Category: Grand Slam

April 2nd, 2020 by Silversurger

Der Baseball befindet sich weiterhin im Shutdown und angesichts der Bilder aus New York, Kalifornien und anderen Gegenden der USA fällt es schwer zu glauben, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Statt um Sport geht es deshalb im heutigen Grand Slam am Donnerstag ein weiteres Mal um den Umgang der MLB mit der Corona-Krise.

Einigungen mit der Spielergewerkschaft
Die Liga und die Spielergewerkschaft MLBPA haben diverse Richtlinien vereinbart, wie man mit den Einschränkungen und Unwägbarkeiten durch die Corona-Situation umgehen wird. Hier die wichtigsten Punkte daraus:

  • Die Kader der MLB-Teams wurden eingefroren, das heißt es werden bis auf Weiteres weder Spieler entlassen noch neu eingestellt.
  • Die Kernforderung von Seiten der Spieler wird erfüllt: Ihnen wird für 2020 die volle „Service-Time“ angerechnet, egal ob und in welchem Ausmaß die Saison stattfindet. Das bedeutet unter anderem, dass sich Verträge nicht automatisch verlängern, sondern die Spieler mit auslaufendem Kontrakt – zum Beispiel Mookie Betts, J. T. Realmuto und Marcus Stroman – im Winter Free Agents werden.
  • Im Gegenzug müssen die Spielervertreter die Kröte schlucken, dass, wenn die Saison 2020 gekürzt wird, auch ihre Gehälter gekürzt werden. Sollte die Saison ganz abgesagt werden, werden an Gehaltszahlungen nur 170 Millionen Dollar ausgeschüttet, die die Franchises als garantierte Vorauszahlung bereit stellen.
  • Die Schwelle, ab der Teams Luxury Tax für überhöhte Spielergehälter zahlen müssen, wird sich für 2020 nicht an den tatsächlichen Gehaltszahlungen bemessen, sondern an den Zahlungen, die bei einer vollumfänglichen MLB-Saison angefallen wären. Somit werden die betreffenden Teams nicht von der Luxury Tax befreit, nur weil weniger Spiele stattfinden. Die Höhe der zu zahlenden Tax wird sich aber an den gekürzten Gehältern orientieren.
  • Die Verlierer der Vereinbarung sind Amateurspieler, die zurzeit noch in der Highschool oder im College aktiv sind. Um Kosten zu sparen, wird die Draft zur Auswahl dieser Spieler dieses und nächstes Jahr deutlich gekürzt. Statt der üblichen 40 Runden wird sie 2020 mindestens 5 und 2021 mindestens 20 Runden umfassen. Die konkrete Anzahl der Draftrunden legt der MLB-Commissioner fest, abhängig davon, ob und wie viele Spiele dieses Jahr stattfinden. Auch die Einstiegszahlungen für die gedrafteten Spieler werden reduziert.

Weitere Unterstützung für die Minor Leagues
Kurz nach den aufgezählten Vereinbarungen hat die MLB weitere Maßnahmen bekannt gegeben, um den von wirtschaftlicher Unsicherheit besonders betroffenen Spielern der Minor Leagues unter die Arme zu greifen. Jeder Spieler soll bis vorerst Ende Mai mit 400 Dollar pro Woche unterstützt werden. Das ist weniger als der während der Saison übliche Verdienst in den höheren Klassen, aber etwas mehr als das normale Gehalt in den niedrigeren Ligen. Außerhalb der Saison erhalten die Minor Leaguer von den Klubs sonst in der Regel überhaupt kein Gehalt.
OF/DH Shin-Soo Choo von den Texas Rangers hat unterdessen angekündigt, jedem der 190 Minor Leaguer im System der Rangers 1000 Dollar von seinem eigenen Geld abzugeben. Das ist eine großartige solidarische Geste und findet hoffentlich Nachahmer unter vielen anderen MLB-Spielern mit Millionenverträgen.

Wie geht es weiter?
Es weiß natürlich niemand, wann und wie es mit dem Baseball weiter geht in diesem Jahr. Aber vielleicht findet ihr ja interessant, wie die Erwartungen und Vermutungen in der Baseball-Community aussehen. Meine Lieblings-Statistikseite Fangraphs hat dazu eine Umfrage durchgeführt, an der sich über 1.000 Leute beteiligt haben (Selbstrekrutierung, also nicht-repräsentativ). Demnach gehen über 70% der Teilnehmenden davon aus, dass es im Jahr 2020 noch MLB-Baseball geben wird. Eine große Mehrheit rechnet damit, dass die Saison im Juni oder Juli beginnt und statt der üblichen 162 Spiele nicht mehr als 100 Partien pro Team umfassen wird. Es wird davon ausgegangen, dass keine oder nur wenige Spiele ohne Zuschauer stattfinden. Mit der Durchführung und dem Abschluss der Playoffs rechnen die meisten für November. Die Hälfte der Befragten glaubt an Playoffs im normalen Umfang, die anderen sagen teils eine Verkürzung, teils eine Ausweitung der Playoffs voraus.

London-Serie abgesagt
Eine endgültige Absage gibt es bereits: Die internationalen Serien der MLB werden dieses Jahr nicht stattfinden. Am 13. und 14. Juni sollten die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals zwei Spiele im London Stadium austragen. Auf diese Reise wird nun in jedem Fall verzichtet, ebenso wie auf die Spiele der San Diego Padres gegen die Arizona Diamondbacks in Mexiko-Stadt und auf die der New York Mets gegen die Miami Marlins in Puerto Rico. Alle Spiele werden, sofern die Saison noch stattfindet, als normale Heimspiele der jeweiligen Teams ausgetragen. Bereits verkaufte Tickets werden zurückerstattet. Ob die Serien nächstes Jahr nachgeholt werden, ist noch nicht bekannt.

Keine Tommy-John-Surgeries bei Dr. Andrews
Angesichts der Corona-Krise besteht auch in den USA die Anweisung, derzeit auf nicht dringend notwendige und verschiebbare Operationen zu verzichten, um Hygienekleidung und Krankenhauskapazitäten zu sparen. Das wirkt sich auch auf den Baseball aus, denn zum Beispiel die berühmte Tommy-John-Surgery (TJS) ist zwar für die Karriere der betroffenen Spieler enorm wichtig, aber es entsteht kein körperlicher Schaden, wenn man sie ein paar Monate später durchführt. Aus diesem Grund haben der führende TJS-Spezialist Dr. James Andrews und einige weitere Ärzte nun angekündigt, vorerst keine solchen OPs mehr auszuführen. Chris Sale, Noah Syndergaard und Tyler Beede, die jeweils in den vergangenen beiden Wochen operiert wurden, waren somit wohl die vorerst letzten Tommy-John-Patienten.

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März 26th, 2020 by Silversurger

Was hatte ich mich auf diesen Tag gefreut. In einer Welt ohne das Corona-Virus wäre heute, am 26. März 2020, Opening Day der MLB gewesen. Stattdessen ist ein Beginn der Saison nicht in Sicht, während immer deutlicher wird, dass die USA von der Pandemie genauso schlimm betroffen sind wie Europa. Zuerst war von einer Verschiebung von zwei Wochen die Rede, aber längst ist klar, dass vor Juni nicht mit Major-League-Baseball zu rechnen ist. Ich würde behaupten, dass die Chancen inzwischen bestenfalls 50:50 stehen, dass es überhaupt eine MLB-Saison 2020 gibt. Da die Spieler überwiegend zu Hause sind und die Zeit der Trades und Neuverpflichtungen längst zum allergrößten Teil gelaufen ist, habe ich in diesem Grand Slam am Donnerstag wenig Neues zu vermelden – und das Wenige beginnt leider mit mehreren Verletzungs-News.

