Category: MLB

Februar 25th, 2020 by Silversurger

Die Baltimore Orioles haben in den letzten beiden Jahren einmal 115 und einmal 108 Spiele verloren. Es wäre ein kleines Wunder, wenn sie 2020 nicht zum dritten Mal hintereinander dreistellig Niederlagen einfahren würden. Frustrierend? Nun ja, wie man’s nimmt. Aus Sicht des Vereins ist es nicht nur akzeptabel, sondern regelrecht erwünscht, viele Spiele zu verlieren. „Tanking“ nennt man im amerikanischen Sport, der keinen Auf- und Abstieg kennt, die extreme Form des Neuaufbaus, wie ihn die Orioles gerade betreiben. Über mehrere Jahre hinweg trennt man sich regelmäßig von Leistungsträgern und häuft an deren Stelle talentierte Nachwuchsspieler an. Dass man in dieser Zeit kaum Erfolge feiert, ist Teil des Plans, denn dadurch erspielt man sich eine höhere Draftposition und dadurch weitere Talente. Irgendwann, so die Hoffnung, hat man ein für einige Jahre konkurrenzfähiges und bezahlbares Team beisammen und kann die Fans mit Erfolgen für die vorherige Durststrecke entschädigen. An dieser Taktik scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite stehen die Befürworter, die auf Beispiele wie die Chicago Cubs oder die Houston Astros verweisen, welche auf diese Weise Sieger-Teams aufgebaut haben. Auf der anderen Seite gibt es die Ansicht, dass Tanking unfair sowohl gegenüber den eigenen Fans als auch gegenüber dem Gedanken des sportlichen Wettbewerbs ist. Die Orioles jedenfalls haben sich entschieden, diesen Weg mit aller Konsequenz zu gehen. Das schließt zum Beispiel ein, dass man dem besten Spieler der vergangenen Saison, Jonathan Villar, nicht mal einen Vertrag angeboten und ihn stattdessen relativ billig weggetradet hat. Deutlicher kann man dem Publikum kaum sagen: „Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.“

Voraussichtliches Lineup
C Chance Cisco
1B Chris Davis
2B Hanser Alberto
SS Jose Iglesias
3B Rio Ruiz
LF Anthony Santander
CF Austin Hays
RF Trey Mancini
DH Renato Nunez

Voraussichtliche Rotation
LHP John Means
RHP Alex Cobb
RHP Asher Wojciechowski
RHP Kohl Stewart
RHP Brandon Bailey
Key Relievers: Hunter Harvey, Mychal Givens

Wichtigster Zugang
SS Jose Iglesias (Cincinnati Reds)

Wichtigster Abgang
2B Jonathan Villar (Miami Marlins)

Bestes Prospect
C Adley Rutschman

Größte Stärke
Fehlender Druck: Von diesem Team erwartet in absehbarer Zeit niemand etwas. Positiv gesehen heißt das, man hat reichlich Zeit und Gelegenheit, um neue Spieler und Taktiken auszuprobieren und reifen zu lassen.

Größte Schwäche
Pitching: Unter all den vielen Homerun-Rekorden, die letzte Saison aufgestellt wurden, geht einer der am wenigsten erwünschten auf das Konto der Orioles. 305 lange Bälle haben ihre Pitcher zugelassen und damit die drei Jahre alte Negativmarke der Cincinnati Reds von 258 pulverisiert. Auch mit 5.67 ERA und 5.5 fWAR war das Pitching Staff der Orioles mit Abstand das schlechteste der Liga. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sich daran dieses Jahr etwas ändern sollte.

Spannendste Frage
Will dieses Elend jemand sehen? Die Zuschauerzahlen in Baltimore sind seit Jahren massiv rückläufig. 2014 schauten sich im Schnitt noch über 30.000 Zuschauer die Heimspiele der Orioles an. 2017 waren es nur noch rund 25.000, 2018 20.000 und 2019 lag der Zuschauerschnitt mit 16.146 so niedrig wie seit 40 Jahren nicht. 2020 dürften es kaum mehr werden und man darf sich fragen, ob und wie schnell man die Fans zurück gewinnen kann, wenn das Team irgendwann wieder um Siege spielt.

Meine Prognose
Platz 5 in der AL East

Hier geht’s zum Power-Ranking mit allen bisher erschienenen Previews.

Posted in MLB, Preview Tagged with: , ,

Februar 24th, 2020 by Silversurger

In gut einem Monat, am 26. März 2020, beginnt endlich die neue MLB-Saison. Höchste Zeit, die gute alte Baseblog-Tradition der Team-Vorstellungen aufleben zu lassen. Ab morgen gibt es hier wieder 30 Tage lang jeden Tag einen kurzen Vorschauartikel auf die neue Saison.

Die Reihenfolge, in der ich die Artikel veröffentliche, entspricht meiner persönlichen Prognose des Abschneidens der jeweiligen Teams. Den Anfang macht morgen die in meinen Augen schwächste Mannschaft der Liga. Von dort arbeite ich mich jeden Tag ein Stück nach oben bis zu meinem Tipp für den World-Series-Gewinner 2020. Dieser Artikel hier dient als Überblick, den ich auf der Startseite des Blogs anhefte und nach und nach mit Links zu den bereits veröffentlichten Previews aktualisiere, sodass ihr in einem Monat die ganze Liste seht.

Korrekturen und Kommentaren sind mir wie immer sehr willkommen – schließlich sind meine Einschätzungen höchst subjektiv und ich bin ganz sicher nicht für jedes Team Experte.

Hier mein Powerranking, das sich in den kommenden 30 Tagen mit Teamnamen und mit Links zu den jeweiligen Artikeln füllen wird:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
29.
30. Baltimore Orioles

Posted in MLB, Preview Tagged with: , , , , , ,

Februar 22nd, 2020 by Silversurger

Ich bin euch noch etwas schuldig. Wie sich der eine oder die andere erinnern wird, habe ich zu Beginn der Offseason nach Themenwünschen gefragt und versprochen, die ersten drei davon in jedem Fall zu erfüllen. Daraus sind Artikel über Baseball-Filme und –Bücher entstanden sowie die Auseinandersetzung mit einer Regelfrage aus der World Series. Unbeantwortet ließ ich aber bisher den ersten Wunsch, der geäußert wurde: Johannes möchte wissen, „wie viel Einfluss Sabermetrics auf die Verpflichtung von einzelnen Spielern haben und welche Statistiken für die einzelnen Positionen wichtig bzw. aussagekräftig sind“. 

Ich muss zugeben, ich habe die Frage ein bisschen vor mir hergeschoben – nicht weil ich sie uninteressant fände, ganz im Gegenteil. Der Grund ist eher, dass es mir schwer fällt, eine befriedigende Antwort darauf zu geben. Aber versprochen ist versprochen, daher will ich es zumindest versuchen. 

Was sind überhaupt Sabermetrics?
Unter Sabermetrics versteht man Statistiken, die auf Basis vertiefter Analysen und oft anspruchsvoller mathematischer Konzepte verlässlichere und relevantere Erkenntnisse liefern sollen als die traditionellen Kennzahlen. Das Wort leitet sich ab von der Abkürzung SABR für die 1971 gegründete Wissenschaftlervereinigung Society for American Baseball Research. In aller Munde sind Sabermetrics spätestens seit dem Buch „Moneyball“ von Michael Lewis und dem gleichnamigen Film mit Brad Pitt.

Welche Statistiken sind aussagekräftig?
Die wohl aussagekräftigste und bekannteste Sabermetrics-Statistik ist Wins Above Replacement oder kurz WAR. Sie stellt den Versuch dar, die Gesamtleistung eines Spielers aus allen Komponenten des Spiels in einer einzigen Zahl auszudrücken.

Andere Sabermetrics beschäftigen sich mit einzelnen Teilen des Baseballspiels. Für die Offensive gibt es zum Beispiel Runs Created (RC) und diverse gewichtete und abgeleitete Versionen davon (wRC, wRC+), weighted On-Base Average (wOBA) oder die relativ neuen Deserved Runs Created+ (DRC+). Es gibt Ultimate Base Running (UBR) und weighted Stolen Base Runs (wBS) als Maße für die Leistungen zwischen den Bases und es gibt hilfreiche Indikatoren zum Feldspiel wie Ultimate Zone Rating (UZR) und Defensive Runs Saved (DRS). Möchte man die Leistungen von Pitchern analysieren, so lohnt es sich, nicht nur auf den althergebrachten Earned Run Average (ERA) zu schauen, sondern auch auf Fielding Independent Pitching (FIP) sowie vor allem auf die um einige Verzerrungen und Einschränkungen bereinigten Ableitungen ERA- und FIP-.

