Batting-Taktik 1: Das Lineup

Nach den beiden Artikeln über Pitching-Taktiken geht es in meiner kleinen Taktik-Serie heute ums Schlagen – genauer gesagt darum, wie das Batting Lineup, also die Aufstellung der Schlagmänner, festgelegt wird.

Ein Batting Lineup besteht immer aus neun Plätzen. Die darin festgelegte Reihenfolge – die Batting Order – wird das ganze Spiel über beibehalten. Grob gesagt stehen die besseren Batter üblicherweise in der oberen Hälfte des Lineups. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie einmal mehr an den Schlag kommen. Ein Batter, der regelmäßig weit vorne in der Reihenfolge zum Einsatz kommt, bringt es im Laufe einer MLB-Saison auf rund einhundert Plate Appearances mehr als ein auf den hinteren Rängen einsortierter Spieler.

Das heißt allerdings nicht, dass zwangsläufig der beste Batter des Teams als Erster antritt, der zweitbeste als Zweiter usw. Vielmehr ist jede Stelle im Lineup mit einer bestimmten Rolle verbunden, der der jeweils passendste Spieler zugeordnet wird. Hier eine idealtypische Übersicht, verbunden mit dem Hinweis, dass keine der Rollen in Stein gemeißelt ist und dass jeder Manager seine eigene Theorie zur perfekten Batting Order hat:

– Nummer eins, der Leadoff-Spot: Die Spieleröffnung überlässt man in der Regel einem Spieler, der nicht unbedingt mit viel Power schlägt, aber häufig auf Base kommt und ein schneller Läufer ist. Mit ihm als erstem Baserunner bestehen gute Chancen, im Rest des Innings wenigstens einen Run nach Hause zu bringen.

– Nummer zwei: Der nächste Hitter sollte gute Kontakt- und Kontrollfähigkeiten haben, das heißt er muss gut darin sein, den Schläger an den Ball zu bekommen und diesen in eine bestimmte Richtung zu befördern. Auf diese Weise kann er gezielt dafür sorgen, den zum Baserunner gewordenen Leadoff-Hitter zumindest eine Base weiter zu bringen – wenn nötig per Bunt oder Sacrifice-Hit.

– Nummer drei: An dieser Stelle wird oft der beste Allround-Batter des Teams eingesetzt. Er hat die Power, um vorhandene Runner nach Hause zu schlagen, und kommt selbst so häufig auf Base, dass er den folgenden Homerun-Spezialisten die Chance gibt, mehrere Runs auf einen Schlag zu erzielen.

– Nummer vier, der Cleanup-Hitter: Er ist in aller Regel der Spieler des Teams, der die meisten Homeruns erzielt. Im Idealfall sind vor ihm schon mehrere Batter auf Base gekommen, die bei einem Extra-Basehit allesamt scoren.

– Nummer fünf: An dieser Stelle hat man am besten jemanden, der eine möglichst originalgetreue Kopie zum Cleanup-Hitter darstellt. Dahinter stehen zwei Gedanken: Erstens stellt er eine zweite Chance auf den erhofften Homerun dar, falls der Cleanup-Hitter ein Strikeout oder Flyout erlitten hat. Zweitens hält eine gute Nummer fünf den Pitcher davon ab, es sich mit dem Cleanup-Hitter einfach zu machen, indem er ihn absichtlich walken lässt.

– Nummer sechs: Der sechste Batter sollte stark genug sein, durch Hits und gegebenenfalls Sacrifice Flys weitere Runs nach Hause zu bringen, auch wenn bei den Akteuren an dieser Stelle des Lineups zwangsläufig die eine oder andere Schwäche im Vergleich mit den höher eingestuften Battern vorhanden ist.

– Nummer sieben: Die unteren Spots der Batting Order gehören in der Regel den Spielern, die mehr wegen ihrer defensiven Stärken als wegen ihrer Schlagleistungen im Team stehen. Typische Positionen, auf denen man dies in Kauf nimmt, sind Catcher und Shorstop. Als Nummer sieben stellt man oft den langsamsten Runner auf.

– Nummer acht: Es gilt das gleiche wie für Nummer sieben, wobei man an dieser Stelle den etwas besseren Kontakt-Hitter und etwas schnelleren Baserunner wählt. Er hat eine spezielle Rolle auszufüllen, wenn er an den Schlag kommt und in dem Inning schon zwei Outs erzielt wurden: Er muss in dem Fall alles daran setzen, das dritte Out zu vermeiden, um Batter Nummer neun noch an den Schlag zu bringen. Dieser ist nämlich fast immer der schlechteste Hitter des Teams und wenn er in diesem Inning noch dran kommt, kann man den nächsten Durchgang wieder mit dem Leadoff-Hitter starten.