Sale, Syndergaard und Beede operiert
Gleich drei MLB-Pitcher haben in den letzten Tagen die niederschmetternde Diagnose erhalten, sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen zu müssen. Bei Chris Sale von den Boston Red Sox und Noah Syndergaard von den New York Mets handelt es sich um zwei der besten und bekanntesten Starting Pitcher der Liga. Für die beiden Teams bedeuten die schlechten Neuigkeiten massive Rückschläge für die jeweiligen Playoff-Hoffnungen. Der dritte Patient ist Tyler Beede, der bislang als Kandidat für einen Platz in der Starting Rotation der San Francisco Giants galt. Daraus wird nun nichts, denn Beede wird ebenso wie Sale und Syndergaard dieses Jahr keinen Ball mehr werfen.

Hilfsprogramm für die Minor Leaguer
Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Wie ich schon im letzten Grand Slam erwähnt hatte, gehören die Spieler der Minor Leagues zu den großen Verlierern der Corona-Krise, weil ihre ohnehin kargen Einnahmen komplett ausbleiben, solange weder Vorbereitungs- noch Ligaspiele stattfinden. Die MLB-Teams haben nun ein gemeinsames Programm beschlossen, um die Minor Leaguer während der erzwungenen Arbeitslosigkeit zu unterstützen. Bis vorerst 8. April, den ursprünglichen Starttermin der Minor-League-Saison, erhalten die Spieler nun Zahlungen in Höhe der üblichen Spring-Training-Gehälter von rund 500 Dollar wöchentlich. Bei einer Verschiebung des Saisonbeginns, die definitiv kommen wird, werden weitere Unterstützungsleistungen folgen.

Tipps zum Nicht-Opening-Day
Falls ihr heute wenigstens ein bisschen Opening-Day-Feeling haben wollt, schaut einen Baseball-Film oder lest einen Baseball-Roman. Spielt MLB The Show 20 oder ein Baseball-Brettspiel, zum Beispiel Bottom of the 9th oder Baseball Highlights 2045. Oder gönnt euch ein Spiel aus der Konserve: Auf mlb.tv gibt es momentan kostenlosen Zugang zu allen Spielen der Saisons 2018 und 2019. Zudem werden heute von der MLB über verschieden Kanäle 30 Spiele aus den letzten 20 Jahren gestreamt. Ausgewählt wurde je ein besonders denkwürdiger Sieg pro Team. Die Programmübersicht dazu findet sich hier.

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März 19th, 2020 by Silversurger

Die Welt ist im Corona-Ausnahmezustand. Der Sport, den wir alle so lieben, rückt dadurch wie vieles andere erst mal weit in den Hintergrund. Der Grand Slam am Donnerstag ist deshalb heute im Wesentlichen ein Statusbericht zu den Auswirkungen der Seuche auf den Baseball.

Die Lage in der MLB und den Minor Leagues
Es war von vornherein absehbar, dass die Saison nicht nur – wie zunächst angekündigt – um zwei Wochen verschoben werden muss, sondern deutlich länger. Inzwischen ist es von Seiten der Liga offiziell, dass weder die MLB noch die Minor Leagues früher starten können als in acht Wochen. Dann erst endet der Zeitraum, für den die amerikanischen Gesundheitsbehörden ein Verbot von Veranstaltungen mit über 50 Personen verfügt haben. Damit wären wir bei Mitte Mai, aber das ist erstens noch lange kein festes Datum und zweitens werden die Teams ab der Freigabe noch ein paar Wochen Training und Vorbereitungsspiele brauchen, bevor es wirklich losgehen kann. Es ist daher wohl sicher zu sagen, dass es vor Juni nichts werden wird mit der Baseballsaison – und dass wir froh sein dürfen, wenn die Lage sich dieses Jahr überhaupt irgendwann so weit entspannt, dass wenigstens noch eine verkürzte Spielzeit drin ist.

Die Spieler sind inzwischen größtenteils nach Hause geschickt worden. Einige Teams haben ihre Spring-Training-Einrichtungen komplett geschlossen, andere lassen sie geöffnet und ermöglichen ihren Spielern die weitere Nutzung zum persönlichen Training unter besonderen Vorsichts- und Vereinzelungsmaßnahmen. Konkrete Infektionsfälle von Major-League-Spielern sind bislang noch nicht bestätigt, doch zwei Minor Leaguer der Yankees wurden positiv getestet. Bei beiden hat die Krankheit offenbar einen milden Verlauf mit nur schwachen Symptomen.

Während sich die MLB-Profis zumindest finanziell keine Sorgen machen müssen, sind sowohl die Minor-League-Spieler als auch viele sonstige Beschäftigte wie zum Beispiel Stadion-Mitarbeiter stark von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise betroffen. Eine erste erfreuliche Geste der 30 MLB-Klubs besteht darin, dass jeder von ihnen einen Million Dollar als Soforthilfe für die Einnahmeausfälle des Stadion-Personals bereit stellt. Noch keine gemeinsame Lösung gibt es für die Minor Leaguer. Sie werden generell nur während der Saison bezahlt – das heißt im Klartext, sie haben zurzeit wie schon in der gesamten Offseason überhaupt kein Einkommen. Ein paar Vereine – unter anderem die Rays, die Dodgers und die Mets – haben zugesagt, ihren Minor Leaguern zumindest bis Ende des Monats 400 Dollar pro Woche zu zahlen. Das ist ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen, und zwar durch alle Klubs.

Späterer Saisonbeginn auch in Deutschland
Auch die deutschen Baseball-Ligen haben ihren Spielbetrieb eingestellt beziehungsweise dessen Beginn nach hinten verlegt. Nach aktuellem Stand hat der DBV bis einschließlich 3. Mai alle Spiele ausgesetzt und bis 19. April sämtliche Kadermaßnahmen und den Trainingsbetrieb. Über weitere Verschiebungen und über Kürzungen der Spielpläne wird entschieden, sobald neue Informationen vorliegen.

Tumor-OP bei Trey Mancini
Die einzige aktuelle Meldung ohne Corona-Bezug, die ich erwähnen möchte, ist leider ebenfalls keine gute: Outfielder Trey Mancini von den Baltimore Orioles musste sich letzte Woche einer OP unterziehen, bei dem ein bösartiger Darmtumor entfernt wurde. Mancini war letztes Jahr der Top-Hitter der Orioles mit 35 Homeruns in 679 Plate Appearances und einer Slashline von .291/.364/.535. Er wird aller Voraussicht nach eine Weile ausfallen, aber das ist sicher zweitrangig angesichts der Umstände, dass erstens der Saisonbeginn in den Sternen steht und zweitens in Mancinis Situation alles andere weit weniger wichtig ist als dass er überhaupt wieder gesund wird.

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März 12th, 2020 by Silversurger

Corona, Corona, Corona. Das uns alle beherrschende Thema in diesen Tagen macht auch vor dem Baseball nicht Halt. Völlig zurecht rückt der Sport in den Hintergrund, wenn es darum geht, das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen. Welche Maßnahmen in den kommenden Tagen und Wochen von den zuständigen Behörden angeordnet und/oder von den Ligen selbst beschlossen werden, ist völlig offen. Es scheint aber immer wahrscheinlicher, dass die MLB-Saison nicht in der üblichen Form stattfinden kann.

NPB und KBO verschoben – MLB und Bundesliga stehen (noch?)
In Japan und Südkorea sind bereits Spring-Training-Spiele der Profi-Ligen NPB und KBO ausgefallen oder ohne Publikum ausgetragen worden. Nun haben die Leitungen beider Ligen beschlossen, den Start der regulären Saison zu verschieben. Statt Ende März sollen die Spiele erst Ende April beginnen. Die Hoffnung ist, das sich die Lage in Bezug auf das Corona-Virus bis dahin so weit entspannt hat, dass noch eine vollständige Saison inklusive Publikum gespielt werden kann.
Der MLB sowie der Baseball-Bundesliga kann Ähnliches blühen; bislang rechnen beide Ligen offiziell damit, wie geplant in die reguläre Saison starten zu können. „Wir behalten die Gesamtsituation im Blick“, versicherte der Spielbetriebsleiter des DBV, Philipp Würfel, gestern auf meine Nachfrage. Die MLB nimmt eine ähnlich abwartende Position ein. Beschlossen wurde bislang nur, vorerst keine Medienvertreter mehr in den Clubhäusern zuzulassen, um persönliche Kontakte der Spieler und Offiziellen zu reduzieren. Es scheint aber absehbar, dass weit drastischere Maßnahmen folgen müssen und werden, zumal gestern schon einige Städte und Regionen – unter anderem San Francisco und Seattle – ein Verbot von Großveranstaltungen angekündigt haben. Die Basketball-Liga NBA hat ihre Saison bereits auf unbestimmte Zeit unterbrochen, nachdem ein Spieler positiv auf das Virus getestet wurde.

