Category: Grundwissen

Februar 17th, 2019 by Silversurger

Zum Abschluss meiner kleinen Taktik-Serie geht es heute um die Defense. Als außenstehender Beobachter neigt man leicht dazu, das Feldspiel im Baseball zu unterschätzen – vielleicht nicht ganz zu Unrecht: In aller Regel hat bei der Entscheidung für oder gegen einen Spieler die Offensivleistung Vorrang. Für einen guten Batter, der sich im Abwehrspiel schwer tut, findet sich immer ein Platz im Team; ein überragender Feldspieler, der keine nennenswerte Schlagleistungen bringt, wird hingegen kaum eine große Profikarriere erleben. Am ehesten sind es noch die Positionen des Catchers und des Shortstops, auf denen für ein echtes Defensiv-Ass mal ein Auge zugedrückt wird, wenn der Batting Average zu wünschen übrig lässt. Allerdings sind das auch die Positionen, auf denen – von Relief Pitchern abgesehen – die niedrigsten Durchschnittsgehälter verdient werden.

Das Positionsspiel
Auf wenig zentralen Posten, etwa im rechten oder linken Outfield, kommt es ja nach Spielverlauf und Gegner vor, dass man einen ganzen Abend lang scheinbar kaum etwas zu tun hat, weil der Ball im ganzen Spiel vielleicht nur ein- oder zweimal in die entsprechende Richtung fliegt. Tatsächlich kann man sich aber auf keiner Feldposition einen faulen Lenz machen, denn die Aufmerksamkeit jedes Feldspielers ist zu jeder Zeit gefordert. Er muss wissen, wie viele Outs im jeweiligen Inning bisher erzielt wurden; er muss wissen, wie und wohin der aktuelle Batter am häufigsten schlägt; und er muss vor allem in jeder möglichen Spielsituation und bei jedem möglichen Vorkommnis wissen, welche Aufgabe er hat. Eine Aufgabe hat er nämlich keineswegs nur dann, wenn der Ball in seine Nähe kommt. Vielmehr hat jeder Spieler in jeder Situation etwas zu tun – wenn es nicht das Fangen oder Aufnehmen des Balls ist, dann ist es zum Beispiel das Abdecken einer Base oder das Absichern (Backup) hinter einem anderen Spieler für den Fall, dass der Ball an diesem vorbei geht.

Im Kinder- und Jugendbereich werden die Feldpositionen häufig gewechselt und durchprobiert. Das fördert zum einen das Verständnis für die verschiedenen Aufgaben und Anforderungen der Positionen und trägt zum anderen dazu bei, die Talente der jeweiligen Spieler zu entdecken. Im Zuge ihrer Entwicklung spezialisieren sich die Spieler immer mehr auf eine bestimmte Position oder auf eine Gruppe von Positionen wie Outfield, mittleres Infield usw.

Die Einstufung, wer für welche Position am geeignetsten ist, richtet sich zwar vor allem nach der individuellen Athletik und Spielintelligenz des jeweiligen Spielers. Eingeschränkt wird die Auswahl aber durch seine Händigkeit, denn nicht jede Position ist für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen geeignet. Als Catcher wird man so gut wie nie einen Linkshänder sehen. Der Hauptgrund dafür besteht darin, dass der Wurf zur zweiten Base für den Catcher deutlich schwieriger ist, wenn auf der Seite seines Wurfarmes ein Batter steht. Da es deutlich mehr rechtshändige Batter gibt, hätte ein linkshändiger Catcher dieses Problem sehr viel häufiger. Außerdem haben linkshändige Catcher einen echten Nachteil, wenn sie nach dem Wurf eines Feldspielers an die Homeplate einen Runner taggen sollen: Sie verlieren wertvolle Zeit, da sie ihren Körper weiter drehen müssen, um den Tag am Baserunner anzubringen. Man wird auch in aller Regel keinen linkshändigen Second Baseman, Shortstop oder Third Baseman sehen, da dieser beim Aufnehmen eines Groundballs zwangsläufig die falsche Richtung – von der ersten Base abgewandt – einschlägt und somit mehr Zeit für den Standardwurf benötigt.

Als First Baseman hingegen sieht man häufig einen Linkshänder, denn dieser hat mehrere Vorteile: Nach dem Fang eines Pick-off-Wurfes hat sein Handschuh einen kürzeren Weg in die Bahn des zurück hechtenden Baserunners; die meisten geschlagenen Bälle kommen rechts von ihm an, also auf seiner Handschuhseite, und sind dadurch leichter fangbar; nach der Aufnahme des Balles steht der linkshändige First Baseman automatisch in einer günstigen Position, um zur zweiten oder dritten Base zu werfen.

Das Formationsspiel
Aus anderen Mannschaftssportarten kennt man es, dass unterschiedliche Taktiken und Philosophien der Mannschaften beziehungsweise ihrer Trainer mit unterschiedlichen Formationen einhergehen. Footballteams treten zum Beispiel entweder mit drei Linebackern und vier Defensive Linemen an oder umgekehrt; beim Fußball setzen die einen auf eine Viererkette in der Abwehr, andere auf eine Formation mit zentralem Abwehrspieler. Solche dauerhaften Variationen gibt es im Baseball nicht. Die neun Feldpositionen sind immer die gleichen. Zwar dürfen sich die Feldspieler – außer dem Pitcher und dem Catcher – auf dem Feld frei positionieren und das nutzen sie auch, indem sie im Umkreis einiger Meter je nach Spielsituation und den bekannten Tendenzen des aktuellen Schlagmanns ständig ihr Stellungsspiel variieren. Große Abweichungen von den Standardpositionen gibt es jedoch nur in bestimmten Spielsituationen. Ein paar Beispiele für solche Situationen:

– Der Infield Shift: Normalerweise stehen je zwei Infielder links (3B,SS) und rechts (2B, 1B) von der zweiten Base. Von einem Infield Shift spricht man, wenn sich drei oder mehr Infielder auf einer Seite der zweiten Base positionieren. Es handelt sich dabei um ein Mittel, die Räume insbesondere für linkshändige Pull-Hitter eng zu machen, das heißt für Schlagmänner, die den Ball so gut wie immer auf die Feldseite ihrer dominierenden Hand schlagen. Die klassische Form des Shifts besteht darin, dass der Third Baseman sich dort positioniert, wo sonst der Shortstop steht; der Shortstop rückt auf die andere Seite der zweiten Base; der Second Baseman rückt ein Stück in Richtung Outfield, etwa gleich weit von der ersten und zweiten Base entfernt; der First Baseman spielt eng an der Foullinie; die Outfielder behalten ihre Positionen, postieren sich aber ebenfalls alle etwas weiter rechts als sonst. Einige Teams lassen beim Shift den Shortstop da, wo er immer ist, und lassen stattdessen den Third Baseman rechts der zweiten. Base spielen. Es gibt diverse weitere Varianten des Shifts, darunter auch solche gegen rechtshändige Batter. Obwohl der Shift leicht zu überlisten scheint, indem man den Ball “einfach” mal zur anderen Seite schlägt oder buntet, gelingt dies den betreffenden Battern erstaunlich selten. Aufgrund dieser Erkenntnis ist der Shift in den letzten Jahren zunehmend populär geworden. In der Saison 2018 begegneten die MLB-Teams linkshändigen Battern in rund 30% der Fälle mit einem Infield Shift, rechtshändigen Battern immerhin noch zu rund 9%. Extreme Formen des Shifts, bei dem sich nicht nur das gesamte Infield sondern auch das Outfield auf eine Seite des Spielfelds konzentriert, kommen nach wie vor eher selten vor. Ein berühmter Hitter, gegen den diese Taktik – mit wechselndem Erfolg – eingesetzt wurde, war Ted Williams. Man nennt die extreme Variante des Shifts deshalb auch Ted-Williams-Shift.

– Shallow Outfield / Outfield in:  “Shallow” oder “in” bedeutet, dass die betreffenden Spieler sich deutlich näher zur Homeplate positionieren als sonst. Nach innen rückende Outfielder sind in zwei sehr unterschiedlichen Situationen zu beobachten. Eine davon ist, dass ein schwacher Batter am Schlag ist, von dem mit relativ hoher Sicherheit kein harter und weiter Ball zu erwarten ist. Die zweite besteht darin, dass man sich bei unentschiedenem Spielstand in der unteren Hälfte des neunten Innings (oder eines Extra-Innings) befindet, ein Runner an der dritten Base steht und weniger als zwei Outs erzielt wurden. In diesem Fall ist das Spiel bei einem weiten Schlag ins Outfield verloren, denn selbst wenn der Ball gefangen wird, wird der Runner nach seinem Tag-up an der dritten Base den siegbringenden Run für den Gegner scoren. Daher gibt man das Outfield ganz auf und nutzt die Outfielder dafür, alle Lücken im Infield zu stopfen, um wenigstens einen Groundball erfolgreich verteidigen zu können.

– Corners in: Diese Formation dient vor allem der Vermeidung eines Sacrifice Bunts. Die beiden Corner Infielder, also der First Baseman und der Third Baseman, rücken näher an die Homeplate heran, um einem Bunt zügig entgegen zu gehen und zu verhindern, dass ein Baserunner von der dritten Base scoren kann.

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Februar 10th, 2019 by Silversurger

Die Offseason neigt sich dem Ende entgegen und das tut auch die kleine Serie über grundlegende Taktiken im Baseball. Nach zwei Artikeln über das Batting geht es in der heutigen vorletzten Folge um eine andere wichtige Komponente des Offensivspiels: das Baserunning.

Werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Laufwege der Runner. Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist bekanntlich eine Gerade. Wenn man beobachtet, wie die Runner von Base zu Base laufen, scheinen sie dieses Wissen jedoch nur manchmal umzusetzen. Einen geraden Weg wählen sie üblicherweise dann, wenn die nächste Base das eindeutige und einzige Ziel der aktuellen Bemühung ist. Sobald eine Chance besteht, dass aus dem Spielzug mehr herausspringt – zum Beispiel bei einem Hit ins Outfield -, gleicht die Bahn des Runners eher einer Banane. Dadurch gelingt ihm leichter die Kurve, um nach dem Berühren der Base einige Schritte in Richtung der nächsten Base anzuschließen und dann zu sehen, ob sich das Weiterlaufen lohnt oder er besser zur bereits erreichten Base zurückkehrt und dort erstmal bleibt.

Wenn es hingegen auf dem Weg zu einer Base knapp wird, so bietet sich für den Runner oft ein Slide an, also eine eingesprungene Rutschbewegung auf dem letzten Abschnitt der Strecke. Ein Slide kann entweder “head first” mit den Händen und dem Oberkörper voran ausgeführt werden oder “feet first” mit den Füßen zuerst. Feet first ist die häufigere Variante; sie ist weniger verletzungsintensiv und bietet eine bessere Chance, schnell aufzustehen und weiterzurennen, falls sich die Gelegenheit dazu ergibt. Head first zu sliden hingegen bietet den Vorteil, dass man mehr Kontrolle darüber hat, durch zusätzliche Bewegungen einem Tag auszuweichen. Das Vermeiden eines Tag Plays, indem man einem bereits wartenden Feldspieler ein möglichst kleines und bewegliches Ziel bietet, ist der häufigste Anlass für einen Slide. Andere Gründe zum Sliden bestehen darin, spät aber effektiv abzubremsen, um ein Überrennen der Base zu verhindern, und darin, einen Feldspieler davon abzuhalten, per Wurf zu einer anderen Base ein (weiteres) Out zu erzielen.

