Category: MLB

März 23rd, 2021 by Silversurger

Das erfolgreichste Team der American League in den letzten beiden Jahren? Tatsächlich, das sind die Minnesota Twins. Zumindest wenn man nach den Ergebnissen der regulären Saisonspiele geht, von denen die Twins 2019 und 2020 insgesamt 137 gewonnen haben. Außerdem sind die Twins das einzige Team der AL, das in beiden Jahren Erster in seiner Division wurde. Doch die große Bühne überließ man wieder mal anderen, denn aus den Playoffs verabschiedete Minnesota sich beide Male sang- und klanglos, wie es inzwischen traurige Gewohnheit ist. Seit nunmehr 17 Jahren warten die Twins auf einen Playoffsieg. Ich meine nicht den Sieg in einer Playoffserie, sondern einen einzigen Sieg. Seit sie die ALDS 2004 mit 1-3 gegen die Yankees verloren, schafften sie es sechsmal in die Postseason und fuhren dabei eine Bilanz von 0-15 ein. Das einzige Rezept angesichts dieser statistischen Absurdität dürfte sein, es einfach immer wieder zu versuchen. Denn ein plausibler Schuldiger an der anhaltenden Misere lässt sich nicht festmachen: Sämtliche Spieler, der Trainerstab, das Management, das Stadion, das Trikotdesign – alles wurde im Laufe der 17 Jahre mindestens einmal gewechselt, ohne dass sich das Schicksal der Franchise gewendet hätte. Die gute Nachricht immerhin ist, dass die Twins nach wie vor gut aufgestellt erscheinen, um 2021 einen erneuten Anlauf auf einen Playoffsieg und – wenn der Knoten mal geplatzt ist – vielleicht auch ein paar mehr zu unternehmen. Das Lineup bleibt weitgehend dasselbe, ergänzt um Gold-Glove-Shortstop Andrelton Simmons und wahrscheinlich um Nachwuchs-Outfielder Alex Kirilloff, der den Platz von Eddie Rosario einnimmt. Aus der Starting Rotation ließ man Jake Odorizzi und Rich Hill ziehen, als Ersatz kamen J. A. Happ und Matt Shoemaker. Der Hauptkonkurrent um den Divisionssieg in der AL Central sind dieses Jahr vermutlich nicht mehr die Cleveland Indians, sondern die Chicago White Sox. Ich erwarte ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Twins und der White Sox, an dessen Ende sich beide für die Playoffs qualifizieren.

Voraussichtliches Lineup
C Mitch Garver
1B Miguel Sano
2B Jorge Polanco
SS Andrelton Simmons
3B Josh Donaldson
LF Alex Kirilloff
CF Byron Buxton
RF Max Kepler
DH Nelson Cruz

Voraussichtliche Rotation
RHP Kenta Maeda
RHP Jose Berrios
RHP Michael Pineda
LHP J. A. Happ
RHP Matt Shoemaker
Key Relievers: Taylor Rogers, Alex Colome

Wichtigster Zugang
SS Andrelton Simmons (Los Angeles Angels)

Wichtigster Abgang
OF Eddie Rosario (Cleveland Indians)

Bestes Prospect
OF Alex Kirilloff

Größte Stärke
Die Offense: Anders als 2019 waren die Twins 2020 nicht auf der Jagd nach Homerun-Rekorden. Dennoch handelt es sich nach wie vor um eines der potentesten Lineups im Baseball. Mit Aufsteiger Kirilloff dürfte ein weiterer überdurchschnittlicher Batter hinzukommen. Simmons als neuer Shortstop verstärkt zwar eher die Defense, erhöht aber gleichzeitig die Flexibilität beim Einsatz von Jorge Polanco und Luis Arraez.

Größte Schwäche
Pitching-Tiefe: Die Rotation wird von einer starken Top-3 aus Jose Berrios, Kenta Maeda und Michael Pineda angeführt. Die Neulinge Happ und Shoemaker haben in ihren bisherigen Klubs zwar gelegentlich gute, aber selten konstante Leistungen gebracht. Der Bullpen wurde um Alex Colome ergänzt, doch nach dem Abgang von Trevor May, Sergio Romo, Matt Wisler und Tyler Clippard müssen noch einige andere in die Bresche springen.

Spannendste Frage
Ist Max Kepler besser als die Zahlen zeigen? Der einzige deutsche MLB-Spieler bringt seit Jahren solide bis sehr gute Leistungen, aber mit etwas mehr Glück könnten sie noch stärker sein: Sein BABIP (Batting Average on Balls In Play) lag 2020 bei .236 und in den letzten fünf Jahren bei .252. Das ist einer der niedrigsten Werte der Liga und spricht unter der Annahme von Regression zur Mitte dafür, dass Keplers Statistiken in den nächsten Jahren einen Sprung nach oben machen könnten.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL Central, Wild Card

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März 22nd, 2021 by Silversurger

Die Houston Astros waren das dominierende MLB-Team der Jahre 2017 bis 2019. Wie ein Fels thronten sie mit ihren regelmäßigen 100-Siege-Performances über der Liga, holten eine Meisterschaft und verpassten nur knapp eine zweite. Auch 2020 schafften sie es in die Postseason und stießen bis in die Championship Series vor. Doch es war bereits unübersehbar, dass der Fels Risse bekommen hat. Der größte war zweifellos der Sign-Stealing-Skandal, der letzte Offseason ans Licht kam und die Franchise Vertrauen, Ansehen, Draftpicks sowie den Manager und den General Manager kostete. Weitere Risse vollzogen sich durch den Abgang von Gerrit Cole vor und die Verletzung von Justin Verlander während der Saison. Am Ende reichte es nur zu einer knapp negativen Bilanz von 29-31 und einer sehr glücklichen Playoff-Qualifikation dank des einmalig erweiterten Teilnehmerfeldes. Auf diesen Luxus können die Astros in der kommenden Saison nicht wieder setzen, zumal der Fels einen weiteren Riss erhalten hat: Centerfielder und Leadoff-Hitter George Springer war als Free Agent nicht zu halten und heuerte inzwischen bei den Blue Jays an. Dass ich den Astros trotz allem den Divisionssieg zutraue, hat zwei Gründe: Erstens drängt sich in der AL West kein Team wirklich auf – die Angels, die Athletics und eben die Astros haben allesamt das Talent, um oben mitzuspielen, aber sie alle tragen auch große Fragezeichen mit sich herum. Zweitens erwarte ich von den Astros eine „Jetzt oder nie“-Mentalität, denn dieses Jahr könnte die letzte Chance sein, noch einmal den Titel anzugreifen, bevor nach der Saison auch Carlos Correa, Lance McCullers Jr. und Zack Greinke Free Agents werden.