WBC: Deutschland – Frankreich morgen Nacht auf Youtube
Die Baseball-Nationalmannschaft befindet sich schon seit einigen Tagen in Tucson (Arizona) und bereit sich auf das Qualifkationsturnier zum World Baseball Classic (WBC) 2021 vor. Der Kader besteht hauptsächlich aus Bundesligaspielern, ergänzt um die Minor Leaguer Marco Cardoso (Boston Red Sox), Brendan Donovan (St. Louis Cardinals), Lucas Jacobsen (Texas Rangers), Niklas Rimmel (Minnesota Twins) und Markus Solbach (Los Angeles Dodgers) sowie die Ex-MLB-Spieler Bruce Maxwell und Donald Lutz und zwei Indenpendent-League-Spieler. Max Kepler hat von den Twins leider keine Freigabe erhalten. Als erste Hürde in dem Doppel-Ausscheidungsmodus wartet Frankreich mit seinem prominenten Trainer Bruce Bochy. Das Spiel wird nach unserer Zeit ab 3:30 Uhr in der Nacht von Freitag auf Samstag live auf dem Youtube-Kanal der MLB übertragen. Als weitere Gegner je nach Turnierverlauf kommen Pakistan, Südafrika, Nicaragua und Brasilien infrage. Auch hier bleibt natürlich abzuwarten, ob und wie sich Corona auf die Durchführung des Turniers auswirkt. Es ist reine Spekulation von mir, aber ich kann mir vorstellen, dass die europäischen Teams zügig abreisen werden, nachdem die US-Regierung verkündet hat, den Reiseverkehr mit Europa drastisch einzuschränken.

Red Sox verpflichten McHugh
Die Boston Red Sox haben immer noch keine Klarheit über die Aussichten ihres Asses Chris Sale, zum Saisonstart oder möglichst bald danach fit zu werden. Nachdem Sale am 1. März ein simuliertes Inning abbrechen musste, wurde sein Ellenbogen von verschiedenen Spezialisten untersucht. Es kam aber nicht viel mehr dabei heraus als dass man sich das Gelenk in 10 bis 14 Tagen noch einmal ansehen wird. Um einen möglichen längeren Ausfall von Sale abzufedern, ist der Klub noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig geworden und hat Collin McHugh verpflichtet. Der ehemalige Astros-Pitcher erhält einen Einjahresvertrag, dessen Finanzen stark leistungsbezogen ausgestaltet wurden: Das Grundgehalt beträgt bescheidene 600.000 Dollar, kann sich aber je nach Zahl der absolvierten Innings um bis zu 3,625 Millionen erhöhen. Mit dieser Vertragsgestaltung sichern sich die Red Sox ab, denn McHugh litt während und nach der letzten Saison ebenfalls unter Ellenbogenprobleme und ist erst vor Kurzem wieder ins Wurftraining eingetreten.
Um für McHugh Platz im Kader zu machen, haben die Red Sox Pitcher Hector Velazquez entlassen. Velazquez wurde inzwischen von den Baltimore Orioles aufgenommen.

Verlängerung für Moncada
Die Chicago White Sox bauen weiter am ersehnten langfristigen Erfolg. Nach Eloy Jimenez, Luis Robert und Aaron Bummer haben sie nun auch Yoan Moncada mit einem Mehrjahresvertrag ausgestattet. Für insgesamt 70 Millionen Dollar wird der Infielder in den kommenden fünf Spielzeiten für die White Sox antreten. Hinzu kommt die Option, ihn für 25 Millionen Dollar noch ein weiteres Jahr, also für die Saison 2025, zu halten.

Calhoun verletzt durch Hit-by-Pitch
Die hässlichste Verletzung der Woche hat Willie Calhoun von den Texas Rangers erlitten. Im Spring-Training-Spiel gegen die Los Angeles Dodgers bekam der Outfielder im ersten Inning einen 95-Meilen-Pitch von Luis Urias direkt ins Gesicht. Er erlitt dabei einen Kieferbruch, der operiert werden musste und zu einer noch unbestimmten, aber in jedem Fall längeren Ausfallzeit führen wird. Es gibt Videos von dem Unfall, aber auf das Anschauen kann man gut verzichten, daher gibt es von mir hier keinen Link.

Doping-Sperre für Diamondbacks-Prospect
Leider gibt es erneut einen Doping-Fall: Infielder Domingo Leyba von den Arizona Diamondbacks wurde positiv auf Boldenon getestet. Das ist das üblicherweise für Rennpferde verwendete Steroid, welches vor Kurzem bereits Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) zum Verhängnis wurde. Der 24-jährige Switch-Hitter Leyba erhält die für Ersttäter übliche Strafe von 80 Spielen Sperre.

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März 5th, 2020 by Silversurger

Fast wäre es diese Woche ein Grand Slam am Donnerstag geworden, in dem es nur um Krankheiten und Verletzungen geht. Doch die Milwaukee Brewers und Christian Yelich haben uns mit einer Blockbuster-Vertragsverlängerung vor der Depressivität eines solchen Artikels gerettet.

Christian Yelich – für immer ein Brewer?
Die Milwaukee Brewers und ihr Superstar Christian Yelich haben sich diversen Berichten zufolge geeinigt, ihre Zusammenarbeit langfristig festzuschreiben. Der Deal soll dem 28-jährigen Outfielder in den nächsten neun Jahren bis zu 215 Millionen Dollar einbringen und noch eine beidseitige Option für ein zehntes Jahr enthalten. Das ist mehr Geld als man normalerweise ausgeben kann und doch im Vergleich mit dem, was andere Stars in den letzten Jahren erhalten haben, ein relativ günstiger Vertrag. Yelich ist nach seinen bisherigen Leistungen für das Team jedenfalls jeden Cent davon wert. Seiner MVP-Saison 2018, in der eine Slashline von .326/.402/.598 produzierte, ließ er eine noch bessere Saison 2019 (.329/.429/.671) folgen. Der zweite MVP-Award blieb ihm wohl nur deshalb verwehrt, weil er den letzten Monat durch eine Knieverletzung verpasste.
Die Brewers sind ein Small-Market-Team und rangieren traditionell im hinteren Drittel der Gehaltsrangliste. Der Vertrag für Yelich ist mit großem Abstand die höchste Investition, die sie je in einen Spieler getätigt haben. Vor dem Hintergrund des jetzt vereinbarten Deals erklärt sich, warum keine größeren Anstrengungen unternommen wurden, Free Agents wie Mike Moustakas und Yasmani Grandal zu halten oder gleichwertig zu ersetzen – es ging wohl schlicht darum zu sparen, damit man sich den Langzeitvertrag mit Yelich leisten kann.

Garrett Whitley übel verletzt durch Foulball
Auf keinen Fall Verletzungen zu riskieren ist die oberste Devise im Spring Training, aber das ist leider oft leichter gesagt als getan. Garrett Whitley, Outfield-Prospect der Tampa Bay Rays, hat es am Montag während des Spiels gegen die Baltimore Orioles auf besonders hinterhältige Weise erwischt: Whitley hielt sich im Dugout seines Teams auf, als ein Foulball von Renato Nunez von den Stufen des Dugouts abprallte und ihm von dort ins Gesicht prallte. Der 22-Jährige erlitt mehrere Frakturen, blieb aber die ganze Zeit über bei Bewusstsein und konnte nach einigen Stunden aus dem Krankenhaus entlassen werden. Das nennt man wohl Glück im Unglück.

