Category: Pitching

Januar 12th, 2019 by Silversurger

Letzte Woche ging es an dieser Stelle um die Auswahl der Pitches. Sie ist eine der beiden großen taktischen Herausforderungen beim Pitching. Die andere besteht in der Entscheidung des Managers, wann und wie lange die vorhandenen Pitcher eingesetzt werden.

In den frühen Jahrzehnten der Baseballgeschichte stellte sich diese Frage kaum. Es gab wie heute eine Rotation aus mehreren Starting Pitchern, die sich von Spiel zu Spiel abwechselten – wobei es damals meistens drei bis vier Starter waren, während heute fünf üblich sind. Vom jeweiligen Starting Pitcher wurde erwartet, dass er das komplette Spiel absolvierte. Gewechselt wurde nur, wenn der Starter sich verletzte oder wenn seine Leistung nicht stimmte. Das änderte sich mit der Zeit mehr und mehr. Complete Games wurden immer seltener und sind inzwischen geradezu eine Rarität.

JahrComplete GamesAnteil
1898160987,4%
1918128063,0%
1938109044,6%
195874330,1%
1978103424,6%
19983026,2%
2018420,9%

Üblicherweise wird der Starter heute spätestens nach 100 bis 120 Pitches gegen einen Relief Pitcher ausgewechselt. Das ist meistens nach fünf bis sieben Innings der Fall. Für die Entwicklung hin zu kürzeren Starts sprechen zwei wichtige Argumente: Erstens ist man zunehmend zu der Einsicht gelangt, dass bei einem hohen Pitch Count die Belastung der Muskeln und Gelenke so hoch wird, dass die Effektivität der Pitches ab- und das Verletzungsrisiko für den Pitcher zunimmt. Zweitens zeigt die Erfahrung, dass die Batter umso leichteres Spiel haben, je öfter sie einem bestimmten Pitcher gegenüberstehen, weil sie sich auf diesen einstellen und in einen Rhythmus finden. Aus Sicht des verteidigenden Teams ist es daher sinnvoll, einen Wechsel vorzunehmen, nachdem der Starter zwei- bis höchstens dreimal durch das Batting Lineup gepitcht hat.

Einhergehend mit der Tendenz zu kürzeren Starts hat sich auch die Rolle der Relief Pitcher verändert. Waren sie früher schlichtweg Ersatzleute, die wenn nötig für den Starter einsprangen und das Spiel zu Ende pitchten, handelt es sich heute um Spezialisten für besondere Aufgaben und Situationen. Hier einige typische Rollen, die Relief Pitcher ausfüllen:

– Long Reliever. Er übernimmt für mehrere Innings, falls der Starter mal besonders früh ausgewechselt werden muss. In der Regel füllt diese Rolle ein Pitcher aus, der selbst Erfahrung als Starter hat und auch von Anfang an einspringen kann, wenn zum Beispiel durch Verletzungen mal eine Lücke in der Starting Rotation entsteht.

– Middle Reliever. Pitcht in der Regel ein oder zwei Innings, bevor das Spiel in die Endphase geht. Übernimmt gegebenenfalls auch mal ein spätes Inning, wenn das Spiel ohnehin weitgehend entschieden ist und man die Top-Reliever schonen will.

– LOOGY. Der Lefty-One-Out-GuY ist Spezialist für linkshändige Batter. Da im gegnerischen Lineup selten mehr als einer oder zwei davon hintereinander an der Reihe sind, ist der Auftritt des LOOGY meistens von kurzer Dauer.

– Setup-Man. In der Regel der zweitbeste Reliever der Mannschaft. Sein Job ist es, spät im Spiel – meistens im achten Inning – einen engen Spielstand zu verteidigen.

– Closer. Der zuverlässigste Reliever im Team hat die Aufgabe, das Spiel zu Ende zu bringen, vor allem wenn es sich um eine Save-Situation handelt, es also eine knappe Führung zu retten gilt.

Eine neue Entwicklung ist die Rolle des Openers. Gemeint ist damit, dass ein Pitcher das Spiel beginnt, dessen Start von vornherein nicht für einen längeren Auftritt ausgelegt ist. Die damit verbundene Taktik nennt sich Bullpenning. Anstelle des üblichen Starter-Reliever-Modells wird beim Bullpenning von Anfang an alle ein, zwei Innings der Pitcher gewechselt. Bislang handelt es sich bei dieser Art des Pitcher-Einsatzes um eine Ausnahme, aber der Trend scheint das Potenzial zu haben, sich auszuweiten. Begonnen wurde er in der vergangenen Saison von den Tampa Bay Rays und er fand direkt einige Nachahmer. Von den Oakland Athletics und den Milwaukee Brewers wurde er bereits bis in die Playoffs getragen.