Voraussichtliches Lineup
C Martin Maldonado
1B Yuli Gurriel
2B Jose Altuve
SS Carlos Correa
3B Alex Bregman
LF Michael Brantley
CF Myles Straw
RF Kyle Tucker
DH Yordan Alvarez

Voraussichtliche Rotation
RHP Zack Greinke
RHP Lance McCullers Jr.
RHP Jake Odorizzi
RHP Cristian Javier
RHP Jose Urquidy
Key Reliever: Ryan Pressly

Wichtigster Zugang
RHP Jake Odorizzi (Minnesota Twins)

Wichtigster Abgang
OF George Springer (Toronto Blue Jays)

Bestes Prospect
RHP Forrest Whitley

Größte Stärke
Die Offense: Einige der Stars wie Jose Altuve und Carlos Correa hatten 2020 mit Formproblemen zu kämpfen, trumpften aber in der Postseason umso gewaltiger auf. Wenn sie diesen Lauf in die neue Saison tragen können, bringen sie gemeinsam mit Alex Bregman, Michael Brantley sowie den Youngsters Kyle Tucker und Yordan Alvarez auch ohne George Springer ein immer noch furchterregendes Lineup auf die Waage.

Größte Schwäche
Die Rotation: Es ist nicht lange her, da war das die Stärke oder zumindest eine der Stärken der Astros. Doch Gerrit Cole ist weg, Justin Verlander wird nach seiner Tommy-John-Surgery vielleicht nie wieder für die Astros pitchen und Framber Valdez fällt mit gebrochenem Finger noch wochen-, wenn nicht monatelang aus. Zu allem Überfluss musste sich nun auch Top-Prospect Forrest Whitley der Tommy-John-Surgery unterziehen und somit die Saison abschreiben, bevor sie begonnen hat. Bleiben als einzige verlässliche Größen Lance McCullers Jr. und Zack Greinke, umgeben von reichlich Mittelmaß.

Spannendste Frage
Wie nachtragend sind die gegnerischen Fans? Wenn letztes Jahr irgendjemand Grund hatte, sich über die leeren Stadien zu freuen, dann die Astros. Statt des erwarteten monatelangen Spießrutenlaufs mit Anfeindungen und Buhrufen bei jedem Auswärtsspiel konnten sie in aller Stille ihrer Arbeit nachgehen. Ich bin gespannt, ob die Reaktionen auf die Sign-Stealing-Geschichte dieses Jahr nachgeholt werden oder ob dafür dann doch schon zu viel Gras über die Sache gewachsen ist.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL West

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März 21st, 2021 by Silversurger

Die St. Louis Cardinals stellen mich vor ein kleines Dilemma. Wenn ich sie in meinem Ranking so einsortiere, wie ich sie im Vergleich mit den 29 anderen MLB-Teams sehe, dann stehen sie ein paar Plätze weiter unten. Doch da ich traditionell meine prognostizierten Playoff-Teilnehmer auf die ersten zehn Ränge setze, gehören sie dorthin. Was ich damit sagen will: Die NL Central ist für mich zurzeit die schwächste Division der MLB, aber irgendwer muss sie gewinnen. Dass das dieses Jahr die Cardinals sind, erscheint recht wahrscheinlich. Denn während alle anderen Teams der Division bestenfalls auf der Stelle treten, haben die Cards in der Offseason zumindest ein Ausrufezeichen gesetzt. Gemeint ist der Trade für Nolan Arenado, einen der besten Third Baseman der Liga. Für den fünffachen Allstar gaben die Cardinals an die Colorado Rockies ein Paket von fünf Spielern ab, von denen sie keinen ernsthaft vermissen werden. Das ist für St. Louis ein sehr gutes Geschäft und eine deutliche Verstärkung. Es ist allerdings auch die einzige in dieser Offseason. Bekannte Problemzonen wie ein offensivschwaches Outfield und fehlende Tiefe im Starting Pitching bleiben bestehen; eine neue tut sich im Infield auf, nachdem man 2B Kolten Wong keinen neuen Vertrag anbot. Große Hoffnungen ruhen dabei auf der Entwicklung junger Spieler wie Tommy Edman und Dylan Carlson. Alles in allem sind die Cardinals ein solides, konkurrenzfähiges Team, aber nicht auf Augenhöhe mit den Spitzenmannschaften der NL East und NL West.

Voraussichtliches Lineup
C Yadier Molina
1B Paul Goldschmidt
2B Tommy Edman
SS Paul DeJong
3B Nolan Arenado
LF Tyler O’Neill
CF Harrison Bader
RF Dylan Carlson

Voraussichtliche Rotation
RHP Jack Flaherty
LHP Kwang Hyun Kim
RHP Miles Mikolas
RHP Adam Wainwright
RHP Carlos Martinez
Key Reliever: Giovanny Gallegos

Wichtigster Zugang
3B Nolan Arenado (Colorado Rockies)

Wichtigster Abgang
2B Kolten Wong (Milwaukee Brewers)

Bestes Prospect
OF Dylan Carlson

Größte Stärke
Defense: Die Cardinals legen seit Jahren großen Wert auf gutes Feldspiel. 2020 führten sie die MLB mit einer Defensive Efficiency von .731 an. Der Wert sagt aus, wie groß der Anteil von Bällen im Spiel ist, den das Teams in Outs umsetzt. Mit Nolan Arenado an der dritten Base und mit Dylan Carson statt Dexter Fowler im Outfield könnte das Fielding der Cardinals dieses Jahr sogar noch besser sein als im letzten.

