Die Ballparks der MLB: Citi Field

Dies ist der vorerst letzte Teil meiner kleinen Serie über die Ballparks der MLB. Da es noch viele interessante Stadien gibt, die ich bisher nicht besprochen habe, habe ich fest vor, die Serie in der nächsten Offseason fortzuführen. Zum vorläufigen Abschluss stelle ich heute noch mal eines der leider viel zu wenigen MLB-Stadien vor, die ich selbst schon besucht habe: Citi Field, die Heimat der glorreichen Mets im New Yorker Stadtteil Queens.

Ab nächster Woche wird sich hier auf Baseblog.de alles um die neue Saison drehen. Vor allem gibt es dann wie letztes Jahr wieder 30 Tage lang täglich eine Team-Vorschau.

Geschichte
Die New York Mets gibt es zwar erst seit 1962, aber Citi Field ist bereits ihr drittes Stadion: In den ersten beiden Jahren spielten die Mets in den Polo Grounds, dem früheren Ballpark der nach San Francisco umgezogenen New York Giants in Manhattan. 1964 wurde die erste eigene Heimspielstätte fertig, Shea Stadium im Flushing-Meadows-Park in Queens.

Luftaufnahme von Shea Stadium1

Das runde Shea Stadium war ein schöner und durchaus beliebter Ballpark, doch nach 44 Jahren hatte es seine Schuldigkeit getan und konnte von der Infrastruktur (Restaurants, Geschäfte, sanitäre Einrichtungen, Logen etc.) her nicht mehr mit modernen Stadien mithalten. Aus diesem Grund wurde beschlossen, gleich nebenan ein neues Stadion zu bauen. Die Finanzierung von über 600 Millionen Dollar wurde zu gut zwei Dritteln von den Mets getragen, wobei ein Großteil davon durch den Verkauf der Namensrechte an die Citigroup über 20 Jahre für 20 Millionen Dollar pro Jahr hereingeholt wurde. Den Rest des Geldes steuerten die Stadt und der Staat New York bei.

Der Bau konnte so geplant und umgesetzt werden, dass die Mets direkt von Shea Stadium nach Citi Field umziehen konnten, ohne dass eine Zwischenlösung nötig wurde: Citi Field wurde auf Sheas ehemaligem Parkplatz (im obigen Foto rechts neben dem Stadion) gebaut, nach der Eröffnung wurde Shea abgerissen und machte seinerseits einer Parkfläche Platz.

Das Eröffnungsspiel fand am 13. April 2009 zwischen den New York Mets und den San Diego Padres statt. Die Mets wurden ihrem Ruf als der liebenswerte Tollpatsch unter den MLB-Franchises gerecht, indem sie San Diegos Jody Gerut gleich im ersten At Bat den ersten Home Run erlaubten und das Spiel 5:6 verloren. Sportliche Highlights, die Citi Field in seiner erst neunjährigen Geschichte erlebt hat, waren das All-Star-Game 2013, drei Spiele der World Series 2015 sowie der bislang einzige No-Hitter in der Teamgeschichte der Mets durch Johan Santana am 1. Juni 2012.

Architektonische Auffälligkeiten
Citi Field ist ein liebevoll gestalteter Ballpark voller Anspielungen und Anlehnungen: Außen ist das Stadion sichtbar von Ebbets Field, der historischen Heimat der Brooklyn Dodgers, inspiriert. Das zeigt sich insbesondere am Haupteingang mit der von zahlreichen Bögen bestimmten Klinker- und Kalksteinfassade sowie der Jackie-Robinson-Rotunde, die man auf dem Weg ins eigentliche Stadioninnere duchquert. Beim Innendesign wurde viel vom einige Jahre zuvor ebenfalls vom Architekturbüro Populous geplanten PNC Park aufgegriffen. Zudem sind Brücken ein durchgängiges Motiv in Citi Field – dies spielt darauf an, dass New York City viele Brücken hat, dass die Mets eine Brücke in ihrem Logo aufweisen und dass die Mets sich seit ihrer Gründung als Brücke zu den New Yorker National-League-Teams der Vergangenheit – den Dodgers und den Giants – verstehen.

