Category: MLB

Juli 12th, 2018 by Dominik

Im USA-Urlaub die MLB zu verfolgen, ist gar nicht so leicht. Klingt komisch, ist aber so. Das liegt zum einen an mir selbst, weil ich den Tag über meist unterwegs oder am Strand bin und die Spiele hier – für mich völlig ungewohnt – zu „normalen“ Zeiten laufen. Es liegt aber auch daran, dass die meisten Fernsehübertragungen nur empfangbar sind, wenn man den entsprechenden lokalen Sender abonniert hat. In den Hotels ist das oft nicht der Fall. WLAN hat man zwar fast immer, aber erstens ist es nicht immer stark genug, um damit mlb.tv zu streamen und zweitens wird man bei mlb.tv automatisch geblockt, wenn man sich im Einzugsbereich eines der beteiligten Teams aufhält – ein Ärgernis, das einem als Fan im Ausland zum Glück unbekannt ist.

Genug gejammert, die wesentlichen News und Szenen bekommt man natürlich auch hier mit und so hat es zumindest für eine kurze Urlaubsfassung des Grand Slam am Donnerstag gereicht. Viel Spaß damit:

American League
Die Boston Red Sox (65-29) haben ihre letzten neun Spiele allesamt gewonnen. Damit sind sie das aktuell beste Team im Baseball und haben sich  im Rennen um die American League East um dreieinhalb Spiele von den New York Yankees (60-31) absetzen können. Letztere haben gegen die Baltimore Orioles (26-67) nur einen Split zu Stande gebracht und müssen nun zum Abschluss des ersten Saisonteils bei den Indians antreten.

Die Cleveland Indians (50-41) könnten ihrerseits ein Erfolgserlebnis gut gebrauchen, nachdem sie gerade Serien gegen die Athletics und die Reds abgegeben haben. In der schwachen AL Central bleiben die Indians dennoch unangefochten. Mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen zeigt die Kurve bei den Minnesota Twins (41-49) zwar deutlich nach oben und sie haben den zweiten Platz in der Division zurück erobert, aber der Abstand zu den Indians ist immer noch enorm.

In der AL West haben die Houston Astros (62-33) zuletzt zwei von drei Spielen gegen die Oakland Athletics (52-41) verloren und müssen heute darum kämpfen, die Serie wenigstens noch zu splitten. Mit 15 Siegen aus den letzten 20 Spielen sind die Athletics das erfolgreichste Team der MLB in diesem Zeitraum. Ihre Bilanz ist inzwischen besser als die, mit der die Indians die AL Central anführen, doch in der AL West reicht es nur für Platz drei hinter den Seattle Mariners (58-35).

National League
In der National League East gab es diese Woche einen Führungswechsel: Die Atlanta Braves (51-40) verloren sechs der letzten acht Spiele und rutschten zwischenzeitlich hinter die Philadelphia Phillies (51-40) auf Rang zwei ab. Durch den gestrigen Sieg der Braves über Toronto und die gleichzeitige Niederlage der Phillies bei den New York Mets (37-53) stehen die beiden jetzt exakt gleichauf. Die Washington Nationals (46-46) stehen nur bei .500 und treten nun in New York zum Duell der Enttäuschten an.

Die beste Mannschaft der National League sind entweder die Milwaukee Brewers (55-38), wenn man nach Siegen geht, oder die Chicago Cubs (51-38), wenn man sich an ihrem Run Differential von +105 orientiert. Die beiden liefern sich ein enges Rennen um die NL Central und haben in den letzten Tagen exakt im Gleichschritt gewonnen und verloren. Die St. Louis Cardinals (47-44) sind inzwischen einige Spiele hinter das Führungsduo zurückgefallen.

In der NL West wird es eng für die Arizona Diamondbacks (51-42), die nur noch ein halbes Spiel vor den Los Angeles Dodgers (50-42) liegen. Gestern setzte es ein deftiges 2:19 gegen die Colorado Rockies (47-45), bei denen die Diamondbacks heute noch einmal antreten müssen. Danach geht es nach Atlanta, während die Dodgers ihren Part des Fernduells in Form einer weiteren Derbyserie gegen die Angels absolvieren.

Szene der Woche
Für mich war die größte Szene dieser Woche ein Single von Brandon Nimmo. Der Outfielder der Mets beendete damit im siebten Inning der Partie am Sonntag das Perfect Game, welches Rays-Starter Nathan Eovaldi bis dahin am Laufen hatte. Es war die einzige Gelegenheit während der neun Innings, mal herzlich zu jubeln über eine Aktion der Mets, die ansonsten eine erschreckend schwache und kampflose Vorstellung boten. Ein 0:9 war sicher nicht das, was ich mir von meinem ersten Besuch im Citi Field seit drei Jahren erhofft hatte. Aber als Fan dieses Klubs hat man längst gelernt, für die kleinen Dinge dankbar zu sein – an diesem Tag eben dafür, dass ich wenigstens kein perfektes Spiel gegen das eigene Team mit ansehen musste.

Statistik der Woche 
9. So viele Runs Rückstand hatten die Nationals letzten Donnerstag im vierten Inning auf die Marlins. Doch angeführt von Trea Turner, der allein für zwei Homeruns und 8 RBI verantwortlich zeichnete, kam Washington zurück ins Spiel und gewann schließlich 14:12. Es war das höchste Comeback der Franchise-Geschichte.

Spiel der Woche
Die Oakland Athletics sind zurzeit verblüffend gut drauf, die spannendste Partie der Woche mussten sie aber letzten Endes verloren geben: Gegen die Houston Astros lagen die A’s am Dienstag bis ins neunte Inning 0:4 hinten, bevor sie die Aufholjagd starteten. Genau wie am Vortag gegen Gerrit Cole hatten sie auch gegen Justin Verlander kein Land gesehen, kamen aber mit dem Bullpen der Astros gut zurecht. Ken Giles brachte kein Out zu Stande, musste nach drei Singles Platz für Hector Rondon machen, der aber den Ausgleich durch einen Double von Marcus Semien auch nicht verhindern konnte. Es ging in die Extra-Innings und ein Solo-Shot von Stephen Piscotty im elften Inning schien das Spiel endgültig zu Gunsten der A’s zu drehen. Doch die Freude währte nicht lange, denn die Astros kamen zurück und gewannen das Spiel per Walkoff durch einen kuriosen Error: Alex Bregman traf den Ball schwach und dachte, es wäre ein Foulball. Der Ball rollte aber doch ins Spielfeld und A’s-Catcher Jonathan Lucroy versuchte, Bregman zu taggen. Dieser wich aus und rannte Richtung erste Base, als er sah, dass Lucroy den Ball fallen ließ. Beim Versuch, zur Base zu werfen, traf Lucroy Bregman am Helm, von wo der Ball ins Rightfield prallte und Kyle Tucker erlaubte, den siegbringenden Run zu scoren. Muss man gesehen haben.

Mein Einschalttipp
Ich bin kein großer Fan des All-Star-Games, da es sportlich nicht mehr als eine Spaßveranstaltung ist. Aber es ist eine Gelegenheit, die größten Stars der MLB (fast) alle auf einmal zu sehen und erfreulicherweise gibt es diese Gelegenheit dieses Jahr umsonst: Außer über mlb.tv und DAZN kann man das Spiel auch in einem kostenlosen Livestream auf spox.com sehen. Die Partie findet statt am Dienstag bzw. nach mitteleuropäischer Zeit am Mittwochmorgen ab 2 Uhr. Die kompletten All-Star-Roster beider Ligateile könnt ihr hier nachlesen.

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Juli 5th, 2018 by Dominik

Wer hätte vor der Saison darauf gewettet, dass am 5. Juli die Washington Nationals und die New York Mets bei einer negativen Bilanz stehen? Ich beschäftige mich nicht wirklich mit Sportwetten, aber wahrscheinlich hätte man mit diesem Tipp sehr reich werden können. Generell finde ich die National League dieses Jahr besonders interessant, denn im Gegensatz zur American League steht in keiner Division das Team an der Spitze, das eine Mehrheit dort erwartet hätte. In beiden Ligen gleichermaßen erfreulich finde ich, dass mit nur einer Ausnahme in allen Divisionen das Rennen so spannend ist, dass höchstens eineinhalb Spiele zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten liegen. So kann es meinetwegen gerne noch lange nach dem bevorstehenden All-Star-Break bleiben. Auch in den unteren Regionen der Tabellen wird es in den kommenden Wochen spannend: Für die dort feststeckenden Teams beginnt jetzt die heiße Phase, in der sie versuchen werden, möglichst viele Spieler, die wegen Alter oder Vertragsdauer ohnehin keine lange Zukunft mehr im Verein haben, bei den konkurrenzfähigen Teams gegen Nachwuchstalente einzutauschen. Manny Machado, Jacob deGrom und Mike Moustakas sind nur drei von vielen Namen, die derzeit als Kandidaten für solche Trades kursieren.

National League
In der National League East gibt es momentan viel Bewegung, nur an Rang eins für die Atlanta Braves (49-36) hat sich schon seit geraumer Zeit nichts mehr geändert. Das muss nicht so bleiben, denn nach zwei Niederlagen gegen die Yankees müssen die Braves nun zu einer schwierigen Serie nach Milwaukee und die Philadelphia Phillies (47-37) sind ihnen bereits dicht auf den Fersen, nachdem sie zuletzt unter anderem drei Siege gegen die Washington Nationals (42-43) eingefahren haben. Die Nationals, die eigentlich angetreten waren, um diese Division erneut zu gewinnen, haben 17 der letzten 22 Spiele verloren, sind nun sogar unter die .500-Marke gerutscht und damit weit hinter die Phillies und die Braves zurückgefallen. Noch viel weiter zurück sind die New York Mets (34-49) und die Miami Marlins (36-52), die zumindest dadurch für Spannung sorgen, dass sie sich momentan fast täglich auf dem letzten Platz abwechseln.

Auch die NL Central wird momentan nicht von dem ursprünglichen Favoriten angeführt, doch die bislang zu unkonstanten Chicago Cubs (49-35) befinden sich gerade wieder mal in einem Ansturm auf die Spitze. Sechs Partien in Folge haben sie gewonnen und liegen jetzt nur noch ein Spiel hinter den Milwaukee Brewers (51-35). Die Brewers spielen an den nächsten Tagen wie schon erwähnt ein Duell der Überraschungsteams gegen die Braves, während die Cubs mit den Cincinnati Reds (38-49) eine scheinbar einfachere Aufgabe vor sich haben. Nicht vergessen sollte man die St. Louis Cardinals (44-41), die sich an ihrer bevorzugten Stelle halten: im Windschatten. Eine frisch gewonnene Serie gegen die Diamondbacks zeigt, dass mit den Cardinals nach wie vor zu rechnen ist – anders als mit den Pittsburgh Pirates (40-46), deren starker Start in die Saison längst vergessen ist und die bis zum All-Star-Break noch ein schweres Restprogramm (Phillies, Nationals, Brewers) vor sich haben.

Die Los Angeles Dodgers (47-39) finde ich dieses Jahr besonders schwer einzuschätzen. Immer wieder kämpfen sie sich in der NL West an die Spitze heran, um dann plötzlich ganz stark nachzulassen. Zurzeit zeigt die Konjunkturkurve nach vier Siegen hintereinander wieder nach oben. In den restlichen zehn Spielen bis zur Pause sind sechsmal die Stadtrivalen Los Angeles Angels der Gegner der Dodgers. Die Arizona Diamondbacks (48-39), zurzeit im Fernduell noch ein halbes Spiel vor den Dodgers, wirken angeschlagen, haben fünf der letzten sechs Spiele verloren. Darunter war ein Sweep durch die San Francisco Giants (45-43), die dadurch ebenfalls nah an die Spitze gerückt sind – das haben sie aber gleich wieder verspielt, indem sie sich ihrerseits von den Colorado Rockies (44-43) sweepen ließen. Um das aktuelle Bild der NL West zusammenzufassen: Keines der Teams kann bislang mit Klasse und Konstanz überzeugen, aber gerade das macht die Division zu einer der spannendsten der Liga.

American League
Extrem spannend ist auch die American League East, allerdings nur was den Zweikampf um die Spitze angeht. Am letzten Wochenende verloren die Boston Red Sox (59-29) das direkte Duell gegen die New York Yankees (56-28) zwar mit 1:2, aber die Tabellenführung konnten sie trotzdem behaupten, weil sie in den letzten zehn Spielen außer diesen beiden Niederlagen alles gewannen. Gegen die Royals, die Rangers und die Toronto Blue Jays (40-46) dürfte die Wahrscheinlichkeit nicht schlecht stehen, auch die restlichen Spiele bis zum All-Star-Break deutlich positiv zu gestalten. Das gilt allerdings auch für die Yankees, die es ebenfalls mit den Blue Jays sowie mit den Baltimore Orioles (24-61) zu tun bekommen. Ein Härtetest dürfte höchstens die Serie bei den Indians Ende nächster Woche werden.

