Die Ballparks der MLB: AT&T Park

Im dritten Teil der Ballparks-Serie stelle ich zum ersten Mal einen Ballpark an der Westküste vor. Der AT&T Park in San Francisco ist wohl der einzige in der Liga, der es mit dem letzte Woche vorgestellten PNC Park in Sachen Aussicht aufnehmen kann.

AT&T Park mit dem herrlichen Blick über die Bay bis nach Oakland1

Geschichte
Der Ballpark ist seit dem 11. April 2000 die Heimat der San Francisco Giants. Diese bzw. ihr damaliger Owner Peter Magowan finanzierten das 357 Millionen Dollar teure Stadion auf eigene Faust. Es war damit der erste rein privat finanzierte Ballpark seit der Eröffnung von Dodger Stadium im Jahr 1962. Das Land, auf dem er steht, haben die Giants allerdings nur gemietet. 1,2 Millionen Dollar überweisen sie dafür im Rahmen eines 66 Jahre lang laufenden Vertrages jährlich an die Hafenverwaltung von San Francisco.

An das Eröffnungsspiel denkt man in San Francisco sicher nur sehr ungern zurück: Mit 5:6 unterlag man ausgerechnet dem ewigen Rivalen, für den Kevin Elster drei Homeruns erzielte, darunter den ersten in der Geschichte des Parks. Das Stadium wurde eröffnet mit einem Fassungsvermögen von 40.800 Zuschauern, innerhalb der ersten Jahre seines Bestehens aber mehrfach um einige Plätze erweitert, sodass nun 41.915 Leute hineinpassen. Mit etwas gutem Willen lässt sich auch ein bisschen mehr herausholen, so zum Beispiel während der Playoffs 2010, als einem NLDS-Spiel gegen die Braves 44.046 Zuschauer beiwohnten. Noch mehr Menschen passen natürlich hinein, wenn beispielsweise für Konzerte Teile des Innenraums geöffnet werden. Die Rekordzahl von 50.786 erreichte die Dave Matthews Band am 12. August 2005.

Einige Jahre lang zog der Ballpark an der Bay Spott auf sich, weil er häufig seinen Namen wechselte. Die Namensrechte wurden zwar schon während der Planungsphase für 24 Jahre von der Telefongesellschaft Pacific Bell erworben, doch weil diese von SBC Communications übernommen wurde, hieß das als „Pacific Bell Park“ eröffnete Stadion ab 2004 „SBC Park“. Diesen Namen behielt es nur knapp zwei Jahre lang, bis es nach einer weiteren Übernahme zum „AT&T Park“ umgetauft wurde.

Architektonische Auffälligkeiten
AT&T Park weist zahlreiche Parallelen zum PNC Park in Pittsburgh auf, auch wenn die von Stahl, Klinker und zwei 37 Meter hohen Uhrtürmen dominierte Außenfassade sich deutlich von diesem unterscheidet. Beide Stadien beziehen einen guten Teil ihrer Schönheit aus der Lage direkt am Wasser, beide haben des Ausblicks wegen sehr niedrige Outfield-Tribünen und beide haben im Rightfield eine Mauer stehen, deren Höhe sich an einem legendären Spieler des Teams orientiert: In Pittsburgh ist sie 21 Fuß (6,4 Meter) hoch wegen der Rückennummer von Roberto Clemente, in San Francisco 24 Fuß (7,3 Meter) wegen Willie Mays. Die Parallelen sind unter anderem darin zu begründen, dass beide Stadien mit nur einem Jahr Abstand vom gleichen Architekturunternehmen gebaut wurden. Die Planer des Unternehmens Populous zeichnen übrigens nicht nur für diese beiden, sondern für gut die Hälfte aller aktuellen MLB-Ballparks verantwortlich.