Bei der Entscheidung, welcher konkrete Pitcher zum jeweiligen Zeitpunkt eingewechselt wird, kommt es neben der beschriebenen Rollenverteilung stark auf den Spielstand an. Je deutlicher die Partie bereits in die eine oder in die andere Richtung entschieden ist, desto mehr tendieren die Manager dazu, ihr schwächeres Personal einzusetzen und dieses verhältnismäßig lange im Spiel zu lassen. In engeren Spielen hingegen schaut man sehr genau auf jedes einzelne Matchup und setzt immer den Reliever ein, der gerade die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit für die nächsten ein bis drei Outs gewährt. Eine typische Matchup-Entscheidung ist, dass bevorzugt linkshändige Pitcher gegen linkshändige Batter eingesetzt werden. Bei gleichhändigen Matchups haben Pitcher den Vorteil, dass Breaking Balls sich vom Batter weg bewegen und somit schwerer zu schlagen sind als wenn die Bewegung in die andere Richtung geht. Die Händigkeit ist aber bei weitem nicht das einzige relevante Kriterium, um ein vorteilhaftes Matchup zu finden. Die Teams nutzen den riesigen Datenfundus, den es über jeden Spieler gibt, um Stärken und Schwächen aller Art aufzudecken und zu nutzen. Das kann zum Beispiel sein, dass Batter X Probleme mit Curveballs hat, dass Pitcher Y gut darin ist, Power Hitter auf Groundballs zu beschränken oder dass Runner Z regelmäßig Bases stiehlt, wenn ein Pitcher mit etwas langwierigerer Wurfbewegung auf dem Mound steht.

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Januar 5th, 2019 by Silversurger

Gleich die erste Anregung im diesjährigen Offseason-Wunschkonzert bestand in der Bitte, dass ich etwas über Taktiken im Baseballspiel schreiben soll. Das Thema gefällt mir gut und nachdem ich mich nun eine Weile damit auseinander gesetzt habe, beginne ich heute eine Reihe von voraussichtlich fünf oder sechs Artikeln dazu. Den Anfang machen Taktiken beim Pitching. Zunächst gehe ich der Frage nach, von wem und nach welchen Kriterien entschieden wird, welcher Pitch in welcher Situation geworfen wird. Im nächsten Artikel – voraussichtlich in einer Woche – beschäftige ich mich mit dem Einsatz der Pitcher vom Starter bis zum Closer.

Als Einstiegslektüre empfehle ich die Erläuterung der verschiedenen Pitcharten, die vor zwei Jahren ebenfalls als Artikelserie in diesem Blog veröffentlicht wurde. Ich habe damals acht häufig verwendete Pitches vorgestellt. In der Regel hat ein professioneller Pitcher ein Arsenal von drei bis vier davon im Repertoire. Neben der Art des Pitches ist dessen Platzierung die zweite Variationsmöglichkeit, über die man als Pitcher verfügt. Jeder Pitch zielt auf eine bestimmte Stelle innerhalb oder außerhalb der Strikezone. Der Verlauf eines Basesballspiels hängt ganz wesentlich davon ab, ob es dem Pitcher gelingt, seine Würfe so auszuwählen, dass er die Batter überraschen und verwirren kann, oder ob er für den Gegner durchschaubar ist.

Die Entscheidung, welcher Pitch geworfen und wohin er gezielt wird, wird vom Pitcher gemeinsam mit dem Catcher getroffen. Die beiden verständigen sich über verdeckte Zeichen: Der Catcher macht per Fingerzeig einen Vorschlag, den der Pitcher entweder akzeptiert oder durch ein Kopfschütteln ablehnt, um einen neuen Vorschlag zu erhalten. Üblicherweise steht ein Finger für einen Fastball, zwei Finger signalisieren einen Curveball, drei einen anderen Breaking Ball (zum Beispiel einen Slider), vier einen Changeup. Hinzu kommt ein Zeichen, auf welche Seite und welche Höhe der Pitch zielen soll. Häufig gibt es hierzu auch Vorgaben des Managers oder des Pitching Coaches. Diese werden dem Catcher vom Dugout aus per Zeichen übermittelt und von ihm an den Pitcher weitergegeben. Dafür ist ein etwas ausgefeilteres System von Signalen nötig, damit diese von den gegnerischen Battern, Runnern und Basecoaches nicht verstanden werden. Das könnte zum Beispiel so aussehen: Ein Streichen des Managers über seinen rechten Arm bedeutet, dass er einen hohen Fastball sehen will. Er verpackt diese Vorgabe, indem er vorher und nachher ein paar andere Bewegungen macht, aber der Catcher weiß, dass nur die Anweisung zählt, die der Manager direkt nach einem Griff an die Nase gibt. Wenn er sich anschließend an den Schirm seiner Kappe greift, sind alle vorherigen Anweisungen aufgehoben und es folgt ein neues Signal. Berührt er irgendwann während der Sequenz sein linkes Ohr, so ist unabhängig von allen anderen Zeichen noch einmal der gleiche Pitch zu werfen wie der letzte.

Welcher Pitch letztlich gewählt wird, hängt von diversen Faktoren ab. Einer davon sind die Stärken und Vorlieben des jeweiligen Pitchers. Jeder Pitcher möchte Outs erzielen, aber manchen gelingt das bevorzugt über Groundballs, während andere stärker auf Strikeouts und wieder andere mehr darauf zu setzen, leicht zu fangende Pop-Ups zu verursachen.

Neben den persönlichen Voraussetzungen des Pitchers spielt bei der Entscheidung für einen Pitch primär die  Spielsituation eine Rolle – der aktuelle Count, die Anzahl der Outs und der Baserunner, die bekannten Tendenzen des Batter usw. Um ein paar konkrete Beispiele zu nennen:

– Mit einem Runner auf der ersten Base und weniger als zwei Outs wünscht man sich einen Groundball, aus dem sich ein Doubleplay produzieren lässt. Dazu braucht es einen niedrigen Pitch, bei dem der Schläger die obere Hälfte des Balls trifft. Es bietet sich ein Curveball oder ein Sinker an.

