Category: Rezensionen

März 21st, 2020 by Silversurger

Ob und wann es eine MLB-Saison 2020 geben wird, steht leider in den Sternen. Unter diesen Umständen ist das Videospiel MLB The Show auf absehbare Zeit wohl die beste verfügbare Annäherung an Live-Baseball. Seit dieser Woche ist die aktuelle Version des Sony-Spiels verfügbar. The Show 20 ist wie seine Vorgänger ein Exklusivtitel für die Playstation 4. Das soll sich übrigens nächstes Jahr ändern – nicht nur, weil bis dahin die Playstation 5 auf dem Markt sein wird, sondern auch weil Sony plant, MLB The Show 21 auf weiteren Plattformen zu veröffentlichen. Besitzer einer Nintendo Switch oder einer Xbox können sich schon mal darauf freuen.

The Show 20 wird man in Deutschland in kaum einem Geschäft finden, aber im Online-Handel bekommt man es problemlos. Noch schneller und einfacher geht es per Download über den Playstation-Store. Erhältlich ist es dort in der Standardversion (zurzeit 49,99 Euro), als MVP Edition (69,99 Euro) sowie als Digital Deluxe Edition (99,99 Euro). Das eigentliche Spiel ist in allen Ausgaben dasselbe. Die beiden teureren Editionen heben sich durch diverse Extras (Packs, Boni, Avatare, Guthaben) für den Sammelmodus „Diamond Dynasty“ ab.

Eines vorweg: Das Prinzip und die Grundfunktionen des Spiels sind nach wie vor dieselben wie in den Vorgängerversionen. Wenn The Show für euch komplettes Neuland ist, lest am besten zunächst in meinem zwei Jahre alten Artikel zu The Show 18 den Abschnitt unter der Überschrift „Das Spielprinzip“. Im vorliegenden Artikel konzentriere ich mich darauf, was sich in der 20er-Version geändert hat.

Das ist neu
Wirkliche Neuerungen sind in The Show 20 eher rar gesät, aber es gibt sie. Zu erwähnen ist vor allem, dass zum ersten Mal die Minor-League-Spieler zumindest der AA- und AAA-Ligen unter ihren realen Namen mit von der Partie sind. Das ist in meinen Augen ein deutlicher Fortschritt, denn so kann man sich endlich auf die „echten“ Prospects seines Teams freuen, statt mit zufällig generierten Nachrückern Vorlieb nehmen zu müssen.

Neu ist zudem der Custom-League-Modus. Dahinter steckt das, was der Name sagt: die Möglichkeit, eine eigene Liga zu erstellen, mit variabler Größe, Inningszahl usw. In so einer Ligen kann man entweder mit einem MLB-Team oder einem Diamond-Dynasty-Team online gegen andere Spieler antreten. In mancherlei Hinsicht schöpft der neue Modus sein Potenzial leider nicht aus. Das Team-Management in den Custom Leagues ist auf ein Minimum beschränkt und kann bei weitem nicht mit dem auf Einzelspieler beschränkten Franchise-Modus mithalten.

Das ist besser geworden
Revolutionär Neues gibt es also kaum, aber man muss der aktuellen Ausgabe von The Show attestieren, dass sie quasi durchweg in allen Bereichen ein bisschen schöner und besser geworden ist. Die Spieler-, Ballpark–und sonstigen Grafiken und Animationen sehen noch ein Stück realistischer aus. Die Mechaniken haben vor allem beim Fielding noch mal deutliche Fortschritte gemacht.

In Road To The Show, der Simulation einer Spielerkarriere, wurde neu eingeführt, dass man Beziehungen zu den Teamkameraden aufbauen und pflegen kann, welche sich auf das Zusammenspiel auswirken. Das klingt allerdings etwas spektakulärer als es im Spiel tatsächlich ist. Im Franchise-Modus wurden die Anpassungsmöglichkeiten deutlich erweitert, zum Beispiel kann man jetzt Teams umbenennen und in andere Städte verlegen. Der im letzten Jahr neu eingeführte Modus March to October, in dem man sein Team durch die herausragenden Momente einer Saison führt, enthält nun auch Trades und Call-ups aus den Minor Leagues. Im Reward-Modus Diamond Dynasty gibt es die neue Herausforderung Showdown, in der man diverse Challenges zu erfüllen hat und dafür mit Teamverbesserungen belohnt wird.

Das ist noch nicht optimal
Für zukünftige Weiterentwicklungen steht ganz oben auf meiner Wunschliste die Integration der vollständigen Minor Leagues. Dass seit diesem Jahr die AAA- und AA-Spieler dabei sind, ist ein erfreulicher erster Schritt, dem hoffentlich weitere folgen.

Als störend empfinde ich bei The Show 20 wie schon in den Vorversionen, dass die voreingestellten Roster teilweise unrealistisch sind. In nahezu jedem Team finden sich bei näherer Betrachtung Spieler, die im MLB-Roster wenig verloren haben, während andere fehlen – Gavin Lux von den Los Angeles Dodgers zum Beispiel wurde offenbar komplett vergessen.

Was ich unter all den vielen Anpassungs- und Einstellungsmöglichkeiten vermisse, ist vor allem die Option, einen eigenen Ballpark zu designen. Außerdem fände ich gut, wenn man im Franchise-Modus ein Team nicht nur umbenennen, sondern es in einer Expansion-Draft komplett neu zusammenstellen könnte.

Ein letzter Kritikpunkt noch: Der TV-Kommentar wurde nach meiner Wahrnehmung gegenüber The Show 19 wenig bis gar nicht geändert, man hört dieselben Sprüche wie im letzten Jahr. Das ist auf Dauer ein bisschen öde.

Fazit
Es ist immer noch Luft nach oben und zumindest für Gelegenheitsspieler stellt sich die berechtigte Frage, ob das Ausmaß der Weiterentwicklungen von The Show rechtfertigt, dass man sich jedes Jahr die neueste Version kauft. Offen gestanden verpasst man nicht viel, wenn man sich nur jede zweite oder dritte Fassung zulegt. Aber das ist bei so ziemlich jeder der großen Sportsimulationen wie Fifa, Madden, NBA oder NHL der Fall. Festzuhalten ist in jedem Fall, dass MLB The Show 20 die mit Abstand beste Baseballsimulation auf dem Markt ist und sich die Anschaffung ganz sicher lohnt – in diesem außergewöhnlichen Jahr, in dem die echten Ballparks noch lange leer bleiben und wir alle so viel wie möglich zu Hause bleiben sollen, vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst.

Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller Sony zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

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Dezember 14th, 2019 by Silversurger

In zehn Tagen ist Weihnachten. Wer bislang weder alle Geschenke beisammen hat noch sich mit seinen Liebsten auf einen „Nichtangriffspakt“ einigen konnte, kommt wahrscheinlich so langsam in Stress. Aber kein Grund zur Panik, denn ich habe ein paar hervorragende Geschenktipps für euch. Der erste davon ist ganz unbescheiden mein eigenes Buch. Kauft es und schenkt es allen, denen ihr den schönen Baseballsport näher bringen wollt. Ich habe inzwischen mehrfach die Rückmeldung erhalten, dass „Baseball – Alles, was man wissen muss“ sich zum Beispiel als Geschenk für Eltern und Großeltern von Baseballspielern großer Beliebtheit erfreut.

Aber genug der Eigenwerbung, denn der Hauptgrund für diesen Artikel ist mein zweiter Geschenktipp: Ich möchte euch Baseball Highlights 2045 vorstellen, das mit Abstand beste Baseball-Brettspiel, das ich kenne.

Baseball Highlights 2045 ist ein Deck-Building-Spiel. Jeder Mitspieler bekommt zu Beginn ein eigenes Kartendeck, das er im Laufe des Spiels durch regelmäßige Kaufrunden ausbaut und individualisiert. Der bekannteste Vetreter dieses Spielgenres ist wohl Dominion, das Spiel des Jahres 2009.

Das Spielmaterial von Baseball Highlights 2045 besteht in erster Linie aus Karten: Es gibt vier leicht unterschiedliche Grundsets (Teams) aus je 15 Spielerkarten sowie 60 Free-Agent-Karten, mit denen man sein Team verbessern kann. Hinzu kommen vier Spielbretter, eine Handvoll Spielfiguren, die als Batter und Baserunner fungieren, sowie einige Marker für die Anzeige des Heimteams, der erzielten Runs und der gewonnenen Einzelspiele. Zusätzliche Grundsets und Free Agents kann man in Form von Erweiterungspacks erwerben.

Gespielt wird in Serien, das heißt wie im echten Baseball ist das Hauptziel nicht ein Einzelsieg, sondern 2 von 3, 3 von 5 oder 4 von 7 Spielen zu gewinnen. Das erweitert das taktische Element, denn manchmal kann es sinnvoll sein, in einem Einzelspiel nicht auf Sieg zu spielen, sondern auf Kaufkraft, um das Team für die nächste Runde aufzurüsten.

Zwei Eigenheiten, die schon im Namen des Spiels angelegt sind, bedürfen einer näheren Erklärung: Baseball Highlights deutet darauf hin, dass nicht detailliert neun Innings á 3 Outs simuliert werden, sondern es werden von jedem Team je Einzelspiel nur sechs Spielerkarten gespielt, die eben die Highlights des jeweiligen Spiels symbolisieren. Eine Spielerkarte droht in der Regel Offensiv-Aktionen (Hits) an und/oder verhindert mit Defensiv-Aktionen Hits des Gegners. Zudem gibt es Sofort-Aktionen, die abhängig von der jeweiligen Spielsituation direkt in Kraft treten.

Der zweite Erklärungsbedarf steckt in der Jahresangabe 2045. Das Spiel ist in der Zukunft angesiedelt – in einer Zukunft, in der nach wie vor Baseball gespielt wird, aber nicht mehr ausschließlich von Menschen. Baseball Highlights 2045 unterscheidet zwischen drei Spielertypen: Naturals (normale Menschen), Cyborgs (durch Prothesen und Implantate verbesserte Menschen) und Roboter. Das klingt etwas abgedreht, ist aber letztlich nur eine Hintergrundstory, die eine vielfältige Gestaltung der Karten rechtfertigt, sich auf das Spiel an sich jedoch kaum auswirkt. Man muss also kein Science-Fiction-Nerd sein, um an Baseball Highlights 2045 Spaß zu haben.

Die Altersempfehlung des Herstellers lautet „ab 10 Jahren“. Das ist realistisch, wobei man das Spiel durchaus auch schon mit einem (oder einer) brettspielerfahrenen 7- bis 8-Jährigen spielen kann, sofern er/sie die englischsprachigen Karten lesen kann oder jemand dabei ist, der sie übersetzt und erklärt. Das Spiel ist am besten geeignet für zwei Spieler, aber es lässt sich auch gut in Turnierform mit drei oder vier Leuten spielen, und ein Solo-Modus ist ebenfalls vorgesehen. Ein normales 2-Spieler-Duell mit einer 3-Spiele-Serie als Vorrunde und einer Best-of-7-Serie als Hauptrunde dauert in der Regel eine knappe Stunde.

Die Brettspielversion von Baseball Highlights 2045 ist in Deutschland nicht gerade an jeder Ecke erhältlich, aber man findet sie problemlos im Onlinehandel, zum Beispiel bei Amazon. Noch einfacher zu bekommen ist das Spiel für wenige Euro als App auf Android– und Apple-Geräten. Die Umsetzung ist sehr gelungen und macht fast so viel Spaß wie das „richtige“ Spiel – aber eben nur fast, denn mit einem zünftigen Brettspielnachmittag am Tisch kann sich ein Handy- oder Tabletspiel meiner Ansicht nach niemals messen.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde privat erworben. Ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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November 19th, 2019 by Silversurger

Vielen Dank für die die zahlreichen Rückmeldungen zur Liste meiner Lieblings-Baseballfilme! Das hat mich noch mal besonders motiviert, einen ähnlichen Artikel hinterher zu schieben, in dem ich getreu dem Wunsch von Leser Marcus auch meine bevorzugten Baseball-Romane vorstelle. Es handelt sich wieder um eine extrem subjektive Auswahl von mir. Genau wie bei den Filmen gibt es sicherlich auch bei den Büchern einige Perlen, die ich bisher noch gar nicht kenne. Ich bin sehr gespannt auf eure Ergänzungen!