So gut wie nie wird man einen Slide auf dem Weg des Batters zur ersten Base sehen, denn dort trifft keiner der genannten Gründe zu: Ein Tag Play ist an dieser Stelle irrelevant, da an der ersten Base immer ein Force Play möglich ist; Double Plays werden immer von der höheren zur niedrigeren Base ausgeführt, daher spielt auch die legale Behinderung eines Feldspielers hier keine Rolle; obendrein ist es nicht nötig, an der ersten Base zu bremsen, denn im Gegensatz zu den anderen Bases darf diese gefahrlos überrannt werden – und ungebremstes Überrennen ist immer schneller als Sliden. Der Runner darf nicht ausgetaggt werden, sofern er nach dem Überrennen auf direktem Weg zur Base zurückkehrt.

Erfolgreiches Baserunning erfordert hohe Konzentration und gutes Spielverständnis. Es ist nämlich nicht damit getan, an der Base auf das Geräusch des nächsten Schlags zu warten und dann einfach loszurennen. Je nach Spielsituation hat der Baserunner ganz unterschiedliche Dinge zu beachten und in seine Entscheidung einzubeziehen, ob, wann und auf welche Weise er läuft. Ein paar Beispiele für unterschiedliche Konstellationen und ihre jeweiligen Konsequenzen:
– Groundball im Infield, während die erste Base besetzt ist: Der Runner von der ersten Base wird auf jeden Fall loslaufen, denn er muss die Base freimachen und kann an der zweiten Base per Force Play ausgemacht werden. Sein Ziel besteht darin, so schnell unterwegs zu sein, dass die Defense höchstens ein Out schafft und kein Double Play.
– Groundball,während die zweite Base besetzt, die erste aber frei ist: Der Runner an der zweiten Base kann laufen, muss es aber nicht. Seine Entscheidung hängt davon ab, wie die Defense sich verhält. Meistens wird der Runner an der Base bleiben, wenn der Ball vor ihn geschlagen wird (zur dritten Base oder zum Shortstop), und losrennen, wenn er hinter ihn (zwischen erster und zweiter Base) geschlagen wird.
– Fly Ball und weniger als zwei Outs: Wenn der Ball aus der Luft gefangen wird, muss jeder Runner zurück an seine ursprüngliche Base. Sobald diese Base nach dem ersten Kontakt eines Feldspielers mit dem Ball berührt wurde (Tag-up), kann der Runner entscheiden, auf eigenes Risiko loszulaufen. Wenn er das vorhat, wird er schon während der Ball in der Luft ist an der Base warten, um dann sofort loszurennen. Andernfalls geht er ein paar Schritte in Richtung der nächsten Base, um je nach Ergebnis des Fangversuchs entweder den Rest des Weges zurückzulegen oder zurück zur vorherigen Base zu gehen.
– Fly Ball und bereits zwei Outs im Inning: Der Runner wird auf jeden Fall loslaufen und nicht bremsen. Wird der Fly Ball gefangen, so ist das Inning ohnehin beendet. Wenn er nicht gefangen wird, hat der Runner gute Chancen, gleich mehrere Bases zu erlaufen.
– Zwei Outs im Inning, Full Count für den aktuellen Batter, keine freien Bases zwischen den Runnern: Alle Baserunner werden loslaufen, sobald der Pitcher seine Wurfbewegung beginnt, denn sie haben nichts zu verlieren: Bei einem Strike ist das Inning zuende, bei einem Ball dürfen sie ungehindert vorrücken, bei einem Foulball kehren sie ebenso ungehindert zur Base zurück und bei einem Schlag ins Fair Territory müssen sie sowieso laufen.

Als Runner ist man weitgehend auf die Aktionen von Mitspielern oder auf Fehler des gegnerischen Teams angewiesen, um auf dem Weg von Base zu Base voran zu kommen. Die eine Möglichkeit, aus eigener Leistung die nächste Base zu erreichen, besteht im Stealing. Stehlen ist im Baseball erlaubt, solange man sich nicht erwischen lässt. In aller Regel funktioniert es wie folgt: Man bringt sich ein paar Schritte von der bisherigen Base in Stellung, rennt los sobald der Pitcher seine Wurfbewegung begonnen hat und slidet zur neuen Base, bevor der Catcher es schafft, den Ball zum jeweiligen Infielder zu werfen, der ein Tag Play anbringen könnte. Die meisten Steals finden zwischen der ersten und zweiten Base statt, nicht zuletzt weil die zweite Base weiter vom Catcher entfernt ist als die anderen Bases. Steals von der zweiten zur dritten Base sind entsprechend seltener und Steals von Drei nach Home sind ein extrem rares und spektakuläres Ereignis, das nur gelingt, wenn die Defense sich komplett überrumpelt lässt.

Das Stehlen von Bases ist ein aufregender Spielzug, der leider in der MLB in den letzten Jahren immer seltener ausgeübt wird. Das liegt nicht etwa daran, dass es den Verteidigungen häufiger gelingen würde, versuchte Steals zu verhindern. Im Gegenteil, das Verhältnis von gelungenen zu vereitelten Steals (“caught stealing”) hat sich in den letzten 30 bis 40 Jahren eher zu Gunsten der Baserunner entwickelt: In den 1980er und frühen 1990er Jahren, während der Hochphase des Base-Stealings, gelangen ligaweit mit Ausnahme eines Jahres (1987) nie mehr als 70% der Stealversuche; von 2004 bis 2018 lag die Quote in jedem Jahr deutlich über dieser Marke. Im gleichen Zeitraum hat sich aber mehr und mehr die auf statistischen Analysen beruhende Erkenntnis durchgesetzt, dass sich das Stehlen von Bases oft nicht lohnt beziehungsweise das Risiko nicht wert ist. Eine erfolgreich gestohlene Base bringt dem Team im Durchschnitt rund 0,3 Runs ein. Das bedeutet, es müssen mehr als zwei Drittel aller Steal-Versuche erfolgreich sein, um nicht mehr zu schaden als zu nutzen – und deutlich mehr, damit man behaupten kann, dass sie wirklich etwas bringen. Folgte in jedem der 1980er Jahre dem Erreichen der ersten Base in 11 bis 12 Prozent der Fälle ein Steal-Versuch, war dies 2017 und 2018 nur noch zu je 7,8 Prozent der Fall.

Eine Taktik, die kein Base-Stealing darstellt, aber eng mit diesem verwandt ist, ist das “Hit and Run”. Genau wie beim Stealing laufen der oder die Baserunner in dem Moment los, in dem der Pitcher seine Bewegung begonnen hat und sie nicht mehr abbrechen darf. Sie sind bei ihrem Versuch, die nächste Base zu erreichen, auf den Batter angewiesen. Dieser hat den Auftrag, um jeden Preis Kontakt zwischen Schläger und Ball herzustellen. Gelingt ihm das und der Ball landet im Fair Territory, so dürften die Runner schon weit genug gekommen sein, dass es zumindest kein Double Play wird. Wenn es ein Foulball wird, kann jeder ungefährdet zurück zur vorherigen Base gehen. Problematisch wird es allerdings, wenn der Ball nicht getroffen wird und beim Catcher landet oder noch schlimmer: wenn es ein Fly Ball wird und die Runner plötzlich ungeschützt weit weg von ihrer ursprünglichen Base stehen.

Während ein Baserunner auf den nächsten Pitch wartet, bleibt er im Normalfall nicht direkt an der Base stehen (außer in den jüngsten Altersklassen, wo dies oft vorgeschrieben ist). Er nimmt einen Lead, das heißt er entfernt sich ein paar Schritte in Richtung der nächsten Base. Dadurch wird sein Weg beim nächsten Schlag oder auch beim Stealing kürzer und die Erfolgswahrscheinlichkeit, die nächste Base zu erreichen, entsprechend höher. Während eines Leads setzt man sich dem Risiko eines Tag Plays aus. Deshalb sollte man es mit der Entfernung von der Base nicht übertreiben, denn der gegnerische Pitcher wird von Zeit zu Zeit einen Pick-off versuchen. Er wirft dazu den Ball zur Base, wo ihn der jeweilige Feldspieler fängt und versucht, den Runner auszutaggen, bevor dieser zurück an die Base gehechtet ist. Selten gelingt das tatsächlich, aber in jedem Fall sendet es ein Signal an den Runner, dass man ihn im Blick hat und er es sich zweimal überlegen sollte, ob er einen weiten Lead nimmt oder gar einen Steal versucht. Die Sache kann allerdings auch ins Auge gehen, denn wenn der Pick-off-Wurf nicht gefangen wird und am Feldspieler vorbei geht, ist das meistens eine geschenkte Base für den Runner.

An der dritten Base nehmen die Runner ihren Lead übrigens immer im Foul Territory. Das liegt daran, dass ein Runner automatisch aus ist, wenn er im Fair Territory einen geschlagenen Ball berührt. Im Foul Territory ist man vor diesem Risiko sicher.

Mitunter kommt es vor, dass ein Runner zwischen zwei Bases festsitzt, wenn er sich bei einer Aktion verschätzt hat und weder vor noch zurück kann, weil die Feldspieler den Ball und die beiden Bases kontrollieren. Man nennt diese Situation einen Run-Down. Die Feldspieler werfen sich dabei den Ball hin und her und gehen von beiden Seiten auf den Runner zu, um ihn auszutaggen. Für den Runner ist es äußerst unwahrscheinlich, aus dieser Lage zu entkommen. Er kann die Sache aber durch Richtungswechsel und Ausweichmanöver in die Länge ziehen und dadurch anderen Runnern die Zeit verschaffen, sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Wie vieles im Spiel, wird auch das Verhalten zwischen den Bases ganz wesentlich durch Zeichen des Managers aus dem Dugout gesteuert. Ein Stealversuch, ein Hit and Run oder auch die Länge des Leads werden den Spielern in aller Regel vorgegeben. Eine wichtige Rolle spielen zudem die beiden Basecoaches, die im Foul Territory neben der ersten und der dritten Base stehen. Sie beraten die Runner, ob und wann sich ein Steal lohnt, warnen sie bei Pick-off-Versuchen und signalisieren, während der Ball im Spiel ist, ob man weiterlaufen, an der erreichten Base stehen bleiben oder zum Tag-up zurücklaufen soll und wann ein Slide sinnvoll ist.

Auch beim Baserunning gibt es Auswechslungen. Analog zum Pinch Hitter, einem eingewechselten Batter, spricht man von einem Pinch Runner, wenn ein Spieler für einen bereits vorhandenen Baserunner ins Spiel kommt. So etwas geschieht meistens in der Endphase des Spiels, wenn es darauf ankommt, einen einzigen Run unbedingt zu erzielen. Der Pinch Runner ist naturgemäß ein besonders schneller Spieler, der eine Gefahr darstellt, Bases zu stehlen und/oder bei einem Hit eine Base mehr zu holen als der langsamere Kollege, der für ihn rausgegangen ist.

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Februar 2nd, 2019 by Silversurger

Neben der Wahl des Lineups durch den Field Manager besteht die zweite taktische Einflussmöglichkeit beim Batting in der Herangehensweise des jeweiligen Batters, dem sogenannten Batting Approach. In diesen fließen sowohl generelle Vorlieben und Fähigkeiten des Spielers ein als auch auf die konkrete Situation zugeschnittene Anweisungen.

Man muss dazu sagen, dass die Variationsmöglichkeiten beim Hitting deutlich geringer sind als beim Pitching. Anders formuliert: Es gibt mehr Arten, einen Pitch zu werfen, als Arten, einen Schläger zu schwingen. Deshalb ist es in der Regel ein Vorteil für den Pitcher, wenn er sich mit einem bestimmten Batter zum ersten Mal duelliert. Je häufiger der Batter und der Pitcher sich in einem Spiel, einem Jahr oder einer ganzen Karriere begegnen, umso mehr stellen diese Erfahrungen einen Vorteil für den Batter da.

Viele Faktoren, die beim Hitting zu beachten sind, gelten universal für jeden Spieler und in (fast) jeder Situation. Sie müssen jedem Baseballer in Fleisch und Blut übergehen, denn wenn der Ball im Anflug ist, gibt es keine Zeit zum Überlegen und die erworbenen Instinkte müssen übernehmen.

