Category: Grand Slam

November 26th, 2020 by Silversurger

Von den 20 Top-Free-Agents dieser Offseason haben erst zwei einen neuen Vertrag unterschrieben – Marcus Stroman über das Qualifying Offer bei den Mets und nun Charlie Morton bei den Braves. Auch sonst war in der MLB in der Thanksgiving-Woche nicht allzu viel los. Dafür gibt es einige interessante Baseball-Neuigkeiten aus dem Südosten der Weltkarte, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Braves signen Morton
Den Atlanta Braves waren gegen Ende der Saison 2020 die Pitcher ausgegangen, daher sind sie nun offenbar besonders eifrig dabei, neue Arme ins Team zu bringen. Wobei „neu“ ein sehr relativer Begriff ist, denn nach der letztwöchigen Verpflichtung des 31-jährigen Drew Smyly gaben sie nun den 37-jährigen Charlie Morton als weiteren Neuzugang bekannt. Morton hatte dieses Jahr für die Tampa Bay Rays eine eher mittelmäßige reguläre Saison (4.74 ERA in 38 Innings), spielte aber eine starke Postseason (2.70 ERA, 20 Innings). Die Rays verzichteten darauf, ihn per Vertragsoption für 15 Millionen Dollar ein weiteres Jahr lang an sich zu binden – offenbar in der Hoffnung, sich auf eine Weiterverpflichtung für weniger Geld einigen zu können. Diese Rechnung ging nicht auf, denn bei den Braves bekommt er nun exakt die Summe, die die Rays nicht zahlen wollten.

5 Jahre Vertrag für Hoyer
Wie letzte Woche berichtet, rückt der bisherige General Manager der Chicago Cubs, Jed Hoyer, im Klub eine Ebene höher auf den von Theo Epstein freigemachten Posten des „President of Baseball Operations“. Die Cubs haben die Beförderung inzwischen offiziell bestätigt, verbunden mit einem neuen Fünfjahresvertrag für Hoyer.
Die Bezeichnungen der Funktionen in den Front Offices sind mitunter etwas verwirrend. Hoyer hat jetzt die Hauptverantwortung für die Baseballgeschäfte eines MLB-Klubs und damit im Prinzip denselben Job, den er von 2009 bis 2011 als General Manager der San Diego Padres ausübte. Seine bisherige Funktion in Chicago trug die gleiche Bezeichnung, war aber Epstein untergeordnet. 

Trade zwischen Rockies und Reds
Die Colorado Rockies und die Cincinnati Reds haben sich auf einen Tausch ehemaliger Top-Pitching-Prospects geeinigt. Von Colorado nach Cincinnati wechselt Rechtshänder Jeff Hoffman, begleitet von Minor-League-Pitcher Case Williams. Dafür schicken die Reds Rechtshänder Robert Stephenson sowie Minor-League-Outfielder Jameson Hannah. Hoffman und Stephenson teilen ähnliche Geschichten. Beide sind ehemalige Erstrunden-Draftpicks, die inzwischen ihre Minor-League-Options verbraucht haben, in der MLB aber bislang nicht Fuß fassen konnten. Die Hoffnung ist für beide, dass ein Wechsel der Umgebung ihrer Entwicklung gut tut und ihnen vielleicht doch noch eine Zukunft in den Big Leagues eröffnet.

Fukuoka Hawks viermal hintereinander Meister
Die Finalserie der japanischen Baseball-Meisterschaft war eine klare Angelegenheit: Die Fukuoka Softbank Hawks ließen den Yomiuri Giants mit einem Vier-Spiele-Sweep keine Chance. Eine besonders beeindruckende Performance gelang Matt Moore in Spiel 3 der Serie. Der ehemalige MLB-Pitcher warf sieben No-Hit-Innings, bevor der Bullpen übernahm und erst bei zwei Outs im neunten Inning den einzigen Single der Giants erlaubte. Für die Hawks ist es bereits der vierte Titel in Folge sowie der siebte in den letzten zehn Jahren.

Dinos holen erste KBO-Meisterschaft
In Südkorea endete am Dienstag die Saison der Profiliga KBO mit einem Sieg der NC Dinos in Spiel 6 der Finalserie über die Doosan Bears. Für die in Changwon angesiedelten Dinos ist es der erste Titel ihrer Klubgeschichte. Das riesige Schwert, mit dem sie in unten stehendem Video feiern, ist übrigens nicht die offizielle Trophäe der KBO. Es handelt sich um den Nachbau eines begehrten Items aus einem der Games der Videospielfirma, der das Team gehört.

ABL in neuem Format 
Während auf der Nordhalbkugel nun alle wichtigen Ligen ihre Saison abgeschlossen haben, laufen in Australien die Planungen für die neue Spielzeit auf Hochtouren. Am 18. Dezember soll die ABL den Spielbetrieb aufnehmen, coronabedingt mit einigen Änderungen gegenüber den Vorjahren. Die einschneidendste Neuigkeit ist, dass die Liga sich dieses Jahr wieder rein auf Australien beschränkt. Die beiden Teams aus Südkorea und Neuseeland haben sich zur Vermeidung von Reiseaktivitäten abgemeldet. Die verbleibenden sechs australischen Teams werden einen Spielplan absolvieren, der aus wenigen normalen Heim- und Auswärtsspielen sowie aus zwei jeweils einwöchigen Camps in Adelaide und Brisbane besteht. Bis Ende Januar soll auf diese Weise jedes Team 24 Spiele bestreiten. Das daran anschließende Playoff-Format wird noch ausgearbeitet und bis Saisonstart bekannt gegeben.

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November 19th, 2020 by Silversurger

Von Live-Baseball sind wir zwar weit entfernt, aber in der MLB herrscht in diesem Herbst alles andere als Langeweile. Unter den Neuigkeiten dieser Woche habe ich zum Beispiel die erste weibliche Führungskraft in einem MLB-Klub, den Rücktritt eines populären Funktionärs, sowohl den ersten Dopingfall als auch die erste Tommy-John-Surgery dieser Offseason sowie ganz nebenbei noch die Auszeichnung der besten Spieler der Saison 2020 im Angebot. Was wollt ihr demnächst gerne lesen? Lasst es mich bitte als Kommentar im Wunschkonzert wissen! 

Abreu und Freeman sind die MVPs
Letzte Woche musste ich den Höhepunkt der Award-Verleihungen schuldig bleiben, weil die wertvollsten Spieler erst Donnerstagnacht ausgezeichnet wurden. In beiden Teilen der MLB fiel die Wahl auf einen First Baseman.
In der AL geht der MVP-Titel an Jose Abreu von den Chicago White Sox. Der 33-Jährige füllte die Rolle als erfahrener Führungsspieler des jungen Teams perfekt aus und ging mit einer Slashline von .317/.370/.617 auf dem Weg zur ersten Playoff-Teilnahme seines Klubs seit 2008 voran. Abreu erhielt 21 von 30 möglichen Erststimmen und ließ damit 3B Jose Ramirez (Indians) und 2B DJ LeMahieu (Yankees) klar hinter sich.
Die Wahl der NL entschied Freddie Freeman von den Atlanta Braves für sich. Das ist eine großartige Comebackstory, nachdem Freeman kurz vor Saisonbeginn an Covid-19 erkrankt war, mit durchaus heftigen Symptomen. Doch er kam danach schnell zurück in Form und spielte seine bisher beste Saison (.341/.462/.640) für die Braves, die zum dritten Mal in Folge die NL East gewannen. Mit 28 von 30 Erststimmen war die Wahl mehr als eindeutig. Die anderen beiden Stimmen gingen an OF Mookie Betts (Dodgers). 