  1. Chad Harbach: Die Kunst des Feldspiels (Original: The Art of Fielding)
    Erstveröffentlichung 2012. Verlag der deutschen Taschenbuchausgabe: DuMont. Übersetzer: Stephan Kleiner, Johann Christoph Maass. 608 Seiten. 9,99 Euro.
    Als Chad Harbach vor ein paar Jahren seinen Debütroman vorlegte, überschlugen sich die Kritiker geradezu vor Begeisterung. Und das mit Recht, denn kein Wort des Lobes ist zu viel für dieses wunderbar lustige, ernste, feinsinnige, intelligente Buch über Baseball, das Erwachsenwerden, Liebe, Freundschaft, Siegen, Scheitern – ach, eben über das Leben an sich. Hier habe ich vor drei Jahren ein paar Sätze mehr über „Die Kunst des Feldspiels“ verloren. Wenn ihr es noch nicht kennt, dann rate ich euch an dieser Stelle, meinen Blog links liegen zu lassen und stattdessen erst mal diesen Roman zu lesen.
  2. Philip Roth: The Great American Novel (Original: The Great American Novel)
    Erstveröffentlichung 1973. Verlag der deutschen Taschenbuchausgabe: Rowohlt. Übersetzer: Werner Schmitz. 448 Seiten. 9,99 Euro.
    Auf Platz zwei meiner Rangliste vereinigen sich der Name eines bedeutenden Autors – der des großartigen Philip Roth – und ein bedeutender Titel – der eines Zielbildes, das von vielen Schriftstellern und von noch mehr Kritikern bemüht wurde auf der Suche nach dem amerikanischen Roman, eben „The Great American Novel“. Im vorliegenden Fall ist dieser Titel eher satirischer Natur und das Buch, das sich dahinter verbirgt, leider eines der weniger bekannten von Roth. Es erzählt aus der Sicht des fiktiven Sportreporters Word Smith die Geschichte der fiktiven Port Ruppert Mundys in der ebenfalls fiktiven Patriot League. Die Mundys werden zum ersten dauerhaften Auswärtsteam der Liga, weil sie ihr Stadion während des Zweiten Weltkriegs dem Militär überlassen müssen. Später wird die Existenz der gesamten Liga aufgrund einer kommunistischen Verschwörung komplett aus der Geschichtsschreibung getilgt. Hört sich abgedreht an? Es ist noch viel abgedrehter. Aber gut. Und witzig. Vor allem aber bissig.
  3. Stephen King: Das Mädchen (Original: The Girl Who Loved Tom Gordon)
    Erstveröffentlichung 1999. Verlag der deutschen Taschenbuchausgabe: Knaur. Übersetzer: Wulf Bergner. 304 Seiten. 9,99 Euro.
    Angesichts des deutschen Titels dürfte man kaum auf die Idee kommen, dass es sich bei Stephen Kings „Das Mädchen“ um einen Baseball-Roman handelt. Das ist es auch nicht direkt, aber Baseball und vor allem ein ganz bestimmter Spieler – der Reliever Tom Gordon, damals bei den Red Sox – bilden ein Leitmotiv, das sich durch die gesamte Handlung zieht. Gordon ist das Idol der neunjährigen „Trisha“ McFarland, die sich bei einer Wanderung von ihrer Familie entfernt und im Wald verläuft. Mit nur wenigen Vorräten und einem Batterieradio bestückt, irrt Trisha tagelang durch den Wald, wird krank und beginnt vor Angst und Elend zu fantasieren. Ihren Kampfgeist erhält sie aufrecht durch gedankliche Gespräche mit Tom Gordon und durch die Radioübertragungen der Red-Sox-Spiele. Es ist ein sehr fesselndes Buch, das man ohne Weiteres in einem Rutsch durchlesen kann. King schreibt darin sehr realitätsnah und kommt ohne übernatürliche Horrorelemente aus.
  4. John Grisham: Home Run (Original: Calico Joe)
    Erstveröffentlichung 2012. Verlag der deutschen Taschenbuchausgabe: Heyne. Übersetzer: Bea Reiter. 288 Seiten. 8,99 Euro.
    Zu diesem Buch habe ich eine sehr persönliche Bindung, denn es hat  mich zum Baseball gebracht. Ich bekam es damals eher zufällig in die Finger und war zunächst etwas enttäuscht, dass es sich nicht als der Justiz-Thriller entpuppte, den man von Grisham gewohnt ist. Doch ich gab dem Buch eine Chance und das war gut so, denn die anrührende Geschichte von einer zerrütteten Vater-Sohn-Beziehung hat mein Interesse geweckt, mich näher mit der Sportart zu beschäftigen, die ich bis dahin nur ganz nebenbei wahrgenommen hatte. Es ist übrigens eines der wenigen Bücher, bei dem der übersetzte Titel meiner Ansicht nach deutlich besser gelungen ist als der Originaltitel – denn während „Calico Joe“ für sich genommen kaum etwas aussagt, ist „Home Run“ gleich doppelt passend, weil es einerseits um Baseball und andererseits um eine Heimkehr geht. Auch über dieses Buch habe ich vor ein paar Jahren schon mal einen ausführlicheren Artikel geschrieben.
  5. Troy Soos: Murder at Fenway Park (nur englisch)
    Erstveröffentlichung 1994. Verlag: Kensington. 252 Seiten. Preis variiert.
    Die vier Bücher, die ich oben vorgestellt habe, haben eines gemeinsam: Sie alle liegen in deutschen Übersetzungen vor und zwar in solchen, die man gut lesen kann – was gerade bei Büchern, in denen es um amerikanische Sportarten geht, leider keine Selbstverständlichkeit ist. Für meine Nummer 5, „Murder at Fenway Park“ von Troy Soos, gibt es bislang leider keine Übersetzung. Ich empfehle es trotzdem gerne, denn es ist in einem auch für Nicht-Muttersprachler leicht verständlichen Englisch geschrieben – zumindest wenn man eine Grundkenntnis von Baseballbegriffen mitbringt. Es handelt sich um eine Kombination aus historischem Roman und Krimi. Im Mittelpunkt sowohl dieses Buches als auch der mittlerweile sieben Fortsetzungen steht Mickey Rawlings, ein mittelmäßig erfolgreicher Baseballspieler im frühen 20. Jahrhundert. Rawlings spielt im Laufe der Jahre für diverse Teams und gerät immer wieder unfreiwillig in die Lage, Zeuge oder Opfer krimineller Machenschaften zu werden.  Hier habe ich das Buch ausführlicher vorgestellt.