Saisonstart ohne Judge und Stanton
Die New York Yankees sind schon wieder das Lazarett der Liga: Dass die Starting-Rotation zu Saisonbeginn auf James Paxton und das ganze Jahr über auf Luis Severino verzichten muss, stand schon länger fest. Inzwischen wurden auch die Befürchtungen bestätigt, dass die beiden Top-Slugger Aaron Judge und Giancarlo Stanton nicht rechtzeitig zum Opening Day fit werden. Stanton laboriert an einer Wadenverletzung, Judge hat Probleme mit der Schulter, die bis in den Brustbereich ausstrahlen. Für beide Spieler gibt es noch keinen Zeitplan für eine mögliche Rückkehr; als grober Anhaltswert ist die Rede von Mitte bis Ende April.

Sorgen um Sale und Canning
Die Boston Red Sox können sich über das Verletzungspech des Erzrivalen nicht mal klammheimlich freuen, denn sie haben ihre eigenen Probleme. Ihr Top-Pitcher Chris Sale wird den Saisonbeginn verpassen und es ist völlig unklar, wie schlecht es um seinen Ellenbogen tatsächlich steht. Anfang der Woche ließ er seine Befunde von Dr. James Andrews untersuchen – eine Nachricht, die unter Baseballfans die Alarmglocken schrillen lässt, denn Dr. Andrews ist ein führender Spezialist für die berüchtigte Tommy-John-Surgery (TJS). Immerhin scheint es bei Sale laut verschiedenen Quellen nicht auf eine TJS hinauszulaufen, aber die Unklarheit über die Verletzung ist immer noch so groß, dass derzeit eine dritte Meinung eingeholt wird.
In einer ähnlichen Lage befindet sich Griffin Canning von den Los Angeles Angels. Der junge Starter musste schon die letzte Saison vorzeitig wegen Ellenbogenproblemen beenden und unterzieht sich derzeit mehreren Untersuchungen. Auch bei ihm besteht das Worst-Case-Szenario darin, dass er sich einer TJS unterziehen muss.

Corona-Auswirkungen nicht absehbar
In Italien, der Schweiz und anderen Staaten wurden bereits zahlreiche Fußballspiele ausgesetzt, in Japan werden die Spring-Training-Spiele der Nippon Baseball League derzeit ohne Zuschauer ausgetragen und gestern gab es im College-Basketball die ersten Spielabsagen im US-Sport. In diesem Licht drängt sich die Frage auf, ob das Coronavirus sich auch auf die bevorstehende MLB-Saison auswirkt. Eine befriedigende Antwort darauf kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand geben. Bislang gibt es keine Pläne, Spiele abzusagen, zu verlegen oder die Öffentlichkeit auszuschließen, aber die Lage kann sich natürlich täglich ändern. MLB-Commissioner Rob Manfred hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die weitere Entwicklung beobachtet und bei Bedarf Maßnahmen vorschlägt. In einem Schreiben an alle Klubs wurde empfohlen, derzeit auf Autogramme und Händeschütteln zu verzichten, keine Reisen in besonders betroffene Länder zu unternehmen, laufend Kontakt mit den örtlichen Gesundheitsbehörden zu halten und sicherzustellen, dass alle Spieler gegen Grippe geimpft sind. Davon abgesehen bleibt dem professionellen Baseball nur dasselbe übrig wie uns allen: abwarten, was noch kommt.

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Februar 27th, 2020 by Silversurger

Es ist Donnerstag und das heißt unweigerlich, dass es heute den Grand Slam am Donnerstag gibt. Der Artikel rund um das Baseballgeschehen fällt diese Woche allerdings etwas kürzer aus. Ein Grund dafür ist, dass die Vorschauserie derzeit fast die ganze Zeit bindet, die ich für den Blog aufbringen kann. Heute um 17 Uhr lernt ihr übrigens die Nummer 28 meines Rankings kennen. Der zweite Grund ist, dass einfach nicht viel passiert ist in dieser Woche; es war die erste seit Langem ohne nennenswerte Trades und/oder Neuverpflichtungen. Natürlich ist einiges los auf den Trainings- und Spielfeldern in Florida und Arizona – die Spring-Training-Spiele machen Appetit auf mehr, auch wenn sie von den Ergebnissen her völlig irrelevant sind. Das Wichtigste ist, dass sich dabei möglichst niemand verletzt. Leider hat sich das in den ersten Tagen des Spring Trainings bereits für mehrere Spieler als vergebliche Hoffnung erwiesen.

Schon wieder Verletzungspech für die Yankees
Für die New York Yankees muss es sich anfühlen wie verhext: Schon letztes Jahr wurde das Team weit überdurchschnittlich von Verletzungen gebeutelt, und anscheinend setzt sich das 2020 nahtlos fort. Die schlimmste Diagnose hat Luis Severino erhalten. Der 26-jährige Pitcher, der 2019 nur drei Starts absolvieren konnte, benötigt eine Tommy-John-Surgery am Ellenbogen und wird rund eineinhalb Jahre lang ausfallen. Die Yankees müssen somit ohne die Nummern zwei und drei ihrer Rotation in die Saison gehen, denn auch James Paxton fällt nach einer Rücken-OP mindestens bis Mai aus. Auch die beiden Star-Slugger sind angeschlagen: Aaron Judge hat Probleme mit der Schulter und konnte bisher an keinem Spring-Training-Spiel teilnehmen. Für ihn besteht zumindest die Hoffnung, dass er bis Opening Day wieder einsatzbereit ist. Bei Giancarlo Stanton, der sich die Wade gezerrt hat, sieht es hingegen stark danach aus, dass er den Saisonstart verpassen wird.

Noch ein Dopingsünder
Nach Francis Martes (Astros) und Pablo Reyes (Pirates) in der letzten Woche wurde nun auch Victor Alcantara positiv auf leistungssteigernde Mittel getestet. Der 26-Jährige hatte in jeder der letzten drei Saisons Einsätze als Relief Pitcher für die Detroit Tigers. Nachdem diese ihn Ende 2019 ziehen ließen, hatte er bisher kein neues Team gefunden. Die nächste Chance wird eine Weile auf sich warten lassen, denn Alcantara ist jetzt erst mal für 80 Spiele gesperrt. Ihm wurde die Verwendung von Stanozolol nachgewiesen. Das ist das anabole Steroid, das 1988 durch die Aberkennung der olympischen Goldmedaille des Sprinters Ben Johnson traurige Berühmtheit erlangte.

WBC 2021: Tebow spielt für Philippinen
Nächstes Jahr im März findet wieder der World Baseball Classic, mit anderen Worten die Weltmeisterschaft im Baseball statt. Am Dienstag wurden die Austragungsorte des Turniers bekannt gegeben. Je eine Gruppe spielt in Taichung (Taiwan), Tokio (Japan), Phoenix (Arizona, USA) und Miami (Florida, USA). Die Viertelfinales finden in Tokio und Miami statt, die Finalrunde ebenfalls in Miami.
Teilnehmen werden erstmals 20 Teams, darunter alle 16, die schon beim letzten Turnier 2017 dabei waren: Australien, China, die Dominikanische Republik, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, die Niederlande, Puerto Rico, Südkorea, Taiwan, Venezuela und die Vereinigten Staaten als Titelverteidiger. Die restlichen vier Teams werden im März 2020 in zwei Qualifikationsturnieren in Tucson (Arizona) ermittelt. Deutschland ist im ersten der beiden Turniere dabei. Vom 12. bis 17. März gilt es, sich gegen Brasilien, Frankreich, Nicaragua, Pakistan und Südafrika durchzusetzen, um einen Platz im WBC zu ergattern.
Im zweiten Qualifikationsturnier spielen die Philippinen mit, die einen interessanten Neuzugang vermelden: Tim Tebow, Ex-NFL-Quarterback und derzeit Minor-League-Outfielder der New York Mets, wird für das Land antreten, in dem er während einer Missionsreise seiner Eltern zur Welt kam. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich stellen solche Meldungen eher die Ernsthaftigkeit des internationalen Baseballs infrage als dass sie den Zweck erfüllen, den Wettbewerb interessanter zu machen. Schon die Europameisterschaft im letzten Jahr war ja leider stark davon geprägt, dass einige Länder amerikanische Profis „eingekauft“ hatten.