– Die Augen sollen immer und jederzeit auf den Ball gerichtet sein.

– Die Standposition innerhalb der Batter’s Box ist so zu wählen, dass die Reichweite des Schlägers die Strikezone bis zum äußeren Rand umfasst, man aber auch an ihrem inneren Rand noch genug Platz für einen sauberen Schwung hat. Um ein wenig mehr Reaktionszeit zu haben, positionieren sich die meisten Batter am hinteren Rand der Batter’s Box.

– Der Schläger soll fest, aber nicht verkrampft in den Händen liegen, die mittleren Fingerknöchel beider Hände bilden eine Linie.

– Beim Schwung kommt der größte Teil der Kraft nicht aus den Armen, sondern aus der Gewichtsverlagerung. Der Batter lehnt sich auf sein hinteres Bein, während er auf den Pitch wartet. Wenn er schwingt, dreht er sich dem Ball entgegen und macht einen kleinen Schritt mit dem vorderen Bein.

– Erst ganz am Schluss der Bewegung kommen die Hände mit dem Schläger nach vorne. Gedanklich ist das Ziel nicht, den Ball zu treffen, sondern durch ihn hindurch zu schlagen. Dies verhindert ein unbeabsichtigtes Abbremsen des Schwungs kurz vor dem Auftreffen.

– Die Bahn des Schlägers soll möglichst parallel zum Boden verlaufen (“level Swing”). Auf diese Art befindet sich der Schläger länger in dem Bereich, in dem er den Ball treffen kann, als wenn er die Zone in einer Aufwärts- oder Abwärtsbewegung durchquert. Gleichzeitig erhöht ein flacher Schwung die Chance, Line Drives zu schlagen.

Individuell unterschiedlich ist die Herangehensweise, nach welchen Bällen man schlägt und nach welchen nicht. Dies hängt unter anderem davon ab, ob man eher darauf abzielt, einen hohen Schlagdurchschnitt zu erzielen und häufig auf Base zu kommen, oder darauf, öfter mal einen Homerun zu erzielen und zwischendurch das eine oder andere Strikeout in Kauf zu nehmen. Manche Batter versuchen, bei jedem Pitch, der in der Strikezone oder zumindest in der Nähe ankommt, Kontakt herzustellen. Andere warten konsequent auf einen bestimmten Pitch – wenn sie zum Beispiel einen Fastball outside wollen, dann lassen sie – zumindest solange weniger als zwei Strikes im Count sind – jeden anderen Pitch durch. Mit zwei Strikes passt fast jeder Batter seinen Approach an, zum Beispiel indem er den Schläger ein Stück weiter oben fasst und in der Batter’s Box einen Schritt auf den Pitcher zumacht. Auf diese Weise gibt man ein wenig Schlagkraft auf für eine höhere Kontaktwahrscheinlichkeit.

Die individuellste Komponente ist der Batting Stance, also die Art, wie man beim Warten auf den Pitch in der Batter’s Box steht. Manche Batter stehen zum Beispiel fast aufrecht und sorgen so dafür, dass der Pitcher keine niedrigen Strikes werfen kann, andere kauern sich eng zusammen und machen die Strikezone besonders klein. Bei der Platzierung der Füße bietet ein offener Stand – das heißt, der hintere Fuß steht näher an der Homeplate als der vordere – den Vorteil, dass man eine bessere Sicht auf den Pitcher und den Ball hat. Ein geschlossener Stand hingegen erhöht die Chance in die gegenüberliegende Richtung zu schlagen, was zum Beispiel gegen einen Infield-Shift extrem hilfreich ist. Der Kompromiss zwischen dem offenen und dem geschlossenen ist ein neutraler Stand, bei dem beide Füße auf gleicher Höhe stehen.

Eine häufig diskutierte Frage ist, inwieweit Batter die Richtung und Art ihrer Hits kontrollieren können. Angesichts der Schwierigkeit, einen in Geschwindigkeit, Flugbahn, Platzierung und Rotation variierenden Ball überhaupt zu treffen, erscheint es utopisch, dabei auch noch auf eine Lücke zwischen zwei Verteidigern zu zielen. Ob ein hart geschlagener Ball direkt im Handschuh des Shortstop landet oder aber über die zweite Base hinweg ins Outfield fliegt, ist tatsächlich zu einem guten Teil Glückssache. Das heißt aber nicht, dass der Batter machtlos in Bezug auf das Ergebnis seines Schlages ist. Wenn zum Beispiel ein rechtshändiger Batter den Ball zur rechten Seite “pullen” möchte, so kann er darauf hinwirken, indem er erstens einen eher offenen Batting Stance wählt, zweitens auf einen Pitch in der inneren Hälfte der Strikezone wartet und drittens einen Tick später schwingt als wenn seine Absicht eine andere wäre. Eine andere Einflussmöglichkeit ist die Bahn des Schlägerschwungs. Ein flacher “level Swing” ist zwar in den meisten Situationen von Vorteil, aber in manchen Fällen kann es sinnvoll sein, bewusst etwas nach unten oder oben zu schwingen, um einen Groundball oder einen Flyball zu erzeugen.

Ein langer und hoher Flyball, auch wenn er im Outfield fangbar ist, kann zum Beispiel dann wünschenswert sein, wenn sich ein Runner auf der dritten Base befindet und noch keine zwei Outs erzielt wurden. In dem Fall wird der Runner mit dem Fuß Kontakt zur Base halten (“Tag-up”) und losrennen, sobald der Outfielder den Ball berührt. Wenn auf diese Weise ein Run gelingt, während der Batter ein Flyout erleidet, wird diesem ein Sacrifice-Fly gutgeschrieben.

Eine andere Art des Schlags, bei der sich der Batter oft “opfert”, ist der Bunt. Bei einem Bunt wird der Schläger nicht geschwungen, sondern waagerecht in die Strikezone gehalten, um den Ball daran abtropfen zu lassen. Die häufigste taktische Anwendung dieser Technik ist der Sacrifice Bunt. In dem Fall besteht das Ziel darin, einen oder mehrere Baserunner voran zu bringen und dafür ein Out des Batters in Kauf zu nehmen. Ein anderes Anwendungsfeld des Bunts besteht darin, die Defense auf dem falschen Fuß zu erwischen, wenn die Verteidiger besonders tief stehen oder im Rahmen eines Shifts eine Seite des Infields vernachlässigen.

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Januar 20th, 2019 by Silversurger

Nach den beiden Artikeln über Pitching-Taktiken geht es in meiner kleinen Taktik-Serie heute ums Schlagen – genauer gesagt darum, wie das Batting Lineup, also die Aufstellung der Schlagmänner, festgelegt wird.

Ein Batting Lineup besteht immer aus neun Plätzen. Die darin festgelegte Reihenfolge – die Batting Order – wird das ganze Spiel über beibehalten. Grob gesagt stehen die besseren Batter üblicherweise in der oberen Hälfte des Lineups. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie einmal mehr an den Schlag kommen. Ein Batter, der regelmäßig weit vorne in der Reihenfolge zum Einsatz kommt, bringt es im Laufe einer MLB-Saison auf rund einhundert Plate Appearances mehr als ein auf den hinteren Rängen einsortierter Spieler.

Das heißt allerdings nicht, dass zwangsläufig der beste Batter des Teams als Erster antritt, der zweitbeste als Zweiter usw. Vielmehr ist jede Stelle im Lineup mit einer bestimmten Rolle verbunden, der der jeweils passendste Spieler zugeordnet wird. Hier eine idealtypische Übersicht, verbunden mit dem Hinweis, dass keine der Rollen in Stein gemeißelt ist und dass jeder Manager seine eigene Theorie zur perfekten Batting Order hat:

– Nummer eins, der Leadoff-Spot: Die Spieleröffnung überlässt man in der Regel einem Spieler, der nicht unbedingt mit viel Power schlägt, aber häufig auf Base kommt und ein schneller Läufer ist. Mit ihm als erstem Baserunner bestehen gute Chancen, im Rest des Innings wenigstens einen Run nach Hause zu bringen.

– Nummer zwei: Der nächste Hitter sollte gute Kontakt- und Kontrollfähigkeiten haben, das heißt er muss gut darin sein, den Schläger an den Ball zu bekommen und diesen in eine bestimmte Richtung zu befördern. Auf diese Weise kann er gezielt dafür sorgen, den zum Baserunner gewordenen Leadoff-Hitter zumindest eine Base weiter zu bringen – wenn nötig per Bunt oder Sacrifice-Hit.

– Nummer drei: An dieser Stelle wird oft der beste Allround-Batter des Teams eingesetzt. Er hat die Power, um vorhandene Runner nach Hause zu schlagen, und kommt selbst so häufig auf Base, dass er den folgenden Homerun-Spezialisten die Chance gibt, mehrere Runs auf einen Schlag zu erzielen.

– Nummer vier, der Cleanup-Hitter: Er ist in aller Regel der Spieler des Teams, der die meisten Homeruns erzielt. Im Idealfall sind vor ihm schon mehrere Batter auf Base gekommen, die bei einem Extra-Basehit allesamt scoren.

– Nummer fünf: An dieser Stelle hat man am besten jemanden, der eine möglichst originalgetreue Kopie zum Cleanup-Hitter darstellt. Dahinter stehen zwei Gedanken: Erstens stellt er eine zweite Chance auf den erhofften Homerun dar, falls der Cleanup-Hitter ein Strikeout oder Flyout erlitten hat. Zweitens hält eine gute Nummer fünf den Pitcher davon ab, es sich mit dem Cleanup-Hitter einfach zu machen, indem er ihn absichtlich walken lässt.

– Nummer sechs: Der sechste Batter sollte stark genug sein, durch Hits und gegebenenfalls Sacrifice Flys weitere Runs nach Hause zu bringen, auch wenn bei den Akteuren an dieser Stelle des Lineups zwangsläufig die eine oder andere Schwäche im Vergleich mit den höher eingestuften Battern vorhanden ist.

– Nummer sieben: Die unteren Spots der Batting Order gehören in der Regel den Spielern, die mehr wegen ihrer defensiven Stärken als wegen ihrer Schlagleistungen im Team stehen. Typische Positionen, auf denen man dies in Kauf nimmt, sind Catcher und Shorstop. Als Nummer sieben stellt man oft den langsamsten Runner auf.

– Nummer acht: Es gilt das gleiche wie für Nummer sieben, wobei man an dieser Stelle den etwas besseren Kontakt-Hitter und etwas schnelleren Baserunner wählt. Er hat eine spezielle Rolle auszufüllen, wenn er an den Schlag kommt und in dem Inning schon zwei Outs erzielt wurden: Er muss in dem Fall alles daran setzen, das dritte Out zu vermeiden, um Batter Nummer neun noch an den Schlag zu bringen. Dieser ist nämlich fast immer der schlechteste Hitter des Teams und wenn er in diesem Inning noch dran kommt, kann man den nächsten Durchgang wieder mit dem Leadoff-Hitter starten.

– Nummer neun: Wie gesagt in aller Regel der schwächste Batter des Lineups. In der NL und anderen Ligen ohne Designated Hitter (DH) ist die Nummer neun fast immer der Pitcher. Nur sehr wenige Pitcher können als Schlagmann mithalten, weil ihre Spezialisierung schlichtweg eine andere ist und sie im Training entsprechende Schwerpunkte setzen.

In Ligen mit DH-Regel sind die Pitcher von Batting-Aufgaben befreit. An ihrer Stelle steht der DH im Lineup, der seinerseits nur in der Offensive spielt und keine Defensivrolle übernimmt. Als DH wird oft ein älterer oder nicht ganz fitter Spieler eingesetzt, der zwar zu guten Schlagleistungen fähig, aber nicht der schnellste und athletischste ist. In der Batting Order bringt ihn das meistens in die Gegend der Plätze fünf bis sieben.

