Category: Die größten Baseballer

Januar 15th, 2019 by Silversurger

Wäre diese Serie über die größten Baseballspieler nicht chronologisch, sondern nach Wichtigkeit geordnet, so wäre es keine Frage, wer auf Rang eins stehen müsste. George Herman Ruth, allseits bekannt als Babe Ruth, ist der größte Star, den der Baseball bis zum heutigen Tag gesehen hat und an dem sich bis heute jeder andere messen lassen muss.

In Ruths früher Kindheit deutete wenig darauf hin, dass er es mal zum Top-Sportler bringen würde. Seine deutschstämmigen Eltern, die einen Saloon in Baltimore betrieben, kamen mit ihm nicht zurecht. Er schwänzte schon im ersten Schuljahr häufig die Schule und trank heimlich Bier. Im Alter von sieben Jahren wurde er schließlich in ein katholisches Erziehungsheim geschickt. Für ihn erwies sich das als Glücksfall. Trotz oder vielleicht gerade wegen des streng regulierten Alltags fühlte er sich in dem Heim wohl. Vor allem wurde dort von einem Pater sein Talent für das Baseballspiel entdeckt und gefördert. Mit 19 Jahren wurde Ruth vom Team seiner Heimatstadt, den Baltimore Orioles, unter Vertrag genommen. Schon nach wenigen Spielen in der Minor League wurde er an die Boston Red Sox verkauft.

In Boston etablierte Ruth sich zunächst als Pitcher und gewann mit den Red Sox die World Series 1915, 1916 und 1918. Auch als Batter machte er bereits auf sich aufmerksam, insbesondere wegen seiner neuartigen Herangehensweise, gezielt Homeruns über den Zaun zu schlagen. 1918 führte er die Liga mit elf Homeruns an, obwohl er wegen der als Pitcher nötigen Ruhepausen viel weniger Spiele absolvierte als die meisten Batter. 1919 schlug er für damalige Verhältnisse unglaubliche 29 Homeruns. Obwohl er ein guter Pitcher war, wurde er immer seltener als solcher eingesetzt, denn man wollte ihn jeden Tag im Lineup haben. Die Red Sox spielten zwar in dem Jahr eine schwache Saison, aber allein wegen dem spektakulären Ruth explodierten die Zuschauerzahlen gegenüber dem Vorjahr.

Babe Ruth 1920 (1)

Es folgte jener fatale 3. Januar 1920, an dem der damalige Eigentümer der Red Sox, Harry Frazee, Babe Ruth für 125.000 Dollar an die New York Yankees verkaufte. Diese Transaktion gilt als einer der größten Fehler der Baseballgeschichte. Ruth entwickelte sich von einem bereits sehr guten zum möglicherweise besten Spieler aller Zeiten. Gleich in seinem ersten Jahr in New York schlug er 54 Homeruns und pulverisierte damit den im Jahr zuvor selbst aufgestellten Bestwert. 1927 zementierte er die Marke bei 60 Homeruns – ein Rekord, der 34 Jahre lang Bestand haben sollte. Insgesamt schlug er 714 Homeruns, bis heute die drittmeisten der MLB-Geschichte.

Die Yankees, die bis dahin noch nie die World Series erreicht hatten, schwangen sich mit Ruth zum dominierenden Team ihrer Sportart auf. Mit ihm gewannen sie die ersten vier ihrer mittlerweile 27 Meisterschaften. Die Red Sox hingegen versanken nach dem Verkauf von Ruth und einigen weiteren Spielern für Jahrzehnte im Mittelmaß. Sage und schreibe 76 Jahre mussten sie warten, bis sie 2004 erstmals wieder eine World Series gewannen und damit endlich den “Fluch des Bambino” durchbrachen.

Babe Ruth war ein Ausnahmesportler, der nie wie ein solcher lebte: Er rauchte, trank, aß Hot Dogs in rauhen Mengen und umgab sich mit häufig wechselnden Frauen. Er engagierte sich aber auch stark für soziale Projekte und war stets zugänglich für seine Fans. Einen besonders guten Draht hatte er zu Kindern – vermutlich weil er selbst immer ein Stück weit ein Kindskopf blieb.

Gemeinsam mit Ty Cobb, Walter Johnson, Honus Wagner und Christy Mathewson bildete Babe Ruth 1936 die erste Hall-of-Fame-Klasse. Er starb 1948 im Alter von 53 Jahren an Krebs.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Paul Thompson (PD-US)

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Januar 8th, 2019 by Silversurger

Wer war der beste Pitcher der Dead-Ball-Ära? Nach allem, was ich vorletzte Woche über Cy Young geschrieben habe, sollte man meinen, die Frage wäre einfach zu beantworten. Das ist sie aber nicht, ganz im Gegenteil. Seit über hundert Jahren besteht Uneinigkeit darüber, ob Cy Young oder Walter Johnson der bessere Werfer war.

