Die größten Baseballer aller Zeiten: Babe Ruth

Wäre diese Serie über die größten Baseballspieler nicht chronologisch, sondern nach Wichtigkeit geordnet, so wäre es keine Frage, wer auf Rang eins stehen müsste. George Herman Ruth, allseits bekannt als Babe Ruth, ist der größte Star, den der Baseball bis zum heutigen Tag gesehen hat und an dem sich bis heute jeder andere messen lassen muss.

In Ruths früher Kindheit deutete wenig darauf hin, dass er es mal zum Top-Sportler bringen würde. Seine deutschstämmigen Eltern, die einen Saloon in Baltimore betrieben, kamen mit ihm nicht zurecht. Er schwänzte schon im ersten Schuljahr häufig die Schule und trank heimlich Bier. Im Alter von sieben Jahren wurde er schließlich in ein katholisches Erziehungsheim geschickt. Für ihn erwies sich das als Glücksfall. Trotz oder vielleicht gerade wegen des streng regulierten Alltags fühlte er sich in dem Heim wohl. Vor allem wurde dort von einem Pater sein Talent für das Baseballspiel entdeckt und gefördert. Mit 19 Jahren wurde Ruth vom Team seiner Heimatstadt, den Baltimore Orioles, unter Vertrag genommen. Schon nach wenigen Spielen in der Minor League wurde er an die Boston Red Sox verkauft.

In Boston etablierte Ruth sich zunächst als Pitcher und gewann mit den Red Sox die World Series 1915, 1916 und 1918. Auch als Batter machte er bereits auf sich aufmerksam, insbesondere wegen seiner neuartigen Herangehensweise, gezielt Homeruns über den Zaun zu schlagen. 1918 führte er die Liga mit elf Homeruns an, obwohl er wegen der als Pitcher nötigen Ruhepausen viel weniger Spiele absolvierte als die meisten Batter. 1919 schlug er für damalige Verhältnisse unglaubliche 29 Homeruns. Obwohl er ein guter Pitcher war, wurde er immer seltener als solcher eingesetzt, denn man wollte ihn jeden Tag im Lineup haben. Die Red Sox spielten zwar in dem Jahr eine schwache Saison, aber allein wegen dem spektakulären Ruth explodierten die Zuschauerzahlen gegenüber dem Vorjahr.

Babe Ruth 1920 (1)

Es folgte jener fatale 3. Januar 1920, an dem der damalige Eigentümer der Red Sox, Harry Frazee, Babe Ruth für 125.000 Dollar an die New York Yankees verkaufte. Diese Transaktion gilt als einer der größten Fehler der Baseballgeschichte. Ruth entwickelte sich von einem bereits sehr guten zum möglicherweise besten Spieler aller Zeiten. Gleich in seinem ersten Jahr in New York schlug er 54 Homeruns und pulverisierte damit den im Jahr zuvor selbst aufgestellten Bestwert. 1927 zementierte er die Marke bei 60 Homeruns – ein Rekord, der 34 Jahre lang Bestand haben sollte. Insgesamt schlug er 714 Homeruns, bis heute die drittmeisten der MLB-Geschichte.

Die Yankees, die bis dahin noch nie die World Series erreicht hatten, schwangen sich mit Ruth zum dominierenden Team ihrer Sportart auf. Mit ihm gewannen sie die ersten vier ihrer mittlerweile 27 Meisterschaften. Die Red Sox hingegen versanken nach dem Verkauf von Ruth und einigen weiteren Spielern für Jahrzehnte im Mittelmaß. Sage und schreibe 86 Jahre mussten sie warten, bis sie 2004 erstmals wieder eine World Series gewannen und damit endlich den “Fluch des Bambino” durchbrachen.

Babe Ruth war ein Ausnahmesportler, der nie wie ein solcher lebte: Er rauchte, trank, aß Hot Dogs in rauhen Mengen und umgab sich mit häufig wechselnden Frauen. Er engagierte sich aber auch stark für soziale Projekte und war stets zugänglich für seine Fans. Einen besonders guten Draht hatte er zu Kindern – vermutlich weil er selbst immer ein Stück weit ein Kindskopf blieb.

Gemeinsam mit Ty Cobb, Walter Johnson, Honus Wagner und Christy Mathewson bildete Babe Ruth 1936 die erste Hall-of-Fame-Klasse. Er starb 1948 im Alter von 53 Jahren an Krebs.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Paul Thompson (PD-US)

Januar 15th, 2019 by