Category: MLB

Februar 19th, 2019 by Silversurger

Barry Bonds ist die wohl umstrittenste Figur der Baseballgeschichte. Er ist Rekordhalter mit den meisten Homeruns sowohl in einer Saison (73 im Jahr 2001) als auch insgesamt (762). Er hat mehr Walks (2585) herausgeholt als irgendein anderer MLB-Spieler. Die beste On-Base-Percentage, die je in einer Saison erzielt wurde (.601 im Jahr 2004), geht auf sein Konto – die zweitbeste (.582 im Jahr 2002) übrigens auch. Seine sieben MVP-Titel sind Rekord, ebenso die längste Serie von vier hintereinander. Trotzdem wurde Bonds bis heute nicht in die Hall of Fame aufgenommen, erreichte in bislang sieben Wahlgängen nie die erforderlichen 75 Prozent Zustimmung.

Das Talent war Bonds quasi in die Wiege gelegt: Sein Vater Bobby Bonds war selbst ein erfolgreicher MLB-Spieler und dessen bester Freund Willie Mays übernahm die Patenschaft für den kleinen Barry. Dieser begann 1986 – nur fünf Jahre nach dem Karriereende seines Vaters – bei den Pittsburgh Pirates seine eigene Laufbahn. Er etablierte sich schnell als Topspieler und wurde 1990 und 1992 zum MVP der Liga gewählt. 1993 machten ihn die San Francisco Giants mit einem Sechsjahresvertrag über 43,75 Millionen Dollar zum damals bestbezahlten Baseballer aller Zeiten. Seine überragenden Leistungen in den folgenden Jahren rechtfertigten den teuren Vertrag. Ungefähr um das Jahr 1998 traf Bonds jedoch offenbar eine folgenschwere Entscheidung. Vermutlich aus Frust über die Erfolge anderer mutmaßlicher Steroid-Nutzer wie Sammy Sosa und Marc McGwire griff er selbst zu verbotenen Substanzen.

Barry Bonds 1993 (1)

Der Fall ist nicht ganz einfach: Bonds selbst gab das Doping nie zu und ist auch nie positiv getestet worden. Die MLB hat daher auch keine Sperren oder sonstigen Strafen ausgesprochen, die aufgestellten Rekorde haben offizielle Gültigkeit. Gleichwohl gibt es keine ernsthaften Zweifel, dass Barry Bonds leistungsfördernde Mittel genutzt hat. Im Jahr 2003, also noch während Bonds aktiver Karriere, kam der sogenannte BALCO-Skandal ans Licht. BALCO war eine Firma, die Sportler systematisch mit anabolen Steroiden versorgte. Bonds war einer ihrer prominentesten Kunden. Vor einem Geschworenengericht räumte er damals ein, von einem in die Affäre verwickelten Trainer Substanzen verabreicht bekommen zu haben. Er habe aber nicht gewusst, dass es sich um Steroide handelte. In einem späteren Verfahren wurde Bonds wegen dieser Aussage der Irreführung des Gerichts schuldig gesprochen. Nach Berufung wurde dieses Urteil aufgehoben mit der Begründung, Bonds Falschaussage habe das Verfahren von 2003 nicht entscheidend beeinflusst.

Letzten Endes stehen sich nach Bonds Karriere zwei Fakten unversöhnlich gegenüber. Erstens: Barry Bonds hat – wie viele Akteure seiner Generation – sein Leistungsvermögen durch unfaire Mittel gesteigert. Zweitens: Bonds war einer der besten Baseballspieler aller Zeiten und das wird man nicht allein durch Spritzen. Vielleicht vergibt ihm die Baseballwelt irgendwann so weit, dass er den Platz in der Ruhmeshalle einnehmen darf, welcher ihm ohne die Dopinggeschichte längst sicher wäre. Ungeachtet dessen werden seine Rekorde für immer gedanklich mit einer einschränkenden Fußnote versehen sein.

Das war erst mal der letzte Artikel der Serie über die größten Baseballer aller Zeiten. Ich hoffe, sie hat euch gefallen und die Offseason ein bisschen erträglicher gemacht. Ab jetzt stehen hier auf dem Blog wieder verstärkt die Stars von heute im Mittelpunkt. Nächste Woche beginne ich mit den traditionellen 30 Team-Previews in 30 Tagen und dann beginnt auch schon die Saison 2019.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Jim Accordino (CC BY 2.0)

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Februar 14th, 2019 by Silversurger

Die Pitcher und Catcher aller MLB-Teams befinden sich mittlerweile schon mitten in der Saisonvorbereitung. Die restlichen Spieler steigen innerhalb der nächsten Tage offiziell ins Training ein, tatsächlich sind die meisten von ihnen bereits an den Spring-Training-Stützpunkten in Florida und Arizona eingetroffen. Eine handvoll hochgelobter Free Agents hat allerdings nach wie vor kein neues Team gefunden: Bryce Harper, Manny Machado, Dallas Keuchel, Craig Kimbrel und Mike Moustakas warten allesamt entweder noch auf das richtige Angebot oder sie versuchen, die interessierten Klubs gegeneinander auszuspielen. Wenigstens eine der unendlichen Geschichten dieser Offseason hat letzte Woche – stilgerecht eine Stunde nach Veröffentlichung des letzten Grand Slam am Donnerstag – ein Ende gefunden: J. T. Realmuto wurde von den Miami Marlins zu den Philadelphia Phillies getradet.

Phillies traden für Realmuto
Die Marlins haben die gesamte Offseason über nach einem Tradepartner für ihren wechselwilligen Star-Catcher gesucht. Dabei haben sie hoch gepokert und mit ihren Forderungen vermutlich auch einige Teams abgeschreckt. Die Mets, die Dodgers, die Yankees, die Padres, die Reds, die Braves und die Astros waren allesamt mehr oder weniger stark interessiert, fanden aber keinen gemeinsamen Nenner mit den Marlins. Diese wollten gerüchteweise zum Beispiel Cody Bellinger von den Dodgers, Ozzie Albies von den Braves, Amed Rosario und Brandon Nimmo von den Mets oder Miguel Andujar und Gary Sanchez von den Yankees, jeweils im Paket mit zusätzlichen Prospects. Im Endeffekt einigte man sich mit den Phillies auf einen Preis, der recht vernünftig und ausgewogen erscheint: Für Realmuto wechseln Catcher Jorge Alfaro, Top-Pitching-Prospect Sixto Sanchez, Lefty-Pitcher Will Stewart und 250.000 Dollar internationales Bonus-Budget nach Miami.

Nola verlängert für vier Jahre
Die Phillies waren in den letzten Tagen fleißig: Sie haben nicht nur den Trade für Realmuto ausgehandelt und weiter um die Dienste von Bryce Harper und/oder Manny Machado gebuhlt, sondern auch das Ass ihrer Rotation für die nächsten vier Jahre gesichert. Aaron Nola unterschreibt einen Vertrag bis 2022, für den er insgesamt 45 Millionen Dollar erhält. Darüber hinaus haben die Phillies die Option, Nola für weitere 11,75 Millionen auch in der Saison 2023 in Philadelphia spielen zu lassen. Der Deal erscheint aus Sicht des Klubs sehr günstig – das ist er auch, wobei man nicht übersehen darf, dass Nola für drei von den vier bis fünf Jahren der Vertragslaufzeit ohnehin noch an die Phillies gebunden gewesen wäre.

