Category: Die größten Baseballer

Februar 19th, 2019 by Silversurger

Barry Bonds ist die wohl umstrittenste Figur der Baseballgeschichte. Er ist Rekordhalter mit den meisten Homeruns sowohl in einer Saison (73 im Jahr 2001) als auch insgesamt (762). Er hat mehr Walks (2585) herausgeholt als irgendein anderer MLB-Spieler. Die beste On-Base-Percentage, die je in einer Saison erzielt wurde (.601 im Jahr 2004), geht auf sein Konto – die zweitbeste (.582 im Jahr 2002) übrigens auch. Seine sieben MVP-Titel sind Rekord, ebenso die längste Serie von vier hintereinander. Trotzdem wurde Bonds bis heute nicht in die Hall of Fame aufgenommen, erreichte in bislang sieben Wahlgängen nie die erforderlichen 75 Prozent Zustimmung.

Das Talent war Bonds quasi in die Wiege gelegt: Sein Vater Bobby Bonds war selbst ein erfolgreicher MLB-Spieler und dessen bester Freund Willie Mays übernahm die Patenschaft für den kleinen Barry. Dieser begann 1986 – nur fünf Jahre nach dem Karriereende seines Vaters – bei den Pittsburgh Pirates seine eigene Laufbahn. Er etablierte sich schnell als Topspieler und wurde 1990 und 1992 zum MVP der Liga gewählt. 1993 machten ihn die San Francisco Giants mit einem Sechsjahresvertrag über 43,75 Millionen Dollar zum damals bestbezahlten Baseballer aller Zeiten. Seine überragenden Leistungen in den folgenden Jahren rechtfertigten den teuren Vertrag. Ungefähr um das Jahr 1998 traf Bonds jedoch offenbar eine folgenschwere Entscheidung. Vermutlich aus Frust über die Erfolge anderer mutmaßlicher Steroid-Nutzer wie Sammy Sosa und Marc McGwire griff er selbst zu verbotenen Substanzen.

Barry Bonds 1993 (1)

Der Fall ist nicht ganz einfach: Bonds selbst gab das Doping nie zu und ist auch nie positiv getestet worden. Die MLB hat daher auch keine Sperren oder sonstigen Strafen ausgesprochen, die aufgestellten Rekorde haben offizielle Gültigkeit. Gleichwohl gibt es keine ernsthaften Zweifel, dass Barry Bonds leistungsfördernde Mittel genutzt hat. Im Jahr 2003, also noch während Bonds aktiver Karriere, kam der sogenannte BALCO-Skandal ans Licht. BALCO war eine Firma, die Sportler systematisch mit anabolen Steroiden versorgte. Bonds war einer ihrer prominentesten Kunden. Vor einem Geschworenengericht räumte er damals ein, von einem in die Affäre verwickelten Trainer Substanzen verabreicht bekommen zu haben. Er habe aber nicht gewusst, dass es sich um Steroide handelte. In einem späteren Verfahren wurde Bonds wegen dieser Aussage der Irreführung des Gerichts schuldig gesprochen. Nach Berufung wurde dieses Urteil aufgehoben mit der Begründung, Bonds Falschaussage habe das Verfahren von 2003 nicht entscheidend beeinflusst.

Letzten Endes stehen sich nach Bonds Karriere zwei Fakten unversöhnlich gegenüber. Erstens: Barry Bonds hat – wie viele Akteure seiner Generation – sein Leistungsvermögen durch unfaire Mittel gesteigert. Zweitens: Bonds war einer der besten Baseballspieler aller Zeiten und das wird man nicht allein durch Spritzen. Vielleicht vergibt ihm die Baseballwelt irgendwann so weit, dass er den Platz in der Ruhmeshalle einnehmen darf, welcher ihm ohne die Dopinggeschichte längst sicher wäre. Ungeachtet dessen werden seine Rekorde für immer gedanklich mit einer einschränkenden Fußnote versehen sein.

