Category: Preview

März 26th, 2019 by Silversurger

Die New York Yankees stehen kurz vor dem Abschluss ihres erfolglosesten Jahrzehnts seit den 1910er Jahren. Klingt komisch, ist aber so, denn wenn sie dieses Jahr nicht mindestens die American League gewinnen, dann war das die erste Dekade in den letzten hundert Jahren ohne einen Titel für die Yankees. So weit muss es allerdings nicht kommen, denn das 100-Siege-Team der Saison 2018 scheint reif für den nächsten Schritt. Die Yankees haben ein junges, gutes und (für ihre Verhältnisse) bezahlbares Lineup am Start, dazu einen furchteinflößenden Bullpen und eine zumindest solide Starting Rotation. Letztere war der Bereich, der am deutlichsten nach einem Upgrade gegenüber dem letzten Jahr verlangte, und mit der Verpflichtung von James Paxton hat sie es prompt bekommen. Ansonsten waren die Yankees relativ zurückhaltend in der Offseason. Das Wettbieten um Manny Machado und Bryce Harper sah man sich interessiert, aber offenbar ohne großen Handlungsdruck an. Keinen der beiden braucht man so dringend, als dass man für ihn das vorhandene Gehalts- und Teamgefüge gefährden müsste. Durch eine längere Verletzungspause für Didi Gregorius tat sich zwar eine Lücke auf der Shortstop-Position auf, doch diese füllte man genügsam mit dem günstig zu habenden Veteran Troy Tulowitzki. Zusätzliche Infield-Tiefe kam mit 2B DJ LeMahieu, ansonsten vertraut man dem bisherigen Personal. Unter diesem stehen vor allem Gary Sanchez und Aaron Judge in der Pflicht, zurück zu ihrer Form von 2017 zu finden. Wenn das gelingt, wenn zudem Gleyber Torres, Luke Voit und Miguel Andujar an ihre Breakout-Saison 2018 anknüpfen und wenn sich die Verletzungen nicht noch weiter häufen, dann sind die Yankees ein ganz heißer Kandidat für den Gewinn der World Series 2019.

Voraussichtliches Lineup
C Gary Sanchez
1B Luke Voit
2B Gleyber Torres
SS Didi Gregorius
3B Miguel Andujar
LF Brett Gardner
CF Aaron Hicks
RF Aaron Judge
DH Giancarlo Stanton

Voraussichtliche Rotation
RHP Luis Severino
LHP James Paxton
RHP Masahiro Tanaka
LHP J. A. Happ
LHP C. C. Sabathia
Key Reliever: Aroldis Chapman

Wichtigster Zugang
LHP James Paxton (Seattle Mariners)

Wichtigster Abgang
RHP David Robertson (Philadelphia Phillies)

Bestes Prospect
OF Estevan Florial

Größte Stärke
Homeruns: 2018 stellten die Yankees mit 267 Homeruns in einer Saison einen Rekord auf. Bemerkenswert ist, dass sie das ohne einen einzigen Spieler mit 40 oder mehr Homeruns bewerkstelligt haben, dafür mit sieben Spielern, die über 15 Homeruns schlugen. Wenn die Mega-Slugger Giancarlo Stanton und Aaron Judge zu ihrem Rhythmus finden, könnten die Yankees ihren eigenen Rekord bei erster Gelegenheit überbieten.

Größte Schwäche
Verletzungen: Es hat die Yankees bereits ziemlich heftig erwischt im Vorfeld der Saison und während des Spring Trainings. Die Stammspieler Luis Severino, C. C. Sabathia, Didi Gregorius, Dellin Betances und Aaron Hicks sowie Top-Prospect Estevan Florial werden allesamt zum Saisonstart und teilweise weit darüber hinaus ausfallen.

Spannendste Frage
Wer ist der wahre Luis Severino? Sobald Severino nach seiner Schulterentzündung wieder im Einsatz ist, wird er zu beweisen haben, dass er auf Dauer das Ass sein kann, das die Yankees in ihm sehen. In den ersten drei Monaten der vergangenen Saison pitchte er einen ERA von 2.31, nach dem All-Star-Break schien er wie ausgewechselt mit nachlassender Pitch-Geschwindigkeit und einem ERA von 5.57.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL East, World Series

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März 25th, 2019 by Silversurger

Für ein Team, das 2017 die World Series und 2018 zum zweiten Mal in Folge über 100 Saisonspiele gewonnen hat, kann es kein anderes Ziel geben: Die Houston Astros wollen und werden auch dieses Jahr ein ernstes Wort um die Meisterschaft mitreden. Die Konkurrenz um dieses Ansinnen ist wie üblich groß, vor allem innerhalb der American League. Für den ersten Schritt hingegen – den Gewinn der eigenen Division – sehe ich kaum ernsthafte Probleme auf die Astros zukommen. Ähnlich wie die Indians in der AL Central bildet Houston in der AL West eine Klasse für sich. Das Stamm-Lineup ist im Kern das gleiche wie in den beiden vergangenen Jahren. Neu sind Outfielder Michael Brantley, der eine klare Verstärkung darstellt, sowie Catcher Robinson Chirinos, der zumindest offensiv ein Upgrade gegenüber der Situation im letzten Jahr ist. 2019 gehört Houston also erneut zum ganz engen Kreis der Titelanwärter. Für die nächsten Jahre bin ich etwas skeptischer, weil einige Spielerverträge in absehbarer Zeit auslaufen. Immerhin sind die Astros frühzeitig aktiv geworden und haben bereits Jose Altuve, Justin Verlander und Alex Bregman mit neuen Kontrakten ausgestattet – und mit deutlich höheren Gehältern. Sie sind es wert, keine Frage, aber die steigenden Personalkosten werden es schwer machen, weitere Stars wie Gerrit Cole oder Carlos Correa zu halten oder zu ersetzen. Die Farm ist immer noch solide, aber nicht mehr überragend besetzt – nicht zuletzt, weil bei den Trades für Verlander und Cole in den letzten beiden Jahren einige vielversprechende Talente hergegeben werden mussten.

