Category: Ballparks

Dezember 11th, 2018 by Silversurger

In Baltimore sind die Orioles, das momentan wohl uninteressanteste Team der MLB, zu Hause. Weder der mitleiderregende Zustand der Franchise, die dieses Jahr 115 Spiele verloren hat, noch der etwas sperrige Name „Oriole Park at Camden Yards“ können aber verbergen, dass die Heimstätte der Orioles eines der schönsten Stadien der Liga ist. Tatsächlich hat der 1992 eröffnete Ballpark so viel Zuspruch und Begeisterung ausgelöst, dass er fast allen seitdem eröffneten MLB-Stadien mehr oder weniger stark als Vorbild in Struktur und Design diente.

Geschichte
Die Orioles hatten seit ihrer Ansiedlung in Baltimore im Jahr 1954 im Memorial Stadium gespielt. Es handelte sich um ein Multisport-Stadion, das sie sich mit dem NFL-Team Baltimore Colts teilten. Die Colts zogen 1984 nach Indianapolis um, unter anderem weil die Stadt nicht bereit war, Geld für ein neues Stadion auszugeben. Das Risiko, auch die Orioles – und damit den Status als Profisport-Stadt – zu verlieren, bewirkte ein Umdenken der politisch Verantwortlichen. Die Finanzierung eines neuen Ballparks wurde genehmigt und das Architektenbüro HOK Sport (heute Populous) erhielt den Auftrag zur Planung.

1989 begann die 33-monatige Bauphase. Währenddessen wurde über den Namen des neuen Stadions diskutiert. Der damalige Teambesitzer Eli Jacobs sprach sich für „Oriole Park“ aus. Diesen Namen hatten schon fünf frühere Ballparks getragen, von denen der letzte 1944 abgebrannt war. Der Gouverneur des Staates Maryland bevorzugte „Camden Yards“ und nach langer Diskussion einigte man sich auf den zusammengesetzten Namen, den der Ballpark bis heute trägt.

Panorama aus Sicht der Third-Base-Seite (1)

Mit Baukosten von 110 Millionen Dollar war das in der Innenstadt gelegene Stadion vergleichsweise günstig. Oriole Park at Camden Yards wurde am 6. April 1992 mit dem Spiel der Orioles gegen die Cleveland Indians eröffnet. Den zeremoniellen ersten Pitch warf der damalige US-Präsident George Bush. Rick Sutcliffe pitchte einen Complete Game Shutout und die Orioles gewannenen 2:0. 1993 war Oriole Park Gastgeber des All-Star-Spiels der MLB.

2008 und 2009 wurden neue Sound- und Videoanlagen nachgerüstet. 2011 bis 2012 erfolgte eine größere Renovierung, bei der vor allem Premium-Sitze und Logen sowie das gastronomische Angebot aufgewertet wurden.

Eine unschöne Premiere erlebte Oriole Park am 29. April 2015 mit der Partie der Orioles gegen die Chicago White Sox: Zum ersten Mal in der Geschichte der MLB fand ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Grund waren Sicherheitsbedenken angesichts von gewaltsamen Unruhen in der Stadt, die auf den Tod des dunkelhäutigen Freddie Gray in Polizeigewahrsam zurück gingen.

Architektonische Auffälligkeiten
Oriole Park at Camden Yards war das erste Objekt, das von Populous in dem inzwischen sehr verbreiteten Retro-Stil umgesetzt wurde. Es setzte einen Trend, der weg ging von futuristischen Multifunktionsarenen, hin zu reinen Baseballstadien mit klassisch übereinander gestuften Tribünen, von Ziegelsteinen dominierten Außenfronten und bewusst asymmetrischen Außenfeldmaßen.

Frontansicht von Oriole Park (2)

Das Vorbild aus Baltimore war so einflussreich, dass 20 Jahre später (und bis heute) nur noch zwei Teams – Oakland und Toronto – übrig blieben, die nicht in einem reinen Baseballstadion spielen. Seit der Eröffnung von Oriole Park wurden 22 MLB-Stadien entweder neu gebaut oder umfassend renoviert. 21 davon werden den von Oriole Park geprägten Kategorien „retro-klassisch“ oder „retro-modern“ zugerechnet, mit Marlins Park in Miami als einzige Ausnahme.

Eine Besonderheit stellen zwei orangefarbene inmitten der ansonsten allesamt grünen Sitze dar. Einer befindet sich auf der Tribüne im rechten Außenfeld und markiert die Stelle, an die Orioles-Legende Eddie Murray 1996 seinen 500. Homerun schlug. Der andere im linken Außenfeld erinnert an den 278. Homerun von Cal Ripken Jr. als Shortstop, der damit 1993 einen Rekord aufstellte.

Spielbezogene Eigenheiten
Oriole Park at Camden Yards ist ein relativ vorteilhafter Ballpark für Power-Hitter, das heißt es gibt dort mehr Homeruns als im Durchschnitt. Das gilt für Batter mit beiden Händigkeiten, für linkshändige allerdings etwas mehr. Das liegt vor allem am kurzen Rightfield mit der nur 318 Fuß (97 Meter) langen Foullinie, woran auch der 25 Fuß (7,62 Meter) hohe Zaun nichts ändert. Das 400 Fuß (122 Meter) tiefe Centerfield gehört ebenfalls zu den kleineren der Liga. Das Leftfield mit 333 Fuß (101,5 Meter) Tiefe am Foulpole ist nicht ganz so klein, dafür ist der Zaun dort nur 7 Fuß (2,14 Meter) hoch.

Die Ballpark-Faktoren von ESPN zeigen, dass im Gegensatz zu Homeruns sonstige Extra-Base-Hits, also Doubles und Triples, in Baltimore seltener vorkommen als in anderen Stadien. Das ist eine häufige – und logische – Beobachtung in eher kleinen Ballparks mit entsprechend kürzeren Wegen im Feldspiel.

Wo sitzt man am besten?
Die aktuelle Erfolglosigkeit der Orioles führt dazu, dass der Ballpark oft nur zur Hälfte gefüllt ist. Das ist einerseits schade wegen der Stimmung, andererseits gibt es dadurch keine Probleme, an bezahlbare Tickets zu kommen.

In der Kategorie „Club Box“ (Blöcke 216 bis 254) bekommt man für 40 bis 80 Dollar gute Plätze auf mittlerer Höhe um das Infield herum. Wenn man etwas günstiger fahren möchte, findet man für weniger als die Hälfte des Preises Plätze genau eine Etage darüber in den Blöcken 312 bis 348.

Wer im Ballpark regelmäßig von großem Hunger und Durst heimgesucht wird, dürfte sich über das All-Inclusive-Angebot für die Picknickplätze hinter dem Bullpen im Leftfield freuen. Vom Hauptgeschehen auf dem Feld ist man zwar relativ weit weg, aber die Bistrotische füllen sich bis zum Abwinken (bzw. bis zum siebten Inning) mit Hot Dogs, Nachos, Softdrinks etc. und ab und zu kann man dort auch einen Homerunball fangen. Die Preise für diese Plätze liegen ebenfalls bei rund 40 bis 80 Dollar je nach Attraktivität der Spielpaarung und -zeit.

Homeplate-Perspektive bei Nacht (3)

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Keith Allison (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Jkinsocal (CC BY SA 3.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Brian Moran (CC BY NC 2.0)

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Dezember 4th, 2018 by Silversurger

10 Meilen außerhalb der Innenstadt von Atlanta lockt seit eineinhalb Jahren das neueste Stadion der MLB zu den Heimspielen der Braves. SunTrust Park hat seine ersten beiden Saisons hinter sich und ich finde, es wird Zeit, das schöne Stück im Rahmen meiner Ballparks-Serie vorzustellen.

Geschichte
In den meisten Fällen wird ein neuer Ballpark erst dann gebaut, wenn der alte spürbar in die Jahre gekommen ist. Das war in Atlanta nicht so. Das vorherige Stadion, Turner Field, war gerade erst 20 Jahre alt, als die Braves es schon wieder verließen. Es gab im Umfeld entsprechend viele Stimmen, die sich gegen den Neubau aussprachen. Es sei Verschwendung von Steuergeldern, wenn in so kurzen Abständen öffentliche Mittel in je dreistelliger Millionenhöhe in ein Baseball-Stadion fließen, lautete ein Teil der Kritik. Der andere Teil richtete sich gegen den Standort des neuen Ballparks: Der Umzug aus der Innenstadt in die überwiegend von gut situierten Weißen bewohnte Vorstadt Cobb wurde als „White Flight“ kritisiert, als Flucht aus einer sozial benachteiligten in eine privilegierte Gegend. Hinzu kam, dass der neue Standort mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Atlanta heraus nicht besonders gut erreichbar ist, da es in mehreren Meilen Umkreis um SunTrust Park keine Bahnstrecke gibt.

Es sprachen aber auch eine Menge guter Argumente für den frühzeitigen Neubau. Turner Field war 1996 für die Olympischen Spiele erbaut und anschließend planmäßig zum reinen Baseballstadion umfunktioniert worden. Unter Termindruck musste das Stadion damals schnell und günstig gebaut werden. 20 Jahre später war es deshalb trotz seines noch recht jungen Alters renovierungsbedürftig und hätte Schätzungen zufolge 350 Millionen Dollar verschlungen, wenn man es für eine längerfristige Nutzung hätte fit machen wollen. Das wären bereits mehr als die Hälfte der Kosten des Neubaus von 622 Millionen gewesen. Auch die laufenden Kosten von Turner Field waren seiner Bauweise wegen sehr viel höher als die eines „normalen“ Stadions. Für die Einwohner von Atlanta selbst war Turner Field zwar gut erreichbar, das galt allerdings nicht für einen Großteil der Fanbasis aus dem Umland. Es fehlte vor allem an Parkplätzen und es waren keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten vorhanden.

Nach nur 20 Jahren hatte Turner Field ausgedient (1)

So wurde schließlich von 2014 bis 2017 neu gebaut. Der Standort von SunTrust Park entspricht ungefähr der geografischen Mitte des Einzugsbereichs der Braves. Neben dem Ballpark wurde der Entertainment-Komplex „The Battery Atlanta“ errichtet, um die Umgebung für die Zeiten vor und nach den Spielen aufzuwerten. Es sind ausreichend Parkplätze vorhanden, insbesondere da die Spiele während der Woche erst um 19:30 Uhr Ortszeit beginnen, wenn viele Berufspendler schon weg sind. Das Problem mit der nicht vorhandenen Bahnstrecke konnte allerdings nicht wirklich aus der Welt geschaffen werden. Man behilft sich mit einem System von zahlreichen Shuttle-Bussen.

