Category: Rezensionen

September 26th, 2018 by Silversurger

Passend zum „National Comic Book Day“, der gestern in den USA begangen wurde, möchte ich heute mal einen Comic vorstellen. Es geht natürlich um Baseball, genauer gesagt um die Geschichte dieses wunderbaren Sports.

Autor Alex Irivine sowie die Illustratoren Tomm Coker und C. P. Smith stellen mit „The Comic Book Story of Baseball“ unter Beweis, dass geschichtliche Abhandlungen nicht langweilig und trocken sein müssen. In schönstem Marvel-Stil berichten sie von der Entstehung und Entwicklung des organisierten Baseballspiels, von besonderen Leistungen und Ereignissen, von Mythen und Legenden, beginnend mit der angeblichen Erfindung des Baseballs durch Abner Doubleday 1839 bis hin zur Überwindung des Fluchs der Ziege durch die Chicago Cubs im Jahr 2016.

Der Aufbau des Buches ist größtenteils chronologisch, wobei immer wieder in Form kleiner Exkurse Schlaglichter auf herausragende Personen, Regeln, Spiele oder sonstige Ereignisse gerichtet werden. Ganz wie man es von einem Comic erwartet, sind die englischen Texte kurz und in aller Regel auch für Nicht-Muttersprachler gut zugänglich und verständlich. Irvine findet zudem das richtige Maß an Humor, um sein Thema amüsant rüber zu bringen, ohne ins Alberne abzudriften.

Sofern man an diesem schönen Buch etwas kritisieren will, dann am ehesten die fehlende Tiefe. Wenn man die lange und ereignisreiche Geschichte des Baseballs auf 176 Comic-Seiten komprimiert, ergibt sich zwangsläufig, dass vieles nur oberflächlich gestreift wird, sich die eine oder andere Ungenauigkeit einschleicht und die Themen schneller wechseln als man es sich gewünscht hätte. Ich habe das allerdings nicht als sonderlich störend empfunden, sondern eher als Anregung aufgenommen, mich mit dem einen oder anderen Thema näher zu beschäftigen. Oft habe ich das Lesen unterbrochen und auf Wikipedia oder anderswo Zusatzinformationen gesucht, um bestimmte Geschichten besser zu verstehen. Erfreulicherweise gibt der Autor auf seinem Blog auch selbst hilfreiche Hinweise, wo man sich weiter einlesen kann.

Was die Genre-Schublade angeht, so kann man vermutlich unterschiedlicher Meinung sein, ob es sich um einen Comic im engeren Sinne handelt oder eher um illustrierte Prosa. Um darüber zu urteilen, bin ich nicht tief genug in der Materie und es ist mir im Prinzip auch egal. In jedem Fall ist es eine sehr gelungene Form, Sportgeschichte zu vermitteln, und ich empfehle das Buch vorbehaltlos weiter.

„The Comic Book Story of Baseball“ ist im Mai dieses Jahres bei Penguin Random House erschienen. Es ist als englischsprachiges Paperback über die großen Online-Buchhändler erhältlich. Als Import unterliegt es nicht der Buchpreisbindung, sodass ein Preisvergleich sich lohnt – aktuell bekommt man es für knapp 20 Euro. Es gibt auch eine E-Book-Fassung, die aus offensichtlichen Gründen nur dann interessant sein dürfte, wenn man über einen E-Book-Reader mit guter Farbdarstellung verfügt.

 

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch habe ich selbst erworben und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Mai 29th, 2018 by Silversurger

Ich muss zugeben, dass ich während der Baseballsaison viel zu selten dazu komme, mal ein Buch in die Hand zu nehmen. Aber für eine kleine Perle, die mir kürzlich in die Finger geraten ist, habe ich mir nun doch die Zeit genommen und möchte sie kurz vorstellen. Es handelt sich um nicht weniger als den ersten Baseballroman, der im Original in deutscher Sprache verfasst wurde – jedenfalls soweit ich weiß und auch nach Einschätzung des Autors Bernd P. M. Scholz.

Das gute Stück heißt „Base on Balls“ und ist als On-Demand-Druck im Selbstverlag des Autors erschienen. Schön, dass es diese Möglichkeit heute gibt, denn Hand aufs Herz: Für einen etablierten Verlag, der sein Geld damit verdient, nennenswerte Auflagen zu produzieren und in den Buchhandel zu bringen, ist das Thema Baseball in Deutschland doch sehr speziell und bei „Base on Balls“ handelt es sich nicht wirklich um ein professionelles Werk. Das ist von mir keineswegs abwertend gemeint; man kann vielleicht sagen, das Buch verhält sich zu einem Roman aus einem renommierten Verlagsprogramm so ähnlich wie dieser Blog zu professionellem Journalismus: Man wird damit nicht den Lebensunterhalt verdienen, keinen Preis gewinnen und auf keiner Bestsellerliste stehen, aber es ist ein Produkt von einem Baseballliebhaber für andere Baseballliebhaber und das spürt man von der ersten bis zur letzten Seite.

Eine Kategorisierung von „Base on Balls“ fällt schwer, denn es ist eine Mischung aus Roman und Erfahrungsbericht, aus Fakten und Fiktion. Vier verschiedene Schriftarten dienen dem Zweck, die vier verschiedenen, kapitelweise wechselnden Erzählebenen leichter auseinander halten zu können: Ein Erzählstrang ist die fiktive Geschichte des alternden Baseballcoaches Frank Whittacker, der in Deutschland seinen zweiten Baseball-Frühling findet; zwei weitere Sränge berichten die wahre Geschichte der Memmelsdorf Barons, wobei einer in der Gründungszeit des Vereins beginnt, der andere 25 Jahre später. Hinzu kommt eine Reihe von „Intermezzi“ mit persönlichen Erlebnissen des Autors, die wohl anders nicht reingepasst haben. Man braucht eine Weile – besser gesagt: ich habe eine Weile gebraucht -, um den Aufbau des Buches und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Strängen zu durchschauen.