Theo Epstein tritt zurück
Der bisherige „President of Baseball Operations“ der Chicago Cubs, Theo Epstein, hat seinen Rücktritt erklärt. Nach neun Jahren in Chicago sieht der 46-Jährige, der sowohl für die Cubs als auch davor für die Boston Red Sox jahrzehntelange Titelträume wahr gemacht hat, die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen. Fans der Phillies und der Mets, die beide gerade passende Stellen anzubieten haben, sollten sich allerdings nicht zu früh die Hände reiben: Laut Jon Morosi von MLB Network neigt Epstein wohl dazu, sich erstmal eine Auszeit von einem Jahr zu gönnen. Epsteins Nachfolge bei den Cubs übernimmt Jed Hoyer, sein bisher engster Mitarbeiter als General Manager.

Kim Ng wird General Mangerin der Marlins
Die Miami Marlins haben eine Nachfolgerin für ihren bisherigen General Manger Michael Hill gefunden, dessen ausgelaufener Vertrag nicht verlängert wurde. Kim Ng wird die erste Frau auf einem hochrangigen Posten eines MLB-Teams und gleichzeitig der erste GM asiatischer Abstammung. Ng ist in dieser Rolle alles andere als ein PR-Stunt; sie ist vielmehr eine langjährige ausgewiesene Fachfrau, die in den letzten Jahren schon bei mehreren GM-Besetzungen im Gespräch war. Die 51-Jährige begann ihre Karriere vor rund 30 Jahren als Praktikantin bei den White Sox, war Assistenz-GM bei den Yankees und den Dodgers, bevor sie 2011 Senior Vice President of Baseball Operations der MLB wurde. Marlins-Owner Derek Jeter, der Ng aus der gemeinsamen Zeit bei den Yankees kennt, baut darauf, dass sie aus dem vielversprechenden jungen Team der Marlins einen dauerhaften Contender macht.

Neuer GM auch bei den Angels
Die Los Angeles Angels haben ebenfalls einen neuen GM ausgewählt. Den Posten des zum Saisonende gefeuerten Billy Eppler erhält Perry Minasian, bislang Assistenz-GM bei den Braves. Angels-Owner Arte Moreno setzt damit nach Tony Reagins, Jerry Dipoto und Eppler erneut auf einen Neuling in der Führungsrolle. Ähnlich wie die neue GM der Marlins, Kim Ng, galt Minasian schon seit einigen Jahren immer wieder als Kandidat, wenn irgendwo in der Liga eine entsprechende Stelle zu vergeben war. Minasian erbt mit den Angels ein Team, dem dank herausragender Einzelspieler wie Mike Trout, Anthony Rendon und Shohei Ohtani regelmäßig eine Favoritenrolle zugedacht wird, die es bisher jedoch nie erfüllen konnte.

Dopingsünder Cano gesperrt
Apropos unerfüllte Erwartungen: Second Baseman Robinson Cano von den New York Mets wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere des Dopings überführt. Getreu den Anti-Doping-Richtlinien der MLB wird er als Wiederholungstäter für 162 Spiele, also die gesamte Saison 2021, gesperrt. Cano war nach seiner ersten Dopingsperre 2018 von den Seattle Mariners zu den Mets getradet worden. Dort hatte er 2019 ein eher schwaches Jahr, doch 2020 gelang dem 38-jährigen Dominikaner ein beeindruckendes Comeback. Dieses erscheint nun unter einem anderen Licht, da es offenbar nur mit Hilfe des synthetischen Steroids Stanozolol zustande kam.
Für die Mets dürfte der Verlust zu verkraften sein: Da Cano während der Sperre keinen Gehaltsanspruch hat, spart der Verein 24 Millionen Dollar, die sich vermutlich besser einsetzen lassen als für einen schummelnden Altstar.

Clevinger verlängert Vertrag und fällt erstmal aus 
Die Saison 2021 wird nicht nur ohne Cano, sondern auch ohne Mike Clevinger stattfinden. Der Starting Pitcher der San Diego Padres musste sich am Dienstag einer Tommy-John-Surgery unterziehen, was üblicherweise mindestens ein Jahr Pause bedeutet. Die Padres hatten Clevinger zur Trade Deadline Ende August von den Cleveland Indians geholt. Dort war er in Ungnade gefallen, nachdem er mit einer privaten Kneipentour die Corona-Auflagen missachtet und dies dem Team verschwiegen hatte. Davon abgesehen hatte er sportlich ein sehr starkes Jahr und war einer der Verantwortlichen für den furiosen Run der Padres in die Playoffs. Kurz vor seiner OP einigten die Padres sich mit ihm auf eine Vertragsverlängerung bis 2022. Clevinger verdient in den beiden Jahren insgesamt 11,5 Millionen Dollar – das schien auf den ersten Blick etwas wenig für einen Spieler seiner Klasse, doch nach der kurz darauf erfolgten Nachricht über seine Verletzung ist klar, dass es sich im Prinzip um das Gehalt für 2022 handelt. 

Braves verpflichten Smyly
Auch die Atlanta Braves vermelden einen Vertragsabschluss: Der linkshändige Starter Drew Smyly wurde für ein Jahr verpflichtet. Er erhält dafür 11 Millionen Dollar. Der 31-Jährige spielte schon bei den Tigers, Rays, Rangers, Phillies und Giants. Seine Leistungen waren meistens solide, er war aber auch oft verletzt und benötigte dann etwas Anlauf, um wieder zu seiner Form zu finden. 2020 brachte er es für die Giants auf einen ERA von 3.45 über 26.1 Innings. Das ist eine relativ kleine Stichprobe, aber für die Braves offenbar genug, um ihm einen recht großzügigen Vertrag anzubieten. 

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November 12th, 2020 by Silversurger

Bevor die Free Agency der MLB richtig in Schwung kommt, werden diese Woche erstmal die wichtigsten Awards für die kürzlich beendete Saison vergeben. Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher wurden in den letzten Tagen schon ausgezeichnet. Heute Nacht werden noch die wertvollsten Spieler des Jahres bekannt gegeben. Hier auf dem Blog könnt übrigens noch bis Montag eure Stimme zum MRI-Award für die dämlichste Verletzung des Jahres abgeben.

Cy-Young-Award für Bieber und Bauer
Die Cy-Young-Awards für die besten Pitcher der Saison ehren dieses Jahr ganz besonders die Werfer-Schmiede der Cleveland Indians: In der National League geht der Award an Trevor Bauer – einst das Ass der Indians, 2020 bei den Cincinnati Reds tätig und derzeit auf Jobsuche. Mit einem ERA von 1.73 über 73 geworfene Innings, darunter zwei Complete-Game-Shutouts, hat Bauer die Reds erstmals seit sieben Jahren in die Playoffs geführt und auch dort – im Gegensatz zum Rest seines Teams – eine Top-Leistung gebracht. Bauer erhielt von den Wahlberechtigten der Baseball Writers Association of America (BBWAA) 27 von 30 Erststimmen. Die anderen drei ersten Plätze gingen an Yu Darvish von den Chicago Cubs.
In der AL bekommt Shane Bieber, sozusagen Bauers Nachfolger in Cleveland, den Cy-Young-Award. Bieber führte die Liga mit 1.63 ERA und 122 Strikeouts in 77.1 Innings an und gewann den Award einstimmig mit 30 von 30 möglichen ersten Plätzen. Zweiter in der Abstimmung wurde Kenta Maeda von den Minnesota Twins.

Williams und Lewis sind Rookies of the Year
Auch bei der Auszeichnung der besten Neulinge gab es in der AL eine einstimmige Entscheidung. Outfielder Kyle Lewis von den Seattle Mariners erhielt alle 30 Erststimmen und verwies damit Luis Robert (Chicago White Sox) und Cristian Javier (Houston Astros) auf die Plätze. Falls sich jemand wundert, warum in dieser Aufzählung die Playoff-Sensation Randy Arozarena von den Tampa Bay Rays fehlt: Die Awards beziehen sich nur auf die reguläre Saison, in der Arozarena zu wenige Einsätze hatte, um ernsthaft auf sich aufmerksam zu machen. Er gilt deswegen auch nächstes Jahr als Rookie und somit schon jetzt als Favorit auf den Award.
In der NL setzte sich Devin Williams von den Milwaukee Brewers, durch; er wurde zuvor auch schon zum Reliever des Jahres gewählt. Mit 0.33 ERA über 27 Innings hatte er eine brillante Saison und schaffte es als erster Pitcher, den Rookie-Award zu gewinnen, ohne einen Start oder einen Save auf dem Konto zu haben. Williams erzielte bei 30 Stimmen 14 erste Plätze. Weitere Erststimmen entfielen auf Alec Bohm (Philadelphia Phillies), Jake Cronenworth (San Diego Padres) und Tony Gonsolin (Los Angeles Dodgers). 