Voraussichtliches Lineup
C Robinson Chirinos
1B Yuli Gurriel
2B Jose Altuve
SS Carlos Correa
3B Alex Bregman
LF Michael Brantley
CF George Springer
RF Josh Reddick
DH Tyler White

Voraussichtliche Rotation
RHP Justin Verlander
RHP Gerrit Cole
RHP Collin McHugh
RHP Joshua James
LHP Wade Miley
Key Reliever: Roberto Osuna

Wichtigster Zugang
OF Michael Brantley (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
LHP Dallas Keuchel (noch ohne Verein)

Bestes Prospect
RHP Forrest Whitley

Größte Stärke
Das Infield: Ich lasse einfach mal Zahlen sprechen. Die prognostizierte Gesamtleistung der vier Stammspieler im Infield der Astros in Form von Wins Above Replacement wird von Fangraphs auf 15,7 WAR beziffert. Die Löwenanteile davon gehen auf Altuve (4,8), Bregman (5,4) und Correa (4,7) zurück. Das Infield der Astros ist demnach nicht nur das beste der Liga, sondern es ist auch besser als die Summe sämtlicher Batter der Rangers (15,2), der White Sox (14,5), der Royals (14,1), der Tigers (11,6) und der Marlins (10,9) und es ist besser als das gesamte Team der Orioles (15,2).

Größte Schwäche
Verluste beim Vereinspersonal: Die Astros mussten in dieser Offseason einige schmerzhafte Abgänge aus den Reihen der Väter ihrer Erfolge verzeichnen. Assistant-GM Mike Elias, bisher hauptverantwortlich für die Entwicklung junger Spieler, Hitting-Coach Dave Hudgens, Bullpen-Coach Doug White und Minor-League-Hitting-Coordinator Jeff Albert haben sich allesamt durch ihre gute Arbeit bei den Astros dafür empfohlen, anderswo noch attraktivere Jobs zu erhalten.

Spannendste Frage
Sind die Verluste in der Starting Rotation zu kompensieren? Mit 3.11 ERA und über 30 Wins Above Replacement hatte Houston 2018 das mit Abstand stärkste Pitching aller MLB-Teams. Die beiden Hauptverantwortlichen dafür, Justin Verlander und Gerrit Cole, sind noch da, aber den Rest der Starting Five müssen die Astros ersetzen: Dallas Keuchel und Charlie Morton haben den Klub verlassen und Lance McCullers fällt mit Tommy-John-Surgery lange aus. Es bleibt abzuwarten, wie gut Neuverpflichtung Wade Miley, Prospect Josh James und der vom Reliever zurück zum Starter umfunktionierte Collin McHugh die Lücken füllen können.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL West

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März 24th, 2019 by Silversurger

Der sogenannte World-Series-Hangover ist ein vielbemühtes Motiv, wenn man Gründe sucht, warum ein Team, das sich gerade als das beste auf der Welt erwiesen hat, im Folgejahr vielleicht nicht mehr ganz so gut sein könnte. Tatsächlich scheint an der Sache etwas dran zu sein. Jedenfalls hat von den 18 MLB-Champions dieses Jahrhunderts kein einziger seinen Titel im Jahr darauf verteidigen können. Die Hälfte von diesen 18 hat es noch nicht mal zurück in die Playoffs geschafft. Die Boston Red Sox zum Beispiel stürzten nach ihrer Meisterschaft von 2013 im Jahr darauf auf nur noch 71 Siege und den letzten Platz in ihrer Division ab. Die Gefahr, dass es ihnen dieses Mal ähnlich ergeht, erscheint allerdings relativ gering. Die Mannschaft für dieses Jahr ist größtenteils dieselbe, die letzte Saison den Franchise-Rekord von 108 Siegen aufgestellt und anschließend elf von vierzehn Playoff-Spielen gewonnen hat. Das Lineup und die Rotation sind von Stars gespickte Mischungen aus Jugend und Erfahrung. Das Front Office um Dave Dombrowski wird weiterhin seine aggressive Win-Now-Strategie verfolgen und ohne zu Zögern Geld und Prospects investieren, wenn sich während der Saison ein Bedarf zum Nachrüsten ergibt. In der Offseason hat es jedoch darauf verzichtet, auch nur einen Hauch frischen Windes in das Team zu bringen. Nicht zuletzt deswegen fürchte ich, dass der Hangover nicht ganz ausbleiben wird – hier ein bisschen zu viel Zufriedenheit mit dem bereits Erreichten, dort ein bisschen körperliche Abnutzung nach der langen und anstrengenden Saison könnten bereits genug sein, um die Red Sox für dieses Jahr knapp hinter den anderen Top-Teams der American League einzuordnen.

Voraussichtliches Lineup
C Christian Vazquez
1B Mitch Moreland
2B Dustin Pedroia
SS Xander Bogaerts
3B Rafael Devers
LF Andrew Benintendi
CF Jackie Bradley Jr.
RF Mookie Betts
DH J. D. Martinez

Voraussichtliche Rotation
LHP Chri Sale
LHP David Price
RHP Rick Porcello
RHP Nathan Eovaldi
LHP Eduardo Rodriguez
Key Reliever: Matt Barnes

Wichtigster Zugang
RHP Colten Brewer (San Diego Padres)

Wichtigster Abgang
RHP Craig Kimbrel (noch ohne Verein)

Bestes Prospect
1B/3B Michael Chavis

Größte Stärke
Das Outfield: Mookie Betts ist zurzeit der beste MLB-Spieler, der nicht Mike Trout heißt. Im Gegensatz zu Trout ist Betts von sehr starken Mitspielern umgeben und formt gemeinsam mit Andrew Benintendi und Jackie Bradley Jr. das wohl stärkste Outfield im Baseball. Für einen der gefürchtetsten Hitter der Liga, J. D. Martinez, bleibt in dieser Gruppe auf dem Feld meist kein Platz, aber zum Glück für die Red Sox gibt es in der AL den Posten des Designated Hitters.