Größte Schwäche
Rotation-Tiefe: Trotz eines unbefriedigenden 2020 ist Jack Flaherty das Ass der Cardinals, und Adam Wainwright scheint in jedem Jahr seines biblischen Alters ein bisschen besser zu werden. Dann geht es aber auch schon los: Carlos Martinez hatte ein katastrophales Jahr 2020, das die Frage aufwarf, ob er nicht doch besser als Reliever aufgehoben wäre. Kwang Hyun Kim laboriert nach seinem starken ersten MLB-Jahr an Verletzungen, die ihn den Saisonstart kosten könnten. Miles Mikolas wird selbigen aufgrund von Schulterproblemen verpassen. Dakota Hudson erholt sich von einer Tommy-John-Surgery und kann günstigstenfalls in den Playoffs eine Hilfe sein. Die Cardinals werden somit vermutlich häufiger mit Verlegenheitsstartern leben und sich mehr auf ihren exzellenten Bullpen verlassen müssen als ihnen lieb ist.

Spannendste Frage
Wie wird Arenado schlagen? Wenn jemand von den Rockies kommt und bisher die Hälfte seiner Spiele im Batter-Paradies Coors Field absolviert hat, liegt die Frage auf der Hand, ob bei einem Teamwechsel seine Schlagleistungen leiden. Die Erfahrung zeigt, dass ein solcher Effekt zwar einerseits in den Heimspiel-Statistiken von Ex-Rockies beobachtbar ist, sich aber andererseits oft durch verbesserte Auswärts-Stats ausgleicht, weil die ständige körperliche Umstellung hinsichtlich der Luft- und Platzverhältnisse in Heim- und Auswärtsspielen wegfällt. Was in Bezug auf Arenado eher Sorgen bereitet, ist sein schwaches Jahr 2020, in dem nicht nur oberflächliche Werte wie der Batting Average (.253) Karrieretiefstwerte erreichten, sondern auch Kontaktmaße wie Hard-Hit-Rate (33,7%) und Exit Velocity (87.8 mph). Mit knapp 30 Jahren und angesichts der Kürze der Saison besteht gute Hoffnung, dass Arenados 2020 nur ein statistischer Ausreißer war, vermutlich zusammenhängend mit einer inzwischen auskurierten Schulterverletzung.

Meine Prognose
Platz 1 in der NL Central

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März 20th, 2021 by Silversurger

Die Tampa Bay Rays eroberten 2020 die AL East im Sturm, überwanden auf dem Weg zur Meisterschaft der American League die Blue Jays, die Yankees und die Astros und mussten sich erst in der World Series den Dodgers geschlagen geben. Wie knüpft man an die erfolgreichste Saison der Teamgeschichte an? Indem man seine Leistungsträger beisammen behält und sich in der Offseason darauf konzentriert, die letzten Schwachpunkte auszumerzen? So hätten es die meisten wohl gemacht, aber nicht die Rays, die schon immer alles ein bisschen anders machen als andere Franchises. Ihre erste und einschneidendste Maßnahme bestand darin, sich von zwei der drei Top-Starter des letzten Jahres zu trennen. Zuerst verzichteten sie auf die Vertragsoption, Charlie Morton für 15 Millionen Dollar ein weiteres Jahr zu halten; Morton unterschrieb daraufhin für genau diesen Betrag bei den Braves. Kurz darauf tradeten die Rays Blake Snell zu den San Diego Padres und sparten dadurch weitere 10,5 Millionen für dieses bzw. 39 Millionen für die drei ausstehenden Vertragsjahre – was, nebenbei bemerkt, nicht viel Geld für einen Top-Pitcher ist. Als Ersatz für die zwei Elite-Pitcher vergab man bescheidene Einjahresverträge an Michael Wacha und Chris Archer, deren gute Zeiten jeweils drei bis vier Jahre zurückliegen, sowie an den 41-jährigen Rich Hill, der seinem Alter nicht ewig davonlaufen wird. Wenn es nicht die Rays wären, würde man ihnen wohl allenthalben eine katastrophale Offseason attestieren und den Absturz ins Mittelmaß prophezeien. Das tut aber keiner, weil sie eben die Rays sind und als solche den wohlverdienten Ruf genießen, dass ihre Moves sich im Nachhinein meistens als sinnvoll erweisen und dass sie großartig darin sind, aus verhalten begeisternden Einzelteilen ein starkes Ganzes zu formen. Wenn sich hinter ihrem Ass Tyler Glasnow keine vier, sondern nur ein oder zwei verlässliche Starter herauskristallisieren, dann behelfen sie sich mit einer Opener-Strategie oder anderen innovativen Taktiken. Ähnlich sieht es mit dem Batting-Lineup aus, das weitgehend unverändert in die neue Saison geht: Der Star ist nicht ein einzelner Spieler, sondern die Flexibilität, mit der die Rays sich auf jeden Gegner einstellen. Alles in allem bleiben die Rays, obwohl sie letztes Jahr in der World Series waren, für die neue Saison nicht mehr als ein Geheimtipp – aber auch nicht weniger.

Voraussichtliches Lineup
C Mike Zunino
1B Ji-Man Choi
2B Brandon Lowe
SS Willy Adames
3B Joey Wendle
LF Randy Arozarena
CF Kevin Kiermaier
RF Austin Meadows
DH Yandi Diaz

Voraussichtliche Rotation
RHP Tyler Glasnow
LHP Ryan Yarbrough
RHP Chris Archer
RHP Michael Wacha
LHP Rich Hill
Key Relievers: Nick Anderson, Diego Castillo

Wichtigster Zugang
SP Chris Archer (Pittsburgh Pirates)

Wichtigster Abgang
SP Blake Snell (San Diego Padres)

Bestes Prospect
SS Wander Franco

Größte Stärke
Das Farmsystem: In nahezu allen gängigen Rankings steht die Nachwuchsabteilung der Rays auf dem ersten Platz, angeführt von Top-Prospect Wander Franco und fünf weiteren Talenten in den Top-100 von MLB Pipeline. Eine so starke Farm ist völlig untypisch für ein Small-Market-Team, das gerade einen World-Series-Trip hinter sich hat, und spricht für die exzellente und nachhaltige Arbeit, die in dieser Organisation geleistet wird.