Citi Field mit der an Ebbets Field erinnernden Frontansicht2

Ein paar charakteristische Merkmale wurden aus dem Vorgänger Shea Stadium übernommen. Eines davon sind die in der MLB einzigartigen organgefarbenen Foul-Pfosten – in allen 29 anderen Stadien der Liga sind die Pfosten gelb. Eine weitere Tradition von Shea Stadium ist der „Big Apple“, ein großer roter Apfel, der hinter dem Center Field emporsteigt, wenn die Mets einen Homerun schlagen. Der Originalapfel aus dem alten Stadion steht heute als beliebtes Fotomotiv vor dem Eingang von Citi Field, innen hat ein mehr als viermal so großer Nachfolger den Job übernommen.

Ein willkommener Anblick für jeden Mets-Fan3

Ein im Jahr 2012 nachträglich hinzugefügtes Feature des Ballparks ist der ursprünglich Party City Deck genannte schmale Sitzplatzbereich über der Leftfield-Mauer. Möglich wurde diese kleine Erweiterung, die nach einem Sponsorenwechsel nun M&M Sweet Seats heißt, dadurch, dass das Feld an der Stelle etwas verkleinert wurde, um mehr Homeruns zu ermöglichen.

Spielbezogene Eigenheiten
Citi Field wurde mit Spielfelddimensionen gebaut, die nahezu identisch mit denen von Shea Stadium waren und das neue Stadion ebenso wie das alte zu einem pitcherfreundlichen Ballpark machten. Die Vereinsführung entschied zweimal, 2012 und 2015, die Outfield-Distanzen um ein paar Fuß zu verkürzen, um die Tendenzen des Stadions etwas ausgwogener zu gestalten. Aktuell misst die Spielfläche bis zu 408 Fuß (124 Meter) im Centerfield, 335 (102 Meter) bis 370 Fuß (113 Meter) im Leftfield und 330 (101 Meter) bis 380 Fuß (116 Meter) im Rightfield.

Trotz der Anpassungen ist Citi Field laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 immer noch das fünftschlechteste Stadion der Liga, was Runscoring insgesamt betrifft, das drittschlechteste für das Erzielen von Homeruns und das schlechteste für das Erzielen von Hits im Allgemeinen. Wobei sich das Attribut „schlecht“ nur auf die Sicht der Batter bezieht; für Pitcher hingegen ist Citi Field ein sehr angenehmer Arbeitsort.

Wo sitzt man am besten?
New York ist ein teures Pflaster, das merkt man auch den Eintrittspreisen von Citi Field deutlich an. Für die richtig guten Plätze – nicht zu hoch und hinter der Homeplate oder den Baselines gelegen – zahlt man meist dreistellige Beträge, bei attraktiven Gegnern oder Terminen ist man schnell im hohen dreistelligen Bereich. Das unten stehende Foto stellt die Sicht aus einem Bereich der Kategorie „Metropolitan Bronze“ dar, die je nach Spiel zwischen 82 und 268 Dollar kostet. Kann man mal machen, aber gerade wenn man mit Familie unterwegs ist, schlägt hier finanziell schnell ein kleiner „Urlaub im Urlaub“ zu Buche.

Sitzkategorie Metropolitan Bronze4

Dank der modernen Bauweise kann man in Citi Field nahezu bedenkenlos auch günstigere Plätze wählen, die Sicht ist fast überall sehr gut. Vermeiden sollte man lediglich die ersten Reihen der obersten Ebene (Blöcke im 500er Bereich), da hier teilweise Geländer und Treppenaufgänge die Sicht einschränken, sowie die hinteren Reihen der Blöcke 536 bis 538, bei denen mitunter das Scoreboard stört. Ich saß mal in Reihe 9 von Block 505 (siehe Foto unten) und konnte das Spiel durchaus genießen, auch wenn man dort oben natürlich nicht in der Position ist, über Balls und Strikes zu diskutieren.

Blick von hoch über dem Rightfield (Block 505)5

Für All-Inclusive-Fans und Balljäger sind die schon erwähnten M&M Sweet Seats auf der Leftfield-Mauer interessant. Dort landen relativ viele Homeruns und man wird bis zum Abwinken mit Essen und Getränken bedient. Allerdings werden diese Plätze nur an Gruppen ab 15 Personen verkauft.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Geographer (CC BY SA 3.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Groupe Canam (CC BY SA 3.0)
3,4,5 Eigene Aufnahmen

Februar 20th, 2018 by