Category: Grand Slam

Juli 29th, 2021 by Silversurger

Für die MLB-Teams ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen hinsichtlich ihrer Ambitionen für den Rest des Jahres: Am morgigen Freitag um 22 Uhr steht die Trade-Deadline an. Bis dahin müssen alle, die entweder mit Verstärkungen nachrüsten oder aber ihre Veteranen gegen Geld und Talente versilbern wollen, ihre Deals abgeschlossen haben. Traditionell finden viele Geschäfte in den letzten Stunden vor der Deadline statt, aber eine ganze Reihe interessanter Trades ging während der letzten Tage schon über die Bühne. Den dicksten Fisch zogen die Padres in Form von Adam Frazier an Land. Frazier ist eine Allzweckwaffe auf dem Feld und führt nach seiner bisherigen Saison bei den Pirates die MLB mit den meisten Hits an.

Die nachhaltigste Neuerung dieser Woche ist keine Spielerverpflichtung, sondern die Bekanntgabe, unter welchem Namen Clevelands Baseball-Franchise künftig antreten wird. Nach dem angekündigten Abschied vom umstrittenen Spitznamen „Indians“ nennt sich das Team ab nächster Saison „Cleveland Guardians“. Der Name stellt einen Bezug zur Hope Memorial Bridge dar, die den westlichen Teil der Stadt mit dem östlichen verbindet und von acht Statuen, den „Guardians of Traffic“, getragen wird. 

Die Toronto Blue Jays werden ab morgen endlich wieder dem ersten Teil ihres Namens gerecht: Nach eineinhalb Spielzeiten an coronabedingten Ausweichstandorten in den USA kehren sie zurück nach Toronto, um den Rest der Saison in ihrem Heimstadion auszutragen. 15.000 Zuschauer, rund 30 Prozent der regulären Kapazität, werden im Rogers Centre erlaubt sein. 

National League
In der NL East gab es schon einige Tradeaktivitäten. Die New York Mets (54-46) holten sich Starting Pitcher Rich Hill von den Rays. Das ist noch nicht der große Deal, auf den viele Fans hoffen, aber eine sinnvolle Ergänzung der von Verletzungen gebeutelten Rotation – verbunden mit der Hoffnung, auf Bullpen-Games und Starts von Jerad Eickhoff künftig verzichten zu können, zumal morgen auch Carlos Carrasco endlich sein Mets-Debüt geben soll. Die Philadelphia Phillies (50-50) wollen offenbar auch etwas für die Rotation tun. Jedenfalls hatten sie vorgestern bereits Tyler Anderson von den Pirates an der Angel, der dann aber doch nach Seattle ging. Die Atlanta Braves (50-52) hatten sich schon letzte Woche mit OF Joc Pederson (Cubs) und C Stephen Vogt (Diamondbacks) verstärkt. Die Washington Nationals (46-54) sind ziemlich sicher aus dem Playoffrennen, zumal sie gestern auch noch mehrere Hiobsbotschaften erhielten: Es gibt einen erneuten Covid-Ausbruch im Team, der unter anderem SS Trea Turner betrifft, zudem muss SP Stephen Strasburg operiert werden und wird dieses Jahr nicht mehr spielen. Umso wahrscheinlicher wird es, dass die Nationals ihr anderes Ass Max Scherzer vor der Deadline abgeben werden. 

Die Milwaukee Brewers (60-42) sind in der NL Central so gut wie durch. Im Hinblick auf die Playoffs wünschte sich das Team, das primär von überragendem Pitching lebt, noch ein Upgrade für die Offense – und fand es gestern Nacht in Person von Infielder Eduardo Escobar, den man von den Diamondbacks holte. Vom Rest der Division erwarte ich dieses Jahr nicht mehr viel, aber die Cincinnati Reds (53-49) scheinen durchaus noch Ambitionen zu haben. Dafür spricht jedenfalls, dass sie bereits mehrere Trades einfädelten, um ihre Schwachstelle, den Bullpen, durch die Neuverpflichtungen Mychal Givens (Orioles), Luis Cessa und Justin Wilson (beide Yankees) aufzuwerten. 

Die San Diego Padres (59-45) haben mit dem Deal für Adam Frazier den ersten Trade-Schuss in der NL West abgegeben. Man darf gespannt sein, wie die San Francisco Giants (63-38) und die Los Angeles Dodgers (62-41) darauf reagieren. Beide sind auf dem Markt für Starting Pitching, die Dodgers könnten zudem einen Shortstop gebrauchen – Trevor Story von den Colorado Rockies (44-58) dürfte ein heißer Kandidat sein. Wenn ihr die beiden Top-Teams der Division im direkten Duell sehen wollt, gibt es die Möglichkeit dazu übrigens heute Abend mit dem dritten Spiel der laufenden Serie – ausnahmsweise mal zu einer europafreundlichen Zeit um 21:45 Uhr statt der üblichen Westcoast-Nachtschichten. 

American League
Während die Verfolger in der AL East, die Tampa Bay Rays (60-42), mit der Verpflichtung von DH Nelson Cruz aus Minnesota ihren größten Need bereits angegangen sind, halten die Spitzenreiter Boston Red Sox (63-40) sich noch zurück. Allzu groß dürften ihre Lücken im Kader nicht sein angesichts ihrer starken Saison und sieben Siegen aus den letzten neun Spielen gegen die New York Yankees (53-47) und die Toronto Blue Jays (50-48), aber einen zusätzlichen Starter wollen die Red Sox wohl gerne noch holen. Die Yankees haben, wie oben erwähnt, zwei Reliever nach Cincinnati transferiert. Spricht das dafür, dass sie die Saison aufgeben? Eher nein, vielmehr sieht es danach aus, dass sie mit dem Move Platz im Kader und auf der Gehaltsliste schaffen wollten, um anderweitig noch mal nachzulegen. Während ich diesen Artikel schreibe, sieht es gerade stark danach aus, dass die Yankees mit den Rangers an einem Trade für OF Joey Gallo arbeiten.

Die Lage in der AL Central gleicht jener in der anderen Central-Division. Auch hier steht mit den Chicago White Sox (60-42) der Sieger faktisch fest, während die restlichen Teams die Postseason bereits abgehakt haben. Für einen tiefen Postseason-Run sind die White Sox noch auf der Suche nach Hilfe für den Bullpen und für das Infield, in dem seit der Verletzung von 2B Nick Madrigal eine Lücke klafft. Verstärkungen im Outfield kommen aus den eigenen Reihen durch die Rückkehr von Eloy Jimenez und Luis Robert. Die Minnesota Twins (43-60) sind nach dem Cruz-Trade vermutlich noch nicht fertig mit dem Ausverkauf in ihrer enttäuschenden Saison. Obwohl der deutsche Outfielder Max Kepler noch bis 2024 für relativ teamfreundliche 25,25 Millionen Dollar unter Vertrag steht, gibt es auch um ihn Trade-Gerüchte. 

Die Houston Astros (63-40) haben sich in der AL West ein Polster von mittlerweile sechs Spielen auf die Oakland Athletics (57-46) angelegt. Bei der Suche nach Verstärkungen legen die Astros bislang einen klaren Schwerpunkt auf den Bullpen: Yimi Garcia kommt aus Miami, Kendall Graveman und Rafael Montero von den Seattle Mariners (55-48). Die Mariners sind selbst nach wie vor erstaunlich stabil im Rennen um einen Playoff-Platz (siehe „Spiel der Woche“). Ihr GM Jerry Dipoto ist in Sachen Trade-Aktivitäten immer für eine Überraschung gut. Dass er Graveman und Montero zu den Houston Astros ausgerechnet zum aktuellen Seriengegner und Divisionskonkurrenten schickt, zudem zu zweifelhaftem Gegenwert in Form von 3B Abraham Toro und RP Joe Smith, erschließt sich mir nicht. Einleuchtender ist die Verstärkung der Rotation mit SP Tyler Anderson, den Dipoto für zwei Prospects von den Pirates holte. Er schnappte Anderson den Phillies vor der Nase weg, als die sich eigentlich mit den Pirates bereits einig waren, es aber eine offene medizinische Frage bezüglich eines der Prospects gab, die Philadelphia schicken wollte. 

Szene der Woche
Wenn aus einem Single durch mehrere Errors faktisch ein Homerun wird, ist das sicher nicht die große Kunst des Baseballs. Nicht umsonst bezeichnet man eine solche Aktion auch als „Little League Homerun“. Unterhaltsam sind Szenen wie die folgende vom vergangenen Freitag allemal, zumindest wenn man nicht gerade Fan des gegnerischen Teams ist. Auf die spöttische Schlagzeile „Guardians did not guard home“ mussten die Indians, die gerade die anstehende Namensänderung bekannt gegeben hatten, nach der Pannenserie bei der 5:10-Niederlage gegen die Rays nicht lange warten. 

Statistik der Woche 
108. So viele Stiche hat die Naht eines Baseballs. Aber darum soll es hier gar nicht gehen, sondern darum, dass die Texas Rangers die „Leistung“ vollbracht haben, 108 Innings hintereinander niemals in Führung zu liegen. Zwölf Spiele verloren sie während dieser Durststrecke, die einen Franchise-Rekord darstellte. Der Bann brach am Dienstag, als die Rangers im vierten Inning gegen die Diamondbacks 5:1 in Führung gingen und das Spiel schließlich mit 5:4 nach Hause brachten. 

Spiel der Woche
Die Mariners sind ein Team, das schlichtweg nicht aufgibt. Das zeigen sie schon die gesamte Saison über, in der sie schon mehrfach totgesagt waren und doch stets zurück ins Playoffrennen fanden. Geradezu sinnbildlich für die Mariners des Jahres 2021 war das Spiel gegen die Astros am Montag. 0:6 lagen sie nach dem ersten Inning zurück, 0:7 im vierten, erst dann fanden die Mariners langsam ins Spiel. Mit einem 7:8-Rückstand und zwei Outs im achten Inning luden sie die Bases, bevor Dylan Moore mit einem Grand Slam zum 11:8 das Comeback perfekt machte. 

Mein Einschalttipp
Ein Hauch von World Series könnte am Wochenende durch San Francisco wehen, wenn die Giants als derzeit stärkstes Team der National League auf die Houston Astros als (gemeinsam mit den Red Sox) stärkstes Team der American League treffen. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag sind die Spiele aus europäischer Sicht günstig gelegen mit einer Startzeit von jeweils 22:05 Uhr.

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Juli 22nd, 2021 by Silversurger

Die heiße Phase vor der Trade-Deadline ist noch eine Woche entfernt, doch einen nennenswerten Deal gab es schon vor ein paar Tagen: Outfielder Joc Pederson wurde im Tausch gegen First-Base-Prospect Bryce Ball von den Chicago Cubs zu den Atlanta Braves geschickt. Die Braves waren unter Zugzwang nach der Verletzung von Ronald Acuna Jr., die Cubs hatten sich dieses Jahr schon früh mit der Seller-Rolle angefreundet.

So friedlich-kooperativ wie zwischen den Cubs und den Braves geht es leider nicht überall in der Liga zu. Zwischen den Red Sox und den Yankees herrscht mal wieder dicke Luft: Red-Sox-Manager Alex Cora beschuldigt die Erzrivalen öffentlich des Sign Stealings, auf den Rängen gab es während der Serie in Yankee Stadium mehrere Rangeleien, ein Spiel musste wegen eines Ballwurfs unterbrochen werden (siehe „Szene der Woche“).

Second Baseman Starlin Castro von den Washington Nationals wurde am Freitag beurlaubt, weil ihm ein Fall von häuslicher Gewalt vorgeworfen wird. Dieser Fall wird nun ebenso untersucht wie die Vorfälle um die ebenfalls noch beurlaubten Marcell Ozuna (Braves) und Trevor Bauer (Dodgers). 

Für einen freiwilligen Abgang hat sich derweil Yermin Mercedes entschieden. Der 28-Jährige war für die White Sox in den ersten Wochen der Saison mit starken Leistungen zum Shooting-Star geworden. Anfang Juli wurde er ins Triple-A-Team der White Sox zurückgestuft. Darüber ärgerte er sich offenbar so sehr, dass er gestern per Social-Media-Posts seinen Rücktritt vom Baseball verkündete.

American League
Die Boston Red Sox (58-38) haben sich rund um den All-Star-Break einen Durchhänger erlaubt mit drei verlorenen Serien hintereinander. Mit zwei Siegen gegen die Toronto Blue Jays (48-44) scheint der Spitzenreiter der AL East aber nun zurück in die Erfolgsspur gefunden zu haben. Für die Red Sox geht es in den kommenden 28 Spielen noch 22-mal gegen Toronto, die Tampa Bay Rays (57-39) oder die New York Yankees (50-44). 

Die AL Central ist in diesem Jahr die erste Division, über die ich mich zu sagen traue: Hier ist alles gelaufen. Die Chicago White Sox (58-38) werden Erster, die Cleveland Indians (48-45) haben sich aus dem Rennen verabschiedet und werden auch im Hinblick auf einen Wild-Card-Platz wenig mitzureden haben. Das gilt erst recht für den Rest der Division. Dennoch möchte ich den starken Run der Detroit Tigers (46-51) nicht unerwähnt lassen. Sie sind mit sechs Siegen hintereinander aus dem All-Star-Break gekommen und somit als einziges Team der MLB im zweiten Teil der Saison noch ungeschlagen.

Noch lange nicht durch sind die Houston Astros (58-39) in der AL West, ihr Vorsprung auf die Oakland Athletics (55-42) ist zuletzt ein bisschen kleiner geworden. Das könnte sich in den nächsten Tagen wieder ändern, denn die Astros empfangen die Texas Rangers (35-61), welche sich auf einer Strecke von bislang acht Niederlagen hintereinander befinden. Die Athletics müssen derweil zum Verfolgerduell  bei den Seattle Mariners (51-45) antreten. Die Mariners sind nach wie vor voll im Rennen um eine Wild Card. Die Los Angeles Angels (46-48) haben sich aus diesem Rennen relativ sicher verabschiedet.

National League
In der NL East halten sich die New York Mets (50-43) trotz Rückschlägen und Verletzungssorgen (siehe „Spiel der Woche“) als einziges Team mit positivem Record an der Spitze. Zwar sind die Philadelphia Phillies (47-47), die Atlanta Braves (46-48) und die Washington Nationals (45-50) allesamt nur ein paar gute Serien entfernt, aber die müssten sie dann auch irgendwann mal abliefern.

