Die Ballparks der MLB: Chase Field

Da ist sie wieder: Meine Ballparks-Serie wird ein paar Extrarunden drehen, während wir weiterhin gespannt abwarten, ob und in welcher Form es dieses Jahr eine MLB-Saison gibt. Da als eine Möglichkeit diskutiert wird, die Saison komplett in und um Phoenix zu bestreiten, schaue ich mir heute naheliegenderweise das dortige Stadion der Arizona Diamondbacks an. Es hört seit 2005 auf den Namen Chase Field; zuvor war es bekannt als Bank One Ballpark oder kurz: BOB.

Chase Field in Phoenix, Arizona (1)

Geschichte
Wie die meisten Stadion-Bauprojekte begann auch dieses mit einer Streit um die Finanzierung. Die zuständige Regionalregierung von Maricopa County beschloss 1994, die Umsatzsteuer zu erhöhen, um die Baukosten zu stemmen. Das führte zu massiven Protesten aus der Bevölkerung bis hin zu einem Anschlag, bei dem eine Vertreterin des Countys angeschossen wurde. Trotz aller Widerstände wurde der Bau ab 1996 durchgezogen und 1998 fertig gestellt – gerade rechtzeitig für die erste Saison der neu gegründeten Arizona Diamondbacks. Für die Diamondbacks war in den ersten Jahren ihres Bestehens nicht nur die Ablehnung der öffentlichen Finanzierung durch Teile der Bevölkerung eine schwere Hypothek, sondern auch der Baupreis selbst: Dieser war von ursprünglich kalkulierten 279 Millionen auf 364 Millionen Dollar gestiegen, und die Verträge verpflichteten den Klub, sämtliche Kosten über 253 Millionen selbst zu tragen.

Chase Field war 1998 das erste MLB-Stadion in den USA mit ausfahrbarem Dach. Es war zudem das erste Stadion der USA mit natürlichem Rasen unter einem ausfahrbaren Dach.

Das Eröffnungsspiel fand am 31. März 1998 statt und war gleichzeitig das erste Spiel der Diamondbacks überhaupt. Pitcher Andy Benes führte das Team in die Premiere, die mit 2:9 gegen die Colorado Rockies verloren ging. Wie die meisten Expansion-Teams hatten die Diamondbacks einen schweren Start, doch schon ein Jahr nach der 65-97-Saison 1998 brachten sie es 1999 auf 100 Siege und zwei weitere Jahre später sah der Ballpark seine erste World Series. Die Diamondbacks gewannen gegen die New York Yankees alle vier Heimspiele und holten so ihren ersten Meistertitel.

2008 wurde Chase Field zum ersten Mal einer Renovierung unterzogen, deren Kernstück die Errichtung einer 14 Meter hohen und 41 Meter breiten HD-Anzeigetafel war. Der Naturrasen wurde 2019 durch Kunstrasen ersetzt. Bereits seit einigen Jahren ist die Diskussion im Gange, dass für den Ballpark demnächst ein Neu- oder größerer Umbau anstehen sollte.

Außenansicht von Chase Field (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Chase Field bietet eine sehr nüchterne Außenansicht und wird generell als eines der weniger schönen MLB-Stadien angesehen. Ein Vergleich, auf den man häufig stößt, ist der mit einem riesigen Flugzeughangar. Anders als die meisten modernen Ballparks, bietet es nur sehr wenig Aussicht auf die Umgebung. Stattdessen dominiert im Centerfield die riesige Videowand.

Besonders auffällig und zugleich die größte Annehmlichkeit des Ballparks im Wüstenstaat ist das ausfahrbare Dach, verbunden mit einer leistungsfähigen Klimaanlage, die die Temperatur während der Spiele auf 25,5°C reguliert.

Im Inneren ist das hervorstechendste Merkmal von Chase Field der Swimming Pool rechts hinter dem Centerfield. Diesen kann man mitsamt der um ihn herum angebrachten Sitzplätze für ein paar tausend Dollar pro Spiel mieten.

Der Pool im Outfield (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Chase Field hat mit 407 Fuß (124m) ein überdurchschnittlich tiefes Outfield, das zudem durch die mit 25 Fuß (7,62m) höchste Centerfield-Mauer der Liga begrenzt wird. Durch die warme, trockene Luft sowie das große Outfield hat sich Chase Field über einen langen Zeitraum den Ruf erworben, eines der hitterfreundlichsten Stadien der MLB zu sein. Das ist es zwar nach wie vor, insbesondere in der Hinsicht, dass es mehr Doubles und Triples erlaubt als ein durchschnittlicher Ballpark.

Die Anfälligkeit des Stadions für Homeruns ist jedoch in den letzten beiden Jahren gegenüber früher deutlich gesunken. Das liegt vor allem daran, dass die Bälle seit 2018 in einem speziell dafür eingerichteten, temperatur- und feuchtigkeitsregulierten Raum gelagert werden. Soweit man es nach dieser kurzen Zeit schon beurteilen kann, hat die veränderte Lagerung den erhofften Effekt, dass die Bälle seitdem weitaus „normaler“ fliegen als man es vorher in dem heißen, trockenen Wüstenklima von Phoenix gewohnt war.

Wo sitzt man am besten?
Bei einem Fassungsvermögen von 49.000 Zuschauern und durchschnittlichen Besuchszahlen, die sich seit Jahren zwischen 25.000 bis 27.000 eingependelt haben, wirkt Chase Field oft überdimensoniert. Dieser Eindruck verstärkt sich umso mehr, da 80% der Plätze zwischen den Foulpoles liegen – das heißt, es gibt nur wenige Plätze im hinteren Outfield, stattdessen sehr hohe Tribünen an den beiden langen Seiten des Feldes.

Die gute Nachricht, die aus diesem Umstand resultiert: Die Ticketpreise in Chase Field gehören zu den günstigsten der Liga. Die schlechte Nachricht: Auf den höher gelegenen Plätzen ist man sehr weit weg vom Geschehen. Es lohnt sich daher, ein paar Dollar mehr zu investieren, um näher am Feld zu sitzen.

Sehr nah dran ist man in den Bereichen Clubhouse Box, Dugout Box und 1st Base oder 3rd Base Box. Tickets in diesen Regionen kosten in der Regel zwischen 90 und 180 Dollar. Auf den oberen Ebenen kommt man für 20 bis 30 Dollar unter. Ein guter Kompromiss besteht in den Club-Box-Sitzen der Ebene 200. Für 50 bis 60 Dollar hat man von dort eine hervorragende Sicht auf das Spiel.

Panorama aus Sicht der Rightfield-Tribüne (4)

(1) Quelle: Wikimedia, Urheber: Dicklyon (CC BY-SA 4.0)
(2) Quelle: Wikimedia, Urheber: Cygnusloop99 (CC BY-SA 3.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: Nick Bastian (CC BY-ND 2.0)
(4) Quelle: Wikimedia, Urheber: 0pen$0urce (CC BY-SA 4.0)

April 21st, 2020 by