Category: Grand Slam

September 12th, 2019 by Silversurger

Wir sind in der Jahreszeit der Magic Numbers und der Elimination Numbers angekommen. Falls ihr nicht wisst, was das ist, könnt ihr es in diesem Artikel aus dem letzten Jahr nachlesen. Als erstes MLB-Team des Jahres haben es vorgestern die Los Angeles Dodgers geschafft, ihre Magic Number für den Divisionssieg auf 0 zu senken. Die nächsten in der Reihe sind die Yankees, die Astros und die Braves. Sie alle haben eine Magic Number von 8 und somit die Chance, bis nächste Woche mit etwas Schützenhilfe durch die Konkurrenz alles klar zu machen. In den Rennen um die Wild Cards beider Ligateile hingegen ist noch gar nichts klar: In der AL ist es nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen von drei Teams, in der NL machen sich sogar noch sechs Teams berechtigte Hoffnungen und sind seit letzter Woche wieder enger zusammengerückt.

American League
In der American League East hat sich seit letzter Woche wenig geändert: Die New York Yankees (95-51) cruisen souverän in Richtung Divisionstitel und 100-Siege-Marke. Die Tampa Bay Rays (87-60) überzeugen ebenfalls seit Wochen, haben derzeit sechs der letzten sieben und 11 der letzten 13 Spiele gewonnen. Im Ringen um die Wild-Card-Plätze beschert ihnen das ein halbes Spiel Vorsprung auf die Athletics und ein ganzes auf die Indians. Die größten Schlagzeilen produzierten derweil die Boston Red Sox (76-70): Der Titelverteidiger hat durch fünf Niederlagen in Folge – drei davon gegen den New Yorker Erzrivalen – seine ohnehin schon geringen Playoffchancen auf 0% gesenkt. Als Reaktion auf die schwache Saison wurde am Sonntag General Manager Dave Dombrowski entlassen. Das kam überraschend, denn immerhin war Dombwoski der Architekt des Meisterteams 2018. Offenbar war es aber nicht nur die schwache Saison 2019, sondern auch die eine oder andere atmosphärische Störung zwischen dem Klub und seinem leitenden Angestellten, die zu der Entscheidung führte. Es ist jedenfalls sehr ungewöhnlich, dass es dazu weder eine Pressekonferenz noch einen öffentlichen Kommentar der Teambesitzer gab.

Die Cleveland Indians (86-61) haben die AL Central noch nicht aufgegeben: Mit 2:1 Siegen in der Serie bei den Minnesota Twins (89-56) sowie einem darauf folgenden Sweep der Angels haben sie genau das getan, was nötig war, um den Kampf um die Division offen zu halten. Am Wochenende treffen die Twins und die Indians erneut dreimal direkt aufeinander. Das Ergebnis dieser Serie wird bestimmen, ob Max Kepler & Co. sich in den folgenden Wochen beruhigt auf die Playoffs einstellen können oder ob ihnen ein heißer Frühherbst bevorsteht. Am anderen Ende der Tabelle haben übrigens die Detroit Tigers (43-100) als erstes Team des Jahres die Marke von 100 Niederlagen erreicht. Mit den Kansas City Royals (54-92) sowie den Baltimore Orioles (47-98) in der AL East und den Miami Marlins (51-94) in der NL East sind drei weitere Teams auf Kurs für 100 Niederlagen – wenn es dazu kommt, wäre der Rekord von vier 100-Loss-Teams aus der Saison 2002 eingestellt.

Was es noch nie gegeben hat, ist eine Saison mit vier 100-Win-Teams. Dieses Jahr könnte es soweit sein, denn den Houston Astros (95-52) fehlen ebenso wie den Yankees nur noch fünf Siege, den Dodgers noch sechs und den Braves neun. In der AL West gab es diese Woche ein paar ziemlich interessante Ergebnisse: Am Sonntag gewannen die Astros 21:1 gegen die Seattle Mariners (68-80), am Montag ließen sie ein 15:0 gegen die Oakland Athletics (80-68) folgen – das war das höchste kombinierte Ergebnis in zwei aufeinander folgenden Spielen aller Zeiten. Am Dienstag erlebten die Astros schon wieder ein Schützenfest, dieses Mal aber gegen sich beim 21:7 für die Athletics. Für die A’s war es enorm wichtig, sich für die Demütigung vom Vortag sofort zu revanchieren, schließlich brauchen sie im Wild-Card-Rennen jeden Sieg. Sie ließen am Mittwoch ein 5:3 folgen und versuchen heute, den Astros das dritte Spiel in Folge abzunehmen.

National League
Die National League East werden die Atlanta Braves (91-56) gewinnen. Dahinter tummeln sich drei Teams, von denen ich jedes während der Saison mindestens einmal abgeschrieben habe. Doch hier sind sie, allesamt mitten im Wettbewerb um die Wild Cards: Die Washington Nationals (80-64) haben in diesem Rennen dreieinhalb Spiele Vorsprung, allerdings haben sie ein ziemlich heftiges Restprogramm mit einmal Minnesota, dreimal Atlanta, dreimal St. Louis, fünfmal Philadelphia, dreimal Cleveland – und nur dreimal den Miami Marlins (51-94) als einzigem Gegner, für den es um nichts mehr geht. Das öffnet die Tür für die Philadelphia Phillies und die New York Mets (jeweils 75-50), noch einmal heranzukommen. Insbesondere von den Mets hätte ich das noch vor einer Woche nicht gedacht, aber nach drei Siegen gegen die Diamondbacks sind sie wieder voll dabei.

Voll dabei sind auch drei Teams der NL Central, die in den zweieinhalb verbleibenden Wochen noch einige Male direkt gegeneinander spielen werden. Mit vier Spielen Vorsprung haben die St. Louis Cardinals (81-64) derzeit relativ komfortabel die Nase vorn. Es folgen gleichauf die Milwaukee Brewers und die Chicago Cubs (77-68), die in den letzten Tagen in unterschiedliche Richtungen unterwegs waren: Die Brewers gewannen trotz des Verletzungsschocks um Christian Yelich (siehe „Szene der Woche“) sechs Spiele in Folge, die Cubs verloren fünf der letzten sechs – drei davon gegen die Brewers. Die Cubs müssen sich nun bemühen, in den vermeintlich lösbaren Aufgaben gegen San Diego, Pittsburgh und Cincinnati wieder ein kleines Polster aufzubauen, denn die letzten zehn Tage der Saison mit sieben Spielen gegen St. Louis werden bockelhart.

Die NL West haben die Los Angeles Dodgers (94-53) zum siebten Mal in Folge für sich entschieden – gefühlt seit Monaten, offiziell seit Dienstag. Von den Teams dahinter sind nur die Arizona Diamondbacks (75-71) noch erwähnenswert. Sie hatten sich zwei starke Wochen lang aus fast aussichtsloser Lage zurück ins Wild-Card-Rennen gearbeitet, nun allerdings drohen sie durch eine bislang katastrophale Serie bei den Mets alles wieder zu verspielen. Mit zweieinhalb Spielen Rückstand bilden sie derzeit das Schlusslicht unter den sechs Wild-Card-Anwärtern der NL. Aber ich werde den Teufel tun, sie totzusagen, denn damit lag ich in dem verrückten Wild-Card-Rennen dieses Jahres bislang jedes Mal falsch.

Szene der Woche 
Den schönsten Moment der Woche hatten definitiv die Los Angeles Dodgers, die als erstes Team dieser Saison die Divisionsmeisterschaft feiern durften:

Ich muss aber auch eine weit weniger schöne Szene erwähnen, die diese MLB-Woche geprägt hat, nämlich die Verletzung von Christian Yelich. Der MVP 2018 der National League brach sich die rechte Kniescheibe bei einem extrem unglücklich vom Schläger abgeprallten Foulball. Zart besaitete Gemüter starten lieber nicht das unten stehende Video, sondern schauen sich besser noch mal die feiernden Dodgers an.

Statistik der Woche 
1995-2019. Diese Zahlenkombination begegnete einem in den letzten Tagen, wenn man die MLB verfolgt, ziemlich häufig. Sie führte sogar zu Rücktrittsforderungen gegenüber Bruce Bochy, dem Manager der San Francisco Giants. Bochy, der dienstälteste Manager der gesamten Liga, hatte bereits vor der Saison angekündigt, dass für ihn danach Schluss ist. Seine Karriere dauerte dann von 1995 bis 2019. Da wäre es doch wirklich originell gewesen, wenn er vorgestern aufgehört hätte, als seine Bilanz aus Siegen und Niederlagen ebenfalls bei 1995-2019 stand. Hat er aber nicht gemacht, stattdessen steht er jetzt bei 1996-2019 und strebt in den verbleibenden 16 Spielen noch seinen 2000. Sieg als MLB-Manager an. Die Seattle Mariners dachten sich derweil offenbar: „Was der kann, können wir auch.“ Einen Tag nach Bochys obskurem statistischen Meilenstein präsentierten die Mariners ihre eigene Bilanz für die Jahre 1995-2019. Sie lautete, ja genau: 1995-2019.

Spiel der Woche
Was ich am Baseball ganz besonders mag, sind die Momente, in denen monatelange Prügelknaben wenigstens für einen Abend mal den letzten Lacher auf ihrer Seite haben. Zum Beispiel am Dienstag, als das frischgebackene 100-Niederlagen-Team Detroit Tigers den übermächtig erscheinenden Rekordmeister New York Yankees empfing: Neben der 100. Niederlage am Vortag gegen die Athletics hatten die Tigers auch zu verdauen, dass die Yankees ihnen sage und schreibe sechs Homeruns einschenkten und damit den aktuellen Rekord für die meisten Homeruns in einer Saison brachen – einen Rekord, den sich eine Woche zuvor die Twins geholt hatten, ebenfalls in Detroit. Was macht man in so einer Lage? Sich flach auf den Boden legen und warten, bis es vorbei ist? Von wegen: Detroit ließ sich nie hängen, kämpfte sich von einem frühen 6-Run-Rückstand zurück und gewann am Ende 12:11 per Walkoff. Gut gebrüllt, Tigers!

Mein Einschalttipp
Showdown in der AL Central: Zum letzten Mal in diesem Jahr kreuzen die Cleveland Indians und die Minnesota Twins direkt die Klingen. Die Ausgangslage ist klar: Gewinnen die Twins die Serie, ist ihnen der Divisionssieg wahrscheinlich nicht mehr zu nehmen. Fahren hingegen die Indians zwei oder gar drei Siege ein, stehen der Division zwei richtig spannende Endspurt-Wochen bevor. Das Finale der Serie steigt am Sonntag zur besten europäischen Sendezeit und bietet mit Shane Bieber (3.17 ERA, 3.21 FIP) gegen José Berrios (3.63 ERA, 3.92 FIP) ein attraktives Pitcherduell. Zu sehen ist das Spiel wie üblich auf mlb.tv.

DAZN hingegen macht sich zurzeit leider sehr rar mit MLB-Übertragungen. Laut den derzeit verfügbaren Programmübersichten laufen dort bis nächsten Donnerstag lediglich vier MLB-Spiele und zwar ausschließlich solche, die im Hinblick auf die Playoffs komplett unbedeutend sind.

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September 5th, 2019 by Silversurger

Die MLB-Saison biegt auf die Zielgerade ein. Nur noch gut 20 Spiele hat jedes Team zu absolvieren. Das ist zwar mehr als zum Beispiel eine gesamte NFL-Saison – die übrigens heute Nacht beginnt –, aber in Baseball bedeutet es, dass über 85% der Runde gelaufen und die meisten Entscheidungen hinsichtlich der Playoff-Teilnahmen gefallen sind. Alle, die momentan an der Spitze einer Division stehen, können mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Postseason planen. Auch die Listen ernsthafter Bewerber für die Wild Cards haben sich in beiden Ligen spürbar gelichtet.

National League
So gut wie sicher gehört ein Wild-Card-Platz in der National League den Washington Nationals (78-60). Mit sieben Spielen Rückstand auf die Atlanta Braves (86-54) werden sie keinen ernsthaften Angriff mehr auf den Titel der NL East unternehmen, aber mit sechs Spielen Vorsprung auf die Philadelphia Phillies (72-66) sowie auf die Diamondbacks ist die Wild Card quasi gebucht. Die Phillies machen sich noch etwas Hoffnung auf den zweiten Wild-Card-Platz, für den sie drei Spiele auf die Cubs aufholen müssten. Allerdings haben die Phillies von allen Contendern das wohl schwerste Restprogramm, unter anderem mit noch sieben Spielen gegen Atlanta, fünf gegen Washington und drei bei den New York Mets (71-68). Die Mets ihrerseits kämpfen noch mit dem Mute der Verzweiflung, doch für sie ist der Playoff-Zug wohl abgefahren, seit sie sich letzte Woche nacheinander von den Braves und den Cubs sweepen ließen. Danach gewannen sie zwar die Serien gegen die Phillies und die Nationals, aber jeweils ein Spiel in diesen Serien zu verlieren, war in ihrer Situation schon mehr als sie sich erlauben durften.