Das war erst mal der letzte Artikel der Serie über die größten Baseballer aller Zeiten. Ich hoffe, sie hat euch gefallen und die Offseason ein bisschen erträglicher gemacht. Ab jetzt stehen hier auf dem Blog wieder verstärkt die Stars von heute im Mittelpunkt. Nächste Woche beginne ich mit den traditionellen 30 Team-Previews in 30 Tagen und dann beginnt auch schon die Saison 2019.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Jim Accordino (CC BY 2.0)

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Februar 12th, 2019 by Silversurger

Eine Errungenschaft hatte Willie Mays, der Held der letzten Folge dieser Artikelserie, wegen seines Kriegsdienstes knapp verpasst. Wenige Jahre später gelang diese Errungenschaft Hank Aaron: Er schlug als erster MLB-Spieler in seiner Karriere mehr Homeruns als Babe Ruth. Um ein Haar hätten Mays und Aaron übrigens gemeinsam im Outfield der Giants gespielt. Es scheiterte an gerade mal 50 Dollar pro Monat, die die Boston Braves dem 18-jährigen Negro-League-Star 1952 mehr boten als die New York Giants, sodass Aaron in Boston unterschrieb.

Die Braves zogen wenig später nach Milwaukee um, wo Aaron 1954 sein MLB-Debüt gab. Sein erstes Jahr war solide, ab dem zweiten Jahr waren seine Leistungen herausragend. Er schaffte es 25-mal in Folge ins All-Star-Team. Das ist bis heute Rekord. Seine wohl beste Saison spielte “Hammerin’ Hank” 1957. Mit einem Average von .322, 44 Homeruns und 132 RBI wurde er zum MVP der NL gewählt und führte die Braves zu ihrem ersten World-Series-Sieg seit 1914. 1958 erreichten die Braves erneut die World Series, verloren aber dieses Mal gegen die New York Yankees. In den folgenden Jahren konnten die Braves trotz ihres konstant überragenden Leistungsträgers Aaron nicht an ihre Erfolge anknüpfen.

1966 zog die Franchise erneut um, dieses Mal nach Atlanta. Aaron blieb seinem Team treu und passierte in den Folgejahren diverse Meilensteine: seinen fünfhundertsten Homerun 1968, seinen dreitausendsten Hit 1970, seinen sechshundertsten Homerun 1971.

Hank Aaron 1974 (1)

Als er 1973 die Marke von 700 Homeruns knackte und somit Babe Ruths Rekord von 714 in offensichtliche Gefahr brachte, sah Aaron sich massiven Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt. Diese waren überwiegend rassistischer Natur und zeigten, dass trotz der 1947 durchgesetzten Integration ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Spielern unterschiedlicher Hautfarbe leider noch keine Selbstverständlichkeit war. Nachdem er die Saison mit 713 Homeruns beendet hatte, fürchtete Aaron während der Saisonpause ernsthaft um sein Leben und wurde während der ersten Spiele der Saison 1974 unter Polizeischutz gestellt. Die Drohungen wurden zum Glück keine Wirklichkeit und am 8. April 1974 fiel der Rekord des Babes, als Aaron gegen die Los Angeles Dodgers Nummer 715 über den Zaun drosch.

In den restlichen drei Jahren seiner Karriere, von denen er die letzten zwei bei den Milwaukee Brewers verbrachte, hob Aaron die Messlatte noch auf 755. Damit liegt er heute auf Rang zwei der ewigen Liste hinter Barry Bonds. Angesichts des Dopingverdachts gegen Bonds sehen viele Aaron nach wie vor als den besten Power-Hitter aller Zeiten an.

Hank Aaron wurde 1982 mit 98% der Stimmen in die Hall of Fame aufgenommen. Seit 1980 übt er das Amt eines Senior-Vizepräsidenten der Atlanta Braves aus. 1999, zum 25. Jubiläum von Aarons Homerun-Rekord, wurde der Hank-Aaron-Award als Auszeichnung für den besten Offensivspieler ins Leben gerufen. Dieser wird seitdem jährlich an je einen Spieler der American League und der National League vergeben.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Unbekannt (PD-US)

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Februar 5th, 2019 by Silversurger

Willie Mays ist der Hauptdarsteller der wahrscheinlich berühmtesten Feldspielszene aller Zeiten: Im achten Inning des ersten Spiels der World Series 1954 schlug Vic Wertz einen Ball weit in das sehr tiefe Centerfield der Polo Grounds. Der Ball schien unerreichbar für Mays und doch gelang es ihm, ihn in vollem Lauf mit dem Rücken zum Feld über der eigenen Schulter aus der Luft zu pflücken. Die Aktion bewahrte die New York Giants vor einem Rückstand und legte damit den Grundstein, das Spiel und schließlich auch die World Series gegen die Cleveland Indians zu gewinnen. Sie ist bis heute als “The Catch” bekannt.