Hauptthema und -verdienst des Buches ist, dass es einen Einblick gewährt in die Aufbruchszeit des deutschen Baseballs, die 80er- und 90er-Jahre, als ein Großteil der heute existierenden Teams gegründet wurde. Die Geschichte des fränkischen Provinzclubs Memmelsdorf Barons steht exemplarisch für zahlreiche Vereine, die sich in einem Umfeld zu etablieren suchten, in dem man weder auf vorhandene Strukturen noch auf viel Verständnis für die Eigenheiten und Bedürfnisse dieses „neuen“ Sports bauen konnte.

Sprachlich fehlt dem Buch die eine oder andere Glätte und manche Schilderung ist für meinen Geschmack etwas zu detailverliebt, aber im Großen und Ganzen ist „Base on Balls“ gut und flüssig zu lesen. Es ist kein literarischer Höhenflug, der mit Chad Harbachs „Kunst des Feldspiels“ oder Philipp Roths „Great American Novel“ konkurriert, und es wird auch – sorry, Bernd – nicht von Kevin Costner verfilmt werden. Aber es ist eine unterhaltsame und lohnende Lektüre, die man jedem Baseballfan aus dem deutschsprachigen Raum sowie jenen, die es werden wollen, ans Herz legen kann.

„Base on Balls“ ist im März 2018 als Taschenbuch mit einem Umfang von 428 Seiten im Selbstverlag über Epubli erschienen. Es ist zum Preis von 13,99 Euro im Online-Buchhandel erhältlich.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch wurde mir vom Autor als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat wie immer keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

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April 9th, 2018 by Silversurger

Es gibt mal wieder neuen Lesestoff für deutschsprachige Baseballfans: In der Reihe „111 Gründe…“ des Verlags Schwarzkopf & Schwarzkopf, in der bereits zahlreiche Sportarten, Vereine, Länder und vieles mehr mit Liebeserklärungen bedacht wurden, gibt es nun auch ein Buch über Baseball. Geschrieben hat es Sascha Staat, der vielen wegen seines (leider zurzeit inaktiven) Podcasts „Bases Loaded“ ein Begriff sein dürfte.

Das Grundprinzip des Buches – und der ganzen Reihe – besteht in einer Sammlung von interessanten, nützlichen und/oder amüsanten Fakten und Anekdoten. Die Gliederung in 111 Gründe ist natürlich nur der formale Aufhänger, von daher drückt man gern mal ein Auge zu, wenn manche der Gründe ein bisschen zu bemüht klingen (z. B. „…weil man als Dieb ein positives Image hat“ als Anlass, um über Basestealing zu sprechen).

Mein persönlicher Eindruck von „111 Gründe, Baseball zu lieben“ ist offen gestanden etwas zwiespältig. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich über ein weiteres deutschsprachiges Baseballbuch, denn davon gibt es immer noch viel zu wenige. Zudem hat Staat einen durchaus angenehmen Schreibstil und auch wenn man als Intensiv-Fan vieles von dem, worüber er schreibt, schon kennt, gibt es durchaus einiges Neues zu lernen. Auf der anderen Seite weist das Buch in meinen Augen aber auch einige Defizite auf, die ich nicht verschweigen möchte.

Ein Defizit ist, dass der Text nicht sonderlich sorgfältig lektoriert wurde. Es sind für meinen Geschmack deutlich zu viele Fehler im Satzbau und in der Zeichensetzung übersehen worden. Das mag spitzfindig klingen, aber ab einer gewissen Häufung hemmt es den Lesefluss. Auch wurde offenbar an irgendeiner Stelle des Entstehungsprozesses die Reihenfolge der 111 Gründe geändert, ohne dass die im Text verwendeten Verweise angepasst wurden. Es steht dann zum Beispiel in Grund 64 „siehe Grund 24“, obwohl sich in Grund 24 gar nichts zu dem betreffenden Thema findet. Der Gipfel der Schlamperei – sorry, dass ich es so nennen muss – ist, dass die „111 Gründe“ in Wirklichkeit nur 110 sind, denn für die Gründe 105 und 106 wurde direkt hintereinander ein und derselbe Text einfach zweimal abgedruckt.

Das zweite, für mich schwerwiegendere Defizit sind sachliche Fehler. Beispielsweise wird als ein Grund, Baseball zu lieben, angeführt, dass der Heimvorteil größer sei als in anderen Sportarten. Das ist genauso falsch wie die Behauptung, die Ticketpreise seien beim Baseball günstiger als in der Fußball-Bundesliga. Ebenso wird die Statistik „Wins Above Replacement“ (WAR) falsch dargestellt und und Jackie Robinson als erster Afro-Amerikaner in der MLB bezeichnet.

Wir sind alle Menschen und Menschen machen Fehler, aber hier sind es für meinen Geschmack zu viele – die obige Aufzählung ist nur eine Auswahl -, die es unentdeckt und unkorrigiert ins gedruckte Buch geschafft haben. Schade, denn mit ein bisschen mehr Sorgfalt – ein, zwei Tage hätten gereicht, um das fertige Werk noch mal durchzusehen und ein paar Fakten zu überprüfen -, wäre das ein richtig schönes Baseballbuch geworden. So kann ich es allem guten Willen zum Trotz leider nur eingeschränkt empfehlen und feststellen, dass im deutschsprachigen Raum an den Büchern von Göran Fiedler für den Einstieg und Claus Melchior zur Vertiefung nach wie vor kein Weg vorbei führt.

