Category: Ballparks

Juni 30th, 2020 by Silversurger

Die virtuelle Reise durch die Ballparks der MLB führt heute nach Anaheim in Orange County. Dort, rund 40 Kilometer von Los Angeles entfernt, spielen die Los Angeles Angels im nach ihnen benannten Angel Stadium, auch genannt „The Big A“.
Dies ist übrigens die vorerst letzte Folge der Ballparks-Artikelserie. Seit dem Anfang mit Fenway Park im Januar 2018 habe ich 29 der 30 aktuellen MLB-Stadien vorgestellt. Nur die Texas Rangers fehlen noch in der Reihe, denn ihr neues Stadion – Globe Life Field in Arlington, Texas – wird erst zum Saisonstart in gut drei Wochen eröffnet. Ich werde dann in der nächsten Saisonpause über die Erfahrungen mit dem neuen Ballpark berichten.

Der Haupteingang von Angel Stadium (1)

Geschichte
Die Angels nahmen 1961 den Spielbetrieb als Erweiterungsteam auf. Ihre erste Saison spielten sie in Wrigley Field – nicht in Chicago, sondern in einem kleinen Stadion in Los Angeles mit demselben Namen. Es handelte sich um einen Minor-League-Ballpark, in dem seit 1925 ein Vorläufer-Klub der Angels in der Pacific Coast League gespielt hatte. Wrigley Field war jedoch in sehr schlechtem Zustand, daher zogen die Angels 1962 als Untermieter ihres Lokalrivalen in das neu erbaute Dodger Stadium.

Die Suche nach einem eigenen Standort führte die Angels weg von Los Angeles in die Disney-Stadt Anaheim. Dort wurde von 1964 bis 1966 auf einer ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche Angel Stadium erbaut. Am 19. April 1966 absolvierten die Angels das erste offizielle Spiel im eigenen Ballpark, eine 1:3-Niederlage gegen die Chicago White Sox.

Die Entwicklung von reinen Baseballstadien über Mehrzweckarenen und schließlich zurück zu Ballparks der retro-modernen Bauart haben von den 1960er Jahren bis ins neue Jahrtausend viele Teams und Städte mitgemacht. Doch anders als bei den meisten von ihnen, vollzog sie sich in Anaheim innerhalb des selben Stadions: Ursprünglich nur für das MLB-Team errichtet, wurde Angel Stadium 1979/80 in großem Stil umgebaut und von 43.000 auf 65.000 Plätze erweitert, um auch die NFL-Footballer der Los Angeles Rams aufnehmen zu können. Nachdem diese 1994 wieder ausgezogen waren, gab es 1996-98 erneut eine umfangreiche Umgestaltung zu dem 45.000 Zuschauer fassenden Ballpark, der Angel Stadium heute ist.

Schon dreimal, 1967, 1989 und 2010, durfte Angel Stadium das All-Star-Game der MLB veranstalten. Die World Series war erst einmal in dem Stadion zu Gast. Gegen die San Francisco Giants verloren die Angels 2002 zwar das erste Heimspiel der Finalserie, durften aber am Ende mit einem Sieg in Spiel 7 den Titelgewinn im eigenen Stadion feiern.

Inzwischen ist The Big A etwas in die Jahre gekommen, sodass es erneut Diskussionen um einen Neubau oder größere Renovierungen gibt. Letzten Dezember hat der Klub sich mit der Stadt geeinigt, für 325 Millionen Dollar das Stadion und das umgebende Land zu kaufen und die Weiterentwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Vor einer Woche wurden von Teambesitzer Art Moreno und einer Reihe Investoren Pläne vorgelegt, den Ballpark mit neuen Geschäften, Restaurants und Unterhaltungseinrichtungen zu umgeben. Eine Entscheidung, ob das Stadion in diesem Zuge neu- oder nur umgebaut wird, wurde noch nicht getroffen.

Architektonische Auffälligkeiten
Trotz seiner 56 Jahre langen Geschichte inklusive Umbau zum NFL-Stadion und zurück sieht Angel Stadium erstaunlich „normal“ aus in dem Sinne, dass es sich nahtlos in die neu eröffneten Ballparks der letzten 25 Jahre einfügt. Die moderne Fassade wird dominiert von Sandstein und grünem Stahl sowie den Schriftzügen und Logos in der roten Teamfarbe. Der Haupteingang wird flankiert von zwei riesigen Angels-Baseballkappen.

The Big A (2)

Das prominenteste Wahrzeichen von Angel Stadium befindet sich rund 200 Meter außerhalb des Ballparks auf einem Parkplatz: Das große rote A, von dem das Stadion seinen Spitznamen hat, stand ursprünglich im Leftfield und trug eine Anzeigetafel. Beim Umbau wegen des Einzugs der Rams wurde es nach draußen verlegt und steht dort bis heute. Der Heiligenschein unterhalb der Spitze des 70 Meter hohen Buchstabens wird beleuchtet, wenn die Angels am jeweiligen Tag gewonnen haben, egal ob zu Hause oder auswärts. Daher stammt der unter Angels-Fans geflügelte Ausdruck „Light that baby up!“

Auch im Inneren verfügt Angel Stadium über eine Installation zu Feierzwecken: Das „California Spectacular“ hinter dem linken Centerfield besteht aus echten Bäumen und falschen Felsen, über die Wasser fließt und sprudelt. Zum Spielbeginn sowie nach Homeruns und Siegen der Angels wird dort ein Feuerwerk ausgelöst.

California Spectacular (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Beim Bau des Stadions bemühten die Angels eine wissenschaftliche Studie, um herauszufinden, welche Feldmaße unter Berücksichtigung der Luftdichte zu üblichen Spielzeiten eine möglichst neutrale Balance zwischen Pitcher- und Batterfreundlichkeit garantieren. Nach den Ergebnissen dieser Studie wurde das Feld gebaut, aber trotz mehrfacher Korrekturen ist es nie ganz gelungen, die gewünschte neutrale Ausrichtung zu erreichen: Die Statistiken der meisten Jahre weisen Angel Stadium als etwas vorteilhafter für Pitcher aus.

Das Centerfield ist mit 396 Fuß (121 Meter) das zweitkürzeste in der MLB (nur Dodger Stadium ist 1 Fuß kürzer), doch relativ tiefe Poweralleys zwischen Centerfield und den Foulpoles führen dazu, dass nicht übermäßig viele Homeruns geschlagen werden.

Angel Stadium in Panoramasicht (4)

Wo sitzt man am besten?
Anaheim gehört mit durchschnittlich über 280 Sonnentagen zu den sonnigsten Städten der USA und auch zu jenen mit der höchsten UV-Belastung. Wenn man bei Nachmittagsspielen nicht in der Sonne rösten möchte, sollte man Sitze auf den Ebenen 200 und 500 sowie auf der Third-Base-Seite bevorzugen und die unüberdachten Outfieldtribünen meiden.

Obwohl die Angels in den letzten Jahren sportlich nicht sonderlich erfolgreich waren, haben Sie ihr Stadion dank Attraktionen wie Mike Trout und Shohei Ohtani doch regelmäßig zu über 80% gefüllt. Man sollte sich daher frühzeitig um Tickets kümmern oder damit rechnen, dass man bei kurzfristiger Entscheidung etwas mehr zahlen muss, wenn man gute und schattige Plätze haben möchte.

Für die perfekte Perspektive – leicht erhöht, um die Homeplate zwischen den Dugouts – empfiehlt sich die Sitzkategorie Field MVP in den Blöcken 111 bis 126. Diese Plätze bekommt man für 100 bis 150 Dollar. Wenn man gute Plätze für unter 50 Dollar sucht, bieten sich die Blöcke 410-427 auf der dritten Ebene rund um das Infield an. Bei diesen Sitzen gilt: je niedriger die Nummer des Blocks, umso mehr Schatten hat man während eine Nachmittagsspiels.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: CrispyCream27 (CC BY-SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: CrispyCream27 (CC BY-SA 4.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Ken Lund (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Al Case (CC BY-NC-ND 2.0)

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Juni 23rd, 2020 by Silversurger

Eine weitere Woche ohne MLB-Baseball bedeutet eine weitere Folge in meiner Serie über die Ballparks der MLB. Langsam gehen mir dabei die Ballparks aus, aber zum Glück sieht es seit letzter Nacht stark danach aus, dass wir bald eine Saison bekommen werden. Heute besuchen wir auf der virtuellen Reise durch Baseball-Amerika die San Diego Padres in Petco Park. Den Namen hat das Stadion von einer Handelskette für Haustierbedarf, die die Namensrechte bis 2026 erworben hat.

Petco Park, San Diego (1)

Geschichte
Die Entstehungsgeschichten von um die Jahrtausendwende errichteten Stadien sind sich oft sehr ähnlich. In den 60er- und 70er-Jahren hielt man es vielerorts für eine gute Idee, Multifunktionsarenen zu bauen, die sowohl für Baseball als auch für Football und Fußball genutzt werden können. Ab den 90er-Jahren setzte die Gegenbewegung ein – man wollte weg von den riesigen Betonklötzen und von abgestecken Spielfeldern, auf denen immer noch die Markierungen der anderen Sportarten durchschienen. So war es auch in San Diego, wo sich die Padres seit ihrer Gründung als MLB-Team im Jahr 1969 das San Diego Stadium (später Qualcomm Stadium) mit den Chargers aus der NFL sowie zeitweise anderen Teams teilten.

Der Bau von Petco Park begann im Jahr 2000 und sollte eigentlich 2002 fertig sein. Die Padres mussten dann aber doch zwei Jahre länger mit Qualcomm Stadium vorlieb nehmen, weil finanzielle und rechtliche Streitigkeiten den Bau verzögerten. Es ging dabei zum einen darum, dass über den öffentlichen Anteil an der Finanzierung des 450 Millionen teuren Stadions nach einem Gerichtsurteil ein zweites Mal abgestimmt werden musste. Die andere Verzögerung betraf den Denkmalschutz, weil dem Stadion das historische Gebäude der Western Metal Supply Co. zum Opfer fallen sollte. Man einigte sich schließlich darauf, dieses Gebäude stattdessen zu renovieren und in den Bau zu integrieren.