Man wird dem Baseballer Willie Mays allerdings nicht gerecht, wenn man ihn auf “The Catch” beschränkt. Mays war nicht nur der wohl beste Outfielder der Baseballgeschichte, sondern geradezu der Prototyp eines sogenannten Five-Tool-Players. Gemeint ist damit ein Spieler, der alle fünf Kernkompetenzen des Spiels in sich vereint: den Ball oft treffen, den Ball hart treffen, schnelles Baserunning, sicheres Fangen sowie hartes und präzises Werfen. Willie Mays schlug einen Karriere-Average von .302, hat mit 660 Homeruns die fünftmeisten aller Zeiten erzielt und 338 Bases gestohlen. Die 7.095 Outs, die er als Outfielder produziert hat, führen bis heute die Allzeit-Rangliste an.

In den Zählstatistiken hätte Mays noch besser aussehen können – er hätte wahrscheinlich sogar Babe Ruths Homerun-Rekord gebrochen –, wenn er nicht den größten Teil der Saison 1952 und die gesamte Saison 1953 verpasst hätte, weil er zum Korea-Krieg eingezogen wurde. 1954 war der Rookie of the Year von 1951 zurück in der Liga und legte direkt eine überragende Saison hin, an deren Ende er mit den Giants die World Series gewann und zum wertvollsten Spieler gewählt wurde. Er wurde zudem zum ersten Mal in das All-Star-Game berufen, was ihm ab da in jedem einzelnen Jahr gelingen sollte, bis er 1973 im Alter von 42 Jahren seine Karriere beendete.

Willie Mays 1961 (1)

Mays verbrachte fast seine ganze Karriere bei den Giants, mit denen er 1958 von New York nach San Francisco umzog. Ganz am Ende kehrte er für eineinhalb Jahre zurück nach New York und erreichte mit den Mets noch einmal die World Series. Diese ging in sieben Spielen an die Oakland Athletics. Mays hatte als Pinch-Hitter in Spiel drei den letzten Auftritt seiner Karriere.

1979 wurde Willie Mays bei erster Gelegenheit mit 95% Zustimmung in die Hall of Fame gewählt. Er blieb auch nach seiner aktiven Zeit eine engagierte und beliebte öffentliche Persönlichkeit. 2015 verlieh Barack Obama ihm die “Presidential Medal of Freedom”. In der Lobrede dankte er Mays für sein zivilgesellschaftliches Engagement, mit dem er dazu beigetragen habe, dass jemand wie er – Obama – überhaupt daran denken durfte, für das Präsidentenamt zu kandidieren.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Manny’s Baseball Land (PD-US)

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Januar 29th, 2019 by Silversurger

Jack Roosevelt Robinson – besser bekannt als Jackie Robinson – wäre übermorgen, am 31. Januar 2019, 100 Jahre alt geworden. Wie alle in dieser Serie Vorgestellten war Jackie Robinson ein sehr guter Baseballspieler. Seine Bedeutung für den Baseballsport und dessen Geschichte geht jedoch weit über seine Leistungen auf dem Platz hinaus. Als er am 15. April 1947 als First Baseman der Brooklyn Dodgers in Ebbets Field auflief, bedeutete dies das Ende eines beschämenden Kapitels der Baseballhistorie – der Rassenschranke, durch die dunkelhäutigen Spielern jahrzehntelang der Zugang zur MLB verwehrt war.

Entgegen einem verbreiteten Irrglauben war Robinson nicht der erste schwarze Spieler in den Major Leagues und es gab auch nie eine schriftliche Regel, die den Einsatz farbiger Akteure in der MLB verbot. Es gab solche Regeln aber zum einen in einigen Minor Leagues und es gab zum anderen Spieler und Teams in der MLB, die mit Streiks für den Fall drohten, dass sie gegen Mannschaften antreten sollten, die dunkelhäutige Spieler einsetzten. Nach einem einzigen Spiel von William Edward White für die Providence Grays 1879 sowie einigen Einsätzen der Brüder Fleet und Weldy Walker für die Toledo Blue Stockings 1884 war die Rassentrennung im Baseball über 60 Jahre lang Fakt. Schwarze Baseballer konnten ihr Können in dieser Zeit lediglich in den in puncto Infrastruktur und Verdienstmöglichkeiten klar benachteiligten Negro Leagues zeigen.

