Category: MLB

April 15th, 2021 by Silversurger

Die MLB-Saison 2021 hat es in sich: Gleich zwei No-Hitter gab es in den letzten Tagen zu bestaunen. Zudem sorgte ein ausgefahrener Ellenbogen für Schlagzeilen und Diskussionen. Leider spielt allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz auch Corona immer noch eine Rolle in Form kleiner und großer Ausbrüche innerhalb mehrerer Teams. 

American League
Wer sich vor einer Woche verwundert die Augen rieb, weil die Baltimore Orioles (5-6) die AL East anführten, hat nun erneut Grund zum Staunen – nicht, weil die Orioles zurück auf Normalmaß geschrumpft sind, sondern weil sie an der Spitze der Division von einer weiteren Überraschungsmannschafg abgelöst wurden. Mit 0-3 (gegen die Orioles) waren die Boston Red Sox scheinbar desolat in die Saison gestartet, doch seitdem gewannen sie jedes einzelne Spiel und stehen nun mit 9-3 ganz vorne. Dahinter stehen die Toronto Blue Jays (6-6) zwar bisher nur bei einer ausgeglichenen Bilanz, haben aber bereits zwei gewonnene Serien gegen die New York Yankees (5-7) auf dem Konto, welche sich den letzten Platz mit den Tampa Bay Rays (5-7) teilen. 

Auch in der AL Central ist mit den Kansas City Royals (6-4) ein Team vorne, von dem man das nicht erwartet hätte. Zwei Siege gegen die Angels haben den Royals einen kleinen Vorsprung vor dem Rest des Feldes eingebracht, in dem die Cleveland Indians (6-5), Chicago White Sox (6-6) und Detroit Tigers (6-6) fast gleichauf stehen. Auch die Minnesota Twins (5-7) sind nicht weit weg, aber fünf Niederlagen am Stück gegen die Mariners und die Red Sox haben Max Kepler & Co. einen empfindlichen Dämpfer verpasst. 

In der AL West ging die Schere in der ersten Saisonwoche bereits recht weit auseinander, doch dann steckten die Houston Astros (6-6) nach ihrem 6-1-Start fünf Niederlagen in Folge ein, während die Oakland Athletics (5-7) viermal hintereinander gewannen, und schon ist die Division wieder eng beisammen. Ganz vorne stehen zurzeit die Los Angeles Angels (7-5), gefolgt von den Seattle Mariners (6-5). Beide Teams haben aber auch schlechte Nachrichten zu verdauen: Bei den Angels fällt Outfielder Dexter Fowler nach einer Knieoperation für die gesamte Saison aus; genauso geht es Mariners-Pitcher James Paxton, der eine Tommy-John-Surgery benötigt. Die Astros haben möglicherweise einen Corona-Ausbruch im Team. Jose Altuve, Martin Maldonado, Yordan Alvarez, Alex Bregman und Robel Garcia wurden gestern auf die Covid-19-Verletztenliste gesetzt, nähere Informationen hat der Klub bisher nicht herausgegeben. 

National League
In der NL East hatten zunächst die Philadelphia Phillies (6-6) den besten Start, doch durch drei Siege innerhalb von zwei Tagen haben die New York Mets (5-3) den Phillies inzwischen den Rang abgelaufen. Dasselbe kann man über die Miami Marlins (5-6) und die Atlanta Braves (4-8) sagen – auch hier haben drei Spiele das Bild gedreht. In beiden Serien ist es übrigens (noch) kein Sweep, denn sowohl zwischen den Mets und den Phillies als auch den Marlins und den Braves steht heute noch eine vierte Partie an. Die Washington Nationals (3-6) sind schwach in die Saison gestartet, konnten nun aber gegen die Cardinals immerhin zwei von drei Spielen gewinnen. Die noch bessere Nachricht ist, dass von den zahlreichen Covid-19-Betroffenen der Nationals aus der ersten Saisonwoche inzwischen wieder fast alle an Bord sind. Einzig Pitcher Jon Lester wurde noch ein Aufbautraining am alternativen Trainingsstandort verordnet. 

Auch in der NL Central verursacht Corona Sorgen: Bei den Chicago Cubs (5-7) wurden zwei Coaches positiv auf das Virus getestet. Infektionen bei Spielern wurden bisher nicht festgestellt, doch drei Reliever sind vorsorglich in Quarantäne. Sportlich läuft es auch nicht toll für die Cubs: Drei Serien hintereinander gingen verloren, zwei davon gegen die Milwaukee Brewers (7-5), welche sich dadurch an die Spitze der Division gesetzt haben. Die teilen sie sich bislang noch mit den Cincinnati Reds (7-5), obwohl diese nach ihrem starken Auftakt zuletzt Serien gegen die Diamondbacks und die Giants verloren. 

Die Los Angeles Dodgers (10-2) machen genau da weiter, wo sie letztes Jahr aufgehört haben. Mit fünf Siegen am Stück und neun aus den letzten zehn sind sie in der NL West schon wieder eine Klasse für sich. Auch das Run Differential der Dodgers von +32 ist einsame Spitze in der MLB. Noch bricht aber zum Glück keine Langeweile in der Division aus, denn mit den San Francisco Giants (8-4) und den San Diego Padres (8-5) spielen zwei Teams so weit oben mit, dass sie derzeit beide Wild Cards der NL abbekämen. Am Wochenende können die Padres erstmals zeigen, ob sie in der Lage sind, den Dodgers im Kampf um die Division gefährlich zu werden (siehe „Einschalttipp“). 

Szene der Woche
Ich muss zugeben, dass ich mich über den 3:2-Sieg im Home Opener der Mets gegen die Marlins am letzten Donnerstag gefreut habe. „A win is a win“, so fasste es Mets-Outfielder Michael Conforto später zusammen. Eben jener Conforto war allerdings verantwortlich dafür, dass die Freude über den Sieg nicht ganz ungetrübt war, denn so gewinnt man eigentlich nicht gern. Die Mets hatten im neunten Inning einen Rückstand ausgeglichen und anschließend die Bases geladen, unter anderem durch einen Intentional Walk für Francisco Lindor. Conforto kam mit einem Out an die Platte und gab schnell zwei Strikes an Marlins-Reliever Anthony Bass ab. Bei einem 1-2-Count schien der dritte Strike die Zone zu durchqueren, doch der Ball streifte Confortos Arm und der Umpire entschied auf Hit-by-Pitch. Wegen der geladenen Bases brachte das den siegbringenden Run für die Mets nach Hause. Was die Szene streitbar machte, war die Bewegung von Conforto während des Pitches. Er wich dem Ball nicht nur nicht aus, sondern lehnte sich ihm regelrecht entgegen. In dem Fall hätte der Umpire, wie er später selbst feststellte, eigentlich auf Strike entscheiden müssen. Doch die Tatsachenentscheidung blieb bestehen, obwohl es noch ein Video-Review gab. Bei diesem durfte den Regeln nach nur überprüft werden, ob der Pitch wirklich den Arm berührt hatte, aber nicht das Ermessen des Umpires, inwiefern der Batter den Hit-by-Pitch billigend in Kauf nahm oder gar absichtlich herbeiführte. 

Statistik der Woche 
8. So viele Spiele hintereinander hat Red-Sox-Slugger J. D. Martinez zum Saisonstart absolviert, in denen er jeweils mindestens einen Extra-Base-Hit erzielte. Er stellte damit einen MLB-Rekord ein, welchen er nun gemeinsam mit Sandy Alomar Jr. (1997) und Alex Rodriguez (2007) hält. Der alleinige Rekord blieb Martinez versagt: In der Partie gegen die Twins am Dienstag gelang ihm zum ersten Mal in diesem Jahr kein einziger Hit. 

Spiel(e) der Woche
Die San Diego Padres waren das letzte MLB-Team, das noch nie einen No-Hitter erzielt hatte. Das änderte sich letzten Freitag, als Joe Musgrove das Kunststück beim 3:0-Sieg gegen die Texas Rangers gelang. Dass ausgerechnet Musgrove diesen Meilenstein der Teamgeschichte erzielte, scheint einem fast schon zu kitschigen Drehbuch entnommen. Der 28-Jährige spielt zwar erst seit diesem Jahr für San Diego, aber er wuchs unweit des Ballparks als Fan der Padres auf. Um ein Haar hätte es gegen die Rangers sogar zum Perfect Game gereicht: Ein Hit-by-Pitch gegen Joey Gallo im vierten Inning erlaubte den einzigen Baserunner für Texas, ansonsten stand sowohl in der Spalte für Hits als auch in der für Walks eine fette Null. 