Die Links in den beiden letzten Absätzen führen allesamt zu früheren Artikeln von mir, in denen die genannten Statistiken etwas näher erläuter sind.

Welche Rolle spielen Sabermetrics für Spielerverpflichtungen?
Das ist der Teil, zu dem mir die Antwort schwer fällt. Denn die 30 Teams der MLB pflegen 30 verschiedene Herangehensweisen und lassen sich dabei verständlicherweise nicht gern in die Karten schauen. Jede MLB-Franchise beschäftigt heutzutage eine eigene Analyseabteilung – salopp ausgedrückt einen Haufen Nerds, die sich den ganzen Tag mit der Analyse und Weiterentwicklung statistischer Daten und Konzepte beschäftigen, um dem Front Office möglichst gute Entscheidungen zu ermöglichen. Man kann sich die Arbeit in diesen Abteilungen so vorstellen wie die Konkurrenz von Hackern und Virenexperten oder von Verschlüsselungs- und Entschlüsselungsexperten. Wie in einem Agentenkrimi sind stets alle Seiten bemüht, sich einen Wissensvorteil gegenüber der Konkurrenz zu erspielen und diesen wenigstens eine kurze Zeit lang aufrecht zu erhalten. Welche Daten und Statistiken gerade besonders wertgeschätzt werden, ist schwer zu sagen – und in dem Moment, in dem man es herausfindet, ist die Information mitunter schon wieder veraltet. 

Relativ sicher kann man wohl sagen, dass in der MLB keine Spielerverpflichtung ohne die Nutzung fortgeschrittener statistischer Analysen erfolgt. Ebenso sicher kann man sagen, dass man keinen Spieler nur auf Grundlage seiner Statistiken holt – das Augenmaß eines kompetenten Scouts ist nach wie vor unverzichtbar. Einen kleinen Hinweis, welche Teams einen größeren oder eher kleineren Schwerpunkt auf Sabermetrics legen, gibt die Anzahl der Mitarbeiter, die sie in ihren Analysebereichen beschäftigen. Laut einer Bestandsaufnahme von The Athletic beschäftigten im Herbst 2018 die New York Yankees und die Los Angeles Dodgers jeweils 20 Analysten, gefolgt von den Houston Astros, Atlanta Braves und Tampa Bay Rays mit je 15. Deutlich weniger analysegetrieben stellten sich die Chicago White Sox (2), die New York Mets (3) sowie (Überraschung!) die Oakland Athletics (3) dar. Das sind allerdings recht unsichere Angaben, weil viele Teams die Anzahl und die Rollen ihrer Mitarbeiter nicht vollständig offenlegen.

Posted in MLB, Statistik Tagged with:

Februar 20th, 2020 by Silversurger

Die MLB ist im Spring Training angekommen. Nahezu alle Spieler trainieren inzwischen mit ihren Teams und bereiten sich auf die Testspiele vor, die morgen für die ersten Teams und übermorgen dann für alle anderen beginnen. Dass die Sign-Stealing-Affäre um die Houston Astros längst nicht raus ist aus den Köpfen, zeigt sich in nahezu jedem Interview, das die Spieler der anderen Teams zurzeit geben. Mike Trout, Aaron Judge und Kenley Jansen sind nur ein paar von vielen, die diese Woche ihren Ärger über die Schummeleien der Astros kund getan und vor allem kritisiert haben, dass die MLB keine Strafen gegen die beteiligten Spieler verhängt hat.
Ab Anfang nächster Woche werdet ihr hier auf dem Blog wie in den letzten Jahren wieder kurze Vorschauartikel für alle MLB-Teams finden, also schaut bitte regelmäßig rein. Jetzt gibt es aber erstmal den Überblick über die Baseball-News der Woche – wobei die erste und wichtigste Meldung sich ausnahmsweise nicht auf die Major League, sondern auf ihren Unterbau bezieht:

Minor-League-Gehälter steigen – ein wenig
Die Ligaleitung hat beschlossen, die Bezahlung in den Minor Leagues ab der Saison 2021 zu erhöhen. Die Mindestgehälter steigen von wöchentlich 290 auf 400 Dollar in Rookie- und Short-Season-Leagues, von 290 auf 500 Dollar in Single-A, von 350 auf 600 Dollar in Double-A und von 502 auf 700 Dollar in Triple-A. Das ist prinzipiell erfreulich, allerdings immer noch ein Hungerlohn, wenn man berücksichtigt, dass das Geld nur während der Saison fließt und dass Arbeitsplatzsicherheit in dieser Branche ohnehin ein Fremdwort ist. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Single-A-Spielers lag 2019 bei 6.000 Dollar, das eines Double-A-Spielers bei 9.350 Dollar und damit weit unter der von den US-Behörden definitierten Armutsgrenze von 12.490 Dollar. In Triple-A lag man mit im Schnitt 15.000 Dollar knapp darüber – ein Witz im Vergleich mit dem Minimumgehalt von 555.000 Dollar in der MLB. Es ist und bleibt ein Skandal, das innerhalb des Big Business, das der professionelle Baseball in den USA ist, solch prekäre Verhältnisse geduldet und gefördert werden – nicht zuletzt durch Lobbyarbeit der MLB, die 2018 den „Erfolg“ erzielte, dass Baseballspieler von gesetzlichen Mindestlöhnen ausgenommen sind.

Sperren wegen zu viel Horsepower
Noch bevor sie richtig begonnen hat, hat die Saison ihre ersten Dopingsünder. Einer der überführten Übeltäter ist Francis Martes, ein Pitcher ausgerechnet in der Organisation der Houston Astros – als ob die in dieser Offseason noch nicht genug negative Publicity hätten. Martes galt einst als hochrangiges Prospect und hatte 2017 auch schon ein paar MLB-Einsätze für die Astros. Mitte 2018 musste er sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen und verpasste dadurch den Rest der Saison 2018 und die gesamte Saison 2019. Obendrein wurde er letztes Jahr bereits für ein halbes Jahr gesperrt – er sorgte damals für spöttische Schlagzeilen, weil ihm die Verwendung von Clomifen nachgewiesen wurde, eines Mittels zur Auslösung des Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Dazu gelernt hat der 24-Jährige seitdem offenbar nicht, nur das Dopingmittel hat er gewechselt: Dieses Mal ist es Boldenon, ein Steroid aus der Veterinärmedizin, das in erster Linie Rennpferden verabreicht wird. Als Wiederholungstäter ist Martes nun für eine volle Saison gesperrt. Beim nächsten Verstoß ist laut den Anti-Doping-Regeln der MLB eine lebenslange Sperre fällig.
Mit demselben Pferde-Steroid erwischt wurde Pablo Reyes, Utility-Player der Pittsburgh Pirates. Reyes hatte 2018 ein starkes MLB-Debüt bei den Pirates, seine Saison 2019 fiel jedoch deutlich ab und er wurde nach der Saison zurück in die Minor Leagues abgestuft. Mit unerlaubten Mitteln wollte er offenbar den Weg zurück in die Major League finden, der nun aber deutlich länger geworden sein dürfte. Als Ersttäter läuft die Sperre für Reyes 80 Spiele, also eine halbe Saison.

Brewers signen Brock Holt
Brock Holt, der wohl prominenteste verbliebene Free Agent außer Yasiel Puig, hat einen neuen Verein gefunden: Der 31-Jährige einigte sich mit den Milwaukee Brewers auf einen Einjahresvertrag mit Klub-Option für ein weiteres Jahr. Die Brewers holen sich damit eine weitere Allzweckwaffe ins Team, die (mindestens) im Infield jede Position solide ausfüllen kann. Mit Justin Smoak, Eric Sogard, Jedd Gyorko, Luis Urias, Ryon Healy, Ronny Rodriguez und jetzt Holt hat der Klub in dieser Offseason regelrecht Spieler angehäuft, um aus ihnen ein Infield herauszukristallisieren, in dem bisher der junge Second Baseman Kestion Hiura den einzigen sicheren Stammplatz hat.

