Pitcharten: Curveball

Nachdem es in den ersten vier Folgen dieser Serie ausschließlich um Pitches ging, die sich mehr oder weniger dem Oberbegriff „Fastball“ unterordnen lassen, kommen nun die anderen Pitches zum Zuge und zwar als erstes der Curveball.

Ein Curveball hält genau das, was der Name verspricht: Seine Flugbahn weist einen ausgeprägten Bogen nach unten auf; je nach Technik des jeweiligen Pitchers kann auch eine horizontale Bewegung in Richtung von dessen Handschuhseite hinzukommen. Einen Curveball, dessen Bahn ohne horizontales Element gerade von oben nach unten bricht, nennt man in Anlehnung an die Zeiger einer Uhr auch 12-6-Curveball. Dieser ist in der Regel schwerer zu schlagen als ein Curveball mit horizontaler Bewegung (der, um beim Uhrzeigervergleich zu bleiben, manchmal 11-5-Curveball oder 2-8-Curveball genannt wird).

Im Gegensatz zum mit Backspin geworfenen Fastball weist ein Curveball typischerweise Topspin auf, das heißt der Ball dreht sich während des Fluges vorwärts statt rückwärts. Zu diesem Zweck wird er deutlich anders geworfen als alle Pitches, die ich bisher beschrieben habe: Der übliche Griff besteht darin, den Mittelfinger oben auf eine Naht des Balls zu legen, den Zeigefinger direkt daneben und den Daumen von unten auf die dem Mittelfinger schräg gegenüber liegende Naht. Beim Release vollzieht der Pitcher eine abwärts schnappende Bewegung mit dem Arm und dem Handgelenk, lässt den Ball zuerst mit dem nach oben ziehenden Daumen los und unterstützt mit dem nach unten schiebenden Zeige- oder Mittelfinger den Topspin.

Griff eines Curveballs1

Ein durchschnittlicher Curveball hatte in der MLB-Saison 2016 eine Geschwindigkeit von 77,9 mph (125 km/h), was ihn (abgesehen vom Spezialistenpitch Knuckleball) zum langsamsten in der MLB üblichen Pitch macht. Für den Batter bedeutet das, dass er gegenüber einem 4-Seam-Fastball eine Zehntelsekunde mehr Zeit hat, zu reagieren. Das ist eine ganze Menge und stellt einen dementsprechend hohen Anspruch an den Pitch, die zusätzlich eingeräumte Zeit durch schlechtere Vorhersagbarkeit der Flugbahn auszugleichen. Das Ziel ist, dass der Pitch stärker nach unten ausbricht als es für den Batter zunächst aussieht. Auf diese Weise sieht der Ball entweder so aus, als ob er in der Strikezone ankommt, landet aber tiefer und verführt zu einem swinging Strike; oder er sieht so aus, als käme er zu hoch, bevor er dann doch zum called Strike in die Zone fällt. Mit diesen Charakteristika eignet sich der Curveball besonders als Strikeout-Pitch.

Den Curveball kennt man schon seit den 1870er Jahren – er wurde damals von Vielen als zwar nicht regelwidrige, aber unehrenhafte Aktion betrachtet. Diese Zeiten sind natürlich lange vorbei und heute haben die meisten MLB-Pitcher einen Curveball im Repertoire. Für fast alle von ihnen ist er ein sekundärer Pitch, der als Abwechslung zum deutlich häufiger verwendeten Fastball genutzt wird. 10,2% aller 2016 in der MLB geworfenen Pitches waren Curveballs. Die Reliever Justin Grimm, J. P. Howell und Brett Cecil sowie Starter Lance McCullers gehören zu den wenigen Ausnahmen, deren Pitchauswahl in rund 50% der Fälle auf einen Curveball fällt. Als besonders herausragend gelten unter den aktiven Pitchern die Curveballs von Dodgers-Star Clayton Kershaw und die der Youngster Aaron Nola von den Phillies und Seth Lugo von den Mets. Letzterer führt seit dem 30. August 2016 mit 3498 Umdrehungen pro Minute die Rangliste der höchsten Drehzahlen eines Curveballs an. Historische Pitcher, die für ihren Curveball gerühmt wurden, sind Bob Feller, Sandy Koufax und Dwight Gooden.

Flugbahn eines Curveballs2

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Toto-artist (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: AtomicRED (CC BY-SA 3.0)

Februar 7th, 2017 by