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November 12th, 2019 by Silversurger

Langeweile in der Offseason? Muss nicht sein! Auf Wunsch des Baseblog-Lesers Marcus stelle ich heute meine Lieblings-Baseballfilme vor. Die Auswahl und die Reihenfolge ist höchst subjektiv und selbstverständlich bin ich sehr interessiert, welche Empfehlungen ihr noch auf Lager habt.

  1. Moneyball – Die Kunst zu gewinnen (Original: Moneyball)
    2011; Regie: Bennett Miller; Darsteller: Brad Pitt, Jonah Hill. FSK: Ab 0.
    Mein Lieblingsfilm basiert auf einer wahren Geschichte aus der MLB: Es geht um die Oakland Athletics, eine zum Zeitpunkt der Handlung (2002) genau wie heute finanziell notorisch unterlegene Franchise. Regelmäßig muss man Topspieler ziehen lassen, die Klubführung ist nicht bereit, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. General Manager Billy Beane und sein (fiktiver) Assistent Peter Brand machen aus der Not eine Tugend – sie suchen mit Hilfe ausgefeilter statistischer Analysen nach unterbewerteten Spielern und bauen so ein konkurrenzfähiges Team auf. Der Ansatz, beim Scouting und bei der Evaluierung von Spielern verstärkt auf fortgeschrittene Statistiken – sogenannte Sabermetrics – zu setzen, wird anfangs von Kritikern innerhalb wie außerhalb des Klubs belächelt, doch der Erfolg gibt Beane Recht. Der Film erzählt sehr anschaulich, wenngleich stark vereinfacht und mit viel künstlerischer Freiheit, wie die Athletics zum Vorreiter eines Trends wurden, dem nach und nach sämtliche MLB-Teams folgten.
  2. Feld der Träume (Original: Field of Dreams)
    1989; Regie: Phil Alden Robinson; Darsteller: Kevin Costner, Amy Madigan, Burt Lancaster. FSK: Ab 6.
    Im Vergleich mit dem bodenständigen, realistischen Moneyball könnte ein Film kaum unterschiedlicher sein als es Feld der Träume mit Kevin Costner ist. Ich weiß gar nicht, wie man das Genre dieses Films bezeichnen soll – ein bisschen Komödie, ein bisschen Drama, ziemlich viel Märchen – auf den ersten Blick ziemlich abgedreht, auf den zweiten mit einer Menge Tiefgang. Die Geschichte spielt in Iowa, auf dem Land des Farmers Ray Kinsella. Kinsella lebt ein einfaches, geregeltes Leben mit Frau und Kind, bis er eines Tages beginnt, Stimmen zu hören. Er glaubt, dass die Stimmen ihn anweisen, mitten in den Maisfeldern einen Baseballplatz zu bauen. Obwohl es für ihn bedeutet, dass er sich verschuldet und dass Viele in seinem Umfeld ihn für verrückt halten, setzt er seinen Traum um. Als das Feld schließlich fertig ist, werden zuerst Kinsella und seine Familie, später auch Scharen von weiteren Menschen Zeugen fantastischer Ereignisse. Einige Zitate aus dem Film, zum Beispiel: „If you build it, he will come“, haben längst Kultcharakter unter Baseballfans. Nächstes Jahr wird der Traum von Ray Kinsella übrigens wirklich wahr: Für den 13. August 2020 plant die MLB, ein Spiel der Chicago White Sox gegen die New York Yankees auf einem eigens errichteten Spielfeld in Iowa zu veranstalten, in direkter Nachbarschaft zum originalen „Field of Dreams“.
  3. 42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende (Original: 42)
    2013; Regie: Brian Helgeland; Darsteller: Chadwick Boseman, Harrison Ford. FSK: Ab 0.
    Von den Träumen Ray Kinsellas zurück in die harte Realität des echten Lebens: Jahrzehntelang galt im professionellen Baseball in den USA eine strikte Rassentrennung. Der Name, der für immer mit der Überwindung dieser historischen Schande verbunden ist, ist der von Jackie Robinson. Robinson wurde am 15. April 1947 im Team der Brooklyn Dodgers eingesetzt und etablierte sich gegen alle Widerstände und Anfeindungen als erster Afroamerikaner in der MLB. Sein größter Förderer und Unterstützer war der General Manager der Dodgers, Branch Rickey. Der Film ist benannt nach Robinsons Rückennummer, die heute kein anderer Spieler mehr tragen darf. Es ist eine Biografie, wenngleich nicht Robinsons gesamte Lebensgeschichte erzählt wird, sondern im Wesentlichen der Ausschnitt von 1945 bis 1947. Obwohl sich der Film gewisse künstlerische Freiheiten in historischen Details nimmt, gibt er die zentralen Personen und Ereignisse sehr authentisch und sensibel wieder, was auch die bei der Produktion eingebundene Witwe von Jackie Robinson, Rachel Robinson, bezeugte.
  4. Herkules und die Sandlot-Kids (Original: The Sandlot)
    1993; Regie: David Mickey Evans; Darsteller: Tom Guiry, Mike Vitar, Denis Leary. FSK: Ab 6.
    Die hier vorgestellten Filme sind allesamt familientauglich, aber dies ist der einzige echte Kinderfilm in meinen Top-5. Die Dialoge kenne inzwischen fast auswendig, weil meine Kinder den Film unzählige Male auf langen Urlaubsfahrten im Auto gesehen haben und ich immer mithören musste. Die Handlung ist in den 60er-Jahren angesiedelt. Die Hauptperson ist Scotty Smalls, ein etwas nerdiger Fünftklässler, der frisch zugezogen ist und zunächst keine Freunde hat. Das ändert sich, als er auf eine Gruppe Kinder trifft, die regelmäßig auf einem Bolzplatz Baseball spielt und Scotty, obwohl er am Anfang nicht mal einen Ball werfen oder fangen kann, in ihre Clique aufnehmen. Es ist ein klassischer Coming-of-Age- Film mit ein bisschen erstem Verliebtsein in die Bademeisterin des örtlichen Freibads, einer sportlichen Herausforderung gegen ein richtiges Little-League-Team und einer mystisch verklärten Bedrohung in Form von Herkules. Bei Letzterem handelt es sich um eine legendäre, hinter dem Bolzplatz-Zaun herrschende „Bestie“, derentwegen die Sandlot-Kids sich nie trauen, nach einem Homerun den Ball zurück zu holen.
    (Den Sandlot-Trailer habe ich nur auf Englisch gefunden, aber den Film gibt es auch auf Deutsch.)
  5. Die Indianer von Cleveland (Original: Major League)
    1989; Regie: David S. Ward; Darsteller: Tom Berenger, Charlie Sheen, Wesley Snipes. FSK: Ab 12.
    1989 ist ein guter Jahrgang für Baseballfilme, denn sowohl das Feld der Träume als auch Die Indianer von Cleveland stammen aus diesem Jahr. Obwohl es um die Cleveland Indians und somit um ein echtes MLB-Team geht, ist die Geschichte des Films eine reine Erfindung. Es geht darum, dass die Franchise per Erbschaft in die Hände eines eingebildeten Starlets fällt. Die neue Besitzerin setzt sich in den Kopf, das Team nach Miami zu verlegen. Um damit durchzukommen, versucht sie, in Cleveland einen möglichst niedrigen Zuschauerschnitt zu provozieren, indem sie gezielt scheinbar unfähige und ausrangierte Spieler und Trainer zusammenwürfelt. Doch die raufen sich zusammen und bringen überraschend starke Leistungen, vor allem nachdem sie erfahren, welches Spiel die Besitzerin mit ihnen zu treiben versucht. Die Story ist nicht allzu originell, aber sie ist urkomisch umgesetzt. Es gibt übrigens zwei Fortsetzungen, doch im Gegensatz zum kultigen Original sind diese meiner Ansicht nach unsäglich schlecht. Schaut sie euch ruhig an, aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!

