Die Ballparks der MLB: Citizens Bank Park

Am südlichen Stadtrand von Philadelphia widmet sich ein ganzes Viertel dem Sport und anderen Vergnügungen: In trauter Einheit stehen hier das Football-Stadion Lincoln Financial Field (Phildalphia Eagles), die Basketball- und Eishockeyhalle Wells Fargo Center (Philadelphia Flyers, Philadelphia 76ers), das Restaurant- und Konzertcenter Xfinity Live sowie Citizens Bank Park, der Ballpark der Philadelphia Phillies. Um Letzteren geht es heute im 23. Teil meiner Serie über die Ballparks der MLB.

Geschichte
Die 1883 gegründeten Philadelphia Phillies sind eine der ältesten Baseball-Franchises überhaupt. Daher überrascht es wenig, dass Citizens Bank Park schon das fünfte Stadion der Teamgeschichte ist. Sein direkter Vorgänger war Veterans Stadium, das sich die Phillies seit 1971 mit den Eagles sowie zeitweise mit weiteren Football- und Fußballteams teilten – was allein schon wegen der immer durchscheinenden Feldmarkierungen der anderen Sportarten kein schöner Zustand war.

Die Baufälligkeit von Veterans Stadium wurde gegen Ende der 1990er-Jahre unübersehbar. Um einer Mäuseplage im Stadion Herr zu werden, setzte der Sicherheitsdienst Katzen als Kammerjäger ein. Einige Wände waren bereits so zernagt, dass die Spieler der Gästekabine in den Umkleideraum der Eagles-Cheerleader spähen konnten. Während des College-Football-Spiels Army gegen Navy 1998 brach ein Geländer zusammen und verletzte acht Zuschauer. Als zusätzliches Argument gegenüber der Stadt und dem Staat Pennsylvania diente den Phillies und den Eagles, dass im gleichen Jahr in Pittsburgh der öffentlich geförderte Neubau von Baseball- und Footballstadien genehmigt wurde. Die Diskussion in den politischen Gremien zog sich eine Weile hin, doch 2001, während in Pittsburgh schon Eröffnung gefeiert wurde, konnte auch in Philadelphia der Bau beginnen.

Citizens Bank Park, Philadelphia (1)

Am 12. April 2004 warf Phillies-Pitcher Randy Wolf den ersten Pitch im neuen Ballpark. D’Angelo Jimenez schlug gleich im ersten At-Bat ein Leadoff-Double für die Cincinnati Reds, welche das Spiel mit 4:1 für sich entschieden. Der einzige Trost für die Phillies bestand darin, dass Bobby Abreu dem Heimteam die Ehre des ersten Homeruns bewahrte.

Abgesehen vom verlorenen Eröffnungsspiel war Citizens Bank Park ein sofortiger Erfolg für die Phillies. Der Zuschauerdurchschnitt stieg spürbar und dauerhaft an, obwohl das neue Stadion deutlich kleiner war als das alte. Auch sportlich ging es aufwärts: Ab der Eröffnung erzielten die Phillies dreimal den zweiten und anschließend fünfmal hintereinander den ersten Platz in ihrer Division, der NL East. 2008 und 2009 brachten sie die World Series in ihren Ballpark; in der ersten davon gewannen sie alle Heimspiele und holten den Titel mit 4-1 gegen die Tampa Bay Rays, die zweite ging gegen die New York Yankees 2-4 verloren.

Einen ungewöhnlichen Anblick bot Citizens Bank Park Anfang Januar 2012: Der Innenraum wurde unter Eis gesetzt, um ein Eishockey-Spiel zwischen den New York Rangers und den Philadelphia Flyers auszutragen.

Kaum wiederzuerkennen: CBP beim NHL Winter Classic 2012 (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Citizens Bank Park weist von außen die Ziegelfassade eines typischen retro-klassischen Ballparks auf, mit einigen Anspielungen auf kolonialzeitliche Gebäude der Innenstadt. Der Schönheitsfehler dabei ist, dass CBP anders als die meisten Ballparks dieses Stils nicht in der Stadt platziert ist, sondern im erwähnten Sportkomplex einige Meilen außerhalb mit nicht viel drumherum außer Parkplätzen und anderen Stadien. Die Lage nimmt dem Ballpark einiges von dem Charme, den er in einer ansehnlicheren Umgebung ausstrahlen könnte.