Der Wendepunkt ging vor allem auf zwei Personen zurück: zum einen auf den damaligen General Manager der Brooklyn Dodgers, Branch Rickey, zum anderen auf den MLB-Commissioner Happy Chandler. Chandler war der deutlich offener eingestellte Nachfolger des 1944 verstorbenen Kenesaw Landis, welcher früheren Integrationsbestrebungen klare Absagen erteilt hatte. Rickey ließ mit Chandlers Rückendeckung schwarze Talente sichten, zunächst unter dem Vorwand, die Dodgers wollten ein neues Negro-Team gründen. Seine Absicht war aber von vornherein, die Rassenbarriere im Baseball aufzuheben. Zu diesem Zweck suchte er nach einem Spieler mit sowohl dem sportlichen Talent als auch der mentalen Stärke für die ihm zugedachte Pionierrolle.

Robinson berichtete später in seiner Autobiographie von einem der ersten Treffen mit Rickey und von dessen Bitte, auf rassistische Angriffe nicht zu reagieren. “Sie wollen einen Spieler, der nicht den Mumm hat, sich zu wehren?”, fragte der durchaus für sein feuriges Temperament bekannte Robinson. “Ich will einen Spieler, der den Mumm hat, sich nicht zu wehren”, war Rickeys berühmte Entgegnung.

Jackie Robinson 1950 (1)

Im Oktober 1945 machte Rickey Ernst mit seinem Vorhaben, indem er Robinson, der bis dahin für das Negro-Team Kansas City Monarchs gespielt hatte, unter Vertrag nahm. Er setzte ihn zunächst eine Saison lang für die Montreal Royals, den Minor-League-Partner der Dodgers, ein. 1947 wurde er ins MLB-Team befördert, für das er an jenem legendären 15. April sein erstes Spiel bestritt.

Erwartunsgemäß stieß Robinson in den ersten Monaten seiner MLB-Karriere auf massive Drohungen und Anfeindungen – nicht nur von gegnerischen Fans und Spielern, sondern auch innerhalb des eigenen Teams. Sein souveräner Umgang damit ließ diese wirkungslos verpuffen und zeigte, dass sein Förderer Rickey mit ihm eine weise Wahl getroffen hatte.

Robinson wurde 1947 zum Rookie des Jahres und 1949 – inzwischen auf seiner Stammposition als Second Baseman – zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt. Trotz seines mit 28 Jahren späten Einstiegs erlebte er mit den Dodgers eine zehn Jahre währende produktive MLB-Karriere. Diese krönte er 1955 mit dem Gewinn der World Series gegen den Stadtrivalen New York Yankees. 1962, im ersten Jahr seiner Wählbarkeit, wurde Jackie Robinson in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Er starb 1972 im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt.

Der Jahrestag von Jackie Robinsons erstem MLB-Einsatz hat sich seit 2004 ligaweit als besonderer Feier- und Gedenktag etabliert. Alle Spieler, Schiedsrichter, Coaches und Manager tragen am 15. April die Rückennummer 42, die ansonsten – als einzige Nummer überhaupt – in der gesamten Liga nicht mehr vergeben wird.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: United States Information Agency (keine Nutzungseinschränkung)

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Januar 22nd, 2019 by Silversurger

Die wichtigste Aufgabe eines Schlagmanns im Baseball besteht nicht darin, Homeruns oder überhaupt Hits zu erzielen. Sie besteht darin, auf Base zu kommen, im Endeffekt egal wie. Ein Lineup, dessen Spielern das regelmäßig gelingt, wird zwangsläufig Erfolg haben. Bei der Würdigung der Leistungen eines Babe Ruth wird oft übersehen, dass er nicht nur mit seinen zahlreichen Schlägen über den Zaun das Spiel revolutioniert hat, sondern auch sehr viele Walks herausgeholt hat. So brachte er es alles in allem auf eine On-Base Percentage (OBP) von .474. Das heißt, wenn er in die Batter’s Box trat, dann er kam in 47,4% der Fälle auf Base. Nur ein einziger Spieler der MLB-Geschichte war in dieser Fähigkeit langfristig erfolgreicher als Ruth: Ted Williams, Rekordhalter mit einer Karriere-OBP von .482.