Ein Trade mit Seltenheitswert
Relief Pitcher Burch Smith wechselt gegen eine Ablösezahlung von den San Francisco Giants zu den Oakland Athletics. Das wäre eigentlich kaum eine Meldung wert, zumal der 29-jährige Smith bislang wenig Erfolg in der MLB hatte und von den Giants ohnehin schon aus dem Kader gestrichen worden war. Das Interessante an der Sache ist: Es ist der erste Trade seit fast 30 Jahren zwischen den beiden Teams, die geographisch nur durch eine Bucht mit einer langen Brücke voneinander getrennt sind. Am 4. Dezember 1990 gab es den letzten Handel zwischen den Lokalrivalen, als Outfielder Ernest Riles zu den A’s kam und dafür Outfielder Darren Lewis and Minor-League-Pitcher Pedro Pena nach San Francisco wechselten. Warum so lange Funkstille herrschte zwischen den Athletics und den Giants, kann oder will niemand so recht erklären. Farhan Zaidi, seit einem Jahr General Manager der Giants, hat jedenfalls einen guten Draht zu Billy Beane und den Athletics, für die er von 2011 bis 2014 tätig war.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , ,

Februar 18th, 2020 by Silversurger

Als vor zwei Wochen die Footballer der Kansas City Chiefs den Superbowl gewannen, ließen die Glückwünsche des twitterfreudigen US-Präsidenten nicht lange auf sich warten: Donald Trump gratulierte den Chiefs, dass sie den „Great State of Kansas“ hervorragend repräsentiert hätten. Das war nett gemeint, sorgte aber für reichlich Spott. Im Gegensatz zum Präsidenten ist den meisten Sportfans bekannt, dass die Chiefs nicht aus Kansas City (Kansas) kommen, sondern aus der gleichnamigen und deutlich größeren Nachbarstadt im Staat Missouri. Dort steht ihr Arrowhead Stadium als Teil des Truman Sports Complex direkt neben Kauffman Stadium, dem Ballpark der Kansas City Royals, welchem ich heute eine Folge der Baseblog-Ballparks-Serie widme. Es wird übrigens die letzte der laufenden Offseason, denn ab nächster Woche werde ich wieder vollauf beschäftigt sein mit den Vorschau-Artikeln zur neuen Saison für alle 30 Teams.

Kauffman Stadium in Kansas City (1)

Geschichte
Der 1973 eröffnete Ballpark ist heute einer der ältesten der Liga. Geplant wurde er für ein Team, das nie dort eingezogen ist: die Kansas City Athletics. Deren damaliger Owner, Charles O. Finley, entschied 1968 kurzfristig, seinen Klub nach Oakland zu verlegen. So stand Kansas City plötzlich mit einer Großbaustelle für ein Baseballstadion, aber ohne MLB-Team da. Auf politischen Druck hin entschied die Liga, der Stadt ein neues Team zuzugestehen. Die Kansas City Royals nahmen 1969 den Spielbetrieb auf, zunächst im Municipal Stadium, das sie sich – wie zuvor die Athletics – mit den Chiefs teilten.

Zur Saison 1973 war der neue Ballpark fertig und wurde eingeweiht als Royals Stadium. Erst 20 Jahre später erfolgte kurz vor dem Tod von Ewing Kauffman, dem Gründer und ersten Eigentümer der Royals, die Umbenennung des Stadions auf seinen Namen. Es handelte sich um eine reine Ehrbezeugung, nicht um einen Verkauf oder eine Vermietung der Namensrechte. Oft wird das Stadion kurz „The K“ genannt.

Schon am 15. Mai 1973, nur einen Monat nach dem Eröffnungsspiel der Royals gegen die Texas Rangers (12:1), sah der Ballpark bereits seinen ersten No-Hitter: Nolan Ryan gelang mit den California Angels beim 3:0 gegen die Royals das erste von sieben hitlosen Spielen seiner Karriere. Ebenfalls schon im ersten Jahr war das All-Star-Spiel der MLB zu Gast, welches 2012 noch ein weiteres Mal in The K stattfand.

Von 2007 bis 2009 wurde Kauffman Stadium einer umfassenden Renovierung unterzogen. Es erhielt unter anderem ein modernes Scoreboard, aufgewertete Sitzplätze und Restaurants, einen neuen Kinderbereich und ein interaktives Hall-of-Fame-Museum.

Die bisherigen sportlichen Highlights der Royals in The K waren vier World-Series-Teilnahmen. Zweimal gewannen die Royals den höchsten Titel im Baseball. 1985 feierten sie nach Spiel 7 gegen die St. Louis Cardinals den Triumph im eigenen Stadion. 2015 legten sie gegen die New York Mets zwei Heimsiege vor, bevor sie mit Auswärtssiegen in den Spiel 4 und 5 die Championship klar machten.

Außenansicht von Kauffman Stadium (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Kauffman Stadium wurde als reines Baseballstadion erbaut. Das war gerade in seiner Entstehungszeit, als Multifunktionsarenen groß in Mode waren, etwas Besonderes.

Von außen bietet das von Kivett and Myers designte und 2009 von Populous renovierte Stadion eine recht nüchterne Fassade aus Beton und Glas. Von innen macht es deutlich mehr her mit dem elegant geschwungenen Tribünenverlauf von sehr hoch hinter der Homeplate bis ganz niedrig im Outfield. Sehr auffällig thront in der Mitte zwischen den flachen Outfieldtribünen das Scoreboard von Kauffman Stadium – nicht zuletzt, weil es passend zum Teamnamen eine gewaltige Krone trägt.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal von The K ist der Springbrunnen hinter dem Rightfield. Er galt lange Zeit als größer privat betriebener Springbrunnen der Welt und dient als Anspielung darauf, dass Kansas City als die „City of Fountains“ bekannt ist. Die Fontänen sind vor und nach dem Spiel sowie zwischen den Innings im Betrieb. Während des Spiels sind sie bis auf den konstant fließenden Wasserfall ausgeschaltet.

Die Wasserspiele im Outfield (3)

Spielbezogene Eigenheiten
The K hat den Ruf, ein Pitcher’s Park zu sein, also eine vorteilhafte Umgebung für Pitcher. Das ist nicht ganz falsch, aber doch nur die halbe Wahrheit.

Das symmetrische Outfield mit Rightfield- und Leftfield-Lines von 220 Fuß (101m) und einem steilen Verlauf der Feldbegrenzung bis ins 410 Fuß (125m) tiefe Centerfield macht das Spielfeld von Kauffman Stadium zum flächenmäßigen größten der ganzen Liga. Spätestens nachdem 2004 und 2009 die Zäune jeweils ein Stück nach hinten verlegt wurden, ist das Schlagen von Homeruns in Kansas City deutlich schwerer als anderswo.

Die andere Seite der Medaille ist allerdings, dass durch das weitläufige Feld überdurchschnittlich viele Doubles sowie besondere viele Triples geschlagen werden. Somit ist Kauffman Stadium eine gute Umgebung für andere Hits als Homeruns, was sich in der Analyse von Parkfaktoren gut nachweisen lässt.

Wo sitzt man am besten?
Ein Ticket für Kauffman Stadium kostete 2019 im Durchschnitt 65 Dollar, was ungefähr dem Durchschnitt der MLB entspricht. Am Portemonnaie wird ein Stadionbesuch jedenfalls nicht scheitern, denn die günstigsten Tickets – Outfield, oberste Etage – gibt es schon für 7 bis 10 Dollar je nach Zeit und Gegner. Zu beachten ist, dass man an potenziell sonnigen Tagen besser Sitze auf der Seite des Leftfields wählen sollte.

Wenn man das Spiel aus der Premium-Perspektive hinter der Homeplate verfolgen möchte, so wird man für 80 bis 100 Dollar fündig – im Vergleich dazu, was solche Plätze in manch anderen Stadien kosten, ist das ein ziemliches Schnäppchen. Einen guten Kompromiss aus nicht allzu weit entfernt, nicht zu teuer und vor allem schattig stellen die Plätze des Loge Levels auf der Third-Base-Seite (Sections 305-311) dar.

Ein bestimmter Sitz in The K ist so speziell, dass man ihn nicht mit Geld kaufen kann. Man erkennt ihn daran, dass es der einzige rote unter lauter blauen Sitzen hinter der Homeplate ist. Das ist der Buck O’Neil Legacy Seat, der einstige Stammplatz von einem der populärsten Spieler aus der Zeit der Negro Leagues. O’Neil war von 1937 bis 1955 für die Kansas City Monarchs aktiv und besuchte später regelmäßig die Spiele der Royals. Der Platz wird zu jedem Heimspiel an eine Person vergeben, die durch soziales Engagement oder auf andere Weise dem Geist von Buck O’Neil gerecht wird.