„111 Gründe, Baseball zu lieben. Eine Liebeserklärung an die großartigste Sportart der Welt“ ist vor wenigen Tagen als 330 Seiten starkes Paperback im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen und für 9,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat wie immer keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

 

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April 2nd, 2018 by Silversurger

Die MLB-Saison 2018 läuft – soweit es der späte Wintereinbruch in den USA zulässt – auf Hochtouren und es ist höchste Zeit, dass ich hier nach der führenden Baseball-Simulation MLB The Show auch die führende Baseball-Management-Simulation in ihrer neuesten Version vorstelle. Grundlegendes zu Out of the Park Baseball habe ich schon in meinem Artikel zu OOTP 18 geschrieben, daher gehe ich heute vor allem auf die Neuerungen der vor ein paar Tagen erschienenen jüngsten Ausgabe ein.

Ähnlich wie bei The Show bestehen die Veränderungen von OOTP gegenüber dem Vorjahr hauptsächlich in optischen Verbesserungen. Stark überarbeitet wurde vor allem die animierte Darstellung der Spiele. Hier sind nun erstmals nicht mehr nur Mensch-ärgere-dich-nicht-Kegel sondern echte Spieler zu sehen. Gegenüber den Vorgängern ist das eine kleine Revolution und lässt deutlich mehr TV-Feeling aufkommen. Wie im ganzen Spiel steckt in dieser Neuerung viel Arbeit und Liebe zum Detail. Für mich persönlich fällt sie aber ehrlich gesagt nicht sehr stark ins Gewicht, da mir bei OOTP die Rolle des General Managers am meisten Spaß macht und ich mir selten die Zeit nehme, die einzelnen Begegnungen ausführlich anzuschauen.

Erstmals mit animierten Männchen: das Gameplay von OOTP 19

Auch die grafischen Oberflächen der Manager-Homescreens sehen auf den ersten Blick anders aus als bisher. Auf den zweiten Blick wurden aber nur wenige Screens wirklich neu designt, ansonsten besteht die Änderung vor allem in neuen Hintergründen und einem dunklen Menüstil mit Semitransparenz, der nun Grundeinstellung ist. Meinen Geschmack trifft dieser Stil nicht ganz, das macht aber überhaupt nichts, denn zum Glück lässt sich das wie sehr vieles in diesem Spiel individuell anpassen. Die Individualisierungsmöglichkeiten von OOTP wurden gegenüber den Vorgängern übrigens noch erweitert; man kann nun zum Beispiel auch Widgetgrößen, Schriftarten und einiges mehr nach Belieben ändern.

Das neue Menüdesign ist mir ein bisschen zu unruhig, aber…

…zum Glück ist eine nüchternere Darstellung nur wenige Klicks entfernt

Alles in allem ist OOTP 19 noch schöner und noch individueller geworden, am eigentlichen Spiel hat sich aber kaum etwas verändert. Für mich ist das Wichtigste an der Neuauflage die Aktualisierung der Roster und Spielerbewertungen, die OOTP wie gewohnt nicht nur für die MLB sondern auch für das komplette Minor-Leaue-System und zahlreiche Baseball-Ligen weltweit zu bieten hat. Das Fazit bleibt somit auch dasselbe wie das meines Artikels über OOTP 18: Out of the Park Baseball ist ein hervorragendes Spiel, das sich kein Baseballfan entgehen lassen sollte. Die von mir beim vorherigen Test identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten bleiben ebenfalls dieselben: Am meisten würde ich mir eine Integration der Baseball-Bundesliga wünschen (dies scheitert bislang an Lizenzschwierigkeiten) und der Realismus der Trade-AI hat nach wie vor Luft nach oben.

Eine größere Neuigkeit wird übrigens noch folgen: Voraussichtlich im Laufe des Sommers soll für OOTP 19 ein komplett neuer Online-Modus namens „Perfect Team“ in Form eines kostenlosen Updates nachgeliefert werden. Ich bin schon sehr gespannt darauf und werde zu gegebener Zeit darüber berichten.

Einstweilen habe ich mein persönliches Projekt gestartet, das ich schon seit dem Test von OOTP 18 geplant hatte: eine Saison mit den New York Mets in Echtzeit parallel zur realen Saison. Die Eröffnungsserie gegen die Cardinals habe ich übrigens genau wie die echten Mets 2:1 gewonnen, wenngleich in veränderter Reihenfolge (erst die Niederlage, dann zwei Siege). Das heutige* Match gegen die Phillies habe ich auch schon gespielt. Wenn ihr wissen wollt, wie es (hoffentlich auch im richtigen Leben) ausgeht:

Schöner Erfolg für die Mets im ersten Spiel gegen die Phillies

Es gibt übrigens kaum Ausreden, OOTP 19 nicht zu kaufen: Man bekommt es über die Plattformen Steam und Origin ebenso wie als direkten Download auf der Herstellerseite und es ist nach wie vor sowohl für Windows als auch für Mac und Linux verfügbar.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

 

*PS: Und nur eine Stunde nach dem Verfassen dieses Artikels stehe ich vor der Frage, wie ich damit umgehe, dass ich ein für heute angesetztes Spiel gespielt habe, das nun in Wirklichkeit des Wetters wegen auf den 9. Juli (!) verlegt wurde…

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März 23rd, 2018 by Silversurger

Wie üblich kommen kurz vor Beginn der MLB-Saison die etablierten Baseball-Videospiele mit neuen Versionen auf den Markt. Die Nummer eins unter ihnen ist seit Jahren „MLB The Show“, das seit 2006 existiert und am kommenden Dienstag, dem 27. März, in seiner dreizehnten Auflage namens „MLB The Show 18“ erscheint. Zum Leidwesen der Besitzer anderer Systeme ist The Show schon immer ein Titel, der exklusiv für die Playstation angeboten wird – früher für die Playstation 3, seit letztem Jahr nur noch für die Playstation 4. Bekommen kann man das Spiel in Deutschland über den gut sortierten Onlinehandel oder natürlich über den Playstation-Store – als Vorbesteller kann man The Show dort übrigens schon ab heute herunterladen.

