Category: MLB

Dezember 13th, 2018 by Silversurger

Die Winter-Meetings der Teamverantwortlichen in Las Vegas sind heute noch in vollem Gange und alles wartet auf die großen Trades – Realmuto, Syndergaard, Kluber, Andujar sind nur ein paar der Namen, die offenbar heiß gehandelt werden, aber noch keine Abschlüsse hervorgebracht haben. Eine Menge Abschlüsse gab es diese Woche hingegen bereits auf dem Free-Agent-Markt. Charlie Morton, Andrew McCutchen, Jeurys Familia und einige mehr haben ein neues Zuhause gefunden. Leider gab es auch eine sehr traurige Nachricht, die ich ganz am Ende des Artikels aufgreife.

Die Orioles haben einen neuen Manager
Die Entscheidung der Baltimore Orioles für einen neuen Manager kommt relativ spät in der Offseason. Das erklärt sich dadurch, dass sie bei ihrem kompletten Neustart erst vor wenigen Wochen einen neuen General Manager, Mike Elias, eingestellt haben. Die eigentliche Suche nach einem Nachfolger für Buck Showalter ging danach durchaus zügig vonstatten. Brandon Hyde galt schnell als wahrscheinlicher Kandidat und wurde gestern offiziell als Manager der Orioles vorgestellt. Der 45-Jährige bringt bereits 14 Jahre Coaching-Erfahrung mit, war Minor-League-Manager und Bench Coach bei den Miami Marlins und zuletzt Bench Coach der Chicago Cubs. Hyde war bereits bei den Blue Jays, den Twins und den Angels in der engeren Auswahl gewesen, als diese früher in der Offseason ihre Managerposten neu besetzten. In Baltimore übernimmt er ein Team in ziemlich katastrophalem Zustand, aber solch eine Situation ist für einen Neuling ja immer auch eine Chance.

Morton, Familia und weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Drei Pitcher aus meiner Top-20-Liste der diesjährigen Free Agents haben sich mit neuen oder alten Teams geeinigt. Charlie Morton, bisher bei den Astros, unterschreibt für zwei Jahre bei den Tampa Bay Rays. Mit einer Gehaltszusage von 30 Millionen Dollar haben sich die Rays für ihre Verhältnisse weit aus dem Fenster gelehnt. J. A. Happ bleibt unterdessen bei den New York Yankees; er unterschreibt ebenfalls für zwei Jahre und erhält dafür 34 Millionen Dollar. Darüber hinaus haben die Yankees die Option auf ein drittes Jahr für weitere 17 Millionen. Auch die New York Mets sichern sich die Dienste eines alten Bekannten: Reliever Jeurys Familia kehrt von seinem kurzen Ausflug nach Oakland für drei Jahre und 30 Millionen Dollar zurück nach Queens.

Einen weiteren hochkarätigen Free Agent haben die Philadelphia Phillies mit Outfielder Andrew McCutchen an Land gezogen. Der 32-Jährige erhält 50 Millionen Dollar für die nächsten drei Jahre, ein viertes Jahr ist optional für den Klub.

Weitere nennenswerte Verpflichtungen dieser Woche waren: Reliever Joe Kelly (3 Jahre, 25 Millionen) zu den Dodgers; Starting Pitcher Lance Lynn (3 Jahre, 30 Millionen) zu den Rangers; Outfielder Billy Hamilton (1 Jahr, 5,25 Millionen plus Option) zu den Royals; First Baseman Justin Bour (1 Jahr, 2,5 Millionen) zu den Angels; Shortstop Jordy Mercer (1 Jahr, 5,25 Millionen) zu den Tigers.

Roark von Washington nach Cincinnati
Der Vorname Tanner ist meines Wissens gar nicht so häufig, aber den Washington Nationals und den Cincinnati Reds ist es gelungen, einen Trade einzufädeln, bei dem ein Tanner (Roark) gegen einen anderen Tanner (Rainey) getauscht wird. Der 32-jährige Roark soll in Cincinnati als Mentor einer jungen Rotation dienen. Rainey ist ein Talent als Reliever, auch wenn er das bei seinen ersten acht MLB-Einsätzen, die ihm einen ERA von 24.43 einbrachten, noch nicht zeigen konnte.

White Sox ertraden Nova 
Auch die Chicago White Sox haben per Trade eine Lücke in ihrer Starting Rotation gefüllt. Ivan Nova kommt aus Pittsburgh im Austausch gegen das 19-jährige Prospect Yordi Rosario und 500.000 Dollar internationales Bonusbudget.

Phillies und Angels traden Reliever
Die Phillies und die Angels haben einen Trade durchgeführt, der mich etwas verwundert zurück lässt: Getauscht wurden die Reliever Jose Alvarez und Luis Garcia. Beide stehen noch zwei Jahre unter Teamkontrolle, beide werden 2019 ungefähr 1,7 Millionen Dollar verdienen. Allerdings brachte der 31-jährige Garcia es 2018 in Philadelphia auf einen sehr schwachen ERA von 6.07, während der 29-jährige Alvarez mit einem ERA von 2.71 der beste Reliever der Angels und obendrein ihr einziger Linkshänder war. Gut, wenn man tiefer in die Zahlen eintaucht, finden sich Hinweise, dass Garcias Werte von Pech und schlechtem Fielding seiner Mitspieler nach unten gezogen wurden. Das Bild von einem Trade, bei dem ein jüngerer, besserer Spieler gegen einen älteren, schlechteren 1:1 getauscht wird, bleibt dennoch bestehen.

Indians planen mit Carrasco – Kluber oder Bauer im Angebot
Carlos Carrasco bleibt noch lange bei den Cleveland Indians: Nachdem der Klub zum 30. Oktober bereits die Vertragsoption für 2019 gezogen hatte, einigte man sich nun auf einen neuen Vertrag, der ihm bis 2022 insgesamt 44 Millionen Dollar einbringt und weitere 14 Millionen, wenn die Indians die Option auf die Saison 2023 ausüben. Damit ist ein Pfeiler in der Indians-Rotation für die nächsten Jahre gesetzt, während zwei andere sich in der Schwebe befinden: Sowohl Corey Kluber als auch Trevor Bauer wurden in den letzten Tagen für mögliche Trades ins Gespräch gebracht, mit denen die Indians ihre Basis an Talenten verbreitern möchten.

Tulowitzki auf Teamsuche
Eine überraschende Entlassung haben am Dienstag die Toronto Blue Jays vorgenommen: Troy Tulowitzki wurde aus dem Kader gestrichen und ist frei, sich ein neues Team zu suchen. In Anbetracht dessen, dass die Blue Jays derzeit nicht konkurrenzfähig sind und sich um Verjüngung bemühen, ist die Trennung von einem 34-jährigen Shortstop verständlich. Allerdings bleiben sie dabei auf 38 Millionen Dollar sitzen, die sie Tulowitzki für die nächsten zwei Jahre vertraglich garantiert haben. Für ein anderes Team winkt nun ein Schnäppchen, denn wer Tulowitzki aufnimmt, muss ihm lediglich das Mindestgehalt von 555.000 Dollar bezahlen; um den Rest kümmern sich wohl oder übel die Blue Jays.

Napoli beendet Karriere
Noch ein paar Jahre älter als Tulowitzki ist Mike Napoli. Der 37-Jährige First Baseman – früher auch Catcher – hat nun verkündet, seine MLB-Karriere nach 13 Jahren offiziell zu beenden. Napoli stand letztes Jahr bei den Indians unter Vertrag, kam aber wegen einer Knieverletzung nicht zum Einsatz.

Top-Pick der Athletics in anderem Sport geehrt
Die Profikarriere noch vor sich hat Kyler Murray – die Frage ist allerdings noch, in welcher Disziplin. Der letztjährige Pick der Oakland Athletics in Runde 1 der Draft ist ein hochtalentierter Outfielder, allerdings auch ein ebenso hervorragender Quarterback für die Oklahoma Sooners. Als solcher wurde er nun mit der Heisman Trophy ausgezeichnet, dem Award für den besten College-Footballer des Jahres. Trotz dieser hohen Anerkennung bleibt Murray aber bislang bei seiner Ankündigung, ab nächstem Jahr Baseball für die Athletics spielen zu wollen.

