Die Stars als Pausenfüller

Wir befinden uns offiziell im All-Star-Break, der Halbzeitpause der MLB-Saison. Für die meisten Spieler sind die vier Tage von heute bis Donnerstag die längste Auszeit während der kräftezehrenden 162-Spiele-Saison und allein dafür ist die Pause schon sinnvoll. Ein paar wenige Spieler müssen – oder dürfen – auch in diesen Tagen auf dem Platz stehen, weil sie sich die Teilnahme am All-Star-Game (morgen Nacht, 2 Uhr MEZ) und/oder am Home-Run-Derby (heute Nacht, 2 Uhr MEZ) in San Diego verdient haben. Über Sinn und Unsinn der beiden Veranstaltungen lässt sich freilich streiten.

Für manche ist das All-Star-Game, das Kräftemessen der Topspieler der National League mit jenen der American League, ein Höhepunkt der Saison, weil an diesem Tag so viele Stars gemeinsam auf dem Feld stehen wie an keinem anderen. Für andere ist es ein völlig bedeutungsloses Spiel, weil es erstens keinen zählbaren sportlichen Wert hat und weil zweitens davon auszugehen ist, dass die Spieler selbst die Partie nicht allzu ernst nehmen – schließlich will niemand riskieren, sich eine Verletzung zuzuziehen. Ich finde, das Beste am All-Star-Game ist, dass die Auswahl den besten Spielern der ersten Saisonhälfte eine verdiente Anerkennung zollt. Der Verlauf und das Ergebnis des Spiels selbst interessieren mich jedoch aus den genannten Gründen so gut wie gar nicht, obwohl der Ausgang des Spiels sogar eine kleine Auswirkung auf das „echte“ MLB-Leben hat: Die siegreiche Liga gewinnt für ihren späteren World-Series-Teilnehmer, dass dieser in der Serie das erste Heimrecht hat und auch das im entscheidenden siebten Spiel, falls ein solches nötig wird. Aber die World Series ist noch so weit weg und ich weiß ja noch gar nicht, zu welchem der beiden Teams ich dann halten werde…

Interessant, aber nicht unumstritten ist der Auswahlprozess, nach dem Stück für Stück die jeweils 34 Mann großen Kader für das All-Star-Game zusammengesetzt werden: Die Starter unter den Positionsspielern werden von den Fans per Internet gewählt; die Spieler, Coaches und Manager wählen die Pitcher sowie einen Ersatzspieler für jede Position; die beiden Team-Manager füllen ihre Kader auf jeweils 33 Spieler auf, wobei jedes Team der MLB mindestens einen Platz erhält; um die Spannung möglichst lange aufrecht zu halten, wird der letzte Platz jedes Teams in einer weiteren Internetabstimmung vergeben. Die beiden Hauptkritikpunkte an dem Modus sind, dass Teams mit einer großen Fanbasis einen nicht leistungsabhängigen Vorteil bei den Internetwahlen haben und dass die Fans nicht bei der Auswahl der Pitcher mitreden dürfen. Die Manager der beiden Roster stehen schon lange vorher fest, denn es sind die beiden, die ihre Teams in die letzte World Series geführt haben, in diesem Jahr also Terry Collins (New York Mets) und Ned Yost (Kansas City Royals). Diese beiden entscheiden auch über eventuelle Nachrücker, wenn einige der gewählten Spieler nicht am All-Star-Game teilnehmen können oder wollen. Hier gibt es die kompletten Roster dieses Jahres als Übersicht.

Von sportlich noch zweifelhafterem Wert ist das Home-Run-Derby am Abend vor dem All-Star-Game. Wie der Name schon sagt, geht es darum, wer die meisten Homeruns schlägt. Dabei sind acht von der Liga ausgesuchte Spieler, die gemäß ihrer in dieser Saison geschlagenen Homeruns von eins bis acht sortiert werden und überkreuz (also Nr. 1 gegen Nr. 8, Nr. 2 gegen Nr. 7 etc) gegeneinander antreten. Weiter kommt derjenige, der innerhalb von vier Minuten die meisten Homeruns schlägt; wer zwei Homeruns mit jeweils mindestens 440 Yards schafft, erhält zudem 30 Bonussekunden. Das Ganze wiederholt sich in einer Halbfinalrunde und im Finale, dann steht der Gewinner fest. Die interessanteste Geschichte rund um das Home-Run-Derby dieses Jahr hat leider schon vor knapp zwei Wochen ihr Ende gefunden: Giants-Pitcher Madison Bumgarner wird nicht am Home Run Derby teilnehmen.

Mein persönlicher Favorit unter den Veranstaltungen in dieser Woche ist das All-Star-Futures-Game, das leider meistens etwas untergeht. Das dürfte in erster Linie daran liegen, dass es nicht in der spielfreien Zeit stattfindet, sondern parallel zum letzten regulären Spieltag vor dem All-Star-Break. In dem Spiel treffen zwei Auswahlmannschaften der vielversprechendsten Talente (mindestens ein, höchstens zwei Teilnehmer je MLB-Team) aufeinander, unterteilt nach US- und internationalen Spielern. Im Gegensatz zum „großen“ All-Star-Game sieht man in dieser Partie – wenn man kein großer Beobachter der Minor Leagues ist – viele Spieler zum ersten Mal, die es mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten ein, zwei Jahren in die MLB schaffen werden und die dieses Spiel nicht als routiniertes PR-Event absolvieren sondern als ihre Chance, vor einer größeren TV-Audienz mit Leistung auf sich aufmerksam zu machen. Dieses Jahr nutzten vor allem die internationalen Spieler diese Gelegenheit beim 11:3 über das US-Team. Das gilt besonders für Infielder Yoan Moncada (Red Sox), der sein Team mit einem Monster-Homerun in Führung brachte und zum MVP gewählt wurde.

Juli 11th, 2016 by