Größte Schwäche
Das rechte Infield: Linkshänder Mitch Moreland und Rechtshänder Steve Pearce sind jeweils für sich genommen eher unterdurchschnittliche Optionen als First Basemen. Solange sie sich als Platoon je nach Händigkeit der Pitcher abwechseln, ist die Position zumindest solide ausgefüllt. Solide wäre auch Dustin Pedroia an der zweiten Base, wenn er denn mal gesund bliebe. Das war leider schon lange nicht mehr der Fall und auch diese Saison wird er auf der Verletztenliste beginnen.

Spannendste Frage
Wie effektiv ist der Bullpen ohne Kimbrel? In Person von Craig Kimbrel hatten die Red Sox in den letzten Jahren einen Elite-Closer. Der wollte nun auch einen Elite-Vertrag, den man ihm in Boston nicht geben wollte. Ein direkter Nachfolger wurde ebenfalls nicht verpflichtet, sodass nun die internen Lösungen Matt Barnes und Ryan Brasier die Save-Gelegenheiten unter sich aufteilen sollen. Zweifel an der Tragfähigkeit des Modells sind angebracht, vor allem da Barnes im Spring Training bisher nicht überzeugte und Brasier die meiste Zeit an Verletzungen laborierte.

Meine Prognose
Platz 2 in der AL East und eine Wild Card

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März 23rd, 2019 by Silversurger

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Man kann einen Artikel über die Los Angeles Dodgers negativ aufziehen, etwa so: Zwei Jahre in Folge haben sie sich genau dann, als es darauf ankam, als nicht gut genug erwiesen. Zwei Meisterteams hintereinander feierten ihren World-Series-Triumph in Dodger Stadium und beide Male waren es nicht die Dodgers. 2017 durften nach einem 7-Spiele-Krimi die Houston Astros jubeln, 2018 erledigten die Boston Red Sox den Job in nur fünf Spielen. Die zwei verlorenen Serien verstellen allerdings leicht den Blick auf die positive Botschaft: Die Dodgers haben eine Riesenleistung vollbracht, indem sie zweimal hintereinander die National League gewonnen haben. Und wenn man sich das Team anschaut, das sie dieses Jahr ins Rennen schicken, sehen sie bestens gerüstet dafür aus, einen dritten Anlauf auf das große Ziel zu nehmen. Gegangen sind Catcher Yasmani Grandal und Shortstop Manny Machado in der Free Agency sowie die Outfielder Matt Kamp und Yasiel Puig per Trade mit den Cincinnati Reds. Ein wirklicher Verlust dürfte dabei allenfalls Grandal sein. Die Abgänge im Outfield wurden durch die Verpflichtung von A. J. Pollock aufgefangen und im Laufe der Saison wird wohl auch Top-Prospect Alex Verdugo den Weg in das MLB-Team finden. Den Posten des Shortstops übernimmt knapp ein Jahr nach seiner Tommy-John-Surgery Corey Seager zurück. Das Pitching-Personal ist gegenüber dem Vorjahr im Kern intakt geblieben, auch wenn die beiden herausragenden Namen mit leichten Sorgen verbunden sind: Top-Ass Clayton Kershaw wird die Saison auf der Verletztenliste beginnen; zudem hat seine Pitch-Geschwindigkeit in den letzten Jahren langsam, aber beständig nachgelassen. Letzteres gilt auch für Closer Kenley Jansen, der sich in der Offseason einer Herzoperation unterziehen musste. Nimmt man das Alter und die Verletzungsanfälligkeit von Rich Hill dazu sowie das schwache Finish des Bullpens im letzten Jahr, so sind das durchaus ein paar Sollbruchstellen in einem generell starken Pitching-Staff. Insgesamt sind die Dodgers für mich erneut klarer Favorit in der NL West und ein aussichtsreicher Kandidat für den dritten World-Series-Einzug in Folge.

Voraussichtliches Lineup
C Austin Barnes
1B Max Muncy
2B Chris Taylor
SS Corey Seager
3B Justin Turner
LF Joc Pederson
CF A. J. Pollock
RF Cody Bellinger

Voraussichtliche Rotation
LHP Clayton Kershaw
RHP Walker Buehler
LHP Rich Hill
LHP Hyun-Jin Ryu
RHP Kenta Maeda
Key Reliever: Kenley Jansen

Wichtigster Zugang
OF A. J. Pollock (Arizona Diamondbacks)

Wichtigster Abgang
SS/3B Manny Machado (San Diego Padres)

Bestes Prospect
OF Alex Verdugo

Größte Stärke
Die Tiefe des Lineups: Die Dodgers haben 2018 von allen Teams der National League die meisten Runs erzielt (804). Das ist ihnen vor allem dank ihrer Flexibilität und Variabilität gelungen. Sie hatten das Personal – und haben es immer noch –, um auf jeden Pitcher und jede Spielsituation mit einer maßgeschneiderten Aufstellung zu reagieren. Durch intensives und erfolgreiches Platooning und Pinch-Hitting kamen in der vergangenen Saison lediglich zwei Spieler – Chris Taylor und Cody Bellinger – auf mehr als 520 Plate Appearences für die Dodgers. Beide brachten es auf diese Zahl, indem sie auf mindestens drei verschiedenen Positionen spielten.

Größte Schwäche
Catching: Auch wenn es in der Postseason 2018 nicht danach aussah, gehörte Yasmani Grandal in den letzten Jahren regelmäßig zu den besten Catchern der Liga, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Grandal wechselte in der Offseason als Free Agent nach Milwaukee und die Dodgers unternahmen keine großen Sprünge, ihn gleichwertig zu ersetzen. Der bisherige Backup Austin Barnes wird sich die Rolle mit dem alternden Rückkehrer Russell Martin teilen. Bei beiden stellt sich die Frage, ob sie an ihre schwache letzte Saison anknüpfen oder doch noch einmal zu früherer Stärke zurück finden.