Marlins verpflichten Romo
Relief Pitcher Sergio Romo hat sich mit den Marlins auf einen Einjahresvertrag über 2,5 Millionen Dollar plus Leistungsboni geeinigt. Der bei Saisonstart 36-Jährige wird in dem jungen Team als erfahrener Mentor dienen und zur Mitte der Saison vermutlich ein Kandidat für einen Deadline-Trade sein, um weitere Talente an Land zu ziehen. Zudem gilt Romo als Favorit auf die Rolle des Closers – wenngleich es bei den wenig konkurrenzfähigen Marlins vermutlich nicht allzu viele Save-Gelegenheiten geben wird.

Murray: Athletics schauen in die Röhre
College-Star Kyler Murray hat nun offiziell verlautbaren lassen, was im Laufe der letzten Wochen immer wahrscheinlicher geworden war: Der 21-jährige Baseball-Outfielder und Football-Quarterback sucht sein Glück in der NFL, nicht in der MLB. Letztes Jahr hatte er den Oakland Athletics noch das Gegenteil zugesagt, sich in der ersten Draftrunde von ihnen auswählen lassen und einen Vertrag über einen Signing-Bonus von 4,66 Millionen Dollar unterschrieben. Das Geld muss er nun größtenteils zurückzahlen, aber immerhin 210.000 Dollar bleiben ihm dafür, dass die A’s weiterhin die Transferrechte in Sachen Baseball an ihm besitzen. Von diesen eher theoretischen Rechten abgesehen ist der Draftpick aus Sicht der Athletics verschenkt. Murray wird Ende April an der NFL-Draft teilnehmen und gilt auch dort als Kandidat für einen Pick in der ersten Runde.

Anderson und Grossman unterschreiben in Oakland
Angesichts der Geschichte um Kyler Murray kann man den Athletics nur wünschen, dass sie mit ihren anderen Vertragspartnern mehr Glück haben. Die zwei neuesten davon sind Brett Anderson und Robbie Grossman. Der linkshändige Pitcher Anderson kehrt für ein Jahr und ein Salär von 1,5 Millionen Dollar zu den A’s zurück und ergänzt die Starting Rotation. Outfielder Grossman unterschreibt ebenfalls für ein Jahr und erhält dafür 2 Millionen. Beide können ihr Gehalt noch durch leistungsbezogene Bestandteile aufbessern.

Lindor zum Saisonstart fraglich
Die Saison 2019 hat ihr erstes Verletzungsopfer: Shortstop Francisco Lindor von den Cleveland Indians hat sich bei einem privaten Training eine Zerrung in der rechten Wade zugezogen und wird rund zwei Monate lang ausfallen. Er fehlt den Indians somit in der kompletten Saisonvorbereitung und möglicherweise für die ersten ein, zwei Wochen der regulären Saison.

Kein DH in der NL bis mindestens 2021
Die Fans von Teams aus der National League können aufatmen: MLB-Commissioner Rob Manfred hat klargestellt, dass die Einführung eines Designated Hitters (DH) in die NL bis mindestens 2021 kein Thema sein wird. Letzte Woche war bekannt geworden, dass die Spielergewerkschaft MLBPA einen entsprechenden Vorschlag eingebracht hat. Für Manfred genießt die Ausweitung der in der AL seit 1973 existierenden DH-Regel aber keine Priorität. Nach seiner Aussage wird sie erst dann ein Thema, wenn die MLBPA sie in die Vertragsverhandlungen über ein neues Collective Bargaining Agreement (CBA) einbringt. Das aktuelle CBA läuft von 2017 bis 2021, die Neuverhandlung steht also für die Saisonpause 2021/2022 an.

Mets vs. Nationals oder Cubs vs. Cardinals in London?
Ende Juni steht in London die erste MLB-Serie auf europäischem Boden an. Das Matchup der Yankees gegen die Red Sox setzt hohe Maßstäbe für zukünftige Gastspiele und es sieht danach aus, dass die Liga auch für die kommenden Jahre mit echten Leckerbissen aufwarten will: Für 2020 ist derzeit im Gespräch, dass entweder eine Serie der New York Mets gegen die Washington Nationals oder eine zwischen den Chicago Cubs und den St. Louis Cardinals nach London verlegt werden soll. Eine offizielle Entscheidung wird erst nach dem Opening Day der anstehenden Saison bekannt gegeben werden, also Ende März oder Anfang April.

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Februar 12th, 2019 by Silversurger

Eine Errungenschaft hatte Willie Mays, der Held der letzten Folge dieser Artikelserie, wegen seines Kriegsdienstes knapp verpasst. Wenige Jahre später gelang diese Errungenschaft Hank Aaron: Er schlug als erster MLB-Spieler in seiner Karriere mehr Homeruns als Babe Ruth. Um ein Haar hätten Mays und Aaron übrigens gemeinsam im Outfield der Giants gespielt. Es scheiterte an gerade mal 50 Dollar pro Monat, die die Boston Braves dem 18-jährigen Negro-League-Star 1952 mehr boten als die New York Giants, sodass Aaron in Boston unterschrieb.

Die Braves zogen wenig später nach Milwaukee um, wo Aaron 1954 sein MLB-Debüt gab. Sein erstes Jahr war solide, ab dem zweiten Jahr waren seine Leistungen herausragend. Er schaffte es 25-mal in Folge ins All-Star-Team. Das ist bis heute Rekord. Seine wohl beste Saison spielte “Hammerin’ Hank” 1957. Mit einem Average von .322, 44 Homeruns und 132 RBI wurde er zum MVP der NL gewählt und führte die Braves zu ihrem ersten World-Series-Sieg seit 1914. 1958 erreichten die Braves erneut die World Series, verloren aber dieses Mal gegen die New York Yankees. In den folgenden Jahren konnten die Braves trotz ihres konstant überragenden Leistungsträgers Aaron nicht an ihre Erfolge anknüpfen.

1966 zog die Franchise erneut um, dieses Mal nach Atlanta. Aaron blieb seinem Team treu und passierte in den Folgejahren diverse Meilensteine: seinen fünfhundertsten Homerun 1968, seinen dreitausendsten Hit 1970, seinen sechshundertsten Homerun 1971.

Hank Aaron 1974 (1)

Als er 1973 die Marke von 700 Homeruns knackte und somit Babe Ruths Rekord von 714 in offensichtliche Gefahr brachte, sah Aaron sich massiven Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt. Diese waren überwiegend rassistischer Natur und zeigten, dass trotz der 1947 durchgesetzten Integration ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Spielern unterschiedlicher Hautfarbe leider noch keine Selbstverständlichkeit war. Nachdem er die Saison mit 713 Homeruns beendet hatte, fürchtete Aaron während der Saisonpause ernsthaft um sein Leben und wurde während der ersten Spiele der Saison 1974 unter Polizeischutz gestellt. Die Drohungen wurden zum Glück keine Wirklichkeit und am 8. April 1974 fiel der Rekord des Babes, als Aaron gegen die Los Angeles Dodgers Nummer 715 über den Zaun drosch.

In den restlichen drei Jahren seiner Karriere, von denen er die letzten zwei bei den Milwaukee Brewers verbrachte, hob Aaron die Messlatte noch auf 755. Damit liegt er heute auf Rang zwei der ewigen Liste hinter Barry Bonds. Angesichts des Dopingverdachts gegen Bonds sehen viele Aaron nach wie vor als den besten Power-Hitter aller Zeiten an.