Auch der zweite No-Hitter in dieser noch jungen Saison ging nur knapp am Perfect Game vorbei. Acht Innings lang ließ White-Sox-Lefty Carlos Rodon letzte Nacht keinen Baserunner der Cleveland Indians zu. Zu Beginn des neunten wurde es gleich zweimal brenzlig: Zuerst gelang First Baseman Jose Abreu um Haaresbreite ein Groundout gegen Josh Naylor, um das perfekte Spiel seines Pitchers intakt zu halten. Im folgenden At-Bat traf dieser mit einem Slider den Fuß von Roberto Perez. Das Perfect Game war damit passé, aber Rodon behielt die Nerven und brachte mit den letzten beiden Outs den No-Hitter und den 8:0-Sieg nach Hause. 

Mein Einschalttipp
Zurück zu den Padres: Am Wochenende steht zum ersten Mal in diesem Jahr das mit Spannung erwartete Duell der beiden Favoriten in der NL West an. Dreimal hintereinander sind die Los Angeles Dodgers zu Gast in Petco Park. Frühaufsteher haben vielleicht Lust, am Samstagmorgen ab 4:10 Uhr beim ersten Spiel der Serie reinzuschauen. Meine Empfehlung ist die dritte Partie am Sonntagabend ab 22:10 Uhr – nicht nur wegen der günstigen Startzeit, sondern auch wegen des Pitcherduells zwischen Blake Snell und Trevor Bauer. 

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , ,

April 8th, 2021 by Silversurger

Die MLB ist zurück. In der ersten Woche gab es eine Menge großartiger Szenen und Spiele, leider aber auch schon die ersten coronabedingten Spielausfälle. Zudem gab es politisch verursachten Trubel um das All-Star-Game: Die Ligaleitung hat entschieden, dieses nicht wie geplant in Atlanta auszutragen, sondern es nach Denver zu verlegen. Hintergrund ist eine Änderung des Wahlgesetzes im Staat Georgia, die relativ offensichtlich dem Ziel dient, sozialen und ethnischen Minderheiten die Wahlteilnahme zu erschweren. MLB-Commissioner Rob Manfred teilte in einer Erklärung mit, dass er die Verlegung des Spiels als „besten Weg, unsere Werte als Sport zu demonstrieren“ ansieht. Ich halte das für ein grundsätzlich richtiges Zeichen, wenngleich ich auch die Enttäuschung der als Gastgeber ausgebooteten Atlanta Braves verstehe, die keine Schuld an der Gesetzgebung ihres Staates tragen. Jetzt aber zum Sport: 

National League
Über die NL East lässt sich bislang am wenigsten sagen, da sie vom ersten Tag der Saison an stark von Ausfällen betroffen war. Ein Covid-19-Ausbruch im Team der Washington Nationals (1-2) führte dazu, dass deren gesamte Serie gegen die New York Mets (1-2) verschoben werden musste. Seit Dienstag sind die Nationals wieder im Einsatz, müssen allerdings noch für einige Tage auf Patrick Corbin, Jon Lester, Yan Gomes, Alex Avila, Josh Bell, Josh Harrison, Jordy Mercer, Kyle Schwarber und Brad Hand verzichten. Für einen Sieg im ersten Spiel gegen die Atlanta Braves (2-4) reichte es trotzdem. Die Braves hatten vorher schon einen lupenreinen Fehlstart, indem sie sich 0-3 von den Philadelphia Phillies (5-1) sweepen ließen. Im gestrigen Doubleheader gegen die Nationals konnten sie sich mit zwei Siegen rehabilitieren. Auch die Miami Marlins (1-5) sind schwach gestartet und sehen nicht so aus, als könnten sie die Überraschung der letzten Saison wiederholen.

Vielleicht kommt das Überraschungsteam des Jahres 2021 aus der NL Central. Die Cincinnati Reds (5-1) haben aus sechs Spielen nicht nur fünf Siege, sondern auch ein beeindruckendes Run Differential von +31 eingefahren. Allerdings holten sie den größten Teil davon gegen die Pittsburgh Pirates (1-5). Die richten sich wohl wie erwartet von Anfang an im Keller ein, zumal sich mit Ke’Bryan Hayes ihr einziger Star im ersten Saisonspiel verletzte. Zwischen den beiden Favoriten der Division, den St. Louis Cardinals (4-2) und den Milwaukee Brewers (3-3), steht ab heute eine möglicherweise weichenstellende Serie an. Die Chicago Cubs (3-3) haben derweil das Glück, in ihrer dritten Serie schon zum zweiten Mal gegen die Pirates antreten zu dürfen.

Die NL West begann bemerkenswert, indem eines der wohl schwächsten Teams der MLB, die Colorado Rockies (2-4), das wohl stärkste, die Los Angeles Dodgers (5-2), im Eröffnungsspiel besiegte. Aber das Strohfeuer ist schon wieder erloschen: Die Dodgers haben ihren gewohnten Platz an der Spitze der Division eingenommen, die Rockies bilden gemeinsam mit den Arizona Diamondbacks (2-4) das Schlusslicht. Mit den San Diego Padres (4-3) und den San Francisco Giants (3-3) auf dem dritten Platz ist die NL West die einzige Division, die schon nach einer Woche ziemlich genau so dasteht, wie man es auch für das Ende der Saison erwarten würde. Die Padres müssen allerdings einen harten Schlag verkraften: Fernando Tatis Jr. musste am Montag ausgewechselt werden, nachdem er sich bei einem harten Schwung die Schulter auskugelte. Die Schwere der Verletzung ist noch unklar, doch es scheint sich um mehr zu handeln als „nur“ um ein aus der Pfanne und wieder zurück gesprungenes Gelenk. Der Star-Shortstop steht auf der 10-Tage-Verletztenliste und unterzieht sich weiteren Untersuchungen.

American League
Die Baltimore Orioles (4-2) haben sicher schon ein paar Screenshots von der Tabelle der AL East geschossen. Durch einen Sweep gegen die Boston Red Sox (3-3) in der Eröffnungsserie setzten sie sich an die Spitze der Division, und dort stehen sie nach zwei Niederlagen und einem Extra-Inning-Sieg gegen die New York Yankees (3-3) immer noch. Die Red Sox überraschten ihrerseits, indem sie dem desolaten Start einen Sweep gegen die Tampa Bay Rays (2-4) folgen ließen. Gute und schlechte Nachrichten gibt es für die Toronto Blue Jays (3-3): Die gute ist, dass der Klub mit General Manager Ross Atkins eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre aushandeln konnte. Die schlechte ist, dass das Debüt von Neueinkauf George Springer nach wie vor auf sich warten lässt. Springer startete die Saison auf der Verletztenliste wegen einer Bauchmuskelzerrung; die ist inzwischen überwunden, doch nun sind beim Rennen Schmerzen im Oberschenkel aufgetreten und machen den geplanten Auftritt beim heutigen Home-Opener gegen die Angels unmöglich.

Den besten Start in der AL Central haben die Minnesota Twins (4-2) erwischt, die ihre Serien gegen die Brewers und gegen die Detroit Tigers (3-3) jeweils 2-1 gewannen. Am Wochenende wird es interessant, wenn die etwas besser als erwartet dastehenden Kansas City Royals (3-2) bei den etwas schlechter als erwartet gestarteten Chicago White Sox (3-4) antreten. Die Cleveland Indians (2-3) bieten derweil das Bild, das man von ihnen gewohnt ist: die wenigsten erzielten Runs in der gesamten AL und dennoch ein Run Differential von +1 dank ihres hervorragenden Pitchings.

In der AL West hatte gleich die erste Serie schon stark richtungsweisenden Charakter: Die Oakland Athletics (1-6) mussten im eigenen Ballpark einen 4-Spiele-Sweep der Houston Astros (5-1) hinnehmen. Da die A’s auch die nächsten beiden Spiele gegen die Dodgers verloren und obendrein den Ausfall ihres Closers Trevor Rosenthal verkraften müssen, stehen sie bereits mit dem Rücken zur Wand. Zu allem Überfluss müssen sie jetzt nach Houston reisen. Aber vielleicht geht ja ein Ruck durch das Team, nachdem gestern per Extra-Innings-Walkoff über die Dodgers der erste Saisonsieg eingefahren wurde. Außer den Astros sind auch die Los Angeles Angels (4-2) stark in die Saison gestartet, unter anderem mit drei Siegen gegen die White Sox. In einem davon hatte Shohei Ohtani seinen großen Auftritt, indem er zum ersten Mal im selben MLB-Spiel pitchte und schlug. In 4.2 Innings erzielte er einen Homerun und ließ nur einen gegnerischen Run zu. 