Das Spielprinzip
Da ich auf diesem Blog zum ersten Mal eine Version von The Show vorstelle, beginne ich mit einer grundlegenden Beschreibung des Spiels. Wer schon frühere Versionen gespielt hat, kann getrost zur nächsten Überschrift springen.

The Show ist in erster Linie eine Simulation des Baseballspiels auf dem Feld, obwohl es auch Manager- und Storyelemente enthält. Das grundlegende Spielprinzip ist einfach: Wenn man am Schlag ist, kann man per Knopf oder Analogstick die Zielrichtung und die Härte des Schwungs beeinflussen, wobei vor allem das Timing entscheidend dafür ist, ob man erfolgreiche Hits landet oder nicht. Sobald man Baserunner hat, kann man zum Beispiel versuchen, Bases zu stehlen, man kann bei einem Flyball entscheiden, ob man direkt rennt, erst mal an der Base tagt und dann losläuft oder ganz dort bleibt usw. Kurz gesagt, man kann so ziemlich alles tun, was auch im echten Spiel möglich ist. Die Steuerung ist recht eingängig und bietet diverse Optionen, sie an den eigenen Geschmack anzupassen. Das gilt in gleicher Weise auch für die defensive Seite des Spiels: Man wählt aus dem Repertoire des jeweiligen Pitchers einen Pitch aus, lokalisiert den gewünschten Punkt innerhalb oder außerhalb der Strikezone und bestimmt dann je nach Steuerungsoption durch zeitgerechtes Knöpfchen- oder Hebeldrücken die Geschwindigkeit und Genauigkeit des Pitches. Sobald der Ball im Spiel ist, steuert man den jeweils nächsten Fielder, um den Ball entweder zu fangen oder ihn aufzunehmen und an die richtige Base zu werfen.

Im simpelsten Fall spielt man auf diese Weise eine einzelne Partie, wahlweise online oder offline, alleine oder mit zwei bis vier Spielern, von denen bis zu zwei ein Team gemeinsam steuern können. Natürlich kann man auch eine ganze Saison oder nur die Playoffs spielen. Einen Schritt weiter geht der Franchise Mode, bei dem man ein Team langfristig als General Manager führt. Man kann diesen Modus als reine Management-Simulation spielen, wobei man meiner Ansicht nach merkt, dass dies nicht der Schwerpunkt der Entwickler ist – mit einem puren Managerspiel wie „Out of the Park Baseball“ kann The Show in diesem Feld nicht mithalten (übrigens gibt es auch von OOTP eine neue Version, die ich im Laufe der nächsten Tage ebenfalls vorstellen werde). Was der Franchise Mode von The Show einem reinen Manager voraus hat, ist die Möglichkeit, in die Spiele aktiv einzugreifen und zwar entweder indem man sie komplett selbst steuert oder aber sich auf ausgewählte entscheidende Spielszenen beschränkt.

Ein weiterer Modus nennt sich „Road to the Show“ (RTTS). Hier schlüpft man in die Rolle eines einzelnen Spielers, dessen Geschicke man über seine gesamte Karriere hinweg steuert, von der Draft über die Minor Leagues bis in die MLB. Für mich persönlich ist das der Modus mit der größten Langzeitmotivation. Erfreulicherweise kann man einen Spieler, mit dem man RTTS in The Show 17 gespielt hat, in The Show 18 importieren und mit ihm weiterspielen. Dieses Fortsetzen von alten Spielständen ist übrigens auch im Franchise Mode möglich.

In „Diamond Dynasty“ baut man sich ein Team über virtuelle Sammelkarten und Items auf, ähnlich wie FIFA-Spieler es von „Ultimate Team“ kennen. Das ist für mich ein Modus, zu dem ich nie einen nennenswerten Zugang gefunden habe, aber das ist sicher Geschmackssache.

Für alle, die einfach mal ein paar Bälle über den Zaun hauen möchten, lohnt sich das Homerun Derby. Abgerundet wird das Portfolio des Spiels durch wöchentliche Online-Challenges sowie die Möglichkeit, verschiedene Trainings und Tutorials zu absolvieren.

Besonders gut finde ich, dass der Schwierigkeitsgrad von The Show sehr variabel ist und sowohl manuell als auch automatisch angepasst werden kann. Das funktioniert sehr gut, sodass das Spiel sowohl für langjährige Spieler wie mich als auch für absolute Neulinge wie meinen 6-jährigen Sohn gleichermaßen angemessen herausfordernd und nie frustrierend ist.

Die Neuerungen von MLB The Show 18
Kommen wir zu dem, was an The Show 18 anders ist als an den Vorgängern. Das ist zunächst mal nicht viel, jedenfalls was das prinzipielle Gameplay betrifft. Alles, was ich oben über das Spiel geschrieben habe, traf schon auf die vorherige Version zu und auch auf die davor. Das muss nichts Schlechtes sein, denn The Show ist einfach ein sehr gutes und sehr ausgereiftes Spiel, das man nicht jedes Jahr neu erfinden muss. Die meisten Änderungen sind dementsprchend eher kosmetischer Natur: Es gibt jetzt einen Batting Stance Generator und ein erweitertes Replay-System, die Reaktionen der Spieler und Zuschauer auf Ereignisse im Spiel sind vielfältiger und realistischer geworden, die Wettereffekte wurden verbessert, die Spieler sehen noch etwas lebensechter aus als zuvor und natürlich wurden alle Roster auf den aktuellen Stand gebracht. Was mir besonders gut gefällt ist, dass es jetzt auch Rain Delays gibt. Aber keine Sorge, das heißt nicht, dass man zwei Stunden untätig vor dem Bildschirm sitzen und warten muss, ob das Spiel fortgesetzt wird – man sieht aber, wie die Groundcrew aktiv wird, und darf zum Beispiel die taktische Entscheidung treffen, ob man den aktuellen Pitcher nach der Pause wieder aufs Feld schickt oder nicht.