Mattingly und Cash sind die Top-Manager
Die besten Cheftrainer – im Sprachgebrauch der MLB „Manager“ – des Jahres sind beide in Florida tätig. Don Mattingly führte die Miami Marlins zu einer 31-29-Bilanz und damit in ihre erste Playoff-Teilnahme seit 17 Jahren – eine sensationelle Leistung mit einem Team, das als eines der schwächsten der Liga galt und obendrein im Juli einen massiven Corona-Ausbruch wegstecken musste. Eine einstimmige Wahl hätte mich in dem Fall nicht gewundert, doch Mattingly erhielt „nur“ 20 von 30 Erststimmen und tauchte auf zwei Wahlzetteln unter den drei Nennungen überhaupt nicht auf. Auf Platz zwei landete in der NL Jayce Tingler (San Diego Padres).
Kevin Cash führte seine Tampa Bay Rays an die Spitze der AL East und anschließend bis in die World Series. Dass er sich dort den Vorwurf einen Coaching-Fehlers gefallen lassen musste, ändert nichts daran, dass er seit Jahren unfassbar gute Arbeit dabei leistet, mit äußerst bescheidenen finanziellen Mitteln ein jederzeit konkurrenzfähiges Team aufrecht zu erhalten. Nach zwei dritten Plätzen in den beiden letzten Jahren erhielt Cash dieses Mal 22 Erststimmen und verwies Rick Renteria von den White Sox mit deutlichem Abstand auf Platz zwei.

Cora zurück in Boston
Von den erfolgreichsten Managern des Jahres zu einem der erfolglosesten: Die Boston Red Sox hatten bereits unmittelbar nach Saisonende bekannt gegeben, dass sie sich nach nur einem Jahr und einer enttäuschenden Bilanz von 24-36 von Ron Roenicke trennen. Roenicke war kurz vor Saisonbeginn zum Nachfolger von Alex Cora ernannt worden, den man wegen seiner Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Houston Astros entlassen hatte. Inzwischen hat Cora seine Sperre durch die Liga abgesessen und bei den Red Sox hat man sich offenbar der guten Zeiten erinnert, die man mit Cora am Steuerrad hatte. So kristallisierte sich Cora trotz einer Handvoll anderer Interview-Kandidaten schnell zum Favoriten als sein eigener Nachfolger heraus. Seit Freitag ist es offiziell, Cora erhält seine zweite Chance in Form eines Zweijahresvertrages bei den Red Sox. Man darf gespannt sein, was er daraus macht. Das Team, das er übernimmt, dürfte von den Anlagen her weit entfernt sein von der Meistermannschaft aus 2018. 

Mets entlassen Van Wagenen 
Bei den New York Mets hat die Ära des neuen Teambesitzers Steve Cohen offiziell begonnen. Cohens erste Amtshandlungen waren die erwarteten: Sandy Alderson wurde zum Teampräsidenten ernannt, General Manager Brodie Van Wagenen wurde entlassen. Außer Van Wagenen erhielten auch die Assistenten Omar Minaya, Allard Baird und Adam Guttridge sowie der Direktor für Spielerentwicklung Jared Banner ihre Papiere. Das zeigt, dass Cohen es ernst meint mit dem angekündigten strukturellen Umbau, der ein stärker analysezentriertes Regime hervorbringen soll. Alderson erhält weitgehend freie Hand bei der Zusammenstellung des neuen Front Offices. Field Manager Luis Rojas wird seinen Posten, auf den ihn Van Wagenen  vor einem Jahr befördert hatte, voraussichtlich behalten.
Bei seiner Einführungs-Pressekonferenz kündigte der neue Owner an, die Mets als Big-Market-Team führen zu wollen und enttäuscht zu sein, wenn nicht innerhalb von drei bis fünf Jahren eine Meisterschaft herausspringt. Das sind interessante Vorzeichen für die beginnende Free Agency.

Ein paar frühe Signings
Die erste Neuverpflichtung haben die Mets bereits getätigt: SP Marcus Stroman kehrt zurück nach Queens, indem er das Qualifying Offer von 18,9 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag annimmt. Auf die gleiche Art und zu den gleichen Konditionen bleibt den San Francisco Giants SP Kevin Gausman erhalten.
Die anderen Spieler, die ein Qualifying Offer erhalten hatten – Trevor Bauer (Reds), J. T. Realmuto (Phillies), George Springer (Astros) und D. J. LeMahieu (Yankees) – haben das Angebot erwartungsgemäß abgelehnt. Sie streben höherwertige und/oder längere Verträge an und werden sie auch bekommen.
Die beiden ersten „echten“ Free Agents, die vom Markt sind, haben beide bei ihren bisherigen Teams verlängert: SP Robbie Ray bleibt für 8 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei den Toronto Blue Jays, SP Josh Tomlin bekommt von den Atlanta Braves 1,25 Millionen für einen Einjahresvertrag plus Option auf ein zusätzliches Jahr.

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November 5th, 2020 by Silversurger

In den letzten Tagen drehte sich in den USA alles um die Präsidentschaftswahl. Erwartungsgemäß waren Neuigkeiten aus der MLB in dieser Zeit dünn gesät. Drei Teams gaben allerdings am Wochenende wichtige Weichenstellungen für die kommenden Jahre bekannt, die ich euch in diesem Grand Slam am Donnerstag vorstellen möchte.

Cohen als neuer Mets-Owner bestätigt
Der Verkauf der New York Mets an den Hedgefonds-Milliardär Steve Cohen ist nun offiziell. Cohen erwirbt für rund 2,475 Milliarden Dollar 95% der Anteile von der bisherigen Owner-Gruppe um Fred und Jeff Wilpon. Auf dieses Geschäft hatte man sich bereits im August geeinigt, doch es fehlten noch Genehmigungen seitens der Stadt New York sowie seitens der restlichen Team-Eigner der MLB. Beide Zustimmungen sind Ende letzter Woche erfolgt. Die Fans der Mets hoffen, dass mit Cohen eine neue Ära für ihre Franchise anbricht. Im Gegensatz zu den als knauserig bekannten Wilpons wird Cohen deutlich stärker zugetraut, sowohl die Mittel als auch den Willen aufzubringen, massiv und dauerhaft in das Team und die Infrastruktur zu investieren. Erster Punkt auf der To-Do-Liste dürfte der Aufbau eines neuen Front Offices sein: Sandy Alderson wurde bereits als neuer Team-Präsident angekündigt. Ihm sollen sowohl ein President of Baseball Operations als auch ein General Manager zur Seite gestellt werden, der vermutlich nicht Brody Van Wagenen heißen wird. Darüber hinaus beabsichtigt Cohen, die Analsyse-Abteilung der Mets deutlich auszubauen.

La Russa zurück in Chicago
Die Chicago White Sox haben einen neuen Manager. Wie erwartet handelt es sich um einen alten Bekannten: Tony LaRussa nimmt zum zweiten Mal in seiner Karriere die sportlichen Geschicke des Klubs in die Hand. Der heute 76-Jährige hatte seine Managerkarriere 1979 bei den White Sox begonnen und war dort bis zu seiner Entlassung 1986 tätig. Anschließend managte er die Oakland Athletics (1986-1995) und die St. Louis Cardinals (1996-2011) und gewann insgesamt drei World Series. La Russa galt zu seiner Zeit als hervorragender Manager und wurde dafür 2014 in die Hall of Fame aufgenommen. Ob er sich und den White Sox  einen Gefallen damit tut, nach fast zehn Jahren aus dem Ruhestand zurückzukehren und als ältester Manager der Liga einen Draht zu einem ihrer jüngsten Teams zu suchen, wird sich zeigen müssen.