Im März 2004 war es dann endlich soweit, dass der neue Ballpark mit einem Turnier von College-Baseballteams eingeweiht werden konnte. Das erste MLB-Spiel fand am 8. April 2004 statt. Die Padres besiegten die San Francisco Giants in 10 Innings mit 4:3. 2005 gab es zum ersten Mal Playoff-Baseball in Petco Park, doch die Padres verloren in der National League Division Series beide Heimspiele gegen die St. Louis Cardinals und schieden aus. Im Jahr darauf ging es ihnen exakt genauso, seitdem haben sie die Playoffs bisher nicht mehr erreicht. 2016 fand das All-Star-Game der MLB in Petco Park statt.

Petco Park von außen (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Petco Park ist ein sogenannter retro-moderner Ballpark. „Retro“ ist der Grundaufbau des Parks mit seinen gestuften Tribünen und dem asymmetrischen Outfield. „Moderne“ Elemente, mit denen Petco Park sich von retro-klassischen Ballparks nach dem Vorbild von Oriole Park abhebt, sind zum Beispiel die Außenfassade und die Farbgebung der Sitze. Statt klassischen roten Ziegeln prägen Sandstein und weißer Stahl die Front, die Sitze sind in Dunkelblau gehalten statt im traditionellen Grün.

Innerhalb des Stadions besteht das auffälligste Feature im oben erwähnten Gebäude der Western Metal Supply Co. Die Architekten von Populous (damals HOK) planten den Ballpark quasi um dieses Gebäude herum. Eine Kante des Baus wurde gelb angemalt und dient als Foulpole im Leftfield. An diesem Fixpunkt wurden das Spielfeld und der gesamte Bau ausgerichtet. Eine Folge davon ist, dass in Petco Park die Blickrichtung des Batters im Gegensatz zu fast allen anderen Stadien nicht Nordosten, sondern Norden ist.

Das historische Industriegebäude wurde in die Architektur integriert (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Petco Park hatte lange den Ruf des pitcherfreundlichsten Stadions der MLB. Das wirkt überraschend angesichts der Tatsache, dass die Mitte des Centerfields mit 396 Fuß (121m) zu den kürzeren der Liga gehört. Doch zwei Faktoren führen dazu, dass es schwierig ist, in Petco Park Homeruns zu schlagen: Der erste sind die außergewöhnlich tiefen Power-Alleys, also die Outfieldbereiche zwischen Right und Center bzw. Left und Center. Nach den Saisons 2005 und 2012 gab es Umbauten im Stadion, bei denen die Power-Alleys etwas verkürzt wurden. Seitdem sind die Pitchervorteile des Ballparks weniger extrem. Gänzlich abschalten kann man die Pitcherfreundlichkeit von Petco Park aber nicht, denn der zweite Faktor besteht im Klima – genauer gesagt im „Marine Layer“, einer dichten Luftschicht, die durch das Auftreffen von warmer Luft auf den kalten Ozean entsteht und das Schlagen von weiten Bällen erschwert. Der gleiche Effekt wirkt übrigens auch in T-Mobile Park in Seattle.

Schöne Aussicht vom oberen Deck (4)

Wo sitzt man am besten?
Mit 65 bis 70 Prozent Auslastung des gut 40.000 Zuschauer fassenden Stadions waren die Padres in den wenig erfolgreichen letzten Jahren solide bedient. Je nach Gegner und Spielzeit können die Plätze gelegentlich knapp und teuer werden, meistens sind die Tickets jedoch relativ problemlos zu bekommen. Die Sicht von den Tribünen ist fast überall gut – je mehr Entfernung vom Spielfeld man in Kauf nimmt, umso schöner ist dafür der Blick auf die Skyline von San Diego.

„It never rains in southern California“ stimmt zwar nicht ganz, aber im Großen und Ganzen muss man sich beim Besuch von Petco Park häufiger um knallende Sonne sorgen als um Regen. Erfreulicherweise haben die Padres eine Schattenkarte veröffentlicht, an der man sich bei der Platzsuche orientieren kann. Hervorragende schattige Plätze auf Höhe des Infields findet man im Bereich Premier Club (Blöcke A-L) mit etwas Glück für unter 100 Dollar.

Wenn man Plätze möchte, die man in keinem anderen Stadion bekommt, bietet sich das Western-Metal-Gebäude an. Die regulären Sitze auf dem Balkon sind nicht teuer, aber es gibt nur 30 davon, sodass sie mitunter schwer zu bekommen sind. Alternativ dazu kann man ein beliebiges Stadionticket kaufen und dann das Restaurant „The Loft“ im Western-Metal-Gebäude besuchen.

Wenn man einen gemütlichen Nachmittag beim Baseball verbringen möchte, aber nicht unbedingt hautnah am Geschehen sein muss, ist der „Park at the Park“ eine Option – vor allem, wenn man kleine Kinder dabei hat, die nicht stundenlang am Platz sitzen wollen. Es handelt sich um eine große Liegewiese innerhalb des Stadiongeländes, gleich hinter dem Outfield. Das Spiel kann man von dort durch eine Öffnung zwischen den Tribünen sowie über eine Videoleinwand verfolgen. Tickets ab 15 Dollar für diesen Bereich gehen immer zwei Wochen vor dem Spieltermin in den Verkauf.

Park at the Park (5)

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Phil Konstantin (CC BY-SA 3.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Aude (CC BY 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Theresa O’Connor (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: redlegsfan21 (CC BY-SA 2.0)
(5) Quelle: Flickr, Urheber: Kevin Harber (CC BY-NC-ND 2.0)

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Juni 16th, 2020 by Silversurger

In meiner Serie über Major-League-Ballparks sind wir heute zu Gast in dem Stadion mit dem hochtrabendsten Namen der MLB: dem Great American Ballpark in Cincinnati. Der Name ist allerdings kein Ausdruck einer übersteigerten Selbstwahrnehmung. Er entstammt schlicht einem Sponsorenvertrag mit dem Versicherungsunternehmen Great American Insurance, das 75 Millionen Dollar für die Namensrechte über 30 Jahre bis 2033 bezahlt hat.

Geschichte
Die Reds sind eine der ältesten Baseball-Franchises und eine der wenigen, die immer in derselben Stadt geblieben ist. Von daher überrascht es nicht, dass Great American Ballpark bereits die siebte Heimstätte in der Geschichte der Reds ist. Der direkte Vorgänger war Riverfront Stadium (zeitweise „Cinergy Field“), das von 1970 bis 2002 in Betrieb war.

Bei Riverfront Stadium handelte es sich um eine Multifunktionsarena, die die Reds sich mit den Footballern der Cincinnati Bengals teilten. Wie an vielen anderen Sport-Standorten wuchs auch in Cincinnati in den 90er-Jahren der Wunsch, das gemeinsam genutzte Stadion durch eigene Bauten für die jeweiligen Teams zu ersetzen. Die Wähler der Kommune Hamilton County stimmten 1996 zu, durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um ein halbes Prozent Neubauten für sowohl die Bengals als auch die Reds zu ermöglichen. Den Anfang machte die Football-Arena Paul Brown Stadium, die im August 2000 eröffnet wurde. Im selben Monat begann der Bau des neuen Ballparks für die Reds.

Als Standort für Great American Ballpark wurde der Platz direkt neben dem alten Riverfront Stadium gewählt. Das alte Stadion musste dazu – während es weiterhin genutzt wurde – schrittweise in Teilen und Ende 2002 schließlich komplett abgerissen werden. Pünktlich zur Saisoneröffnung am 31. März 2003 war der neue Ballpark fertig. Nach dem zeremoniellen ersten Pitch von Ex-Präsident George Bush hatte Reds-Superstar Ken Griffey Jr. mit einem Double im ersten Inning die Ehre, den ersten Hit im neuen Stadion zu erzielen. Das war dann allerdings auch schon das Highlight des Spiels aus Sicht des Heimteams, welches den Pittsburgh Pirates 1:10 unterlag.

Die MLB trug 2015 das All-Star-Spiel im Great American Ballpark aus. Die Reds konnten seit dem Einzug in das Stadion noch keine großen Erfolge feiern. Dreimal – 2010, 2012 und 2013 – erreichten sie die Playoffs, schieden aber jeweils in der ersten Runde aus und verloren dabei sämtliche Heimspiele. Homer Bailey gelang 2013 für die Reds bei einem 3:0 gegen die San Francisco Giants der erste No-Hitter des Ballparks. 2016 tat es ihm Jake Arrieta für die Chicago Cubs beim 16:0 über die Reds gleich.

Great American Ballpark vom Ohio River aus (1)

Architektonische Auffälligkeiten
Great American Ballpark ist ein Vertreter des retro-modernen Stils, der durch Clevelands Progressive Field prominent wurde. Von außen dominieren Stahl und Glas sowie eine Fassade aus Ziegel- und Gusssteinen. Die Ziegelsteine sind typisch für die Architektur von Cincinnati, die Gusssteine reflektieren die nahe gelegene Roebling Suspension Bridge.

Im Stadion und drumherum finden sich diverse Anspielungen auf die früheren Ballparks der Reds. Eine Erinnerung an Crosley Field, die Reds-Heimat von 1912 bis 1970, ist Crosley Terrace. Es handelt sich um eine raumgreifende Installation direkt vor dem Haupteingang, die eine imaginäre Spielszene mit mehreren Bronzefiguren historischer Spieler zeigt. Deutlich subtiler ist eine Anspielung auf Riverfront Stadium: Sie besteht darin, dass die Tiefe des Centerfields mit 404 Fuß exakt gleich groß gestaltet wurde wie im alten Stadion.