Jene Cleveland Indians (48-37) haben in der AL Central gerade die Pflichtaufgabe gegen die Kansas City Royals (25-61) souverän erledigt und bleiben für mich weiterhin der langweiligste aller Tabellenführer – langweilig, weil sie auf Platz eins ihrer Division völlig unangefochten sind, aber auch weil ihnen dafür Leistungen reichen, die man wohl als gehobenes Mittelmaß bezeichnen darf. Wer gehofft hatte, dass entweder die Detroit Tigers (38-50) oder die Minnesota Twins (35-48) noch mal etwas Spannung reinbringen könnten, der wird enttäuscht sein: Beide haben je elf ihrer letzten dreizehn Spiele verloren und können sich getrost auf die Pläne konzentrieren, welche Veteranen man zur Trade Deadline einigermaßen gewinnbringend loswerden kann. Auch für die Chicago White Sox (30-56) und die Kansas City Royals (25-61) geht es natürlich schon lange um nichts anderes mehr.

Sehr viel lieber als in die AL Central schaut man als interessierter und halbwegs neutraler MLB-Fan zurzeit in die AL West. Dort gibt es zum einen die Houston Astros (57-31), in meinen Augen immer noch das stärkste Team der Liga, auch wenn der spektakuläre Fight zwischen den Yankees und den Red Sox die Aufmerksamkeit ein bisschen von ihnen weglenkt. Komisch eigentlich, denn schließlich gibt es auch die Seattle Mariners (55-32), durch die auch in dieser Division der Sieg alles andere als ein Selbstläufer ist. Ein bisschen leid tut es mir um die Oakland Athletics (48-39), denn auch die spielen bislang eine richtig starke Saison, haben aber angesichts der Kräfteverhältnisse in der American League trotzdem kaum Aussichten auf einen Playoff-Platz. Die einzige Hoffnung, daran etwas zu ändern, wäre ein Einbruch der Mariners. Der kann durchaus kommen, auch wenn zurzeit nicht viel darauf hindeutet und ich es ihnen nicht wünsche.

Szene der Woche
Wahrscheinlich haben wir diese Woche den Homerun-Raub des Jahres gesehen, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden, welcher es war: Der von Torontos Kevin Pillar gegen Nick Castellanos oder der von Milwaukees Keon Broxton gegen Brian Dozier? Seht sie euch an und entscheidet selbst!

Statistik der Woche 
17:1. Das war der Endstand zwischen den Los Angeles Dodgers und den Pittsburgh Pirates am Montag. Das Besondere daran ist, dass Dodgers-Reliever Caleb Ferguson sich in diesem Spiel einen Save verdient hat. Das klingt kaum zu glauben, denn normalerweise besteht ein Save darin, dass man eine Führung von höchstens drei Runs verteidigt oder aber eine Führung, die durch vorhandene Baserunner auf der Kippe steht. Relativ unbekannt ist die Regelung, dass ein Save auch darin bestehen kann, als Reliever mindestens drei Innings bis zum letzten Out des Spiels zu pitchen. In dem Fall spielt der konkrete Spielstand keine Rolle und so kam es, dass Ferguson einen 16-Run-Save verbuchen konnte.

Spiel der Woche
Die Spiele der Miami Marlins und der Tampa Bay Rays sind selten für Schlagzeilen gut, aber am Mittwoch haben die beiden sich ein richtig gutes Lokalderby geliefert. Fünfeinhalb Stunden dauerte es, bis nach 16 Innings die Rays als Sieger feststanden. Vorangegangen waren ein schneller Start der Rays, die nach eineinhalb Innings 4:0 in Front lagen, sowie eine erfolgreiche Aufholjagd der Marlins, die im fünften Inning auf 4:4 ausglichen. Fast wären sie sogar in Führung gegangen, doch Defensiv-Ass Kevin Kiermaier gelang es, nach einem gefangenen Flyball Brian Anderson an der Homeplate auszuwerfen. Es folgten zehn scorelose Innings, bevor den Rays im 16. Durchgang nach dem zweiten Out fünf Runs gelangen. Angesichts der daraus resultierenden 9:4-Führung entschied Rays-Manager Kevin Cash, seinen Bullpen zu schonen und Backup-Catcher Jesus Sucre pitchen zu lassen. Das ging fast schief, denn Sucre ließ drei Singles und einen Sacrifice Fly zu, bevor Cash ein Einsehen hatte und Jose Alvarado brachte, um die letzten zwei Outs einzufahren.

Mein Einschalttipp
Wenn am Sonntag ab 19:10 Uhr europäischer Zeit die New York Mets auf die Tampa Bay Rays treffen, dann wird das vermutlich keine Sternstunde des Baseballs werden. Die Mets befinden sich in einem desolatem Zustand und im heimischen Citi Field sind sie vor allem offensiv noch eine viel größere Katastrophe als auswärts. Starting Pitcher wird am Sonntag irgendein Minor Leaguer sein, der vom Klub bislang noch nicht mal benannt wurde. Das liegt daran, dass Jacob deGrom, Steven Matz und Zack Wheeler momentan die einzigen sind, die von der Rotation der Mets noch übrig sind. Jason Vargas und Noah Syndergaard sind nach Verletzungen im Aufbautraining und so lange überbrückt man mit Spot-Startern. Syndergaard wird sogar am gleichen Tag einen Rehab-Start im Single-A-Team in Brooklyn absolvieren – er steht also nur wenige Kilometer entfernt auf dem Minor-League-Mound, während die Zuschauer im Citi Field einen nicht zu beneidenden Lückenbüßer kennenlernen dürfen. Der Gegner sind die Rays, die eine für ihre Verhältnisse ordentliche Saison spielen, aber weit entfernt von den zwei übermächtigen Konkurrenten im Niemandsland der AL East dümpeln – ein rundum mittelmäßiges Team um den ebenso mittelmäßigen Starter Nathan Eovaldi (3.92 ERA, 4.75 FIP). Warum um alles in der Welt empfehle ich euch ausgerechnet dieses Spiel? Nun, ich habe „leider“ schon lange Tickets für die Partie und wenn ich sie mir schon anschauen muss, könnt ihr es doch aus Solidarität auch tun, oder? DAZN hat das Spiele aus unerfindlichen Gründen nicht im Programm, aber auf mlb.tv könnt ihr es live, in Farbe und in voller Länge genießen.

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Juli 1st, 2018 by Dominik

Es ist mal wieder soweit: Wie an jedem 1. Juli erhält Bobby Bonilla heute von den New York Mets eine Überweisung von 1,19 Millionen Dollar. Wie an jedem 1. Juli werden die Mets kübelweise Hohn und Spott über sich ergehen lassen und die ganze Baseballwelt wird kollektiv darüber schmunzeln, was für eine verrückte und ungeschickte Franchise sie doch sind. Natürlich sind sie das, völlig unbestreitbar. Trotzdem muss ich sie vor einer verbreiteten und heute sicher wieder vielfach zu lesenden Behauptung in Schutz nehmen; nämlich vor der Behauptung, der Fall Bonilla sei einzigartig und so etwas könne nur bei den Mets passieren.

Für den Fall, dass jemand die berühmte Geschichte um Bonilla noch nicht kennt, erzähle ich sie kurz noch mal: Roberto Martin Antonio – genannt Bobby – Bonilla war ein Third Baseman und Right Fielder, der von 1986 bis 2001 für acht verschiedene MLB-Teams spielte. Von 1992 bis 1995 und dann noch einmal 1999 trat er für die Mets an, die ihn beim ersten der beiden Engagements mit einem 5-Jahres-Vertrag über 29 Millionen Dollar zum höchstbezahlten Baseballprofi seiner Zeit machten. Das war vielleicht übertrieben großzügig, aber zumindest bekamen die Mets von Bonilla in dieser Zeit solide Leistungen mit einem Batting Average von .278 und 91 Homeruns in dreieinhalb Jahren.

Ganz anders lief Bonillas zweiter Anlauf bei den Mets im Jahr 1999. Er absolvierte nur 60 Spiele, in denen er unterirdische .160/.277/.303 mit 4 Homeruns schlug und sich trotzdem immer wieder bei Manager Bobby Valentine über zu wenig Einsatzzeit beschwerte. Negativer Höhepunkt: Während des entscheidenden Playoffspiels, Game 6 der NLCS gegen die Braves, saß Bonilla im Clubhaus und spielte mit seinem Teamkameraden Rickey Henderson Karten statt die Kollegen zu unterstützen. Nach dieser desolaten Saison wurde Bonilla entlassen. Jedoch schuldeten die Mets ihm aus dem bestehenden Vertrag für das Jahr 2000 noch 5,9 Millionen Dollar, die sie nicht bezahlen konnten oder wollten. Es folgten Verhandlungen zwischen Mets-Owner Fred Wilpon und Bonilla sowie seinem Agenten Dennis Gilbert, die mit einer gütlichen Einigung endeten: Die Zahlung sollte bis zum Jahr 2011 gestundet und dann mit Zins und Zinseszins über 25 Jahre hinweg abgestottert werden. So geschah es und deshalb erhält der heute 54-jährige Bonilla noch bis 2035 jedes Jahr pünktlich am 1. Juli seine 1.193.248,20 Dollar. Alles in allem wird er anstelle der 5,9 Millionen letztlich 29,8 Millionen Dollar von den Mets erhalten haben – als nachträgliche Vergütung für ein Jahr, in dem er kein einziges Spiel für die Mets absolvierte.

Der Grund, dass die Mets diesen Deal überhaupt eingegangen sind, macht die Sache noch lächerlicher als sie ohnehin schon wäre: Teambesitzer Wilpon hatte sich damals den Geschäften des windigen Investors Bernie Madoff verschrieben. Madoff versprach zweistellige Gewinnraten und so sah es für Wilpon nach einer guten Idee aus, Bonilla 8 Prozent Zinsen auf die verzögerte Auszahlung seines Gehalts zu versprechen, während man selbst das Geld jährlich um 12 bis 15 Prozent zu vermehren glaubte. Das Madoff-Modell erwies sich bekanntlich als große Mogelpackung und Wilpon als ihr prominentestes Opfer. Bernie Madoff wurde übrigens 2009 zu einer 150-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Dass die Vereinsführung der Mets sich für den Bonilla-Vertrag bis heute verspotten lassen muss, hat sie sich redlich verdient. Aber wie eingangs schon angedeutet: So einzigartig, wie es oft dargestellt wird, ist dieser Fall in der MLB gar nicht. Es ist auch nicht der erste und bei weitem nicht der schlimmste. Zur partiellen Ehrenrettung der Mets stelle ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein paar andere haarsträubende Deals mit weit geringerem Bekanntheitsgrad vor:

Der 2008 von den Boston Red Sox entlassene Manny Ramirez erhält seit dem 1. Juli 2011 und noch bis 2026 jedes Jahr 1,968 Millionen Dollar.

Chris Davis – ja genau, der mit der historisch schlechten Saison – wird noch bis zum Alter von 52 Jahren Zahlungen aus seinem aktuellen Siebenjahresvertrag mit den Baltimore Orioles erhalten. Von 2023 bis 2032 bekommt er jährlich 3,5 Millionen Dollar, anschließend noch 1,4 Millionen Dollar bis 2037.

Matt Holliday hat dieses Jahr bislang kein neues Team gefunden, aber finanzielle Sorgen muss er sich nicht machen; von 2020 bis 2029 erhält er jedes Jahr 1,4 bis 1,6 Millionen Dollar aus einem 2010 geschlossenen Vertrag mit den St. Louis Cardinals.

Max Scherzer steht bei den Washington Nationals noch bis 2021 unter Vertrag, die schönsten Zahltage fangen dann aber erst an: Von 2022 bis 2028 wird Scherzer jährlich eine fürstliche „Rente“ von 15 Millionen Dollar kassieren, weil die Nationals ihr Ass 2015 unbedingt langfristig halten wollten, auch wenn sie es sich eigentlich nicht leisten konnten.

Der älteste mir bekannte Fall – und gleichzeitig einer der verrücktesten – ist der von Reliever Bruce Sutter.  Dieser erhielt 1985 bei den Atlanta Braves einen Sechsjahresvertrag über 9,1 Millionen Dollar. Ausgezahlt wurden ihm damals „nur“ rund 750.000 Dollar pro Jahr, wobei er in drei von sechs Jahren noch nicht mal spielte. Seit 1991 und noch bis 2021 erhält Sutter jährlich 1,12 Millionen Dollar. Sowohl die 750.000 als auch die 1,12 Millionen sind wohlgemerkt nur Zinszahlungen. Die Braves schulden ihm also 2022 immer noch das eigentliche Gehalt von 9,1 Millionen Dollar für den bis dahin 37 Jahre alten Vertrag. Sutter wird dann 69 Jahre alt sein und insgesamt über 47 Millionen Dollar für drei nicht besonders gute Jahre in Atlanta erhalten haben. Vor allem als Fan der Braves sollte man also nicht allzu laut über den Bonilla-Day der Mets lachen – sonst stößt man womöglich auf Gegenspott von jemandem, der weiß, dass es auch einen Sutter-Day gibt.