Wenn für einen Batter ein Ersatzspieler eingewechselt wird, bezeichnet man diesen als Pinch-Hitter. Er übernimmt im Lineup zwangsläufig die Stelle des ausgewechselten Spielers. Es gibt diverse Gründe, an einer bestimmten Stelle des Spiels einen Batterwechsel vorzunehmen; zum Beispiel eine Verletzung des Ausgewechselten oder ein vermeintlich besseres Matchup des Eingewechselten gegen den aktuellen Pitcher. Der häufigste Grund ist allerdings – beim Spiel ohne DH – ein Einsatz zur Überbrückung eines Pitcherwechsels. Das heißt, wenn der Pitcher-Spot im Lineup dran ist und man sowieso zum nächsten Halbinning einen neuen Pitcher bringen will, dann wechselt man einen Ersatz-Batter ein und diesen anschließend für den neuen Pitcher wieder aus. Eine besondere Form dieses Manövers ist der Double Switch: In dem Fall werden gleich zwei Spieler ausgewechselt. Eingewechselt werden ein Batter, der die Position des bisherigen Pitchers im Lineup übernimmt, sowie der neue Pitcher, der an der Stelle des anderen Ausgewechselten ins Lineup rutscht – idealerweise an eine Position, die gerade erst am Schlag war und deshalb so schnell nicht wieder dran kommt.

Ein wichtiger zusätzlicher Aspekt bei der Zusammenstellung des Lineups ist der Unterschied zwischen links- und rechtshändigen Battern. Wie ich schon in den Pitching-Artikeln erwähnt habe, fällt es den Battern meistens schwerer, gegen Pitcher anzutreten, die die gleiche Händigkeit aufweisen wie sie selbst. Wenn der Kader es hergibt, richten sich die Manager oft nach dem gegnerischen Starting Pitcher und stellen gegen einen Rechtshänder vermehrt Linkshänder auf und umgekehrt. Außerdem empfiehlt es sich, Rechts- und Linkshänder im Lineup gut zu mischen. Dadurch hat der Gegner einen geringen Nutzen beim Einsatz von spezialisierten Relief Pitchern. Auf Letztere kann man auch gut reagieren, indem man kurzerhand den Batter austauscht: Wenn ein linkshändiger Spezialist auf den Mound geschickt wird, um gegen einen linkshändigen Batter zu pitchen, dann wechselt man an dessen Stelle einen rechtshändigen Batter ein. Der Pitcher kann dann nicht mehr zurückgezogen werden, denn die Regel schreibt vor, dass jeder Pitcher gegen mindestens einen Batter antreten muss, bevor er ausgewechselt werden darf.

Besonders flexibel ist man, wenn man den einen oder anderen Switch-Hitter zur Verfügung hat, also Batter, die von beiden Seiten der Platte schlagen können. In der Regel treten Switch-Hitter rechtshändig gegen linkshändige Pitcher an und umgekehrt. Der Batter darf zwischen zwei Pitches die Seite wechseln, allerdings nicht, wenn bereits zwei Strikes im Count sind. Übrigens gibt es auch Switch-Pitcher, wenngleich sie eine sehr seltene Erscheinung sind. Sie dürfen die Seite, mit der sie werfen, nur zwischen zwei Battern wechseln, nicht während eines At Bats. Wenn sich ein Switch-Hitter und ein Switch-Pitcher gegenüber stehen, muss der Pitcher als erster entscheiden und anzeigen, mit welcher Hand er werfen wird. Anschließend entscheidet der Batter, von welcher Seite er schlägt.

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Januar 12th, 2019 by Silversurger

Letzte Woche ging es an dieser Stelle um die Auswahl der Pitches. Sie ist eine der beiden großen taktischen Herausforderungen beim Pitching. Die andere besteht in der Entscheidung des Managers, wann und wie lange die vorhandenen Pitcher eingesetzt werden.

In den frühen Jahrzehnten der Baseballgeschichte stellte sich diese Frage kaum. Es gab wie heute eine Rotation aus mehreren Starting Pitchern, die sich von Spiel zu Spiel abwechselten – wobei es damals meistens drei bis vier Starter waren, während heute fünf üblich sind. Vom jeweiligen Starting Pitcher wurde erwartet, dass er das komplette Spiel absolvierte. Gewechselt wurde nur, wenn der Starter sich verletzte oder wenn seine Leistung nicht stimmte. Das änderte sich mit der Zeit mehr und mehr. Complete Games wurden immer seltener und sind inzwischen geradezu eine Rarität.

JahrComplete GamesAnteil
1898160987,4%
1918128063,0%
1938109044,6%
195874330,1%
1978103424,6%
19983026,2%
2018420,9%

Üblicherweise wird der Starter heute spätestens nach 100 bis 120 Pitches gegen einen Relief Pitcher ausgewechselt. Das ist meistens nach fünf bis sieben Innings der Fall. Für die Entwicklung hin zu kürzeren Starts sprechen zwei wichtige Argumente: Erstens ist man zunehmend zu der Einsicht gelangt, dass bei einem hohen Pitch Count die Belastung der Muskeln und Gelenke so hoch wird, dass die Effektivität der Pitches ab- und das Verletzungsrisiko für den Pitcher zunimmt. Zweitens zeigt die Erfahrung, dass die Batter umso leichteres Spiel haben, je öfter sie einem bestimmten Pitcher gegenüberstehen, weil sie sich auf diesen einstellen und in einen Rhythmus finden. Aus Sicht des verteidigenden Teams ist es daher sinnvoll, einen Wechsel vorzunehmen, nachdem der Starter zwei- bis höchstens dreimal durch das Batting Lineup gepitcht hat.

Einhergehend mit der Tendenz zu kürzeren Starts hat sich auch die Rolle der Relief Pitcher verändert. Waren sie früher schlichtweg Ersatzleute, die wenn nötig für den Starter einsprangen und das Spiel zu Ende pitchten, handelt es sich heute um Spezialisten für besondere Aufgaben und Situationen. Hier einige typische Rollen, die Relief Pitcher ausfüllen:

– Long Reliever. Er übernimmt für mehrere Innings, falls der Starter mal besonders früh ausgewechselt werden muss. In der Regel füllt diese Rolle ein Pitcher aus, der selbst Erfahrung als Starter hat und auch von Anfang an einspringen kann, wenn zum Beispiel durch Verletzungen mal eine Lücke in der Starting Rotation entsteht.

– Middle Reliever. Pitcht in der Regel ein oder zwei Innings, bevor das Spiel in die Endphase geht. Übernimmt gegebenenfalls auch mal ein spätes Inning, wenn das Spiel ohnehin weitgehend entschieden ist und man die Top-Reliever schonen will.

– LOOGY. Der Lefty-One-Out-GuY ist Spezialist für linkshändige Batter. Da im gegnerischen Lineup selten mehr als einer oder zwei davon hintereinander an der Reihe sind, ist der Auftritt des LOOGY meistens von kurzer Dauer.

– Setup-Man. In der Regel der zweitbeste Reliever der Mannschaft. Sein Job ist es, spät im Spiel – meistens im achten Inning – einen engen Spielstand zu verteidigen.

– Closer. Der zuverlässigste Reliever im Team hat die Aufgabe, das Spiel zu Ende zu bringen, vor allem wenn es sich um eine Save-Situation handelt, es also eine knappe Führung zu retten gilt.

Eine neue Entwicklung ist die Rolle des Openers. Gemeint ist damit, dass ein Pitcher das Spiel beginnt, dessen Start von vornherein nicht für einen längeren Auftritt ausgelegt ist. Die damit verbundene Taktik nennt sich Bullpenning. Anstelle des üblichen Starter-Reliever-Modells wird beim Bullpenning von Anfang an alle ein, zwei Innings der Pitcher gewechselt. Bislang handelt es sich bei dieser Art des Pitcher-Einsatzes um eine Ausnahme, aber der Trend scheint das Potenzial zu haben, sich auszuweiten. Begonnen wurde er in der vergangenen Saison von den Tampa Bay Rays und er fand direkt einige Nachahmer. Von den Oakland Athletics und den Milwaukee Brewers wurde er bereits bis in die Playoffs getragen.

Bei der Entscheidung, welcher konkrete Pitcher zum jeweiligen Zeitpunkt eingewechselt wird, kommt es neben der beschriebenen Rollenverteilung stark auf den Spielstand an. Je deutlicher die Partie bereits in die eine oder in die andere Richtung entschieden ist, desto mehr tendieren die Manager dazu, ihr schwächeres Personal einzusetzen und dieses verhältnismäßig lange im Spiel zu lassen. In engeren Spielen hingegen schaut man sehr genau auf jedes einzelne Matchup und setzt immer den Reliever ein, der gerade die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit für die nächsten ein bis drei Outs gewährt. Eine typische Matchup-Entscheidung ist, dass bevorzugt linkshändige Pitcher gegen linkshändige Batter eingesetzt werden. Bei gleichhändigen Matchups haben Pitcher den Vorteil, dass Breaking Balls sich vom Batter weg bewegen und somit schwerer zu schlagen sind als wenn die Bewegung in die andere Richtung geht. Die Händigkeit ist aber bei weitem nicht das einzige relevante Kriterium, um ein vorteilhaftes Matchup zu finden. Die Teams nutzen den riesigen Datenfundus, den es über jeden Spieler gibt, um Stärken und Schwächen aller Art aufzudecken und zu nutzen. Das kann zum Beispiel sein, dass Batter X Probleme mit Curveballs hat, dass Pitcher Y gut darin ist, Power Hitter auf Groundballs zu beschränken oder dass Runner Z regelmäßig Bases stiehlt, wenn ein Pitcher mit etwas langwierigerer Wurfbewegung auf dem Mound steht.

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Januar 5th, 2019 by Silversurger

Gleich die erste Anregung im diesjährigen Offseason-Wunschkonzert bestand in der Bitte, dass ich etwas über Taktiken im Baseballspiel schreiben soll. Das Thema gefällt mir gut und nachdem ich mich nun eine Weile damit auseinander gesetzt habe, beginne ich heute eine Reihe von voraussichtlich fünf oder sechs Artikeln dazu. Den Anfang machen Taktiken beim Pitching. Zunächst gehe ich der Frage nach, von wem und nach welchen Kriterien entschieden wird, welcher Pitch in welcher Situation geworfen wird. Im nächsten Artikel – voraussichtlich in einer Woche – beschäftige ich mich mit dem Einsatz der Pitcher vom Starter bis zum Closer.

Als Einstiegslektüre empfehle ich die Erläuterung der verschiedenen Pitcharten, die vor zwei Jahren ebenfalls als Artikelserie in diesem Blog veröffentlicht wurde. Ich habe damals acht häufig verwendete Pitches vorgestellt. In der Regel hat ein professioneller Pitcher ein Arsenal von drei bis vier davon im Repertoire. Neben der Art des Pitches ist dessen Platzierung die zweite Variationsmöglichkeit, über die man als Pitcher verfügt. Jeder Pitch zielt auf eine bestimmte Stelle innerhalb oder außerhalb der Strikezone. Der Verlauf eines Basesballspiels hängt ganz wesentlich davon ab, ob es dem Pitcher gelingt, seine Würfe so auszuwählen, dass er die Batter überraschen und verwirren kann, oder ob er für den Gegner durchschaubar ist.

Die Entscheidung, welcher Pitch geworfen und wohin er gezielt wird, wird vom Pitcher gemeinsam mit dem Catcher getroffen. Die beiden verständigen sich über verdeckte Zeichen: Der Catcher macht per Fingerzeig einen Vorschlag, den der Pitcher entweder akzeptiert oder durch ein Kopfschütteln ablehnt, um einen neuen Vorschlag zu erhalten. Üblicherweise steht ein Finger für einen Fastball, zwei Finger signalisieren einen Curveball, drei einen anderen Breaking Ball (zum Beispiel einen Slider), vier einen Changeup. Hinzu kommt ein Zeichen, auf welche Seite und welche Höhe der Pitch zielen soll. Häufig gibt es hierzu auch Vorgaben des Managers oder des Pitching Coaches. Diese werden dem Catcher vom Dugout aus per Zeichen übermittelt und von ihm an den Pitcher weitergegeben. Dafür ist ein etwas ausgefeilteres System von Signalen nötig, damit diese von den gegnerischen Battern, Runnern und Basecoaches nicht verstanden werden. Das könnte zum Beispiel so aussehen: Ein Streichen des Managers über seinen rechten Arm bedeutet, dass er einen hohen Fastball sehen will. Er verpackt diese Vorgabe, indem er vorher und nachher ein paar andere Bewegungen macht, aber der Catcher weiß, dass nur die Anweisung zählt, die der Manager direkt nach einem Griff an die Nase gibt. Wenn er sich anschließend an den Schirm seiner Kappe greift, sind alle vorherigen Anweisungen aufgehoben und es folgt ein neues Signal. Berührt er irgendwann während der Sequenz sein linkes Ohr, so ist unabhängig von allen anderen Zeichen noch einmal der gleiche Pitch zu werfen wie der letzte.

Welcher Pitch letztlich gewählt wird, hängt von diversen Faktoren ab. Einer davon sind die Stärken und Vorlieben des jeweiligen Pitchers. Jeder Pitcher möchte Outs erzielen, aber manchen gelingt das bevorzugt über Groundballs, während andere stärker auf Strikeouts und wieder andere mehr darauf zu setzen, leicht zu fangende Pop-Ups zu verursachen.

Neben den persönlichen Voraussetzungen des Pitchers spielt bei der Entscheidung für einen Pitch primär die  Spielsituation eine Rolle – der aktuelle Count, die Anzahl der Outs und der Baserunner, die bekannten Tendenzen des Batter usw. Um ein paar konkrete Beispiele zu nennen:

– Mit einem Runner auf der ersten Base und weniger als zwei Outs wünscht man sich einen Groundball, aus dem sich ein Doubleplay produzieren lässt. Dazu braucht es einen niedrigen Pitch, bei dem der Schläger die obere Hälfte des Balls trifft. Es bietet sich ein Curveball oder ein Sinker an.

– Schlägt der Batter gegen den Wind und hat daher kaum Chancen auf einen Homerun, so könnte der Pitcher darauf abzielen, dass der Ball tief getroffen wird, um hoch in die Luft zu fliegen. Dafür eignet sich ein hoher Fastball.

– Wenn ein schneller Runner vorhanden ist, der eine Base stehlen könnte, will der Catcher den Ball möglichst schnell und sicher empfangen. Es bietet sich ein Fastball an, nicht zu tief und nicht zu nah am Batter.

– Mit einem Count von 3-0 (3 Balls, 0 Strikes) oder 3-1 möchte man das Risiko vermeiden, einen weiteren Ball und damit einen Walk zuzulassen. Daher wählt man einen Pitch, den man gut kontrollieren kann, und zielt damit klar in die Strikezone.

– Steht der Count hingegen bei 0-2, so kann man sich ohne weiteres einen Ball erlauben, während der Batter keinen weiteren Strike riskieren darf. Es bietet sich ein Pitch an, der bewusst die Strikezone verfehlt, ihr aber nahe genug kommt, um den Batter zu einem Schwung zu verführen.

In den aufgeführten Beispielen scheint relativ klar zu sein, welcher Pitch jeweils sinnvoll ist. Nun kommt aber erschwerend hinzu, dass jede der angestellten Überlegungen auch dem Batter und seinen Kollegen bewusst ist. Der Pitcher muss daher nicht nur die Spielsituation berücksichtigen, sondern auch die bestehenden Erwartungen und Erwartungserwartungen. Er muss häufig genug einen anderen als den auf der Hand liegenden Pitch wählen, damit der Batter sich nie zu sicher sein kann.

Einen Sonderfall stellt eine Spielkonstellation dar, in der ein Walk aus Sicht des Pitchers das geringste Übel darstellt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein besonders starker Batter am Schlag ist und nach ihm eine vermeintlich leichtere Aufgabe wartet. Oder wenn die zweite Base besetzt, die erste aber frei ist. In dem Fall erhöht man die Chancen, im Infield ein leichtes Out oder auch zwei zu erzielen, indem man den Batter auf die erste Base lässt. Das kann man ganz offen tun, indem man einen Intentional Walk signalisiert: Der Manager hält vier Finger in die Höhe, woraufhin der Umpire den Batter direkt zur Base schickt. Oder man wählt die Variante “half-intentional” – das heißt, man wirft bewusst Pitches außerhalb der Strikezone und überlässt es dem Batter, ob er das Geschenk annimmt oder sich an einem wenig aussichtsreichen Schwung versucht.

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Januar 13th, 2018 by Silversurger

Im Offseason-Wunschkonzert dieses Blogs drehte sich gleich der erste, von Phillies geäußerte Wunsch um die Frage, welche Arten von Transaktionen es in der MLB gibt. Euer Wunsch ist mir Befehl und deswegen gibt es heute mal eine hoffentlich einigermaßen vollständige Übersicht über die verschiedenen Arten, auf die MLB-Teams Spieler verpflichten, entlassen oder transferieren können:

1. Wie man Spieler bekommt

Die Draft
Der klassische Weg in die MLB führt über die First-Year-Player-Draft, der Kürze halber meist nur Draft genannt. Es handelt sich dabei um ein Auswahlsystem, wie es in allen großen US-Sportarten in ähnlicher Form existiert. Der Hauptzweck der Draft besteht darin, den Übergang vom College in den Profisport möglichst gerecht zu gestalten – gerecht in dem Sinne, dass die besten Nachwuchsspieler nicht automatisch alle bei den Teams landen, die das meiste Geld oder den schönsten Strand anzubieten haben.

Die Draft funktioniert so, dass das schwächste Team der Vorsaison – gemessen an Siegen und Niederlagen – das erste Recht hat, einen Spieler auszuwählen. Anschließend ist das zweitschwächste Team dran und so weiter bis hin zu dem Team, das im letzten Jahr die meisten Siege hatte. Danach geht das Ganze von vorne los, insgesamt 40 Runden lang. Die Draftreihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt, denn es gibt diverse Regeln, aufgrund derer die Liga den Teams zusätzliche Picks – sogenannte Compensatory Picks – zuerkennt oder als Strafe bzw. Vorteilsausgleich aberkennt. Diese Möglichkeiten vollständig darzustellen, würde hier zu weit führen, aber ich mache das gern mal in einem eigenständigen Artikel.

Welche Spieler bei einer Draft gewählt werden dürfen, ist klar definiert:

  • Man muss Einwohner oder Absolvent des Bildungssystems der USA, Kanadas oder eines US-Territoriums (z. B. Puerto Rico) sein.
  • Man darf noch nie einen MLB- oder Minor-League-Vertrag unterschrieben haben.
  • Man muss die High School abgeschlossen und entweder kein College besucht haben
  • oder ein Junior- oder Community College besuchen
  • oder drei Jahre eines regulären Colleges absolviert haben
  • oder das 21. Lebensjahr vollendet haben.
  • Wenn man gedraftet wurde, ist man keinesfalls verpflichtet, bei dem jeweiligen Team einen Vertrag zu unterschreiben – man darf aber bei keinem anderen Team unterschreiben. Das draftende Team hat nach der Draft rund sechs Wochen Zeit, sich mit dem Spieler auf einen Vertrag zu einigen. Gelingt dies nicht, so kann der Spieler ein Jahr später bei der nächsten Draft von einem anderen Team gewählt werden, sofern er nach wie vor die obigen Voraussetzungen erfüllt, also nicht z. B. ein frisches Collegestudium aufgenommen hat.

    Bei der Gestaltung der Verträge mit ihren gedrafteten Spielern müssen die Klubs eine Grenze, den sogenannten Bonuspool, einhalten. Dieser ist für jedes Team unterschiedlich hoch und bemisst sich an der Draftposition, der Anzahl an Draftpicks und der Summe, die im Vorjahr für gedraftete Spieler ausgegeben wurde. Die Bonuspools der Teams lagen 2017 zwischen 2,1 und 14,2 Millionen Dollar. Von diesem Geld erhält man in aller Regel als Erst- oder Zweitrundenpick für seine Unterschrift eine siebenstellige Summe, für spätere Picks werden die Summen logischerweise immer kleiner. Insbesondere für Spieler, die direkt nach der High School in einer späten Runde gedraftet werden, kann es sich durchaus lohnen, auf den Spatz in der Hand zu verzichten, um nach ein paar Jahren sportlicher und menschlicher Weiterentwicklung im College deutlich höher gedraftet zu werden.

    In fast jedem Fall – und anders als in den meisten anderen US-Sportarten – ist der Weg von der Draft bis zum ersten MLB-Spiel sehr lang und selbst ein sehr hoher Pick ist längst keine Garantie für eine Major-League-Karriere. Rund drei Viertel der Erstrundenpicks aus dem College und nur gut die Hälfte der Erstrundenpicks aus der High School schaffen es irgendwann in die MLB. Schon ab der dritten Draftrunde liegt die Wahrscheinlichkeit, den betreffenden Spieler eines Tages in der MLB zu sehen, deutlich unter 50%.

    Die Rule-5-Draft
    Die zweite, weit weniger bekannte und auch weniger wichtige Draft der MLB ist die Rule-5-Draft. Sie findet jährlich während der MLB Winter Meetings Mitte Dezember statt, also mit ziemlich genau einem halben Jahr Abstand zur „normalen“ Draft.

    Der Zweck der Rule-5-Draft besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten, ohne sie einzusetzen. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Kaders ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

    Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft jährlich zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen.

    Die Free Agency
    Die Free Agency ist die einfachste Art, sein Team durch die Verpflichtung eines erfahrenen Spielers zu verstärken – vorausgesetzt, man kann es sich leisten. Free-Agent-Verträge werden frei zwischen Teams und Spielern ausgehandelt. Na gut, fast frei, denn natürlich unterliegen sie den gültigen Regeln und Rahmenvereinbarungen der MLB und der Spielergewerkschaft MLBPA, die zum Beispiel einen Mindestlohn (dieses Jahr 545.000 Dollar) festlegen.

    Zum Free Agent kann man auf unterschiedliche Weise werden. Die übliche und häufigste Situation ist, dass der Vertrag eines Spielers ausläuft, nachdem er sechs Jahre lang in der MLB gespielt hat. Zur Erinnerung: In den ersten drei Jahren muss der Spieler das Gehalt akzeptieren, das das Team ihm gibt, meistens das Mindestgehalt der MLB. In seinem vierten bis sechsten Jahr, der sogenannten Arbitration-Phase, bleibt er an sein Team gebunden, aber das Gehalt wird in einem Schiedsverfahren (der Arbitration) ausgehandelt. Nach dem sechsten Jahr kann der Spieler den Vertrag mit einem beliebigen Team frei verhandeln, er ist also ein Free Agent. Die Teams sind nicht verpflichtet, in der Arbitration-Phase ein Angebot vorzulegen – wenn sie darauf verzichten, wird der Spieler vorzeitig zum Free Agent, das nennt man dann einen Non-Tender-Free-Agent.

    Zum Free Agent wird man auch, wenn man von seinem bisherigen Team aus einem laufenden Vertrag entlassen (auf Englisch: released) wird. Spieler, denen das passiert, werden oft zum Schnäppchen für ein neues Team, weil das bisherige ihnen noch das Gehalt aus dem alten Vertrag zahlen muss – mehr dazu weiter unten in diesem Artikel.

    Außerdem ist man auch dann ein Free Agent, wenn man einmal für die Draft qualifiziert war (und es nach wie vor wäre, also z. B. kein Collegestudium aufgenommen hat) und nicht gedraftet wurde. Angesichts von jährlich 40 Draftrunden kommt es in der MLB selten vor, dass sich ein ungedrafteter Spieler zum Star entwickelt, viel seltener jedenfalls als beispielsweise in der NFL mit nur sieben Draftrunden. Aber es gibt solche Fälle, allen voran Hall-of-Fame-Closer Bruce Sutter und die Outfielder Bobby Bonilla und Larry Walker.

    Der Waiver-Claim
    Wenn ein Spieler auf dem Waiver landet – auch dazu später mehr -, dann kann jedes Team seinen Anspruch auf den Spieler anmelden, einen sogenannten Waiver-Claim. Wenn es mehrere Claims für einen Spieler gibt, so wird der Claim des Teams mit der aktuell schlechtesten Bilanz bevorzugt (im ersten Monat der Saison geht es nach der Bilanz des Vorjahres). Nach einem erfolgreichen Claim durch ein anderes Team hat das aktuelle Team des Spielers drei Möglichkeiten, wie es damit umgeht:

  • Es kann sich innerhalb von zwei Werktagen mit dem anfordernden Team auf einen Trade einigen.
  • Es kann den Waiver-Move zurückziehen, das heißt der Spieler bleibt im Kader und alles ist wie vorher.
  • Es kann entscheiden, gar nichts zu tun. In dem Fall darf das andere Team den Spieler in seinen Kader aufnehmen. Das neue Team bezahlt dem bisherigen eine Gebühr von 50.000 Dollar und übernimmt den bestehenden Vertrag des Spielers.
  • Die internationale Free Agency
    Für internationale Spieler – also alle von außerhalb den USA, Kanada oder den US-Territorien – gelten beim Einstieg in die MLB oder die Minor Leagues spezielle Regeln. Diese Spieler werden nicht gedraftet, sondern verhandeln direkt mit den MLB-Klubs. Die Art und das finanzielle Volumen des Vertrages, den man mit einem internationalen Spieler abschließen darf, hängen von dessen Alter und Erfahrung ab. Wenn ein Spieler mindestens 25 Jahre alt ist und mindestens sechs Jahre lang in einer professionellen Liga gespielt hat – als solche gelten beispielsweise die in Kuba, Korea und Japan -, dann gilt er als Free Agent und die Teams unterliegen bei der Vertragsgestaltung keinen besonderen Einschränkungen.

    Das internationale Prospect-Signing
    Für alle Spieler, die nicht die genannten Voraussetzungen erfüllen, gilt das System der internationalen Bonuspools. Ähnlich wie für die Verpflichtung von Draftpicks steht auch für die Verpflichtung von internationalen Rookies jedem Team eine bestimmte Summe zur Verfügung, die es insgesamt für solche Spieler ausgeben darf. Der Bonuspool liegt in der Regel bei 4,75 Millionen Dollar pro Jahr und kann sich aufgrund verschiedener Ausgleichsregelungen nach oben oder unten verändern. Aus diesem Pool können die Teams internationalen Prospects Zahlungen zur Vertragsunterschrift anbieten. Der Vertrag selbst ist zwangsläufig ein Minor-League-Vertrag – also im wesentlichen der gleiche Vertrag, den ein gedrafteter Rookie erhält: Man bekommt drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor man als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann.

    Dieses System für internationale Prospect-Verpflichtungen war in der aktuellen Offseason zweimal ein großes Thema. Der eine Fall war der Wechsel des japanischen Top-Talents Shohei Ohtani zu den Los Angeles Angels. Die Teams lieferten sich vorher ein Wettbieten, bei dem es aber systembedingt nicht um das Gehalt gehen konnte, sondern „nur“ um den zu zahlenden Signing-Bonus. Da mit den Kapazitäten der internationalen Bonuspools gehandelt werden darf, engagierten sich einige Teams – allen voran die Seattle Mariners – sehr stark, um den eigenen Bonuspool aufzurüsten und Ohtani ein besseres Angebot machen zu könnnen. Am Ende unterschrieb er bei den Angels für einen Signing-Bonus von 2,315 Millionen Dollar. Das ist eine Menge Geld, aber nur ein Bruchteil dessen, was Ohtani hätte verlangen können, wenn er bereits die Voraussetzungen eines internationalen Free Agents erfüllt hätte.

    Der zweite Fall war der aufgedeckte Betrug des früheren General Managers der Atlanta Braves, John Coppolella. Die Braves hatten unter seiner Regie systematisch die Bonuspool-Regeln umgangen, indem sie internationalen Prospect-Verpflichtungen versteckte Zahlungen zukommen ließen. Nachdem die Sache aufgeflogen war, mussten die Braves 13 Prospects aus den Verträgen entlassen und Coppolella wurde von der Liga lebenslang gesperrt.

    2. Wie man Spieler los wird

    Der Waiver
    Wenn man einen Spieler loswerden möchte, dann kann man ihn auf den Waiver setzen. Das ist eine Art Angebotsliste, auf der die anderen Klubs sich informieren können, welche Spieler unter bestimmten Bedingungen zu haben sind. Für Außenstehende ist der Inhalt des Waivers geheim, wenngleich die Informationen oft an die Medien durchsickern. Der Waiver existiert das ganze Jahr über, besondere Relevanz hat er aber zwischen dem 31. Juli und dem Ende der MLB-Saison, denn in dieser Phase ist der Waiver der einzige Weg, auf dem ein Spieler das Team wechseln kann.

    Für Spieler auf dem Waiver kann von jedem Team ein Waiver-Claim eingereicht werden wie weiter oben unter der entsprechenden Überschrift erläutert. Dort habe ich auch beschrieben, welche Möglichkeiten das bisherige Team hat, wenn ein Waiver-Claim eingereicht wird. Diese Möglichkeiten hat es pro Spieler und Jahr allerdings nur einmal. Das heißt wenn ein Spieler zum zweiten Mal im Jahr auf den Waiver gesetzt wird, dann kann er von einem berechtigten Team quasi zum Nulltarif aufgenommen werden, für das alte Team gibt es dann kein Zurück mehr.

    Wenn für einen Spieler auf dem Waiver innerhalb von drei Werktagen kein Claim eingeht (auf Englisch heißt das, er „cleared waivers“), dann kann er von seinem aktuellen Team in die Minor-League beordert, frei zu einem beliebigen anderen Team getradet oder schlichtweg entlassen werden.

    Versetzung in die Minor League
    Will man einen Spieler nicht unbedingt komplett loswerden, sondern nur eine Weile parken, damit er sich weiterentwickeln oder zu sich selbst finden kann, empfiehlt sich eine Versetzung in die Farm, also in eines der Minor-League-Teams der Franchise. Das geht sehr einfach, solange der Spieler sich in einem Optionsjahr befindet. Üblicherweise (ja, auch hier gibt es wieder Ausnahmen, die zu weit führen würden) hat ein Spieler, der im 40-Mann-Kader – also dem erweiterten MLB-Kader – seines Teams steht, drei solcher Optionsjahre. Ein Optionsjahr gilt als verbraucht, sobald der Spieler in dem Jahr 20 oder mehr Tage in den Minor Leagues verbracht hat.

    Über einen Spieler, der die Optionsjahre hinter sich hat, sagt man, er sei „out of options“. Diese gängige Formulierung führt häufig zu dem Missverständnis, dass es eine begrenzte Anzahl möglicher Versetzungen zwischen Major- und Minor-Leagues gibt. Das ist aber nicht so, innerhalb der Optionsjahre kann ein Spieler beliebig oft hin und her beordert werden. Nach dem Aufbrauchen der Optionsjahre ist die Sache nicht mehr ganz so einfach: Um einen MLB-Spieler außerhalb der Optionsjahre in die Minor League zu schicken, muss dieser zunächst auf den Waiver gesetzt werden, man riskiert also den Spieler zu verlieren. Erst wenn er den Waiver ungeclaimt „gecleart“ hat, kann man ihn, auch gegen seinen Willen, in die Minor League versetzen; dieses Vorgehen ist nur einmal in der Karriere eines Spielers zulässig.

    Noch schwieriger wird es, wenn ein Spieler bereits fünf Jahre MLB-Erfahrung besitzt und/oder schon einmal gegen seinen Willen versetzt wurde. In diesem Fall ist eine Versetzung in die Minor Leagues nur mit seiner ausdrücklichen Zustimmung (Veteran’s Consent) möglich. Verweigert er die Zustimmung, muss das Team ihn entweder im MLB-Roster behalten oder entlassen – mit allen Konsequenzen, die weiter unten unter „Der Release“ beschrieben sind.

    Designation for Assignment 
    Oft liest man, dass ein Spieler „DFA’d“ wird. Die Abkürzung steht für „Designation for Assignment“ und bedeutet eine Art Zwischenstatus: Der Spieler wird unmittelbar aus dem 40-Mann-Kader gestrichen, das Team hat aber noch zehn Tage Zeit zu entscheiden, was genau es mit ihm anstellen wird. Es gibt dafür folgende Möglichkeiten:

  • Das Team kann den Spieler innerhalb der zehn Tage zurück in den 40-Mann-Kader holen.
  • Es kann ihn auf den Waiver setzen (siehe oben).
  • Es kann ihn traden (siehe unten).
  • Es kann ihn releasen, nachdem er den Waiver durchlaufen hat (siehe unten).
  • Es kann ihn in die Minor League schicken, nachdem er den Waiver durchlaufen hat (sofern er nicht unter die oben genannten Einschränkungen fällt).
  • Der Release
    Wenn alle Versuche, einen Spieler auf andere Art loszuwerden, gescheitert sind, kann man ihn auch einfach entlassen. Das Problem dabei ist, dass man dann als Team auf dem vollen Gehalt für die volle Restlaufzeit des Vertrages sitzen bleibt. Wenn ein anderes Team den Spieler aufnimmt, dann wird es ihm in aller Regel nur das Mindestgehalt zahlen und der Spieler wird damit einverstanden sein – denn das alte Team muss in jedem Fall die Differenz zu dem Vertrag zahlen, aus dem es ihn entlassen hat. Wenn sich zum Beispiel der von Atlanta entlassene 1B Adrian Gonzalez in Kürze für ein neues Team entscheidet, dann wird dieses ihm für die Saison 2018 genau 545.000 Dollar zahlen – und die Braves zahlend den Rest der 21,5 Millionen, die ihm aus seinem alten Vertrag noch zustehen.

    3. Wie man Spieler los wird und welche bekommt

    Der Trade
    Die Franchises der MLB sind jederzeit berechtigt, untereinander Spieler gegen andere Spieler zu tauschen. Logischerweise können nur Spieler getradet werden, die aktuell unter Vertrag stehen. Zudem wechseln oft im Zuge eines Trades auch Geldsummen oder Bonuspool-Kapazitäten (siehe „Das internationale Prospect-Signing“) den Besitzer. Draftpicks dürfen – mit Ausnahme bestimmter Ausgleichspicks – nicht getradet werden.

    Eine Einschränkung für Trades besteht in den sogenannten Trade-Deadlines. Die erste Deadline ist der 31. Juli. Vom Ende der vorherigen World Series bis zu diesem Tag genießen die Teams größtmögliche Freiheit bei ihren Trades. Nach der „Non-Waiver-Deadline“ am 31. Juli sind Trades nur möglich, wenn alle betroffenen Spieler vorher den Waiver passiert haben oder ohnehin nicht im 40-Mann-Kader ihres Teams stehen. Die zweite Deadline ist die „Waiver-Deadline“ am 31. August. Trades sind auch danach noch möglich, doch die in diesem Zeitraum erworbenen Spieler dürfen nicht in den Playoffs eingesetzt werden außer wenn sie einen verletzten Spieler ersetzen.