– Schlägt der Batter gegen den Wind und hat daher kaum Chancen auf einen Homerun, so könnte der Pitcher darauf abzielen, dass der Ball tief getroffen wird, um hoch in die Luft zu fliegen. Dafür eignet sich ein hoher Fastball.

– Wenn ein schneller Runner vorhanden ist, der eine Base stehlen könnte, will der Catcher den Ball möglichst schnell und sicher empfangen. Es bietet sich ein Fastball an, nicht zu tief und nicht zu nah am Batter.

– Mit einem Count von 3-0 (3 Balls, 0 Strikes) oder 3-1 möchte man das Risiko vermeiden, einen weiteren Ball und damit einen Walk zuzulassen. Daher wählt man einen Pitch, den man gut kontrollieren kann, und zielt damit klar in die Strikezone.

– Steht der Count hingegen bei 0-2, so kann man sich ohne weiteres einen Ball erlauben, während der Batter keinen weiteren Strike riskieren darf. Es bietet sich ein Pitch an, der bewusst die Strikezone verfehlt, ihr aber nahe genug kommt, um den Batter zu einem Schwung zu verführen.

In den aufgeführten Beispielen scheint relativ klar zu sein, welcher Pitch jeweils sinnvoll ist. Nun kommt aber erschwerend hinzu, dass jede der angestellten Überlegungen auch dem Batter und seinen Kollegen bewusst ist. Der Pitcher muss daher nicht nur die Spielsituation berücksichtigen, sondern auch die bestehenden Erwartungen und Erwartungserwartungen. Er muss häufig genug einen anderen als den auf der Hand liegenden Pitch wählen, damit der Batter sich nie zu sicher sein kann.

Einen Sonderfall stellt eine Spielkonstellation dar, in der ein Walk aus Sicht des Pitchers das geringste Übel darstellt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein besonders starker Batter am Schlag ist und nach ihm eine vermeintlich leichtere Aufgabe wartet. Oder wenn die zweite Base besetzt, die erste aber frei ist. In dem Fall erhöht man die Chancen, im Infield ein leichtes Out oder auch zwei zu erzielen, indem man den Batter auf die erste Base lässt. Das kann man ganz offen tun, indem man einen Intentional Walk signalisiert: Der Manager hält vier Finger in die Höhe, woraufhin der Umpire den Batter direkt zur Base schickt. Oder man wählt die Variante “half-intentional” – das heißt, man wirft bewusst Pitches außerhalb der Strikezone und überlässt es dem Batter, ob er das Geschenk annimmt oder sich an einem wenig aussichtsreichen Schwung versucht.

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Februar 28th, 2017 by Silversurger

Heute geht es um den Knuckleball. Dieser besondere Pitch wird von den meisten Pitchern fast nie, von wenigen Spezialisten hingegen fast ausschließlich geworfen.

Im Gegensatz zu allen bisher vorgestellten Pitches, die sich im Fluge rückwärts (Fastball), vorwärts (Curveball) oder seitwärts (Slider) drehen, weist ein korrekt geworfener Knuckleball minimale bis gar keine Rotation auf. Das macht ihn zum einen recht langsam, sogar langsamer als alle anderen Pitches: Ein durchschnittlicher Knuckleball in der MLB-Saison 2016 wies eine Geschwindigkeit von 74,5 mph (120 km/h) auf; das waren 18 mph weniger als ein Fastball und immer noch gut 3 mph weniger als ein Curveball. Zum anderen setzt die Abwesenheit von Rotation den Ball einer kaum vorhersagbaren Luftströmung aus; es entsteht das, was man auf Deutsch (zum Beispiel im Fußball) als „Flatterball“ bezeichnet. Der Ball bewegt sich nicht unbedingt mehr als ein „normaler“ Pitch, aber eben in unberechenbarer Art und Richtung. Das macht ihn zu einer schwierigen Angelegenheit für alle Beteiligten: natürlich für den Batter, aber auch für den Pitcher beim Treffen der Strikezone, den Catcher beim Fangen und den Umpire bei der Beurteilung von Balls und Strikes.

Der Griff des Knuckleballs mag für den einen oder anderen etwas überraschend sein, denn anders als der Name nahelegt, wird der Ball meistens nicht mit dem Knöchel (knuckle) gehalten sondern mit den Fingerspitzen. Tatsächlich war es früher üblich, den Knuckleball tatsächlich mit den Knöcheln zu werfen, doch der Fingerspitzengriff hat sich schon lange durchgesetzt. Die häufigste Form des Knuckleballs wird mit den Spitzen von Zeige- und Mittelfinger oben auf der Naht und dem stabilisierenden Daumen von unten gegriffen (two-knuckle grip). Eine Alternative ist der three-knuckle grip, bei dem zusätzlich die Spitze des Ringfingers verwendet wird. Die Armbewegung ist vergleichbar mit der beim Werfen eines Fastballs, aber beim Release bleibt das Handgelenk oben und der Ball wird mit den Fingerspitzen nach vorne geschnippt.

Hall of Famer Hoyt Wilhelm demonstriert seinen Knuckleball-Griff1

Wie eingangs erwähnt ist der Knuckleball ein sehr seltener Pitch. Nur 0,6% aller 2016 in der MLB geworfenen Pitches waren Knuckleballs und die verteilten sich auf lediglich acht von 742 in der Saison eingesetzten Pitchern. Selbst diese Zahl ist noch eine Übertreibung, denn fünf dieser acht waren Positionsspieler, die nur einmalig als Notnagel auf den Mound stiegen. Bleiben nur drei: Karriere-Minor-Leaguer Eddie Gamboa, der für die Rays 13.1 Innings lang MLB-Luft schnuppern durfte, sowie die beiden momentan einzigen etablierten Knuckleballer der Liga, R. A. Dickey (Toronto Blue Jays, jetzt Atlanta Braves) und Steven Wright (Boston Red Sox).