Größte Schwäche
Die Konkurrenz: Selbst wenn man den Rays sehr wohlwollend zugesteht, dass ihr Kader sich gegenüber dem letzten Jahr kaum verschlechtert hat, so fällt es doch schwer zu glauben, dass sie die großen Player der AL East weiter hinter sich halten können. Die Blue Jays haben massiv aufgerüstet, und die Yankees werden explodieren, sobald sie mal ohne übermäßiges Verletzungspech durch eine Saison kommen.

Spannendste Frage
Hält Arozarena, was der erste Eindruck verspricht? Randy Arozarena war die Sensation des vergangenen Herbstes. Der Outfielder rückte im September in den MLB-Kader auf und schlug in 23 Saisonspielen .281/.382/.641 (176 wRC+); in den Playoffs legte er sogar noch eine Schippe drauf mit .377/.442/.831 (239 OPS+) und wurde zum MVP der Championship Series gewählt. Die Story des 26-Jährigen, der vor fünf Jahren seine kubanische Heimat auf einem Flüchtlingsboot verließ und sich über Mexiko bis in die MLB durchkämpfte, ist so faszinierend, dass bereits eine Verfilmung in Arbeit ist. Allem Hype zum Trotz sollte man nicht vergessen, dass wir nur eine kleine Stichprobe von Arozarenas Können gesehen haben und dass abzuwarten bleibt, ob er die Pitcher auch dann noch zur Verzweiflung treibt, nachdem diese ihn eine ganze Offseason lang studiert haben. Wenn ihm das gelingt, ist der Junge ein ganz heißer Anwärter auf den Titel des Rookie of the Year.

Meine Prognose
Platz 3 in der AL East

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März 19th, 2021 by Silversurger

870 Millionen Dollar haben die Philadelphia Phillies von 2018 bis 2021 für Free Agents ausgegeben. Der viel zitierten Ankündigung ihres Haupteigentümers John Middleton aus dem Jahr 2018, Geld für Verstärkungen in die Hand zu nehmen und dabei auch „a little bit stupid“ zu sein, sind sie damit in mehrerlei Hinsicht gerecht geworden: Keine andere Franchise hat in dem Zeitraum auch nur annähernd so viel investiert wie die Phillies; der ausgabefreudigste Klub nach ihnen waren die Yankees mit gerade mal 590 Millionen. A little bit stupid ist allerdings, dass die Phillies trotzdem seit zehn Jahren keine Winning Season und keine Playoff-Teilnahme erreicht haben. Nachdem weder teure Neuverpflichtungen noch der letztjährige Trainerwechsel zu Joe Girardi bislang den erstrebten Erfolg brachten, soll es nun ein erfahrener Front-Office-Funktionär richten: Dave Dombrowski leitet seit diesem Jahr die sportlichen Geschicke der Phillies als President of Baseball Operations. Auf dem neu geschaffenen Posten tritt Dombrowski im Wesentlichen die Nachfolge des zurückgetretenen General Managers Matt Klentak an. Dombrowski hat als einziger General Manager in der MLB-Historie drei verschiedene Klubs – die Marlins, die Red Sox und zweimal die Tigers – in die World Series geführt. Das sind beeindruckende Referenzen, zu denen allerdings auch gehört, dass die Red Sox ihn 2019 feuerten, nachdem seine Arbeitsweise und seine Entscheidungen als altmodisch und wenig nachhaltig kritisiert wurden. Den Schwerpunkt seiner ersten Offseason bei den Phillies legte Dombrowski darauf, den bisherigen Kader weitgehend zusammenzuhalten. Die großen Free-Agent-Kontrakte dieses Jahres waren Anschlussverträge für Catcher J. T. Realmuto (5 Jahre, 115,5 Millionen) und Shortstop Didi Gregorius (2 Jahre, 28 Millionen). Größere Umwälzungen gab es im Bullpen (siehe „spannendste Frage“), ansonsten ist die Startformation quasi identisch mit der des Vorjahres.

Voraussichtliches Lineup
C J. T. Realmuto
1B Rhys Hoskins
2B Jean Segura
SS Didi Gregorius
3B Alec Bohm
LF Andrew McCutchen
CF Odubel Herrera
RF Bryce Harper

Voraussichtliche Rotation
RHP Aaron Nola
RHP Zack Wheeler
RHP Zach Eflin
RHP Vince Velasquez
RHP Spencer Howard
Key Relievers: Archie Bradley, Hector Neris

Wichtigster Zugang
RP Archie Bradley (Cincinnati Reds)

Wichtigster Abgang
SP Jake Arrieta (Chicago Cubs)

Bestes Prospect
SP Spencer Howard

Größte Stärke
Bryce Harper: Wenn die Phillies den Weg zum Erfolg finden, dann wird ein guter Teil der Verantwortung dafür auf dem Rücken des 330-Millionen-Dollar-Manns lasten. Harpers Leistungen am Schlagmal in der Kurzsaison 2020 lassen einen deutlichen Reifungsprozess erkennen: Seine Strikeout-Rate lag mit 17,1% so niedrig wie noch nie in seiner Karriere, gleichzeitig stieg seine Walk-Rate auf 20,1% und damit auf den zweitbesten Wert der Liga, übertroffen nur von Juan Soto.

Größte Schwäche
Tiefe: Die Phillies sind sehr „top-heavy“ in dem Sinne, dass sowohl im Lineup als auch in der Starting Rotation zwei, drei herausragende Spieler den Ton angeben, es dahinter aber zu schnell zu dünn wird. Hier könnte einer der Gründe liegen, warum dem Team seit Jahren auf der Zielgeraden der Saison die Luft ausgeht. Die Bilanz der Phillies in den letzten drei Septembern lautet 33-53.

Spannendste Frage
Was taugt der neu aufgestellte Bullpen? Die Leistung, die die Phillies letztes Jahr von ihren Relievern erhalten haben, war schlichtweg katastrophal (7.06 ERA, -0.8 WAR, 12 blown Saves). Dementsprechend wurde hier in der Offseason ein Schwerpunkt gesetzt. Archie Bradley, Jose Alvarado, Brandon Kintzler, Tony Watson und Sam Coonrod wurden verpflichtet, auch Chase Anderson könnte eine Rolle spielen, sofern er sich nicht als Starter durchsetzt. Mehr als ein durchschnittlicher Bullpen wird dabei nicht herauskommen, doch das wäre bereits ein großer Fortschritt.