Ein paar weitere gute Baseball-Filme, alphabetisch sortiert:

  • 61* (61*)
  • Acht Mann und ein Skandal (Eight Men Out)
  • Annies Männer (Bull Durham)
  • Der Unbeugsame (The Natural)
  • Die Bären sind los (The Bad News Bears), Version 1976
  • Die Bären sind los (The Bad News Bears), Version 2005
  • Die Entscheidung – Eine wahre Geschichte (The Rookie)
  • Eine Klasse für sich (A League of Their Own)
  • Engel gibt es wirklich (Angels in the Outfield)
  • Mr. Baseball (Mr. Baseball)
  • The Babe – ein amerikanischer Traum (The Babe)

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August 19th, 2019 by Silversurger

Endlich ist es soweit: Heute wurde mein Buch „Baseball – Alles, was man wissen muss“ beim Sportverlag Meyer & Meyer offiziell veröffentlicht. Wer es vorbestellt hat, wird es heute oder spätestens morgen in Händen halten. Die Gewinner meiner Verlosung haben es, sofern die Post mitgespielt hat, schon vor dem Wochenende bekommen.

Alle anderen sind herzlich dazu aufgerufen, beim Verlag, bei Amazon (Affiliate-Link) oder bei jedem beliebigen Buchhändler ihres Vertrauens für 14,95 Euro ihr persönliches Exemplar zu bestellen – gerne auch mehrere, denn so ein Einführungsbuch eignet sich hervorragend als Geschenk für alle, mit denen ihr eure Baseball-Begeisterung teilen möchtet. Eine Ebook-Version wird in Kürze ebenfalls erhältlich sein.

Noch ein Hinweis: Bei Amazon steht neben meinem Buch momentan „gewöhnlich versandfertig in 2 bis 5 Wochen“, weil sie es noch nicht auf Lager haben. Diese Lieferzeit ist zum Glück nicht realistisch. Nach Auskunft des Verlags wird das Buch innerhalb weniger Tage bei euch sein, egal wo ihr bestellt.

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Mai 21st, 2019 by Silversurger

Ein jahrelanger Traum wird für mich wahr: Bald wird mein erstes Buch veröffentlicht. „Baseball – Alles, was man wissen muss“ wird es heißen und voraussichtlich am 19. August 2019 beim Sportverlag Meyer & Meyer erscheinen. Man kann es jetzt schon vorbestellen, zum Beispiel bei Amazon (Affiliate-Link), aber auch bei so ziemlich jedem anderen Buchhändler. Eine Vorbestellung garantiert, dass ihr das Buch so schnell wie möglich in den Händen haltet. Außerdem hilft sie mir und dem Verlag, indem die Höhe der Startauflage besser kalkuliert werden kann.

Mein Buch richtet sich in erster Linie an interessierte Laien. Der Anspruch ist, sowohl komplette Neueinsteiger als auch Leserinnen und Leser, die schon ein solides Baseball-Vorwissen mitbringen, abzuholen und ihnen diesen schönen Sport (noch) näher zu bringen. Es wird der zweite Teil einer Reihe des Verlags sein, die letztes Jahr mit „American Football – Alles, was man wissen muss“ von Adrian Franke einen sehr erfolgreichen Start hatte. 

Wie man es von so einem Buch erwarten würde, erkläre ich auf den ersten Seiten erst mal, was Baseball ist und wie das Spiel abläuft. In weiteren Kapiteln geht es um die Geschichte des Sports, um die MLB, um Taktiken und Techniken, um ein paar Statistiken und um die Verbreitung des Baseballs in Deutschland und anderen Ländern. Den Abschluss des Buches bildet ein ausführliches Wörterbuch zum Nachschlagen der wichtigsten Begriffe, die einem im täglichen Baseball-Leben begegnen.

Treuen Leserinnen und Lesern meines Blogs werden einige Texte im Buch bekannt vorkommen, weil sie auf Blogartikeln basieren. Vieles habe ich aber auch neu und exklusiv für das Buch geschrieben. Der Kauf lohnt sich somit auch dann, wenn ihr den Blog bereits in- und auswendig kennt.

Ich werde hier bis zum Erscheinen des Buches noch ein-, zweimal die Werbetrommel rühren und auch bald ein paar Erstausgaben verlosen (nachdem ich geklärt habe, was dabei rechtlich zu beachten ist…). Also schaut öfter mal rein!

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April 30th, 2019 by Silversurger

Pünktlich zum Start der MLB-Saison ist vor gut einem Monat die neue Version der Baseball-Management-Simulation Out of the Park Baseball erschienen. Dass ich erst jetzt dazu komme, OOTP 20 hier vorzustellen, liegt weder an fehlendem Interesse noch an fehlender Begeisterung meinerseits. Es liegt vielmehr an dem Spiel selbst, an seiner unglaublichen Tiefe und dem Zeitaufwand, den es erfordert, seine Möglichkeiten und Funktionen wenigstens halbwegs auszutesten.