Szene der Woche
Die folgende Szene aus dem Eröffnungsspiel zwischen den Dodgers und den Rockies ist so kurios wie erklärungsbedürftig: Mit Justin Turner als Runner an der ersten Base schlägt Cody Bellinger einen weiten Ball ins Leftfield. Raimel Tapia bekommt den Ball kurz in den Handschuh, lässt ihn aber über den Zaun fallen. Bellinger und Turner denken zunächst, dass es ein Homerun ist, doch dann ist sich Turner der Sache nicht mehr sicher und sprintet zurück zur ersten Base, wie es nach einem Flyout erforderlich wäre. Dabei achtet er nicht auf Bellinger und läuft an diesem vorbei. Regeltechnisch hat Bellinger dadurch Tuner beim Baserunning überholt und ist automatisch aus – trotz des inzwischen von den Umpires bestätigten Homeruns. Weil Bellinger zwischen der ersten und zweiten Base aus ist, gilt sein Schlag nur als Single. Turner darf aber um die Bases laufen, der RBI dafür geht an Bellinger.

Zwei Tage später schlug übrigens die ausgleichende Gerechtigkeit in Form einer verblüffend ähnlichen Szene zu: Dieses Mal war Zach McKinstry für die Dodgers am Schlag. Wieder flog der Ball Richtung Leftfieldzaun, wieder war Raimel Tapia mit dem Handschuh dran. Dieses Mal landete der Ball im Feld, aber weil Tapia das zu spät merkte, gelang McKinstry ein Inside-The-Park-Homerun. 

Statistik der Woche 
8. So viele Hits hatte Yermin Mercedes von den Chicago White Sox in ebenso vielen Plate Appearances zum Start der Saison. Das ist MLB-Rekord und auch deshalb erstaunlich, weil von dem 28-Jährigen bisher kaum jemand je gehört hatte. Kurz vor Saisonstart war er durch die Verletzung von Eloy Jimenez in den Kader gerutscht und durfte im ersten Spiel als DH antreten. Er schlug 5-für-5 und traf im nächsten Spiel erneut dreimal hintereinander, bevor ihn beim neunten Versuch ein Flyout ereilte.

Die zweite Feel-Good-Story des Opening Weekends möchte ich an der Stelle nicht unerwähnt lassen: Auch die Detroit Tigers haben einem bislang kaum bekannten Spieler eine Chance gegeben, und auch er nutzte sie auf spektakuläre Weise: Akil Baddoo schlug den ersten Pitch seiner MLB-Karriere zum Homerun. 

Spiel der Woche
Die Entscheidung fällt schwer angesichts der vielen tollen Spiele, die die erste Woche zu bieten hatte. Weil es in diesem Artikel bisher vor allem um Offense ging, geht meine Stimme hier an die Partie der Twins gegen die Brewers vom Samstag. José Berrios und Corbin Burnes lieferten sich sechs Innings lang ein geradezu wahnwitziges Pitcherduell: 12 Strikeouts für Berrios, 11 für Burnes, kein Walk und kein Hit auf beiden Seiten. Die einzigen Baserunner ließen beide Pitcher im fünften Innning durch jeweils einen Hit-by-Pitch zu. Im siebten Inning beendete Byron Buxton per Homerun den No-Hitter von Burnes. Berrios wurde trotz seines noch intakten No-Hitters nach sechs Innings und 84 Pitches ausgewechselt. Den ersten und einzigen Hit der Brewers erzielte Omar Narvaez im achten Inning gegen Tyler Duffey.

Mein Einschalttipp
Am Wochenende steht die Paarung an, die letztes Jahr das Duell in der AL darstellte: Die New York Yankees treffen auf die Tampa Bay Rays. Beide Teams hatten einen durchwachsenen Start und dürften entsprechend motiviert sein, das eine oder andere Ausrufezeichen zu setzen. Die erste Partie der 3-Spiele-Serie beginnt am Freitag zur perfekten mitteleuropäischen Sendezeit um 21:10 Uhr und ist obendrein das Free Game of the Day auf mlb.tv. Als Starting Pitcher treten die beiden Routiniers Rich Hill (Rays) und Corey Kluber (Yankees) an.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

April 1st, 2021 by Silversurger

Update: Wenige Minuten nach Veröffentlichung dieses Artikels gaben die Nationals bekannt, dass sie wegen ihres Covid-Falls und wegen der noch andauernden Kontaktnachverfolgung das heutige Spiel gegen die Mets abgesagt haben.

Endlich! Endlich! Endlich! Der Opening Day der MLB ist da, dank Feiertag steht einem Nachtschicht-Bingewatching nichts im Wege, und als wäre das noch nicht genug Grund zur Freude, hat mein Lieblingsteam letzte Nacht die lang ersehnte Vertragsverlängerung mit Francisco Lindor unter Dach und Fach gebracht. Was für ein wunderbarer Tag für den garantiert letzten Grand Slam am Donnerstag vor Beginn der Saison 2021.

Das Programm am Opening Day
Wer sich zur Saisoneröffnung die volle Baseball-Breitseite geben möchte – und das nötige Abo von mlb.tv hat – kann heute Abend und Nacht 12 Stunden am Stück MLB-Baseball sehen. Um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit den Yankees gegen die Blue Jays, fünf Minuten später starten die Tigers gegen die Indians. Bis 22:10 Uhr kommen stündlich Spiele dazu. Ab 1:09 Uhr kann man sich ganz auf Lindors erstes Spiel mit den Mets gegen die Nationals und das aufregende Pitching-Matchup deGrom vs. Scherzer konzentrieren, bevor ab kurz nach 4 Uhr noch drei Spiele an der Westküste laufen. Für alle, die kein mlb.tv-Abo haben: DAZN wird wohl täglich ein Spiel übertragen, am Opening Day ist es Yankees vs. Blue Jays. Auf mlb.tv gibt es normalerweise auch wieder jeden Tag ein „Free Game of the Day“, für heute wurde allerdings bisher keines bekannt gegeben. 
Die Fans der Red Sox und der Orioles müssen sich leider noch einen Tag länger gedulden: Die Partie in Boston wurde um einen Tag verschoben, weil in der Region starke Regenfälle erwartet werden.

Zuschauer in allen Stadien
Bei allen Spielen der MLB werden von Saisonbeginn an Zuschauer erlaubt sein. Die dafür freigegebene Kapazität gestaltet sich sehr unterschiedlich. Für die meisten Ballparks ist eine Auslastung von 20 bis 25% vorgesehen. In Fenway Park und Nationals Park ist man deutlich vorsichtiger, dort werden nur 12% der Plätze belegt. Coors Field und Chase Field hingegen sind zu über 40% freigegeben. Die Texas Rangers sind die einzigen, die ihr neues Stadion Globe Life Field am Opening Day komplett nutzen wollen und dürfen: 40.518 Fans werden die Ränge füllen. Entgegen dem Rat der örtlichen Gesundheitsbehörden hat der texanische Gouverneur Greg Abbott sogar die Maskenpflicht aufgehoben. Die Rangers schreiben allerdings auf eigene Faust das Tragen einer Maske im Stadion vor.

Quarantänefälle bei den Nationals
Dass die Pandemie auch in dieser Saison ein Faktor ist, sieht man nicht nur an den fast überall geltenden Zuschauerbeschränkungen. Schon am Opening Day gibt es die ersten coronabedingten Spielerausfälle:  Ein Mitglied der Washington Nationals wurde positiv getestet, vier weitere Spieler und ein Angestellter gelten als enge Kontaktpersonen und sind deshalb ebenfalls in Quarantäne. Um welche Spieler es sich handelt, wurde bislang nicht bekannt.