Um die NL Central gab es am letzten Wochenende ein vorentscheidendes Duell: Die Milwaukee Brewers (56-41) sweepten die Cincinnati Reds (49-47) in drei Spielen und zementieren damit ihren Führungsanspruch. Nachdem die Reds auch die folgende Serie gegen die Mets 1-2 verloren, geht es für sie und die St. Louis Cardinals (48-48) im anstehenden Aufeinandertreffen schon darum, für welches der beiden Teams sich der Blick nach oben überhaupt noch lohnt.

In der NL West sind drei Teams auf Playoff-Kurs und zwei von ihnen streiten sich gerade im direkten Vergleich um die Spitze. Genauer gesagt ist der Vergleich zumindest für den Moment schon entschieden. Denn die San Francisco Giants (60-35) haben schon zwei von drei Spielen gegen die Los Angeles Dodgers (59-38) gewonnen und behaupten somit die Spitze unabhängig vom Ausgang der vierten Partie. Die San Diego Padres (56-41) halten in den letzten Wochen nicht ganz Schritt mit dem Führungsduo, sitzen aber auf einem beruhigenden 6-Spiele-Vorsprung für eine Wild Card. Ein erfreuliches Lebenszeichen geben die Arizona Diamondbacks (30-68) von sich: Sie sind zwar noch immer das schwächste Team der MLB, aber vier Siege für sie in Folge zeigen, dass es in dieser Liga keine Selbstläufer gibt.

Szene(n) der Woche
Gleich zwei hässliche Szenen, die mit Sport nichts zu tun haben, sorgten am vergangenen Baseballwochenende für Aufregung. Das Spiel der Yankees gegen die Red Sox am Samstag musste zeitweise unterbrochen werden, als ein Yankees-Fan einen Ball nach Red-Sox-Outfielder Alex Verdugo warf. Der Übeltäter konnte von der Security identifiziert werden und erhielt lebenslanges Stadionverbot in allen MLB-Ballparks. 

Noch übler waren die Vorgänge in Washington. Mitten im sechsten Inning der Partie gegen die Padres waren mehrere Schüsse zu hören. Weder die Spieler auf dem Feld noch die 33.000 Zuschauer konnten einordnen, ob diese von innerhalb oder außerhalb des Stadions kamen. Verständlicherweise brach für einige Minuten Furcht und Chaos aus, bis geklärt war, dass die Schießerei draußen zwischen den Insassen zweier Fahrzeuge stattgefunden hatte. Die Zuschauer verließen den Ballpark kontrolliert über Ausgänge auf der anderen Seite, das Spiel wurde am Sonntag zuende gespielt. 

Statistik der Woche 
37 Jahre, 193 Tage. Jon Lester von den Washington Nationals wurde am Montag gegen die Marlins zum ältesten Pitcher, der einen Homerun schlug, seit dem legendären Bartolo Colon (damals 42 Jahre, 348 Tage) am 7. Mai 2016.

Spiel der Woche
Als Fan der New York Mets ist man gewohnheitsmäßig Pessimist und Zyniker. Diese Ader möchte ich hier nicht zu sehr ausleben, aber wenn die bislang erfolgreiche Saison der Mets noch den Bach runtergehen sollte, dann war der entscheidende Knackpunkt wohl der vergangene Samstag. An diesem Tag wurde bekannt, dass die beiden Top-Stars des Teams, Shortstop Francisco Lindor und Pitcher Jacob deGrom, für mehrere Wochen verletzt ausfallen, und dann setzte es auch noch eine herzzerreißende Niederlage gegen die Pittsburgh Pirates: Tyler Megill pitchte sechs Shutout-Innings, New York führte 6:0 nach sieben Innings und immerhin noch 7:5 mit zwei Outs im neunten, bevor Pittsburghs Jacob Stallings durch einen Grand Slam gegen Edwin Diaz den desaströsen Tag für die Mets perfekt machte. 

Mein Einschalttipp
Auch wenn die Mets noch lange nicht sicher sind in der NL East, hat sich unter den anderen Teams bislang kein ernsthafter Verfolger herauskristallisiert. Eine Möglichkeit dazu bietet die Wochenendserie zwischen den Phillies und den Braves. Ab heute Nacht treffen die beiden viermal aufeinander beim Versuch, die zarten Playoffhoffnungen mindestens am Leben zu erhalten oder ihnen mit einem deutlichen Erfolg gar einen kräftigen Schub zu geben. Das zeitlich günstigste Spiel ist wie so oft das am Sonntag. Der erste Pitch fliegt um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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Juli 15th, 2021 by Silversurger

Das All-Star-Game der MLB geht mit 5:2 an die American League. Wir wissen alle, dass es sich um eine Show-Veranstaltung handelt, bei der das Dabeisein viel wichtiger ist als das Ergebnis. Aber dass die AL nun schon neunmal in Folge gewonnen hat, finde ich durchaus bemerkenswert. Bemerkenswert ist ferner, dass Vladimir Guerrero Jr. mit 22 Jahren der jüngste Spieler aller Zeiten ist, der zum wertvollsten Spieler des All-Star-Games gewählt wurde, und dass Shohei Ohtani der erste ist, der in so einem Spiel sowohl als Pitcher als auch als Batter zum Einsatz kam.

In den Tabellen hat sich naturgemäß wenig getan, weil seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag nur am Wochenende gespielt wurde und dann Pause war. Ich gehe daher heute mal in erster Linie auf die Frage ein, wie die Teams wohl an die in zwei Wochen – genauer gesagt am 30. Juli – anstehende Trade-Deadline herangehen werden.

Vorher möchte ich noch ein paar Neuigkeiten der Woche zumindest kurz erwähnt haben: Outfielder Ronald Acuna Jr. von den Atlanta Braves hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen. Damit fällt einer der aufsehenerregendsten Jungstars der Liga für den Rest der Saison leider aus. Die Toronto Blue Jays haben bei den kanadischen Behörden beantragt, zum 30. Juli aus dem Notquartier in Buffalo (New York) in ihre Heimatstadt zurückkehren zu können. Eine Entscheidung über den Antrag wird für Anfang nächster Woche erwartet. Die Oakland Athletics spielen derweil offen mit dem Gedanken, sich von ihrem bisherigen Standort gänzlich zu verabschieden, wenn sich kein Lösung für die seit Jahren umstrittene Stadionfrage findet. Las Vegas gilt als aussichtsreicher Kandidat für einen Umzug, was sogar MLB-Commissioner Rob Manfred in einem Pressegespräch am Dienstag bestätigte. Manfred äußerte sich dabei auch zu den wegen der Pandemie temporär eingeführten Regeländerungen: Die 7-Inning-Doubleheader werden nächstes Jahr voraussichtlich wieder abgeschafft, ebenso die automatischen Baserunner in Extra-Innings.

National League
In der NL East ist das Verhalten zur Trade-Deadline am ehesten für die New York Mets (47-40) vorhersagbar. Sie werden eindeutig als Buyer auftreten und versuchen, durch Trades die vorhandenen Lücken im Roster zu stopfen. Ganz oben auf der Einkaufsliste steht ein Starting Pitcher, weil durch diverse Verletzungen schon die ganze Saison über ein fünfter Starter fehlt und die Rückkehr und volle Belastbarkeit von Carlos Carrasco und Noah Syndergaard noch ein gutes Stück entfernt sind. Einen offensiv und defensiv verlässlichen Third Baseman könnten die Mets ebenfalls gut gebrauchen – Kris Bryant (Cubs), Josh Donaldson (Twins) oder Adam Frazier (Pirates) sind hier heiße Kandidaten. Ob die Philadelphia Phillies (44-44), die Atlanta Braves (44-45) und die Washington Nationals (42-47) aktiv werden, ist schwer zu prognostizieren. Sie alle sind nur ein, zwei starke Serien von den Mets und damit vom Playoff-Platz entfernt, aber für jedes der Teams scheint die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Run zu gering, als dass man sich dafür weit aus dem Fenster lehnen würde. Für die Nationals wäre es angesichts von sechs Spielen Rückstand eine Überlegung wert, ob man die Segel streicht und beispielsweise Max Scherzer auf den Markt wirft. Klar als Seller dürften die Miami Marlins (39-50) auftreten. Das Prunkstück in ihrem Schaufenster ist Outfielder Starling Marte.

Um die NL Central streiten sich die Milwaukee Brewers (53-39) und die Cincinnati Reds (48-42). Beide können Verstärkungen gebrauchen. Für die Reds wäre – neben Bullpen-Hilfe, die so ziemlich jeder braucht – vor allem ein Shortstop interessant. Dass sie nach dem ganz großen Fisch namens Trevor Story angeln, halte ich aber eher für unwahrscheinlich. Die Brewers haben es mit erstaunlich wenig Offensive an die Spitze der Division geschafft und würden sich dementsprechend gern mit einem starken Batter verstärken, idealerweise einem Corner Infielder. Zwei solche hätten zum Beispiel die Chicago Cubs (44-46) mit Anthony Rizzo und Kris Bryant im Angebot, aber wahrscheinlich würden sie die beiden – ebenso wie All-Star-Closer Craig Kimbrel – lieber außerhalb der Division an den Mann bringen. Im Gegensatz zu den Cubs haben die gleichauf mit ihnen stehenden St. Louis Cardinals (44-46) noch keine eindeutigen Signale gesendet. Realistischerweise dürften sie eher Seller als Buyer sein, aber da sie kaum offensichtliche Trade-Kandidaten haben, ist von ihnen wohl eine eher ruhige Deadline zu erwarten. Bleiben noch die Pittsburgh Pirates (34-56), die schon seit Saisonbeginn als Seller feststehen. 2B Adam Frazier, der auch fast jede andere Feldposition spielen kann, dürfte ihr größtes Trade-Asset sein. Zudem haben sie einige Reliever im Angebot, allen voran Richard Rodriguez.

Im aufregenden Dreikampf um die NL West werden die San Francisco Giants (57-32), die Los Angeles Dodgers (56-35) und die San Diego Padres (53-40) gleichermaßen darauf aus sein, sich zur Deadline den möglicherweise entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Die Dodgers werden in erster Linie nach einem Starting Pitcher suchen – Dustin May fällt für das Jahr aus, Clayton Kershaw wird eine Weile auf der Verletzenliste sein und Trevor Bauer ist beurlaubt, während die Untersuchung der ihm vorgeworfenen sexuellen Gewalttaten andauert. Ein Name, dem ich schon mehrfach als Trade-Target der Dodgers gelesen habe, ist der von Atlantas Starter Charlie Morton. Eventuell werden die Dodgers in den Verhandlungen um Morton oder andere Starter in direkter Konkurrenz mit den Giants stehen, denn auch sie suchen in erster Linie nach einer Ergänzung der Rotation. Padres-Manager AJ Preller ist traditionell sehr aktiv zur Trade-Deadline. Sein Team hat derzeit keine ganz großen Needs, zusätzliche Tiefe können aber sowohl das Lineup als auch das Pitching vertragen. Für die Arizona Diamondbacks (26-66) und die Colorado Rockies (37-50) ist die Frage nicht, ob sie verkaufen werden, sondern nur, wen und für welche Gegenleistung in Form von Talenten. Der Hauptpreis bei den Rockies und möglicherweise der am meisten umworbene Spieler der Liga ist Shortstop Trevor Story, zudem dürften 1B CJ Cron und SP German Marquez auf Interesse stoßen. Bei den Diamondbacks stehen 3B Eduardo Escobar, OF David Peralta und SP Merrill Kelly im Schaufenster.

American League
Die Boston Red Sox (55-36) finden sich etwas unverhofft an der Spitze der AL East wieder. Klaffende Löcher haben sie nicht im Kader, aber wenn sich ein Deal anbietet, der ihnen ein Upgrade an der ersten Base, im Outfield oder für die Rotation bringt, sind sie sicher nicht abgeneigt. Auch die Tampa Bay Rays (53-37) werden im Einkauf-Modus sein. Sie sind bekanntlich stets darauf aus, die Payroll klein zu halten, aber ihre Farm ist so tief besetzt, dass sie für einen Spieler, der ihnen weiterhilft, möglicherweise lieber ein Prospect mehr bezahlen und dafür den abgebenden Verein einen Teil des Gehalts übernehmen lassen. DH Nelson Cruz von den Twins könnte ein Kandidat für einen solchen Trade sein. Die Toronto Blue Jays (45-42) und die New York Yankees (46-43) sind im Mittelmaß gefangen und sowohl in der Division als auch in der Wild-Card-Rangliste ein gutes Stück entfernt von einem Playoff-Platz. Beide scheinen nicht gewillt, die Saison vorzeitig aufzugeben, aber sie werden sicher auch nicht all-in gehen. Wenn sie Spieler dazuholen, dann am ehesten jemanden, der für mindestens ein weiteres Jahr unter Vertrag ist – jemanden wie OF Joey Gallo zum Beispiel. Als schwächstes Team der American League bleibt den Baltimore Orioles (28-61) mal wieder nichts anderes übrig als an einer besseren Zukunft zu bauen. OF Cedric Mullins und SP John Means werden umworben sein, aber ich glaube nicht, dass sie einen davon hergeben. Eher werden sie sich von 1B Trey Mancini und/oder OF Anthony Santander trennen.

Die Chicago White Sox (54-35) führen nicht nur unangefochten die AL Central an, sie haben mit dem 85-jährigen Owner Jerry Reinsdorf und dem 76-jährigen Manager Tony LaRussa auch zwei Verantwortliche, die eher den schnellen Erfolg suchen als dass sie sich viele Gedanken um Prospects machen, die vielleicht in drei Jahren gut sind. Ein Second Baseman als Ersatz für den verletzten Nick Madrigal wird wohl ihr Hauptziel sein, Eduardo Escobar oder Adam Frazier könnten hier gut passen. Die Cleveland Indians (45-42) sind wieder so ein Team im Niemandsland mit entfernten Chancen auf einen Wild-Card-Platz. Sie könnten in beide Richtungen gehen, wobei mein Tipp eher in Richtung Seller neigt. Denn ich denke, dass die Indians nach der Saison einen Rebuild vor sich haben und der ließe sich abkürzen, wenn man jetzt schon ein, zwei Spieler wie OF Eddie Rosario oder auch 3B Jose Ramirez gegen Prospects tauscht. Für die Detroit Tigers (40-51), die Minnesota Twins (39-50) und die Kansas City Royals (36-53) ist die Lage deutlich klarer. Sie alle können die aktuelle Saison abhaken, wenn auch mit unterschiedlichen Aussichten für die Folgejahre. Die Twins sehen 2021 als Ausrutscher und werden nicht den Kern des Teams aushöhlen. DH Nelson Cruz, dessen Vertrag ausläuft, wird sicher zu haben sein, vielleicht auch SP Jose Berrios und wenn der Preis stimmt eventuell 3B Josh Donaldson. Auch die Tigers wollen bald wieder eine Rolle spielen und haben ihr Franchise-Building zu diesem Zweck schon weitgehend abgeschlossen. Verkaufen werden sie nur bei wirklich guten Angeboten; am wahrscheinlichsten ist, dass sie 2B Jonathan Schoop abgeben, dessen Vertrag ausläuft. Die Royals sind weit entfernt von Konkurrenzfähigkeit und werden jeden Spieler verkaufen, der einen Tradewert hat. Die SPs Mike Minor und Danny Duffy sowie 1B/DH Carlos Santana sind hier die ersten, die mir einfallen.