Der Sitz von Buck O’Neil (4)

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Chris Murphy (CC BY-NC-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: mtfrazier (CC BY-NC-ND 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Jim Ellwanger (CC BY-NC 2.0)
(4) Quelle: Wikimedia, Urheber: Badlydrawnjeff (CC BY-SA 3.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

Februar 13th, 2020 by Silversurger

Baseball is back: Während der letzten Tage haben jedenfalls schon mal die Pitcher und Catcher aller Teams in den Trainigscamps in Florida und Arizona die Saisonvorbereitung aufgenommen. Die restlichen Spieler folgen in den nächsten Tagen und schon Ende nächster Woche geht es los mit dem täglichen Testspielbetrieb des Spring Trainings. Damit uns das Warten darauf nicht langweilig wird, hat die Ligaleitung Pläne für eine radikale Reform der MLB-Playoffs durchsickern lassen, die zurzeit heiß diskutiert werden.

Demnächst 14 Playoff-Teams?
Die Pläne der Liga sollen drei wesentliche Neuerungen vorsehen:
1. Die Anzahl der Playoffteilnehmer soll von 10 auf 14 Teams erhöht werden. Es würden dann in jeder der beiden Teilligen AL und NL die drei Divisionssieger sowie die vier Teams mit den nächstbesten Bilanzen an der Postseason teilnehmen.
2. Anstelle des einzelnen Wild-Card-Spiels soll eine Playoff-Runde treten, von der nur das stärkste Team der jeweiligen Teilliga befreit ist. Dieses Team ist für die zweite Runde gesetzt. Die anderen sechs Teams spielen paarweise Best-of-3-Duelle gegeneinander, wobei das Team mit der stärkeren Bilanz in allen drei Spielen Heimrecht hat.
3. Jetzt kommt der wirklich revolutionäre Teil: Die Zusammenstellung der Wild-Card-Duelle erfolgt, indem die beiden Divisions-Gewinner ihren Gegner aus den restlichen Playoff-Teams aussuchen. Diese Auswahl soll als TV-Ereignis vermarktet werden, bei dem am Abend des regulären Saisonendes live von Teamverantwortlichen verkündet wird, gegen wen sie antreten wollen.
Wenn jemanden meine Ansicht dazu interessiert: Die Idee, die Playoffs auf 14 Teilnehmer aufzublähen, gefällt mir überhaupt nicht, denn das bedeutet eine Entwertung der langen und anstrengenden regulären Saison. Wofür spielt man 162 Spiele, wenn anschließend selbst Teams aus dem grauesten Mittelmaß noch der Weg zur World Series offen steht? Der Vorschlag, in der Wild-Card-Runde vom Einzelspiel wegzukommen und stattdessen eine Best-of-3-Serie zu spielen, gefällt mir hingegen gut. Zu der dritten Idee, der direkten Auswahl des Gegners, habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Uninteressant klingt sie jedenfalls nicht.
In Kraft treten könnte die Reform zur Saison 2022. Zuvor müsste eine Einigung mit der Spielergewerkschaft MLBPA erzielt werden. Der Chef der Gewerkschaft, Tony Clark, zeigte sich in einer ersten Reaktion von den Plänen überrascht, aber gegenüber einer Erweiterung der Playoffs nicht abgeneigt. Zwischen MLB und MLBPA stehen ohnehin Neuverhandlungen über die Rahmenvereinbarung (CBA) an, da deren aktuelle Fassung 2021 ausläuft.

Roenicke neuer Manager der Red Sox
Kurz vor dem Trainingsauftakt haben die Boston Red Sox noch schnell eine neue sportliche Leitung bestimmt: Der bisherige Bench Coach Ron Roenicke wurde am Dienstag zum Manager befördert. Genauer gesagt trägt er zunächst den Titel „Interimsmanager“, solange noch die Ergebnisse der MLB-Untersuchung der Sign-Stealing-Vorwürfe aus dem Jahr 2018 ausstehen. Da die Red Sox Roenicke den Posten geben, gehen sie offenbar davon aus, dass er in die damaligen Vorgänge nicht signifikant involviert war und dass er keine Bestrafung seitens der Liga zu erwarten hat. Dennoch wartet man vor seiner endgültigen Ernennung verständlicherweise den Abschluss der Untersuchung ab.
Wann die MLB ihre Entscheidung über mögliche Strafen bekannt gibt, ist unklar. Die ursprüngliche Ankündigung war, dass das vor Beginn der Spring-Training-Spiele erledigt sein soll. Nach den Einschätzungen, die bisher durchgedrungen sind, werden die Verstöße der Red Sox von 2018 wohl als weniger massiv eingestuft als die der Astros von 2017. Alex Cora, 2017 Bench Coach der Astros und 2018 bis 2019 Manager der Red Sox, war wegen der ihm zugeschriebenen Rolle in beiden Skandalen im Januar entlassen worden.
Ron Roenicke ist 63 Jahre alt und seit 2018 für die Red Sox tätig. Von 2011 bis 2015 war er Manager der Milwaukee Brewers, davor und danach war er seit 1992 in verschiedenen Rollen als Coach bei den Los Angeles Dodgers und den Los Angeles Angels aktiv.

Trades um Betts, Price, Maeda & Co. sind jetzt offiziell
Dass Mookie Betts und David Price von den Red Sox zu den Los Angeles Dodgers getradet werden, war schon letzte Woche die Top-Neuigkeit. Allerdings hatte ich bereits erwähnt, dass das Gesamtpaket des Blockbuster-Trades, bei dem auch die Minnesota Twins involviert waren, möglicherweise wegen medizinischer Bedenken noch mal aufgeschnürt wird. Genau so ist es gekommen und der endgültige Deal sieht nun folgendermaßen aus: Wie gehabt geben die Red Sox OF Mookie Betts sowie SP David Price an die Dodgers ab und übernehmen rund die Hälfte der 96 Millionen Dollar, die Price bis 2022 noch zustehen; wie gehabt erhalten die Red Sox im Gegenzug OF Alex Verdugo; dazu geben ihnen die Dodgers jetzt noch IF-Prospect Jeter Downs und Minor-League-Catcher Connor Wong.
Die Twins sind an dem Betts-Trade nun nicht mehr beteiligt, sie haben stattdessen einen unabhängigen Deal mit den Dodgers ausgehandelt: Kenta Maeda wechselt wie ursprünglich vorgesehen von den Dodgers zu den Twins. Obendrein senden die Dodgers 10 Millionen Dollar und den jungen Catcher Jair Carmago nach Minnesota. Im Gegenzug wechseln Pitching-Prospect Brusdar Graterol, OF-Prospect Luke Raley und ein Draftpick (#67 in der Draft 2020) zu den Dodgers.

Pederson-Trade entfällt
Ein dritter Trade, der im Zusammenhang mit den beiden eben geschilderten ausgehandelt worden war, ist abgesagt worden: Joc Pederson und Ross Stripling wechseln nicht von den Dodgers zu den Los Angeles Angels. Der Owner der Angels, Arte Moreno, war offenbar verärgert über die durch die anderen Trades verursachte Verzögerung und entschied daher, die Verhandlungen abzubrechen. Sinn ergibt das in meinen Augen nicht, denn es war von vornherein klar, dass die Trades zusammenhängen. Und nachdem die Dodgers von den Twins nun einen weiteren Outfielder und einen weiteren Pitcher bekommen haben, erschiene eine Trennung von Pederson und Stripling umso logischer. Man wird sehen, ob sich im Laufe der nächsten Tage für die beiden noch etwas Neues ergibt – andernfalls müssen sie damit leben, weiterhin für den Klub zu spielen, der sie durch den versuchten Trade bereits als verzichtbar abgestempelt hatte.

Spielertausch zwischen Padres und Rays
Neben den ganzen geänderten oder abgesagten Geschäften aus der letzten Woche habe ich auch noch einen komplett neuen Trade im Angebot: Die San Diego Padres und die Tampa Bay Rays haben sich zum zweiten Mal in dieser Offseason auf ein Tauschgeschäft geeinigt. Die Rays schicken RP Emilio Pagan nach San Siego, dafür wechseln OF Manuel Margot und C/OF-Prospect Logan Driscoll zu den Rays. Beide Teams festigen damit bestehende Stärken. Pagan bildet mit Kirby Yates und Andres Munoz in San Diego künftig ein starkes Trio von Relievern, deren Rollenverteilung in den späten Innings noch zu klären ist. Margot ist ein defensivstarker Centerfielder und als solcher die Absicherung für den Fall, dass sein neuer Teamkamerad Kevin Kiermaier wieder von Verletzungen heimgesucht wird.