341 Millionen für Lindor 
Seit dem spektakulären Trade mit den Cleveland Indians war eigentlich klar, dass sich dieser für die New York Mets nur dann richtig lohnt, wenn man Francisco Lindor über die Saison 2021 hinaus an sich binden kann. Lindor zeigte sich offen dafür, machte aber zur Bedingung, dass er nicht bis in die Saison hinein verhandeln möchte. Entsprechend hektisch wurde es im Umfeld, als bis in die späten Abendstunden am Vortag der Saisoneröffnung immer noch kein Deal in Sicht war. Doch gegen 23 Uhr Ortszeit zog endlich weißer Rauch durch die sozialen Netzwerke: Lindor und die Mets haben sich geeinigt, der Star-Shortstop unterschreibt für zehn Jahre von 2022 bis 2031. Er erhält dafür insgesamt 341 Millionen Dollar, verteilt auf ein Handgeld von 21 Millionen und auf zehn Gehälter á 32 Millionen. Der Vertrag enthält keine Ausstiegsoptionen und eine No-Trade-Klausel in Bezug auf 15 Teams. Der große Gewinner der Einigung neben Lindor ist Steve Cohen. Der neue Teameigner hatte angekündigt, die Mets als Big-Market-Franchise zu führen, und mit diesem Vertrag lässt er Worten Taten folgen. Es ist der langfristigste Spielervertrag der Vereinsgeschichte und mit großem Abstand der teuerste. Zudem ist es der höchste Vertrag, den je ein Shortstop bekommen hat. Er übertrifft den 14-Jahresvertrag von Fernando Tatis Jr. mit den Padres vermutlich nicht zufällig um genau eine Million.  

Twins verlängern mit Dobnak
Randy Dobnak hat sich mit den Minnesota Twins auf einen neuen Vertrag geeinigt. Der Pitcher bleibt dem Team für mindestens fünf Jahre erhalten und bekommt dafür 9,25 Millionen Dollar. Das ist für MLB-Verhältnisse keine spektakuläre Summe, doch die Geschichte dahinter ist ziemlich originell: Dobnak verließ 2017 mit 22 Jahren das College, ohne von einem MLB-Team gedraftet zu werden, und schloss sich dem Independent-Team Utica Unicorns an. Die Scouts der Twins entdeckten ihn über Youtube-Videos und verpflichteten ihn für ein Handgeld von 500 Dollar in ihr Minor-League-System, ohne ihn je persönlich gesehen zu haben. Während er seinen Lebensunterhalt als Uber-Fahrer verdiente, arbeitete Dobnak sich innerhalb von zwei Jahren durch die Minor Leagues und debütierte 2019 erfolgreich in der MLB. Die Twins setzen ihn sowohl als Starter als auch im Bullpen ein. Der Klub hat sich für 2026 bis 2028 Verlängerungsoptionen gesichert, mit denen der Vertrag auf insgesamt acht Jahre und bis zu 29,75 Millionen Dollar ausgedehnt werden kann.

Ein paar Verletzungs-News
Keine Woche ohne Tommy-John-Surgery: Jose Leclerc, bislang Closer der Texas Rangers, ist der nächste Kandidat, der sich der ungebliebten Prozedur unterziehen muss und bis ins nächste Jahr hinein ausfällt. In seiner Abwesenheit werden voraussichtlich Ian Kennedy und/oder Matt Bush die Save-Aufgaben bei den Rangers übernehmen.
Rockies-Reliever Scott Oberg benötigt schon zum vierten Mal in seiner Karriere eine Operation, weil sich bei ihm immer wieder Blutgerinnsel im Ellenbogen seines Wurfarms bilden. Ob er nach dem neuerlichen Eingriff noch einmal Profisport betreiben darf oder seine Karriere beenden muss, ist noch unklar.
Das prominenteste Verletzungsopfer der Woche ist Eloy Jimenez von den Chicago White Sox. Ein gerissener Brustmuskel beim Versuch, einen Homerun zu verhindern, setzt den Leftfielder für vier bis fünf Monate, also für einen Großteil der Saison außer Gefecht. Einen offensichtlichen Ersatzmann für seinen Posten haben die White Sox bisher nicht, aber es gibt ein paar Ideen für Notlösungen (siehe weiter unten).
Nick Anderson, ein wichtiger Teil des Bullpens der Tampa Bay Rays, hat sich ein Band im Ellenbogen teilweise gerissen und fällt voraussichtlich bis nach dem All-Star-Break aus.
Auch den New York Yankees bleibt das Verletzungspech treu: First Baseman Luke Voit muss wegen eines Meniskusrisses operiert werden. Er wird den Yankees für ein bis zwei Monate fehlen.

Lamb zu den White Sox
Jake Lamb wurde vor einigen Tagen von den Atlanta Braves entlassen, nachdem diese sich entschieden, an seiner Stelle Pablo Sandoval einen Platz im Roster zu geben. Lamb war nicht lange arbeitslos, denn den Chicago White Sox kam er nach der Verletzung von Leftfielder Eloy Jimenez wie gerufen. Lamb hat zwar keine Erfahrung im Leftfield und wird dort wohl auch nicht zum Einsatz kommen. Aber er gibt den White Sox neue Flexibilität. Yoan Monacada, der Inhaber des Stammplatzes auf Lambs Position an der dritten Base, hatte in der Vergangenheit schon signalisiert, falls nötig auch im Outfield zu spielen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass der frisch ins MLB-Team berufene Rookie Andrew Vaughn sich im Leftfield versucht, während Lamb als Designated Hitter einsteigt.

Rockies verpflichten Chacin
Quasi in allerletzter Sekunde sind die Colorado Rockies doch noch tätig geworden. Als einziges MLB-Team hatten sie in der bisherigen Offseason auf jegliche Neuverpflichtung eines Free Agents verpflichtet. Das hat sich nun geändert, indem sie Pitcher Jhoulys Chacin unter Vertrag genommen haben. Der Rechtshänder hatte den größten Teil des Spring-Trainings unter einem Minor-League-Vertrag bei den Yankees verbracht. Nachdem diese ihn Anfang der Woche ziehen ließen, wurde er sich mit den Rockies einig, bei denen seine Karriere einst begonnen hatte.

Ein Catcher für die Cubs
Auch die Chicago Cubs haben noch eine Ergänzung an Land gezogen. Catcher Tony Wolters unterschreibt einen Einjahresvertrag, nachdem er die Ausstiegsoption aus einem Minor-League-Kontrakt mit den Pirates gezogen hatte. Die Cubs hatten im Dezember ihren Ersatzcatcher Victor Caratini zusammen mit Yu Darvish zu den Padres getradet und waren seitdem auf der Suche nach einem neuen Backup für Willson Contreras.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

März 30th, 2021 by Silversurger

Ich weiß, ein Meisterschaftstipp auf den amtierenden Champion ist immer ein bisschen langweilig. Aber die Los Angeles Dodgers lassen mir keine Wahl. 43 Siege sowie ein Run Differential von +136 in 60 Spielen, gefolgt vom ersehnten und verdienten World-Series-Sieg am Ende der längsten Playoffs aller Zeiten – die Saison 2020 der Dodgers war die Definition von Dominanz. Im Gegensatz zu vielen Meisterteams vor ihnen handelte es sich dabei nicht um ein einmaliges Aufbäumen. Die Dodgers sind schon lange ein Spitzenteam, haben achtmal in Folge die NL West gewonnen und dreimal in den letzten vier Jahren den NL-Titel geholt. Und sie werden es noch lange sein, denn der Kern des Teams ist auf Jahre hinaus gesichert und Überalterung kein Thema in einem Roster, in dem zehn der World-Series-Teilnehmer 26 oder jünger waren. Als wäre das alles nicht genug, legten die Dodgers in der Offseason noch nach, indem sie mit Trevor Bauer den begehrtesten Pitcher der diesjährigen Free Agency verpflichteten. Der Cy-Young-Gewinner der NL wird voraussichtlich die Nummer drei in der Rotation sein – allein das zeigt, wie absurd stark dieses Team aufgestellt ist. Eine Titelverteidigung – es wäre die erste in der MLB seit über 20 Jahren – ist natürlich kein Automatismus, sonst könnten wir ja gleich Bundesliga-Fußball schauen. 30 Mannschaften treten an, rund die Hälfte davon macht sich begründete und berechtigte Hoffnungen. Aber kaum jemand wird ernsthaft bestreiten, dass die Dodgers als haushoher Favorit in die Saison gehen.

