Pitcharten: 4-Seam-Fastball

Als erste der verschiedenen Arten, einen Pitch zu werfen, stelle ich heute den 4-Seam-Fastball vor. Man nennt ihn auch 4-Seamer, Cross-Seam-Fastball oder Rising Fastball. Wie schon im Überblicksartikel letzte Woche erwähnt, ist der 4-Seamer der mit Abstand am häufigsten geworfene Pitch.

Der 4-Seamer lebt von hoher Geschwindigkeit bei möglichst geradliniger Flugbahn. Er wird vor allem dann eingesetzt, wenn das Ziel ein Strike ist, denn der Pitch ist für den Pitcher relativ gut kontrollierbar. Idealerweise führt er dazu, dass der Batter nicht rechtzeitig reagiert oder unter den Ball schwingt und diesen entweder verfehlt oder so schlecht trifft, dass ein einfaches Pop- oder Flyout herausspringt. Der Nachteil des 4-Seamers ist, dass er relativ anfällig für Homeruns ist.

Einen 4-Seam-Fastball greift man, indem man den hufeisenförmigen Teil der Naht nach außen (also weg vom Körper des Pitchers, zum Ringfinger der Wurfhand hin) zeigen lässt und Zeige- und Mittelfinger direkt auf der oberen Naht ruhen lässt. Der Daumen wird an der Unterseite des Balls platziert, er liegt nur an der Basis auf einer Naht und ansonsten auf dem Leder. Man hält den Ball nur mit den Fingern, nicht in der Handfläche. Der Arm schwingt beim 4-Seamer gestreckt von oben und wenn der Daumen den Ball loslässt, geben Zeige- und Mittelfinger ihm noch den Rückwärtsdrall mit, indem sie an der gegriffenen Naht nach unten rollen.

Griff eines 4-Seam-Fastballs1

Wie jeder Fastball dreht sich der 4-Seamer während des Fluges rückwärts, auf MLB-Niveau ungefähr 20- bis 40-mal pro Sekunde. Durch diesen Backspin in Verbindung mit der nur sehr geringfügig absinkenden Flugbahn, entsteht für den Batter mitunter der optische Eindruck, die Flugbahn wäre sogar ansteigend. Das ist dann der sogenannte Rising Fastball – wie gesagt nur ein optisches Phänomen, ein tatsächliches Ansteigen des von oben (overhand) geworfenen Balles ist physikalisch unmöglich.

Der schnellste 4-Seamer – und gleichzeitig der schnellste Pitch überhaupt –, der in der MLB gemessen wurde, stammte von Aroldis Chapman und war 105,1 mph schnell; das sind 169,14 km/h. Chapman steht mit dieser Leistung aus dem Jahr 2010 im Guinness Buch der Rekorde und er ist über die Jahre hinweg nicht langsamer geworden: 2016 stellte er seinen Rekord ein und die Liste der schnellsten Pitches dieser Saison ist so stark durch ihn dominiert, dass die Kollegen von Statcast freundlicherweise einen „Champman-Filter“-Button hinterlegt haben, damit man auch mal die Namen von ein paar anderen Flamethrowern sieht. Viel nützt das allerdings nicht, denn wenn man Chapman ausblendet, zeigt die Liste weiterhin fast ausschließlich einen einzigen Namen, nämlich Mauricio Cabrera von den Atlanta Braves. Chapman und Cabrera sind die einzigen Pitcher, die es 2016 auch im Durchschnitt all ihrer 4-Seamer auf über 100 Meilen pro Stunde brachten. Noch beeindruckender finde ich allerdings die Leistung von Noah Syndergaard: Er ist mit einem durchschnittlich 98,3 mph schnellen 4-Seamer der am härtesten werfende Starting Pitcher in der MLB – und somit der einzige, der dieses Niveau regelmäßig nicht nur über ein oder zwei Innings hält, sondern über sechs oder sieben.

Flugbahn eines 4-Seam-Fastballs2

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: AtomicRED (CC BY-SA 3.0)

Januar 10th, 2017 by