Theodore Samuel Williams wurde 1939 von den Boston Red Sox bei dem damaligen Minor-League-Team San Diego Padres entdeckt. Im gleichen Jahr gab er im Alter von 20 Jahren sein MLB-Debüt. Williams produzierte von Anfang an beeindruckende Schlagwerte und zwei Jahre nach seinem Debüt, 1941, gelang ihm eine der besten Saisons, die je ein Hitter hatte: Er kam in dem Jahr auf eine OBP von .553, einen Batting Average von .406, 37 Homeruns und 120 RBI – und wurde bei der MVP-Wahl dieses Jahres nur Zweiter hinter Joe DiMaggio. DiMaggio lag zwar in fast allen statistischen Kategorien hinter Williams, genoss in dem Jahr aber die größere Aufmerksamkeit, zum einen wegen seiner epischen Serie von 56 Spielen hintereinander mit mindestens einem Hit und zum anderen, weil er beim erfolgreicheren Team, den Yankees, spielte.

Ted Williams 1939 (1)

Die große Stärke von “Teddy Ballgame” war seine herausragende Hand-Auge-Koordination, die mit einer übernormalen Sehkraft zusammenhing. Williams konnte laut medizinischen Untersuchungen aus sechs Metern Entfernung so gut sehen wie durchschnittliche Menschen aus drei Metern. Dieses Talent war nicht nur im Baseball nützlich, sondern auch im Militär. Von 1943 bis 1945 diente Williams als Marine-Pilot im Zweiten Weltkrieg und dann noch einmal von 1952 bis 1953 im Korea-Krieg. Eine Karrierepause zum Ableisten von Kriegsdiensten mussten viele Spieler in Williams’ Generation einlegen. Nur wenige traf es allerdings so oft und so lange wie ihn.

Seinen sportlichen Fähigkeiten taten die Pausen keinen Abbruch. 1946, nachdem er erst im Januar aus dem Krieg zurückgekehrt war, holte Williams sich den ersten von zwei MVP-Titeln und erreichte zum einzigen Mal in seiner Karriere mit den Red Sox die World Series. In dieser war Williams allerdings nicht in Bestform: Ihm gelangen in 25 At-Bats lediglich fünf Singles und die Serie ging in sieben Spielen an die St. Louis Cardinals.

Nach seiner Laufbahn als Spieler für die Red Sox war Williams von 1969 bis 1972 als Manager bei den Washington Senators tätig, allerdings mit eher geringem Erfolg. 1966 wurde er zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Hall of Fame gewählt. Er starb 2002 mit 83 Jahren an Herzversagen.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Apex Photo Company (PD-US)

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Januar 15th, 2019 by Silversurger

Wäre diese Serie über die größten Baseballspieler nicht chronologisch, sondern nach Wichtigkeit geordnet, so wäre es keine Frage, wer auf Rang eins stehen müsste. George Herman Ruth, allseits bekannt als Babe Ruth, ist der größte Star, den der Baseball bis zum heutigen Tag gesehen hat und an dem sich bis heute jeder andere messen lassen muss.

In Ruths früher Kindheit deutete wenig darauf hin, dass er es mal zum Top-Sportler bringen würde. Seine deutschstämmigen Eltern, die einen Saloon in Baltimore betrieben, kamen mit ihm nicht zurecht. Er schwänzte schon im ersten Schuljahr häufig die Schule und trank heimlich Bier. Im Alter von sieben Jahren wurde er schließlich in ein katholisches Erziehungsheim geschickt. Für ihn erwies sich das als Glücksfall. Trotz oder vielleicht gerade wegen des streng regulierten Alltags fühlte er sich in dem Heim wohl. Vor allem wurde dort von einem Pater sein Talent für das Baseballspiel entdeckt und gefördert. Mit 19 Jahren wurde Ruth vom Team seiner Heimatstadt, den Baltimore Orioles, unter Vertrag genommen. Schon nach wenigen Spielen in der Minor League wurde er an die Boston Red Sox verkauft.

In Boston etablierte Ruth sich zunächst als Pitcher und gewann mit den Red Sox die World Series 1915, 1916 und 1918. Auch als Batter machte er bereits auf sich aufmerksam, insbesondere wegen seiner neuartigen Herangehensweise, gezielt Homeruns über den Zaun zu schlagen. 1918 führte er die Liga mit elf Homeruns an, obwohl er wegen der als Pitcher nötigen Ruhepausen viel weniger Spiele absolvierte als die meisten Batter. 1919 schlug er für damalige Verhältnisse unglaubliche 29 Homeruns. Obwohl er ein guter Pitcher war, wurde er immer seltener als solcher eingesetzt, denn man wollte ihn jeden Tag im Lineup haben. Die Red Sox spielten zwar in dem Jahr eine schwache Saison, aber allein wegen dem spektakulären Ruth explodierten die Zuschauerzahlen gegenüber dem Vorjahr.