Ich habe in den letzten vier Wochen rund 30 Stunden in OOTP 20 gesteckt – ich weiß gar nicht, wo ich die Zeit hergenommen habe –, und dennoch ist mein Eindruck, dass ich lediglich an der Oberfläche dessen gekratzt habe, was es alles zu bieten hat. Dieses Gefühl habe ich bei jeder Version von OOTP aufs Neue, denn jedes Jahr gelingt es den Entwicklern, die unglaubliche Tiefe und Detailliertheit des Spiels noch ein Stück weiter auszubauen. Anders als bei MLB The Show hat man nie den Eindruck, OOTP würde auf der Stelle treten.

Die größte Neuerung von OOTP 20 ist der Perfect-Team-Modus. Dieser wurde Ende letzten Jahres zunächst als Update für OOTP 19 eingeführt und ist jetzt in überarbeiteter und erweiterter Form regulärer Bestandteil des Spiels. Es handelt sich um einen Sammelkarten-Modus, wie er in allen großen Sportspielen mittlerweile zum guten Ton gehört – man denke an Diamond Dynasty in MLB The Show oder an Ultimate Team in den EA-Spielen Madden und Fifa. Aus den Sammelkarten, die man sich im Spiel verdienen oder mit echtem Geld kaufen kann, stellt man eine Mannschaft zusammen, die in Online-Ligen gegen andere antritt. In diesen Ligen dauert jede Saison eine Woche lang, alle 30 Minuten findet ein Spiel statt. Man kann sein Team intensiv mehrere Stunden lang am Tag verfolgen, an Aufstellungen und Karten-Auktionen teilnehmen. Man kann die Sache aber auch einfach mal eine Weile laufen lassen und steht nicht gleich vor einem Scherbenhaufen, nur weil man eine Woche im Urlaub war oder keine Zeit zum Spielen hatte.

Ich muss zugeben, ein bisschen hatte ich die Befürchtung, dass die Konzentration auf Perfect Team dazu führt, dass weniger intensiv am Hauptspiel gearbeitet wird. Das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet, denn auch dieses wurde spürbar weiterentwickelt. Die größte Neuerung ist die Möglichkeit, nicht nur am Anfang einer Saison in die Management-Karriere einzusteigen, sondern zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Ich könnte also jetzt sofort die Geschicke eines MLB-Teams übernehmen mit den echten Tabellenständen und Kadern des heutigen Tages. Weitere Entwicklungen sind deutlich erweiterte 3D-Animationen in der Darstellung der Spiele sowie die Aufnahme neuer Taktiken wie zum Beispiel der Opener-Strategie.

Wie bisher deckt OOTP die MLB, sämtliche Minor Leagues sowie eine Vielzahl historischer und internationaler Ligen ab. Die Aufnahme von vier neuen Ligen ist insofern nur ein kleiner Schritt für OOTP, aber es ist ein Riesenschritt für die Anhänger des europäischen Baseballs: Man kann nun auch ein Team in Spanien, Frankreich, Tschechien und – endlich, endlich, endlich! – in der deutschen Baseball-Bundesliga leiten. Die Bundesligisten sind mit realen Team- und Spielernamen verfügbar, wenn auch (noch?) nicht mit den realen Logos. Einige Rahmenbedingungen, zum Beispiel Spielergehälter und -transfers, mussten im Vergleich mit der echten Bundesliga ein bisschen „professionalisiert“ werden, um die Liga sinnvoll in das Spielkonzept von OOTP zu integrieren. Das stört aber nicht; es ist sogar ganz lustig, mal ein paar richtige Trades zwischen Baseball-Bundesligisten auszuhandeln und an einer Draft mit deutschen Nachwuchsspielern teilzunehmen.

Eine Kleinigkeit habe ich aber doch zu kritisieren: Die Regeln für den Einsatz nicht-deutscher Spieler passen nicht, insbesondere werden EU-Bürger als Ausländer eingestuft. So gab es für mich ein böses Erwachen, als ich einen Niederländer und einen Kroaten verpflichtete und anschließend feststellte, dass ich sie der fehlerhaften Einschränkung wegen nicht ins aktive Roster berufen konnte. Dass ich mich über diesen Lapsus beschwere, ist allerdings Jammern auf äußerst hohem Niveau. Und so wie ich die Entwickler einschätze, wird das Problem, sobald man sie darauf aufmerksam gemacht hat, spätestens mit dem nächsten Release behoben sein.

Mein Fazit: OOTP liefert auch im zwanzigsten Anlauf hervorragend ab und sollte auf keinem PC eines Baseballfans fehlen.

Erwerben kann man OOTP 20 ausschließlich als Download, dies aber auf diversen Wegen und Plattformen. Über Steam und Origin ist es ebenso erhältlich wie zum direkten Kauf auf der Herstellerseite. Es läuft auf Windows, Mac und Linux. Für meinen Test und die unten abgebildeten Screenshots habe ich die Linux-Version auf Steam genutzt.

Übrigens: Falls ihr Baseball mögt (sonst wärt ihr wohl nicht hier), Programmierkenntnisse mitbringt und auf der Suche nach einem Job seid: Out of the Park Developments hat gerade ein paar Stellen ausgeschrieben.

Ein Blick auf den neuen Perfect-Team-Modus.
Ein Traum wird wahr: Ich manage die Mainz Athletics.
Eine siebenstellige Payroll als Bundesligist, das wär doch mal was…
Ligenübergreifende Freundschaftsspiele sind übrigens auch möglich.

Transparenz-Hinweis: OOTP 20 wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – wenn sich dieser Beitrag dennoch wie ein Werbeartikel liest, liegt das schlichtweg daran, dass das Spiel verdammt gut ist.

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März 31st, 2019 by Silversurger

Eine neue MLB-Saison bedeutet immer auch eine neue Version von „MLB The Show“, der bekanntesten und verbreitetsten Videospielumsetzung des schönen Baseballsports. Das diese Woche erschienene „MLB The Show 19“ ist schon die vierzehnte Fassung des Spiels, das exklusiv für die Playstation 4 angeboten wird. Erwerben kann man es als Download im Playstation-Store zum Preis von 59,99 Euro oder als DVD bei diversen Online-Händlern. Neben der normalen gibt es auch eine teurere „MVP Edition“. Diese enthält ein höheres Startguthaben und weitere Extras für den Sammelmodus „Diamond Dynasty“; das eigentliche Spiel ist in beiden Editionen identisch.