Die NL Central war lange die spannendste Division im Baseball und vielleicht bleibt sie das auch, doch im Hinblick auf die Playoffs scheint schon fast alles klar: Die St. Louis Cardinals (78-61) und die Chicago Cubs (75-63) werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Postseason spielen, offen ist allein die Reihenfolge des Zieleinlaufs. Zweieinhalb Spiele Vorsprung haben die Cardinals momentan, was im Prinzip gar nichts ist, denn an den letzten zehn Tagen der Saison treffen die Cardinals und die Cubs noch siebenmal direkt aufeinander. So gut wie aus dem Rennen sind hingegen die Milwaukee Brewers (71-67), sofern sie sich nicht an den letzten Strohhalm klammern und am Wochenende die Cubs sweepen. Für die Cincinnati Reds (65-75) sind zwar die Playoffs längst kein Thema mehr, doch ihre Zukunft trägt das strahlende Gesicht von Aristides Aquino. Der junge Outfielder hat mit 14 Homeruns im August einen Rookie-Rekord aufgestellt und wurde sowohl zum Rookie of the Month als auch zum Player of the Month der NL gewählt.

In der NL West feiert die lange vermisste Spannnung ein kleines Comeback. Nicht für die Los Angeles Dodgers (92-50), die weiterhin eine äußerst souveräne Saison spielen, aber für die Arizona Diamondbacks (73-67). Sie schienen im Rennen um einen Wild-Card-Platz schon abgeschrieben, doch neun Siege aus den letzten zehn Spielen haben sie zurück in die Verlosung gebacht. Das Restprogramm der Diamondbacks ist vorteilhaft: Von ihren verbleibenden 22 Spielen müssen sie lediglich in einer Dreierserie gegen St. Louis gegen ein Team antreten, das in seiner Division besser als Platz vier steht. Falls die Cubs oder die Cardinals doch noch mal ins Straucheln geraden, könnte die Stunde der Diamondbacks schlagen.

American League
Die New York Yankees (92-49) erlauben sich zurzeit keinerlei Blößen. Acht der letzten zehn Spiele haben sie gewonnen und damit die American League East weiterhin fest im Griff.  Am Wochenende treten sie viermal zum Traditionsduell bei den Boston Red Sox (75-64) an, die mit fünfeinhalb Spielen Abstand zum Wild-Card-Platz so gut wie aus dem Rennen sind. Die beiden Wild Cards werden drei andere Teams unter sich ausmachen, eines aus jeder Division. In der AL East sind es die Tampa Bay Rays (82-59), die sich durch einen Sweep über die Indians am vergangenen Wochenende in die Pole Position gebracht haben. Aber der Vorsprung vor den Athletics und den Indians liegt bei nur einem halben Spiel, sodass man sich gegen die vermeintlich leichten Gegner Toronto Blue Jays (55-85) und Rangers keine größeren Ausrutscher erlauben sollte.

Die erwähnte Serie der Cleveland Indians (81-59) gegen die Rays wirkt sich auch auf die AL Central aus, nämlich in der Form dass die Minnesota Twins (86-53) die Gelegenheit nutzten und ihren Vorsprung auf fünfeinhalb Spiele ausbauten. Die Twins haben in den letzten drei Wochen überwiegend gegen Teams aus den Niederungen der MLB gespielt und diese Aufgaben mit 14 Siegen aus 19 Spielen souverän gelöst. Innerhalb der nächsten zehn Tage können sie mit sechs Partien gegen die Indians, unterbrochen von drei gegen die Nationals, endgültig alles klar machen – oder aber den Indians die Tür für einen spannenden Endspurt öffnen.

Einen spannenden Endspurt wird in der AL West nur ein Team erleben und das ist das der Oakland Athletics (80-58). Die Houston Astros (90-50) sind derweil längst durch. Wenn man sich ihr vebrleibendes Programm anschaut, wäre alles andere als ein deutliches Überschreiten der 100-Siege-Schwelle eine große Überraschung. Der einzige konkurrenzfähige Gegner im Restspielplan sind die Athletics, die von Montag bis Donnerstag für vier Spiele im Astrodome gastieren. Für Oakland sieht der Spielplan außer dieser einen Serie ähnlich lösbar aus, allerdings sind sie im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Tampa Bay und Cleveland auf jeden einzelnen Sieg dringend angewiesen.

Szene der Woche 
Ich erlaube mir, vom Comeback des Jahres zu sprechen: Nur drei Monate, nachdem bei ihm Leukämie diagnostiziert wurde und die Frage, ob Carlos Carrasco je wieder in der MLB pitchen würde, weit hinter die Frage zurücktrat, ob er diese furchtbare Krankheit überlebt, stand er am Sonntag erstmals wieder für die Cleveland Indians auf dem Mound. Carrasco wurde mit stehenden Ovationen begrüßt, sowohl von den Zuschauern als auch von seinem eigenem und dem gegnerischen Team. Das war ein sehr schöner emotionaler Moment für einen, der es verdient hat – Carrasco ist für seine positive Lebenseinstellung und für sein großes Engagement für Benachteiligte bekannt. Schön, dass die Liga und die Welt sich wieder und weiterhin an seiner Anwesenheit erfreuen dürfen.

Statistik der Woche 
806-1. So lautet die Bilanz der New York Mets für Spiele, in denen sie im neunten Inning mit sechs oder mehr Runs geführt haben. Mit anderen Worten: Die 10:11-Niederlage gegen die Washington Nationals am Dienstag war die höchste Führung, die die Mets je im letzten Inning aus der Hand gegeben haben. Für die Nationals war es übrigens ebenfalls eine Premiere. Ihre Bilanz für Spiele, in denen sie im letzten Inning mit mindestens sechs Runs zurücklagen, lautet nun 1-775.

Spiel der Woche
Die MLB-Saison 2019 hat ihren vierten No-Hitter und schon den zweiten, der auf das Konto der Houston Astros geht. Letztes Mal waren es vier Pitcher gewesen, die gemeinsam die außerordentliche Leistung vollbracht hatten, ein ganzes Spiel lang keinen einzigen Basehit des Gegners zuzulassen. Glatte vier Wochen später gelang nun Justin Verlander das Kunststück im Alleingang, schon zum dritten Mal in seiner Karriere. 14 der 27 Outs am Sonntag erzielte Verlander per Strikeout. Die Blue Jays hatten den ganzen Tag über nur einen einzigen Baserunner, Cavan Biggio, der durch seinen Walk im ersten Inning nie die Hoffnung auf ein Perfect Game aufkommen ließ. Verlander hat sich mit diesem Spiel in einen sehr exklusiven Klub gepitcht– neben ihm haben es nur fünf Pitcher in der MLB-Geschichte auf drei No-Hitter gebracht, darunter Nolan Ryan mit sieben und Sandy Koufax mit vier.

Mein Einschalttipp
Leider habe ich es bisher zeitlich noch nicht geschafft, eine ordentliche Vorschau auf die Baseball-Europameisterschaft in Bonn und Solingen zu schreiben, aber diesen Aufruf muss ich jetzt doch dringend loswerden: Geht hin, wenn ihr könnt, und wenn nicht, dann schaut euch wenigstens ein paar Spiele im Livestream an. Alle Partien werden übertragen, ihr findet sie auf den Plattformen baseballsoftball.tv und gametime.sport. Die Vorrunde beginnt am Samstag, dem 7. September, um 11 Uhr mit dem Spiel Kroatien gegen Spanien in Bonn sowie um 12:30 Uhr mit dem Spiel Tschechien gegen Israel in Solingen. Das Eröffnungsspiel der deutschen Baseball-Nationalmannschaft gegen Schweden steigt am gleichen Tag ab 19 Uhr in Bonn. Den vollständigen Spielplan findet ihr hier.

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August 29th, 2019 by Silversurger

Genau heute in einem Monat ist es soweit. Dann ist die reguläre Saison der MLB beendet und alle Entscheidungen sind gefallen. Das jedenfalls ist der Plan, aber wenn man sich die AL West, die NL West und beide Wild-Card-Tabellen anschaut, dann erscheint es keineswegs unrealistisch, dass im einen oder anderen Fall auch 162 Spiele nicht ausreichen, um einen klaren Unterschied hervorzubringen. Zur Erinnerung: Wenn die Sieg-Niederlagen-Bilanz mehrerer Teams am Ende der regulären Saison gleich ist und zwischen diesen Teams entschieden werden muss, wer eine Division gewinnt und/oder wer einen Wild-Card-Platz belegt, so gibt es keine rechnerischen Tiebreaker, sondern es kommt zu einem zusätzlichen Spiel zwischen diesen Teams. Letztes Jahr kam das gleich zweimal vor, jeweils um die Spitze der NL Central und der NL West.

American League
Generalprobe bestanden: Die Serie gegen die Dodgers, die von vielen als Vorgeschmack auf eine mögliche World-Series-Paarung angesehen wurde, haben die New York Yankees (88-47) 2:1 für sich entschieden. Nun stehen drei Spiele gegen Angstgegner Oakland an, danach sieht das Restprogramm der Yankees sieht vergleichsweise einfach aus. Die American League East wird ihnen wohl niemand mehr nehmen. Für die Tampa Bay Rays (76-58) bedeutet das die seltsame Situation, den Yankees am bevorstehenden Wochenende die Daumen drücken zu müssen. Denn realistisch betrachtet geht es für sie nur noch um die Wild-Card-Plätze und die belegen zurzeit die Athletics und die Indians. Die Rays werden somit auf einen Ausrutscher der A’s in New York hoffen, während sie selbst sich gleichzeitig um die Erledigung der Hausaufgaben gegen die Indians bemühen (siehe „Einschalttipp“).

Die AL Central bleibt eine der spannenderen Division, auch wenn die Ausgangsposition der Minnesota Twins (81-51) deutlich besser erscheint als die der Cleveland Indians (78-55). Dazu trägt nicht nur der aktuelle Vorsprung bei, sondern auch der etwas leichtere restliche Spielplan. Allerdings enthält dieser auch noch sechs Spiele im September, in denen die beiden Kontrahenten direkt gegeneinander spielen, sodass auf jeden Fall noch alles drin ist. Über den Rest der Division breiten wir pietätvoll den Mantel des Schweigens…

Genau wie in den anderen beiden AL-Divisionen sind auch in der AL West nur noch zwei Teams in der Verlosung um die Playoffs. Letzte Woche hatte ich vorsichtig in Aussicht gestellt, dass es zwischen diesen beiden noch mal spannend werden könnte. Daraus wird nichts werden, denn die Houston Astros (87-47) haben rechtzeitig zur alten Souveränität zurück gefunden und mit neun Siegen aus den letzten zehn Spielen klare Verhältnisse geschaffen, während die Oakland Athletics (76-56) sich in einer ansonsten starken Woche von zwei Derby-Niederlagen gegen die Giants ausbremsen ließen. Beide reisen nun an die Ostküste, wobei die Astros bei den Blue Jays die leichtere Aufgabe haben als die Athletics bei den Yankees.

National League
Mit 13 Siegen aus den letzten 16 Spielen, darunter ein 3-Spiele-Sweep in Chicago am vergangenen Wochenende, sind die Washington Nationals (74-58) der große Gewinner der letzten Wochen. Fünf Spiele Vorsprung auf einen Nicht-Wild-Card-Platz sind schon ein recht stabiles Polster, und selbst ein Angriff auf die Atlanta Braves (81-55) an der Spitze der National League East scheint inzwischen möglich. Die Philadelphia Phillies (69-63) und die New York Mets (67-65) hingegen mussten Rückschläge hinnehmen und treten im Kampf um die zweite Wild Card bestenfalls auf der Stelle. Am Wochenende treffen die beiden in Philadelphia in einer möglicherweise vorentscheidenden Serie dreimal direkt aufeinander.

An der Spitze der NL Central standen sich lange Zeit drei Teams auf den Füßen, doch in den letzten Tagen ist das Bild etwas klarer geworden. Die St. Louis Cardinals (73-59) haben eine Serie von 6 Siegen am Stück hingelegt und dadurch nun einen Vorsprung von zwei Spielen vor den Chicago Cubs (71-61). Die Cubs patzten am Wochenende, als sie sich von den Nationals sweepen ließen, und arbeiten nun mit bislang zwei Siegen gegen die Mets an Wiedergutmachung. Noch schlechter erging es den Milwaukee Brewers (68-65), die in den letzten 10 Tagen zwei Serien gegen die Cardinals insgesamt 2:4 verloren und drohen, sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen den Anschluss zu verpassen. Aber noch ist der Zug nicht abgefahren: Die Brewers spielen nun sieben Partien gegen die Cubs, unterbrochen von zwei Spielen gegen die Astros. Das ist ein bockelhartes Programm, aber auch die Gelegenheit, sich selbst und der Welt doch noch zu beweisen, dass man in die Playoffs gehört.  