SunTrust Park wurde am 31. März 2017 mit einem Spring-Training-Spiel zwischen den Braves und den New York Yankees eingeweiht. Das offizielle Eröffnungsspiel fand am 14. April gegen die San Diego Padres statt. Den zeremoniellen ersten Pitch warf die Braves-Legende Hank Aaron zu Bobby Cox, der die Braves von 1990 bis 2010 gemanagt hatte. In dem Spiel, das die Braves mit 5:2 gewannen, zeichnete sich vor allem Ender Inciarte aus: Er erzielte das erste Out, den ersten Hit, den ersten Homerun und den ersten Run des neuen Stadions.

SunTrust Park am Tag seiner Eröffnung (2)

Architektonische Auffälligkeiten
SunTrust Park wurde von Populous geplant, dem Architekturbüro, dessen Feder 19 von 30 Ballparks der MLB entsprungen sind. Das äußere Erscheinungsbild wird – passend zum verbreiteten Stil im Südosten der USA – dominiert von Ziegelsteinen. Innen fällt vor allem auf, wie nah man als Zuschauer am Geschehen ist: Durch steilere und stärker überlappende mittlere und obere Ebenen ist die durchschnittliche Entfernung zwischen den Sitzen und dem Feld geringer als in jedem anderen MLB-Ballpark.

Frontansicht von SunTrust Park (3)

Im Batter’s Eye, also in der Mitte hinter dem Centerfield, wurde eine kleine Landschaft mit Bäumen und einem Wasserfall errichtet. Sie wurde inspiriert von einem ähnlichen Feature in Coors Field in Colorado. Eine rund 15 Meter hohe Wasserfontäne zelebriert Homeruns und Siege der Braves.

Im Inneren des Gebäudes hinter der Homeplate befindet sich der „Monument Garden“, ein integriertes Museum mit Statuen, Plaketten und anderen Ausstellungsstücken, die an die Highlights der Teamgeschichte erinnen.

Spielbezogene Eigenheiten
Mit Feldmaßen von 400 Fuß (122 Meter) im Centerfield sowie Foul-Linien von 335 Fuß (102 Meter) im Leftfield und 325 Fuß (99 Meter) im Rightfield liegt SunTrust Park im Mittelfeld der MLB-Ballparks.

Für eine valide Beurteilung der Tendenzen zu Gunsten oder Ungunsten von Pitchern und Battern, nach Händigkeit und verschiedenen Arten von Hits, liegen nach nur zwei Jahren noch relativ wenige Erfahrungswerte vor. Vor Eröffnung des Stadions hatten mehrere Experten – darunter Braves-Manager Brian Snitker – die Erwartung geäußert, das SunTrust Park vor allem bei Hittern beliebt sein würde. Die Ballpark-Faktoren der ersten zwei Jahre geben dazu jedoch ein eher unklares Bild ab: 2017 landete der Park knapp unter dem Durchschnitt, was das Erzielen von Runs betrifft. 2018 landete er in dieser Hinsicht auf einem hitterfreundlichen Platz sieben von 30; allerdings fielen die Runs eher über Singles und Walks, während Homeruns und sonstige Extra-Basehits unterdurchschnittlich häufig vorkamen.

Wo sitzt man am besten?
Wie ich schon erwähnt habe, sitzt man im SunTrust Park durchschnittlich näher am Feld als in anderen Stadien. Das ist prinzipiell erfreulich. Allerdings hat die dafür ursächliche Bauweise in Verbindung mit der Südost-Ausrichtung des Stadions einen unangenehmen Nebeneffekt: Wenn die Sonne scheint, ist man ihr auf einer Seite des Ballparks gnadenlos ausgeliefert. Von daher ist mein erster und wichtigster Tipp: Wenn ihr ein Nachmittagsspiel besucht, meidet die Third-Base-Seite sowie das Outfield; bei einem Mittagsspiel ist es zudem auch direkt hinter der Homeplate – ausgerechnet auf den teuersten Plätzen – an heißen Tagen kaum auszuhalten. Fast immer schattig ist es hingegen auf den oberen Plätzen (Level 400) um die Homeplate herum, denn dort hat man das Dach direkt über sich. Mit 11 bis 24 Dollar sind diese Sitze zudem sehr erschwinglich.

Für Abendspiele ist die Auswahl geeigneter Sitze deutlich größer. Das Sonnen-Problem entfällt und die Sicht auf das Spielfeld ist von allen Plätzen in SunTrust Park gut bis sehr gut. Die Preisgestaltung ist die übliche, das heißt je näher an der Homeplate und je weiter unten, umso teurer sind die Tickets. Das durchschnittliche Preisniveau von SunTrust Park bewegt sich Mittelfeld der MLB-Ballparks. Je nach Zeit und Gegner kosten die günstigsten Einzeltickets  – ganz oben im Outfield – zwischen 7 und 15 Dollar und die teuersten – direkt am Infield – zwischen 102 und 165. Für Logen und Suites blättert man natürlich mehrere hundert Dollar hin, sofern man überhaupt an solche Tickets kommt.

Blick von der Rightfield-Tribüne (4)

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Ryan W20.01 (CC BY SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Thechased (CC BY SA 4.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Peter Ciro (CC BY NC-ND 2.0)
(4) Quelle: Wikimedia, Urheber: Thomson200 (Public Domain)

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November 27th, 2018 by Silversurger

An der 161st Street im New Yorker Stadtteil Bronx steht der Ballpark, der dieses Jahr in der MLB die (nach Dodger Stadium) zweitmeisten Besucher begrüßen durfte. Er beherbergt die erfolgreichste Franchise der Baseball-Geschichte: die New York Yankees.

Geschichte
Yankee Stadium ist einer der neuesten Ballparks der Liga, allerdings wird das vom nur halb interessierten Beobachter schnell übersehen. Es besteht nämlich akute Verwechslungsgefahr mit dem alten Stadion der Yankees, das den gleichen Namen trug, an fast der gleichen Stelle stand und dem neuen architektonisch sehr ähnelte.

Das 1923 eröffnete alte Yankee Stadium war das erste eigene Stadion der Yankees, die sich bis dahin die Polo Grounds mit den New York Giants geteilt hatten. Leisten konnten sich die Yankees den Bau nicht zuletzt deshalb, weil sie in den Jahren zuvor zu New Yorks erfolgreichstem Klub aufgestiegen waren und den Giants auch bei den Zuschauerzahlen den Rang abgelaufen hatten. Für beide Entwicklungen spielte Superstar Babe Ruth eine große Rolle. Man nannte das Stadion deshalb auch gerne „the house that Ruth built“.

Das alte Yankee Stadium (1923-2008) (1)

Eine umfangreiche Renovierung 1974/75 verlängerte die Lebensdauer des Ballparks, doch schon ab Beginn der 1980er Jahre warb Teambesitzer George Steinenbrenner immer wieder für einen Neubau. Das tat er lange ohne Erfolg, weil er weder in New York noch am Alternativstandort in New Jersey die Zustimmung zu der nötigen öffentlichen Finanzierung fand. Doch steter Tropfen höhlt den Stein: 20 Jahre später hatte Steinenbrenner die Verhandlungen mit dem New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani kurz vor dem Ende von dessen Amtszeit so weit getrieben, dass sein Nachfolger Michael Bloomberg aus den Zusagen nicht mehr heraus kam, obwohl er es versuchte. Mit Gesamtkosten von 2,3 Milliarden Dollar, davon 1,2 Millarden öffentliche Gelder, ist das von 2006 bis 2008 erbaute Yankee Stadium bis heute das teuerste Stadion der Welt.

Sportlich war der Neueinzug ins Stadion für die Yankees immer ein Garant für schnelle Erfolge: 1923 gewannen sie im frisch erbauten Yankee Stadium ihre erste World Series, 2009 im neuen Yankee Stadium ihre 27. und bisher letzte. 1976, als sie nach zwei Jahren Umbau zurück in ihr Stadion durften, erreichten sie zumindest die Finalserie und in den beiden Folgejahren holten sie jeweils den Titel. Es mag überraschen, dass das zehn Jahre alte Stadion bisher noch nie Gastgeber des All-Star-Games sein durfte. Das liegt vor allem daran, dass der alte Ballpark diese Ehre 2008 zum Abschied hatte, sodass die Yankees nun eben wieder eine Weile warten müssen, bevor sie das nächste Mal an die Reihe kommen.

Außer Baseball finden im Yankee Stadium auch regelmäßig die Fußballspiele des New York City FC sowie gelegentlich College Football und Konzerte statt.

Das neue Yankee Stadium (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Das neue Yankee Stadium ist im Kern selbstverständlich ein hochmoderner Ballpark mit diversen Annehmlichkeiten. Doch bei der äußeren Gestaltung wurde sehr viel Wert darauf gelegt, Vorbilder aus dem alten Stadion aufzugreifen. Die Fassade soll der des Urzustands des ersten Yankee Stadium von 1923 möglichst ähnlich sehen und auch die bordürenartige Verzierung am Dach wurde aus dieser Zeit kopiert.

Im Centerfield steht eine moderne Videowand, doch im linken und rechten Outfield wurden zusätzlich manuell betriebene Anzeigetafeln angebracht, an den selben Stellen wie im alten Stadion. Auch die zwei Einschnitte im Stadionrund, durch die man die vorbeifahrenden Subway-Züge sehen kann, wurden beim Neubau übernommen.

Panorama-Ansicht von Yankee Stadium aus dem Outfield (3)

Das Innenleben des neuen Yankee Stadium ist Geschmackssache, um nicht zu sagen: Mir gefällt es nicht. Die große Halle im südlichen Teil ist schon nicht besonders schön, aber zumindest geräumig. Beim Versuch, das Stadion zu umrunden, gerät man hinter dem Outfield zwangsläufig in sehr düstere Betonkanäle. Zu den höher gelegenen Tribünen führen statt offener Treppen, wie sie in den meisten anderen neueren Stadien üblich sind, endlose rundum geschlossene Betonrampen.

Die große Halle im südlichen Innenbereich des Stadions (4)

Spielbezogene Eigenheiten
Die Feldmaße des neuen Yankee Stadium sind nahezu identisch mit denen des alten: Mit Foul-Linien von 318 Fuß (97 Meter) im Leftfield und 314 Fuß (96 Meter) im Rightfield sowie einem 408 Fuß (124 Meter) tiefen Centerfield gehört der Ballpark zu den kleineren in der MLB und ermöglicht entsprechend viele Homeruns.