Knuckleballer waren im modernen Baseball immer eine Ausnahmeerscheinung. Das liegt zum einen daran, dass der Knuckleball sehr schwer zu kontrollieren ist und es nur wenige Pitcher schaffen, ihn so sehr zu meistern, dass sie nicht ständig Walks und Hit-by-Pitches provozieren. Zum anderen benötigt ein Knuckleballer auch das richtige Umfeld, um seine Kunst zeigen und weiterentwickeln zu können – die meisten Coaches, Scouts und Catcher sind schlichtweg nicht eingestellt auf diesen Pitch, der so ganz anders ist als alle anderen. Knuckleballer, die es in die Hall of Fame geschafft haben, waren Jesse Haines, Phil Niekro sowie der oben abgebildete Hoyt Wilhelm.

Dies war der vorerst letzte Teil der Serie über Pitcharten. Wenn sie euch gefallen hat, sagt es weiter; wenn euch etwas gestört hat oder ihr etwas vermisst habt, sagt es mir. Ich für meinen Teil habe durch die Recherche eine Menge gelernt und mir ist schon bei den ersten Partien des Spring Trainings aufgefallen, dass das erweiterte Wissen über die verschiedenen Pitches meine Wahrnehmung des Spiels verändert hat.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: unbekannt

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Februar 21st, 2017 by Silversurger

Im vorletzten Teil der Serie über Pitcharten geht es um den Changeup – manchmal auch mit Bindestrich als „Change-Up“ geschrieben oder der Kürze halber nur als „Change“.

Der Changeup sieht aus wie ein Fastball, ist aber keiner. Mit durchschnittlich 83,6 mph (134,5 km/h) in der vergangenen Saison ist der Changeup zwar schneller als ein Curveball oder ein Knuckleball, aber auch deutlich langsamer als ein Fastball und genau darauf kommt es an. Der Batter soll denken, dass er einen Fastball bekommt und bis er merkt, dass der Ball viel langsamer fliegt, ist sein Timing bereits ruiniert. „Viel langsamer“ heißt in dem Fall, dass der Ball ungefähr eine Zwanzigstelsekunde schneller auf Höhe der Homeplate ist als der erwartete Fastball – klingt wenig, ist im Ergebnis aber oft der Unterschied zwischen Homerun und Foulball.

Der Changeup kommt fast immer im Zusammenhang mit einem oder mehreren Fastballs zum Einsatz. Eine typische Situation ist zum Beispiel, dass der Batter gerade bei einem Fastball etwas zu spät am Ball war und ihn verfehlte oder foulte. Nun nimmt er sich ganz fest vor, beim nächsten Pitch schneller zu sein. Der Pitcher ahnt das und serviert ihm einen Changeup, woraufhin der Batter viel zu früh schwingt oder die Bewegung gleich ganz abbricht.

Entscheidend für einen erfolgreichen Changeup ist, dass die Illusion eines Fastballs möglichst lange aufrecht erhalten wird. Die Armbewegung des Pitchers und die Flugbahn des Balles sollten daher identisch zum Fastball sein. Der Pitcher sollte dabei niemanden sehen lassen, wie er den Ball greift, denn im Griff liegt der deutliche Unterschied zum Fastball. Der üblichste Griff ist der hier abgebildete mit allen fünf Fingern und relativ tief in der Hand, wodurch der Pitch automatisch langsamer wird.

Griff eines Changeups1

Eine Variante stellt der sogenannte Circle Changeup dar. Der Griff unterscheidet sich vom normalen Changeup dadurch, dass Daumen und Zeigefinger sich berühren und an der Seite des Balls einen Kreis formen. Dadurch bricht die Flugbahn des Pitches mehr oder weniger deutlich zur Handseite des Pitchers aus, also bei einem Rechtshänder nach rechts.

Griff eines Circle-Changeups2

Da der Changeup typischerweise davon lebt, als überraschende Abwechslung eingesetzt zu werden, wird dieser Pitch von den meisten Pitchern nicht allzu häufig benutzt. Kein qualifizierter MLB-Pitcher verwendete den Changeup 2016 öfter als 45%, unter den Startern war Marco Estrada mit 28,6% bereits Spitzenreiter. Insgesamt waren in dieser Saison 11,5% aller Pitches Changeups.

Über die historische Entwicklung des Changeups kann man nicht viel sagen, jedenfalls nicht in der Art, dass sich ein Erfinder oder eine bestimmter Zeitpunkt benennen ließe. Gebräuchlich wurde der Begriff wohl ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, aber es wurden auch früher schon Pitches geworfen, die weder Fastball noch Breaking Ball waren. Man nannte solche Pitches „Slow Ball“ und es dürfte sich bei ihnen in aller Regel um das gehandelt haben, was wir heute als Changeup bezeichnen. Pitcher, die mit einem sehr guten Changeup berühmt wurden, sind beispielsweise Pedro Martinez und Trevor Hoffman.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)

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Februar 14th, 2017 by Silversurger

In der Serie über Pitcharten stelle ich heute einen weiteren Breaking Ball vor, den sogenannten Slider. Der Slider ist in mehrerlei Hinsicht zwischen dem Curveball und dem Cutter angesiedelt. Er wird von vielen Pitchern als sekundärer Pitch neben dem Fastball verwendet und dient häufig als Strikeout-Pitch.