Spannendste Frage
Sind Seager und Jansen wieder die Alten? Sowohl Corey Seager (Ellenbogen und Hüfte) als auch Kenley Jansen (Herz) haben ernsthafte medizinische Eingriffe hinter sich. Beide haben die Operationen wohl gut überstanden und machen im Spring Training bisher einen guten Eindruck. Ob und wie schnell sie unter Wettkampfbedingungen ihre alte Form erreichen und wieder wichtige Stützen des Teams sein können, bleibt dennoch abzuwarten.

Prognose
Platz 1 in der NL West, World-Series-Teilnahme

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März 22nd, 2019 by Silversurger

Drei Jahre ohne Playoff-Teilnahme sind eine außergewöhnlich lange Durststrecke für die St. Louis Cardinals. Tatsächlich hatten sie während dieser Zeit keine einzige Losing-Season, aber am Ende hat es eben immer gerade so nicht gereicht. Den Unterschied soll nun Paul Goldschmidt machen. Der First Baseman wurde in einem der spektakulärsten Trades der Offseason von den Diamondbacks geholt. Gestern wurde zudem bekannt, dass die Cardinals sich mit ihm auf einen neuen Vertrag bis 2024 geeinigt haben. Mit 32,9 Wins Above Replacement über die vergangenen sechs Jahre war Goldschmidt in der MLB der drittstärkste Positionsspieler dieses Zeitraums. Neben einem zuvor schon guten und durch Goldschmidt noch besseren Lineup bieten die Cardinals auch eine starke Pitching Rotation auf. Deren Hauptakteure haben sie allesamt selbst entdeckt oder entwickelt: Miles Mikolas haben sie letztes Jahr aus Japan geholt, Carlos Martinez und Alex Reyes wurden 2010 bzw. 2012 als internationale Rookies verpflichtet und Jack Flaherty war der Erstrundenpick der Cardinals 2014. Ich habe schon in früheren Artikeln geschrieben, dass ich die NL Central für eine der ausgeglichensten Divisionen halte, und insbesondere an den Cubs und den Brewers wird es kein leichtes Vorbeikommen geben. Dennoch glaube ich, dass das ausgewogene Team der Cardinals am Ende der regulären Saison auf Platz eins seiner Division stehen wird und auch in den Playoffs eine gute Rolle spielen kann.

Voraussichtliches Lineup
C Yadier Molina
1B Paul Goldschmidt
2B Kolten Wong
SS Paul DeJong
3B Matt Carpenter
LF Marcell Ozuna
CF Harrison Bader
RF Jose Martinez

Voraussichtliche Rotation
RHP Miles Mikolas
RHP Carlos Martinez
RHP Jack Flaherty
RHP Michael Wacha
RHP Alex Reyes
Key Reliever: Andrew Miller

Wichtigster Zugang
1B Paul Goldschmidt (Arizona Diamondbacks)

Wichtigster Abgang
Tyson Ross (Detroit Tigers)

Bestes Prospect
RHP Alex Reyes

Größte Stärke
Schlagkraft: Mit Marcell Ozuna, Matt Carpenter, Paul DeJong und jetzt Paul Goldschmidt haben die Cardinals eine der besten – wenn nicht die beste – Ansammlung von Power-Hittern in der ganzen Liga.

Größte Schwäche
Der Bullpen: Hier lag schon letztes Jahr ein Problemfeld und die einzige nennenswerte Aktivität zur Verbesserung war die Verpflichtung von Andrew Miller. Der war mal ein sehr dominanter Reliever, litt zuletzt jedoch unter Knie- und Schulterproblemen.

Spannendste Frage
Kann Mike Shildt den guten ersten Eindruck bestätigen? Shildt kam Mitte der letzten Saison zunächst als Interims-Manager ans Ruder, nachdem man sich von Mike Matheny getrennt hatte. Unter Shildt blühte das Team förmlich auf und brachte es in den restlichen Spielen auf eine beeindruckende 41-28-Bilanz. Shildt wurde mit einem Vertrag bis 2020 belohnt und muss nun zeigen, dass die schnellen Erfolge nicht nur ein kurzfristiger Effekt des Wechsels waren.

Prognose
Platz 1 in der NL Central

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März 21st, 2019 by Silversurger

Die Ära Bryce Harper ist für die Washington Nationals offiziell beendet. Sie mussten das langjährige Gesicht ihrer Franchise ziehen lassen, da sie beim Wettbieten mit den Philadelphia Phillies schlichtweg nicht mithalten konnten. Ein Zehnjahresvertrag über 300 Millionen Dollar, von denen ein Drittel auf langfristige „Rentenzahlungen“ verlegt worden wäre, war das Äußerste, was man bieten konnte und wollte – zu wenig, wie inzwischen bekannt ist. Blickt man auf die sieben Jahre mit Harper zurück, so fällt auf dass die Nationals erstaunlich wenig gemacht haben aus ihrem weit offenen Gelegenheitsfenster. Sie hatten in der Zeit zwar in jeder Saison eine positive Bilanz von Siegen und Niederlagen und viermal haben sie damit die NL East gewonnen, doch über die erste Playoffrunde sind sie nie hinaus gekommen. Nachdem der größte Star das Team verlassen hat, mussten die Nationals sich in der Offseason der Frage stellen, ob man nun den großen Ausverkauf und Neuaufbau startet. Aber spätestens mit der Verpflichtung von Patrick Corbin, dem begehrtesten Free-Agent-Pitcher des Jahres, war klar, dass die Entscheidung anders lautet. Die Nationals sehen sich weiterhin als Contender und mit dem Team, das sie ins Rennen schicken, kann man das kaum in Abrede stellen. Das herausragende Starter-Duo um Max Scherzer und Stephen Strasburg wird durch Corbin zum Triumvirat, im Outfield teilen zwei elektrisierende Youngster sich die Fußstapfen von Harper, und mit Brian Dozier und dem Catcher-Platoon aus Yan Gomes und Kurt Suzuki wurde ein bereits gut aufgestelltes Lineup sinnvoll ergänzt. Als Mets-Fan sage ich es nicht gern, aber in meinen Augen sind die Nationals in Jahr eins nach Harper nicht schlechter geworden. Wenn ich mich in der sicher heiß umkämpften NL East auf einen Favoriten festlegen und dabei objektiv sein soll, geht meine Stimme hauchdünn und schweren Herzens an Washington.