Für Youngs Verehrer thronen über allem die 511 Wins in seiner Karriere – fast 100 mehr als Johnson, der mit 417 immerhin den zweiten Platz in der ewigen Rangliste belegt. Bei der Interpretation von Pitcher-Wins ist allerdings Vorsicht angebracht. Denn ob einem Pitcher ein Sieg gutgeschrieben wird, hängt bekanntlich nicht nur von seiner eigenen Leistung, sondern auch ganz massiv von der seiner Mitspieler am Schlag und im Feld ab. Cy Young hatte das Glück, während seiner Laufbahn fast immer für starke Teams zu spielen.

Walter Johnson hatte dieses Glück nicht. Er trat während seiner gesamten Profikarriere – von 1907 bis 1927 – ausschließlich für die Washington Senators an. Mit diesen erreichte er zwar zweimal die World Series und gewann eine davon, aber über die gesamten 21 Jahre hinweg waren die Senators ein bestenfalls mittelmäßiges Team. Johnson musste sich somit, um Outs zu generieren und die Chance auf einen Sieg zu haben, stärker auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen als Young oder jeder andere Pitcher in einem dauerhaft konkurrenzfähigen Team. Das gelang ihm vor allem dadurch, dass er es auf 3.509 Strikeouts brachte – ein Wert, der damals jeden Vergleich sprengte und in der MLB-Historie bis heute nur von acht Pitchern übertroffen wurde. Keiner davon war zu der Zeit, als Johnson den Rekord aufstellte, überhaupt geboren.

Walter Johnson ca. 1910 (1)

Das Vermächtnis von Walter Johnson, genannt “The Big Train”, ist das des ersten großen Power-Pitchers der Geschichte. Sein Haupt-Pitch war ein schneller, gerader Fastball, den er mit einer Sidearm-Technik warf. Radarpistolen waren damals noch nicht im Einsatz, doch zwei Experimente – das erste ein Vergleich mit einem fahrenden Motorrad, das zweite ein Wurf gegen ein Pendel – bezifferten Johnsons Pitches jeweils auf 99,7 Meilen pro Stunde (160,5 km/h). Das wäre in der heutigen MLB ein Wert der Spitzenklasse; für damalige Verhältnisse war er einzigartig.

Johnson brachte es in seiner Karriere auf einen ERA von 2.17. Seine 110 Shutouts, also Spiele “zu Null”, sind MLB-Rekord. Zum Vergleich: Die meisten Shutouts eines noch aktiven Pitchers hat Clayton Kershaw auf dem Konto und zwar sage und schreibe 15. Walter Johnson gehörte 1936 zu den ersten fünf Spielern, die in die Hall of Fame gewählt wurden. Er starb 1946 an einem Gehirntumor.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Charles Conlon (PD-US)

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Januar 1st, 2019 by Silversurger

Ich wünsche allseits ein großartiges 2019! Der Baseblog beginnt das neue Jahr mit einer Zeitreise um rund 100 Jahre in die Vergangenheit.

Im frühen 20. Jahrhundert, der sogenannten Dead-Ball-Ära des Baseballs, glänzten vor allem die Pitcher. Es sind daher Namen wie Cy Young, Walter Johnson oder Christy Mathewson, die aus dieser Zeit haften geblieben sind. Doch es gab damals auch überragende Schlagmänner, an die man sich bis heute erinnert. Honus Wagner ist hier ebenso zu nennen wie “Shoeless” Joe Jackson und besonders Tyrus Raymond Cobb. Ty Cobb setzte Maßstäbe, von denen einige noch immer unerreicht sind.

Ty Cobb 1913 (1)

Zwar war Cobb seiner Zeit entsprechend nicht für viele Homeruns bekannt. Nur einmal führte er in dieser Kategorie die Liga an, 1909 mit aus heutiger Sicht lächerlichen neun. Auch diese Zahl ist jedoch beeindruckend angesichts der Tatsache, dass kein einziger der neun Hits über den Zaun ging – es waren allesamt Inside-the-Park-Homeruns. In anderen Statistiken lag Cobb regelmäßig ganz vorne, vor allem beim Batting Average. Mit einem Karriere-Schlagdurchschnitt von .366 führt er die ewige Rangliste an. 23 seiner 25 Saisons beendete er mit einem Average von über .300, zwölf davon mit dem höchsten Average der Liga. 4.189 Hits, 2.244 erzielte Runs, 3.034 absolvierte Spiele, 11.434 At Bats, 5.854 Total Bases waren zum Zeitpunkt seines Karriereendes ebenfalls Rekorde, die allesamt mehrere Jahrzehnte lang hielten.