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Juni 28th, 2018 by Dominik

Halbzeit! Ein paar Teams haben die 81 Spiele schon voll gemacht, die anderen stehen kurz davor und ich frage mich, wohin schon wieder die Zeit gerast ist. Immer wieder erwische ich mich beim Gedanken, es sei ja noch früh in der Saison, dabei ist die Hälfte bereits vorbei. Wie schnell in der MLB die Zeit vergeht, fällt auch in anderer Hinsicht auf: Gerade mal zweieinhalb Baseballjahre ist es her, da standen sich in der World Series 2015 die Kansas City Royals und die New York Mets gegenüber. Ausgerechnet diese beiden Teams sowie die Baltimore Orioles sind zurzeit die schwächsten, die die Liga zu bieten hat. Das erstaunt nicht nur, weil alle drei vor Kurzem noch vorne mitspielten, sondern auch weil keines dieser Teams sich – anders als zum Beispiel die White Sox, die Marlins oder die Reds – bislang aufgerafft hat, ein ernsthaftes Rebuilding anzugehen.

American League
Das Kopf-an-Kopf-Rennen in der American League East geht weiter: Diese Woche haben mal wieder die Boston Red Sox (54-27) die Nase vor den New York Yankees (52-26), welche einen schmerzhaften Sweep durch die Tampa Bay Rays (39-40) hinnehmen mussten. Dass die Red Sox vorne stehen, liegt aber allein an den mehr absolvierten Spielen – die Siegquote von 66,7% ist für beide Teams exakt identisch. Interessanter könnte die Ausgangslage kurz vor dem nächsten direkten Aufeinandertreffen der Erzrivalen (siehe „Einschalttipp“) gar nicht sein. Vom Rest der Division gibt es nicht viel zu berichten außer vielleicht, dass die ohnehin schon enttäuschenden Toronto Blue Jays (37-43) in den letzten Tagen noch mehr schlechte Nachrichten angehäuft haben: Die Starter Jaime Garcia und Aaron Sanchez mussten auf die Verletztenliste gesetzt werden und der ehemals vielversprechende junge Closer Roberto Osuna wurde für 75 Spiele gesperrt. Gegen Osuna steht seit Mai eine Anklage im Raum, laut der er eine Frau angegriffen haben soll, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Osuna ließ bekannt geben, dass er vor Gericht auf „nicht schuldig“ plädieren, die Sperre der MLB aber akzeptieren wird. Es ist gut möglich, dass die Blue Jays Osuna entlassen oder traden werden.

Die Cleveland Indians (44-35) haben die Gunst des Spielplans genutzt und ihren Vorsprung in der AL Central ausgebaut, indem sie hintereinander die Chicago White Sox (28-51) und die Detroit Tigers (36-45) gesweept haben. Die Cardinals waren für die Indians gerade der erste Gegner seit rund drei Wochen mit einer positiven Bilanz – die Serie ging 2:1 an St. Louis, doch damit kann man in Cleveland leben. Konkurrenz in der Division ist nämlich nach wie vor nicht vorhanden, auch und vor allem weil die Minnesota Twins (34-42) regelmäßig vor scheinbar schwächeren Gegnern einknicken, obwohl sie in den Serien gegen starke Teams wie Cleveland oder Boston zuletzt immer gut aussahen. Alles andere als gut sehen die Kansas City Royals (25-55) aus. Der World Champion von 2015 wird zwar von der Sieg-Niederlagen-Bilanz noch von den Orioles unterboten, weist aber inzwischen sowohl die wenigsten erzielten (283) als auch die meisten kassierten (435) Runs von allen Teams der MLB auf. Es zeigt sich bei den Royals momentan nicht der kleinste Ansatz, auf dem man aufbauen könnte; auch ihre Farm gibt wenig her.

Die Houston Astros (54-28) sind das genaue Gegenteil der Royals, sie führen die MLB in Runs scored (426) und in Runs allowed (252) an und machen nach wie vor nicht den Eindruck, dass sie sich auf dem Weg zur Titelverteidigung von irgendwem stoppen lassen wollen. In der AL West haben die Astros inzwischen dreieinhalb Spiele Vorsprung auf die Seattle Mariners (50-31), welche gleichwohl ihren Anspruch auf einen Wild-Card-Platz zementiert haben. Die wichtigste Konkurrenz um diese zweite Wild Card (nehmen wir die erste mal als sicher für die Red Sox oder Yankees an) kommt aus der eigenen Division. Inzwischen haben die Oakland Athletics (43-38) dabei den Los Angeles Angels (41-40) den Rang abgelaufen. Von ihren letzten elf Spielen haben die A’s neun gewonnen und stehen nach der Hälfte ihrer Saisonspiele erstaunlich gut da. Für sie wäre jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt, voller Selbstvertrauen in den All-Star-Break zu gehen, doch bis dahin sind es noch 16 Spiele, darunter sechs gegen die Indians, vier gegen die Astros und drei gegen die Giants. Die Angels befinden sich derweil auf Talfahrt mit zuletzt fünf Niederlagen am Stück. Eine gute Nachricht gibt es aber: Der verletzte Shohei Ohtani wird voraussichtlich doch noch im laufenden Jahr ins Team zurückkehren, wenn auch vielleicht nur als DH und nicht als Pitcher.

National League
In der National League East schwächeln die Atlanta Braves (54-34) zurzeit ein bisschen, haben fünf der letzten sieben Spiele verloren und das gegen vermeintlich schwache Gegner (Toronto, Baltimore, Cincinnati). Da die Washington Nationals (41-37) solidarisch mitschwächeln, hat sich zwischen den beiden nicht viel geändert. Lachender Dritter – inzwischen sogar lachender Zweiter – sind die Philadelphia Phillies (42-36), die geschickt unter dem Radar in Richtung einer erfolgreichen Saison fliegen. Ab heute werden sie allerdings zumindest für vier Tage auf dem Radar auftauchen, denn gegen die Nationals steht ein direktes Duell um den Verfolgerposten in der Division an. Gleichzeitig gibt es auch im Keller der NL East ein direktes Duell: Die New York Mets (32-46) laufen höchste Gefahr, sich von den Miami Marlins (32-49) auf den letzten Platz der Division und wahrscheinlich auch der gesamten NL befördern zu lassen. Zu den extrem mageren sportlichen Ergebnissen der Mets kommt seit vorgestern die Sorge um General Manager Sandy Alderson hinzu, dessen Krebserkrankung zurückgekehrt ist und der deshalb für unbestimmte Zeit pausiert. Seine Geschäfte übernimmt ein dreiköpfiges Gremium, welches direkt Owner Jeff Wilpon unterstellt ist. Wilpon tritt damit nun etwas offizieller in den Vordergrund, wirklich ändern dürfte sich dadurch allerdings wenig, denn Wilpon gilt schon lange als Dreh- und Angelpunkt der (Miss-)Geschicke der Mets. Er soll ein Kontrollfreak sein, der dem General Manager und dem Manager bis in die kleinsten Entscheidungen hineinregiert, sodass sich kaum seriös beurteilen lässt, wieviel Schuld am desolaten Zustand man Alderson und Callaway überhaupt zuschreiben kann.

Die NL Central ist in den vergangenen eineinhalb Wochen ein Stück enger zusammengerückt: Während die Milwaukee Brewers (46-33) und die Chicago Cubs (43-35) von den letzten zehn Spielen mehr verloren als gewonnen haben, konnten die St. Louis Cardinals (42-37) ihre Bilanz in dem Zeitraum wenigstens ausgeglichen gestalten. Die große Nachricht ist allerdings, dass die Cincinnnati Reds (34-46) in den letzten zehn Partien neun Siege eingefahren haben, darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die Cubs und eine gewonnene Serie gegen die Braves. Ab heute geht es für die Reds viermal hintereinander gegen die Brewers und ich bin sehr gespannt, ob sie ihren positiven Trend fortsetzen können. Unbedingt erwähnen muss ich mal wieder eine Nominierung für die dämlichste Verletzung des Jahres: Cubs-Closer Brandon Morrow ist gerade wieder zurück von einigen Tagen auf der Verletztenliste, nachdem er sich beim Ausziehen seiner Hose den Rücken verknackst hatte. Morrow selbst dazu: „It’s frustrating any time you can’t get out there, especially when you can’t go for something as stupid as taking your pants off.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die NL West sieht ganz oben mit den Arizona Diamondbacks (46-34) und ganz unten mit den San Diego Padres (36-47) so aus wie gehabt. Dazwischen war diese Woche jedoch ordentlich Bewegung. Sowohl die Los Angeles Dodgers (43-36) als auch die San Francisco Giants (42-39) haben in diesem Zeitraum fünf von sechs Spielen gewonnen, die Colorado Rockies (38-42) hingegen haben zuletzt vier Spiele hintereinander verloren, zwei davon gegen die Giants. Da noch ein weiteres Spiel gegen die Giants, im Anschluss drei gegen die Dodgers und dann wieder drei gegen die Giants anstehen, drohen den Rockies derzeit ganz massiv die Felle davon zu schwimmen. Auch um ihr weiteres Programm bis zum All-Star-Break – sechsmal Mariners, dreimal Diamondbacks – sind die Rockies definitiv nicht zu beneiden.

Szene der Woche
Der kurioseste Moment der vergangenen Tage war wohl der verschwundene Homerun von Clint Frazier. Beim Stand von 6:6 zwischen den Blue Jays und den Yankees schien der junge Slugger seine New Yorker mit einem gewaltigen Homerun in Front zu bringen. Doch der Schlag war ein bisschen zu gewaltig, denn mitten in der Flugbahn war plötzlich Endstation in Form eines von der Decke hängenden Lautsprechers. Von dort tropfte der Ball nach unten ab und war leichte Beute für Shortstop Adeiny Hechavarria, da laut den Regeln in Toronto Bälle an die Decke in diesem Bereich als „im Spiel“ behandelt werden. Hechavarria hatte in dem Moment Hilfe von oben, aber ich muss noch ein anderes spektakuläres Out erwähnen, dessen Urheber ohne jede Hilfe auskam: Brewers-Starter Brent Suter bewahrte gestern Kansas Citys Alex Gordon mit einer zirkusreifen Einzelleistung vor dem Erreichen der ersten Base. Ein bisschen habe ich allerdings den Eindruck, dass Suter sich in der Situation von Domingo Ayalas Tipps inspirieren ließ, ein Routine-Out aussehen zu lassen wie ein Top-Play…

Statistik der Woche 
27. In so vielen aufeinander folgenden Auswärtsspielen haben die Oakland Athletics einen Homerun geschlagen. Das ist ein neuer Rekord, nachdem die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 1996 von den Baltimore Orioles gehalten wurde. Pünktlich für die Erwähnung in diesem Artikel wurde die Rekord-Strecke gestern beendet, als die A’s zwar 3:0 bei den Detroit Tigers gewannen, aber eben ohne Homerun. Die Athletics sind übrigens mit großem Abstand das Team mit den meisten Auswärts-Homeruns. 72-mal haben sie den Ball in der Fremde über den Zaun gedroschen, auf Rang zwei landen die Yankees mit „nur“ 60.

Spiel der Woche
Diese Woche gibt es zwei Kandidaten für das Spiel der Woche, von denen man sich je nach persönlicher Vorliebe eines aussuchen kann: Wenn man auf viele Hits und Runs steht, dann sollte man sich mindestens die Zusammenfassung der Partie der Red Sox gegen die Mariners vom Freitag anschauen. Bevorzugt man hingegen hochklassige Pitcherduelle, dann empfiehlt sich eher das Spiel der Brewers gegen die Cardinals vom gleichen Tag. Bis ins siebte Inning hinein war es ein No-Hitter für St. Louis‘ Jack Flaherty, der erst durch einen Solo-Homerun von Jesus Aguilar seine weiße Weste beschmutzte. Da auch Milwaukees Junior Guerra und der Brewers-Bullpen ein hervorragendes Spiel hatten, war dieser Homerun gleichzeitig der 1:1-Ausgleich. Im neunten Inning gewannen die Brewers das Spiel per Walkoff durch einen weiteren Solo-Shot von Aguilar. Es war das erste Mal seit mindestens 1961, dass derselbe Spieler nach fünf oder mehr Innings erst einen No-Hitter und dann auch das Spiel jeweils per Homeruns beendet.