Das spiegelt sich auch in den Ballpark-Faktoren wieder, denen zufolge Yankee Stadium mehr Hits, mehr Runs und mehr Homeruns zulässt als die meisten anderen Stadien. Doubles und Triples kommen hingegen seltener vor als im MLB-Durchschnitt – auch das ist eine typische Beobachtung in eher kleinen Ballparks.

Wo sitzt man am besten?
New York ist generell ein teures Pflaster und das merkt man auch beim Kauf von Baseballtickets. Aufgrund der ungebrochenen Popularität der Yankees ist das Stadion häufig ausverkauft, sodass man Tickets oft nur mit großem zeitlichem Vorlauf oder aber über die gängigen Weiterverkaufs-Plattformen erhält.

Man kann das Spiel in Yankee Stadium von fast jedem Sitz gut verfolgen, am besten natürlich von den Plätzen auf der unteren Ebene rund um die Homeplate. Für solche Sitze muss man in aller Regel mit Preisen von mehreren hundert Dollar rechnen. Eine Ebene höher ist die Sicht fast genauso gut und der Preis pro Ticket deutlich geringer, aber immer noch dreistellig.

Blick von der Homeplate-Seite aus (5)

Ein Schnäppchen kann man in Yankee Stadium machen, indem man mit einem Platz auf den Bleachers, also den unüberdachten Outfield-Tribünen vorlieb nimmt. Ab 15 Dollar kann man hier ein Ticket bekommen, wenn es nicht gerade gegen die Red Sox oder die Mets geht. In den Blöcken 201 und 239 fangen die Preise sogar bei 5 Dollar an – allerdings nur, weil das die Blöcke sind, aus denen die Sicht auf einen Teil des Feldes beschränkt ist.

Meine Empfehlung sind Plätze entlang der First-Base- und Third-Base-Linie auf der dritten oder vierten Ebene. Hier findet sich ein meiner Ansicht nach sehr annehmbarer Kompromiss aus einem guten Überblick aus der Vogelperspektive und auch mit Familie noch erschwinglichen Preisen von ungefähr 30 bis 70 Dollar pro Karte.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Severin St. Martin (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
(3), (4), (5) Eigene Aufnahmen

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November 20th, 2018 by Silversurger

In meiner Serie über die Ballparks der MLB geht es heute zum ersten und voraussichtlich einzigen Mal um ein Stadion außerhalb der USA. Im Rogers Centre tragen die Toronto Blue Jays ihre Heimspiele aus. Da es sich um eine Multifunktionsarena handelt, finden in dem Gebäude diverse weitere Veranstaltungen wie zum Beispiel Messen und Konzerte statt. Bis 2015 war es gleichzeitig die Heimstätte des CFL-Football-Teams Toronto Argonauts.

Geschichte
Football spielte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, dieses Stadion zu bauen. Denn es war ein Spiel um die CFL-Meisterschaft im Jahr 1982, bei dem auf nachhaltige Weise deutlich wurde, dass ein geschlossenes Stadion angesichts des kanadischen Wetters eine gute Idee wäre. Das Exhibition Stadium, die damalige Heimat sowohl der Blue Jays als auch der Argonauts, wurde während des Spiels von einem sehr heftigen Regenschauer heimgesucht. 7,8 Millionen Fernsehzuschauer wurden Zeuge der unhaltbaren Zustände in der Arena, in der 55.000 Zuschauer versuchten, unter einen kleinen überdachten Bereich sowie in die Toilettenräumlichkeiten zu flüchten. Während der Siegesfeier am nächsten Tag gab es massenhafte und lautstarke Forderungen nach einem überdachten Stadion, denen sich der Premierminister des Bundesstaates Ontario, Bill Davis, der selbst das Spiel besucht hatte, anschloss.

Nach einer gut dreijährigen Phase des Sondierens und Planens begann 1986 der Bau der neuen Arena. Die Finanzierung des Baus, der erst 150 Millionen kanadische Dollar kosten sollte, im Endeffekt aber 570 Millionen verschlag, erfolgte zu einem guten Teil über Sponsoren. Das Modell, das dabei angewandt wurde, stieß auf starke Kritik, da es den beteiligten 30 Unternehmen für je 5 Millionen Dollar unter anderem exklusive Werbepartnerschaften für 99 Jahre zusicherte, was sich mittelfristig absehbar als Spottpreis erwies. 

Die offizielle Eröffnung des Stadions, zunächst unter dem Namen SkyDome, fand am 3. Juni 1989 in Form einer Feier mit prominenten Gästen und Livemusik statt. Das Highlight war die Öffnung des weltweit ersten komplett einfahrbaren Stadiondachs. Die 50.000 anwesenden Besucher waren davon allerdings nicht allzu begeistert, denn sie wurden bei der Zeremonie prompt wieder vollgeregnet.

Das erste Baseballspiel in der Arena war die Partie der Blue Jays gegen die Milwaukee Brewers am 5. Juni 1989. Das Spiel wurde 3:5 verloren, aber ein schlechtes Omen war diese Niederlage nicht: Der Umzug in das neue Stadion markierte den Beginn der erfolgreichsten fünf Jahre der Teamgeschichte mit vier Divisionsmeisterschaften und zwei gewonnenen World Series. Dementsprechend erlebte der Dome seine sportlichen Highlights als Baseballstadion allesamt Anfang der 90er Jahre: das All-Star-Spiel 1991 sowie die World-Series-Heimspiele der Blue Jays 1992 und 1993. 

Da das Stadion sich nicht nur im Bau, sondern auch im Unterhalt als sehr viel teurer erwies als ursprünglich kalkuliert, häuften sich über die Jahre Unsummen an Schulden an, sodass die Arena 1998 Gläubigerschutz anmelden musste und zum Preis von 80 Millionen Dollar an eine Investorengruppe verkauft wurde. 2005 übernahm Rogers Communications das Stadion – ein Telekommunikationsunternehmen, dem auch die Blue Jays gehören und von dem der ehemalige SkyDome seinen neuen Namen erhielt.

Rogers Centre, CN Tower und die Skyline von Toronto (1)

Architektonische Auffälligkeiten
Rogers Centre liegt in der südlichen Innenstadt von Toronto und bietet allein dadurch schon einen spektakulären Anblick, dass es direkt neben dem CN Tower steht, dem 553 Meter hohen Wahrzeichen der Stadt. Das herausragende Feature der Arena selbst ist das komplett ein- und ausfahrbare kuppelförmige Dach. Innerhalb von 20 Minuten wird aus einem offenen Stadion eine riesige Halle und umgekehrt. Bei niedrigen Temperaturen funktioniert der Mechanismus allerdings nicht zuverlässig, daher bleibt die Kuppel in den kalten Monaten durchgängig geschlossen.

Rogers Centre mit offenem Dach (2)

Nicht nur in Bezug auf das Dach ist Rogers Centre ein wahrer Verwandlungskünstler: Der Pitchermound wird hydraulisch ein- und ausgeklappt, je nachdem ob gerade ein Baseballfeld gebraucht wird oder nicht. Für Footballspiele können zusätzliche Sitze ausgefahren und bewegt werden, sodass sich die benötigte Form des Feldes ergibt. Bei Bedarf kann innerhalb einiger Stunden auch der Kunstrasenbelag entfernt  und später wieder ausgerollt werden.

Eine weitere Besonderheit von Rogers Centre ist ein integriertes Hotel mit 350 Zimmern, von denen 70 Blick auf das Spielfeld gewähren.

Innenansicht bei geschlossenem Dach (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Die Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2018 sehen Rogers Center als ein Stadion, in dem etwas unterdurchschnittlich viele Hits und etwas überdurchschnittlich viele Homeruns vorkommen. Die Dimensionen von 328 Fuß (100 Meter) langen Foullinien ins Rightfield und Leftfield sowie einem 400 Fuß (122 Meter) tiefen Centerfield liegen im Mittelfeld der MLB-Ballparks. Es spricht somit vieles dafür, dass Rogers Centre eine Spielumgebung darstellt, in der weder die Hitter noch die Pitcher besonders bevorteilt werden.

In einer anderen Eigenheit, die sich auf das Spiel auswirkt ist Rogers Centre allerdings durchaus etwas besonderes im Vergleich mit fast allen anderen Ballparks: Es ist eines von nur noch zwei Kunstrasenstadien in der MLB (das andere ist Tropicana Field in Tampa Bay). Der künstliche Untergrund, das sogenannte AstroTurf, ist häufiger Gegenstand von Diskussionen. Einerseits liegt es auf der Hand, dass ein künstlicher Belag angesichts des kanadischen Klimas und des häufig geschlossenen Daches sehr viel leichter zu unterhalten ist als natürlicher Rasen. Andererseits herrscht unter den Spielern und Verantwortlichen im professionellen Baseball mehr und mehr die Meinung vor, dass Kunstrasen zu mehr Verletzungen und körperlichen Abnutzungserscheinungen führt als echtes Gras. Aus diesem Grund spielen inzwischen fast alle MLB-Klubs auf Naturrasen und auch in Toronto wurden mehrmals entsprechende Pläne publik. Umgesetzt wurden diese bisher nicht und es ist völlig offen, ob es jemals dazu kommt. Denn der finanzielle Aufwand für die bauliche Installation und Pflege eines Grasuntergrunds unter den gegebenen Bedingungen wäre hoch und würde der Arena obendrein einen guten Teil ihrer aktuellen Wandlungsfähigkeit nehmen.

Wo sitzt man am besten?
Im Bett liegen und Baseball schauen – nicht im Fernsehen, sondern live durch ein bodentiefes Fenster. Wäre das was? Im Toronto Marriott City Centre Hotel ist das möglich. Für 500 bis 600 kanadische Dollar (pro Nacht und Zimmer, nicht pro Person) kann man sich dieses besondere Erlebnis gönnen.

Was die normalen Sitzplätze betrifft, so folgt Rogers Stadium den gleichen Regelmäßigkeiten wie alle anderen MLB-Stadien: Oben ist es günstiger als unten, im Outfield ist es günstiger als hinter der Homeplate, Spiele gegen populäre Teams wie die Red Sox oder die Yankees sind teurer als andere Spiele. Das höchste Level (Blöcke mit 500er Nummern) ist zwar das billigste, aber man sitzt dort schon sehr weit weg, weil sich in Rogers Centre zwischen den normalen Blöcken noch zwei Ringe mit Logen ziehen. Je nach Wetter sind auch die Plätze auf der First-Base-Seite nicht empfehlenswert, denn bei starkem Sonnenschein und offenem Dach wird man dort oft geblendet.