Voraussichtliches Lineup
C Yan Gomes
1B Ryan Zimmerman
2B Brian Dozier
SS Trea Turner
3B Anthony Rendon
LF Juan Soto
CF Victor Robles
RF Adam Eaton

Voraussichtliche Rotation
RHP Max Scherzer
RHP Stephen Strasburg
LHP Patrick Corbin
LHP Anibal Sanchez
LHP Jeremy Hellickson
Key Reliever: Sean Doolittle

Wichtigster Zugang
LHP Patrick Corbin (Arizona Diamondbacks)

Wichtigster Abgang
OF Bryce Harper (Philadelphia Phillies)

Bestes Prospect
OF Victor Robles

Größte Stärke
Die Rotation: Scherzer und Strasburg sind seit Jahren einer der herausragenden One-Two-Punches der Liga. Dass die Saison 2018 der Nationals nicht nach Wunsch verlief, lag auch daran, dass es hinter den beiden recht schnell dünn wurde. Die Neuverpflichtungen Corbin und Anibal Sanchez stellen hier ein klares Upgrade dar. Übrigens: Die Matchups der Eröffnungsserie zwischen den Nationals und den Mets lauten deGrom vs. Scherzer, Syndergaard vs. Strasburg und Wheeler vs. Corbin. Wer jetzt nicht glühend heiß auf das Opening Weekend ist, dem kann ich auch nicht helfen.

Größte Schwäche
Der Bullpen: Hier liegt seit Jahren die Achillesferse der Nationals und auch dieses Jahr ist die Reliever-Riege eine Ansammlung von Fragezeichen. Seit Juli 2017 hat man mit Sean Doolittle immerhin einen exzellenten Closer, der allerdings in den letzten sechs Jahren keine Saison ohne Aufenthalt auf der Verletztenliste überstanden hat. Koda Glover hatte ebenfalls noch nie ein Jahr ohne größere Verletzungen. Trevor Rosenthal kommt von einer Tommy-John-Surgery. Kyle Barraclough hatte 2018 eine starke erste Saisonhälfte und sah in der zweiten aus, als hätte er sein Handwerk komplett verlernt (13.5 ERA, 3.38 HR/9). Letzte Woche wurde Linkshänder Tony Sipp dazugeholt, der aus einer guten Saion für die Astros kommt, davor aber zwei Jahre zum Abhaken hatte und in Kürze 36 wird.

Spannendste Frage
Erfüllen Robles und Soto die Erwartungen? Gemeinsam sollen die beiden Talente dafür sorgen, dass der Schatten von Bryce Harper nicht allzu lange über dem Outfield der Nationals liegt. Juan Soto hatte 2018 mit nur 19 Jahren bereits eine spektakuläre Rookie-Saison (.292/.406/.517, 22 HRs), aber das zweite Jahr ist bekanntlich meistens das schwerste. Der eineinhalb Jahre ältere Victor Robles gilt als ebenso großes Talent und soll dieses Jahr seinen Durchbruch haben, nachdem er 2018 von einer Ellenbogenverletzung ausgebremst wurde. Robles bringt im Vergleich zu Soto etwas weniger Schlagkraft, aber dafür noch bessere Feldspielqualitäten mit.

Prognose
Platz 1 in der NL East

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März 20th, 2019 by Silversurger

Die Cleveland Indians haben in den letzten Jahren sechsmal hintereinander mehr Siege als Niederlagen eingefahren, viermal die Playoffs erreicht, drei Divisionstitel in Folge gewonen und sind einmal bis in Spiel 7 der World Series vorgedrungen. Die Meisterschaft, auf die ihre Fans seit 1948 warten, konnten sie jedoch bislang nicht holen. Mit einer bärenstarken Rotation und dem wohl besten Duo im linken Infield, das die MLB zu bieten hat, werden die Indians dieses Jahr einen weiteren Angriff auf den Titel starten. Es könnte für einige Zeit der letzte sein, denn das Gelegenheitsfenster hat bereits begonnen, sich zu schließen. Michael Brantley, Cody Allen, Andrew Miller und ein paar andere sind schon weg, Trevor Bauer wird nächstes Jahr Free Agent und Carlos Carrasco und Corey Kluber werden nicht jünger – genauer gesagt wird Carrasco morgen 32 und Kluber ein paar Tage später 33. Für einen Mann ist das kein Alter, aber für einen Profisportler, der nicht Bartolo Colon oder CC Sabathia heißt, ist es ein Punkt, an dem die Leistungskurve ihre Spitze normalerweise überschritten hat. Vor allem wird die AL Central nicht auf Dauer der Selbstläufer für die Indians bleiben, der sie in den vergangenen Jahren war und wohl auch dieses Jahr noch sein wird. Aber genug der Schwarzmalerei. Das soll hier in erster Linie eine Vorschau auf die Saison 2019 sein und in dem Jahr sehe ich (noch) niemanden, der den Indians in Bezug auf den Divisionssieg gefährlich werden dürfte. Wie im letzten Jahr werden sie ohne große Schwierigkeiten in die Playoffs einziehen und somit eine weitere Chance haben, diese erfolgreiche Phase ihrer Vereinsgeschichte mit dem ersehnten Titel zu krönen.