Die Los Angeles Dodgers (88-47) haben die NL West weiterhin fest im Griff, daran ändert auch die verlorene Serie gegen die Yankees nichts. Die Arizona Diamondbacks (67-66) und die San Francisco Giants (65-67) haben diese Woche in einer 2-Spiele-Serie unter sich ausgemacht, wer von beiden sich noch leichte Hoffnung auf einen Wild-Card-Platz machen darf. Das sind eindeutig die Diamondbacks, nachdem sie beide Partien für sich entschieden. Wie lange diese leichte Hoffnung für Arizona anhält, werden wir vielleicht schon in den kommenden Tagen sehen, denn sie müssen nun viermal hintereinander gegen die Dodgers ran.

Szene der Woche 
Hier möchte ich dieses Mal keine einzelne Szene hervorheben, sondern das Erscheinungsbild eines ganzen Wochenendes: Es war „Players Weekend“, das bedeutet die Spieler traten mit selbst gewählte Spitznamen auf den Trikots und mit speziellen Accessoires wie zum Beispiel extra für diesen Anlass gestalteten Schuhen auf. Zu dieser Gelegenheit gibt es auch immer besondere Uniformen. Letztes Jahr waren diese besonders farbenfroh – vielleicht nicht jedermanns Sache, aber doch eine nette Abwechslung. Dieses Jahr wurde als Kontrastprogramm dazu auf Farben komplett verzichtet. Die Heimteams traten ganz in weiß an, die Auswärtsteams ganz in schwarz. Auch das hätte ich als interessante Abwechslung zu den Standardtrikots durchaus akzeptieren können – allerdings nur, wenn nicht irgend jemand mit der dämlichen Idee durchgekommen wäre, die Beschriftung der Trikots weiß-grau auf weiß bzw. schwarz-grau auf schwarz vorzunehmen. Gerade an diesem besonderen Wochenende mit den besonderen Namen bedruckt man die Trikots so, dass sie nur mit äußerster Mühe lesbar sind? Ganz schlechte Idee, liebe MLB.

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MLB Players Weekend 2019 (Abb. ähnlich)

Statistik der Woche 
1.74. Das ist der ERA von Jacob deGrom aus seinen letzten 10 Spielen gegen die Atlanta Braves. Er warf in diesen Spielen 89 Strikeouts und hielt durchschnittlich 6 2/3 Innings durch. Die Mets verloren 8 der 10 Spiele. Wer sich fragt, wie so etwas passieren kann, der schaue sich die Partie vom Freitag an: deGrom warf 13 Strikeouts in 7 Innings, ließ nur einen Run zu – und die Mets verloren 1:2 nach 14 Innings. Denn die Offense brachte keinen einzigen Punkt aufs Board außer einem Homerun, den der arme deGrom auch noch selbst schlagen musste.

Spiel der Woche
Wenn man gegen einen in der Tabelle hoffnungslos abgeschlagenen Gegner antritt, ist ein Sieg Pflicht, könnte man meinen. Wenn man gegen diesen Gegner vier Runs erzielt, noch bevor er selbst das erste Mal am Schlag war, hat man ihn schon ordentlich demoralisiert, könnte man meinen. Wenn man nach drei Innings 7:0 vorne liegt und im Spiel insgesamt elf Scores einfährt, kann einem der Gegner fast schon leid tun, könnte man meinen. Aber weil es Baseball ist, gibt es auch Spiele wie das zwischen den Phillies und den Marlins vom Freitag. Die Marlins zeigten sich gänzlich unbeeindruckt davon, „eigentlich“ keine Chance zu haben, und feierten am Ende ein 19:11-Blowout nach achteinhalb Innings. Schade, dass dieses Highlight-Spiel ihrer Saison gerade mal 9.065 Zuschauer sehen wollten. Mit einem Durchschnitt von 9.939 liegen die Marlins weit abgeschlagen in der Besuchertabelle. Ein neuer Tiefpunkt wurde übrigens diesen Montag erreicht, als beim Spiel gegen die Reds nur 5.297 Tickets verkauft wurden.

Mein Einschalttipp
Das Wild-Card-Rennen der AL wird am Wochenende noch nicht entschieden, aber es stehen gleich zwei richtungweisende Serien an: Die Athletics treten bei den Yankees an und hoffen, dort das Husarenstück vom letzten Aufeinandertreffen zu wiederholen, als sie dem Rekordmeister einen 3-Spiele-Sweep abnahmen. Gleichzeitig treffen in Tampa Bay die anderen beiden Wild-Card-Bewerber, die Indians und die Rays, in drei Spielen direkt aufeinander. Das Einschalten lohnt sich mit Sicherheit bei jedem dieser Spiele. Auf DAZN wird am Samstag ab 19:05 Uhr die Partie Yankees gegen Athletics übertragen, voraussichtlich mit dem Matchup Homer Bailey (5.04 ERA, 4.32 FIP) gegen Domingo German (4.03 ERA, 4.73 FIP). Die günstigste Zeit, auf mlb.tv ein Spiel der anderen Serie zu sehen, ist am Sonntag ab 19:10 Uhr, wenn Cleveland mit Adam Plutko (4.34 ERA, 5.45 FIP) gegen die Rays mit Charlie Morton (3.11 ERA, 2.79 FIP) antritt.

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August 22nd, 2019 by Silversurger

Einiges ist schon seit Wochen so gut wie entschieden in der MLB: die AL East, die AL West, die NL East und die NL West haben ihre Divisionssieger mit hoher Wahrscheinlichkeit gefunden. Umso spannender ist es noch um die beiden restlichen Divisionen sowie um die Wild Cards. In der AL ist es im Wesentlichen ein Dreikampf: Die Tampa Bay Rays, die Oakland Athletics und das Team, das in der AL Central Zweiter wird, werden die beiden zusätzlichen Playoff-Startplätze unter sich ausmachen. Die NL ist enger beisammen, hier ist noch rund die Hälfte der Liga in der Verlosung um die begehrte Hintertür in die Postseason. In beiden Ligen geht es in den Wild-Card-Rennen so eng zu, dass eine Vorentscheidung innerhalb der nächsten Tage nicht zu erwarten ist. Möglicherweise sehen wir aber an diesem Wochenende bereits eine Vorschau auf die World Series.

National League
Ein guter Teil des spannenden Wild-Card-Rennens der National League spielt sich in der NL East ab: Nahezu im Gleichschritt marschieren die Washington Nationals (69-57), die New York Mets (66-60) und die Philadelphia Phillies (66-60). Das müssen sie auch, denn wer aus dieser Gruppe in nächster Zeit mal ein paar Spiele hintereinander verliert, kann ganz schnell raus sein. Auch die Atlanta Braves (76-52) geben sich derzeit keine Blöße und können daher relativ entspannt von der Spitze auf das Hauen und Stechen um die Folgeplätze hinabschauen. Das spannendste Divisionsduell dieser Woche findet von Freitag bis Sonntag in Queens statt, wo die Mets die Braves empfangen.

In der NL Central muss ich vor allem über den Absturz der Chicago Cubs (68-58) sprechen. Jedenfalls dachte ich das, als am Samstag die Cubs gerade von den Phillies gesweept worden waren und obendrein das erste Spiel gegen die Pittsburgh Pirates (52-74) verloren hatten. Aber es wäre nicht die NL Central, wenn sie am Donnerstag noch so aussähe wie am Samstag. Inzwischen haben die Cubs viermal hintereinander gewonnen und stehen wieder allein an der Tabellenspitze. Möglich wurde das, indem die St. Louis Cardinals (67-58) gestern Abend eine bittere Niederlage gegen die Milwaukee Brewers (65-62) einstecken mussten – bitter auch deshalb, weil das Wetter den Cardinals die Chance auf ein Comeback nahm. Die Partie wurde wegen heftigen Regens nach acht Innings abgebrochen und mit dem bis dahin erzielten Spielstand von 5:3 für Milwaukee gewertet.

Die Teams der NL West würden den vorzeitigen Abbruch eines Spiels oder auch gleich der gesamten Saison wohl weniger krumm nehmen. Für die Los Angeles Dodgers (84-44) mit inzwischen glatten 20 Spielen Vorsprung zählen längst nur noch die Playoffs, genauer gesagt zählt für sie nach drei gescheiterten Anläufen dieses Jahr nur die World Series. Von den restlichen Teams sind die Arizona Diamondbacks (64-64) und die San Francisco Giants (63-64) noch in Reichweite der Wild-Card-Plätze, aber angesichts der Konkurrenz aus den anderen beiden Divisionen sieht das nach einer bestenfalls theoretischen Möglichkeit aus.

American League
Die New York Yankees (83-45) sind nach wie vor das erfolgreichste Team der American League und führen die AL East mit neun Spielen Vorsprung souverän an, aber die letzten Tage waren ein Dämpfer für den Rekordmeister: Erst reichte es gegen die Indians nur zu einem Split, dann setzte es zwei Niederlagen in Folge bei den Athletics. Nach einem weiteren Spiel in Oakland heute Nacht führt der Westküstentrip weiter zu den Dodgers (siehe „Einschalttipp“). Für die Tampa Bay Rays (74-54) gibt es eigentlich nichts schöneres als Niederlagen der Yankees, doch auf die letzten beiden hätten sie wohl gerne verzichtet. Durch sie müssen die Rays sich zurzeit den zweiten Wild-Card-Platz der AL mit den Athletics teilen. Die Boston Red Sox (67-61), ihres Zeichens Titelverteidiger und teuerstes Team der Liga, sind derweil schon sieben Spiele hinter die Wild Cards zurück gefallen. 

Die spannendsten Divisionen sind dieses Jahr die mittleren, da sind sich AL und NL einig. Um die Spitze der AL Central liefern sich die Minessota Twins (77-50) und die Cleveland Indians (74-53) weiterhin ein hautenges Rennen. Beide Teams sind in den letzten Tagen ein bisschen gestolpert – die Indians mit je zwei Niederlagen bei den Mets und den Yankees, die Twins mit einer 1:2 verlorenen Heimserie gegen die Chicago White Sox (57-69). Dank des 4-Spiele-Sweeps gegen die Rangers, den die Twins am letzten Wochenende erzielt haben, liegen sie derzeit mit drei Spielen vor Cleveland. Auch das Restprogramm der Twins erscheint mir etwas leichter als das der Indians.

In der AL West feiert die lange vermisste Spannung ein Comeback: nachdem die Oakland Athletics (73-53) die Houston Astros (81-47) mit 3:1 Siegen geschlagen und zuletzt zweimal gegen die Yankees gewonnen haben, beträgt der Abstand zwischen Rang eins und zwei plötzlich nur noch sieben Spiele. Das ist immer noch ein recht bequemes Polster, aber längst nicht mehr die unumstrittene Dominanz, die von den Astros erwartet wurde und die sie über weite Strecken der Saison ausgestrahlt haben. Eine interessante Geschichte aus dem Bereich der Sportwetten: Die gestrige 1:2-Niederlage der Astros gegen die Tigers war den Wettquoten nach der überraschendste Außenseitersieg in der MLB der letzten 15 Jahre.

Szene der Woche 
In dieser Kategorie komme ich nicht vorbei an dem Monster-Walkoff-Homerun von Bryce Harper, mit dem letzten Donnerstag die Philadelphia Phillies ihren Comeback-Win – und gleichzeitig einen 3-Spiele-Sweep – gegen die Chicago Cubs perfekt machten:

Zwei andere Szenen fand ich zu originell, um sie hier nicht auch kurz erwähnt zu haben. Eine davon gehört dem Eichhörnchen, das Fans und Spieler der White Sox und der Twins in Atem gehalten und bei seinem Sprint über das Feld Max Kepler getunnelt hat:

Und dann war da noch Cody Bellinger, der mit seinem Double drei Runs inklusive seines 100. RBIs nach Hause brachte, dabei aber nicht nur sein eigenes Out an der dritten Base, sondern auch eine heruntergelassene Hose in Kauf nehmen musste:

Statistik der Woche 
28. So viele verschiedene Spieler der New York Yankees sind oder waren in der laufenden Saison auf der Injury List. Das ist ein Rekord, den sie nun gemeinsam mit den Los Angeles Dodgers des Jahres 2016 halten. Man darf sich fragen, ob das einfach Pech ist oder ob im Training oder der medizinischen Abteilung der Yankees etwas grundsätzlich verkehrt läuft. Andererseits kann man nur den Hut davor ziehen, dass sie trotz dieser Misere konstant erfolgreichen Baseball spielen.