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Februar 20th, 2020 by Silversurger

Die MLB ist im Spring Training angekommen. Nahezu alle Spieler trainieren inzwischen mit ihren Teams und bereiten sich auf die Testspiele vor, die morgen für die ersten Teams und übermorgen dann für alle anderen beginnen. Dass die Sign-Stealing-Affäre um die Houston Astros längst nicht raus ist aus den Köpfen, zeigt sich in nahezu jedem Interview, das die Spieler der anderen Teams zurzeit geben. Mike Trout, Aaron Judge und Kenley Jansen sind nur ein paar von vielen, die diese Woche ihren Ärger über die Schummeleien der Astros kund getan und vor allem kritisiert haben, dass die MLB keine Strafen gegen die beteiligten Spieler verhängt hat.
Ab Anfang nächster Woche werdet ihr hier auf dem Blog wie in den letzten Jahren wieder kurze Vorschauartikel für alle MLB-Teams finden, also schaut bitte regelmäßig rein. Jetzt gibt es aber erstmal den Überblick über die Baseball-News der Woche – wobei die erste und wichtigste Meldung sich ausnahmsweise nicht auf die Major League, sondern auf ihren Unterbau bezieht:

Minor-League-Gehälter steigen – ein wenig
Die Ligaleitung hat beschlossen, die Bezahlung in den Minor Leagues ab der Saison 2021 zu erhöhen. Die Mindestgehälter steigen von wöchentlich 290 auf 400 Dollar in Rookie- und Short-Season-Leagues, von 290 auf 500 Dollar in Single-A, von 350 auf 600 Dollar in Double-A und von 502 auf 700 Dollar in Triple-A. Das ist prinzipiell erfreulich, allerdings immer noch ein Hungerlohn, wenn man berücksichtigt, dass das Geld nur während der Saison fließt und dass Arbeitsplatzsicherheit in dieser Branche ohnehin ein Fremdwort ist. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Single-A-Spielers lag 2019 bei 6.000 Dollar, das eines Double-A-Spielers bei 9.350 Dollar und damit weit unter der von den US-Behörden definitierten Armutsgrenze von 12.490 Dollar. In Triple-A lag man mit im Schnitt 15.000 Dollar knapp darüber – ein Witz im Vergleich mit dem Minimumgehalt von 555.000 Dollar in der MLB. Es ist und bleibt ein Skandal, das innerhalb des Big Business, das der professionelle Baseball in den USA ist, solch prekäre Verhältnisse geduldet und gefördert werden – nicht zuletzt durch Lobbyarbeit der MLB, die 2018 den „Erfolg“ erzielte, dass Baseballspieler von gesetzlichen Mindestlöhnen ausgenommen sind.

Sperren wegen zu viel Horsepower
Noch bevor sie richtig begonnen hat, hat die Saison ihre ersten Dopingsünder. Einer der überführten Übeltäter ist Francis Martes, ein Pitcher ausgerechnet in der Organisation der Houston Astros – als ob die in dieser Offseason noch nicht genug negative Publicity hätten. Martes galt einst als hochrangiges Prospect und hatte 2017 auch schon ein paar MLB-Einsätze für die Astros. Mitte 2018 musste er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen und verpasste dadurch den Rest der Saison 2018 und die gesamte Saison 2019. Obendrein wurde er letztes Jahr bereits für ein halbes Jahr gesperrt – er sorgte damals für spöttische Schlagzeilen, weil ihm die Verwendung von Clomifen nachgewiesen wurde, eines Mittels zur Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Dazu gelernt hat der 24-Jährige seitdem offenbar nicht, nur das Dopingmittel hat er gewechselt: Dieses Mal ist es Boldenon, ein Steroid aus der Veterinärmedizin, das in erster Linie Rennpferden verabreicht wird. Als Wiederholungstäter ist Martes nun für eine volle Saison gesperrt. Beim nächsten Verstoß ist laut den Anti-Doping-Regeln der MLB eine lebenslange Sperre fällig.
Mit demselben Pferde-Steroid erwischt wurde Pablo Reyes, Utility-Player der Pittsburgh Pirates. Reyes hatte 2018 ein starkes MLB-Debüt bei den Pirates, seine Saison 2019 fiel jedoch deutlich ab und er wurde nach der Saison zurück in die Minor Leagues abgestuft. Mit unerlaubten Mitteln wollte er offenbar den Weg zurück in die Major League finden, der nun aber deutlich länger geworden sein dürfte. Als Ersttäter läuft die Sperre für Reyes 80 Spiele, also eine halbe Saison.

Brewers signen Brock Holt
Brock Holt, der wohl prominenteste verbliebene Free Agent außer Yasiel Puig, hat einen neuen Verein gefunden: Der 31-Jährige einigte sich mit den Milwaukee Brewers auf einen Einjahresvertrag mit Klub-Option für ein weiteres Jahr. Die Brewers holen sich damit eine weitere Allzweckwaffe ins Team, die (mindestens) im Infield jede Position solide ausfüllen kann. Mit Justin Smoak, Eric Sogard, Jedd Gyorko, Luis Urias, Ryon Healy, Ronny Rodriguez und jetzt Holt hat der Klub in dieser Offseason regelrecht Spieler angehäuft, um aus ihnen ein Infield herauszukristallisieren, in dem bisher der junge Second Baseman Keston Hiura den einzigen sicheren Stammplatz hat.

Ein Trade mit Seltenheitswert
Relief Pitcher Burch Smith wechselt gegen eine Ablösezahlung von den San Francisco Giants zu den Oakland Athletics. Das wäre eigentlich kaum eine Meldung wert, zumal der 29-jährige Smith bislang wenig Erfolg in der MLB hatte und von den Giants ohnehin schon aus dem Kader gestrichen worden war. Das Interessante an der Sache ist: Es ist der erste Trade seit fast 30 Jahren zwischen den beiden Teams, die geographisch nur durch eine Bucht mit einer langen Brücke voneinander getrennt sind. Am 4. Dezember 1990 gab es den letzten Handel zwischen den Lokalrivalen, als Outfielder Ernest Riles zu den A’s kam und dafür Outfielder Darren Lewis and Minor-League-Pitcher Pedro Pena nach San Francisco wechselten. Warum so lange Funkstille herrschte zwischen den Athletics und den Giants, kann oder will niemand so recht erklären. Farhan Zaidi, seit einem Jahr General Manager der Giants, hat jedenfalls einen guten Draht zu Billy Beane und den Athletics, für die er von 2011 bis 2014 tätig war.

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Februar 13th, 2020 by Silversurger

Baseball is back: Während der letzten Tage haben jedenfalls schon mal die Pitcher und Catcher aller Teams in den Trainigscamps in Florida und Arizona die Saisonvorbereitung aufgenommen. Die restlichen Spieler folgen in den nächsten Tagen und schon Ende nächster Woche geht es los mit dem täglichen Testspielbetrieb des Spring Trainings. Damit uns das Warten darauf nicht langweilig wird, hat die Ligaleitung Pläne für eine radikale Reform der MLB-Playoffs durchsickern lassen, die zurzeit heiß diskutiert werden.