Voraussichtliches Lineup
C Kevin Plawecki
1B Jake Bauers
2B Jason Kipnis
SS Francisco Lindor
3B Jose Ramirez
LF Jordan Luplow
CF Leonys Martin
RF Tyler Naquin
DH Carlos Santana

Voraussichtliche Rotation
LHP Corey Kluber
RHP Trevor Bauer
RHP Carlos Carrasco
LHP Mike Clevinger
RHP Shane Bieber
Key Reliever: Brad Hand

Wichtigster Zugang
1B/DH Carlos Santana (Philadelphia Phillies via Seattle)

Wichtigster Abgang
OF Michael Brantley (Houston Astros)

Bestes Prospect
3B Nolan Jones

Größte Stärke
Die Rotation: Corey Kluber ist Jahr für Jahr im Rennen um den Cy-Young-Award – in den letzten fünf Jahren hat er ihn zweimal gewonnen und ist zweimal Dritter geworden. Doch anders als viele andere Teams müssen die Indians nicht jeden fünften Tag herbeisehnen, weil dann wieder ihr Ass auf dem Mound steht. Denn Carlos Carrasco, Trevor Bauer, Mike Clevinger und selbst Nummer-fünf-Starter Shane Bieber stehen Kluber nicht weit nach. Das spiegelt sich zum Beispiel darin wieder, dass die Indians letztes Jahr 993.2 Innings von ihren Startern bekommen haben. Das sind mehr als sechs Innings pro Spiel und mit Abstand die meisten aller MLB-Teams.

Größte Schwäche
Das Outfield: In diesem Bereich ist kein einziger Spieler vorhanden, der in den letzten zwei, drei Jahren einigermaßen konstante Leistungen gebracht hat. Leonys Martin, Bradley Zimmer und Tyler Naquin kommen zudem alle aus Verletzungspausen beziehungsweise in Martins Fall von einer schweren Erkrankung. Zimmer wird wohl erst gegen Mitte der Saison einsatzbereit sein.

Spannendste Frage
Ist die Dominanz in der Division ein Nachteil? Eigentlich ist es ja sehr angenehm, als Favorit in die Saison zu gehen und dieser Rolle das ganze Jahr über unangefochten gerecht zu werden. Man kann aber auch argumentieren, dass die fehlende Konkurrenz und der kaum vorhandene Druck während der regulären Saison eine schlechte Vorbereitung auf die Playoffs darstellen. Bei den Indians war 2018 vermutlich genau das das Problem. Mit 13 Spielen Vorsprung holten sie souverän die AL Central, nur um in der ersten Runde der Postseason sang- und klanglos 0:3 gegen die Astros unterzugehen.

Meine Prognose
Platz 1 in der AL Central

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März 19th, 2019 by Silversurger

Mit 387 Siegen sind die Chicago Cubs das erfolgreichste MLB-Team der letzten vier Jahre. Da ist es nur allzu verständlich, dass man in der Offseason vor allem auf Kontinuität gesetzt hat. Es gab kaum Zu- oder Abgänge, der Kern des Teams – Jon Lester, Anthony Rizzo, Javier Baez, Kris Bryant – ist immer noch der gleiche wie in der Meisterschafts-Saison 2016. Auch die sportliche Leitung liegt bei Joe Maddon in denselben guten Händen wie in den vergangenen vier Jahren. Das hört sich alles sehr vielversprechend an und doch herrschen in Chicagos Norden einige Zweifel in Bezug auf die neue Saison. Ein Grund dafür ist, dass es letztes Jahr nicht so glatt lief wie die Bilanz von 95 Siegen vermuten lässt. Die Cubs hatten über die Saison hinweg mehrere Schwächephasen und ihr Star-Hitter Kris Bryant war wegen einer nagenden Schultervletzung seit Mai nie ganz er selbst. Das Ende der Saison mit Niederlagen zuerst in Spiel 163 um den Divisionstitel gegen die Braves und anschließend im Wild-Card-Spiel gegen die Rockies hätte kaum demoralisierender sein können. Ein weiterer Grund, an den Cubs zu zweifeln, ist die Tatsache, dass Joe Maddons Vertrag nach der Saison ausläuft und der Klub bisher keine klaren Signale gesendet hat, ob man weiter mit ihm plant. Wenn in dieser Hinsicht keine klaren Verhältnisse geschaffen werden, kann das Thema während der Saison zu einer ständigen Ablenkung werden. Zusätzliche Unruhe verursacht die Geschichte um Addison Russell, der in den ersten Wochen der Saison den Rest seiner Sperre wegen eines Falles häuslicher Gewalt absitzt. Ich will diese Dinge nicht überinterpretieren – die Cubs sind ein starkes Team und werden eine gute Saison spielen. Aber ich sehe zu viele Störfaktoren, um ihnen ein sehr gutes Jahr zuzutrauen.

Voraussichtliches Lineup
C Willson Contreras
1B Anthony Rizzo
2B Javier Baez
SS Addison Russell
3B Kris Bryant
LF Kyle Schwarber
CF Albert Almora Jr.
RF Jason Heyward

Voraussichtliche Rotation
LHP Jon Lester
RHP Kyle Hendricks
LHP Jose Quintana
LHP Cole Hamels
RHP Yu Darvish
Key Reliever: Brandon Morrow

Wichtigster Zugang
IF/OF Daniel Descalso (Arizona Diamondbacks)

Wichtigster Abgang
1B/2B Daniel Murphy (Colorado Rockies)

Bestes Prospect
SS Nico Hoerner

Größte Stärke
Das Infield: Mit Bryant, Baez und Rizzo haben die Cubs drei Leute, die auf ihrer jeweiligen Position zur absoluten Spitze der Liga gehören. Ein weiterer Pluspunkt ist die Flexibilität in Form vielfältig einsetzbarer Spieler. Baez übernimmt während Russells Abwesenheit problemlos den Shortstop-Posten, Ben Zobrist und Daniel Descalso können auf dem Feld praktisch überall spielen.