Mein Einschalttipp
Ich habe nicht nachgezählt, aber vermutlich ist das Duell Red Sox gegen Yankees die häufigste Paarung in meinen bisherigen Einschalttipps. Sorry, wenn ich damit jemanden langweile, aber dieses Jahr gibt es in der MLB nichts Spannenders und Spektakulärers als das Aufeinandertreffen dieser beiden Erzrivalen, und deshalb kann ich auch für dieses Wochenende nur dazu raten, hier mal reinzuschauen. Die Zeiten sind dieses Mal leider allesamt ungünstig für Menschen mit einem „normalen“ europäischen Schlafrhythmus, aber wenigstens entsteht dadurch keine Konkurrenz zur Fußball-WM. Da die beiden Asse der Teams nicht direkt aufeinander treffen, gibt es von mir eine geteilte Empfehlung: Wenn ihr auf einen Sieg der Red Sox hofft, dann schaut euch Samstagnacht ab 1:15 Uhr Chris Sale (2.56 ERA, 2.48 FIP) gegen Sonny Gray (4.93 ERA, 4.19 FIP) an. Falls ihr es, aus welch obskuren Gründen auch immer, eher mit den Yankees haltet, dann könntet ihr an der Partie Sonntagnacht ab 2:05 Uhr von Luis Severino (2.10 ERA, 2.21 FIP) gegen David Price (3.66 ERA, 3.71 FIP) mehr Spaß haben. Wahrscheinlich habe ich durch diese Voraussage gerade bewirkt, dass es genau andersherum kommt. Beide Spiele (und auch das erste der Serie Freitagnacht ab 1:05 Uhr) werden sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv übertragen.

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Juni 26th, 2018 by Dominik

Es ist an der Zeit, Mike Trout und der großartigen Saison, die er gerade spielt, hier mal einen eigenen Artikel zu widmen. Der Mann ist so unglaublich gut, dass er möglicherweise auf dem Weg zur besten Saison eines MLB-Spielers aller Zeiten ist. Nach über 170 Jahren Major League Baseball, in denen fast 20.000 Spieler mehr als 16 Millionen Plate Appearances absolvierten, könnte das Jahr 2018 kurioserweise gleich doppelt historisch werden, denn auch auf der anderen Seite des in der Liga gebotenen Leistungsspektrums tut sich Erstaunliches. Aber dazu später mehr.

Mike Trout ist erst 26, blickt aber bereits auf 1004 MLB-Spiele zurück und wurde 2014 und 2016 als wertvollster Spieler der American League ausgezeichnet. Zwei MVP-Titel wären für die meisten anderen Spieler ein großartiger Eintrag auf der Visitenkarte, aber Trout ist damit eher noch unterbewertet. Schließlich führte er die Liga von 2012 bis 2016 in jedem Jahr in Wins Above Replacement (WAR) an. Auch 2017 war er in der Spitzengruppe dabei, obwohl er rund ein Viertel der Saisonspiele verletzungsbedingt verpasste. Zur Erinnerung: WAR sagt aus, wie viele zusätzliche Siege ein Spieler seinem Team einbringt im Vergleich mit einem Spieler auf Replacement Level, also einem problemlos verfügbaren Ersatzmann vom freien Markt oder aus der Minor League. Eine nähere Erläuterung dieser Statistik kann man in einem Artikel nachlesen, den ich vor zwei Jahren ebenfalls über Mike Trout geschrieben habe. Der Einfachheit halber beziehe ich mich hier durchweg auf die WAR-Version von Baseball-Reference, oft auch als bWAR abgekürzt.

Im laufenden Jahr hat Trout bislang keines der 79 Spiele seiner Los Angeles Angels ausgelassen und dabei schier unglaubliche Werte produziert. Seine Slashline von .325/.461/.657 und die daraus resultierende OPS von 1.118 führen ebenso die MLB an wie seine 23 Homeruns. Um das Paket komplett zu machen, hat Trout auch schon 13 Bases gestohlen und im Outfield mit einer makellosen Fielding Percentage sowie 2.9 UZR überzeugt. Zurzeit ist er etwas angeschlagen und läuft deshalb seit einer Woche nur als Designated Hitter auf.

Rechnet man die 6.6 WAR, die Trout seinem Klub bislang (Stand nach 78 Spielen) eingebracht hat, auf die ganze Saison hoch, kommt man auf eine Prognose von 13.7 WAR für das gesamte Jahr 2018. Das wäre Platz zwei in der Allzeit-Rangliste, direkt zwischen den Saisons 1923 und 1921 von Babe Ruth mit 14.1 bzw. 12.9 WAR. Man muss sich das mal vor Augen führen: Wir reden hier von Babe Ruth und Mike Trout und haben im Hinterkopf all die anderen großen Namen wie Barry Bonds, Mickey Mantle, Willie Mays, Ted Williams, Hank Aaron, Lou Gehrig, Ty Cobb und so weiter und so fort. Außer Ruth kann man jeden einzelnen von ihnen nehmen, seine beste Saison auf dem absoluten Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit anschauen – und jedes Mal feststellen, dass Mike Trout gerade eine bessere Saison spielt.

Genug der Huldigungen. Ich hatte ja eingangs versprochen, auch einen Blick auf die andere Seite des Leistungsspektrums zu werfen, das uns in der MLB geboten wird. Während Mike Trout eine der besten, wenn nicht sogar die beste Saison der MLB-Geschichte spielt, könnte gleichzeitig die von Chris Davis von den Baltimore Orioles eine der schlechtesten, wenn nicht sogar die schlechteste werden. Davis hat in seiner Karriere ebenfalls beachtliche Leistungen gebracht, ihr Highlight war eine Saison mit 53 Homeruns im Jahr 2013. Davon ist die 2018-Version von Chris Davis leider weit entfernt: In bislang 61 Spielen schlägt er .149/.230/.239 mit nur 5 Homeruns und 93 Strikeouts. Mit -2.3 WAR (Stand nach 60 Spielen) hat er seinem Team bisher deutlich mehr geschadet als genutzt. Normalerweise findet man sich bei solchen Werten recht schnell in den Minor Leagues oder auf dem freien Markt wieder, doch das Problem für die Orioles ist, dass der 32-Jährige sich in der dritten Saison eines Sieben-Jahres-Vertrags über 161 Millionen Dollar befindet. Deswegen und weil es für die Orioles ohnehin schon lange um nichts mehr geht, lässt man Davis weiterspielen in der Hoffnung, dass er irgendwann doch noch die Kurve kriegt und man für ihn irgendeinen Gegenwert herausholen kann. Dass man auf dem Großteil des ihm zustehenden Gehalts sitzen bleiben wird, ist den Orioles natürlich längst klar.

Um auch hier die Methode der Hochrechnung zu bemühen, die in Davis‘ Fall natürlich auf noch etwas wackligeren Füßen steht als bei Trout: Wenn Chris Davis den Rest des Jahres so oft und so schlecht weiter spielt wie bisher, wird er bei -4.8 WAR landen. Das wäre dann tatsächlich die schlechteste Saison der MLB-Geschichte. Bislang kommt diese zweifelhafte Ehre Jerry Royster zu, der 1977 für die Atlanta Braves -4.0 WAR produzierte.

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Juni 21st, 2018 by Dominik

Rund 75 Spiele hat jedes Team in der aktuellen MLB-Saison absolviert und in der American League gibt es schon ein ziemlich stabil erscheinendes Playoff Picture. In der insgesamt ausgeglicheneren National League hingegen ist noch das meiste offen und wird es wohl auch bis weit nach dem All-Star-Break bleiben. Apropos Allstars: Ihr habt noch bis 5. Juli die Möglichkeit, bis zu 5-mal am Tag und bis zu 35-mal insgesamt auf mlb.com abzustimmen, wer im aufsehenerregendsten unbedeutenden Spiel des Jahres dabei sein soll. Ich kündige übrigens schon mal an, dass es auch hier eine Abstimmung geben wird – allerdings nicht über All-stars und nicht jetzt, sondern erst gegen Ende der Saison. Ich werde abstimmen lassen über die dämlichste Verletzung des Jahres. Als erster Kandidat hatte sich vor ein paar Wochen Bostons Carson Smith die Nominierung verdient, diese Woche kamen San Franciscos Hunter Strickland und Chris Martin aus Texas hinzu. Mehr dazu in den Abschnitten über die jeweilige Division.

National League
Wer gedacht hatte, in der National League East spiele sich durch das Wiedererstarken der Washington Nationals (39-33) und ein paar schwache Spiele der Atlanta Braves (43-30) nach und nach wieder die alte Hackordnung ein, der sieht sich getäuscht: Die Braves haben ihr kleines Tief schnell überwunden und von den letzten zehn Spielen sieben gewonnen, während die Nationals sieben verloren haben. Auch das zweite Überraschungsteam der Division, die Philadelphia Phillies (39-33), hatten mit gewonnenen Serien gegen die Brewers und die Cardinals eine erfolgreiche Woche und haben von der Bilanz her wieder zu den Nationals aufgeschlossen. Entsprechend interessant wird die am Wochenende anstehende Serie zwischen den Nationals und den Phillies werden. Lachender Dritter ist wahrscheinlich wieder mal Atlanta, das in der Zeit gegen die Orioles und im Anschluss gegen die Reds antreten darf, also gegen zwei der schwächsten Teams der Liga. Die Nationals haben in einem Trade mit den Royals diese Woche ihren Bullpen um Kelvin Herrera aufgerüstet. Herrera wird vermutlich in einer Setup-Rolle primär das achte Inning vor Closer Sean Doolittle übernehmen. Für ihn gingen die Prospects OF Blake Perkins, 3B Kelvin Gutierrez und Pitcher Yohanse Morel nach Kansas City.

In der NL Central geht es weiterhin hauteng zu zwischen den Chicago Cubs (42-29) und den Milwaukee Brewers (43-30). Beide stehen quasi gleichauf, mit ein paar leichten Vorteilen für die Cubs: Sie haben erstens noch zwei Spiele weniger, können sich also noch aus eigener Kraft von dem Konkurrenten absetzen; sie haben zweitens das bessere Run Differential (+99 zu +49); und auf sie wartet drittens mit den Cincinnati Reds (28-45) der angenehmere Gegner in der nächsten Serie. Die Brewers bekommen es derweil mit den St. Louis Cardinals (38-34) zu tun, die dringend ein paar Siege brauchen, um den Anschluss an das Führungsduo nicht zu verlieren, wie es den Pittsburgh Pirates (36-37) bereits passiert ist.

Auch in der NL West hat jemand den Anschluss verloren, nämlich die San Diego Padres (34-42). Nach vier Niederlagen in Folge sind ihre Hoffnungen, in dieser ausgeglichenen Division als Außenseiter für Furore zu sorgen, deutlich kleiner geworden. Die Arizona Diamondbacks (40-33), die Los Angeles Dodgers (38-35), die San Francisco Giants (37-38) und die Colorado Rockies (36-38) sind hingegen nach wie vor so nah beieinander, dass die Reihenfolge dieser vier von Woche zu Woche komplett anders aussehen kann. Der Favorit in der Runde sind nach wie vor die Dodgers, die recht optimistisch in die nahe Zukunft blicken dürfen: Sie spielen am Wochenende dreimal gegen die als Aufbaugegner geeigneten Mets und Anfang nächster Woche wird aller Voraussicht nach ihr Pitcher-Ass Clayton Kershaw von der Verletztenliste zurückkehren. Etwas länger wird auf selbiger der Closer der Giants, Hunter Strickland, stehen. Er hat am Montag einen Save gegen die Marlins vergeben und daraufhin vor Frust gegen eine Tür gehauen. Resultat: Hand gebrochen, Operation, sechs bis acht Wochen Pause. Damit ist er einer der eingangs erwähnten Kandidaten für die dämlichste Verletzung des Jahres.

American League
Die New York Yankees (49-22) haben sich in der American League East gegenüber ihrem Erzrivalen Boston Red Sox (49-26) in den letzten Tagen etwas Luft verschafft. Während die Red Sox zweimal den Twins unterlagen, gewannen die Yankees zweimal gegen die Mariners und vorher noch ein Nachholspiel gegen die Nationals. Die Yankees und die Red Sox sind nun nach Siegen gleichauf und haben auch fast identische Werte, was erzielte und kassierte Runs angeht. Doch die Yankees haben noch vier Spiele weniger absolviert und damit alle Trümpfe in der Hand, um in gut einer Woche mit einem Vorsprung ins nächste direkte Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten zu gehen. Die Toronto Blue Jays (34-39) und die Tampa Bay Rays (34-40) verkörpern derweil ein recht solides Mittelmaß, das aber sowohl von der Divisionsspitze als auch von den Wild-Card-Plätzen schon so weit entfernt ist, dass die restliche Saison für sie relativ langweilig zu werden droht. Und dann gibt es noch die Baltimore Orioles (21-51). Sie sind schlecht.

Über die AL Central schreibe ich hier jede Woche das gleiche. Das tut mir leid, aber die Realität lässt mir kaum eine andere Möglichkeit. Also dieses Mal in Kurzform: halbwegs gute Cleveland Indians (40-33), dann lange nichts, positiv überraschend mittelmäßige Detroit Tigers (36-39), negativ überraschend mittelmäßige Minnesota Twins (33-37), dann wieder lange nichts und schließlich die furchtbar schwachen Chicago White Sox (24-49) und Kansas City Royals (22-52). Halt, eins muss ich dann doch noch erwähnen: Max Kepler hat gestern einen Homerun geschlagen und obendrein einen fantastischen Catch im Outfield dazu beigetragen, dass die Twins die Red Sox mit 4:1 zum zweiten Mal in Folge schlugen. Vielleicht machen Kepler & Co. die Division ja doch noch mal spannend?