Demnächst 14 Playoff-Teams?
Die Pläne der Liga sollen drei wesentliche Neuerungen vorsehen:
1. Die Anzahl der Playoffteilnehmer soll von 10 auf 14 Teams erhöht werden. Es würden dann in jeder der beiden Teilligen AL und NL die drei Divisionssieger sowie die vier Teams mit den nächstbesten Bilanzen an der Postseason teilnehmen.
2. Anstelle des einzelnen Wild-Card-Spiels soll eine Playoff-Runde treten, von der nur das stärkste Team der jeweiligen Teilliga befreit ist. Dieses Team ist für die zweite Runde gesetzt. Die anderen sechs Teams spielen paarweise Best-of-3-Duelle gegeneinander, wobei das Team mit der stärkeren Bilanz in allen drei Spielen Heimrecht hat.
3. Jetzt kommt der wirklich revolutionäre Teil: Die Zusammenstellung der Wild-Card-Duelle erfolgt, indem die beiden Divisions-Gewinner ihren Gegner aus den restlichen Playoff-Teams aussuchen. Diese Auswahl soll als TV-Ereignis vermarktet werden, bei dem am Abend des regulären Saisonendes live von Teamverantwortlichen verkündet wird, gegen wen sie antreten wollen.
Wenn jemanden meine Ansicht dazu interessiert: Die Idee, die Playoffs auf 14 Teilnehmer aufzublähen, gefällt mir überhaupt nicht, denn das bedeutet eine Entwertung der langen und anstrengenden regulären Saison. Wofür spielt man 162 Spiele, wenn anschließend selbst Teams aus dem grauesten Mittelmaß noch der Weg zur World Series offen steht? Der Vorschlag, in der Wild-Card-Runde vom Einzelspiel wegzukommen und stattdessen eine Best-of-3-Serie zu spielen, gefällt mir hingegen gut. Zu der dritten Idee, der direkten Auswahl des Gegners, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Uninteressant klingt sie jedenfalls nicht.
In Kraft treten könnte die Reform zur Saison 2022. Zuvor müsste eine Einigung mit der Spielergewerkschaft MLBPA erzielt werden. Der Chef der Gewerkschaft, Tony Clark, zeigte sich in einer ersten Reaktion von den Plänen überrascht, aber gegenüber einer Erweiterung der Playoffs nicht abgeneigt. Zwischen MLB und MLBPA stehen ohnehin Neuverhandlungen über die Rahmenvereinbarung (CBA) an, da deren aktuelle Fassung 2021 ausläuft.

Roenicke neuer Manager der Red Sox
Kurz vor dem Trainingsauftakt haben die Boston Red Sox noch schnell eine neue sportliche Leitung bestimmt: Der bisherige Bench Coach Ron Roenicke wurde am Dienstag zum Manager befördert. Genauer gesagt trägt er zunächst den Titel „Interimsmanager“, solange noch die Ergebnisse der MLB-Untersuchung der Sign-Stealing-Vorwürfe aus dem Jahr 2018 ausstehen. Da die Red Sox Roenicke den Posten geben, gehen sie offenbar davon aus, dass er in die damaligen Vorgänge nicht signifikant involviert war und dass er keine Bestrafung seitens der Liga zu erwarten hat. Dennoch wartet man vor seiner endgültigen Ernennung verständlicherweise den Abschluss der Untersuchung ab.
Wann die MLB ihre Entscheidung über mögliche Strafen bekannt gibt, ist unklar. Die ursprüngliche Ankündigung war, dass das vor Beginn der Spring-Training-Spiele erledigt sein soll. Nach den Einschätzungen, die bisher durchgedrungen sind, werden die Verstöße der Red Sox von 2018 wohl als weniger massiv eingestuft als die der Astros von 2017. Alex Cora, 2017 Bench Coach der Astros und 2018 bis 2019 Manager der Red Sox, war wegen der ihm zugeschriebenen Rolle in beiden Skandalen im Januar entlassen worden.
Ron Roenicke ist 63 Jahre alt und seit 2018 für die Red Sox tätig. Von 2011 bis 2015 war er Manager der Milwaukee Brewers, davor und danach war er seit 1992 in verschiedenen Rollen als Coach bei den Los Angeles Dodgers und den Los Angeles Angels aktiv.

Trades um Betts, Price, Maeda & Co. sind jetzt offiziell
Dass Mookie Betts und David Price von den Red Sox zu den Los Angeles Dodgers getradet werden, war schon letzte Woche die Top-Neuigkeit. Allerdings hatte ich bereits erwähnt, dass das Gesamtpaket des Blockbuster-Trades, bei dem auch die Minnesota Twins involviert waren, möglicherweise wegen medizinischer Bedenken noch mal aufgeschnürt wird. Genau so ist es gekommen und der endgültige Deal sieht nun folgendermaßen aus: Wie gehabt geben die Red Sox OF Mookie Betts sowie SP David Price an die Dodgers ab und übernehmen rund die Hälfte der 96 Millionen Dollar, die Price bis 2022 noch zustehen; wie gehabt erhalten die Red Sox im Gegenzug OF Alex Verdugo; dazu geben ihnen die Dodgers jetzt noch IF-Prospect Jeter Downs und Minor-League-Catcher Connor Wong.
Die Twins sind an dem Betts-Trade nun nicht mehr beteiligt, sie haben stattdessen einen unabhängigen Deal mit den Dodgers ausgehandelt: Kenta Maeda wechselt wie ursprünglich vorgesehen von den Dodgers zu den Twins. Obendrein senden die Dodgers 10 Millionen Dollar und den jungen Catcher Jair Carmago nach Minnesota. Im Gegenzug wechseln Pitching-Prospect Brusdar Graterol, OF-Prospect Luke Raley und ein Draftpick (#67 in der Draft 2020) zu den Dodgers.

Pederson-Trade entfällt
Ein dritter Trade, der im Zusammenhang mit den beiden eben geschilderten ausgehandelt worden war, ist abgesagt worden: Joc Pederson und Ross Stripling wechseln nicht von den Dodgers zu den Los Angeles Angels. Der Owner der Angels, Arte Moreno, war offenbar verärgert über die durch die anderen Trades verursachte Verzögerung und entschied daher, die Verhandlungen abzubrechen. Sinn ergibt das in meinen Augen nicht, denn es war von vornherein klar, dass die Trades zusammenhängen. Und nachdem die Dodgers von den Twins nun einen weiteren Outfielder und einen weiteren Pitcher bekommen haben, erschiene eine Trennung von Pederson und Stripling umso logischer. Man wird sehen, ob sich im Laufe der nächsten Tage für die beiden noch etwas Neues ergibt – andernfalls müssen sie damit leben, weiterhin für den Klub zu spielen, der sie durch den versuchten Trade bereits als verzichtbar abgestempelt hatte.

Spielertausch zwischen Padres und Rays
Neben den ganzen geänderten oder abgesagten Geschäften aus der letzten Woche habe ich auch noch einen komplett neuen Trade im Angebot: Die San Diego Padres und die Tampa Bay Rays haben sich zum zweiten Mal in dieser Offseason auf ein Tauschgeschäft geeinigt. Die Rays schicken RP Emilio Pagan nach San Siego, dafür wechseln OF Manuel Margot und C/OF-Prospect Logan Driscoll zu den Rays. Beide Teams festigen damit bestehende Stärken. Pagan bildet mit Kirby Yates und Andres Munoz in San Diego künftig ein starkes Trio von Relievern, deren Rollenverteilung in den späten Innings noch zu klären ist. Margot ist ein defensivstarker Centerfielder und als solcher die Absicherung für den Fall, dass sein neuer Teamkamerad Kevin Kiermaier wieder von Verletzungen heimgesucht wird.

Pillar zu den Red Sox
Auch die Red Sox verpflichten einen Centerfielder: Kevin Pillar ergänzt das Bostoner Outfield, in dessen voraussichtlicher Stammbesetzung nach dem Trade von Mookie Betts mit Andrew Benintendi, Jackie Bradley Jr. und Alex Verdugo nur noch Linkshänder zugange sind. Als Rechtshänder, der seine besten Offensivleistungen gegen linkshändige Pitcher erbringt, ist Pillar eine sinnvolle Bereicherung. Der Deal ist noch nicht offiziell, dementsprechend gibt es auch noch keine Vertragsdetails.

Pence zurück in San Francisco
Hunter Pence hat schon für vier verschiedene MLB-Teams gespielt, aber irgendwie erschien es mir seltsam, ihn letztes Jahr in einem anderen Trikot als dem der San Francisco Giants zu sehen. Falls es anderen auch so ging, dass sie sich an Pence in Rangers-blau nicht recht gewöhnen konnten, ist jetzt alles wieder gut: Der Outfielder ist zurück an der Bay, die Giants nehmen ihn für 3 Millionen Dollar unter Vertrag. Über Einsatzboni kann der 36-Jährige sein Einkommen um bis zu 2,5 Millionen Dollar erhöhen. Seine Rolle – neben der der Identifikationsfigur für die Madison Bumgarner nachtrauernden Fans – ist eine ähnliche, wie Pillar sie in Boston spielen wird. Auch in San Francisco besteht das Stamm-Outfield mit Mike Yastrzemski, Alex Dickerson und Steven Duggar ausschließlich aus Linkshändern, und Pence ist ein Kandidat dafür, den primären rechtshändigen Ergänzungsspieler darzustellen.