Zweite Chance für Hinch
Mit A. J. Hinch wagt ein weiterer Manager die Rückkehr nach einer Pause. In seinem Fall dauerte die Unterbrechung nur ein Jahr und erfolgte zwangsweise für seine Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Houston Astros. Hinch gilt weder als Drahtzieher noch als Förderer der illegalen Vorgänge bei den Astros, wusste aber nach Einschätzung der MLB Bescheid und unternahm nichts dagegen. Nachdem er seine Strafe dafür abgesessen hat, handelten die Detroit Tigers sehr schnell, um sich seine Dienste als Nachfolger für den in Ruhestand getretenen Ron Gardenhire zu sichern. Das zügige Handeln dürfte klug von den Tigers gewesen sein, denn Hinch hat – von dem Skandal abgesehen – in seiner Zeit in Houston (2015-2019) großartige Arbeit geleistet und galt in dieser Offseason als heißer Kandidat für jedes Team mit offener Managerstelle.

Bauer lehnt Qualifying Offer ab
Von den sechs Spielern, die von ihren bisherigen Vereinen ein sogenanntes Qualifying Offer über 18,9 Millionen Dollar für eine Vertragsverlängerung von einem Jahr erhalten haben, hat Trevor Bauer als erster eine Entscheidung bekannt gegeben: Das Pitching-Ass der Cincinnati Reds lehnt das Angebot ab. Das ist keine Überraschung, denn es ist völlig klar, dass Bauer nach seiner herausragenden Saison einen höher dotierten Vertrag erhalten wird, sei es in Cincinnati oder woanders. Das Qualifying Offer war in seinem Fall nur ein formaler Vorgang, damit die Reds im Falle seines Abgangs eine Kompensation in Form von Draftpicks verlangen können. Für J. T. Realmuto (Phillies), George Springer (Astros) und D. J. LeMahieu (Yankees) ist die Situation ähnlich, auch sie werden das Offer sicher ablehnen. Die beiden einzigen Kandidaten, die es möglicherweise annehmen werden, sind die Pitcher Marcus Stroman (Mets) und Kevin Gausman (Giants). Die Spieler müssen ihre Entscheidung bis kommenden Mittwoch treffen.

Die Pirates lassen Archer ziehen
Die Pittsburgh Pirates haben entschieden, eine Verlängerungsoption im Vertrag von Chris Archer über 11 Millionen Dollar nicht zu ziehen. Archer ist damit Free Agent und endgültig Teil eines der unrühmlichsten Trades in der Geschichte der Pirates. Für ihn schickten die Pirates 2018 während der Saison Tyler Glasnow, Austin Meadows und das Talent Shane Baz zu den Tampa Bay Rays. Während bei den Rays Glasnow und Meadows umgehend zu Leistungsträgern wurden und Baz sich im Farmsystem auf die Profikarriere vorbereitet, war der vermeintliche Top-Einkauf Archer in Pittsburgh zu jeder Zeit eine herbe Enttäuschung. Der 32-Jährige brachte es 2019 auf 23 Starts mit 119.2 Innings und 5.19 ERA. 2020 musste er aussetzen nach einer Operation zur Behandlung des unter Pitchern gefürchteten Thoracic Outlet Syndromes. Man kann dem einstigen Top-Talent nur wünschen, dass ihm der Erfolg der OP und die Luftveränderung bei einem neuen Team helfen, seine Karriere zurück in eine erfolgreichere Spur zu bringen.

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Oktober 29th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison 2020 ist Geschichte. In den Los Angeles Dodgers hat sie einen würdigen und verdienten Champion gefunden, der die Tampa Bay Rays in einer mitreißenden Finalserie mit 4:2 besiegte. 

Was wird hängen bleiben von dieser World Series? Vermutlich vor allem die Entscheidung von Rays-Manager Kevin Cash in Spiel sechs, seinen bis dahin überragenden Starter Blake Snell früh auszuwechseln – die Dodgers drehten direkt im Anschluss daran das Spiel zu ihren Gunsten. In Erinnerung bleiben sicher auch die starken Schlagleistungen von World-Series-MVP Corey Seager und von Tampas Rookie-Sensation Randy Arozarena sowie das verrückte Comeback der Rays in Spiel vier.

Die World Championship 2020 wird für immer eine kleine Fußnote tragen, weil sie wegen der Coronapandemie „nur“ eine verkürzte Saison krönt. Das soll die Leistung der Dodgers aber in keiner Weise schmälern – überzeugender als sie kann man weder die reguläre Saison noch die Playoffs dominieren. Apropos Corona: Die Pandemie hat die MLB-Postseason glücklicherweise weitgehend verschont. Quasi in letzter Sekunde holte sie sich dann aber doch wieder einen Platz in den Schlagzeilen. Justin Turner wurde nach dem siebten Inning ausgewechselt, weil während des Spiels ein Testergebnis eintraf, dass ihn als Covid-19-positiv auswies. Warum Turner erst nach sieben Innings raus musste, obwohl die MLB das Ergebnis wohl schon im zweiten Inning kannte, warum es nicht schon vor dem Spiel vorlag und vor allem warum Turner nach dem Spiel seine Mitspieler umarmen und für Fotos posieren durfte, wird wohl noch für einige Zeit Diskussionsstoff bieten.

Der Vollständigkeit halber noch ein kurzer Rückblick auf das letzte Spiel in der Form, wie ich ihn schon zu den Spielen 1 und 2 bzw. 3 bis 5 geschrieben hatte:

World Series, Spiel 6
Die Rays gingen als Favorit in diese Partie, weil das Pitching-Matchup klar für sie zu sprechen schien: Sie schickten Blake Snell ins Rennen gegen Tony Gonsolin, von dem klar war, dass er nicht mehr als der Opener eines Bullpen-Spiels der Dodgers sein würde. Tatsächlich übernahmen die Rays schon im ersten Inning die Führung durch einen Solo-Homerun von Randy Arozarena. Der Rookie baute seine Postseason-Rekorde damit auf 10 Homeruns und 29 Hits aus. Für die Dodgers hingegen erwies sich Snell als nahezu unhitbar. Der Starter der Rays brachte es auf 9 Strikeouts in 5.1 Innings, ließ kaum harten Kontakt zwischen Ball und Schläger zu und wurde dennoch nach dem zweiten Hit der Dodgers – einem soften Linedrive von Austin Barnes – nach nur 73 Pitches ausgewechselt. Das war vermutlich der Fehler des Jahres von Tampas Manager Kevin Cash, denn der eingewechselte Reliever Nick Anderson ließ direkt ein Double von Mookie Betts zu, ließ Barnes bei einem Wild Pitch scoren und Betts bei einem Fielder’s Choice von Seager. Schon stand es 2:1 für die Dodgers; eine Führung, die sie nicht mehr hergaben und im achten Inning per Homerun von Betts zum 3:1-Endstand ausbauten.

Szene der Woche
Was soll ich groß sagen, die Szene der Woche war natürlich der Triumph der Dodgers in der World Series. Zum Genießen für alle Fans und Freunde der Dodgers gibt es hier den entscheidenden Moment aus sechs verschiedenen Perspektiven mit ebenso vielen verschiedenen Kommentaren:

Statistik der Woche
62,9%. Das ist der Anteil der Spiele, die die Dodgers in den letzten vier Jahren gewonnen haben. Das macht sie nicht nur zum besten Team dieser vier Jahre, sondern auch zum besten in einem beliebigen Vierjahreszeitraum der Wild-Card-Ära (seit 1995). Auf Platz zwei dieser Statistik liegen die Yankees mit 62,8% in den Jahren 1996-1999. Die gewannen in diesem Zeitraum übrigens drei World Series. 