Spiel der Woche
Manchmal suche ich händeringend nach einem Spiel, das es wert ist, an dieser Stelle des Artikels hervorgehoben zu werden; manchmal habe ich die Qual der Wahl mit gleich zwei oder drei interessanten Spielen; und manchmal gibt es Spiele wie das zwischen den Milwaukee Brewers und den Washington Nationals vom Samstag. Die Brewers führten 5:0 im dritten, 8:5 im sechsten und 12:11 im neunten Inning. Zwischendurch führten die Nationals im siebten und achten Inning 11:8, und in der unteren Hälfte des neunten hatten sie beim Stand von 12:12 Bases loaded mit 0 Outs.  Die Spitze des Lineups mit Trea Turner, Anthony Rendon und Adam Eaton trat nacheinander an den Schlag, alle drei kassierten von Josh Hader einen Strikeout und es ging in die Verlängerung. Im dreizehnten Inning gingen die Brewers erneut in Führung, die Nationals glichen aus. Im vierzehnten Inning brachte Eric Thames per 2-Run-Homerun die Brewers zum fünften Mal in Front und dieses Mal sprangen die Nationals bei ihrer Aufholjagd zu kurz. Eine der wildesten Partien des Jahres ging mit 15:14 an die Brewers. Noch eine nette Kuriosität: Winning Pitcher war J. Guerra, Losing Pitcher J. Guerra. Milwaukees Junior Guerra und Washingtons Javy Guerra sind übrigens nicht miteinander verwandt.

Mein Einschalttipp
Die beiden besten Teams der MLB, die New York Yankees und die Los Angeles Dodgers, treffen am Wochenende aufeinander – zum ersten und vielleicht einzigen Mal in dieser Saison. Die einzige Möglichkeit, dass die beiden sich dieses Jahr noch einmal über den Weg laufen, wäre dass beide sich für die World Series qualifizieren. Bis dahin ist es noch ein weiter, aber wohl nicht ganz unwahrscheinlicher Weg. Auf jeden Fall dürfte die anstehende Serie ein absoluter Pflichttermin für jeden Baseballfan sein. Die Spiele beginnen am Samstagmorgen um 4:10 Uhr, am Samstagabend um 22:05 Uhr und Sonntagnacht um 1:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Sehen kann man sie leider nur mit einem Abo von mlb.tv – kommt es mir nur so vor oder bringt DAZN in letzter Zeit immer weniger MLB-Spiele und trifft gleichzeitig eine immer seltsamere Auswahl? Erfreulich hingegen ist, dass Sport1 diese Woche wieder ein MLB-Spiel im deutschen Free-TV anbietet. Am Mittwoch ab 22 Uhr steigt Sport1 live in die Partie der Milwaukee Brewers gegen die St. Louis Cardinals ein.

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August 15th, 2019 by Silversurger

Wenn euer Team noch im Playoff-Rennen ist, beginnt spätestens jetzt mit nur noch rund 40 ausstehenden Spielen die heiße Phase der MLB-Saison. Sollte für eure Lieblinge das Jahr bereits gelaufen sein, gibt es ebenfalls einen Grund zur Freude: Seit ein paar Tagen steht der Spielplan für die nächste Saison, in der bestimmt alles besser wird. Am 26. März 2020 geht es los. Es wird das früheste Startdatum der MLB-Geschichte (abgesehen von vorgezogenen internationalen Spielen) und soll ein kompletter Spieltag sein, an dem alle 30 Teams aktiv sind – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Weitere Highlights der kommenden Saison sind die Eröffnung eines neuen Stadions für die Rangers, Globe Life Field, am 31. März, eine Serie zwischen den Mets und den Marlins in Puerto Rico Ende April, ein Spiel der White Sox gegen die Yankees in direkter Nachbarschaft zum „Field of Dreams“ in Iowa am 13. August sowie zwei Partien zwischen den Cubs und den Cardinals im Juni in London.

American League
Die New York Yankees (81-41) machen genau so weiter wie in den letzten Wochen: mit Verletzungsmeldungen ohne Ende und mit einem Erfolg nach dem anderen. Vor allem ihrem Lieblingsgegner, den Baltimore Orioles (39-82), haben die Yankees gewaltig eingeschenkt mit einer Saisonbilanz von 17:2 Siegen und zuletzt 16 Erfolgen gegen die Orioles hintereinander. Zum Glück für Baltimore müssen sie dieses Jahr nicht mehr gegen die Yankees ran. In der American League East haben zwar die Tampa Bay Rays (71-51) ebenfalls eine starke Woche hinter sich, doch mit zehn Spielen Rückstand dürfte der erste Platz außer Reichweite sein. Apropos außer Reichweite: Auch zwei Siege gegen die Indians ändern für die Boston Red Sox (64-59) nichts daran, dass die Playoffs dieses Jahr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohne den Titelverteidiger stattfinden werden.

Auf die AL Central haben die beiden gerade erwähnten Erfolge der Red Sox gegen die Cleveland Indians (72-49) deutlich stärkere Auswirkungen. Durch sie haben nämlich die Indians den erst am vergangenen Wochenende von den Minnesota Twins (75-48) eroberten ersten Platz bereits wieder verloren. Die Twins liegen jetzt wieder hauchdünn vorne und die kurzfristigen Aussichten scheinen auch eher Minnesota zu begünstigen:  Während die Twins bei den Rangers und gegen die Chicago White Sox (54-65) antreten, müssen die Indians für sieben Tage nach New York – zuerst in die Bronx zu den Yankees, dann direkt weiter nach Queens zu den Mets.

In der AL West gibt es quasi seit Saisonbeginn keine Zweifel am ersten Platz der Houston Astros (78-43). Daran ändert sich auch dadurch nichts, dass sie diese Woche dreimal gegen Teams aus dem Keller – einmal gegen die Orioles, zweimal gegen die White Sox – verloren haben. Jetzt allerdings müssen die Astros nach Oakland zu einer 4-Spiele-Serie bei den Athletics (68-52) und dort sollten sie sich wieder gefangen haben, wenn sie es nicht doch noch mal spannend machen wollen. Ein Sweep durch die Athletics in dieser Serie würde sowohl in der Division alles möglich machen als auch die Ausgangsposition der A’s im Hinblick auf die Wild Cards deutlich stärken. Zurzeit sieht es für die Athletics an beiden Fronten eher schlecht aus: Sie liegen 9,5 Spiele hinter den Astros, zwei Spiele hinter dem Wild-Card-Platz und nach den Astros wartet mit den Yankees direkt das zweite Top-Team der AL auf sie.

National League
In der National League East hatten die Atlanta Braves (72-50) in den letzten vier Wochen eher durchwachsene Ergebnisse, doch zuletzt gab es mal wieder drei Siege in Folge, davon zwei gegen die aufstrebenden New York Mets (61-59). Der Lauf der Mets ist damit erstmal beendet, ihr Rückstand auf die Wild Cards liegt wieder bei drei Spielen. Inhaber der ersten Wild Card sind zurzeit die Washington Nationals (65-55), die sich mit einem Sweep über die Reds wieder etwas Luft verschafft haben. Ebenfalls im Wild-Card-Rennen aktiv sind die Philadelphia Phillies (62-58). Sie haben durch zwei Siege über die Cubs ihren Rückstand auf nur noch zwei Spiele reduziert.

Durch die Niederlagen gegen Philadelphia haben die Chicago Cubs (64-56) die Tabellenführung in der NL Central verloren. An ihrer Stelle stehen nach fünf Siegen in Folge die St. Louis Cardinals (63-55). Wenn es so weiter geht, werden die letzten zehn Tage der Saison Ende September ein furioses Hauen und Stechen, denn Chicago und St. Louis treffen dann noch siebenmal direkt aufeinander. Vielleicht sind dann die Milwaukee Brewers (63-58) der lachende Dritte. Sie segeln zurzeit im Windschatten der beiden anderen, nur eineinhalb Spiele von der Spitze entfernt trotz negativen Run-Differentials. Ein positives Run-Differential und dennoch keine Chance, noch etwas zu reißen, haben die Cincinnati Reds (56-63). Das Schlusslich bilden die Pittsburgh Pirates (50-70). Bei ihnen läuft seit dem All-Star-Break rein gar nichts mehr zusammen und zu allem Überfluss musste nun auch noch Starter Jameson Taillon eine Tommy-John-Surgery über sich ergehen lassen. Er fällt damit nicht nur für den Rest der laufenden, sondern wahrscheinlich auch für die komplette nächste Saison aus.

Von Woche zu Woche wird der Abstand zwischen den Los Angeles Dodgers (81-41) und dem Rest des Feldes in der NL West immer noch ein bisschen größer. 19,5 Spiele Vorsprung haben sie inzwischen auf die Arizona Diamondbacks (61-60), von ihren letzten zehn Spielen haben die Dodgers neun gewonnen. Spannung ist Fehlanzeige in dieser Division, zumal auch die Wild-Card-Aussichten der Diamondbacks oder der San Francisco Giants (60-61) angesichts der geballten Konkurrenz aus den anderen Divisionen nur noch minimal erscheinen. Über das Wochenende treffen die Diamondbacks und die Giants viermal direkt aufeinander – für beide ist diese Serie der letzte Strohhalm, bevor man die Saison so endgültig abhaken muss wie die San Diego Padres (56-64) und die Colorado Rockies (54-67) es längst getan haben.

Szene der Woche 
Drei Homeruns von einem Spieler in einem Spiel kommen deutlich häufiger vor als zum Beispiel ein Cycle, sind aber nüchtern betrachtet wertvoller. Für die Seattle Mariners hatte neun Jahre lang kein Spieler ein 3-Homerun-Game, bis am Dienstag Kyle Seager den Bann brach. Gelungen ist ihm das allerdings nur durch ein bisschen Hilfe des Outfields der Detroit Tigers. Seagers Flyball bei zwei Outs im neunten Inning
war eigentlich zu kurz und Centerfielder Niko Goodrum bereits mit dem Handschuh dran. Doch Leftfielder Brandon Dixon konnte nicht rechtzeitig bremsen, stieß mit Goodrum zusammen und dieser ließ vor Schreck den Ball über den Zaun springen. Da der Ball außer Goodrums Handschuh nichts berührt hatte – nicht den Boden, nicht den Zaun unterhalb der gelben Linie –, war es den Regeln nach ein astreiner Homerun.

Statistik der Woche 
80. So viele Siege haben dieses Jahr als erstes die Yankees und die Dodgers erreicht. In der MLB-Geschichte kam das bislang zweimal vor, 1947 und 1953. In beiden Jahren trafen sich diese beiden Teams letztlich in der World Series.

Spiel der Woche
Man hat ja meistens nicht viel zu lachen als Fan der Mets, aber während der Aufholjagd der letzten Wochen machte das Team endlich mal wieder richtig Spaß. Das merkte man spürbar an der Zahl und an den Reaktionen der Zuschauer in der wichtigen Serie gegen die Nationals am vergangenen Wochenende. In allen drei Partien herrschte regelrechte Playoff-Atmosphäre, wobei der Höhepunkt gleich im ersten Spiel erreicht wurde: Einen 3:6-Rückstand im neunten Inning konnten die Mets zunächst durch Todd Fraziers gewaltigen 3-Run-Homerun ausgleichen und wenig später per Walkoff-Single von Michael Conforto endgültig zum Triumph drehen. Rookie-of-the-Year-Kandidat Pete Alonso war von dem epischen Comeback so begeistert, dass er Conforto die Kleider vom Leib riss…

Mein Einschalttipp
Gipfeltreffen in der NL: Am Wochenende empfängt das zweitbeste Team der bisherigen Saison, die Atlanta Braves, das beste, die Los Angeles Dodgers, zu einer 3-Spiele-Serie. Je nach Schlafgewohnheiten und Medienzugang habe ich unterschiedliche Empfehlungen: DAZN überträgt Freitagnacht ab 1:20 Uhr die erste Partie der Serie. Die Starter werden voraussichtlich Kenta Maeda (4.12 ERA, 4.09 FIP) für die Dodgers und Mike Soroka (2.32 ERA, 3.18 FIP) für Atlanta sein. Am Sonntag um 19:20 Uhr, allerdings nur auf mlb.tv, kann man das Serienfinale zwischen Neuling Dustin May (2.65 ERA, 2.74 FIP) und Max Fried (3.99 ERA, 3.76 FIP) sehen.

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August 8th, 2019 by Silversurger

New York, New York – so lassen sich die auffälligsten Entwicklungen der vergangenen ein, zwei MLB-Wochen in aller Knappheit beschreiben. Die längst totgesagten Mets haben 13 ihrer letzten 14 Spiele gewonnen, stehen plötzlich bei einer positiven Bilanz und mitten im Rennen um eine Wild Card. Die Yankees sind noch einen Schritt weiter: Nach 8 Siegen hintereinander sind sie dabei, sämtliche Konkurrenten in der AL East und damit den Gedanken, das man eine Wild Card brauchen könnte, von sich abzuschütteln. Neben den Houston Astros in der AL West und den Los Angeles Dodgers in der NL West sind die Yankees das dritte MLB-Team, das mit einem zweistelligen Vorsprung den Divisionssieg so gut wie sicher hat.