Hank Aaron wurde 1982 mit 98% der Stimmen in die Hall of Fame aufgenommen. Seit 1980 übt er das Amt eines Senior-Vizepräsidenten der Atlanta Braves aus. 1999, zum 25. Jubiläum von Aarons Homerun-Rekord, wurde der Hank-Aaron-Award als Auszeichnung für den besten Offensivspieler ins Leben gerufen. Dieser wird seitdem jährlich an je einen Spieler der American League und der National League vergeben.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Unbekannt (PD-US)

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Februar 7th, 2019 by Silversurger

Die gute Nachricht zuerst: In wenigen Tagen beginnen alle MLB-Teams ihre Saisonvorbereitung. Von Montag bis Mittwoch der kommenden Woche liegen die Termine, an denen sich die Pitcher und Catcher zum Dienst melden. Vier bis fünf Tage später steigen die restlichen Spieler ins Training ein und nach weiteren vier bis fünf Tagen – am 21. Februar – beginnen auch schon die Spring-Training-Spiele. Dann wird endlich wieder Baseball gespielt und die Gerüchte und Spekulationen um Trades und Neuverpflichtungen geraten endlich in den Hintergrund. Denn – und das ist die schlechte Nachricht – es ist inzwischen nur noch nervig, dass die Top-Free-Agents Bryce Harper und Manny Machado sowie Top-Tradekandidat J. T. Realmuto die ganze Offseason beherrschen, ohne dass sich irgendetwas tut. Neben ein paar eher mittelinteressanten Rostermoves ist die wichtigste Nachricht der letzten Tage eine, die man wahlweise gut oder schlecht finden kann: Die MLB und die MLBPA denken mal wieder laut über Regeländerungen nach.

DH für alle und nie wieder One-Out-Reliever?
Die MLB strebt seit Jahren danach, die Spieldauer zu verkürzen und das Spiel attraktiver – im Sinne von: offensivlastiger – zu machen. Vor diesem Hintergrund kam nun mal wieder eine Reihe von Vorschlägen auf den Tisch, die teilweise schon in diesem Jahr in Kraft treten könnten. Die Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Liga und die Spielergewerkschaft MLBPA sich einig sind. Das sind sie bislang offenbar nicht, vielmehr bilden die Ideen beider Seiten nicht mehr als eine Verhandlungsmasse und es nicht absehbar, welche der Änderungen tatsächlich eine realistische Chance auf Umsetzung haben. Die wesentlichen Vorschläge, die bekannt wurden, sind folgende:

Ausweitung der DH-Regel auch auf die National League. Ich bin dagegen und wer dafür ist, soll mir bitte glaubhaft versichern, dass er solche Szenen nicht sehen und hören möchte:

Einführung eines Minimums von drei Battern, gegen die ein Pitcher antreten muss, bevor er ausgewechselt werden darf (Verletzungen ausgenommmen). Das würde das Spiel definitiv beschleunigen, allerdings auch einige auf Linkshänder spezialisierte Reliever arbeitslos machen. Die Einhaltung der Regel wäre zudem aufgrund der Verletzungsausnahme schwer zu kontrollieren.

Einführung einer einzigen Trade-Deadline zum All-Star-Break Mitte Juli (statt der bisherigen Non-Waiver-Deadline Ende Juli und der Waiver-Deadline Ende August). Diese Änderung fände ich gut – nicht nur, weil sie Klarheit und Vereinfachung brächte, sondern auch weil es dann weniger Taktieren um Spieler gäbe, die nur geholt werden, um sie später in der Saison wieder zu verkaufen.

Erhöhung des aktiven Kaders von 25 auf 26 Spieler und gleichzeitig Reduzierung des aktiven Kaders ab 1. September von 40 auf 28 Spieler. Auch damit könnte ich gut leben – wobei die Frage ist, ob man wirklich einen Rosterplatz mehr braucht, wenn man anstrebt, dass weniger Pitcher eingesetzt werden (siehe oben).

Draft-Nachteile für Teams, die mehrere Jahre hintereinander zu wenige Spiele gewinnen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll zu überlegen, wie man das in den letzten Jahren ausgreifende Tanking eindämmt – also die Neigung vieler Klubs, absichtlich jahrelang ein schwaches Team ins Rennen zu schicken. Dass der Entzug von Draftpicks das geeignete Mittel dafür ist, bezweifle ich.

Reduzierung der erlaubten Mound Visits von sechs auf vier pro Spiel. Die letztes Jahr eingeführte Begrenzung auf sechs Visits führte nicht zu Problemen und man kann es wohl noch ein Stück weiter treiben.

Test einer Absenkung des Pitching Mounds oder einer weiteren Entfernung zwischen Mound und Homeplate. Das hätte ziemlich sicher den gewünschten Effekt, die Offensive zu fördern. Die Frage ist, ob das wirklich so wünschenswert ist. Ich persönlich finde das Spiel so wie es derzeit ist durchaus ausgewogen. Zudem würde mehr Offensive vermutlich auch bedeuten, dass die Spiele tendenziell länger dauern – also genau das, was die Ligaleitung am wenigsten will.

Astros verpflichten Miley
Das relevanteste Free-Agent-Signing der Woche ist eine Ergänzung für die Pitching-Rotation der Houston Astros. Wade Miley erhält einen Einjahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar. Die Verpflichtung des Linkshänders schließt eine Lücke in der Mitte der letztes Jahr noch sehr beeindruckenden Astros-Rotation. An deren Spitze steht mit Justin Verlander und Gerrit Cole nach wie vor einer der besten One-Two-Punches der Liga, dahinter war es aber durch die Abgänge von Charlie Morton (Rays), Dallas Keuchel (noch ohne Team) und die Tommy-John-Surgery von Lance McCullers recht dünn geworden.

Hellickson bleibt bei den Nationals
Auch die Washington Nationals ergänzen ihre Rotation und zwar um Jeremy Hellickson, der letztes Jahr schon für sie aktiv war. Der Rechtshänder dürfte der aussichtsreichste Kandidat für den fünften Starterspot sein. Er erhält erneut einen Einjahresvertrag, der ihm zwischen 1,3 und 4 Millionen Dollar einbringen wird, je nachdem wie viele Starts er tatsächlich absolviert.

Duke zu den Reds
Die Cincinnati Reds bleiben eines der aktiveren Teams der diesjährigen Offseason. Nach Sonny Gray, Alex Wood, Tanner Roark, Yasiel Puig und Matt Kemp wurde nun Zach Duke an Land gezogen. Der 36-jährige Reliever ist ein Spezialist für linkshändige Batter, die gegen ihn in den letzten fünf Jahren nur .209/.284/.311 geschlagen haben. Rechtshänder hatten es mit ihm ein bisschen einfacher, aber mit .240/.341/.357 haben sie ihn auch nicht gerade verprügelt. Insofern könnten die Reds auf Duke wohl auch dann setzen, wenn die in Aussicht gestellte Drei-Batter-Regel käme.

Royals holen Boxberger
Die Sache ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern, aber die Kansas City Royals sind sich wohl so gut wie einig mit Reliever Brad Boxberger. Der 30-jährige Rechtshänder hatte von den Diamondbacks in seinem letzten Arbitration-Jahr kein Angebot bekommmen. Bei den Royals soll er entweder als Setup oder als Closer zum Einsatz kommen. Er wird dabei voraussichtlich 2,2 Millionen Dollar verdienen.

Marlins traden Wittgren zu Indians
Einen kleinen Trade gab es diese Woche auch: Reliever Nick Wittgren, den die Miami Marlins letzte Woche recht überraschend aus dem Kader gestrichen hatten, kommt bei den Cleveland Indians unter. Im Gegenzug wechselt Minor-League-Reliever Jordan Milbrath zu den Marlins. Der 27-jährige Wittgren bringt drei solide Jahre MLB-Erfahrung mit, 2018 war seine bislang beste Saison (2.94 ERA). Der gleichaltrige Milbrath kam letztes Jahr erstmals auf AAA-Niveau zum Einsatz, brachte es dort aber nur auf 13.2 Innings und 5.93 ERA. Ich habe ganz ehrlich keine Ahnung, welchen Sinn dieser Trade aus Sicht der Marlins haben soll.