Die Houston Astros (55-36) haben ein alterndes Roster, dessen Erfolgsfenster in diesem Jahr offenbar noch einmal weit offen steht. Das macht den Tabellenführer der AL West zum Kandidaten für eine aggressive Trade-Deadline. Ein linkshändiger Batter dürfte ihr Hauptziel sein, vielleicht Adam Frazier. Auch die Oakland Athletics (52-40) werden nicht untätig bleiben. Einen Blockbuster erwarte ich von dem stets preisbewussten Team eher nicht, aber einen nicht zu teuren Starter würden sie wohl ebenso nehmen wie einen bezahlbaren Hitter für die Mitte des Lineups, zum Beispiel Nelson Cruz. Die Seattle Mariners (48-43) und die Los Angeles Angels (45-44) bilden in dieser Division das schon mehrfach zitierte Niemandsland. Ich sehe beide tendenziell als Buyer, erwarte aber kein sehr aktives Herangehen an die Deadline. Die Texas Rangers (35-55) hingegen werden die Garage weit aufmachen und zahlreiche Spieler im Angebot haben. SP Kyle Gibson, RP Ian Kennedy, 2B Brock Holt und OF Joey Gallo könnten allesamt das Ende des Monats bei einem neuen Team erleben.

Szene der Woche
Es kam an dieser Stelle schon öfter vor, dass ich mich nicht entscheiden konnte und deshalb zwei oder drei Szenen zeigte, aber heute gibt es eine Premiere mit satten 74 Szenen der Woche. Wenn ihr das Home Run Derby Montagnacht nicht gesehen habt, dann bekommt ihr im folgenden Video die Chance, noch mal alle Homeruns von Pete Alonso zu sehen, mit denen er das Derby zum zweiten Mal hintereinander für sich entscheiden konnte:

Statistik der Woche 
20. So viele Pitcher wählten die Los Angeles Angels in der diesjährigen Draft der MLB in ebenso vielen Runden. Es war das erste Mal, dass ein Team in einer Draft ausschließlich Pitcher auswählt – abgesehen von den Miami Marlins in der Draft 2020, die coronabedingt auf fünf Runden beschränkt war. Als Pick Nummer eins in diesem Jahr entschieden sich die Pittsburgh Pirates für Catcher Henry Davis aus Louisville. Das war eine Überraschung, denn Davis galt zweifelsfrei als Erstrundentalent, doch als First overall hatte ihn kaum jemand auf der Rechnung. Die vorab als Favoriten gehandelten RHP Jack Leiter (Vanderbilt) und SS Marcelo Mayer (Eastlake Highschool) gingen als Nummer zwei an die Texas Rangers bzw. als Nummer vier an die Boston Red Sox. RHP Kumar Rocker (Vanderbilt), der ebenfalls als Kandidat für einen Top-Pick gehandelt wurde, fiel auf Rang 10 an die New York Mets.

Spiel der Woche
Für die Partie der San Diego Padres gegen die Washington Nationals vom letzten Donnerstag erwartete man eigentlich ein Pitcherduell zwischen den Assen Yu Darvish und Max Scherzer. Doch keiner der beiden Starter schaffte es aus dem vierten Inning heraus. Die Show stahl ihnen San Diegos Relief Pitcher Daniel Camarena – nicht mit seinem primären Handwerk, sondern mit dem, was ihm im zweiten At Bat seiner MLB-Karriere gelang: Der Reliever kam bei geladenen Bases an den Schlag und erzielte einen Grand Slam. Camarena ist der erste Relief Pitcher seit 1985, dem ein Grand Slam gelungen ist, und neben Bill Duggleby im Jahr 1898 der einzige, der das mit seinem ersten Hit geschafft hat. Der 4-Run-Schlag war zudem das Kernstück eines furiosen Comebacks der Padres, die zur Mitte des vierten Innings 0:8 zurücklagen und am Ende einen 9:8-Sieg davontrugen.

Mein Einschalttipp
Es geht vor allem in der American League gleich wieder gut los nach der Pause, zum Beispiel mit dem Klassiker der Yankees gegen die Red Sox, dem Spitzenduell White Sox gegen Astros und der Letzte-Hoffnung-Serie zwischen den Angels und den Mariners. Mein Einschalttipp für das Wochenende ist aber eine Serie der National League und zwar die der Milwaukee Brewers als Tabellenführer der NL Central bei ihrem Verfolger, den Cincinnati Reds. Mit einem 3-Spiele-Sweep in Milwaukee unmittelbar vor der Pause haben die Reds dafür gesorgt, dass die Division wieder spannend ist. Jetzt müssen die Brewers gleich noch einmal gegen den ungeliebten Gegner ran, dieses Mal in Cincinnati. Von der Uhrzeit her liegt aus europäischer Sicht die Partie am Sonntag ab 19:10 Uhr am günstigsten. Übrigens sind an diesem Wochenende alle Spiele auf mlb.tv kostenlos zu sehen.

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Juli 8th, 2021 by Silversurger

Über das Wochenende wird noch gespielt, dann ist erstmal ein paar Tage Pause in der MLB. Kurz vor dem All-Star-Break haben sich zwei ehemalige Contender, die Chicago Cubs und die Cleveland Indians, durch längere Niederlagenserien aus dem Kreis der Playoffanwärter wahrscheinlich verabschiedet.
Während der nächsten Woche werden das Home Run Derby und das All-Star-Game im Mittelpunkt des Interesses stehen. Beide Veranstaltungen sind zwar in erster Linie Show-Events ohne direkte Bedeutung für die Saison, aber die Erfahrung zeigt, dass auch diese Pausenfüller immer wieder für interessante Geschichten sorgen. Eine davon ist in diesem Jahr Shohei Ohtani. Er wird aller Voraussicht nach der erste Spieler sein, der in einem All-Star-Game sowohl als Pitcher als auch als Batter zum Einsatz kommt.

American League
Die AL East stellt sich zur Pause als 3-Klassen-Gesellschaft dar. Die Boston Red Sox (54-34) halten den Spitzenplatz, gefolgt von den Tampa Bay Rays (51-36), die den Abstand in den letzten Tagen auf 2,5 Spiele verkleinern konnten, weil die Red Sox zweimal gegen die Angels patzten. In der Mitte der Division kämpfen die Toronto Blue Jays (44-40) und die New York Yankees (44-41) mit der .500-Schwelle, mit enttäuschten Erwartungen und um die Restchance auf einen Platz in den Playoffs. Das alles haben die Baltimore Orioles (28-58) als schwächstes Team der AL längst hinter sich. 

In der AL Central ziehen die nächsten Gegner der Orioles, die Chicago White Sox (51-35), immer einsamer ihre Kreise. In ihren Serien gegen die Minnesota Twins (35-50) und die Detroit Tigers (40-47) brachten sie es diese Woche zwar nur auf eine 3-3-Bilanz. Aber das ist schon mehr als genug, um die Cleveland Indians (42-42) abzuhängen, da diese ihre letzten neun Spiele allesamt verloren haben. Wenn die Pleitenserie auch in den anstehenden Spielen gegen die Kansas City Royals (36-50) anhält, müssen die Indians ihren zweiten Platz womöglich schon bald an die Tigers abgeben, die seit ein paar Wochen eine beeindruckende Form aufweisen. Mit den Playoffs dürfte in dieser Division so oder so niemand außer den White Sox etwas zu tun haben. 

Die Houston Astros (54-33) haben den peinlichen Sweep durch die Orioles am vorletzten Wochenende offenbar als Weckruf angenommen. Jedenfalls hat der Spitzenreiter der AL West seitdem alle sechs Spiele gewonnen, auch und vor allem die beiden letzten gegen den direkten Konkurrenten, die Oakland Athletics (49-39). Die Astros sind sowohl mit ihrer Bilanz als auch mit ihrem Run Differential von +141 das stärkste Team der AL. Die Athletics hingegen müssen sich nach zwölf Niederlagen aus den letzten 17 Spielen fragen, wohin der Blick in den nächsten Wochen gehen soll – nach oben, wo der Abstand zu den Astros inzwischen 5,5 Spiele beträgt, oder nach unten, wo den Seattle Mariners (45-42) und den Los Angeles Angels (44-42) nur noch 3,5 bzw. 4 Spiele auf die A’s und damit auf einen Wild-Card-Platz fehlen. Wenn sie den All-Star-Break nicht im Panik-Modus verbringen wollen, benötigen die Athletics dringend Erfolge im letzten Spiel der Serie gegen die Astros sowie im darauf folgenden Duell mit den abgeschlagenen Texas Rangers (34-53).

National League
Die NL East ist nach wie vor die schwächste Division der MLB – zumindest in der Hinsicht, dass sie die einzige ist, in der vier Teams bei einer Bilanz von unter .500 stehen. Die New York Mets (45-38) führen dadurch recht souverän die Tabelle an, obwohl ihre Siegquote von .542 in jeder anderen Division nur für Rang zwei bis vier reichen würde. Nach einigen schwachen Serien gegen die direkten Konkurrenten zeigten die Leistungen der Mets zuletzt bei 2-1-Erfolgen gegen die Yankees und die Brewers wieder nach oben. Angesichts der schwachen Pirates als letzter Gegner vor und erster Gegner nach der Pause besteht eine gute Chance, mit hohem Selbstvertrauen in selbige hinein und aus hier heraus zu gehen. Hinter den Mets geht es zwischen den Washington Nationals (42-43), Atlanta Braves (42-44) und Philadelphia Phillies (41-43) sehr eng zu. Die Miami Marlins (38-47) haben auf dieses Trio ein paar Spiele Rückstand, siegten aber immerhin gerade dreimal gegen die Dodgers und sind der beste Tabellenletzte der Liga – mit acht Spielen auf die Mets sind sie näher an der Spitze als beispielsweise die Yankees, die Cubs oder die Mariners. 

Apropos Cubs: Das Team aus Chicago (43-44) war vor zwei Wochen noch voll im Rennen um die NL Central und ließ damals mit einem No-Hitter gegen die Dodgers aufhorchen. Seit diesem denkwürdigen Spiel verloren sie jedoch erschreckende elf Spiele hintereinander. Gestern Abend stand zwar gegen die Phillies endlich mal wieder ein Sieg zu Buche, aber der Anschluss an die Milwaukee Brewers (52-36) ist längst weg und selbst die Cincinnati Reds (45-41) haben sich inzwischen an den Cubs vorbei geschoben. Dass sowohl die Cubs als auch die St. Louis Cardinals (43-45) bereits einen Strich unter die Saison machen können, dürfte vor allem im Hinblick auf die in drei Wochen anstehende Trade-Deadline interessante Optionen für die ambitionierteren Teams eröffnen.

Die NL West ist und bleibt der klare Favorit, beide Wild-Card-Plätze der NL einzusacken. Es wäre auch tatsächlich ein Jammer, auf ein Team aus dem Trio San Francisco Giants (54-32), Los Angeles Dodgers (53-34) und San Diego Padres (51-38) in den Playoffs verzichten zu müssen. In den letzten Tagen hatten sie allerdings einen gemeinsamen Durchhänger: Die Giants verloren zwei Spiele gegen die Cardinals, die Padres zwei gegen die Nationals, die Dodgers sogar drei gegen die Marlins. An diesem Wochenende dürfen alle drei nochmal zu Hause gegen lösbare Gegner antreten: die Dodgers gegen die Arizona Diamondbacks (25-63), die Padres gegen die Colorado Rockies (37-50) und die Giants gegen die Nationals.

Szene der Woche
Es muss nicht immer Ohtani sein: Neben dem (mit Recht) gehypten 2-Way-Star der Angels gibt es in der MLB durchaus noch andere Pitcher, die ordentlich hitten. Man denke an Jacob deGrom, der selbst einen Batting Average von .364 aufweist, während er den Gegnern der Mets in seinen Starts einen Average von gerade mal .126 erlaubt. Oder an Max Fried von den Braves, der ebenfalls eine solide Keule schwingt und seinem Team am Sonntag damit den Sieg brachte. Die ungewöhnliche Entscheidung, im zehnten Inning einen Pitcher als Pinch-Hitter zu bringen, war nötig geworden, weil die Braves bei ihrem 4-Run-Comeback im neunten Inning gegen die Marlins ihre gesamte Bank aufgebraucht hatten. Die Marlins luden sich sogar absichtlich die Bases mit einem Intentional Walk für Backup-Catcher Kevan Smith, um Fried an die Platte zu bringen. Das erwies sich als Fehler, denn Frieds 2-Out-Single brachte den Walkoff-Sieg für die Braves.

Statistik der Woche 
1. So viele Pitches warf Marlins-Starter Pablo Lopez in Spiel eins der eben schon erwähnten Serie gegen die Braves, bevor er des Platzes verwiesen wurde. Es ging dabei nicht, wie man vermuten könnte, um den aktuellen Kampf der Liga gegen den Gebrauch von Klebemitteln, sondern um einen abgeworfenen Batter. Der erste Pitch des Spiels traf Ronald Acuna Jr. am Oberarm. Nach kurzer Diskussion und einer lauthals vorgetragenen Beschwerde von Braves-Manager Brian Snitker stuften die Umpires die Aktion als absichtlich ein und sprachen die Ejection gegen Lopez aus. Manager Don Mattingly und Pitching-Coach Mel Stottlemyre Jr., die ihrem Pitcher beisprangen, flogen ebenfalls vom Platz. Zwischen Acuna und den Marlins gibt es eine von wenig gegenseitiger Liebe geprägte Vorgeschichte seit Acunas Rookiesaison 2018. Acuna wurde seitdem sechsmal von Marlins-Pitchern abgeworfen, dreimal davon mit dem ersten Pitch.

Spiel der Woche
Die Saison der Kansas City Royals ist arm an Highlights, aber hier ist eines: Gegen die Cincinnati Reds gelang es am Dienstag, einen 1:6-Rückstand innerhalb der letzten beiden Innings zu drehen. Den entscheidenden Walkoff-Single erzielte Catcher Salvador Perez, einer der wenigen Stars der Royals. Es war Perez‘ dritter Walkoff-Hit in diesem Jahr – bei insgesamt nur vier Walkoff-Siegen der Royals.

Mein Einschalttipp
Ich weiß, die Konkurrenz am Sonntagabend ist groß, sowohl durch den laufenden MLB-Spielbetrieb als auch durch das Finale der Fußball-EM. Aber ich rühre immer wieder gern die Werbetrommel für das MLB Futures Game. Zum Auftakt der All-Star-Woche treffen sich die potenziellen Stars von morgen zu einem Freundschaftsspiel und ermöglichen so, in konzentrierter Form einen Blick auf die Namen und Gesichter zu werfen, die die MLB in wenigen Jahren prägen werden. Unter den 50 nominierten Teilnehmern sind sechs der acht Top-Prospects der MLB: Orioles-Catcher Adley Rutschman, Tigers-Infielder Spencer Torkelson, die Mariners-Outfielder Jarred Kelenic und Julio Rodriguez, Royals-Shortstop Bobby Witt Jr. und Padres-Shortstop CJ Abrams. Rutschman und Torkelson waren die Nummer-1-Picks der letzten beiden Drafts. Das Spiel beginnt um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit und wird auf mlb.com gestreamt. 

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Juli 1st, 2021 by Silversurger

Halbzeit in der MLB: Bis zum All-Star-Break sind zwar noch eineinhalb Wochen zu spielen, doch die meisten Teams haben bereits die Hälfte ihrer 162 Saisonspiele absolviert. Offiziell ist noch lange nichts entschieden, aber für viele Klubs ist die Saison trotzdem schon mehr oder weniger gelaufen. Laut den Playoff-Wahrscheinlichkeiten von Fangraphs liegen jedenfalls für 17 von 30 Teams die Hoffnungen auf eine Endrundenteilnahme inzwischen bei unter 15%. Ich werde im heutigen Überblick mal verstärkt auf diese Wahrscheinlichkeiten schauen. Wie diese zustande kommen, erkläre ich ganz am Ende dieses Artikels.

Von den Chancen, die sich die Klubs selbst für den Rest des Jahres ausrechnen, wird auch abhängen, ob und in welcher Art sie vor der Trade Deadline am 31. Juli noch mal auf dem Spielermarkt tätig werden. Die meisten Trades finden traditionell kurz vor der Deadline statt, aber die Blue Jays und die Marlins haben schon mal vorgelegt: Toronto sicherte sich in dem vorgestern eingefädelten Deal Reliever Adam Cimber und Outfielder Corey Dickerson, Miami erhält Infielder Joe Panik und Minor-League-Pitcher Adam McInvale. Das Kernstück des Trades dürfte Cimber sein, der eine dringend benötigte Aufwertung des Bullpens der Blue Jays darstellt. Ihn lassen sie sich ein Stück Zukunft in Form von McInvale kosten sowie das Geld, welches mit dem Tausch eines teuren mittelmäßigen Spielers (Dickerson) gegen einen günstigen mittelmäßigen Spieler (Panik) verbunden ist.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die aktuellen Vorkommnisse um Trevor Bauer, auch wenn es für eine faire Beurteilung wohl noch zu früh ist: Eine Frau wirft dem Pitcher der Dodgers vor, an ihr gegen ihren Willen entwürdigende und gewalttätige Sexualpraktiken vorgenommen zu haben. Bauer streitet die Praktiken nicht ab, stellt sie aber im Gegensatz zu der Frau als einvernehmlich dar. Wie in solchen Fällen üblich, wird die MLB eine eigene Untersuchung anstellen und über mögliche Konsequenzen entscheiden.

National League
In der NL East werden laut Fangraphs den New York Mets (41-35) mit 76,1% die größten Playoff-Chancen zugetraut. Alle anderen Teams der Divison rangieren unter 15%. Den Atlanta Braves (38-41, 14,6%) werden dabei noch etwas bessere Chancen zugerechnet als den Washington Nationals (40-38), obwohl diese zurzeit in der Tabelle vor den Braves stehen und nur noch zwei Spiele hinter den unübersehbar schwächelnden Mets rangieren. Die Mets haben ihre letzten 15 Spiele allesamt gegen Divisionskonkurrenten bestritten, dabei nur 6 Siege erzielt und nur ein einziges Mal mehr als 5 Runs gescort. Gestern setzte es eine 2:20-Packung gegen die Braves, nach der die Mets interessanterweise trotzdem noch die wenigsten Runs der Liga kassiert (aber gleichzeitig auch die wenigsten gescort) haben. Die Philadelphia Phillies (37-41, 6,9%) sind laut Fangraphs so gut wie aus dem Rennen um die Playoffs, die Miami Marlins (34-45, 0,1%) sowieso.

An der Spitze der NL Central hat sich in den letzten Tagen ein regelrechter Erdrutsch vollzogen: Die Milwaukee Brewers (48-33) haben die Chicago Cubs (42-39) in drei Spielen gesweept, und nachdem die Brewers jetzt acht Spiele in Folge gewonnen, die Cubs hingegen sechs hintereinander verloren haben, findet sich Milwaukee mit einem komfortablen Vorsprung an der Tabellenspitze wieder. Das schlägt sich auch in den Playoff-Wahrscheinlichkeiten nieder, die für die Brewers nun bei 86,0% liegen, für die Cubs hingegen nur noch bei 14,5%. Die St. Louis Cardinals (40-41) haben sich durch einen Sweep gegen Arizona wieder nahe an die Cubs und eine ausgeglichene Bilanz herangearbeitet. Fangraphs traut den Cards dennoch mit 4,2% noch geringere Playoff-Chancen zu als den Cincinnati Reds (39-40, 8,6%). Die Chancen der Pittsburgh Pirates (29-50) werden mit 0,0% beziffert. Interessant ist übrigens auch, dass sowohl in der NL East als auch in der NL Central die Playoff-Wahrscheinlichkeiten fast vollständig in der Chance bestehen, die jeweilige Division zu gewinnen. Die Chancen auf eine Wild Card liegen für alle Teams dieser Divisionen jeweils unter 6%.

Der Grund dafür ist natürlich in der NL West zu suchen und zu finden. Hier gibt es drei Teams mit sehr hohen Playoff-Chancen. Allen voran wird den Los Angeles Dodgers (49-31) eine Wahrscheinlichkeit von 99,3% zugerechnet, die sich zusammensetzt aus 64,3% für den Divisionssieg und weiteren 35% für eine Wild Card. Das Gegenstück dazu sind die San Diego Padres (49-32), die mit einer 29,2%-Chance auf die Division und einer 68,2%-Chance auf die Wild Card insgesamt 97,3% erreichen. Jetzt fragt man sich zurecht, was mit den San Francisco Giants (50-29) ist, die als bislang erfolgreichstes MLB-Team der Saison die Divisionstabelle anführen, auch nach zuletzt zwei Niederlagen gegen die Dodgers. Vom anhaltenden Erfolg der Giants ist Fangraphs noch nicht ganz überzeugt, schreibt ihnen aber immerhin eine 79,9%-Chance auf eine Playoff-Teilnahme zu (73,4% davon in Form einer Wild Card). Die Chancen der Colorado Rockies (34-47) und der Arizona Diamondbacks (22-60) stehen wenig überraschend bei 0,0%.

American League
Von den Wild Cards der American League dürfte mindestens eine in die AL East gehen. Die Boston Red Sox (50-31) sind mit 60,2% Favorit auf den Divisionssieg und zu 86,9% in den Playoffs. Dass ihre bislang überraschend starke Saison kein Zufall ist, konnten sie gerade erst wieder untermauern, indem sie zum zweiten Mal in Folge die New York Yankees (41-39) gesweept haben. Die Yankees haben mit 41,6% noch realistische Playoff-Chancen, optimistischer ist Fangraphs aber für die Tampa Bay Rays (47-34, 53,3%) und die Toronto Blue Jays (41-37, 46,2%). Die Baltimore Orioles (27-54) haben gerade mit einem 3-Spiele-Sweep in Houston ein beeindruckendes Lebenszeichen von sich gegeben, sind aber längst so weit abgeschlagen, dass 0,0% ein realistisches Maß für ihre Playoff-Hoffnungen sind.

Für sehr unwahrscheinlich hält Fangraphs, dass die AL Central eine Wild Card abbekommt. In den Playoffs ist vor allem mit den Chicago White Sox (47-32) zu rechnen, die zu 89,5% dabei sind und zwar höchstwahrscheinlich (87,1%) als Divisionssieger. Die Cleveland Indians (42-35) sind mit Playoff-Chancen von 18,2% nur Außenseiter und könnten es am ehesten schaffen, indem sie den White Sox den Divisionssieg abjagen (11,4%). Trotz der klaren Zweiteilung der Division ist es laut den Playoff-Odds übrigens noch nicht sicher, dass die AL Central sich zwischen den White Sox und den Indians entscheidet: Die Minnesota Twins (33-45) haben demnach immerhin noch eine 1,3%-ige Chance auf den Gruppensieg und selbst Schlusslicht Kansas City Royals (33-46) bringt es nach zuletzt acht Niederlagen in Folge noch auf 0,2%. Allein die Detroit Tigers (36-45), in der Tabelle immerhin Dritter und gerade zweimal siegreich gegen die Indians, bekommt von Fangraphs keine Liebe und steht bei 0,0%.

In der AL West stehen zwei Teams bei 48 Siegen und beiden rechnet Fangraphs gute Chancen zu, die Playoffs zu erreichen. Trotz des peinlichen Rückschlags gegen die Orioles stehen die Houston Astros (48-33) knapp vorne und haben mit 90,5% die höchste Wahrscheinlichkeit für die Postseason, davon 74,4% für den Gruppensieg. Die Astros weisen übrigens mit 13,5% auch die besten Chancen aller AL-Teams auf, die World Series zu gewinnen. Höher eingestuft ist nur der Titelverteidiger aus der NL, die Dodgers mit 16,4%. Die Oakland Athletics (48-34) gewinnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 23,0% die Division und haben ansonsten gute Chancen (36,7%) auf einen Wild-Card-Platz. Dahinter wird es recht dünn: Die Chancen der Los Angeles Angels (39-41), Shohei Ohtani und Mike Trout eine Playoff-Bühne zu bieten, liegen bei nur 10,6%; den Seattle Mariners (42-39) traut Fangraphs trotz der besseren Bilanz nur zu 1,6% die Postseason zu. Die Texas Rangers (31-49) sind mit 0,0% draußen und können sich ganz darauf konzentrieren, wenigstens die Trade-Deadline erfolgreich zu gestalten. 

Szene der Woche
Die Kampagne der MLB gegen den Gebrauch klebriger Substanzen hat ihr erstes Opfer, besser gesagt ihren ersten Täter gefunden: Hector Santiago von den Seattle Mariners erhielt am Sonntag in der Mitte des fünften Innings der Partie gegen die White Sox einen Platzverweis, nachdem die Umpires seinen Handschuh kontrolliert hatten. Santiago beteuerte hinterher, er habe lediglich Harzpulver benutzt, das zum Trocknen der Wurfhand erlaubt ist. In Verbindung mit Schweiß habe es sich möglicherweise zu einer schmierigen Masse entwickelt. Mit der Argumentation kam er offenbar nicht durch, denn die Liga bestätigte am Dienstag nach einer weiteren Prüfung des beschlagnahmten Handschuhs Santiagos Sperre für zehn Spiele. Den Spieler kostet das mindestens einen Start, das Team kostet es den Rosterplatz, den es während der Sperre nicht anderweitig besetzen darf.

Statistik der Woche 
10. So viele hintereinander erzielte Strikeouts durch einen Pitcher in einem Spiel sind MLB-Rekord. Aufgestellt hat diese Marke der legendäre Tom Seaver im Jahr 1970 für die New York Mets. Seit Freitag teilt Seaver sich den Rekord mit Aaron Nola von den Philadelphia Phillies. Verrückterweise gelang Nola diese besondere Leistung ausgerechnet gegen die Mets – jedes seiner zehn Strikeout-Opfer trug Seavers Nummer 41 am Ärmel, zum Gedenken an den letztes Jahr mit Covid-19 verstorbenen Hall-of-Famer. Ort des Geschehens war Citi Field, der Nachfolge-Ballpark von Shea Stadium, in dem Seaver vor 51 Jahren die Bestleistung aufgestellt hatte. Die Adresse von Citi Field lautet übrigens Seaver Way 41. Das Spielergebnis war sowohl am 22. April 1970 als auch am 25. Juni 2021 dasselbe: 2:1 für die Mets.

Spiel der Woche
Nach einer Flut von No-Hittern zu Saisonbeginn hat es ein paar Wochen gedauert, doch nun hat die MLB-Saison 2021 ihr siebtes Spiel, in dem eine Mannschaft ohne Hit blieb. Die Chicago Cubs vollbrachten das Kunststück gegen den amtierenden World Champion Los Angeles Dodgers. Es war der 17. No-Hitter in der Geschichte der Cubs, aber der erste, an dem mehrere Pitcher beteiligt waren. Zach Davies benötigte für die ersten sechs Innings 94 Pitches, in denen er fünf Walks zuließ und durch einige starke Defensivaktionen an der dritten Base von Kris Davis unterstützt wurde. Das war ein guter, aber kein überragender Start, der sich für die Cubs selbst offenbar nicht so recht nach einem No-Hitter anfühlte. Jedenfalls hatte Closer Craig Kimbrel, der nach sauberen Innings von Ryan Tepera und Andrew Chafin die letzten drei Outs besorgte, zunächst keine Ahnung, dass er gerade nicht nur einen 4:0-Sieg, sondern einen No-Hitter vollendet hatte.