Cobb war ein sehr intelligenter Spieler. Er verstand es, die Schwächen gegnerischer Pitcher und Feldspieler zu analysieren und auszunutzen, um Hits zu erzielen und Bases zu stehlen. Andererseits galt er sowohl auf dem Feld als auch jenseits davon als unangenehmer Charakter, als hitzköpfig, egoistisch und extrem ehrgeizig. Er ging selten einer Prügelei aus dem Weg und wurde häufig unfairer Aktionen beschuldigt. In mehreren Fällen fügte er Gegenspielern Verletzungen zu, als er mit hohem Bein auf eine Base rutschte, einmal ging er auf einen Zuschauer auf der Tribüne los und nach einer Attacke auf einen Hotelangestellten wurde ihm gar versuchter Mord vorgeworfen. Da dieser Angestellte schwarz war und Cobb des öfteren verbale und körperliche Auseinandersetzungen mit dunkelhäutigen Menschen hatte, wurde ihm Rassismus unterstellt. Dieser Vorwurf geht möglicherweise zu weit, denn Cobb war auch ein früher und vehementer Verfechter davon, schwarze Spieler zu integrieren und ihnen die Anerkennung zu gewähren, die sie durch ihre Leistung verdient haben. Es trifft wohl eher zu, dass Cobb die Neigung hatte, sich unter Menschen unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe wenige Freunde und viele Feinde zu machen.

Ty Cobb 1915 (2)

Cobbs persönlichen Leistungen und Rekorden zum Trotz gewann er nie eine Meisterschaft – weder in seiner langen Zeit bei den Detroit Tigers (1905-1926), obwohl er mit ihnen 1907 bis 1909 dreimal hintereinander in der World Series stand, noch in den beiden letzten Jahren seiner Karriere bei den Philadelphia Athletics.

Ty Cobb wurde 1936 als eines der ersten fünf Mitglieder der Baseball Hall of Fame gewählt und erhielt mit 98% den höchsten Stimmenanteil innerhalb dieser Gruppe. Er starb 1961 im Alter von 74 Jahren an Prostatakrebs.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: International Film Service (PD-US)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Detroit Public Library (PD-US)

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Dezember 25th, 2018 by Silversurger

Fröhliche Festtage allerseits! Als Weihnachtsgeschenk gönne ich allen Leserinnen und Lesern und mir selbst eine neue Artikelserie. Heute und in den kommenden Wochen immer dienstags geht es um die größten Baseballspieler der Geschichte. Den Anfang macht einer, dessen Name auch über 100 Jahre nach seinem Karriereende in der MLB noch immer in aller Munde ist.

Jahr für Jahr wetteifern die Werfer in der AL und der NL darum, wer den Cy-Young-Award als bester Pitcher der Saison erhält. Genau wie man es erwarten würde, war der Namensgeber dieser Auszeichnung selbst ein ganz hervorragender Pitcher. Er prägte die Frühphase des professionellen Baseballs wie kaum ein anderer.

Denton True Young begann seine Profikarriere 1890 im Alter von 23 Jahren mit einem kurzen Gastspiel in der Tri-State-League in Canton, Ohio. In dieser Zeit erwarb er den Spitznamen “Cyclone”, nachdem sein extrem harter Fastball im Training einige Schilder umgeworfen hatte, sodass es aussah wie ein Sturmschaden. Der Name blieb in der verkürzten Version “Cy” für immer haften. Nach wenigen Monaten in Canton wechselte Young in die National League zu den Cleveland Spiders, bei denen er acht Jahre lang spielte und zum erfolgreichsten Pitcher der Liga aufstieg.

Cy Young 1893 (1)

1901 war Young einer der ersten Topspieler, die in die neu gegründete American League überliefen. Mit den Boston Americans, den späteren Red Sox, holte er gleich in ihrem ersten Jahr die Triple Crown der AL, indem er sie in Strikeouts, Wins und ERA anführte. 1903 warf er den ersten Pitch der ersten World Series. Das Spiel ging gegen die Pittsburgh Pirates verloren, doch im weiteren Verlauf der Serie steuerte Young zwei der fünf Siege bei, mit denen Boston die Serie gewann.

Cy Young hält zahlreiche Rekorde, die aller Voraussicht nach niemals übertroffen werden. Das liegt natürlich auch daran, dass das Spiel sich verändert hat. Young spielte in der pitcherfreundlichen Dead-Ball-Ära und zudem in einer Zeit, in der man Pitchern weitaus häufigere und längere Einsätze zumutete als es heute üblich ist. Seine 7.356 gepitchten Innings gelten ebenso als ein Wert für die Ewigkeit wie seine 815 Spiele als Starter, seine 746 Complete Games und seine 511 Wins.

Youngs nach eigener Aussage größte Stunde schlug am 5. Mai 1904 in einem Spiel gegen die Philadelphia Athletics. Young gelang an diesem Tag das erste Perfect Game des 20. Jahrhunderts, zugleich das erste aus der bis heute üblichen Pitching-Distanz von 60 Fuß und 6 Inches (18,44m). Es war der zweite von insgesamt drei No-Hittern in seiner Karriere.

Cy Young 1911 (2)

Cy Young wurde 1937 in die Hall of Fame gewählt. Nach seiner Zeit als Baseballstar lebte er in bescheidenen Verhältnissen als Untermieter eines befreundeten Ehepaares in Ohio und arbeitete zeitweise als Verkäufer in einem Geschäft. Er starb 1955 im Alter von 88 Jahren. Ein Jahr nach seinem Tod wurde der nach ihm benannte Award eingeführt.

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Just So Tobacco (Public Domain)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Charles M. Conlon (Public Domain)

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