Maybin nach Detroit
Noch ein Rückkehrer: Outfielder Cameron Maybin unterschreibt für ein Jahr und 1,5 Millionen Dollar bei den Detroit Tigers. Maybin läuft damit zum dritten Mal für die Tigers auf, welche ihn 2005 gedraftet und an die MLB herangeführt hatten, bevor sie ihn 2007 zu den Mariners tradeten. 2016 spielte Maybin erneut für die Tigers. Der 32-Jährige hatte letztes Jahr mit den Yankees die stärkste Saison seiner Karriere (.285/.364/.494). Für die im Rebuilding befindlichen Tigers ist er eine solide Ergänzung und möglicherweise ein Tradechip, der sich zur Mitte der Saison gegen Talente eintauschen lässt.

Mariners signen Walker
Auch Pitcher Taijuan Walker kehrt zurück an eine frühere Wirkungsstätte: Er heuert für 2 Millionen Dollar für ein Jahr bei den Seattle Mariners an, von denen er 2010 gedraftet wurde und für die er von 2013 bis 2016 in der MLB spielte. Walker kommt mit dem Fragezeichen, ob er wieder der solide Starter sein kann, der er bis 2017 war, nachdem er die Saisons 2018 und 2019 wegen einer Tommy-John-Surgery und weiteren Verletzungen fast vollständig verpasste.

Neuer Käufer für die Mets gesucht
Der ursprünglich geplante Verkauf der Anteilsmehrheit an den New York Mets an den Hedgefonds-Unternehmer Steve Cohen ist, wie sich letzte Woche schon abzeichnete, geplatzt. Jeff Wilpon, der COO der Mets und Sohn des Haupteigentümers Fred Wilpon, hat Anfang der Woche ein Statement herausgegeben. Darin beruft er sich hinsichtlich der Gründe des gescheiterten Geschäfts auf vereinbartes Stillschweigen, lässt aber durchblicken, dass er und sein Vater weiterhin nach einem Käufer für das Team suchen. Anhänger der Mets dürfen also nach wie vor hoffen, dass die Ära der ungeliebten Wilpons-Ownerschaft in absehbarer Zeit endet. Wenn ihr ein paar Milliarden (3 dürften reichen) übrig habt und euch schon immer den Traum erfüllen wolltet, eine MLB-Franchise zu besitzen: Hier ist eure Chance!

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Februar 6th, 2020 by Silversurger

Blockbuster-Alarm: Eine Woche vor dem Start des Spring Trainings gibt es noch mal einen richtig dicken Trade. Kernstück des Handels, an dem drei Teams, fünf Spieler und etliche Millionen Dollar beteiligt sind, ist Star-Outfielder Mookie Betts. Allerdings ist das Geschäft noch nicht endgültig besiegelt, da die damit verbundenen medizinischen Untersuchungen wohl Zweifel in Bezug auf einen der involvierten Nachwuchsspieler aufgeworfen haben.

Betts zu den Dodgers per 3-Team-Trade
Die wochenlangen Gerüchte, dass die Boston Red Sox einen Tradepartner für Mookie Betts suchen, haben sich bewahrheitet in Form eines aufsehenerregenden 3-Team-Trades. Die Los Angeles Dodgers verstärken sich mit Betts und obendrein mit Starting Pitcher David Price. Dafür geben sie ihren jungen Outfielder Alex Verdugo an die Red Sox ab und schicken Starter Kenta Maeda zu den Minnesota Twins. Die Twins wiederum reichen dafür ihr Top-Pitching-Prospect Brusdar Graterol weiter nach Boston. Graterol ist das eingangs erwähnte Fragezeichen, dessentwegen der Trade noch nicht offiziell ist. Die medizinische Freigabe ist in seinem Fall nur eingeschränkt erfolgt. Möglicherweise läuft es darauf hinaus, dass er wegen seiner Vorgeschichte mit einer Tommy-John-Surgery und mehreren anderen Verletzungen nicht mehr als zukünftiger MLB-Starter, sondern nur noch als Reliever eingestuft wird. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Trade trotzdem stattfindet, aber wahrscheinlich werden die Twins nun noch etwas drauflegen müssen.
Es erscheint auf den ersten Blick wenig verständlich, dass die Red Sox einen ihrer talentiertesten und beliebtesten Spieler im besten Alter abgeben (nebenbei bemerkt fast genau 100 Jahre nach dem legendär katastrophalen Trade von Babe Ruth zu den Yankees). Aber eine Vertragsverlängerung für Betts über 2020 hinaus passte nicht in den Kostenrahmen des Klubs für die nächsten Jahre. So entschied man sich, Betts lieber jetzt gegen einen ordentlichen Gegenwert abzugeben, statt ihn nächstes Jahr quasi umsonst gehen zu lassen. Mit Verdugo und Graterol konnte man zwei mögliche Eckpfeiler für ein kleines Rebuilding an Land ziehen – um den Preis, sich für die bevorstehende Saison gegenüber den übermächtig erscheinenden Yankees in der AL East ziemlich sicher aus dem Spiel zu nehmen.
Die Dodgers sehen derzeit wie der klare Gewinner des Trades aus – mit Betts erhalten sie einen offensiv wie defensiv überragenden Spieler, der angesichts seines Alters von 27 Jahren noch viele gute Jahre vor sich hat. Die Absicht des Klubs ist erklärtermaßen, ihn langfristig an sich zu binden. Hinzu kommt David Price, der zwar schon 35 ist und letztes Jahr durch eine Verletzung beeinträchtigt war, in der Rotation aber dennoch ein Upgrade gegenüber Maeda darstellen sollte. Weniger erfreulich ist, dass Price noch 96 Millionen Dollar aus einem 2016 mit den Red Sox geschlossenen Siebenjahresvertrag erwartet. Das wird aber dadurch abgemildert, dass die Red Sox sich im Zuge des Trades verpflichtet haben, rund die Hälfte dieser Summe zu tragen.
Der Part des Trades, der für mich nicht wirklich Sinn ergibt, ist der der Twins. Sie geben mit Graterol ihr Top-Pitching-Prospect her für einen 31-jährigen bestenfalls soliden Starter, der in der MLB noch in keinem Jahr mehr als 175.2 Innings geworfen hat. Für mich sieht das nach einem allzu optimistischen und kurzsichtigen Versuch eines Win-Now-Moves aus. Oder die Twins wussten schon, was bei der medizinischen Beurteilung herauskommt. Nach dieser werden sie wohl einen zusätzlichen Spieler oder Geld abgeben müssen, um den Deal abzuschließen.

Pederson bleibt in der Gegend
Im Windschatten des Betts-Trades haben die Dodgers Mittwochnacht einen weiteren Deal angebahnt: Joc Pederson soll nach Anaheim zu den Los Angeles Angels wechseln. Damit bauen die Dodgers das entstandene Überangebot im Outfield ab und sparen die 7,75 bis 9,5 Millionen Dollar, die sie Pederson dieses Jahr geschuldet hätten. Die Angels erhalten in Pederson einen überdurchschnittlichen Hitter für ihr allerdings ebenfalls überbevölkertes Outfield. Neben Mike Trout und Justin Upton war bislang Brian Goodwin für die Startformation vorgesehen, Letzterer als Platzhalter für das Top-Prospect Jo Adell.
Außer Pederson werden die Angels voraussichtlich auch OF-Talent Andy Pages und Pitcher Ross Stripling bekommen, im Gegenzug werden IF Luis Renfigo und ein oder zwei weitere Prospects zu den Dodgers wechseln. Der Deal wurde bisher noch nicht finalisiert, weil die Dodgers ihn vom Abschluss des Trades um Mookie Betts abhängig machen.