Pillar zu den Red Sox
Auch die Red Sox verpflichten einen Centerfielder: Kevin Pillar ergänzt das Bostoner Outfield, in dessen voraussichtlicher Stammbesetzung nach dem Trade von Mookie Betts mit Andrew Benintendi, Jackie Bradley Jr. und Alex Verdugo nur noch Linkshänder zugange sind. Als Rechtshänder, der seine besten Offensivleistungen gegen linkshändige Pitcher erbringt, ist Pillar eine sinnvolle Bereicherung. Der Deal ist noch nicht offiziell, dementsprechend gibt es auch noch keine Vertragsdetails.

Pence zurück in San Francisco
Hunter Pence hat schon für vier verschiedene MLB-Teams gespielt, aber irgendwie erschien es mir seltsam, ihn letztes Jahr in einem anderen Trikot als dem der San Francisco Giants zu sehen. Falls es anderen auch so ging, dass sie sich an Pence in Rangers-blau nicht recht gewöhnen konnten, ist jetzt alles wieder gut: Der Outfielder ist zurück an der Bay, die Giants nehmen ihn für 3 Millionen Dollar unter Vertrag. Über Einsatzboni kann der 36-Jährige sein Einkommen um bis zu 2,5 Millionen Dollar erhöhen. Seine Rolle – neben der der Identifikationsfigur für die Madison Bumgarner nachtrauernden Fans – ist eine ähnliche, wie Pillar sie in Boston spielen wird. Auch in San Francisco besteht das Stamm-Outfield mit Mike Yastrzemski, Alex Dickerson und Steven Duggar ausschließlich aus Linkshändern, und Pence ist ein Kandidat dafür, den primären rechtshändigen Ergänzungsspieler darzustellen.

Maybin nach Detroit
Noch ein Rückkehrer: Outfielder Cameron Maybin unterschreibt für ein Jahr und 1,5 Millionen Dollar bei den Detroit Tigers. Maybin läuft damit zum dritten Mal für die Tigers auf, welche ihn 2005 gedraftet und an die MLB herangeführt hatten, bevor sie ihn 2007 zu den Mariners tradeten. 2016 spielte Maybin erneut für die Tigers. Der 32-Jährige hatte letztes Jahr mit den Yankees die stärkste Saison seiner Karriere (.285/.364/.494). Für die im Rebuilding befindlichen Tigers ist er eine solide Ergänzung und möglicherweise ein Tradechip, der sich zur Mitte der Saison gegen Talente eintauschen lässt.

Mariners signen Walker
Auch Pitcher Taijuan Walker kehrt zurück an eine frühere Wirkungsstätte: Er heuert für 2 Millionen Dollar für ein Jahr bei den Seattle Mariners an, von denen er 2010 gedraftet wurde und für die er von 2013 bis 2016 in der MLB spielte. Walker kommt mit dem Fragezeichen, ob er wieder der solide Starter sein kann, der er bis 2017 war, nachdem er die Saisons 2018 und 2019 wegen einer Tommy-John-Surgery und weiteren Verletzungen fast vollständig verpasste.

Neuer Käufer für die Mets gesucht
Der ursprünglich geplante Verkauf der Anteilsmehrheit an den New York Mets an den Hedgefonds-Unternehmer Steve Cohen ist, wie sich letzte Woche schon abzeichnete, geplatzt. Jeff Wilpon, der COO der Mets und Sohn des Haupteigentümers Fred Wilpon, hat Anfang der Woche ein Statement herausgegeben. Darin beruft er sich hinsichtlich der Gründe des gescheiterten Geschäfts auf vereinbartes Stillschweigen, lässt aber durchblicken, dass er und sein Vater weiterhin nach einem Käufer für das Team suchen. Anhänger der Mets dürfen also nach wie vor hoffen, dass die Ära der ungeliebten Wilpons-Ownerschaft in absehbarer Zeit endet. Wenn ihr ein paar Milliarden (3 dürften reichen) übrig habt und euch schon immer den Traum erfüllen wolltet, eine MLB-Franchise zu besitzen: Hier ist eure Chance!

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Februar 11th, 2020 by Silversurger

Die Baseblog-Ballparks-Serie macht heute noch einmal Station im hohen Norden der USA, genauer gesagt in Wisconsin. Auf Wunsch des Baseblog-Lesers Munich habe ich mich mit Miller Park beschäftigt, Heimat der Milwaukee Brewers und des wohl berühmtesten Wurstrennens der Welt, das an jedem Spieltag in der Mitte des sechsten Innings stattfindet:

Geschichte
Die Milwaukee Brewers gibt es seit 1970. Das Team übernahm damals das Milwaukee County Stadium, in welchem von 1953 bis 1965 schon die Milwaukee Braves gespielt hatten. Spätestens seit Anfang der 90er-Jahre war klar, dass das alte Stadion nicht mehr wettbewerbsfähig war. Es fehlte an einträglichen Plätzen der Premiumklasse, an einer Videoleinwand und an einem Schutz gegen die Wetterkapriolen, für die die Region berühmt ist.

Wie die meisten Stadionbauprojekte, so sorgte auch Miller Park für langwierige Kontroversen um die Finanzierung, insbesondere um den öffentlichen Anteil daran. 290 der insgesamt 400 Millionen Dollar Baukosten wurden letzten Endes aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Zu diesem Zweck wurde eine zusätzliche Mehrwertsteuer von 0,1% eingeführt, die in Milwaukee und den umliegenden Counties seit 1996 und noch bis August 2020 erhoben wird. Der damalige Senator von Wisconsin wurde wegen der Einführung dieser Steuer vorzeitig abgewählt.

Leider ist das Schicksal des Senators nicht die traurigste Geschichte im Zusammenhang mit dem Bau von Miller Park: Am 14. Juli 1999 stürzte „Big Blue“, einer der größten Baukräne der Welt, in sich zusammen und erschlug drei Arbeiter. Die durch den Unfall verursachten Schäden am Dach sowie die Untersuchung der Ereignisse verzögerten die Inbetriebnahme des Stadions um ein Jahr.

Miller Park im Juli 2018 (1)

Zur Eröffnung am 6. April 2001 war reichlich Prominenz vor Ort, deshalb gab es gleich zwei „erste“ Pitches: einen von US-Präsident George W. Bush und einen von MLB-Commissioner Bud Selig. Selig war vor Übernahme des Spitzenpostens der Liga Eigentümer der Brewers gewesen, Miller Park war daher zu einem guten Teil sein Projekt. Die Brewers gewannen das Eröffnungsspiel 5:4 gegen die Cincinnati Reds.

2002 war Milwaukee Gastgeber des All-Star-Spiels. Eine World Series hat Miller Park bisher noch nicht erlebt. Die bislang größten Erfolge der Brewers im aktuellen Stadion sind die erreichten NL Championship Series 2011 (2-4 gegen die Cardinals) und 2018 (3-4 gegen die Dodgers).

Ein weiteres Highlight der Stadiongeschichte war der bisher einzige No-Hitter in Miller Park – interessanterweise weder durch einen Pitcher der Brewers noch durch einen ihrer Gegner. Wegen eines Sturms in Texas wurde am 14. September 2008 die Partie zwischen den Houston Astros und den Chicago Cubs nach Milwaukee verlegt, und Cubs-Pitcher Carlos Zambrano erlaubte den Astros keinen Hit. Es war der erste No-Hitter der MLB-Geschichte, der auf neutralem Grund erzielt wurde.

Miller Park geht dieses Jahr in seine letzte Saison unter dem aktuellen Namen. Der Vertrag mit der Brauerei über die Namensrechte läuft nach 20 Jahren aus und wird abgelöst durch ein Engagement der American Family Insurance. Ab 2021 heißt das Stadion American Family Field.

Außenansicht von Miller Park (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Architektur und Design von Miller Park gehen auf die Firmen NBBJ und Arup zurück; damit ist es eines von ganz wenigen modernen MLB-Stadien, die nicht von Populous/HOK geplant wurden. Vom inneren und äußeren Erscheinungsbild her fügt sich das Bauwerk dennoch recht nahtlos ein in den Trend der „Retro-Moderne“, den Populous 1992 mit Oriole Park startete und an dem sich nahezu alle seitdem erbauten Stadien orientieren.

Das eine Merkmal, anhand dessen Miller Park optisch unter anderen Ballparks hervorsticht, ist seine Dachkonstruktion. Das verschließbare Dach ist dem vor allem im Frühjahr und Herbst oft unberechenbaren Wetter in Wisconsin geschuldet. Es ermöglicht, Sonne, Wind, Regen und Schnee auszuschließen und den Innenraum auf bis zu 17 Grad über Außentemperatur zu heizen.