Voraussichtliches Lineup
C Will Smith
1B Max Muncy
2B Gavin Lux
SS Corey Seager
3B Justin Turner
LF A. J. Pollock
CF Cody Bellinger
RF Mookie Betts

Voraussichtliche Rotation
RHP Walker Buehler
LHP Clayton Kershaw
RHP Trevor Bauer
LHP Julio Urias
RHP Dustin May
Key Relievers: Kenley Jansen, Blake Treinen

Wichtigster Zugang
RHP Trevor Bauer (Cincinnati Reds)

Wichtigster Abgang
OF Joc Pederson (Chicago Cubs)

Bestes Prospect
C Keibert Ruiz

Größte Stärke
So ziemlich alles: 2020 haben die Dodgers sowohl die meisten Runs von allen MLB-Teams erzielt (349) als auch in der NL die wenigsten Runs kassiert (213). MLB-weit waren es nur die zweitwenigsten kassierten Runs (hinter den Indians mit 209), aber um diesen Schönheitsfehler auszumerzen, hat man ja nun die Rotation mit Trevor Bauer aufgemotzt. Sie haben eine gesunde Altersstruktur, aus der Farm kommt immer noch etwas nach und der Kader ist so tief besetzt, dass selbst der Ausfall von ein, zwei Starspielern die Dodgers nicht aus der Bahn werfen würden.

Größte Schwäche
Keine: Wenn man mit der Lupe herangeht, stößt man zum Beispiel darauf, dass 2B Gavin Lux seinem Ruf als ehemaliges Top-Prospect bisher nicht gerecht wird. Oder darauf, dass der eine Teil des Catcher-Duos, Will Smith, in der Defensive unterdurchschnittlich ist und der andere Teil, Austin Barnes, in der Offensive. Oder darauf, dass Justin Turner, A. J. Pollock und Clayton Kershaw in einem Alter sind, in dem die Leistung innerhalb der nächsten Jahre nachlassen wird; bei Kenley Jansen ist dieser Prozess phasenweise bereits unübersehbar. Aber nichts davon ist eine große Schwäche, die nicht durch die Breite und Tiefe des Rosters aufgefangen würde.

Spannendste Frage
Schlägt der World-Series-Hangover zu? Das Phänomen ist bekannt, es schlägt sich in dem Umstand nieder, dass es in der MLB wie schon erwähnt seit über 20 Jahren keine Titelverteidigung gab. Oft qualifzierten sich die amtierenden Meister im Folgejahr nicht mal für die Playoffs. Der Hangover ist kein Aberglaube, sondern vermutlich eine Kombination aus mentaler Sättigung und körperlicher Erschöpfung durch die deutlich längere Saison der World-Series-Teilnehmer. Zumindest Letzteres dürfte nach der Kurzsaison 2020 weniger ins Gewicht fallen als sonst. Auch das spricht dafür, dass die Chancen auf einen Repeat des Champions dieses Jahr so gut stehen wie lange nicht.

Meine Prognose
Platz 1 in der NL West, World Champion

Hier geht’s zum vollständigen Power-Ranking mit allen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

März 29th, 2021 by Silversurger

Spätestens seit ich die Yankees nur auf Rang 7 meines Rankings gesetzt habe, konnte man sich wohl denken, dass ich auf den Hypetrain um die Toronto Blue Jays aufgesprungen bin. Der Klub hat einen gut durchdachten mehrjährigen Rebuild hinter sich, in dem haufenweise Talent angesammelt und entwickelt wurde. Letztes Jahr signalisierte die Vereinsführung durch die Verpflichtung von Pitching-Ass Hyun-Jin Ryu, dass sie die Zeit gekommen sah, die Früchte des Neuaufbaus zu ernten. Ich war davon zunächst nicht überzeugt, doch das Team belehrte mich eines Besseren. Trotz übermächtig erscheinender Konkurrenz innerhalb der AL East brachten die Blue Jays es auf eine positive Bilanz (32-28) und erreichten die Playoffs. Dort war zwar gegen die Rays schnell Endstation, aber die Blue Jays sind offensichtlich zurück im Rennen. Die jungen Spieler, die den Kern des Kaders bilden, werden dieses Jahr einen weiteren Schritt nach vorne machen. Insbesondere von Vladimir Guerrero Jr. erwarte ich ein Breakout-Jahr. Er dürfte am meisten von der Neuverpflichtung von Marcus Semien profitieren – dadurch, dass Semien und Bo Bichette das Middle Infield unter sich aufteilen, ist Cavan Biggio frei für die Third Base und Guerrero kann sich als First Baseman und/oder DH mehr auf sein starkes Hitting konzentrieren. Ein noch größeres Upgrade hat das Outfield erhalten, denn die Blue Jays räumten mit George Springer einen der Hauptpreise der diesjährigen Free Agency ab. Eher zurückhaltend waren sie in Bezug auf die Starting-Rotation, die nach wie vor etwas dünn wirkt und sich als Achillesferse des Teams herausstellen kann. Hinzu kommt, dass sich der als Closer verpflichtete Kirby Yates letzte Woche einer Tommy-John-Surgery unterziehen musste und somit für die gesamte Saison ausfällt. Die Stärken und Schwächen der Blue Jays sprechen dafür, dass sie dieses Jahr viele High-Scoring-Games und somit einen hohen Unterhaltungswert bieten werden. Dass sie auf dem zweiten Platz meines Rankings stehen, hat übrigens teilweise „formale“ Gründe: Dieser Platz ist bei mir für das beste Team der American League, also den erwarteten World-Series-Teilnehmer reserviert. Das sind in meiner Prognose die Blue Jays. Allerdings halte ich die National League dieses Jahr in der Spitze für deutlich stärker, sodass der realistische Rang der Blue Jays #4 hinter drei NL-Teams wäre.

Voraussichtliches Lineup
C Danny Jansen
1B Vladimir Guerrero Jr.
2B Marcus Semien
SS Bo Bichette
3B Cavan Biggio
LF Lourdes Gurriel Jr.
CF George Springer
RF Teoscar Hernandez
DH Rowdy Tellez

Voraussichtliche Rotation
LHP Hyun-Jin Ryu
LHP Robbie Ray
RHP Nate Pearson
RHP Tanner Roark
LHP Steven Matz
Key Relievers: Jordan Romano, Rafael Dolis

Wichtigster Zugang
OF George Springer (Houston Astros)

Wichtigster Abgang
RHP Taijuan Walker (New York Mets)

Bestes Prospect
RHP Nate Pearson

Größte Stärke
Das Lineup: Die Blue Jays stellte letztes Jahr bereits die drittbeste Offense der AL mit 302 erzielten Runs und die viertbeste mit .766 OPS. Das war noch vor der Ankunft von George Springer, einem der stärksten Leadoff-Hitter der Liga. Die oben beschriebenen Umstellungen infolge der Verpflichtung von Marcus Semien könnten sich als weiterer Faktor erweisen, der diese Offense 2021 noch ein Stück besser macht als 2020 und gleichzeitig defensive Schwächen reduziert.

Größte Schwäche
Pitching-Tiefe: Hyun-Jin Ryu ist das unumstrittene Ass. Selbst wenn man über seine umfangreiche Verletzungsgeschichte hinwegsieht, häufen sich hinter ihm die Fragezeichen: Finden Robbie Ray und Steven Matz die Form, die sie bei ihren alten Teams vor drei, vier Jahren regelmäßig, seitdem aber nur noch sporadisch gezeigt haben? Wird Nate Pearson den Vorschusslorbeeren des Top-Prospects gerecht? Waren die schwachen Leistungen von Tanner Roark und Ross Stripling 2020 nur ein statistischer Ausreißer? Nur wenn die Mehrzahl dieser Fragen mit ja zu beantworten sind, haben die Blue Jays eine Chance, meiner optimistischen Einstufung gerecht zu werden.

