Die Ballparks der MLB: Comerica Park

Detroit hat einen schönen, etwas außerhalb gelegenen Zoo. Aber um die prominentesten Raubtiere der Stadt zu sehen, muss man das Zentrum nicht verlassen, denn dort stehen einträchtig nebeneinander die Gehege der Footballer von den Detroit Lions – Ford Field – und der Baseballer von den Detroit Tigers – Comerica Park. Um letzteren geht es in der heutigen Folge meiner Serie über die Ballparks der MLB.

Großartiger Blick auf die Skyline (1)

Geschichte
Als Gründungsmitglied der American League, das zudem nie die Stadt oder den Namen gewechselt hat, sind die Tigers eine der traditionsreichsten Baseball-Franchises überhaupt. Nach einigen kurzlebigen Heimstätten zu Beginn der Teamgeschichte zogen sie 1912 in Navin Field ein. Das Stadion, das später in Briggs Field und schließlich in Tiger Stadium umbenannt wurde, war stolze 88 Jahre lang in Betrieb.

So sehr die Tigers und ihre Fans das alte Stadion liebten, war doch ab Mitte der 1990er Jahre absehbar, dass ein neuer Ballpark her musste. Die Stadt Detroit stellte in einer Initiative zur Belebung der Innenstadt den Standort für die Neubauten der Tigers und der Lions zur Verfügung. Als Architekturbüro wurden die etablierten Ballpark-Spezialisten von HOK Sports (heute Populous) ausgewählt. Diese konstruierten ein Stadion im bewährten retro-klassischen Design, das von Oktober 1997 bis April 2000 erbaut wurde. Die Comerica Bank erwarb für 66 Millionen Dollar die Namensrechte für 30 Jahre.

Das Eröffnungsspiel stieg am 11. April 2000 zwischen den Tigers und den Seattle Mariners und wurde von den Hausherren 5:2 gewonnen. Bei Temperaturen um 2 Grad Celsius und Schneefall wird sich schon an diesem ersten Betriebstag von Comerica Park der eine oder andere der 39.168 Zuschauer gefragt haben, ob es wirklich eine gute Idee war, auf ein Dach zu verzichten. Die Diskussion, ob man eine Überdachung, vielleicht sogar ein bewegliches Dach, nachrüsten soll, kommt bis heute immer wieder hoch.

2005 fand das All-Star-Game der MLB in Comerica Park statt, ein Jahr später erlebte der Ballpark seine ersten Playoff-Spiele und auch gleich seine erste World Series. Die Tigers verloren die World Series 2006 mit 1-4 gegen die St. Louis Cardinals. 2012 erreichten sie erneut die Meisterschaftsserie, in der si sich mit 0-4 den San Francisco Giants geschlagen geben mussten. In Comerica Park gab es bislang nur einen No-Hitter: Das Kunststück gelang Justin Verlander am 12. Juni 2007 beim 4:0-Sieg der Tigers gegen die Milwaukee Brewers.

Der Eingang lässt keine Zweifel, wer hier zu Hause ist (2)

Architektonische Auffälligkeiten
Von außen sieht Comerica Park mit seiner Ziegelfassade im Grunde aus wie ein durchschnittlicher Ballpark der retro-klassischen Bauart – abgesehen davon, dass er von Dutzenden Tigerstatuen und -köpfen „bevölkert“ wird, die das Bild des Stadions massiv prägen. Ein weiteres extensiv eingesetztes Designelement sind die riesigen Baseballschläger, die zum Beispiel im obigen Bild über dem Eingang zu sehen sind. Diese Schläger sind keine willkürlichen Standardmodelle, sondern jeweils den Bats von legendären Tigers-Spielern nachempfunden.