Die Flugbahn des Sliders vereinigt die beiden Hauptmerkmale des Cutters und des Curveballs: Der Ball bricht sowohl zur Handschuhseite des Pitchers als auch nach unten hin aus, also bei einem rechtshändigen Pitcher nach unten links und bei einem linkshändigen Pitcher nach unten rechts. Während der Cutter als Unterart des Fastballs während des Fluges rückwärts rotiert (Backspin) und der Curveball vorwärts (Topspin), ist die entscheidende Drehrichtung des Sliders seitwärts (Sidespin). Ein effektiver Slider bricht spät aber deutlich aus der geraden Flugbahn aus und bringt damit den Batter dazu, daneben zu schwingen oder schlecht zu treffen. Bricht der Ball zu früh aus der Bahn, kann der Batter seinen Schlagansatz anpassen bzw. den Ball passieren lassen. Bricht er hingegen zu schwach aus und kommt in der Mitte der Strikezone an, wird der Ball zur leichten Beute des Batters.

Der Griff beim Werfen eines Sliders ist dem des Curveballs sehr ähnlich: Mittel- und Zeigefinger platzieren sich oben an einer Naht des Balles, der Daumen unten an der schräg gegenüber liegenden Naht. Der Druck sollte auf dem äußeren Drittel des Balles liegen, das heißt primär von Zeigefinger und Daumen ausgehen. Das Handgelenk wird dabei meist leicht zur Daumenseite hin gebeugt, aber nicht gedreht. Auch beim Release sollte das Handgelenk keine (seitliche) Drehung aufweisen sondern nur ein Schnappen von oben nach unten, während die Rotation des Pitches vom Druck des Zeigefingers verursacht wird.

Griff eines Sliders1

Auch hinsichtlich der Geschwindigkeit ordnet sich der Slider zwischen Curveball und Fastball bzw. Cutter ein. Im Durchschnitt war ein Slider in der MLB-Saison 2016 84,1 mph (135 km/h) schnell. Mit 15,2% war der Slider der am häufigsten verwendete Nicht-Fastball. Ein Großteil der MLB-Pitcher hat ihn im Repertoire, aber nur sehr wenige benutzen ihn als ihren Hauptpitch. Routinier Chris Young war 2016 der einzige Starter, der mehr Slider (50,6%) warf als andere Pitches. Unter den Relievern gab es ein paar mehr Slider-Spezialisten, zum Beispiel Sergio Romo (63,5%), Andrew Miller (60,6%) und Dellin Betances (56,6%).

Wann und von wem der Slider erfunden wurde ist umstritten, aber der erste Pitcher, der es mit diesem Pitch oder zumindest dessen Vorläufer (man nannte ihn damals Nickel Curve) zu Erfolg und Berühmtheit brachte, war Chief Bender in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Später wurden Steve Carlton, Larry Andersen und Randy Johnson zu Namen, die man mit erfolgreichen Slidern verbindet. Heute gelten die Slider von Jake Arrieta, Noah Syndergaard und Clayton Kershaw als besonders gefürchtet – wobei es sicher kein Zufall ist, dass es sich dabei durchweg um Pitcher handelt, die auch einen berüchtigten Fastball werfen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)

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Februar 7th, 2017 by Silversurger

Nachdem es in den ersten vier Folgen dieser Serie ausschließlich um Pitches ging, die sich mehr oder weniger dem Oberbegriff „Fastball“ unterordnen lassen, kommen nun die anderen Pitches zum Zuge und zwar als erstes der Curveball.

Ein Curveball hält genau das, was der Name verspricht: Seine Flugbahn weist einen ausgeprägten Bogen nach unten auf; je nach Technik des jeweiligen Pitchers kann auch eine horizontale Bewegung in Richtung von dessen Handschuhseite hinzukommen. Einen Curveball, dessen Bahn ohne horizontales Element gerade von oben nach unten bricht, nennt man in Anlehnung an die Zeiger einer Uhr auch 12-6-Curveball. Dieser ist in der Regel schwerer zu schlagen als ein Curveball mit horizontaler Bewegung (der, um beim Uhrzeigervergleich zu bleiben, manchmal 11-5-Curveball oder 2-8-Curveball genannt wird).

Im Gegensatz zum mit Backspin geworfenen Fastball weist ein Curveball typischerweise Topspin auf, das heißt der Ball dreht sich während des Fluges vorwärts statt rückwärts. Zu diesem Zweck wird er deutlich anders geworfen als alle Pitches, die ich bisher beschrieben habe: Der übliche Griff besteht darin, den Mittelfinger oben auf eine Naht des Balls zu legen, den Zeigefinger direkt daneben und den Daumen von unten auf die dem Mittelfinger schräg gegenüber liegende Naht. Beim Release vollzieht der Pitcher eine abwärts schnappende Bewegung mit dem Arm und dem Handgelenk, lässt den Ball zuerst mit dem nach oben ziehenden Daumen los und unterstützt mit dem nach unten schiebenden Zeige- oder Mittelfinger den Topspin.