So geht es weiter
Die MLB befindet sich seit gestern offiziell in der Offseason und damit in der Vorbereitung auf eine hoffentlich einigermaßen normale Saison 2021. Große Themen der nächsten Monate – neben der Entwicklung der Pandemie – werden die Suchen der Boston Red Sox, der Chicago White Sox und der Detroit Tigers nach neuen Managern sein. Bei den Mets steht ein noch deutlich wichtigerer Wechsel an: Der Milliardär Steven Cohen will den Klub von Fred und Jeff Wilpon kaufen und benötigt dafür die Zustimmung von 23 der 29 anderen MLB-Teambesitzer.

Die Free Agency, also der Zeitraum, in dem Spieler ohne Vertrag bei einem neuen Klub unterschreiben können, beginnt am kommenden Montag, fünf Tage nach Ende der World Series. Bis Sonntag haben die Vereine Zeit, Verlängerungs- oder Kündigungsoptionen in bestehenden Verträgen zu ziehen und unter bestimmten Bedingungen Qualifying Offers an Spieler mit auslaufenden Kontrakten auszusprechen.

In der Woche ab dem 9. November werden die vier wichtigsten Awards der MLB für die Saison 2020 bekannt gegeben: die Rookies of the Year, die Managers of the Year, die Cy-Young-Awards und die Most Valuable Players, jeweils getrennt für die National League und die American League.

Der Baseblog wird euch wie gewohnt durch die Offseason begleiten, unter anderem mit wöchentlichen Updates zu aktuellen Entwicklungen im Grand Slam am Donnerstag. Hinzu kommen traditionelle Events wie das Baseblog-Wunschkonzert, die Wahl zur Most Ridiculous Injury (MRI-Award), Statusberichte zur Free Agency und auch wieder eine oder zwei Artikelserien zu einem Schwerpunktthema – lasst euch überraschen und schaut bitte weiterhin regelmäßig rein!

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Oktober 22nd, 2020 by Silversurger

Die World Series ist wieder komplett offen: Nachdem die Los Angeles Dodgers am Dienstag den ersten Sieg vorgelegt hatten, ging Spiel zwei letzte Nacht an die Tampa Bay Rays. Heute legt die Serie ihren ersten – und vielleicht einzigen – Pausentag ein. Stattdessen steht als Alternative das Matchup Trump vs. Biden an, falls euch die Nachtschicht schon in Fleisch und Blut übergangen ist oder ihr vergessen habt, nach dem letzten Spiel den Wecker auszustellen.

World Series, Spiel eins
Die Auftaktpartie war eine beeindruckende Präsentation, wie sehr die Dodgers mit der Verpflichtung von Mookie Betts ihre Chancen auf den lang ersehnten Titel gesteigert haben. Zwei Hits inklusive Homerun, ein Walk, zwei gestohlene Bases, zwei Runs – so ein Gesamtpaket an Offensivleistungen war vor Betts noch nie einem Spieler in einem World-Series-Spiel gelungen. Die Teamkameraden ließen ihn mit seiner überragenden Leistung nicht allein, insgesamt brachten es die Dodgers auf acht Runs. Sechs davon gingen, aus Sicht der Rays betrachtet, auf das Konto von Starter Tyler Glasnow. Er verlor nach drei gewohnt starken Innnings im vierten und fünften Durchgang den Faden, walkte insgesamt sechs Batter und hinterließ seinem Team kaum eine Chance, das Spiel noch zu drehen. Zumal sein Gegenüber Clayton Kershaw keine Spur von der ihm zugeschriebenen Playoff-Schwäche zeigte. Er ließ in sechs Innings nur zwei Hits und einen Run zu, schickte acht Schlagmänner per Strikeout zurück in den Dugout. Nachdem Kershaw Feierabend hatte, ließen die Rays mit zwei Runs im siebten Inning ein kurzes Lebenszeichen aufflackern, doch letztlich brachten die Dodgers die Partie souverän mit 8:3 nach Hause und konnten sogar ihre Top-Reliever auf der Bank lassen.

World Series, Spiel 2
Die Reliever brauchten die Dodgers umso mehr in Spiel zwei, denn sie verzichteten auf einen echten Starter und ließen den Bullpen die gesamte Partie bestreiten. Die Taktik ging nicht auf. Schon im ersten Inning gab Tampas Second Baseman Brandon Lowe mit dem ersten von zwei Homeruns den Rhythmus für eine gegenüber Spiel eins stark verbesserte Rays-Offensive vor. Zur Mitte des fünften Innings führten die Rays bereits 5:0, während die Dodgers gegen den bis dahin überragenden Blake Snell noch keinen einzigen Hit zustande bekommen hatten. Chris Taylor brach dann zwar den Bann, und außer ihm erzielten auch Will Smith und Corey Seager noch Homeruns für die Dodgers, doch das Aufbäumen reichte nicht aus, um die 4:6-Niederlage zu verhindern.

So geht es weiter
Freitagnacht ab 2:08 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die Serie mit Spiel drei fortgesetzt. Als Starting Pitcher werden Walker Buehler für Los Angeles und Charlie Morton für Tampa Bay antreten. Samstag und Sonntag folgen zur selben Uhrzeit die Spiele vier und fünf. Falls dann noch keine Entscheidung gefallen ist, gibt es einen weiteren Pausentag, bevor es Dienstagnacht um 1:08 unserer Zeit in Spiel sechs geht.

Zur Freude aller Baseballfans ohne ein Abo von mlb.tv oder DAZN werden die Spiele der World Series zumindest teilweise bei Sport1 als kostenloser Livestream gesendet. Hier ist der Link zum Stream von Spiel drei.

Szene der Woche
Vielleicht habt ihr erwartet, dass ich hier den sensationellen Catch von Mookie Betts aus Spiel 7 der NLCS abfeiere. Der war zweifellos großartig, aber der Catch von Lin Che-Hsuan in Verbindung mit der anschließenden schauspielerischen Glanzleistung in der taiwanesischen CPBL war noch ein Stück großartiger:

Statistik der Woche
22. So viele Hits hat der Rookie-Outfielder Randy Arozarena in der laufenden Postseason schon erzielt. Er hat damit einen Rekord eingestellt, den Derek Jeter 1996 aufgestellt hatte. Jeter wurde damals nach der Saison zum Rookie of the Year gewählt. Diese Ehre wird Arozarena vorerst versagt bleiben, da er erst spät in der Saison in den MLB-Kader der Rays hochgerückt ist. Dadurch gilt er aber auch nächstes Jahr noch als Rookie und hat somit alle Chancen, sich den Award für 2021 zu sichern.

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Oktober 15th, 2020 by Silversurger

2020 ist kein schönes Jahr. Dafür bedarf es schon lange keiner weiteren Beweise, nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der zahlreichen in diesem Jahr verstorbenen MLB-Legenden. Unter anderem von Tom Seaver, Lou Brock, Al Kaline und Bob Gibson mussten wir schon Abschied nehmen, in dieser Woche kamen zwei weitere Hall of Famer hinzu: Der legendäre Pitcher Whitey Ford starb letzten Donnerstag im Alter von 91 Jahren, während er ein Playoff-Spiel seiner Yankees sah. Joe Morgan, einer der besten Second Basemen aller Zeiten unter anderem für die Astros und die Reds, erlag am Sonntag mit 77 einem Nervenleiden. 

Abschied nehmen heißt es, zum Glück nur in beruflicher Hinsicht, auch für Rick Renteria als Manager der Chicago White Sox. Die Trennung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen. Als Favorit für die Nachfolge gilt Tony La Russa, der den Job schon von 1979 bis 1986 hatte. 

Einen erschreckenden Vorfall gab es Sonntagnacht in San Diego: Tommy Pham, Outfielder der Padres, wurde vor einem Stripclub Opfer eines Messerangriffs durch bislang unbekannte Täter. Die Verletzung, die Pham am unteren Rücken erlitt, ist zum Glück nicht lebensbedrohlich. Er kann wohl schon bald wieder ins normale Offseason-Training einsteigen. 