12 Spiele hintereinander hatten die Houston Astros (50-26) gewonnnen, bevor sie sich am Dienstag einmal knapp mit 1:2 den Rays geschlagen geben mussten. Das ist beeindruckend und es sieht nicht so aus, als sollten die Astros in absehbarer Zeit zu stoppen sein: Sie haben nach wie vor die beste Offense und die beste Defense der gesamten Liga und der Spielplan meint es auch noch gut mit ihnen. Bis zum All-Star-Break, also noch rund vier Wochen lang, treffen sie auf keinen einzigen Gegner, der noch realistische Chancen auf die Postseason hat. Der zweite der AL West, die Seattle Mariners (46-28), spielt nach wie vor eine beeindruckende Saison, hat aber nicht ganz so viel Glück mit den Gegnern: Zuletzt setzte es drei Niederlagen gegen die Red Sox und die Yankees, und nach einem weiteren Spiel gegen die Yankees geht es gleich noch dreimal gegen die Red Sox. Im Wild-Card-Rennen haben die Mariners aber ein beruhigendes Polster von sieben Spielen auf die Los Angeles Angels (39-35), die sieben der letzten neun Spiele verloren haben, und das obwohl Mike Trout (.335/.469/.689, 23 HR) in der Form seines Lebens ist. Die Angels richten ihren Blick zurzeit eher nach unten als nach oben, denn die Oakland Athletics (38-36) stehen kurz davor, ihnen Platz drei streitig zu machen. Die Texas Rangers (32-44) sind trotz einer Serie von fünf Siegen noch zu weit weg, um irgendjemandem etwas streitig zu machen – außer vielleicht den Titel für die dämlichste Verletzung. Reliever Chris Martin hat hierfür eine durchaus aussichtsreiche Bewerbung abgegeben, indem er sich letzte Woche beim Versuch, vom Dugout aufs Feld zu rennen, um an einem Brawl teilzunehmen, den Oberschenkel zerrte.

Szene der Woche
Max Kepler grandiosen Catch habe ich ja oben schon erwähnt, aber es gab in dieser Woche einen, der mich noch mehr beeindruckt hat: Billy Hamiltons Fang eines Flyballs von Pittsburghs Francisco Cervelli hatte laut Statcast eine Wahrscheinlichkeit von nur 2%, aber er machte ihn trotzdem. Das kann durchaus der Catch des Jahres gewesen sein und ich möchte ihm hier noch den möglichen Wurf des Jahres zur Seite stellen: Cubs-Outfielder Jason Heyward wendete damit einen scheinbaren Routine-Sacrifice-Fly am Mittwoch zum Doubleplay gegen Justin Turner und Chris Taylor von den Dodgers.

Statistik der Woche 
-5. So viele Tage benötigte der 19-jährige Juan Soto, um seinen ersten Homerun zu erzielen, nachdem er von den Washington Nationals in die MLB befördert wurde. Ihr habt richtig gelesen: minus fünf. Soto spielt seit 20. Mai 2018 in der Major League, schlug aber in einem Spiel vom 15. Mai 2018 bereits einen Homerun gegen die Yankees – und hatte am gleichen Tag drei Hits für die Harrisburg Senators bei den Bowie Baysox. Kann Soto durch die Zeit reisen und an mehreren Orten gleichzeitig sein? Die Erklärung ist leider nicht ganz so spektakulär: Am 15. Mai war Soto tatsächlich in Bowie, Maryland, aktiv. Das MLB-Spiel vom gleichen Tag wurde wegen schlechten Wetters abgebrochen und am 18. Juni zu Ende gespielt – mit Soto und seinem spielentscheidenden Homerun zum 5:3.

Spiel der Woche
Eigentlich sind dieses Jahr die Seattle Mariners die Meister der knappen Spiele, doch gestern hatten sie in einem solchen mal das Nachsehen. Zunächst hatte es noch nicht mal knapp ausgesehen, denn die Mariners gingen gegen die Yankees im fünften Inning bereits mit 5:0 in Führung. Doch die New Yorker arbeiteten sich schrittweise heran und wendeten das Blatt in den letzten beiden Innings durch zwei beeindruckende Homeruns. Zuerst war es im achten Durchang Gary Sanchez, der mit einem Mammutschlag für den Ausgleich sorgte. Im neunten Inning gelang dann Giancarlo Stanton mit einem Hit, der ebenfalls keinen Raum für Zweifel ließ, der Walkoff-Sieg. Für die Yankees war es übrigens bereits der 23. Sieg in diesem Jahr, bei dem sie einen Rückstand gedreht haben.

Mein Einschalttipp
Ich hoffe, ihr lest diesen Artikel schon bald, denn mein Einschalttipp der Woche findet bereits heute ab 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Die New York Yankees und die Seattle Mariners absolvieren das dritte Spiel ihrer Serie und nachdem es gestern schon ein wahnsinnig spannendes Spiel war, steht heute als Pitching-Matchup ein absoluter Leckerbissen an: Seattles James Paxton (3.44 ERA, 2.88 FIP) trifft auf New Yorks Luis Severino (2.09 ERA, 2.18 FIP). Ihr könnt das Spiel sowohl auf DAZN als auch auf mlb.tv sehen. Ich weiß, Argentinien gegen Kroatien bei der WM ist eine harte Konkurrenz, aber meine Priorität ist eindeutig und wenn eure es nicht ist, dann könnt ihr ja wenigstens vor und nach dem Fußballspiel mal reinschauen. Gut, dass Baseball in der Regel etwas länger dauert.

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Juni 19th, 2018 by Dominik

Es ist mal wieder eine großartige Baseballsaison mit atemberaubenden Plays, epischen Spiele, hautengen Divisionsrennen, Geschichten zum Lachen und zum Weinen. Aber eines ist in diesem Jahr bislang alles andere als erfreulich, sondern geradezu besorgniserregend: die Zuschauerzahlen. Je nach Quelle und Rechenmodell sind 2018 bislang zwischen 5% und 7% weniger Besucher in die Ballparks gekommen als bis zum vergleichbaren Zeitpunkt im letzten Jahr.

Die Entwicklung ist vor allem deshalb erstaunlich, weil die Zahlen in diesem Jahrzehnt bislang ziemlich stabil waren. Ein Rückgang um 1,1% von 2015 auf 2016 war bereits die größte Schwankung in diesem Zeitraum. Sollte es bis Saisonende bei dem bisherigen Rückgang von 5% oder mehr bleiben, wäre das ein echter Erdrutsch. Erstmals seit 2003 könnten die Gesamtzahl der Stadionbesuche unter die Schwelle von 70 Millionen und der Zuschauerschnitt pro Spiel unter 28.000 fallen.

Es ist sicher noch zu früh, in Krisenstimmung zu verfallen, aber man kann und sollte sich zumindest fragen, woran es liegt, dass dieses Jahr so viel weniger Menschen die Ballparks besuchen. Zwei Gründe scheinen sich aufzudrängen: das Wetter und die gefühlt außergewöhnlich hohe Zahl von Teams, die die Jagd nach sportlichen Erfolgen auf kommende Jahre vertagt haben.

Tatsächlich war das Wetter dieses Jahr im April und bis in den Mai hinein außergewöhnlich schlecht, das heißt es hat häufiger geregnet und die Temperaturen waren niedriger als in der Jahreszeit üblich. Das gilt mehr oder weniger für die gesamten USA und ganz besonders für den Norden und den mittleren Westen. Der lange Winter führte zu einer Rekordzahl von Spielverlegungen, aber auch dazu, dass viele Spiele unter ungünstigen äußeren Bedingungen stattfanden und/oder bis kurz vor Beginn noch auf der Kippe standen. Dass unter solchen Umständen weniger Zuschauer in die Ballparks kommen als an sonnigen Frühlingstagen, ist logisch. Es reicht jedoch bei weitem nicht aus, einen Rückgang von rund 2 Millionen Zuschauern zu erklären; außerdem ist inzwischen das Wetter besser geworden, die Zuschauerzahlen aber nicht.

Somit kommt der zweite Erklärungsansatz ins Spiel: die sehr hohe Anzahl von Teams, die sich im Modus des Tanking, Rebuilding oder wie auch immer man es nennen möchte, befinden. Der Ansatz, sich für ein paar Jahre aus dem Konkurrenzkampf auszuklinken und sich Zeit für einen fundierten Neuaufbau mit jungen Spielern zu nehmen, ist in einem System ohne Auf- oder Abstiege zweifelsohne ein sinnvoller. Das unterstreichen nicht zuletzt die Erfolge der jüngsten World Champions Houston Astros und Chicago Cubs, die genau diesen Weg gegangen sind. Aktuell haben sie damit aber leider so viele Nachahmer gefunden, dass die Spannung der Liga merklich beeinträchtigt wird. Mindestens zehn Teams, also ein Drittel der MLB, sind dieses Jahr ganz bewusst nicht konkurrenzfähig. Fünf von ihnen stehen derzeit bei einer Siegquote von unter 40% – das sind so viele wie in den vergangenen drei Jahren zusammen.

In Toronto, Detroit, Kansas City, Süd-Chicago, Baltimore, Pittsburgh und anderen Städten mit Rebuilding-Teams sind die Zuschauerzahlen besonders massiv eingebrochen. Am krassesten zeigt sich die Auswirkung der absichtlichen Nicht-Wettbewerbsfähigkeit auf den Zuschauerzuspruch in Miami. Mit 10.267 Besuchern pro Heimspiel bilden die von der neuen Ownergruppe um Derek Jeter entkernten Marlins das Schlusslicht der Liga. Letztes Jahr, als man zwar auch nicht besonders erfolgreich, aber zumindest aufrichtig bemüht war und dabei Stars wie Giancarlo Stanton und Christian Yelich in die Arena schickte, wurden fast doppelt so viele Zuschauer gezählt. Man muss allerdings auch erwähnen, dass die Marlins vor der Saison angekündigt hatten, ab diesem Jahr ehrlicher zu zählen als bisher – ein Teil des extremen Rückgangs ist vermutlich dadurch erklärbar.

Natürlich lassen sich weitere potenzielle Gründe für die schwachen Zuschauerzahlen finden. Laufen die Länge und das Tempo der Spiele zu sehr dem Zeitgeist zuwider? Ist das Spiel langweiliger geworden durch die Zunahme von Strikeouts und Homeruns? Sitzt den Menschen das Geld nicht mehr so locker, um die hohen Eintrittspreise bezahlen? Bieten Fernsehen und Streaming inzwischen zu viele Möglichkeiten, die Spiele bequem auf dem Sofa zu verfolgen? Vermutlich spielt all das eine gewisse Rolle, doch ich bin relativ optimistisch, dass die Besucherzahlen sich erholen werden, sobald ein nennenswerter Teil der Rebuilding-Teams sich zurück im Konkurrenzkampf meldet.

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Juni 15th, 2018 by Dominik

Es ist wieder mal die Mitte eines Monats und damit Zeit für eine Aktualisierung meines Powerrankings. Die großen Drei aus der American League belegen nach wie vor die vorderen Plätze, wobei die genaue Reihenfolge fast täglich anders ausfallen kann. Riesensprünge nach vorne haben die Seattle Mariners sowie die Los Angeles Dodgers vollbracht, während die New York Mets schon zum zweiten Mal in Folge das Team mit dem tiefsten Absturz sind. Die Marlins haben derweil das geschafft, was ich noch vor zwei Monaten in den Bereich der Wunder verwiesen hatte: Sie sind in diesem Ranking nicht mehr Letzter.

Findet ihr, dass ich euer Team unterschätze oder seid ihr sicher, dass Team X völlig überbewertet ist? Dann lasst es mich wissen, ich freue mich über jeden Kommentar.

1. (3.) Houston Astros (45-25) ⇒
Der amtierende Champion führt die Liga schon seit geraumer Zeit mit dem besten Run Differential (+142) an, aber seit heute ist ihre Statistik noch ein Stück beeindruckender: Sie haben jetzt sowohl die meisten erzielten Runs (359) als auch mit Abstand die wenigsten zugelassenen Runs (217) vorzuweisen. Obendrein befinden sie sich auf einer Strecke von derzeit acht Siegen hintereinander.

2. (2.) Boston Red Sox (48-22) ⇒
Die sonst bärenstarke Offense ist zuletzt etwas ins Stocken geraten, aber die Pitcher sind prompt in die Bresche gesprungen: Nur 14 Runs ließen die Red Sox in den letzten sieben Spielen zu.

3. (1.) New York Yankees (44-20) ⇒
Am Sonntag haben die Yankees zum ersten Mal in dieser Saison und als letztes Team der Liga eine Partie zu Null abgegeben – ironischerweise ausgerechnet gegen ihren Lokalrivalen, die Mets, die außer diesem 2:0 in diesem Monat noch kein Spiel gewonnen haben.

