In der Baseball-Bundesliga passieren Dinge, …

…die in der MLB noch nie passiert sind! Damit meine ich nicht das unfassbare Comeback, das Nordmeister Solingen Alligators in Spiel 5 des Viertelfinales gegen die Mannheim Tornados hingelegt hat. 7:0 waren die Tornados in der oberen Hälfte des ersten Innings vorangestürmt, 10:7 hatten sie noch zur Mitte des neunten Durchgangs geführt. Doch ein 3-Run-Homerun von Gerwuins Velazco brachte die Alligators in die Verlängerung, und im zehnten gelang durch ein RBI-Single von Lars Szameitpreuß der Walkoff-Sieg.

Ein solches Comeback sieht man nicht alle Tage, aber es ist auch nichts noch nie da Gewesenes. Zum Beispiel kassierten vor ziemlich genau 30 Jahren, am 8. Juni 1989, die Philadelphia Phillies in einem Spiel gegen die Pittsburgh Pirates im ersten Inning zehn Runs und gewannen am Ende 15:11 – was einem Fernsehkommentator einen ziemlich langen Fußmarsch bescherte.

Solingen trifft nun im Halbfinale auf Titelverteidiger Bonn Capitals. Auch bei den Capitals ging es im Viertelfinale dramatisch zu: Gegen die Regensburg Legionäre benötigten sie die volle Distanz von fünf Spielen und obwohl die Bonner in Spiel 5 zwischenzeitlich mit 6:0 vorne lagen, mussten sie am Ende froh sein, es mit 7:6 gerade so nach Hause zu schaukeln.

Die anderen beiden Halbfinalteilnehmer erledigten ihre Aufgaben souveräner: Die Heidenheim Heideköpfe gewannen mit 3:1 Siegen gegen die Paderborn Untouchables. Ihr Gegner im Halbfinale sind die Mainz Athletics, die gegen die Dohren Wild Farmers den einzigen Sweep der Runde vollbrachten. Nach zwei knappen Heimsiegen vom vorherigen Wochenende waren die Mainzer am Samstag in Dohren nicht zu bremsen. Die ersten fünf Batter des Spiels scorten allesamt und in fast jedem weiteren Inning bauten die A’s ihre Führung aus. Für die Wild Farmers muss sich der verregnete Nachmittag unendlich lang angefühlt haben, bis beim Stand von 20:0 nach sieben Innings die Mercy Rule griff.

Die Halbfinalserien beginnen am kommenden Wochenende mit Heimspielen der besser platzierten Teams: Mainz empfängt Heidenheim am Samstag um 16 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr, Solingen und Bonn duellieren sich an beiden Tagen ab 14 Uhr.

Jetzt aber endlich zu dem Vorkommnis, das es in der MLB noch nie gegeben hat: In Wesseling musste ein Playdown-Spiel der Vermins gegen die Bremen Dockers abgebrochen werden, weil die Gäste nicht mehr genug Spieler zur Verfügung hatten. Vorausgegangen waren wilde Szenen, die zu mehreren Platzverweisen gegen Bremen und letztlich zur Zwangsniederlage führten. Den Regeln nach wird das Spiel 9:0 für die Vermins gewertet, obwohl diese zum Zeitpunkt des Spielabbruchs bereits 10:0 geführt hatten. Allein im dritten Inning hatte Wesseling sieben Runs gescort, übrigens ohne einen einzigen Hit zu erzielen: durch sechs Walks, etliche Wild Pitches und schließlich vier abgeworfene Batter hintereinander bei geladenen Bases.

Nachdem Wesseling bereits das erste Spiel des Doubleheaders 5:3 für sich entschieden hatte, stehen die Vermins und die Dockers in der Tabelle nun mit jeweils vier Siegen gleichauf. Eines der beiden Teams wird am Ende den direkten Abstiegsplatz belegen, das andere schafft es in die Relegationsrunde. Am 27. Juli treffen die beiden Kontrahenten erneut aufeinander und ich wünsche mir zwei Dinge: erstens, dass die Entscheidung tatsächlich in diesen direkten Duellen fällt und nicht in den jeweiligen Partien gegen Hamburg und Köln, für die die Abstiegsrunde nicht mehr als eine Reihe besserer Freundschaftsspiele ist; zweitens natürlich, dass es spannende und vor allem faire Baseballspiele ohne vergiftete Atmosphäre werden.

Der Vollständigkeit halber ein kurzer Blick in die Abstiegsrunde der Bundesliga Süd: Die Saarlouis Hornets haben bei den Haar Disciples einen überraschenden 17:7-Erfolg eingefahren. Der Rückstand der Hornets auf die Ulm Falcons und damit auf den Relegationsplatz – vier Siege und ein bereits verlorener direkter Vergleich – scheint jedoch immer noch uneinholbar. Genauso uneinholbar liegen Haar und die Stuttgart Reds vor den Falcons, sodass die Playdowns im Süden leider kaum Aufregendes zu bieten haben.

Juli 8th, 2019 by