Zwei Ex-MLB-Spieler bei Raubüberfall getötet
Zum Schluss noch die angekündigte Trauermeldung: Die beiden ehemaligen MLB-Profis Luis Valbuena und Jose Castillo sind letzte Woche in ihrer Heimat Venezuela bei einem Autounfall gestorben. Das wäre allein schon tragisch genug, doch wie inzwischen bekannt wurde, handelte es sich um einen absichtlich herbeigeführten Unfall. Straßenräuber hatten ein Hindernis auf der Fahrbahn platziert, um die Insassen des Fahrzeugs auszurauben. Valbuena und Castillo waren gemeinsam mit einem Teamkameraden auf der Rückfahrt von einem Spiel in der venezolanischen Winterliga gewesen. Die Führung der Liga sagte nach den schrecklichen Ereignissen den folgenden Spieltag ab und denkt nun über ein generelles Verbot von privaten Fahrten zu den Spielen nach, da Überfälle wie dieser in dem Land wohl kein Einzelfall sind.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Dezember 11th, 2018 by Silversurger

In Baltimore sind die Orioles, das momentan wohl uninteressanteste Team der MLB, zu Hause. Weder der mitleiderregende Zustand der Franchise, die dieses Jahr 115 Spiele verloren hat, noch der etwas sperrige Name „Oriole Park at Camden Yards“ können aber verbergen, dass die Heimstätte der Orioles eines der schönsten Stadien der Liga ist. Tatsächlich hat der 1992 eröffnete Ballpark so viel Zuspruch und Begeisterung ausgelöst, dass er fast allen seitdem eröffneten MLB-Stadien mehr oder weniger stark als Vorbild in Struktur und Design diente.

Geschichte
Die Orioles hatten seit ihrer Ansiedlung in Baltimore im Jahr 1954 im Memorial Stadium gespielt. Es handelte sich um ein Multisport-Stadion, das sie sich mit dem NFL-Team Baltimore Colts teilten. Die Colts zogen 1984 nach Indianapolis um, unter anderem weil die Stadt nicht bereit war, Geld für ein neues Stadion auszugeben. Das Risiko, auch die Orioles – und damit den Status als Profisport-Stadt – zu verlieren, bewirkte ein Umdenken der politisch Verantwortlichen. Die Finanzierung eines neuen Ballparks wurde genehmigt und das Architektenbüro HOK Sport (heute Populous) erhielt den Auftrag zur Planung.

1989 begann die 33-monatige Bauphase. Währenddessen wurde über den Namen des neuen Stadions diskutiert. Der damalige Teambesitzer Eli Jacobs sprach sich für „Oriole Park“ aus. Diesen Namen hatten schon fünf frühere Ballparks getragen, von denen der letzte 1944 abgebrannt war. Der Gouverneur des Staates Maryland bevorzugte „Camden Yards“ und nach langer Diskussion einigte man sich auf den zusammengesetzten Namen, den der Ballpark bis heute trägt.

Panorama aus Sicht der Third-Base-Seite (1)

Mit Baukosten von 110 Millionen Dollar war das in der Innenstadt gelegene Stadion vergleichsweise günstig. Oriole Park at Camden Yards wurde am 6. April 1992 mit dem Spiel der Orioles gegen die Cleveland Indians eröffnet. Den zeremoniellen ersten Pitch warf der damalige US-Präsident George Bush. Rick Sutcliffe pitchte einen Complete Game Shutout und die Orioles gewannenen 2:0. 1993 war Oriole Park Gastgeber des All-Star-Spiels der MLB.

2008 und 2009 wurden neue Sound- und Videoanlagen nachgerüstet. 2011 bis 2012 erfolgte eine größere Renovierung, bei der vor allem Premium-Sitze und Logen sowie das gastronomische Angebot aufgewertet wurden.

Eine unschöne Premiere erlebte Oriole Park am 29. April 2015 mit der Partie der Orioles gegen die Chicago White Sox: Zum ersten Mal in der Geschichte der MLB fand ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Grund waren Sicherheitsbedenken angesichts von gewaltsamen Unruhen in der Stadt, die auf den Tod des dunkelhäutigen Freddie Gray in Polizeigewahrsam zurück gingen.

Architektonische Auffälligkeiten
Oriole Park at Camden Yards war das erste Objekt, das von Populous in dem inzwischen sehr verbreiteten Retro-Stil umgesetzt wurde. Es setzte einen Trend, der weg ging von futuristischen Multifunktionsarenen, hin zu reinen Baseballstadien mit klassisch übereinander gestuften Tribünen, von Ziegelsteinen dominierten Außenfronten und bewusst asymmetrischen Außenfeldmaßen.

Frontansicht von Oriole Park (2)

Das Vorbild aus Baltimore war so einflussreich, dass 20 Jahre später (und bis heute) nur noch zwei Teams – Oakland und Toronto – übrig blieben, die nicht in einem reinen Baseballstadion spielen. Seit der Eröffnung von Oriole Park wurden 22 MLB-Stadien entweder neu gebaut oder umfassend renoviert. 21 davon werden den von Oriole Park geprägten Kategorien „retro-klassisch“ oder „retro-modern“ zugerechnet, mit Marlins Park in Miami als einzige Ausnahme.

Eine Besonderheit stellen zwei orangefarbene inmitten der ansonsten allesamt grünen Sitze dar. Einer befindet sich auf der Tribüne im rechten Außenfeld und markiert die Stelle, an die Orioles-Legende Eddie Murray 1996 seinen 500. Homerun schlug. Der andere im linken Außenfeld erinnert an den 278. Homerun von Cal Ripken Jr. als Shortstop, der damit 1993 einen Rekord aufstellte.

Spielbezogene Eigenheiten
Oriole Park at Camden Yards ist ein relativ vorteilhafter Ballpark für Power-Hitter, das heißt es gibt dort mehr Homeruns als im Durchschnitt. Das gilt für Batter mit beiden Händigkeiten, für linkshändige allerdings etwas mehr. Das liegt vor allem am kurzen Rightfield mit der nur 318 Fuß (97 Meter) langen Foullinie, woran auch der 25 Fuß (7,62 Meter) hohe Zaun nichts ändert. Das 400 Fuß (122 Meter) tiefe Centerfield gehört ebenfalls zu den kleineren der Liga. Das Leftfield mit 333 Fuß (101,5 Meter) Tiefe am Foulpole ist nicht ganz so klein, dafür ist der Zaun dort nur 7 Fuß (2,14 Meter) hoch.

Die Ballpark-Faktoren von ESPN zeigen, dass im Gegensatz zu Homeruns sonstige Extra-Base-Hits, also Doubles und Triples, in Baltimore seltener vorkommen als in anderen Stadien. Das ist eine häufige – und logische – Beobachtung in eher kleinen Ballparks mit entsprechend kürzeren Wegen im Feldspiel.

Wo sitzt man am besten?
Die aktuelle Erfolglosigkeit der Orioles führt dazu, dass der Ballpark oft nur zur Hälfte gefüllt ist. Das ist einerseits schade wegen der Stimmung, andererseits gibt es dadurch keine Probleme, an bezahlbare Tickets zu kommen.

In der Kategorie „Club Box“ (Blöcke 216 bis 254) bekommt man für 40 bis 80 Dollar gute Plätze auf mittlerer Höhe um das Infield herum. Wenn man etwas günstiger fahren möchte, findet man für weniger als die Hälfte des Preises Plätze genau eine Etage darüber in den Blöcken 312 bis 348.

Wer im Ballpark regelmäßig von großem Hunger und Durst heimgesucht wird, dürfte sich über das All-Inclusive-Angebot für die Picknickplätze hinter dem Bullpen im Leftfield freuen. Vom Hauptgeschehen auf dem Feld ist man zwar relativ weit weg, aber die Bistrotische füllen sich bis zum Abwinken (bzw. bis zum siebten Inning) mit Hot Dogs, Nachos, Softdrinks etc. und ab und zu kann man dort auch einen Homerunball fangen. Die Preise für diese Plätze liegen ebenfalls bei rund 40 bis 80 Dollar je nach Attraktivität der Spielpaarung und -zeit.

Homeplate-Perspektive bei Nacht (3)

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Keith Allison (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Jkinsocal (CC BY SA 3.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Brian Moran (CC BY NC 2.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

Dezember 9th, 2018 by Silversurger

Es ist mal wieder eine neue Statistik auf dem Markt. Deserved Runs Created Plus, kurz DRC+, nennt sich der von Baseball Prospectus entwickelte und diese Woche vorgestellte Indikator. DRC+ liefert eine Gesamtbeurteilung der Leistungen eines Spielers als Batter.

Als wichtigster Beitrag fließen in DRC+ die Resultate der Plate Appearances des betreffenden Spielers ein – Hits, Walks, Strikeouts, Groundouts und alles, was sonst noch passieren kann. Diese Resultate werden dann gewichtet – erstens nach der Höhe des Beitrags, den sie zur Erzielung von Runs leisten (z. B. hat ein Double einen höheren positiven Beitrag als ein Walk, ein Strikeout hingegen hat einen negativen Beitrag und in ein Doubleplay zu grounden einen noch negativeren); zweitens nach dem Ausmaß, zu dem der Batter selbst für sie verantwortlich ist (d. h. man versucht seine Eigenleistung gegenüber den Einflüssen von Zufall, Mitspielern, gegnerischen Feldspielern usw. zu isolieren); drittens nach dem Kontext, in dem sie erzielt wurden (z. B. in welchem Ballpark, gegen welchen Pitcher etc.).