Meine Prognose
Platz 3 in der NL East

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März 18th, 2021 by Silversurger

Die Fans der Oakland Athletics sind in gewisser Hinsicht beneidenswert. Zwar haben sie regelmäßig eine schwere Zeit in der Offseason, weil ihr sparwütiger Klub Leistungsträger ziehen lässt, kaum in Verstärkungen investiert und nebenbei den einen oder anderen scheinbar haarsträubenden Trade eingeht. Während und am Ende der Saison ist die Freude dann umso größer, wenn man merkt, dass die Moves offenbar doch nicht so schlecht waren, denn das Team ist regelmäßig konkurrenzfähig und erreicht die Playoffs – zuletzt dreimal in Folge und 2020 sogar als Divisionssieger. Als Athletics-Fan erlebte man somit in den letzten Jahren immer wieder die gegensätzliche Gefühlskurve zu jener der Fans eines Teams wie den Phillies, den Angels oder den Mets, die regelmäßig an den eigenen Erwartungen scheitern. Natürlich gibt es keine Garantie, dass die Athletics weiterhin so vom Glück (oder von weiser Vorhersehung ihres Front Offices) begünstigt bleiben. Die diesjährige Offseason lief jedenfalls erneut nach der oben skizzierten Blaupause ab: Die Leistungsträger, die man dieses Mal ziehen ließ, sind Shortstop Marcus Semien und Closer Liam Hendriks. Um beide bemühte man sich nicht mal mit einem Qualifying Offer. Neuverpflichtungen wie Mitch Moreland, Jed Lowrie und Sergio Romo sind sicher nicht die Verstärkungen, die man sich als Fan erhofft hätte. Das interessanteste Signing ist Trevor Rosenthal, aber im Vergleich mit Hendriks dürfte er als Closer auch eher ein Downgrade sein. Bleibt noch der scheinbar haarsträubende Trade: OF/DH Khris Davis und zwei Prospects wurden zu den Texas Rangers geschickt, dafür erhielten die Athletics SS Elvis Andrus, ein Prospect und 13,5 Millionen Dollar. Andrus und Davis hatten beide in ihren bisherigen Klubs zuletzt nicht allzu viel Leistung gebracht – im Endeffekt ging es bei dem Trade darum, dass die A’s für eine kurzfristige Gehaltsersparnis im Gegenzug erstens die höherwertigen Nachwuchsspieler abgeben und zweitens eine neue Gehaltsverpflichtung für 2022 übernehmen, da der Vertrag von Andrus ein Jahr länger läuft als der von Davis. Ich kann nicht behaupten, dass mir dieser Trade in irgendeiner Weise einleuchtet, aber wie gesagt: In den letzten drei Jahren waren es am Ende immer die Athletics, die sämtliche Skeptiker und Pessimisten eines Besseren belehrten. Ich bin gespannt, ob und wie ihnen das auch dieses Jahr gelingt.

Voraussichtliches Lineup
C Sean Murphy
1B Matt Olson
2B Tony Kemp
SS Elvis Andrus
3B Matt Chapman
LF Mark Canha
CF Ramon Laureano
RF Stephen Piscotty
DH Mitch Moreland

Voraussichtliche Rotation
RHP Chris Bassitt
LHP Sean Manaea
RHP Frankie Montas
LHP Jesus Luzardo
RHP Mike Fiers
Key Relievers: Trevor Rosenthal, Jake Diekman

Wichtigster Zugang
RP Trevor Rosenthal (San Diego Padres)

Wichtigster Abgang
RP Liam Hendriks (Chicago White Sox)

Bestes Prospect
C Tyler Soderstrom

Größte Stärke
Die Infield-Corners: Die beiden Matts, Olson und Chapman, bilden eines der besten First- und Third-Base-Duos der Liga, wahrscheinlich sogar das beste. Beide bringen sowohl starke Batting-Leistungen als auch exzellentes Feldspiel mit und bilden damit die Stützpfeiler eines potenten und tiefen Lineups.

Größte Schwäche
Das Middle Infield: Das Gegenstück zu den beeindruckenden Corner-Infieldern ist ein sehr viel weniger beeindruckendes Middle Infield. Als Second Baseman wird wohl wie bisher Tony Kemp starten, der es in keinem seiner fünf MLB-Jahre auch nur auf einen Win Above Replacement brachte. In Marcus Semien hatten die A’s einen starken Shortstop, den sie nicht mehr bezahlen wollten. Stattdessen nimmt Neuzugang Elvis Andrus die Position ein, der erst mal beweisen muss, dass seine unterirdische Saison 2020 ein einmaliger Ausrutscher war.

Spannendste Frage
Wie lange bleibt Billy Beane? Der Teampräsident ist seit über 20 Jahren am Ruder von Oaklands Front-Office, seit dem Buch und Film „Moneyball“ reicht seine Berühmtheit weit über die Baseballszene hinaus. Ende 2020 kamen vermehrt Gerüchte auf, dass er den Athletics den Rücken kehren wird. Er ist Mitglied der Investorengruppe RedBall, welche mit der Fenway SportsGroup fusionieren soll. Dadurch wäre Beane Mitbesitzer der Boston Red Sox und somit in einem Interessenkonflikt. Doch die Fusion ist Ende Januar vorerst geplatzt. Beane wird den A’s zumindest für dieses Jahr noch erhalten bleiben.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL West

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März 18th, 2021 by Silversurger

Zum vorletzten Mal vor dem Opening Day meldet sich der Grand Slam am Donnerstag mit einem kurzen Update über die wichtigsten Ereignisse rund um die MLB. Den Schwerpunkt meiner Blog-Aktivitäten bildet zurzeit die Serie von Vorschauartikeln zur kommenden Saison. Jeden Nachmittag um 17 Uhr kommt ein weiteres Preview dazu, also schaut bitte regelmäßig rein! 