Babe Ruth 1920 (1)

Es folgte jener fatale 3. Januar 1920, an dem der damalige Eigentümer der Red Sox, Harry Frazee, Babe Ruth für 125.000 Dollar an die New York Yankees verkaufte. Diese Transaktion gilt als einer der größten Fehler der Baseballgeschichte. Ruth entwickelte sich von einem bereits sehr guten zum möglicherweise besten Spieler aller Zeiten. Gleich in seinem ersten Jahr in New York schlug er 54 Homeruns und pulverisierte damit den im Jahr zuvor selbst aufgestellten Bestwert. 1927 zementierte er die Marke bei 60 Homeruns – ein Rekord, der 34 Jahre lang Bestand haben sollte. Insgesamt schlug er 714 Homeruns, bis heute die drittmeisten der MLB-Geschichte.

Die Yankees, die bis dahin noch nie die World Series erreicht hatten, schwangen sich mit Ruth zum dominierenden Team ihrer Sportart auf. Mit ihm gewannen sie die ersten vier ihrer mittlerweile 27 Meisterschaften. Die Red Sox hingegen versanken nach dem Verkauf von Ruth und einigen weiteren Spielern für Jahrzehnte im Mittelmaß. Sage und schreibe 86 Jahre mussten sie warten, bis sie 2004 erstmals wieder eine World Series gewannen und damit endlich den “Fluch des Bambino” durchbrachen.

Babe Ruth war ein Ausnahmesportler, der nie wie ein solcher lebte: Er rauchte, trank, aß Hot Dogs in rauhen Mengen und umgab sich mit häufig wechselnden Frauen. Er engagierte sich aber auch stark für soziale Projekte und war stets zugänglich für seine Fans. Einen besonders guten Draht hatte er zu Kindern – vermutlich weil er selbst immer ein Stück weit ein Kindskopf blieb.

Gemeinsam mit Ty Cobb, Walter Johnson, Honus Wagner und Christy Mathewson bildete Babe Ruth 1936 die erste Hall-of-Fame-Klasse. Er starb 1948 im Alter von 53 Jahren an Krebs.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Paul Thompson (PD-US)

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Januar 8th, 2019 by Silversurger

Wer war der beste Pitcher der Dead-Ball-Ära? Nach allem, was ich vorletzte Woche über Cy Young geschrieben habe, sollte man meinen, die Frage wäre einfach zu beantworten. Das ist sie aber nicht, ganz im Gegenteil. Seit über hundert Jahren besteht Uneinigkeit darüber, ob Cy Young oder Walter Johnson der bessere Werfer war.

Für Youngs Verehrer thronen über allem die 511 Wins in seiner Karriere – fast 100 mehr als Johnson, der mit 417 immerhin den zweiten Platz in der ewigen Rangliste belegt. Bei der Interpretation von Pitcher-Wins ist allerdings Vorsicht angebracht. Denn ob einem Pitcher ein Sieg gutgeschrieben wird, hängt bekanntlich nicht nur von seiner eigenen Leistung, sondern auch ganz massiv von der seiner Mitspieler am Schlag und im Feld ab. Cy Young hatte das Glück, während seiner Laufbahn fast immer für starke Teams zu spielen.

Walter Johnson hatte dieses Glück nicht. Er trat während seiner gesamten Profikarriere – von 1907 bis 1927 – ausschließlich für die Washington Senators an. Mit diesen erreichte er zwar zweimal die World Series und gewann eine davon, aber über die gesamten 21 Jahre hinweg waren die Senators ein bestenfalls mittelmäßiges Team. Johnson musste sich somit, um Outs zu generieren und die Chance auf einen Sieg zu haben, stärker auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen als Young oder jeder andere Pitcher in einem dauerhaft konkurrenzfähigen Team. Das gelang ihm vor allem dadurch, dass er es auf 3.509 Strikeouts brachte – ein Wert, der damals jeden Vergleich sprengte und in der MLB-Historie bis heute nur von acht Pitchern übertroffen wurde. Keiner davon war zu der Zeit, als Johnson den Rekord aufstellte, überhaupt geboren.