    In der Regel können Trades ohne Zustimmung der betroffenen Spieler durchgeführt werden. Das ist manchmal bedauerlich, aber andererseits verdienen die Spieler selbst auf dem Niveau des Mindestgehalts genug Geld, um Vergleiche mit einem Sklavenhandel als komplett dämlich dastehen zu lassen. In zwei Fällen ist die Zustimmung der Spieler zu einem Trade aber doch erforderlich: Zum einen, wenn sie seit mindestens zehn Jahren in der MLB spielen und mindestens fünf Jahre davon bei ihrem aktuellen Team verbracht haben; zum anderen, wenn sie beim Abschluss ihres aktuellen Vertrages eine No-Trade-Klausel vereinbart haben. Eine solche Klausel kann sich auf sämtliche denkbaren Trades beziehen, aber auch auf bestimmte Teams beschränkt sein – das ist letztlich reine Verhandlungssache.

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    Januar 7th, 2018 by Silversurger

    Wenn euch die 81 Tage bis zum Opening Day der MLB auch noch so furchtbar lang erscheinen wie mir, dann lest doch noch ein nettes Baseballbuch. Ein paar gute Kandidaten dafür habe ich in der Vergangenheit schon vorgestellt, heute kommt ein weiterer hinzu.

    Vorausschicken muss ich, dass Göran Fiedler sich mit „Baseball für Fußballfans“ eher nicht an ein Publikum richtet, das sich bereits regelmäßig mit Baseball beschäftigt. Der Titel ist allerdings auch etwas irreführend; meiner Ansicht nach wäre die Zielgruppe mit „sportinteressierte Europäer“ treffender beschrieben. Meistens sind das zwar Fußballfans, aber das Buch ist in keiner Weise so angelegt, dass es seine Leser mit zahlreichen Vergleichen gezielt beim Fußball abholen würde. Das ist auch gut so, denn solche Vergleiche von kaum vergleichbaren Sportarten, die ihre jeweils eigenen Reize haben, wären auf Dauer wohl eher nervig.

    Fiedlers tatsächliches Vorgehen ist weit angenehmer: Verpackt in launige Anekdoten bringt er dem Leser den Baseballsport näher, angefangen bei den wichtigsten Regeln und Grundbegriffen über Wissenswertes zu einzelnen Teams und ihrer Geschichte bis hin zu dem Lebensgefühl und der Alltagsrelevanz des Baseballs in der amerikanischen Kultur.

    Das Buch ist eine amüsant und flüssig zu lesende und auf das wesentliche beschränkte Einführung. In seiner ersten Auflage von 2011 kam es mit gut 90 Seiten aus, mittlerweile liegt die vierte Auflage von 2016 vor und ist um einen rund 50-seitigen zweiten Teil gewachsen. In diesem geht Fiedler zu ausgewählten Aspekten ein wenig mehr in die Tiefe: Beispielsweise gibt er Tipps, wo man im Stadion am besten sitzen sollte, erklärt das Franchise-System der Major- und Minor-Leagues und geht auch kurz auf Baseball in Deutschland ein.

    Ich empfehle das Buch für alle, die sich ein Grundwissen über Baseball aneignen wollen. Auch als Geschenk für Leute, die man zum Baseball „bekehren“ möchte, ist es sehr gut geeignet. Diese fühlen sich möglicherweise sogar von dem Titel angesprochen, den ich wie gesagt etwas unglücklich gewählt finde. Aber das ist eigentlich auch schon alles, was ich zu kritisieren habe. Außer vielleicht, dass ich mir etwas mehr Struktur gewünscht hätte in dem Sinne, dass man die Kapitel nicht nur durchnummeriert, sondern sie auch mit Überschriften versieht. Vielleicht ist das ja eine brauchbare Anregung für die nächste Auflage.

    „Baseball für Fußballfans“ ist als Book on Demand erschienen. Ihr erhaltet es als Taschenbuch für 8,90 Euro oder als E-Book für 5,99 Euro beim Buchhändler eures Vertrauens.

    Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch habe ich – in der Tolino-E-Book-Fassung – selbst erworben und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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    Juni 26th, 2017 by Silversurger

    Ich bin sicher, kein Name eines früheren MLB-Spielers begegnet einem heutzutage häufiger – nicht Babe Ruth, nicht Willie Mays, nicht Ted Williams oder Hank Aaron und auch nicht Barry Bonds. Tommy John stellt sie mit seiner Präsenz alle in den Schatten – und manch einem läuft es immer, wenn sein Name fällt, kalt den Rücken runter. Das ist nicht deshalb so, weil er ein besonders unangenehmer Zeitgenosse wäre und auch nicht, weil er mit seiner Spielweise die Gegner in Angst und Schrecken versetzt hätte. Mit einem Karriere-ERA von 3.34 und vier Berufungen ins All-Star-Team war John ein sehr guter, aber kein alles überragender Pitcher. Doch ihm ist gelungen, was vor ihm noch niemandem gelungen war: Nach der irreparablen Schädigung des wichtigsten Stabilisierungsbandes in seinem Wurfellenbogen – des ligamentum collaterale ulnare (englisch: ulnar collateral ligament) – pitchte er dreizehn weitere Jahre lang in der MLB. Verantwortlich dafür ist eine Operationsmethode, die an Tommy John erstmals durchgeführt wurde und die seither nach ihm benannt ist: die berühmt-berüchtigte Tommy-John-Surgery.

    Tommy John begann seine MLB-Karriere 1963 im Alter von 20 Jahren in Cleveland. Elf Jahre lang trat der linkshändige Starter für die Indians, die White Sox und die Dodgers an, dann schien seine aktive Zeit beendet: Der Ellenbogen spielte nicht mehr mit und John konnte nicht an der World Series teilnehmen, die die Dodgers in diesem Jahr erreichten. Johns letzte Hoffnung bestand in einer Methode, deren Erfolgschancen der Orthopäde und Teamarzt Dr. Frank Jobe mit 1:100 bezifferte: Das beschädigte Band wird entfernt und durch ein anderes Band ersetzt. Dieses Ersatzteil wird entweder dem Körper des Patienten selbst (meist aus dem Unterarm oder dem Bein) oder als Organspende einer Leiche entnommen.

    Am 25. September 1974 führte Dr. Jobe die OP an Tommy John durch. Sie verlief ohne Komplikationen, zog aber eine langwierige Reha-Phase nach sich: Die komplette Saison 1975 verbrachte John damit, seinen Körper wieder an die Belastung des Pitchens heranzuführen und dabei seine Bewegungsabläufe so zu korrigieren, dass diese Belastung minimiert wird. Eine große Unterstützung war dabei sein Teamkamerad Mike Marshall, erfolgreicher Relief-Pitcher bei den Dodgers und promovierter Kinesiologe, der bereits bei Johns Entscheidung für die OP eine wichtige Rolle gespielt hatte.

    1976, mit 33 inzwischen in einem Alter, in dem viele Profisportler in Rente gehen, begann Tommy John seine zweite Karriere, die länger und erfolgreicher war als die erste: Drei der vier All-Star-Berufungen und alle drei World Series, in denen er spielte, erreichte er in der Phase nach der Operation. Bis zu seinem endgültigen Karriereende im stolzen Sportleralter von 46 Jahren verpasste Tommy John kein einziges Spiel mehr aufgrund von Ellenbogenproblemen. Die drei größten Auszeichnungen blieben ihm jedoch versagt: Bei seinen drei Teilnahmen an den World Series zwischen den Dodgers und den Yankees (1977, 1978 und 1981) stand er jeweils auf der Verliererseite, beim Cy-Young-Arward landete er zweimal (1977 und 1979) auf Platz zwei und bei seiner letzten Chance, über das Wahlverfahren in die Hall of Fame zu gelangen, brachte er es 2009 nur auf 31,7% statt der benötigten 75%.

    Die Tommy-John-Surgery war eine Revolution für die Sportmedizin, wenngleich eine von der schleichenden Sorte: Nach der ersten OP führte Dr. Jobe den Eingriff zwei Jahre lang nicht mehr durch, um zunächst den Erfolg bei John abzuwarten. Nachdem dieser gesichert war, nahm die Zahl der Tommy-John-OPs beständig zu und ist heute gängige Praxis insbesondere im Baseball, aber auch für andere Sportler wie Football-Quarterbacks und Speerwerfer, bei denen die Beanspruchung des Ellenbogengelenks durch häufige Wurfbewegungen ähnlich hoch ist. Die Erfolgsaussichten, nach der Operation wieder zu voller Einsatzfähigkeit zurückzukehren, werden heutzutage auf 85 bis 90 Prozent beziffert. Was sich seit der ersten Tommy-John-OP bis heute so gut wie gar nicht geändert hat, ist die nötige Erholungszeit: Ein Jahr für Pitcher und ein halbes Jahr für Feldspieler gelten nach wie vor als Mindestmaße für eine vollständige Erholung von dem Eingriff.

    Ins Reich der Mythen und Märchen wird von den meisten Experten übrigens die Annahme verwiesen, man könne nach einer Tommy-John-Surgery härter und ausdauernder werfen als vorher – die bei zahlreichen Eltern den Wunsch entstehen ließ, ihre Kinder „vorsorglich“ der Operation zu unterziehen. Dass in einigen Fällen nach der OP tatsächlich bessere Leistungen erzielt werden als vorher sah (nicht nur) ihr Erfinder Dr. Jobe darin begründet, dass die Patienten nach der OP ein größeres Augenmerk auf das Training und die angemessene Beanspruchung des Gelenkes legen als vorher.

     

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    Mai 17th, 2017 by Silversurger

    Das Fielding ist ein wichtiger Teil des Baseballsports. Spiele werden nicht nur durch Batting und Pitching sondern auch durch die Abwehrarbeit im Feld gewonnen oder verloren, auch wenn dieser Aspekt des Spiels gegenüber den anderen oft ein wenig im Schatten der Aufmerksamkeit zu stehen scheint – gerade was die Statistiken angeht. An die Prominenz der Batting-Slashline oder des Earned Run Averages kommen die Fielding-Stats nicht heran, aber das macht sie nicht weniger interessant und ich möchte heute ein paar von ihnen vorstellen.

    Putouts, Assists
    Putouts und Assists sind klar definiert und sehr einfach zu zählen. Für jedes Out des schlagenden Teams wird einem Spieler des verteidigenden Teams der Putout gutgeschrieben. Ihn erhält der Spieler, der den Ball aus der Luft fängt (Flyout), mit ihm den Gegner zum Tagout berührt, die Base zum Forceout betritt oder als Catcher den dritten Strike beim Strikeout fängt. Ein Assist wird dem Spieler zugerechnet, der den Ball vor dem Putout berührt hat. Wenn also zum Beispiel der Shortstop einen Ball aufnimmt und ihn zum Forceout dem First Baseman zuwirft, dann hat der SS den Assist und der 1B den Putout. Ist kein zweiter Spieler involviert, dann ist der Putout „unassisted“. Der Pitcher erhält übrigens keinen Assist dafür, dem Catcher den dritten Strike zuzuwerfen.
    Man könnte nun einfach schauen, wer die meisten Putouts und wer die meisten Assists sammelt und diese Spieler dann zu den besten Fieldern erklären. Dieses Vorgehen hinkt aber an mindestens zwei Stellen: Erstens ist die Anzahl der Putouts und Assists stark abhängig von der gespielten Position: Die meisten Putouts gehen üblicherweise auf das Konto des First Basemans, auch wenn dies sicher nicht die anspruchsvollste Defensivposition ist. Man läge somit höchstwahrscheinlich daneben, wenn man einen 1B zum besten Verteidiger des Teams erklärte, nur weil er die meisten Putouts hat. Zweitens hängt die Zahl der Putouts und Assists, die ein Spieler ansammelt, auch ganz wesentlich davon ab, wie viele Gelegenheiten dazu der Stil des jeweiligen Pitchers bietet – produziert er eher Groundballs (mehr Putouts für Infielder), Flyballs (mehr Putouts für Outfielder) oder Strikeouts (mehr Putouts für Catcher)?
    Die meisten Putouts in der Saison 2016 erzielte – ebenso wie schon 2015 und 2013 – Paul Goldschmidt von den Arizona Diamondbacks mit 1.378. 2017 führt bislang Wil Myers von den San Diego Padres mit 362 die Rangliste an. Der Rekord für die meisten Putouts in einem Jahr ist schon 110 Jahre alt: Jiggs Donahue stellte ihn 1907 mit 1.846 Putouts auf. Im gleichen Jahr erreichte Jake Beckley die bis heute einzigartige Marke von 23.767 Putouts in seiner Karriere. Die beste Leistung eines noch aktiven Spielers vollbrachte Albert Pujols mit 1.597 Putouts im Jahr 2005 und mit bislang 15.626 in seiner Karriere. Alle genannten Spieler sind oder waren (natürlich) First Basemen.