Mehr als nur kosmetische Veränderungen gab es am Modus RTTS. Hier gibt es jetzt deutlich größere Storyanteile als früher. Man erstellt nun am Anfang nicht nur wie bisher einen Spieler, den man entweder frei oder in Anlehnung an einen realen Akteur gestaltet, sondern man wählt auch eine Grundausrichtung, das heißt ob man sich z. B. eher als Power Hitter sieht oder ob die eigene Spielweise mehr auf Kontakt und Speed beruht. Abhängig davon erhält man bestimmte Start- und Maximalwerte für die Spielerentwicklung. Zudem findet man sich gelegentlich in Dialogsituationen mit Scouts, Coaches und Managern wieder, in denen man unter verschiedenen Antworten wählen kann, welche wiederum Auswirkungen auf das Spiel haben.

Eine weitere Neuerung sind drei zusätzliche Teams, die in The Show aufgenommen wurden. Neben den 30 MLB-Teams plus Minor-Affiliates und den zwei aktuellen All-Star-Teams gibt es nun drei Teams mit Legenden aus je unterschiedlichen Ären des Baseballs. Auf diese Art sind nun auch beispielsweise Babe Ruth und Jackie Robinson mit von der Partie. Die Spieler aus den Legenden-Teams können auch im Homerun Derby gewählt werden und sind in die Diamond Dynasty integriert.

Was man noch besser machen könnte
Alles in allem liefert The Show 18 so ab, wie man es gewohnt ist: stark wie eh und je mit wohldosierten punktuellen Verbesserungen. Ich schicke daher erst mal eine klare Empfehlung voraus, bevor ich auf ein paar Punkte eingehe, an denen bei mir noch Wünsche offen bleiben.

Ich habe ja schon erwähnt, dass mir die neuen Rain Delays gut gefallen. Schön wäre, wenn man auch den nächsten Schritt ginge, indem für die längerfristig angelegten Modi auch Rainouts und die Ansetzung von Doubleheadern zu den möglichen Ereignissen gehören würden. Soweit ich es bisher erforschen konnte, gibt es so etwas in The Show 18 nach wie vor nicht.

Sehr schade finde ich, dass im Spiel die Tiefe der Minor Leagues nicht abgebildet wird. Berücksichtigt sind nur AA und AAA und selbst auf diesen Ebenen bietet The Show leider nicht die echten Ballparks. Enthalten sind nur die 30 MLB-Ballparks sowie 18 historische Ballparks, während für die Minor Leagues und das Spring Training nur je eine Handvoll Standardstadien zur Verfügung stehen.

Wo wir schon bei der Tiefe des Spiels sind: Eine Ausweitung würde ich mir nicht nur in Richtung Minor Leagues, sondern auch in Richtung Internationales wünschen. Ein guter Anfang wären ein paar Ballparks und Nationalmannschaften, um beispielsweise den World Baseball Classic nachspielen zu können. Reizvoll wären auch Nicht-US-Ligen wie die NPB oder die karibischen  Ligen – darauf zu hoffen, wäre wohl unrealistisch, obwohl die Manager-Simulation Out of the Park Baseball vormacht, wie es geht.

Die Darstellung des Spiels wird zwar von Jahr zu Jahr besser, aber mir fallen immer noch einige relativ alltägliche Szenen ein, die ich in The Show bislang noch nicht gesehen habe – zum Beispiel Kollisionen von Fieldern, die beide auf dem Weg zum Ball sind, oder Spieler, die beim Fangen eines Foulballs die Barriere zum Zuschauerraum überspringen. Hier könnte man also durchaus noch etwas tun.

Was ich mir außerdem sehr wünsche, sind mehr Statistiken. Die Sabermetrics-Revolution ist bislang relativ spurlos an MLB The Show vorüber gegangen, man sucht leider vergeblich nach fortgeschrittenen Indikatoren wie wRC oder DRS und nach Splits wie z. B. Ergebnissen gegen Rechts- und Linkshänder oder in Heim- und Auswärtsspielen.

 

 

Zum Schluss der übliche Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir zum Vorabtest als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – ihr lest hier immer meine ehrliche und ungeschminkte Meinung.

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Januar 27th, 2018 by Silversurger

Passend zur Artikelserie über die Ballparks der MLB stelle ich heute ein Buch vor, in dessen Mittelpunkt das älteste und berühmteste Baseball-Stadion der Liga steht. „Murder At Fenway Park“ von Troy Soos ist ein Krimi vor historischer Kulisse. Es handelt sich um den Auftakt einer bislang siebenteiligen Reihe um den fiktiven Baseball-Profi Mickey Rawlings.

Das erste Buch der Serie spielt im Jahr 1912, in dem Rawlings, ein mittelmäßig talentierter Utilitiy-Spieler, sein MLB-Debüt für die Boston Red Sox erlebt. Rawlings‘ erster Besuch im nagelneuen Fenway Park, bei dem er sich dem Manager vorstellen soll, wird zu einem Schockerlebnis: In den Kabinenräumen des leeren Stadions findet er die Leiche eines (natürlich mit einem Baseballschläger) erschlagenen Teamkameraden. Für Polizei und Vereinsführung, die den Mord am liebsten vertuschen oder wenigstens schnell einen Schuldigen präsentieren wollen, ist Rawlings der naheliegende Verdächtige. Um seinen Namen reinzuwaschen und seine Baseballkarriere zu retten, beginnt er selbst zu ermitteln und gerät schnell in ein Geflecht unterschiedlicher Interessen und Gefahren.