In den letzten fünf Jahren sind die Ticketpreise in Toronto jährlich gestiegen, 2018 betrugen sie ca. 17 bis 85 Dollar je nach Platz. Das Ende der Fahnenstange scheint allerdings vorerst erreicht, denn angesichts steigender Preise bei sinkender sportlicher Leistung verkauften sich die Tickets dieses Jahr so schlecht, dass es in der zweiten Saisonhälfte teilweise wahnwitzige Sonderangebote hagelte wie zum Beispiel Premiumsitze für unter 10 Dollar.

Wer das Spiel mit Kindern besucht, kann sich bei der Blockwahl für einen der speziellen Familienbereiche entscheiden. Hierzu zählen die Abschnitte 237/238 (mittig im Leftfield) sowie 516/517 (oben auf Höhe der ersten Base). Der Hauptunterschied dieser Bereiche zu anderen Sitzen ist, dass dort kein Alkohol verkauft wird. Man kann sich mit seinen Kindern aber auch auf alle anderen Plätze wagen – meiner Erfahrung nach ist die Wahrscheinlichkeit, in einem MLB-Ballpark von Betrunkenen angepöbelt zu werden, sehr viel geringer als in einem deutschen Fußballstadion.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: The City of Toronto (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Magnus Manske (CC BY SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: The West End (CC BY-NC-ND 2.0)

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November 13th, 2018 by Silversurger

Es war einmal – die Älteren unter euch werden sich erinnern – eine Serie über die Ballparks der MLB. Fenway Park, PNC Park, AT&T Park, Wrigley Field, Coors Field, Dodger Stadium und Citi Field habe ich damals vorgestellt. Mit Beginn der Saison 2018 war dann erst mal Schluss, aber ich habe zu der Reihe so viele und so positive Rückmeldungen bekommen, dass ich entschieden habe, sie in dieser Offseason fortzusetzen. Los geht es mit dem Stadion, dessen Vorstellung mit Abstand am häufigsten gewünscht wurde (allerdings immer vom selben Leser): Progressive Field, Heimat der Cleveland Indians.

Geschichte
Gut 60 Jahre lang spielten die Indians im 1931 erbauten Cleveland Stadium, das sie sich ab 1946 mit dem NFL-Team Cleveland Browns teilten. Mit einem Fassungsvermögen von fast 80.000 Zuschauern war es lange Zeit das größte Baseballstadion der MLB. Das war beeindruckend, wenn das Stadion einigermaßen voll war. Die andere Seite der Medaille: Wenn mal „nur“ 40.000 oder weniger Besucher da waren, blieb die Stimmung im weiten Rund auf der Strecke und das war in den für die Indians mageren 60er, 70er und 80er Jahren sehr oft der Fall. Aus diesem Grund sehnte man sich nach einem neuen Stadion. Dessen Planung zog sich sehr lange hin – unter anderem, weil 1984 ein Volksbegehren die vollständige öffentliche Finanzierung des Bauwerks ablehnte.

Erst 1990 konnte die Bezahlbarkeit der zwischenzeitlich mehrfach geänderten Pläne gesichert werden. Gut die Hälfte des 175 Millionen Dollar teuren Ballparks steuerte Teambesitzer Richard Jacobs bei, der Rest wurde durch eine eigens zu diesem Zweck eingeführte „Sündensteuer“ auf Alkohol und Tabak aufgebracht. 1992 begann der Bau am „Gateway Sports and Entertainment Complex“, zu dem neben dem neuen Ballpark der Indians auch eine neue Halle für die Cleveland Cavaliers aus der NBA gehörte.

Das Eröffnungsspiel fand am 4. April 1994 zwischen den Cleveland Indians und den Seattle Mariners statt. Den zeremoniellen ersten Pitch warf der damalige US-Präsident Bill Clinton. Vor 41.459 Zuschauern siegten die Indians nach elf Innings mit 4:3. Die sportlichen Highlights in der Geschichte des Ballparks waren die Indians-Heimspiele der World Series 1995, 1997 und 2016 sowie das All-Star-Game 1997. Das All-Star-Game 2019 wird ebenfalls hier stattfinden. Den bislang einzigen No-Hitter in Progressive Field erzielte Ervin Santana für die Los Angeles Angels bei deren 3:1-Sieg über die Indians am 27. Juli 2011. Vom 12. Juni 1995 bis zum 4. April 2001 waren 455 Heimspiele der Indians hintereinander ausverkauft. Das war siebeneinhalb Jahre lang MLB-Rekord, bis ihn die Boston Red Sox im Jahr 2008 überboten. 

Seinen heutigen, von einer Versicherung gesponserten Namen trägt der Ballpark übrigens erst seit 2008. Zuvor hieß das Stadion seit seiner Eröffnung „Jacobs Field“ nach dem damaligen Teambesitzer. In Ableitung davon heißt es im Volksmund bis heute „The Jake“.

Progressive Field vor Spiel 1 der ALDS 2016 zwischen den Indians und den Boston Red Sox (1)

Architektonische Auffälligkeiten
Progressive Field wird als „retro-moderner“ Ballpark bezeichnet. Der Begriff soll ausdrücken, dass das Stadion einerseits vor allem im Inneren dem Retro-Design folgt, das mit dem zwei Jahre zuvor eröffneten Oriole Park in Baltimore populär geworden war – einheitlich grüne Sitze, asymmetrische, unterschiedlich hohe Outfieldzäune, die stufenweise Anordnung der Tribünen mit einem schmalen Oberrang sind Kennzeichen dieses wiederentdeckten Stils alter Jewelbox-Parks. Andererseits pflegt Progressive Field mit seiner von grauen Stahlträgern dominierten Fassade von außen einen eher kühlen, modernen Stil.

Frontansicht von Progressive Field (2)

Der Ballpark liegt in der Innenstadt und ist dementsprechend gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Die Aussicht von der Haupttribüne ist so angelegt, dass man theoretisch einen guten Blick auf die Skyline von Cleveland hat. Dieser wird allerdings zu einem guten Teil verdeckt durch die sehr große Anzeigetafel im Outfield – mit 1.200 m² übrigens das größte Scoreboard der Liga.

Ein im Jahr 2007 neu hinzugefügtes Element ist der Heritage Park hinter dem Centerfield. In dieser Erinnerungsstätte findet man 27 Plaketten zu Ehren der Hall-of-Fame-Mitglieder der Indians sowie 38 Steine, die großen Momenten der Teamgeschichte gewidmet sind. Im gleichen Jahr wurde Progressive Field zum ersten Ballpark mit Solarkollektoren. 2012 kam noch eine Windturbine hinzu, die ein Jahr lang charakteristisch über dem Stadion thronte. Sie musste dann jedoch wieder abgebaut werden, weil sich ihre Bauart als zu instabil für die mitunter heftigen Winde in Cleveland erwies.

Heritage Park (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2018 ist Progressive Field eines der hitterfreundlicheren Stadien der Liga. Diese Faktoren sind allerdings Schwankungen unterworfen und langfristig ist das Stadion eher zu den relativ ausgeglichenen Ballparks zu rechnen. Zieht man die Händigkeit der Batter mit in Betracht, so zeigt Progressive Field sich als ein Ballpark, in dem es im Vergleich mit dem MLB-Durchschnitt rechtshändige Batter etwas schwerer, linkshändige Batter hingegen leichter haben, Homeruns zu erzielen. Das ist wenig überraschend, denn während die Länge des Feldes mit 325 Fuß (99 Meter) im Leftfield und im Rightfield identisch ist, ist der Zaun im Leftfield mit 19 Fuß (5,79 Meter) sehr viel höher als der im Rightfield mit nur 9 Fuß (2,74 Meter).

Ein Faktor, der das Spiel in Progressive Field stark beeinflussen kann, sind die bereits erwähnten starken und mitunter unberechenbaren Winde, die in der Gegend um Lake Erie oft herrschen.

Wo sitzt man am besten?
Progressive Field liegt von den Preisen her im Mittelfeld der Liga und ist wie nahezu jedes moderne Stadion so konstruiert, dass man von jedem Platz aus eine gute Sicht auf das Feld hat. Man bekommt das, wofür man bezahlt, das heißt weiter unten und näher zur Homeplate ist es natürlich teurer als weiter oben und Richtung Outfield. Ein guter Kompromiss sind die View Boxes hinter der Homeplate (Blöcke 450-459). Dort sitzt man direkt über den Pressekabinen mit entsprechend gutem Blick für erschwingliche Preise von 28 bis 36 Dollar (Saison 2018).

Wer es lieber ganz exklusiv hat, der kann eine Premium Suite mieten. Für 3.500 bis 6.000 Dollar bekommt man für eine Gruppe von bis zu 16 Personen nicht nur klimatisierte Plätze mit perfekter Sicht auf das Spiel, sondern auch Essen, Getränke, Parkplätze und eigene Toilettenräumlichkeiten.

Ist man hingegen eher auf Schnäppchen aus, dann bieten sich die die Plätze im Bereich Upper Reserve an. Für 8 bis 16 Dollar ist man zwar relativ weit weg vom Geschehen, aber immerhin dabei. Und wenn man erst mal drin ist, kann man sich nach ein paar Innings auch auf die Suche nach besseren Plätzen machen.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Arturo Pardavila III (CC BY SA 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Eric Drost (CC BY SA 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Eric Drost (CC BY SA 2.0)

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August 1st, 2018 by Silversurger

Der USA-Urlaub ist seit gut einer Woche vorbei und beginnt bereits, hinter dem längst eingekehrten Alltag zu einer schönen Erinnerung zu verblassen. Aber halt, da war noch was – ich wollte doch hier von meinen Erfahrungen beim Besuch der MLB-Spiele auf meiner Reise berichten. Ich war beim Spiel der New York Mets gegen die Tampa Bay Rays am 8. Juli sowie bei dem der New York Yankees gegen die Mets am 21. Juli. Es waren nicht meine ersten, aber die ersten seit ich diesen Blog betreibe, und ich denke, ich kann mit diesem Bericht ein paar Fragen beantworten, die immer wieder mal aufkommen.