Spannendste Frage
Wann dürfen sie nach Hause? Wegen der Pandemielage sind die Reisemöglichkeiten zwischen Kanada und den USA seit einem Jahr stark eingeschränkt. Die Blue Jays beginnen daher die zweite Saison in Folge in einer Ersatz-Heimstätte. Die Wahl fiel nicht erneut auf den Minor-League-Ballpark in Buffalo, New York, sondern auf den Spring-Training-Komplex in Dunedin, Florida. Dort wird das Team zumindest im April und wahrscheinlich auch im Mai die Heimspiele austragen. Danach wird es vom Infektions- und Impfgeschehen abhängen, ob die Blue Jays ins Rogers Center zurückkehren können. Falls das nicht möglich ist, steht eventuell ein erneuter Zwischennumzug nach Buffalo an, bevor das heiße und feuchte Sommerklima in Florida zur Belastung wird.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

März 28th, 2021 by Silversurger

Die New York Mets stehen am Beginn einer neuen Zeitrechnung. Für 2,475 Milliarden Dollar erwarb Hedgefond-Milliardär Steve Cohen Ende letzten Jahres die Mehrheitsanteile an der Franchise von der bisherigen Eingentümergruppe um Fred und Jeff Wilpon. Für die meisten Fans der Mets ging damit ein Traum in Erfüllung, denn im Gegensatz zu den als ebenso geizig wie inkompetent eingestuften Wilpons wird Cohen als regelrechter Heilsbringer angesehen. Der Mann ist nicht nur überaus reich, er gilt auch als sehr umgänglich und als geneigt, sich mit kompetentem Personal zu umgeben. Zudem schadet es sicher nicht, dass er selbst lebenslanger Metsfan ist. Wer gehofft hatte, dass Cohen nun einfach die Schatulle öffnet und auf große Free-Agent-Einkaufstour geht, wurde möglicherweise enttäuscht. Auf der Suche nach einem Starting Pitcher, einem Catcher und einem Centerfielder wurde verhandelt mit Trevor Bauer, J. T. Realmuto und George Springer – verpflichtet wurden Taijuan Walker, James McCann und Kevin Pillar. Das sind keine aufregenden, sondern „nur“ solide Moves, die den Kader sinnvoll ergänzen. Doch während in der Free Agency ein echter Knaller ausblieb, knallte der Trade mit den Cleveland Indians umso lauter: Im spektakulärsten Deal dieser Offseason lotsten die Mets Star-Shortstop Francisco Lindor sowie Starter Carlos Carrasco nach Queens. Im Gegenzug schickten sie ihre beiden bisherigen Shortstops sowie zwei nachrangige Prospects nach Cleveland, was ein sehr überschaubarer Preis ist. Der einzige Wermutstropfen bei dem Geschäft ist, dass Lindor nur für ein Jahr unter Vertrag steht. Eine Verlängerung mit ihm wird angestrebt, ebenso wie mit Michael Conforto und Noah Syndergaard, die sich ebenfalls im letzten Vertragsjahr befinden. Alle drei zu halten wäre ein ganz starkes Signal, dass Cohen es ernst damit meint, die Mets zu einem dauerhaften Contender zu machen. „If I don’t win a World Series in the next three to five years – I’d like to make it sooner – I would consider that slightly disappointing“, so die Marschrichtung, die er bei seiner ersten Pressekonferenz als Teambesitzer ausgab. Ob die Mets schon dieses Jahr die Chance zum ganz großen Wurf haben, hängt auch davon ab, ob sie von weiteren Verletzungen verschont bleiben – dass sie zu Beginn der Saison auf Carrasco, Syndergaard und Seth Lugo verzichten müssen, ist möglicherweise der erste Stolperstein beim Start in die neue Zeitrechnung. 

Voraussichtliches Lineup
C James McCann
1B Pete Alonso
2B Jeff McNeil
SS Francisco Lindor
3B J. D. Davis
LF Dominic Smith
CF Brandon Nimmo
RF Michael Conforto

Voraussichtliche Rotation
RHP Jacob deGrom
RHP Marcus Stroman
RHP Carlos Carrasco
RHP Taijuan Walker
LHP David Peterson
(RHP Noah Syndergaard; verletzt bis ca. Saisonmitte)
Key Relievers: Edwin Diaz, Trevor May

Wichtigster Zugang
SS Francisco Lindor (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
LHP Steven Matz (Toronto Blue Jays)

Bestes Prospect
C Francisco Alvarez

Größte Stärke
Die Rotation: Angesichts der Unendlichkeit des Universums erscheint es wahrscheinlich, dass es irgendwo einen besseren Pitcher als Jacob deGrom gibt; innerhalb meines bescheidenen Erdlingshorizonts ist mir aber keiner bekannt. Mit Marcus Stroman, Carlos Carrasco und Taijuan Walker bildet er eine hervorragende Starting-Rotation, die von David Peterson vervollständigt wird, sofern dieser die vielversprechenden Ansätze seiner Rookiesaison bestätigt. Mitte der Saison kommt zudem Noah Syndergaard von der Tommy-John-Surgery zurück. Joey Lucchesi und Jordan Yamamoto sorgen dafür, dass auch über die Top-5 hinaus mehr Flexibiliät und Tiefe vorhanden ist als in den letzten Jahren.

Größte Schwäche
Outfield-Defense: Dass dieses Jahr in der National League wieder ohne Designated Hitter gespielt wird, dürfte kaum einem Team so weh tun wie den Mets. Auf die Bats von Dominic Smith und Pete Alonso kann und will man nicht verzichten. Das läuft zwingend darauf hinaus, Smith auf der suboptimalen Position im Leftfield einzusetzen. Dort wiederum wäre Brandon Nimmo besser aufgehoben, der mangels Alternative weiterhin das Centerfield bearbeiten muss.

Spannendste Frage
Wann bekommen die Mets einen neuen General Manager? Eigentlich wollte Sandy Alderson sich auf die Rolle des staatsmännischen Lenkers beschränken, als er sich von Steve Cohen überreden ließ, zum zweiten Mal in seiner Karriere bei den Mets anzuheuern und dort „President of Baseball Operations“ zu werden. Für das alltägliche Front-Office-Geschäft wurde Jared Porter als GM verpflichtet, doch der war seinen Job schon nach wenigen Wochen wieder los. Gegen ihn waren Vorwürfe sexueller Belästigung aus seiner Zeit bei den Cubs bekannt geworden, woraufhin Cohen ihm umgehend die Tür wies. Der 73-jährige Alderson ist seitdem doch wieder für das Tagesgeschäft verantwortlich, unterstützt von Assistent Zack Scott. Mit einer Neueinstellung wollen die Mets sich Zeit lassen, möglicherweise bis nach der Saison.

Meine Prognose
Platz 1 in der NL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

März 27th, 2021 by Silversurger

Die San Diego Padres interessieren mich in diesem Jahr ganz besonders. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs haben nämlich entschieden, dass sie die Franchise sind, die ich in Out Of The Park Baseball 22 ein Jahr lang betreuen soll. Aber das nur am Rande, denn hier soll es natürlich um die echten Padres gehen, und die sind aufregend genug. Letztes Jahr spielte sich „Slam Diego“ mit erfrischend offensivem Baseball und offensichtlichem Spaß an der Sache in die Herzen vieler Fans. An Zählbarem sind dabei immerhin die erste Winning Season der Padres seit 10 und die erste Playoff-Teilnahme seit 14 Jahren herausgesprungen. In der Wild-Card-Runde der Postseason überwand man die St. Louis Cardinals, bevor in der NLDS der Divisionsrivale und spätere Champion Los Angeles Dodgers die Endstation war. Das Ziel für 2021 ist klar: Die Padres wollen aus dem großen Schatten der Dodgers heraustreten und zeigen, dass sie zu mehr taugen als nur zur zweiten Geige in der NL West und in der NL insgesamt. Zu diesem Zweck war General Manager A. J. Preller in der Offseason sehr aktiv. Durch zwei spektakuläre Trades innerhalb von zwei Tagen zwischen Weihnachten und Silvester machte er aus der bisherigen Schwäche seines Teams – mangelnde Tiefe im Pitching – eine Stärke. Jeweils im Austausch gegen Talente aus der reich bestückten Farm der Padres holte er zuerst Blake Snell von den Tampa Bay Rays und im Anschluss noch Yu Darvish von den Chicago Cubs. Ebenfalls innerhalb dieser zwei Tage machte Preller zudem den Transfer von Infielder Ha-Seong Kim aus Südkorea klar. Als weitere Verstärkung der Rotation kam im Januar per Trade mit den Pittsburgh Pirates noch Joe Musgrove hinzu. Größere Verluste gegenüber dem letzten Jahr hat der Bullpen erlitten, indem Trevor Rosenthal (Oakland) und Kirby Yates (Toronto) das Team als Free Agents verließen. Aber auch hier wurde mit Mark Melancon und Keone Kela für soliden Ersatz gesorgt. Es sind somit alle Voraussetzungen dafür gegeben, dass die Padres sich gegenüber der Breakout-Saison 2020 noch ein Stück steigern. Damit etablieren sie sich als eines der stärksten Teams der MLB, wenngleich ich mich nicht vorherzusagen traue, dass sie an den Dodgers vorbei kommen.