Rangers testen Two-Way-Einsatz von Davidson
Normalerweise erwähne ich hier keine Minor-League-Deals, aber weil diese Woche so wenig los war und weil Matt Davidson ein interessanter Fall ist, mache ich für ihn eine Ausnahme. Davidson wurde von den Texas Rangers verpflichtet und wird im Spring Training die Chance haben, sich für das Major-Team zu empfehlen. Das Interessante an der Sache ist, dass der gelernte Infielder als Super-Allrounder aufgebaut werden soll, der nicht nur am Schlag und im Feld, sondern auch als Pitcher zum Einsatz kommt. In der letzten Saison hat Davidson bereits drei Innings für die Chicago White Sox gepitcht und die Resultate waren ermutigend: zwei Strikeouts, ein Hit, ein Walk, keine zugelassenen Runs. Was die recht kleine (und ausschließlich in längst entschiedenen Spielen erzielte) Stichprobe wert ist, bleibt abzuwarten.

Rekordgehalt für Arenado
Auch Einigungen von Klubs und Spielern in der Arbitration-Phase, bei denen es ausschließlich um die Höhe des Jahresgehalts geht, lasse ich üblicherweise unerwähnt. Auch hier mache ich dieses Mal eine Ausnahme, denn Nolan Arenado und die Colorado Rockies haben sich auf eine Rekordsumme geeinigt: 26 Millionen Dollar wird der Third Baseman dieses Jahr verdienen. Nach dem Jahr wird Arenado Free Agent sein, sofern er nicht vorher einen längerfristigen Vertrag unterschreibt. Die Rockies sind nach eigenen Aussagen sehr interessiert an einer Bindung über mehrere Jahre und werden in den kommenden Wochen noch Verhandlungen führen.

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Februar 5th, 2019 by Silversurger

Willie Mays ist der Hauptdarsteller der wahrscheinlich berühmtesten Feldspielszene aller Zeiten: Im achten Inning des ersten Spiels der World Series 1954 schlug Vic Wertz einen Ball weit in das sehr tiefe Centerfield der Polo Grounds. Der Ball schien unerreichbar für Mays und doch gelang es ihm, ihn in vollem Lauf mit dem Rücken zum Feld über der eigenen Schulter aus der Luft zu pflücken. Die Aktion bewahrte die New York Giants vor einem Rückstand und legte damit den Grundstein, das Spiel und schließlich auch die World Series gegen die Cleveland Indians zu gewinnen. Sie ist bis heute als “The Catch” bekannt.

Man wird dem Baseballer Willie Mays allerdings nicht gerecht, wenn man ihn auf “The Catch” beschränkt. Mays war nicht nur der wohl beste Outfielder der Baseballgeschichte, sondern geradezu der Prototyp eines sogenannten Five-Tool-Players. Gemeint ist damit ein Spieler, der alle fünf Kernkompetenzen des Spiels in sich vereint: den Ball oft treffen, den Ball hart treffen, schnelles Baserunning, sicheres Fangen sowie hartes und präzises Werfen. Willie Mays schlug einen Karriere-Average von .302, hat mit 660 Homeruns die fünftmeisten aller Zeiten erzielt und 338 Bases gestohlen. Die 7.095 Outs, die er als Outfielder produziert hat, führen bis heute die Allzeit-Rangliste an.

In den Zählstatistiken hätte Mays noch besser aussehen können – er hätte wahrscheinlich sogar Babe Ruths Homerun-Rekord gebrochen –, wenn er nicht den größten Teil der Saison 1952 und die gesamte Saison 1953 verpasst hätte, weil er zum Korea-Krieg eingezogen wurde. 1954 war der Rookie of the Year von 1951 zurück in der Liga und legte direkt eine überragende Saison hin, an deren Ende er mit den Giants die World Series gewann und zum wertvollsten Spieler gewählt wurde. Er wurde zudem zum ersten Mal in das All-Star-Game berufen, was ihm ab da in jedem einzelnen Jahr gelingen sollte, bis er 1973 im Alter von 42 Jahren seine Karriere beendete.

Willie Mays 1961 (1)

Mays verbrachte fast seine ganze Karriere bei den Giants, mit denen er 1958 von New York nach San Francisco umzog. Ganz am Ende kehrte er für eineinhalb Jahre zurück nach New York und erreichte mit den Mets noch einmal die World Series. Diese ging in sieben Spielen an die Oakland Athletics. Mays hatte als Pinch-Hitter in Spiel drei den letzten Auftritt seiner Karriere.

1979 wurde Willie Mays bei erster Gelegenheit mit 95% Zustimmung in die Hall of Fame gewählt. Er blieb auch nach seiner aktiven Zeit eine engagierte und beliebte öffentliche Persönlichkeit. 2015 verlieh Barack Obama ihm die “Presidential Medal of Freedom”. In der Lobrede dankte er Mays für sein zivilgesellschaftliches Engagement, mit dem er dazu beigetragen habe, dass jemand wie er – Obama – überhaupt daran denken durfte, für das Präsidentenamt zu kandidieren.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Manny’s Baseball Land (PD-US)

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Januar 31st, 2019 by Silversurger

Bryce Harper, Manny Machado, J. T. Realmuto. Ich wollte die Namen nur mal wieder genannt haben, weil die ganze MLB-Offseason sich um sie zu drehen scheint. Das war auch diese Woche nicht anders, obwohl es in Bezug auf die Drei nichts wirklich Neues gibt: Favoriten sind nach wie vor die Phillies für Harper und die White Sox für Machado, während die Marlins für Realmuto offenbar nach wie vor Mondpreise verlangen, sodass auch mit den neuesten Interessenten – den Reds und den Padres – bisher noch keine Vereinbarung zu erzielen war. Ganz ereignislos war die Woche aber nicht. Hier sind die neuesten Entwicklungen aus der MLB sowie ein TV-Tipp von ganz woanders:

Dodgers holen A. J. Pollock
Der hochwertigste Free-Agent-Move der Woche ist leider so alt, wie er in diesem Artikel nur sein kann: Keine Stunde nach Veröffentlichung des letzten Grand Slam am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass Outfielder A. J. Pollock sich mit den Los Angeles Dodgers einig geworden ist. Pollock erhält einen Vierjahresvertrag über 50 Millionen Dollar sowie die Option, den Vertrag von seiner Seite aus um ein Jahr zu verlängern. Dafür würde er abhängig von seinen vorherigen Leistungen weitere 10 bis 20 Millionen erhalten. Pollock kann im Feld ruhigen Gewissens auf allen Outfield-Positionen eingesetzt werden und ist am Schlag eine verlässliche rechtshändige Ergänzung für das linkshänderlastigen Lineup der Dodgers. Dadurch, dass die Dodgers sich mit Pollock den zweitumworbensten Outfielder der diesjährigen Free Agency gesichert haben, dürfte es so gut wie sicher sein, dass sie sich nicht mehr am Ringen um die Dienste von Bryce Harper beteiligen.

Marco Estrada zu den Athletics
Die Oakland Athletics bauen weiter an ihrer Starting Rotation und haben nun nach Mike Fiers und Joakim Soria auch Marco Estrada verpflichtet. Der 35-Jährige hatte in Toronto zuletzt zwei eher schwache Jahre, doch die A’s hoffen, dass er nach überstandenen Rückenproblemen zu früheren Leistungen zurückfindet. Estrada erhält einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar.

Blue Jays verpflichten Freddy Galvis
Estradas früherer Klub, die Toronto Blue Jays, gönnt sich derweil einen neuen Shortstop. Freddy Galvis ist ein solider Feldspieler und ein eher unterdurchschnittlicher Batter, aber immerhin ein Muster an Durchhaltevermögen: Er hat als ein einziger MLB-Spieler sowohl 2017 (für die Phillies) als auch 2018 (für die Padres) alle 162 Spiele der jeweiligen Saison absolviert. Galvis erhält einen Einjahresvertrag, der ihm 5 Millionen Dollar garantiert und eine Kluboption für ein weiteres Jahr und 4,5 Millionen enthält.

Neil Walker wird ein Marlin
Die Miami Marlins versuchen auch 2019, mit möglichst geringen Gehaltszahlungen durch eine weitere Aufbausaison zu kommen. Aber den einen oder anderen erfahrenen Spieler braucht man dann doch auf dem Feld und mit Infielder Neil Walker dürfte man einen recht guten Deal gemacht haben. Der 33-jährige, zuletzt für die Yankees aktive Switch-Hitter unterschreibt für ein Jahr und 2 Millionen Dollar.

Diverse Reliever finden ein neues Zuhause
Besonders aktiv war diese Woche der Markt für Relief Pitcher. Die relevanteste Neuverpflichtung war Linkshänder Justin Wilson, der für 10 Millionen Dollar einen Zweijahresvertrag bei den New York Mets unterschrieben hat. Wilsons alter Klub, die Chicago Cubs, wurde sich derweil mit Brad Brach einig. Brach erhält 4,35 Millionen für ein Jahr, danach gibt es eine beidseitige Option, durch die der Vertag sich auf zwei Jahre und bis zu 9,5 Millionen erstrecken würde. Greg Holland geht zu den Diamondbacks und wird dort für ein Jahr leistungsabhängig 3,5 bis 7 Millionen bekommen. Oliver Perez bleibt bei den Cleveland Indians. Sein Vertrag bringt ihm 2,5 Millionen für ein Jahr und verlängert sich automatisch, wenn der 37-Jährige 2019 in mindestens 55 Spielen auftaucht. Für die Seattle Mariners wird Hunter Strickland vermutlich besonders motiviert auftreten, denn er kann das Volumen seines Vertrages leistungsabhängig von 1,3 Millionen auf 2,6 Millionen verdoppeln. Er käme damit in die Größenordnung des Grundgehalt von Shawn Kelley, welcher sich mit den Texas Rangers auf 2,5 Millionen für ein Jahr plus Option auf ein zweites Jahr geeinigt hat, ebenfalls mit leistungsbezogenen Bonusmöglichkeiten.

Royals verlängern mit Merrifield
Preisfrage: Welcher MLB-Spieler führte 2018 sowohl mit den meisten Hits (192) als auch mit den meisten Stolen Bases (45) die gesamte Liga an? Ganz ehrlich, ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, dass es 2B Whit Merrifield von den Kansas City Royals war. Im Gegensatz zu mir scheinen die Royals sehr genau zu wissen, was sie an ihm haben, deshalb haben sie ihm eine Vertragsverlängerung bis 2023 zukommen lassen. Die Konditionen von 16,25 Millionen Dollar Garantiegehalt und bis zu 2 Millionen Leistungsboni für die vierjährige Laufzeit klingen geradezu unverschämt günstig. Das relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass der Spätentwickler Merrifield – er spielte seine erste volle MLB-Saison 2017 im Alter von 29 Jahren – ohnehin noch bis 2022 unter Teamkontrolle gewesen wäre und 2019 für das Mindestgehalt hätte spielen müssen. Der Vertrag verlängert diese Zeit somit nur um ein Jahr und gibt dem Spieler im Gegenzug eine ordentliche finanzielle Sicherheit.

Lovullo bleibt bis 2021 in Arizona
Auch die Arizona Diamondbacks und Torey Lovullo haben sich auf eine Verlängerung ihrer Zusammenarbeit geeinigt: Der Vertrag des Managers, der Ende 2019 ausgelaufen wäre, wird bis 2021 verlängert. Lovullo hatte die Diamondbacks in seinem ersten Jahr 2017 zu einer überraschenden Bilanz von 93-69 und in die Playoffs geführt. 2018 hatten sie eine schwächere, aber immer noch solide Saison mit 82 Siegen und 80 Niederlagen.

Lust auf auf Live-Baseball? 
Baseball live, am Februar-Wochenendmorgen gemütlich ans Bett serviert – gibt’s nicht? Gibt’s doch! In Australien steht die Serie um die Meisterschaft der ABL an und ABL.TV streamt die Best-of-3-Serie kostenlos in die ganze Welt. Die Kontrahenten sind die Brisbane Bandits und Perth Heat. Beide haben ihre Division gewonnen und sich im Playoff-Halbfinale verdient durchgesetzt.

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Januar 29th, 2019 by Silversurger

Jack Roosevelt Robinson – besser bekannt als Jackie Robinson – wäre übermorgen, am 31. Januar 2019, 100 Jahre alt geworden. Wie alle in dieser Serie Vorgestellten war Jackie Robinson ein sehr guter Baseballspieler. Seine Bedeutung für den Baseballsport und dessen Geschichte geht jedoch weit über seine Leistungen auf dem Platz hinaus. Als er am 15. April 1947 als First Baseman der Brooklyn Dodgers in Ebbets Field auflief, bedeutete dies das Ende eines beschämenden Kapitels der Baseballhistorie – der Rassenschranke, durch die dunkelhäutigen Spielern jahrzehntelang der Zugang zur MLB verwehrt war.

Entgegen einem verbreiteten Irrglauben war Robinson nicht der erste schwarze Spieler in den Major Leagues und es gab auch nie eine schriftliche Regel, die den Einsatz farbiger Akteure in der MLB verbot. Es gab solche Regeln aber zum einen in einigen Minor Leagues und es gab zum anderen Spieler und Teams in der MLB, die mit Streiks für den Fall drohten, dass sie gegen Mannschaften antreten sollten, die dunkelhäutige Spieler einsetzten. Nach einem einzigen Spiel von William Edward White für die Providence Grays 1879 sowie einigen Einsätzen der Brüder Fleet und Weldy Walker für die Toledo Blue Stockings 1884 war die Rassentrennung im Baseball über 60 Jahre lang Fakt. Schwarze Baseballer konnten ihr Können in dieser Zeit lediglich in den in puncto Infrastruktur und Verdienstmöglichkeiten klar benachteiligten Negro Leagues zeigen.

Der Wendepunkt ging vor allem auf zwei Personen zurück: zum einen auf den damaligen General Manager der Brooklyn Dodgers, Branch Rickey, zum anderen auf den MLB-Commissioner Happy Chandler. Chandler war der deutlich offener eingestellte Nachfolger des 1944 verstorbenen Kenesaw Landis, welcher früheren Integrationsbestrebungen klare Absagen erteilt hatte. Rickey ließ mit Chandlers Rückendeckung schwarze Talente sichten, zunächst unter dem Vorwand, die Dodgers wollten ein neues Negro-Team gründen. Seine Absicht war aber von vornherein, die Rassenbarriere im Baseball aufzuheben. Zu diesem Zweck suchte er nach einem Spieler mit sowohl dem sportlichen Talent als auch der mentalen Stärke für die ihm zugedachte Pionierrolle.

Robinson berichtete später in seiner Autobiographie von einem der ersten Treffen mit Rickey und von dessen Bitte, auf rassistische Angriffe nicht zu reagieren. “Sie wollen einen Spieler, der nicht den Mumm hat, sich zu wehren?”, fragte der durchaus für sein feuriges Temperament bekannte Robinson. “Ich will einen Spieler, der den Mumm hat, sich nicht zu wehren”, war Rickeys berühmte Entgegnung.

Jackie Robinson 1950 (1)

Im Oktober 1945 machte Rickey Ernst mit seinem Vorhaben, indem er Robinson, der bis dahin für das Negro-Team Kansas City Monarchs gespielt hatte, unter Vertrag nahm. Er setzte ihn zunächst eine Saison lang für die Montreal Royals, den Minor-League-Partner der Dodgers, ein. 1947 wurde er ins MLB-Team befördert, für das er an jenem legendären 15. April sein erstes Spiel bestritt.

Erwartunsgemäß stieß Robinson in den ersten Monaten seiner MLB-Karriere auf massive Drohungen und Anfeindungen – nicht nur von gegnerischen Fans und Spielern, sondern auch innerhalb des eigenen Teams. Sein souveräner Umgang damit ließ diese wirkungslos verpuffen und zeigte, dass sein Förderer Rickey mit ihm eine weise Wahl getroffen hatte.

Robinson wurde 1947 zum Rookie des Jahres und 1949 – inzwischen auf seiner Stammposition als Second Baseman – zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Trotz seines mit 28 Jahren späten Einstiegs erlebte er mit den Dodgers eine zehn Jahre währende produktive MLB-Karriere. Diese krönte er 1955 mit dem Gewinn der World Series gegen den Stadtrivalen New York Yankees. 1962, im ersten Jahr seiner Wählbarkeit, wurde Jackie Robinson in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Er starb 1972 im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt.

Der Jahrestag von Jackie Robinsons erstem MLB-Einsatz hat sich seit 2004 ligaweit als besonderer Feier- und Gedenktag etabliert. Alle Spieler, Schiedsrichter, Coaches und Manager tragen am 15. April die Rückennummer 42, die ansonsten – als einzige Nummer überhaupt – in der gesamten Liga nicht mehr vergeben wird.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: United States Information Agency (keine Nutzungseinschränkung)

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Januar 26th, 2019 by Silversurger

Vor einigen Tagen hat die Baseball Writers Association of America (BBWA) bekannt geben, welche ehemaligen Spieler zur diesjährigen Aufnahme in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown gewählt wurden. Mariano Rivera hat dabei Geschichte geschrieben, denn er wurde als erster Spieler überhaupt mit einem einstimmigen Ergebnis gewählt. Gemeinsam mit ihm erhielten Roy Halladay, Edgar Martinez und Mike Mussina die nötige Dreiviertelmehrheit. Zudem kommen Harold Baines und Lee Smith auf Entscheidung des Era Committees in die Ruhmeshalle.

Bevor ich jeden der geehrten Spieler kurz vorstelle, bringe ich noch mal das Wahlsystem in Erinnerung: Die „normale“ Hall-of-Fame-Wahl wird durchgeführt von der Journalistenvereinigung BBWA. Wahlberechtigt sind deren Mitglieder, sofern sie der BBWA seit mindestens zehn Jahren angehören und in dieser Zeit durchgehend an der Berichterstattung über die MLB beteiligt gewesen sind. Jeder von ihnen darf für bis zu zehn Spieler stimmen. Gewählt werden können Spieler, die zehn oder mehr Jahre in der MLB aktiv waren und seit mindestens fünf Jahren ihre Karriere beendet haben. Wer in einem Jahr auf 75% oder mehr der Stimmzettel landet, wird in die Hall of Fame aufgenommen. Wer in einem Jahr weniger als 5% der Stimmen erhält oder in zehn Versuchen nie die 75% erreicht, scheidet aus; alle anderen haben im nächsten Jahr erneut die Chance, gewählt zu werden. Üblicherweise sind nach diesem Verfahren jährlich 25 bis 40 Spieler wählbar.

In diesem Jahr durften 425 Wahlberechtigte über 35 Spieler abstimmen. Gewählt wurden die genannten vier Spieler. 16 kamen auf unter 5% und sind nächstes Jahr nicht mehr wählbar, ebenso wie Fred McGriff, der es beim zehnten Versuch nur auf 39,1% brachte. Spannende Fälle sind Curt Schilling (60,9%), Roger Clemens (59,5%), Barry Bonds (59,1%) und Larry Walker (54,6%). Walker war zum neunten Mal dabei und kann sich für nächstes Jahr gute Hoffnung machen. Denn typischerweise bekommen Spieler im letzten Jahr der Wählbarkeit noch einmal einen wohlwollenden Schub an Stimmen. Schilling, Clemens und Bonds waren zum siebten Mal dabei und werden wohl frühestens beim zehnten Versuch 2022 reinkommen. Zwar gehören gerade Clemens und Bonds unbestreitbar zu den besten Baseballspielern aller Zeiten, doch bei der Wahl werden sie regelmäßig abgestraft für ihren sehr wahrscheinlichen Doping-Missbrauch. Auch Schillings Leistungen waren ohne Weiteres gut genug für die Hall of Fame; bei ihm spielen charakterliche Defizite und radikale politische Äußerungen eine große Rolle dabei, dass die Wähler ihn noch schmoren lassen. Das komplette Wahlergebnis findet sich hier.

Neben dem „normalen“ Verfahren der Wahl durch die BBWA gibt es noch einen zweiten Weg in die Hall of Fame des Baseballs: Die sogenannten Era Committees (früher bekannt als Veterans Committee) sind vier vom Direktorat der Hall of Fame eingesetzte Expertengruppen, die sich auf verschiedene historische Zeiträume des Baseballsports spezialisiert haben. Die Era Committees tagen im jährlichen Wechsel und entscheiden gemeinsam (ebenfalls mit Dreiviertelmehrheiten) über die Aufnahme von Trainern, Schiedsrichtern und Funktionären sowie von durch die BBWA nicht mehr wählbaren Spielern in die Hall of Fame. Dieses Jahr war das „Today’s Game Committee“ dran und hat während der Winter Meetings im Dezember Harold Baines und Lee Smith gewählt.

Mariano Rivera
Dass Mariano Rivera eine der großartigsten MLB-Karrieren aller Zeiten haben würde, war erst spät abzusehen: Er debütierte 1995 als 25-Jähriger für die New York Yankees und gab mit 5.51 ERA bei zehn Starts und neun Relief-Auftritten wenig Anlass für hochtrabende Erwartungen. Doch der Umstieg zum reinen Relief Pitcher brachte ihm den Durchbruch. 1997 wurde er von den Yankees zum Closer erklärt und hielt diese Rolle fortan Jahre lang fest im Griff. Mariano führt die Allzeit-Ranglisten mit den meisten Saves (652) und den meisten beendeten Spielen (952) an und schaffte es 13-mal ins All-Star-Team. Trotz überragender Saisonleistungen gelang es ihm regelmäßig, in den Playoffs noch eine Schippe draufzulegen. Sein Postseason-ERA von 0.70 in 141 Innings und seine 42 Saves in Playoff-Spielen sind mit großem Abstand führend in der MLB-Geschichte. Rivera war einer der ganz großen Faktoren dafür, dass die Yankees in seiner aktiven Zeit siebenmal die World Series erreichten und sie fünfmal gewannen.

Roy Halladay
Mit einem beachtlichen Ergebnis von 85,4% hat ein weiterer Pitcher es gleich im ersten Jahr seiner Wählbarkeit in die Hall of Fame geschafft. Tragischerweise war es Roy Halladay nicht vergönnt, diese Ehrung zu erleben, denn Halladay starb im November 2017 mit 40 Jahren bei einem Flugzeugabsturz. Halladay war ein dominanter Starter in den 2000er Jahren und gewann mit jedem seiner beiden Teams einen Cy-Young-Award: 2003 mit den Toronto Blue Jays in der AL, 2010 mit den Philadelphia Phillies in der NL. Er pitchte in der Blüte seiner Karriere nicht nur sehr gut, sondern auch sehr ausdauernd. Achtmal brachte er es auf 220 oder mehr Innings in einem Jahr, 2003 sogar auf seitdem unerreichte 266. Man kann vermuten, dass es für Halladay ohne die tragischen Umstände knapp geworden wäre, die 75% im ersten Anlauf zu erreichen. Aber auch wenn es sonst vielleicht zwei oder drei Wahlgänge gebraucht hätte, hat er die Aufnahme in die Ruhmeshalle zweifellos verdient.

Edgar Martinez
Edgar Martinez, der seine gesamte Karriere bei den Seattle Mariners verbrachte, erlebte bei der Wahl 2019 den typischen Aufschwung des zehnten Jahres – nach neun vergeblichen Anläufen nahm er die 75%-Hürde dieses Mal mit 85,4% ganz locker. Offenbar waren nun doch viele der BBWA-Mitglieder der Ansicht, dass man den siebenfachen All-Star mit einer Karriere-Slashline von .312/.418/.515 nicht dauerhaft ignorieren darf. Martinez hatte es schwerer als viele andere, sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu spielen. Das lag zum einen daran, dass er fast ausschließlich als DH spielte, und zum anderen daran, dass er – gerade für einen DH – vergleichsweise wenige Homeruns schlug. Bei Letzterem muss man Martinez zugute halten, dass er im Gegensatz zu fast allen großen Sluggern seiner Generation nie mit verbotenen Substanzen in Verbindung gebracht wurde.

Mike Mussina
Der Vierte im Bunde der frisch Gewählten ist Mike Mussina. Er übertraf mit 76,7% im sechsten Anlauf gerade so die Schwelle. Der Pitcher, dessen 18 Jahre lange Karriere sich auf die Baltimore Orioles und die New York Yankees aufteilte, gewann nie einen Cy-Young-Award und nie eine World Series. Er überzeugte generell weniger mit einzelnen herausragenden Auftritten und Statistiken als durch Konstanz und Durchhaltevermögen. Alles in allem brachte er es dadurch auf 83.0 WAR und somit auf Rang 58 der Rangliste aller Spieler der MLB-Historie – übrigens weit vor allen anderen Spielern, die dieses Jahr mit ihm in die Hall of Fame einziehen. Ich muss zugeben, dieser Wert hat mich überrascht – und meine anfängliche Skepsis zerstreut, ob Mussina wirklich in die Halle gehört.

Harold Baines
Komplett unzerstreut bleibt meine Skepsis, dass Harold Baines, einer der beiden durch das Era Committe bestimmten Spieler, etwas in der Hall of Fame zu suchen hat. Baines hatte eine lange und produktive Karriere, brachte es auf fünf All-Star-Berufungen und war in den meisten seiner 21 MLB-Jahre zweifellos ein überdurchschnittlicher Spieler. Das ist gut und aller Ehren wert, aber mehr auch nicht. Schließlich reden wir von der Hall of Fame, nicht von der Halle der Überdurchschnittlichen. Das mag hart klingen, aber die Wähler der BBWA sahen es offenbar genauso wie ich: Baines brachte es in den Wahlen auf einen Höchstwert von 6,1% im Jahr 2010 und fiel 2011 im fünften Jahr seiner Wählbarkeit unter die 5%-Hürde. Dass und wie er nun über das Era Committee berufen wurde, hat mehr als ein gewisses Geschmäckle: Dem Gremium gehörten unter anderem Jerry Reinsdorf an, der Owner der Chicago White Sox, sowie Tony La Russa, der ehemalige General Manager der White Sox. Baines spielte 14 Jahre lang für die White Sox und als er seine Karriere dort begann, waren die beiden entscheidenden Führungspersonen – Reinsdorf und La Russa.

Lee Smith
Während die Entscheidung über die Aufnahme von Baines innerhalb des Era Committees äußerst knapp fiel, bestand im Hinblick auf Lee Smith Einigkeit in dem Gremium. Smith war ebenfalls in der BBWA-Wahl nicht zum Zuge gekommen. Er stand für die (damalige) Höchstzahl von 15 Wahlgängen zur Wahl, brachte es jedoch nie über 50,6%. Als Relief Pitcher – so sagte man jedenfalls bis zu Riveras 100%-Wahl – hat man es generell relativ schwer, die nötigen Zustimmungsraten zu erhalten. Nachdem letztes Jahr bereits Trevor Hoffman (601 Saves) in die Halle gewählt wurde, sind dort nun mit ihm, Rivera (652) und Smith (478) die Top-3 Spieler mit den meisten Karriere-Saves der MLB-Geschichte vertreten. Smith war von 1993 bis 2006 Rekordhalter in dieser Kategorie.

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Januar 24th, 2019 by Silversurger

Die Meldung der letzten Tage war die Bekanntgabe der Resultate der Wahl zur Hall of Fame. Closer-Legende Mariano Rivera wurde als Erster überhaupt mit einem einstimmigen Ergebnis in die Ehrenhalle gewählt. Außer ihm werden auch Edgar Martinez, Mike Mussina und der 2017 verstorbene Roy Halladay einen Platz in Cooperstown bekommen. Ich werde über die Hall-of-Fame-Klasse 2019 am Wochenende einen eigenen Artikel schreiben. Hier und heute gibt es erst mal die übliche Zusammenfassung der anderen interessanten Ereignisse rund um die MLB aus den letzten sieben Tagen.

Yankees verpflichten Ottavino und Farquhar, traden Gray
Die New York Yankees arbeiten weiter daran, einen starken Bullpen in die Saison 2019 zu schicken: Unter anderem sind Aroldis Chapman und Dellin Betances nach wie vor da, Zach Britton erhielt vor wenigen Wochen einen neuen Vertrag und nun kommt auch noch Adam Ottavino hinzu. Der 33-jährige Rechtshänder unterschreibt für drei Jahre und 27 Millionen Dollar. Er füllt die Lücke, die der Abgang von David Robertson zu den Phillies hinterlassen hatte.

Ein weiterer Reliever erhält zwar zunächst nur einen Minor-League-Vertrag, aber dass es überhaupt so weit gekommen ist, ist schon eine kleine Sensation: Es handelt sich um Danny Farquhar – jenen früheren White-Sox-Reliever, der im April letzten Jahres während eines Spiels mit einer Gehirnblutung zusammengebrochen war. Es war damals völlig offen, ob Farquhar die Sache überlebt und inwiefern er mit bleibenden Schäden zu rechnen hat. Nach weniger als einem Jahr hat der Junge sich erfreulicherweise so weit erholt, dass er seinen Traum von der MLB-Karriere weiter verfolgen kann. Ich drücke ihm die Daumen.

Keine Zukunft in New York hat derweil Starting Pitcher Sonny Gray. Die Yankees hatten bereits seit Ende der Saison offen nach einem Tradepartner gesucht, nachdem Gray bei ihnen nie die Leistungen abrufen konnte, die man aus seiner Zeit in Oakland gewohnt war. Manchmal hilft in solchen Fällen eine neue Umgebung und die bekommt Gray nun in Cincinnati bei den Reds. Im Gegenzug wechselten zunächst 2B-Prospect Shed Long und ein Draftpick zu den Yankees. Long wurde allerdings direkt an die Seattle Mariners weitergereicht im Tausch gegen CF-Prospect Josh Stowers. Zu einer Voraussetzung für den Trade hatten die Reds gemacht, dass sie sich mit Gray auf einen längerfristigen Kontrakt einigen können. Diese Einigung haben sie erzielt und Gray steht nun bis einschließlich 2022 für insgesamt 38 Millionen Dollar unter Vertrag. Zusätzlich haben die Reds für weitere 12 Millionen eine Option auf die Saison 2023.

