Category: MLB

Juli 2nd, 2020 by Silversurger

Die Vorbereitungen auf die MLB-Saison 2020 laufen auf Hochtouren: Alle Teams haben während der letzten Tage ihre erweiterten Kader mit bis zu 60 Spielern bekannt gegeben und das Training sowie Coronatests in ihren Summer Camps aufgenommen. Der Spielplan für die reguläre Saison steht leider noch nicht fest. Aller Voraussicht nach beginnt die Saison am 23. Juli mit einem Eröffnungsspiel der New York Yankees gegen den amtierenden Champion, die Washington Nationals. Einen Tag später steigen die restlichen Teams in ihr 60-Spiele-Programm ein. Das alles steht natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Pandemielage in den USA den Saisonstart zulässt.

Mindestens vier Spieler verzichten
Die Beteiligung an der Saison in diesem ungewöhnlichen Jahr ist den Spielern freigestellt. Bislang haben vier Akteure bekannt gegeben, dass sie von dem Recht Gebrauch machen werden, auf die Saison 2020 (und damit auch auf ihr Gehalt) zu verzichten. Rockies-Outfielder Ian Desmond, Diamondbacks-Pitcher Mike Leake sowie von den Washington Nationals First Baseman Ryan Zimmerman und Pitcher Joe Ross werden dieses Jahr freiwillig aussetzen. Desmond hat seine Entscheidung in einem lesenswerten Instagram-Post begründet. Im Wesentlichen argumentiert er damit, dass er das Spielen der Saison für ein Risiko hält, welches er als Vater von vier Kindern mit einer schwangeren Frau nicht einzugehen bereit ist – in meinen Augen eine sehr legitime und ehrenwerte Sichtweise.

Blue Jays vorerst in Florida
Für die Toronto Blue Jays als einziges MLB-Team außerhalb der USA ist weiterhin unklar, wo sie ihr Summer Camp und ihre Saisonspiele durchführen werden. Einstweilen hat sich das Team in der Spring-Training-Einrichtung des Klubs in Dunedin, Florida, gesammelt. Dort wartet man nun, ob die kanadischen Behörden grünes Licht für den Flug nach Toronto und für die Nutzung von Rogers Centre geben.

Rekordvertrag für Torkelson
Nach der MLB-Draft vom 10. und 11. Juni haben die meisten Teams inzwischen die Verträge mit den gepickten Spielern abgeschlossen. Der Nummer-1-Pick Spencer Torkelson hat mit den Detroit Tigers einen Rekordvertrag ausgehandelt: Er erhält für seine Unterschrift ein Handgeld von 8.416.300 Dollar. Der 20-jährige First Baseman wurde allseits als das Top-Talent dieser Draft angesehen und soll in Detroit langfristig die alternde Legende Miguel Cabrera ablösen.

Keine Minor Leagues 2020
Für die weit überwiegende Zahl der Baseball-Profis in den USA wird es keine Saison 2020 geben: Wie allseits erwartet worden war, haben die Minor Leagues die Saison wegen des Coronavirus komplett abgesagt. Das ist in Anbetracht der Lage sehr verständlich, aber auch ein herber Schlag für die betroffenen Spieler und sonstigen Angestellten.

Posted in Grand Slam, Minor Leagues, MLB Tagged with: , , , , , , , ,

Juni 30th, 2020 by Silversurger

Die virtuelle Reise durch die Ballparks der MLB führt heute nach Anaheim in Orange County. Dort, rund 40 Kilometer von Los Angeles entfernt, spielen die Los Angeles Angels im nach ihnen benannten Angel Stadium, auch genannt „The Big A“.
Dies ist übrigens die vorerst letzte Folge der Ballparks-Artikelserie. Seit dem Anfang mit Fenway Park im Januar 2018 habe ich 29 der 30 aktuellen MLB-Stadien vorgestellt. Nur die Texas Rangers fehlen noch in der Reihe, denn ihr neues Stadion – Globe Life Field in Arlington, Texas – wird erst zum Saisonstart in gut drei Wochen eröffnet. Ich werde dann in der nächsten Saisonpause über die Erfahrungen mit dem neuen Ballpark berichten.

Der Haupteingang von Angel Stadium (1)

Geschichte
Die Angels nahmen 1961 den Spielbetrieb als Erweiterungsteam auf. Ihre erste Saison spielten sie in Wrigley Field – nicht in Chicago, sondern in einem kleinen Stadion in Los Angeles mit demselben Namen. Es handelte sich um einen Minor-League-Ballpark, in dem seit 1925 ein Vorläufer-Klub der Angels in der Pacific Coast League gespielt hatte. Wrigley Field war jedoch in sehr schlechtem Zustand, daher zogen die Angels 1962 als Untermieter ihres Lokalrivalen in das neu erbaute Dodger Stadium.

Die Suche nach einem eigenen Standort führte die Angels weg von Los Angeles in die Disney-Stadt Anaheim. Dort wurde von 1964 bis 1966 auf einer ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche Angel Stadium erbaut. Am 19. April 1966 absolvierten die Angels das erste offizielle Spiel im eigenen Ballpark, eine 1:3-Niederlage gegen die Chicago White Sox.

Die Entwicklung von reinen Baseballstadien über Mehrzweckarenen und schließlich zurück zu Ballparks der retro-modernen Bauart haben von den 1960er Jahren bis ins neue Jahrtausend viele Teams und Städte mitgemacht. Doch anders als bei den meisten von ihnen, vollzog sie sich in Anaheim innerhalb des selben Stadions: Ursprünglich nur für das MLB-Team errichtet, wurde Angel Stadium 1979/80 in großem Stil umgebaut und von 43.000 auf 65.000 Plätze erweitert, um auch die NFL-Footballer der Los Angeles Rams aufnehmen zu können. Nachdem diese 1994 wieder ausgezogen waren, gab es 1996-98 erneut eine umfangreiche Umgestaltung zu dem 45.000 Zuschauer fassenden Ballpark, der Angel Stadium heute ist.

Schon dreimal, 1967, 1989 und 2010, durfte Angel Stadium das All-Star-Game der MLB veranstalten. Die World Series war erst einmal in dem Stadion zu Gast. Gegen die San Francisco Giants verloren die Angels 2002 zwar das erste Heimspiel der Finalserie, durften aber am Ende mit einem Sieg in Spiel 7 den Titelgewinn im eigenen Stadion feiern.

Inzwischen ist The Big A etwas in die Jahre gekommen, sodass es erneut Diskussionen um einen Neubau oder größere Renovierungen gibt. Letzten Dezember hat der Klub sich mit der Stadt geeinigt, für 325 Millionen Dollar das Stadion und das umgebende Land zu kaufen und die Weiterentwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Vor einer Woche wurden von Teambesitzer Art Moreno und einer Reihe Investoren Pläne vorgelegt, den Ballpark mit neuen Geschäften, Restaurants und Unterhaltungseinrichtungen zu umgeben. Eine Entscheidung, ob das Stadion in diesem Zuge neu- oder nur umgebaut wird, wurde noch nicht getroffen.

Architektonische Auffälligkeiten
Trotz seiner 56 Jahre langen Geschichte inklusive Umbau zum NFL-Stadion und zurück sieht Angel Stadium erstaunlich „normal“ aus in dem Sinne, dass es sich nahtlos in die neu eröffneten Ballparks der letzten 25 Jahre einfügt. Die moderne Fassade wird dominiert von Sandstein und grünem Stahl sowie den Schriftzügen und Logos in der roten Teamfarbe. Der Haupteingang wird flankiert von zwei riesigen Angels-Baseballkappen.

The Big A (2)

Das prominenteste Wahrzeichen von Angel Stadium befindet sich rund 200 Meter außerhalb des Ballparks auf einem Parkplatz: Das große rote A, von dem das Stadion seinen Spitznamen hat, stand ursprünglich im Leftfield und trug eine Anzeigetafel. Beim Umbau wegen des Einzugs der Rams wurde es nach draußen verlegt und steht dort bis heute. Der Heiligenschein unterhalb der Spitze des 70 Meter hohen Buchstabens wird beleuchtet, wenn die Angels am jeweiligen Tag gewonnen haben, egal ob zu Hause oder auswärts. Daher stammt der unter Angels-Fans geflügelte Ausdruck „Light that baby up!“

Auch im Inneren verfügt Angel Stadium über eine Installation zu Feierzwecken: Das „California Spectacular“ hinter dem linken Centerfield besteht aus echten Bäumen und falschen Felsen, über die Wasser fließt und sprudelt. Zum Spielbeginn sowie nach Homeruns und Siegen der Angels wird dort ein Feuerwerk ausgelöst.

California Spectacular (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Beim Bau des Stadions bemühten die Angels eine wissenschaftliche Studie, um herauszufinden, welche Feldmaße unter Berücksichtigung der Luftdichte zu üblichen Spielzeiten eine möglichst neutrale Balance zwischen Pitcher- und Batterfreundlichkeit garantieren. Nach den Ergebnissen dieser Studie wurde das Feld gebaut, aber trotz mehrfacher Korrekturen ist es nie ganz gelungen, die gewünschte neutrale Ausrichtung zu erreichen: Die Statistiken der meisten Jahre weisen Angel Stadium als etwas vorteilhafter für Pitcher aus.

Das Centerfield ist mit 396 Fuß (121 Meter) das zweitkürzeste in der MLB (nur Dodger Stadium ist 1 Fuß kürzer), doch relativ tiefe Poweralleys zwischen Centerfield und den Foulpoles führen dazu, dass nicht übermäßig viele Homeruns geschlagen werden.

Angel Stadium in Panoramasicht (4)

Wo sitzt man am besten?
Anaheim gehört mit durchschnittlich über 280 Sonnentagen zu den sonnigsten Städten der USA und auch zu jenen mit der höchsten UV-Belastung. Wenn man bei Nachmittagsspielen nicht in der Sonne rösten möchte, sollte man Sitze auf den Ebenen 200 und 500 sowie auf der Third-Base-Seite bevorzugen und die unüberdachten Outfieldtribünen meiden.

Obwohl die Angels in den letzten Jahren sportlich nicht sonderlich erfolgreich waren, haben Sie ihr Stadion dank Attraktionen wie Mike Trout und Shohei Ohtani doch regelmäßig zu über 80% gefüllt. Man sollte sich daher frühzeitig um Tickets kümmern oder damit rechnen, dass man bei kurzfristiger Entscheidung etwas mehr zahlen muss, wenn man gute und schattige Plätze haben möchte.

Für die perfekte Perspektive – leicht erhöht, um die Homeplate zwischen den Dugouts – empfiehlt sich die Sitzkategorie Field MVP in den Blöcken 111 bis 126. Diese Plätze bekommt man für 100 bis 150 Dollar. Wenn man gute Plätze für unter 50 Dollar sucht, bieten sich die Blöcke 410-427 auf der dritten Ebene rund um das Infield an. Bei diesen Sitzen gilt: je niedriger die Nummer des Blocks, umso mehr Schatten hat man während eine Nachmittagsspiels.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: CrispyCream27 (CC BY-SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: CrispyCream27 (CC BY-SA 4.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Ken Lund (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Al Case (CC BY-NC-ND 2.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

Juni 25th, 2020 by Silversurger

Die wichtigste Nachricht der Woche – ach was, des Jahres! – habe ich gestern schon kurz verkündet: Es wird eine MLB-Saison 2020 geben. Die Grundlage dafür wurde durch die zunächst einseitige Festlegung der Ligaleitung gelegt, eine 60-Spiele-Saison auf Basis der Vereinbarung vom März durchzuführen. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat diesem Plan zugestimmt, sodass der Saisonstart in rund einem Monat in trockenen Tüchern ist. Noch sind nicht alle Details geklärt, aber was schon bekannt ist, fasse ich in diesem Artikel zusammen.

Wann geht es los?
Die Spieler melden sich bis spätestens 1. Juli in den Trainingscamps ihrer Teams. Am 23. oder 24. Juli beginnt die reguläre Saison.

Wo wird gespielt?
Es soll in den regulären Heimstadien der Teams gespielt werden. Die meisten Teams halten auch ihr Vorbereitungscamp auf dem eigenen Gelände in ihrer Heimatstadt ab. Unklar ist die Situation der Toronto Blue Jays: Derzeit gelten noch strikte Reisebeschränkungen zwischen Kanada und den USA. Die MLB hat bei der kanadischen Regierung nach einer Ausnahmegenehmigung für die Blue Jays und die gegnerischen Teams ersucht. Falls diese nicht erteilt wird, müssen die Blue Jays für ihre Heimspiele voraussichtlich auf ihre Spring-Training-Einrichtung in Florida oder den Ballpark eines ihrer Minor-League-Teams ausweichen.

Wie sehen die Spielpläne aus?
Die konkreten Termine werden zurzeit noch abgestimmt. Jedes Team soll 60 Spiele absolvieren, darunter je 10 gegen die Konkurrenten aus der eigenen Division und je 4 gegen die Teams aus der geographisch entsprechenden Division der anderen Liga. Ein Team der NL East zum Beispiel trifft somit 40-mal auf Gegner der NL East und 20-mal auf Teams aus der AL East.

In welchem Format werden die Playoffs gespielt?
Es wurde lange über ein erweitertes Playoff-Feld verhandelt, aber nun bleibt doch alles beim Alten: Jede Teilliga schickt fünf Teams ins Rennen, die drei Divisionssieger und zwei Wild-Card-Teams. Letztere absolvieren ein einzelnes Wild-Card-Game, danach folgen die Divisional Series (best-of-5), die League Championship (best-of-7) und die World Series (best-of-7).

Wann ist die Trade-Deadline?
Die normalerweise am 31. Juli geltende Frist, bis zu der Trades möglich sind, wird auf den 31. August verschoben. Für den Einsatz in der Postseason gilt, dass die Spieler spätestens am 15. September Teil des Kaders sein müssen.

Welche Regeländerungen gelten?
Die wichtigste Änderung, jedenfalls für die Teams der National League, ist die universelle Anwendung der DH-Regel. Jedes Team darf dieses Jahr in jedem Spiel einen Designated Hitter bestimmen, der im Batting Lineup die Stelle des Pitchers übernimmt.
Eine weitere Besonderheit in diesem Jahr besteht darin, dass zu Beginn jedes Extra-Innings automatisch ein Runner auf der zweiten Base stehen wird. Der Runner wird jeweils der Spieler sein, der im vorherigen Inning das letzte Out erlitt (oder ein für ihn eingewechselter Spieler).
In normalen Jahren werden Spiele, die nach weniger als fünf Innings wetterbedingt abgebrochen werden, zu einem späteren Zeitpunkt von Beginn an wiederholt. Dieses Jahr gilt, dass solche Spiele an der Stelle des Abbruchs wieder aufgenommen werden.
Die Rostergrößen werden für die ersten beiden Wochen der Saison auf 30 erhöht, für die nächsten beiden Wochen liegen sie bei 28 und für den Rest der Saison bei den sonst üblichen 26. Insgesamt darf jedes Team 60 Spieler benennen, die während der Saison zum Einsatz kommen können.

Was wird gegen die Verbreitung des Coronavirus getan?
Alle Spieler, Trainer und Betreuer werden jeden zweiten Tag auf Corona getestet. Zweimal täglich wird bei den Spielern Fieber gemessen, einmal monatlich erfolgt zudem ein Antikörpertest.
Während des Spiels soll in möglichst vielen Situationen ein Abstand von 6 Fuß (ca. 1,80m) gehalten werden. Zu diesem Zweck werden Spieler, die nicht im Einsatz sind, sowie Trainer und sonstige Mitwirkende nicht im Dugout sitzen, sondern verteilt auf den Zuschauerplätzen. Wer sich dem Umpire oder jemandem vom gegnerischen Team nähert, um zu diskutieren oder zu streiten, soll konsequent des Platzes verwiesen werden.
Körperkontakte zum Begrüßen, Feiern usw. sind untersagt, ebenso jegliches Spucken oder Fingerlecken. Pitcher dürfen einen nassen Lappen am Hosenbund tragen, um zwischendurch die Hand zu befeuchten. Der Lappen darf keine Substanzen außer Wasser enthalten. Der Ball wird jedes Mal ausgetauscht, sobald er von mehreren Spielern angefasst wurde.

Was passiert, wenn ein Spieler positiv getestet wird?
Es gab in den letzten Tagen mehrere Meldungen über Spieler zum Beispiel der Phillies, der Rockies und der Blue Jays, die positiv auf das Virus getestet wurden. Das wird auch während der Saison nicht ausbleiben. In dem Fall landen die betroffenen Spieler auf einer speziellen Verletztenliste. Diese hat anders als die anderen Listen keine Minimal- oder Maximaldauer. Positiv getestete Spieler dürfen wieder eingesetzt werden, sobald sie zweimal negativ getestet wurden.

Wird es Zuschauer in den Stadien geben?
Man sollte meinen, die klare Antwort auf diese Frage laute nein. Tatsächlich sind Zuschauer aber nicht ausdrücklich verboten. Die Liga überlässt es den Teams und den lokalen Behörden, individuell über die Zulassung von Ballpark-Besuchern zu entscheiden. Laut NBC erwägen mindestens die Texas Rangers, die Miami Marlins, die Chicago White Sox und die Chicago Cubs, eine begrenzte Anzahl von Zuschauern zuzulassen. Ich halte es offen gesagt für ziemlichen Irrsinn, diese Überlegungen ausgerechnet in Texas und Florida anzustellen, zwei aktuellen Hotspots des Infektionsgeschehens. Auf den offensichtlichen Witz bezüglich der Marlins-Fans und ihrer jahrelangen Erfahrung mit Social Distancing verzichte ich an dieser Stelle.

Was ist mit dem Field of Dreams?
Das wohl meist ersehnte Spiel der MLB-Saison 2020 war ursprünglich für den 13. August vorgesehen. Am Drehort des Films „Field of Dreams“ in Iowa sollte durch ein Match zwischen den New York Yankees und den Chicago White Sox der Traum von Ray Kinsella wahr werden. Ob es dazu noch kommen wird, ist fraglich. In die oben beschriebene Spielplanstruktur passt eine Partie zwischen den Yankees (AL East) und den White Sox (AL Central) jedenfalls nicht. Zudem hat die besondere Aktion vermutlich wenig Sinn, wenn der für 8.000 Besucher ausgelegte Ballpark leer bleibt. Andererseits wäre vom Thema das Films her ein „Geisterspiel“ vielleicht gar kein so unpassender Rahmen…

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: ,

Juni 24th, 2020 by Silversurger

Der Durchbruch in den unendlich scheinenden Verhandlungen ist endlich erzielt: Wir werden eine MLB-Saison 2020 bekommen! Die Spieler haben dem Plan der Liga zugestimmt, bis 1. Juli ein zweites Spring Training aufzunehmen. Am 23. oder 24. Juli soll die reguläre Saison beginnen.

Der Kern der Vereinbarung ist, dass die Saison 60 Spiele je Team umfassen wird bei voller anteilsmäßiger Bezahlung der Spieler. Es wird universell mit Desginated Hitter gespielt, Extra-Innings werden mit automatisch vorhandenen Baserunnern begonnen. Erwartungsgemäß werden keine Zuschauer in den Stadien zugelassen sein und es gilt ein umfangreiches Hygienekonzept zum Umgang mit dem Coronavirus.

Weitere Details werden wohl im Laufe des Tages bekannt gegeben, vielleicht auch schon ein Spielplan. Ich werde morgen Nachmittag im Grand Slam am Donnerstag ausführlich berichten.

Posted in MLB Tagged with: ,

Juni 23rd, 2020 by Silversurger

Eine weitere Woche ohne MLB-Baseball bedeutet eine weitere Folge in meiner Serie über die Ballparks der MLB. Langsam gehen mir dabei die Ballparks aus, aber zum Glück sieht es seit letzter Nacht stark danach aus, dass wir bald eine Saison bekommen werden. Heute besuchen wir auf der virtuellen Reise durch Baseball-Amerika die San Diego Padres in Petco Park. Den Namen hat das Stadion von einer Handelskette für Haustierbedarf, die die Namensrechte bis 2026 erworben hat.

Petco Park, San Diego (1)

Geschichte
Die Entstehungsgeschichten von um die Jahrtausendwende errichteten Stadien sind sich oft sehr ähnlich. In den 60er- und 70er-Jahren hielt man es vielerorts für eine gute Idee, Multifunktionsarenen zu bauen, die sowohl für Baseball als auch für Football und Fußball genutzt werden können. Ab den 90er-Jahren setzte die Gegenbewegung ein – man wollte weg von den riesigen Betonklötzen und von abgestecken Spielfeldern, auf denen immer noch die Markierungen der anderen Sportarten durchschienen. So war es auch in San Diego, wo sich die Padres seit ihrer Gründung als MLB-Team im Jahr 1969 das San Diego Stadium (später Qualcomm Stadium) mit den Chargers aus der NFL sowie zeitweise anderen Teams teilten.

Der Bau von Petco Park begann im Jahr 2000 und sollte eigentlich 2002 fertig sein. Die Padres mussten dann aber doch zwei Jahre länger mit Qualcomm Stadium vorlieb nehmen, weil finanzielle und rechtliche Streitigkeiten den Bau verzögerten. Es ging dabei zum einen darum, dass über den öffentlichen Anteil an der Finanzierung des 450 Millionen teuren Stadions nach einem Gerichtsurteil ein zweites Mal abgestimmt werden musste. Die andere Verzögerung betraf den Denkmalschutz, weil dem Stadion das historische Gebäude der Western Metal Supply Co. zum Opfer fallen sollte. Man einigte sich schließlich darauf, dieses Gebäude stattdessen zu renovieren und in den Bau zu integrieren.

Im März 2004 war es dann endlich soweit, dass der neue Ballpark mit einem Turnier von College-Baseballteams eingeweiht werden konnte. Das erste MLB-Spiel fand am 8. April 2004 statt. Die Padres besiegten die San Francisco Giants in 10 Innings mit 4:3. 2005 gab es zum ersten Mal Playoff-Baseball in Petco Park, doch die Padres verloren in der National League Division Series beide Heimspiele gegen die St. Louis Cardinals und schieden aus. Im Jahr darauf ging es ihnen exakt genauso, seitdem haben sie die Playoffs bisher nicht mehr erreicht. 2016 fand das All-Star-Game der MLB in Petco Park statt.

Petco Park von außen (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Petco Park ist ein sogenannter retro-moderner Ballpark. „Retro“ ist der Grundaufbau des Parks mit seinen gestuften Tribünen und dem asymmetrischen Outfield. „Moderne“ Elemente, mit denen Petco Park sich von retro-klassischen Ballparks nach dem Vorbild von Oriole Park abhebt, sind zum Beispiel die Außenfassade und die Farbgebung der Sitze. Statt klassischen roten Ziegeln prägen Sandstein und weißer Stahl die Front, die Sitze sind in Dunkelblau gehalten statt im traditionellen Grün.

Innerhalb des Stadions besteht das auffälligste Feature im oben erwähnten Gebäude der Western Metal Supply Co. Die Architekten von Populous (damals HOK) planten den Ballpark quasi um dieses Gebäude herum. Eine Kante des Baus wurde gelb angemalt und dient als Foulpole im Leftfield. An diesem Fixpunkt wurden das Spielfeld und der gesamte Bau ausgerichtet. Eine Folge davon ist, dass in Petco Park die Blickrichtung des Batters im Gegensatz zu fast allen anderen Stadien nicht Nordosten, sondern Norden ist.

Das historische Industriegebäude wurde in die Architektur integriert (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Petco Park hatte lange den Ruf des pitcherfreundlichsten Stadions der MLB. Das wirkt überraschend angesichts der Tatsache, dass die Mitte des Centerfields mit 396 Fuß (121m) zu den kürzeren der Liga gehört. Doch zwei Faktoren führen dazu, dass es schwierig ist, in Petco Park Homeruns zu schlagen: Der erste sind die außergewöhnlich tiefen Power-Alleys, also die Outfieldbereiche zwischen Right und Center bzw. Left und Center. Nach den Saisons 2005 und 2012 gab es Umbauten im Stadion, bei denen die Power-Alleys etwas verkürzt wurden. Seitdem sind die Pitchervorteile des Ballparks weniger extrem. Gänzlich abschalten kann man die Pitcherfreundlichkeit von Petco Park aber nicht, denn der zweite Faktor besteht im Klima – genauer gesagt im „Marine Layer“, einer dichten Luftschicht, die durch das Auftreffen von warmer Luft auf den kalten Ozean entsteht und das Schlagen von weiten Bällen erschwert. Der gleiche Effekt wirkt übrigens auch in T-Mobile Park in Seattle.

Schöne Aussicht vom oberen Deck (4)

Wo sitzt man am besten?
Mit 65 bis 70 Prozent Auslastung des gut 40.000 Zuschauer fassenden Stadions waren die Padres in den wenig erfolgreichen letzten Jahren solide bedient. Je nach Gegner und Spielzeit können die Plätze gelegentlich knapp und teuer werden, meistens sind die Tickets jedoch relativ problemlos zu bekommen. Die Sicht von den Tribünen ist fast überall gut – je mehr Entfernung vom Spielfeld man in Kauf nimmt, umso schöner ist dafür der Blick auf die Skyline von San Diego.

„It never rains in southern California“ stimmt zwar nicht ganz, aber im Großen und Ganzen muss man sich beim Besuch von Petco Park häufiger um knallende Sonne sorgen als um Regen. Erfreulicherweise haben die Padres eine Schattenkarte veröffentlicht, an der man sich bei der Platzsuche orientieren kann. Hervorragende schattige Plätze auf Höhe des Infields findet man im Bereich Premier Club (Blöcke A-L) mit etwas Glück für unter 100 Dollar.

Wenn man Plätze möchte, die man in keinem anderen Stadion bekommt, bietet sich das Western-Metal-Gebäude an. Die regulären Sitze auf dem Balkon sind nicht teuer, aber es gibt nur 30 davon, sodass sie mitunter schwer zu bekommen sind. Alternativ dazu kann man ein beliebiges Stadionticket kaufen und dann das Restaurant „The Loft“ im Western-Metal-Gebäude besuchen.

Wenn man einen gemütlichen Nachmittag beim Baseball verbringen möchte, aber nicht unbedingt hautnah am Geschehen sein muss, ist der „Park at the Park“ eine Option – vor allem, wenn man kleine Kinder dabei hat, die nicht stundenlang am Platz sitzen wollen. Es handelt sich um eine große Liegewiese innerhalb des Stadiongeländes, gleich hinter dem Outfield. Das Spiel kann man von dort durch eine Öffnung zwischen den Tribünen sowie über eine Videoleinwand verfolgen. Tickets ab 15 Dollar für diesen Bereich gehen immer zwei Wochen vor dem Spieltermin in den Verkauf.

Park at the Park (5)

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Phil Konstantin (CC BY-SA 3.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Aude (CC BY 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Theresa O’Connor (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: redlegsfan21 (CC BY-SA 2.0)
(5) Quelle: Flickr, Urheber: Kevin Harber (CC BY-NC-ND 2.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

Juni 18th, 2020 by Silversurger

„Tell us when and where.“ Dieses starke Statement machten sich in den letzten Tagen zahlreiche MLB-Spieler in den sozialen Netzwerken zu eigen. Sie reagierten damit auf Drohungen der Team-Owner, einseitig die Rahmenbedingungen für die MLB-Saison 2020 festzulegen, wenn es zu keiner Einigung kommt. Die Botschaft der Spieler ist klar: Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir wollen endlich spielen, und wenn die Owner sich für eine Minimalzahl von Spieltagen entscheiden, dann sind sie diejenigen, die gegenüber den Fans dafür gerade zu stehen haben.

Widersprüchliche Botschaften vom Commissioner
Während die Spieler somit den Schwarzen Peter geschickt zurück an die Liga gespielt haben, macht MLB-Commissioner Rob Manfred in der aktuellen Situation keine gute Figur. Vor einer Woche erklärte er noch vollmundig: „We’re going to play baseball in 2020 – 100 percent“. Am Montag sprach er gegenüber ESPN erneut von 100 Prozent, aber die Botschaft war plötzlich eine andere: „The owners are a hundred percent committed to getting baseball back on the field. Unfortunately, I can’t tell you that I’m a hundred percent certain that’s gonna happen.” Am Dienstag wiederum machte aus mehreren seriösen Quellen – unter anderem SNY und The Athletic – das Gerücht die Runde, dass sechs bis acht Owner sich gegen eine MLB-Saison 2020 positioniert hätten – was wiederum Manfreds Aussage vom Vortag konterkariert.

Produktives Treffen gestern
Einen Hoffnungsschimmer immerhin gibt es seit gestern Abend: Manfred und der Chef der Spielergewerkschaft MLBPA, Tony Clark, hatten ein eigenen Aussagen zufolge „produktives“ persönliches Treffen. Eine Einigung über die Länge der Saison und über die Berechnung der Spielergehälter gibt es zwar nach wie vor nicht, aber zumindest reden die beiden Seiten nun wieder mit- statt übereinander.

Fauci empfiehlt frühes Saisonende
Bei dem aufreibenden Hin und Her um finanzielle und organisatorische Fragen der möglichen MLB-Saison könnte man fast vergessen, dass die wichtigste Rahmenbedingung nach wie vor die Corona-Pandemie ist. Die Behörden in fast allen US-Bundesstaaten geben schon seit einiger Zeit grünes Licht für Geisterspiele. Nur die Blue Jays müssten sich vermutlich einen Ausweich-Standort suchen, da Reisen zwischen Kanada und USA nach wie vor mit 14 Tagen Quarantäne verbunden sind. Auch Dr. Anthony Fauci, der prominenteste Corona-Experte der USA, hält eine Durchführung der Saison für vertretbar. Er trifft allerdings eine wichtige Einschränkung: Sein Rat ist, die Saison auf die Sommermonate zu beschränken und die Playoffs nicht wie üblich bis Ende Oktober dauern zu lassen, wenn des kälteren Wetters wegen eine neue Infektionswelle droht. Ein Argument mehr dafür, endlich mal anzufangen…

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: ,

Juni 16th, 2020 by Silversurger

In meiner Serie über Major-League-Ballparks sind wir heute zu Gast in dem Stadion mit dem hochtrabendsten Namen der MLB: dem Great American Ballpark in Cincinnati. Der Name ist allerdings kein Ausdruck einer übersteigerten Selbstwahrnehmung. Er entstammt schlicht einem Sponsorenvertrag mit dem Versicherungsunternehmen Great American Insurance, das 75 Millionen Dollar für die Namensrechte über 30 Jahre bis 2033 bezahlt hat.

Geschichte
Die Reds sind eine der ältesten Baseball-Franchises und eine der wenigen, die immer in derselben Stadt geblieben ist. Von daher überrascht es nicht, dass Great American Ballpark bereits die siebte Heimstätte in der Geschichte der Reds ist. Der direkte Vorgänger war Riverfront Stadium (zeitweise „Cinergy Field“), das von 1970 bis 2002 in Betrieb war.

Bei Riverfront Stadium handelte es sich um eine Multifunktionsarena, die die Reds sich mit den Footballern der Cincinnati Bengals teilten. Wie an vielen anderen Sport-Standorten wuchs auch in Cincinnati in den 90er-Jahren der Wunsch, das gemeinsam genutzte Stadion durch eigene Bauten für die jeweiligen Teams zu ersetzen. Die Wähler der Kommune Hamilton County stimmten 1996 zu, durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um ein halbes Prozent Neubauten für sowohl die Bengals als auch die Reds zu ermöglichen. Den Anfang machte die Football-Arena Paul Brown Stadium, die im August 2000 eröffnet wurde. Im selben Monat begann der Bau des neuen Ballparks für die Reds.

Als Standort für Great American Ballpark wurde der Platz direkt neben dem alten Riverfront Stadium gewählt. Das alte Stadion musste dazu – während es weiterhin genutzt wurde – schrittweise in Teilen und Ende 2002 schließlich komplett abgerissen werden. Pünktlich zur Saisoneröffnung am 31. März 2003 war der neue Ballpark fertig. Nach dem zeremoniellen ersten Pitch von Ex-Präsident George Bush hatte Reds-Superstar Ken Griffey Jr. mit einem Double im ersten Inning die Ehre, den ersten Hit im neuen Stadion zu erzielen. Das war dann allerdings auch schon das Highlight des Spiels aus Sicht des Heimteams, welches den Pittsburgh Pirates 1:10 unterlag.

Die MLB trug 2015 das All-Star-Spiel im Great American Ballpark aus. Die Reds konnten seit dem Einzug in das Stadion noch keine großen Erfolge feiern. Dreimal – 2010, 2012 und 2013 – erreichten sie die Playoffs, schieden aber jeweils in der ersten Runde aus und verloren dabei sämtliche Heimspiele. Homer Bailey gelang 2013 für die Reds bei einem 3:0 gegen die San Francisco Giants der erste No-Hitter des Ballparks. 2016 tat es ihm Jake Arrieta für die Chicago Cubs beim 16:0 über die Reds gleich.

Great American Ballpark vom Ohio River aus (1)

Architektonische Auffälligkeiten
Great American Ballpark ist ein Vertreter des retro-modernen Stils, der durch Clevelands Progressive Field prominent wurde. Von außen dominieren Stahl und Glas sowie eine Fassade aus Ziegel- und Gusssteinen. Die Ziegelsteine sind typisch für die Architektur von Cincinnati, die Gusssteine reflektieren die nahe gelegene Roebling Suspension Bridge.

Im Stadion und drumherum finden sich diverse Anspielungen auf die früheren Ballparks der Reds. Eine Erinnerung an Crosley Field, die Reds-Heimat von 1912 bis 1970, ist Crosley Terrace. Es handelt sich um eine raumgreifende Installation direkt vor dem Haupteingang, die eine imaginäre Spielszene mit mehreren Bronzefiguren historischer Spieler zeigt. Deutlich subtiler ist eine Anspielung auf Riverfront Stadium: Sie besteht darin, dass die Tiefe des Centerfields mit 404 Fuß exakt gleich groß gestaltet wurde wie im alten Stadion.

Durch die niedrigen Tribünen im Center- und Rightfield genießt man von den meisten Plätzen aus die Aussicht auf den Ohio River. Eine Lücke zwischen den Tribünen auf der Third-Base-Seite, bekannt als „The Gap“, erfüllt zwei Funktionen: Erstens gewährt sie eine Blickachse aus der Innenstadt ins Stadion und umgekehrt; zweitens ermöglicht der Einschnitt eine Anordnung der Ränge, durch die die Entfernung der Sitze des Oberdecks zum Spielfeld geringer ist als in den meisten anderen Ballparks.

Die Power Stacks; links daneben das Riverboat Deck (2)

Ein weiteres Wahrzeichen von Great American Ballpark sind die „Power Stacks“, zwei Dampfschiffschornsteine im rechten Centerfield. Sie begleiten wichtige Ereignisse auf dem Feld, zum Beispiel durch einen Feuerstoß bei einem Strikeout oder durch Feuerwerk bei einem Homerun und nach einem Sieg. Die Schornsteine symbolisieren die wichtige Rolle der Flussschifffahrt für die Geschichte der Region. Zum selben Thema passt auch das Riverboat Deck, ein Partybereich über dem Centerfield, den man mieten kann.

Zwei schöne Stücke der Kategorie „Kunst am Bau“ befinden sich im Bereich des Haupteingangs: Es handelt sich um 3 mal 5 Meter große Mosaike, die die beiden herausragenden Reds-Teams der Jahre 1869 sowie 1975/1976 darstellen.

Mosaik „The First Nine“ (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Durch die kurzen Distanzen zwischen der Homeplate und den Foulpoles im Rightfield (325 Fuß = 99m) und Leftfield (328 Fuß = 100m) hat Great American Ballpark eines der kleinsten Outfields unter den MLB-Stadien. Es ist daher wenig überraschend, dass das Stadion zu den hitterfreundlichsten der Liga zählt – jedenfalls was das Schlagen von Homeruns betrifft. Von den Homeruns abgesehen, ist Great American Ballpark für das Erzielen sonstiger Extra-Basehits und für Run-Scoring insgesamt ein eher durchschnittliches Pflaster.

Blick vom oberen Deck hinter der Homeplate (4)

Wo sitzt man am besten?
Da die Reds in den letzten Jahren nicht vom Erfolg verwöhnt waren, pendelte sich der Zuschauerschnitt zwischen 20.000 und 23.000 ein. Bei einer Kapazität von 42.000 ist es somit in der Regel kein Problem, auf regulärem Weg an Tickets heranzukommen.

Natürlich befinden sich die besten Plätze auch im Great American Ballpark auf den unteren Ebenen um das Infield. Aber wie oben schon erwähnt, handelt es sich um ein Stadion, bei dem man auch auf den oberen Rängen nicht zu weit weg vom Geschehen ist. Bei der Wahl der Plätze ist zu beachten, dass Great American Ballpark nur ein kleines Dach über dem obersten Tribünenlevel bietet. Die Suche nach einem schattigen Platz oder nach Schutz vor Regen und manchmal auch Schnee ist daher ein Thema. Schatten findet sich am ehesten entlang der First-Base-Line und dort vor allem in den oberen Reihen jeder Ebene.

Einen besonderen Service bietet Great American Ballpark für stillende Mütter: Sie dürfen die „Nursing Suite“ nutzen, einen 2015 eingerichteten privaten Bereich mit umfangreicher Ausstattung wie Sesseln, Kühlschrank, Kitchenette, Wickelmöglichkeiten – und natürlich TV-Bildschirmen, damit man nichts vom Spiel verpasst.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Sean Biehle (CC BY-SA 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Steve (CC BY-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Wally Gobetz (CC BY-NC-ND 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Cori Martin (CC BY-NC 2.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

Juni 11th, 2020 by Silversurger

Das unwürdige Tauziehen um die MLB-Saison 2020 geht weiter – längst geht es dabei kaum noch um die Pandemie, stattdessen vor allem um Geld und um Gesichtswahrung. Ein Hauch von Normalität wehte immerhin letzte Nacht, als die erste Runde der MLB-Draft 2020 durchgeführt wurde.

Tigers wählen Torkelson an Nummer 1
Der Top-Pick der diesjährigen Draft war wie erwartet 1B Spencer Torkelson. Die Detroit Tigers sicherten sich den Power-Hitter von der Arizona State University. Hoch gehandelt wurde vor der Draft auch der vielseitige IF/OF Austin Martin von Vanderbilt, der letztlich aber erst an Nummer 5 zu den Toronto Blue Jays ging. Die Baltimore Orioles, die als zweite an der Reihe waren, entschieden sich etwas überraschend für OF Heston Kjerstad aus Arkansas. Kjerstad war zwar als First-Rounder erwartet worden, aber eher in der Mitte oder zweiten Hälfte der Runde. Ebenfalls eine kleine Überraschung war die Wahl von Pitcher Max Meyer aus Minnesota durch die Miami Marlins an Nummer 3. Als Top-Pitcher der Draft hatten die meisten Experten eigentlich Linkshänder Asa Lacy (Texas A&M) erwartet, den sich die Kansas City Royals als Pick 4 sicherten. Die größte Überraschung des Abends dürfte allerdings der Pick der Boston Red Sox gewesen sein. Sie verwendeten ihr Wahlrecht an Nummer 17 auf Nick Yorke, einen Middle-Infielder aus einer kalifornischen Highschool. Ihn hatte kaum jemand in der ersten Runde erwartet. Aber da die Red Sox dieses Jahr keinen Zweitrundenpick haben, waren sie wohl bereit, für ihren Wunschspieler etwas zu reachen.

Heute geht es ab 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit weiter mit dem Rest der Draft, zu sehen auf ESPN, MLB Network oder am einfachsten direkt auf der Homepage mlb.com. Wegen der Corona-Situation gibt es dieses Jahr nur fünf Runden statt der sonst üblichen 40. Von den danach verbleibenden Nachwuchsspielern können die Clubs beliebig viele für jeweils bis zu 20.000 Dollar unter Vertrag nehmen.

Kein Ende in Sicht
In Bezug auf eine mögliche MLB-Saison 2020 finden die Teambesitzer und die Spielergewerkschaft MLBPA einfach keinen gemeinsamen Nenner. Es fühlt sich an, als ob ich hier jede Woche dasselbe schreiben muss: Die Liga legt einen Vorschlag vor, die MLBPA lehnt ihn ab und kontert mit einem Gegenvorschlag, den wiederum die Liga ablehnt. Die neuesten Angebote bestanden darin, dass die Liga die vorgeschlagene Anzahl der Saisonspiele von 48 auf 76 erhöhte und die Spielergewerkschaft von 114 Spielen auf 89 reduzierte. Das sieht auf den ersten Blick so aus, als käme man sich näher. Doch der Teufel steckt im Detail und in diesem Fall ist das entscheidende Detail, dass die Spieler nach wie vor darauf bestehen, ihre Gehälter anteilig nach der Zahl der Spiele zu erhalten – im aktuellen Vorschlag also 89 durch 162 vom normalen Jahresgehalt. Die Klubs hingegen wollen nur – je nach Playoff-Format – 50 bis 75 Prozent von dem derart errechneten Anteil bezahlen. Eine Einigung scheint derzeit in weiter Ferne – und damit auch die einstige Hoffnung, in der ersten Julihälfte in den Spielbetrieb einzusteigen.

DBV lässt Vereine wählen
Noch keine Entscheidung, aber eine halbwegs klare Marschroute gibt es im Hinblick auf den Baseball-Spielbetrieb in Deutschland: Der Ausschuss für Wettkampfsport des Deutschen Baseball- und Softballverbandes (DBV) hat festgelegt, dass es in diesem Jahr in seinen Ligen keinen Auf- und Abstieg geben wird. Alle für 2020 gemeldeten Teams können sich auch 2021 für dieselbe Liga anmelden. Sollten Plätze frei werden, wird gegebenenfalls über Nachrücker entschieden. Sofern 2020 noch ein Spielbetrieb stattfindet, wird die Beteiligung daran auf freiwilliger Basis sein. Die Vereine können wählen, ob sie am Spielbetrieb teilnehmen möchten und ob sie dazu auch bereit sind, wenn er ohne Zuschauer stattfinden muss. Für jede Gruppe der 1. und 2. Baseball-Bundesliga wird nach Mehrheit der jeweiligen Vereine entschieden, ob und in welchem Spielmodus eine Saison 2020 durchgeführt wird. Die Deadline für die Meldungen ist der 15. Juli. Bis zu diesem Termin soll auch entschieden werden, ob Deutsche Meisterschaften und Länderpokale im Nachwuchsbereich stattfinden.

Posted in Baseball in Deutschland, Grand Slam, MLB Tagged with: , , ,

Juni 9th, 2020 by Silversurger

Letzte Woche habe ich mich dazu hinreißen lassen, Tropicana Field als das „wohl unbeliebteste Stadion der Liga“ zu bezeichnen. Ganz falsch lag ich damit vermutlich nicht, aber es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass es im Wettbewerb um diese Negativ-Auszeichnung einen aussichtsreichen Konkurrenten gibt. Die Rede ist vom Oakland-Alameda County Coliseum oder kurz: Oakland Coliseum, der Heimstätte der Oakland Athletics.

Oakland Coliseum aus der Vogelperspektive (1)

Geschichte
Tropicana Field und das Coliseum haben äußerlich nicht viel gemeinsam, aber sie teilen eine ähnliche Entstehungsgeschichte: Beide Stadien wurden geplant und gebaut, um eine noch nicht vorhandene Major-League-Franchise in die jeweilige Stadt zu locken.

In Oakland bestand spätestens seit 1958, als in San Francisco die Giants und in Los Angeles die Dodgers einzogen, der große Wunsch nach einem eigenen MLB-Team. Um dafür die Voraussetzung zu schaffen, wurde 1960 ein Komitee aus einflussreichen lokalen Geschäftsleuten gegründet, das die Planung und Umsetzung einer geeigneten Sportstätte zum Ziel hatte. Befeuert wurde das Ansinnen dadurch, dass im selben Jahr die American Football League die Oakland Raiders gründete und dass die MLB ab 1961 Oakland offiziell als Wunschort einer kommenden Erweiterung der Liga ausgab. Das neue Stadion wurde als Multifunktionsarena geplant, um sowohl die Footballer als auch die Baseballer beherbergen zu können.

Durch die Standortsuche sowie diverse rechtliche und finanzielle Klärungsbedarfe verzögerte sich der für 1962 geplante Baubeginn um zwei Jahre. Während der tatsächlichen Bauphase von 1964 bis 1966 wurde weiterhin verstärkt um ein MLB-Team geworben. Die Cleveland Indians galten zwischenzeitlich als heißer Kandidat, blieben dann aber doch am bisherigen Standort. Erst zwei Jahre nach Eröffnung des Coliseums hatten die Bemühungen schließlich Erfolg in der Form, dass die bisherigen Kansas City Athletics nach Oakland um- und in das Coliseum einzogen.

Bis 2019 – mit einer Unterbrechung von 1981 bis 1995 – teilten die Athletics sich das Coliseum mit den Oakland Raiders sowie für einige Jahre mit anderen Football- und Fußballmannschaften. Nach dem Wechsel der Raiders nach Las Vegas haben die Athletics in der MLB-Saison 2020, sofern sie irgendwann stattfindet, das Stadium ganz für sich. Immerhin gibt es dann keine Footballmarkierungen mehr auf dem Feld, aber glücklich werden sie mit der Spielstätte, in der sie die World Series 1972, 1973, 1974 und 1989 gefeiert haben, deswegen sicher nicht sein. Das Coliseum gilt schon lange in vielerlei Hinsicht als veraltet. Mit einer bloßen Renovierung wäre es nicht getan, allein schon weil der Bau auf mehrere Sportarten mit ganz unterschiedlichen Feldmaßen und -dimensionen ausgelegt ist und dadurch keiner der Sportarten wirklich gerecht wird.

Seit mittlerweile 15 Jahren läuft nun schon die Planung und Standortsuche für einen neuen Ballpark. Ende 2018 sah es so aus, als würden endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Am Howard-Terminal in der Nähe des Hafens von Oakland sollte ein Ballpark für 34.000 Zuschauer gebaut werden. Doch diverse Hürden haben die Umsetzung verzögert, und ein letzte Woche gefälltes Urteil könnte dazu führen, dass der gewünschte Standort ganz aufgegeben muss. Konkret geht es darum, dass ein Gericht den Transport von Kohle vom Hafen durch die Stadt erlaubt hat und dass die damit verbundene Staub- und Verkahrsbelastung den Stadionbetrieb stören würde. Es ist zurzeit unklar, wie es weitergeht, aber das gewünschte Eröffnungsdatum 2023 scheint kaum noch umsetzbar.

Computermodell des geplanten Ballparks am Howard Terminal (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Der erste Eindruck, wenn man Oakland Coliseum von außen sieht, ist, dass es für ein Stadion außergewöhnlich niedrig erscheint. Das liegt daran, dass das Coliseum ein Stück weit „eingegraben“ ist. Das Spielfeld liegt gut 6 Meter unter Meereshöhe. Die Ebene, auf der man das Gebäude betritt, ist der obere Rand der unteren Sitztribünen. Da zudem rundum ein Hügel aufgeschüttet wurde, der den oberen Teil des Stadions trägt, ist von außen nur die oberste Ebene der Tribünen zu sehen.

Im Inneren fallen zwei unschöne Features ins Auge: Zum einen weist das Coliseum durch seine Multisport-Ausrichtung das größte Foul Territory der Liga auf und dadurch auch eine entsprechend große Entfernung zwischen dem eigentlichen Spielfeld und den Zuschauerrängen. Die zweite Auffälligkeit sind die vielen ungenutzten Sitzplätze aufgrund der für Baseballspiele überdimensionierten Größe des Stadions. Rund 10.000 nachträglich installierte Sitzplätze im Centerfield werden während der Baseballspiele mit einer Plane abgedeckt. Unter Athletics-Fans wird diese Tribüne, die den einstigen Ausblick auf die Oakland Hills verbaut, verächtlich „Mount Davis“ genannt – nach Al Davis, dem früheren Owner der Raiders.

Innen-Panorama mit dem über allem thronenden, abgedeckten „Mount Davis“ (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Mit seinem symmetrischen Outfield – 400 Fuß (122m) tief im Centerfield, 330 Fuß (101m) an den beiden Außenlinien – liegt das Coliseum im Mittelfeld der MLB. Dennoch handelt es sich um einen der pitcherfreundlichsten Ballparks der Liga. Das liegt an dem bereits erwähnten riesigen Foul Territory. Dadurch, dass in den Innenraum auch ein Footballfeld passen muss, liegen vor allem zwischen dem Infield und den Tribünen große Flächen brach. Dadurch werden viele Foulballs, die woanders zum Zuschauer-Souvenir würden, im Coliseum für Outs gefangen.

In jenem Foul Territory liegen übrigens auch die Bullpens – eine weitere Eigenheit, die das Coliseum mit Tropicana Field teilt. Pitcher und Catcher im Bullpen müssen jederzeit mit heranfliegenden Bällen sowie mit dahinter her hechtenden Feldspielern rechnen. Nur wenn ein Ball unter oder hinter den Sitzen oder Ausrüstungsgegenständen im Bullpen landet oder die Umpires ihn aus anderen Gründen für unspielbar halten, wird er als „out of play“ gewertet.

Wo sitzt man am besten?
Die Athletics spielen meistens besser und erfolgreicher als die Experten es vor der Saison prophezeien. Dennoch – und trotz der erwähnten Abdeckung von tausenden Plätzen – lag die Auslastung der Zuschauerkapazitäten in den letzten Jahren nur zwischen 50 und 60 Prozent. Somit ist es in der Regel kein Problem, über den offiziellen Verkauf an Tickets heranzukommen oder über Wiederverkaufsplattformen ein Schnäppchen zu machen.

Wie in jedem Ballpark gilt, dass die besten Plätze möglichst weit unten und möglichst nah an der Homeplate liegen. Im Coliseum gilt das noch ein bisschen mehr als in anderen Stadien, weil durch das ausgreifende Foul Territory eine größere Grundentfernung zwischen Spielfeld und Tribünen besteht als anderswo. Aus diesem Grund sollte man das dritte Level möglichst meiden. Für 30 bis 50 Dollar kann man auf der unteren Ebene zwischen den Dugouts sitzen (Blöcke 112-122), eine Ebene höher (212-222) kosten die Tickets 10-15 Dollar weniger.

Ein schattiges Plätzchen ist bei sonnigen Mittags- oder Nachmittagsspielen im Oakland Coliseum recht schwer zu finden. Am ehesten gelingt das in den obersten drei bis vier Reihen der genannten Blöcke durch den Überhang der jeweils höheren Ebene.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Thomas Hawk (CC BY-NC 2.0)
(2) Quelle: Wikipedia, Urheber: Bjarke Ingels Group
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Malingering (CC BY-NC-ND 2.0)

Posted in Ballparks, MLB Tagged with: , ,

Juni 4th, 2020 by Silversurger

Seit rund vier Wochen verhandeln und streiten die Klubs und die Spieler um finanzielle Fragen, die einer MLB-Saison 2020 im Wege stehen – ein Ende dieses ziemlich unwürdigen Gezerres ist leider nicht in Sicht. Immerhin ein kleines Highlight für die Fans gibt es kommende Woche durch das Stattfinden der Draft. Derweil ist für viele Spieler der Minor Leagues der Traum von der MLB-Karriere letzte Woche geplatzt – und für alle Spieler im System der Oakland Athletics der Traum, dass sie ihrem Verein etwas wert sind. Aber lest selbst:

Am Mittwoch wird gedraftet
Die MLB-Draft wird nächste Woche stattfinden, allerdings nicht so wie gewohnt. Zum einen wird das Event wegen der Corona-Krise komplett virtuell vollzogen, zum anderen wird es sehr viel kürzer sein als sonst. Anstelle der üblichen 40 Runden gibt es dieses Mal nur 5 Durchgänge zur Auswahl von Spielern aus den Colleges und Highschools. Den Teams wird dadurch der Zwang genommen, in dieser Zeit der Unsicherheit zusätzliche Gehaltsempfänger verpflichten zu müssen. Anschließend an die 5 Draftrunden haben alle Klubs die Möglichkeit, unbegrenzt viele weitere Spieler für jeweils bis zu 20.000 Dollar unter Vertrag zu nehmen.

Pick Nummer eins haben dieses Jahr die Detroit Tigers, gefolgt von den Baltimore Orioles und den Miami Marlins. Die Houston Astros sind als Strafe für den Sign-Stealing-Skandal von der ersten und zweiten Draftrunde ausgeschlossen.

Der Favorit, als erstes vom Board zu gehen, ist 1B Spencer Torkelson (Arizona State), ein Powerhitter mit exzellenter Plate-Discipline. Außenseiterchancen, anstelle von Torkelson gewählt zu werden, hat der vielseitige IF/OF Austin Martin (Vanderbilt). Die am höchsten gehandelten Pitcher sind Linkshänder Asa Lacy (Texas A&M) und Rechtshänder Emerson Hancock (Georgia). Nicht ganz so hoch gerankt, aber schlagzeilenträchtig allein wegen seines Namens ist 3B/RHP Jaden Agassi. Der 18-jährige Sohn der Tennis-Legenden Steffi Graf und Andre Agassi hat frisch die Highschool abgeschlossen und gilt als talentiert genug, in einer der späteren Runden gewählt zu werden. Als wahrscheinlicher gilt aber, sowohl aufgrund der verkürzten Draft als auch weil Agassi sich noch von einer Tommy-John-Surgery am Wurfarm erholt, dass er die Profi-Karriere ein paar Jahre hinausschiebt und zunächst seine Einschreibung an der University of South California wahrnimmt.

Die Draft beginnt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 1 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Sie wird live auf ESPN und MLB Network übertragen; Letzteres ist Teil des Pakets von DAZN.

Streit um Gehälter dauert an
Wie eingangs schon erwähnt, zeichnet sich im Gehälterstreit zwischen den Klubs und den Spielern leider kein Kompromiss ab. Die Teambesitzer beharren auf ihrer Forderung nach stärkeren Gehaltskürzungen. Die Spielergewerkschaft MLBPA hat am letzten Wochenende ihren Gegenvorschlag vorgelegt, in dem sie eine 114-Spiele-Saison mit anteiligen Gehältern und einen Aufschub von Teilen der Gehaltszahlungen anbietet. Dies wurde von den Ownern erwartungsgemäß abgelehnt. Von ihrer Seite steht bislang kein neues Angebot, sondern eine Drohung im Raum: Wenn die MLBPA den angestrebten Kürzungen nicht zustimmt, könnte die Liga im Alleingang beschließen, dass eine ultrakurze Saison mit nur 48 bis 54 Saisonspielen gespielt wird. Auf diese Art würden die Gehälter automatisch drastisch sinken, da sie sich nach der bisherigen Regelung anteilig an der Zahl der durchgeführten Spiele bemessen. Theoretisch hat die MLB diese Möglichkeit, praktisch würde ein solches Vorgehen vermutlich zu einem Streik der Spieler führen.

Kein Dissens über Umstrukturierung
Ein Punkt, in dem sich die Liga und die Spieler offenbar geeinigt haben, ist die vorübergehende Umstrukturierung der Divisionen für die Saison 2020. Um lange Reisen zu vermeiden, soll die AL East mit der NL East zu einer Division aus 10 Teams zusammengelegt werden, ebenso die beiden Central-Divisonen und die beiden West-Divisionen. Alle oder fast alle regulären Saisonspiele sollen innerhalb der jeweiligen Division ausgetragen werden. Als Spielorte werden nach diesem Plan die gewohnten Heimstadien der Teams genutzt, die Designated-Hitter-Regel gilt bei allen Spielen. Auch bezüglich einer Erweiterung der Playoffs auf 14 Teams scheint man sich relativ einig zu sein, wenngleich das genaue Format der Postseason noch unklar ist.

Zahlreiche Minor Leaguer entlassen, Athletics stellen Zahlungen ein
Die MLB-Spieler jammern über die Winkelzüge der Owner zwar mit einigem Recht, aber immer noch auf hohem Niveau – um seine Existenz muss von ihnen jedenfalls niemand fürchten. Ganz anders sieht es derweil in den Minor Leagues aus. Im Unterbau des professionellen Baseballs herrscht weitreichende Unsicherheit: Wird es eine Saison 2020 geben? Wenn nein, bekommen die Spieler ihre ohnehin sehr niedrigen Gehälter trotzdem weiter? Wird zudem der schon vor Corona bestehende Plan umgesetzt, 42 Minor-League-Teams komplett einzusparen?

Letzte Woche gab es eine Entlassungswelle, bei der Hunderte Minor-League-Spieler von den Klubs freigesetzt wurden. Das war zwar eine unpopuläre und in vielerlei Hinsicht bedauerliche Maßnahme. Allerdings muss man sich dabei klar machen, dass solche Entlassungswellen jedes Jahr zum Ende des Spring Trainings üblich sind und somit erwartbar war, dass es auch dieses Jahr irgendwann dazu kommen würde.

Immerhin haben inzwischen fast alle MLB-Franchises entschieden, ihren verbleibenden Minor Leaguern zumindest die 400 Dollar pro Woche weiter zu bezahlen, auf die die Klubs sich ursprünglich bis 31. Mai geeinigt hatten. Auch die Washington Nationals, die die Zahlungen zunächst auf 300 Dollar reduzieren wollten, besannen sich schnell eines besseren, nachdem mehrere ihrer MLB-Spieler ankündigten, die Gehälter der Minor-League-Kollegen zur Not aus eigener Tasche aufstocken zu wollen. Der meines Wissens einzige Verein, der sich entschieden hat, sämtliche Minor Leaguer ab 1. Juni in unbezahlten Urlaub zu schicken, sind die Oakland Athletics. Die Entscheidung der A’s bedeutet, dass ihre Minor-League-Spieler nun erstens ohne Einkommen sind und sich zweitens noch nicht mal arbeitslos melden können, weil sie formal noch bei dem Klub angestellt sind. Um es deutlich zu sagen: Das ist eine Schande und beraubt in meinen Augen die Athletics sämtlicher Sympathien, die ich bisher für sie hatte.

Chris Archer fällt lange aus
Chris Archer, Pitcher der Pittsburgh Pirates, musste sich am Dienstag einer Operation zur Behandlung eines Thoracic-outlet-Syndroms unterziehen. Ob Archer überhaupt noch mal für die Pirates spielt, ist fraglich. Für 2020 fält er in jedem Fall aus, und für 2021 muss der Verein entscheiden, ob er die Option zur Vertragsverlängerung für 11 Millionen Dollar zieht. Ich rechne eher nicht damit, denn Archers Leistungen in Pittsburgh waren, nachdem er 2018 per Trade von den Tampa Bay Rays kam, bislang weitgehend enttäuschend. Hinzu kommt, dass nach dieser Art von OP, bei der üblicherweise eine Rippe ganz oder teilweise entfernt wird, um dem betroffenen Nerv Raum zu verschaffen, viele Pitcher – z. B. Matt Harvey, Tyler Thornburg, Tyson Ross – nicht mehr zur vollen Form gefunden haben.

Posted in Grand Slam, In eigener Sache, Minor Leagues, MLB Tagged with: , , , , , ,