Tickets
Die erste Frage ist natürlich: Woher bekomme ich Tickets? Der einfachste Weg ist in den meisten Fällen der über mlb.com bzw. die jeweilige Unterseite des gastgebenden Vereins. Tickets für Einzelspiele gehen je nach Klub irgendwann im Zeitraum Dezember bis Februar in den Verkauf. In Boston, Chicago (Wrigley Field) und San Francisco sind Einzeltickets häufig knapp, in den anderen Stadien bekommt man meist relativ lange problemlos Tickets außer für besonders attraktive Spielpaarungen. In jedem Fall lohnt sich der Blick auf Weiterverkaufsplattformen wie Stubhub. Dort bekommt man auch dann Tickets, wenn ein Spiel offiziell bereits ausverkauft ist oder wenn der offizielle Verkauf noch gar nicht gestartet ist – unter anderem weil es immer Dauerkartenbesitzer gibt, die nicht zu jedem Spiel gehen und die nicht genutzten Tickets auf diese Weise anbieten.

Was mich betrifft, so habe ich in meiner grenzenlosen Vorfreude gnadenlos überbezahlt, indem ich für beide Partien frühzeitig Tickets auf Stubhub bestellt habe. Der Besuch im Citi Field hat mit allen Steuern und Gebühren 190 Dollar, der im Yankee Stadium 275 Dollar gekostet für jeweils vier Personen auf mittelguten Plätzen (ziemlich weit oben auf Höhe der ersten bzw. dritten Base). Da die Mets eine miese Saison spielen, gab es in den Wochen und Monaten nach meinem Kauf diverse Werbeaktionen, bei denen man vor allem in Citi Field deutlich bessere oder günstigere Tickets bekommen hätte. Aber sei’s drum, ich war froh, dass ich welche hatte und dass die Abläufe der Bestellung, Bezahlung und Zustellung (per Mail bzw. App) bei Stubhub sehr reibungslos und sicher waren. Eine Ergänzung noch zu den Preisen: Kinderermäßigungen gibt es in den MLB-Stadien in der Regel nicht. Ganz kleine Kinder (bis ca. 2 Jahre) kann man ohne Platzanspruch kostenlos mitnehmen, ältere zahlen den vollen Preis.

Wenn man sicher ist, dass ein Spiel nicht ausverkauft ist, kann man natürlich auch vor Ort ein Ticket am Schalter kaufen. Auf den Schwarzmarkt sollte man sich jedoch nicht verlassen. Je nach Team und Bundesstaat ist das entweder ganz verboten oder es existiert zumindest eine Bannmeile rund ums Stadion.

Anreise
Wenn der große Tag gekommen und mit den Tickets alles geklärt ist, kann es losgehen zum Stadion. Die Anreise mit dem Auto empfiehlt sich in New York nicht – allein schon aus Kostengründen, denn die Gebühren für Tunnel- und Brückenbenutzungen sowie für das Parken übersteigen die Kosten von öffentlichen Verkehrsmitteln erheblich, und der Verkehr ist auch alles andere als angenehm. Sowohl zum Yankee Stadium in der Bronx als auch zum Citi Field in Queens kommt man sehr bequem mit der Subway. Auf der Hinfahrt zum Stadion verteilen sich die Massen ganz gut, sodass die Züge normalerweise nicht überfüllt sind.

Am Stadioneingang finden die üblichen Sicherheitskontrollen statt. Die Regelung, was man mitnehmen darf, habe ich als relativ großzügig empfunden: Taschen bis zu einer Größe von 40x40x20cm, „normale“ Kameras (kein Profi-Equipment), versiegelte Wasserflaschen bis 0,6l und Schirme sind erlaubt.

Im Ballpark vor dem Spiel
Die Ballparks öffnen üblicherweise zwei Stunden vor Spielbeginn und wir waren zu beiden Spielen auch ziemlich früh da. Wenn man diese Gelegenheit nur alle paar Jahre hat, vergeht die Zeit vor dem Spiel wie im Fluge: In den Ballparks kann man sich unabhängig von der Lage des eigenen Sitzplatzes weitgehend frei bewegen und die Sicht aus unterschiedlichen Ecken testen. Es gibt diverse Geschäfte für Fanartikel, Verpflegungsstände und auch das eine oder andere richtige Restaurant. Wenn man Glück hat, kann man auch ein bisschen beim Batting Practice der Teams zusehen und versuchen, einen Ball zu fangen. Leider machen sie das Batting Practice nicht vor jedem Spiel bzw. nicht immer in der Zeit, in der der Ballpark schon geöffnet ist. In unserem Fall haben wir bei beiden Spielen kein Batting Practice mitbekommen. Immerhin haben wir aber im Citi Field die Reliever der Mets beim Warmwerfen vor dem Spiel hautnah beobachten können und die Kinder haben anschließend ein paar Autogramme sammeln können.

Generell hatte ich den Eindruck, dass man in Citi Field auf Grund der offeneren Bauweise des Stadions näher und leichter an die Spieler herankommt als im Yankee Stadium. Man kann das Stadion innen komplett umrunden, hinter dem Outfield ist eine große Freifläche mit weiteren Essensständen und Kinderunterhaltung, die verschiedenen Zuschauerränge sind durch offene Brücken und Rolltreppen verbunden. Das Innenleben des Yankee Stadiums hingegen ist bis auf den großzügigen Eingangsbereich eher düster und zu den oberen Ebenen führt eine endlos erscheinende Betonrampe.

Was mir in den MLB-Ballparks sehr viel besser gefällt als zum Beispiel in europäischen Fußballstadien, ist die zwanglose Durchmischung der „gegnerischen“ Fangruppen. Es gibt keine Blöcke, die gesichert und auseinander gehalten werden müssen, auch nicht bei einem Derby wie zwischen den Yankees und den Mets. Besonders interessant fand ich, dass man sehr viele Paare, Familien und Freunde gesehen hat, die offensichtlich Anhänger unterschiedlicher Teams und trotzdem zusammen beim Spiel waren. Warum auch nicht?

Während des Spiels
Ganz dem Klischee entsprechend ist auf den Zuschauerrängen während des Spiels sehr viel Bewegung, weil ein ständiges Kommen und Gehen herrscht. Manche Zuschauer nehmen ihre Plätze erst im vierten Inning ein und sind nach dem siebten wieder weg, andere verpassen jedes zweite Inning, weil sie ständig Nachschub an Essen und Getränken holen. Überhaupt ist der typische amerikanische Baseballzuschauer ständig am Essen. Getrunken wird übrigens deutlich weniger als in unseren Fußballstadien. Das dürfte nicht zuletzt mit den Preisen zusammenhängen, denn unter 10 Dollar für einen Becher Bier läuft gar nichts.

Die Stimmung bei den beiden Spielen, die wir besucht haben, war logischerweise sehr unterschiedlich: Bei den Mets gegen die Rays waren sehr wenige Zuschauer im Stadion, die offizielle Zahl von 24.653 scheint mir schon sehr großzügig gerechnet. Da die Leistung der Mets bei dem 0:9 desolat war und die Rays nicht viele Fans mitgebracht hatten, kam während des gesamten Spiels kaum Stimmung auf. Den einzigen echten Jubel erlebte ich im siebten Inning, als ein Single von Brandon Nimmo den No-Hitter von Nathan Eovaldi verhinderte. Da merkte man dann kurz, dass die deutliche Mehrheit der Zuschauer trotz sparsamer Emotionen durchaus mitgefiebert hatte und dass es für die Mets-Fans eine große Erleichterung war, wenigstens keinen No-Hitter gegen das eigene Team erleben zu müssen.

Die Partie der Yankees gegen die Mets war mit 47.102 Zuschauern so gut wie ausverkauft und es herrschte echte Derbystimmung. Beide Teams hatten viele Anhänger auf den Rängen – die Yankees natürlich ein paar mehr – und das Spiel war sehr eng und spannend. Jeder Strike wurde beklatscht, jeder Hit bejubelt und von beiden Seiten kamen hin und wieder sogar Sprechchöre auf – wenngleich diese („Let’s go Mets“ / „Let’s go Yankees“) relativ einfallslos waren. Das ist für mich der einzige Punkt, in dem der amerikanische Baseball gegen den europäischen Fußball verliert.

Nach dem Spiel 
Für mich war es selbstverständlich, bis zum Ende zu bleiben, aber bei beiden Spielen gingen viele Zuschauer bereits ab dem siebten Inning. Einige machen das ja generell so, aber die große Mehrheit richtet ihr Verhalten nach dem Spiel aus: Im Citi Field setzte die große Abwanderung in dem Moment ein, in dem der No-Hitter sein umjubeltes Ende gefunden hatte. Im Yankee Stadium gingen viele, als es nach sieben Innings 6:3 und nach acht Innings 7:3 für die Yankees stand. Als im neunten Inning Aroldis Chapman einen desolaten Auftritt hinlegte und das Spiel beinahe noch aus der Hand gab, verharrten allerdings fast alle noch verbliebenen Besucher bis zum Schluss auf ihren Plätzen.

Nach Spielende leerten sich beide Ballparks sehr zügig, auch die Spieler waren recht schnell weg. Bei den Mets erwartete uns anschließend noch eine Besonderheit: Nach den Sonntagmittagspielen gibt es den sogenannten Mr Met Dash. Das heißt, dass Familien mit Kindern bis 12 sich an einem speziellen Eingang anstellen können, von wo die Kinder aufs Feld gelassen werden und einmal die Bases umrunden dürfen. Für meine Jungs war das ein absolutes Highlight der gesamten Reise.

Durch die Teilnahme am Mr Met Dash war der gröbste Trubel rund um das Citi Field bereits vorbei, als wir die Abreise antraten. Anders war es beim Yankees-Spiel: Bis wir nach Spielende die lange Rampe bis zum Bodenlevel und anschließend den Weg zur Subway-Station zurückgelegt hatten, standen wir mitten im Hauptteil der Menschenmasse, die zurück in Richtung Manhattan wollte. Die Züge waren dann natürlich sehr voll, aber im Großen und Ganzen waren wir überrascht, wie schnell man in einer Bahn saß und wie rücksichtsvoll die Leute dabei miteinander umgingen.

Hier ein paar Impressionen von den beiden Ballpark-Besuchen:

(alle Fotos sind eigene Aufnahmen)

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Februar 20th, 2018 by Silversurger

Dies ist der vorerst letzte Teil meiner kleinen Serie über die Ballparks der MLB. Da es noch viele interessante Stadien gibt, die ich bisher nicht besprochen habe, habe ich fest vor, die Serie in der nächsten Offseason fortzuführen. Zum vorläufigen Abschluss stelle ich heute noch mal eines der leider viel zu wenigen MLB-Stadien vor, die ich selbst schon besucht habe: Citi Field, die Heimat der glorreichen Mets im New Yorker Stadtteil Queens.