– Nummer neun: Wie gesagt in aller Regel der schwächste Batter des Lineups. In der NL und anderen Ligen ohne Designated Hitter (DH) ist die Nummer neun fast immer der Pitcher. Nur sehr wenige Pitcher können als Schlagmann mithalten, weil ihre Spezialisierung schlichtweg eine andere ist und sie im Training entsprechende Schwerpunkte setzen.

In Ligen mit DH-Regel sind die Pitcher von Batting-Aufgaben befreit. An ihrer Stelle steht der DH im Lineup, der seinerseits nur in der Offensive spielt und keine Defensivrolle übernimmt. Als DH wird oft ein älterer oder nicht ganz fitter Spieler eingesetzt, der zwar zu guten Schlagleistungen fähig, aber nicht der schnellste und athletischste ist. In der Batting Order bringt ihn das meistens in die Gegend der Plätze fünf bis sieben.

Wenn für einen Batter ein Ersatzspieler eingewechselt wird, bezeichnet man diesen als Pinch-Hitter. Er übernimmt im Lineup zwangsläufig die Stelle des ausgewechselten Spielers. Es gibt diverse Gründe, an einer bestimmten Stelle des Spiels einen Batterwechsel vorzunehmen; zum Beispiel eine Verletzung des Ausgewechselten oder ein vermeintlich besseres Matchup des Eingewechselten gegen den aktuellen Pitcher. Der häufigste Grund ist allerdings – beim Spiel ohne DH – ein Einsatz zur Überbrückung eines Pitcherwechsels. Das heißt, wenn der Pitcher-Spot im Lineup dran ist und man sowieso zum nächsten Halbinning einen neuen Pitcher bringen will, dann wechselt man einen Ersatz-Batter ein und diesen anschließend für den neuen Pitcher wieder aus. Eine besondere Form dieses Manövers ist der Double Switch: In dem Fall werden gleich zwei Spieler ausgewechselt. Eingewechselt werden ein Batter, der die Position des bisherigen Pitchers im Lineup übernimmt, sowie der neue Pitcher, der an der Stelle des anderen Ausgewechselten ins Lineup rutscht – idealerweise an eine Position, die gerade erst am Schlag war und deshalb so schnell nicht wieder dran kommt.

Ein wichtiger zusätzlicher Aspekt bei der Zusammenstellung des Lineups ist der Unterschied zwischen links- und rechtshändigen Battern. Wie ich schon in den Pitching-Artikeln erwähnt habe, fällt es den Battern meistens schwerer, gegen Pitcher anzutreten, die die gleiche Händigkeit aufweisen wie sie selbst. Wenn der Kader es hergibt, richten sich die Manager oft nach dem gegnerischen Starting Pitcher und stellen gegen einen Rechtshänder vermehrt Linkshänder auf und umgekehrt. Außerdem empfiehlt es sich, Rechts- und Linkshänder im Lineup gut zu mischen. Dadurch hat der Gegner einen geringen Nutzen beim Einsatz von spezialisierten Relief Pitchern. Auf Letztere kann man auch gut reagieren, indem man kurzerhand den Batter austauscht: Wenn ein linkshändiger Spezialist auf den Mound geschickt wird, um gegen einen linkshändigen Batter zu pitchen, dann wechselt man an dessen Stelle einen rechtshändigen Batter ein. Der Pitcher kann dann nicht mehr zurückgezogen werden, denn die Regel schreibt vor, dass jeder Pitcher gegen mindestens einen Batter antreten muss, bevor er ausgewechselt werden darf.

Besonders flexibel ist man, wenn man den einen oder anderen Switch-Hitter zur Verfügung hat, also Batter, die von beiden Seiten der Platte schlagen können. In der Regel treten Switch-Hitter rechtshändig gegen linkshändige Pitcher an und umgekehrt. Der Batter darf zwischen zwei Pitches die Seite wechseln, allerdings nicht, wenn bereits zwei Strikes im Count sind. Übrigens gibt es auch Switch-Pitcher, wenngleich sie eine sehr seltene Erscheinung sind. Sie dürfen die Seite, mit der sie werfen, nur zwischen zwei Battern wechseln, nicht während eines At Bats. Wenn sich ein Switch-Hitter und ein Switch-Pitcher gegenüber stehen, muss der Pitcher als erster entscheiden und anzeigen, mit welcher Hand er werfen wird. Anschließend entscheidet der Batter, von welcher Seite er schlägt.

Januar 20th, 2019 by