Walter Johnson ca. 1910 (1)

Das Vermächtnis von Walter Johnson, genannt “The Big Train”, ist das des ersten großen Power-Pitchers der Geschichte. Sein Haupt-Pitch war ein schneller, gerader Fastball, den er mit einer Sidearm-Technik warf. Radarpistolen waren damals noch nicht im Einsatz, doch zwei Experimente – das erste ein Vergleich mit einem fahrenden Motorrad, das zweite ein Wurf gegen ein Pendel – bezifferten Johnsons Pitches jeweils auf 99,7 Meilen pro Stunde (160,5 km/h). Das wäre in der heutigen MLB ein Wert der Spitzenklasse; für damalige Verhältnisse war er einzigartig.

Johnson brachte es in seiner Karriere auf einen ERA von 2.17. Seine 110 Shutouts, also Spiele “zu Null”, sind MLB-Rekord. Zum Vergleich: Die meisten Shutouts eines noch aktiven Pitchers hat Clayton Kershaw auf dem Konto und zwar sage und schreibe 15. Walter Johnson gehörte 1936 zu den ersten fünf Spielern, die in die Hall of Fame gewählt wurden. Er starb 1946 an einem Gehirntumor.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Charles Conlon (PD-US)

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Januar 1st, 2019 by Silversurger

Ich wünsche allseits ein großartiges 2019! Der Baseblog beginnt das neue Jahr mit einer Zeitreise um rund 100 Jahre in die Vergangenheit.

Im frühen 20. Jahrhundert, der sogenannten Dead-Ball-Ära des Baseballs, glänzten vor allem die Pitcher. Es sind daher Namen wie Cy Young, Walter Johnson oder Christy Mathewson, die aus dieser Zeit haften geblieben sind. Doch es gab damals auch überragende Schlagmänner, an die man sich bis heute erinnert. Honus Wagner ist hier ebenso zu nennen wie “Shoeless” Joe Jackson und besonders Tyrus Raymond Cobb. Ty Cobb setzte Maßstäbe, von denen einige noch immer unerreicht sind.

Ty Cobb 1913 (1)

Zwar war Cobb seiner Zeit entsprechend nicht für viele Homeruns bekannt. Nur einmal führte er in dieser Kategorie die Liga an, 1909 mit aus heutiger Sicht lächerlichen neun. Auch diese Zahl ist jedoch beeindruckend angesichts der Tatsache, dass kein einziger der neun Hits über den Zaun ging – es waren allesamt Inside-the-Park-Homeruns. In anderen Statistiken lag Cobb regelmäßig ganz vorne, vor allem beim Batting Average. Mit einem Karriere-Schlagdurchschnitt von .366 führt er die ewige Rangliste an. 23 seiner 25 Saisons beendete er mit einem Average von über .300, zwölf davon mit dem höchsten Average der Liga. 4.189 Hits, 2.244 erzielte Runs, 3.034 absolvierte Spiele, 11.434 At Bats, 5.854 Total Bases waren zum Zeitpunkt seines Karriereendes ebenfalls Rekorde, die allesamt mehrere Jahrzehnte lang hielten.

Cobb war ein sehr intelligenter Spieler. Er verstand es, die Schwächen gegnerischer Pitcher und Feldspieler zu analysieren und auszunutzen, um Hits zu erzielen und Bases zu stehlen. Andererseits galt er sowohl auf dem Feld als auch jenseits davon als unangenehmer Charakter, als hitzköpfig, egoistisch und extrem ehrgeizig. Er ging selten einer Prügelei aus dem Weg und wurde häufig unfairer Aktionen beschuldigt. In mehreren Fällen fügte er Gegenspielern Verletzungen zu, als er mit hohem Bein auf eine Base rutschte, einmal ging er auf einen Zuschauer auf der Tribüne los und nach einer Attacke auf einen Hotelangestellten wurde ihm gar versuchter Mord vorgeworfen. Da dieser Angestellte schwarz war und Cobb des öfteren verbale und körperliche Auseinandersetzungen mit dunkelhäutigen Menschen hatte, wurde ihm Rassismus unterstellt. Dieser Vorwurf geht möglicherweise zu weit, denn Cobb war auch ein früher und vehementer Verfechter davon, schwarze Spieler zu integrieren und ihnen die Anerkennung zu gewähren, die sie durch ihre Leistung verdient haben. Es trifft wohl eher zu, dass Cobb die Neigung hatte, sich unter Menschen unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe wenige Freunde und viele Feinde zu machen.