Eine weitere Besonderheit befindet sich im Inneren des Ballparks über den Tribünen des Leftfields. Dort hat das Maskottchen Bernie Brewer ein eigenes Häuschen, genannt Bernie’s Dugout. Bei jedem Homerun für die Bewers rutscht Bernie auf einer gelben Rutsche zu einer Plattform in Form einer Homeplate.

Bernie’s Dugout and Slide (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Miller Park weist mit 344 Fuß (105m) Leftfield-Line, 400 Fuß (122m) Centerfield und 345 Fuß (105m) relativ große Felddimensionen auf. Allerdings verlaufen die Linien zwischen den genannten Punkten recht flach und die Begrenzung des Outfields ist an keiner Stelle höher als 9 Fuß (2,74m). Diese beiden Faktoren dürften die Hauptursachen dafür sein, dass das Stadion überdurchschnittlich viele Homeruns erlaubt und bei Hittern entsprechend beliebt ist.

Während der ersten Betriebsjahre von Miller Park mochten die Hitter das Stadion noch nicht so sehr, jedenfalls nicht bei Nachmittagsspielen: Durch die Dachkonstruktion lagen oft die Homeplate und beide Batter’s Boxes im Schatten, der Mound hingegen in vollem Sonnenlicht. Das machte den Battern wegen der schlechten Sicht auf den Ball das Leben schwer und stellte für sie auch ein Sicherheitsrisiko dar. Seit 2010 werden solche Spiele deshalb bei halb geschlossenem Dach ausgetragen, sodass der Bereich um Homeplate und Mound einheitlich beschattet ist.

Wo sitzt man am besten?
Miller Park gehört von den Ticketpreisen her zur Mittelklasse der MLB. 2019 kostete eine Eintrittskarte im Durchschnitt 71 Dollar Das Grundprinzip ist dasselbe wie in allen Stadien: Je näher man an der Homeplate sitzen will, umso teurer wird es. Je weiter man sich seitlich in Richtung Outfield und/oder in die oberen Ränge begibt, umso eher kann man ein Schnäppchen machen. Auf den Bleachers ganz im Left- oder Rightfield kann man Tickets ab 15 Dollar bekommen. Die Sicht von dort ist wie von den meisten Plätzen in Miller Park einwandfrei, nur eben weit weg vom Geschehen im Infield.

Vorsicht: Es gibt in Miller Park, verteilt über nahezu alle Bereiche, auch ein paar Plätze, von denen die Sicht durch Säulen, Geländer oder Ähnliches beeinträchtigt wird. Am besten macht man sich vor dem Kauf eine Seite wie Aviewfrommyseat zunutze.

Ein außergewöhnlicher Ort, um ein Spiel zu verfolgen, ist das Restaurant direkt am Zaun des Leftfields. Vor und nach der Partie kann man dort ohne Zusatzkosten essen gehen, während des Spiels kostete ein Platz je nach Lage 45 bis 60 Dollar – mit gutem Blick aufs Feld, Bedienung am Platz und der Chance, einen Homerunball zu ergattern. Ich schreibe bewusst „kostete“, denn das bisherige „TGI Friday’s“ erhält ab diesem Jahr einen neuen Betreiber, über dessen Preise ich noch nichts herausgefunden habe. Immerhin weiß ich nach einiger Recherche, dass das Lokal zukünftig „Restaurant To Be Named Later“ heißen wird. Ich hielt das zunächst für eine Platzhalterbezeichnung, aber es ist der tatsächliche Name.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Brewersfan 1061 (CC BY-SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Greg Hume (CC BY-SA 3.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: daveynin (CC BY 2.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

Februar 6th, 2020 by Silversurger

Blockbuster-Alarm: Eine Woche vor dem Start des Spring Trainings gibt es noch mal einen richtig dicken Trade. Kernstück des Handels, an dem drei Teams, fünf Spieler und etliche Millionen Dollar beteiligt sind, ist Star-Outfielder Mookie Betts. Allerdings ist das Geschäft noch nicht endgültig besiegelt, da die damit verbundenen medizinischen Untersuchungen wohl Zweifel in Bezug auf einen der involvierten Nachwuchsspieler aufgeworfen haben.

Betts zu den Dodgers per 3-Team-Trade
Die wochenlangen Gerüchte, dass die Boston Red Sox einen Tradepartner für Mookie Betts suchen, haben sich bewahrheitet in Form eines aufsehenerregenden 3-Team-Trades. Die Los Angeles Dodgers verstärken sich mit Betts und obendrein mit Starting Pitcher David Price. Dafür geben sie ihren jungen Outfielder Alex Verdugo an die Red Sox ab und schicken Starter Kenta Maeda zu den Minnesota Twins. Die Twins wiederum reichen dafür ihr Top-Pitching-Prospect Brusdar Graterol weiter nach Boston. Graterol ist das eingangs erwähnte Fragezeichen, dessentwegen der Trade noch nicht offiziell ist. Die medizinische Freigabe ist in seinem Fall nur eingeschränkt erfolgt. Möglicherweise läuft es darauf hinaus, dass er wegen seiner Vorgeschichte mit einer Tommy-John-Surgery und mehreren anderen Verletzungen nicht mehr als zukünftiger MLB-Starter, sondern nur noch als Reliever eingestuft wird. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Trade trotzdem stattfindet, aber wahrscheinlich werden die Twins nun noch etwas drauflegen müssen.
Es erscheint auf den ersten Blick wenig verständlich, dass die Red Sox einen ihrer talentiertesten und beliebtesten Spieler im besten Alter abgeben (nebenbei bemerkt fast genau 100 Jahre nach dem legendär katastrophalen Trade von Babe Ruth zu den Yankees). Aber eine Vertragsverlängerung für Betts über 2020 hinaus passte nicht in den Kostenrahmen des Klubs für die nächsten Jahre. So entschied man sich, Betts lieber jetzt gegen einen ordentlichen Gegenwert abzugeben, statt ihn nächstes Jahr quasi umsonst gehen zu lassen. Mit Verdugo und Graterol konnte man zwei mögliche Eckpfeiler für ein kleines Rebuilding an Land ziehen – um den Preis, sich für die bevorstehende Saison gegenüber den übermächtig erscheinenden Yankees in der AL East ziemlich sicher aus dem Spiel zu nehmen.
Die Dodgers sehen derzeit wie der klare Gewinner des Trades aus – mit Betts erhalten sie einen offensiv wie defensiv überragenden Spieler, der angesichts seines Alters von 27 Jahren noch viele gute Jahre vor sich hat. Die Absicht des Klubs ist erklärtermaßen, ihn langfristig an sich zu binden. Hinzu kommt David Price, der zwar schon 35 ist und letztes Jahr durch eine Verletzung beeinträchtigt war, in der Rotation aber dennoch ein Upgrade gegenüber Maeda darstellen sollte. Weniger erfreulich ist, dass Price noch 96 Millionen Dollar aus einem 2016 mit den Red Sox geschlossenen Siebenjahresvertrag erwartet. Das wird aber dadurch abgemildert, dass die Red Sox sich im Zuge des Trades verpflichtet haben, rund die Hälfte dieser Summe zu tragen.
Der Part des Trades, der für mich nicht wirklich Sinn ergibt, ist der der Twins. Sie geben mit Graterol ihr Top-Pitching-Prospect her für einen 31-jährigen bestenfalls soliden Starter, der in der MLB noch in keinem Jahr mehr als 175.2 Innings geworfen hat. Für mich sieht das nach einem allzu optimistischen und kurzsichtigen Versuch eines Win-Now-Moves aus. Oder die Twins wussten schon, was bei der medizinischen Beurteilung herauskommt. Nach dieser werden sie wohl einen zusätzlichen Spieler oder Geld abgeben müssen, um den Deal abzuschließen.

Pederson bleibt in der Gegend
Im Windschatten des Betts-Trades haben die Dodgers Mittwochnacht einen weiteren Deal angebahnt: Joc Pederson soll nach Anaheim zu den Los Angeles Angels wechseln. Damit bauen die Dodgers das entstandene Überangebot im Outfield ab und sparen die 7,75 bis 9,5 Millionen Dollar, die sie Pederson dieses Jahr geschuldet hätten. Die Angels erhalten in Pederson einen überdurchschnittlichen Hitter für ihr allerdings ebenfalls überbevölkertes Outfield. Neben Mike Trout und Justin Upton war bislang Brian Goodwin für die Startformation vorgesehen, Letzterer als Platzhalter für das Top-Prospect Jo Adell.
Außer Pederson werden die Angels voraussichtlich auch OF-Talent Andy Pages und Pitcher Ross Stripling bekommen, im Gegenzug werden IF Luis Renfigo und ein oder zwei weitere Prospects zu den Dodgers wechseln. Der Deal wurde bisher noch nicht finalisiert, weil die Dodgers ihn vom Abschluss des Trades um Mookie Betts abhängig machen.