American League Championship Series
Jetzt aber endlich zum Sport. Die ALCS wäre um ein Haar schon nach der Mindestzahl von vier Spielen vorbei gewesen. Drei Spiele hintereinander sicherten sich die Tampa Bay Rays, bevor in der vierten Partie knapp mit 4:3 erstmals die Houston Astros die Oberhand behielten. In der Best-of-7-Serie steht es somit 3-1, was für die Rays noch zwei alleinige Matchbälle bedeutet, während die Astros nur mit drei weitere Siegen hintereinander in die World Series einziehen würden. 

National League ChampionshipSeries
Auch in der NLCS brachte sich ein Team in eine starke Ausgangsposition, indem die ersten beiden Spiele gewonnen wurden. Überraschenderweise waren das die Atlanta Braves und nicht die hoch favorisierten Los Angeles Dodgers. Die Braves behielten bis gestern Nacht eine saubere Weste in den Playoffs mit einer Bilanz von sieben Siegen und null Niederlagen. Dann allerdings brachen im dritten Spiel alle Dämme (siehe „Spiel der Woche“). Ob das ein einmaliger Ausrutscher für die Braves war oder der entscheidende Umschwung zu Gunsten der Dodgers, werden die nächsten Tage oder eher die nächsten Nächte zeigen. 

Szene der Woche
Auf kaum ein Team traf je der Spruch „der Star ist die Mannschaft“ mehr zu als auf die Tampa Bay Rays. Nahezu jedes Spiel, das sie gewinnen, hat einen neuen Helden. Am Montag war es Manuel Margot, der mit gleich zwei aufsehenerregenden Szenen den Sieg über die Astros auf den Weg brachte: zuerst mit einem 3-Run-Homerun im ersten Inning, dann mit einem spektakulären Catch im zweiten Durchgang. 

Statistik der Woche 
3. So viele Starts hat Atlantas Rookie-Pitcher Ian Anderson in den Playoffs bisher absolviert und noch keinen einzigen gegnerischen Run zugelassen. Der 22-Jährige ist der erste Pitcher, dem dies in den ersten drei Postseason-Spielen seiner Karriere von je mindestens vier Innings gelang seit Christy Mathewson im Jahr 1905. 

Spiel der Woche
Nach zwei Niederlagen gegen die Braves waren die Dodgers gestern wild entschlossen, sich nicht sang- und klanglos aus den Playoffs zu verabschieden. Das machten sie sehr früher sehr eindrucksvoll klar. Noch bevor Atlanta auch nur einen Batter an die Platte schicken konnte, führten die Dodgers bereits 11:0. Elf Runs sind ein neuer Rekord für die meisten Runs, die jemals ein Team in einem einzelnen Inning eines Playoff-Spiels erzielt hat. Danach ließen sie es ruhiger angehen, legten in den beiden folgenden Innings noch vier Runs nach und brachten die Partie am Ende 15:3 nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Bald ist es vorbei mit Live-Baseball für dieses Jahr und jedes verbleibende Spiel hat eine große Bedeutung auf dem Weg zur World Championship. Lasst euch also möglichst wenige Partien entgehen. Je nachdem, wie die Conference Championships weiter verlaufen, dauern diese noch bis Freitag, Samstag oder gar Sonntag. Am Dienstag beginnt dann die World Series 2020. Die genaue Startzeit wurde noch nicht bekannt gegeben, sie lag in den vergangenen Jahren immer bei ungefähr 2 Uhr nachts nach mitteleuropäischer Zeit. 

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Oktober 8th, 2020 by Silversurger

Hochspannung in den MLB-Playoffs: Noch keines der Divisional-Duelle ist entschieden, aber in allen vier Serien kann es  schon heute soweit sein. Vor der Zusammenfassung des sportlichen Geschehens der letzten Tage noch kurz zwei Neuigkeiten von außerhalb der Playoff-Bubble: Neben den Los Angeles Angels sind nun auch die Philadelphia Phillies auf der Suche nach einem neuen General Manager. Matt Klentak hat nach fünf weitgehend erfolglosen Jahren – ohne Winning Season, ohne Playoff- Teilnahme – seinen Rücktritt erklärt. Und auch bei den Cincinnati Reds ist eine Stelle offen: Dick Williams hat gestern erklärt, seinen Posten als „President of Baseball Operations“ abgeben zu wollen. 

National League
Da in den NLDS-Duellen erst je zwei Spiele absolviert wurden, konnte noch keine der Best-of-5-Serien entschieden werden. Allerdings stehen sowohl die Atlanta Braves als auch die Los Angeles Dodgers mit einem Bein in der nächsten Runde. 

Die Braves haben die ersten Spiele gegen die Miami Marlins 9:5 und 2:0 gewonnen. Wie schon in der Wild-Card-Runde gegen die Cincinnati Reds überzeugen die Braves bislang vor allem mit starkem Pitching, ihrer ursprünglich angenommenen Schwachstelle. Die Braves haben nun drei Matchbälle für den letzten nötigen Sieg, um in die Championship-Serie der NL einzuziehen. 

Dasselbe gilt für die Dodgers, die mit 5:1 und 6:5 beide Partien gegen die San Diego Padres für sich entschieden haben. Im ersten Spiel war Geduld gefragt, denn die Dodgers blieben fünf Innings ohne Hit und lagen 0:1 zurück, bevor im sechsten Durchgang der Knoten platzte und sie gleich vier Runs aufs Scoreboard brachten. Auch im zweiten Spiel überkamen sie einen frühen Rückstand und wehrten im neunten Inning ein Comeback des Gegners ab, um sich die vielversprechende Ausgangslage vor Spiel drei zu sichern. 

American League
In der AL gibt es nach drei Spielen ebenfalls noch keine Entscheidung. Nah dran waren die Houston Astros, die mit 10:5 und 5:2 die ersten Spiele gegen die Oakland Athletics gewannen. In der dritte Partie nahmen sie den Athletics zweimal die Führung ab, mussten sich am Ende aber doch geschlagen geben (siehe „Spiel der Woche“). 

Die New York Yankees landeten mit 9:3 den ersten Erfolg in der Serie gegen die Tampa Bay Rays, doch die Spiele zwei und drei gingen mit 7:5 und 8:4 an den Gegner. War vor der Serie noch die Frage, ob das formidable Pitching der Rays die Homerun-Power der Yankees unter Kontrolle halten kann, so sieht es nun eher danach aus, dass die Rays die Yankees mit deren eigenen Waffen schlagen: Vier Homeruns am Dienstag, drei Homeruns am Mittwoch waren der maßgebliche Faktor, dass die Rays nur noch einen Sieg vom Einzug in die Championship-Serie entfernt sind.

Szene der Woche
Der Endstand von 9:3 für die Yankees klingt nach einer klaren Angelegenheit, aber tatsächlich war die Partie gegen die Rays am Montag ein enorm spannendes Spiel mit mehreren Führungswechseln. Die Entscheidung zugunsten der Bronx-Bomber brachte erst der Paukenschlag im neunten Inning, der folgende Grand Slam von Giancarlo Stanton. Als Szene der Woche steht er auch stellvertretend für insgesamt sechs Homeruns durch Stanton in den bisherigen fünf Playoff-Spielen. 

Statistik der Woche 
18. Das ist die gleiche Zahl wie letzte Woche an dieser Stelle, aber eine ganz andere Statistik: 18 Strikeouts erzielten die Pitcher der Rays am Dienstag beim 7:5 gegen die Yankees und stellten damit einen neuen Rekord für 9-Inning-Playoffspiele auf. 10 davon gingen auf das Konto von Starter Tyler Glasnow, der die ersten fünf Innings pitchte.

Spiel der Woche
Das offizielle Homerun-Derby der MLB musste dieses Jahr coronabedingt ausfallen, aber die Oakland Athletics und die Houston Astros taten gestern alles, um die Fans von weiten Schlägen für den Verlust zu entschädigen. Siebenmal ging der Ball in der heiß umkämpften Partie über den Zaun. Entscheidend waren am Ende ironischerweise zwei Bälle, die zwar etwas zu kurz gerieten, jedoch als Sacrifice-Flys den Athletics die Runs zum 8:7 und 9:7 brachten. 

Mein Einschalttipp
Die MLB-Saison ist längst in der Phase angelangt, in der jedes Spiel, das sich zeitlich und vom Schlafbedarf her einrichten lässt, Pflichtprogramm ist. Das gilt erst recht für die Baseball-Bundesliga, in der an den beiden kommenden Wochenenden das Finale um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Bonn Capitals und den Heidenheim Heideköpfen ansteht. Am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 14 Uhr gibt es vermutlich zum letzten Mal in diesem Jahr die Chance, deutschen Spitzenbaseball per Livestream zu verfolgen. Die Partien aus Bonn werden wie üblich auf sportdeutschland.tv gesendet. Die weiteren Spiele der Best-of-5-Serie finden am folgenden Wochenende in Heidenheim statt, von wo es leider in der Regel keine Liveübertragung gibt. 

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Oktober 1st, 2020 by Silversurger

Die Baseball-Nacht des Jahres liegt hinter uns: Acht Playoff-Spiele an einem Tag hatte es noch nie gegeben und wird es auch auf absehbare Zeit nicht mehr geben. Denn in der American League sind bereits drei von vier Duellen der Wild-Card-Runde entschieden. Somit müssen heute nur die Oakland Athletics und die Chicago White Sox zum entscheidenden dritten Spiel antreten, während in den Serien der National League Spiel zwei ansteht.

In den Teams, die sich nicht für die Postseason qualifizieren konnten, werden derweil schon erste Weichen für das kommende Jahr gestellt: Die Boston Red Sox trennen sich nach nur einem Jahr von Manager Ron Roenicke, die Los Angeles Angels entlassen General Manager Billy Eppler. Auch bei den New York Mets steht die Ablösung von GM Brodie van Wagenen so gut wie fest, sobald der Verkauf der Franchise an Steve Cohen offiziell ist. Zwei langjährige und beliebte MLB-Spieler werden wir nicht mehr auf dem Spielfeld sehen: Hunter Pence (Giants) und Alex Gordon (Royals) haben das Ende ihrer Karrieren verkündet. 

American League
Die erste Divisional-Serie der AL steht bereits fest. Die Tampa Bay Rays treffen ab Montag in einer Best-of-5-Serie auf die New York Yankees. Die Rays entledigten sich ihrer Wild-Card-Aufgabe gegen die Toronto Blue Jays souverän mit 3:1 und 8:2. Souverän waren auch die Yankees in Spiel 1 gegen die Cleveland Indians. Sie verschafften Cy-Young-Kandidat Shane Bieber einen rabenschwarzen Tag und gewannen das Spiel 12:3. Die zweite Partie war deutlich spannender, doch nach Comebacks im vierten und im neunten Inning behielten die Yankees auch hier die Oberhand und sicherten sich mit einem 10:9 den Sweep über die Indians. Die Serie zwischen den Rays und den Yankees wird in San Diego stattfinden.

Für die andere Divisional-Serie haben sich als erstes Team die Houston Astros qualifiziert. Das ist die erste große Überraschung dieser Playoffs, denn mit ihrer negativen Saisonbilanz (29-31) und als Auswärtsteam reisten die Astros als klarer Außenseiter nach Minnesota. Doch die Twins konnten ihre Playoff-Schwäche (siehe „Statistik der Woche“) nicht ablegen, während die Astros routiniert ihre Postseason-Erfahrung ausspielten und die Partien mit 4:1 und 3:1 nach Hause brachten.

Der Gegner der Astros in der ALDS in Dodger Stadium werden entweder die Oakland Athletics oder die Chicago White Sox sein. Die beiden Teams haben sich als bisher einzige die Siege in den Spielen eins und zwei geteilt. Beim 4:1-Sieg der White Sox feuerte Lucas Giolito sechs perfekte Innings, bevor er im siebten Durchgang den ersten Hit und im achten den einzigen Run abgab. Tags darauf kam die Offense der Athletics schneller und besser ins Spiel. Die Aufholjagd der White Sox kam zu spät und endete mit einer 3:5-Niederlage.  

National League
Die NL hatte letzte Nacht ihren ersten Wild-Card-Spieltag, daher konnte logischerweise noch keine der Best-of-3-Serien entschieden werden. Die Los Angeles Dodgers wurden im ersten Spiel ihrer Favoritenrolle gerecht und schlugen die Milwaukee Brewers 4:2. Der Sieger dieses Duells trifft in der nächsten Runde in Arlington auf San Diego oder St. Louis. St. Louis setzte sich etwas überraschend im ersten Spiel mit 7:4 durch. Den Padres könnten Pitching-Probleme zum Verhängnis werden: Die Asse Dinelson Lamet und Mike Clevinger sind verletzt und Chris Paddack erwischte gestern einen richtig miesen Tag, was nicht nur die Niederlage, sondern auch viel Arbeit für den Bullpen verursachte.

Die spannendste Partie der bisherigen Playoffs war eindeutig die erste Begegnung zwischen den Atlanta Braves und den Cincinnati Reds. Mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Einen veritablen Upset gab es in Chicago, wo den Miami Marlins ein einziges starkes Offensiv-Inning reichte, um beim 5:1 gegen die Cubs das neueste Kapitel ihrer Cinderella-Story zu schreiben. Die Gewinner der beiden Serien treffen ab Dienstag zur NLDS in Houston aufeinander. 

Szene der Woche
Wir sind zwar schon mitten in der Postseason, aber das Triple Play der Brewers vom letzten Tag der regulären Saison möchte ich euch nicht vorenthalten:

Statistik der Woche 
18. So viele Playoff-Spiele haben die Minnesota Twins nun hintereinander verloren. Der traurige Rekord reicht zurück bis in die ALDS 2004, in der die Twins die Spiele zwei bis vier gegen die Yankees abgaben. Es folgten ein 0-3-Sweep gegen die Athletics 2006 und dann 2009, 2010, 2017 und 2019 immer wieder Niederlagen gegen die Yankees. Entsprechend groß war die Begeisterung, dass es dieses Jahr in Runde 1 endlich mal nicht gegen die Yankees ging, doch auch gegen die Astros war für das Team von Max Kepler nichts zu holen.

Spiel der Woche
Alle Freunde des gepflegten Defensivspiels, die am Dienstag von Bieber vs. Cole enttäuscht wurden, folgte die Entschädigung einen Tag später in Form einer epischen Pitchingschlacht zwischen Max Fried und Trevor Bauer sowie den jeweiligen Bullpens der Atlanta Braves und der Cincinnati Reds. Es war das erste Playoffspiel seit 1997, das mit 0:0 in die Verlängerung ging, und es war das erste überhaupt, bei dem auch nach elf und zwölf Innings keine Runs auf dem Scoreboard auftauchten. Erst in der unteren Hälfte des 13. Innings gelang den Braves bei einem Single von Freddie Freeman der erste Zähler und damit der Walk-Off-Sieg. Noch ein Rekord: 37 Strikeouts von beiden Teams zusammen hatte es in einem Playoffspiel bisher nie gegeben.

Mein Einschalttipp
In den Playoffs ist natürlich jedes Spiel ein Einschalttipp, aber heute lege ich euch ganz besonders die Partie der Oakland Athletics gegen die Chicago White Sox ans Herz. Zur besten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr beginnt das entscheidende dritte Spiel um den Einzug in die ALDS. 

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September 24th, 2020 by Silversurger

Nur noch drei bis fünf Spiele je Team, dann ist die MLB-Saison des Corona-Jahres 2020 Geschichte. Vor allem in der National League steht noch ein aufregendes Wochenende bevor, denn das Playoffrennen gestaltet sich auf der Schlussgeraden extrem spannend. Nach nur einem Tag Pause geht es am Dienstag schon los mit der Wild-Card-Runde, in der dieses Jahr alle 16 qualifizierten Teams in Best-of-3-Serien antreten müssen.   

National League
Den ersten Platz in der NL West sowie in der Setzliste der NL haben sich die Los Angeles Dodgers (39-17) bereits fest gesichert. Auch die Atlanta Braves (34-22), die Chicago Cubs (32-24) und die San Diego Padres (34-22) haben das Playoffticket in der Tasche und werden in der Wild-Card-Runde Heimrecht genießen.

Ein Hauen und Stechen gibt es am Schlusswochenende um die Playoffplätze fünf bis acht. Sechs Teams machen sich noch berechtigte Hoffnungen. Sie alle liegen zurzeit höchstens einen Sieg über oder unter einer ausgeglichenen Bilanz und damit extrem eng beieinander. Zu vergeben sind zum einen noch die zweiten Plätze in der NL East und in der NL Central. Diese gingen derzeit an die Miami Marlins (28-28) und an die St. Louis Cardinals (27-26). Hinzu kommen die beiden Wild-Card-Plätze, die momentan die San Francisco Giants (28-27) und die Cincinnati Reds (29-28) belegen. In die Röhre schauen würden aktuell die Philadelphia Phillies (28-29) und die Milwaukee Brewers (27-28).

Im Restprogramm dieser Teams sticht vor allem die Serie zwischen den Cardinals und den Brewers ins Auge. Fünf Spiele haben die beiden Teams noch gegeneinander zu absolvieren und können somit jeweils aus eigener Kraft die Qualifikation für die Postseason klar machen. Falls sie sich die Siege teilen, freuen sich womöglich die Reds – sofern sie selbst ihre Hausaufgaben in den drei Spielen in Minnesota machen.

Das Überraschungsteam schlechthin in diesem Jahr sind die Marlins, doch ihnen drohen auf den letzten Metern die Felle davonzuschwimmen: Nach vier Niederlagen in Folge haben sie plötzlich nur noch ein halbes Spiel Vorsprung auf die Phillies. Ein weiteres Spiel bei den Braves und zum Abschluss drei bei den Yankees klingen nicht gerade nach einem vielversprechenden Finnish für die Marlins. Allerdings haben es die Phillies, die dreimal bei den Rays antreten müssen, auch nicht einfacher.

Bleiben noch die Giants, die heute noch mal gegen die Rockies und dann viermal gegen die Padres antreten. Auch das ist kein leichtes Restprogramm, aber im Gesamtbild erscheint es mir recht wahrscheinlich, dass wir die Giants nächste Woche in den Playoffs sehen.

Wichtig zu wissen ist noch, dass es – anders als in normalen Jahren – keine kurzfristig angesetzten Tiebreaker-Spiele gibt, wenn zwei oder mehr Teams den Kampf um die Playoffs mit identischer Bilanz abschließen. In einem solchen Fall wird zuerst der direkte Vergleich zwischen den Teams herangezogen; wenn es keinen gibt oder er ebenfalls unentschieden steht, werden als nächstes die Bilanzen innerhalb der Division herangezogen, dann die Bilanz der letzten 20 Spiele und falls nötig die der letzten 21, 22 usw. bis eine Entscheidung da ist.

American League
In der AL sind fast alle Entscheidungen gefallen. Dass sich noch Änderungen am seit Wochen absehbaren Playoff-Bild ergeben, ist kaum mehr als eine theoretische Möglichkeit. 

Die AL East geht hieb- und stichfest an die Tampa Bay Rays (37-20), der zweite Platz an die New York Yankees (32-24). Die Toronto Blue Jays (29-27) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit per Wild-Card ebenfalls in den Playoffs. Dort müssen sie auf ihren Closer Ken Giles verzichten, der am Montag – ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag – erfuhr, dass er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen muss. Als Achter der Setzliste werden die Blue Jays in der Wild-Card-Runde zur Nummer eins der AL reisen, also entweder zu den Rays oder den Athletics.

In der AL Central machen die Minnesota Twins (35-22) und die Chicago White Sox (34-22) die Plätze eins und zwei per Fernduell unter sich aus. Der Verlierer dieses Duells muss in den Playoffs voraussichtlich gegen die Yankees ran, während der Gewinner es mit den Astros zu tun bekommt. Die Cleveland Indians (32-24) werden wohl nicht über Platz drei in der Division hinauskommen, haben aber zumindest über die Wild-Card die Playoff-Teilnahme schon sicher. Nach einer Schwächephase in der vorletzten Woche scheinen die Indians gerade rechtzeitig wieder ihren Schwung gefunden zu haben, um in der K.O.-Runde erhobenen Hauptes nach Oakland oder Tampa Bay zu reisen.

Die Oakland Athletics (34-21) gewinnen die AL West mit großem Abstand. Für sie ist nur noch offen, ob es am Ende Platz eins oder zwei in der gesamten AL und der Gegner in der ersten Runde somit Toronto oder Cleveland wird. Fast sicher dabei sind auch die Houston Astros (28-28). Allerdings sehen sie zurzeit nach dem schwächsten Playoffteam der AL aus, nachdem sie sich mehr schlecht als recht mit 9-14 durch den September geschleppt haben und nun auch noch ihr Pitching-Ass Justin Verlander langfristig verletzt ausfällt. Sollten die Astros in der letzten Serie bei den Texas Rangers (19-37) massiv untergehen, könnten sogar noch die Los Angeles Angels (26-31) oder die Seattle Mariners (25-31) in die Playoffs rutschen. 

Szene der Woche
Es ist mal wieder Zeit, „unseren“ MLB-Star Max Kepler zu feiern. Am Dienstag durfte er im Spiel seiner Twins gegen die Detroit Tigers gleich zweimal den Helden spielen: zuerst im achten Inning, als ihm per Solo-Homerun der Ausgleich gelang, und dann erneut im zehnten Inning, in dem er mit einem Walk-Off-Single das Spiel für sein Team entschied.

Statistik der Woche 
14. So viele Strikeouts erzielte Mets-Pitcher Jacob deGrom am Montag in einem Spiel – zum zweiten Mal in dieser Saison. Er hat damit 2020 doppelt so viele 14-Strikeout-Spiele wie der Rest der Liga zusammen (Shane Bieber am Opening Day, falls jemand fragt). Typisch Mets allerdings: Das Spiel ging 1:2 verloren. Sollte deGrom dieses Jahr zum dritten Mal hintereinander den Cy-Young-Award gewinnen, so wäre er nach Greg Maddux und Randy Johnson der dritte in der MLB-Geschichte, dem dies gelingt – und der erste, dessen Team in dem Zeitraum kein einziges Mal die Playoffs erreichte.

Spiel der Woche
Fast wäre es das Highlight des Jahres für die Pittsburgh Pirates geworden: Das schwächste Team der MLB durfte sich sechs Innings lang an einem No-Hitter seines jungen Starters Mitch Keller erfreuen. 4:0 lagen die Pirates vorne, als Keller trotz seiner überragenden Leistung nach 84 Pitches ausgewechselt wurde – eine Vorsichtsmaßnahme, da es erst sein zweites Spiel nach einer Verletzungspause war. Auf seinen Bullpen konnte Keller sich leider nicht verlassen. Die Reliever Geoff Hartlieb und Sam Howard wurden von den Cardinals prompt mit 5 Runs begrüßt und gaben somit das Spiel aus der Hand. 

Mein Einschalttipp
An diesem Wochenende lohnt es sich, vor allem in all die Spiele hineinzuschauen, die ich im Abschnitt über die National League und das Rennen um die Playoffplätze fünf bis acht erwähnt habe. Vielleicht kommt es sogar am Sonntag ab 21:15 Uhr unserer Zeit zu einem echten Endspiel um die Playoffteilnahme zwischen den Brewers und den Cardinals.

Außerdem stehen in der Baseball-Bundesliga am Samstag und am Sonntag die ersten Halbfinalspiele zwischen den Bonn Capitals und den Paderborn Untouchables sowie zwischen den Regensburg Legionären und den Heidenheim Heideköpfen an. Alle Spiele werden live gestreamt, die Zeiten und Links dazu findet ihr hier

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