National League
Die New York Mets (59-56) sind zurzeit das große Thema in der National League East und das völlig zurecht. Dennoch sollte man nicht übersehen, dass sie nach wie vor nur Vierter und ihre wiederbelebten Playoff-Chancen immer noch die eines Außenseiters sind. Die Atlanta Braves (68-48) führen die Division an mit recht komfortablem Vorsprung auf die Washington Nationals (61-53). Beide – zuerst Washington, dann Atlanta – müssen in den nächsten Tagen gegen die Mets antreten. Das wird somit eine extrem interessante und richtungsweisende Woche für die NL East, in der wir auch die Philadelphia Phillies (59-55) nicht vergessen dürfen. Für sie lief es mit verlorenen Serien gegen die White Sox und in Arizona zuletzt nicht gut, aber die ebenfalls angeschlagenen Giants könnten sich als willkommener Aufbaugegner für das Wochenende erweisen.

Die NL Central war dieses Jahr lange äußerst spannend mit einem Dreikampf an der Spitze und zwei weiteren Teams, die ebenfalls nicht weit abgeschlagen waren. Langsam, aber sicher scheint sich nun die Spreu vom Weizen zu trennen. Am Tabellenende erleben die Pittsburgh Pirates (48-66) mit nur 4 Siegen aus 25 Spielen seit dem All-Star-Break eine extrem frustrierende Phase. Bei inzwischen 14 Spielen Rückstand auf die Spitze und 11 auf die Wild Card haben sie sich endgültig aus dem Playoff-Rennen verabschiedet. Auch an der Spitze der Division hat sich das Bild etwas entzerrt, indem die Chicago Cubs (62-52) sich von den Verfolgern Milwaukee Brewers (60-56) und St. Louis Cardinals (58-55) etwas abgesetzt haben. Die Brewers wurden am Wochenende von Chicago im direkten Vergleich gesweept, die Cardinals müssen einen misslungenen Auswärtstrip wegstecken, auf dem sie in Oakland und bei den Dodgers alle fünf Spiele verloren. Die Cincinnati Reds (54-58) sind trotz eines erstaunlich guten Run Differentials von +37 ein Stück zurück und stehen vor einer interessanten Serie: In vier Heimspielen gegen die Cubs können die Reds den Glauben an die große Überraschung entweder neu erwecken oder endgültig begraben.

Ob in der NL West dieses Jahr mit irgendwelchen Überraschungen zu rechnen ist, scheint mir sehr fraglich. Der Divisionssieg ist den Los Angeles Dodgers (77-40) gefühlt schon seit Mai sicher. Im Rest des Feldes hatten sich rund um den All-Star-Break die San Francisco Giants (56-59) in Stellung gebracht, selbiges von hinten aufzurollen, doch nach sechs Niederlagen in den letzten sieben Spielen sind die Träume vom epischen Comeback schon wieder ausgeträumt. Die San Diego Padres (52-61) und die Colorado Rockies (52-62) sind noch deutlicher aus dem Rennen, sodass die Arizona Diamondbacks (58-57) die einzige ernsthafte Hoffnung darstellen, eine Wild Card in die NL West zu holen. Angesichts der großen Konkurrenz aus den anderen Divsionen und nachdem die Diamondbacks zur Trade-Deadline mit Zack Greinke ihren besten Starter abgegeben haben, tippe ich eher darauf, dass sie leer ausgehen.

American League
Wie eingangs erwähnt scheint das lange spannende Rennen um die American League East inzwischen entschieden. Trotz ständiger Verletzungssorgen und einer bestenfalls durchschnittlichen Starting Rotation finden die New York Yankees (75-39) immer wieder Mittel und Wege, ihre Spiele zu gewinnen. Zuletzt waren es Sweeps gegen die Boston Red Sox (60-56) und die Baltimore Orioles (38-76). Angesichts anstehender Serien gegen die Toronto Blue Jays (47-70) und dann erneut gegen die Orioles sieht es ganz danach aus, dass die Yankees vor einer weiteren Woche mit vielen Siegen stehen. Für die Tampa Bay Rays (66-50), inzwischen 10 Spiele hinter den Yankees, wird realistisch betrachtet nur noch der Wild-Card-Weg in die Playoffs führen. Dieser Weg steht auch den Red Sox noch offen, doch aufeinanderfolgende Sweeps erst durch die Rays und dann durch die Yankees waren ein herber Rückschlag für den Titelverteidiger.

In der AL Central steht die vielleicht aufregendste Serie der bisherigen Saison an: Die Minnesota Twins (70-44) haben nur noch zwei Spiele Vorsprung vor den Cleveland Indians (68-46) und empfangen den direkten Konkurrenten am Wochenende für vier Partien (siehe „Einschalttipp“). Vor gut zwei Monaten, am 3. Juni, lagen die Indians noch 11,5 Spiele hinter den Twins. Seitdem haben sie in den letzten 55 Spielen eine Bilanz von 39-16 eingefahren und mit einem erfolgreichen Wochenende könnten sie die Aufholjagd zum Höhepunkt führen. Entschieden wird natürlich noch lange nichts: Bis zum Ende der Saison sind es für beide Teams noch 48 Spiele, 10 davon gegeneinander.

Die Houston Astros (75-40) sind ein sehr gutes Baseballteam (siehe auch „Spiel der Woche“), das die AL West gewinnen wird. Das dürfte ebenso sicher sein wie dass die Texas Rangers (58-56), die Los Angeles Angels (56-59) und die Seattle Mariners (48-68) nichts mit den Playoffs zu tun haben werden. Schade, dass in dieser Division schon so früh so wenig Spannung übrig ist. Und gut, dass es wenigstens die Oakland Athletics (65-50) gibt, die im Wild-Card-Rennen voll dabei sind. Nicht mehr dabei ist für den Rest der Saison übrigens Mariners-Infielder Tim Beckham. Der 29-Jährige wurde bei einem Dopingtest der verbotenen Substanz Stanozolol überführt und mit der für Ersttäter üblichen Sperre von 80 Spielen belegt. 32 dieser Spiele fallen in die kommende Saison, für die Beckham bislang noch keinen Vertrag hat.

Szene der Woche
Den Anblick von pitchenden Positionsspielern ist man ja fast schon gewohnt – sie kommen zum Einsatz, wenn ein Spiel vorzeitig entschieden ist oder so tief in Extra-Innings reicht, dass die regulären Relief-Pitcher verbraucht sind und eine Notlösung her muss. Am Freitag gab es im Spiel der Philadelphia Phillies gegen die Chicago White Sox eine noch interessantere Konstellation: In der unteren Hälfte des 13. Innings brachte Phillies-Manager Gabe Kapler für Pitcher Zach Eflin als Pinch-Runner einen anderen Pitcher, Vince Velasquez. Als das Spiel ins 14. Inning ging, ließ Kapler Velasquez im Spiel – allerdings nicht als Pitcher, sondern im Leftfield. Derweil wurde Outfielder Roman Quinn zum Pitchen auf den Mound geschickt. Das war zwar irgendwie seltsam, aber Velasquez machte auf der ungewohnten Position einen überragenden Job und rettete sein Team vor einem sicheren Rückstand:

Der Ausflug ins Outfield war für Velasquez damit noch nicht beendet. Er kehrte im folgenden Inning zurück auf den Posten, verpasste zunächst nur knapp das Out in einer ähnlichen Szene wie der vorherigen und beendete schließlich das Inning mit einem Catch, der eines Gold Glovers würdig gewesen wäre:

Statistik der Woche 
52. So viele Homeruns haben die New York Yankees dieses Jahr gegen die Baltimore Orioles geschlagen. Das sind mehr Homeruns als jemals ein Team in einer Saison gegen einen einzelnen Gegner erzielt hat. Bisheriger Rekordhalter waren die Yankees selbst mit 48 Homeruns gegen die Kansas City Athletics im Jahr 1956. Was die Sache noch ein Stück beeindruckender macht: Die Yankees spielen dieses Jahr – genauer gesagt nächste Woche – noch viermal gegen die Orioles, da ist also noch einiges drin.

Spiel der Woche
Als die Houston Astros sich letzte Woche zur Trade-Deadline zwei neue Starter gönnten, redeten alle von Zack Greinke, aber fast niemand von Aaron Sanchez. Logisch, denn im Gegensatz zu dem anerkannten Ass Greinke kam Sanchez als eher fragwürdiger Ergänzungsspieler, der es in Toronto dieses Jahr auf einen schwachen ERA von 6.07 gebracht hatte. Von Sanchez‘ erstem Spiel für die Astros werden sie aber noch eine ganze Weile reden. Sechs Innings lang hielt er die Seattle Mariners ohne einen einzigen Hit, anschließend brachten die Reliever Will Harris, Joe Biagini und Chris Devenski den kombinierten No-Hitter zum 9:0-Erfolg über die Mariners nach Hause.

Mein Einschalttipp
Meine Einschaltempfehlung geht diese Woche ganz klar an das Gipfeltreffen der AL Central zwischen den Minnesota Twins und den Cleveland Indians. Von Donnerstag bis Sonntag absolvieren die beiden Kontrahenten vier Spiele gegeneinander. Das Finale der Serie läuft am Sonntag direkt nach der Tagesschau, wenn auch leider nicht im deutschen Fernsehen, sondern nur auf mlb.tv. Das Pitching-Matchup stellen voraussichtlich Rookie Aaron Civale (0.75 ERA, 2.05 FIP) für Cleveland und José Berrios (3.24 ERA, 3.76 FIP) für Minnesota.

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August 1st, 2019 by Silversurger

Die Trade-Deadline, die gestern Abend in der MLB anstand, bedeutet naturgemäß für viele Spieler den Abschied von ihrem Team und von dessen Fans. Dieses Jahr waren die Tage vor der Deadline besonders aufregend, denn zum ersten Mal handelte es sich nach einer Regeländerung um eine endgültige Frist, das heißt weitere Spielerwechsel sind für die laufende Saison ausgeschlossen. Die drei aufsehenerregendsten Trades dieser Woche waren die folgenden:

  • Die Houston Astros holen Starting Pitcher Zack Greinke von den Diamondbacks. Dafür schicken sie vier Minor-League-Prospects nach Arizona.
  • In einem Dreiecks-Trade gehen Starter Trevor Bauer von den Cleveland Indians zu den Cincinnati Reds und Outfielder Taylor Trammell von den Reds zu den San Diego Padres. Die Indians erhalten für die Trennung von ihrem Asss eine ganze Schar von Spielern: Outfielder Yasiel Puig von den Reds, Outfielder Franmil Reyes von den Padres und drei weitere Prospects.
  • Die New York Mets schicken ihre Pitching-Prospects Anthony Kay und Simeon Woods Richardson nach Toronto, um von den Blue Jays Starter Marcus Stroman zu akquirieren.

Nicht nur von einem Team, sondern von seiner gesamten Karriere als Baseballprofi hat sich einer der herausragenden Shortstops der jüngeren MLB-Geschichte verabschiedet: Troy Tulowitzki hatte nach bereits eineinhalb Jahren Verletzungspause und anschließender Entlassung durch die Blue Jays einen Comeback-Versuch bei den Yankees gestartet. Er brachte es auf nur fünf Einsätze in Pinstripes, bevor sein Körper ihm signalisierte und er selbst einsah, dass es genug ist. Der 34-Jährige will nun verstärkt für seine Familie da sein und nebenbei als ehrenamtlicher Assistenztrainer für die University of Texas arbeiten.

American League
Die New York Yankees (68-39) haben zur Deadline für eine große Überraschung gesorgt, indem sie nahezu komplett untätig geblieben sind. Bis zum Schluss galten sie als offensichtlicher Kandidat, mindestens einen Starter an Land zu ziehen, doch Verhandlungen um Zack Wheeler, Robbie Ray, Madison Bumgarner und andere führten allesamt nicht zu Abschlüssen. Der Führende der American League East behält somit seine offensichtliche Schwäche im Starting Pitching bei. Auch die Boston Red Sox (59-50) waren wenig aktiv, was in ihrem Fall mit der unklaren Ausgangssituation auch so zu erwarten war. Immerhin hatten sie schon vor zwei Wochen Andrew Cashner von den Baltimore Orioles (36-71) erworben. Die zwei restlichen Teams der Division waren hingegen sehr rührig: Die Tampa Bay Rays (62-48) verstärkten sich mit Jesus Aguilar, Trevor Richards, Nick Anderson und Eric Sogard, während die Toronto Blue Jays (43-67) als konsequenter Seller auftraten und neben Sogard und Stroman auch Aaron Sanchez, Joe Biagini, Daniel Hudson und David Phelps abgaben.

In der AL Central war die große Story der eingangs erwähnte Blockbuster-Trade der Cleveland Indians (63-44) um Trevor Bauer. Spitzenreiter Minnesota Twins (66-41) gönnte sich zwar nicht die allseits erwartete Verstärkung der Rotation, zog aber mit Sergio Romo (Marlins) und Sam Dyson (Giants) zwei starke Reliever an Land. Die Chicago White Sox (46-59) blieben erwartungsgemäß untätig. Überraschenderweise hatten auch die Kansas City Royals (40-70) eine relativ ruhige Deadline. Zwar gaben sie vor einigen Tagen Starter Homer Bailey und Reliever Jake Diekman nach Oakland sowie Catcher Martin Maldonado zu den Cubs ab, doch Kandidaten wie Ian Kennedy, Whit Merrifield und Billy Hamilton konnten nicht in Talente umgesetzt werden. Die Detroit Tigers (32-72) waren da konsequenter; sie hatten nicht viel anzubieten, wurden aber ihre größten Trade-Chips, Outfielder Nicholas Castellanos (Cubs) und Shane Greene (Braves) gewinnbringend los.

