Bundesliga: Vier kämpfen um den Titel, (fast) keiner will aufsteigen

In der Baseball-Bundesliga sind am Wochenende die Zwischenrunde zur Meisterschaft sowie (bis auf ein unbedeutendes Nachholspiel) die Playdowns zu Ende gegangen. Sowohl im Norden als auch im Süden war bis zuletzt offen, welche Teams als Zweitplatzierte ins Halbfinale einziehen. Letztendlich setzten sich die Favoriten durch: die Regensburg Legionäre durch zwei knapp Siege über die Mainz Athletics sowie die Solingen Alligators im Fernduell mit den Paderborn Untouchables. Im Halbfinale treffen nun erstmals in diesem Jahr Teams aus der Nord- und der Südstaffel direkt aufeinander.

Die Bonn Capitals haben ihre perfekte reguläre Saison auch in der Zwischenrunde erhalten und ziehen mit sage und schreibe 40:0 Siegen in die Playoffs ein. Dort dürften sie gegen die Regensburg Legionäre klarer Favorit sein, welche die Zwischenrunde nur mit einer 6:6-Bilanz absolvierten und am Ende etwas glücklich Platz zwei verteidigten. Die ersten beiden Partien des Halbfinales finden am kommenden Wochenende in Regensburg statt. In der Woche darauf folgen ein bis drei Spiele in Bonn. Wer dreimal gewinnt, zieht ins Finale ein.

Im Süden waren die Heidenheim Heideköpfe zwar nicht perfekt, aber mit 32:8 liest sich auch ihre Saisonbilanz beeindruckend. Natürlich fällt die vergleichende Einschätzung immer schwer, wenn die Nord- und Südteams das ganze Jahr über nie aufeinander treffen. Aber auf Basis der Erfahrungen aus den Vorjahren halte ich die Favoritenstellung der Heideköpfe gegen die Alligators für noch deutlicher als die der Capitals gegenüber den Legionären. Die Leistungsdichte im Südteil der Bundesliga erscheint mir schlichtweg höher als die im Norden. Ich würde so weit gehen zu behaupten, dass die Capitals in der Bundesliga Süd – oder wenn es noch eine Interleague-Runde gäbe – wahrscheinlich keine perfekte Saison gespielt hätten. Das zweite Halbfinale beginnt mit Spielen am Samstag und am Sonntag in Heidenheim. In der Woche darauf sind zuerst zwei Heimspiele für Solingen angesetzt; falls ein fünftes Spiel nötig wird, findet auch das in Solingen statt, aber mit formalem Heimrecht für die Heideköpfe.

Da das Viertelfinale in der neu eingeführten Zwischenrunde aufgegangen ist, gibt es Playoff-Baseball dieses Jahr nur für die genannten vier Teams. Für alle anderen ist die Saison bereits beendet, was mir persönlich natürlich besonders für meine geliebten Mainz Athletics weh tut. Die A’s hatten eine sehr durchwachsene Saison, in der sie erst spät in Schwung kamen, dann aber noch mal einen furiosen Angriff auf den Halbfinalplatz hinlegten und schließlich um Haaresbreite zu kurz sprangen.

In der Abstiegsrunde war es auch spannend, im Nachhinein sind deren Ergebnisse aber weitgehend Makulatur. Vorgesehen sind eigentlich je ein Absteiger und je ein Relegationsteilnehmer in den beiden Ligen, doch leider ist aus den Zweiten Bundesligen kaum jemand an einem Aufstieg interessiert. Dadurch steht bereits fest, dass die Bremen Dockers und die Saarlouis Hornets auf die Relegation verzichten können und in der Bundesliga bleiben dürfen. Auch die Ulm Falcons als Schlusslicht der Bundesliga Süd werden voraussichtlich die Klasse erhalten, denn es will tatsächlich aus allen drei Staffeln der Zweiten Bundesliga Süd überhaupt niemand aufsteigen. Der Ausschuss für Wettkampfsport des DBV hat im Herbst eine Entscheidung zu treffen, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird diese lauten, dass Ulm auch nächstes Jahr in der Bundesliga spielen darf. Ich gönne es Bremen, Saarlouis und Ulm von Herzen, aber ich finde es auch ein bisschen schade, dass der Sprung zwischen den ersten und zweiten Ligen offenbar als so groß oder unattraktiv empfunden wird, dass die aufstiegsberechtigten Teams nicht motiviert sind, ihn anzunehmen.

Als einzige tatsächlich absteigen werden wohl die Berlin Flamingos, die im Norden den letzten Platz belegen. Auf der ersten und vorerst einzigen Bundesligasaison der Berliner wird für immer ein dunkler Schatten liegen, nachdem sich auf der Heimfahrt vom Auswärtsspiel in Paderborn im Mai ein furchtbarer Unfall ereignete. Bei diesem wurde der Spieler Ron Rodriguez schwer verletzt, seine schwangere Frau und das gemeinsame ungeborene Kind wurden getötet. Angesichts einer solchen Tragödie wird einem bewusst, was für eine unbedeutende Kleinigkeit im Vergleich dazu ein sportlicher Abstieg ist.

Den Platz der Flamingos in der Bundesliga Nord werden die Wesseling Vermins einnehmen. Diese sicherten sich durch einen Sweep über die Dortmund Wanderers am Wochenende das Aufstiegsrecht als Dritter der Zweiten Bundesliga Nord-West – weil die beiden vor ihnen stehenden Teams als „zweite Mannschaften“ von Bundesligateams nicht aufsteigen dürfen und weil die Top-Teams der Zweiten Bundesligen Nord und Nord-Ost nicht aufsteigen wollen. Für die Vermins wird es das erste Mal sein, dass sie in der höchsten deutschen Spielklasse antreten.

September 4th, 2018 by