Szene der Woche
Diese Kategorie pflege ich eigentlich nur während der Saison, aber für besonders Sehenswertes gibt es eine Ausnahme: Luis Guillorme von den New York Mets lieferte sich am Sonntag mit Cardinals-Pitcher Jordan Hicks ein wahrhaft episches Duell. Für Hicks war es der erste Einsatz nach fast zwei Jahren Verletzungspause. Mit zwei schnellen Strikes hatte er Guillorme am Rande eines Outs, doch der kämpfte. Mit einem Foulball nach dem anderen wehrte der Infielder das Ende des At-Bats ab, hin und wieder ließ er einen Ball durch, sodass nach 12 Pitches der Count voll war. Nach neun weiteren Foulballs – einige davon über 101 mph schnell – ließ Guillorme einen tiefen Slider passieren und holte so einen 22-Pitch-Walk heraus. Da das Ganze in einem Spring-Training-Spiel passierte, fließt es nicht in die offizielle Statistik ein. Andernfalls wäre es MLB-Rekord gewesen: Die längste Plate Appearance in einem regulären Spiel hatte Brandon Belt von den San Francisco Giants, der 2018 nach 21 Pitches gegen Jaime Barria von den Los Angeles Angels in ein Flyout schlug.

Cahill und Franco finden neue Teams
Zwei mutmaßlich nicht konkurrenzfähige Teams ergänzen kurz vor Saisonbeginn ihre Roster: Die Pittsburgh Pirates gönnen sich für 1,5 Millionen Dollar einen Einjahresvertrag mit Pitcher Trevor Cahill. Der 33-Jährige machte in den 25 Innings, die er letztes Jahr für die Giants warf, einen guten Eindruck (3.24 ERA, 4.19 FIP) und dürfte bei den Pirates einen Platz in der Rotation erhalten.
Für ein Garantiegehalt von 800.000 Dollar heuert Third Baseman Maikel Franco bei den Baltimore Orioles an. Das frühere Top-Prospect der Phillies erfüllte nie die hohen Erwartungen an seine MLB-Karriere, ist für die Orioles aber definitiv ein Upgrade auf einer bislang vakanten Position.

Markakis beendet seine Karriere
Nach 15 Jahren in der Major League zieht Nick Markakis einen Schlussstrich. Die Entscheidung hatte der 37-Jährige seinen Angaben zufolge bereits kurz nach dem Ende der letzten Saison getroffen. Der Outfielder wurde 2003 in der ersten Runde von Baltimore Orioles gedraftet, für die er 2006 sein Debüt gab und prompt zum Rookie of the Year gewählt wurde. Der zweite Verein in Markakis‘ Karriere waren die Atlanta Braves in seinem Heimatstaat Georgia, für die er von 2015 bis 2020 spielte. In seiner gesamten MLB-Karriere schlug er 288/.357/.423 in 9.321 Plate Appearances. Er erzielte 2.388 Hits, darunter 189 Homeruns, 514 Doubles und 22 Triples, zudem stahl er 66 Bases.

Regelexperimente in den Minor Leagues
Wie schon mehrfach in den vergangenen Jahren, hat die MLB auch für die kommende Saison wieder einige mögliche Regeländerungen ausgewählt, die testweise in verschiedenen Minor Leagues eingeführt werden. Die übergeordneten Ziele sind eine Reduzierung der Spieldauer, mehr geschlagene Bälle im Spiel und ein dadurch erhöhtes Zuschauerinteresse. Im Einzelnen werden folgende Änderungen getestet:

  • Größere Bases (Triple-A): Eine Vergrößerung der Bases von einem Quadrat mit 15 Zoll (38,1cm) auf eines mit 18 Zoll (45,7cm) Seitenlänge soll vor allem Verletzungen durch Kollisionen reduzieren. Zudem reduziert sie leicht den Weg zwischen den Bases, was einen kleinen Vorteil beim Erreichen der Base während eines Groundballs oder eines Steals bedeutet.
  • Begrenzung des defensiven Stellungsspiels (Double-A): Vier Infielder müssen zu Beginn eines Spielzuges mit beiden Füßen auf dem Infield-Dirt stehen. Die Regel könnte zu einem späteren Zeitpunkt dahingehend verschäft werden, dass je zwei Infielder auf beiden Seiten der Second Base stehen müssen, sodass echte Shifts verboten wären.
  • Erschwerte Pickoffs (High-A): Pitcher müssen sich vom Rubber wegbewegen, bevor sie zu einer Base werfen. Dies soll die Anzahl und den Erfolg von Stealversuchen erhöhen.
  • Mehrere Maßnahmen in Low-A: Auch hier sollen Steals gefördert werden, in dem Fall durch eine Begrenzung von Pickoff-Versuchen auf zwei pro Plate Appearance. Ein dritter Versuch ist erlaubt, wenn er er erfolgreich ist, andernfalls wird er als Balk gewertet. Vorerst nur in der Low-A-Southeast League wird die Unterstzützung der Umpires durch ein automatisches Ball-Strike-System (ABS) getestet. In den Low-A-West Leagues wird der Effekt einer Uhr getestet, die die Zeit zwischen Pitches, zwischen Innings und während Pitcherwechseln begrenzt.

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März 17th, 2021 by Silversurger

Die Washington Nationals stehen am Scheideweg. Der Championship-Saison 2019 folgte das fast schon obligatorische Hangover-Jahr, an dessen Ende die Nationals mit deutlich negativem Record (26-34) auf dem letzten Platz der Division landeten. Jetzt stehen sie da mit ausgeschlachtetem Farmsystem und alterndem Kader und fragen sich, ob das Fenster für einen weiteren Angriff auf die Spitze noch offen ist. Die Antwort der Nationals auf diese Frage lautet offensichtlich ja – und wer will es ihnen verdenken angesichts der Tatsachen, dass sie mit Juan Soto einen der aufregendsten jungen Stars auf dem Feld haben und mit Max Scherzer, Stephen Strasburg und Patrick Corbin in Normalform immer noch eine furchterregende Starting Rotation ihr eigen nennen. Dementsprechend gingen die Nationals in der Offseason zwar nicht gerade all-in, investierten aber doch ordentlich mit einem Trade für Josh Bell sowie den Free-Agent-Verpflichtungen von Jon Lester, Kyle Schwarber und Brad Hand. Einen längeren Vertrag als ein Jahr hat übrigens keiner von ihnen bekommen. Das ist verständlich, zum einen wegen der unklaren Richtung der Franchise, zum anderen weil alle Neuverpflichtungen außer Hand eine schwache Saison 2020 gespielt haben und erst mal beweisen müssen, was sie noch draufhaben. Alles in allem sehe ich im Roster der Nationals neben den unbestreitbaren Stars zu viele Fragezeichen und zu wenig Tiefe, um Formkrisen oder Verletzungen aufzufangen. In einer weniger gut sortierten Division als der NL East könnte es reichen, um um die Playoffplätze mitzuspielen, doch an den Mets, den Braves und wahrscheinlich auch den Phillies sehe ich für die Nationals kein Vorbeikommen.