Mariners verlängern mit Gonzales
Um die Seattle Mariners war es in dieser Offseason ungewohnt ruhig. Ihr sonst so trade- und wechselfreudiger General Manager Jerry Dipoto scheint zurzeit mehr auf Kontinuität zu setzen. Dafür spricht der Sechsjahresvertrag, mit dem im November 1B-Prospect Evan White ausgestattet wurde, und dafür spricht auch der Kontrakt, den nun Pitcher Marco Gonzales erhielt. Der in Kürze 28-Jährige wird für 30 Millionen Dollar bis 2024 an den Klub gebunden, zudem haben die Mariners die Option, für 15 Millionen Dollar noch ein Jahr dranzuhängen.

Neue Teams für Flores und Riddle
Sowohl die San Francisco Giants als auch die Pittsburgh Pirates haben sich mit einem Infielder ergänzt. Die Giants statten Wilmer Flores mit einem Zweijahresvertrag über 6 Millionen Dollar aus. Flores lieferte letztes Jahr bei den Arizona Diamondbacks starke Ergebnisse (.317/.361/.487), wenngleich er wegen einer zwischenzeitlichen Fußverletzung nur 89 Spiele absolvierte. J. T. Riddle war bei den Miami Marlins nicht ganz so erfolgreich, vielmehr brachte er es bei einer Slashline von .189/.230/.371 auf negative -0.6 WAR und wurde nach der Saison entlassen. Dass er bei den Pirates einen MLB-Vertrag über immerhin 850.000 Dollar bekommt, finde ich daher überraschend.

Click neuer General Manager der Astros
Die Führungsmannschaft der Houston Astros ist wieder komplett: Eine Woche nach der Verpflichtung von Dusty Baker als Field Manager wurde nun James Click als neuer General Manager des skandalgeschüttelten Klubs vorgestellt. Der 42-Jährige war zuvor seit 2006 für die Tampa Bay Rays tätig, zuletzt als „Vice President for Baseball Operations“ – sozusagen als Assistent des General Managers. Click ist schon der zweite hochrangige Funktionär, den die Rays in dieser Offseason an die Konkurrenz verlieren: Ende Oktober hatten die Boston Red Sox Chaim Bloom zu ihrem General Manager gemacht.

Mets-Verkauf vorerst geplatzt
Hiobsbotschaft für die Fans der New York Mets: Der im Dezember angekündigte und von vielen herbeigesehnte Verkauf der Franchise wird möglicherweise nicht stattfinden. Nach allem, was bisher durchgesickert ist, sollen es mal wieder die aktuellen Teambesitzer Fred und Jeff Wilpon verbockt haben, indem sie in letzter Sekunde neue Forderungen auf den Tisch brachten. Es soll dabei vor allem darum gehen, wie lange und in welcher Form die Wilpons noch Einfluss auf die Franchise nehmen wollen. Der ursprünglich kaufwillige Multimilliardär Steve Cohen, der eine 80-Prozent-Mehrheit des Klubs übernehmen wollte, hat sich davon offenbar abschrecken lassen. Man darf gespannt sein, ob die Verhandlungen noch mal aufgenommen werden oder ob es das vorerst war mit den Hoffnungen, das ungeliebte Vater-Sohn-Gespann an der Vereinsspitze bald los zu sein.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Februar 4th, 2020 by Silversurger

Auf Anregung des Lesers Firstdown macht die Ballparks-Serie heute Station in St. Louis. Busch Stadium steht regelmäßig in der Spitzengruppe der bestbesuchten Stadien der MLB – was in erster Linie an dem fast immer konkurrenzfähigen Heimteam liegen dürfte, aber sicher auch daran, dass es ein schöner, moderner Ballpark mit obendrein herrlicher Aussicht ist.

Busch Stadium, St. Louis (1)

Geschichte
Als eine der ältesten und erfolgreichsten MLB-Franchises blicken die Cardinals auf eine umfangreiche Stadiengeschichte in St. Louis zurück. Busch Stadium ist seit der Teamgründung 1892 der siebte Ballpark, in dem sie ihre Heimspiele austragen. Da die letzten beiden Stadien ebenfalls Busch Stadium heißen, spricht man auch von Busch Stadium III, wenn man betonen möchte, dass es um den aktuellen Ballpark geht.

Man könnte auf die Idee kommen, Busch Stadium sei nach einer Biermarke benannt. Stimmt aber nicht ganz, denn der Stadionname war zuerst da: Eigentlich wollte 1953 der damals neue Teambesitzer August Busch Jr. die Spielstätte „Budweiser Stadium“ taufen. Doch die Regeln der Liga verboten es, ein Stadion nach einem alkoholischen Getränk zu benennen. Daher gab ihm Busch seinen eigenen Namen – und brachte etwas später die neue Marke Busch Beer auf den Markt. Die Familie Busch bzw. der Konzern Anheuser-Busch verkauften die Franchise 1996 an eine Investorengruppe, sind den Cardinals aber immer noch so eng verbunden, dass sie auch für das 2006 eröffnete Stadion die Namensrechte erwarben.

Der Bau von Busch Stadium III wurde seit 1995 angestrebt, doch wie so oft scheiterteten die frühen Pläne an Finanzierungs- und Standortfragen. So gab man sich nach dem Auszug des NFL-Teams St. Louis Rams zunächst mit einer Renovierung von Busch Stadium II zufrieden. Erst 2003 stand der Mix aus Krediten, öffentlichen Zuschüssen und privaten Beteiligungen, der einen Baustart im Januar 2004 ermöglichte. Da der Standort des neuen und der des alten Stadions sich überschneiden, mussten die zeitlichen Abläufe des Baus und des Abrisses präzise aufeinander abgestimmt werden: 2004 und 2005 wurde in Busch Stadium II noch gespielt, während direkt nebenan ein Großteil von Busch Stadium III errichtet wurde. Nach Saisonende 2005 musste der alte Ballpark zügig abgerissen werden, damit der neue soweit fertig gestellt werden konnte, um im April 2006 vor reduzierter Kulisse die ersten Spiele zu ermöglichen. Erst im Laufe der Saison wurden nach und nach alle Bereiche des Stadions fertig gestellt und frei gegeben.

Territorrialschlacht: Busch Stadium III (rechts) vs. Busch Stadium II (links) (2)

Das Team der Cardinals schloss das neue Stadion offensichtlich schnell ins Herz: Das Eröffnungsspiel gegen die Milwaukee Brewers am 10. April 2006 wurde 6:4 gewonnen, sowohl der erste Hit durch David Eckstein als auch der erste Homerun durch Albert Pujols gingen auf das Konto des Heimteams. Am Ende der Saison, in der sämtliche Spiele in St. Louis ausverkauftes Haus meldeten, schafften es die Cardinals in die World Series und gewannen diese 4:1 gegen die Detroit Tigers. Die Cardinals sind damit das einzige Team seit den Yankees von 1923, das im Eröffnungsjahr eines neuen Stadions den Titel holte.

Busch Stadium III hat inzwischen noch zwei weitere World Series beherbergt: 2011 feierten die Cards eine weitere Championship, als sie einen 2:3-Rückstand gegen die Texas Rangers mit zwei Siegen in Busch Stadium zum 4:3-Erfolg drehten. 2013 unterlagen sie den Boston Red Sox in 2:4 Spielen.

Architektonische Auffälligkeiten
In vielerlei Hinsicht ist Busch Stadium III ein typisches Exemplar des retro-klassischen Stils, in dem das Architekturbüro Populous in den 90er- und Nuller-Jahren zahlreiche Ballparks designte. Kennzeichnend für diese Stadien sind die Konstruktion als reine Baseballstadien, die in Stufen übereinander geschichteten Tribünen und die offene Bauweise mit einem Einschnitt im Outfield, der eine attraktive Aussicht ermöglicht – im konkreten Fall auf die Skyline der Stadt St. Louis mit ihrem Wahrzeichen Arch Gateway.