Das Plus in DRC+ kennt man aus anderen Statistiken wie ERA+, OPS+ und so weiter. Es bedeutet, dass der Indikator in eine leicht lesbare Form gebracht wird, indem man einen Wert von 100 als Durchschnitt definiert. So kann man daran, ob der DRC+ eines Batters über oder unter 100 liegt, direkt ablesen, ob es sich um einen über- oder unterdurchschnittlichen Batter handelt. Als Faustregel kann man ab 120 DRC+ von einem guten und ab 145 DRC+ von einem hervorragenden Batter sprechen.

Das klingt interessant, aber natürlich stellt man sich unwillkürlich die Frage, was dieser neue Kennwert anders – und idealerweise besser – macht als bekannte Indikatoren mit vergleichbarem Anspruch, also zum Beispiel wOBA, wRC+ oder OPS+. Tatsächlich weisen alle diese Indikatoren im Vergleich miteinander sowie mit DRC+ relativ hohe statistische Zusammenhänge auf. Sie messen also weitgehend das Gleiche. Laut den von Baseball Prospectus vorgestellten Berechnungen liefert DRC+ im Vergleich mit den anderen Werten genauere Messungen, das heißt einen kleineren anzunehmenden Zufallsfehler und eine größere Vorhersagefähigkeit. Letzteres wird vor allem dadurch erreicht, dass DRC+ einen stärken Schwerpunkt als die anderen Werte darauf legt, zufällige und extern verursachte Einflüsse auf die Leistungen des Batters zu isolieren und herauszurechnen.

Es bleibt abzuwarten, ob es DRC+ gelingt, OPS+ und wRC+ als die meistzitierten Sabermetrics für Batting-Leistungen abzulösen. Der Ansatz ist in jedem Fall vielversprechend und ich bin gespannt, wie die anderen Institutionen der Baseballstatistik – vor allem Fangraphs und Baseball-Reference – auf den Vorstoß von Baseball Prospectus reagieren.

Ich möchte den Artikel natürlich nicht beenden, ohne ein paar konkrete Zahlen genannt zu haben. Der beste Batter der Saison 2018 war laut der neuen Statistik Mike Trout mit 180 DRC+ vor Mookie Betts mit 174 DRC+. Die ersten fünf Plätze der Rangliste sind fest in der Hand der American League, erst auf Rang sechs findet sich mit Christian Yelich (145 DRC+) der erste Akteur aus der National League. Historisch betrachtet war Babe Ruth mit 197 DRC+ über seine Karriere hinweg der beste Batter, gefolgt von Ted Williams (180 DRC+), Barry Bonds (175 DRC+) und Lou Gehrig (168 DRC+). Zu beachten ist, dass DRC+ bisher nur für die Zeit ab 1921 berechnet wurde; daher bleiben zum Beispiel die ersten Jahre von Babe Ruth sowie ein Großteil der Karriere von Ty Cobb unberücksichtigt.

Posted in MLB, Statistik Tagged with: , , ,

Dezember 6th, 2018 by Silversurger

Es ist mir jetzt fast ein bisschen peinlich, dass ich letzte Woche an dieser Stelle von „Saure-Gurken-Zeit“ gesprochen habe. Damit lag ich völlig daneben, denn auf dem Trade- und Free-Agent-Markt der MLB haben sich in den letzten Tagen die Ereignisse geradezu überschlagen. Dabei haben noch nicht mal die Winter Meetings angefangen. Das jährliche Treffen von Repräsentanten aller 30 Teams findet ab dem kommenden Samstag für vier Tage in Las Vegas statt. Traditionell ist das die Gelegenheit, bei der die großen Deals besprochen werden. Dieses Jahr hat sich einiges schneller entwickelt, zu einem guten Teil angetrieben durch Jerry Dipoto, den trade-eifrigen General Manager der Seattle Mariners. Man darf gespannnt sein, ob es auf den Meetings so handlungsfreudig weitergeht oder ob mit den bereits durchgezogenen Deals das Vehandlungspulver schon weitgehend verschossen ist.

Paul Goldschmidt zu den Cardinals
Ich fange mal an mit dem bisher einzigen Blockbuster-Trade des Jahres, an dem Dipoto und die Mariners nicht beteiligt waren: Paul Goldschmidt, bislang Dreh- und Angelpunkt der Offensive der Arizona Diamondbacks, geht zu den St. Louis Cardinals. Im Gegenzug wechseln Pitcher Luke Weaver, die beiden Minor Leaguer Catcher Carson Kelly und Infielder Andrew Young sowie ein Draftpick für 2019 nach Arizona. Goldschmidt ist eine deutliche Verstärkung für die Cardinals – das wäre er für jedes Team – und wird mit Matt Carpenter ein furchterregendes Duo an den Ecken des Infields bilden. Während St. Louis somit klar den Angriff auf die Spitze der NL Central wagt, scheint man sich bei den Diamondbacks eher in Richtung Neuaufbau zu orientieren. Goldschmidt ist weg, Patrick Corbin (siehe unten) ebenfalls und auch A. J. Pollocks ausgelaufener Vertrag wird wohl nicht verlängert werden.

Mets ertraden Cano und Diaz
Angefangen hatte die Woche mit dem ersten großen Trade der Seattle Mariners seit James Paxton, also seit rund zwei Wochen. Die New York Mets verstärken sich mit Second Baseman Robinson Cano und Closer Edwin Diaz. Dafür gehen Outfielder Jay Bruce, Reliever Anthony Swarzak sowie die drei Pitcher-Talente Jarred Kelenic, Justin Dunn und Gerson Bautista nach Seattle. Cano ist auf seiner Position einer der besten Spieler aller Zeiten, allerdings ist er schon 36 Jahre alt, saß dieses Jahr eine Dopingsperre ab und bringt noch fünf Jahre Vertragslaufzeit über 120 Millionen Dollar mit. Um die Kosten und das Risiko stemmen zu können, waren die Mets froh, mit Bruce und Swarzak zwei Spieler abgeben zu dürfen, die ebenfalls relativ teure Verträge haben und zuletzt die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Zudem übernehmen die Mariners noch 20 Millionen Dollar von Canos Gehalt. Die drei Prospects, vor allem Kelenic, dürften den Mets mehr weh getan haben als Bruce und Swarzak. Immerhin erhalten sie dafür mit Diaz den zurzeit besten Closer der Liga, der zudem erst 24 Jahre alt ist und noch vier Jahre unter Teamkontrolle steht.

Phillies sichern sich Segura
Nachdem sich letzte Woche die Atlanta Braves mit Josh Donaldson und Brian McCannn und diese Woche die Mets mit Cano und Diaz verstärkt hatten, wollten die Philadelphia Phillies nicht zurück stehen. Sie haben daraufhin ebenfalls einen Deal mit Seattle eingefädelt, der ihnen All-Star-Shortstop Jean Segura sowie die beiden Reliever Juan Nicasio und James Pazos einbringt. Die Mariners erhalten dafür First Baseman Carlos Santana und Shortstop J. P. Crawford. Aus sportlicher Sicht ergibt dieser Trade kaum Sinn für die Mariners – es geht für sie letztlich einzig um gesparte Gehälter. Wenn man den Vertrag von Santana gegenrechnet, ergibt sich für Seattle eine Ersparnis von über 30 Millionen Dollar.

Colome zu den White Sox getradet
Und gleich noch einer, der von der Gehaltsliste der Mariners gestrichen werden kann: Reliever Alex Colome geht von Seattle zu den Chicago White Sox. Für ihn bekommen die Mariners Catcher Omar Narvaez. Narvaez ist ein Ergänzungsspieler, der noch bis 2022 unter Teamkontrolle steht und 2019 das Mindestgehalt der MLB verdienen wird – es handelt sich also um einen weiteren Trade, der von Seattles Seite primär der Kostenreduktion dient.

Nationals holen Corbin und Gomes
Im Windschatten der aufsehenerregenden Trades dieser Woche haben die Washington Nationals sich das bisher größte Free-Agent-Signing der Offseason geleistet. Der linkshändige Starting Pitcher Patrick Corbin, in meinem Free-Agent-Ranking auf Platz drei, unterschreibt einen Sechsjahresvertrag über 140 Millionen Dollar. Die Nationals überraschen mit diesem Move. Eigentlich hatten einige Anzeichen dafür gesprochen, dass sie zu einem Rebuilding tendieren und in der NL East für die nächsten zwei, drei Jahre den Braves, den Phillies und vielleicht den Mets das Feld überlassen. Die Verpflichtung von Corbin spricht eine andere Sprache und ebenso, dass die Nationals zudem Catcher Yan Gomes für zwei Prospects von den Cleveland Indians ertradet haben. Mit vier Teams, die an die Spitze streben, könnnte die NL East die interessanteste Division der kommenden Saison werden.