Mariners verlängern mit Gonzales
Um die Seattle Mariners war es in dieser Offseason ungewohnt ruhig. Ihr sonst so trade- und wechselfreudiger General Manager Jerry Dipoto scheint zurzeit mehr auf Kontinuität zu setzen. Dafür spricht der Sechsjahresvertrag, mit dem im November 1B-Prospect Evan White ausgestattet wurde, und dafür spricht auch der Kontrakt, den nun Pitcher Marco Gonzales erhielt. Der in Kürze 28-Jährige wird für 30 Millionen Dollar bis 2024 an den Klub gebunden, zudem haben die Mariners die Option, für 15 Millionen Dollar noch ein Jahr dranzuhängen.

Neue Teams für Flores und Riddle
Sowohl die San Francisco Giants als auch die Pittsburgh Pirates haben sich mit einem Infielder ergänzt. Die Giants statten Wilmer Flores mit einem Zweijahresvertrag über 6 Millionen Dollar aus. Flores lieferte letztes Jahr bei den Arizona Diamondbacks starke Ergebnisse (.317/.361/.487), wenngleich er wegen einer zwischenzeitlichen Fußverletzung nur 89 Spiele absolvierte. J. T. Riddle war bei den Miami Marlins nicht ganz so erfolgreich, vielmehr brachte er es bei einer Slashline von .189/.230/.371 auf negative -0.6 WAR und wurde nach der Saison entlassen. Dass er bei den Pirates einen MLB-Vertrag über immerhin 850.000 Dollar bekommt, finde ich daher überraschend.

Click neuer General Manager der Astros
Die Führungsmannschaft der Houston Astros ist wieder komplett: Eine Woche nach der Verpflichtung von Dusty Baker als Field Manager wurde nun James Click als neuer General Manager des skandalgeschüttelten Klubs vorgestellt. Der 42-Jährige war zuvor seit 2006 für die Tampa Bay Rays tätig, zuletzt als „Vice President for Baseball Operations“ – sozusagen als Assistent des General Managers. Click ist schon der zweite hochrangige Funktionär, den die Rays in dieser Offseason an die Konkurrenz verlieren: Ende Oktober hatten die Boston Red Sox Chaim Bloom zu ihrem General Manager gemacht.

Mets-Verkauf vorerst geplatzt
Hiobsbotschaft für die Fans der New York Mets: Der im Dezember angekündigte und von vielen herbeigesehnte Verkauf der Franchise wird möglicherweise nicht stattfinden. Nach allem, was bisher durchgesickert ist, sollen es mal wieder die aktuellen Teambesitzer Fred und Jeff Wilpon verbockt haben, indem sie in letzter Sekunde neue Forderungen auf den Tisch brachten. Es soll dabei vor allem darum gehen, wie lange und in welcher Form die Wilpons noch Einfluss auf die Franchise nehmen wollen. Der ursprünglich kaufwillige Multimilliardär Steve Cohen, der eine 80-Prozent-Mehrheit des Klubs übernehmen wollte, hat sich davon offenbar abschrecken lassen. Man darf gespannt sein, ob die Verhandlungen noch mal aufgenommen werden oder ob es das vorerst war mit den Hoffnungen, das ungeliebte Vater-Sohn-Gespann an der Vereinsspitze bald los zu sein.

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Januar 30th, 2020 by Silversurger

Da war es nur noch einer: Outfielder Yasiel Puig ist von den diesjährigen Top-Free-Agents der letzte, der noch kein neues Team gefunden hat. Sein vorletzter Klub, die Cincinnati Reds, hat derweil mit Nicholas Castellanos gerade Puigs Nachfolger verpflichtet. Auch von den Managerposten, die im Zuge der Sign-Stealing-Affäre frei geworden waren, ist nur noch einer übrig. Nachdem sich letzte die Woche die New York Mets mit Luis Rojas einig wurden und diese Woche die Houston Astros mit Dusty Baker, sind nun allein die Boston Red Sox noch auf der Suche nach einem neuen Teamchef.

Dusty Baker neuer Manager der Astros
Die Houston Astros haben immer noch einen der stärksten Kader der Liga, doch es bleibt abzuwarten, wie das Team und sein Umfeld mit den Nachwirkungen des Sign-Stealing-Skandals umgehen. Den passenden Manager für diese Aufgabe dürften sie jedenfalls gefunden haben: Der 70-jährige Dusty Baker bringt jede Menge Routine und Erfahrung mit und ist zudem besonders dafür bekannt, einen guten Draht zu den Spielern sowie zu den Medien zu pflegen. Baker war zuletzt von 2016 bis 2017 bei den Washington Nationals tätig und führte diese zu starken Saisons mit 95 und 97 Siegen. Beide Male schieden die Nationals frühzeitig in den Playoffs aus, weshalb Bakers Vertrag nicht verlängert wurde. Jetzt kommt es zu einer interessanten Konstellation im Spring Training, denn Bakers alter und sein neuer Klub teilen sich einen gemeinsamen Trainingskomplex in West Palm Beach. Die Entscheidung für den neuen Manager wurde von Astros-Owner Jim Crane quasi im Alleingang getroffen, denn die Suche nach einem Nachfolger für Jeff Luhnow als General Manager läuft noch.

Diamondbacks machen das Rennen um Marte
Die Pittsburgh Pirates haben fast die ganze Offseason über geworben und verhandelt, um ihren Centerfielder Starling Marte möglichst gewinnbringend loszuwerden. Die Arizona Diamondbacks haben nun zugeschlagen und sich die Dienste des 31-Jährigen gesichert. Als Gegenleistung schicken sie die beiden Talente Liover Peguero und Brennan Malone sowie 250.000 Dollar ihres Budgets für internationale Spielerverpflichtungen nach Pittsburgh. Beide Teams geben mit diesem Deal ein klares Statement ab: die Diamondbacks, dass sie sich im Win-Now-Modus sehen – dafür sprachen bereits die Verpflichtung von Madison Bumgarner und der Nicht-Trade von Robbie Ray –, und die Pirates, dass sie sich auf ein langfristiges Rebuilding einstellen. Beide Spieler, die sie in dem Trade erhalten, gelten als sehr vielversprechende Prospects, sind aber erst 19 Jahre alt und somit noch ein ganzes Stück von einer Major-League-Karriere entfernt.

Reds holen Castellanos
Die Cincinnati Reds sind eines der am stärksten aufgerüsteten Teams dieser Offseason. Nach Trevor Bauer schon während der vergangenen Saison, Mike Moustakas, Wade Miley und Shogo Akiyama ist Nicholas Castellanos die nächste hochkarätige Neuverpflichtung. Man scheint es ernst zu meinen mit dem Ziel, zum ersten Mal seit sieben Jahren eine Saison mit positiver Bilanz und idealerweise die Playoffs zu erreichen. Der Vertrag mit Castellanos läuft vier Jahre lang mit einer beidseitigen Option auf ein fünftes Jahr. Das garantierte Gehalt beträgt 64 Millionen Dollar, für das optionale fünfte Jahr kämen noch mal 18 Millionen dazu. Zwei Ausstiegsklauseln ermöglichen Castellanos, nach den Saisons 2020 oder 2021 vorzeitig den Vertrag zu beenden.

Weitere Spielerverpflichtungen
Der Free-Agent-Markt ist inzwischen so weit abgegrast, dass jeder Spieler, der jetzt noch keinen MLB-Vertrag für die neue Saison hat – Yasiel Puig ausgenommen –, sich so langsam Sorgen machen beziehungsweise über Alternativen wie ein Minor-League-Engagement nachdenken muss. Folgende Akteure haben solche Sorgen im Laufe der letzten Tage hinter sich gelassen: RP Brandon Kintzler (Miami Marlins, 1 Jahr, 3,25 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Mitch Moreland (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 2-5 Millionen leistungsabhängig), RP David Phelps (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 1,5-3,4 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), OF Steven Souza (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1-3 Millionen), RP Jeremy Jeffress (Cubs, 1 Jahr, 850.000), OF Matt Joyce (Marlins, Vertragsdetails nicht veröffentlicht).

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