Voraussichtliches Lineup
C Yan Gomes
1B Josh Bell
2B Starlin Castro
SS Trea Turner
3B Carter Kieboom
LF Kyle Schwarber
CF Victor Robles
RF Juan Soto

Voraussichtliche Rotation
RHP Max Scherzer
RHP Stephen Strasburg
LHP Patrick Corbin
LHP Jon Lester
RHP Joe Ross
Key Relievers: Brad Hand

Wichtigster Zugang
RP Brad Hand (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
OF Adam Eaton (Chicago White Sox)

Bestes Prospect
RHP Cade Cavalli

Größte Stärke
Juan Soto: Der 22-Jährige hat den Namen Bryce Harper in Washington längst vergessen lassen. Mit 1.185 OPS und 201 wRC+ war er 2020 der stärkste Offensivspieler der gesamten Liga. Soto macht nicht nur jedem Pitcher das Leben schwer, sondern auch seinem Verein: Wer einen Superstar wie ihn bis 2024 unter vertraglicher Kontrolle hat, überlegt es sich mindestens zweimal, ob und wann man ein Rebuilding-Projekt startet.

Größte Schwäche
Das Farmsystem: Die Experten sind sich ausnahmsweise einig. Sowohl Baseball America als auch Keith Law von The Athletic stufen das Nachwuchssystem der Nationals als das schwächste von allen 30 MLB-Franchises ein. Das ist kein Wunder, nachdem sie auf dem Weg zur World Series Prospects getradet haben, niedrige Picks in den ersten Draftrunden hatten und ein paar Picks bei der Verpflichtung von Free Agents abgeben mussten. Law verweist zumindest auf einen Silberstreifen am Horizont: Die Nationals waren in den letzten Jahren sehr aktiv dabei, Vorverträge mit internationalen Talenten zu schließen. Wenn diese sich entwickeln wie erhofft, könnte das System innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre einen Sprung nach vorne machen.

Spannendste Frage
Was ist von Scherzer, Strasburg und Corbin zu erwarten? Von den Namen her ist das nach wie vor eines der besten Starter-Trios der MLB – und nebenbei bemerkt auch das zweitteuerste, nur knapp übertroffen von den Dodgers mit Bauer, Kershaw und Price. Scherzer ist mit seinen 36 Jahren immer noch ein dominanter Pitcher, doch seine Walk-Rate von 3.07 pro 9 Innings und sein ERA von 3.74 waren 2020 deutlich schlechter als die Werte, die man in den letzten Jahren von ihm gewohnt war. Corbin ließ noch stärker nach, von 3.25 ERA 2019 auf 4.66 im Jahr 2020. Strasburg warf letztes Jahr nur fünf Innings, bevor er den Rest der Saison wegen einer Karpaltunnel-Operation verpasste. Alle drei müssen zu alter Stärke finden, um den Nationals dieses Jahr eine Chance zu geben.

Meine Prognose
Platz 4 in der NL East

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März 16th, 2021 by Silversurger

Die Milwaukee Brewers haben zum ersten Mal in der Teamgeschichte den dritten Playoff-Einzug in Folge geschafft. Irgendetwas scheinen sie also richtig zu machen. Aber auch nicht zu viel, denn sonst wären sie nicht (gleichzeitig mit den Astros) das erste Team der MLB-Historie gewesen, das die Postseason mit einer negativen Bilanz (29-31) erreichte. Wenn sie ihre Serie auf vier Jahre ausbauen wollen, werden sie sich steigern müssen. Wie sie das mit ihren Offseason-Moves bewerkstelligen wollen, ist mir nicht ganz klar. Zwar war das Front Office um Matt Stearns und Matt Arnold nicht untätig, aber die Auswahl der Neuverpflichtungen wirft Fragezeichen auf. Bedarf hätte vor allem an einem Catcher, einem Corner Infielder und einem Shortstop bestanden. Geholt hat man Jackie Bradley Jr., dessen bevorzugte Position im Centerfield sich fest in der Hand von Lorenzo Cain befindet, sowie Kolten Wong, der als Second Baseman mit den jungen Keston Hiura und Luis Urias konkurriert und die beiden voraussichtlich auf weniger ideale Positionen verdrängt. Die Problemzonen der Brewers bleiben somit unverändert bestehen, ihre Stärken aber auch – namentlich das Outfield um Christian Yelich sowie der von Manager Craig Counsell meisterhaft orchestrierte Bullpen. Bezogen auf die gesamte Liga reicht es in meiner Einschätzung für nicht mehr als einen Platz im Mittelfeld des Rankings. Aber in der wohl schwächsten Division der MLB könnte das für einen erneuten Playoff-Run reichen.

Voraussichtliches Lineup
C Omar Narvaez
1B Keston Hiura
2B Kolten Wong
SS Luis Urias
3B Travis Shaw
LF Christian Yelich
CF Lorenzo Cain
RF Jackie Bradley Jr.

Voraussichtliche Rotation
RHP Brandon Woodruff
RHP Corbin Burnes
RHP Josh Lindblom
LHP Brett Anderson
RHP Adrian Houser
Key Relievers: Josh Hader, Devin Williams

Wichtigster Zugang
2B Kolten Wong (St. Louis Cardinals)

Wichtigster Abgang
3B Jedd Gyorko (Free Agent)

Bestes Prospect
SS Brice Turang

Größte Stärke
Der Bullpen: Josh Hader ist über die letzten drei Jahre betrachtet der Top-Reliever im Spiel, mit Rookie of the Year Devin Williams hat er seit 2020 einen kongenialen Partner. Brent Suter und Justin Topa sind weitere Pfeiler eines Bullpens, aus dem Counsell regelmäßig das Maximum herausholt.