Der Autor müht sich mit Erfolg, zwei Ansprüchen gleichzeitig gerecht zu werden: Zum einen erzählt er einen spannenden Krimi, zum anderen erweckt er ein für jeden Baseballfan interessantes historisches Setting zum Leben. Im Rahmen einer fiktionalen Geschichte erhält man einen guten und – soweit ich das beurteilen kann – realistischen Eindruck von der Atmosphäre und den Themen der Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts im Allgemeinen und des damaligen Baseballs im Speziellen. Nebenbei lernt man eine Menge interessanter und manchmal lustiger Fakten – zum Beispiel dass Baseballprofis damals nur heimlich ins Kino gehen konnten, weil die flackernden Bilder als schädlich für die Augen galten; dass das hervorstechendste Merkmal von Fenway Park damals ein ansteigendes Leftfield war; und dass Ty Cobb ein ziemlich unsympathischer Zeitgenosse war, auch wenn man Letzteres wahrscheinlich schon woanders gelesen hat.

Soos erfindet weder den historischen Roman noch den Krimi neu, aber ihm ist ein höchst unterhaltsames Werk gelungen, dass ich gern weiterempfehle und dessen Fortsetzung „Murder At Ebbets Field“ ich mir sicher bald zu Gemüte führen werde.

Leider gibt es von „Murder At Fenway Park“ sowie von den restlichen Teilen der Reihe bislang keine deutsche Übersetzung. Der Schreibstil ist allerdings recht bodenständig, sodass man den Roman auch mit nur mittelmäßigen Englischkenntnissen im Original gut lesen bzw. hören kann. Mir selbst fällt es mangels Übung manchmal schwer, englischsprachigen Podcasts oder Filmen durchgängig zu folgen, aber das von Johnny Heller gelesene Hörbuch konnte ich mir problemlos und mit Genuss anhören.

„Murder At Fenway Park“ ist in gedruckter Fassung als gebundenes oder Taschenbuch über die großen Online-Buchhändler erhältlich. Die Lieferung dauert meist etwas länger als gewohnt, weil so ein für deutsche Verhältnis recht spezielles Buch in der Regel nicht auf Lager ist. Einfacher bekommt man es als E-Book oder als Hörbuch-Download.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch habe ich – in der Audible-Hörbuch-Fassung – selbst erworben und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Januar 7th, 2018 by Silversurger

Wenn euch die 81 Tage bis zum Opening Day der MLB auch noch so furchtbar lang erscheinen wie mir, dann lest doch noch ein nettes Baseballbuch. Ein paar gute Kandidaten dafür habe ich in der Vergangenheit schon vorgestellt, heute kommt ein weiterer hinzu.

Vorausschicken muss ich, dass Göran Fiedler sich mit „Baseball für Fußballfans“ eher nicht an ein Publikum richtet, das sich bereits regelmäßig mit Baseball beschäftigt. Der Titel ist allerdings auch etwas irreführend; meiner Ansicht nach wäre die Zielgruppe mit „sportinteressierte Europäer“ treffender beschrieben. Meistens sind das zwar Fußballfans, aber das Buch ist in keiner Weise so angelegt, dass es seine Leser mit zahlreichen Vergleichen gezielt beim Fußball abholen würde. Das ist auch gut so, denn solche Vergleiche von kaum vergleichbaren Sportarten, die ihre jeweils eigenen Reize haben, wären auf Dauer wohl eher nervig.

Fiedlers tatsächliches Vorgehen ist weit angenehmer: Verpackt in launige Anekdoten bringt er dem Leser den Baseballsport näher, angefangen bei den wichtigsten Regeln und Grundbegriffen über Wissenswertes zu einzelnen Teams und ihrer Geschichte bis hin zu dem Lebensgefühl und der Alltagsrelevanz des Baseballs in der amerikanischen Kultur.

Das Buch ist eine amüsant und flüssig zu lesende und auf das wesentliche beschränkte Einführung. In seiner ersten Auflage von 2011 kam es mit gut 90 Seiten aus, mittlerweile liegt die vierte Auflage von 2016 vor und ist um einen rund 50-seitigen zweiten Teil gewachsen. In diesem geht Fiedler zu ausgewählten Aspekten ein wenig mehr in die Tiefe: Beispielsweise gibt er Tipps, wo man im Stadion am besten sitzen sollte, erklärt das Franchise-System der Major- und Minor-Leagues und geht auch kurz auf Baseball in Deutschland ein.

Ich empfehle das Buch für alle, die sich ein Grundwissen über Baseball aneignen wollen. Auch als Geschenk für Leute, die man zum Baseball „bekehren“ möchte, ist es sehr gut geeignet. Diese fühlen sich möglicherweise sogar von dem Titel angesprochen, den ich wie gesagt etwas unglücklich gewählt finde. Aber das ist eigentlich auch schon alles, was ich zu kritisieren habe. Außer vielleicht, dass ich mir etwas mehr Struktur gewünscht hätte in dem Sinne, dass man die Kapitel nicht nur durchnummeriert, sondern sie auch mit Überschriften versieht. Vielleicht ist das ja eine brauchbare Anregung für die nächste Auflage.

„Baseball für Fußballfans“ ist als Book on Demand erschienen. Ihr erhaltet es als Taschenbuch für 8,90 Euro oder als E-Book für 5,99 Euro beim Buchhändler eures Vertrauens.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch habe ich – in der Tolino-E-Book-Fassung – selbst erworben und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 18th, 2017 by Silversurger

Dies ist ein kleiner Nachtrag zu meiner Vorstellung des Brett- und Würfelspiels „Bottom of the 9th“. Wie ich inzwischen erfahren habe, gibt es auch eine Umsetzung des Spiels als App für Android und iOS. Beide Versionen sind in den App-Stores von Google bzw. Apple für 4,99 Dollar erhältlich. Ich habe die App auf meinem Android-Smartphone getestet und möchte kurz davon berichten.

Die Umsetzung ist sehr originalgetreu erfolgt. Sowohl der Spielverlauf als auch die Inhalte der Spielerkarten mit den speziellen Fähigkeiten und Eigenheiten wurden 1:1 vom Brettspiel übernommen. Auch das grafische Konzept bietet sehr hohen Wiedererkennungswert.

Das Spiel bietet alles, was man von einer Brettspieladaption erwarten kann: Man kann wahlweise gegen den Computer oder gegen einen menschlichen Gegner antreten, wobei letzterer sowohl am gleichen Gerät spielen kann als auch an seinem eigenen. Für das Online-Duell kann man entweder direkt einen Freund herausfordern oder man lässt das Spiel nach einem geeigneten Gegner suchen. Auch die aus dem Brettspiel bekannte Einzelspielerkampagne kann man in der App spielen. Vor allem für Neueinsteiger sind die Tutorials zum Pitching und Batting interessant. Diese reichen völlig aus, um direkt loszulegen, aber auch eine vollständige Anleitung ist enthalten.

Einziger Negativpunkt für mich ist, dass man über die App leider selten spontan einen Gegner für ein virtuelles Kräftemessen findet – offenbar ist dafür der Verbreitungsgrad des Spiels noch zu gering und mit Sicherheit spielt es auch eine Rolle, dass die meisten potenziellen Gegner sich in einer anderen Zeitzone befinden. Zudem ist mir aufgefallen, dass die App recht stark am Akku saugt. Dem kann man aber begegnen, indem man in den Optionen den Grafik-Level ein bisschen nach unten schraubt.

Alles in allem bestätigt die App-Version von „Bottom of the 9th“ das rundum positive Bild, das ich bereits von dem Brettspiel gewonnen hatte. Sie kann letzteres auch komplett ersetzen, aber das ginge mir persönlich dann doch zu weit: Mit echten Würfeln, Karten und Figuren am Tisch zu spielen, steht für mich definitiv noch ein Stückchen über dem Touchscreen-Vergnügen. Aber für ein kleines Trainingsspielchen zwischendurch, insbesondere wenn man irgendwelche Wartezeiten zu überbrücken hat, ist die App perfekt.

 

Transparenz-Hinweis: Die Firma Handelabra Games war so freundlich, mir die App für den Test kostenlos zur Verfügung zu stellen. Auf meine Bewertung hat das selbstverständlich keinen Einfluss und ich erhalte sonst keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 9th, 2017 by Silversurger

Die beiden spannendsten Fragen der Offseason sind geklärt. Trotzdem erlaube ich mir, die Herren Shohei Ohtani und Giancarlo Stanton bis zum Grand Slam am Donnerstag auf meinen Senf warten zu lassen und erst einmal das Versprechen einzulösen, das ich im Artikel über „What About Baseball“ gegeben habe: Rechtzeitig vor Weihnachten stelle ich heute ein weiteres Baseball-Brettspiel vor – und nicht nur irgendeines, sondern meinen bisherigen Favoriten. „Bottom of the 9th“ heißt das gute Stück aus der kleinen, aber feinen Spieleschmiede „Dice Hate Me Games“.

Die Schachtel von „Bottom of the 9th“ macht auf den ersten Blick einen recht mickrigen Eindruck, sie hat eher die Größe eines Reisespiels. Aber das täuscht, denn an Inhalt wird einiges geboten: neben dem Spielfeld drei Batter- und diverse Markierungssteine, allesamt aus Holz, drei Würfel und ein Stapel Karten mit sehr unterschiedlichen Inhalten und Bestimmungen.

So hochwertig die Materialien sind, so durchdacht ist auch das Spielprinzip. Das übliche Szenario eines Duells zwischen zwei Spielern ist ein Unentschieden im unteren neunten Inning, das dem Spiel auch seinen Namen gegeben hat. Ein Spieler pitcht, der andere Spieler schlägt und die spielentscheidende Frage ist, ob das Team am Schlag einen Run und damit den Walk-off erzielen kann. Daneben gibt es noch eine Reihe von Karten mit weiteren Szenarien, die insbesondere – aber nicht nur – für die Einzelspielervariante gedacht sind. Natürlich kann man auch eine Partie über volle neun Innings spielen, was allerdings nicht empfohlen wird, weil es sich doch ziemlich zieht.

Gepitcht und geschlagen wird auch bei diesem Spiel durch Würfeln, doch am Beginn jedes At Bats steht erstmal der Staredown zwischen Pitcher und Batter: Dieser besteht darin, dass der pitchende Spieler verdeckt die Richtung seines Pitches (high/low und inside/outside) festlegt und der schlagende Spieler versucht, diese ebenfalls verdeckt vorherzusagen. Je nachdem, wie gut ihm dies gelingt, hat in der anschließenden Würfelrunde einer der Spieler einen Vorteil, indem er zum Beispiel ein zweites Mal würfeln oder das Würfelergebnis um +/-1 verändern darf. Gewürfelt wird immer zuerst vom Pitcher mit zwei Würfeln. Danach ist der Batter an der Reihe – je nach Pitch versucht er, eine höhere oder eine niedrigere Zahl zu erzielen als der Pitcher und somit einen Treffer zu landen oder einen Ball passieren zu lassen.

Die Komplexität und der Abwechslungsreichtum des Spiels werden zusätzlich dadurch gefördert, dass man sich aus den Spielerkarten ein individuelles Lineup zusammenstellt, in dem jeder Spieler bestimmte Stärken und Schwächen hat. Dasselbe gilt für die Pitcher, die obendrein ermüden können, insbesondere wenn sie zu oft ihren jeweiligen Spezialpitch werfen.

Ihr merkt schon, das Spiel bietet eine Menge Möglichkeiten, den Verlauf durch eigene Entscheidungen und Taktiken zu beeinflussen. Das unterscheidet es deutlich vom letzte Woche vorgestellten „What About Baseball“ und ist äußerst förderlich dafür, oft und lange Spaß daran zu haben.

Ich habe mich letzte Woche schon darüber ausgelassen, dass ich die Altersempfehlung ab 8 Jahren im Fall von „What About Baseball“ für eindeutig zu hoch gegriffen halte. Bei „Bottom of the 9th“ geht es mir ähnlich: Laut Angabe auf der Packung soll es für ein Alter ab 13 geeignet sein. Meiner Einschätzung und Erfahrung nach kann man es einem baseball- und brettspielinteressierten Achtjährigen durchaus schon zutrauen – mit der Einschränkung, dass man ihm die Anweisungen auf den Spielerkarten übersetzen muss, wenn er nicht englischsprachig aufgewachsen ist. Nach oben sehe ich bei diesem Spiel keine Grenze, auch Erwachsene haben damit dauerhaft Spaß.

Von mir gibt es für „Bottom of the 9th“ eine uneingeschränkte Empfehlung. Erfreulicherweise ist das Spiel problemlos in Deutschland erhältlich; man bekommt es zum Beispiel für rund 20 Euro bei Amazon oder für ein paar Euro mehr bei Ebay. Auch zwei Erweiterungen in Form von je 12 zusätzlichen Spielerkarten sind dort verfügbar. Die besitze ich allerdings noch nicht und kann daher nichts dazu sagen.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 3rd, 2017 by Silversurger

Da ich sowohl Baseball als auch Brettspiele liebe, bin ich eigentlich ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, diese beiden Vorlieben miteinander zu vereinen. Das ist leider nicht einfach, denn selbst in Amerika sind gute Baseball-Brettspiele rar gesät und sie in Deutschland ohne horrende Versandkosten zu bekommen, ist fast unmöglich. Dennoch konnte ich mittlerweile zwei solche Spiele ergattern und das erste davon möchte ich heute vorstellen.

Das Spiel heißt „What About Baseball“ und stammt von dem relativ kleinen Verlag „Shrout & Co.“. Die Materialien machen einen stabilen und mit Liebe gestalteten Eindruck: Neben einer gedruckten Anleitung und dem Spielplan, der ein Baseballfeld sowie Anzeiger für Balls, Strikes und Outs darstellt, sind Spielfiguren in rot und blau, ein Block mit Scoresheets, zwei Bleistifte, zwei normale Würfel und drei spezielle Würfel dabei. Die Scoresheets sind einfach gehalten, man trägt lediglich ein Batting Lineup sowie die Runs, Hits und Errors in den einzelnen Innings ein. Aber auch für Statistikfans ist gesorgt, denn es gibt noch eine fortgeschrittene Version des Scoresheets, die man sich auf der Homepage des Spiels kostenlos herunterladen kann.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Man spielt wie im echten Baseball über neun Innings, je drei Outs beenden ein Halbinning. Der Spieler – oder das Team – in der Defense würfelt mit dem Pitcherwürfel das Ergebnis jedes Pitches aus: Ball, Strike, Foul Ball oder Kontakt. Kontakt heißt, der Ball kommt ins Spiel und nun ist der Batter an der Reihe, mit den zwei normalen Würfeln das Resultat des Schlags zu ermitteln: eine 12 ist ein Homerun, eine 11 ein Triple, eine 10 ein Double, eine 9 ein Single und alles darunter ein Out. Um die Sache etwas interessanter zu machen, gibt es noch zwei Sonderwürfel, die zum Einsatz kommen, wenn der Batter einen 1er-, 2er-, 3er- oder 4er-Pasch würfelt. Dadurch kommen ab und zu auch Errors, Wild Pitches, Stealversuche oder Double Plays vor.

Laut den Angaben auf der Packung und in der Beschreibung ist das Spiel geeignet für zwei bis vier Spieler ab 8 Jahren. Beide Angaben kann ich so nicht bestätigen: zum einen weil es problemlos möglich ist, das Spiel sowohl allein als auch in größeren Gruppen zu spielen, zum anderen weil das genannte Mindestalter mir deutlich zu hoch gegriffen erscheint. Ich habe das Spiel mit meinen eigenen Kindern im Alter von fünf und acht Jahren gespielt. Der Fünfjährige hat es sofort verstanden und das würde wohl auch jedes andere fünfjährige Kind, sofern es ein Grundinteresse und – verständnis für Baseball mitbringt, also weiß, was Balls, Strikes, Hits und Walks sind. Für den Achtjährigen wird das Spiel schon relativ schnell langweilig, weil es sich leider um ein reines Glücksspiel handelt.

Damit sind wir auch schon beim zentralen Kritikpunkt an „What About Baseball“. Ich finde es extrem schade, dass ein so schön gestaltetes Spiel sein Potenzial verschenkt, indem es keinerlei Möglichkeiten vorsieht, eigene Entscheidungen zu treffen oder gar Strategien anzuwenden. Der Verlauf und der Ausgang des Spiels hängen von nichts anderem als den Würfeln ab, es spielt sich quasi von selbst und so verfliegt der Spielspaß für Erwachsene oder ältere Kinder leider recht schnell.

„What About Baseball“ hat mich somit leider nicht überzeugt. Zum Glück habe ich noch ein anderes Baseball-Brettspiel auf Lager, das ich demnächst vorstellen werde, und so viel kann ich schon verraten: Es ist in meinen Augen deutlich gelungener.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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