Ty Cobb 1915 (2)

Cobbs persönlichen Leistungen und Rekorden zum Trotz gewann er nie eine Meisterschaft – weder in seiner langen Zeit bei den Detroit Tigers (1905-1926), obwohl er mit ihnen 1907 bis 1909 dreimal hintereinander in der World Series stand, noch in den beiden letzten Jahren seiner Karriere bei den Philadelphia Athletics.

Ty Cobb wurde 1936 als eines der ersten fünf Mitglieder der Baseball Hall of Fame gewählt und erhielt mit 98% den höchsten Stimmenanteil innerhalb dieser Gruppe. Er starb 1961 im Alter von 74 Jahren an Prostatakrebs.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: International Film Service (PD-US)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Detroit Public Library (PD-US)

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Dezember 25th, 2018 by Silversurger

Fröhliche Festtage allerseits! Als Weihnachtsgeschenk gönne ich allen Leserinnen und Lesern und mir selbst eine neue Artikelserie. Heute und in den kommenden Wochen immer dienstags geht es um die größten Baseballspieler der Geschichte. Den Anfang macht einer, dessen Name auch über 100 Jahre nach seinem Karriereende in der MLB noch immer in aller Munde ist.

Jahr für Jahr wetteifern die Werfer in der AL und der NL darum, wer den Cy-Young-Award als bester Pitcher der Saison erhält. Genau wie man es erwarten würde, war der Namensgeber dieser Auszeichnung selbst ein ganz hervorragender Pitcher. Er prägte die Frühphase des professionellen Baseballs wie kaum ein anderer.

Denton True Young begann seine Profikarriere 1890 im Alter von 23 Jahren mit einem kurzen Gastspiel in der Tri-State-League in Canton, Ohio. In dieser Zeit erwarb er den Spitznamen “Cyclone”, nachdem sein extrem harter Fastball im Training einige Schilder umgeworfen hatte, sodass es aussah wie ein Sturmschaden. Der Name blieb in der verkürzten Version “Cy” für immer haften. Nach wenigen Monaten in Canton wechselte Young in die National League zu den Cleveland Spiders, bei denen er acht Jahre lang spielte und zum erfolgreichsten Pitcher der Liga aufstieg.

Cy Young 1893 (1)

1901 war Young einer der ersten Topspieler, die in die neu gegründete American League überliefen. Mit den Boston Americans, den späteren Red Sox, holte er gleich in ihrem ersten Jahr die Triple Crown der AL, indem er sie in Strikeouts, Wins und ERA anführte. 1903 warf er den ersten Pitch der ersten World Series. Das Spiel ging gegen die Pittsburgh Pirates verloren, doch im weiteren Verlauf der Serie steuerte Young zwei der fünf Siege bei, mit denen Boston die Serie gewann.

Cy Young hält zahlreiche Rekorde, die aller Voraussicht nach niemals übertroffen werden. Das liegt natürlich auch daran, dass das Spiel sich verändert hat. Young spielte in der pitcherfreundlichen Dead-Ball-Ära und zudem in einer Zeit, in der man Pitchern weitaus häufigere und längere Einsätze zumutete als es heute üblich ist. Seine 7.356 gepitchten Innings gelten ebenso als ein Wert für die Ewigkeit wie seine 815 Spiele als Starter, seine 746 Complete Games und seine 511 Wins.

Youngs nach eigener Aussage größte Stunde schlug am 5. Mai 1904 in einem Spiel gegen die Philadelphia Athletics. Young gelang an diesem Tag das erste Perfect Game des 20. Jahrhunderts, zugleich das erste aus der bis heute üblichen Pitching-Distanz von 60 Fuß und 6 Inches (18,44m). Es war der zweite von insgesamt drei No-Hittern in seiner Karriere.

Cy Young 1911 (2)

Cy Young wurde 1937 in die Hall of Fame gewählt. Nach seiner Zeit als Baseballstar lebte er in bescheidenen Verhältnissen als Untermieter eines befreundeten Ehepaares in Ohio und arbeitete zeitweise als Verkäufer in einem Geschäft. Er starb 1955 im Alter von 88 Jahren. Ein Jahr nach seinem Tod wurde der nach ihm benannte Award eingeführt.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Just So Tobacco (Public Domain)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Charles M. Conlon (Public Domain)

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