Baseball in aller Welt: Italien

Die Serie über Baseball in aller Welt neigt sich ihrem Ende entgegen. Heute geht es um Italien, die zweite Baseball-„Großmacht“ in Europa. Nächste Woche gibt es noch ein kleines Special zum Abschluss der Reihe.

Ach, bevor ich es vergesse: Fröhliche Weihnachten allerseits!

Durchbruch erst nach dem Krieg 
Vom Niveau her ist der Baseball dem in den Niederlanden sehr ähnlich, die historische Entwicklung verlief jedoch sehr unterschiedlich: Während die Baseball-Geschichte in den  Niederlande bis 1911 zurückreicht, etablierte sich der Sport in Italien erst deutlich später. Zwar gab es auch hier einen Pionier in Person des (als Massimo Ottino) in Turin geborenen und in New Jersey aufgewachsenen Max Ott, der ab 1919 Teams und Wettbewerbe organisierte. Doch Ott ging nach einigen Jahren zurück in die USA und ohne sein Engagement verlief der italienische Baseball bald im Sande, während der Herrschaft des Faschismus war der Sport sogar verboten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelang dem Baseball als Import durch amerikanische Soldaten der Durchbruch in Italien.

Von einem Durchbruch zu sprechen, ist in Bezug auf Baseball in Europa natürlich eine höchst relative Angelegenheit. Ähnlich wie in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern herrscht auch in Italien eine sportliche Fußball-Monokultur. Weit hinter dem Fußball ziehen auch Motorsport, Basketball und diverse andere Sportarten deutlich mehr Zuschauer- und Medieninteresse auf sich als Baseball. Aber immerhin gibt es ziemlich flächendeckend Baseballvereine, einige hübsche Ballparks und die wohl professionellste Liga Europas.

Die Italian Baseball League 
Die Italian Baseball League (IBL) besteht seit 1948, hat seitdem aber diverse tiefgreifende Wandlungen erfahren. Die Zahl der Saisonspiele variierte im Laufe der Zeit zwischen 10 und 66, die der Teams zwischen 8 und 34 in einer oder mehreren über- und nebeneinander angeordneten Divisionen, zeitweise wurde mit oder ohne Auf- und Abstieg und mit oder ohne Playoffs gespielt.

Der heutige Stand ist auf höchster Ebene eine Liga mit acht Teams, die je 42 Saisonspiele absolvieren – Drei-Spiele-Serien gegen jedes andere Team auswärts und zu Hause. Die besten vier Mannschaften der regulären Saison spielen anschließend in zwei Playoff-Runden aus, wer den Meisterschaftsaufnäher „Scudetto“ tragen darf. Die aktuelle Struktur der IBL entspricht somit weitgehend der der niederländischen Honkbal Hoofdklasse.

Wie die Hoofdklasse sieht die IBL sich als Profi-Liga. Tatsächlich kann man in Italien wohl vom Baseballspielen leben: Laut Gmelch und Nathan („Baseball Beyond Our Borders: An International Pastime“, 2017) sind Gehälter von monatlich 2000 bis 4000 Euro zuzüglich Annehmlichkeiten wie eine Wohnung und ein Auto an der Tagesordnung und Topspieler wie zum Beispiel ehemalige Major Leaguer können noch deutlich mehr verdienen. Man wird in der IBL also zwar nicht reich, hat aber doch ganz andere Möglichkeiten als in fast allen anderen europäischen Baseball-Ligen. Das ist durchaus verwunderlich, denn auch in Italien besuchen meistens nur wenige hundert Zuschauer die Ballparks und Fernsehübertragungen gibt es in der Regel nur von der Finalserie. Laut Gmelch und Nathan spielen neben Sponsorengeldern vor allem Zuwendungen aus staatlichen Lotterien die entscheidende Rolle bei der Finanzierung der IBL-Teams.

Neben sieben italienischen Teams spielt auch eine Mannschaft aus dem Zwergstaat San Marino in der IBL mit und das durchaus erfolgreich: 2011 bis 2013 gewann T&A San Marino dreimal hintereinander den Scudetto. Die aktuell erfolgreichste Mannschaft ist ASD Rimini: In den letzten sieben Jahren war Rimini siebenmal im Finale, 2015 und 2017 holte man den Titel. Rekordmeister ist Nettuno, das 2001 die letzte seiner bislang 17 Meisterschaften errang.

Rimini feiert die IBL-Meisterschaft 20171

Italien in internationalen Wettbewerben
Die europäischen Klubwettbewerbe dominieren die Italiener seit Jahrzehnten gemeinsam mit den Niederländern: Der European Champions Cup wurde (unter wechselnden Namen) bislang 54-mal vergeben und ging 32-mal nach Italien sowie drei weitere Male nach San Marino.

Bei den Nationalmannschaften kann Italien nicht ganz mit den Erfolgen der Niederlande mithalten. Das liegt in erster Linie daran, dass den Italienern keine vergleichbaren Verstärkungen zur Verfügung stehen wie den Niederländern mit ihren ehemaligen Überseegebieten. In der Weltrangliste der WBSC belegt Italien Platz zwölf – vier Ränge hinter den Niederlanden, aber vor allen anderen Nationalmannschaften Europas. Italien war zehnmal Baseball-Europameister, zuletzt 2012. Die Niederlande gewannen die EM 22-mal, ansonsten konnten nur Spanien und Belgien je einen Titel holen. Bei der Weltmeisterschaft World Baseball Classic war Italien für alle bisherigen vier Turniere qualifiziert, erzielte aber keine nennenswerten Erfolge.

Europameister 19772

Berühmte Spieler aus Italien
Aus US-amerikanischen Spielern italienischer Abstammung könnte man problemlos ein All-Star-Team bilden: Von Joe diMaggio über Yogi Berra und Jason Giambi bis hin zu Mike Piazza ließe sich jede Position mit absoluten Top-Baseballern füllen. Aber natürlich hat solch eine Aufzählung sehr wenig mit Baseball in Italien zu tun.

In dem Zusammenhang interessanter ist die Frage, welche in Italien geborenen und aufgewachsenen Spieler es in die MLB geschafft haben. Nach meinen Recherchen trifft das bislang nur auf einen einzigen Spieler zu: auf Alex Liddi. First und Third Baseman Liddi wurde 2005 als 17-Jähriger von den Seattle Mariners unter Vertrag genommen und kam 2011 bis 2013 zu 61 MLB-Einsätzen für die Mariners. Mit Schlagleistungen von .208/.266/.370 konnte Liddi sich nicht dauerhaft in der MLB etablieren. Er hatte später noch Minor-League-Engagements bei den Orioles, den White Sox, den Dodgers und den Royals, schaffte es aber nicht mehr in die Majors. Inzwischen spielt Liddi in Mexiko.

Alex Liddi 2007 im Trikot der Wisconsin Timber Rattlers3

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Biello di Biella (CC BY-SA 4.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Hans Peters (CC BY-SA 3.0 NL)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Halvorsen brian (CC BY 2.0)

Dezember 26th, 2017 by