Ein neuer Catcher für die Astros
Auch die Houston Astros haben sich einen neuen Catcher gegönnnt: Robinson Chirinos erhält einen Vertrag über ein Jahr und 5,75 Millionen Dollar. Chirinos ist als mittelmäßiger Batter und defensiv unterdurchschnittlicher Catcher eher der Typ Ergänzungsspieler. Für den Moment darf er sich als Teil der Startaufstellung fühlen, denn die Catcher aus dem letzten Jahr – Brian McCann, Martin Maldonado und Evan Gattis – wurden allesamt nicht weiter verpflichtet.

Garrett Richards zu den Padres
Die San Diego Padres investieren für das Jahr 2020, indem sie Pitcher Garrett Richards (bisher bei den Los Angeles Angels) einen Zweijahresvertrag über 15 Millionen Dollar geben. Das ist eine Menge Geld für einen 30-Jährigen mit ausführlicher Verletzungsgeschichte, der 2019 voraussichtlich kein Spiel absolvieren wird, nachdem er im Juli eine Tommy-John-Surgery hatte. Es ist eine Verpflichtung mit hohem Risiko, aber auch mit hohen Chancen. Denn immer wenn Richards gesund war, hat er gezeigt, dass er ein sehr guter Pitcher ist, der einem Team weiterhelfen kann.

Einige neue Free Agents
Üblicherweise steht man als Spieler in den ersten sechs Jahren seiner MLB-Karriere unter Teamkontrolle. Drei Jahre lang verdient man in der Regel das Minimum, danach wird das Gehalt im sogenannten Arbitration-Verfahren ausgehandelt – es sei denn, der Verein hat kein Interesse, den Spieler weiter zu beschäftigen. Letzten Freitag endete der Zeitraum, in dem die Teams entscheiden mussten, welchen Spielern im vierten bis sechsten Jahr sie einen Vertrag anbieten. Jene, die kein Angebot bekommen haben, sind nun Teil des Free-Agent-Marktes. Unter ihnen sind keine ganz große Namen, aber doch ein paar Überraschungen. 2B Jonathan Schoop (zuletzt Brewers), OF Billy Hamilton (Reds), IF Yangervis Solarte (Blue Jays), IF Wilmer Flores (Mets), P Mike Fiers (Athletics) und 1B Justin Bour (Phillies) sind die bekanntesten unter den „non-tendered“ Free Agents, die nun auf der Suche nach einem neuen Team sind.

Dodgers verlängern mit Dave Roberts
Nach der zweiten verlorenen World Series hintereinander waren Zweifel aufgekommen, ob die Los Angeles Dodgers an ihrem Manager Dave Roberts festhalten würden. Die Dodgers zogen dann aber doch zunächst die Option auf ein weiteres Jahr und nun haben sie sich mit Roberts auf eine langfristige Fortsetzung der Zusammenarbeit geeinigt: Vier Jahre, also bis einschließlich zur Saison 2022, soll der 46-Jährige im Amt bleiben. Die finanziellen Konditionen der Einigung wurden bisher nicht bekannt.

Eovaldi bleibt in Boston
Quasi in letzter Sekunde erfahre ich gerade, dass auch die Nummer sieben meiner Free-Agent-Liste, Nathan Eovaldi, einen neuen Vertrag in der Tasche hat. Der Pitcher bleibt bei den Boston Red Sox, mit denen er gerade die World Series gewonnen hat. Der Vertrag läuft wohl über vier Jahre und 67,5 Millionen Dollar.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Dezember 4th, 2018 by Silversurger

10 Meilen außerhalb der Innenstadt von Atlanta lockt seit eineinhalb Jahren das neueste Stadion der MLB zu den Heimspielen der Braves. SunTrust Park hat seine ersten beiden Saisons hinter sich und ich finde, es wird Zeit, das schöne Stück im Rahmen meiner Ballparks-Serie vorzustellen.

Geschichte
In den meisten Fällen wird ein neuer Ballpark erst dann gebaut, wenn der alte spürbar in die Jahre gekommen ist. Das war in Atlanta nicht so. Das vorherige Stadion, Turner Field, war gerade erst 20 Jahre alt, als die Braves es schon wieder verließen. Es gab im Umfeld entsprechend viele Stimmen, die sich gegen den Neubau aussprachen. Es sei Verschwendung von Steuergeldern, wenn in so kurzen Abständen öffentliche Mittel in je dreistelliger Millionenhöhe in ein Baseball-Stadion fließen, lautete ein Teil der Kritik. Der andere Teil richtete sich gegen den Standort des neuen Ballparks: Der Umzug aus der Innenstadt in die überwiegend von gut situierten Weißen bewohnte Vorstadt Cobb wurde als „White Flight“ kritisiert, als Flucht aus einer sozial benachteiligten in eine privilegierte Gegend. Hinzu kam, dass der neue Standort mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Atlanta heraus nicht besonders gut erreichbar ist, da es in mehreren Meilen Umkreis um SunTrust Park keine Bahnstrecke gibt.

Es sprachen aber auch eine Menge guter Argumente für den frühzeitigen Neubau. Turner Field war 1996 für die Olympischen Spiele erbaut und anschließend planmäßig zum reinen Baseballstadion umfunktioniert worden. Unter Termindruck musste das Stadion damals schnell und günstig gebaut werden. 20 Jahre später war es deshalb trotz seines noch recht jungen Alters renovierungsbedürftig und hätte Schätzungen zufolge 350 Millionen Dollar verschlungen, wenn man es für eine längerfristige Nutzung hätte fit machen wollen. Das wären bereits mehr als die Hälfte der Kosten des Neubaus von 622 Millionen gewesen. Auch die laufenden Kosten von Turner Field waren seiner Bauweise wegen sehr viel höher als die eines „normalen“ Stadions. Für die Einwohner von Atlanta selbst war Turner Field zwar gut erreichbar, das galt allerdings nicht für einen Großteil der Fanbasis aus dem Umland. Es fehlte vor allem an Parkplätzen und es waren keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten vorhanden.

Nach nur 20 Jahren hatte Turner Field ausgedient (1)

So wurde schließlich von 2014 bis 2017 neu gebaut. Der Standort von SunTrust Park entspricht ungefähr der geografischen Mitte des Einzugsbereichs der Braves. Neben dem Ballpark wurde der Entertainment-Komplex „The Battery Atlanta“ errichtet, um die Umgebung für die Zeiten vor und nach den Spielen aufzuwerten. Es sind ausreichend Parkplätze vorhanden, insbesondere da die Spiele während der Woche erst um 19:30 Uhr Ortszeit beginnen, wenn viele Berufspendler schon weg sind. Das Problem mit der nicht vorhandenen Bahnstrecke konnte allerdings nicht wirklich aus der Welt geschaffen werden. Man behilft sich mit einem System von zahlreichen Shuttle-Bussen.

SunTrust Park wurde am 31. März 2017 mit einem Spring-Training-Spiel zwischen den Braves und den New York Yankees eingeweiht. Das offizielle Eröffnungsspiel fand am 14. April gegen die San Diego Padres statt. Den zeremoniellen ersten Pitch warf die Braves-Legende Hank Aaron zu Bobby Cox, der die Braves von 1990 bis 2010 gemanagt hatte. In dem Spiel, das die Braves mit 5:2 gewannen, zeichnete sich vor allem Ender Inciarte aus: Er erzielte das erste Out, den ersten Hit, den ersten Homerun und den ersten Run des neuen Stadions.

SunTrust Park am Tag seiner Eröffnung (2)

Architektonische Auffälligkeiten
SunTrust Park wurde von Populous geplant, dem Architekturbüro, dessen Feder 19 von 30 Ballparks der MLB entsprungen sind. Das äußere Erscheinungsbild wird – passend zum verbreiteten Stil im Südosten der USA – dominiert von Ziegelsteinen. Innen fällt vor allem auf, wie nah man als Zuschauer am Geschehen ist: Durch steilere und stärker überlappende mittlere und obere Ebenen ist die durchschnittliche Entfernung zwischen den Sitzen und dem Feld geringer als in jedem anderen MLB-Ballpark.

Frontansicht von SunTrust Park (3)

Im Batter’s Eye, also in der Mitte hinter dem Centerfield, wurde eine kleine Landschaft mit Bäumen und einem Wasserfall errichtet. Sie wurde inspiriert von einem ähnlichen Feature in Coors Field in Colorado. Eine rund 15 Meter hohe Wasserfontäne zelebriert Homeruns und Siege der Braves.

Im Inneren des Gebäudes hinter der Homeplate befindet sich der „Monument Garden“, ein integriertes Museum mit Statuen, Plaketten und anderen Ausstellungsstücken, die an die Highlights der Teamgeschichte erinnen.

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Feldmaßen von 400 Fuß (122 Meter) im Centerfield sowie Foul-Linien von 335 Fuß (102 Meter) im Leftfield und 325 Fuß (99 Meter) im Rightfield liegt SunTrust Park im Mittelfeld der MLB-Ballparks.