Griff eines Curveballs1

Ein durchschnittlicher Curveball hatte in der MLB-Saison 2016 eine Geschwindigkeit von 77,9 mph (125 km/h), was ihn (abgesehen vom Spezialistenpitch Knuckleball) zum langsamsten in der MLB üblichen Pitch macht. Für den Batter bedeutet das, dass er gegenüber einem 4-Seam-Fastball eine Zehntelsekunde mehr Zeit hat, zu reagieren. Das ist eine ganze Menge und stellt einen dementsprechend hohen Anspruch an den Pitch, die zusätzlich eingeräumte Zeit durch schlechtere Vorhersagbarkeit der Flugbahn auszugleichen. Das Ziel ist, dass der Pitch stärker nach unten ausbricht als es für den Batter zunächst aussieht. Auf diese Weise sieht der Ball entweder so aus, als ob er in der Strikezone ankommt, landet aber tiefer und verführt zu einem swinging Strike; oder er sieht so aus, als käme er zu hoch, bevor er dann doch zum called Strike in die Zone fällt. Mit diesen Charakteristika eignet sich der Curveball besonders als Strikeout-Pitch.

Den Curveball kennt man schon seit den 1870er Jahren – er wurde damals von Vielen als zwar nicht regelwidrige, aber unehrenhafte Aktion betrachtet. Diese Zeiten sind natürlich lange vorbei und heute haben die meisten MLB-Pitcher einen Curveball im Repertoire. Für fast alle von ihnen ist er ein sekundärer Pitch, der als Abwechslung zum deutlich häufiger verwendeten Fastball genutzt wird. 10,2% aller 2016 in der MLB geworfenen Pitches waren Curveballs. Die Reliever Justin Grimm, J. P. Howell und Brett Cecil sowie Starter Lance McCullers gehören zu den wenigen Ausnahmen, deren Pitchauswahl in rund 50% der Fälle auf einen Curveball fällt. Als besonders herausragend gelten unter den aktiven Pitchern die Curveballs von Dodgers-Star Clayton Kershaw und die der Youngster Aaron Nola von den Phillies und Seth Lugo von den Mets. Letzterer führt seit dem 30. August 2016 mit 3498 Umdrehungen pro Minute die Rangliste der höchsten Drehzahlen eines Curveballs an. Historische Pitcher, die für ihren Curveball gerühmt wurden, sind Bob Feller, Sandy Koufax und Dwight Gooden.

Flugbahn eines Curveballs2

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: AtomicRED (CC BY-SA 3.0)

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Januar 31st, 2017 by Silversurger

Heute geht es zum letzten Mal in dieser Serie um einen Pitch, der zumindest dem Namen nach als Fastball gilt. Ähnlich wie der letzte Woche vorgestellte Cutter unterscheidet sich auch der Split-Finger-Fastball – kurz Splitter – wegen der geringeren Geschwindigkeit und der gebogeneren Flugbahn deutlich von einem „echten“ Fastball und stellt eher eine Zwischenform zwischen Fastball und Breaking Ball dar.

Ein durchschnittlicher Splitter hatte in der MLB-Saison 2016 eine Geschwindigkeit von 84,5 mph (136 km/h) – rund 8 mph weniger als 4-Seamer und immer noch 3,5 mph weniger als Cutter. Der Splitter ist eine Weiterentwicklung des Forkballs. Beide werden sehr ähnlich gegriffen und geworfen, aber der Forkball fliegt noch etwas langsamer als der Splitter und ist somit eindeutig nicht mehr zu den Fastballs zu zählen. Der Splitter ist heute weitaus verbreiteter als der Forkball.

Die Flugbahn eines gut geworfenen Splitters ist zu Beginn kaum zu unterscheiden von der eines normalen Fastballs oder eines Cutters, fällt aber kurz vor Erreichen der Schlagzone scharf nach unten ab. Mit diesen Eigenschaften ist der Splitter in erster Linie ein Groundball-Pitch, der besonders in Double-Play-Situationen seine volle Wirksamkeit entfalten kann. Durch das späte Absacken des Balls trifft ihn der Schläger oft in der oberen Hälfte und produziert einen Kullerball, der sich von der Defense für ein einfaches Aus oder auch zwei nutzen lässt.

Beim Griff eines Splitters legt man Zeige- und Mittelfinger an die Außenseite der Nähte und hält den Ball fest in der Hand. Aus dieser Haltung heraus wird der Splitter wie ein 2-Seamer mit gestrecktem, von oben schwingendem Arm geworfen. Der Forkball wird im Prinzip genauso gegriffen, nur dass man den Ball noch etwas mehr zwischen Zeige- und Mittelfinger rutschen lässt, sodass diese nicht mehr außen an den Nähten sondern an der Mitte des Balls platziert sind. Durch den „tieferen“ Griff und ein zusätzliches Schnappen des Handgelenks beim Loslassen ist der Forkball etwas langsamer als der Splitter, weist dafür aber mehr Bewegung auf.