Ab nächster Woche wird sich hier auf Baseblog.de alles um die neue Saison drehen. Vor allem gibt es dann wie letztes Jahr wieder 30 Tage lang täglich eine Team-Vorschau.

Geschichte
Die New York Mets gibt es zwar erst seit 1962, aber Citi Field ist bereits ihr drittes Stadion: In den ersten beiden Jahren spielten die Mets in den Polo Grounds, dem früheren Ballpark der nach San Francisco umgezogenen New York Giants in Manhattan. 1964 wurde die erste eigene Heimspielstätte fertig, Shea Stadium im Flushing-Meadows-Park in Queens.

Luftaufnahme von Shea Stadium1

Das runde Shea Stadium war ein schöner und durchaus beliebter Ballpark, doch nach 44 Jahren hatte es seine Schuldigkeit getan und konnte von der Infrastruktur (Restaurants, Geschäfte, sanitäre Einrichtungen, Logen etc.) her nicht mehr mit modernen Stadien mithalten. Aus diesem Grund wurde beschlossen, gleich nebenan ein neues Stadion zu bauen. Die Finanzierung von über 600 Millionen Dollar wurde zu gut zwei Dritteln von den Mets getragen, wobei ein Großteil davon durch den Verkauf der Namensrechte an die Citigroup über 20 Jahre für 20 Millionen Dollar pro Jahr hereingeholt wurde. Den Rest des Geldes steuerten die Stadt und der Staat New York bei.

Der Bau konnte so geplant und umgesetzt werden, dass die Mets direkt von Shea Stadium nach Citi Field umziehen konnten, ohne dass eine Zwischenlösung nötig wurde: Citi Field wurde auf Sheas ehemaligem Parkplatz (im obigen Foto rechts neben dem Stadion) gebaut, nach der Eröffnung wurde Shea abgerissen und machte seinerseits einer Parkfläche Platz.

Das Eröffnungsspiel fand am 13. April 2009 zwischen den New York Mets und den San Diego Padres statt. Die Mets wurden ihrem Ruf als der liebenswerte Tollpatsch unter den MLB-Franchises gerecht, indem sie San Diegos Jody Gerut gleich im ersten At Bat den ersten Home Run erlaubten und das Spiel 5:6 verloren. Sportliche Highlights, die Citi Field in seiner erst neunjährigen Geschichte erlebt hat, waren das All-Star-Game 2013, drei Spiele der World Series 2015 sowie der bislang einzige No-Hitter in der Teamgeschichte der Mets durch Johan Santana am 1. Juni 2012.

Architektonische Auffälligkeiten
Citi Field ist ein liebevoll gestalteter Ballpark voller Anspielungen und Anlehnungen: Außen ist das Stadion sichtbar von Ebbets Field, der historischen Heimat der Brooklyn Dodgers, inspiriert. Das zeigt sich insbesondere am Haupteingang mit der von zahlreichen Bögen bestimmten Klinker- und Kalksteinfassade sowie der Jackie-Robinson-Rotunde, die man auf dem Weg ins eigentliche Stadioninnere duchquert. Beim Innendesign wurde viel vom einige Jahre zuvor ebenfalls vom Architekturbüro Populous geplanten PNC Park aufgegriffen. Zudem sind Brücken ein durchgängiges Motiv in Citi Field – dies spielt darauf an, dass New York City viele Brücken hat, dass die Mets eine Brücke in ihrem Logo aufweisen und dass die Mets sich seit ihrer Gründung als Brücke zu den New Yorker National-League-Teams der Vergangenheit – den Dodgers und den Giants – verstehen.

Citi Field mit der an Ebbets Field erinnernden Frontansicht2

Ein paar charakteristische Merkmale wurden aus dem Vorgänger Shea Stadium übernommen. Eines davon sind die in der MLB einzigartigen organgefarbenen Foul-Pfosten – in allen 29 anderen Stadien der Liga sind die Pfosten gelb. Eine weitere Tradition von Shea Stadium ist der „Big Apple“, ein großer roter Apfel, der hinter dem Center Field emporsteigt, wenn die Mets einen Homerun schlagen. Der Originalapfel aus dem alten Stadion steht heute als beliebtes Fotomotiv vor dem Eingang von Citi Field, innen hat ein mehr als viermal so großer Nachfolger den Job übernommen.

Ein willkommener Anblick für jeden Mets-Fan3

Ein im Jahr 2012 nachträglich hinzugefügtes Feature des Ballparks ist der ursprünglich Party City Deck genannte schmale Sitzplatzbereich über der Leftfield-Mauer. Möglich wurde diese kleine Erweiterung, die nach einem Sponsorenwechsel nun M&M Sweet Seats heißt, dadurch, dass das Feld an der Stelle etwas verkleinert wurde, um mehr Homeruns zu ermöglichen.

Spielbezogene Eigenheiten
Citi Field wurde mit Spielfelddimensionen gebaut, die nahezu identisch mit denen von Shea Stadium waren und das neue Stadion ebenso wie das alte zu einem pitcherfreundlichen Ballpark machten. Die Vereinsführung entschied zweimal, 2012 und 2015, die Outfield-Distanzen um ein paar Fuß zu verkürzen, um die Tendenzen des Stadions etwas ausgwogener zu gestalten. Aktuell misst die Spielfläche bis zu 408 Fuß (124 Meter) im Centerfield, 335 (102 Meter) bis 370 Fuß (113 Meter) im Leftfield und 330 (101 Meter) bis 380 Fuß (116 Meter) im Rightfield.

Trotz der Anpassungen ist Citi Field laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 immer noch das fünftschlechteste Stadion der Liga, was Runscoring insgesamt betrifft, das drittschlechteste für das Erzielen von Homeruns und das schlechteste für das Erzielen von Hits im Allgemeinen. Wobei sich das Attribut „schlecht“ nur auf die Sicht der Batter bezieht; für Pitcher hingegen ist Citi Field ein sehr angenehmer Arbeitsort.

Wo sitzt man am besten?
New York ist ein teures Pflaster, das merkt man auch den Eintrittspreisen von Citi Field deutlich an. Für die richtig guten Plätze – nicht zu hoch und hinter der Homeplate oder den Baselines gelegen – zahlt man meist dreistellige Beträge, bei attraktiven Gegnern oder Terminen ist man schnell im hohen dreistelligen Bereich. Das unten stehende Foto stellt die Sicht aus einem Bereich der Kategorie „Metropolitan Bronze“ dar, die je nach Spiel zwischen 82 und 268 Dollar kostet. Kann man mal machen, aber gerade wenn man mit Familie unterwegs ist, schlägt hier finanziell schnell ein kleiner „Urlaub im Urlaub“ zu Buche.

Sitzkategorie Metropolitan Bronze4

Dank der modernen Bauweise kann man in Citi Field nahezu bedenkenlos auch günstigere Plätze wählen, die Sicht ist fast überall sehr gut. Vermeiden sollte man lediglich die ersten Reihen der obersten Ebene (Blöcke im 500er Bereich), da hier teilweise Geländer und Treppenaufgänge die Sicht einschränken, sowie die hinteren Reihen der Blöcke 536 bis 538, bei denen mitunter das Scoreboard stört. Ich saß mal in Reihe 9 von Block 505 (siehe Foto unten) und konnte das Spiel durchaus genießen, auch wenn man dort oben natürlich nicht in der Position ist, über Balls und Strikes zu diskutieren.

Blick von hoch über dem Rightfield (Block 505)5

Für All-Inclusive-Fans und Balljäger sind die schon erwähnten M&M Sweet Seats auf der Leftfield-Mauer interessant. Dort landen relativ viele Homeruns und man wird bis zum Abwinken mit Essen und Getränken bedient. Allerdings werden diese Plätze nur an Gruppen ab 15 Personen verkauft.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Geographer (CC BY SA 3.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
3,4,5 Eigene Aufnahmen

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Februar 13th, 2018 by Silversurger

In der Serie über die Ballparks der MLB geht es heute um das drittälteste Stadion der MLB. Mit einem Fassungsvermögen von 56.000 Zuschauern ist Dodger Stadium auch der größte Ballpark der Liga. Obwohl es eher selten ausverkauft ist, führt das Stadion fast jedes Jahr die Rangliste der meisten Besucher an.

Geschichte
Als die Brooklyn Dodgers 1958 von New York nach Los Angeles zogen, war unmittelbar klar, dass für sie ein neues Stadion her musste. Zwar konnten die Dodgers für eine Übergangszeit das Los Angeles Memorial Coliseum nutzen, doch dieses war (und ist bis heute) auf Football ausgerichtet und von den Dimensionen her schlecht für Baseball geeignet. Dodgers-Owner Walter O’Malley hatte das Glück, dass er bei der Suche nach einem Bauplatz von einem gescheiterten Projekt der Stadt profitierte: Diese hatte zunächst unter viel Streit und Ärger die komplette mexikanisch-amerikanische Siedlung des Stadtteils Chavez Ravine aufgelöst, doch ihre Pläne für öffentlichen Wohnungsbau an der Stelle wurden als „sozialistisch“ gebrandmarkt und fallen gelassen. O’Malley kam mit seinen Stadionplänen gerade richtig, um das Land günstig zu erwerben und die verärgerte Bevölkerung zu versöhnen.

Dodger Stadium, mitten in der Stadt1

Für den Stadionbau wurden buchstäblich Berge versetzt: Über 6 Millionen Kubikmeter Boden und Gestein mussten bewegt werden, um in den Hügeln von Los Angeles eine geeignete Fläche zu schaffen. Als zusätzliche Erschwernis kam es kurz vor der geplanten Fertigstellung zu schweren Frühjahrsstürmen. Dennoch war der Bau letztlich innerhalb von drei Jahren pünktlich zum geplanten Eröffnungsspiel abgeschlossen, das die Dodgers am 10. April 1962 gegen die Cincinnati Reds absolvierten. Das Spiel ging 3:6 verloren und auch der erste Homerun des Stadions ging durch Wally Post im siebten Inning an die Gäste.