Die grundlegenden Abläufe und Mechaniken des Spiels sind nach wie vor dieselben wie in der Vorgängerversion. Wenn The Show für euch komplettes Neuland ist, lest am besten in meinem Artikel zu The Show 18 den Abschnitt unter der Überschrift „Das Spielprinzip“. Dann kann ich mich hier auf die Neuerungen der 19er-Version beschränken.

Was das Gameplay angeht, so sind Fortschritte größtenteils in kosmetischen Details zu suchen – zum Beispiel in Form verbesserter Animationen im Feldspiel und in den Aktionen der Umpires sowie eines realistischeren Aussehens der Spieler. Oder sagen wir einiger Spieler, den manche haben immer noch erstaunlich wenig Ähnlichkeit mit sich selbst (Josh Donaldson ist mir in dieser Hinsicht als ein Negativbeispiel aufgefallen). Dass das Gameplay ansonsten weitgehend unverändert blieb, ist für mich keine schlechte Nachricht. Im Gegenteil, denn The Show ist in dieser Hinsicht schon seit Jahren die beste und ausgereifteste Sport-Simulation, die ich kenne. Insofern bin ich froh, dass man nicht auf die Idee gekommen ist, man müsste dringend etwas ändern, nur um etwas geändert zu haben.

Die spürbarsten Neuerungen von The Show 19 sind zwei neue Spielmodi. Der erste nennt sich „March to October“. Es handelt sich um eine Art Storymode, bei dem man in jedes der 30 Teams schlüpfen und mit ihm versuchen kann, die World Series 2019 zu gewinnen. Gespielt werden bestimmte Highlights der Saison. Meistens steuert man das ganze Team in den Schlussphasen für die Story ausgewählter Spiele, manchmal aber auch nur einen einzelnen Spieler für ein ganzes Spiel. Die Ergebnisse, die man dabei erzielt, wirken sich auf den weiteren Saisonverlauf aus, zum Beispiel indem das Team durch einen Comeback-Win Selbstvertrauen tankt oder durch eine bittere Niederlage frustriert wird.

Der Bildschirm für die Teamauswahl im Modus „March to October“.

Mir gefällt die Grundidee dieses Modus sehr gut und er hat mich in den paar Tagen, seit ich The Show 19 spiele, bisher am meisten gefesselt. Leider stört eines ganz gewaltig und das sind die unrealistischen Roster. Nehmen wir zum Beispiel die New York Mets: Aus unerfindlichen Gründen sind Brandon Nimmo und Amed Rosario – beide waren schon letztes Jahr etablierte Stammspieler und sind es nach wie vor – nicht dabei. Einziger Shortstop im Kader ist Adeiny Hechavarria, der bei den echten Mets nur Füllmaterial in der Minor League ist. In den Spielen stellt die KI meistens Jed Lowrie positionsfremd als Shortstop auf. Im Outfield spielt Yoenis Cespedes vom Opening Day an, weil Verletzungen in dem Modus nicht berücksichtigt werden. Und offenbar werden die Roster für diesen Modus, im Gegensatz zu jenen für Einzelspiele oder Franchises, während der Saison nicht aktualisiert. Das heißt auch, dass junge Spieler wie Pete Alonso, Eloy Jimenz, Fernando Tatis Jr. oder Vlad Guerrero Jr. in dem Modus keine Berücksichtigung finden werden. Denn The Show hat nach wie vor keine Lizenz, die echten Namen von Minor-League-Spielern zu verwenden; deshalb können die Genannten erst nach ihrem ersten MLB-Einsatz über Roster-Updates eingepflegt werden, welche es wie gesagt für „March to October“ nicht gibt.

Der andere neue Modus heißt „Moments“. Hier geht es darum, historische Momente in der Geschichte der Liga nachzuspielen. Auch das ist von der Idee her eine schöne Sache, die Umsetzung leidet jedoch noch stärker als die von „March to October“ unter nicht stimmigen Details. Die Stadien passen nicht zum historischen Setting, die Uniformen stimmen ebenso wenig wie die Roster. So vermag sich das nostalgische Feeling, das dieser Modus vermitteln soll, nie so richtig einzustellen.

Alles in allem kann ich nichts anderes behaupten als dass The Show 19 mich ein bisschen enttäuscht. Es ist – das hört sich jetzt vielleicht widersprüchlich zur eben getätigten Aussage an – ein hervorragendes Spiel. Ich werde es genau wie seine Vorgängerversionen häufig spielen, ich werde Spaß daran haben und ich werde jedem, der nach meinem Rat fragt, den Kauf empfehlen. Trotzdem bleibt das ärgerliche Gefühl zurück, das man bei den Neu- und Weiterentwicklungen gegenüber The Show 18 zu oft ein kleines, aber entscheidendes Stück zu kurz gesprungen ist.

Dass Bryce Harper dieses Jahr das Cover zieren würde, stand seit Monaten fest – unklar war aber lange, welches Trikot er tragen würde.

Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller Sony zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

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September 26th, 2018 by Silversurger

Passend zum „National Comic Book Day“, der gestern in den USA begangen wurde, möchte ich heute mal einen Comic vorstellen. Es geht natürlich um Baseball, genauer gesagt um die Geschichte dieses wunderbaren Sports.

Autor Alex Irivine sowie die Illustratoren Tomm Coker und C. P. Smith stellen mit „The Comic Book Story of Baseball“ unter Beweis, dass geschichtliche Abhandlungen nicht langweilig und trocken sein müssen. In schönstem Marvel-Stil berichten sie von der Entstehung und Entwicklung des organisierten Baseballspiels, von besonderen Leistungen und Ereignissen, von Mythen und Legenden, beginnend mit der angeblichen Erfindung des Baseballs durch Abner Doubleday 1839 bis hin zur Überwindung des Fluchs der Ziege durch die Chicago Cubs im Jahr 2016.

Der Aufbau des Buches ist größtenteils chronologisch, wobei immer wieder in Form kleiner Exkurse Schlaglichter auf herausragende Personen, Regeln, Spiele oder sonstige Ereignisse gerichtet werden. Ganz wie man es von einem Comic erwartet, sind die englischen Texte kurz und in aller Regel auch für Nicht-Muttersprachler gut zugänglich und verständlich. Irvine findet zudem das richtige Maß an Humor, um sein Thema amüsant rüber zu bringen, ohne ins Alberne abzudriften.

Sofern man an diesem schönen Buch etwas kritisieren will, dann am ehesten die fehlende Tiefe. Wenn man die lange und ereignisreiche Geschichte des Baseballs auf 176 Comic-Seiten komprimiert, ergibt sich zwangsläufig, dass vieles nur oberflächlich gestreift wird, sich die eine oder andere Ungenauigkeit einschleicht und die Themen schneller wechseln als man es sich gewünscht hätte. Ich habe das allerdings nicht als sonderlich störend empfunden, sondern eher als Anregung aufgenommen, mich mit dem einen oder anderen Thema näher zu beschäftigen. Oft habe ich das Lesen unterbrochen und auf Wikipedia oder anderswo Zusatzinformationen gesucht, um bestimmte Geschichten besser zu verstehen. Erfreulicherweise gibt der Autor auf seinem Blog auch selbst hilfreiche Hinweise, wo man sich weiter einlesen kann.

Was die Genre-Schublade angeht, so kann man vermutlich unterschiedlicher Meinung sein, ob es sich um einen Comic im engeren Sinne handelt oder eher um illustrierte Prosa. Um darüber zu urteilen, bin ich nicht tief genug in der Materie und es ist mir im Prinzip auch egal. In jedem Fall ist es eine sehr gelungene Form, Sportgeschichte zu vermitteln, und ich empfehle das Buch vorbehaltlos weiter.

„The Comic Book Story of Baseball“ ist im Mai dieses Jahres bei Penguin Random House erschienen. Es ist als englischsprachiges Paperback über die großen Online-Buchhändler erhältlich. Als Import unterliegt es nicht der Buchpreisbindung, sodass ein Preisvergleich sich lohnt – aktuell bekommt man es für knapp 20 Euro. Es gibt auch eine E-Book-Fassung, die aus offensichtlichen Gründen nur dann interessant sein dürfte, wenn man über einen E-Book-Reader mit guter Farbdarstellung verfügt.

 

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch habe ich selbst erworben und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Mai 29th, 2018 by Silversurger

Ich muss zugeben, dass ich während der Baseballsaison viel zu selten dazu komme, mal ein Buch in die Hand zu nehmen. Aber für eine kleine Perle, die mir kürzlich in die Finger geraten ist, habe ich mir nun doch die Zeit genommen und möchte sie kurz vorstellen. Es handelt sich um nicht weniger als den ersten Baseballroman, der im Original in deutscher Sprache verfasst wurde – jedenfalls soweit ich weiß und auch nach Einschätzung des Autors Bernd P. M. Scholz.

Das gute Stück heißt „Base on Balls“ und ist als On-Demand-Druck im Selbstverlag des Autors erschienen. Schön, dass es diese Möglichkeit heute gibt, denn Hand aufs Herz: Für einen etablierten Verlag, der sein Geld damit verdient, nennenswerte Auflagen zu produzieren und in den Buchhandel zu bringen, ist das Thema Baseball in Deutschland doch sehr speziell und bei „Base on Balls“ handelt es sich nicht wirklich um ein professionelles Werk. Das ist von mir keineswegs abwertend gemeint; man kann vielleicht sagen, das Buch verhält sich zu einem Roman aus einem renommierten Verlagsprogramm so ähnlich wie dieser Blog zu professionellem Journalismus: Man wird damit nicht den Lebensunterhalt verdienen, keinen Preis gewinnen und auf keiner Bestsellerliste stehen, aber es ist ein Produkt von einem Baseballliebhaber für andere Baseballliebhaber und das spürt man von der ersten bis zur letzten Seite.

Eine Kategorisierung von „Base on Balls“ fällt schwer, denn es ist eine Mischung aus Roman und Erfahrungsbericht, aus Fakten und Fiktion. Vier verschiedene Schriftarten dienen dem Zweck, die vier verschiedenen, kapitelweise wechselnden Erzählebenen leichter auseinander halten zu können: Ein Erzählstrang ist die fiktive Geschichte des alternden Baseballcoaches Frank Whittacker, der in Deutschland seinen zweiten Baseball-Frühling findet; zwei weitere Sränge berichten die wahre Geschichte der Memmelsdorf Barons, wobei einer in der Gründungszeit des Vereins beginnt, der andere 25 Jahre später. Hinzu kommt eine Reihe von „Intermezzi“ mit persönlichen Erlebnissen des Autors, die wohl anders nicht reingepasst haben. Man braucht eine Weile – besser gesagt: ich habe eine Weile gebraucht -, um den Aufbau des Buches und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Strängen zu durchschauen.

Hauptthema und -verdienst des Buches ist, dass es einen Einblick gewährt in die Aufbruchszeit des deutschen Baseballs, die 80er- und 90er-Jahre, als ein Großteil der heute existierenden Teams gegründet wurde. Die Geschichte des fränkischen Provinzclubs Memmelsdorf Barons steht exemplarisch für zahlreiche Vereine, die sich in einem Umfeld zu etablieren suchten, in dem man weder auf vorhandene Strukturen noch auf viel Verständnis für die Eigenheiten und Bedürfnisse dieses „neuen“ Sports bauen konnte.

Sprachlich fehlt dem Buch die eine oder andere Glätte und manche Schilderung ist für meinen Geschmack etwas zu detailverliebt, aber im Großen und Ganzen ist „Base on Balls“ gut und flüssig zu lesen. Es ist kein literarischer Höhenflug, der mit Chad Harbachs „Kunst des Feldspiels“ oder Philipp Roths „Great American Novel“ konkurriert, und es wird auch – sorry, Bernd – nicht von Kevin Costner verfilmt werden. Aber es ist eine unterhaltsame und lohnende Lektüre, die man jedem Baseballfan aus dem deutschsprachigen Raum sowie jenen, die es werden wollen, ans Herz legen kann.

„Base on Balls“ ist im März 2018 als Taschenbuch mit einem Umfang von 428 Seiten im Selbstverlag über Epubli erschienen. Es ist zum Preis von 13,99 Euro im Online-Buchhandel erhältlich.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch wurde mir vom Autor als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat wie immer keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

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