Für eine valide Beurteilung der Tendenzen zu Gunsten oder Ungunsten von Pitchern und Battern, nach Händigkeit und verschiedenen Arten von Hits, liegen nach nur zwei Jahren noch relativ wenige Erfahrungswerte vor. Vor Eröffnung des Stadions hatten mehrere Experten – darunter Braves-Manager Brian Snitker – die Erwartung geäußert, das SunTrust Park vor allem bei Hittern beliebt sein würde. Die Ballpark-Faktoren der ersten zwei Jahre geben dazu jedoch ein eher unklares Bild ab: 2017 landete der Park knapp unter dem Durchschnitt, was das Erzielen von Runs betrifft. 2018 landete er in dieser Hinsicht auf einem hitterfreundlichen Platz sieben von 30; allerdings fielen die Runs eher über Singles und Walks, während Homeruns und sonstige Extra-Basehits unterdurchschnittlich häufig vorkamen.

Wo sitzt man am besten?
Wie ich schon erwähnt habe, sitzt man im SunTrust Park durchschnittlich näher am Feld als in anderen Stadien. Das ist prinzipiell erfreulich. Allerdings hat die dafür ursächliche Bauweise in Verbindung mit der Südost-Ausrichtung des Stadions einen unangenehmen Nebeneffekt: Wenn die Sonne scheint, ist man ihr auf einer Seite des Ballparks gnadenlos ausgeliefert. Von daher ist mein erster und wichtigster Tipp: Wenn ihr ein Nachmittagsspiel besucht, meidet die Third-Base-Seite sowie das Outfield; bei einem Mittagsspiel ist es zudem auch direkt hinter der Homeplate – ausgerechnet auf den teuersten Plätzen – an heißen Tagen kaum auszuhalten. Fast immer schattig ist es hingegen auf den oberen Plätzen (Level 400) um die Homeplate herum, denn dort hat man das Dach direkt über sich. Mit 11 bis 24 Dollar sind diese Sitze zudem sehr erschwinglich.

Für Abendspiele ist die Auswahl geeigneter Sitze deutlich größer. Das Sonnen-Problem entfällt und die Sicht auf das Spielfeld ist von allen Plätzen in SunTrust Park gut bis sehr gut. Die Preisgestaltung ist die übliche, das heißt je näher an der Homeplate und je weiter unten, umso teurer sind die Tickets. Das durchschnittliche Preisniveau von SunTrust Park bewegt sich Mittelfeld der MLB-Ballparks. Je nach Zeit und Gegner kosten die günstigsten Einzeltickets  – ganz oben im Outfield – zwischen 7 und 15 Dollar und die teuersten – direkt am Infield – zwischen 102 und 165. Für Logen und Suites blättert man natürlich mehrere hundert Dollar hin, sofern man überhaupt an solche Tickets kommt.

Blick von der Rightfield-Tribüne (4)

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Ryan W20.01 (CC BY SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Thechased (CC BY SA 4.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Peter Ciro (CC BY NC-ND 2.0)
(4) Quelle: Wikimedia, Urheber: Thomson200 (Public Domain)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

November 29th, 2018 by Silversurger

Wenn es so etwas wie eine Saure-Gurken-Zeit in der MLB gibt, dann dürfte sie jetzt angebrochen sein. Es ist die Zeit, in der es immer mal wieder eine interessante Neuverpflichtung oder gar einen Trade gibt, bei dem man die Namen der Spieler schon mal gehört hat. Das meiste, was man hört, sind aber Spekulationen und Gerüchte. Traden die Giants Madison Bumgarner? Holen die Phillies sich Harper und Machado? Bauen die Athletics endlich ihr neues Stadion? Ich kann keine dieser Fragen beantworten, aber ich kann zumindest einen kleinen Überblick geben, was sich in den letzten Tagen in der MLB getan hat.

Tony Clark bleibt Kopf der Gewerkschaft
Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass die Teambesitzer der MLB den Vertrag mit Rob Manfred als Commissioner der Liga um fünf Jahre verlängert haben. Sein wichtigster Gegenpart, Tony Clark, wurde nun in seinem Amt als Vorsitzender der Spielergewerkschaft MLBPA ebenfalls bestätigt. Der Vertrag des früheren First Basemans wird bis 2022 verlängert. Damit ist nun klar, dass Clark und Manfred erneut die jeweiligen Verhandlungsführer sein werden, wenn das Collective Bargaining Agreement (CBA), quasi der Rahmentarifvertrag zwischen der Liga und den Spielern, neu diskutiert wird. Das aktuelle Vertragswerk läuft bis 2021.

Braves rüsten auf mit Donaldson und McCann
Die größten Free-Agent-Verpflichtungen dieser Woche gehen eindeutig auf das Konto der Atlanta Braves. Third Baseman Josh Donaldson, in meiner Liste der wichtigsten Free Agents immerhin auf Platz acht, erhält einen Einjahresvertrag über 23 Millionen Dollar. Ebenfalls für ein Jahr, wenngleich für „nur“ 2 Millionen Dollar unterschreibt Catcher Brian McCann. Die Braves haben dieses Jahr etwas überraschend die NL East gewonnen. Auf diesem Erfolg will man offensichtlich aufbauen, indem man das sehr junge, sehr talentierte Team um zwei erfahrene Veteranen ergänzt. Donaldson hat das Zeug zum Leistungsträger, sofern es ihm gelingt, gesund zu bleiben. Der 35-jährige McCann ist eher als Ergänzungsspieler zu sehen, aber er dürfte hochmotiviert ans Werk gehen, denn ihm wurde mit dem Wechsel nach Atlanta ein persönlicher Traum erfüllt. McCann wurde in einem Vorort von Atlanta geboren und spielte bereits von 2005 bis 2013 sehr erfolgreich für die Braves.

Ein paar weitere Neuverpflichtungen
Neben den Braves sicherten sich diese Woche ein paar weitere Teams Neuzugänge, die alle eher die zweite Reihe der MLB-Profis betrafen. Die aus meiner Sicht erwähnenswertesten möchte ich zumindest kurz aufgezählt haben: 1B C. J. Cron geht zu den Twins, 1B Jordan Patterson zu den Mets, OF Lonnie Chisenhall zu den Pirates, RP Adam McCreery zu den Dodgers, SP Ricardo Sanchez zu den Mariners, SP Matt Moore zu den Tigers, IF Ronald Torreyes zu den Cubs, RP Jesse Chavez zu den Rangers und SP Henderson Alvarez zu den Nationals.

Das nächste große Talent aus Japan
Die große Geschichte der letzten Offseason war das japanische Supertalent Shohei Ohtani. Ohtani landete letzten Endes bei den Los Angeles Angels und schaffte quasi aus dem Stand den Durchbruch in der MLB – aufsehenerregenderweise sowohl als Pitcher wie auch als Batter. Trotz einer Verletzung, die ihn seit Juni weitgehend am Pitchen hinderte, wurde er zum Rookie des Jahres in der AL gewählt. Nun scheint das nächste Talent aus Japan vor dem Sprung nach Amerika zu stehen: Yusei Kikuchi von den Seibu Lions wird wohl Anfang nächster Woche offiziell zur Verpflichtung durch einen MLB-Klub freigegeben. Der linkshändige Pitcher ist 27 Jahre alt und spielt bereits seit sieben Jahren in der japanischen Profiliga NPB. Er bringt es dort auf einen Karriere-ERA von 2.77. Bereits als Schüler war 2009 eine ganze Reihe von MLB-Teams an einer Verpflichtung Kikuchis interessiert, doch er entschied sich damals, in Japan zu bleiben. Jetzt ist er offenbar bereit, den Schritt über den großen Teich zu wagen, und er könnte ohne Weiteres zu einem der begehrtesten Free Agents  dieser Offseason werden. Bei seinem letzten Spiel in der NPB waren Scouts der Yankees, Giants, Red Sox, Dodgers, Phillies, Brewers und Rangers anwesend und wahrscheinlich haben auch alle anderen Teams Kikuchi im Laufe des Jahres beobachten lassen. Sobald die Freigabe seitens der Seibu Lions erfolgt ist, haben die MLB-Teams 30 Tage Zeit, sich mit dem Spieler auf einen Vertrag zu einigen.

Ein neuer Ballpark für die Athletics?
Dass die Athletics gern einen neuen Ballpark hätten – idealerweise in Oakland, zur Not irgendwo anders – ist seit Jahren geradezu ein Running Gag in der MLB. Vielleicht tut sich nun aber wirklich etwas. Jedenfalls wurden am Mittwoch konkrete Pläne für einen Neubau offiziell veröffentlicht und ich muss sagen: Das rundherum begrünte, direkt am Wasser gelegene Stadion sieht auf den Zeichnungen sensationell schön aus. 2023 soll es eröffnet werden und obwohl Team-Präsident Dave Kaval keine Details zur Finanzierung verriet, soll auch diese weitgehend gesichert und mit der Stadt Oakland abgestimmt sein. Dass der Ballpark tatsächlich gebaut wird, glaube ich allerdings frühestens, wenn der erste Spatenstich erfolgt ist.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

November 27th, 2018 by Silversurger

An der 161st Street im New Yorker Stadtteil Bronx steht der Ballpark, der dieses Jahr in der MLB die (nach Dodger Stadium) zweitmeisten Besucher begrüßen durfte. Er beherbergt die erfolgreichste Franchise der Baseball-Geschichte: die New York Yankees.

