Category: MLB

November 26th, 2020 by Silversurger

Von den 20 Top-Free-Agents dieser Offseason haben erst zwei einen neuen Vertrag unterschrieben – Marcus Stroman über das Qualifying Offer bei den Mets und nun Charlie Morton bei den Braves. Auch sonst war in der MLB in der Thanksgiving-Woche nicht allzu viel los. Dafür gibt es einige interessante Baseball-Neuigkeiten aus dem Südosten der Weltkarte, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Braves signen Morton
Den Atlanta Braves waren gegen Ende der Saison 2020 die Pitcher ausgegangen, daher sind sie nun offenbar besonders eifrig dabei, neue Arme ins Team zu bringen. Wobei „neu“ ein sehr relativer Begriff ist, denn nach der letztwöchigen Verpflichtung des 31-jährigen Drew Smyly gaben sie nun den 37-jährigen Charlie Morton als weiteren Neuzugang bekannt. Morton hatte dieses Jahr für die Tampa Bay Rays eine eher mittelmäßige reguläre Saison (4.74 ERA in 38 Innings), spielte aber eine starke Postseason (2.70 ERA, 20 Innings). Die Rays verzichteten darauf, ihn per Vertragsoption für 15 Millionen Dollar ein weiteres Jahr lang an sich zu binden – offenbar in der Hoffnung, sich auf eine Weiterverpflichtung für weniger Geld einigen zu können. Diese Rechnung ging nicht auf, denn bei den Braves bekommt er nun exakt die Summe, die die Rays nicht zahlen wollten.

5 Jahre Vertrag für Hoyer
Wie letzte Woche berichtet, rückt der bisherige General Manager der Chicago Cubs, Jed Hoyer, im Klub eine Ebene höher auf den von Theo Epstein freigemachten Posten des „President of Baseball Operations“. Die Cubs haben die Beförderung inzwischen offiziell bestätigt, verbunden mit einem neuen Fünfjahresvertrag für Hoyer.
Die Bezeichnungen der Funktionen in den Front Offices sind mitunter etwas verwirrend. Hoyer hat jetzt die Hauptverantwortung für die Baseballgeschäfte eines MLB-Klubs und damit im Prinzip denselben Job, den er von 2009 bis 2011 als General Manager der San Diego Padres ausübte. Seine bisherige Funktion in Chicago trug die gleiche Bezeichnung, war aber Epstein untergeordnet. 

Trade zwischen Rockies und Reds
Die Colorado Rockies und die Cincinnati Reds haben sich auf einen Tausch ehemaliger Top-Pitching-Prospects geeinigt. Von Colorado nach Cincinnati wechselt Rechtshänder Jeff Hoffman, begleitet von Minor-League-Pitcher Case Williams. Dafür schicken die Reds Rechtshänder Robert Stephenson sowie Minor-League-Outfielder Jameson Hannah. Hoffman und Stephenson teilen ähnliche Geschichten. Beide sind ehemalige Erstrunden-Draftpicks, die inzwischen ihre Minor-League-Options verbraucht haben, in der MLB aber bislang nicht Fuß fassen konnten. Die Hoffnung ist für beide, dass ein Wechsel der Umgebung ihrer Entwicklung gut tut und ihnen vielleicht doch noch eine Zukunft in den Big Leagues eröffnet.

Fukuoka Hawks viermal hintereinander Meister
Die Finalserie der japanischen Baseball-Meisterschaft war eine klare Angelegenheit: Die Fukuoka Softbank Hawks ließen den Yomiuri Giants mit einem Vier-Spiele-Sweep keine Chance. Eine besonders beeindruckende Performance gelang Matt Moore in Spiel 3 der Serie. Der ehemalige MLB-Pitcher warf sieben No-Hit-Innings, bevor der Bullpen übernahm und erst bei zwei Outs im neunten Inning den einzigen Single der Giants erlaubte. Für die Hawks ist es bereits der vierte Titel in Folge sowie der siebte in den letzten zehn Jahren.

Dinos holen erste KBO-Meisterschaft
In Südkorea endete am Dienstag die Saison der Profiliga KBO mit einem Sieg der NC Dinos in Spiel 6 der Finalserie über die Doosan Bears. Für die in Changwon angesiedelten Dinos ist es der erste Titel ihrer Klubgeschichte. Das riesige Schwert, mit dem sie in unten stehendem Video feiern, ist übrigens nicht die offizielle Trophäe der KBO. Es handelt sich um den Nachbau eines begehrten Items aus einem der Games der Videospielfirma, der das Team gehört.

ABL in neuem Format 
Während auf der Nordhalbkugel nun alle wichtigen Ligen ihre Saison abgeschlossen haben, laufen in Australien die Planungen für die neue Spielzeit auf Hochtouren. Am 18. Dezember soll die ABL den Spielbetrieb aufnehmen, coronabedingt mit einigen Änderungen gegenüber den Vorjahren. Die einschneidendste Neuigkeit ist, dass die Liga sich dieses Jahr wieder rein auf Australien beschränkt. Die beiden Teams aus Südkorea und Neuseeland haben sich zur Vermeidung von Reiseaktivitäten abgemeldet. Die verbleibenden sechs australischen Teams werden einen Spielplan absolvieren, der aus wenigen normalen Heim- und Auswärtsspielen sowie aus zwei jeweils einwöchigen Camps in Adelaide und Brisbane besteht. Bis Ende Januar soll auf diese Weise jedes Team 24 Spiele bestreiten. Das daran anschließende Playoff-Format wird noch ausgearbeitet und bis Saisonstart bekannt gegeben.

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November 19th, 2020 by Silversurger

Von Live-Baseball sind wir zwar weit entfernt, aber in der MLB herrscht in diesem Herbst alles andere als Langeweile. Unter den Neuigkeiten dieser Woche habe ich zum Beispiel die erste weibliche Führungskraft in einem MLB-Klub, den Rücktritt eines populären Funktionärs, sowohl den ersten Dopingfall als auch die erste Tommy-John-Surgery dieser Offseason sowie ganz nebenbei noch die Auszeichnung der besten Spieler der Saison 2020 im Angebot. Was wollt ihr demnächst gerne lesen? Lasst es mich bitte als Kommentar im Wunschkonzert wissen! 

Abreu und Freeman sind die MVPs
Letzte Woche musste ich den Höhepunkt der Award-Verleihungen schuldig bleiben, weil die wertvollsten Spieler erst Donnerstagnacht ausgezeichnet wurden. In beiden Teilen der MLB fiel die Wahl auf einen First Baseman.
In der AL geht der MVP-Titel an Jose Abreu von den Chicago White Sox. Der 33-Jährige füllte die Rolle als erfahrener Führungsspieler des jungen Teams perfekt aus und ging mit einer Slashline von .317/.370/.617 auf dem Weg zur ersten Playoff-Teilnahme seines Klubs seit 2008 voran. Abreu erhielt 21 von 30 möglichen Erststimmen und ließ damit 3B Jose Ramirez (Indians) und 2B DJ LeMahieu (Yankees) klar hinter sich.
Die Wahl der NL entschied Freddie Freeman von den Atlanta Braves für sich. Das ist eine großartige Comebackstory, nachdem Freeman kurz vor Saisonbeginn an Covid-19 erkrankt war, mit durchaus heftigen Symptomen. Doch er kam danach schnell zurück in Form und spielte seine bisher beste Saison (.341/.462/.640) für die Braves, die zum dritten Mal in Folge die NL East gewannen. Mit 28 von 30 Erststimmen war die Wahl mehr als eindeutig. Die anderen beiden Stimmen gingen an OF Mookie Betts (Dodgers). 

Theo Epstein tritt zurück
Der bisherige „President of Baseball Operations“ der Chicago Cubs, Theo Epstein, hat seinen Rücktritt erklärt. Nach neun Jahren in Chicago sieht der 46-Jährige, der sowohl für die Cubs als auch davor für die Boston Red Sox jahrzehntelange Titelträume wahr gemacht hat, die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen. Fans der Phillies und der Mets, die beide gerade passende Stellen anzubieten haben, sollten sich allerdings nicht zu früh die Hände reiben: Laut Jon Morosi von MLB Network neigt Epstein wohl dazu, sich erstmal eine Auszeit von einem Jahr zu gönnen. Epsteins Nachfolge bei den Cubs übernimmt Jed Hoyer, sein bisher engster Mitarbeiter als General Manager.

Kim Ng wird General Mangerin der Marlins
Die Miami Marlins haben eine Nachfolgerin für ihren bisherigen General Manger Michael Hill gefunden, dessen ausgelaufener Vertrag nicht verlängert wurde. Kim Ng wird die erste Frau auf einem hochrangigen Posten eines MLB-Teams und gleichzeitig der erste GM asiatischer Abstammung. Ng ist in dieser Rolle alles andere als ein PR-Stunt; sie ist vielmehr eine langjährige ausgewiesene Fachfrau, die in den letzten Jahren schon bei mehreren GM-Besetzungen im Gespräch war. Die 51-Jährige begann ihre Karriere vor rund 30 Jahren als Praktikantin bei den White Sox, war Assistenz-GM bei den Yankees und den Dodgers, bevor sie 2011 Senior Vice President of Baseball Operations der MLB wurde. Marlins-Owner Derek Jeter, der Ng aus der gemeinsamen Zeit bei den Yankees kennt, baut darauf, dass sie aus dem vielversprechenden jungen Team der Marlins einen dauerhaften Contender macht.

Neuer GM auch bei den Angels
Die Los Angeles Angels haben ebenfalls einen neuen GM ausgewählt. Den Posten des zum Saisonende gefeuerten Billy Eppler erhält Perry Minasian, bislang Assistenz-GM bei den Braves. Angels-Owner Arte Moreno setzt damit nach Tony Reagins, Jerry Dipoto und Eppler erneut auf einen Neuling in der Führungsrolle. Ähnlich wie die neue GM der Marlins, Kim Ng, galt Minasian schon seit einigen Jahren immer wieder als Kandidat, wenn irgendwo in der Liga eine entsprechende Stelle zu vergeben war. Minasian erbt mit den Angels ein Team, dem dank herausragender Einzelspieler wie Mike Trout, Anthony Rendon und Shohei Ohtani regelmäßig eine Favoritenrolle zugedacht wird, die es bisher jedoch nie erfüllen konnte.

Dopingsünder Cano gesperrt
Apropos unerfüllte Erwartungen: Second Baseman Robinson Cano von den New York Mets wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere des Dopings überführt. Getreu den Anti-Doping-Richtlinien der MLB wird er als Wiederholungstäter für 162 Spiele, also die gesamte Saison 2021, gesperrt. Cano war nach seiner ersten Dopingsperre 2018 von den Seattle Mariners zu den Mets getradet worden. Dort hatte er 2019 ein eher schwaches Jahr, doch 2020 gelang dem 38-jährigen Dominikaner ein beeindruckendes Comeback. Dieses erscheint nun unter einem anderen Licht, da es offenbar nur mit Hilfe des synthetischen Steroids Stanozolol zustande kam.
Für die Mets dürfte der Verlust zu verkraften sein: Da Cano während der Sperre keinen Gehaltsanspruch hat, spart der Verein 24 Millionen Dollar, die sich vermutlich besser einsetzen lassen als für einen schummelnden Altstar.

Clevinger verlängert Vertrag und fällt erstmal aus 
Die Saison 2021 wird nicht nur ohne Cano, sondern auch ohne Mike Clevinger stattfinden. Der Starting Pitcher der San Diego Padres musste sich am Dienstag einer Tommy-John-Surgery unterziehen, was üblicherweise mindestens ein Jahr Pause bedeutet. Die Padres hatten Clevinger zur Trade Deadline Ende August von den Cleveland Indians geholt. Dort war er in Ungnade gefallen, nachdem er mit einer privaten Kneipentour die Corona-Auflagen missachtet und dies dem Team verschwiegen hatte. Davon abgesehen hatte er sportlich ein sehr starkes Jahr und war einer der Verantwortlichen für den furiosen Run der Padres in die Playoffs. Kurz vor seiner OP einigten die Padres sich mit ihm auf eine Vertragsverlängerung bis 2022. Clevinger verdient in den beiden Jahren insgesamt 11,5 Millionen Dollar – das schien auf den ersten Blick etwas wenig für einen Spieler seiner Klasse, doch nach der kurz darauf erfolgten Nachricht über seine Verletzung ist klar, dass es sich im Prinzip um das Gehalt für 2022 handelt. 

Braves verpflichten Smyly
Auch die Atlanta Braves vermelden einen Vertragsabschluss: Der linkshändige Starter Drew Smyly wurde für ein Jahr verpflichtet. Er erhält dafür 11 Millionen Dollar. Der 31-Jährige spielte schon bei den Tigers, Rays, Rangers, Phillies und Giants. Seine Leistungen waren meistens solide, er war aber auch oft verletzt und benötigte dann etwas Anlauf, um wieder zu seiner Form zu finden. 2020 brachte er es für die Giants auf einen ERA von 3.45 über 26.1 Innings. Das ist eine relativ kleine Stichprobe, aber für die Braves offenbar genug, um ihm einen recht großzügigen Vertrag anzubieten. 

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November 16th, 2020 by Silversurger

Die Baseblogleserinnen und -leser haben entschieden: Die wohl am wenigsten begehrte Auszeichnung im gesamten Baseball geht an Zack Wheeler von den Philadelphia Phillies. Er darf sich rühmen, die dämlichste Verletzung (Most Ridiculous Injury) des Jahres erlitten zu haben, als er sich beim Anziehen einer Hose den Nagel des rechten Mittelfingers abriss.

Von 56 abgegebenen Stimmen entfielen 29 und somit die absolute Mehrheit von 52% auf Wheeler. Der Abstand auf Cody Bellinger (15 Stimmen, 27%) ist so deutlich, dass dieser die Niederlage bereits eingestanden hat und auf rechtliche Schritte verzichten wird. Vielleicht kann sich daran der eine oder andere ein Beispiel nehmen…

An dieser Stelle wünsche ich allen verletzten MLB-Spielern, egal ob es sich um „dämliche“ oder „normale“ Verletzungen handelt, eine schnelle und vollständige Genesung. Für Zack Wheeler sieht es in dieser Hinsicht gut aus: Er wurde im Oktober an dem betreffenden Finger operiert und dürfte bis zum Spring Training wieder voll einsatzfähig sein.


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November 12th, 2020 by Silversurger

Bevor die Free Agency der MLB richtig in Schwung kommt, werden diese Woche erstmal die wichtigsten Awards für die kürzlich beendete Saison vergeben. Die besten Rookies, die besten Manager und die besten Pitcher wurden in den letzten Tagen schon ausgezeichnet. Heute Nacht werden noch die wertvollsten Spieler des Jahres bekannt gegeben. Hier auf dem Blog könnt übrigens noch bis Montag eure Stimme zum MRI-Award für die dämlichste Verletzung des Jahres abgeben.

Cy-Young-Award für Bieber und Bauer
Die Cy-Young-Awards für die besten Pitcher der Saison ehren dieses Jahr ganz besonders die Werfer-Schmiede der Cleveland Indians: In der National League geht der Award an Trevor Bauer – einst das Ass der Indians, 2020 bei den Cincinnati Reds tätig und derzeit auf Jobsuche. Mit einem ERA von 1.73 über 73 geworfene Innings, darunter zwei Complete-Game-Shutouts, hat Bauer die Reds erstmals seit sieben Jahren in die Playoffs geführt und auch dort – im Gegensatz zum Rest seines Teams – eine Top-Leistung gebracht. Bauer erhielt von den Wahlberechtigten der Baseball Writers Association of America (BBWAA) 27 von 30 Erststimmen. Die anderen drei ersten Plätze gingen an Yu Darvish von den Chicago Cubs.
In der AL bekommt Shane Bieber, sozusagen Bauers Nachfolger in Cleveland, den Cy-Young-Award. Bieber führte die Liga mit 1.63 ERA und 122 Strikeouts in 77.1 Innings an und gewann den Award einstimmig mit 30 von 30 möglichen ersten Plätzen. Zweiter in der Abstimmung wurde Kenta Maeda von den Minnesota Twins.

Williams und Lewis sind Rookies of the Year
Auch bei der Auszeichnung der besten Neulinge gab es in der AL eine einstimmige Entscheidung. Outfielder Kyle Lewis von den Seattle Mariners erhielt alle 30 Erststimmen und verwies damit Luis Robert (Chicago White Sox) und Cristian Javier (Houston Astros) auf die Plätze. Falls sich jemand wundert, warum in dieser Aufzählung die Playoff-Sensation Randy Arozarena von den Tampa Bay Rays fehlt: Die Awards beziehen sich nur auf die reguläre Saison, in der Arozarena zu wenige Einsätze hatte, um ernsthaft auf sich aufmerksam zu machen. Er gilt deswegen auch nächstes Jahr als Rookie und somit schon jetzt als Favorit auf den Award.
In der NL setzte sich Devin Williams von den Milwaukee Brewers, durch; er wurde zuvor auch schon zum Reliever des Jahres gewählt. Mit 0.33 ERA über 27 Innings hatte er eine brillante Saison und schaffte es als erster Pitcher, den Rookie-Award zu gewinnen, ohne einen Start oder einen Save auf dem Konto zu haben. Williams erzielte bei 30 Stimmen 14 erste Plätze. Weitere Erststimmen entfielen auf Alec Bohm (Philadelphia Phillies), Jake Cronenworth (San Diego Padres) und Tony Gonsolin (Los Angeles Dodgers). 

Mattingly und Cash sind die Top-Manager
Die besten Cheftrainer – im Sprachgebrauch der MLB „Manager“ – des Jahres sind beide in Florida tätig. Don Mattingly führte die Miami Marlins zu einer 31-29-Bilanz und damit in ihre erste Playoff-Teilnahme seit 17 Jahren – eine sensationelle Leistung mit einem Team, das als eines der schwächsten der Liga galt und obendrein im Juli einen massiven Corona-Ausbruch wegstecken musste. Eine einstimmige Wahl hätte mich in dem Fall nicht gewundert, doch Mattingly erhielt „nur“ 20 von 30 Erststimmen und tauchte auf zwei Wahlzetteln unter den drei Nennungen überhaupt nicht auf. Auf Platz zwei landete in der NL Jayce Tingler (San Diego Padres).
Kevin Cash führte seine Tampa Bay Rays an die Spitze der AL East und anschließend bis in die World Series. Dass er sich dort den Vorwurf einen Coaching-Fehlers gefallen lassen musste, ändert nichts daran, dass er seit Jahren unfassbar gute Arbeit dabei leistet, mit äußerst bescheidenen finanziellen Mitteln ein jederzeit konkurrenzfähiges Team aufrecht zu erhalten. Nach zwei dritten Plätzen in den beiden letzten Jahren erhielt Cash dieses Mal 22 Erststimmen und verwies Rick Renteria von den White Sox mit deutlichem Abstand auf Platz zwei.

Cora zurück in Boston
Von den erfolgreichsten Managern des Jahres zu einem der erfolglosesten: Die Boston Red Sox hatten bereits unmittelbar nach Saisonende bekannt gegeben, dass sie sich nach nur einem Jahr und einer enttäuschenden Bilanz von 24-36 von Ron Roenicke trennen. Roenicke war kurz vor Saisonbeginn zum Nachfolger von Alex Cora ernannt worden, den man wegen seiner Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Houston Astros entlassen hatte. Inzwischen hat Cora seine Sperre durch die Liga abgesessen und bei den Red Sox hat man sich offenbar der guten Zeiten erinnert, die man mit Cora am Steuerrad hatte. So kristallisierte sich Cora trotz einer Handvoll anderer Interview-Kandidaten schnell zum Favoriten als sein eigener Nachfolger heraus. Seit Freitag ist es offiziell, Cora erhält seine zweite Chance in Form eines Zweijahresvertrages bei den Red Sox. Man darf gespannt sein, was er daraus macht. Das Team, das er übernimmt, dürfte von den Anlagen her weit entfernt sein von der Meistermannschaft aus 2018. 

Mets entlassen Van Wagenen 
Bei den New York Mets hat die Ära des neuen Teambesitzers Steve Cohen offiziell begonnen. Cohens erste Amtshandlungen waren die erwarteten: Sandy Alderson wurde zum Teampräsidenten ernannt, General Manager Brodie Van Wagenen wurde entlassen. Außer Van Wagenen erhielten auch die Assistenten Omar Minaya, Allard Baird und Adam Guttridge sowie der Direktor für Spielerentwicklung Jared Banner ihre Papiere. Das zeigt, dass Cohen es ernst meint mit dem angekündigten strukturellen Umbau, der ein stärker analysezentriertes Regime hervorbringen soll. Alderson erhält weitgehend freie Hand bei der Zusammenstellung des neuen Front Offices. Field Manager Luis Rojas wird seinen Posten, auf den ihn Van Wagenen  vor einem Jahr befördert hatte, voraussichtlich behalten.
Bei seiner Einführungs-Pressekonferenz kündigte der neue Owner an, die Mets als Big-Market-Team führen zu wollen und enttäuscht zu sein, wenn nicht innerhalb von drei bis fünf Jahren eine Meisterschaft herausspringt. Das sind interessante Vorzeichen für die beginnende Free Agency.

Ein paar frühe Signings
Die erste Neuverpflichtung haben die Mets bereits getätigt: SP Marcus Stroman kehrt zurück nach Queens, indem er das Qualifying Offer von 18,9 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag annimmt. Auf die gleiche Art und zu den gleichen Konditionen bleibt den San Francisco Giants SP Kevin Gausman erhalten.
Die anderen Spieler, die ein Qualifying Offer erhalten hatten – Trevor Bauer (Reds), J. T. Realmuto (Phillies), George Springer (Astros) und D. J. LeMahieu (Yankees) – haben das Angebot erwartungsgemäß abgelehnt. Sie streben höherwertige und/oder längere Verträge an und werden sie auch bekommen.
Die beiden ersten „echten“ Free Agents, die vom Markt sind, haben beide bei ihren bisherigen Teams verlängert: SP Robbie Ray bleibt für 8 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei den Toronto Blue Jays, SP Josh Tomlin bekommt von den Atlanta Braves 1,25 Millionen für einen Einjahresvertrag plus Option auf ein zusätzliches Jahr.

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November 9th, 2020 by Silversurger

In dieser Woche werden die wichtigsten individuellen Auszeichnungen der MLB bekannt gegeben, angefangen heute Nacht mit dem Rookie of the Year. Damit ihr bei der Vergabe der Awards nicht zum passiven Zuschauen verdammt seid, gibt es hier auf dem Baseblog wieder die traditionelle Abstimmung über den Träger des Awards, den keiner haben möchte. Es geht um den Award für die dämlichste Verletzung, die „most ridiculous injury“, kurz: den MRI-Award.

Letztes Jahr gelang es Dellin Betances, sich die Auszeichnung in größtmöglicher Effizienz mit nur einem einzigen Saisonspiel zu sichern. Mit 52% der Stimmen ließ er die Konkurrenz so weit hinter sich, dass kein Re-Count erforderlich und von Wählerbetrug zu keiner Zeit die Rede war. Unbestätigten Gerüchten wurden die New York Mets erst durch den MRI-Award auf Betances aufmerksam, dem sie anschließend einen Vertrag über 10,5 Millionen Dollar gaben.

Genug der Vorrede, hier sind die Nominierten für den MRI-Award 2020:

  • Mike Leake: Der Pitcher der Arizona Diamondbacks verpasste einige Wochen des Spring Trainings wegen einer leichten Fraktur des linken Handgelenks. Der Sündenbock dafür war schnell gefunden: Es handelte sich um einen ungehorsamen Hund, der Herrchen Leake zu einer Verfolgungsjagd über das Anwesen provozierte. Der 32-Jährige rutschte dabei auf seinem privaten Basketballplatz aus und landete unsanft auf dem Handgelenk.
  • José Quintana: Dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, dürfte allgemein bekannt sein. Wie schnell und unerwartet es manchmal gehen kann, musste Cubs-Starter Jose Quintana erfahren, als er sich Ende Juni beim Geschirrspülen am Daumen verletzte. Man weiß nicht genau, wie es passierte, aber Quintana zog sich beim Abwasch einen so tiefen Schnitt zu, dass der betroffene Nerv operiert werden musste. Da das Missgeschick die Wurfhand des Linkshänders betraf, bedeutete es für ihn fast zwei Monate Pause.
  • Zack Wheeler: Selbst wenn man sich von gefährlichen Tätigkeiten wie Geschirrspülen fern hält, kann man nicht jedes Risiko ausschalten. Zack Wheeler erwischte es im September bei einer noch alltäglicheren Tätigkeit, nämlich dem Anziehen einer Hose. Nach eigener Aussage verlor er beim Versuch, in die Jeans zu steigen, ein bisschen das Gleichgewicht, blieb mit dem Mittelfingernagel seiner Pitching-Hand an einer Gürtelschlaufe hängen und riss einen Teil des Nagels ab. Dank eines künstlichen Fingernagels konnte Wheeler eine Woche nach dem Vorfall wieder für die Phillies pitchen. Allerdings machte der Finger weiterhin Probleme und musste nach Saisonende operiert werden.
  • Cody Bellinger: Diese dämliche Verletzung haben wir wohl alle noch in frischer Erinnerung. Im siebten Inning des siebten Spiels der NLCS erzielte Bellinger durch einen gewaltigen Homerun den siebten und letztlich entscheidenden Run der Partie. Vor dem Dugout begrüßten ihn die jubelnden Dodgers-Mitspieler, unter anderem durch eine eingesprungene Kollision mit Kiké Hernandez – bei der Bellinger sich die rechte Schulter auskugelte. Von den Verletzungen in dieser Abstimmung war dies die einzige vor laufender Kamera, es war aber auch die am wenigsten schlimme: Die Schulter konnte wieder eingerenkt werden, Bellinger verpasste kein Spiel der World Series.

Was war die dämlichste Verletzung der MLB-Saison 2020?

  • Zack Wheelers Fingernagelriss beim Anziehen (52%, 29 Votes)
  • Cody Bellingers ausgekugelte Schulter beim Homerun-Jubel (27%, 15 Votes)
  • Mike Leakes Handgelenkfraktur bei der Hundejagd (13%, 7 Votes)
  • José Quintanas Daumenverletzung beim Abwasch (9%, 5 Votes)

Total Voters: 56

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Die Abstimmung ist ab sofort und für genau eine Woche freigeschaltet. Selbstverständlich ist die Wahl anonym, aber ihr dürft gerne in den Kommentaren Wahlkampf für euren Favoriten machen.

Damit wir uns richtig verstehen: Es liegt mir nichts ferner als ernsthafte Verletzungen zu feiern oder mich darüber lustig zu machen. Jeder verletzte oder erkrankte Spieler kann sich meines Mitgefühls und meiner aufrichtigen Genesungswünsche sicher sein. Trotzdem erlaube ich mir, über Missgeschicke wie die hier geschilderten in einem gewissen Rahmen zu lachen und zu scherzen – nicht mehr und nicht weniger als man innerhalb eines Sportteams nach solchen Aktionen auch den Spott der Mitspieler ertragen muss.

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November 5th, 2020 by Silversurger

In den letzten Tagen drehte sich in den USA alles um die Präsidentschaftswahl. Erwartungsgemäß waren Neuigkeiten aus der MLB in dieser Zeit dünn gesät. Drei Teams gaben allerdings am Wochenende wichtige Weichenstellungen für die kommenden Jahre bekannt, die ich euch in diesem Grand Slam am Donnerstag vorstellen möchte.

Cohen als neuer Mets-Owner bestätigt
Der Verkauf der New York Mets an den Hedgefonds-Milliardär Steve Cohen ist nun offiziell. Cohen erwirbt für rund 2,475 Milliarden Dollar 95% der Anteile von der bisherigen Owner-Gruppe um Fred und Jeff Wilpon. Auf dieses Geschäft hatte man sich bereits im August geeinigt, doch es fehlten noch Genehmigungen seitens der Stadt New York sowie seitens der restlichen Team-Eigner der MLB. Beide Zustimmungen sind Ende letzter Woche erfolgt. Die Fans der Mets hoffen, dass mit Cohen eine neue Ära für ihre Franchise anbricht. Im Gegensatz zu den als knauserig bekannten Wilpons wird Cohen deutlich stärker zugetraut, sowohl die Mittel als auch den Willen aufzubringen, massiv und dauerhaft in das Team und die Infrastruktur zu investieren. Erster Punkt auf der To-Do-Liste dürfte der Aufbau eines neuen Front Offices sein: Sandy Alderson wurde bereits als neuer Team-Präsident angekündigt. Ihm sollen sowohl ein President of Baseball Operations als auch ein General Manager zur Seite gestellt werden, der vermutlich nicht Brody Van Wagenen heißen wird. Darüber hinaus beabsichtigt Cohen, die Analsyse-Abteilung der Mets deutlich auszubauen.

La Russa zurück in Chicago
Die Chicago White Sox haben einen neuen Manager. Wie erwartet handelt es sich um einen alten Bekannten: Tony LaRussa nimmt zum zweiten Mal in seiner Karriere die sportlichen Geschicke des Klubs in die Hand. Der heute 76-Jährige hatte seine Managerkarriere 1979 bei den White Sox begonnen und war dort bis zu seiner Entlassung 1986 tätig. Anschließend managte er die Oakland Athletics (1986-1995) und die St. Louis Cardinals (1996-2011) und gewann insgesamt drei World Series. La Russa galt zu seiner Zeit als hervorragender Manager und wurde dafür 2014 in die Hall of Fame aufgenommen. Ob er sich und den White Sox  einen Gefallen damit tut, nach fast zehn Jahren aus dem Ruhestand zurückzukehren und als ältester Manager der Liga einen Draht zu einem ihrer jüngsten Teams zu suchen, wird sich zeigen müssen.

Zweite Chance für Hinch
Mit A. J. Hinch wagt ein weiterer Manager die Rückkehr nach einer Pause. In seinem Fall dauerte die Unterbrechung nur ein Jahr und erfolgte zwangsweise für seine Rolle im Sign-Stealing-Skandal der Houston Astros. Hinch gilt weder als Drahtzieher noch als Förderer der illegalen Vorgänge bei den Astros, wusste aber nach Einschätzung der MLB Bescheid und unternahm nichts dagegen. Nachdem er seine Strafe dafür abgesessen hat, handelten die Detroit Tigers sehr schnell, um sich seine Dienste als Nachfolger für den in Ruhestand getretenen Ron Gardenhire zu sichern. Das zügige Handeln dürfte klug von den Tigers gewesen sein, denn Hinch hat – von dem Skandal abgesehen – in seiner Zeit in Houston (2015-2019) großartige Arbeit geleistet und galt in dieser Offseason als heißer Kandidat für jedes Team mit offener Managerstelle.

Bauer lehnt Qualifying Offer ab
Von den sechs Spielern, die von ihren bisherigen Vereinen ein sogenanntes Qualifying Offer über 18,9 Millionen Dollar für eine Vertragsverlängerung von einem Jahr erhalten haben, hat Trevor Bauer als erster eine Entscheidung bekannt gegeben: Das Pitching-Ass der Cincinnati Reds lehnt das Angebot ab. Das ist keine Überraschung, denn es ist völlig klar, dass Bauer nach seiner herausragenden Saison einen höher dotierten Vertrag erhalten wird, sei es in Cincinnati oder woanders. Das Qualifying Offer war in seinem Fall nur ein formaler Vorgang, damit die Reds im Falle seines Abgangs eine Kompensation in Form von Draftpicks verlangen können. Für J. T. Realmuto (Phillies), George Springer (Astros) und D. J. LeMahieu (Yankees) ist die Situation ähnlich, auch sie werden das Offer sicher ablehnen. Die beiden einzigen Kandidaten, die es möglicherweise annehmen werden, sind die Pitcher Marcus Stroman (Mets) und Kevin Gausman (Giants). Die Spieler müssen ihre Entscheidung bis kommenden Mittwoch treffen.

Die Pirates lassen Archer ziehen
Die Pittsburgh Pirates haben entschieden, eine Verlängerungsoption im Vertrag von Chris Archer über 11 Millionen Dollar nicht zu ziehen. Archer ist damit Free Agent und endgültig Teil eines der unrühmlichsten Trades in der Geschichte der Pirates. Für ihn schickten die Pirates 2018 während der Saison Tyler Glasnow, Austin Meadows und das Talent Shane Baz zu den Tampa Bay Rays. Während bei den Rays Glasnow und Meadows umgehend zu Leistungsträgern wurden und Baz sich im Farmsystem auf die Profikarriere vorbereitet, war der vermeintliche Top-Einkauf Archer in Pittsburgh zu jeder Zeit eine herbe Enttäuschung. Der 32-Jährige brachte es 2019 auf 23 Starts mit 119.2 Innings und 5.19 ERA. 2020 musste er aussetzen nach einer Operation zur Behandlung des unter Pitchern gefürchteten Thoracic Outlet Syndromes. Man kann dem einstigen Top-Talent nur wünschen, dass ihm der Erfolg der OP und die Luftveränderung bei einem neuen Team helfen, seine Karriere zurück in eine erfolgreichere Spur zu bringen.

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November 2nd, 2020 by Silversurger

Seit heute läuft offiziell die Free Agency der MLB. Jeder Spieler, der keinen laufenden Vertrag hat, kann nun frei mit interessierten Klubs verhandeln und einen neuen Kontrakt unterzeichnen.

Erfahrungsgemäß zieht sich die Free Agency im Baseball über die gesamte Offseason hin, anders als beispielsweise im Football oder in anderen Sportarten mit einer Salary Cap, also einer festen Obergrenze für Spielergehälter. Dieses Jahr könnte die Sache sogar noch ein bisschen zäher werden als sonst, weil auf allen Seiten eine große Unsicherheit in Bezug auf die Pandemielage und die Rahmenbedingungen der kommenden Saison herrscht.

Sechs Spieler haben von ihrem bisherigen Team ein sogenanntes Qualifying Offer erhalten. Das heißt, sie können innerhalb von zehn Tagen für ein Festgehalt von 18,9 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei dem Verein unterschreiben. Lehnt ein Spieler ein Qualifying Offer ab und unterschreibt anderswo, muss der neue Verein dem abgebenden Klub eine Kompensation in Form von Draftpicks bezahlen. Letzteres ist der Hauptgrund dafür, dass die Klubs Qualifying Offers aussprechen. Tatsächlich annehmen werden das Angebot nur wenige der Spieler, da die meisten von ihnen sich ausrechnen, mehr Geld und/oder längere Laufzeiten herausholen zu können.

Insgesamt handelt es sich in meinen Augen um eine eher schwache Free-Agent-Klasse, jedenfalls in dem Sinne, dass die ganz großen Namen fehlen. Mookie Betts hätte die Liste locker angeführt, doch die Dodgers haben sich seine langfristigen Dienste klugerweise schon vor einigen Monaten gesichert, solange sie noch das alleinige Recht hatten, mit ihm zu verhandeln. Zugute halten muss man der Free-Agent-Klasse 2020, dass recht ausgeglichen von allen Positionen und Spielertypen etwas dabei ist.

Hier mein Top-20-Ranking der wichtigsten Free Agents dieser Offseason (die Klammerangabe „QO“ weist auf das Vorliegen eines Qualifying Offers hin):

  1. J. T. Realmuto, C, 29 Jahre alt, bisher Philadelphia Phillies (QO)
    Catcher, die sowohl defensiv als auch offensiv das Team bereichern, findet man nicht allzu leicht. Realmuto ist auf seiner Position vermutlich der beste Spieler der Liga, in jedem Fall ist er mit großem Abstand der beste verfügbare Catcher der diesjährigen Free Agency. Er wird einen lukrativen Langzeitvertrag verlangen, und er wird ihn bekommen.
    Favoriten: Phillies, Mets, Yankees
  2. Trevor Bauer, RHP, 29, Cincinnati Reds (QO)
    Auch Bauer hätte nach seiner hervorragenden Saison, die nächste Woche möglicherweise noch mit dem Cy-Young-Award der NL gekrönt wird, gute Chancen auf einen langfristigen Kontrakt. Der exzentrische Pitcher vertritt allerdings seit Jahren die Position, ausschließlich Einjahresverträge zu unterschreiben, weil er glaubt, damit sein Karriere-Einkommen maximieren zu können.
    Favoriten: Padres, White Sox, Yankees, Angels
  3. George Springer, OF, 31, Houston Astros (QO)
    Wenn man seine Verletzunsgeschichte außen vor lässt, ist Springer sicher einer der besten Leadoff-Hitter der MLB, obendrein ein starker Centerfielder und zudem erfahren und erfolgreich in Meisterschaftsspielen. Er stammt aus Connecticut und ließ bereits verlauten, dass er gerne wieder näher an der Heimat wäre. Alles zusammen liest sich wie ein Bewerbungsschreiben für die Mets.
    Favoriten: Mets, Braves, Astros
  4. D. J. LeMahieu, IF, 32, New York Yankees (QO)
    LeMahieu kam vor zwei Jahren als vermeintlicher Ergänzungsspieler zu den Yankees, mauserte sich aber zur klaren Führungsfigur auf dem Platz und jenseits davon. Die Yankees werden kein Interesse haben, ihn gehen zu lassen, doch möglicherweise setzt sich auch bei dem Kalifornier die Sehnsucht nach der Heimat durch.
    Favoriten: Yankees, Dodgers
  5. Marcus Stroman, RHP, 29, New York Mets (QO)
    Mit dem Opt-Out aus der Corona-Saison 2020 im Anschluss an eine Verletzung schienen Stromans Tage bei den Mets gezählt. Doch die Annahme des Qualifying Offers, um ein Jahr zu überbrücken und mit Leistung für einen größeren Zahltag 2021/22 zu werben, könnte für ihn die sinnvollste Option sein.
    Favoriten: Mets, White Sox, Angels
  6. Marcell Ozuna, OF, 30, Atlanta Braves
    Ozuna gehört zum zweiten Mal hintereinander zu den interessantesten Free Agents. Letztes Jahr schloss er eine Wette auf sich selbst ab, indem er sich mit einem Einjahresvertrag über 18 Millionen bei den Braves begnügte. Die Taktik, sich mit einer starken Saison für dieses Jahr in eine bessere Position für einen noch größeren Vertrag zu bringen, könnte aufgehen, denn die starke Saison hat er definitiv abgeliefert. Als eher schwacher Defender dürfte er, solange keine universelle DH-Regel beschlossen ist, vor allem für AL-Teams interessant sein.
    Favoriten: Red Sox, White Sox, Rangers
  7. Charlie Morton, RHP, 36, Tampa Bay Rays
    Trotz seines fortgeschrittenen Alters ist Morton einer der besten Pitcher auf dem Markt. Er könnte ein Schnäppchen sein, nachdem die Rays überraschend auf das Ziehen einer Vertragsoption verzichtet haben, die ihn für 15 Millionen in Tampa Bay gehalten hätte.
    Favoriten: Red Sox, Rays, Marlins
  8. Justin Turner, 3B, 35, Los Angeles Dodgers
    Seinem Ruf als Führungsspieler und Publikumsliebling hat Turner einen harten Schlag versetzt, als er sich bei der World-Series-Feier mit distanzlosem Feiern trotz positivem Coronatest in die Schusslinie der Kritik brachte. Davon abgesehen ist er einer der besten und erfahrensten Third Basemen der Liga.
    Favoriten: Dodgers, Braves, Orioles
  9. Marcus Semien, SS, 30, Oakland Athletics
    Semien konnte seine Breakout-Saison 2019 nicht wiederholen, ist aber dennoch der beste Shortstop auf dem Markt und somit einen Blick wert für Teams, die einen entsprechenden Bedarf haben und sich keinen Trade für Francisco Lindor oder Trevor Story leisten können oder wollen.
    Favoriten: Athletics, Reds
  10. Michael Brantley, OF, 33, Houston Astros
    Brantley hatte schon diverse Verletzungsprobleme und kommt gerade in ein Alter, in dem diese typischerweise eher mehr als weniger werden. Solange er gesund ist, ist er ein herausragender Kontakthitter mit solider Power. Auf Dauer dürfte er vor allem für Teams interessant sein, die ihn als DH einsetzen können.
    Favoriten: Astros, Yankees, Twins
  1. Didi Gregorius, SS, 30, Philadelphia Phillies
  2. Masahiro Tanaka, RHP, 32, New York Yankees
  3. Liam Hendriks, RHP, 31, Oakland Athletics
  4. Nelson Cruz, DH, 40, Minnesota Twins
  5. James Paxton, LHP, 31, New York Yankees
  6. Kolten Wong, 2B, 30, St. Louis Cardinals
  7. Jackie Bradley Jr., OF, 30, Boston Red Sox
  8. Taijuan Walker, RHP, 28, Toronto Blue Jays
  9. Andrelton Simmons, SS, 31, Los Angeles Angels
  10. Yadier Molina, C, 32, St. Louis Cardinals

Knapp verpasst haben die Liste: RHP Kevin Gausman (QO), OF Joc Pederson, OF Brett Gardner, LHP Mike Minor, C James McCann, RHP Jake Odorizzi, IF Tommy LaStella.

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Oktober 29th, 2020 by Silversurger

Die MLB-Saison 2020 ist Geschichte. In den Los Angeles Dodgers hat sie einen würdigen und verdienten Champion gefunden, der die Tampa Bay Rays in einer mitreißenden Finalserie mit 4:2 besiegte. 

Was wird hängen bleiben von dieser World Series? Vermutlich vor allem die Entscheidung von Rays-Manager Kevin Cash in Spiel sechs, seinen bis dahin überragenden Starter Blake Snell früh auszuwechseln – die Dodgers drehten direkt im Anschluss daran das Spiel zu ihren Gunsten. In Erinnerung bleiben sicher auch die starken Schlagleistungen von World-Series-MVP Corey Seager und von Tampas Rookie-Sensation Randy Arozarena sowie das verrückte Comeback der Rays in Spiel vier.

Die World Championship 2020 wird für immer eine kleine Fußnote tragen, weil sie wegen der Coronapandemie „nur“ eine verkürzte Saison krönt. Das soll die Leistung der Dodgers aber in keiner Weise schmälern – überzeugender als sie kann man weder die reguläre Saison noch die Playoffs dominieren. Apropos Corona: Die Pandemie hat die MLB-Postseason glücklicherweise weitgehend verschont. Quasi in letzter Sekunde holte sie sich dann aber doch wieder einen Platz in den Schlagzeilen. Justin Turner wurde nach dem siebten Inning ausgewechselt, weil während des Spiels ein Testergebnis eintraf, dass ihn als Covid-19-positiv auswies. Warum Turner erst nach sieben Innings raus musste, obwohl die MLB das Ergebnis wohl schon im zweiten Inning kannte, warum es nicht schon vor dem Spiel vorlag und vor allem warum Turner nach dem Spiel seine Mitspieler umarmen und für Fotos posieren durfte, wird wohl noch für einige Zeit Diskussionsstoff bieten.

Der Vollständigkeit halber noch ein kurzer Rückblick auf das letzte Spiel in der Form, wie ich ihn schon zu den Spielen 1 und 2 bzw. 3 bis 5 geschrieben hatte:

World Series, Spiel 6
Die Rays gingen als Favorit in diese Partie, weil das Pitching-Matchup klar für sie zu sprechen schien: Sie schickten Blake Snell ins Rennen gegen Tony Gonsolin, von dem klar war, dass er nicht mehr als der Opener eines Bullpen-Spiels der Dodgers sein würde. Tatsächlich übernahmen die Rays schon im ersten Inning die Führung durch einen Solo-Homerun von Randy Arozarena. Der Rookie baute seine Postseason-Rekorde damit auf 10 Homeruns und 29 Hits aus. Für die Dodgers hingegen erwies sich Snell als nahezu unhitbar. Der Starter der Rays brachte es auf 9 Strikeouts in 5.1 Innings, ließ kaum harten Kontakt zwischen Ball und Schläger zu und wurde dennoch nach dem zweiten Hit der Dodgers – einem soften Linedrive von Austin Barnes – nach nur 73 Pitches ausgewechselt. Das war vermutlich der Fehler des Jahres von Tampas Manager Kevin Cash, denn der eingewechselte Reliever Nick Anderson ließ direkt ein Double von Mookie Betts zu, ließ Barnes bei einem Wild Pitch scoren und Betts bei einem Fielder’s Choice von Seager. Schon stand es 2:1 für die Dodgers; eine Führung, die sie nicht mehr hergaben und im achten Inning per Homerun von Betts zum 3:1-Endstand ausbauten.

Szene der Woche
Was soll ich groß sagen, die Szene der Woche war natürlich der Triumph der Dodgers in der World Series. Zum Genießen für alle Fans und Freunde der Dodgers gibt es hier den entscheidenden Moment aus sechs verschiedenen Perspektiven mit ebenso vielen verschiedenen Kommentaren:

Statistik der Woche
62,9%. Das ist der Anteil der Spiele, die die Dodgers in den letzten vier Jahren gewonnen haben. Das macht sie nicht nur zum besten Team dieser vier Jahre, sondern auch zum besten in einem beliebigen Vierjahreszeitraum der Wild-Card-Ära (seit 1995). Auf Platz zwei dieser Statistik liegen die Yankees mit 62,8% in den Jahren 1996-1999. Die gewannen in diesem Zeitraum übrigens drei World Series. 

So geht es weiter
Die MLB befindet sich seit gestern offiziell in der Offseason und damit in der Vorbereitung auf eine hoffentlich einigermaßen normale Saison 2021. Große Themen der nächsten Monate – neben der Entwicklung der Pandemie – werden die Suchen der Boston Red Sox, der Chicago White Sox und der Detroit Tigers nach neuen Managern sein. Bei den Mets steht ein noch deutlich wichtigerer Wechsel an: Der Milliardär Steven Cohen will den Klub von Fred und Jeff Wilpon kaufen und benötigt dafür die Zustimmung von 23 der 29 anderen MLB-Teambesitzer.

Die Free Agency, also der Zeitraum, in dem Spieler ohne Vertrag bei einem neuen Klub unterschreiben können, beginnt am kommenden Montag, fünf Tage nach Ende der World Series. Bis Sonntag haben die Vereine Zeit, Verlängerungs- oder Kündigungsoptionen in bestehenden Verträgen zu ziehen und unter bestimmten Bedingungen Qualifying Offers an Spieler mit auslaufenden Kontrakten auszusprechen.

In der Woche ab dem 9. November werden die vier wichtigsten Awards der MLB für die Saison 2020 bekannt gegeben: die Rookies of the Year, die Managers of the Year, die Cy-Young-Awards und die Most Valuable Players, jeweils getrennt für die National League und die American League.

Der Baseblog wird euch wie gewohnt durch die Offseason begleiten, unter anderem mit wöchentlichen Updates zu aktuellen Entwicklungen im Grand Slam am Donnerstag. Hinzu kommen traditionelle Events wie das Baseblog-Wunschkonzert, die Wahl zur Most Ridiculous Injury (MRI-Award), Statusberichte zur Free Agency und auch wieder eine oder zwei Artikelserien zu einem Schwerpunktthema – lasst euch überraschen und schaut bitte weiterhin regelmäßig rein!

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Oktober 28th, 2020 by Silversurger

Die Los Angeles Dodgers haben die World Series 2020 gewonnen. Mit 3:1 besiegten sie die Tampa Bay Rays in Spiel sechs und nutzten damit ihre erste Chance, die Best-of-7-Serie für sich zu entscheiden.

Zum wertvollsten Spieler der Serie wurde Shortstop Corey Seager gewählt, der es in den sechs Spielen auf einen Batting Average von .400 brachte. Ein Schlag von ihm war es auch, der den Dodgers letzte Nacht im sechsten Inning die Führung bescherte, die sie bis zum Ende nicht mehr hergeben würden. Zuvor hatte Rays-Manager Kevin Cash in einer sehr umstrittenen Aktion seinen bis dahin überragenden Starting Pitcher Blake Snell ausgewechselt.

Ich gratuliere den Dodgers und vor allem den Fans, die sie unter den Lesern dieses Blogs haben, zum lang ersehnten und hoch verdienten Erfolg. Einen ausführlicheren Bericht vom Saisonfinale gibt es morgen im Grand Slam am Donnerstag.

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Oktober 26th, 2020 by Silversurger

Wenigstens eines hält in diesem dämlichen Jahr, was es verspricht, und das ist die MLB-Postseason. Die beiden Top-Teams der Liga liefern sich eine mitreißende und abwechslungsreiche World Series. Mit meiner Vorhersage, dass diese über mindestens sechs Spiele gehen würde, liege ich schon mal richtig. Den heutigen zweiten und letzten Pausentag nehme ich zum Anlass für ein kurzes Update zu den drei letzten Partien.

Spiel 3
Den Dodgers stand zum ersten Mal in der Serie Walker Buehler als Starting Pitcher zur Verfügung und das bekam der Offense der Rays nicht gut. Das junge Ass pitchte sechs hervorragende Innings, verrteilte zehn Strikeouts verteilte und ließ nur drei Hits und einen Run zu. Gleichzeitig machten die Batter der Dodgers Tampa Bays Starter Charlie Morton das Leben schwer, beginnend mit einem Solo-Homerun von Justin Turner im ersten Inning. Im fünften Durchgang musste Morton weichen, da war die Partie beim Stand von 0:5 aus Sicht der Rays schon so gut wie entschieden. Ein bisschen Grund zur Freude hatte wenigstens Tampas Rookie-Sensation Randy Arozarena: Sein Homerun im neunten Inning vermochte zwar nicht mehr am Spielausgang zu rütteln, aber es war sein achter Homerun und sein 23. Hit in dieser Postseason. Den Rekord für Homeruns stellte er damit ein, den für Hits stellte er neu auf.

Spiel 4
Dieses Spiel ist eindeutig der Star unter den bisherigen Partien der Serie. Wieder mal erwischten die Dodgers den besseren Start, genau wie am Vortag begann das Scoring mit einem Solo-Homerun von Justin Turner im ersten Durchgang. In fast jedem Inning legten die Dodgers einen oder zwei Runs nach. Doch ab dem vierten Inning kam gegen Julio Urias auch die Offense der Rays in Schwung – beginnend mit einem Homerun von Randy Arozarena, der nun auch in dieser Kategorie alleiniger Postseason-Rekordhalter ist. Ein 3-Run-Homerun im sechsten Inning von Brandon Lowe brachte die Rays sogar kurzzeitig 5:4 in Führung, welche die Dodgers prompt wieder herumdrehten. Die Rays glichen erneut aus, die Dodgers holten sich die Führung zum dritten Mal zurück. Dieses Mal hielt sie bis in den Bottom des neunten Innings. Zwei Outs waren Closer Kenley Jansen schon gelungen, zwei Strikes gegen Brett Phillips geschafft, bevor eines der verrücktesten Plays der World-Series-Geschichte die finale Wendung brachte: Phillips gelang ein Linedrive ins Centerfield, bei dem es Formsache war, dass Kevin Kiermaier von der zweiten Base aus den Ausgleich erzielte. Arozarena war von der ersten Base unterwegs in Richtung dritte Base und wäre dort sicher gestoppt worden, hätte Dodgers-Centerfielder Chris Taylor nicht die Ballaufnahme verbaselt. So rannte Arozarena weiter und Taylors Wurf ging über die Zwischenstation Max Muncy an die Homeplate. Dort wäre Arozarena wohl in einen Rundown gelaufen, nachdem er auf dem Weg in einen Purzelbaum gestolpert war. Doch sowohl Muncy als auch Catcher Will Smith führten ihre Aktionen zu überhastet aus und ermöglichten Arozarena den Score zum Walkoff-Sieg.

Spiel 5
Zu zweiten Mal in der Serie zeigte sich, dass die Dodgers mit Tyler Glasnow besser fertig werden als die Rays mit Clayton Kershaw. Die Dodgers eröffneten das Scoring gewohnt früh und lagen nach zwei Innings schon 3:0 in Front. Die Rays brachten es zwar insgesamt auf mehr Hits als der Gegner (7:6), doch in den entscheidenden Szenen des Spiels fehlten immer die letzten Zentimeter. Das zeigte sich sehr plakativ im vierten Inning, welches Manuel Margot für Tampa Bay mit einem Walk eröffnete, bevor er die zweite Base stahl und dank eines Errors weiter zur dritten rückte. Von dort versuchte er sich bei zwei Outs an der Königsdisziplin des Baserunners: einem direkten Steal von Home. Unter Ausnutzung von Kershaws gewohnt langwieriger Pitchingbewegung wäre das fast gelungen, aber eben nur fast. Stattdessen wurde Margot von Kershaw haarscharf ausgeworfen, das Inning damit beendet, und näher sollten die Rays dem Ausgleich nicht mehr kommen. Muncy legte im fünften Inning gegen Glasnow einen Solo-Homerun zum 4:2 nach. Da beide Bullpens den Rest des Spiels mit reiner Weste über die Bühne brachten, war das auch der Endstand.

Morgen geht es weiter 
Dass es dieses Jahr zwei Teams in die Finalserie geschafft haben, denen ich die Meisterschaft gleichermaßen gönnen würde, macht die World Series für mich zu einem recht entspannten Genuss. Ich hoffe, die Dodgers-Fans unter den Lesern nehmen mir nicht übel, dass ich mir das wünsche, was wohl jeder halbwegs neutrale Baseballfan sehen will: ein Spiel sieben. Damit es dazu kommt, müssen in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (1:08 nach mitteleuropäischer Winterzeit) die Rays gewinnen. Die Chancen dafür stehen meiner Ansicht nach nicht schlecht, denn während die Rays Blake Snell auf den Mound schicken, haben die Dodgers einen verlässlichen Starter zu wenig im Kader. Sie müssen in Spiel sechs wieder auf Tony Gonsolin und den Bullpen bauen, was in Spiel zwei schon einmal schief ging. Falls es zum entscheidenden siebten Spiel kommt, sehe ich wiederum die Dodgers mit Buehler als Favorit.

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