Mit sieben No-Hittern ist der moderne MLB-Rekord von 1990, 1991, 2012 und 2015 schon zur Saisonmitte eingestellt. Der Allzeit-Rekord von acht No-Hittern stammt aus dem Jahr 1884, noch bevor der Mound 1893 auf seine bis heute gültige Entfernung festgelegt wurde. Die Chancen stehen gut, dass beide Marken dieses Jahr noch fallen. In drei weiteren Spielen der letzten Tage roch es ebenfalls nach No-Hitter: Für die Red Sox hatte Nick Pivetta am Donnerstag gegen die Rays 6.2 No-Hit-Innings, bevor man ihn nach 100 Pitches auswechselte und Darwinson Hernandez im nächsten Inning den ersten Hit abgab. Pirates-Rookie Max Kranick feuerte in seinem MLB-Debüt am Sonntag fünf perfekte Innings. Er benötigte dafür nur 50 Pitches, musste aber ausgewechselt werden, als sein Lauf durch eine einstündige Regenpause unterbrochen wurde. Am Dienstag waren die Pirates auf der anderen Seite eines Beinahe-No-Hitters, als German Marquez für die Rockies in einem Complete-Game-Shutout acht No-Hit-Innings schaffte, bevor er beim zweiten Pitch im neunten Inning den ersten und einzigen Treffer durch Pittsburghs Ka’Ai Tom zuließ.

Mein Einschalttipp
Das Derby zwischen den New York Yankees und den New York Mets, allgemein als Subway Series bekannt, geht am Wochenende in die erste Runde. Die MLB hat dieses Jahr geschichtsträchtige Daten für das Stadtduell ausgewählt: Die Hinserie in Yankee Stadium umfasst den 4. Juli, die Rückserie in Citi Field den 11. September. Wenn man Fan eines der beiden Teams ist, sind die drei Spiele von Freitag bis Sonntag quasi Pflicht, auch wenn das zwei Nachtschichten bedeutet. Für alle anderen bietet sich an, in das Samstagspiel ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit reinzuschauen. Starting Pitcher dieser Partie werden voraussichtlich Michael King (4.06 ERA, 4.65 FIP) für die Yankees und Marcus Stroman (2.44 ERA, 3.59 FIP) für die Mets sein. Falls ihr kein mlb.tv-Abo habt, müsst ihr auch nicht leer ausgehen, denn das Freitagsspiel ist das „Free Game of the Day“.

Erläuterung zu den Playoff-Wahrscheinlichkeiten
Die sogenannten Playoff-Odds, mit denen ich in der heutigen Übersicht hantiert habe, stammen von der Statistikseite fangraphs.com. Das Verfahren von Fangraphs besteht darin, den Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit zu versehen. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen dieser Spieler für den Rest des Jahres prognostiziert werden. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

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Juni 24th, 2021 by Silversurger

Das größte Thema in der MLB sind nach wie vor die klebrigen Substanzen, deren Gebrauch durch Pitcher die Liga mit verstärkten Kontrollen unterbinden will. Seit Montag wird jeder Pitcher mehrmals pro Spiel untersucht. Als erstes war Jacob deGrom dran – nicht weil seine unglaublichen Leistungen ihn besonders verdächtig gemacht hatten, sondern weil es zufällig das erste Spiel an dem Tag war. deGrom war ebenso „sauber“ wie alle anderen bislang kontrollierten Pitcher. Das heißt nicht, dass das Problem nicht existiert – es haben nur offenbar alle Nutzer der klebrigen Hilfsmittel rechtzeitig damit aufgehört. Dafür spricht jedenfalls, dass rund zwei Drittel der MLB-Pitcher eine deutliche Abnahme bei der Rotationsrate ihrer Pitches verzeichnen, seit die Liga vor drei Wochen die stärkere Umsetzung der Regeln ankündigte. Die Kontrollen scheinen also nicht umsonst zu sein, auch wenn sie mitunter zu ziemlich skurrilen Szenen führen:

Weitere interessante Neuigkeiten aus der MLB sind die Ankunft von Top-Prospect Wander Franco (siehe „Statistik der Woche“) und die Geschichte(n), die Shohei Ohtani schreibt: Dank des 2-Way-Phänomens der Angels war das Spiel gegen die Giants gestern Abend das erste in der MLB-Historie, in dem ein American-League-Team ohne Designated Hitter gegen ein National-League-Team mit DH antrat. Ohtani ist zudem der erste bestätigte Teilnehmer des Home Run Derbys am 12. Juli – er wird sowohl der erste Pitcher als auch der erste Japaner sein, der an der Veranstaltung teilnimmt.

American League
Die AL East hat einen neuen Tabellenführer, jedenfalls für den Moment. Die Boston Red Sox (44-30) fügten den Tampa Bay Rays (44-31) am Dienstag die siebte Niederlage in Folge zu und übernahmen damit die Divisionsspitze. Doch das Duell ist noch lange nicht entschieden, denn gestern meldeten sich die Rays mit einem überzeugenden 8:2-Sieg zurück, und heute Nacht steht im letzten Spiel der Serie der Spitzenplatz erneut zur Disposition. Für die Red Sox geht es dann ohne Pause in die nächste schwierige Serie gegen die New York Yankees (39-34). Gleichzeitig treffen die Toronto Blue Jays (37-35) auf die Baltimore Orioles (23-51). Obwohl die beiden als Dritter und Vierter Tabellennachbarn sind, liegen Welten zwischen den beiden Teams. Die Blue Jays haben sich gerade auf eine positive Bilanz zurückgekämpft und sind voll im Rennen um eine Wild Card, während das einzige Rennen der Orioles in diesem Jahr wohl das gegen den Titel des schlechtesten Teams der Liga ist. Trotz zuletzt fünf Niederlagen in Folge stehen die Orioles in diesem Wettbewerb noch vor den Diamondbacks.

Fünf Niederlagen in Folge mussten auch die Chicago White Sox (44-30) einstecken. Erst gestern gelang ihnen gegen die Pirates der erste Sieg seit einer Woche. Das Polster der White Sox in der AL Central war immerhin groß genug, um den ersten Platz trotz der Schwächephase zu halten, doch die Cleveland Indians (40-31) sind jetzt nur noch zweieinhalb Spiele zurück. Viel mehr gibt es zu dieser Division nicht zu sagen, denn die Kansas City Royals (33-39), die Detroit Tigers (32-42) und die Minnesota Twins (31-42) prügeln sich zwar munter um die Plätze, aber die konkrete Sortierung zwischen den drei abgeschlagenen Teams wird am Ende lediglich für die Draftreihenfolge interessant sein.

Auch die AL West ist im Wesentlichen ein Zweikampf. In diesem haben die Houston Astros (46-28) sich mit einer sensationell starken Serie von zehn Siegen in Folge inzwischen an die Spitze gesetzt und die Oakland Athletics (45-31) auf Rang zwei verdrängt. Die Astros weisen aktuell die beste Bilanz der AL und mit +135 das stärkste Run Differential der gesamten MLB auf. In den kommenden Tagen haben sie zudem mit den Tigers und den Orioles sehr lösbare Aufgaben vor sich, während die A’s zum Derby nach San Francisco müssen. Mit einem 4-Spiele-Sweep über die Rays haben diese Woche die Seattle Mariners (39-37) aufhorchen lassen. Wenn sie in den anstehenden Serien gegen die White Sox und die Blue Jays bestehen, könnten für die Mariners noch Außenseiterchancen auf eine Wild Card drin sein. Ihr deutlich negatives Run Differential von -48 wirft allerdings Zweifel auf, ob das Team „for real“ ist.

National League
Die NL East wird nach wie vor von den New York Mets (38-31) angeführt, auch wenn für sie zuletzt nur Serien von 1-3 gegen die Washington Nationals (35-36) und 2-2 gegen die Atlanta Braves (35-38) drin waren. Getragen werden die Mets vom mit Abstand besten Starting Pitching der Liga (2.64 ERA). Das ist erstaunlich angesichts der vielen Verletzungen, die die Rotation getroffen haben: Syndergaard und Carrasco haben dieses Jahr noch kein Spiel absolviert und werden es auch nicht allzu bald tun; Lucchesi unterzieht sich heute einer Tommy-John-Surgery, womit seine Saison gelaufen ist; Yamamoto fehlt noch mindestens einen Monat, Gsellman sechs bis acht Wochen; deGrom spielt zwar eine Saison für die Geschichtsbücher, musste aber auch schon ein paar Wochen pausieren und mehrere Spiele vorzeitig abbrechen; Stroman wurde vorgestern im zweiten Inning ausgewechselt, scheint aber nach ersten Untersuchungen nicht länger auszufallen. Die Mets überbrücken die Misere zurzeit mit mindestens zwei Spot-Startern oder Bullpen-Spielen pro Woche, vermutlich müssen sie bald noch mal auf dem Trade-Markt tätig werden. Auf dem Programm stehen für die Mets auch diese Woche wieder Duelle gegen die direkten Konkurrenten: zuerst viermal gegen die Philadelphia Phillies (34-37), dann ein Nachholspiel bei den Nationals und noch drei Partien in Atlanta. Lustigerweise sind übrigens die letztplatzierten Miami Marlins (31-42) neben den Mets das einzige Team der Division mit einem positiven Run Differential (+15).

In der NL Central gibt es sogar nur ein einziges Team mit einem positiven Run Differential, nämlich die Chicago Cubs (41-33, +24). An der Spitze stehen sie damit trotzdem nicht, denn dort nisten die Milwaukee Brewers mit einer Bilanz von 42-33, obwohl sie einen Run mehr kassiert als erzielt haben – ob man das Glück oder Effizienz nennen will, soll jeder selbst entscheiden. Nächste Woche wird es auf jeden Fall interessant, denn von Montag bis Mittwoch treffen die Cubs und die Brewers sich zum Spitzenduell in Wrigley Field. Die Cincinnati Reds (36-36) sahen vor einer Woche noch so aus, als ob sie sich wieder nach oben arbeiten, doch seitdem haben sie nur noch ein Spiel gewonnen und sind damit ebenso ins Niemandsland abgerutscht wie die St. Louis Cardinals (36-38).

Die drei stärksten Teams der National League spielen allesamt in der NL West. Wir warten quasi wöchentlich auf den Einbruch der San Francisco Giants (48-26), doch der scheint nicht zu kommen. Dass die Giants nicht nur die beste Bilanz aller MLB-Teams haben, sondern mit +101 auch das beste Run Differential der NL, spricht klar für sie. In den kommenden Tagen stehen zwei weitere Bewährungsproben für das Überraschungsteam des Jahres an, denn es geht erst zu Hause ins Derby gegen die Athletics und dann nach Los Angeles zum Klassiker gegen die Dodgers (44-30). Die Dodgers kommen gerade angeschlagen aus San Diego, wo sie sich einen 3-Spiele-Sweep durch die Padres (45-32) abgeholt haben. Die Padres haben damit nun sieben Spiele in Folge gewonnen, ihr Zwischentief offensichtlich hinter sich gelassen und sind zurück im Dreikampf ihrer Division. Da die Padres nun dreimal gegen die Arizona Diamondbacks spielen, benötigt es nicht viel Phantasie, um ihnen eine Fortsetzung der Erfolgsserie zuzutrauen. Die Diamondbacks haben ihre brutale Niederlagenserie nach 17 verlorenen Spielen mit einem Sieg gegen die Brewers am Montag zwar endlich beendet. Seitdem haben sie aber schon wieder zweimal verloren, sodass derzeit 19 Niederlagen aus den letzten 20 Spielen zu Buche stehen.

Szene(n) der Woche
Triple Plays sind ja an sich schon ein seltenes Ereignis im professionellen Baseball. Nahezu unglaublich wird es, wenn ein Team zwei davon innerhalb von drei Tagen schafft. Den Yankees ist das gelungen, sie haben am Donnerstag gegen die Blue Jays ihr zweites und am Sonntag gegen die Athletics bereits ihr drittes Triple Play in diesem Jahr vollendet. Beide waren zudem auf ihre Art ziemlich einzigartig. Das gegen die Blue Jays war das erste 1-3-6-2-5-6-Triple-Play, das jemals verzeichnet wurde. Kurz zur Erklärung für alle, die mit den Scoring-Bezeichnungen nicht so vertraut sind: 1-3-6-2-5-6 bedeutet, dass der Spielzug über Pitcher, First Baseman, Shortstop, Catcher, Third Baseman und nochmal Shortstop lief. In freier Wildbahn sieht das dann so aus:


Das Triple Play gegen die Athletics war vom Ablauf her eher Standard (5-4-3, also Third Baseman, Second Baseman, First Baseman), aber es war das letzte Play des Spiels. Es war das erste Mal seit rund 12 Jahren, dass ein MLB-Spiel mit einem Triple Play beendet wurde.

 

Statistik der Woche 
2001. Das ist keine ausgefeilte Statistik, sondern nur ein Geburtsjahr. Es sagt allerdings aus, dass Wander Franco der erste MLB-Spieler ist, der im aktuellen Jahrtausend geboren wurde. Das 20-jährige Top-Prospect der Rays gab sein Big-League-Debüt am Dienstag und schlug auch gleich seinen ersten Homerun.

Spiel der Woche
Hier fällt mir die Wahl diese Woche schwer. Die Blue Jays hatten einen tollen Comeback-Win gegen die Orioles mit sechs Runs nach dem zweiten Out im neunten Inning. Das eingangs erwähnte Match zwischen den Angels mit Shohei Ohtani und den Giants mit Kevin Gausman war ebenfalls absolut sehenswert. Noch beeindruckender fand ich aber das gestrige Spiel zwischen den Nationals und den Phillies, in dem Washington drei Rückstände – darunter einen von fünf und einen von vier Runs – aufholte und mit purer Willenskraft den Sieg nach Hause brachte:

Mein Einschalttipp
Zweimal geht es in den kommenden Tagen direkt um die Spitze einer Division: zuerst heute Nacht im letzten Spiel der Serie zwischen den Rays und den Red Sox in der AL East und dann von Montag bis Mittwoch zwischen den Brewers und den Cubs in der NL Central. Mein Einschalttipp ist das dritte Spiel der Serie in Milwaukee: Es läuft am kommenden Mittwoch um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit als Free Game of the Day auf mlb.tv. Ihr braucht also nur einen Account auf mlb.com, dann könnt ihr es auch ohne Abo sehen. Starting Pitcher werden voraussichtlich Corbin Burnes (2.62 ERA, 1.13 FIP) für die Brewers und Jake Arrieta (5.45 ERA, 5.58 FIP) für die Cubs sein.
Je nachdem, wie die Spiele am Wochenende laufen, könnte es übrigens auch in den beiden Spielen zwischen den Dodgers und den Giants  Montag- und Dienstagnacht um eine Divisionsspitze gehen.