Geschichte
Yankee Stadium ist einer der neuesten Ballparks der Liga, allerdings wird das vom nur halb interessierten Beobachter schnell übersehen. Es besteht nämlich akute Verwechslungsgefahr mit dem alten Stadion der Yankees, das den gleichen Namen trug, an fast der gleichen Stelle stand und dem neuen architektonisch sehr ähnelte.

Das 1923 eröffnete alte Yankee Stadium war das erste eigene Stadion der Yankees, die sich bis dahin die Polo Grounds mit den New York Giants geteilt hatten. Leisten konnten sich die Yankees den Bau nicht zuletzt deshalb, weil sie in den Jahren zuvor zu New Yorks erfolgreichstem Klub aufgestiegen waren und den Giants auch bei den Zuschauerzahlen den Rang abgelaufen hatten. Für beide Entwicklungen spielte Superstar Babe Ruth eine große Rolle. Man nannte das Stadion deshalb auch gerne „the house that Ruth built“.

Das alte Yankee Stadium (1923-2008) (1)

Eine umfangreiche Renovierung 1974/75 verlängerte die Lebensdauer des Ballparks, doch schon ab Beginn der 1980er Jahre warb Teambesitzer George Steinenbrenner immer wieder für einen Neubau. Das tat er lange ohne Erfolg, weil er weder in New York noch am Alternativstandort in New Jersey die Zustimmung zu der nötigen öffentlichen Finanzierung fand. Doch steter Tropfen höhlt den Stein: 20 Jahre später hatte Steinenbrenner die Verhandlungen mit dem New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani kurz vor dem Ende von dessen Amtszeit so weit getrieben, dass sein Nachfolger Michael Bloomberg aus den Zusagen nicht mehr heraus kam, obwohl er es versuchte. Mit Gesamtkosten von 2,3 Milliarden Dollar, davon 1,2 Millarden öffentliche Gelder, ist das von 2006 bis 2008 erbaute Yankee Stadium bis heute das teuerste Stadion der Welt.

Sportlich war der Neueinzug ins Stadion für die Yankees immer ein Garant für schnelle Erfolge: 1923 gewannen sie im frisch erbauten Yankee Stadium ihre erste World Series, 2009 im neuen Yankee Stadium ihre 27. und bisher letzte. 1976, als sie nach zwei Jahren Umbau zurück in ihr Stadion durften, erreichten sie zumindest die Finalserie und in den beiden Folgejahren holten sie jeweils den Titel. Es mag überraschen, dass das zehn Jahre alte Stadion bisher noch nie Gastgeber des All-Star-Games sein durfte. Das liegt vor allem daran, dass der alte Ballpark diese Ehre 2008 zum Abschied hatte, sodass die Yankees nun eben wieder eine Weile warten müssen, bevor sie das nächste Mal an die Reihe kommen.

Außer Baseball finden im Yankee Stadium auch regelmäßig die Fußballspiele des New York City FC sowie gelegentlich College Football und Konzerte statt.

Das neue Yankee Stadium (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Das neue Yankee Stadium ist im Kern selbstverständlich ein hochmoderner Ballpark mit diversen Annehmlichkeiten. Doch bei der äußeren Gestaltung wurde sehr viel Wert darauf gelegt, Vorbilder aus dem alten Stadion aufzugreifen. Die Fassade soll der des Urzustands des ersten Yankee Stadium von 1923 möglichst ähnlich sehen und auch die bordürenartige Verzierung am Dach wurde aus dieser Zeit kopiert.

Im Centerfield steht eine moderne Videowand, doch im linken und rechten Outfield wurden zusätzlich manuell betriebene Anzeigetafeln angebracht, an den selben Stellen wie im alten Stadion. Auch die zwei Einschnitte im Stadionrund, durch die man die vorbeifahrenden Subway-Züge sehen kann, wurden beim Neubau übernommen.

Panorama-Ansicht von Yankee Stadium aus dem Outfield (3)

Das Innenleben des neuen Yankee Stadium ist Geschmackssache, um nicht zu sagen: Mir gefällt es nicht. Die große Halle im südlichen Teil ist schon nicht besonders schön, aber zumindest geräumig. Beim Versuch, das Stadion zu umrunden, gerät man hinter dem Outfield zwangsläufig in sehr düstere Betonkanäle. Zu den höher gelegenen Tribünen führen statt offener Treppen, wie sie in den meisten anderen neueren Stadien üblich sind, endlose rundum geschlossene Betonrampen.

Die große Halle im südlichen Innenbereich des Stadions (4)

Spielbezogene Eigenheiten
Die Feldmaße des neuen Yankee Stadium sind nahezu identisch mit denen des alten: Mit Foul-Linien von 318 Fuß (97 Meter) im Leftfield und 314 Fuß (96 Meter) im Rightfield sowie einem 408 Fuß (124 Meter) tiefen Centerfield gehört der Ballpark zu den kleineren in der MLB und ermöglicht entsprechend viele Homeruns.

Das spiegelt sich auch in den Ballpark-Faktoren wieder, denen zufolge Yankee Stadium mehr Hits, mehr Runs und mehr Homeruns zulässt als die meisten anderen Stadien. Doubles und Triples kommen hingegen seltener vor als im MLB-Durchschnitt – auch das ist eine typische Beobachtung in eher kleinen Ballparks.

Wo sitzt man am besten?
New York ist generell ein teures Pflaster und das merkt man auch beim Kauf von Baseballtickets. Aufgrund der ungebrochenen Popularität der Yankees ist das Stadion häufig ausverkauft, sodass man Tickets oft nur mit großem zeitlichem Vorlauf oder aber über die gängigen Weiterverkaufs-Plattformen erhält.

Man kann das Spiel in Yankee Stadium von fast jedem Sitz gut verfolgen, am besten natürlich von den Plätzen auf der unteren Ebene rund um die Homeplate. Für solche Sitze muss man in aller Regel mit Preisen von mehreren hundert Dollar rechnen. Eine Ebene höher ist die Sicht fast genauso gut und der Preis pro Ticket deutlich geringer, aber immer noch dreistellig.

Blick von der Homeplate-Seite aus (5)

Ein Schnäppchen kann man in Yankee Stadium machen, indem man mit einem Platz auf den Bleachers, also den unüberdachten Outfield-Tribünen vorlieb nimmt. Ab 15 Dollar kann man hier ein Ticket bekommen, wenn es nicht gerade gegen die Red Sox oder die Mets geht. In den Blöcken 201 und 239 fangen die Preise sogar bei 5 Dollar an – allerdings nur, weil das die Blöcke sind, aus denen die Sicht auf einen Teil des Feldes beschränkt ist.

Meine Empfehlung sind Plätze entlang der First-Base- und Third-Base-Linie auf der dritten oder vierten Ebene. Hier findet sich ein meiner Ansicht nach sehr annehmbarer Kompromiss aus einem guten Überblick aus der Vogelperspektive und auch mit Familie noch erschwinglichen Preisen von ungefähr 30 bis 70 Dollar pro Karte.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Severin St. Martin (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
(3), (4), (5) Eigene Aufnahmen

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , , ,

November 25th, 2018 by Silversurger

Er wollte für sein Team gerade stehen und wurde zum Gespött der Liga: Am 13. Juni dieses Jahres machte sich Relief Pitcher Chris Martin auf den weiten Weg vom Bullpen ins Infield, um seine Texas Rangers in einer Keilerei mit den Los Angeles Dodgers zu unterstützen. Ein Bullpen Cart stand gerade nicht bereit, also legte der 32-Jährige einen beherzten Sprint hin, um den Fight nicht zu verpassen. Doch wie wir alle inzwischen wissen, ging die Sache schief. Auf nicht mal halbem Wege musste Martin den Ansturm abbrechen, weil es plötzlich furchtbar im Oberschenkel zwickte.

Es war sicher nicht einfach, all die bissigen Kommentare durch Journalisten, Gegenspieler und sogar die eigenen Teamkameraden zu ertragen. Doch nun kann Chris Martin sich über ein spätes Trostpflaster für seinen aufopferungsvollen Einsatz freuen: Die Leserinnen und Leser von Baseblog.de haben mehrheitlich entschieden, dass Martin die erstmals ausgelobte Auszeichnung für die dämlichste Verletzung des Jahres erhält. „Das ist der erste Award meiner Karriere. Ich bin unheimlich stolz und möchte mich ganz herzlich bei den 20 Leuten bedanken, die mir ihre Stimme geschenkt haben“, könnte Martin rein theoretisch gesagt haben, falls er jemals von der Auszeichnung erfahren hätte.

Gänzlich undemokratisch wurde übrigens der Name des Awards festgelegt: Die Idee von Leser Mat, ihn MRI-Award zu nennen, fand die sofortige Begeisterung des Blogbetreibers. Die Abkürzung steht hier für „Most Ridiculous Injury“ und spielt zugleich mit dem englischen Begriff für eine Magnetresonanztomographie (auf deutsch MRT).


Posted in MLB Tagged with: , , ,

November 22nd, 2018 by Silversurger

Happy Thanksgiving allerseits! In den USA ist heute ein wichtiger Feiertag und vielleicht hat er auch für einige meiner Leserinnen und Leser eine Bedeutung. Für mich bedeutet er vor allem, dass heute NFL-Football gespielt wird und das ist Grund genug, sich der amerikanischen Feierlaune ein Stück weit anzuschließen. Hier soll es aber wie immer um die MLB gehen und auch da hat sich in den letzten Tagen eine Menge getan – unter anderem der erste Blockbuster-Trade des Jahres, das Karriere-Ende eines zukünftigen Hall of Famers und endlich konkrete Infos bezüglich des Ticketverkaufs für die Londonspiele im Juni 2019.

Adrian Beltre geht in Ruhestand
Nach den Minnesota Twins mit Joe Mauer verlieren nun auch die Texas Rangers mit Adrian Beltre das populärste Mitglied ihrer Franchise. Der 39-jährige Third Baseman gab am Dienstag bekannt, dass er nach sorgfältiger Überlegung und schlaflosen Nächten entschieden hat, seine Baseballkarriere zu beenden. Beltre spielte 21 Jahre lang in der MLB. Er trat in dieser Zeit für die Los Angeles Dodgers, die Seattle Mariners, die Boston Red Sox und zuletzt acht Jahre lang für die Rangers an. Er wurde viermal ins All-Star-Team gewählt, verdiente sich fünf Gold Gloves für seine Defense und vier Silver Sluggers für seine Schlagleistungen. Als einer von nur vier Spielern der MLB-Geschichte – und einziger in diesem Jahrhundert – gelangen ihm in seiner Karriere drei Cycles. Der als sympathischer und lustiger Zeitgenosse bekannte Beltre blickt auf eine großartige Karriere zurück. Seine Aufnahme in die Hall of Fame darf als ziemlich sicher gelten.

Yankees ertraden James Paxton
Letzte Woche wurde hier noch spekuliert, ob die Seattle Mariners bereit sein könnten, Pitcher James Paxton abzugeben, und ob die New York Yankees ein möglicher Interessent wären. Diese Woche ist es schon passiert. Der Linkshänder hatte 2018 mit einem ERA von 3.76 in 160.1 gepitchten Innings ein eher mittelgutes Jahr, setzte allerdings im Mai ein Highlight mit einem No-Hitter gegen die Toronto Blue Jays. Paxton steht noch bis 2020 unter Vertrag. Dadurch, dass die Mariners ihn abgeben, signalisieren sie recht deutlich, dass sie einen Neuaufbau anstreben und eher für die Zeit nach 2020 planen. Ein guter Start dafür ist die Gegenleistung, die sie bei dem Trade aus New York erhalten: Justus Sheffield galt als das Top-Pitching-Talent der Yankees, zudem wechseln mit Outfielder Dom Thompson-Williams und Pitcher Erik Swanson nach Seattle. Die Yankees sind derweil auch nach dem Paxton-Trade noch auf  der Suche nach Pitchern; unter anderem sind wohl die Free Agents Patrick Corbin und Dallas Keuchel auf dem Radar.

Gray und Syndergaard die nächsten Trade-Objekte?
Keine Rolle in den Plänen der Yankees spielt wohl Sonny Gray. Der Starter hat in den eineinhalb Jahren in New York, seit er von den Oakland Athletics geholt wurde, nie an frühere Leistungen anknüpfen können. Ihm täte eine Luftveränderung sicher gut und es soll bereits Tradegespräche mit diversen Teams geben. Vielleicht geht es also beim nächsten größeren Trade um Gray. Vielleicht kommt vorher aber auch ein noch deutlich größerer Name ins Spiel: Die Mets sollen bereit sein, sich Angebote für Noah Syndergaard anzuhören. Ein Deal, der ihn involviert, würde den Paxton-Deal klar in den Schatten stellen. Ich kann mir aber offen gestanden nicht vorstellen, dass irgend jemand bereit ist, das zu bieten, was die Mets für ihn verlangen würden. Solange Syndergaard gesund ist und bleibt – was in seiner bisherigen Karriere leider zu selten der Fall war – ist er einer der stärksten Pitcher der Liga, obendrein ist er erst 26 Jahre alt und noch drei Jahre lang unter Teamkontrolle. Brodie van Wagenen, der neue GM der Mets, hat bereits deutlich gemacht, dass er kein Rebuilding anstrebt. Somit dürfte auch klar sein, dass Syndergaard nicht für ein Paket von Prospects zu haben ist, sondern höchstens für mehrere gestandene Spieler, mit denen die Mets mehr Löcher stopfen könnten als sie durch die Abgabe Syndergaards aufreißen würden. Ich lege mich fest: Es wird nicht passieren.

Red Sox behalten ihren World-Series-MVP
First Baseman Steve Pearce bleibt für ein weiteres Jahr in Boston. Die Red Sox statten ihn mit einem neuen Vertrag über 6,25 Millionen Dollar aus. Pearce war dieses Jahr eher Ergänzungs- oder Platoonspieler, meistens kam er gegen linkshändige Pitcher zum Einsatz. Von denen hatten die Gegner der Red Sox in der World Series, die Los Angeles Dodgers, eine ganze Menge. Pearce nutzte die Gelegenheit zu glänzen und verdiente sich mit mehreren entscheidenden Extra-Base-Hits den Titel des wertvollsten Spielers der Finalserie.

Nationals verpflichten Suzuki
Auch Catcher Kurt Suzuki hat einen neuen Vertrag, allerdings nicht wie bisher bei den Atlanta Braves, sondern beim Divisionsrivalen Washington Nationals. Zehn Millionen Dollar lassen die Nationals sich die Dienste von Suzuki für die nächsten zwei Jahre kosten. Der 35-jährige Suzuki ist ein Veteran mit solider Offense und durchschnittlicher Defense. Er soll dazu beitragen, eine Position auszufüllen, die bei den Nationals in den letzten Jahren als Schwachpunkt galt.

Registrierung für London-Tickets ist offen
Wie schon länger bekannt ist, plant die Liga für Ende Juni 2019 die ersten regulären MLB-Spiele auf europäischem Boden. Zwei Partien zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees, also dem amtierenden World-Series-Sieger und dem Rekordmeister, sollen die Fans in Scharen ins Londoner Olympiastadion locken. Es ist davon auszugehen, dass die Spiele ausverkauft sein werden, daher empfiehlt es sich dringend, die jetzt geöffnete Registrierung für den Ticketverkauf zu nutzen. Unter diesem Link kann man sich noch bis 29. November um 17:59 Uhr mitteleuropäischer Zeit anmelden. Der Vorverkauf für registrierte Kunden beginnt dann am 3. Dezember um 11 Uhr, der offene Verkauf am 6. Dezember zur gleichen Uhrzeit.

Schnell noch abstimmen
Die Abstimmung über die dämlichste Verletzung des Jahres läuft noch bis Sonntagnachmittag. Bisher wurden 54 Stimmen abgegeben und es ist ein relativ enges Rennen: Chris Martin liegt zurzeit vorne, aber nach seiner Erfahrung mit der Oberschenkelzerrung auf dem Weg zur Prügelei weiß er wie schnell man plötzlich auf der Strecke bleiben kann. Nur drei Stimmen weniger hat Carson Smith, der somit noch längst keinen Grund hat, wieder seinen Handschuh wegzuwerfen und sich möglicherweise erneut den Arm auszukugeln.

Posted in Grand Slam, MLB

November 20th, 2018 by Silversurger

In meiner Serie über die Ballparks der MLB geht es heute zum ersten und voraussichtlich einzigen Mal um ein Stadion außerhalb der USA. Im Rogers Centre tragen die Toronto Blue Jays ihre Heimspiele aus. Da es sich um eine Multifunktionsarena handelt, finden in dem Gebäude diverse weitere Veranstaltungen wie zum Beispiel Messen und Konzerte statt. Bis 2015 war es gleichzeitig die Heimstätte des CFL-Football-Teams Toronto Argonauts.

Geschichte
Football spielte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, dieses Stadion zu bauen. Denn es war ein Spiel um die CFL-Meisterschaft im Jahr 1982, bei dem auf nachhaltige Weise deutlich wurde, dass ein geschlossenes Stadion angesichts des kanadischen Wetters eine gute Idee wäre. Das Exhibition Stadium, die damalige Heimat sowohl der Blue Jays als auch der Argonauts, wurde während des Spiels von einem sehr heftigen Regenschauer heimgesucht. 7,8 Millionen Fernsehzuschauer wurden Zeuge der unhaltbaren Zustände in der Arena, in der 55.000 Zuschauer versuchten, unter einen kleinen überdachten Bereich sowie in die Toilettenräumlichkeiten zu flüchten. Während der Siegesfeier am nächsten Tag gab es massenhafte und lautstarke Forderungen nach einem überdachten Stadion, denen sich der Premierminister des Bundesstaates Ontario, Bill Davis, der selbst das Spiel besucht hatte, anschloss.

Nach einer gut dreijährigen Phase des Sondierens und Planens begann 1986 der Bau der neuen Arena. Die Finanzierung des Baus, der erst 150 Millionen kanadische Dollar kosten sollte, im Endeffekt aber 570 Millionen verschlag, erfolgte zu einem guten Teil über Sponsoren. Das Modell, das dabei angewandt wurde, stieß auf starke Kritik, da es den beteiligten 30 Unternehmen für je 5 Millionen Dollar unter anderem exklusive Werbepartnerschaften für 99 Jahre zusicherte, was sich mittelfristig absehbar als Spottpreis erwies. 

Die offizielle Eröffnung des Stadions, zunächst unter dem Namen SkyDome, fand am 3. Juni 1989 in Form einer Feier mit prominenten Gästen und Livemusik statt. Das Highlight war die Öffnung des weltweit ersten komplett einfahrbaren Stadiondachs. Die 50.000 anwesenden Besucher waren davon allerdings nicht allzu begeistert, denn sie wurden bei der Zeremonie prompt wieder vollgeregnet.

Das erste Baseballspiel in der Arena war die Partie der Blue Jays gegen die Milwaukee Brewers am 5. Juni 1989. Das Spiel wurde 3:5 verloren, aber ein schlechtes Omen war diese Niederlage nicht: Der Umzug in das neue Stadion markierte den Beginn der erfolgreichsten fünf Jahre der Teamgeschichte mit vier Divisionsmeisterschaften und zwei gewonnenen World Series. Dementsprechend erlebte der Dome seine sportlichen Highlights als Baseballstadion allesamt Anfang der 90er Jahre: das All-Star-Spiel 1991 sowie die World-Series-Heimspiele der Blue Jays 1992 und 1993. 

Da das Stadion sich nicht nur im Bau, sondern auch im Unterhalt als sehr viel teurer erwies als ursprünglich kalkuliert, häuften sich über die Jahre Unsummen an Schulden an, sodass die Arena 1998 Gläubigerschutz anmelden musste und zum Preis von 80 Millionen Dollar an eine Investorengruppe verkauft wurde. 2005 übernahm Rogers Communications das Stadion – ein Telekommunikationsunternehmen, dem auch die Blue Jays gehören und von dem der ehemalige SkyDome seinen neuen Namen erhielt.

Rogers Centre, CN Tower und die Skyline von Toronto (1)

Architektonische Auffälligkeiten
Rogers Centre liegt in der südlichen Innenstadt von Toronto und bietet allein dadurch schon einen spektakulären Anblick, dass es direkt neben dem CN Tower steht, dem 553 Meter hohen Wahrzeichen der Stadt. Das herausragende Feature der Arena selbst ist das komplett ein- und ausfahrbare kuppelförmige Dach. Innerhalb von 20 Minuten wird aus einem offenen Stadion eine riesige Halle und umgekehrt. Bei niedrigen Temperaturen funktioniert der Mechanismus allerdings nicht zuverlässig, daher bleibt die Kuppel in den kalten Monaten durchgängig geschlossen.

Rogers Centre mit offenem Dach (2)

Nicht nur in Bezug auf das Dach ist Rogers Centre ein wahrer Verwandlungskünstler: Der Pitchermound wird hydraulisch ein- und ausgeklappt, je nachdem ob gerade ein Baseballfeld gebraucht wird oder nicht. Für Footballspiele können zusätzliche Sitze ausgefahren und bewegt werden, sodass sich die benötigte Form des Feldes ergibt. Bei Bedarf kann innerhalb einiger Stunden auch der Kunstrasenbelag entfernt  und später wieder ausgerollt werden.

Eine weitere Besonderheit von Rogers Centre ist ein integriertes Hotel mit 350 Zimmern, von denen 70 Blick auf das Spielfeld gewähren.

Innenansicht bei geschlossenem Dach (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Die Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2018 sehen Rogers Center als ein Stadion, in dem etwas unterdurchschnittlich viele Hits und etwas überdurchschnittlich viele Homeruns vorkommen. Die Dimensionen von 328 Fuß (100 Meter) langen Foullinien ins Rightfield und Leftfield sowie einem 400 Fuß (122 Meter) tiefen Centerfield liegen im Mittelfeld der MLB-Ballparks. Es spricht somit vieles dafür, dass Rogers Centre eine Spielumgebung darstellt, in der weder die Hitter noch die Pitcher besonders bevorteilt werden.

In einer anderen Eigenheit, die sich auf das Spiel auswirkt ist Rogers Centre allerdings durchaus etwas besonderes im Vergleich mit fast allen anderen Ballparks: Es ist eines von nur noch zwei Kunstrasenstadien in der MLB (das andere ist Tropicana Field in Tampa Bay). Der künstliche Untergrund, das sogenannte AstroTurf, ist häufiger Gegenstand von Diskussionen. Einerseits liegt es auf der Hand, dass ein künstlicher Belag angesichts des kanadischen Klimas und des häufig geschlossenen Daches sehr viel leichter zu unterhalten ist als natürlicher Rasen. Andererseits herrscht unter den Spielern und Verantwortlichen im professionellen Baseball mehr und mehr die Meinung vor, dass Kunstrasen zu mehr Verletzungen und körperlichen Abnutzungserscheinungen führt als echtes Gras. Aus diesem Grund spielen inzwischen fast alle MLB-Klubs auf Naturrasen und auch in Toronto wurden mehrmals entsprechende Pläne publik. Umgesetzt wurden diese bisher nicht und es ist völlig offen, ob es jemals dazu kommt. Denn der finanzielle Aufwand für die bauliche Installation und Pflege eines Grasuntergrunds unter den gegebenen Bedingungen wäre hoch und würde der Arena obendrein einen guten Teil ihrer aktuellen Wandlungsfähigkeit nehmen.

Wo sitzt man am besten?
Im Bett liegen und Baseball schauen – nicht im Fernsehen, sondern live durch ein bodentiefes Fenster. Wäre das was? Im Toronto Marriott City Centre Hotel ist das möglich. Für 500 bis 600 kanadische Dollar (pro Nacht und Zimmer, nicht pro Person) kann man sich dieses besondere Erlebnis gönnen.

Was die normalen Sitzplätze betrifft, so folgt Rogers Stadium den gleichen Regelmäßigkeiten wie alle anderen MLB-Stadien: Oben ist es günstiger als unten, im Outfield ist es günstiger als hinter der Homeplate, Spiele gegen populäre Teams wie die Red Sox oder die Yankees sind teurer als andere Spiele. Das höchste Level (Blöcke mit 500er Nummern) ist zwar das billigste, aber man sitzt dort schon sehr weit weg, weil sich in Rogers Centre zwischen den normalen Blöcken noch zwei Ringe mit Logen ziehen. Je nach Wetter sind auch die Plätze auf der First-Base-Seite nicht empfehlenswert, denn bei starkem Sonnenschein und offenem Dach wird man dort oft geblendet.

In den letzten fünf Jahren sind die Ticketpreise in Toronto jährlich gestiegen, 2018 betrugen sie ca. 17 bis 85 Dollar je nach Platz. Das Ende der Fahnenstange scheint allerdings vorerst erreicht, denn angesichts steigender Preise bei sinkender sportlicher Leistung verkauften sich die Tickets dieses Jahr so schlecht, dass es in der zweiten Saisonhälfte teilweise wahnwitzige Sonderangebote hagelte wie zum Beispiel Premiumsitze für unter 10 Dollar.

Wer das Spiel mit Kindern besucht, kann sich bei der Blockwahl für einen der speziellen Familienbereiche entscheiden. Hierzu zählen die Abschnitte 237/238 (mittig im Leftfield) sowie 516/517 (oben auf Höhe der ersten Base). Der Hauptunterschied dieser Bereiche zu anderen Sitzen ist, dass dort kein Alkohol verkauft wird. Man kann sich mit seinen Kindern aber auch auf alle anderen Plätze wagen – meiner Erfahrung nach ist die Wahrscheinlichkeit, in einem MLB-Ballpark von Betrunkenen angepöbelt zu werden, sehr viel geringer als in einem deutschen Fußballstadion.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: The City of Toronto (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Magnus Manske (CC BY SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: The West End (CC BY-NC-ND 2.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,