Griff eines Splitters1

Griff eines Forkballs2

Der Forkball ist ein eher historischer Pitch, der ab den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts an Popularität gewann und von der zunehmenden Verbreitung des Splitters in den 80ern mehr oder weniger abgelöst wurde. Durch die sparsamere Handgelenksbewegung ist der Splitter für den Arm des Pitchers nicht ganz so anstrengend wie der Forkball. Dennoch steht auch der Splitter in der Kritik, auf Dauer zu Schulter- und Ellbogenproblemen zu führen und bei übermäßiger Verwendung der Fastball-Geschwindigkeit des Pitchers zu schaden. Aus diesem Grund sind die Trainer mehr und mehr davon abgekommen, jungen Pitchern den Splitter beizubringen. Dementsprechend ist auch in der MLB die Nutzung des Splitters rückläufig: Nur 1,4% aller Pitches der Saison 2016 waren Splitter. Bekannte Pitcher, die häufig den Splitter verwendeten, waren Bruce Sutter, Roger Clemens und David Cone. Unter den aktiven Pitchern, die den Splitter im Repertoire haben, sind vor allem Koji Uehara und Masahiro Tanaka zu erwähnen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)

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Januar 24th, 2017 by Silversurger

In der Serie über Pitcharten bewegen wir uns langsam aber sicher weg von den „reinen“ Fastballs hin zu Zwischenformen, die gegenüber dem 4-Seamer und dem 2-Seamer weniger Geschwindigkeit und mehr Bewegung aufweisen. Eine solche Zwischenform, die aber noch als Fastball gilt und diesen deshalb im Namen trägt, ist der Cut Fastball oder kurz Cutter.

Der Cutter ist üblicherweise 2 bis 5 mph langsamer als ein klassischer Fastball. Die durchschnittliche Geschwindigkeit eines Cutters lag in der Saison 2016 bei 88,1 mph (142 km/h), die eines 4-Seamers bei 92,6 mph (149 km/h) und die eines 2-Seamers bei 91,9 mph (148 km/h). Die ideale Flugbahn eines Cutters verläuft bis kurz vor der Strikezone relativ geradlinig und bricht dann zur Handschuhseite des Pitchers (bei einem rechtshändigen Pitcher also nach links) hin aus.

Ziel des Cutters ist, dem Batter schlechten Kontakt zu verschaffen und somit entweder einen Foul Ball oder ein Groundout zu verursachen, da sich der Ball spät vom sogenannten Sweet Spot – dem optimalen Kontaktpunkt – des Schlägers weg bewegt. Insbesondere bei andershändigen Battern (z. B. Linkshändern bei rechtshändigem Pitcher) kommt es recht häufig vor, dass der Schläger durch einen Cutter zu Bruch geht, weil der Batter den Ball zwar mit voller Wucht, aber viel zu weit unten an einer dünnen Stelle des Schlägers trifft.

Ein möglicher Griff eines Cutters1


Der Griff und die Armbewegung eines Cutters sind im Prinzip die gleichen wie beim normalen Fastball, wahlweise einem 2-Seamer oder 4-Seamer. Den Unterschied macht, dass man den Ball nicht ganz zentriert hält, sondern ihn zwischen Daumen und Zeigefinger etwas weiter aus der Hand herausschauen lässt und beim Release ein wenig zusätzlichen Druck mit dem Daumen ausübt. Dies gibt dem Ball – neben der für einen Fastball üblichen Rückwärtsdrehung (Backspin) – einen leichten Seitwärtsdrall mit und zwar genau in die andere Richtung als es bei einem 2-Seamer oder Sinker der Fall ist.

Will man den Cutter mit einem bestimmten Namen verbinden, so kommt sofort der legendäre Yankees-Closer Mariano Rivera in den Sinn. Unter aktiven MLB-Spielern ist Neu-Giant Mark Melancon einer der wenigen Pitcher, die den Cutter als Hauptpitch benutzen. Für eine Reihe prominenter Pitcher wie Josh Tomlin, Corey Kluber und Jon Lester ist der Cutter ein wichtiger Sekundärpitch. Insgesamt waren 5,7% der 2016 in der MLB geworfenen Pitches Cutter.

Flugbahn eines Cutters2


1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: AtomicRED (CC BY-SA 3.0)

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Januar 17th, 2017 by Silversurger

Letzte Woche ging es im ersten Teil der Serie über Pitcharten um den 4-Seam-Fastball, den am häufigsten verwendeten Pitch. Ebenfalls recht häufig kommt eine andere Art vor, auf die man einen Fastball werfen kann: der sogenannte 2-Seam-Fastball oder kurz 2-Seamer.

Als Fastball zeichnet sich auch der 2-Seamer gegenüber anderen Pitcharten durch eine hohe Wurfgeschwindigkeit und eine relativ geradlinige Flugbahn mit rückwärts drehendem Ball aus. Im Vergleich mit dem 4-Seamer ist er jedoch sowohl etwas langsamer als auch etwas weniger geradlinig. Letzteres erschwert dem Pitcher die Kontrolle – dem Batter aber natürlich ebenfalls. Das Ziel eines 2-Seamers ist meist, den Ball im unteren Bereich der Strikezone zu platzieren und damit entweder einen Strike oder einen schwachen Groundball zu verursachen, der sich leicht in ein Aus oder gar ein Double Play umsetzen lässt.

Der 2-Seam-Fastball wird nicht von jedem Pitcher genau gleich gegriffen; gemeinsam ist allen Varianten, dass Zeigefinger und Mittelfinger jeweils auf einer Naht aufliegen. Der Gegenhalt von unten kommt entweder durch Daumen und Ringfinger oder nur durch den Daumen zu Stande. Die Armbewegung (gestreckt von oben) ist die gleiche wie beim 4-Seamer, die Finger bewegen sich aber etwas anders. Durch erhöhten Druck des Zeigefingers erzeugt man den für den 2-Seamer typischen Drall nach rechts unten bei einem rechtshändigen bzw. links unten bei einem linkshändigen Pitcher.