Größte Schwäche
Das Outfield: Hier sind einige bekannte Namen versammelt. Jason Heyward wurde 2016 mit einem 8-Jahres-Vertrag über 184 Millionen Dollar geholt, Kyle Schwarber, Albert Almora Jr. und Ian Happ galten alle als hochrangige Talente. Tatsächlich hat jedoch keiner von ihnen bisher die erhofften und erwarteten Leistungen gebracht.

Spannendste Frage
Wie lange haben sie noch Freude an ihrer Rotation? Die Pitching Rotation der Cubs gehört noch immer zu den besten der Liga. Doch unter den fünf Startern ist Kyle Hendricks (29) der einzige unter 30, sein Vertrag läuft ebenso wie der von Jose Quintana 2020 aus und Yu Darvish hat schon eine umfangreiche Verletzungshistorie. Da die Cubs bereits ein recht teures Team haben und aus der Farm derzeit an Pitching nicht viel nachkommt, könnte es hier mittelfristig Probleme geben.

Prognose
Platz 2 in der NL Central und eine Wild Card

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März 18th, 2019 by Silversurger

Die New York Mets waren mit dem Ende der Saison 2018 an einer Weggabelung angelangt. Zum zweiten Mal in Folge war eine voller Hoffnung begonnene Saison in einer massiven Enttäuschung geendet. Die Ursachen dafür waren zahlreich, angefangen mit Verletzungen über schlechte Roster-Entscheidungen zugunsten abgehalfterter Ex-Stars wie Jose Bautista und Adrian Gonzalez bis hin zu einem bisweilen überfordert wirkenden Rookie-Manager Mickey Callaway. Die Weggabelung bestand nun in der Frage: Soll man alles auf Null setzen, die vorhandenen Stars wegtraden und in den Rebuilding-Modus wechseln? Oder versucht man, die Unzulänglichkeiten kurzfristig zu überwinden und sofort einen neuen Anlauf zu starten? Die Frage personifizierte sich in der Suche nach einem neuen General Manager, denn Sandy Alderson hatte den Job aus gesundheitlichen Gründen schon während der Saison aufgeben müssen. Die Teambesitzer, Vater Fred und Sohn Jeff Wilpon, vergaben den Posten an Ex-Spielervermittler Brodie van Wagenen – und somit an den Bewerber, der in den Gesprächen am entschiedensten für die Variante „sofortiger Angriff“ eingetreten war. Man mag zu van Wagenen stehen wie man will, leeres Gerede kann man ihm jedenfalls nicht vorwerfen. Wenige Tage nach Amtsantritt hatte er seinen ersten großen Trade im Sack: Second Baseman Robinson Cano und Top-Closer Edwin Diaz kamen aus Seattle im Austausch gegen Jay Bruce und mehrere Prospects. Das Signal dieses Moves war eindeutig: Wir sind bereit, Talente abzugeben und Canos teuren Vertrag zu übernehmen, weil wir gewinnen wollen – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt und in den nächsten Jahren. Zu diesem Zweck rüstete van Wagenen weiter auf: den Bullpen mit Rückkehrer Jeurys Familia und Lefty Justin Wilson, die Tiefe im Infield mit Jed Lowrie und J. D. Davis sowie im Outfield mit Keon Broxton, Gregor Blanco und Carlos Gomez, die jahrelange Problemposition mit Catcher Wilson Ramos. Die meisten der Neuverpflichtungen stärken den Kader mehr in der Breite als in der Spitze, was für die oft verletzungsgeplagten Mets vermutlich genau der richtige Weg ist. Auch das Coaching wurde aufgewertet: Callaway bleibt, bekommt aber mit Hitting Coach Chili Davis und Bench Coach Tim Riggleman zwei erfahrene Mitarbeiter an die Seite gestellt. Der einzige Bereich, der unangetastet blieb, ist die Pitching Rotation. Mit Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Zack Wheeler und Steven Matz ist man hier zwar hervorragend aufgestellt, doch wenn sich einer davon verletzt und/oder Jason Vargas als Nummer fünf weiterhin unter Leistungsschwankungen leidet, könnte es recht schnell eng werden. Trotz einer insgesamt sehr guten Offseason bleiben die Mets eine Wundertüte. Das gilt umso mehr in der sehr starken NL East, in der zwischen den Nationals, den Phillies, den Braves und eben den Mets schlichtweg alles möglich ist und beinahe nichts überraschen würde.

Voraussichtliches Lineup
C Wilson Ramos
1B Pete Alonso
2B Robinson Cano
SS Amed Rosario
3B Jed Lowrie
LF Michael Conforto
CF Juan Lagares
RF Brandon Nimmo

Voraussichtliche Rotation
RHP Jacob deGrom
RHP Noah Syndergaard
RHP Zack Wheeler
LHP Steven Matz
LHP Jason Vargas
Key Reliever: Edwin Diaz

Wichtigster Zugang
RHP Edwin Diaz (Seattle Mariners)

Wichtigster Abgang
IF Wilmer Flores (Arizona Diamondbacks)

Bestes Prospect
1B Pete Alonso

Größte Stärke
Pitching: Die Starting Rotation der Mets mit deGrom, Syndergaard und Co. ist seit Jahren eine der besten der Liga. Der Bullpen war zuletzt eher ein Schwachpunkt, doch Diaz und die anderen Neuverpflichtungen lassen mit einigem Recht darauf hoffen, dass sich das dieses Jahr ändert.

Größte Schwäche
Verletzungsanfälligkeit: „Wenn sie gesund bleiben“ ist eine Einschränkung, die bei der Prognose für jedes Team gilt. Bei den Mets ist es jedoch ein lauteres und schärferes „Wenn“ als bei allen anderen. Das Thema begleitet sie seit Jahren und die Zahlen belegen, dass es nicht nur ein Gefühl ist, dass die Mets immer wieder überdurchschnittlich häufig und lange von Verletzungen betroffen sind. Es gäbe wohl keine größere Verstärkung für das Team als wenn jemand die Ursache dafür finden und abstellen könnte.