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Juni 17th, 2021 by Silversurger

Klebrige Substanzen und ihr Gebrauch durch Pitcher sind nach wie vor Diskussionsthema Nummer eins in der MLB. Nachdem schon zu Beginn der Saison sowie noch einmal am 3. Juni verstärkte Kontrollen und eine konsequentere Umsetzung der bestehenden Regeln angekündigt wurden, macht die Liga nun offenbar Ernst: In einem Memo an alle Teams und einer Pressemitteilung gab Commissioner Rob Manfred bekannt, dass ab kommenden Montag Starting Pitcher mindestens zweimal pro Spiel und Reliever nach jedem Einsatz auf unerlaubte Hilfsmittel wie Baumharz oder Spider Tack untersucht werden. Wer mit einer solchen Substanz erwischt wird, muss mit sofortigem Platzverweis und zehn Spielen Sperre rechnen. Die Teams werden mit in die Verantwortung genommen, indem sie die gesperrten Spieler weiterhin bezahlen müssen und den Platz im Kader während der Sperre nicht an jemand anderen vergeben dürfen.
Interessanterweise sind erste Auswirkungen der Ankündigung vom 3. Juni offenbar bereits zu beobachten: Bei zahlreichen Pitchern sind die zunächst auffällig hohen Rotationsraten ihrer Pitches seitdem deutlich zurückgegangen.

Ein selbsterklärtes „Opfer“ der neuen Regelauslegung ist Rays-Pitcher Tyler Glasnow: Er musste mit einem Anriss des ulnaren Seitenbandes im Ellenbogen seines Wurfarmes auf die Verletztenliste. Er macht ausdrücklich für die Verletzung verantwortlich, dass er von der Liga gezwungen wurde, mitten in der Saison etwas an seinen eingeübten Abläufen zu ändern, indem er auf seine Mischung aus Harz und Sonnencreme verzichten musste. Mit Clevelands Shane Bieber und Washingtons Max Scherzer verletzten sich diese Woche übrigens zwei weitere prominente Pitcher; von einem Zusammenhang mit dem Klebethema ist in ihren Fällen bislang nicht die Rede.

National League
Auch bei den New York Mets (35-25) macht man sich große Sorgen um einen Pitcher. Zwar läuft es sportlich super für das Team aus Queens: Von den letzten zehn Spielen wurden acht gewonnen und das gegen Hochkaräter wie die Padres und die Cubs, der Vorsprung in der NL East auf die Philadelphia Phillies (33-30) beträgt mittlerweile fünf Spiele. Jacob deGrom pitcht eine Saison für die Ewigkeit, er hat in seinen elf Starts insgesamt nur vier Runs zugelassen und steht auf einem ERA von unglaublichen 0.54. Doch er ist auch der Grund für die Sorgen, denn er musste zuletzt zweimal vorzeitig ausgewechselt werden. Letzten Freitag war eine entzündete Sehne im Ellenbogen der Grund, dass deGrom nach sechs Innings raus musste. Eine MRT  zeigte keine Schäden und Jake konnte gestern wieder spielen, doch nach drei perfekten Innings mit acht Strikeouts war wieder Schluss, dieses Mal wegen Problemen mit der Schulter. Er wird sich nun weiteren Untersuchungen unterziehen und man kann nur hoffen, dass er nicht länger ausfällt.
Die dreifachen Divisions-Titelverteidiger Atlanta Braves (30-35) spielen derweil weiterhin eine enttäuschende Saison. Sechs der letzten sieben Spiele haben sie verloren, darunter zwei gegen die Phillies und zwei gegen die abgeschlagenen Miami Marlins (29-39). Nun stehen auch noch zwei besonders schwierige Serien für die Braves an: erst viermal gegen die Cardinals, dann viermal gegen die Mets. 

Die St. Louis Cardinals (35-33) sind ihrerseits in Zugzwang, denn der einstige Tabellenführer der NL Central ist inzwischen auf Platz vier abgerutscht. Das klingt aber hoffnungsloser als es ist, denn abgesehen vom Schlusslicht Pittsburgh Pirates (23-44) sind in dieser Division alle Teams in den letzten Tagen sehr eng zusammengerückt. Vorne stehen gleichauf die Milwaukee Brewers und die Chicago Cubs (je 38-30), doch beide haben ihre letzten drei Spiele verloren. Die Cincinnati Reds (35-31) haben derweil sechs Spiele am Stück gewonnen – drei davon gegen die Brewers – und sind jetzt wieder voll im Rennen, ebenso wie die Cardinals nach ihrem Sweep über die Marlins. 

Der nächste Gegner der Reds sind die San Diego Padres (38-32), die sich seit zweieinhalb Wochen in der NL West im freien Fall befinden. Seit dem 30. Mai weisen sie eine Bilanz von 4-13 auf – zwar größtenteils gegen Top-Teams, doch zuletzt ließen sie sich auch von den Colorado Rockies (28-41) sweepen. Da die San Francisco Giants (43-25) und die Los Angeles Dodgers (41-27) weiterhin die Mehrzahl ihrer Spiele gewinnen, setzen die beiden sich zunehmend ab und bilden statt des einstigen Führungstrios nur noch ein Führungsduo. Da die Dodgers nächste Woche dreimal in San Diego gastieren, haben die Padres die Chance, den Anschluss schnell wiederherzustellen – aber auch, ihn endgültig zu verlieren. Apropos endgültig verlorener Anschluss: Den Arizona Diamondbacks (20-49) zuzuschauen, tut momentan selbst als neutraler Beobachter weh. Von ihren letzten 30 Spielen haben sie 27 verloren, darunter zweimal 13 am Stück. Die zweite dieser Serien dauert zurzeit noch an. Seit gestern sind die Diamondbacks zudem Mit-Inhaber des MLB-Rekords von 22 Auswärtsniederlagen am Stück; wenn sie heute auch das vierte Spiel in San Francisco verlieren, gehört der unrühmliche Rekord ihnen allein. 

American League
In der American League gibt es eine recht ausgeglichene Spitze in der Form, dass jede Division von einem Team mit 43 Siegen angeführt wird. In der AL East sind das die Tampa Bay Rays (43-26), für die die Luft allerdings gerade etwas dünn wird: Die Boston Red Sox (42-27) haben in den letzten Tagen zwei Spiele auf die Rays gut gemacht, sodass die beiden nun nur noch ein einziges Spiel trennt. Das ist eine spannende Ausgangslage vor dem direkten Aufeinandertreffen in der kommenden Woche, auch wenn die Rays vorher noch nach Seattle und die Red Sox nach Kansas City müssen. Im Mittelfeld der Division duellieren sich derzeit die New York Yankees (35-33) und die Toronto Blue Jays (33-33). Bislang hatten zweimal die Yankees knapp das bessere Ende für sich, Spiel drei steigt heute Nacht ab 1:07 mitteleuropäischer Zeit.

In keiner Division herrschen derart klare Verhältnisse wie in der AL Central. Ganz vorne haben wir die Chicago White Sox (43-25), die – gemeinsam mit den Giants – die beste Bilanz der gesamten MLB aufweisen. Der einzige verbliebene Konkurrent in der Division sind die Cleveland Indians (37-28), allerdings schon mit gehörigem Abstand auf die White Sox. Hinter den Rest der AL Central können wir getrost einen Haken setzen. Die Kansas City Royals (30-39) hatten eine Weile vorne mitgehalten, doch nach elf Niederlagen in den letzten zwölf Spielen gehören sie inzwischen klar in eine Kategorie mit den Detroit Tigers (29-39) und den Minnesota Twins (27-41). Alle drei müssen sich um die laufende Saison keine großen Gedanken mehr machen, außer jenen, welche Spieler man zur Trade-Deadline möglichst gewinnbringend auf den Markt bringen kann. 

Auch die AL West hat ihr 43-Siege-Team, nämlich die Oakand Athletics (43-27). Die A’s haben gerade durch einen Sweep den Zwischenspurt der Los Angeles Angels (33-35) gestoppt und damit die Tabellenführung vor den Houston Astros (39-28) behauptet. Die Astros schafften derweil in den beiden letzten Spielen gegen die Texas Rangers (25-43) etwas, das es in der MLB-Geschichte noch nie gab: José Altuve beendete vorgestern das Spiel mit einem Walkoff-Homerun und begann gestern das nächste Spiel mit einem Leadoff-Homerun. Ist es nicht faszinierend, dass es nach 150 Jahren professionellem Baseball immer noch fast jede Woche etwas völlig Neues gibt? Beide Spitzenteams der Division haben nun schwere Aufgaben vor sich: Die Athletics reisen zu den Yankees, während die Astros die White Sox empfangen (siehe „Einschalttipp“).

Szene der Woche 
Anthony Rizzo hat uns am Freitag mit einem der großartigsten At Bats des Jahres beschert. Der First Baseman der Cubs fiel gegen Cardinals-Pitcher Daniel Ponce de Leon schnell mit 0-2 zurück. Der nächste Pitch war ein hoher Ball, den Rizzo durchließ, bevor er einen Pitch nach dem anderen wegfoulte. Den vierzehnten Pitch des At Bats, einen 96-Meilen-Fastball, schlug er schließlich zum Homerun. Der Count war zu dem Zeitpunkt übrigens noch nicht mal voll, es stand 2-2 mit neun Foulballs. Rizzos Homerun im fünften Inning war der Ausgleich zum 5:5, die Cubs gewannen am Ende 8:5.

Statistik der Woche 
8. So viele Homeruns schlugen die Toronto Blue Jays am Sonntag beim 18:4-Sieg gegen die Boston Red Sox. Die Blue Jays sind damit das einzige Auswärtsteam, das jemals in der 109-jährigen Geschichte von Fenway Park so viele Homeruns in einem Spiel erzielte.

Spiel der Woche
Wir bleiben in Fenway Park, denn dort gab es zwei Tage vor dem Homerun-Festival der Blue Jays eine sehr viel spannendere Partie zu bestaunen. Obwohl es nur über achteinhalb Innings ging, dauerte das Spiel 3 Stunden und 47 Minuten. In dieser Zeit bekam man als Zuschauer einiges geboten: unter anderem sechs Führungswechsel – die meisten in einem MLB-Spiel seit fast zwei Jahren –, drei Bases-Loaded-Walks, den zweitkürzesten Out-Of-The-Park-Homerun (315 Yards) sowie den längsten nicht gefangenen Infield Fly (211 Yards) der Saison und einen Platzverweis gegen Astros-Manager Dusty Baker. Einen halbnackten Flitzer gab es übrigens auch, der taucht allerdings nicht im Video auf.

Mein Einschalttipp
Von Dienstag bis Donnerstag nächster Woche stehen die immer sehenswerten Duelle zwischen den Red Sox und den Rays sowie zwischen den Dodgers und den Padres an. Nachdem ich hier aber schon so oft NL-West- und AL-East-Matchups empfohlen habe, geht der Einschalttipp heute mal an eine andere hochinteressante Paarung: Die Astros treffen ab heute viermal auf die White Sox. Es sind die beiden Teams mit den besten Run Differentials der American League, im Fall der Astros vor allem auf offensive Feuerkraft gegründet, bei den White Sox hingegen auf hervorragendes Pitching. Die ersten drei Spiele laufen nach europäischer Zeit mitten in der Nacht, das vierte aber zur besten Sendezeit am Sonntagabend um 20:10 Uhr – sogar ganz ohne Konkurrenz durch die Fußball-EM. Übrigens: In den USA ist am Sonntag Vatertag. Aus diesem Anlass gibt es diese Woche das Jahresabo von mlb.tv zum halben Preis.

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Juni 10th, 2021 by Silversurger

Kleber ist ja eigentlich dafür da, Dinge zusammenzufügen, aber in der MLB haben klebrige Substanzen gerade den gegenteiligen Effekt: Sie verursachen einen tiefen Riss zwischen jenen, die den Gebrauch solcher Hilfsmittel durch Pitcher als ein Problem ansehen und jenen, die das in Ordnung finden. Die reine Tatsache, dass Mittel wie Pinienteer, Tyrus Sticky Grip oder Spider Tack unter Pitchern verbreitet sind, um einen besseren Griff an den Ball zu bekommen und dessen Rotation zu erhöhen, bestreitet so gut wie niemand. Es gibt nur auf der einen Seite Spieler wie Josh Donaldson, die sich darüber öffentlich beschweren, und auf der anderen Seite solche wie Aaron Judge oder Pete Alonso, die das Thema als eine Art Kavaliersdelikt darstellen, bei dem Chancengleichheit dadurch entsteht, dass es quasi jeder macht. Interessanterweise sind es fast ausschließlich Batter, die sich zu der Situation äußern. Pitcher wie Cy-Young-Kandidat Gerrit Cole neigen dazu, ausweichend auf klebrige Fragen zu antworten – wohl auch vor dem Hintergrund, dass die MLB angekündigt hat, die bestehenden Regeln von jetzt an konsequenter umzusetzen. Ein erster Warnschuss wurde diese Woche abgegeben, indem mindestens vier Minor-League-Pitcher für jeweils zehn Spiele gesperrt wurden. Das Thema wird die laufende Saison wohl noch für eine Weile begleiten. Jetzt aber erst mal zum aktuellen sportlichen Geschehen:

American League
Die Tampa Bay Rays (39-24) zeigen nach wie vor keine Spur von World-Series-Hangover. Mit ihrer Bilanz sind sie bislang das stärkste Team sowohl der AL East als auch der gesamten MLB. Der Erfolg der Rays basiert, wie man es von ihnen gewohnt ist, nicht auf großen Namen, sondern auf einem ausgewogenen Kader, bei dem alle kleinen Rädchen ineinander greifen und jedes davon bei Bedarf ausgetauscht werden kann. Mit diesem Erfolgsrezept bringen sie es in der bisherigen Saison auf die zweitmeisten erzielten und die zweitwenigsten kassierten Runs der AL. Ihre Rolle als Verfolger Nummer eins der Rays haben die Boston Red Sox (37-25) gefestigt, indem sie am vergangenen Wochenende mit einem 3-Spiele-Sweep die New York Yankees (33-29) in deren eigenem Ballpark abfertigten – übrigens zum ersten Mal seit zehn Jahren. Mitte nächster Woche kommt es in Buffalo zu einem interessanten Duell zwischen den Toronto Blue Jays (31-28) und den Yankees. Ein klarer Ausgang dieser Serie könnte für das unterlegene Team bedeuten, dass man das Rennen um die Playoff-Plätze vorerst abhaken kann. 