Die Außenfassade des Stadions wird dominiert von rotem Ziegelstein und Metall und spiegelt somit den industriellen Charakter der Region wider. Ihr ikonischster Teil ist der Westeingang durch Tor 3 mit der Bronzestatue der Cardinals-Legende Stan Musial und der symbolischen Nachbildung der Eads Bridge.

Stan Musial wacht vor Gate 3 (3)

Ein wunder Punkt des schönen und beliebten Stadions war lange Zeit die Umgebung: Trotz der Lage mitten in St. Louis war rings um das Bauwerk wenig los, was für die Zuschauer vor und nach dem Spiel attraktiv hätte sein können. Als Abhilfe sollte direkt nach dem Stadionbau auf dem frei gewordenen Platz von Busch Stadium II unter dem namen Ballpark Village ein Komplex mit Restaurants, Hotels und Unterhaltungsangeboten entstehen. Das Projekt verzögerte sich immer wieder, doch 2014 konnte schließlich der erste Abschnitt von Ballpark Village eröffnet werden. Die endgültige Fertigstellung wird für dieses Jahr erwartet.

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Felddimensionen von 336 Fuß (102m) Leftfield-Line, 400 Fuß (122m) Centerfield und 335 Fuß (102m) Rightfield-Line liegt Busch Stadium leicht über dem MLB-Durchschnitt. Es überrascht daher nicht, dass die Parkfaktoren sowohl für die letzte Saison als auch über mehrere Jahre hinweg gesehen den Ballpark der Cardinals als pitcherfreundlich ausweisen. Insbesondere für rechtshändige Slugger ist Busch Stadium ein ungünstiges Pflaster, denn sie schlagen hier signifikant weniger Homeruns als in den meisten anderen MLB-Stadien.

Wo sitzt man am besten?
Tradition hat offenbar ihren Preis: Gemeinsam mit anderen altehrwürdigen Franchises wie den Cubs, Yankees, Dodgers und Red Sox finden sich die Cardinals in den Top-5 der teuersten Ticketpreise der Liga. 96 Dollar kostete eine Eintrittskarte für Busch Stadium 2019 im Durchschnitt. Es ist zudem nicht einfach, überhaupt an Tickets heranzukommen, denn die Auslastung des Stadions liegt regelmäßig bei über 95%.

Wenn Geld keine Rolle spielt, sind die grünen Sitze des Cardinals Club direkt hinter der Homeplate die Premium-Erfahrung in Busch Stadium. Man ist dort nicht nur mit perfekter Sicht ganz nah am Geschehen, sondern hat vor dem Spiel Zugang zu einem Büffet und wird während des Spiels am Platz bedient. Ergattert man einen solchen Platz für unter 300 Dollar – was für weniger gefragte Spiele über Reseller-Plattformen möglich ist –, dann hat man ein echtes Schnäppchen gemacht, denn oft gehen die Preise hier in den vierstelligen Bereich.

Möchte man kein Vermögen ausgeben, so empfehlen sich eher Plätze auf den oberen Levels (300 und 400). An heißen, sonnigen Tagen sitzt man dabei deutlich besser auf der Third-Base-Seite (z. B. 352-357 und 452-454) als auf der anderen. Die Rightfield-Seite sollte man, unabhängig vom Level, an solchen Tagen vor allem für Nachmittagsspiele eher meiden.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Joe Penniston (CC BY-NC-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: deliriant (CC BY–NC-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Matthew D. Britt (CC BY-SA 2.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

Januar 30th, 2020 by Silversurger

Da war es nur noch einer: Outfielder Yasiel Puig ist von den diesjährigen Top-Free-Agents der letzte, der noch kein neues Team gefunden hat. Sein vorletzter Klub, die Cincinnati Reds, hat derweil mit Nicholas Castellanos gerade Puigs Nachfolger verpflichtet. Auch von den Managerposten, die im Zuge der Sign-Stealing-Affäre frei geworden waren, ist nur noch einer übrig. Nachdem sich letzte die Woche die New York Mets mit Luis Rojas einig wurden und diese Woche die Houston Astros mit Dusty Baker, sind nun allein die Boston Red Sox noch auf der Suche nach einem neuen Teamchef.

Dusty Baker neuer Manager der Astros
Die Houston Astros haben immer noch einen der stärksten Kader der Liga, doch es bleibt abzuwarten, wie das Team und sein Umfeld mit den Nachwirkungen des Sign-Stealing-Skandals umgehen. Den passenden Manager für diese Aufgabe dürften sie jedenfalls gefunden haben: Der 70-jährige Dusty Baker bringt jede Menge Routine und Erfahrung mit und ist zudem besonders dafür bekannt, einen guten Draht zu den Spielern sowie zu den Medien zu pflegen. Baker war zuletzt von 2016 bis 2017 bei den Washington Nationals tätig und führte diese zu starken Saisons mit 95 und 97 Siegen. Beide Male schieden die Nationals frühzeitig in den Playoffs aus, weshalb Bakers Vertrag nicht verlängert wurde. Jetzt kommt es zu einer interessanten Konstellation im Spring Training, denn Bakers alter und sein neuer Klub teilen sich einen gemeinsamen Trainingskomplex in West Palm Beach. Die Entscheidung für den neuen Manager wurde von Astros-Owner Jim Crane quasi im Alleingang getroffen, denn die Suche nach einem Nachfolger für Jeff Luhnow als General Manager läuft noch.

Diamondbacks machen das Rennen um Marte
Die Pittsburgh Pirates haben fast die ganze Offseason über geworben und verhandelt, um ihren Centerfielder Starling Marte möglichst gewinnbringend loszuwerden. Die Arizona Diamondbacks haben nun zugeschlagen und sich die Dienste des 31-Jährigen gesichert. Als Gegenleistung schicken sie die beiden Talente Liover Peguero und Brennan Malone sowie 250.000 Dollar ihres Budgets für internationale Spielerverpflichtungen nach Pittsburgh. Beide Teams geben mit diesem Deal ein klares Statement ab: die Diamondbacks, dass sie sich im Win-Now-Modus sehen – dafür sprachen bereits die Verpflichtung von Madison Bumgarner und der Nicht-Trade von Robbie Ray –, und die Pirates, dass sie sich auf ein langfristiges Rebuilding einstellen. Beide Spieler, die sie in dem Trade erhalten, gelten als sehr vielversprechende Prospects, sind aber erst 19 Jahre alt und somit noch ein ganzes Stück von einer Major-League-Karriere entfernt.

Reds holen Castellanos
Die Cincinnati Reds sind eines der am stärksten aufgerüsteten Teams dieser Offseason. Nach Trevor Bauer schon während der vergangenen Saison, Mike Moustakas, Wade Miley und Shogo Akiyama ist Nicholas Castellanos die nächste hochkarätige Neuverpflichtung. Man scheint es ernst zu meinen mit dem Ziel, zum ersten Mal seit sieben Jahren eine Saison mit positiver Bilanz und idealerweise die Playoffs zu erreichen. Der Vertrag mit Castellanos läuft vier Jahre lang mit einer beidseitigen Option auf ein fünftes Jahr. Das garantierte Gehalt beträgt 64 Millionen Dollar, für das optionale fünfte Jahr kämen noch mal 18 Millionen dazu. Zwei Ausstiegsklauseln ermöglichen Castellanos, nach den Saisons 2020 oder 2021 vorzeitig den Vertrag zu beenden.

Weitere Spielerverpflichtungen
Der Free-Agent-Markt ist inzwischen so weit abgegrast, dass jeder Spieler, der jetzt noch keinen MLB-Vertrag für die neue Saison hat – Yasiel Puig ausgenommen –, sich so langsam Sorgen machen beziehungsweise über Alternativen wie ein Minor-League-Engagement nachdenken muss. Folgende Akteure haben solche Sorgen im Laufe der letzten Tage hinter sich gelassen: RP Brandon Kintzler (Miami Marlins, 1 Jahr, 3,25 Millionen Dollar plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Mitch Moreland (Boston Red Sox, 1 Jahr, 3 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), 1B Ryan Zimmerman (Washington Nationals, 1 Jahr, 2-5 Millionen leistungsabhängig), RP David Phelps (Milwaukee Brewers, 1 Jahr, 1,5-3,4 Millionen plus Klub-Option auf ein weiteres Jahr), OF Steven Souza (Chicago Cubs, 1 Jahr, 1-3 Millionen), RP Jeremy Jeffress (Cubs, 1 Jahr, 850.000), OF Matt Joyce (Marlins, Vertragsdetails nicht veröffentlicht).

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , ,