Spielen, doch die hatten es in sich: In der AL legten die Minnesota Twins mit drei Runs im ersten Inning los, darunter von Brian Dozier der erste Leadoff-Homerun, mit dem je ein Wild-Card-Spiel begonnen wurde. Yankees-Starter Luis Severino musste alle drei Runs auf seine Kappe nehmen und den Mound schon nach einem drittel Inning räumen. Aber der Bullpen der Yankees ließ dann im ganzen Spiel nur noch einen Run zu und ermöglichte einen am Ende deutlichen 8:4-Sieg, zu dem ein Drei-Run-Homer von Didi Gregorius zum Ausgleich im ersten, ein Solo-Homerun von Brett Gardner im zweiten und ein Zwei-Run-Homerun von Aaron Judge im vierten Inning beitrugen.

Auch das NL-Wild-Card-Spiel war kurz für die beiden Starter: Jon Gray kassierte mit seinen Colorado Rockies schon einen Drei-Run-Homer durch Paul Goldschmidt, bevor ihm überhaupt das erste Out gelang. Nach einem weiteren zugelassenen Run im zweiten Inning musste er raus. Zack Greinke machte es für die Arizona Diamondbacks zunächst besser, pitchte drei saubere Innings und wurde von seiner Offense mit einer 6:0-Führung belohnt. Doch im vierten Inning entglitt ihm das Spiel, nach vier Hits und ebenso vielen Runs endete auch sein Arbeitstag vorzeitig. Die Bullpens konnten den sich entwickelnden Schlagabtausch nicht verhindern, doch am Ende hielt der Vorsprung der Diamondbacks. 11:8 siegte Arizona, nachdem Colorado zwischenzeitlich auf 5:6 und 7:8 herangekommen war.

Spiel der kommenden Woche
Eigentlich ist diese Kategorie dafür gedacht, aus dem großen, bunten Strauß des wöchentlichen MLB-Angebots einen Tipp herauszugreifen, welches Spiel man sich anschauen sollte. In den Playoffs ist die Situation etwas anders, denn jetzt sind alle Spiele wichtig und interessant und man kann nur empfehlen, so viele davon zu sehen wie möglich. Ich persönlich bin am meisten gespannt auf die Serie zwischen den Los Angeles Dodgers und den Arizona Diamondbacks. Das erste Spiel dieses Duells werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Statt langem Wachbleiben ist in dem Fall mal frühes Aufstehen am Wochenende gefragt, denn die Partie beginnt nach mitteleuropäischer Zeit am Samstagmorgen um 4:30 Uhr.

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Oktober 2nd, 2017 by Dominik

Aus, Ende, vorbei. Für zwanzig der dreißig MLB-Teams ist die Saison 2017 seit letzter Nacht abgeschlossen. Manche dieser zwanzig sind bitter enttäuscht, entweder weil sie bis kurz vor Schluss noch Playoff-Hoffnungen hatten wie die Los Angeles Angels und die Milwaukee Brewers oder weil sie im ganzen Jahr nie die selbst gesetzten Erwartungen erfüllen konnten wie zum Beispiel die New York Mets und die San Francisco Giants. Andere wie die Philadelphia Phillies oder die Chicago White Sox ziehen den Schlussstrich schneller und bereitwilliger, weil 2017 für sie ohnehin nur ein Zwischenschritt beim Neuaufbau war. Über all diese Teams wird in der kommenden Offseason noch zu reden sein, aber jetzt stehen erst mal die anderen zehn Mannschaften im Mittelpunkt: Willkommen zu den MLB-Playoffs 2017!

Morgen Nacht geht es los mit den spannendsten Spielen des bisherigen Baseballjahres, den Wild Card Games. Der Modus ist für diese Sportart extrem untypisch, denn es entscheidet jeweils ein einziges Spiel über Weiterkommen oder Ausscheiden. Das muss man nicht gut finden – tue ich auch nicht –, aber es ist zumindest insofern interessant, als es eine ganz eigene taktische Herangehensweise bedingt, insbesondere beim Pitching. Jedes der vier Teams wird seinen besten Starter ins Rennen schicken und gleichzeitig bereit sein, bei der kleinsten Schwäche zu wechseln.