Dodger Stadium hat als Heimat der Dodgers zahlreiche sportliche Highlights erlebt, unter anderem Spiele der World Series 1963, 1965, 1966, 1974, 1977, 1978, 1981, 1988 und 2017. Darüber hinaus beherbergte das Stadion von 1962 bis 1965 auch die Los Angeles Angels, 1980 das All-Star-Game, 1984 das Baseballturnier der Olympischen Spiele sowie 2009 und 2017 die Endrunde des World Baseball Classic.

Architektonische Auffälligkeiten
Die auffälligsten äußeren Merkmale von Dodger Stadium sind die geschwungene Dachkonstruktion über den Outfield-Tribünen sowie das quaderförmige Gebäude mit Dodgers- Schriftzug, das sich direkt hinter der Homeplate von der höchsten Sitzebene erhebt und einen über zehn Stockwerke reichenden Aufzug enthält. Seinen Sitzbereich kann man auch ohne Aufzug oder Treppe erreichen, denn die Parkplätze sind terrassenförmig angelegt, sodass man als Ticketbesitzer gleich auf der richtigen Ebene parken kann.

Das Wahrzeichen von Dodger Stadium2

Mit Dimensionen von 375 Fuß (114 Meter) im linken und rechten Außenfeld sowie 400 Fuß (122 Meter) im Centerfield ist Dodger Stadium einer von nur vier symmetrisch angelegten MLB-Ballparks und der einzige der National League.

Eine weitere Besonderheit, auch wenn sie nicht direkt sichtbar ist, ist die erdbebensichere Bauweise des Stadions. Tatsächlich hat Dodger Stadium im Laufe der Jahrzehnte mehrere ernste Erdbeben schadlos überstanden.

Spielbezogene Eigenheiten
Dodger Stadium gilt als ein pitcherfreundlicher Ballpark. Dafür spricht, dass es in dem Stadion schon zwölf No-Hitter gab, davon zwei perfect Games. Nur Fenway Park in Boston hat noch zwei No-Hitter mehr, aber neun davon trugen sich bereits in den 50 Jahren zu, bevor Dodger Stadium überhaupt eröffnet wurde.

Die Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 bestätigen den Ruf der Pitcherfreundlichkeit nur zum Teil: Die Wahrscheinlichkeit für Homeruns in Dodger Stadium entsprach in dem Jahr ungefähr dem Ligadurchschnitt und auch bei den Runs insgesamt landet der Park im Mittelfeld der MLB. Für die Pitcherfreundlichkeit spricht, dass es in Los Angeles deutlich seltener als in fast allen anderen Stadien zu Triples und zu Walks kommt.

Wo sitzt man am besten?
Tickets für reguläre Saisonspiele sind meist problemlos erhältlich, mit Ausnahme besonderer Begegnungen wie gegen die Giants, die Angels oder die Yankees. Eine sehr gute Sicht oberhalb des Infields hat man von den Loge-Box-Sitzen in den Sections 101 bis 136 ab 60 Dollar.

Weniger empfehlenswert sind einige sehr hoch gelegene Plätze – zum Beispiel in den Sections Reserve 22 und höher -, auf denen man angesichts der Größe und des relativ moderaten Anstiegs des Stadions wirklich weit weg vom Geschehen sitzt. Preisbewusste Besucher sollten sich eher an die Plätze auf dem Top Deck 1 bis 13 halten. Die liegen zwar auch weit oben, aber zumindest um die Homeplate herum mit entsprechend guter Aussicht. Man bekommt die Tickets für diese Sitze je nach Matchup schon ab 14 Dollar, Kinder erhalten an der Tageskasse rund 50% Rabatt.

Dodger Stadium mit Aussicht auf die Elysian Hills3

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: kla4067 (CC BY 2.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Ken Lund (CC BY SA 2.0)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Frederick Dennstedt (CC BY 2.0)

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Februar 6th, 2018 by Silversurger

Die bisherigen Artikel der Serie über Ballparks der MLB haben zwar schon gezeigt, dass jedes MLB-Stadium seine Besonderheiten hat und keines wie das andere ist. Aber kein Ballpark fällt so sehr aus dem Rahmen wie Coors Field in Denver. Der Grund dafür ist seine Lage in 1.580 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Es ist damit mit großem Abstand das höchstgelegene Stadion der Liga, gefolgt vom gerade mal 340 Meter hohen Chase Field in Phoenix. In dieser Höhe fliegen die Bälle anders und auch für die Körper der Sportler ist die dünnere Luft eine Umstellung. Dadurch gilt Coors Field allgemein als der Ballpark mit dem größten Heimvorteil.

Geschichte
Coors Field wurde von 1992 bis 1995 für die neu gegründeten Colorado Rockies gebaut. In den ersten beiden Jahren nach der Ligaerweiterung, 1993 und 1994, teilten sich die Rockies  Mile High Stadium mit dem NFL-Team Denver Broncos. Dort zog die neue MLB-Franchise so viele Zuschauer an, dass man die Planung des eigenen Ballparks während des Baus anpasste. Anstelle der ursprünglich vorgesehenen 43.800 erhielt Coors Field eine Kapazität von 50.200 Plätzen.  Beim Ausheben der Baugrube wurden an der für das Stadion vorgesehenen Stelle mehrere Dinosaurierknochen gefunden, darunter ein über zwei Meter langer und 450 Kilogramm schwerer Triceratops-Schädel. Dies führte zur Erfindung von Dinger, dem Dino-Maskottchen der Rockies.

Der Haupteingang von Coors Field1

Den Planern des Ballparks war von Anfang an bewusst, dass die Bälle in der dünnen und trockenen Höhenluft weiter fliegen würden als anderswo. Dem versuchte man entgegen zu wirken, indem das Outfield besonders groß angelegt wurde. Über den Erfolg dieser Maßnahme kann man geteilter Meinung sein: Mit einem „normalen“ Outfield gäbe es sicher noch mehr Homeruns in Coors Field; allerdings hat man sich durch die großen Dimensionen zusätzlich den Effekt eingehandelt, dass aufgrund der langen Wege auch mehr Doubles und Triples geschlagen werden als in anderen Ballparks. Aber dazu später mehr.

Das erste offizielle Spiel in Coors Field war die Begegnung der Colorado Rockies gegen die New York Mets am 26. April 1995. Es war ein würdiges Eröffnungsspiel mit einem 14-Inning-Offensivfeuerwerk, das die Rockies durch einen Walk-off-Homerun von Dante Bichette 11:9 gewannen. Die Ehre des ersten Home Runs nahm allerdings Ricky Brogna von den Gästen mit, der den Ball im vierten Inning gegen Starter Bill Swift über den Zaun beförderte.

Das sportliche Highlight in der Geschichte von Coors Field war die World Series 2007 mit zwei Heimspielen der Rockies gegen die Boston Red Sox. Die Red Sox gewannen beide Spiele und machten damit einen 4:0-Sweep der Serie perfekt.

Architektonische Auffälligkeiten
Der Star in diesem Stadion sind eindeutig die Berge. Das gilt sowohl für die Aussicht, die man zumindest von einigen Plätzen genießt, als auch für einige besondere Features wie zum Beispiel die lila Sitzreihe zwischen den ansonsten grünen Reihen: Sie markiert die Linie, an der man genau eine Meile (1.609 Meter) über dem Meeresspiegel sitzt. Eine weitere Anspielung auf die Umgebung befindet sich hinter dem Centerfield in Form einer Rockie-Mountains-Landschaft im Miniaturformat. In deren Mitte plätschert ein Springbrunnen, dessen Fontänen in die Höhe schießen, wenn die Rockies einen Homerun erzielen.

Links die Rockpile-Seats, rechts oben die Mile-High-Reihe, in der Mitte die Homerun-Fontäne2

Spielbezogene Eigenheiten
Coors Field ist der hitterfreundlichste Ballpark der MLB. Das liegt vor allem an den drei oben erwähnten Faktoren: geringe Luftdichte, geringe Luftfeuchte und ein Outfield mit langen Wegen für die Feldspieler. Das ist natürlich ein großer Vorteil für die Heimmannschaft, die unter diesen Bedingungen trainiert, die Hälfte ihrer Spiele in ihnen absolviert und gezielt für sie zusammengestellt wurde. Man ist aber in Denver durchaus bemüht, die Effekte des Ballparks abzumildern: Als man 2002 nach Studien zu dem Ergebnis kam, dass die stärkste Ursache für die vielen Homeruns nicht in der Dichte der Luft besteht sondern in ihrer Trockenheit, begann man damit, die Bälle in einer speziellen Feuchtigkeitskammer zu lagern. Die Auswirkungen dieser Maßnahme sind statistisch klar erkennbar; sie lassen den Abstand zwischen Coors Field und anderen Ballparks in Sachen Homerun-Wahrscheinlichkeit zwar nicht verschwinden, aber er ist dadurch deutlich geringer geworden.

Pitcher hassen Coors Field und zwar nicht nur wegen der weit fliegenden geschlagenen Bälle. Die Höhenluft wirkt sich nämlich auch auf das Flugverhalten der Pitches aus. Vor allem Curveballs verlieren in der dünnen Luft spürbar an Rotation. Dadurch gelingen weniger Strikeouts und den Pitchern gehen Variationsmöglichkeiten verloren.

Die Liste der Ballpark-Faktoren von ESPN führt Coors Field Jahr für Jahr an, sowohl in Sachen Homeruns als auch wegen der vielen Doubles und Triples durch das weitläufige Outfield. Der deutlichste Beleg dafür, wie stark Coors Field die Schlagleistung beeinflusst, ist ein Blick auf das Run-Scoring der Rockies: Sie zählen jedes Jahr zu den Top-Teams hinsichtlich erzielter Runs in Heimspielen, während sie gleichzeitig bei Runs in Auswärtsspielen immer in der unteren Hälfte der Rangliste stehen.

Wo sitzt man am besten?
Erfreulicherweise zählt Coors Field zu den günstigeren Stadien der MLB. Wenn man während des Spiels den Blick auf die Rocky Mountains genießen will, empfehlen sich die Sections 323, 325 und 326. Für 15 bis 23 Dollar verfolgt man von dort das Spiel aus der Vogelperspektive entlang der First-Base-Linie. Wenn man sich etwas Luxus gönnen möchte, bieten sich die Infield Club Seats der Blöcke 221 bis 241 an – diese sind nah am Feld, besonders groß und bequem und man wird sogar am Platz bedient. Mit 64 bis 75 Dollar sind sie nicht billig, aber im Vergleich mit ähnlichen Plätzen in Boston oder New York doch sehr erschwinglich. Weniger luxuriös, dafür noch näher am Geschehen und vom Preisniveau etwa gleich sitzt man hinter den Dugouts der Rockies (Sections 121 bis 125) oder der Gäste (Sections 136 bis 140).