Im Inneren des Parks fällt vor allem die 16 Meter hohe Freiheitsglocke ins Auge, die am 8. August 1776 die amerikanische Unabhängigkeit einläutete – das war natürlich nicht die beleuchtete Nachbildung im Ballpark, sondern das Original am Independence Square. Die Rolle der Liberty Bell in Citizens Bank Park ist eine andere: Sie blinkt und läutet immer dann, wenn die Phillies einen Homerun schlagen und wenn sie ein Spiel gewinnen. Bei den Phillies und ihren Fans erfreut sich deshalb in sozialen Netzwerken der Hashtag #RingTheBell großer Beliebtheit.

Hinter dem Centerfield befindet sich Ashburn Alley, eine Art Flaniermeile, von der aus man sowohl das Spiel verfolgen als auch Verpflegungsstände aufsuchen oder diverse Ausstellungsstücke über Philadelphias Baseballgeschichte betrachten kann.

Liberty Bell, das Wahrzeichen des Parks – im Vordergrund Ashburn Alley (3)

Spielbezogene Eigenheiten
Mit einem 401 Fuß (122m) tiefen Centerfield liegt Citizens Bank Park im Mittelfeld der MLB-Ballparks. Die Leftfieldline hingegen war mit 324 Fuß (99 Meter) ursprünglich sehr kurz geraten. Dadurch etablierte sich der Park schnell als ein Ort, an dem Rechtshänder besonders viele Homeruns schlagen. 2005, also nur zwei Jahre nach der Eröffnung, wurde hier eine Korrektur vorgenommen, indem die Begrenzung ein Stück verschoben wurde, sodass der linke Foulpole nun 329 Fuß (101) Meter von der Homeplate entfernt ist.

Trotz der Anpassung ist Citizens Bank Park immer noch ein günstiges Pflaster für das Schlagen von Homeruns. Oft wird er deswegen als besonders hitterfreundlicher Park bezeichnet, was aber nicht ganz richtig ist. Denn neben der Homerun-Freundlichkeit weist CPB eher ungünstige Werte für Doubles und Triples auf und insgesamt eine durchschnittliche Umgebung für Hits im Allgemeinen.

Homeplate-Perspektive von ganz oben (4)

Wo sitzt man am besten?
Mit ihren Invesitionen von „stupid money“ (Zitat von Owner John Middleton) für Stars wie Bryce Harper, J. T. Realmuto und Zack Wheeler haben die Phillies deutlich gemacht, dass sie ihre jüngste Rebulding-Phase als abgeschlossen betrachten. Das hat sich bereits im letzten Jahr in deutlich gestiegenen Zuschauerzahlen niedergeschlagen, sodass es deutlich schwerer geworden ist, an gute Tickets heranzukommen. Es lohnt sich, früh dran zu sein, auf Spiele zu weniger attraktiven Zeiten auszuweichen oder zu schauen, was der Wiederverkaufsmarkt hergibt. Gut zu wissen ist auch, dass bei ausverkauften Spielen direkt am Spieltag noch 500 Stehplatztickets in den Verkauf gehen.

Die beliebte Perspektive von ziemlich weit unten und zwischen den Dugouts gibt es in den Bereichen 115 bis 132 für vergleichsweise überschaubare Preise ab 70 Dollar je Ticket. Schon ab 20 Dollar bekommt man Sitze auf den Rooftop-Bleachers (301 bis 310) – die Stimmung dort ist gut, der Weg zur Ashburn Alley kurz, das Spielfeld allerdings ziemlich weit weg. An sonnigen Nachmittagsspielen empfehlen sich generell eher die Plätze an der Third-Base-Line; auf den Tribünen an der First-Base-Line in Richtung Rightfield besteht deutlich weniger Hoffnung auf Schatten.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Jimmy Emerson (CC BY-NC-ND 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Tiffany Von Arnim (CC BY-NC 2.0)
(3) Quelle: Wikimedia Commons, Urheber: Centpacrr (CC BY-SA 3.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Ian D’Andrea (CC BY-SA 2.0)

Mai 19th, 2020 by