Die AL Central bietet zurzeit von allen Divisionen das eindeutigste Bild. Die Chicago White Sox (37-24) führen klar mit vier Spielen Vorsprung vor den Cleveland Indians (32-27). Dass dieser Abstand kein Zufall, sondern eher noch schmeichelhaft für die Indians ist, zeigt der Blick auf die Run Differentials: Die White Sox haben mit +86 das beste Runverhältnis der gesamten Liga, während die Indians (-12) genau wie alle anderen Teams der Division im negativen Bereich rangieren. Die Detroit Tigers (25-36) und die Minnesota Twins (24-37) sind in der Division längst abgeschlagen; nur was ich von den Kansas City Royals (29-31) halten soll, weiß ich nicht so recht. Einem bärenstarken Saisonbeginn im April folgte der freie Fall in der ersten Maihälfte. Dann arbeiteten sich die Royals langsam wieder hoch, bevor sie zuletzt fünf Spiele in Folge verloren. Angesichts einer anstehenden Vier-Spiele-Serie in Oakland könnte es schwer werden, diesen Negativtrend zeitnah zu stoppen.

Im Gegensatz zu den Royals zeigen die Oakland Athletics (37-26) nämlich eine beeindruckende Konstanz. Ignoriert man ihren mit sechs Niederlagen verschlafenen Start in die Saison, weisen sie seitdem die beste Bilanz der gesamten MLB auf. So reicht es immerhin zur Führung in der AL West, wenn auch nur knapp vor den Houston Astros (35-26). Die Astros haben acht ihrer letzten zehn Spiele gewonnen, allesamt gegen starke Gegner wie die Padres, die Red Sox und die Blue Jays. Das Rennen zwischen ihnen und den A’s dürfte auf absehbare Zeit interessant bleiben, während die Seattle Mariners (31-32) langsam aber sicher den Anschluss an das Spitzenduo verlieren. Einen klaren Aufwärtstrend zeigten zuletzt die Los Angeles Angels (30-32) mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen. Auch ihnen traue ich eher nicht zu, noch ernsthaft ins Rennen einzugreifen. Sie können mich gerne eines Besseren belehren, indem sie Mitte nächster Woche ein paar Spiele gegen die Athletics gewinnen.

National League
In der NL East halten sich die New York Mets (30-24) trotz widriger Umstände wie Verletzungen, Offensiv-Slumps und Spielausfällen nach wie vor wacker auf Platz eins. Das liegt nicht zuletzt an der schwachen Konkurrenz, denn die Atlanta Braves (29-30), Philadelphia Phillies (29-31), Washington Nationals (25-33) und Miami Marlins (26-35) stehen durch die Bank bei negativen Bilanzen und negativen Run Differentials – mit Ausnahme der Braves, deren Run Differential bei null steht. Ob die Mets sich auf Dauer da oben einrichten können, werden die anstehenden vier Wochen der Wahrheit weisen, vor die sie der Spielplan stellt: 3-mal gegen die Padres, 4-mal gegen die Cubs, 5-mal gegen die Nationals, 7-mal gegen die Braves, 4-mal gegen die Phillies, 3-mal gegen die Yankees und 3-mal gegen die Brewers lautet das bockelharte Programm. Falls die Mets dann, nach gut der Hälfte der Saison, noch vorne stehen sollten, darf man sich wirklich fragen, wer sie noch stoppen soll. 

Eine Woche der Wahrheit steht auch in der NL Central an. Das betrifft zum einen das bevorstehende Duell der Chicago Cubs (35-27) und der St. Louis Cardinals (32-30). Die Cubs befinden sich seit Wochen im Aufwärtstrend, in dessen Zuge sie die Cardinals als Tabellenführer entthront haben. Diese hingegen scheinen völlig von der Rolle, haben zuletzt acht von zehn Spielen verloren, darunter alle vier Partien einer Heimserie gegen die Cincinnati Reds (29-30). Wenn die drei Spiele in Chicago von Freitag bis Samstag nicht die Wende bringen, rückt die Divisionsspitze für St. Louis in weite Ferne. Hinzu kommt, dass mit den Milwaukee Brewers (34-27) ein weiteres Team in der Division einen starken Lauf und sich mittlerweile schon zwischen die Cubs und die Cardinals geschoben hat. Zehn der letzten zwölf Spiele haben die Brewers für sich entschieden. In den kommenden Tagen geht es für sie viermal gegen die Reds und dreimal gegen die Pittsburgh Pirates (23-37) – Gelegenheit genug, um sich von diesen Teams aus der unteren Tabellenhälfte weiter abzusetzen und Kapital daraus zu ziehen, dass die Cubs und die Cardinals sich gegenseitig Punkte abnehmen.

In der NL West finden wir das beste Team der NL und obwohl das schon seit Wochen so ist, bin ich bei jedem Blick auf die Tabelle wieder überrascht, dass es sich weder um die Los Angeles Dodgers (36-25) noch um die San Diego Padres (37-27) handelt, sondern um die San Francisco Giants (38-23). Natürlich sind noch hundert Spiele zu spielen, aber die Saison ist schon weit genug vorangeschritten, um sagen zu können, dass die Giants offensichtlich „for real“ sind. Nach den Dodgers am vorletzten Wochenende haben sie auch die Cubs am letzten Wochenende 3-1 geschlagen und damit gezeigt, dass sie gegen die Spitzenteams bestehen können. Nun warten erstmal vermeintlich leichtere Aufgaben in Form der Nationals und der Arizona Diamondbacks (20-43). Letztere zeigen sich seit Wochen in einem desolaten Zustand. Seit Mitte Mai haben sie unglaubliche 21 von 23 Spielen verloren, weisen mittlerweile die schlechteste Bilanz der gesamten Liga auf. Falls hier Fans der Diamondbacks mitlesen – schaut euch lieber nicht den Restspielplan bis zum All-Star-Break an…

Szene der Woche 
Eines der vielen schönen Dinge am Baseball ist, dass man auch in Misserfolgen und Niederlagen immer wieder besondere Teil- und Einzelleistungen findet, an denen man sich erfreuen kann. Die Yankees hatten so einen Moment am Freitag, als ihr Starter Michael King im vierten Durchgang gegen die Red Sox ein immaculate Inning warf. Von einem solchen „makellosen“ Inning spricht man, wenn es aus drei Strikeouts besteht und der Pitcher dafür nur die Mindestanzahl von neun Pitches benötigt. In der MLB-Historie gab es bislang 103 immaculate Innings. Zum Vergleich: No-Hitter kamen mehr als dreimal so oft vor, nämlich 311-mal. Richtig freuen konnte King sich über seinen Eintrag in die Geschichtsbücher aber nicht: „Ich würde lieber ein Spiel gewinnen statt ein immaculate Inning zu werfen,“ war sein Fazit nach der 2:5-Niederlage seines Teams.

Statistik der Woche 
2765. So viele Spiele hat Tony La Russa als MLB-Manager gewonnen. Mit Sieg Nummer 2764 überholte der Cheftrainer der Chicago White Sox am Sonntag John McGraw in der ewigen Rangliste. An Platz eins wird der 76-Jährige wohl nicht mehr herankommen, denn dort steht Connie Mack mit unglaublichen 3731 Wins. Dabei möchte ich nicht verschweigen, dass Mack die Niederlagentabelle noch deutlicher anführt als die mit den Siegen. Hinter seinen 3948 verlorenen Spielen belegt auch hier La Russa den zweiten Platz mit 2389.

Spiel der Woche
Pleiten, Pech und Pannen lautete das Motto in der Partie der Phillies gegen die Nationals am Sonntag. Im ersten Inning gab es eine Unterbrechung, weil Brian O’Nora einen Foulball an die Gesichtsmaske bekam und das Spiel verlassen musste. Im dritten Inning wurde das Spiel unterbrochen, weil Nationals-Pitcher Austin Voth einen Fastball von Vince Velasquez ins Gesicht bekam und sich die Nase brach. Die nächste und längste Unterbrechung kam im achten Inning, als das Schutznetz entlang des Infields herunterfiel und vom engagierten Stadionpersonal wieder aufgehängt werden musste. Baseball wurde zwischendurch auch noch gespielt. Die Phillies gewannen 12:6, unter anderem mit dem 100. Homerun in der Karriere von Catcher J. T. Realmuto.

Mein Einschalttipp
Die Padres und die Mets lieferten sich schon am letzten Wochenende in New York eine sehenswerte Serie, in der sie sich letztlich die Siege 2-2 teilten. Zwei der Spiele waren geprägt durch überragendes Pitching: das 2:0 der Padres vom Freitag mit sieben Innings (1 H, 0 ER, 10 K) von Blake Snell sowie das 4:0 der Mets vom Samstag mit sieben Innings (3 H, 0 ER, 11 K) von Jacob deGrom. Dieses Wochenende treffen die beiden Teams wieder aufeinander, und voraussichtlich wird es gleich am Freitag zum potenziell epischen Duell zwischen Snell und deGrom kommen. Sofern ihr euch an Baseball auch dann erfreuen könnt, wenn Hits und Runs Seltenheitswert haben, dann schaltet morgen Nacht um 1:10 Uhr unserer Zeit mlb.tv ein – auch ohne Abo, denn die Partie ist das „Free Game of the Day“.

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Juni 3rd, 2021 by Silversurger

Rund ein Drittel der MLB-Saison ist bereits gespielt und zur großen Freude jedes neutralen Beobachters geht es in allen Divisionen noch äußerst spannend zu. Nur in einer Division beträgt der Abstand zwischen dem Ersten und dem Zweiten mehr als 2,5 Spiele, dafür liegen in jener Division lediglich 6 Spiele zwischen dem Ersten und dem Letzten. 

Vor dem gewohnten Überblick zum Stand der Dinge in der MLB noch eine Ankündigung: Ich hatte das Vergnügen, ein Exklusiv-Interview mit einem langjährigen MLB-Spieler zu führen. Ich bin gerade dabei, die Übersetzung aufzuschreiben, und werde das Ganze aller Voraussicht nach am Samstag veröffentlichen. Schaut also bitte am Wochenende mal hier vorbei, es wird auf jeden Fall interessant. Gerne könnt ihr auch raten, um wen es sich handelt. Mein Hinweis lautet: Er ist bzw. war ein 2-Way-Player der etwas anderen Art. 

National League
Es ist nicht lange her, da war die NL East die spannendste Division der Liga und hatte fast täglich einen neuen Tabellenführer. Inzwischen haben sich die New York Mets (27-21) ganz ordentlich abgesetzt, mit 4,5 Siegen ist ihr Vorsprung auf die zweitplatzierten Philadelphia Phillies (26-29) und Atlanta Braves (25-28) der größte in der MLB. Dabei haben die Mets von allen Teams die wenigsten Spiele auf dem Konto – diese Woche hatten sie schon wieder zweimal das Pech, Spiele gegen die Braves wegen schlechten Wetters ausfallen lassen zu müssen. Am Ende der Tabelle stehen die Miami Marlins (24-30) nach fünf Niederlagen in Folge nun gleichauf mit den Washington Nationals (23-29).

Einen Wechsel an der Spitze gibt es in der NL Central. Die Chicago Cubs (32-23) laufen zurzeit richtig heiß, haben neun der letzten zehn Spiele gewonnen und zuletzt sogar die Padres gesweept. Damit sind sie an den St. Louis Cardinals (31-25) vorbei gezogen, während diese eine Serie gegen die Dodgers verloren. Die Milwaukee Brewers (29-26) haben sich, unter anderem mit einem Sweep gegen die Nationals, auch wieder ein Stück herangearbeitet. Die nächste Woche anstehende Serie der Brewers gegen die Cincinnati Reds (24-29) könnte für Letztere schon fast entscheidend in der Hinsicht sein, ob die Reds sich dieses Jahr noch Hoffnungen auf die Postseason machen dürfen. 

In der NL West liegt es ohne Frage auf der Hand, wer auf die Postseason hoffen darf: Die San Francisco Giants (34-21), die San Diego Padres (34-23) und die Los Angeles Dodgers (33-23) werden den Divisonssieg sowie mindestens einen Wild-Card-Platz unter sich ausmachen. Die Padres waren das dominierende Team der letzten Wochen, mussten nun aber einen Dämpfer hinnehmen, indem sie von den Cubs gesweept wurden. Prompt haben sich die Giants den Platz an der Sonne geschnappt, die am Wochenende die wichtige Serie gegen die Dodgers 3-1 gewonnen haben. Nun müssen die Giants allerdings ebenfalls gegen die Cubs antreten; für mich wird das die interessanteste Serie der kommenden Tage (siehe „Einschalttipp“). 

American League
Die Tampa Bay Rays (35-22) stehen zwar nach wie vor an der Spitze der AL East sowie der AL insgesamt, aber in den letzten beiden Spielen gegen den vermeintlichen Lieblingsgegner New York Yankees (31-25) zogen sie zweimal knapp den kürzeren. Heute Abend ab 19:05 Uhr unserer Zeit steigt das vierte Spiel der Serie. Für die Boston Red Sox (32-23) wäre das Aufeinandertreffen der beiden Konkurrenten die Chance gewesen, sich den ersten Platz zurück zu holen, doch mit drei Niederlagen gegen die Astros ließen sie diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen. Am Wochenende steht übrigens mal wieder das ewig junge Duell der Red Sox gegen die Yankees an, während die Rays zu den zuletzt desolaten Rangers reisen. Die Toronto Blue Jays (29-25) haben seit zwei Tagen ihr Ausweichquartier in Buffalo bezogen. Sie fühlen sich dort offenbar wohl, jedenfalls wurden die ersten Spiele gegen die Marlins beide gewonnen. 

In der AL Central duellieren sich gerade die beiden Spitzenteams, die Chicago White Sox (33-22) und die Cleveland Indians (30-24). Das erste Spiel ging mit 8:6 an die White Sox und es sah so aus, als könnten die Southsider die Tür zum Divisionssieg weit aufstoßen, doch die Indians holten sich die beiden folgenden Spiele mit 3:1 und 6:5. Ein viertes Spiel in dieser spannenden Serie wäre schön gewesen, fiel aber gestern leider dem Wetter zum Opfer. Die Kansas City Royals (27-26) sind wieder knapp im positiven Bereich, nachdem sie diese Woche vier von fünf Spielen gewannen – je zwei gegen die Pirates und gegen die Minnesota Twins (22-33). Die Twins sind mittlerweile Letzter hinter den Detroit Tigers (23-32).