New York Yankees – Minnesota Twins
Die American League macht den Anfang mit der Partie der Yankees gegen die Twins Dienstagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Beide Teams haben gemeinsam, dass sie eine überraschend starke Saison gespielt und es ziemlich unerwartet in die Playoffs geschafft haben. Die Yankees gehen als deutlicher Favorit in das Spiel, nachdem sie eine Bilanz von 91-71 aus der regulären Saison mitbringen und sich dadurch das Heimrecht gegenüber den Twins (85-77) verdient haben. Auch das Run Differential – mit +198 das zweitbeste in der AL hinter den Indians – spricht klar für die Yankees, während es die Twins nur auf +27 bringen. Von den bislang sechs direkten Aufeinandertreffen in diesem Jahr haben die Yankees vier gewonnen, darunter vor zwei Wochen die komplette Drei-Spiele-Heimserie.

Mir persönlich geht es so, dass ich bei den Yankees vor allem an die Offensiv-Power um Aaron Judge und Gary Sanchez denke, aber tatsächlich haben die New Yorker in der AL nicht nur die zweitmeisten erzielten Runs (hinter den Astros), sondern auch die zweitwenigsten zugelassenen Runs (hinter den Indians) auf dem Konto. Mit einem Starter-ERA von 3.98 und einem Bullpen-ERA von 3.34 stehen die Yankees jeweils in der Spitzengruppe, während die Twins mit Werten von 4.73 bzw. 4.40 nur unter ferner liefen auftauchen. Mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) für die Yankees und Ervin Santana (3.28 ERA, 4.46 FIP) treten beide Teams mit ihrer besten Option auf dem Mound an.

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will – ich finde kein Argument, das für die Twins spricht. Außer vielleicht, dass sie unter weitaus geringerem Erfolgsdruck stehen. Für Minnesota hat die Saison schon jetzt historischen Wert, nachdem sie es vom schlechtesten Team der gesamten MLB mit 103 Niederlagen 2016 zum Playoff-Teilnehmer 2017 gebracht haben. Die Yankees haben zwar ebenfalls bereits die Erwartungen übertroffen, aber es ist jedem klar: Wenn die Yankees in die Playoffs kommen, dann erwartet man von ihnen, dass sie um die World Series spielen.

Der Sieger des Spiels wird ab Donnerstag in der ALDS gegen die Cleveland Indians antreten. Ich tippe, dass das die Yankees sein werden, auch wenn ich Max Kepler und den Twins alle verfügbaren Daumen drücke.

Arizona Diamondbacks – Colorado Rockies
In der National League treffen ab Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) zwei Teams aufeinander, die sich sehr gut kennen. Die Diamondbacks und die Rockies teilen sich seit Jahren in der Saisonvorbereitung einen gemeinsamen Trainingskomplex und als Divisionsrivalen in der NL West haben sie dieses Jahr schon 19-mal gegeneinander gespielt. Die Bilanz sowohl dieser Begegnungen (11-8) als auch die der Saison insgesamt (93-69) spricht für die Diamondbacks, weshalb die Rockies (87-75) auswärts antreten müssen.

Wie in der AL treffen auch in der NL zwei Teams aufeinander, die nicht Viele auf der Rechnung für eine Playoff-Saison hatten. Und ähnlich wie in der AL ist die Favoritenrolle relativ eindeutig festgelegt: Das Run Differential der Diamondbacks (+153) übertrifft das der Rockies (+67) sehr deutlich. Das liegt vor allem daran, dass sie viel weniger Runs zugelassen haben (659 gegenüber 757), während bei den erzielten Runs die Rockies (824) leicht die Nase vor den Diamondbacks (812) haben. Bei beiden Werten muss man berücksichtigen, dass die Rockies die Hälfte ihrer Spiele im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga austragen. Greift man auf Statistiken mit Korrekturfaktor zurück wie wRC+ oder ERA+, so ergibt sich ein recht deutlicher Vorteil für die Diamondbacks sowohl in der Offense als auch in der Defense.

Als Starter werden die Diamondbacks in Zack Greinke (3.20 ERA, 3.31 FIP) einen der besten Pitcher der Liga aufbieten. Greinke hat in der regulären Saison unter Beweis gestellt, dass sein schwaches Jahr 2016 für ihn nicht mehr als ein statistischer Ausreißer nach unten war. Sein Gegenüber wird der deutlich unerfahrenere Jon Gray sein, dessen Werte von 3.67 ERA und 3.18 FIP aber für einen Rockies-Pitcher erstaunlich gut sind. Im Gegensatz zu den Rockies insgesamt kann man von Gray nicht behaupten, dass er gegen Saisonende nachgelassen hätte: In seinen letzten 13 Starts hat er kein einziges Mal mehr als drei Runs zugelassen.

Der Sieger wird ab Freitag in der NLDS gegen die Los Angeles Dodgers antreten. Mein Tipp lautet, dass das Spiel knapp an die Diamondbacks geht.

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