Heute ist Bobby-Bonilla-Day!

Für uns Anhänger der New York Mets ist heute ein ganz besonderer Tag. Nein, ich meine nicht den Tag, an dem die frisch von den Atlanta Braves entlassene Pitcherlegende Bartolo Colon zurückgeholt wird – wenngleich mich das sehr freuen würde. Ich meine den Tag, der wie kein zweiter dafür steht, dass die Mets der liebenswerte Tölpel, sozusagen der Donald Duck unter den MLB-Franchises sind: den Bobby-Bonilla-Day!

Wie an jedem 1. Juli erhält Bobby Bonilla heute von den Mets eine Überweisung von 1,19 Millionen Dollar und wie jedes Jahr wird er in Medien und sozialen Netzwerken für einen der skurrilsten MLB-Verträge aller Zeiten abgefeiert.

Wer die MLB schon länger verfolgt, wird sich an Bobby Bonilla vielleicht noch erinnern. Bonilla war ein Third Baseman und Right Fielder, der von 1986 bis 2001 für acht verschiedene MLB-Teams gespielt hat. Von 1992 bis 1995 und dann noch einmal 1999 trat er für die Mets an, die ihn beim ersten der beiden Engagements mit einem 5-Jahres-Vertrag über 29 Millionen Dollar zum höchstbezahlten Baseballprofi seiner Zeit machten. Das war vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber zumindest bekamen die Mets von Bonilla in dieser Zeit solide Leistungen mit einem Batting Average von .278 und 91 Homeruns in dreieinhalb Jahren.

Ganz anders lief Bonillas zweiter Anlauf bei den Mets im Jahr 1999: Er absolvierte nur 60 Spiele, in denen er unterirdische .160/.277/.303 mit 4 Homeruns schlug und sich trotzdem immer wieder bei Manager Bobby Valentine über zu wenig Einsatzzeit beschwerte. Negativer Höhepunkt: Während des entscheidenden Playoffspiels, Game 6 der NLCS gegen die Braves, saß Bonilla im Clubhouse und spielte mit seinem Teamkameraden Rickey Henderson Karten. Nach dieser desolaten Saison wurde Bonilla folgerichtig entlassen. Jedoch schuldeten die Mets ihm aus dem bestehenden Vertrag für das Jahr 2000 noch 5,9 Millionen Dollar, die sie nicht bezahlen konnten oder wollten.

Es folgten Verhandlungen zwischen Mets-Owner Fred Wilpon und Bonilla sowie seinem Agenten Dennis Gilbert, die mit einer gütlichen Einigung endeten: Die Zahlung sollte bis zum Jahr 2011 gestundet und dann mit Zins und Zinseszins über 25 Jahre hinweg abgestottert werden. So geschah es und deshalb erhält der heute 54-jährige Bonilla noch bis 2035 jedes Jahr pünktlich am 1. Juli seine 1.193.248,20 Dollar – als nachträgliche Vergütung für ein Jahr, in dem er kein einziges Spiel für die Mets absolviert hat. Alles in allem wird er anstelle der 5,9 Millionen letztlich 29,8 Millionen Dollar von den Mets erhalten haben.

Der Grund, dass die Mets diesen Deal überhaupt eingegangen sind, macht die Sache noch lächerlicher als sie ohnehin schon wäre: Teambesitzer Wilpon hatte sich damals den Geschäften des windigen Investors Bernie Madoff verschrieben. Madoff versprach zweistellige Gewinnraten und so sah es für Wilpon nach einer guten Idee aus, Bonilla 8 Prozent Zinsen auf die verzögerte Auszahlung seines Gehalts zu versprechen, während man selbst das Geld jährlich um 12 bis 15 Prozent zu vermehren glaubte. Das Madoff-Modell erwies sich bekanntlich als große Mogelpackung und Wilpon als ihr prominentestes Opfer.

Auf der aktuellen Gehaltsliste der Mets taucht Bonilla zwar formell nicht auf, tatsächlich aber nimmt er dort mit seinem jährlichen Gehalt immer noch einen Platz im Mittelfeld ein. Er „verdient“ dieses Jahr zum Beispiel mehr als Noah Syndergaard (605.500 Dollar) und Michael Conforto (554.904 Dollar) zusammen.

Juli 1st, 2017 by