Im Inneren des Stadions fällt zuerst die tolle Aussicht auf die Skyline von Detroit ins Auge. Aber auch das Spielfeld bietet einen ungewohnten Anblick: Zum einen hat der normalerweise runde Bereich um die Homeplate in Comerica Park selbst die Form einer Homeplate. Zum anderen verläuft zwischen der Homeplate und dem Mound ein Dirt-Streifen. Ein solcher Streifen war in frühen Ballparks üblich, ist heute aber eine Seltenheit. Meines Wissens ist Comerica Park zurzeit der einzige MLB-Ballpark mit diesem Feature, nachdem Chase Field in Arizona seinen Streifen letztes Jahr abgeschafft hat.

Bei jedem Homerun der Tigers wandert Blick automatisch zur Chevrolet Fountain, der großen Springbrunnen-Anlage hinter dem Centerfield, die zu diesen und anderen besonderen Ereignissen in die Höhe schießt.

Wasserspiele bei jedem Tigers-Homerun (3)

Weitere Besonderheiten von Comerica Park finden sich hinter beziehungsweise unter den Tribünen: Jenseits der 3rd-Base-Seite des Stadions steht ein 15 Meter hohes Riesenrad, in dem man für 2 Dollar ein paar Runden in einer baseballförmigen Kabine drehen kann. Der Innenbereich des Ballparks ist durchzogen von einem „Walk of Fame“. Wenn man vor dem Spiel genug Zeit hat, kann man dort auf einem Spaziergang die Geschichte der Tigers anhand von Fotos und Ausstellungsstücken nachvollziehen.

Ein Hit (nicht nur) für Kids: Das Riesenrad „Fly Ball“ in Comerica Park (4)

Spielbezogene Eigenheiten
Als Comerica Park im Jahr 2000 eröffnete, wurden Detroits Baseballfans mit einem massiven Unterschied zum Vorgänger-Stadion konfrontiert: Während Tigers Park als einer der hitter-freundlichsten Ballparks der MLB galt, war das neue Stadion dank eines vor allem in den Ecken deutlich größer dimensionierten Outfields das genaue Gegenteil davon. Mit der Pitcherfreundlichkeit des Parks war man bei den Tigers nicht glücklich und so gab es schon bald – 2003 und 2005 – Umbauten, bei denen zuerst das Leftfield und dann das Rightfield verkleinert wurde. Das Ziel der Maßnahmen wurde erreicht, denn seitdem ist Comerica Park ein relativ ausgewogener Ballpark mit leichten Vorteilen für die Hitter.

Wo sitzt man am besten?
Das Team der Tigers befindet sich in einer Rebuilding-Phase, und das schlägt sich spürbar im Zuschauerinteresse nieder: Mit im Schnitt 18.767 verkauften Tickets war Comerica Park letztes Jahr nicht mal zur Hälfte ausgelastet. Daran dürfte sich kurzfristig wenig ändern, sodass man – sobald es wieder MLB-Spiele mit Zuschauern gibt, versteht sich – relativ leicht und günstig an Karten für Tigers-Spiele kommt.

Die beste Sicht hat man, wie in fast jedem Ballpark, von den unteren Plätzen um das Infield. Will man direkt hinter der Homeplate sitzen (Bereiche 125-130), muss man in der Regel mehrere hundert Dollar pro Sitz hinblättern. Auf Höhe der ersten oder dritten Base (120 bzw. 135) kann man aber bereits ein Schnäppchen mit hervorragenden Plätzen für 30 oder 40 Dollar machen.

Wenn man einfach nur ins Stadion kommen und dafür nicht viel ausgeben möchte, bieten sich die Blöcke 149-150 im hinteren Leftfield an. Da ist man zwar weit vom Geschehen, aber die Sicht ist unverbaut, man kann einen Blick in den Gäste-Bullpen werfen und zahlt für die Tickets mit etwas Glück nur 10 Dollar oder weniger.

(1) Quelle: Flickr, Urheber: Ed McDonald (CC BY-NC 2.0)
(2) Quelle: Flickr, Urheber: Lauren (CC BY-NC-ND 2.0)
(3) Quelle: Flickr, Urheber: GabboT (CC BY-SA 2.0)
(4) Quelle: Flickr, Urheber: Perry (CC BY-NC-ND 2.0)

Mai 5th, 2020 by