Wer beim Besuch des Stadions auf Schonung des Geldbeutels wert legt, für den hat Coors Field eines der größten Schnäppchen der Liga zu bieten: die sogenannten Rockpile Seats (Sections 401 bis 403). Der Rockpile ist eine hinter dem Centerfield gelegene Tribüne mit einfachen Sitzbänken ohne Rückenlehne. Die Rockpile-Plätze werden größtenteils an der Tageskasse verkauft und sind mit je nach Spiel 4 bis 11 Dollar sensationell günstig. Für Kinder bis 12 und Senioren ab 55 kosten sie sogar nur einen Dollar.

Panorama-Ansicht von Coors-Field3

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Brianvaltierra (CC BY SA 4.0)
2 Quelle: Flickr, Urheber: Ken Lund (CC BY SA 2.0)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Eric Kilby (CC BY 2.0)

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Januar 30th, 2018 by Silversurger

In meiner Serie über Ballparks der MLB geht es heute nach Chicago. Dort stehen gleich zwei MLB-Stadien, aber die Fans der White Sox werden mir hoffentlich verzeihen, wenn ich sage, dass Wrigley Field das weitaus interessantere der beiden ist. Neben Fenway Park in Boston ist Wrigley Field der einzige noch in Betrieb befindliche Ballpark, der schon über hundert Jahre auf dem Buckel hat. Der Abstand von diesen beiden zu Rang 3 ist enorm: Dodger Stadium in Los Angeles ist „nur“ 56 Jahre alt.

Geschichte
Wrigley Field wurde 1914, zunächst unter dem Namen Weeghman Park, innerhalb von nur zwei Monaten erbaut. Es fasste zu Beginn 14.000 Zuschauer und war die Heimstätte der Chicago Federals. Diese spielten in der Federal League, einer Konkurrenzliga der National League und American League, die allerdings nur kurz Bestand hatte und schon 1915 wieder eingestellt wurde. Charles A. Weeghman, der Owner der Federals, kaufte daraufhin für 500.000 Dollar die Chicago Cubs, vereinigte die beiden Teams und ließ sie in das Stadion einziehen. Im Laufe der folgenden Jahre verkaufte Weeghman nach und nach Anteile des Klubs, bis schließlich um das Jahr 1920 der Kaugummi-Unternehmer William Wrigley Mehrheitseigner war. Der Ballpark wurde zunächst in Cubs Park und 1927 in Wrigley Field umbenannt.

Im Laufe seiner langen Geschichte wurde Wrigley Field immer wieder renoviert und erweitert. Die einschneidendsten Maßnahmen fanden 1922/23 statt, als die neuen Besitzer entschieden, das Stadion zu vergrößern, aber die bestehenden Strukturen beizubehalten. Dazu wurde die Haupttribüne in drei Teile zerschnitten und der mittlere und linke Teil wurden auf Rollen gesetzt, um sie auseinander zu ziehen. Das klingt unglaublich, hat aber funktioniert. Die entstehenden Lücken wurden durch neue Tribünen gefüllt, sodass der Park am Ende der Renovierung rund 31.000 Zuschauer fasste. Den Wrigleys war das noch nicht genug, weswegen sie 1927 eine zweite Etage auf die Haupttribüne bauen ließen, was die Kapazität auf über 38.000 erhöhte.

Tribüne auf Rollen: Der spektakuläre Umbau 1922/231

Spätere Maßnahmen betrafen vor allem die ursprünglich hölzernen Außentribünen: 1937 wurden sie durch Steinbauten ersetzt, welche wiederum 2006 erneuert und erweitert wurden, sodass das heutige Fassungsvermögen von  41.649 entstand. Bei dem Umbau 1937 erhielt Wrigley Field auch sein Wahrzeichen, die efeubewachsene Outfieldwand.

Wrigley Field war für lange Zeit das letzte Stadion der MLB, das ohne Flutlicht betrieben wurde. Eigentlich sollte schon 1942 eine Flutlichtanlage installiert werden, doch der japanische Angriff auf Pearl Harbor und der folgende Kriegseintritt der USA führten dazu, dass das vorgesehene Material für militärische Bedürfnisse gespendet wurde. Später führten Bestrebungen zur Installation einer Beleuchtung zu Widerständen sowohl bei den Einwohnern rund um das Stadion, die um ihre abendliche Ruhe fürchteten, als auch bei anderen Fans, die Tageslicht-Baseball als eine besondere Tradition der Cubs ansahen und als solche verteidigen wollten. 1988 war es dann aber doch soweit, nachdem die Liga bereits angedroht hatte, das Stadion von Postseason-Spielen auszuschließen, wenn es weiterhin ohne Flutlicht bliebe. Bis heute ist aber die Zahl der Flutlichtspiele in Wrigley Field aus Rücksicht auf die Befindlichkeiten und Traditionen vertraglich limitiert.

Architektonische Auffälligkeiten
Das ganze Stadion ist allein schon durch seine über mehr als ein Jahrhundert gewachsene Struktur absolut einzigartig. Das berühmteste Feature von Wrigley Field ist aber die Begrenzung des Outfields, die von dichtem Efeu bewachsen ist. Dicht ist es jedenfalls im späteren Verlauf der Saison – zu Beginn einer Spielzeit haben die Blätter noch nicht ausgetrieben, mit der Zeit wird der Bewuchs dann immer dicker und grüner und wenn die Cubs es in die Playoffs schaffen, dann erlebt man mitunter auch die herbstliche Rotfärbung noch innerhalb der Baseballsaison.

Efeu im Outfield, darüber die „Baskets“2

Ebenfalls absolut einzigartig ist, dass es Zuschauerplätze nicht nur im Stadion gibt, sondern auch auf den umliegenden Häusern. Schon seit der Errichtung des Ballparks gab es Beobachter auf den Dächern entlang der Waveland Avenue hinter dem Leftfield und der Sheffield Avenue hinter dem Rightfield. Es handelte sich in der Regel nur um ein paar Dutzend Anwohner oder Bekannte mit Klappstühlen. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts uferte die Sache aus, indem von den Hauseigentümern regelrechte Tribünen aufgebaut und Tickets verkauft wurden. Den Cubs war dies ein Dorn im Auge und sie versuchten, gerichtlich dagegen vorzugehen. Schließlich kam es zu einer Einigung mit den meisten der Eigentümer, dass die Plätze weiter verkauft werden dürfen und ein Teil des Erlöses an die Cubs abzuführen ist. Es kam dennoch immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten, zum Beispiel über den Bau einer neuen Anzeigetafel, die für einige der sogenannten Rooftop-Plätze die Sicht behindert. Um die Streitigkeiten dauerhaft zu beseitigen, haben die Cubs begonnen, die betreffenden Häuser zu kaufen und inzwischen einen Großteil davon unter ihre Kontrolle gebracht.

Im Hintergrund die vielleicht außergewöhnlichsten Zuschauerplätze der MLB3

Spielbezogene Eigenheiten
Die Ballparks der MLB sind so verschieden, dass es in fast jedem davon spezifische Groundrules gibt, also Regeln, die nur für diesen Ballpark gelten. Wrigley Field ist die Heimat der wohl berühmtesten Groundrule: Wenn ein Ball im Efeu der Outfieldwand stecken bleibt, rücken der Batter und alle Runner automatisch je zwei Bases vor; das gilt allerdings nur, wenn der Outfielder keinen Versuch unternimmt, den Ball zu befreien, und wenn der Ball nicht von alleine wieder herausfällt. Andernfalls bleibt der Ball im Spiel.

Eine andere besondere Regel lautet, dass jeder Ball, der innerhalb der „Baskets“ landet – das sind die über den Outfieldwänden angebrachten nach innen geneigten Maschendrahtzäune –, ein Homerun ist. Das außergewöhnliche daran ist, dass wegen der Neigung der Zäune Homeruns möglich sind, die kürzer sind als die eigentliche Distanz bis zur Outfieldwand.

Laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 ist Wrigley Field einer der hitterfreundlicheren Ballparks der Liga. Das ist allerdings allenfalls die halbe Wahrheit, denn bei näherer Betrachtung zeigt sich erstens, dass das Stadion zu rechtshändigen Battern deutlich freundlicher ist als zu linkshändigen, und zweitens, dass die berühmten Chicagoer Winde eine wichtige und größtenteils unvorhersagbare Rolle dabei spielen, wie leicht oder schwer es an einem gegebenen Tag ist, einen Homerun aus dem Feld zu schlagen. Wenn dies  gelingt, fliegt der Ball übrigens oft nicht nur aus dem Feld sondern gleich ganz aus dem Stadion. Aus diesem Grund halten sich während des Batting Practices und des Spiels regelmäßig Ballhawks, also nach Bällen gierende Menschen, auf den Waveland und Sheffield Avenues auf, den Straßen zwischen dem Ballpark und den Rooftop-Tribünen.

Wo sitzt man am besten?
Wrigley Field ist eines von drei MLB-Stadien (die anderen sind Fenway Park und AT&T Park), die sehr häufig ausverkauft sind. Möchte man ein Spiel besuchen, so findet man meist nur wenige Tickets im direkten Verkauf, aber über die gängigen Weiterverkaufs-Plattformen wie Stubhub wird man in der Regel – mal mehr, mal weniger günstig – fündig.

Bei der Sitzauswahl ist zu beachten, dass es durch die altmodische Bauweise viele Plätze gibt, von denen die Sicht durch tragende Pfosten eingeschränkt ist. Insbesondere die oberen Bereiche der Sections 205 bis 239 und 503 bis 538 sind davon betroffen. Sehr gute Sicht auf Höhe des Infields hat man in den Sections 111 bis 131 (ganz nah am Geschehen) und 411 bis 430 (aus der Vogelperspektive und relativ preiswert).

Wer das ganz besondere Erlebnis sucht, muss natürlich auf eines der Rooftops. Die meisten Anbieter der Dachplätze haben sich auf Gruppen von zehn oder mehr Personen spezialisiert, man findet aber auch Angebote für Einzeltickets. Diese kosten in der Regel 100 bis 200 Dollar, oft als All-inclusive-Deal mit Essen und Getränken. Man bekommt auch diese Tickets über die gängigen Plattformen, zudem gibt es ein paar eigene Websites der Betreiber.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Unbekannt (Public Domain)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: jimcchou (CC BY 2.0)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Unique View (CC BY 2.0)

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