Voraussichtliches Lineup
C Austin Nola
1B Eric Hosmer
2B Jake Cronenworth
SS Fernando Tatis Jr.
3B Manny Machado
LF Tommy Pham
CF Trent Grisham
RF Wil Myers

Voraussichtliche Rotation
RHP Yu Darvish
LHP Blake Snell
RHP Dinelson Lamet
RHP Chris Paddack
RHP Joe Musgrove
Key Reliever: Drew Pomeranz

Wichtigster Zugang
SP Blake Snell (Tampa Bay Rays)

Wichtigster Abgang
RP Trevor Rosenthal (Oakland Athletics)

Bestes Prospect
LHP MacKenzie Gore

Größte Stärke
Die Rotation: Ich weiß nicht, ob es jemals vorgekommen ist, dass ein Team zwei Cy-Young-Kandidaten innerhalb von zwei Tagen verpflichtet hat. Gegenüber dem Doppelschlag mit Darvish und Snell gerät Musgrove fast in den Hintergrund, aber auch er ist eine richtig gute Neuverpflichtung. Dann sind da noch die starken Eigengewächse Dinelson Lamet und Chris Paddack. Und MacKenzie Gore, eines der größten Talente im Baseball, haben wir noch nicht mal gesehen. An dieser Gruppe werden die Padres auf Jahre hinaus viel Freude haben.

Größte Schwäche
Eric Hosmer: Es mag weit hergeholt erscheinen, einen Spieler, der letztes Jahr eine Offensivleistung von 127 wRC+ abgeliefert und es in nur 38 Spielen auf solide 0.9 fWAR gebracht hat, als Schwachstelle auszumachen. Doch wenn es in Hosmers bisheriger Karriere eine Konstante gibt, dann ist es die Inkonstanz. In zehn Jahren MLB-Zugehörigkeit folgte auf jede gute Saison des First Baseman – er hatte drei davon – mindestens eine schlechte. Keine guten Aussichten, wenn man bedenkt, dass der 31-Jährige noch fünf Jahre lang unter Vertrag steht und die Padres ihm in dieser Zeit 79 Millionen Dollar schulden.

Spannendste Frage
Wie fügt Ha-Seong Kim sich in die MLB ein? Der 25-Jährige produzierte in der südkoreanischen KBO beeindruckende Statistiken: 2020 brachte er es auf eine Slashline von .306/.397/.523 mit 30 Homeruns und 23 Stolen Bases. Spannend wird zum einen, ob ihm solche oder ähnliche Leistungen auch gegen MLB-Pitching gelingen. Zum anderen stellt sich die Frage, ob und wo die Padres in ihrem Lineup einen Platz für ihn finden, denn seine Stammpositionen als Shortstop oder Third Baseman sind unumstößlich vergeben. Vorerst könnte es auf ein Platoon des rechtshändigen Kim mit dem linkshändigen Jake Cronenworth an der zweiten Base hinauslaufen.

Meine Prognose
Platz 2 in der NL West, Wild Card

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

März 26th, 2021 by Silversurger

Wachablösung in Chicago: Freundlich winkend grüßen die White Sox auf der Rolltreppe nach oben die auf der anderen Seite vorüberfahrenden Cubs. Schon letztes Jahr wirkte das junge Team aus der South Side über weite Strecken der Saison reif für den letzten Schritt zum Spitzenteam. In den letzten Spielen ging dann aber doch die Puste aus und es wurde nur Platz drei statt eins in der AL Central, gefolgt vom Aus in der Wild-Card-Runde gegen die Athletics. Beim neuen Anlauf setzen die White Sox auf die Weiterentwicklung der vorhandenen Spieler und auf gezielte Neuverpflichtungen unter dem Motto Qualität statt Quantität. Mit Lance Lynn und Liam Hendriks wurden zwei Top-Pitcher geholt, die unzweifelhafte Verstärkungen für die Rotation respektive den Bullpen darstellen. Hinzu kommen noch Rückkehrer Adam Eaton als Ergänzung des Outfields sowie Flamethrower Michael Kopech. Letzterer hatte zwar den Verein nie verlassen, aber nach fast drei Jahren Verletzungs- und Coronapause ist das einstige Top-Prospect auch eine Art Neuzugang. Der wichtigste und zugleich überraschendste Neuling nimmt im Dugout Platz: Tony La Russa, von 1979 bis 1986 schon einmal Manager der White Sox, kehrt zurück an seine alte Wirkungsstätte. Der 76-jährige hat mittlerweile drei Meisterschaften mit den Cardinals und den Athletics auf dem Kerbholz und befand sich eigentlich schon seit zehn Jahren im Ruhestand. Die Vereinsführung um Owner Jerry Reinsdorf ist überzeugt, dass er der Richtige für den Job ist, das talentierte Team zum Erfolg zu führen.

Voraussichtliches Lineup
C Yasmani Grandal
1B Jose Abreu
2B Nick Madrigal
SS Tim Anderson
3B Yoan Moncada
LF Leury Garcia
CF Luis Robert
RF Adam Eaton
DH Andrew Vaughn

Voraussichtliche Rotation
RHP Lucas Giolito
LHP Dallas Keuchel
RHP Lance Lynn
RHP Dylan Cease
RHP Michael Kopech
Key Relievers: Liam Hendriks, Aaron Bummer

Wichtigster Zugang
RHP Lancy Lynn (Texas Rangers)

Wichtigster Abgang
C James McCann (New York Mets)

Bestes Prospect
1B Andrew Vaughn

Größte Stärke
Ausgewogenheit: Ich sehe bei den White Sox nicht die eine herausragende Stärke, sondern vielmehr ein sehr ausbalanciertes Team. Die Mischung aus vielen jungen Spielern und ein paar erfahrenen Leitfiguren, aus kontakt- und schlagstarker Offense und solider Defense, aus einem tiefen und verlässlichen Bullpen und einer deutlich verbesserten Rotation wirkt auf mich sehr nachhaltig und überzeugend.

Größte Schwäche
Leftfield: Vorgestern war die White-Sox-Welt in dieser Ecke des Feldes noch in bester Ordnung. Der 24-jährige Eloy Jimenez schien auf dem besten Weg zum Star nach einer starken Rookie-Saison 2019 und einer unübersehbaren Steigerung im Jahr 2020. Doch dann musste er im Vorbereitungsspiel gegen die Athletics am Mittwochabend nach einem missglückten Catchversuch am Zaun ausgewechselt werden. Inzwischen ist traurige Gewissheit, dass er sich bei der Aktion einen Brustmuskel gerissen hat und fünf bis sechs Monate ausfällt, also vermutlich für die gesamte Saison. Offensichtliche Alternativen haben die White Sox nicht im Kader. Möglicherweise erhält Top-Prospect Andrew Vaughn eine Chance, der allerdings gelernter First Baseman ist und bisher auf keinem höheren Level als High-A gespielt hat. Am wahrscheinlichsten erscheint, dass der Allrounder Leury Garcia die Position warmhält bis eine Lösung in Form eines Trades oder einer Free-Agent-Verpflichtung gefunden wird.