Griff eines 2-Seam-Fastballs1


Eine etwas kontroverse Frage ist, ob es sich beim Sinker um eine eigene Pitchart handelt oder nur um ein anderes Wort für einen 2-Seam-Fastball. Ich bin bei der Recherche auf beide Positionen gestoßen und außerdem noch auf die Zwischenposition, dass der Sinker als Unterform des 2-Seamers zu sehen ist – demnach handelt es sich vom Griff und der Art des Wurfes um einen 2-Seam-Fastball, aber Sinker nennt man ihn nur, wenn die Abwärtsbewegung überdurchschnittlich stark hervortritt. Ich lasse das einfach mal so stehen.

Abhängig vom Repertoire des jeweiligen Pitchers erfüllt der 2-Seamer unterschiedliche Funktionen. Für Strikeout-Pitcher wie Noah Syndergaard dient er als Abwechslung zum 4-Seamer, um den Batter durch die leicht andere Geschwindigkeit und Flugbahn zu überraschen. Besonders wirkungsvoll ist dies in der Regel gegen Batter, für die sich der 2-Seamer nach außen bewegt (also Linkshänder bei einem rechtshändigen Pitcher und umgekehrt). Oder er wird als Hauptpitch verwendet, was oft auf Pitcher zutrifft, die langsamer als der MLB-Durchschnitt werfen und mehr von der Bewegung des Balles leben. Das Paradebeispiel dafür ist Bartolo Colon, der trotz seines biblischen Alters von 43 Jahren und einer Velocity von deutlicher unter 90mph die Batter regelmäßig vor Rätsel stellt und zu schwachen Groundern zwingt.

Bartolo Colon wirft einen 2-Seamer2


1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Terry Foote (CC BY-SA 2.0)

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Januar 10th, 2017 by Silversurger

Als erste der verschiedenen Arten, einen Pitch zu werfen, stelle ich heute den 4-Seam-Fastball vor. Man nennt ihn auch 4-Seamer, Cross-Seam-Fastball oder Rising Fastball. Wie schon im Überblicksartikel letzte Woche erwähnt, ist der 4-Seamer der mit Abstand am häufigsten geworfene Pitch.

Der 4-Seamer lebt von hoher Geschwindigkeit bei möglichst geradliniger Flugbahn. Er wird vor allem dann eingesetzt, wenn das Ziel ein Strike ist, denn der Pitch ist für den Pitcher relativ gut kontrollierbar. Idealerweise führt er dazu, dass der Batter nicht rechtzeitig reagiert oder unter den Ball schwingt und diesen entweder verfehlt oder so schlecht trifft, dass ein einfaches Pop- oder Flyout herausspringt. Der Nachteil des 4-Seamers ist, dass er relativ anfällig für Homeruns ist.

Einen 4-Seam-Fastball greift man, indem man den hufeisenförmigen Teil der Naht nach außen (also weg vom Körper des Pitchers, zum Ringfinger der Wurfhand hin) zeigen lässt und Zeige- und Mittelfinger direkt auf der oberen Naht ruhen lässt. Der Daumen wird an der Unterseite des Balls platziert, er liegt nur an der Basis auf einer Naht und ansonsten auf dem Leder. Man hält den Ball nur mit den Fingern, nicht in der Handfläche. Der Arm schwingt beim 4-Seamer gestreckt von oben und wenn der Daumen den Ball loslässt, geben Zeige- und Mittelfinger ihm noch den Rückwärtsdrall mit, indem sie an der gegriffenen Naht nach unten rollen.

Griff eines 4-Seam-Fastballs1

Wie jeder Fastball dreht sich der 4-Seamer während des Fluges rückwärts, auf MLB-Niveau ungefähr 20- bis 40-mal pro Sekunde. Durch diesen Backspin in Verbindung mit der nur sehr geringfügig absinkenden Flugbahn, entsteht für den Batter mitunter der optische Eindruck, die Flugbahn wäre sogar ansteigend. Das ist dann der sogenannte Rising Fastball – wie gesagt nur ein optisches Phänomen, ein tatsächliches Ansteigen des von oben (overhand) geworfenen Balles ist physikalisch unmöglich.

Der schnellste 4-Seamer – und gleichzeitig der schnellste Pitch überhaupt –, der in der MLB gemessen wurde, stammte von Aroldis Chapman und war 105,1 mph schnell; das sind 169,14 km/h. Chapman steht mit dieser Leistung aus dem Jahr 2010 im Guinness Buch der Rekorde und er ist über die Jahre hinweg nicht langsamer geworden: 2016 stellte er seinen Rekord ein und die Liste der schnellsten Pitches dieser Saison ist so stark durch ihn dominiert, dass die Kollegen von Statcast freundlicherweise einen „Champman-Filter“-Button hinterlegt haben, damit man auch mal die Namen von ein paar anderen Flamethrowern sieht. Viel nützt das allerdings nicht, denn wenn man Chapman ausblendet, zeigt die Liste weiterhin fast ausschließlich einen einzigen Namen, nämlich Mauricio Cabrera von den Atlanta Braves. Chapman und Cabrera sind die einzigen Pitcher, die es 2016 auch im Durchschnitt all ihrer 4-Seamer auf über 100 Meilen pro Stunde brachten. Noch beeindruckender finde ich allerdings die Leistung von Noah Syndergaard: Er ist mit einem durchschnittlich 98,3 mph schnellen 4-Seamer der am härtesten werfende Starting Pitcher in der MLB – und somit der einzige, der dieses Niveau regelmäßig nicht nur über ein oder zwei Innings hält, sondern über sechs oder sieben.

Flugbahn eines 4-Seam-Fastballs2

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: AtomicRED (CC BY-SA 3.0)

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