Spieltipp: What About Baseball

Da ich sowohl Baseball als auch Brettspiele liebe, bin ich eigentlich ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, diese beiden Vorlieben miteinander zu vereinen. Das ist leider nicht einfach, denn selbst in Amerika sind gute Baseball-Brettspiele rar gesät und sie in Deutschland ohne horrende Versandkosten zu bekommen, ist fast unmöglich. Dennoch konnte ich mittlerweile zwei solche Spiele ergattern und das erste davon möchte ich heute vorstellen.

Das Spiel heißt „What About Baseball“ und stammt von dem relativ kleinen Verlag „Shrout & Co.“. Die Materialien machen einen stabilen und mit Liebe gestalteten Eindruck: Neben einer gedruckten Anleitung und dem Spielplan, der ein Baseballfeld sowie Anzeiger für Balls, Strikes und Outs darstellt, sind Spielfiguren in rot und blau, ein Block mit Scoresheets, zwei Bleistifte, zwei normale Würfel und drei spezielle Würfel dabei. Die Scoresheets sind einfach gehalten, man trägt lediglich ein Batting Lineup sowie die Runs, Hits und Errors in den einzelnen Innings ein. Aber auch für Statistikfans ist gesorgt, denn es gibt noch eine fortgeschrittene Version des Scoresheets, die man sich auf der Homepage des Spiels kostenlos herunterladen kann.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Man spielt wie im echten Baseball über neun Innings, je drei Outs beenden ein Halbinning. Der Spieler – oder das Team – in der Defense würfelt mit dem Pitcherwürfel das Ergebnis jedes Pitches aus: Ball, Strike, Foul Ball oder Kontakt. Kontakt heißt, der Ball kommt ins Spiel und nun ist der Batter an der Reihe, mit den zwei normalen Würfeln das Resultat des Schlags zu ermitteln: eine 12 ist ein Homerun, eine 11 ein Triple, eine 10 ein Double, eine 9 ein Single und alles darunter ein Out. Um die Sache etwas interessanter zu machen, gibt es noch zwei Sonderwürfel, die zum Einsatz kommen, wenn der Batter einen 1er-, 2er-, 3er- oder 4er-Pasch würfelt. Dadurch kommen ab und zu auch Errors, Wild Pitches, Stealversuche oder Double Plays vor.

Laut den Angaben auf der Packung und in der Beschreibung ist das Spiel geeignet für zwei bis vier Spieler ab 8 Jahren. Beide Angaben kann ich so nicht bestätigen: zum einen weil es problemlos möglich ist, das Spiel sowohl allein als auch in größeren Gruppen zu spielen, zum anderen weil das genannte Mindestalter mir deutlich zu hoch gegriffen erscheint. Ich habe das Spiel mit meinen eigenen Kindern im Alter von fünf und acht Jahren gespielt. Der Fünfjährige hat es sofort verstanden und das würde wohl auch jedes andere fünfjährige Kind, sofern es ein Grundinteresse und – verständnis für Baseball mitbringt, also weiß, was Balls, Strikes, Hits und Walks sind. Für den Achtjährigen wird das Spiel schon relativ schnell langweilig, weil es sich leider um ein reines Glücksspiel handelt.

Damit sind wir auch schon beim zentralen Kritikpunkt an „What About Baseball“. Ich finde es extrem schade, dass ein so schön gestaltetes Spiel sein Potenzial verschenkt, indem es keinerlei Möglichkeiten vorsieht, eigene Entscheidungen zu treffen oder gar Strategien anzuwenden. Der Verlauf und der Ausgang des Spiels hängen von nichts anderem als den Würfeln ab, es spielt sich quasi von selbst und so verfliegt der Spielspaß für Erwachsene oder ältere Kinder leider recht schnell.

„What About Baseball“ hat mich somit leider nicht überzeugt. Zum Glück habe ich noch ein anderes Baseball-Brettspiel auf Lager, das ich demnächst vorstellen werde, und so viel kann ich schon verraten: Es ist in meinen Augen deutlich gelungener.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

Dezember 3rd, 2017 by