Bonn Capitals – wahrscheinlich – Deutscher Meister

Es war ein hartes Stück Arbeit und benötigte die volle Länge der Best-of-Five-Serie, aber nun ist es geschafft: Die Bonn Capitals feiern die erste nationale Meisterschaft in ihrer Vereinsgeschichte – so sah es jedenfalls gestern Abend aus angesichts von über 2000 ausgelassen jubelnden, tanzenden und trinkenden Fans und Spielern. Einige von ihnen ließen sich gleich vor Ort die ausufernden Playoff-Bärte schneiden. Ob sie damit zu voreilig waren, muss sich angesichts eines ausstehenden Protests noch zeigen.

Die Bonner hatten bereits während der regulären Saison der Bundesliga Nord Historisches geleistet, indem sie diese ungeschlagen mit 40-0 Siegen abschlossen. In den anschließenden Playoffs, die dieses Jahr nur aus Halbfinale und Finale bestanden, machten die Top-Teams aus dem Süden es ihnenn deutlich schwerer als die Nord-Konkurrenz. In beiden Serien gerieten die Capitals zwischenzeitlich 1:2 in Rückstand und waren somit jeweils gezwungen, zwei Spiele hintereinander zu gewinnen. Eines davon war der jetzt schon legendäre 19-Inning-Marathon mit Maurice Wilhelms perfektem „Spiel im Spiel“ gegen die Regensburg Legionäre.

Ein ganz so spektakuläres Spiel gab es im Finale gegen Titelverteidiger Heidenheim Heideköpfe zwar nicht, aber auch diese Serie war hochspannend: Nach ihrem Auftaktsieg am 3. Oktober unterlagen die Capitals in Heidenheim zweimal deutlich und standen erneut mit einem Fuß über dem Abgrund. Doch einmal mehr demonstrierte Bonn seine enorme Heimstärke und gewann die beiden entscheidenden Partien mit 4:2 und 7:5. In beiden Spielen gab es mehrere Führungswechsel, aber am Ende hatten die Capitals jeweils rechtzeitig die Nase vorn, um auf das Nachschlagen im unteren neunten Inning verzichten zu können.

Dass noch ein kleines Fragezeichen hinter der Meisterschaft der Bonn Capitals steht, liegt an einer Szene aus Spiel vier: Beim Stand von 2:1 für Heidenheim im siebten Inning wurde Bonns Shortstop Eric Brenk von einem der Umpires versehentlich am Wurf zur Homeplate gehindert. Dadurch kam ein weiterer Heidenheimer Runner über die Platte, doch die Schiedsrichter entschieden auf „dead ball“ und gaben den Punkt nicht. Gegen diese Entscheidung legten die Heideköpfe Protest ein. Über den muss das Schiedsgericht des Verbandes erst noch befinden, weshalb die Meisterschaft noch nicht offiziell ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Protest Erfolg hat, dürfte allerdings recht gering sein.

Ich erlaube mir jedenfalls schon jetzt, den Capitals ganz herzlich zu gratulieren. Nach Jahren der Dominanz in der Bundesliga Nord mit vier Nordmeisterschaften hintereinander haben sie sich redlich verdient, auch mal die „große“ Meisterschaft nach Hause zu holen. Besonders gönnt man den Erfolg dem Bonner Spielertrainer BJ Roper-Hubbert, der zuvor bereits angekündigt hatte, seine siebenjährige Tätigkeit bei den Capitals nach der Saison zu beenden und zurück in die USA zu gehen. Mit dem lange ersehnten Titel im Gepäck fällt der Abschied sicher etwas leichter.

Oktober 15th, 2018 by