Spannendste Frage
Wer setzt sich an der ersten Base durch? Vor wenigen Wochen noch schien die Situation klar: Top-Prospect Pete Alonso sollte noch etwas in der Minor League reifen, Ex-Prospect Dominic Smith hatte sich letztes Jahr als Flop erwiesen. Der bisherige Third Baseman Todd Frazier würde seinen Platz an Jed Lowrie abgeben und um Frazier trotzdem im Lineup zu halten, schien es auf der Hand zu liegen, dass er als First Baseman in die Saison geht. Inzwischen hat sich die Lage komplett geändert. Lowrie und Frazier laborieren beide an Verletzungen, dafür rocken Alonso und Smith das Spring Training mit starken Leistungen. Einer von beiden wird den Posten wohl bekommen. Bei der Entscheidung könnte auch die Service Time eine Rolle spielen – gemeint ist, dass die Mets ein zusätzliches Jahr Teamkontrolle über Alonso gewinnen könnten, wenn sie ihn zumindest noch ein paar Wochen aus der MLB heraushalten. Van Wagenen hat allerdings mehrfach betont, dass er auf solche Überlegungen nichts gebe und mit den „25 besten Spielern“ in die Saison gehen werde.

Prognose
Platz 2 in der NL East und eine Wild Card

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März 17th, 2019 by Silversurger

Die Tampa Bay Rays sind für mich zugleich der intelligenteste und der bedauernswerteste Klub in der MLB. Die Intelligenz der Rays oder besser gesagt ihrer sportlichen Leitung zeigt sich darin, dass es ihnen regelmäßig gelingt, aus nichts etwas zu machen. In einem kleinen Markt, der sie in der Gehälterrangliste Jahr für Jahr weit unten auftauchen lässt, haben sie ein wirklich starkes Team zusammengestellt. Aus diesem holen sie das Optimum heraus, indem immer wieder kreative Ideen entwickelt werden. Letztes Jahr beispielsweise war die taktische Variante des Openers (siehe unten) eine Innovation der Rays, die schnell Nachahmer fand. Auch eine sinnvolle und disziplinierte Verteilung der Belastung war ein Kennzeichen der Rays des Jahres 2018. Ein Ass wie Blake Snell würden die meisten Teams so oft und so lange melken, bis nichts mehr herauskommt. Die Rays limitierten Snell auf 180 Innings und er honorierte sie (und sich selbst) mit einer Cy-Young-Saison. Die Rays brachten es als „ärmstes“ Team der Liga auf 90 Siege und das in einer sehr schweren Division. Wegen eben jener Division sind die Rays aber auch bedauernswert, denn in kaum einer anderen Gruppe als in der AL East mit den Yankees und den Red Sox scheint es so aussichtslos zu sein, als kleiner Klub für gute Arbeit belohnt zu werden. Wenn nichts völlig Überraschendes passiert, besteht die einzige Playoff-Chance der Rays darin, beide Wild Cards der American League in die AL East zu holen. Ich traue ihnen zu, dieses Jahr genau das zu tun.

Voraussichtliches Lineup
C Mike Zunino
1B Yandy Diaz
2B Joey Wendle
SS Willy Adames
3B Matt Duffy
LF Tommy Pham
CF Kevin Kiermaier
RF Austin Meadows
DH Ji-Man Choi

Voraussichtliche Rotation
LHP Blake Snell
RHP Charlie Morton
RHP Tyler Glasnow
LHP Ryan Yarbrough
RHP Yonny Chirinos
Key Reliever: Jose Alvarado

Wichtigster Zugang
RHP Charlie Morton (Houston Astros)

Wichtigster Abgang
RHP Sergio Romo (Miami Marlins)

Bestes Prospect
SS Wander Franco

Größte Stärke
Flexibilität: Die Rays haben eine Routine darin entwickelt, mit Abgängen und Ausfällen fertig zu werden. Letztes Jahr brachten sie 23 Rookies zum Einsatz – ein Teamrekord und zugleich die höchste Zahl von Neulingen, mit der je ein Team 90 Siege geholt hat.

Größte Schwäche
Fehlendes Interesse: Ein weiterer Grund, die Rays zu bedauern ist, dass nach wie vor kaum jemand kommt, um sich den guten Baseball anzusehen, den sie spielen. 2018 hatten sie den zweitniedrigsten Zuschauerschnitt, unterboten nur von den Nachbarn in Miami. Vor lauter Verzweiflung wurde für die Saison 2019 beschlossen, das komplette Oberdeck von Tropicana Field zu schließen. Das mit bislang 31.042 Plätzen bereits kleinste aller MLB-Stadien reduziert seine Kapazität dadurch noch einmal um 5.000 Plätze. Die Hoffnung ist, durch das engere Zusammenrücken der wenigen Zuschauer mehr Atmosphäre zu schaffen. Langfristig werden die Rays sich wohl nach einem neuen Standort umschauen.

Spannendste Frage
Ist der Opener ein Modell mit Zukunft? Es war letztes Jahr eher aus der Not geboren, als die Rays das Experiment wagten, mit einer gewissen Regelmäßigkeit Spiele mit einem Relief Pitcher zu beginnen. Im Gegensatz zum klassischen Bullpenning, also dem Bestreiten eines Spiels ausschließlich mit Relievern, folgte dem sogenannten Opener ein Pitcher, der für mehrere Innings vorgesehen war – also quasi ein Starter, der nicht startete. Die Rays bestritten 36 Spiele nach dem Opener-Konzept und gewannen 19 davon. Das ist eine beachtliche Bilanz angesichts der Tatsache, dass es sich durchweg um Spiele handelte, die im klassischen Modell dem unteren Teil der Starting-Rotation zugefallen wären. Dieses Jahr stehen mit Snell, Morton und Glasnow drei Leute zur Verfügung, die als klassische Starter auftreten werden. Die restlichen Spiele werden möglicherweise mit einem Opener begonnen – genauso gut kann es sein, dass die Rays sich wieder mal was Neues einfallen lassen.

Meine Prognose
Platz 3 in der AL East und eine Wild Card

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