4. (15.) Seattle Mariners (44-25) ⇑
Wenn die Mariners auf dem Platz stehen, ist Hochspannung quasi garantiert. Nicht nur weil sie wie gestern beschrieben auf Rekordkurs mit ihren 21 gewonnenen 1-Run-Games sind, sondern auch weil es bei ihnen generell viel mehr solcher knappen Spiele gibt als bei allen anderen Teams – 31 von 69 Spielen der Mariners wurden mit nur einem Run Abstand entschieden.

5. (11.) Milwaukee Brewers (41-27) ⇑
Die Brewers sind das perfekte Beispiel dafür, dass ein von den Statistiken her ansonsten in jeder Hinsicht mittelmäßiges Team von einem hervorragenden Bullpen getragen werden kann. Josh Hader hat inzwischen 75 Strikeouts auf dem Konto – 17 mehr als irgendein anderer Reliever in der MLB.

6. (5.) Atlanta Braves (40-28) ⇒
Alle reden von dem jungen, hungrigen Team der Braves. Die herausragenden Akteure sind bei näherer Betrachtung aber die Routiniers Freddie Freeman und Nick Markakis. Dank dieser beiden sind die Braves die einzige Mannschaft mit zwei Namen in den Top-10 der besten Batting Averages der MLB.

7. (8.) Washington Nationals (37-28) ⇒
Die Aufholjagd in der NL East ist geglückt, insbesondere dank hervorragenden Pitchings. Die Offensive bietet allerdings noch Raum für Entwicklung: Average, On-Base-Percentage und Slugging der Nationals rangieren jeweils im unteren Fünftel der Liga.

8. (19.) Los Angeles Dodgers (35-32) ⇑
Sie sind zurück und das ist nicht etwa das Verdienst der üblichen Verdächtigen wie Clayton Kershaw oder Justin Turner, die dieses Jahr beide Probleme haben, einsatzfähig zu werden und zu bleiben. Stattdessen spielen sich unerwartete Helden in den Vordergrund wie der von vielen längst abgeschriebene Matt Kemp oder Max Muncy, der bis vor einigen Wochen wohl nur den wenigsten ein Begriff war.

9. (4.) Arizona Diamondbacks (38-30) ⇓
Die Diamondbacks haben ein veritables Zwischentief durchgemacht, doch sie scheinen ihre Form wieder gefunden zu haben. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Paul Goldschmidt, der nach einem vergessenswürdigen Mai im Juni bislang .442/.525/.942 schlägt.

10. (6.) Chicago Cubs (38-27) ⇒
Dem Run Differential von +89 zufolge sind die Cubs immer noch die Spitzenmannschaft der NL. Bislang stehen sie sich in den entscheidenden Momenten aber immer selbst im Weg, zum Beispiel diese Woche bei der nach hart erkämpftem Sieg im ersten Spiel doch noch verlorenen Serie gegen die Brewers .

11. (13.) Cleveland Indians (36-31) ⇒
Die Indians profitieren dieses Jahr mehr von der schwachen Konkurrenz als von eigener Stärke, aber Corey Kluber ist nach wie vor ein wahres Monster auf dem Mound: Seit 8. Mai und somit in sechs Spielen hintereinander mit jeweils mindestens sechs gepitchten Innings hat er keinen einzigen Batter gewalkt. Und seit mittlerweile 26 aufeinander folgenden Starts hat er nie mehr als drei Runs in einem Spiel zugelassen.

12. (10.) St. Louis Cardinals (36-30) ⇒
Vier Wochen haben die Cardinals auf die Rückkehr ihres Asses Carlos Martinez gewartet, doch seine ersten beiden Starts waren ernüchternd: ein ERA von 8.22 in insgesamt 7.2 Innings mit erschreckenden 12 Walks.

13. (9.) Philadelphia Phillies (35-31) ⇒
Die Phillies haben etwas nachgelassen, sind aber immer noch im soliden Mittelfeld gut aufgehoben. Verwundert bin ich darüber, dass ihr Batting zu den fünf schwächsten Teams der MLB gehört, das Pitching hingegen zu den fünf besten. Ich hätte das tendenziell eher umgekehrt erwartet.

14. (7.) Los Angeles Angels (37-32) ⇓
Die Angels schienen auf dem Weg, die Erfolgsstory des Jahres zu werden, doch nach dem Verletzungs-Aus ihres Jungstars Ohtani und der letzten Niederlagenserie ist dies plötzlich in weite Ferne gerückt.

15. (18.) San Francisco Giants (34-35) ⇒
Als SS Brandon Crawford Ende April einen Batting Average von .189 aufwies, hätten ihn viele Fans der Giants sicher am liebsten zum Mond geschossen. Eineinhalb Monate später steht er bei .328. Das ist ligaweit mit Abstand die größte Steigerung eines Offensivspielers in diesem Zeitraum.

16. (20.) Oakland Athletics (34-35) ⇒
Die Athletics sind für mich weiterhin eine der großen positiven Überraschungen dieser Saison. Hätten sie nicht gerade das Pech gehabt, dass sie in der letzten Serie an die hervorragend aufgelegten Astros geraten sind, stünden sie sogar bei einer leicht positiven Bilanz. Gegen die angeschlagenen Angels könnte das in den kommenden Tagen nachzuholen sein.

17. (12.) Pittsburgh Pirates (33-35) ⇒
Die Bilanz ist fast ausgeglichen, das Run Differential (-1) ebenfalls. Das sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Pirates seit einem Monat keine Serie mehr gewonnen haben.

18. (23.) Tampa Bay Rays (32-36) ⇑
Die Rays scheinen auf Achterbahnfahrten zu stehen: Fünf Siegen hintereinander ließen sie acht Niederlagen hintereinander folgen, zuletzt gab es wieder drei Siege am Stück gegen die Blue Jays. Gegen die Yankees wurde nun das erste Spiel verloren und man muss befürchten, dass das für die Rays wieder der Auftakt einer Serie war. Das Restprogramm im Juni ist jedenfalls knüppelhart mit noch sechsmal Yankees, sechsmal Astros und zweimal Nationals.

19. (14.) Colorado Rockies (33-35) ⇓
Ich habe es hier schon mal erwähnt, aber es bringt mich immer wieder zum Staunen: Das Team mit dem vermeintlich größten Heimvorteil der Liga steht zu Hause 11-19 und auswärts 22-16. Zurzeit leiden sie zudem spürbar unter der erstarkten Konkurrenz innerhalb der Division.

20. (24.) San Diego Padres (33-38) ⇒
Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, wie gut die Padres zurzeit sind? Von den letzten 30 Spielen haben sie 18 gewonnen und von der Spitze der Division sind sie trotz Platz fünf nur 6,5 Siege entfernt. Ich gönne ihnen das Erfolgserlebnis, aber die Entscheidung, ob man zur Trade-Deadline den Rebuild weiter vorantreibt oder nicht, wird dadurch nicht leichter..

21. (21.) Minnesota Twins (29-36) ⇒
Bei den Twins schaue ich immer zuerst auf Max Kepler, aber der sieht zurzeit leider gar nicht gut aus: Seine Juni-Bilanz lautet .132/.267/.132. Ich sage es nur ungern, aber das sind keine Zahlen, mit der man in der MLB lange besteht. Doch Max hat schon gezeigt, dass er es kann und ich drücke ganz fest die Daumen, dass er schnell wieder der Alte ist.

22. (16.) Toronto Blue Jays (30-38) ⇓
Ich finde es immer wieder höchst erstaunlich, dass manche Batter allein durch das Umdrehen eines Kalenderblattes zu komplett anderen Spielern zu werden scheinen. Zum Beispiel Curtis Granderson: Im April schlug er .384/.435/.571, im Mai nur .167/.313/.273, in der ersten Junihälfte .333/.375/.600.

23. (22.) Detroit Tigers (33-37) ⇒
Letzten Monat habe ich Detroit als „best of the rest“ beschrieben, also als das beste unter den nicht wirklich kokurrenzfähigen Teams der MLB. Nun fällt allerdings ihr Führungsspieler Miguel Cabrera für den Rest der Saison aus und die Prognose für die Tigers weist unweigerlich nach unten.

24. (24.) Chicago White Sox (24-43) ⇒
Wenn man sich die bisherige Juni-Bilanz der White Sox anschaut, darf man ruhig ein wenig staunen: eine gewonnene Serie gegen die Brewers, ein Split gegen die Twins, eine gewonnene Serie gegen die Red Sox und noch ein Split gegen die Indians. Echt nicht schlecht.

25. (17.) New York Mets (28-37) ⇓
Jacob deGrom ist der beste Pitcher der National League, in seinen letzten zehn Starts hat er einen ERA von 0.87 mit 62.1 gepitchten Innings. Die Mets haben acht dieser Spiele verloren…

26. (25.) Texas Rangers (27-43) ⇒
Mitten in ihrer schlechtesten Saison seit 2014 haben die Rangers letzte Woche entschieden, den Vertrag ihres General Managers Jon Daniels um mehrere Jahre zu verlängern. Seitdem haben sie sechs Spiele in Folge verloren. Hat natürlich nichts miteinander zu tun, sieht aber trotzdem komisch aus.

27. (26.) Cincinnati Reds (25-43) ⇒
Ein Sweep, ein Sweep! O. K., es waren es nur zwei Spiele und der Gegner waren die Royals. Aber im vierten Jahr hintereinander mit Abo auf den letzten Platz der NL Central nimmt man an Erfolgen gerne alles mit, was man bekommt.

28. (30.) Miami Marlins (26-43) ⇒
Sechs Siege aus den letzten zehn Spielen, darunter gewonnene Serien gegen die Cardinals und die Giants – so langsam scheinen die Marlins sich wohl zu fühlen in der Rolle des frechen Außenseiters, dessen Stärke in der Abwesenheit jeglicher Erwartungen liegt.

29. (28.) Kansas City Royals (22-46) ⇒
Ein Run Differential von -121, mit 374 die meisten kassierten Runs der MLB – der Champion von 2015 ist nicht mehr wiederzuerkennen. Nachdem schon in der Offseason einige hochkarätige Free Agents weitergezogen waren, hat mit dem Trade von Jon Jay nach Arizona letzte Woche auch der Ausverkauf während der Saison bereits begonnen.

30. (27.) Baltimore Orioles (19-48) ⇒
Sieben Niederlagen in Folge, die wenigsten Siege und die wenigsten Runs der Liga – die O’s haben sich den letzten Platz im Ranking redlich verdient und sind auf Kurs für 116 Niederlagen.

Zahl in Klammern = Rang im letzten Powerranking
⇑ = 5 oder mehr Plätze höher als im letzten Powerranking
⇓ = 5 oder mehr Plätze niedriger als im letzten Powerranking
⇒ = weniger als 5 Plätze Abweichung zum letzten Powerranking

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Juni 14th, 2018 by Dominik

Die wöchentliche Übersicht zum MLB-Geschehen beginnt dieses Mal mit ein paar unerfreulichen Nachrichten. Die ersten davon sind Verletzungen von zwei der Top-Spieler der Liga: Shohei Ohtani, der einzige und zudem überaus erfolgreiche Two-Way-Player der Liga, schien den Award als Rookie des Jahres bereits sicher in der Tasche zu haben. Nun fällt er aber möglicherweise bis 2020 aus. Er hat eine Verletzung am Seitenband des Ellenbogens seines Wurfarms und es sieht danach aus, dass dies eine Tommy-John-Surgery nötig macht. Noch besteht aber die Hoffnung, mittels Stammzelleninjektion und sonstigen konservativen Maßnahmen eine Verbesserung zu erzielen; wie es für Ohtani weitergeht, wird sich wohl in rund drei Wochen entscheiden. Bereits sicher ist, dass für Detroits 1B Miguel Cabrera die Saison beendet ist. Er riss sich eine Sehne im Bizeps, muss operiert werden und kann seinen in der AL Central überraschend gut platzierten Tigers dieses Jahr keine Hilfe mehr sein. Um den Reigen der schlechten Nachrichten perfekt zu machen: Donald Lutz, der erste und vor Max Kepler einzige MLB-Spieler aus Deutschland, hat seine Spielerkarriere beendet. Die jetzt verkündete Entscheidung schlug keine hohen Wellen, da Lutz bei den Reds schon seit geraumer Zeit weit von der höchsten Liga entfernt war. Er konzentriert sich jetzt ganz auf die Trainerlaufbahn, die er diese Saison – ebenfalls in der Organisation der Reds – begonnen hat.