Spannendste Frage
War die Entscheidung für La Russa richtig? Die White Sox mussten in dieser Offseason viel Kritik einstecken – zum einen, weil sie sich von Rick Renteria trennten, gerade nachdem dieser das Team aus der Bedeutungslosigkeit bis in die Playoffs geführt hatte und dafür auf den zweiten Platz des Managers des Jahres gewählt worden war; zum anderen, weil sie als seinen Nachfolger einen Ruheständler aktivierten, der seit zehn Jahren aus dem Geschäft war, älter ist als so mancher Großvater seiner Spieler und zu allem Überfluss kurz vor der Einstellung Schlagzeilen wegen einer betrunkenen Autofahrt produziert hatte. Der Druck auf La Russa und den Klub, die umstrittene Personalentscheidung durch schnelle und klare Ergebnisse zu rechtfertigen, ist immens.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL Central

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

März 25th, 2021 by Silversurger

Die Offseason der Atlanta Braves verlief so, wie man die Franchise seit Jahren kennt: ohne große Schlagzeilen, aber zielstrebig, solide und dadurch erfolgreich. Die Offense, der drei erste Plätze in der NL East hintereinander zu verdanken sind, blieb fast vollständig zusammen. Das schließt auch und vor allem Marcell Ozuna ein, dem der Verbleib in Atlanta mit einem Vierjahresvertrag über 65 Millionen Dollar schmackhaft gemacht wurde. Der größte Schwachpunkt des letzten Jahres war die Pitching-Tiefe – gegen Ende der Saison sowie in den Playoffs bestand die Rotation gefühlt nur noch aus Max Fried und Ian Anderson. Dieses Problem wurde durch die Verpflichtung von Charlie Morton und Drew Smyly angegangen, außerdem hat Mike Soroka seinen Achillessehnenriss überwunden und wird in wenigen Wochen wieder einsatzbereit sein. Ein intaktes Lineup, ein stabilisiertes Pitching-Staff, dazu die Top-Rookies Anderson und Christian Pache in ihrer ersten vollen Saison – hier sind alle Zutaten für eine weitere starke Saison an Ort und Stelle. Ich glaube dennoch, dass die Braves dieses Jahr härter um den Divisionssieg kämpfen müssen als zuletzt. Aber das liegt weniger an ihnen selbst als vielmehr daran, dass von mindestens einem der Konkurrenten ein großer Sprung nach vorne zu erwarten ist.

Voraussichtliches Lineup
C Travis d’Arnaud
1B Freddie Freeman
2B Ozzie Albies
SS Dansby Swanson
3B Austin Riley
LF Marcell Ozuna
CF Christian Pache
RF Ronald Acuna Jr.

Voraussichtliche Rotation
RHP Mike Soroka
LHP Max Fried
RHP Ian Anderson
RHP Charlie Morton
LHP Drew Smyly
Key Relievers: Chris Martin, Will Smith

Wichtigster Zugang
RHP Charlie Morton (Tampa Bay Rays)

Wichtigster Abgang
OF Nick Markakis (Karriere beendet)

Bestes Prospect
OF Christian Pache

Größte Stärke
Acuna Jr. und Freeman: Freddie Freeman ist der amtierende MVP der NL, aber angesichts der Anwesenheit von Ronald Acuna Jr. vielleicht noch nicht mal der beste Spieler seines Teams. Beide zusammen bilden das ab, was die Offense der Braves insgesamt ausmacht: überragendes Batting gepaart mit solidem Fielding und eine gesunde Mischung aus Jugend und Erfahrung.

Größte Schwäche
Third Base: Schwachpunkte im Lineup der Braves muss man mit der Lupe suchen, aber hier ist einer. Der Job gehört zunächst Austin Riley, der 2019 mit einer Handvoll starker Spiele furios einstieg, seitdem jedoch sowohl offensiv als auch defensiv unterdurchschnittliche Leistungen abliefert. Wenn der Breakout des in Kürze 24-Jährigen weiter ausbleibt, könnte Jake Lamb eine Chance erhalten. Dessen letzte gute Saison ist allerdings schon vier Jahre her.

Spannendste Frage
Wie lange halten die Starter durch? Wie eingangs erwähnt, scheint die Schwachstelle des letzten Jahres vorerst abgestellt. Jedoch hat aus unterschiedlichen Gründen noch kein Mitglied der Braves-Rotation jemals mehr als 175 Innings in einem Jahr geworfen, mit Ausnahme des 37-jährigen Charlie Morton. Eine volle Saison inklusive Playoffs wird für sie alle eine Herausforderung.

Meine Prognose
Platz 2 in der NL East, Wild Card

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

März 25th, 2021 by Silversurger

Um ein Haar hätten die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten den Opening Day der MLB zum bundesweiten Feiertag gemacht. Hat leider nicht geklappt, aber ich fiebere trotzdem weiterhin dem 1. April entgegen. Aktuell laufen noch die letzten Tage des Spring Trainings. Bei den Neuigkeiten der Woche handelt es sich leider überwiegend um Verletzungsmeldungen, aber ein paar Vertragsverlängerungen und eine interessante Ankündigung der Ligaleitung sind auch dabei. 

MLB will gegen manipulierte Bälle vorgehen
In einer Memo an alle 30 Klubs hat die Liga angekündigt, in diesem Jahr verstärkt gegen die Behandlung von Spielbällen durch Fremdsubstanzen durchgreifen zu wollen. Das Zeitalter des Spit-Balls liegt zwar weit hinter uns, aber es ist kein großes Geheimnis, dass auch heute noch viele Pitcher die Bälle „bearbeiten“, beispielsweise mit Kiefernteer. Das klebrige Kiefernteer darf mit gewissen Einschränkungen von Battern verwendet werden, um einen besseren Griff am Schläger zu haben. Am Ball und in den Händen von Pitchern ist es verboten. Um Verstößen künftig häufiger auf die Schliche zu kommen, sollen nicht nur stichprobenartig Bälle kontrolliert werden, sondern es sollen auch statistische Auffälligkeiten untersucht werden wie zum Beispiel drastische Sprünge bei der Rotationsrate einzelner Pitcher. Die Ankündigung der MLB enthält die Androhung von Strafen sowohl gegen die Pitcher als auch gegen Klubpersonal, das die Manipulationen unterstützt. Welche Art und welches Ausmaß diese Strafen haben sollen, lässt die Liga bislang offen.

Yates fällt lange aus
Die Toronto Blue Jays müssen dieses Jahr ohne den frisch verpflichteten Kirby Yates auskommen: Der ursprünglich für die Closer-Rolle vorgesehene Reliever benötigt eine Tommy-John-Surgery. Zweifel an der Gesundheit seines Ellenbogens bestanden wohl schon länger: Die Atlanta Braves hatten in der Offseason ein Vertragsangebot nach der medizinischen Untersuchung zurückgezogen, und auch die Blue Jays reduzierten ihr Angebot wegen des Risikos von 8,5 Millionen Dollar auf 5,5 Millionen. Nun ist es traurige Gewissheit, dass Yates bis in die nächste Saison und damit über die Vertragslaufzeit hinaus ausfällt. Wer an seiner Stelle als Closer fungieren wird, ist unklar. Jordan Romano, David Phelps, Rafael Dolis und Tyler Chatwood dürften die wahrscheinlichsten Kandidaten für Save-Gelegenheiten der Blue Jays sein.

Noch mehr Verletzungen
Neben Yates haben eine ganze Reihe weiterer MLB-Profis schlechte Nachrichten erhalten. Ich beschränke mich auf eine Auswahl: Pitcher Carlos Carrasco wird den Mets nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel für sechs bis acht Wochen fehlen. Eine ähnliche Verletzung hat sich Brendan Rogers, das Top-Prospect der Rockies, zugezogen. Bei den Pirates hat Steven Brault muskuläre Probleme im Arm und bekam deshalb einen Monat Pause verordnet. Bis er wieder voll einsatzbereit ist, dürften zehn bis zwölf Wochen vergehen. Drei weitere Pitcher – Rico Garcia (Giants), Jimmy Cordero (White Sox) und Blake Cederlind (Pirates) – müssen sich ebenfalls der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen und somit ihre Hoffnungen begraben, es dieses Jahr in ein Major-League-Roster zu schaffen.

Royals verlängern mit Perez
Die Kansas City Royals sichern sich die Dienste ihres langjährigen Catcher Salvador Perez bis mindestens 2025: Der 30-Jährige erhält einen Vierjahresvertrag, beginnend nach dieser Saison, mit einem Garantiegehalt von 82 Millionen Dollar. Für weitere 11,5 Millionen kann der Klub die Option auf ein weiteres Jahr ziehen. Perez ist für die Royals eines der Gesichter der Franchise. Er hat in seiner Karriere nie woanders gespielt und war bereits ein wichtiger Teil des Teams, als es 2015 die World Series gewann.

Astros: McCullers unterschreibt, Correa wartet ab
Die Houston Astros binden ebenfalls einen ihrer World-Series-Helden langfristig an sich: Starting Pitcher Lance McCullers Jr. erhält einen Fünfjahresvertrag ab 2022, der ihm 85 Millionen Dollar einbringt. Auch mit Carlos Correa würden die Astros gern Nägel mit Köpfen machen. Dem Shortstop wurde ein Vertrag in der Größenordnung von sechs Jahren und 120 Millionen angeboten, doch eine Einigung scheint es bisher nicht zu geben.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , ,