Category: Ballparks

August 1st, 2018 by Dominik

Der USA-Urlaub ist seit gut einer Woche vorbei und beginnt bereits, hinter dem längst eingekehrten Alltag zu einer schönen Erinnerung zu verblassen. Aber halt, da war noch was – ich wollte doch hier von meinen Erfahrungen beim Besuch der MLB-Spiele auf meiner Reise berichten. Ich war beim Spiel der New York Mets gegen die Tampa Bay Rays am 8. Juli sowie bei dem der New York Yankees gegen die Mets am 21. Juli. Es waren nicht meine ersten, aber die ersten seit ich diesen Blog betreibe, und ich denke, ich kann mit diesem Bericht ein paar Fragen beantworten, die immer wieder mal aufkommen.

Tickets
Die erste Frage ist natürlich: Woher bekomme ich Tickets? Der einfachste Weg ist in den meisten Fällen der über mlb.com bzw. die jeweilige Unterseite des gastgebenden Vereins. Tickets für Einzelspiele gehen je nach Klub irgendwann im Zeitraum Dezember bis Februar in den Verkauf. In Boston, Chicago (Wrigley Field) und San Francisco sind Einzeltickets häufig knapp, in den anderen Stadien bekommt man meist relativ lange problemlos Tickets außer für besonders attraktive Spielpaarungen. In jedem Fall lohnt sich der Blick auf Weiterverkaufsplattformen wie Stubhub. Dort bekommt man auch dann Tickets, wenn ein Spiel offiziell bereits ausverkauft ist oder wenn der offizielle Verkauf noch gar nicht gestartet ist – unter anderem weil es immer Dauerkartenbesitzer gibt, die nicht zu jedem Spiel gehen und die nicht genutzten Tickets auf diese Weise anbieten.

Was mich betrifft, so habe ich in meiner grenzenlosen Vorfreude gnadenlos überbezahlt, indem ich für beide Partien frühzeitig Tickets auf Stubhub bestellt habe. Der Besuch im Citi Field hat mit allen Steuern und Gebühren 190 Dollar, der im Yankee Stadium 275 Dollar gekostet für jeweils vier Personen auf mittelguten Plätzen (ziemlich weit oben auf Höhe der ersten bzw. dritten Base). Da die Mets eine miese Saison spielen, gab es in den Wochen und Monaten nach meinem Kauf diverse Werbeaktionen, bei denen man vor allem in Citi Field deutlich bessere oder günstigere Tickets bekommen hätte. Aber sei’s drum, ich war froh, dass ich welche hatte und dass die Abläufe der Bestellung, Bezahlung und Zustellung (per Mail bzw. App) bei Stubhub sehr reibungslos und sicher waren. Eine Ergänzung noch zu den Preisen: Kinderermäßigungen gibt es in den MLB-Stadien in der Regel nicht. Ganz kleine Kinder (bis ca. 2 Jahre) kann man ohne Platzanspruch kostenlos mitnehmen, ältere zahlen den vollen Preis.

Wenn man sicher ist, dass ein Spiel nicht ausverkauft ist, kann man natürlich auch vor Ort ein Ticket am Schalter kaufen. Auf den Schwarzmarkt sollte man sich jedoch nicht verlassen. Je nach Team und Bundesstaat ist das entweder ganz verboten oder es existiert zumindest eine Bannmeile rund ums Stadion.

Anreise
Wenn der große Tag gekommen und mit den Tickets alles geklärt ist, kann es losgehen zum Stadion. Die Anreise mit dem Auto empfiehlt sich in New York nicht – allein schon aus Kostengründen, denn die Gebühren für Tunnel- und Brückenbenutzungen sowie für das Parken übersteigen die Kosten von öffentlichen Verkehrsmitteln erheblich, und der Verkehr ist auch alles andere als angenehm. Sowohl zum Yankee Stadium in der Bronx als auch zum Citi Field in Queens kommt man sehr bequem mit der Subway. Auf der Hinfahrt zum Stadion verteilen sich die Massen ganz gut, sodass die Züge normalerweise nicht überfüllt sind.

Am Stadioneingang finden die üblichen Sicherheitskontrollen statt. Die Regelung, was man mitnehmen darf, habe ich als relativ großzügig empfunden: Taschen bis zu einer Größe von 40x40x20cm, „normale“ Kameras (kein Profi-Equipment), versiegelte Wasserflaschen bis 0,6l und Schirme sind erlaubt.

Im Ballpark vor dem Spiel
Die Ballparks öffnen üblicherweise zwei Stunden vor Spielbeginn und wir waren zu beiden Spielen auch ziemlich früh da. Wenn man diese Gelegenheit nur alle paar Jahre hat, vergeht die Zeit vor dem Spiel wie im Fluge: In den Ballparks kann man sich unabhängig von der Lage des eigenen Sitzplatzes weitgehend frei bewegen und die Sicht aus unterschiedlichen Ecken testen. Es gibt diverse Geschäfte für Fanartikel, Verpflegungsstände und auch das eine oder andere richtige Restaurant. Wenn man Glück hat, kann man auch ein bisschen beim Batting Practice der Teams zusehen und versuchen, einen Ball zu fangen. Leider machen sie das Batting Practice nicht vor jedem Spiel bzw. nicht immer in der Zeit, in der der Ballpark schon geöffnet ist. In unserem Fall haben wir bei beiden Spielen kein Batting Practice mitbekommen. Immerhin haben wir aber im Citi Field die Reliever der Mets beim Warmwerfen vor dem Spiel hautnah beobachten können und die Kinder haben anschließend ein paar Autogramme sammeln können.

Generell hatte ich den Eindruck, dass man in Citi Field auf Grund der offeneren Bauweise des Stadions näher und leichter an die Spieler herankommt als im Yankee Stadium. Man kann das Stadion innen komplett umrunden, hinter dem Outfield ist eine große Freifläche mit weiteren Essensständen und Kinderunterhaltung, die verschiedenen Zuschauerränge sind durch offene Brücken und Rolltreppen verbunden. Das Innenleben des Yankee Stadiums hingegen ist bis auf den großzügigen Eingangsbereich eher düster und zu den oberen Ebenen führt eine endlos erscheinende Betonrampe.

Was mir in den MLB-Ballparks sehr viel besser gefällt als zum Beispiel in europäischen Fußballstadien, ist die zwanglose Durchmischung der „gegnerischen“ Fangruppen. Es gibt keine Blöcke, die gesichert und auseinander gehalten werden müssen, auch nicht bei einem Derby wie zwischen den Yankees und den Mets. Besonders interessant fand ich, dass man sehr viele Paare, Familien und Freunde gesehen hat, die offensichtlich Anhänger unterschiedlicher Teams und trotzdem zusammen beim Spiel waren. Warum auch nicht?

Während des Spiels
Ganz dem Klischee entsprechend ist auf den Zuschauerrängen während des Spiels sehr viel Bewegung, weil ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Manche Zuschauer nehmen ihre Plätze erst im vierten Inning ein und sind nach dem siebten wieder weg, andere verpassen jedes zweite Inning, weil sie ständig Nachschub an Essen und Getränken holen. Überhaupt ist der typische amerikanische Baseballzuschauer ständig am Essen. Getrunken wird übrigens deutlich weniger als in unseren Fußballstadien. Das dürfte nicht zuletzt mit den Preisen zusammenhängen, denn unter 10 Dollar für einen Becher Bier läuft gar nichts.

Die Stimmung bei den beiden Spielen, die wir besucht haben, war logischerweise sehr unterschiedlich: Bei den Mets gegen die Rays waren sehr wenige Zuschauer im Stadion, die offizielle Zahl von 24.653 scheint mir schon sehr großzügig gerechnet. Da die Leistung der Mets bei dem 0:9 desolat war und die Rays nicht viele Fans mitgebracht hatten, kam während des gesamten Spiels kaum Stimmung auf. Den einzigen echten Jubel erlebte ich im siebten Inning, als ein Single von Brandon Nimmo den No-Hitter von Nathan Eovaldi verhinderte. Da merkte man dann kurz, dass die deutliche Mehrheit der Zuschauer trotz sparsamer Emotionen durchaus mitgefiebert hatte und dass es für die Mets-Fans eine große Erleichterung war, wenigstens keinen No-Hitter gegen das eigene Team erleben zu müssen.

Die Partie der Yankees gegen die Mets war mit 47.102 Zuschauern so gut wie ausverkauft und es herrschte echte Derbystimmung. Beide Teams hatten viele Anhänger auf den Rängen – die Yankees natürlich ein paar mehr – und das Spiel war sehr eng und spannend. Jeder Strike wurde beklatscht, jeder Hit bejubelt und von beiden Seiten kamen hin und wieder sogar Sprechchöre auf – wenngleich diese („Let’s go Mets“ / „Let’s go Yankees“) relativ einfallslos waren. Das ist für mich der einzige Punkt, in dem der amerikanische Baseball gegen den europäischen Fußball verliert.

Nach dem Spiel 
Für mich war es selbstverständlich, bis zum Ende zu bleiben, aber bei beiden Spielen gingen viele Zuschauer bereits ab dem siebten Inning. Einige machen das ja generell so, aber die große Mehrheit richtet ihr Verhalten nach dem Spiel aus: Im Citi Field setzte die große Abwanderung in dem Moment ein, in dem der No-Hitter sein umjubeltes Ende gefunden hatte. Im Yankee Stadium gingen viele, als es nach sieben Innings 6:3 und nach acht Innings 7:3 für die Yankees stand. Als im neunten Inning Aroldis Chapman einen desolaten Auftritt hinlegte und das Spiel beinahe noch aus der Hand gab, verharrten allerdings fast alle noch verbliebenen Besucher bis zum Schluss auf ihren Plätzen.

Nach Spielende leerten sich beide Ballparks sehr zügig, auch die Spieler waren recht schnell weg. Bei den Mets erwartete uns anschließend noch eine Besonderheit: Nach den Sonntagmittagspielen gibt es den sogenannten Mr Met Dash. Das heißt, dass Familien mit Kindern bis 12 sich an einem speziellen Eingang anstellen können, von wo die Kinder aufs Feld gelassen werden und einmal die Bases umrunden dürfen. Für meine Jungs war das ein absolutes Highlight der gesamten Reise.

Durch die Teilnahme am Mr Met Dash war der gröbste Trubel rund um das Citi Field bereits vorbei, als wir die Abreise antraten. Anders war es beim Yankees-Spiel: Bis wir nach Spielende die lange Rampe bis zum Bodenlevel und anschließend den Weg zur Subway-Station zurückgelegt hatten, standen wir mitten im Hauptteil der Menschenmasse, die zurück in Richtung Manhattan wollte. Die Züge waren dann natürlich sehr voll, aber im Großen und Ganzen waren wir überrascht, wie schnell man in einer Bahn saß und wie rücksichtsvoll die Leute dabei miteinander umgingen.

Hier ein paar Impressionen von den beiden Ballpark-Besuchen:

(alle Fotos sind eigene Aufnahmen)

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Februar 20th, 2018 by Dominik

Dies ist der vorerst letzte Teil meiner kleinen Serie über die Ballparks der MLB. Da es noch viele interessante Stadien gibt, die ich bisher nicht besprochen habe, habe ich fest vor, die Serie in der nächsten Offseason fortzuführen. Zum vorläufigen Abschluss stelle ich heute noch mal eines der leider viel zu wenigen MLB-Stadien vor, die ich selbst schon besucht habe: Citi Field, die Heimat der glorreichen Mets im New Yorker Stadtteil Queens.

Ab nächster Woche wird sich hier auf Baseblog.de alles um die neue Saison drehen. Vor allem gibt es dann wie letztes Jahr wieder 30 Tage lang täglich eine Team-Vorschau.

Geschichte
Die New York Mets gibt es zwar erst seit 1962, aber Citi Field ist bereits ihr drittes Stadion: In den ersten beiden Jahren spielten die Mets in den Polo Grounds, dem früheren Ballpark der nach San Francisco umgezogenen New York Giants in Manhattan. 1964 wurde die erste eigene Heimspielstätte fertig, Shea Stadium im Flushing-Meadows-Park in Queens.

Luftaufnahme von Shea Stadium1

Das runde Shea Stadium war ein schöner und durchaus beliebter Ballpark, doch nach 44 Jahren hatte es seine Schuldigkeit getan und konnte von der Infrastruktur (Restaurants, Geschäfte, sanitäre Einrichtungen, Logen etc.) her nicht mehr mit modernen Stadien mithalten. Aus diesem Grund wurde beschlossen, gleich nebenan ein neues Stadion zu bauen. Die Finanzierung von über 600 Millionen Dollar wurde zu gut zwei Dritteln von den Mets getragen, wobei ein Großteil davon durch den Verkauf der Namensrechte an die Citigroup über 20 Jahre für 20 Millionen Dollar pro Jahr hereingeholt wurde. Den Rest des Geldes steuerten die Stadt und der Staat New York bei.

Der Bau konnte so geplant und umgesetzt werden, dass die Mets direkt von Shea Stadium nach Citi Field umziehen konnten, ohne dass eine Zwischenlösung nötig wurde: Citi Field wurde auf Sheas ehemaligem Parkplatz (im obigen Foto rechts neben dem Stadion) gebaut, nach der Eröffnung wurde Shea abgerissen und machte seinerseits einer Parkfläche Platz.

Das Eröffnungsspiel fand am 13. April 2009 zwischen den New York Mets und den San Diego Padres statt. Die Mets wurden ihrem Ruf als der liebenswerte Tollpatsch unter den MLB-Franchises gerecht, indem sie San Diegos Jody Gerut gleich im ersten At Bat den ersten Home Run erlaubten und das Spiel 5:6 verloren. Sportliche Highlights, die Citi Field in seiner erst neunjährigen Geschichte erlebt hat, waren das All-Star-Game 2013, drei Spiele der World Series 2015 sowie der bislang einzige No-Hitter in der Teamgeschichte der Mets durch Johan Santana am 1. Juni 2012.

Architektonische Auffälligkeiten
Citi Field ist ein liebevoll gestalteter Ballpark voller Anspielungen und Anlehnungen: Außen ist das Stadion sichtbar von Ebbets Field, der historischen Heimat der Brooklyn Dodgers, inspiriert. Das zeigt sich insbesondere am Haupteingang mit der von zahlreichen Bögen bestimmten Klinker- und Kalksteinfassade sowie der Jackie-Robinson-Rotunde, die man auf dem Weg ins eigentliche Stadioninnere duchquert. Beim Innendesign wurde viel vom einige Jahre zuvor ebenfalls vom Architekturbüro Populous geplanten PNC Park aufgegriffen. Zudem sind Brücken ein durchgängiges Motiv in Citi Field – dies spielt darauf an, dass New York City viele Brücken hat, dass die Mets eine Brücke in ihrem Logo aufweisen und dass die Mets sich seit ihrer Gründung als Brücke zu den New Yorker National-League-Teams der Vergangenheit – den Dodgers und den Giants – verstehen.

Citi Field mit der an Ebbets Field erinnernden Frontansicht2

Ein paar charakteristische Merkmale wurden aus dem Vorgänger Shea Stadium übernommen. Eines davon sind die in der MLB einzigartigen organgefarbenen Foul-Pfosten – in allen 29 anderen Stadien der Liga sind die Pfosten gelb. Eine weitere Tradition von Shea Stadium ist der „Big Apple“, ein großer roter Apfel, der hinter dem Center Field emporsteigt, wenn die Mets einen Homerun schlagen. Der Originalapfel aus dem alten Stadion steht heute als beliebtes Fotomotiv vor dem Eingang von Citi Field, innen hat ein mehr als viermal so großer Nachfolger den Job übernommen.

Ein willkommener Anblick für jeden Mets-Fan3

Ein im Jahr 2012 nachträglich hinzugefügtes Feature des Ballparks ist der ursprünglich Party City Deck genannte schmale Sitzplatzbereich über der Leftfield-Mauer. Möglich wurde diese kleine Erweiterung, die nach einem Sponsorenwechsel nun M&M Sweet Seats heißt, dadurch, dass das Feld an der Stelle etwas verkleinert wurde, um mehr Homeruns zu ermöglichen.

Spielbezogene Eigenheiten
Citi Field wurde mit Spielfelddimensionen gebaut, die nahezu identisch mit denen von Shea Stadium waren und das neue Stadion ebenso wie das alte zu einem pitcherfreundlichen Ballpark machten. Die Vereinsführung entschied zweimal, 2012 und 2015, die Outfield-Distanzen um ein paar Fuß zu verkürzen, um die Tendenzen des Stadions etwas ausgwogener zu gestalten. Aktuell misst die Spielfläche bis zu 408 Fuß (124 Meter) im Centerfield, 335 (102 Meter) bis 370 Fuß (113 Meter) im Leftfield und 330 (101 Meter) bis 380 Fuß (116 Meter) im Rightfield.

Trotz der Anpassungen ist Citi Field laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 immer noch das fünftschlechteste Stadion der Liga, was Runscoring insgesamt betrifft, das drittschlechteste für das Erzielen von Homeruns und das schlechteste für das Erzielen von Hits im Allgemeinen. Wobei sich das Attribut „schlecht“ nur auf die Sicht der Batter bezieht; für Pitcher hingegen ist Citi Field ein sehr angenehmer Arbeitsort.

Wo sitzt man am besten?
New York ist ein teures Pflaster, das merkt man auch den Eintrittspreisen von Citi Field deutlich an. Für die richtig guten Plätze – nicht zu hoch und hinter der Homeplate oder den Baselines gelegen – zahlt man meist dreistellige Beträge, bei attraktiven Gegnern oder Terminen ist man schnell im hohen dreistelligen Bereich. Das unten stehende Foto stellt die Sicht aus einem Bereich der Kategorie „Metropolitan Bronze“ dar, die je nach Spiel zwischen 82 und 268 Dollar kostet. Kann man mal machen, aber gerade wenn man mit Familie unterwegs ist, schlägt hier finanziell schnell ein kleiner „Urlaub im Urlaub“ zu Buche.

Sitzkategorie Metropolitan Bronze4

Dank der modernen Bauweise kann man in Citi Field nahezu bedenkenlos auch günstigere Plätze wählen, die Sicht ist fast überall sehr gut. Vermeiden sollte man lediglich die ersten Reihen der obersten Ebene (Blöcke im 500er Bereich), da hier teilweise Geländer und Treppenaufgänge die Sicht einschränken, sowie die hinteren Reihen der Blöcke 536 bis 538, bei denen mitunter das Scoreboard stört. Ich saß mal in Reihe 9 von Block 505 (siehe Foto unten) und konnte das Spiel durchaus genießen, auch wenn man dort oben natürlich nicht in der Position ist, über Balls und Strikes zu diskutieren.

Blick von hoch über dem Rightfield (Block 505)5

Für All-Inclusive-Fans und Balljäger sind die schon erwähnten M&M Sweet Seats auf der Leftfield-Mauer interessant. Dort landen relativ viele Homeruns und man wird bis zum Abwinken mit Essen und Getränken bedient. Allerdings werden diese Plätze nur an Gruppen ab 15 Personen verkauft.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Geographer (CC BY SA 3.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
3,4,5 Eigene Aufnahmen

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Februar 13th, 2018 by Dominik

In der Serie über die Ballparks der MLB geht es heute um das drittälteste Stadion der MLB. Mit einem Fassungsvermögen von 56.000 Zuschauern ist Dodger Stadium auch der größte Ballpark der Liga. Obwohl es eher selten ausverkauft ist, führt das Stadion fast jedes Jahr die Rangliste der meisten Besucher an.

Geschichte
Als die Brooklyn Dodgers 1958 von New York nach Los Angeles zogen, war unmittelbar klar, dass für sie ein neues Stadion her musste. Zwar konnten die Dodgers für eine Übergangszeit das Los Angeles Memorial Coliseum nutzen, doch dieses war (und ist bis heute) auf Football ausgerichtet und von den Dimensionen her schlecht für Baseball geeignet. Dodgers-Owner Walter O’Malley hatte das Glück, dass er bei der Suche nach einem Bauplatz von einem gescheiterten Projekt der Stadt profitierte: Diese hatte zunächst unter viel Streit und Ärger die komplette mexikanisch-amerikanische Siedlung des Stadtteils Chavez Ravine aufgelöst, doch ihre Pläne für öffentlichen Wohnungsbau an der Stelle wurden als „sozialistisch“ gebrandmarkt und fallen gelassen. O’Malley kam mit seinen Stadionplänen gerade richtig, um das Land günstig zu erwerben und die verärgerte Bevölkerung zu versöhnen.

Dodger Stadium, mitten in der Stadt1

Für den Stadionbau wurden buchstäblich Berge versetzt: Über 6 Millionen Kubikmeter Boden und Gestein mussten bewegt werden, um in den Hügeln von Los Angeles eine geeignete Fläche zu schaffen. Als zusätzliche Erschwernis kam es kurz vor der geplanten Fertigstellung zu schweren Frühjahrsstürmen. Dennoch war der Bau letztlich innerhalb von drei Jahren pünktlich zum geplanten Eröffnungsspiel abgeschlossen, das die Dodgers am 10. April 1962 gegen die Cincinnati Reds absolvierten. Das Spiel ging 3:6 verloren und auch der erste Homerun des Stadions ging durch Wally Post im siebten Inning an die Gäste.

Dodger Stadium hat als Heimat der Dodgers zahlreiche sportliche Highlights erlebt, unter anderem Spiele der World Series 1963, 1965, 1966, 1974, 1977, 1978, 1981, 1988 und 2017. Darüber hinaus beherbergte das Stadion von 1962 bis 1965 auch die Los Angeles Angels, 1980 das All-Star-Game, 1984 das Baseballturnier der Olympischen Spiele sowie 2009 und 2017 die Endrunde des World Baseball Classic.

Architektonische Auffälligkeiten
Die auffälligsten äußeren Merkmale von Dodger Stadium sind die geschwungene Dachkonstruktion über den Outfield-Tribünen sowie das quaderförmige Gebäude mit Dodgers- Schriftzug, das sich direkt hinter der Homeplate von der höchsten Sitzebene erhebt und einen über zehn Stockwerke reichenden Aufzug enthält. Seinen Sitzbereich kann man auch ohne Aufzug oder Treppe erreichen, denn die Parkplätze sind terrassenförmig angelegt, sodass man als Ticketbesitzer gleich auf der richtigen Ebene parken kann.

Das Wahrzeichen von Dodger Stadium2

Mit Dimensionen von 375 Fuß (114 Meter) im linken und rechten Außenfeld sowie 400 Fuß (122 Meter) im Centerfield ist Dodger Stadium einer von nur vier symmetrisch angelegten MLB-Ballparks und der einzige der National League.

Eine weitere Besonderheit, auch wenn sie nicht direkt sichtbar ist, ist die erdbebensichere Bauweise des Stadions. Tatsächlich hat Dodger Stadium im Laufe der Jahrzehnte mehrere ernste Erdbeben schadlos überstanden.

Spielbezogene Eigenheiten
Dodger Stadium gilt als ein pitcherfreundlicher Ballpark. Dafür spricht, dass es in dem Stadion schon zwölf No-Hitter gab, davon zwei perfect Games. Nur Fenway Park in Boston hat noch zwei No-Hitter mehr, aber neun davon trugen sich bereits in den 50 Jahren zu, bevor Dodger Stadium überhaupt eröffnet wurde.

Die Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 bestätigen den Ruf der Pitcherfreundlichkeit nur zum Teil: Die Wahrscheinlichkeit für Homeruns in Dodger Stadium entsprach in dem Jahr ungefähr dem Ligadurchschnitt und auch bei den Runs insgesamt landet der Park im Mittelfeld der MLB. Für die Pitcherfreundlichkeit spricht, dass es in Los Angeles deutlich seltener als in fast allen anderen Stadien zu Triples und zu Walks kommt.

Wo sitzt man am besten?
Tickets für reguläre Saisonspiele sind meist problemlos erhältlich, mit Ausnahme besonderer Begegnungen wie gegen die Giants, die Angels oder die Yankees. Eine sehr gute Sicht oberhalb des Infields hat man von den Loge-Box-Sitzen in den Sections 101 bis 136 ab 60 Dollar.

Weniger empfehlenswert sind einige sehr hoch gelegene Plätze – zum Beispiel in den Sections Reserve 22 und höher -, auf denen man angesichts der Größe und des relativ moderaten Anstiegs des Stadions wirklich weit weg vom Geschehen sitzt. Preisbewusste Besucher sollten sich eher an die Plätze auf dem Top Deck 1 bis 13 halten. Die liegen zwar auch weit oben, aber zumindest um die Homeplate herum mit entsprechend guter Aussicht. Man bekommt die Tickets für diese Sitze je nach Matchup schon ab 14 Dollar, Kinder erhalten an der Tageskasse rund 50% Rabatt.

Dodger Stadium mit Aussicht auf die Elysian Hills3

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: kla4067 (CC BY 2.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Ken Lund (CC BY SA 2.0)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Frederick Dennstedt (CC BY 2.0)

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Februar 6th, 2018 by Dominik

Die bisherigen Artikel der Serie über Ballparks der MLB haben zwar schon gezeigt, dass jedes MLB-Stadium seine Besonderheiten hat und keines wie das andere ist. Aber kein Ballpark fällt so sehr aus dem Rahmen wie Coors Field in Denver. Der Grund dafür ist seine Lage in 1.580 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Es ist damit mit großem Abstand das höchstgelegene Stadion der Liga, gefolgt vom gerade mal 340 Meter hohen Chase Field in Phoenix. In dieser Höhe fliegen die Bälle anders und auch für die Körper der Sportler ist die dünnere Luft eine Umstellung. Dadurch gilt Coors Field allgemein als der Ballpark mit dem größten Heimvorteil.

Geschichte
Coors Field wurde von 1992 bis 1995 für die neu gegründeten Colorado Rockies gebaut. In den ersten beiden Jahren nach der Ligaerweiterung, 1993 und 1994, teilten sich die Rockies  Mile High Stadium mit dem NFL-Team Denver Broncos. Dort zog die neue MLB-Franchise so viele Zuschauer an, dass man die Planung des eigenen Ballparks während des Baus anpasste. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen 43.800 erhielt Coors Field eine Kapazität von 50.200 Plätzen.  Beim Ausheben der Baugrube wurden an der für das Stadion vorgesehenen Stelle mehrere Dinosaurierknochen gefunden, darunter ein über zwei Meter langer und 450 Kilogramm schwerer Triceratops-Schädel. Dies führte zur Erfindung von Dinger, dem Dino-Maskottchen der Rockies.

Der Haupteingang von Coors Field1

Den Planern des Ballparks war von Anfang an bewusst, dass die Bälle in der dünnen und trockenen Höhenluft weiter fliegen würden als anderswo. Dem versuchte man entgegen zu wirken, indem das Outfield besonders groß angelegt wurde. Über den Erfolg dieser Maßnahme kann man geteilter Meinung sein: Mit einem „normalen“ Outfield gäbe es sicher noch mehr Homeruns in Coors Field; allerdings hat man sich durch die großen Dimensionen zusätzlich den Effekt eingehandelt, dass aufgrund der langen Wege auch mehr Doubles und Triples geschlagen werden als in anderen Ballparks. Aber dazu später mehr.

Das erste offizielle Spiel in Coors Field war die Begegnung der Colorado Rockies gegen die New York Mets am 26. April 1995. Es war ein würdiges Eröffnungsspiel mit einem 14-Inning-Offensivfeuerwerk, das die Rockies durch einen Walk-off-Homerun von Dante Bichette 11:9 gewannen. Die Ehre des ersten Home Runs nahm allerdings Ricky Brogna von den Gästen mit, der den Ball im vierten Inning gegen Starter Bill Swift über den Zaun beförderte.

Das sportliche Highlight in der Geschichte von Coors Field war die World Series 2007 mit zwei Heimspielen der Rockies gegen die Boston Red Sox. Die Red Sox gewannen beide Spiele und machten damit einen 4:0-Sweep der Serie perfekt.

Architektonische Auffälligkeiten
Der Star in diesem Stadion sind eindeutig die Berge. Das gilt sowohl für die Aussicht, die man zumindest von einigen Plätzen genießt, als auch für einige besondere Features wie zum Beispiel die lila Sitzreihe zwischen den ansonsten grünen Reihen: Sie markiert die Linie, an der man genau eine Meile (1.609 Meter) über dem Meeresspiegel sitzt. Eine weitere Anspielung auf die Umgebung befindet sich hinter dem Centerfield in Form einer Rockie-Mountains-Landschaft im Miniaturformat. In deren Mitte plätschert ein Springbrunnen, dessen Fontänen in die Höhe schießen, wenn die Rockies einen Homerun erzielen.

Links die Rockpile-Seats, rechts oben die Mile-High-Reihe, in der Mitte die Homerun-Fontäne2

Spielbezogene Eigenheiten
Coors Field ist der hitterfreundlichste Ballpark der MLB. Das liegt vor allem an den drei oben erwähnten Faktoren: geringe Luftdichte, geringe Luftfeuchte und ein Outfield mit langen Wegen für die Feldspieler. Das ist natürlich ein großer Vorteil für die Heimmannschaft, die unter diesen Bedingungen trainiert, die Hälfte ihrer Spiele in ihnen absolviert und gezielt für sie zusammengestellt wurde. Man ist aber in Denver durchaus bemüht, die Effekte des Ballparks abzumildern: Als man 2002 nach Studien zu dem Ergebnis kam, dass die stärkste Ursache für die vielen Homeruns nicht in der Dichte der Luft besteht sondern in ihrer Trockenheit, begann man damit, die Bälle in einer speziellen Feuchtigkeitskammer zu lagern. Die Auswirkungen dieser Maßnahme sind statistisch klar erkennbar; sie lassen den Abstand zwischen Coors Field und anderen Ballparks in Sachen Homerun-Wahrscheinlichkeit zwar nicht verschwinden, aber er ist dadurch deutlich geringer geworden.

Pitcher hassen Coors Field und zwar nicht nur wegen der weit fliegenden geschlagenen Bälle. Die Höhenluft wirkt sich nämlich auch auf das Flugverhalten der Pitches aus. Vor allem Curveballs verlieren in der dünnen Luft spürbar an Rotation. Dadurch gelingen weniger Strikeouts und den Pitchern gehen Variationsmöglichkeiten verloren.

Die Liste der Ballpark-Faktoren von ESPN führt Coors Field Jahr für Jahr an, sowohl in Sachen Homeruns als auch wegen der vielen Doubles und Triples durch das weitläufige Outfield. Der deutlichste Beleg dafür, wie stark Coors Field die Schlagleistung beeinflusst, ist ein Blick auf das Run-Scoring der Rockies: Sie zählen jedes Jahr zu den Top-Teams hinsichtlich erzielter Runs in Heimspielen, während sie gleichzeitig bei Runs in Auswärtsspielen immer in der unteren Hälfte der Rangliste stehen.

Wo sitzt man am besten?
Erfreulicherweise zählt Coors Field zu den günstigeren Stadien der MLB. Wenn man während des Spiels den Blick auf die Rocky Mountains genießen will, empfehlen sich die Sections 323, 325 und 326. Für 15 bis 23 Dollar verfolgt man von dort das Spiel aus der Vogelperspektive entlang der First-Base-Linie. Wenn man sich etwas Luxus gönnen möchte, bieten sich die Infield Club Seats der Blöcke 221 bis 241 an – diese sind nah am Feld, besonders groß und bequem und man wird sogar am Platz bedient. Mit 64 bis 75 Dollar sind sie nicht billig, aber im Vergleich mit ähnlichen Plätzen in Boston oder New York doch sehr erschwinglich. Weniger luxuriös, dafür noch näher am Geschehen und vom Preisniveau etwa gleich sitzt man hinter den Dugouts der Rockies (Sections 121 bis 125) oder der Gäste (Sections 136 bis 140).

Wer beim Besuch des Stadions auf Schonung des Geldbeutels wert legt, für den hat Coors Field eines der größten Schnäppchen der Liga zu bieten: die sogenannten Rockpile Seats (Sections 401 bis 403). Der Rockpile ist eine hinter dem Centerfield gelegene Tribüne mit einfachen Sitzbänken ohne Rückenlehne. Die Rockpile-Plätze werden größtenteils an der Tageskasse verkauft und sind mit je nach Spiel 4 bis 11 Dollar sensationell günstig. Für Kinder bis 12 und Senioren ab 55 kosten sie sogar nur einen Dollar.

Panorama-Ansicht von Coors-Field3

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Brianvaltierra (CC BY SA 4.0)
2 Quelle: Flickr, Urheber: Ken Lund (CC BY SA 2.0)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Eric Kilby (CC BY 2.0)

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Januar 30th, 2018 by Dominik

In meiner Serie über Ballparks der MLB geht es heute nach Chicago. Dort stehen gleich zwei MLB-Stadien, aber die Fans der White Sox werden mir hoffentlich verzeihen, wenn ich sage, dass Wrigley Field das weitaus interessantere der beiden ist. Neben Fenway Park in Boston ist Wrigley Field der einzige noch in Betrieb befindliche Ballpark, der schon über hundert Jahre auf dem Buckel hat. Der Abstand von diesen beiden zu Rang 3 ist enorm: Dodger Stadium in Los Angeles ist „nur“ 56 Jahre alt.

Geschichte
Wrigley Field wurde 1914, zunächst unter dem Namen Weeghman Park, innerhalb von nur zwei Monaten erbaut. Es fasste zu Beginn 14.000 Zuschauer und war die Heimstätte der Chicago Federals. Diese spielten in der Federal League, einer Konkurrenzliga der National League und American League, die allerdings nur kurz Bestand hatte und schon 1915 wieder eingestellt wurde. Charles A. Weeghman, der Owner der Federals, kaufte daraufhin für 500.000 Dollar die Chicago Cubs, vereinigte die beiden Teams und ließ sie in das Stadion einziehen. Im Laufe der folgenden Jahre verkaufte Weeghman nach und nach Anteile des Klubs, bis schließlich um das Jahr 1920 der Kaugummi-Unternehmer William Wrigley Mehrheitseigner war. Der Ballpark wurde zunächst in Cubs Park und 1927 in Wrigley Field umbenannt.

Im Laufe seiner langen Geschichte wurde Wrigley Field immer wieder renoviert und erweitert. Die einschneidendsten Maßnahmen fanden 1922/23 statt, als die neuen Besitzer entschieden, das Stadion zu vergrößern, aber die bestehenden Strukturen beizubehalten. Dazu wurde die Haupttribüne in drei Teile zerschnitten und der mittlere und linke Teil wurden auf Rollen gesetzt, um sie auseinander zu ziehen. Das klingt unglaublich, hat aber funktioniert. Die entstehenden Lücken wurden durch neue Tribünen gefüllt, sodass der Park am Ende der Renovierung rund 31.000 Zuschauer fasste. Den Wrigleys war das noch nicht genug, weswegen sie 1927 eine zweite Etage auf die Haupttribüne bauen ließen, was die Kapazität auf über 38.000 erhöhte.

Tribüne auf Rollen: Der spektakuläre Umbau 1922/231

Spätere Maßnahmen betrafen vor allem die ursprünglich hölzernen Außentribünen: 1937 wurden sie durch Steinbauten ersetzt, welche wiederum 2006 erneuert und erweitert wurden, sodass das heutige Fassungsvermögen von  41.649 entstand. Bei dem Umbau 1937 erhielt Wrigley Field auch sein Wahrzeichen, die efeubewachsene Outfieldwand.

Wrigley Field war für lange Zeit das letzte Stadion der MLB, das ohne Flutlicht betrieben wurde. Eigentlich sollte schon 1942 eine Flutlichtanlage installiert werden, doch der japanische Angriff auf Pearl Harbor und der folgende Kriegseintritt der USA führten dazu, dass das vorgesehene Material für militärische Bedürfnisse gespendet wurde. Später führten Bestrebungen zur Installation einer Beleuchtung zu Widerständen sowohl bei den Einwohnern rund um das Stadion, die um ihre abendliche Ruhe fürchteten, als auch bei anderen Fans, die Tageslicht-Baseball als eine besondere Tradition der Cubs ansahen und als solche verteidigen wollten. 1988 war es dann aber doch soweit, nachdem die Liga bereits angedroht hatte, das Stadion von Postseason-Spielen auszuschließen, wenn es weiterhin ohne Flutlicht bliebe. Bis heute ist aber die Zahl der Flutlichtspiele in Wrigley Field aus Rücksicht auf die Befindlichkeiten und Traditionen vertraglich limitiert.

Architektonische Auffälligkeiten
Das ganze Stadion ist allein schon durch seine über mehr als ein Jahrhundert gewachsene Struktur absolut einzigartig. Das berühmteste Feature von Wrigley Field ist aber die Begrenzung des Outfields, die von dichtem Efeu bewachsen ist. Dicht ist es jedenfalls im späteren Verlauf der Saison – zu Beginn einer Spielzeit haben die Blätter noch nicht ausgetrieben, mit der Zeit wird der Bewuchs dann immer dicker und grüner und wenn die Cubs es in die Playoffs schaffen, dann erlebt man mitunter auch die herbstliche Rotfärbung noch innerhalb der Baseballsaison.

Efeu im Outfield, darüber die „Baskets“2

Ebenfalls absolut einzigartig ist, dass es Zuschauerplätze nicht nur im Stadion gibt, sondern auch auf den umliegenden Häusern. Schon seit der Errichtung des Ballparks gab es Beobachter auf den Dächern entlang der Waveland Avenue hinter dem Leftfield und der Sheffield Avenue hinter dem Rightfield. Es handelte sich in der Regel nur um ein paar Dutzend Anwohner oder Bekannte mit Klappstühlen. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts uferte die Sache aus, indem von den Hauseigentümern regelrechte Tribünen aufgebaut und Tickets verkauft wurden. Den Cubs war dies ein Dorn im Auge und sie versuchten, gerichtlich dagegen vorzugehen. Schließlich kam es zu einer Einigung mit den meisten der Eigentümer, dass die Plätze weiter verkauft werden dürfen und ein Teil des Erlöses an die Cubs abzuführen ist. Es kam dennoch immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten, zum Beispiel über den Bau einer neuen Anzeigetafel, die für einige der sogenannten Rooftop-Plätze die Sicht behindert. Um die Streitigkeiten dauerhaft zu beseitigen, haben die Cubs begonnen, die betreffenden Häuser zu kaufen und inzwischen einen Großteil davon unter ihre Kontrolle gebracht.

Im Hintergrund die vielleicht außergewöhnlichsten Zuschauerplätze der MLB3

Spielbezogene Eigenheiten
Die Ballparks der MLB sind so verschieden, dass es in fast jedem davon spezifische Groundrules gibt, also Regeln, die nur für diesen Ballpark gelten. Wrigley Field ist die Heimat der wohl berühmtesten Groundrule: Wenn ein Ball im Efeu der Outfieldwand stecken bleibt, rücken der Batter und alle Runner automatisch je zwei Bases vor; das gilt allerdings nur, wenn der Outfielder keinen Versuch unternimmt, den Ball zu befreien, und wenn der Ball nicht von alleine wieder herausfällt. Andernfalls bleibt der Ball im Spiel.

Eine andere besondere Regel lautet, dass jeder Ball, der innerhalb der „Baskets“ landet – das sind die über den Outfieldwänden angebrachten nach innen geneigten Maschendrahtzäune –, ein Homerun ist. Das außergewöhnliche daran ist, dass wegen der Neigung der Zäune Homeruns möglich sind, die kürzer sind als die eigentliche Distanz bis zur Outfieldwand.

Laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 ist Wrigley Field einer der hitterfreundlicheren Ballparks der Liga. Das ist allerdings allenfalls die halbe Wahrheit, denn bei näherer Betrachtung zeigt sich erstens, dass das Stadion zu rechtshändigen Battern deutlich freundlicher ist als zu linkshändigen, und zweitens, dass die berühmten Chicagoer Winde eine wichtige und größtenteils unvorhersagbare Rolle dabei spielen, wie leicht oder schwer es an einem gegebenen Tag ist, einen Homerun aus dem Feld zu schlagen. Wenn dies  gelingt, fliegt der Ball übrigens oft nicht nur aus dem Feld sondern gleich ganz aus dem Stadion. Aus diesem Grund halten sich während des Batting Practices und des Spiels regelmäßig Ballhawks, also nach Bällen gierende Menschen, auf den Waveland und Sheffield Avenues auf, den Straßen zwischen dem Ballpark und den Rooftop-Tribünen.

Wo sitzt man am besten?
Wrigley Field ist eines von drei MLB-Stadien (die anderen sind Fenway Park und AT&T Park), die sehr häufig ausverkauft sind. Möchte man ein Spiel besuchen, so findet man meist nur wenige Tickets im direkten Verkauf, aber über die gängigen Weiterverkaufs-Plattformen wie Stubhub wird man in der Regel – mal mehr, mal weniger günstig – fündig.

Bei der Sitzauswahl ist zu beachten, dass es durch die altmodische Bauweise viele Plätze gibt, von denen die Sicht durch tragende Pfosten eingeschränkt ist. Insbesondere die oberen Bereiche der Sections 205 bis 239 und 503 bis 538 sind davon betroffen. Sehr gute Sicht auf Höhe des Infields hat man in den Sections 111 bis 131 (ganz nah am Geschehen) und 411 bis 430 (aus der Vogelperspektive und relativ preiswert).

Wer das ganz besondere Erlebnis sucht, muss natürlich auf eines der Rooftops. Die meisten Anbieter der Dachplätze haben sich auf Gruppen von zehn oder mehr Personen spezialisiert, man findet aber auch Angebote für Einzeltickets. Diese kosten in der Regel 100 bis 200 Dollar, oft als All-inclusive-Deal mit Essen und Getränken. Man bekommt auch diese Tickets über die gängigen Plattformen, zudem gibt es ein paar eigene Websites der Betreiber.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Unbekannt (Public Domain)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: jimcchou (CC BY 2.0)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Unique View (CC BY 2.0)

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Januar 23rd, 2018 by Dominik

Im dritten Teil der Ballparks-Serie stelle ich zum ersten Mal einen Ballpark an der Westküste vor. Der AT&T Park in San Francisco ist wohl der einzige in der Liga, der es mit dem letzte Woche vorgestellten PNC Park in Sachen Aussicht aufnehmen kann.

AT&T Park mit dem herrlichen Blick über die Bay bis nach Oakland1

Geschichte
Der Ballpark ist seit dem 11. April 2000 die Heimat der San Francisco Giants. Diese bzw. ihr damaliger Owner Peter Magowan finanzierten das 357 Millionen Dollar teure Stadion auf eigene Faust. Es war damit der erste rein privat finanzierte Ballpark seit der Eröffnung von Dodger Stadium im Jahr 1962. Das Land, auf dem er steht, haben die Giants allerdings nur gemietet. 1,2 Millionen Dollar überweisen sie dafür im Rahmen eines 66 Jahre lang laufenden Vertrages jährlich an die Hafenverwaltung von San Francisco.

An das Eröffnungsspiel denkt man in San Francisco sicher nur sehr ungern zurück: Mit 5:6 unterlag man ausgerechnet dem ewigen Rivalen, für den Kevin Elster drei Homeruns erzielte, darunter den ersten in der Geschichte des Parks. Das Stadium wurde eröffnet mit einem Fassungsvermögen von 40.800 Zuschauern, innerhalb der ersten Jahre seines Bestehens aber mehrfach um einige Plätze erweitert, sodass nun 41.915 Leute hineinpassen. Mit etwas gutem Willen lässt sich auch ein bisschen mehr herausholen, so zum Beispiel während der Playoffs 2010, als einem NLDS-Spiel gegen die Braves 44.046 Zuschauer beiwohnten. Noch mehr Menschen passen natürlich hinein, wenn beispielsweise für Konzerte Teile des Innenraums geöffnet werden. Die Rekordzahl von 50.786 erreichte die Dave Matthews Band am 12. August 2005.

Einige Jahre lang zog der Ballpark an der Bay Spott auf sich, weil er häufig seinen Namen wechselte. Die Namensrechte wurden zwar schon während der Planungsphase für 24 Jahre von der Telefongesellschaft Pacific Bell erworben, doch weil diese von SBC Communications übernommen wurde, hieß das als „Pacific Bell Park“ eröffnete Stadion ab 2004 „SBC Park“. Diesen Namen behielt es nur knapp zwei Jahre lang, bis es nach einer weiteren Übernahme zum „AT&T Park“ umgetauft wurde.

Architektonische Auffälligkeiten
AT&T Park weist zahlreiche Parallelen zum PNC Park in Pittsburgh auf, auch wenn die von Stahl, Klinker und zwei 37 Meter hohen Uhrtürmen dominierte Außenfassade sich deutlich von diesem unterscheidet. Beide Stadien beziehen einen guten Teil ihrer Schönheit aus der Lage direkt am Wasser, beide haben des Ausblicks wegen sehr niedrige Outfield-Tribünen und beide haben im Rightfield eine Mauer stehen, deren Höhe sich an einem legendären Spieler des Teams orientiert: In Pittsburgh ist sie 21 Fuß (6,4 Meter) hoch wegen der Rückennummer von Roberto Clemente, in San Francisco 24 Fuß (7,3 Meter) wegen Willie Mays. Die Parallelen sind unter anderem darin zu begründen, dass beide Stadien mit nur einem Jahr Abstand vom gleichen Architekturunternehmen gebaut wurden. Die Planer des Unternehmens Populous zeichnen übrigens nicht nur für diese beiden, sondern für gut die Hälfte aller aktuellen MLB-Ballparks verantwortlich.

Panorama-Ansicht von AT&T Park mit der Bay Bridge im Hintergrund und ganz rechts den Kajak-Paddlern in McCovey Cove2

Anders als in PNC Park kommt es regelmäßig – das heißt mehrmals im Jahr – vor, dass Homeruns ins angrenzende Gewässer fliegen. Solche Homeruns, sofern sie von Giants-Spielern erzielt werden, werden unter der Bezeichnung „Splash Hits“ auf einer speziellen Anzeigetafel gezählt. Die betreffenden Bälle sind besonders beliebt bei Souvenirjägern, die großen Einsatz treiben, um einen davon zu erobern. Fischernetze, Boote, Kajaks und Neoprenanzüge sind nur einige der zahlreichen Vorkehrungen, mit denen sie am und auf dem McCovey Cove genannten Teil der Bay auf die Sammlerstücke lauern.

Willie Mays ist omnipräsent: Den Haupteingang zieren seine Statue sowie 24 Palmen in Gedenken an die Rückennummer 243

Spielbezogene Eigenheiten
Obwohl Barry Bonds hier einen guten Teil seiner Homerun-Rekorde eingefahren hat, ist AT&T Park kein hitterfreundlicher Ballpark. Die Outfielddimensionen sind mit 399 Fuß (122 Meter) im Centerfield, 404 Fuß (123 Meter) im mittleren Leftfield und 421 Fuß (128 Meter) im mittleren Rightfield recht groß. Nur dem äußeren Rightfield (309 Fuß, 94 Meter) war beim Bau durch die Lage an der Bay eine enge natürliche Grenze gesetzt, die aber durch die oben erwähnte Mauer wettgemacht wird.

Laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 ist AT&T Park das ungünstigste Pflaster der ganzen MLB für das Erzielen von Homeruns und das viertschlechteste für das Erzielen von Runs insgesamt. Vor allem Homeruns von Linkshändern sind in diesem Stadion nicht nur deshalb besonders spektakulär, weil sie manchmal in McCovey Cove landen, sondern auch weil sie so selten vorkommen.

Wo sitzt man am besten?
Gemeinsam mit Fenway Park und Wrigley Field gehört AT&T Park zu den Stadien der MLB, die sehr häufig ausverkauft sind und deren Besuch man daher sorgfältig planen sollte, selbst wenn es um ein Spiel unter der Woche und gegen einen vermeintlich weniger attraktiven Gegner geht.

Wie in fast allen Ballparks hat man die beste Sicht von den Field-Level-Plätzen um das Infield herum (Section 107-124). Mit 85 bis 250 Dollar pro Ticket sind das – von besonderen Logen abgesehen – natürlich auch die teuersten Plätze. Ein guter Kompromiss zwischen Preis und guter Sicht sowohl aufs Spielfeld als auch auf die Bay sind die View Boxes der Sections 304 bis 308, die man je nach Spiel für 22 bis 48 Dollar bekommt.

In San Francisco gibt es sogar eine Option für den Fall, dass man entweder leer ausgegangen ist oder überhaupt kein Geld für einen Stadionbesuch ausgeben, aber trotzdem mal ein bisschen Atmosphäre schnuppern möchte: Zwischen Rightfield und McCovey Cove gibt es einen Weg direkt am Wasser, von dem aus man das Spiel durch einen Zaun verfolgen kann. Der Zugang zu dieser Stelle ist begrenzt auf 24 Personen und drei Innings, das heißt nach dem dritten, sechsten und ggf. neunten Inning wird der Bereich geräumt und 24 neue Zaungäste dürfen die Plätze einnehmen.

Noch ein gut gemeinter Tipp: Zieht euch warm an, wenn ihr AT&T Park besucht. In San Francisco ist es auch im Sommer oft windig und/oder neblig und für den Standort des Stadions direkt an der Bay gilt das ganz besonders.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Coasttocoast (CC BY-SA 3.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Daniel Schwen (CC BY-SA 2.5)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Dllu (CC BY-SA 4.0)

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Januar 16th, 2018 by Dominik

Im zweiten Teil der Ballparks-Serie geht es nach Pittsburgh: Dort spielen die Pirates im PNC Park, einem der schönsten Baseballstadien von allen, auch und insbesondere was die Lage und Aussicht betrifft.

Frontansicht von PNC Park mit der Statue von Honus Wagner1

Geschichte
PNC Park wurde von 1999 bis 2001 erbaut und stellte damit direkt einen Rekord auf: Mit knapp unter 24 Monaten Bauzeit war es der am schnellsten errichtete MLB-Ballpark aller Zeiten. Das Eröffnungsspiel fand am 9. April 2001 statt und ging für die Pittsburgh Pirates mit 2:8 gegen die Cincinnati Reds verloren. Auch der erste Hit – gleichzeitig der erste Homerun – im neuen Stadion ging an die Gastmannschaft, erzielt ausgerechnet durch den in Pittsburgh aufgewachsenen First Baseman der Reds, Sean Casey.

Der 38.362 Zuschauer fassende Ballpark war 2006 Austragungsort des All-Star-Games der MLB. Auf ein Playoff-Spiel musste PNC Park lange warten. Erst zwölf Jahre nach der Eröffnung war es soweit. Gegner der Pirates waren auch in dieser Partie, dem Wild-Card-Spiel der National League im Jahr 2013, die Cincinnati Reds. Die Pirates gewannen 6:2. Es war und ist bis heute ihr einziger Postseason-Erfolg seit dem Gewinn der World Series 1979.

Die größte Menschenmenge, die PNC Park bisher beherbergte, waren 48.074 Besucher eines Konzerts von Bruce Springsteen am 6. August 2003.

Architektonische Auffälligkeiten
Es klingt immer etwas despektierlich, wenn man über einen Ort sagt, das schönste an ihm sei die Aussicht auf die andere Seite des Flusses (in Wiesbaden hört man das zum Beispiel oft über Mainz, umgekehrt natürlich auch). So ist es hier nicht gemeint, denn PNC Park ist auch für sich genommen ein sehr schönes Stadion. Aber der Blick auf den Allegheny River, die Roberto-Clemente-Bridge und dahinter die Skyline von Pittsburgh ist definitiv die Hauptattraktion des Ballparks. Der Bau trägt diesem Umstand auch dadurch Rechnung, dass auf der Seite in Richtung Stadt, also hinter dem Outfield, nur ganz kleine Tribünen errichtet wurden, damit möglichst viele Zuschauer möglichst viel von der spektakulären Aussicht genießen können.

Die atemberaubende Aussicht des PNC Park in ihrer ganzen Pracht2

Auf der Landseite des Ballparks sind um diesen herum Statuen der Hall of Famer Honus Wagner, Roberto Clemente, Willie Stargell und Bill Mazeroski postiert und bieten beliebte Motive für Erinnerungsfotos vor der hübschen Kalksteinfassade des Gebäudes. Wenn man sich zu dem Besuch in einem besonderen Stadion eine besondere Art der Anreise gönnen möchte, kann man sich PNC Park auch von der anderen Seite her nähern: Zu jedem Spiel fahren zu durchaus erschwinglichen Preisen Shuttle-Boote über den Fluss vom Station Square zum Ballpark.

Auch von der Wasserseite her ist PNC Park schön anzusehen3

Spielbezogene Eigenheiten
PNC Park gilt zwar vielen Baseballfans als eines der schönsten Stadien der MLB, die meisten Spieler werden diese Meinung jedoch nicht teilen. Jedenfalls nicht die Hitter, denn für sie ist der Ballpark in Pittsburgh einer der schwierigeren. Mit Maßen von 320 Fuß (98 Meter) im Rightfield, 399 Fuß (122 Meter) im Centerfield und 410 Fuß (125 Meter) im mittleren Leftfield ist das Feld recht groß – mit Ausnahme des Rightfields, das aber durch einen 21 Fuß (6,40 Meter) hohen Zaun erschwert wird. Die Höhe von 21 Fuß ist nicht willkürlich gewählt, sie stellt eine Anspielung auf den legendären Pirates-Rightfielder Roberto Clemente und dessen Rückennummer 21 dar.

Anders als beispielsweise in San Francisco kommt es übrigens nicht oft vor, dass Bälle bis ins angrenzende Gewässer geschlagen werden. In der 17-jährigen Geschichte des Stadions ist es nur dreimal vorgekommen; eigentlich sogar nur zweimal, denn der Homerun von Pedro Alvarez am 19. Mai 2015 traf nicht den Allegheny River, sondern ein darauf fahrendes Boot.

Wo sitzt man am besten?
Erfreulicherweise sind die Preise in Pittsburgh sehr human und so kann man schon für 50 bis 60 Dollar gepolsterte Premiumsitze mit perfekter Sicht auf das Spielgeschehen bekommen. Man sollte dafür nach den Club Sections 209 bis 228 schauen.

Für ungefähr halb so viel Geld hat man auch von den Grandstands und den Kid’s Grandstands (Sections 301-333) eine gute Sicht, insbesondere von den unteren Reihen A bis R. Die Kid’s Grandstands empfehlen sich dem Namen entsprechend vor allem, wenn man mit Kindern unter 14 unterwegs ist, denn für sie sind die Tickets in diesem Bereich deutlich günstiger. Leider ist es in amerikanischen Stadien bei weitem nicht immer üblich, dass Ermäßigungen für Kinder gewährt werden.

Noch ein Tipp für alle, die immer großen Hunger davon bekommen, anderen beim Sport zuzusehen: Es gibt auch einen All-You-Can-Eat-Bereich (Sections 201-2015), bei dem für rund 40 Dollar pro Ticket Hot Dogs, Nachos, Popcorn, Softdrinks usw. inklusive sind.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: daveynin (CC BY 2.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: David Wilson (CC BY 2.0)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Smallbones (Public Domain)

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Januar 9th, 2018 by Dominik

Ab heute gibt es eine neue Baseblog-Serie: Bis zum Beginn des Spring Trainings stelle ich jeden Dienstag einen Ballpark vor. Ich konzentriere mich dabei, soweit ich es beurteilen kann, auf die schönsten und interessantesten. Die Reihenfolge ist eher zufällig gewählt und stellt kein Ranking dar. Ich freue mich über Anregungen und Kommentare, damit ich weiß, ob das Thema auf Interesse stößt. Falls ja, setze ich die Serie gerne in der nächsten Offseason fort.

Los geht es heute mit dem altehrwürdigen Fenway Park, Heimat der Boston Red Sox und am längsten in Betrieb befindlicher Ballpark der MLB.

Geschichte
Fenway Park wurde am 20. April 1912 mit einem 7:6-Sieg der Boston Red Sox in elf Innings über die New York Yankees eröffnet. Trotz dieses spektakulären Auftakts stand das Medieninteresse unter dem Schatten eines anderen Ereignisses, denn wenige Tage zuvor war die Titanic gesunken und beherrschte die Schlagzeilen.

Die historischen Momente, die Fenway Park erlebt hat, sind zahlreich: Der legendäre Babe Ruth begann hier seine Karriere, Carlton Fisk schlug 1975 in Spiel 6 der World Series einen der berühmtesten Homeruns aller Zeiten, die Red Sox holten gleich im Eröffnungsjahr sowie sechs weitere Male den World-Series-Titel und auch die Boston Braves (heute in Atlanta beheimatet) gewannen ihre World Series 1914 im Fenway Park. Dennoch war der Park lange Zeit eines der am schlechtesten besuchten Stadien der MLB. Der Tiefpunkt wurde 1965 erreicht, als in zwei Spielen die Zuschauerzahl unter 500 lag. Erst ab 1967, einer überraschend starken Saison der Red Sox, die unter Fans als „the impossible dream“ bekannt ist, nahm das Interesse immer weiter zu und die Anhänger der Red Sox erarbeiteten sich ihren heutigen Ruf als besonders treues Publikum. Vom 15. Mai 2003 bis zum 11. April 2013 stellte Fenway Park einen MLB-Rekord auf, indem 794 Spiele der regulären Saison (und zusätzlich 26 Playoff-Spiele) hintereinander ausverkauft wurden.

Fenway Park in der World Series 20141

Der Ballpark wurde im Laufe seiner 105-jährigen Geschichte mehrfach renoviert und modernisiert, die Grundsubstanz blieb aber die gleiche und die ursprüngliche Kapazität von rund 35.000 Plätzen schwankte im Lauf der Zeit nur leicht um plus/minus 3.000. Heute fasst Fenway Park 37.731 Zuschauer und man geht davon aus, dass das Stadion noch einige Jahrzehnte lang genutzt werden kann.

Architektonische Auffälligkeiten
Wie viele alte Stadien, bei deren Planung umliegende Bebauung, Eigenheiten der Bodenbeschaffenheit und andere Faktoren zu berücksichtigen waren, ist Fenway Park ein asymmetrisches Bauwerk. Liebhaber klarer Linien könnten sich daran stören, im Endeffekt resultiert aber aus genau diesen Eigenheiten oft ein besonderer Charakter des jeweiligen Ballparks. In Fenway Park führten die äußeren Bedingungen dazu, dass das Leftfield mit nur 310 Fuß (94 Meter) von der Homeplate bis zur Spielfeldbegrenzung sehr klein ist, das Centerfield mit bis zu 420 Fuß (128 Meter) und das Rightfield mit 380 Fuß (116 Meter) hingegen recht groß. Um dieses Missverhältnis auszugleichen, wurde das berühmteste Feature von Fenway errichtet: Eine mehr als elf Meter hohe Mauer zur Begrenzung des Leftfields, das berüchtigte Green Monster. Seinen Namen hat das Green Monster übrigens erst relativ spät bekommen, zumal es auch erst 1947 grün angemalt wurd. Vorher war die Mauer mit dem noch heute handbetriebenen Scoreboard schlicht als „The Wall“ bekannt. Seit 2003 gibt es auf dem Green Monster Sitzplätze. Diese sind besonders beliebt, wenn man es darauf abgesehen hat, Homerun-Bälle zu fangen.

Field-Level-Blick auf das Green Monster2

Eine weitere Besonderheit im Leftfield war bis zum Umbau 1933, dass das Spielfeld dort ein Gefälle von rund drei Metern aufwies. Der Leftfielder musste somit bergauf und bergab rennen, was ein Nachteil insbesondere für die Gastteams war, die das nicht gewohnt waren. Bostons berühmter Leftfielder Duffy Lewis hingegen war so gut auf die Gegebenheiten eingestellt, dass das Gefälle „Duffy’s Cliff“ genannt wurde.

Das beliebteste Fotomotiv außer dem Green Monster ist bei einem Besuch in Fenway der „lone red seat“. Es handelt sich um einen einzigen roten unter lauter grünen Sitzen auf der Tribüne des Rightfields. Er markiert die Stelle, an die Ted Williams am 9. Juni 1946 den mit 502 Fuß (153 Meter) längsten Homerun schlug, der je in Fenway Park gemessen wurde.

Spielbezogene Eigenheiten
Insgesamt gehört Fenway Park im Vergleich mit anderen MLB-Standorten zu den eher hitterfreundlichen Stadien. Kaum ein Ballpark ist dabei aber so zwiespältig wie Fenway Park: Für rechtshändige Batter ist das kurze Rightfield ein deutlicher Vorteil. Zwar erschwert das Green Monster das Schlagen von Homeruns, dafür werden aber viele Flyballs, die in anderen Stadien routinemäßig zum Out gefangen werden, durch das Abprallen von der Mauer zu Extra-Basehits. Auch Foulouts kommen in Fenway Park seltener vor als anderswo, weil das Foul Territory sehr klein ist. Linkshändige Batter hingegen haben es schwer in Boston, für sie ist Fenway Park eines der ungünstigsten Stadien der Liga.

Wo sitzt man am besten?
Man kann in Fenway Park von vielen Stellen aus gut das Spiel verfolgen, von einigen aber nicht: Die Tribünen und Dächer werden von Säulen gehalten, welche an bestimmten Plätzen das Sichtfeld deutlich behindern. Die Plätze sind dafür etwas günstiger und man wird bei der Sitzplatzbuchung auf die Einschränkung hingewiesen – also achtet auf solche Hinweise und spart nicht am falschen Ende. Wem an einem günstigen Stadionbesuch gelegen ist, der entscheidet sich besser für die Bleachers hinter dem Rightfield. Ich habe da schon gesessen und man hat einen guten Blick auf das ganze Feld sowie in die direkt vor der Tribüne gelegenen Bullpens. Da ich ein Nachmittagsspiel bei rund 40 Grad im nicht vorhandenen Schatten erwischt habe, weiß ich nun allerdings auch, warum die Bleachers Bleachers heißen…

Fenway Park aus Sicht der Rightfield-Bleachers3

Am besten kann man das Geschehen, wie in fast jedem Ballpark, von den Plätzen hinter der Homeplate sowie entlang der Linien zur ersten und dritten Base verfolgen (Field Box 21-76). Wer das ganz spezielle Fenway-Erlebnis und obendrein die Chance auf einen gefangenen Homerun sucht, für den sind natürlich die schon erwähnten Plätze auf dem Green Monster das Nonpluslutra. Das hat dann aber auch seinen Preis, denn von den begehrten Sitzen gibt es nur 269 und wenn man überhaupt einen davon ergattern kann, muss man bereit sein, mehrere hundert Dollar dafür auszugeben.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: John F. Riley (Public Domain)
2 Quelle: Eigene Aufnahme
3 Quelle: Eigene Aufnahme

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