Panorama-Ansicht von AT&T Park mit der Bay Bridge im Hintergrund und ganz rechts den Kajak-Paddlern in McCovey Cove2

Anders als in PNC Park kommt es regelmäßig – das heißt mehrmals im Jahr – vor, dass Homeruns ins angrenzende Gewässer fliegen. Solche Homeruns, sofern sie von Giants-Spielern erzielt werden, werden unter der Bezeichnung „Splash Hits“ auf einer speziellen Anzeigetafel gezählt. Die betreffenden Bälle sind besonders beliebt bei Souvenirjägern, die großen Einsatz treiben, um einen davon zu erobern. Fischernetze, Boote, Kajaks und Neoprenanzüge sind nur einige der zahlreichen Vorkehrungen, mit denen sie am und auf dem McCovey Cove genannten Teil der Bay auf die Sammlerstücke lauern.

Willie Mays ist omnipräsent: Den Haupteingang zieren seine Statue sowie 24 Palmen in Gedenken an die Rückennummer 243

Spielbezogene Eigenheiten
Obwohl Barry Bonds hier einen guten Teil seiner Homerun-Rekorde eingefahren hat, ist AT&T Park kein hitterfreundlicher Ballpark. Die Outfielddimensionen sind mit 399 Fuß (122 Meter) im Centerfield, 404 Fuß (123 Meter) im mittleren Leftfield und 421 Fuß (128 Meter) im mittleren Rightfield recht groß. Nur dem äußeren Rightfield (309 Fuß, 94 Meter) war beim Bau durch die Lage an der Bay eine enge natürliche Grenze gesetzt, die aber durch die oben erwähnte Mauer wettgemacht wird.

Laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 ist AT&T Park das ungünstigste Pflaster der ganzen MLB für das Erzielen von Homeruns und das viertschlechteste für das Erzielen von Runs insgesamt. Vor allem Homeruns von Linkshändern sind in diesem Stadion nicht nur deshalb besonders spektakulär, weil sie manchmal in McCovey Cove landen, sondern auch weil sie so selten vorkommen.

Wo sitzt man am besten?
Gemeinsam mit Fenway Park und Wrigley Field gehört AT&T Park zu den Stadien der MLB, die sehr häufig ausverkauft sind und deren Besuch man daher sorgfältig planen sollte, selbst wenn es um ein Spiel unter der Woche und gegen einen vermeintlich weniger attraktiven Gegner geht.

Wie in fast allen Ballparks hat man die beste Sicht von den Field-Level-Plätzen um das Infield herum (Section 107-124). Mit 85 bis 250 Dollar pro Ticket sind das – von besonderen Logen abgesehen – natürlich auch die teuersten Plätze. Ein guter Kompromiss zwischen Preis und guter Sicht sowohl aufs Spielfeld als auch auf die Bay sind die View Boxes der Sections 304 bis 308, die man je nach Spiel für 22 bis 48 Dollar bekommt.

In San Francisco gibt es sogar eine Option für den Fall, dass man entweder leer ausgegangen ist oder überhaupt kein Geld für einen Stadionbesuch ausgeben, aber trotzdem mal ein bisschen Atmosphäre schnuppern möchte: Zwischen Rightfield und McCovey Cove gibt es einen Weg direkt am Wasser, von dem aus man das Spiel durch einen Zaun verfolgen kann. Der Zugang zu dieser Stelle ist begrenzt auf 24 Personen und drei Innings, das heißt nach dem dritten, sechsten und ggf. neunten Inning wird der Bereich geräumt und 24 neue Zaungäste dürfen die Plätze einnehmen.

Noch ein gut gemeinter Tipp: Zieht euch warm an, wenn ihr AT&T Park besucht. In San Francisco ist es auch im Sommer oft windig und/oder neblig und für den Standort des Stadions direkt an der Bay gilt das ganz besonders.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Coasttocoast (CC BY-SA 3.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Daniel Schwen (CC BY-SA 2.5)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Dllu (CC BY-SA 4.0)

Januar 23rd, 2018 by