    Errors
    Errors sind die wichtigste Defensivstatistik – jedenfalls wichtig in dem Sinne, dass sie standardmäßig in jedem Boxscore und auf jedem Scoreboard dargestellt werden. Ein Error wird einem Spieler zugerechnet, wenn er ein mit „normalem Aufwand“ (ordinary effort) erreichbares Aus verhindert – zum Beispiel, indem er den Ball fallen lässt, beim Fangen oder Aufnehmen daneben greift oder ihn so ungenau wirft, dass der Teamkamerad ihn nicht bekommen kann. Jeder Spieler möchte vermeiden, in der Error-Spalte des Boxscores aufzutauchen und viele Errors sind in der Regel ein Zeichen für schlechtes Defensivspiel. Allerdings sind auch die Errors stark von der Position abhängig: Shortstops und Second Basemen produzieren üblicherweise deutlich mehr Errors als Outfielder. Etwa weil sie schlechtere Abwehrspieler sind? Meistens ist eher das Gegenteil der Fall: Auf diese Posten stellt man gute Abwehrspieler, weil die Bälle im Infield schneller, härter und häufiger ankommen als im Outfield. Deshalb gibt es im Infield viel mehr Gelegenheiten, etwas falsch zu machen, also Errors zu sammeln.
    2016 hatte Jonathan Villar von den Milwaukee Brewers die zweifelhafte Ehre, mit 29 Erros die Liste der meisten Abwehrfehler anzuführen, 2017 liegen bislang acht Spieler mit jeweils 7 gleichauf. Die meisten Errors in einer Saison unterliefen 1889 Herman Long und 1890 Billy Shindle mit jeweils 122. Long führt mit 1.096 Errors auch die Karriererangliste an. Nach aktuellen Spielern muss man in diesen Listen recht lange suchen: Auf Platz 259 findet man Adrian Beltre mit 296 Errors in seiner Karriere. In einer einzelnen Saison hatte kein aktiver Spieler je mehr als 35 Errors (welche Marcus Semien 2015 und Mark Reynolds 2008 verursachten).

    Fielding Percentage
    Betrachtet man die Errors nicht als absolute Zahlen sondern als Anteil erfolgreicher Plays an allen möglichen Plays, dann ist das Problem der unterschiedlichen Anzahl von Möglichkeiten weitgehend ausgeschaltet. Beispiel: Nehmen wir an, während eines Spiels werden zwölf Bälle in Richtung des Third Basemans geschlagen. Zwei davon sausen ihm so schnell um die Ohren, dass man ihm daraus keinen Vorwurf machen kann. Diese beiden fließen nicht in die Berechnung ein. Von den anderen zehn setzt er neun in ein Aus um, indem er sie entweder aus der Luft fängt oder nach Bodenkontakt aufnimmt und zur ersten Base wirft. Den zehnten könnte er locker fangen, aber weil ihn die Sonne blendet greift er daneben, muss sich nach dem Ball bücken und bis er ihn zur ersten Base werfen kann, ist der Batter/Runner dort schon angekommen. Das war ein Error und seine Fielding Percentage (FP) steht damit bei .900 (in Deutschland würden wir sagen: 90%).
    Die FP ist bei angemessen großem Stichprobenumfang schon ein recht brauchbares Maß für die Fähigkeit eines Fielders, aber auch sie ist nicht ohne Probleme: Zum einen sind Errors subjektiv, denn es muss ein Mensch – der Scorer – entscheiden, welcher Ball mit „normalem Aufwand“ spielbar ist und welcher nicht. Darüber hinaus berücksichtigt die FP nicht die Reichweite eines Spielers. Das kann zu der paradoxen Situation führen, dass ein besonders guter Spieler mehr Errors und damit eine schlechtere FP hat als ein schlechterer. Denn der bessere Spieler deckt einen größeren Bereich des Feldes ab und übernimmt häufig die schwierigeren Plays im Grenzgebiet der Zuständigkeiten. Bei diesen Plays unterlaufen naturgemäß die meisten Fehler und diese Fehler werden dem guten Fielder zugerechnet, weil er im Gegensatz zum schlechten Fielder eine Chance gehabt hätte, an den Ball heranzukommen.
    Auch hierzu ein paar Statistiken: 2016 hatten drei qualifizierte Spieler eine perfekte FP von 1.000: die Outfielder Curtis Granderson (Mets), Hunter Pence (Giants) und Randal Grichuk (Cardinals). Die schlechteste FP hatte 3B Yunel Escobar (Angels) mit .937. 2017 haben bislang noch zahlreiche Spieler eine FP von 1.000, ganz hinten liegt derzeit 3B Nick Castellanos (Tigers) mit .920 und Yunel Escobar ist mit .930 nicht wirklich besser geworden. Die schlechteste FP aller Zeiten hatte übrigens Joe Doyle 1872 als SS der Nationals mit .667.

    Neben den bisher geschilderten „klassischen“ Fielding-Statistiken gibt es natürlich auch zu diesem Bereich des Baseballspiels fortgeschrittene Statistiken, sogenannte Sabermetrics. Über jede davon könnte man ohne Weiteres einen eigenen Artikel schreiben, aber ich stelle mal beispielhaft drei davon in aller Kürze vor:

    Ultimate Zone Rating
    Großer Beliebtheit erfreuen sich Statistiken, die direkt in der „Währung“ des Spiels ausgedrückt werden, also in Runs. In Runs dargestellte Defensivstatistiken sind besonders gut mit Offensivstatistiken vergleich- und kombinierbar, die auf dem gleichen Prinzip basieren, beispielsweise Runs Created oder wRAA. Eine solche Statistik ist das Ultimate Zone Rating (UZR). UZR setzt sich zusammen aus zahlreichen Komponenten des Defensivspiels, die jeweils mit einem Wert von Runs bzw. Anteilen davon versehen werden. Diese Werte werden ermittelt, indem der zu beurteilende Spielzug mit dem durchschnittlichen Ausgang ähnlicher Situationen aus der Vergangenheit verglichen wird. Nehmen wir beispielsweise an, in Richtung des Left Fielders wird ein Ball mit einer bestimmten Geschwindigkeit zu einer bestimmten Stelle geschlagen, aus dem ein durchschnittlicher Fielder in 40% der Fälle ein Aus produziert und der ansonsten üblicherweise zu 0,8 Runs für das gegnerische Teams führt. Wenn der Left Fielder das Play macht, dann hat er 0,48 Runs verhindert (die durchschnittliche Schadenshöhe 0,8 multipliziert mit der Eintrittswahrscheinlichkeit von 0,6) und sein UZR steigt entsprechend an. Die Übersetzung von Plays in Runs geschieht über lineare Gewichte. Wer sich in die Details der UZR-Berechnung einlesen will, dem sei ein sehr guter Artikel von Fangraphs ans Herz gelegt.
    UZR kann Werte über oder unter Null annehmen – je nachdem, ob der betreffende Spieler seinem Team mehr oder weniger gegnerische Runs beschert als ein durchschnittlicher Fielder. Überdurchschnittliches Defensivspiel ergibt Werte über Null, die besten Fielder erreichen pro Saison üblicherweise UZR-Werte von über 15.
    Der beste Fielder im Jahr 2016 laut UZR war Outfielder Adam Eaton (White Sox) mit 23,1. 2017 liegt bislang OF Odubel Herrera (Phillies) mit 7,7 vorne. Das höchste Karriere-UZR seit Beginn der Messung (2002) hat bislang Adrian Beltre mit 180,8 inne. Die beste defensive Einzelsaison spielte Alfonso Siriano 2007 für die Cubs mit einem UZR von 32.0.

    Defensive Runs Saved
    UZR und ein anderes verbreitetes Maß für Defensivstärke, Defensive Runs Saved (DRS), sind sich äußerlich betrachtet sehr ähnlich: Auch DRS wird in Form von Runs angegeben, auch DRS bewertet Einzelaktionen des Fielders anhand des Vergleichs mit dem Durchschnitt auf der jeweiligen Position und auch hier stehen Werte über Null für eine überdurchschnittliche Leistung und Werte unter Null für eine unterdurchschnittliche. In den Details der Berechnung weisen die beiden Statistiken ein paar Unterschiede auf. Zum Beispiel verwendet DRS für den Vergleich mit dem Durchschnitt die jeweils letzten zwölf Monate, während UZR immer auf mehreren Jahren basiert. DRS enthält zudem Anpassungen, die sogenannte Videoscouts bei einer Sichtung der Plays festlegen, indem sie Spielzüge als besonders gut oder schlecht einstufen. Diese und andere feine Unterschiede können dazu führen, dass die beiden Statistiken über manche Spieler zu gegensätzlichen Aussagen kommen. Das ist aber eher der Ausnahmefall, in den meisten Fällen kommen UZR und DRS zu sehr ähnlichen Ergebnissen und es ist letztlich Geschmackssache, welches der beiden Maße man bevorzugt. Beide liefern in jedem Fall deutlich bessere und belastbarere Aussagen als die reine Fielding Percentage. Auch zu DRS empfehle ich einen ausführlichen Artikel, der die Berechnungsmethode näher erläutert.
    Die meisten DRS der MLB-Saison 2016 hatte Red-Sox-Outfielder Mookie Betts mit 32, 2017 haben bisher 3B Nolan Arenado (Rockies) und SS Addison Russell (Cubs) mit je 8 DRS die Nase vorn. Die Karriererangliste seit Beginn der Darstellung 2002 führt wie bei UZR auch hier Adrian Beltre an mit 206 DRS. Die beste Einzelsaison hatte OF Kevin Kiermaier (Rays) mit 42 DRS im Jahr 2015.

    Defensive Wins Above Replacement
    Das bekannteste Maß, die Qualität eines Baseballspielers vollständig in einem einzigen Wert auszudrücken, sind Wins Above Replacement (WAR), deren Grundprinzip ich hier mal erklärt habe. WAR berücksichtigt sowohl die defensiven als auch die offensiven Leistungen eines Spielers, bietet aber auch die Möglichkeit, die beiden Komponenten getrennt voneinander zu betrachten. Der defensive Teil von WAR (dWAR) basiert dabei im Wesentlichen auf den beiden gerade vorgestellen Werten. Von den beiden wichtigsten Statistikseiten verwendet Fangraphs UZR für seine Version von WAR, während Baseball Prospectus auf DRS setzt.
    Die besten Feldspieler einer MLB-Saison bringen es in der Regel auf 3 bis 5 dWAR. Im Vergleich dazu landen die besten Batter eines Jahres meist bei 7 bis 10 oWAR.
    Rays-OF Kevin Kiermaier führte zuletzt zwei Jahre in Folge, 2015 und 2016, mit 5,0 und 2,9 die dWAR-Rangliste der MLB an. 2017 führt bislang SS Addison Russell (Cubs) mit 1,0 dWAR. Die meisten dWAR in einer Karriere gelangen dem legendären Shortstop Ozzie Smith mit 43,4. Bester Aktiver in dieser Liste ist einmal mehr Adrian Beltre mit 27,1 dWAR. Die besten Einzelsaisons hatten mit jeweils 5,4 dWAR in zwei sehr unterschiedlichen Ären Terry Turner im Jahr 1906 und Andrelton Simmons 2013.

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