Größte Schwäche
Die Infield-Corners: Seit nach der Saison 2011 Prince Fielder den Klub verlassen hat, starteten für die Brewers 36 verschiedene Spieler mindestens ein Spiel an der First Base. Keston Hiura wird in Kürze die Nummer 37 werden. Eine ähnliche Drehtür ist die Third Base seit dem Abgang von Aramis Ramirez im Jahr 2015. 20 verschiedene Spieler starteten seitdem auf der Position, für die derzeit keine offensichtliche Besetzung an Bord ist. Eventuell bekommt Travis Shaw, der auf dem Posten 2017 und 2018 eine gute Zeit hatte und nun mit einem Minor-League-Vertrag zurück in Milwaukee ist, eine zweite Chance. Weitere Optionen sind Luis Urias und Orlando Arcia, je nachdem wer von beiden nicht als Shortstop eingesetzt wird.

Spannendste Frage
Findet Yelich zurück zu alter Stärke? Christian Yelich war 2018 und 2019 überragend, gewann mit 7.7 und 7.8 fWAR einen ersten und einen zweiten Platz in der MVP-Wahl. In der Kurzsaison 2020 schlug er nur .205/.356/.430 und brachte es auf 0.7 fWAR. Vor allem mit rechtshändigen Pitchern hatte er ungewohnt große Probleme. Eine Rolle könnte gespielt haben, dass die MLB letztes Jahr Videoanalysen während des Spiels im Dugout untersagte. Yelich hat diese Analysen früher intensiv genutzt und wird froh sein, dass sie dieses Jahr wieder erlaubt sind.

Meine Prognose
Platz 2 in der NL Central

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März 15th, 2021 by Silversurger

Es ist quasi eine ungeschriebene Regel des Baseballs, dass sich die Saisonvorschau zu den Los Angeles Angels jedes Jahr gleich anhört. Das Grundmuster lautet: Mike Trout ist der beste Baseballer unserer Zeit. Er ist von einem starken Lineup umgeben. Die Rotation wurde gegenüber dem vorherigen Jahr verbessert. Ein neuer Manager (2019 Brad Ausmus, 2020 Joe Maddon) oder General Manager (2021 Perry Minasian) soll endlich dafür sorgen, dass das große Potenzial des Teams sich auch in Ergebnissen niederschlägt, mindestens in Form einer Playoff-Teilnahme. Der Saisonrückblick ein paar Monate später hört sich ebenfalls jedes Jahr gleich an: Hat leider nicht geklappt.
Die diesjährigen Hoffnungen, aus dem ewigen Kreis auszubrechen, ruhen neben den Trout und Co-Star Anthony Rendon auf einem Rebound von Shohei Ohtani sowie auf einer Reihe von Neuverpflichtungen. Als Shortstop wurde Jose Iglesias geholt, der letztes Jahr für die Orioles einen Average von .373 schlug. Nicht verwandt mit ihm ist Raisel Iglesias, der als neuer Closer von den Reds kommt und die Siege eintüten soll. Damit er die Gelegenheit dazu möglichst oft bekommt, muss zunächst die Starting Rotation ihren Job machen, die um Jose Quintana und Alex Cobb ergänzt wurde. Ob das ausreicht, um nach fünf Losing Seasons hintereinander das Ruder herumzureißen und wenigstens um eine Wild Card mitzuspielen? Möglich sollte es sein, auch angesichts der überschaubaren Konkurrenz in der AL West. Aber nachdem ich in den letzten Jahren zu oft daneben lag mit einer optimistischen Prognose für die Angels, erwarte ich, dass es eher wieder auf den üblichen Saisonrückblick hinausläuft.

Voraussichtliches Lineup
C Max Stassi
1B Jared Walsh
2B David Fletcher
SS Jose Iglesias
3B Anthony Rendon
LF Justin Upton
CF Mike Trout
RF Dexter Fowler
DH Shohei Ohtani

Voraussichtliche Rotation
LHP Andrew Heaney
RHP Dylan Bundy
LHP Jose Quintana
RHP Griffin Canning
RHP Shohei Ohtani
RHP Alex Cobb
Key Relievers: Raisel Iglesias

Wichtigster Zugang
SS Jose Iglesias (Baltimore Orioles)

Wichtigster Abgang
SS Andrelton Simmons (Minnesota Twins)

Bestes Prospect
OF Brandon Marsh

Größte Stärke
Mike Trout: 17 Homeruns in 53 Spielen, .993 OPS – was für die meisten MLB-Spieler das beste Jahr ihrer Karriere wäre, war für Trouts Verhältnisse schon fast eine Enttäuschung. Zum ersten Mal seit seiner Rookie-Saison 2011 kam er bei der MVP-Wahl nicht unter die ersten vier (er wurde Fünfter). Man kann nicht oft genug schreiben, wie schade es ist, dass man diesen überragenden Baseballer so gut wie nie in der Postseason sieht. Um es ihn mit eigenen Worten sagen zu lassen: „It sucks being out of it. It’s time. We got to get to the playoffs.“

Größte Schwäche
Albert Pujols: Der 41-Jährige wird für die ersten zwei Drittel seiner Karriere ohne Zweifel und völlig verdient in die Hall of Fame gewählt werden. Das ändert aber nichts daran, dass er seit fünf Jahren unter Replacement-Level produziert und dafür viel Geld einstreicht, welches den Angels an anderer Stelle fehlt. 30 Millionen Dollar sind es allein für diese Saison, nach welcher der unselige Zehnjahresvertrag endlich erfüllt ist und Pujols in den ebenso verdienten wie überfälligen Ruhestand eintritt.

Spannendste Frage
Wird das noch was mit Two-Way-Ohtani? 2018 war Shohei Ohtani eine Sensation als erster Spieler seit Babe Ruth, der in einer Saison mehr als 50 Innings pitchte und über 20 Homeruns erzielte. Doch dann häuften sich die Verletzungen und sorgten dafür, dass er sich 2019 und 2020 auf die DH-Rolle beschränken musste. Für dieses Jahr hat Ohtani die feste Absicht, seinem Team wieder sowohl an der Platte als auch vom Mound aus zu helfen. Um die körperliche Belastung in Maßen zu halten, planen die Angels, mit einer Sechs-Mann-Rotation in die Saison zu gehen.

Meine Prognose
Platz 3 in der AL West

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