American League
Die beiden erfolgreichsten Teams der Liga finden sich nach wie vor in der American League East und an der Spitze steht zurzeit – ja, wer eigentlich? Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Offiziell stehen die New York Yankees (43-20) vorne, da sie mit 68,3% eine höhere Siegquote haben als die Boston Red Sox (47-22) mit 68,1%. Gleichzeitig sagt die Tabelle aber aus, dass die Yankees 1,0 Spiele Rückstand auf die Red Sox haben. Das kommt dadurch, dass die Yankees weniger Spiele absolviert haben und bei der Bestimmung des Abstands die noch ausstehenden Partien mit je 0,5 gezählt werden. Seht als Tabellenführer an, wen ihr wollt, auf jeden Fall bleibt es ein spannendes Rennen. Die Red Sox hatten zuletzt einen kleinen Offensiv-Slump, doch dank des frisch gesweepten Aufbaugegners Baltimore Orioles (19-48) haben sie diesen wohl bereits überwunden. In Seattle wartet nun allerdings vier Spiele lang eine ungleich schwerere Aufgabe (siehe „Einschalttipp“). Die Yankees empfangen in dieser Zeit die Tampa Bay Rays (32-35) – auf dem Papier die deutlich leichtere Aufgabe, aber auch nicht zu unterschätzen. Schließlich haben die Rays gerade die Toronto Blue Jays (30-38) in einer Drei-Spiele-Serie abgefertigt und ihnen dadurch den dritten Platz in der Division abgejagt.

In der AL Central ist nach wie vor nicht viel Bewegung. Die Cleveland Indians (35-31) halten sich mit mittelmäßigen Leistungen an der Spitze, dem Rest der Division ist zurzeit nicht viel zuzutrauen. Überraschend auf Platz zwei, wenngleich mit negativem Record, stehen immer noch die Detroit Tigers (32-37). Ohne ihren Star Miguel Cabrera wird für sie die Saison nun allerdings noch deutlich schwerer werden. Dahinter liegen die Minnesota Twins (29-35) bereits fünf Spiele zurück. Wenn die Twins sich ihre Chance auf die Division erhalten wollen, sollten sie am besten das wiederholen, was ihnen vor eineinhalb Wochen schon einmal gelungen ist: einen Sweep gegen die Indians in der Drei-Spiele-Wochenendserie. Schlagbar sind die Indians definitiv, das haben auch die Chicago White Sox (24-42) gerade zweimal unter Beweis gestellt – und die rote Laterne der AL Central damit an die Kansas City Royals (22-46) abgegeben, welche mit neun Niederlagen in den letzten zehn Spielen in desolater Verfassung sind und jetzt auch noch ausgerechnet World Champion Houston erwarten.

Die Houston Astros (44-25) sind schon wieder in meisterlicher Verfassung. Sieben Spiele in Folge haben sie zuletzt gewonnen und ihr Run Differential von +138 ist das beste der MLB. Dennoch sind sie in der AL West weiterhin nur Zweiter, denn die Seattle Mariners (44-24) haben hauchdünn die Nase vorn und das mit einem Run Differential von nur +27. Das spricht dafür, dass bei den Mariners ein bisschen Glück, aber auch eine beeindruckende Effizienz zur guten Bilanz beitragen (siehe auch „Statistik der Woche“). Die Los Angeles Angels (37-32) sind inzwischen deutlich hinter die Astros und die Mariners zurückgefallen und nach Ohtanis Ausfall steht zu befürchten, dass sie wieder zur alten Mike-Trout-One-Man-Show werden. Danach sah es jedenfalls ganz stark aus, als Trout diese Woche in zwei Spielen hintereinander gegen die Mariners je zwei Homeruns schlug – und beide Spiele verloren wurden. Die anstehende Serie bei den Oakland Athletics (34-34) könnte interessant werden, denn es treffen zwei Teams aufeinander, die dringend ein Erfolgserlebnis brauchen, damit ihnen ihre bislang unerwartet gute Saison nicht aus der Hand rutscht. Nicht mehr viel zu retten dürfte hingegen bei den Texas Rangers (27-43) sein, die sich mit sechs Niederlagen in Folge wohl endgültig ausgeklinkt haben aus einer Division, in der alle anderen bei mindestens .500 stehen.

National League
Die National League East ist nach wie vor heiß umkämpft zwischen den Atlanta Braves (39-28) und den Washington Nationals (37-28). Beide sind mehr oder weniger im Gleichschritt unterwegs und werden sich noch für eine ganze Weile ein Fernduell liefern, denn das nächste direkte Aufeinandertreffen gibt es erst nach dem All-Star-Break. Die Philadelphia Phillies (34-31) hingegen fallen im Vergleich mit den Braves und den Nationals mehr und mehr zurück, auch in dieser Woche gewannen sie nur zwei von sechs Spielen. Sorgen, ihren dritten Platz zu gefährden, müssen sie sich jedoch nicht machen. Die New York Mets (28-36) bekommen offensiv nach wie vor überhaupt nichts auf die Reihe. Sie haben zehn der letzten elf Spiele verloren und das obwohl ihre Pitcher in keinem einzigen dieser Spiele einen wirklich schlechten Start hatten. Der einzige Sieg in diesem Zeitraum war ein 2:0 gegen die Yankees durch einen einsamen Homerun von Todd Frazier gegen sein Ex-Team. Die Mets haben inzwischen die zweitwenigsten Runs der Liga gescort: 239, knapp vor den Orioles mit 234 und gleichauf mit den Miami Marlins (26-42). Apropos Marlins, ich weiß gar nicht, ob ich über die in diesem Jahr schon mal was Positives geschrieben habe. Jetzt ist es soweit: Sie haben drei Spiele hintereinander gegen die Giants gewonnen. Herzlichen Glückwunsch.

Für die NL Central habe ich letzte Woche einen Führungswechsel zugunsten der Chicago Cubs (38-27) herbeigeredet und den gab es dann auch am Montag durch einen hart erkämpften Sieg über den direkten Konkurrenten. Doch Baseball ist das Spiel der Serien und die Serie gewannen am Ende die Milwaukee Brewers (41-27), wodurch sie sich die Divisionsspitze direkt wieder zurück holten. Wenn es den Brewers jetzt gelingt, gegen die Phillies nachzulegen, können sie sich vielleicht sogar ein kleines Polster anlegen. Ihre Verfolger werden sich jedenfalls in den nächsten Tagen in irgendeiner Weise gegenseitig Punkte abnehmen, denn die Cubs müssen für drei Spiele zu den St. Louis Cardinals (36-30). Die Pittsburgh Pirates (33-35) stehen inzwischen bei einem negativen Record, was sich angesichts einer anstehenden Serie gegen die Cincinnati Reds (25-43) durchaus schnell wieder ändern könnte.

In der NL West haben sich die Arizona Diamondbacks (37-30) nach mehreren Wochen im fast ungebremsten Fall wieder gefangen. Sieben der letzten zehn Spiele wurden gewonnen und angesichts des Zustands des kommenden Gegners wäre es keine Überraschung, wenn gegen die Mets in den nächsten Tagen vier weitere Siege hinzukommen. Damit könnte man sich die Los Angeles Dodgers (35-32) vom Leib halten, die derzeit mit aller Macht nach vorne drängen und diese Woche schon die Colorado Rockies (33-34) überholt haben. Nach wie vor sind alle Teams dieser Division sehr eng beisammen und wenn die San Francisco Giants (33-35) am Wochenende das Derby gegen die Dodgers gewinnen sollten, sind auch sie trotz der peinlichen Niederlagen gegen Miami wieder voll im Rennen. Genauso viele Siege wie die Rockies und die Giants, aber ein paar mehr Niederlagen haben die San Diego Padres (33-37). Mit 5,5 Rückstand sind auch sie gar nicht weit weg von der Spitze entfernt, es warten aber vier unangenehme Spiele in Atlanta auf sie.

Szene der Woche
Bei einem Rundown – also einer Situation, in der man sich zwischen den Bases befindet, während die Abwehrspieler sich den Ball hin und her werfen können – hat man als Baserunner meistens schlechte Karten. Wenn es gleich zweimal am gleichen Tag Baserunner schaffen, so einer Situation zu entkommen, dann ist das auf jeden Fall eine Erwähnung wert: Am Dienstag gelang dieses Kunststück sowohl Christian Yelich von den Brewers als auch Billy Hamilton von den Reds. Hamilton setzte sogar noch einen drauf, indem er aus der Szene den wohl frechsten Run des Jahres herausholte. Weniger Erfolg zwischen den Bases hatte Luis Valbuena: Der Angel schlug einen Ball in die Ecke des rechten Outfields zum scheinbar sicheren Double, doch ein sehenswerter Wurf von Mitch Haniger und ein noch sehenswerterer Tag von Jean Segura bescherte den Mariners ein unglaubliches Out. Das waren fantastische Szenen, doch die Szene der Woche hatte in meinen Augen ein Fan der Oakland Athletics: Der Mann brachte es tatsächlich fertig, zwei Foulballs bei direkt aufeinander folgenden Pitches zu fangen. Ich weiß nicht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für so etwas ist, aber ich tippe, dass es das unwahrscheinlichste Ereignis in einem Ballpark war seit dem Homerun von Bartolo Colon am 7. Mai 2016.

Statistik der Woche 
21. So viele Spiele haben die Seattle Mariners dieses Jahr mit genau einem Run Unterschied gewonnen. Das ist fast die Hälfte ihrer 44 Siege und mit großem Abstand führend in der MLB – Zweiter sind die Milwaukee Brewers mit „nur“ 15 siegreichen 1-Run-Games. Die knappen Siege, die wie oben erwähnt sicher eine Menge mit Glück, aber auch mit Effizienz und Durchhaltevermögen zu tun haben, sind das Erfolgsgeheimnis der Mariners in dieser Saison. Seattle befindet sich sogar auf Rekordkurs: Noch nie hatte ein Team so früh in der Saison schon so viele 1-Run-Siege. Wenn sie so weiter machen, kann die Bestmarke von 42, erzielt durch die San Francisco Giants im Jahr 1978, ernsthaft ins Wackeln geraten.

Spiel der Woche
Manchmal braucht es offenbar eine besondere Form der Motivation, bevor ein Team bereit ist, alles aus sich herauszuholen. Die Diamondbacks schienen am Montag jedenfalls auf dem Weg, gegen die Pirates sang- und klanglos unterzugehen. 0:5 lagen sie im Bottom des siebten Innings schon zurück, als Pittsburghs Pitcher Joe Musgrove eine folgenschwere Entscheidung traf: Er warf Chris Owings ab, ganz offensichtlich mit Absicht und als Vergeltung dafür, dass Arizonas Braden Shipley vorher – vermutlich unabsichtlich – Josh Harrison abgeworfen hatte. Damit war den ungeschriebenen Regeln genüge getan, doch die Diamondbacks hatten noch eine Antwort parat: Sie nahmen die Aktion gegen ihren Batter zum Anlass, eine Rally zu starten und das Spiel zu drehen. Nach einem Wild Pitch, einem Error, zwei Singles und einem Homerun von Jake Lamb stand es am Ende des siebten Innings 5:5 und im achten Inning legte Arizona vier weitere Runs nach zum 9:5-Sieg. Liebe Pirates, ihr werdet das hier nicht lesen und schon gar nicht auf mich hören, aber mein Tipp wäre: in Zukunft statt Sandkastenkrieg lieber weiter Baseball spielen.

Mein Einschalttipp
Zwei der heißesten Teams der Liga treffen ab heute viermal aufeinander: die Seattle Mariners und die Boston Red Sox. Da sollte man mindestens einmal einschalten, auch wenn die Spiele an der Ostküste für uns Europäer zu relativ ungünstigen Zeiten stattfinden. Wenn ihr Frühaufsteher seid, bietet sich das Spiel am Samstagmorgen ab 4:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit an. Rick Porcello (3.54 ERA, 3.30 FIP) und James Paxton (3.02 ERA, 2.79 FIP) lautet das voraussichtlich hochklassige Matchup dieser Partie. Zählt ihr euch hingegen eher zu den Nachteulen, dann ist vielleicht die Partie am Sonntagabend ab 22:10 Uhr unserer Zeit etwas für euch. Auf dem Mound stehen dann voraussichtlich Eduardo Rodriguez (3.64 ERA, 3.56 FIP) und Mike Leake (4.26 ERA, 4.45 FIP). Beide Spielen werden sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN übertragen.

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Juni 7th, 2018 by Dominik

Casey Mize ist der erste Pick der MLB-Draft 2018. Der Rechtshänder galt schon im Vorfeld als Favorit darauf, von den Detroit Tigers gewählt zu werden und da er im College für die Auburn Tigers spielte, muss er sich noch nicht mal an einen neuen Teamnamen gewöhnen. Insgesamt wurden in 40 Runden insgesamt 1214 Spieler gedraftet. Von den meisten werden wir als normale MLB-Fans erst in einigen Jahren wieder der sogar nie etwas hören, weil sie nun erst mal den langen Weg durch die Minor Leagues antreten oder aber dem Ruf des Baseballs nicht folgen und sich für ein Studium oder einen alternativen Karriereweg entscheiden. Letzteres wäre auch für Pick Nummer 9 der ersten Runde denkbar gewesen: Die Oakland Athletics entschieden sich an dieser Stelle für Outfielder Kyler Murray von den Oklahoma Sooners. Das sorgte für Aufsehen, den Murray gilt auch als großes Football-Talent und sollte in diesem Jahr als Quarterback für das Team seiner Uni starten. Inzwischen wurde bekannt, dass es wohl eine Absprache zwischen Murray und den A’s gibt: Murray wird die kommende Saison für die Sooners absolvieren, danach tritt er aber für rund 5 Millionen Dollar den Job bei den Athletics an und konzentriert sich ganz auf Baseball.

