Baseball in aller Welt: Australien

Nach drei Folgen aus Asien führt uns die Baseball-Weltreise diese Woche noch ein Stück weiter weg, nämlich nach Australien. Dort beginnt gerade der Sommer und die Baseball-Saison ist in vollem Gange.

Keine Chance gegen Cricket
Wie in den meisten Staaten des britischen Commonwealth hat es Baseball in Australien schon allein deshalb schwer, weil mit Cricket eine eng verwandte Sportart sich großer Popularität erfreut. Auch Fußball, Rugby, Australian Football und Feldhockey sind sehr beliebt, sodass für Baseball nur eine recht schmale Nische im Herzen der sportbegeisterten Australier bleibt.

Dabei blickt der Baseball „down under“ durchaus schon auf eine lange Geschichte zurück: Bereits in den 1850er Jahren wurde in Victoria – vor allem von im Goldrausch zugewanderten Amerikanern – organisiert Baseball gespielt und 1897 war erstmals ein australisches Team auf einer Spieltour quer durch die USA unterwegs. Seit 1934 – mit ein paar Unterbrechungen und unter wechselnden Namen – gibt es landesweite Baseball-Ligen in Australien. Traditionell wurde Baseball in Australien als Wintersport angesehen, geschuldet dem Umstand, dass in dieser Jahreszeit die Cricket-Felder frei waren und viele Cricket-Spieler Baseball nutzten, um sich während der Spielpause ihrer Stammsportart fit zu halten. Inzwischen hat Baseball sich soweit vom Cricket emanzipiert, dass man in eigenen Ballparks spielt und zwar hauptsächlich im (australischen) Sommer.

Das Baseball-Team aus Fitzroy im Jahr 18891

Das australische Nationalteam steht in der Weltrangliste der WBSC auf Platz sieben. Nachdem es bei der Weltmeisterschaft World Baseball Classic 2013 noch den letzten Platz unter 16 Teilnehmern setzte, schieden die Australier 2017 zwar ebenfalls in der ersten Runde aus, schlugen sich aber erstaunlich gut in einer schweren Gruppe: Gegen China gab es einen 11:0-Sieg, gegen Kuba (3:4) und Japan (1:4) unterlag man überraschend knapp. Erfolgreicher als die Männer ist das Frauen-Nationalteam, das in der Weltrangliste auf Platz vier steht und seine größten Erfolge mit Rang zwei bzw. drei bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 feierte.

Die Australian Baseball League
Die Australian Baseball League (ABL) besteht in ihrer heutigen Form seit 2010 und umfasst die sechs auf der unten stehenden Karte zu sehenden Teams. Es handelt sich um eine Profiliga, wobei niemand von dem Geld, das er in der ABL verdient, reich wird. Die Liga wurde unter massivem Engagement der MLB aufgebaut, die bis 2016 75% der Anteile an der Organisation hielt. Inzwischen ist die Liga zu 100% in der Hand von Baseball Australia, doch die Kooperation mit der MLB ist nach wie vor sehr eng. Für sie ist der Standort Australien nicht nur wegen der potenziellen Fanbasis attraktiv sondern vor allem wegen des Wetters: Fast die Hälfte der Spieler, die in der von November bis Februar dauernden Saison aktiv sind, sind amerikanische Minor Leaguer, die auf diese Art Spielpraxis sammeln sollen, während der Baseball in der Heimat sich im Winterschlaf befindet. Auch deutsche Spieler zieht es aus diesem Grund – und wegen der Anwesenheit von MLB-Scouts – immer wieder nach down under. Derzeit ist zum Beispiel Clayton Freimuth, der vor kurzem noch im Finale um die Deutsche Meisterschaft für die Heidenheim Heideköpfe brillierte, für die Sydney Blue Sox aktiv.

Standorte der ABL2

Während der regulären Saison werden meistens Vier-Spiele-Serien von Donnerstag bis Sonnntag gespielt, je eine auswärts und eine zu Hause gegen jede andere Mannschaft. Das macht insgesamt 40 Spiele je Team. Anschließend finden die Playoffs in zwei Runden statt: Im Halbfinale treffen das beste Team auf das viertbeste und zweitbeste auf das drittbeste, jeweils in einer Best-of-3-Serie, in der das besserplatzierte Team durchgängig Heimrecht hat. Im Finale wird ebenfalls Best-of-3 gespielt, wobei das besserplatzierte Team wählen darf, ob es entweder Spiel 1 oder die Spiele 2 und 3 zu Hause spielt. Rekordmeister ist Perth Heat, das vier der bislang sieben Meisterschaften gewonnen hat. Zuletzt waren zweimal hintereinander die Brisbane Bandits erfolgreich. Beide Teams sind auch dieses Jahr gut dabei, gemeinsam mit den Melbourne Aces.

Die Spiele der ABL zogen in der vergangenen Saison durchschnittlich 818 Zuschauer ins Stadion – das ist nicht viel, aber doch ganz beachtlich angesichts dessen, dass wegen der langen Reisewege selten in nennenswerter Zahl Auswärtsfans mit von der Partie sind. Nicht zuletzt deshalb werden viele Spiele der ABL als kostenlose Livestreams angeboten. Diese Übertragungen sind der ultimative Tipp für alle, die in der (bei uns) kalten Jahreszeit ihr Herz mit Live-Baseball aus sonnendurchfluteten Ballparks erwärmen möchten. Die Zeiten, zu denen die Spiele übertragen werden, sind natürlich etwas gewöhnungsbedürftig: Die ostaustralische Zeit (AEDT) liegt zehn Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit, daher finden die meisten Spiele nach unserer Zeit am Vormittag statt.

Baseball an australischen Universitäten
Die australischen Universitäten messen sich jedes Jahr Ende September eine Woche lang in den Australian Unversity Games in diversen Sportarten. Seit 2004 gehört auch Baseball regelmäßig dazu. 2017 waren neun Universitäten an dem Turnier beteiligt, das Finale gewann die Griffith University mit 9:7 gegen die Queensland University of Technology.

Berühmte Spieler aus Australien
Es gibt bisher noch keinen ganz großen Starspieler aus Australien, aber immerhin haben schon zahlreiche Aussies es zu einer MLB-Karriere gebracht. Der erste war Second Baseman Joe Quinn, der von 1884 bis 1901 für diverse MLB-Teams spielte. Erst 85 Jahre später schaffte wieder ein Australier den Sprung in die Major League, als Third Baseman Craig Shipley 1986 sein Debüt für die Los Angeles Dodgers gab. Inzwischen haben 33 Australier MLB-Erfahrungen gesammelt. Aktuell in der MLB aktiv sind die Pitcher Liam Hendriks (Oakland Athletics) und Warwick Saupold (Detroit Tigers).

Warwick Saupold auf dem Mound3

1Quelle: Wikimedia, Quelle: Fitzroy Library Archives (Public Domain)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: Dan027 (CC BY-SA 3.0)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

Dezember 5th, 2017 by