Markakis bleibt bei den Braves
Die Atlanta Braves halten ihren Rightfielder Nick Markakis für 2019. Für 6 Millionen Dollar plus Option für ein weiteres Jahr zum selben Preis ist Markakis ein relatives Schnäppchen: Sein letzter Vertrag in Atlanta brachte ihm 44 Millionen in vier Jahren ein und 2018 war ein starkes Jahr für ihn mit einer Slashline von .297/.366/.440 und seiner ersten Allstar-Berufung. Der 35-Jährige wollte unbedingt bei den Braves bleiben und ließ dafür höhere Angebote sausen. Seine Begründung, sich mit dem Deal zufrieden zu geben, klingt sympatisch: „Ich spiele ein Kinderspiel und bekomme dafür eine Menge Geld. Wie könnte ich darüber enttäuscht sein?“

Zwei Neue für die Rangers
Die Texas Rangers haben zwei Ergänzungen für ihren Kader an Land gezogen: Asdrubal Cabrera erhält einen Einjahresvertrag über 3,5 Millionen Dollar. Der 33-Jährige ist defensiv nicht mehr so stark, dass er auf Dauer seine alte Rolle als Shortstop ausfüllen könnte, aber er kann auf allen Infieldpositionen spielen und wird dies für die Rangers wohl vor allem als Third Baseman tun. Dort hatte der Wechsel von Adrian Beltre in den Ruhestand eine große Lücke hinterlassen. Eine weitere Neuverpflichtung ist Zach McAllister. Der Reliever hatte in Cleveland einige gute Jahre, zuletzt aber ein ziemlich schlechtes. Bei den Rangers erhält er die Chance zu zeigen, dass das nur ein Ausrutscher war. Er bekommt ein Grundgehalt von einer Million Dollar, das er durch leistungsbezogene Bestandteile aufbessern kann.

Allen zu den Angels
Cody Allen befindet sich in einer ganz ähnlichen Situation wie McAllister: Auch er kommt aus Cleveland, auch er hatte dort sehr gute Jahre – noch deutlich bessere als McAllister – und auch für ihn war das Jahr 2018 eher zum Vergessen. Die Los Angeles Angels hoffen, dass ein wiedererstarkter Allen ihnen als Closer dienen kann, und statten ihn dafür mit einem Einjahresvertrag über 8,5 Millionen Dollar aus. Bis zu 2 Millionen kann er noch zusätzlich verdienen, wenn er bestimmte Anzahlen von beendeten Spielen erreicht.

Giants signen Pomeranz
Auch Starting Pitcher Drew Pomeranz erhält einen leistungsbezogenen Vertrag. Der Linkshänder ist zwar frischgebackener World Champion mit den Boston Red Sox, doch sein Beitrag dazu war mit nur 74 gepitchten Innings und einem ERA von 6.08 eher mager. Er ist nun bei den San Francisco Giants untergekommen, die ihm für 2019 je nach Anzahl der absolvierten Starts zwischen 1,5 und 5 Millionen Dollar bezahlen.

Perez wird ein Twin
Martin Perez hatte ebenfalls ein schwaches Jahr. Für die Rangers brachte er es auf 85.1 Innings und 6.22 ERA. Das sind Resultate, genau wie die von McAllister und Pomeranz, unter Replacement Level, also mit negativen Wins Above Replacement (Allen brachte es immerhin auf 0.0 WAR). Die Minnesota Twins haben in Perez offenbar trotzdem etwas entdeckt, was ihnen gefällt, denn sie statten ihn mit einem Vertrag über 3,5 Millionen Dollar für ein Jahr plus Kluboption für ein weiteres Jahr aus.

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Januar 22nd, 2019 by Silversurger

Die wichtigste Aufgabe eines Schlagmanns im Baseball besteht nicht darin, Homeruns oder überhaupt Hits zu erzielen. Sie besteht darin, auf Base zu kommen, im Endeffekt egal wie. Ein Lineup, dessen Spielern das regelmäßig gelingt, wird zwangsläufig Erfolg haben. Bei der Würdigung der Leistungen eines Babe Ruth wird oft übersehen, dass er nicht nur mit seinen zahlreichen Schlägen über den Zaun das Spiel revolutioniert hat, sondern auch sehr viele Walks herausgeholt hat. So brachte er es alles in allem auf eine On-Base Percentage (OBP) von .474. Das heißt, wenn er in die Batter’s Box trat, dann er kam in 47,4% der Fälle auf Base. Nur ein einziger Spieler der MLB-Geschichte war in dieser Fähigkeit langfristig erfolgreicher als Ruth: Ted Williams, Rekordhalter mit einer Karriere-OBP von .482.

Theodore Samuel Williams wurde 1939 von den Boston Red Sox bei dem damaligen Minor-League-Team San Diego Padres entdeckt. Im gleichen Jahr gab er im Alter von 20 Jahren sein MLB-Debüt. Williams produzierte von Anfang an beeindruckende Schlagwerte und zwei Jahre nach seinem Debüt, 1941, gelang ihm eine der besten Saisons, die je ein Hitter hatte: Er kam in dem Jahr auf eine OBP von .553, einen Batting Average von .406, 37 Homeruns und 120 RBI – und wurde bei der MVP-Wahl dieses Jahres nur Zweiter hinter Joe DiMaggio. DiMaggio lag zwar in fast allen statistischen Kategorien hinter Williams, genoss in dem Jahr aber die größere Aufmerksamkeit, zum einen wegen seiner epischen Serie von 56 Spielen hintereinander mit mindestens einem Hit und zum anderen, weil er beim erfolgreicheren Team, den Yankees, spielte.

Ted Williams 1939 (1)

Die große Stärke von “Teddy Ballgame” war seine herausragende Hand-Auge-Koordination, die mit einer übernormalen Sehkraft zusammenhing. Williams konnte laut medizinischen Untersuchungen aus sechs Metern Entfernung so gut sehen wie durchschnittliche Menschen aus drei Metern. Dieses Talent war nicht nur im Baseball nützlich, sondern auch im Militär. Von 1943 bis 1945 diente Williams als Marine-Pilot im Zweiten Weltkrieg und dann noch einmal von 1952 bis 1953 im Korea-Krieg. Eine Karrierepause zum Ableisten von Kriegsdiensten mussten viele Spieler in Williams’ Generation einlegen. Nur wenige traf es allerdings so oft und so lange wie ihn.

Seinen sportlichen Fähigkeiten taten die Pausen keinen Abbruch. 1946, nachdem er erst im Januar aus dem Krieg zurückgekehrt war, holte Williams sich den ersten von zwei MVP-Titeln und erreichte zum einzigen Mal in seiner Karriere mit den Red Sox die World Series. In dieser war Williams allerdings nicht in Bestform: Ihm gelangen in 25 At-Bats lediglich fünf Singles und die Serie ging in sieben Spielen an die St. Louis Cardinals.

Nach seiner Laufbahn als Spieler für die Red Sox war Williams von 1969 bis 1972 als Manager bei den Washington Senators tätig, allerdings mit eher geringem Erfolg. 1966 wurde er zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Hall of Fame gewählt. Er starb 2002 mit 83 Jahren an Herzversagen.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Apex Photo Company (PD-US)

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