Neben der Draft waren diese Woche leider zahlreiche schwere Verletzungen die wichtigsten Neuigkeiten. Eine ganze Reihe von Pitchern wurde langfristig außer Gefecht gesetzt: Jordan Montgomery von den Yankees, Ryan Sherriff von den Cardinals und Rays-Talent Anthony Banda mussten sich allesamt der Tommy-John-Surgery unterziehen und werden wohl erst zur Saison 2020 wieder ins MLB-Geschehen eingreifen. Besonders bitter erging es einem weiteren Cardinal: Top-Prospect Alex Reyes hatte vor 22 Monaten ebenfalls eine Tommy-John-Surgery; vor ein paar Tagen gab er endlich sein Comeback, doch schon nach vier Innnings war die Saison für ihn beendet, weil eine Sehne rechts oben am Rücken riss und Reyes erneut operiert werden musste.

National League
In der National League East tobt ein Zweikampf alt gegen jung oder konkreter gesagt: Washington Nationals (35-25) gegen Atlanta Braves (36-26). Die direkte Serie zwischen den beiden entschieden am vergangenen Wochenende die Braves für sich, die Nationals haben aber seitdem wieder aufgeholt und nun stehen beide quasi gleichauf an der Spitze. Ein Stück zurückgefallen sind hingegen die Philadelphia Phillies (32-27), die von den letzten zehn Spielen nur drei gewinnen konnten. Besonders schmerzhaft dürfte der erlittene Sweep gegen die Giants gewesen sein: In den drei Spielen brachten die Phillies nur einen einzigen Run zustande und das war ein Solo-Homerun ausgerechnet von Pitcher Jake Arrieta. Noch größere Offensivsorgen haben die New York Mets (27-32), mehr dazu weiter unten beim „Spiel der Woche“. Manche werden sich erinnern, dass die Mets mit 12-2 einen großartigen Start in die Saison hatten – seit dem 15. April sind sie allerdings das schlechteste Team der NL mit einer Bilanz von 15-30. Sogar die Miami Marlins (22-39) waren mit 18-27 in diesem Zeitraum deutlich besser. MLB-weit ist seit 15. April übrigens ein einziges Team mit 14-30 noch schlechter als die Mets: die Orioles, von denen die Mets sich gerade in zwei Spielen haben sweepen lassen.

Einen Zwei-Spiele-Sweep mussten auch die Milwaukee Brewers (37-25) gegen die Indians gerade einstecken, zudem verloren sie voher eine Serie gegen die White Sox 1:2. Noch halten sich die Brewers an der Spitze der NL Central, doch sie spüren deutlich den Atem der Chicago Cubs (34-24) im Nacken. Die Cubs haben acht der letzten zehn Spiele gewonnen, sie haben die beste Defensive, die zweitbeste Offensive und das mit Abstand beste Run Differential der NL. Die Gelegenheit scheint günstig, jetzt auch in der Division die Verhältnisse gerade zu rücken: Nacheinander werden die Cubs nun Serien gegen die Pittsburgh Pirates (31-30), die Brewers und die St. Louis Cardinals (32-27) spielen, jeweils drei Spiele lang. Über den Stand nach diesen eineinhalb Wochen kann man nur eines sicher voraussagen: Die Cincinnati Reds (21-41) werden dann immer noch auf dem letzten Platz stehen.

Wer in der NL West in eineinhalb Wochen – oder auch nur in einer Woche – auf welchem Platz steht, ist völlig offen. Mit nur 4,5 Spielen Abstand zwischen Rang eins und Rang fünf ist diese Division eindeutig die ausgeglichenste der Liga. Ganz vorne stehen mit identischem Record die Arizona Diamondbacks (32-29) und die Colorado Rockies (32-29), dicht gefolgt von den San Francisco Giants (31-31) und den Los Angeles Dodgers (30-31), die beide auf der Überholspur unterwegs zu sein scheinen. Das gilt übrigens auch für die San Diego Padres (29-35), die gerade drei Serien hintereinander gewonnen haben und jetzt an die Ostküste reisen, wo sie mit den Marlins eine vermutlich lösbare Aufgabe erwartet.

American League
Kommen wir von der ausgeglichensten Division der MLB zur unausgeglichensten: In der American League East sind die Rollen längst klar verteilt. Die Boston Red Sox (43-19) als immer noch bestes Team der Liga sowie Erzrivale New York Yankees (40-18) lassen den Rest der Gruppe weit hinter sich, die Tampa Bay Rays (28-32) und die Toronto Blue Jays (26-35) bilden ein schwaches Mittelfeld, und die Baltimore Orioles (19-41) haben trotz ihrer Siege gegen die Mets immer noch die schlechteste Bilanz der gesamten MLB. Der Blick auf die Spielpläne lässt erwarten, dass die klaren Verhältnisse in der Division insgesamt noch klarer werden, während es im Kampf um die Spitze spannend bleibt: Die Red Sox treffen noch einmal auf die Tigers und dann auf die White Sox, die Yankees besuchen ihren am Boden liegenden Stadtrivalen Mets – jede Niederlage der beiden NL-East-Spitzen in diesen Spielen wäre bereits eine Überraschung.

Eine Überraschung wäre auch, wenn irgendein anderes Team als die Cleveland Indians (32-28) die AL Central gewinnt. Zurzeit ist das die einzige Division, in der ich mich schon jetzt auf einen klaren Favoriten festzulegen traue – nicht weil die Indians so überragend gut wären, sondern weil sie dieses Jahr kaum Konkurrenz haben. Die Detroit Tigers (29-34) sind momentan am nächsten dran, doch fehlt es ihnen ebenso offensichtlich an der Qualität für einen Playoffrun wie den Chicago White Sox (20-39) und den Kansas City Royals (21-41). Die Minnesota Twins (26-31) haben mit einer 3:1-Serie gegen die Indians zumindest ein deutliches Lebenszeichen abgegeben, nun aber auch wieder zwei Spiele gegen die White Sox verloren. Ich würde mir ja wünschen, dass Max Kepler, „unser“ Mann in der MLB, die Twins aus dem Tief führt, doch leider läuft es bei ihm weiterhin überhaupt nicht rund. In den letzten 30 Spielen schlug er magere .192/.309/.365.

Wenn mich jemand nach der größten Überraschung der bisherigen MLB-Saison fragt, so antworte ich ohne zu zögern: Die Seattle Mariners (38-23) führen die AL West an. Es ist kaum zu glauben, was alles nicht dafür sprach, dass die Mariners nach gut 60 Spielen so gut dastehen: eine eher fragwürdige Offseason, diverse Verletzungen während der Saison (Erasmo Ramirez, David Phelps, Robinson Cano, Dee Gordon, Nelson Cruz, Ben Gamel, Ryon Healy), eine empfindliche Dopingsperre (Robinson Cano), die Formschwäche des langjährigen Pitcher-Asses Felix Hernandez, das wahrscheinliche Karriereende von Ichiro Suzuki, die übermächtige Konkurrenz in Form von World Champion Houston Astros (38-25) und nicht zuletzt die Tatsache, dass die Mariners seit 17 Jahren nicht in den Playoffs waren und man es ihnen deshalb schlichtweg nicht zutraut. Das alles haben sie überwunden und stehen nun – zumindest in einer Momentaufnahme – ganz vorne. Dort zu bleiben wird nicht einfach, zumal echte Herausforderungen unmittelbar bevorstehen: Zunächst müssen die Mariners nach Tampa Bay, was auf dem Papier kein schwerer Gegner aber allein schon wegen der extrem weiten Anreise unangenehm ist. Danach kommen die Los Angeles Angels (35-28) und die Red Sox nach Seattle, bevor die Reise wieder an die Ostküste zu den Yankees sowie nach Boston geht. Wenn die Mariners nach diesem Marathon immer noch vorne stehen, werde ich noch deutlich beeindruckter sein als ich es jetzt schon bin.

Szene der Woche
Es gibt Tage, an denen klappt einfach alles. Da kann man sogar wie Maikel Franco locker-lässig an der Homeplate vorbei traben und trotzdem einen Run erzielen, weil weder der Umpire noch die Gegner genau hingeschaut haben. Dann wieder gibt es Tage, an denen klappt überhaupt nichts. An solchen Tagen sieht man Spielzüge wie letzte Nacht zwischen den Cincinnati Reds und den Colorado Rockies: Billy Hamilton fängt einen scheinbar einfachen Flugball nicht, Scott Schebler geht nur halbherzig hinterher, derweil stolpert Carlos Gonzalez über die zweite Base, plumpst hin beim Versuch, zu selbiger zurückzukehren, kommt aber trotzdem unbehelligt an, weil inzwischen auch Scooter Gennett den Ball hat fallen lassen. Leider fehlt dem Video die passende Musik, man sollte es mit dem Benny-Hill-Theme unterlegen. Zu guter Letzt gibt es noch Tage, an denen etwas ganz Übles doch wieder gut wird: Vor fünf Wochen war die Baseball-Welt geschockt, als White-Sox-Reliever Danny Farquhar während des Spiels mit einer Gehirnblutung im Dugout zusammenbrach. Zum Glück wurde er sehr schnell und erfolgreich behandelt und am Freitag war der Jubel groß, als Farquhar das Spiel seines Teams besuchte und den zeremoniellen ersten Pitch warf.

Statistik der Woche 
8. So viele Strikeouts kassierte Yankees-Outfielder Aaron Judge während des Doubleheaders gegen Detroit am Montag dieser Woche. Damit hat Judge mal wieder einen MLB-Rekord aufgestellt, wenn auch einen von der Sorte, über den er nicht allzu glücklich sein wird. Seit der Aufnahme regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahr 1913 gab es noch nie so viele Strikeouts gegen einen Spieler an einem Tag.

Spiel der Woche
Es gibt sicher schönere Spiele als das zwischen den New York Mets und den Chicago Cubs vom letzten Samstag. Ich wähle es hier trotzdem, weil es zum einen eine lange Zeit sehr spannende Parie war und weil es zum anderen so wunderbar treffend den Zustand der New York Mets widerspiegelt: Die Mets erhalten zurzeit nahezu täglich sehr gute Vorstellungen ihrer Starting Pitcher. Acht Spiele hintereinander ist es den Startern gelungen, nicht mehr als zwei Runs zu kassieren, siebenmal war es sogar nur ein Run oder gar keiner. Gewonnen haben die Mets von diesen acht Spielen nur ein einziges, die anderen sieben hat entweder der Bullpen oder – häufiger noch – die fehlende Offense vergeigt. Im angesprochenen Spiel brillierte Jacob deGrom mit 13 Strikeuots und nur einem Run in sieben Innings, insgesamt stellten die Mets-Pitcher sogar einen Franchise-Rekord auf mit 24 Strikeouts in einem Spiel. Doch die Bats der Mets blieben wie so oft stumm. Lediglich ein Solo-Homerun von Michael Conforto rettete sie mit einem 1:1 in die Extra-Innings, bevor es im 14. Innning zum großen Zusammenbruch kam und das Spiel 1:7 an die Cubs abgegeben wurde. Es war übrigens erst das zweite Mal in der MLB-Geschichte, dass ein Team, das es auf 24 oder mehr Strikeouts in einem Spiel brachte, dieses Spiel verlor. Den Rekord halten die Los Angeles Angels, die 2004 ein 17-Inning-Spiel trotz 26 Strikeouts mit 0:1 an die Milwaukee Brewers verloren.

Mein Einschalttipp
Eigentlich muss man immer einschalten, wenn die New York Mets und die New York Yankees in der Subway Series aufeinander treffen und natürlich werde ich das von Freitag bis Sonntag auch regelmäßig tun. Nachdem aber zurzeit leistungsmäßig Welten zwischen den beiden Lokalrivalen liegen und ich den Mets bereits im „Spiel der Woche“ breiten Raum gewidmet habe, geht mein Einschalttipp an ein anderes Duell, nämlich an das zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs. Von Montag bis Mittwoch werden die beiden Teams um die Führung der NL Central ringen und das Finale der Serie läuft für uns Mitteleuropäer zur besten Sendezeit um 20:10 Uhr. Mike Montgomery (3.89 ERA, 3.85 FIP) für die Cubs und Jhoulys Chacin (3.39 ERA, 4.00 FIP) für die Brewers dürften ein ziemlich ausgeglichenes Pitching-Matchup bilden, dem ihr sowohl auf mlb.tv als auch auf DAZN folgen könnt. Auch ohne kostenpflichtiges Abo könnt ihr dabei sein, denn es ist das „Free Game of the Day“ auf mlb.tv.

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