Wenn es so etwas wie einen Gewinner der Trade-Deadline gibt, dann sind es wohl eindeutig die Houston Astros (69-40). Mit Zack Greinke, Aaron Sanchez und Joe Biagini wurde das ohnehin schon starke Pitching-Staff noch einmal gehörig aufgerüstet. Das zweite Team der AL West mit größeren Trade-Aktivitäten sind die Oakland Athletics (61-48). Genau wie die Astros gönnten sie sich zwei Starter – Tanner Roark (Reds) und Homer Bailey (Royals) – sowie einen Reliever, Jake Diekman (Royals). Die Los Angeles Angels (56-54) blieben weitgehend untätig, ebenso die Texas Rangers (54-54), die lediglich Reliever Chris Martin nach Atlanta schickten. Die Seattle Mariners (47-64) trennten sich von Starter Mike Leake (Diamondbacks) sowie den Relievern Hunter Strickland und Roenis Elias (Nationals).

National League
Die National League East war eine der aktivieren Divisionen auf dem Trademarkt – vier von fünf Teams verstärkten sich zur Deadline. Den Anfang machten zur Überraschung aller die New York Mets (52-55), die in oben erwähntem Trade Marcus Stroman holten. Sie lösten damit Spekulationen aus, ob sie Stroman weitertraden oder einen Abgang Noah Syndergaards vorbereiten wollten, doch nichts davon geschah und auch Zack Wheeler und Todd Frazier blieben an Bord. Lediglich der durch Stroman überflüssig gewordene Veteran Jason Vargas wurde für ein nachrangiges Prospect zu den Philadelphia Phillies (56-51) geschickt. Die Mets scheinen sich als Contender zu sehen und vielleicht sind sie das ja wirklich: Nach 6 Siegen in Folge beträgt der Rückstand auf die Wild Card plötzlich nur noch viereinhalb Spiele. Zwischen der Wild Card und den Mets stehen unter anderem die Washington Nationals (57-51) und die Phillies. Die Nationals haben ihren traditionellen Schwachpunkt, den Bullpen, mit Hunter Strickland, Roenis Elias und Daniel Hudson ergänzt. Die Phillies gönnten sich neben Vargas Outfielder Corey Dickerson (Pirates) und Allrounder Jose Pirela (Padres). Bleibt noch der Spitzenreiter Atlanta Braves (64-45), der sich mit Catcher John Ryan Murphy (Diamondbacks) sowie den Relievern Shane Greene (Tigers), Chris Martin (Rangers) und Mark Melancon (Giants) verstärkte. Die Miami Marlins (41-65) waren wie erwartet Seller, indem sie die Pitcher Nick Anderson, Trevor Richards (beide Rays) und Sergio Romo (Twins) abgaben. Gespannt sein darf man, wie sie den von Tampa Bay erworbenen Ryne Stanek nutzen, der beim alten Klub häufig als Opening Pitcher eingesetzt wurde.

In der NL Central tobt mindestens ein Dreikampf um die Spitze, doch die Herangehensweise der Teams an die Trade-Deadline war sehr unterschiedlich. Die Chicago Cubs (57-50) waren sehr aktiv: Sie rüsteten auf mit den Verpflichtungen von Outfielder Nicholas Castellanos, Utility-Man Tony Kemp sowie den Relievern Derek Holland und David Phelps. Catcher Martin Maldonado holten Sie auch, tradeten ihn aber gleich weiter nach Houston für Kemp. Auch die Milwaukee Brewers (57-52) gingen ihre Schwachstellen an, indem sie mit Drew Pomeranz und Jordan Lyles zwei neue Starter holten. Überbesetzt waren sie an der ersten Base, daher war Jesus Aguilar entbehrlich und ging für RP/SP Jake Faria zu den Rays. Co-Tabellenführer St. Louis Cardinals (57-50) verzichtete komplett auf Verstärkungen. Die Cardinals schickten in ihrem einzigen Trade Infielder Jedd Gyorko zu den Dodgers und erhielten dafür Pitcher Tony Cingrani, der allerdings noch für den Rest des Jahres ausfällt. Schwer zu durchschauen sind für mich die Cincinnati Reds (50-56). Sie haben sich von Yasiel Puig, Tanner Roark, Scooter Gennett und Top-Prospect Taylor Tremmell getrennt, mit Trevor Bauer aber auch einen Spitzenspieler an Land gezogen. Die Pittsburgh Pirates (47-61) haben die Saison offensichtlich abgehakt, die Abgabe von Corey Dickerson und Jordan Lyles steht für einen klaren Seller-Ansatz.

Von den Los Angeles Dodgers (71-39) hätte ich größere Aktivitäten erwartet, aber sie beschränkten sich auf ein paar kleinere Moves und ließen den MLB-Kader weitgehend unangetastet. Die NL West werden sie auch so gewinnen, aber ob es so für die ersehnte World Series reicht? Auch die zum Tabellenende durchgereichten Colorado Rockies (50-59) blieben untätig, während die restlichen drei Teams der Division jeweils aktivere, wenngleich etwas rätselhafte Ansätze wählten. Die Arizona Diamondbacks (54-55) trennten sich von ihrer Nummer eins Zack Greinke, hielten aber an Robbie Ray fest und holten in Mike Leake einen Starter dazu. Die San Francisco Giants (55-53) vertradeten einen guten Teil ihres Bullpens – Sam Dyson, Mark Melancon, Derek Holland – sowie Starter Drew Pomeranz, behielten aber Madison Bumgarner und holten 2B Scooter Gennett dazu. Weder aus den Giants noch aus den Diamondbacks werde ich sonderlich schlau. Logischer erscheint der Ansatz der San Diego Padres (50-57): Mit Outfield-Prospect Taylor Trammell und Reliever Carl Edwards Jr. haben sie zwei Puzzleszücke für die kommenden Jahre geholt, ohne allzu viel dafür aufzugeben.

Szene der Woche 
Die Auswahl an sehenswerten Szenen ist diese Woche wieder mal sehr groß. Ein ernsthafter Kandidat ist sicher Trevor Bauers Wutanfall-Wurf vom Mound bis über den Centerfield-Zaun, als er nach einem schwachen Start ausgewechselt wurde. Es war seine letzte Aktion in der Uniform der Indians, wie sich einige Tage später herausstellte. Auch Yasiel Puig zeigte sich zum Abschied aus Cincinnati nicht von seiner angenehmsten Seite, denn seine letzte Amtshandlung als Red war die Beteiligung an einer Massenkeilerei mit den Pirates. Schöner ist, was Max Kepler ablieferte: Er schlug am Freitag den 200. Homerun der Minnesota Twins in diesem Jahr. Noch nie zuvor hat ein Team so früh in der Saison 200 Homeruns erreicht. Die für mich beeindruckenste Szene der letzten Tage war aber eine, die in die Statistik als simples 6-3-Groundout eingeht. Schaut euch dieses Hammerplay von Mariners-Shortstop J. P. Crawford an:

Statistik der Woche 
28.178. In dieser Saison purzeln bekanntlich reihenweise Homerun-Rekorde. Weniger präsent ist, dass auch die Zahl der Strikeouts ständig neue Höchstwerte erzielt. Seit 2008 wurde bereits elfmal in Folge in jedem einzelnen Jahr ein neuer Rekord für die meisten Strikeouts in einer Saison aufgestellt. Die Bestmarke aus dem Jahr 2018 liegt bei 41.207, in der laufenden Saison war es bis heute die eingangs genannte Zahl. Wenn es in diesem Tempo weiter geht, bringen die Pitcher der MLB es dieses Jahr auf rund 42.600 Strikeouts. Die meisten „K“s gehen bislang auf das Konto von Houstons Gerrit Cole. 212 Batter hat er seit Saisonbeginn schon von der Platte gefegt.

Spiel der Woche
Die Orioles sind zwar in der Tabelle weit abgeschlagen und ihre Saison war eigentlich schon vor dem ersten Spieltag gelaufen. Aber auch so ein Team ist im Baseball gelegentlich gut für etwas Groß- und Einzigartiges. Donnerstagnacht lieferten die Orioles sich einen 16-Inning-Marathon mit den Los Angeles Angels, den sie letztlich 10:8 für sich entschieden. Das wäre an sich schon eine tolle Sache, aber das wirklich Besondere ist, dass erstmals seit der offiziellen Einführung dieser statistischen Kategorie vor 50 Jahren ein Positionsspieler einen Save verdient hat. Allround-Ersatzmann Stevie Wilkerson übernahm den Mound, nachdem Jonathan Villar das Team per 2-Run-Homerun in Front gebracht hatte. Mit 14 Pitches – keiner davon schneller als 56 Meilen pro Stunde – gelang Wilkerson ein 1-2-3-Inning gegen Brian Goodwin, Kole Calhoun und Albert Pujols.

 

Mein Einschalttipp
Heute gibt es einen Tipp für Kurzentschlossene: Die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals stehen an der Spitze der NL Central exakt gleichauf und auch die derzeitige Serie gegeneinander steht bislang 1:1-Unentschieden. Das ist eine spannende Konstellation vor dem Rubber-Match, das heute Nacht ab 1:15 Uhr ansteht. Als Starting Pitcher sind Jon Lester (3.63 ERA, FIP) für Chicago und Jack Flaherty (4.17 ERA, FIP) für die Cardinals vorgesehen.

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Juli 25th, 2019 by Silversurger

Für die MLB-Teams, die mit den Playoffs nichts zu tun haben, wird es diese Woche zum letzten Mal in dieser Saison richtig spannend, wenngleich nur jenseits des Platzes: Die Trade-Deadline steht an und somit die Chance, den einen oder anderen Spieler mit auslaufendem Vertrag an konkurrenzfähige Teams abzugeben und im Gegenzug möglichst vielversprechende Nachwuchstalente zu erhalten. Nach einer Regeländerung gilt die Deadline am 31. Juli dieses Jahr erstmals ohne Wenn und Aber. Während früher anschließend noch einen weiteren Monat lang die Möglichkeit bestand, über formale Umwege Trades einzufädeln, ist nun klar, dass es nach dem 31. Juli keine Wechsel mit Auswirkung auf die laufende MLB-Saison mehr geben wird. In der American League ist für die meisten Teams klar absehbar, ob sie zur Deadline als „Buyer“ oder „Seller“ auf dem Plan stehen, denn die Karten im Hinblick auf die Playoffs sind schon relativ eindeutig verteilt. In der National League ist das Bild weniger klar, da sich 14 von 15 Teams zumindest noch Außenseiterchancen auf die Postseason ausrechnen können.

National League
In der National League East sind mindestens drei Teams als potenzielle Käufer einzustufen. Die Atlanta Braves (60-43) haben keine offensichtlichen Lücken im Kader, scheinen aber auch nicht abgeneigt, noch einen Top-Spieler an Land zu holen. Ein Starting Pitcher dürfte das wahrscheinlichste Ziel sein. Auf dem Pitching-Markt werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die Washington Nationals (55-46) tätig werden, um mit ein, zwei neuen Relievern ihre Schwachstelle anzugehen. Die Philadelphia Phillies (54-48) hatten bereits eine sehr aktive Offseason und werden ihren Trend zum Aufrüsten fortsetzen. Auf ihrer Wunschliste stehen vor allem Spieler, die noch ein, zwei Jahre Vertragsdauer mitbringen und nicht nur die wenigen Monate bis Saisonende. Die New York Mets (46-55) sind zwar noch nicht endgültig aus dem Rennen, aber sie werden wohl realistisch genug sein, dieses Jahr abzuhaken und zu schauen, ob und wie sich die auslaufenden Verträge von Zack Wheeler, Todd Frazier und Jason Vargas versilbern lassen. Auch um Noah Syndergaard, der noch bis 2022 an den Klub gebunden ist, gibt es immer wieder Gerüchte. Der Preis für ihn dürfte allerdings hoch sein – während der für Wheeler durch dessen aktuelle Verletzung vermutlich deutlich gefallen ist. Die Miami Marlins (38-62) sind der eindeutigste Seller der NL. Veteranen wie Curtis Granderson, Neil Walker und Sergio Romo können Gegenwerte bringen, die das Rebuilding der Marlins voranbringen.

Die NL Central ist weit offen, daher wird hier wohl kein Team nennenswert als Seller auftreten. Die Chicago Cubs (55-47), die St. Louis Cardinals (54-47) und die Milwaukee Brewers (54-50) sind allesamt auf der Suche nach Relievern. Die Brewers hätten zudem nach der Verletzung von Brandon Woodruff gern einen weiteren Starter, während die Cubs nach einem guten rechtshändigen Batter Ausschau halten. Die Cincinnati Reds (46-54) und die Pittsburgh Pirates (46-55) befinden sich in uneindeutigen Situationen – nicht direkt im Playoffrennen, aber auch nicht abgeschlagen genug, um aufzugeben. In ihrer Situation ist damit zu rechnen, dass sie zur Trade-Deadline weder in die eine noch in die andere Richtung sonderlich aktiv werden.

Die Los Angeles Dodgers (67-37) gewinnen die NL West locker ohne weitere Verstärkungen, aber wie in den vergangenen Jahren werden sie auch dieses Mal versuchen, das eine oder andere Puzzlestück im Hinblick auf das große Ziel eines World-Series-Gewinns hinzuzufügen. Der Schwerpunkt dürfte klar auf Hilfe für den Bullpen liegen. Die restlichen Teams der Division können allesamt noch auf eine Wild Card spekulieren. Die Arizona Diamondbacks (52-51), die ohnehin bereits ein halbes Rebuilding-Projekt darstellen, könnten sich entscheiden, Leute wie Adam Jones und Zack Greinke auf den Markt zu werfen. Greinke steht noch bis 2021 unter Vertrag, ist mit 80 Millionen Dollar an garantiertem Gehalt aber auch extrem teuer. Die Colorado Rockies (47-55) und die San Francisco Giants (52-51) sehe ich als Kandidaten für eine eher untätige Herangehensweise an die Deadline. Das ist in beiden Fällen eine erstaunliche Entwicklung. Die Rockies sahen vor der Saison nach sicheren Contendern aus, konnten die Erwartungen aber bisher nicht erfüllen. Umgekehrt sind die Giants erst in den letzten paar Wochen quasi aus dem Nichts empor gekommen und plötzlich sieht es so aus, dass einst heiße Trade-Kandidaten wie Madison Bumgarner, Will Smith oder Sam Dyson womöglich gar nicht zum Verkauf stehen. Für die San Diego Padres (48-53) ist ebenfalls unklar, ob sie eher kaufen oder verkaufen wollen. Gebrauchen könnten sie einen Starter, idealerweise mit etwas längerem Vertrag als nur bis Saisonende. Guten Gegenwert würden sie für ihren Closer Kirby Yates erzielen.

American League
Die New York Yankees (66-35) gehören zu den klaren Favoriten, einen der verfügbaren Top-Starter zu akquirieren – jemanden wie Zack Wheeler, Mike Minor oder Marcus Stroman. Genau wie die Yankees haben auch die Tampa Bay Rays (58-47) genug Tradematerial in der Farm, um sich ordentlich zu verstärken. Sie dürften vor allem an einem rechtshändigen Batter interessiert sein, aber auch ein starker Reliever würde ihnen weiterhelfen. Die Boston Red Sox (56-47) befinden sich zurzeit im Niemandsland der American League East und sind auch von der Wild Card ein Stück entfernt. Die Ergebnisse der nächsten Tage werden ihre Herangehensweise an die Deadline beeinflussen. Wenn sie sich zum Aufrüsten entscheiden, dürfte ihr Fokus auf Hilfe für den Bullpen liegen, nachdem sie die Rotation bereits vor knapp zwei Wochen durch Andrew Cashner ergänzt haben. Die Toronto Blue Jays (39-65) sind gut bestückt mit dem, was viele suchen: Ihre Reliever Daniel Hudson und Ken Giles sowie Starter Marcus Stroman dürften zu den begehrtesten Trade-Chips der Liga gehören. Auch die Baltimore Orioles (32-69) sind klar in der Situation eines Sellers. Mindestens Closer Mychal Givens und Infielder Jonathan Villar werden in den nächsten Tagen gegen Talente eingetauscht werden.

Die Minnesota Twins (61-40) könnten einen Top-Starter sowie einen verlässlichen Reliever gebrauchen. Das ist allerdings das gleiche, was sehr viele suchen und man darf bezweifeln, ob die Twins zum Zahlen hoher Preise in Form guter und/oder zahlreicher Talente bereit sind. Ihr einziger Konkurrent in der AL Central, die Cleveland Indians (59-42), wird voraussichtlich wenige bis keine Trade-Aktivitäten entfalten. Die Gerüchteküche in Cleveland drehte sich in den letzten Wochen weniger um Verstärkungen als darum, ob man Starter Trevor Bauer auf den Markt wirft. Nachdem die Indians sich sowohl in der Division als auch im Wild-Card-Rennen eine stark verbesserte Position erarbeitet haben, dürfte das aber vorerst vom Tisch sein. Die Chicago White Sox (45-54) haben im Zuge ihres Neuaufbaus in den letzten Jahren ein Team mit jungen Spielern und langfristigen Verträgen zusammengestellt und werden ebenfalls wenig Interesse an Trades haben. Ein Wechselkandidat könnte allenfalls noch Veteran José Abreu sein, doch sowohl der Klub als auch der Spieler haben signalisiert, über den auslaufenden Vertrag hinaus miteinander arbeiten zu wollen. Die Kansas City Royals (39-64) werden sicher schon einige Angebote für Infielder Whit Merrifield prüfen. Zudem stehen Outfielder Billy Hamilton sowie die Reliever Jake Diekman, Wily Peralta und Ian Kennedy im Schaufenster. Auch bei den Detroit Tigers (30-67) können verstärkungswillige Teams fündig werden: Outfielder Nicholas Castellanos und Closer Shane Green werden in einer Woche wahrscheinlich einen neuen Arbeitgeber haben.

Die Houston Astros (66-38) schwimmen mit in dem Trend, in erster Linie nach Pitching Ausschau zu halten. Mindestens ein weiterer Starter soll her, vielleicht auch zwei angesichts der Verletzungsmisere in Houstons Rotation, dazu gerne ein Linkshänder für den Bullpen. Die Hauptkonkurrenten in der AL West, die Oakland Athletics (58-45), sind bereits einen Schritt weiter, denn sie haben schon Starting Pitcher Homer Bailey von den Royals an Land gezogen. Auch die A’s sind aber weiterhin an Pitchern interessiert, genauso wie die Los Angeles Angels (54-49), die vor wenigen Wochen noch nach Sellern aussahen, aber nun so gut dastehen, dass sie wohl kaufen werden. Trotz der jüngsten Erfolge sind die Schwächen in der Rotation schon länger unübersehbar, und durch den Tod von Tyler Skaggs und die Entlassung von Matt Harvey sind sie noch akuter geworden. Die Texas Rangers (51-51) befinden sich seit dem All-Star-Break im freien Fall und werden wohl als Seller auftreten. Starting Pitcher Mike Minor, Outfielder Hunter Pence und Reliever Chris Martin könnten interessante Optionen für andere Teams sein. Auf gar keinen Fall wird die Deadline verstreichen, ohne dass der tradefreudigste General Manager der Liga, Jerry Dipoto von den Seattle Mariners (42-63), aktiv geworden ist. Sicher vor einem Trade ist unter Dipoto niemand, als wahrscheinlichste Kandidaten für einen Arbeitsplatzwechsel gelten Starter Mike Leake und – trotz aktueller Verletzung – Second Baseman Dee Gordon.

Szene der Woche 
Auf dem Feld gab es in den letzten Tagen ein Triple-Play der Twins, einen Cycle von Trea Turner und Spiele von Robinson Cano sowie von Paul DeJong mit jeweils 4 Hits und 3 Homeruns. Meine Szene der Woche war aber die Aufnahmezeremonie der Baseball Hall of Fame. Mariano Rivera als erster einstimmig Gewählter aller Zeiten, zudem Roy Halladay, Edgar Martinez, Mike Mussina, Harold Baines und Lee Smith empfingen die ehrenvolle Aufnahme in den Kreis der Besten ihres Sports. Für den 2017 bei einem Flugzeugabsturz gestorbenen Halladay nahm seine Witwe Brandy an der Ehrung teil. Wenn ihr an einer etwas ausführlicheren Vorstellung der Hall-of-Fame-Klasse 2019 interessiert seid, werft doch mal einen Blick auf den Artikel, den ich früher im Jahr dazu geschrieben habe.

Statistik der Woche 
11. Am Jahrestag der Mond-Mission Apollo 11 haben die Astros 11 Runs gegen die Athletics erzielt und 11:1 gewonnen. Der 11. Run wurde mit dem 11. Hit der Astros durch den 11. Batter erzielt, den sie im dritten Inning an den Schlag brachten. Rookie-Phänomen Yordan Alvarez trug seinen Teil bei, unter anderem mit dem 11. Homerun seiner jungen Karriere. Starter Gerrit Cole warf 11 Strikeouts auf dem Weg zu seinem 11. Win des Jahres.

Spiel der Woche
Die New York Yankees und die Minnesota Twins sind zwei Schwergewichte der American League. Der Fight, den sie sich Dienstagnacht lieferten, war diesem Status mehr als würdig. Wie zwei Schwergewichtsboxer hauten sie sich in den späten Innings der Partie die scheinbar entscheidenden Schläge um die Ohren, immer wieder rappelte der Gegner sich hoch und schlug zurück. Aaron Hicks, Didi Gregorius, Miguel Sano und Gleyber Torres ließen sich allesamt zu früh für den vermeintlichen Knockout feiern, bevor es am Ende dann doch wieder Hicks war, der den Schlusspunkt setzte – nicht mit einem Schlag, sondern mit einem spektakulären Catch, der gegen den Flyball von Max Kepler im zehnten Inning bei zwei Outs und geladenen Bases ein neuerliches Comeback der Twins verhinderte und den 14:12-Erfolg der Yankees besiegelte.

Mein Einschalttipp
Da dieser Grand Slam am Donnerstag im Zeichen der Trade-Deadline steht, habe ich auch einen dazu passenden Einschalttipp: Die San Diego Padres treffen am Wochenende dreimal auf die San Francisco Giants. Für beide Klubs können der Verlauf und der Ausgang dieser Serie die Richtung weisen, wie sie an die Deadline herangehen. In der Partie am Sonntag treffen als Starting Pitcher voraussichtlich Chris Paddack (2.84 ERA, 4.02 FIP) für die Padres und Madison Bumgarner (3.66 ERA, 3.62 FIP) für die Giants aufeinander. Für Bumgarner geht es buchstäblich um seinen Job, denn sein Vertrag läuft zum Saisonende aus, und falls die Giants sich zum Verkaufen entschließen, wird er wohl der wahrscheinlichste Trade-Kandidat seines Klubs sein. Das Spiel läuft ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf mlb.tv.

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Juli 18th, 2019 by Silversurger

Die MLB-Saison ist wieder im vollen Lauf, der All-Star-Break schon fast vergessen – nicht zuletzt, weil die Los Angeles Angels zum Wiederbeginn einen emotionalen Paukenschlag gelandet haben. Ihr erstes Heimspiel nach dem Tod von Tyler Skaggs hätte kein Drehbuchschreiber sich besser ausdenken können. Mehr dazu im „Spiel der Woche“, jetzt aber erst mal ein kurzer Überblick über die einzelnen Divisionen.

American League
Die American League East sieht vom Tabellenbild her weitgehend unverändert aus, nachdem die New York Yankees (60-33) und die Tampa Bay Rays (56-41) sich im Spitzenduell bisher die Siege geteilt haben. Die für gestern vorgesehene Partie musste wegen schlechten Wetters abgesagt werden, dafür gibt es heute einen Doubleheader zwischen den Yankees und den Rays. Die Boston Red Sox (52-44) kamen eher durchwachsen aus den Startlöchern zur zweiten Hälfte und sind im Wild-Card-Rennen hinter den Rays, den Indians und den Athletics etwas zurückgefallen. Zur Stabilisierung der bislang enttäuschenden Rotation haben die Red Sox Andrew Cashner im Tausch gegen zwei 17-jährige Prospects von den Baltimore Orioles (29-66) ertradet.

In die AL Central ist plötzlich die Spannung zurück gekehrt. Zwar starteteten die Minnesota Twins (58-36) mit zwei Siegen über Verfolger Cleveland Indians (54-40) in den zweiten Teil der Saison. Doch ein Sieg der Indians in Spiel drei sowie drei Erfolge gegen die Detroit Tigers (29-62), während die Twins sich von den Mets sweepen ließen, haben den einst komfortablen Vorsprung auf nur noch vier Spiele reduziert. Das könnte noch mal eng werden, zumal die Twins mit den Athletics und den Yankees deutlich schwerere Aufgaben vor sich haben als die Indians mit den Kansas City Royals (35-62) und den Blue Jays.

Die Spitze der AL West haben die Houston Astros (60-37) zwar noch relativ fest im Griff, doch das Team der Stunde sind eindeutig die Oakland Athletics (55-41). Die A’s sind als einziges Team der MLB seit dem All-Star-Break ohne Niederlage und haben sich im Ringen um Platz zwei und eine Wild Card inzwischen deutlich von den Texas Rangers (50-46) abgesetzt. Die Rangers, das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, machen nach vier verlorenen Spielen in Folge den Eindruck, dass die Luft ziemlich draußen ist. 4:12, 2:9 und 4:19 lauteten die letzten Ergebnisse und als nächstes müssen die Rangers ausgerechnet bei den Astros antreten. Gegen Selbige haben die Los Angeles Angels (50-47) zuvor noch ein viertes Spiel. Die Angels befinden sich gegenüber den Rangers auf der Überholspur. Sie haben bislang zwei von drei gegen Houston gewonnen und davor die Mariners gesweept.

National League
Die Atlanta Braves (58-39) haben zuletzt zweimal gegen die Brewers verloren, aber der Vorsprung in der National League East beträgt beruhigende 6 Spiele. Wenn es gut läuft, können die Braves die Division in den kommenden zwei Wochen bereits mehr oder weniger eintüten: In den nächsten zwölf Partien geht es zehnmal gegen die direkten Verfolger: siebenmal gegen die Washington Nationals (50-44) und dreimal gegen die Philadelphia Phillies (49-47). Ein deutliches Lebenszeichen senden mit bislang vier Siegen hintereinander die New York Mets (44-51). Für sie steht eine interessante Serie in San Francisco an, denn dort treffen zwei Teams aufeinander, die eine enttäuschende erste Hälfte und einen vielversprechenden Start in Teil zwei der Saison gemeinsam haben.

Die NL Central ist nach wie vor die spannendste Division der Liga. Nur 7,5 Spiele liegen zwischen Platz eins und fünf, das sind weniger als in jeder anderen Division zwischen Platz eins und drei. Die Chicago Cubs (52-44) hatten einen Traumstart in die zweite Saisonhälfte. Ein Sweep gegen die Pittsburgh Pirates (45-50) und zwei von drei gegen die Cincinnati Reds (43-50) halten die Cubs an der Spitze und die aufmüpfigen Außenseiter auf Distanz. Die Milwaukee Brewers (50-47) schauen nach einer schwächeren Phase zurzeit mehr nach den St. Louis Cardinals (48-46) in ihrem Rücken als nach den Cubs, doch zuletzt zwei Siege gegen die Braves geben Milwaukee Anlass zur Hoffnung, dass der Slump vorerst überwunden ist.

Das stärkste Team im Baseball bleiben die Los Angeles Dodgers (64-34). Bei 14 Spielen Vorsprung in der NL West dürfte ihre größte Sorge darin bestehen, bis zu den Playoffs fokussiert zu bleiben und nicht nachlässig zu werden. Im Wettbewerb um die Wild-Card-Plätze mischen zurzeit nur die Arizona Diamondbacks (49-47) mit. Die San Diego Padres (46-49) und die Colorado Rockies (46-50) schwächeln zurzeit erheblich und sind sogar hinter die San Francisco Giants (47-49) zurück gefallen. Die 5-Siege-Serie der Giants, darunter ein 4-Spiele-Sweep über die Rockies, ist eine der größten Überraschungen der ersten Woche nach dem All-Star-Break.

Szene der Woche 
Ein Single von Hanser Alberto für die Baltimore Orioles beendete den acht Innings währenden Traum der Tampa Bay Rays, das erste combined Perfect Game der MLB-Geschichte zu werfen. Normalerweise wechselt man einen Pitcher, der ein perfektes Spiel am Laufen hat, nicht aus. Doch die von den Rays eingeführte Taktik des Opening Pitchers hat Ryne Stanek und Ryan Yarbrough ganz nah an das noch nie dagewesene Ereignis heran gebracht. Nach dem ersten Pitch im neunten Inning war der Traum ausgeräumt. Spielverderber Alberto scorte später noch den einzigen Run für die Orioles, bevor das Spiel mit 4:1 für Tampa Bay endete.

Statistik der Woche 
5+3. Die Cincinnati Reds sind das erste Team im modernen Baseball, das heißt seit mindestens dem Jahr 1900, das in einem Spiel 5 Triples und 3 Homeruns erzielt hat. Gelungen ist ihnen das am Samstag während eines 17:9-Auswärtssieges bei den Colorado Rockies. Eine historische Leistung vollbrachte dabei auch Phillip Ervin, der als erster Reds-Spieler seit fast exakt 70 ein Spiel mit 6 Hits vollbrachte. Winning Pitcher der Partie war übrigens Jared Hughes. Er warf genau einen Pitch.

Spiel der Woche
Ich hatte es eingangs schon erwähnt: Das Spiel der Los Angeles Angels gegen die Seattle Mariners vom letzten Freitag war wohl das unglaublichste Ereignis des MLB-Jahres. Es war das erste Heimspiel nach dem Tod von Tyler Skaggs, obendrein der Vorabend seines 28. Geburtstages, und die Trauer um den verlorenen Teamkameraden war ominpräsent. Alle Spieler der Angels trugen Skaggs-Trikots mit der Nummer 45, den zeremoniellen ersten Pitch warf die Mutter von Tyler Skaggs – übrigens einen perfekten Strike. Von dieser Sorte warfen die echten Pitcher der Angels an dem Tag noch einige mehr, es wurde ein No-Hitter. Vollbracht haben diese Leistung Taylor Cole und Felix Pena, aber dieser No-Hitter wird für immer untrennbar mit dem Namen Tyler Skaggs verbunden sein. Eine paar weitere Kuriositäten: Die Offense der Angels erzielte 13 Runs und 13 Hits wenige Stunden vor dem 13. Juli, Skaggs Geburtstag. Es war der erste combined No-Hitter in Kalifornien seit dem 13. Juli 1991, dem Tag an dem Skaggs geboren wurde.

Mein Einschalttipp
Die Oakland Athletics sind nach dem All-Star-Break bislang das erfolgreichste Team  der Liga und haben sich in Reichweite der einst übermächtig erscheinenden Houston Astros gebracht. Ob sie ihnen ernsthaft gefährlich werden, kann sich nächste Woche weisen, wenn die Kontrahenten von Montag bis Mittwoch in Houston dreimal direkt aufeinander treffen. Mein Einschalttipp ist die Partie am Mittwoch zur besten Sendezeit ab 20:10 Uhr nach mitteleuropäischer Rechnung. Da es noch fast eine Woche hin ist, stehen die Starting Pitcher für das Spiel noch nicht fest, aber wahrscheinlich wird es auf Justin Verlander (2.98 ERA, 4.07 FIP) für Houston und Chris Bassitt (3.98 ERA, 4.42 FIP) für Oakland hinauslaufen.

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Juli 11th, 2019 by Silversurger

Auch mitten im All-Star-Break gibt es den Grand Slam am Donnerstag, aber da durch selbigen seit letzter Woche nur wenige MLB-Spiele stattgefunden haben und sich an den Ständen kaum etwas verändert hat, verzichte ich dieses Mal auf die Einzelbetrachtung der Divisionen. Stattdessen liegt der Fokus auf den drei Hauptevents der All-Star-Woche – plus Einschalttipp für das Wochenende, an dem endlich wieder „richtiger“ MLB-Baseball ansteht.

Zuvor ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich bin die nächsten knapp drei Wochen im Urlaub. Mein Plan ist, auch in dieser Zeit den Grand Slam am Donnerstag regelmäßig zu schreiben und zu veröffentlichen – es gilt schließlich, eine Serie von bislang 162 Folgen ohne Unterbrechung zu wahren. Aber wundert euch bitte nicht, wenn er mal etwas später kommt oder kürzer ausfällt als gewohnt und wenn ich zwischendurch wenige oder gar keine zusätzlichen Artikel schreibe.

MLB Futures Game 
Den Auftakt der All-Star-Woche bildete wie üblich das Futures Game. Dieses Stelldichein der vielversprechendsten Talente erfährt leider nicht die Beachtung, die es verdient. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es immer schon am Sonntag gleichzeitig mit der letzten Runde der MLB-Spiele vor dem Break stattfindet. Bislang traten immer die US-amerikanischen Talente gegen die aus dem Rest der Welt an. Dieses Jahr wurde der Modus geändert, sodass erstmals genau wie im All-Star-Game ein Team der American League gegen eines der National League spielte. Einen Sieger gab es dabei nicht: Im siebten und eigentlich letzten Inning gelang Samuel Huff (Texas Rangers) ein 2-Run-Homerun zum 2:2-Ausgleich für die AL, und nachdem auch ein Extra-Inning keine Entscheidung brachte, beließ man es beim Unentschieden. Die NL war zunächst im vierten Inning durch RBI-Singles von Taylor Trammell (Cincinnati Reds) und Dylan Carlson (St. Louis Cardinals) in Führung gegangen.

Homerun-Derby
In der MLB sind dieses Jahr schon einige Homerun-Rekorde gefallen – unter anderem zweimal hintereinander der Rekord für die meisten Homeruns, die je in einem Monat geschlagen wurden. Logisch, dass die Erwartungen auch an das Homerun-Derby hoch waren, und sie wurden nicht enttäuscht. 312 Homeruns bekamen die Zuschauer Dienstagnacht zu sehen, das waren 91 mehr als der bisherige Rekord aus dem letzten Jahr. Exakt so viele Homeruns, also 91, schlug allein Vladimir Guerrero Jr. Auch das ist ein neuer Rekord, ebenso wie die 40 Homeruns, die Guerrero Jr. in der zweiten Runde schlug, um gegen Joc Pederson zu gewinnen und ins Finale einzuziehen. Diese zweite Runde war ein Duell für die Ewigkeit: Beide Kontrahenten erzielten innerhalb der regulären Zeit (4 Minuten plus 30 Sekunden Bonus) je 29 Homeruns. Es folgte eine Verlängerung von 1 Minute, in der beide es auf 8 Homeruns brachten. Um das Unentschieden zu durchbrechen, wurden dann abwechselnd je drei Schwünge ausgeführt. Beim zweiten Mal gelang Guerrero Jr. einen Homerun mehr als Pederson, sodass er mit 40:39 diese Runde gewann.

Fast alles drehte sich an diesem Abend um Guerrero Jr., aber gewonnen hat er das Home Run Derby nicht. Denn im Finale unterlag der Rookie einem anderen Neuling, Pete Alonso von den New York Mets. Alonso genügte eine Gesamtzahl von 57 Homeruns für den Sieg, denn er hatte Glück mit den Gegnern und dem Spielmodus: Er durfte in jeder Runde als Zweiter schlagen und das Duell endete sofort, wenn die vorgelegte Zahl des Gegners übertroffen war. So genügten ihm 14 gegen Carlos Santana, 20 gegen Ronald Acuna und 23 gegen Guerrero Jr.

Da Alonso alle Gegner schlug und in jeder Runde noch Zeit übrig hatte, war es ein klarer und verdienter Sieg für ihn. Klar ist aber auch, dass Guerrero Jr. es schwerer hatte als er, da er in jeder Runde vorlegen und somit alles geben musste, von dem schier endlosen Duell in Runde zwei ganz zu schweigen.

All-Star-Game
Zum siebten Mal hintereinander hat die American League das All-Star-Game gewonnen. Das Astros-Duo aus Alex Bregman (Single) und Michael Brantley (RBI-Double) brachte die AL als erste aufs Scoreboard. Ein Homerun von Joey Gallo, ein RBI-Single von Jorge Polanco und ein Run von Matt Chapman während eines Double Plays gegen Xander Bogaerts waren die weiteren Scores für den 4:3-Sieger. Die Runs der NL erzielten Charlie Blackmon per Homerun und Pete Alonso per 2-RBI-Single. Auf dem Mound herrschte wie im All-Star-Game üblich viel Kommen und Gehen unter den Größten ihres Fachs. Justin Verlander, Jacob deGrom, Jose Berrios, Luis Castillo und Aroldis Chapman überzeugten mit dominanten Innings, ebenso Clevelands Lokalmatador Shane Bieber, der anschließend zum MVP des Spiels erklärt wurde.

Mein Einschalttipp
Es waren nur vier Tage Pause, obendrein mit Unterhaltungsprogramm, aber trotzdem bin ich froh, dass die Saison endlich weitergeht. Ebenfalls sehr erfreulich finde ich, dass Sport1 zurzeit mal wieder ein paar MLB-Spiele mit deutschem Kommentar ins Programm genommen hat. In den nächsten Tagen gibt es gleich zwei davon, die ich hiermit als Einschalttipp empfehle: Am Sonntag ab 20 Uhr gibt es das Verfolgerduell der NL East zwischen den Washington Nationals und den Philadelphia Phillies zu sehen. Am Mittwoch ab 21 Uhr wird ein Spiel übertragen, das ich selbst nicht besser hätte aussuchen können: Die Minnesota Twins treffen auf meine Lieblinge, die New York Mets. Zugegeben, die Mets sind (wieder mal) ein ziemlicher Verkehrsunfall, aber wegschauen kann man bei sowas ja auch nicht. Und zumindest die Twins mit Max Kepler machen dieses Jahr richtig Spaß.

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