Die AL West wird von den Oakland Athletics (33-25) angeführt, denen die Houston Astros (31-24) unmittelbar im Nacken sitzen. Wenn man auf das Run Differential schaut, müsste es längst umgekehrt stehen – die Astros haben mit +62 das zweitbeste Run-Verhältnis der AL, die A’s stehen gerade mal bei +1. Die Stärke der Athletics besteht darin, die knappen Spiele zu gewinnen. 11-7 ist ihre Bilanz in 1-Run-Games, das ist die zweitstärkste Ausbeute der Liga. Noch besser stehen in dieser Art von Spielen nur die Seattle Mariners (28-29) da mit einer Bilanz von 13-5. Auch in der gerade beendeten Serie gegen die Athletics gewannen die Mariners ein Spiel mit einem Run Unterschied – verloren allerdings die anderen beiden mit jeweils sechs Runs Abstand. 

Szene der Woche 
Was um Himmels willen war das, was Javier Baez letzten Donnerstag gegen die Pirates gemacht hat? Eigentlich war es ein Routine-Groundout, bei dem der gegnerische First Baseman Will Craig einfach nur auf seine Base hätte treten müssen. Doch Schlitzohr Baez gelang es mit einer unerwarteten Kehrtwende, Craig dermaßen zu verwirren, dass der sich auf einen absurden Rundown zwischen Home und First einließ, an dessen Ende die Cubs einen Run gescort hatten und Baez an der zweiten Base angekommen war. 

Statistik der Woche 
2.000.000. Third Baseman Josh Donaldson von den Minnesota Twins hat letzten Samstag den zweimillionsten Run der MLB-Geschichte erzielt. Er scorte ihn bei einem Automatic Double seines Teamkameraden Nelson Cruz im ersten Inning gegen Royals-Pitcher Ervin Santana. Das sagt jedenfalls das Elias Sports Bureau, der offizielle Statistikdienst der MLB. Baseball Reference sieht das leicht anders und rechnet den zweimillionsten Run Cesar Hernandez von den Indians zu, einen Tag früher als Donaldson. Beide Dienste zählen, unter gewissen historischen Uneindeutigkeiten, die Runs ab der Gründung der National League im Jahr 1876. Bezieht man die Spiele der 1871 gegründeten National Association mit ein, wurde der Meilenstein schon früher erreicht – und noch sehr viel früher, wenn künftig die Statistiken der Negro Leagues mitgezählt werden, wie es die MLB letztes Jahr angekündigt hat. 

Spiel der Woche
Vier Spiele hatten die Giants innerhalb einer Woche gegen die Dodgers verloren, bevor ihnen die Wende gelang und sie ihrerseits drei Siege gegen den Erzrivalen einfuhren. Dass es dazu kam, haben sie zu einem guten Teil ihrem Outfielder Mike Tauchman zu verdanken, dessen Rettungsaktion gegen Albert Pujols vielleicht schon der Catch des Jahres war. Vorangegangenen war ein Schlagabtausch, bei dem die Giants dreimal in Führung gegangen waren, zuletzt im achten Inning durch einen 3-Run-Homerun von Buster Posey, übrigens den 150. seiner Karriere. Jedes Mal glichen die Dodgers postwendend aus. Der weite Ball ins Leftfield von Pujols hätte den Walkoff-Sieg für L. A. bedeutet, wäre Tauchman nicht mit dem spektakulären Play zur Stelle gewesen. So hatten die Giants weiterhin die Siegchance, die sie im zehnten Inning schließlich nutzten. 

Mein Einschalttipp
Die interessanteste Serie des Wochenendes ist für mich wie gesagt die zwischen den San Francisco Giants und den Chicago Cubs. Beide Teams führen nach dem ersten Drittel der Saison überraschenderweise ihre Division an, beide haben in der vergangenen Woche die Favoriten der National League – die Padres bzw. die Dodgers – abgefertigt und treffen nun erstmals in diesem Jahr aufeinander. Wie für Westküstenspiele üblich, finden die meisten Partien der Serie nach unserer Zeit mitten in der Nacht statt, aber immerhin können wir das Finale am Sonntag ab 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit sehen. Starting Pitcher dieser Partie werden voraussichtlich Kyle Hendricks für die Cubs (4.62 ERA, 5.51 FIP) und Johnny Cueto (3.45 ERA, 2.64 FIP) für die Giants sein. 

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Mai 27th, 2021 by Silversurger

Es ist fast schon eine Meldung wert, dass wir auf eine ganze MLB-Woche ohne No-Hitter zurückblicken. Dafür habe ich diese Woche ein Triple Play, einen historischen Meilenstein und zwei Teams, die gerade massiv durchstarten, im Angebot. 

American League
Einer der beiden Durchstarter ist in der AL East zu Hause und amtierender Champion der American League: Die Tampa Bay Rays (31-20) haben sage und schreibe 12 der letzten 13 Spiele gewonnen und dadurch die Divisionsführung übernommen. Groß ist ihr Vorsprung allerdings noch nicht, denn auch die Boston Red Sox (30-20) und die New York Yankees (28-20) spielen zurzeit guten Baseball und halten den Kontakt zur Spitze. Übrigens sind die Red Sox mit bislang 259 Runs das offensivstärkste und die Yankees mit 171 zugelassenen Runs das defensivstärkste Team der AL. Jedoch muss das Pitching der Yankees einen empfindlichen Schlag verdauen, denn Corey Kluber fällt mit einer Schulterverletzung voraussichtlich zwei Monate lang aus. Die Toronto Blue Jays (25-23) haben – vor allem durch vier Niederlagen gegen die Rays in dieser Woche – den Anschluss nach ganz oben erst mal verloren. Das kann sich allerdings schnell ändern, wenn sie den heutigen Doubleheader gegen die Yankees genauso erfolgreich gestalten wie das erste Spiel der Serie, dass sie 6:2 gewannen.

Die Chicago White Sox (28-20) haben sich diese Woche von den Yankees sweepen lassen und dadurch den Cleveland Indians (26-21) erlaubt, sich in der AL Central ein Stück heranzutasten. Das ergibt eine interessante Ausgangslage für die Anfang nächster Woche anstehende Spitzenserie zwischen den beiden Teams. Vorher müssen allerdings die White Sox noch gegen Baltimore ran und die Indians gegen die Blue Jays. Die Kansas City Royals (23-24) haben nach ihrem furiosen Start und dem anschließenden tiefen Fall eine solide Woche mit fünf Siegen aus den letzten sieben Spielen hinter sich. Am Wochenende spielen sie gegen die Minnesota Twins (20-29), die gerade zum ersten Mal in diesem Jahr vier Spiele hintereinander gewonnen haben und nun gegen die Royals untermauern wollen, dass mit ihnen vielleicht doch noch zu rechnen ist.

Die AL West ist nach wie vor ein Zweikampf zwischen den Oakland Athletics (29-22) und den Houston Astros (27-22), auch wenn die beiden sich zurzeit eher ein Schneckenrennen liefern. Die A’s haben zuletzt eine Serie gegen die Seattle Mariners (23-27) verloren, während die Astros sich von den Texas Rangers (22-29) sweepen ließen und noch ein Spiel gegen die Dodgers verloren, bevor sie gestern ihren einzigen Sieg in dieser Woche einfuhren. Der Blick auf den Spielplan zeigt für die Astros ein bockelhartes Programm: Sie bekommen es in den nächsten zwei Wochen mit den Padres, den Blue Jays und zweimal den Red Sox zu tun. Die Athletics spielen in derselben Zeit gegen die Los Angeles Angels (22-27), die Mariners, die Rockies und die Diamondbacks, was sich – bei allem Respekt für diese Teams – ein bisschen angenehmer anhört.

National League
Die NL East bleibt die schwächste und zugleich die spannendste Division der MLB. An der Spitze halten sich immer noch die New York Mets (22-20) als einziges Team mit positivem Record, obwohl sie unter einer beispiellosen Verletzungsflut leiden. Außer einem Catcher haben die Mets für jede Feldposition mindestens einen gestandenen MLB-Spieler auf ihrer Verletztenliste, von der ursprünglichen Stammformation sind lediglich Shortstop Francisco Lindor und Catcher James McCann übrig – wobei Letzterer zurzeit vor lauter Not meistens als First Baseman spielt. Obendrein kam heute die Hiobsbotschaft, dass die ersehnte Rückkehr von Noah Syndergaard in die Starting Rotation sich um mindestens sechs Wochen verzögert, weil der Rechtshänder unter einer Entzündung im Ellenbogen des Wurfarms leidet. Die Atlanta Braves (24-25), Philadelphia Phillies (24-26) und Washington Nationals (20-24) können aus dem Pech der Mets bislang kein Kapital schlagen, zumal sie durchaus ihre eigenen Sorgen haben. So mussten diese Woche die Braves Marcell Ozuna (gebrochener Finger), die Phillies Bryce Harper (verstauchter Arm) und die Nationals Victor Robles (Knöchelzerrung) auf die Liste setzen. Eine wirklich gute Woche hatten in der Division lediglich die Miami Marlins (24-25), die sich mit erfolgreichen Serien gegen die Mets und die Phillies auf den zweiten Platz vorgearbeitet haben.   

Noch stehen die St. Louis Cardinals (27-22) an der Spitze der NL Central, doch der Tabellenführer schwächelt unübersehbar. Gegen beide Chicagoer Klubs wurden diese Woche Serien verloren, erst gegen die Cubs (26-22) und dann gegen die White Sox. Die Cubs haben heute die Chance, mit einem weiteren Sieg über die Pittsburgh Pirates (18-30) zu den spielfreien Cardinals aufzuschließen. Am Wochenende erwarten sowohl die Cardinals mit den Diamondbacks als auch die Cubs mit den Cincinnnati Reds (21-25) lösbare Aufgaben, bevor es während der Woche zu einer spannenden Konstellation kommt: Das Spitzenduo der NL Central trifft auf das Spitzenduo der NL West – die Cardinals auf die Padres, die Cubs auf die Dodgers.

Zur NL West muss man in dem Zusammenhang sagen, dass sich am Spitzenduo durchaus noch etwas ändern kann, denn hier mischt noch ein Dritter mit. Vorne stehen zurzeit die San Diego Padres (32-18). Sie sind das zweite der eingangs erwähnten Durchstarter-Teams, haben 11 der letzten 12 Spiele gewonnen und 14 der letzten 16. Heute Abend gegen die Brewers und am Wochenende gegen die Astros winkt die Chance, die Führung in der Division auszubauen, denn die beiden Konkurrenten Los Angeles Dodgers und San Francisco Giants (jeweils 30-19) treffen direkt aufeinander und werden sich in irgendeiner Form gegenseitig Punkte abnehmen. Die Dodgers gehen als Favoriten in die Serie, nachdem sie am letzten Wochenende alle drei Spiele in San Francisco gewannen und nun zusätzlich den Heimvorteil auf ihrer Seite haben. Den Blick nach unten vergisst man leicht in dieser aufregenden Division: Dort steht mit den Colorado Rockies (19-30) eines der schwächsten Teams der Liga und mit den Arizona Diamondbacks (18-32) ein aktuell noch schwächeres, das seine letzten zehn Spiele allesamt verloren hat.

Szene der Woche 
Erst zum zweiten Mal in dieser MLB-Saison haben wir ein Triple Play zu sehen bekommen. Der seltene Spielzug gelang den Yankees im neunten Inning des Freitagsspiels gegen die White Sox. 3B Gio Urshela, 2B Rougned Odor und 1B Luke Voit retteten beim Stand von 1:1 ihren Closer Aroldis Chapman aus einer misslichen Lage und bereiteten damit den Weg zum Walkoff-Sieg in der unteren Hälfte des Innings.

Statistik der Woche 
20.002. So viele verschiedene Spieler haben bislang in der MLB oder ihren Vorgängerligen seit Gründung der National Association im Jahr 1871 gespielt. Zur Nummer 20.000 wurde am Freitag José Godoy. Der 26-jährige Backup-Catcher der Mariners hatte beim 1:16 seines Teams gegen die Padres ein eher unspektakuläres Debüt, aber den statistischen Meilenstein kann ihm niemand nehmen. Man muss sich das mal vorstellen: In 150 Jahren Major-League-Baseball haben es gerade mal so viele Spieler auf das höchste Niveau geschafft, dass sie alle gemeinsam in ein MLB-Stadion passen würden, sogar mit Corona-Abstand. 

Spiel der Woche
Die 11 erwies sich am Montag als Glückszahl der Tampa Bay Rays: 11 Hits erzielten sie in 11 Innings und sicherten sich damit ihren elften Sieg in Folge. Auf dem Weg dahin verspielten sie Führungen von 5:0 im ersten und 7:5 im zehnten Inning, bevor sie mit sieben Runs im elften die Hoffnungen der Blue Jays auf ein weiteres Comeback zunichte machten. Für die Blue Jays war es übrigens der voraussichtlich letzte Pflichtspiel-Auftritt im Spring-Training-Park in Dunedin, Florida. Für die kommenden Heimspiele zieht das Team um nach Buffalo im Bundesstaat New York und spätestens nächstes Jahr zurück nach Toronto.

Mein Einschalttipp
In den kommenden Tagen steht ein Haufen interessanter Paarungen an – Blue Jays gegen Yankees, White Sox gegen Indians, Mets gegen Braves, Cardinals gegen Padres, Dodgers gegen Cubs, Dodgers gegen Giants, um nur ein paar zu nennen. Am meisten gespannt bin ich auf die Serie zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees. Die beiden Teams, die in vielerlei Hinsicht kaum unterschiedlicher sein könnten, haben sich in den letzten Jahren spannende Rennen um die AL East geliefert. Dass die Rays 2020 die Division mit sieben Spielen Vorsprung gewannen, ließ sich komplett auf ihre 11-4-Bilanz gegen die Yankees zurückführen. Auch dieses Jahr scheint der notorisch überraschende Underdog ein gutes Rezept gegen den Rekordmeister in der Tasche zu haben. Ob sich dieser Eindruck verfestigt, werden wir ab Montag in einer Vier-Spiele-Serie sehen. Das erste Spiel ist am Montag ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit sowohl auf mlb.tv als auch bei DAZN zu sehen. Die voraussichtlichen Starter sind Rich Hill (3.63 ERA, 3.92 FIP) für die Rays und Domingo German (3.05 ERA, 3.83 FIP) für die Yankees.

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