Durch die niedrigen Tribünen im Center- und Rightfield genießt man von den meisten Plätzen aus die Aussicht auf den Ohio River. Eine Lücke zwischen den Tribünen auf der Third-Base-Seite, bekannt als „The Gap“, erfüllt zwei Funktionen: Erstens gewährt sie eine Blickachse aus der Innenstadt ins Stadion und umgekehrt; zweitens ermöglicht der Einschnitt eine Anordnung der Ränge, durch die die Entfernung der Sitze des Oberdecks zum Spielfeld geringer ist als in den meisten anderen Ballparks.

Die Power Stacks; links daneben das Riverboat Deck (2)

Ein weiteres Wahrzeichen von Great American Ballpark sind die „Power Stacks“, zwei Dampfschiffschornsteine im rechten Centerfield. Sie begleiten wichtige Ereignisse auf dem Feld, zum Beispiel durch einen Feuerstoß bei einem Strikeout oder durch Feuerwerk bei einem Homerun und nach einem Sieg. Die Schornsteine symbolisieren die wichtige Rolle der Flussschifffahrt für die Geschichte der Region. Zum selben Thema passt auch das Riverboat Deck, ein Partybereich über dem Centerfield, den man mieten kann.

Zwei schöne Stücke der Kategorie „Kunst am Bau“ befinden sich im Bereich des Haupteingangs: Es handelt sich um 3 mal 5 Meter große Mosaike, die die beiden herausragenden Reds-Teams der Jahre 1869 sowie 1975/1976 darstellen.

Mosaik „The First Nine“ (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Durch die kurzen Distanzen zwischen der Homeplate und den Foulpoles im Rightfield (325 Fuß = 99m) und Leftfield (328 Fuß = 100m) hat Great American Ballpark eines der kleinsten Outfields unter den MLB-Stadien. Es ist daher wenig überraschend, dass das Stadion zu den hitterfreundlichsten der Liga zählt – jedenfalls was das Schlagen von Homeruns betrifft. Von den Homeruns abgesehen, ist Great American Ballpark für das Erzielen sonstiger Extra-Basehits und für Run-Scoring insgesamt ein eher durchschnittliches Pflaster.

Blick vom oberen Deck hinter der Homeplate (4)

Wo sitzt man am besten?
Da die Reds in den letzten Jahren nicht vom Erfolg verwöhnt waren, pendelte sich der Zuschauerschnitt zwischen 20.000 und 23.000 ein. Bei einer Kapazität von 42.000 ist es somit in der Regel kein Problem, auf regulärem Weg an Tickets heranzukommen.

Natürlich befinden sich die besten Plätze auch im Great American Ballpark auf den unteren Ebenen um das Infield. Aber wie oben schon erwähnt, handelt es sich um ein Stadion, bei dem man auch auf den oberen Rängen nicht zu weit weg vom Geschehen ist. Bei der Wahl der Plätze ist zu beachten, dass Great American Ballpark nur ein kleines Dach über dem obersten Tribünenlevel bietet. Die Suche nach einem schattigen Platz oder nach Schutz vor Regen und manchmal auch Schnee ist daher ein Thema. Schatten findet sich am ehesten entlang der First-Base-Line und dort vor allem in den oberen Reihen jeder Ebene.

Einen besonderen Service bietet Great American Ballpark für stillende Mütter: Sie dürfen die „Nursing Suite“ nutzen, einen 2015 eingerichteten privaten Bereich mit umfangreicher Ausstattung wie Sesseln, Kühlschrank, Kitchenette, Wickelmöglichkeiten – und natürlich TV-Bildschirmen, damit man nichts vom Spiel verpasst.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Sean Biehle (CC BY-SA 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Steve (CC BY-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Wally Gobetz (CC BY-NC-ND 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Cori Martin (CC BY-NC 2.0)

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Juni 9th, 2020 by Silversurger

Letzte Woche habe ich mich dazu hinreißen lassen, Tropicana Field als das „wohl unbeliebteste Stadion der Liga“ zu bezeichnen. Ganz falsch lag ich damit vermutlich nicht, aber es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass es im Wettbewerb um diese Negativ-Auszeichnung einen aussichtsreichen Konkurrenten gibt. Die Rede ist vom Oakland-Alameda County Coliseum oder kurz: Oakland Coliseum, der Heimstätte der Oakland Athletics.

Oakland Coliseum aus der Vogelperspektive (1)

Geschichte
Tropicana Field und das Coliseum haben äußerlich nicht viel gemeinsam, aber sie teilen eine ähnliche Entstehungsgeschichte: Beide Stadien wurden geplant und gebaut, um eine noch nicht vorhandene Major-League-Franchise in die jeweilige Stadt zu locken.

In Oakland bestand spätestens seit 1958, als in San Francisco die Giants und in Los Angeles die Dodgers einzogen, der große Wunsch nach einem eigenen MLB-Team. Um dafür die Voraussetzung zu schaffen, wurde 1960 ein Komitee aus einflussreichen lokalen Geschäftsleuten gegründet, das die Planung und Umsetzung einer geeigneten Sportstätte zum Ziel hatte. Befeuert wurde das Ansinnen dadurch, dass im selben Jahr die American Football League die Oakland Raiders gründete und dass die MLB ab 1961 Oakland offiziell als Wunschort einer kommenden Erweiterung der Liga ausgab. Das neue Stadion wurde als Multifunktionsarena geplant, um sowohl die Footballer als auch die Baseballer beherbergen zu können.

Durch die Standortsuche sowie diverse rechtliche und finanzielle Klärungsbedarfe verzögerte sich der für 1962 geplante Baubeginn um zwei Jahre. Während der tatsächlichen Bauphase von 1964 bis 1966 wurde weiterhin verstärkt um ein MLB-Team geworben. Die Cleveland Indians galten zwischenzeitlich als heißer Kandidat, blieben dann aber doch am bisherigen Standort. Erst zwei Jahre nach Eröffnung des Coliseums hatten die Bemühungen schließlich Erfolg in der Form, dass die bisherigen Kansas City Athletics nach Oakland um- und in das Coliseum einzogen.

Bis 2019 – mit einer Unterbrechung von 1981 bis 1995 – teilten die Athletics sich das Coliseum mit den Oakland Raiders sowie für einige Jahre mit anderen Football- und Fußballmannschaften. Nach dem Wechsel der Raiders nach Las Vegas haben die Athletics in der MLB-Saison 2020, sofern sie irgendwann stattfindet, das Stadium ganz für sich. Immerhin gibt es dann keine Footballmarkierungen mehr auf dem Feld, aber glücklich werden sie mit der Spielstätte, in der sie die World Series 1972, 1973, 1974 und 1989 gefeiert haben, deswegen sicher nicht sein. Das Coliseum gilt schon lange in vielerlei Hinsicht als veraltet. Mit einer bloßen Renovierung wäre es nicht getan, allein schon weil der Bau auf mehrere Sportarten mit ganz unterschiedlichen Feldmaßen und -dimensionen ausgelegt ist und dadurch keiner der Sportarten wirklich gerecht wird.

Seit mittlerweile 15 Jahren läuft nun schon die Planung und Standortsuche für einen neuen Ballpark. Ende 2018 sah es so aus, als würden endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Am Howard-Terminal in der Nähe des Hafens von Oakland sollte ein Ballpark für 34.000 Zuschauer gebaut werden. Doch diverse Hürden haben die Umsetzung verzögert, und ein letzte Woche gefälltes Urteil könnte dazu führen, dass der gewünschte Standort ganz aufgegeben muss. Konkret geht es darum, dass ein Gericht den Transport von Kohle vom Hafen durch die Stadt erlaubt hat und dass die damit verbundene Staub- und Verkahrsbelastung den Stadionbetrieb stören würde. Es ist zurzeit unklar, wie es weitergeht, aber das gewünschte Eröffnungsdatum 2023 scheint kaum noch umsetzbar.

Computermodell des geplanten Ballparks am Howard Terminal (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Der erste Eindruck, wenn man Oakland Coliseum von außen sieht, ist, dass es für ein Stadion außergewöhnlich niedrig erscheint. Das liegt daran, dass das Coliseum ein Stück weit „eingegraben“ ist. Das Spielfeld liegt gut 6 Meter unter Meereshöhe. Die Ebene, auf der man das Gebäude betritt, ist der obere Rand der unteren Sitztribünen. Da zudem rundum ein Hügel aufgeschüttet wurde, der den oberen Teil des Stadions trägt, ist von außen nur die oberste Ebene der Tribünen zu sehen.

Im Inneren fallen zwei unschöne Features ins Auge: Zum einen weist das Coliseum durch seine Multisport-Ausrichtung das größte Foul Territory der Liga auf und dadurch auch eine entsprechend große Entfernung zwischen dem eigentlichen Spielfeld und den Zuschauerrängen. Die zweite Auffälligkeit sind die vielen ungenutzten Sitzplätze aufgrund der für Baseballspiele überdimensionierten Größe des Stadions. Rund 10.000 nachträglich installierte Sitzplätze im Centerfield werden während der Baseballspiele mit einer Plane abgedeckt. Unter Athletics-Fans wird diese Tribüne, die den einstigen Ausblick auf die Oakland Hills verbaut, verächtlich „Mount Davis“ genannt – nach Al Davis, dem früheren Owner der Raiders.

Innen-Panorama mit dem über allem thronenden, abgedeckten „Mount Davis“ (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Mit seinem symmetrischen Outfield – 400 Fuß (122m) tief im Centerfield, 330 Fuß (101m) an den beiden Außenlinien – liegt das Coliseum im Mittelfeld der MLB. Dennoch handelt es sich um einen der pitcherfreundlichsten Ballparks der Liga. Das liegt an dem bereits erwähnten riesigen Foul Territory. Dadurch, dass in den Innenraum auch ein Footballfeld passen muss, liegen vor allem zwischen dem Infield und den Tribünen große Flächen brach. Dadurch werden viele Foulballs, die woanders zum Zuschauer-Souvenir würden, im Coliseum für Outs gefangen.

In jenem Foul Territory liegen übrigens auch die Bullpens – eine weitere Eigenheit, die das Coliseum mit Tropicana Field teilt. Pitcher und Catcher im Bullpen müssen jederzeit mit heranfliegenden Bällen sowie mit dahinter her hechtenden Feldspielern rechnen. Nur wenn ein Ball unter oder hinter den Sitzen oder Ausrüstungsgegenständen im Bullpen landet oder die Umpires ihn aus anderen Gründen für unspielbar halten, wird er als „out of play“ gewertet.

Wo sitzt man am besten?
Die Athletics spielen meistens besser und erfolgreicher als die Experten es vor der Saison prophezeien. Dennoch – und trotz der erwähnten Abdeckung von tausenden Plätzen – lag die Auslastung der Zuschauerkapazitäten in den letzten Jahren nur zwischen 50 und 60 Prozent. Somit ist es in der Regel kein Problem, über den offiziellen Verkauf an Tickets heranzukommen oder über Wiederverkaufsplattformen ein Schnäppchen zu machen.

Wie in jedem Ballpark gilt, dass die besten Plätze möglichst weit unten und möglichst nah an der Homeplate liegen. Im Coliseum gilt das noch ein bisschen mehr als in anderen Stadien, weil durch das ausgreifende Foul Territory eine größere Grundentfernung zwischen Spielfeld und Tribünen besteht als anderswo. Aus diesem Grund sollte man das dritte Level möglichst meiden. Für 30 bis 50 Dollar kann man auf der unteren Ebene zwischen den Dugouts sitzen (Blöcke 112-122), eine Ebene höher (212-222) kosten die Tickets 10-15 Dollar weniger.

Ein schattiges Plätzchen ist bei sonnigen Mittags- oder Nachmittagsspielen im Oakland Coliseum recht schwer zu finden. Am ehesten gelingt das in den obersten drei bis vier Reihen der genannten Blöcke durch den Überhang der jeweils höheren Ebene.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Thomas Hawk (CC BY-NC 2.0)
(2) Quelle: Wikipedia, Urheber: Bjarke Ingels Group
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Malingering (CC BY-NC-ND 2.0)

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Juni 2nd, 2020 by Silversurger

In der Serie über die Ballparks der MLB geht es heute um das wohl unbeliebteste Stadion der Liga: Tropicana Field in St. Petersburg. Moment mal, St. Petersburg? Natürlich ist nicht die russische Metropole gemeint, sondern die gleichnamige Stadt an der Tampa Bay in Florida. Der Name der Bucht ist den meisten Sportfans geläufiger als der der Stadt, da die meisten Teams der Region sich nach ihr benennen – so zum Beispiel die Tampa Bay Buccaneers (Football), Tampa Bay Lightning (Eishockey) und eben die MLB-Baseballer Tampa Bay Rays.

„The Trop“ von außen (1)

Geschichte
Die Stadtregierung von St. Petersburg war in den 1980er Jahren so sehr darauf aus, ein Profi-Sportteam im Ort anzusiedeln, dass sie den Bau eines Stadions beschloss, ohne einen Mieter dafür zu haben. Aufgrund des heißen und feuchten Sommerklimas sowie regelmäßiger Stürme in der Region entschied man sich für ein vollständig überdachtes Gebäude.

Das Stadion wurde ab 1986 unter dem Namen „Florida Suncoast Dome“ gebaut. Während und nach der Bauphase gab es einige Versuche, MLB-Teams nach St. Petersburg zu locken, zum Beispiel die Chicago White Sox, die Seattle Mariners und die San Francisco Giants. Sie alle blieben, wo sie waren, und als der 130 Millionen Dollar teure Dome 1990 eröffnete, stand er bis auf gelegentliche Rock-Konzerte und ein Davis-Cup-Finale die meiste Zeit über leer.

1991 wurde das Arena-Football-League-Team Tampa Bay Storm gegründet und zog in den Dome ein, 1993 kam das NHL-Team Tampa Bay Lightning hinzu. Für beide Sportarten war der als Baseball-Stadion konzipierte Dome überdimensioniert und insofern keine Dauerlösung, auch wenn er beiden Teams mehrere Zuschauerrekorde in ihren jeweiligen Ligen einbrachte. 1996 zogen Lightning und Storm um ins benachbarte Tampa.

Im gleichen Jahr begann eine umfangreiche Renovierung des Domes hin zu seinem ursprünglichen Zweck: dem eines Baseballstadions. Die MLB hatte zuvor entschieden, sich um zwei Teams zu vergrößern. Eines davon sollten die Tampa Bay Devil Rays sein. Zu diesem Anlass sprang Tropicana, eine Fruchtsaft-Tochter von Pepsi-Cola, als neuer Sponsor und Namensgeber des Stadions ein. Nach weiteren zwei Jahren und weiteren 70 Millionen Dollar Baukosten war es soweit: Am 31. März 1998 absolvierten die Devil Rays das erste MLB-Spiel in ihrer Heimstätte, eine 6:11-Niederlage gegen die Detroit Tigers.

Das Zuschauerinteresse an den Devil Rays war im ersten Jahr mit einem Schnitt von gut 30.000 Zuschauern ordentlich, doch dieses Niveau wurde danach nie wieder auch nur ansatzweise erreicht. Eine Rolle spielt dabei sicher, dass die Devil Rays in den ersten zehn Jahren ihres Bestehens regelmäßig zu den schlechtesten Teams der Liga gehörten. Erst als sie 2008 den teuflischen Teil ihres Namens strichen, fanden sie plötzlich zum Erfolg und stürmten bis in die World Series. Tropicana Field sah seine beiden ersten und bislang einzigen Meisterschaftsspiele, von denen die Rays eins gewannen und eins verloren (bevor sie dreimal in Philadelphia unterlagen und den Phillies die Championship überlassen mussten).

Obwohl die Rays in den letzten Jahren häufig guten und erfolgreichen Baseball spielen, rangiert Tropicana Field bis heute regelmäßig in den hinteren Rängen der Zuschauertabelle. In Reaktion darauf wurde die Kapazität im Laufe der letzten 20 Jahre von einst rund 45.000 Plätzen immer weiter künstlich reduziert, indem ganze Blöcke und Ebenen dauerhaft geschlossen wurden mit dem Ziel, durch engeres Zusammenrücken der wenigen Zuschauer mehr Atmosphäre zu schaffen.

Architektonische Auffälligkeiten
Wenn man etwas Positives über Tropicana Field sagen möchte, dann vielleicht, das es einzigartig ist. Kein anderer MLB-Ballpark verfügt über ein dauerhaft geschlossenes Dach und kein anderer bietet eine Zirkuszelt-Optik wie Tropicana Field. Was für Fans der Manege ganz hübsch sein mag, ist allerdings für Baseball eher unpraktisch, denn die vielen Verstrebungen, Gerüste und Laufstege der Dachkonstruktion behindern häufig Flugbälle.

Baseball unter dem Zirkuszelt (2)

Ein weiteres einzigartiges Element ist der Rays Touch Tank, ein 38.000-Liter-Aquarium, in dem drei verschiedene Arten von Rochen (englisch: Rays) leben. Das Becken ist hinter dem rechten Centerfield gelegen und kann vor und während dem Spiel von den Zuschauern besucht werden. Ein Homerun, der im Tank landet, wird als besonderes Ereignis gefeiert und vom Klub mit einer Spende an das Florida Aquarium unterstützt. Unter Tierschützern stößt die Installation erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe, sodass schon mehrfach über ihre Abschaffung diskutiert wurde.

Nicht direkt ein architektonisches Element, aber eine massive Störung der Optik sind die vielen außer Betrieb genommenen und abgedeckten Sitzplätze. Durch sie erhält das gar nicht so alte, gar nicht so unmoderne Stadion den Charme einer Bauruine.

Rechts der Rays Touch Tank (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Tropicana Field ist in nahezu jeder Hinsicht als pitcher-freundlicher Ballpark zu bezeichnen. Trotz der relativ durchschnittlichen Dimensionen des im Centerfield 404 Fuß (123m) tiefen Outfields gibt es vergleichsweise wenige Homeruns, insbesondere durch rechtshändige Hitter. Auch für andere Runs und Hits ist St. Petersburg kein ideales Pflaster. Strikeouts hingegen werden in der kontrollierten, windstillen Umgebung des Domes begünstigt.

Besondere Ground Rules sind in Tropicana Field vor allem wegen der Laufstege innerhalb der Dachkonstruktion nötig. Die Stege hängen über dem Infield niedriger als über dem Outfield und bilden mehreren Ringe. Je nachdem, zu welchem Ring ein Laufsteg gehört, werden Bälle, die dort anstoßen, entweder als „in play“ oder „out of play“ und gegebenenfalls als Homerun gewertet.

Da die Bullpens in Tropicana Field nicht baulich vom Feld getrennt sind, sondern direkt neben den Outfield-Linien beginnen, kommen sich gelegentlich die aktiven Outfielder mit den dort aufwärmenden Pitchern und Catchern ins Gehege. Hinter jedem Catcher ist ein Batboy dafür zuständig, diesen vor Bällen zu bewahren, die ihn von hinten treffen könnten.

Wo sitzt man am besten?
Wenn man diesen Artikel bis hierher gelesen hat, könnte man vermuten, mein Rat, wo man in Tropicana Field sitzen soll, lautete „am besten gar nicht“. Aber nein, so weit möchte ich nicht gehen – wenn man die Möglichkeit hat, ein MLB-Spiel zu sehen, dann sollte man sie nutzen. Auch wenn das Stadion nicht besonders ansprechend ist, sind die Rays doch ein sehenswertes Team, das aus geringen finanziellen Möglichkeiten immer wieder erstaunlich viel herausholt.

Das Gute am fehlenden Zuschauerzuspruch in St. Petersburg ist, dass man vergleichsweise einfach und günstig an Tickets kommt. Plätze hinter der Homeplate (Blöcke 101 bis 108) bekommt für 65 bis 100 Dollar. Im Outfield – zum Beispiel Block 150 direkt neben dem Touch Tank – gibt es Tickets ab 20 Dollar.

Um Sonne oder Regen muss man sich in dem geschlossenen Stadion keine Sorgen machen, und da die oberen Blöcke gesperrt sind, ist man auch nirgends zu weit weg vom Feld. Abzuraten ist von den oberen Reihen (VV-YY) der Blöcke 107-131. Von dort wird der Blick nach oben behindert durch den Überhang der oberen Tribünen, sodass man Flyballs und Teile der Scoreboards nicht gut sehen kann. Im oberen Level (Blöcke mit einer 2 vorne) sollte man die erste Reihe meiden, da hier Geländer die Sicht stören.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: CityofStPete (CC BY-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Bryce Edwards (CC BY 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Rough Tough, Real Stuff (CC BY-NC-ND 2.0)

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Mai 26th, 2020 by Silversurger

Zum zweiten Mal macht meine Serie über die Ballparks der MLB Halt in Chicago. Die alles entscheidende Frage in der Metropole in Illinois lautet „Norden oder Süden?“. Die North Side, den reicheren, hipperen Stadtbezirk, regieren die Cubs von Wrigley Field aus; die South Side ist die bodenständigere, von ethnischer Vielfalt und Arbeiterklassenmentalität geprägte Heimat der White Sox und ihrem Guaranteed Rate Field, um das es in diesem Artikel geht.

Guaranteed Rate Field, Chicago (1)

Geschichte
Chicago ist dafür bekannt, seinen Sportstätten sehr lange die Treue zu halten. 81 Jahre lang, von 1910 bis 1990, spielten die White Sox in ihrem klassischen Stadion Comiskey Park. Als dieses schließlich ersetzt wurde, handelte es sich um den ersten Neubau eines großen Sportgebäudes in der Stadt seit 1929. Bevor es dazu kam, hatten die White Sox intensiven Druck ausüben müssen, bis hin zu der Drohung mit einem Umzug nach Florida.

Für den Standort des neuen Ballparks waren diverse Optionen im Spiel, gebaut wurde letztlich direkt gegenüber vom alten Stadion. Dieses wurde nach der Neueröffnung abgerissen und durch Parkplätze ersetzt. Markierungen auf den Parkplätzen erinnern bis heute daran, wo früher die Homeplate und die Foulpoles von Comiskey Park platziert waren.

Für 137 Millionen Dollar entstand ein moderner Ballpark, der zunächst ebenfalls „Comiskey Park“ hieß. Erst 2003 wurden die Namensrechte verkauft und das Stadion zunächst in „U. S. Cellular Field“ und 2016 in „Guaranteed Rate Field“ umbenannt.

Das Eröffnungsspiel fand am 18. April 1991 statt. Die White Sox werden sich nicht gern daran erinnern: 0:16 unterlagen sie den Detroit Tigers, die 19 Hits inklusive 5 Homeruns erzielten und von ihrem Pitcher Frank Tanana einen Complete-Game-Shutout bekamen.

Auf große Erfolge seiner Hausherren musste der Ballpark lange warten. 1993 und im Jahr 2000 schafften es die White Sox in die Playoffs, verloren aber alle Heimspiele und schieden jeweils in der ersten Runde aus. 2005 war dann endlich ihr Jahr: Mit 99 Siegen wurde die Division gewonnen, es folgten Playoff-Erfolge gegen die Red Sox und die Angels und schließlich eine überlegen geführte World Series gegen die Astros.

Weitere sportliche Highlights der Stadion-Geschichte waren das All-Star-Spiel 2003, der erste No-Hitter am 18. April 2007 sowie das erste Perfect Game am 23. Juli 2009 – beide übrigens von Mark Buehrle für die White Sox.

Architektonische Auffälligkeiten
Guaranteed Rate Field war 1991 der letzte Ballpark, der erbaut wurde, bevor der vielgerühmte Oriole Park at Camden Yards den Siegeszug des retro-klassischen Stils begründete. Ein Vorbild bei den ursprünglichen Felddimensionen und der Anordnung der Sitze war unübersehbar das 1973 eröffnete Kauffman Stadium in Kansas City. Mit seiner modernistischen Betonfassade, dem symmetrischen Outfield und den weit nach außen gezogenen Oberdeck-Tribünen wirkte Chicagos neuer Ballpark schon bald ein wenig aus der Zeit gefallen. Dem versuchte man entgegen zu wirken, indem zwischen 2001 und 2007 zahlreiche Umbauten durchgeführt wurden.

Von außen relativ unspektakulär (2)

Schon im alten Comiskey Park war das „explodierende“ Scoreboard ein Markenzeichen. Bei jedem Homerun der White Sox gab es Licht-, Sound- und Feuerwerkseffekte von sich. Dieses Feature wurde sowohl beim Neubau 1991 als auch beim Ersetzen der Videoleinwände im Jahr 2016 beibehalten.

Die aktuelle Version des „explodierenden“ Scoreboards (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Guaranteed Rate Field hat ein 400 Fuß (122m) tiefes Centerfield und ist fast symmetrisch mit einer Leftfieldline von 330 Fuß (101m), einer Rightfieldline von 335 Fuß (102m) und jeweils 375 Fuß (114m) Ausdehnung im Left- und Rightfield. Es ist damit im Hinblick auf Batter- oder Pitcherfreundlichkeit ein durchschnittliches Stadion. Statistische Parkfaktoren weisen für Guaranteed Rate Field meistens einerseits eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für Homeruns aus und andererseits eine leicht geringere Wahrscheinlichkeit für andere Arten von Hits. Vor allem Triples kommen vergleichsweise selten vor, vermutlich weil die Felddimensionen im Vergleich mit anderen MLB-Plätzen kaum unerwartete Ecken und Kanten aufweisen.

Panorama aus dem rechten Centerfield (4)

Wo sitzt man am besten?
Eines sollte man vor einem Besuch in Guaranteed Rate Field wissen: Anders als in den meisten anderen MLB-Stadien hat man nicht die Freiheit, sich zwischen den verschiedenen Ebenen frei zu bewegen. Das heißt, wenn man ein Ticket für eines der höheren Decks hat, kann man nicht zum Beispiel vor dem Spiel mal bei den tiefer gelegenen Plätzen vorbei schauen, um ein Foto zu machen – geschweige denn, sich im halbvollen Stadion trotz günstigem Ticket einen besseren Platz suchen.

Ebenfalls zu beachten ist, dass Guaranteed Rate Field wie erwähnt relativ weit gezogene Tribünen aufweist. Das hat zur Folge, dass man auf den oberen Decks zwar durchweg eine ungehinderte Sicht auf das Spielfeld hat, dabei aber auch besonders weit von selbigem entfernt ist. Obwohl man im Zuge der Umbauten in den 2000er-Jahren versucht hat, diesen Effekt abzumildern, indem man über 6.000 Sitze von den oberen Decks entfernte, ist er immer noch existent.

Aus den beiden genannten Gründen ist von Tickets im oberen Level (500) abzuraten. Die sehr guten Plätze auf Level 100 rund um das Infield (121-143) gibt es je nach Zeit und Gegner für 50 bis 120 Dollar. Wenn man weniger ausgeben möchte, empfiehlt es sich, auf Level 100 zu bleiben, aber weiter in Richtung Outfield auszuweichen, wo es Tickets bereits ab 15 Dollar gibt. An heißen Tagen sollte man Plätze an der First-Base-Line wählen, denn die Third-Base-Seite bis ins Leftfield bekommt deutlich mehr Sonne ab. Außerdem empfiehlt sich an solchen Tagen, sofern man Tickets für das untere Level hat, ein Besuch der kalten Dusche hinter Abschnitt 161.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: John Martinez Pavliga (CC BY 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Oak Park Cycle Club (CC BY-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: David Wilson (CC BY 2.0)
(4) Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Jordano53 (CC BY-SA 4.0)

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Mai 19th, 2020 by Silversurger

Am südlichen Stadtrand von Philadelphia widmet sich ein ganzes Viertel dem Sport und anderen Vergnügungen: In trauter Einheit stehen hier das Football-Stadion Lincoln Financial Field (Phildalphia Eagles), die Basketball- und Eishockeyhalle Wells Fargo Center (Philadelphia Flyers, Philadelphia 76ers), das Restaurant- und Konzertcenter Xfinity Live sowie Citizens Bank Park, der Ballpark der Philadelphia Phillies. Um Letzteren geht es heute im 23. Teil meiner Serie über die Ballparks der MLB.

Geschichte
Die 1883 gegründeten Philadelphia Phillies sind eine der ältesten Baseball-Franchises überhaupt. Daher überrascht es wenig, dass Citizens Bank Park schon das fünfte Stadion der Teamgeschichte ist. Sein direkter Vorgänger war Veterans Stadium, das sich die Phillies seit 1971 mit den Eagles sowie zeitweise mit weiteren Football- und Fußballteams teilten – was allein schon wegen der immer durchscheinenden Feldmarkierungen der anderen Sportarten kein schöner Zustand war.

Die Baufälligkeit von Veterans Stadium wurde gegen Ende der 1990er-Jahre unübersehbar. Um einer Mäuseplage im Stadion Herr zu werden, setzte der Sicherheitsdienst Katzen als Kammerjäger ein. Einige Wände waren bereits so zernagt, dass die Spieler der Gästekabine in den Umkleideraum der Eagles-Cheerleader spähen konnten. Während des College-Football-Spiels Army gegen Navy 1998 brach ein Geländer zusammen und verletzte acht Zuschauer. Als zusätzliches Argument gegenüber der Stadt und dem Staat Pennsylvania diente den Phillies und den Eagles, dass im gleichen Jahr in Pittsburgh der öffentlich geförderte Neubau von Baseball- und Footballstadien genehmigt wurde. Die Diskussion in den politischen Gremien zog sich eine Weile hin, doch 2001, während in Pittsburgh schon Eröffnung gefeiert wurde, konnte auch in Philadelphia der Bau beginnen.

Citizens Bank Park, Philadelphia (1)

Am 12. April 2004 warf Phillies-Pitcher Randy Wolf den ersten Pitch im neuen Ballpark. D’Angelo Jimenez schlug gleich im ersten At-Bat ein Leadoff-Double für die Cincinnati Reds, welche das Spiel mit 4:1 für sich entschieden. Der einzige Trost für die Phillies bestand darin, dass Bobby Abreu dem Heimteam die Ehre des ersten Homeruns bewahrte.

Abgesehen vom verlorenen Eröffnungsspiel war Citizens Bank Park ein sofortiger Erfolg für die Phillies. Der Zuschauerdurchschnitt stieg spürbar und dauerhaft an, obwohl das neue Stadion deutlich kleiner war als das alte. Auch sportlich ging es aufwärts: Ab der Eröffnung erzielten die Phillies dreimal den zweiten und anschließend fünfmal hintereinander den ersten Platz in ihrer Division, der NL East. 2008 und 2009 brachten sie die World Series in ihren Ballpark; in der ersten davon gewannen sie alle Heimspiele und holten den Titel mit 4-1 gegen die Tampa Bay Rays, die zweite ging gegen die New York Yankees 2-4 verloren.

Einen ungewöhnlichen Anblick bot Citizens Bank Park Anfang Januar 2012: Der Innenraum wurde unter Eis gesetzt, um ein Eishockey-Spiel zwischen den New York Rangers und den Philadelphia Flyers auszutragen.

Kaum wiederzuerkennen: CBP beim NHL Winter Classic 2012 (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Citizens Bank Park weist von außen die Ziegelfassade eines typischen retro-klassischen Ballparks auf, mit einigen Anspielungen auf kolonialzeitliche Gebäude der Innenstadt. Der Schönheitsfehler dabei ist, dass CBP anders als die meisten Ballparks dieses Stils nicht in der Stadt platziert ist, sondern im erwähnten Sportkomplex einige Meilen außerhalb mit nicht viel drumherum außer Parkplätzen und anderen Stadien. Die Lage nimmt dem Ballpark einiges von dem Charme, den er in einer ansehnlicheren Umgebung ausstrahlen könnte.

Im Inneren des Parks fällt vor allem die 16 Meter hohe Freiheitsglocke ins Auge, die am 8. August 1776 die amerikanische Unabhängigkeit einläutete – das war natürlich nicht die beleuchtete Nachbildung im Ballpark, sondern das Original am Independence Square. Die Rolle der Liberty Bell in Citizens Bank Park ist eine andere: Sie blinkt und läutet immer dann, wenn die Phillies einen Homerun schlagen und wenn sie ein Spiel gewinnen. Bei den Phillies und ihren Fans erfreut sich deshalb in sozialen Netzwerken der Hashtag #RingTheBell großer Beliebtheit.

Hinter dem Centerfield befindet sich Ashburn Alley, eine Art Flaniermeile, von der aus man sowohl das Spiel verfolgen als auch Verpflegungsstände aufsuchen oder diverse Ausstellungsstücke über Philadelphias Baseballgeschichte betrachten kann.

Liberty Bell, das Wahrzeichen des Parks – im Vordergrund Ashburn Alley (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Mit einem 401 Fuß (122m) tiefen Centerfield liegt Citizens Bank Park im Mittelfeld der MLB-Ballparks. Die Leftfieldline hingegen war mit 324 Fuß (99 Meter) ursprünglich sehr kurz geraten. Dadurch etablierte sich der Park schnell als ein Ort, an dem Rechtshänder besonders viele Homeruns schlagen. 2005, also nur zwei Jahre nach der Eröffnung, wurde hier eine Korrektur vorgenommen, indem die Begrenzung ein Stück verschoben wurde, sodass der linke Foulpole nun 329 Fuß (101) Meter von der Homeplate entfernt ist.

Trotz der Anpassung ist Citizens Bank Park immer noch ein günstiges Pflaster für das Schlagen von Homeruns. Oft wird er deswegen als besonders hitterfreundlicher Park bezeichnet, was aber nicht ganz richtig ist. Denn neben der Homerun-Freundlichkeit weist CPB eher ungünstige Werte für Doubles und Triples auf und insgesamt eine durchschnittliche Umgebung für Hits im Allgemeinen.

Homeplate-Perspektive von ganz oben (4)

Wo sitzt man am besten?
Mit ihren Invesitionen von „stupid money“ (Zitat von Owner John Middleton) für Stars wie Bryce Harper, J. T. Realmuto und Zack Wheeler haben die Phillies deutlich gemacht, dass sie ihre jüngste Rebulding-Phase als abgeschlossen betrachten. Das hat sich bereits im letzten Jahr in deutlich gestiegenen Zuschauerzahlen niedergeschlagen, sodass es deutlich schwerer geworden ist, an gute Tickets heranzukommen. Es lohnt sich, früh dran zu sein, auf Spiele zu weniger attraktiven Zeiten auszuweichen oder zu schauen, was der Wiederverkaufsmarkt hergibt. Gut zu wissen ist auch, dass bei ausverkauften Spielen direkt am Spieltag noch 500 Stehplatztickets in den Verkauf gehen.

Die beliebte Perspektive von ziemlich weit unten und zwischen den Dugouts gibt es in den Bereichen 115 bis 132 für vergleichsweise überschaubare Preise ab 70 Dollar je Ticket. Schon ab 20 Dollar bekommt man Sitze auf den Rooftop-Bleachers (301 bis 310) – die Stimmung dort ist gut, der Weg zur Ashburn Alley kurz, das Spielfeld allerdings ziemlich weit weg. An sonnigen Nachmittagsspielen empfehlen sich generell eher die Plätze an der Third-Base-Line; auf den Tribünen an der First-Base-Line in Richtung Rightfield besteht deutlich weniger Hoffnung auf Schatten.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Jimmy Emerson (CC BY-NC-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Tiffany Von Arnim (CC BY-NC 2.0)
(3) Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Centpacrr (CC BY-SA 3.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Ian D’Andrea (CC BY-SA 2.0)

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Mai 12th, 2020 by Silversurger

Nach dem Besuch in Detroit geht in meiner Ballparks-Serie die Reise noch ein Stück weiter nach Norden. Genauer gesagt ist Seattle der nördlichste und der zweitwestlichste Standort der MLB. Rund 70.000 Kilometer legen die Spieler der Mariners jährlich auf ihren Auswärtsreisen zurück, weit mehr als die jedes anderen Teams. Heute aber geht es um ihre Heimstätte: T-Mobile Park.

Geschichte
Die Seattle Mariners nahmen den Spielbetrieb als Erweiterungsteam 1977 im ein Jahr zuvor erbauten Kingdome auf. Die Mehrzweckarena teilten sie sich mit den Seahawks (Football), den Sounders (Fußball) und den SuperSonics (Basketball). Der Kingdome galt zu seiner Eröffnung als hoch entwickeltes, topmodernes Stadion, doch er war ganz offensichtlich nicht für die Ewigkeit geschaffen. Das Dach machte immer wieder Probleme, unter anderem fielen 1994 kurz vor einem Spiel der Mariners mehrere Teile auf die Zuschauerränge herab – zum Glück wurde niemand verletzt. Zudem gab es mehrere kritische Gutachten im Hinblick auf mangelnde Erdbebensicherheit. Sowohl die Mariners als auch die Seahawks drohten letztlich der Stadt mit Wegzug, falls sie kein neues Stadion bekommen.

Nach drei Jahren mit einigem politischen Hin und Her wegen der Finanzierung begannen 1997 die Bauarbeiten für den neuen Mariners-Ballpark gleich gegenüber vom alten Dome. Letzterer wurde übrigens im Jahr 2000 abgerissen und durch ein neues Footballstadion ersetzt.

Mit Kosten von 517 Millionen Dollar war der Bau des Ballparks zum damaligen Zeitpunkt der teuerste der US-Geschichte. Gleichzeitig war es mit 27 Monaten Bauzeit auch der schnellste Bau eines Stadions mit verschließbarem Dach. Die Mariners hatten es so eilig, aus dem Kingdome heraus zu kommen, dass der Umzug mitten in der Saison stattfand: Am 15. Juli 1999 stieg das Eröffnungsspiel, welches mit 2:3 gegen die San Diego Padres verloren ging.

T-Mobile Park, dahinter das Stadion der Seahawks und die Skyline (1)

Der Ballpark hieß bei seiner Eröffnung und für die folgenden 20 Jahre übrigens Safeco Field, benannt nach einem Versicherungsunternehmen. Seit 2019 ist Mobilfunkanbieter T-Mobile neuer Inhaber der Namensrechte.

Safeco Field war 2000 und 2001 Austragungsort von Playoff-Spielen. In beiden Jahren unterlagen die Mariners in der American League Championship Series den New York Yankees. Seitdem mühen sich die Mariners bislang vergeblich um eine erneute Postseason-Qualifikation – länger als jedes andere Profi-Sportteam der USA. 2001 fand auch das All-Star-Spiel der MLB in Safeco Field statt.

Eine Besonderheit für Freunde dominanten Pitchings war das Jahr 2012: Am 21. April pitchte Philip Humber für die Chicago White Sox ein perfektes Spiel gegen die Mariners, am 15. August gelang Mariners-Pitcher Felix Hernandez gegen die Tampa Bay Rays ebenfalls ein Perfect Game. Das war bisher das einzige Mal in der Geschichte, dass es zwei perfekte Spiele in einem Jahr im selben Ballpark gab. Obendrein warfen am 8. Juni desselben Jahres sechs Pitcher der Mariners einen gemeinsamen No-Hitter gegen die Los Angeles Dodgers.

T-Mobile Park von außen mit Mount Rainier im Hintergrund (2)

Architektonische Auffälligkeiten
T-Mobile Park reiht sich ein in den retro-modernen Stil, dem viele seit den 1990er Jahren erbaute Ballparks folgen: Außen Klinker und Stahl, innen mehrstufige Tribünen, ein asymmetrisches Outfield und eine schöne Aussicht auf die Skyline von Seattle. Das größte unverwechselbare Feature von T-Mobile Park ist die Dachkonstruktion. Es handelt sich um ein verschließbares Dach, welches im Gegensatz zu anderen verschließbaren Dächern der MLB – z. B. in Houston oder Milwaukee – nur gegen Sonne und Regen schützt, aber keine Vollklimatisierung des Stadions erlaubt. Die ist in der Regel auch nicht nötig, da Seattle ein recht mildes Klima hat, aber eben viel Niederschlag. Das Dach kann und darf auch während des laufenden Spiels geöffnet oder geschlossen werden. Wenn man mit dem Flugzeug über den Ballpark fliegt, fällt der große magentafarbene Schriftzug „Welcome to T-Mobile Park, Seattle“ ins Auge, der sowohl bei offenem als auch bei geschlossenem Dach sichtbar ist.

Ein Hingucker im Inneren des Stadions ist die riesige Video-Anzeigetafel über dem Centerfield. Mit 1.070 m² ist es die zweitgrößte in der MLB, übertroffen nur von der in Cleveland.

In das Stadion integriert, hinter den Blöcken 135-141, ist das „Baseball Museum of the Pacific Northwest“. Wenn man genug Zeit mitbringt, kann man sich hier vor dem Spiel über die Baseball-Teams informieren, die es im Nordwesten der USA vor der Gründung der Mariners 1977 gab. Außerdem befindet sich dort die „Mariners Hall of Fame“ mit Informationen und Ausstellungsstücken über die Größen des Klubs wie Edgar Martinez oder Ken Griffey Jr.

T-Mobile Park (damals noch Safeco Field) mit geschlossenem Dach (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Felddimensionen von 401 Fuß (122m) im Centerfield, 331 Fuß (101m) an der Leftfield- und 326 Fuß (99m) an der Rightfieldlinie liegt T-Mobile Park ziemlich im Durchschnitt der MLB. Trotzdem gilt der Park als eine der pitcherfreundlichsten Umgebungen der Liga. Die Parkfaktoren zeigen regelmäßig unterdurchschnittliche Bedingungen für Runs, Homeruns und Extrabase-Hits, dafür erhöhte Wahrscheinlichkeiten für Strikeouts. Zu erklären ist dies durch den „Marine Layer“, eine für die Gegend typische, dichte Luftschicht die durch das Auftreffen von warmer Luft auf den kalten Ozean entsteht. Der Marine Layer verursacht in Seattle den gegenteiligen Effekt der dünnen Luft, die Coors Field in Denver zum Paradies für Hitter macht.

Das Dach von T-Mobile Park ist so hoch, dass es sehr selten von geschlagenen Bällen getroffen wird. Falls es doch vorkommt, bestimmen die Ground Rules, dass
– ein Ball nach dem Berühren des Daches weiterhin zum Flyout gefangen werden kann;
– ein Ball, der das Dach im Foul Territory berührt, in jedem Fall als Foulball gewertet wird;
– ein Ball, der das Dach im Fair Territory berührt, je nach Ort seiner Landung als fair oder foul gewertet wird.

Wo sitzt man am besten?
Die durchschnittliche Auslastung des knapp 48.000 Zuschauer fassenden T-Mobile Park lag in den letzten Jahren regelmäßig unter 60 Prozent. Es ist daher normalerweise kein Problem, auch kurzfristig noch an Tickets heranzukommen. Die Preise liegen im Mittelfeld der MLB.

Wie in jedem Ballpark bieten die beste Sicht die Plätze hinter der Homeplate für ein paar hundert Dollar. Für 60 bis 70 Dollar bekommt man aber auch schon sehr gute Plätze um das Infield herum in den Terrace Club Sections 220-240. Auf den Outfield-Tribünen kommt man für unter 20 Dollar unter. Man ist dort natürlich sehr weit weg und sieht vor allem im Centerfield die Anzeigetafel nur, wenn man den Kopf dreht.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Sean O’Neill (CC BY-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Tiffany Von Arnim (CC BY 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: albedo20 (CC BY-NC-ND 2.0)

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Mai 5th, 2020 by Silversurger

Detroit hat einen schönen, etwas außerhalb gelegenen Zoo. Aber um die prominentesten Raubtiere der Stadt zu sehen, muss man das Zentrum nicht verlassen, denn dort stehen einträchtig nebeneinander die Gehege der Footballer von den Detroit Lions – Ford Field – und der Baseballer von den Detroit Tigers – Comerica Park. Um letzteren geht es in der heutigen Folge meiner Serie über die Ballparks der MLB.

Großartiger Blick auf die Skyline (1)

Geschichte
Als Gründungsmitglied der American League, das zudem nie die Stadt oder den Namen gewechselt hat, sind die Tigers eine der traditionsreichsten Baseball-Franchises überhaupt. Nach einigen kurzlebigen Heimstätten zu Beginn der Teamgeschichte zogen sie 1912 in Navin Field ein. Das Stadion, das später in Briggs Field und schließlich in Tiger Stadium umbenannt wurde, war stolze 88 Jahre lang in Betrieb.

So sehr die Tigers und ihre Fans das alte Stadion liebten, war doch ab Mitte der 1990er Jahre absehbar, dass ein neuer Ballpark her musste. Die Stadt Detroit stellte in einer Initiative zur Belebung der Innenstadt den Standort für die Neubauten der Tigers und der Lions zur Verfügung. Als Architekturbüro wurden die etablierten Ballpark-Spezialisten von HOK Sports (heute Populous) ausgewählt. Diese konstruierten ein Stadion im bewährten retro-klassischen Design, das von Oktober 1997 bis April 2000 erbaut wurde. Die Comerica Bank erwarb für 66 Millionen Dollar die Namensrechte für 30 Jahre.

Das Eröffnungsspiel stieg am 11. April 2000 zwischen den Tigers und den Seattle Mariners und wurde von den Hausherren 5:2 gewonnen. Bei Temperaturen um 2 Grad Celsius und Schneefall wird sich schon an diesem ersten Betriebstag von Comerica Park der eine oder andere der 39.168 Zuschauer gefragt haben, ob es wirklich eine gute Idee war, auf ein Dach zu verzichten. Die Diskussion, ob man eine Überdachung, vielleicht sogar ein bewegliches Dach, nachrüsten soll, kommt bis heute immer wieder hoch.

2005 fand das All-Star-Game der MLB in Comerica Park statt, ein Jahr später erlebte der Ballpark seine ersten Playoff-Spiele und auch gleich seine erste World Series. Die Tigers verloren die World Series 2006 mit 1-4 gegen die St. Louis Cardinals. 2012 erreichten sie erneut die Meisterschaftsserie, in der si sich mit 0-4 den San Francisco Giants geschlagen geben mussten. In Comerica Park gab es bislang nur einen No-Hitter: Das Kunststück gelang Justin Verlander am 12. Juni 2007 beim 4:0-Sieg der Tigers gegen die Milwaukee Brewers.

Der Eingang lässt keine Zweifel, wer hier zu Hause ist (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Von außen sieht Comerica Park mit seiner Ziegelfassade im Grunde aus wie ein durchschnittlicher Ballpark der retro-klassischen Bauart – abgesehen davon, dass er von Dutzenden Tigerstatuen und -köpfen „bevölkert“ wird, die das Bild des Stadions massiv prägen. Ein weiteres extensiv eingesetztes Designelement sind die riesigen Baseballschläger, die zum Beispiel im obigen Bild über dem Eingang zu sehen sind. Diese Schläger sind keine willkürlichen Standardmodelle, sondern jeweils den Bats von legendären Tigers-Spielern nachempfunden.

Im Inneren des Stadions fällt zuerst die tolle Aussicht auf die Skyline von Detroit ins Auge. Aber auch das Spielfeld bietet einen ungewohnten Anblick: Zum einen hat der normalerweise runde Bereich um die Homeplate in Comerica Park selbst die Form einer Homeplate. Zum anderen verläuft zwischen der Homeplate und dem Mound ein Dirt-Streifen. Ein solcher Streifen war in frühen Ballparks üblich, ist heute aber eine Seltenheit. Meines Wissens ist Comerica Park zurzeit der einzige MLB-Ballpark mit diesem Feature, nachdem Chase Field in Arizona seinen Streifen letztes Jahr abgeschafft hat.

Bei jedem Homerun der Tigers wandert Blick automatisch zur Chevrolet Fountain, der großen Springbrunnen-Anlage hinter dem Centerfield, die zu diesen und anderen besonderen Ereignissen in die Höhe schießt.

Wasserspiele bei jedem Tigers-Homerun (3)

Weitere Besonderheiten von Comerica Park finden sich hinter beziehungsweise unter den Tribünen: Jenseits der 3rd-Base-Seite des Stadions steht ein 15 Meter hohes Riesenrad, in dem man für 2 Dollar ein paar Runden in einer baseballförmigen Kabine drehen kann. Der Innenbereich des Ballparks ist durchzogen von einem „Walk of Fame“. Wenn man vor dem Spiel genug Zeit hat, kann man dort auf einem Spaziergang die Geschichte der Tigers anhand von Fotos und Ausstellungsstücken nachvollziehen.

Ein Hit (nicht nur) für Kids: Das Riesenrad „Fly Ball“ in Comerica Park (4)

Spielbezogene Eigenheiten
Als Comerica Park im Jahr 2000 eröffnete, wurden Detroits Baseballfans mit einem massiven Unterschied zum Vorgänger-Stadion konfrontiert: Während Tigers Park als einer der hitter-freundlichsten Ballparks der MLB galt, war das neue Stadion dank eines vor allem in den Ecken deutlich größer dimensionierten Outfields das genaue Gegenteil davon. Mit der Pitcherfreundlichkeit des Parks war man bei den Tigers nicht glücklich und so gab es schon bald – 2003 und 2005 – Umbauten, bei denen zuerst das Leftfield und dann das Rightfield verkleinert wurde. Das Ziel der Maßnahmen wurde erreicht, denn seitdem ist Comerica Park ein relativ ausgewogener Ballpark mit leichten Vorteilen für die Hitter.

Wo sitzt man am besten?
Das Team der Tigers befindet sich in einer Rebuilding-Phase, und das schlägt sich spürbar im Zuschauerinteresse nieder: Mit im Schnitt 18.767 verkauften Tickets war Comerica Park letztes Jahr nicht mal zur Hälfte ausgelastet. Daran dürfte sich kurzfristig wenig ändern, sodass man – sobald es wieder MLB-Spiele mit Zuschauern gibt, versteht sich – relativ leicht und günstig an Karten für Tigers-Spiele kommt.

Die beste Sicht hat man, wie in fast jedem Ballpark, von den unteren Plätzen um das Infield. Will man direkt hinter der Homeplate sitzen (Bereiche 125-130), muss man in der Regel mehrere hundert Dollar pro Sitz hinblättern. Auf Höhe der ersten oder dritten Base (120 bzw. 135) kann man aber bereits ein Schnäppchen mit hervorragenden Plätzen für 30 oder 40 Dollar machen.

Wenn man einfach nur ins Stadion kommen und dafür nicht viel ausgeben möchte, bieten sich die Blöcke 149-150 im hinteren Leftfield an. Da ist man zwar weit vom Geschehen, aber die Sicht ist unverbaut, man kann einen Blick in den Gäste-Bullpen werfen und zahlt für die Tickets mit etwas Glück nur 10 Dollar oder weniger.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Ed McDonald (CC BY-NC 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Lauren (CC BY-NC-ND 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: GabboT (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Perry (CC BY-NC-ND 2.0)

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April 28th, 2020 by Silversurger

In der Ballparks-Serie unternehmen wir heute eine virtuelle Reise nach Texas, genauer gesagt in den Minute Maid Park in Houston. Der Ballpark stand in den letzten Jahren einige Male im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – positiv als Schauplatz der World Series 2017 und 2019, aber auch negativ als der Ort, an dem sich der wohl größte Skandal im Baseball seit über 100 Jahren zutrug.

Minute Maid Park in Houston (1)

Geschichte
Als Mitte der 1990er-Jahre die Multifunktionsarena Astrodome unübersehbar in die Jahren gekommen war und die NFL-Franchise Houston Oilers vor der unbefriedigenden Stadionsituation nach Memphis flüchtete, war klar, dass auch die Baseballer der Houston Astros einer neuen Heimstätte bedurften. Die ersten Pläne sahen vor, den Ballpark auf dem Gelände des Astrodomes zu erbauen. Doch auf Betreiben des Energiekonzerns Enron, der sich massiv als Sponsor engagierte, wurde stattdessen der Standort des alten Bahnhofs Union Station in der Innenstadt von Houston gewählt.

Das auf Stadien spezialisierte Architekturbüro HOK Sports, heute unter dem Namen Populous bekannt, hatte die Herausforderung zu meistern, die denkmalgeschützten Teile des Bahnhofs mit einem modernen Baseballstadion zu verschmelzen. Das gelang, indem man das Haupt-Terminal des Bahnhofs renovierte und zur Eingangshalle des Ballparks umfunktionierte. Die Bauzeit währte von November 1997 bis zum Saisonbeginn 2000. Das Stadion erhielt den Namen „Enron Field“ und so würde es heute noch heißen, wenn der auf 30 Jahre ausgelegte Namensrechte-Deal erfüllt worden wäre. Doch die Firma Enron verwickelte sich in Skandale und meldete sich 2002 bankrott. Daraufhin kauften sich die Astros aus dem Vertrag heraus und vermieteten die Rechte – erneut für 30 Jahre – an die Coca-Cola-Tochter Minute Maid. Seitdem trägt der Park den Spitznamen „The Juice Box“.

Das Eröffnungsspiel fand am 7. April 2000 zwischen den Astros und den Philadelphia Phillies statt. Nach dem zeremoniellen ersten Pitch von Enron-Chef Kenneth Lay unterlagen die Hausherren mit 1:4. Auch der erste Hit (Doug Glanville) und der erste Homerun (Scott Rolen) im neuen Ballpark gingen auf das Konto der Gäste.

In der Offseason 2016/2017 wurden an Minute Maid Park einige Renovierungen und Umbauten durchgeführt. Die auffälligste Änderung bestand darin, dass „Tal’s Hill“ entfernt wurde. Das war eine ansteigende Ausbuchtung im Centerfield, auf der ein Fahnenmast platziert war. Sowohl der Anstieg als auch der Fahnenmast waren Teil des Spielfeldes. Diese einzigartige Installation brachte einige spektakuläre Catches hervor, wurde aber wegen der Verletzungsgefahr oft kritisiert. Beim Umbau wurde Tal’s Hill eingeebnet und durch neue Zuschauerplätze und Verkaufsstände ersetzt.

In Minute Maid Park fanden das All-Star-Game 2004 sowie Teile von bislang drei World Series statt. Zweimal wurde der Gewinn des Meistertitels in dem Ballpark gefeiert, allerdings jeweils von der Gastmannschaft: den Chicago White Sox 2005 und den Washington Nationals 2019. 2017, im Jahr des Sign-Stealing-Skandals, gewannen die Astros zwei der drei Heimspiele im eigenen Park, bevor sie ihren bislang einzigen Titelgewinn in Dodger Stadium klarmachten.

Ein eher seltener Anblick: Minute Maid Park mit offenem Dach (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Das Bahnhofsthema ist in vielerlei Hinsicht prägend für Minute Maid Park. Die Westfront ist die der ehemaligen Union Station, aber auch von der Südseite mit dem Uhrturm (siehe Foto ganz oben) könnte man den Ballpark leicht mit einem Bahnhof verwechseln.

Auch das prominenteste Wahrzeichen von Minute Maid Park fügt sich ins Thema ein: Über dem Leftfield verläuft eine Bahnstrecke von rund 240 Metern, auf der nach jedem Homerun der Astros eine Lokomotive im Stil des 19. Jahrhunderts pfeifend auf und ab fährt. Gleichzeitig erhöht sich der Zähler, der sämtliche Homeruns der Astros in ihrem Stadion dokumentiert. Dieser Zähler fällt allerdings thematisch etwas aus dem Rahmen, denn er ist an der Nachbildung einer klassischen Phillips-66-Pump, also einer Benzin-Tanksäule, angebracht.

Ein sehr wichtiges und hilfreiches Feature ist angesichts des von Hitze und teilweise heftigen Unwettern geprägten Klimas der Region das ausfahrbare Dach. Das Dach besteht aus drei Teilen und kann innerhalb von 20 Minuten geöffnet oder geschlossen werden. Gemeinsam mit dem Dach öffnet oder schließt sich auch die Glasfront zur Skyline von Houston. Nach den Regeln der MLB muss die Entscheidung über das Dach vor jedem Spiel getroffen werden – ein Öffnen oder Schließen während der Partie ist nicht erlaubt. In der Regel findet nicht mehr als ein Fünftel der Spiele bei offenem Dach statt.

Der Minute Maid Park Train (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Für lange Jahre war Minute Maid Park geprägt durch eine außergewöhnlich kurze Leftfield-Line von 315 Fuß (96m) und ein extrem tiefes Centerfield mit 436 Fuß (133m) dank Tal’s Hill. Bei den Umbauten in der Offseason 2016/2017 wurde das Centerfield auf 409 Fuß (125m) verkürzt. Das ist immer noch überdurchschnittlich, fällt aber nicht mehr so aus dem Rahmen wie früher.

Die Parkfaktoren für Minute Maid Park wiesen in den drei Jahren seit dem Umbau starke Schwankungen auf, sodass man keine klare Aussage treffen kann, ob der Ballpark in seiner heutigen Form generell pitcher- oder batterfreundlich ist. Ein einheitliche Beobachtung aus allen drei Jahren ist aber, dass in Minute Maid Park einerseits überdurchschnittlich viele Homeruns und andererseits unterdurchschnittlich viele Doubles und Triples geschlagen werden.

Meistens ist das Dach geschlossen (4)

Wo sitzt man am besten?
Die Kapazitäten von Minute Maid Park waren in den letzten Jahren üblicherweise zu 85 bis 90 Prozent ausgelastet. Angesichts der Erfolge der Astros ist das keine Überraschung und es ist ein Hinweis darauf, dass man sich frühzeitig um Tickets kümmern sollte. Ob sich am Zuschauerzuspruch infolge des Sign-Stealing-Skandals etwas ändert, bleibt abzuwarten.

Gute und zugleich erschwingliche Plätze findet man in der zweiten und dritten Ebene um das Infield. Auf den Club-Sitzen der Abschnitte 213-226 für ungefähr 70 bis 150 Dollar wird man sogar am Platz bedient. Ein Level höher, in den Abschnitten 314 bis 324, muss man auf diesen Luxus zwar verzichten und ist auch etwas weiter weg, dafür kommt man hier aber schon ab 35 Dollar unter.

Zu vermeiden sind die äußeren Ecken des Outfield-Decks (432-434 und 407-408). Hier ist man nicht nur weit entfernt vom Geschehen, sondern im Sichtfeld fehlt oft auch ein Teil des Outfields.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Ron Kikuchi (CC BY-NC-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Eric Kilby (CC BY-SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Roy Luck (CC BY 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Mark Hodgins (CC BY 2.0)

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