Was kann die neue Statistik DRC+?

Es ist mal wieder eine neue Statistik auf dem Markt. Deserved Runs Created Plus, kurz DRC+, nennt sich der von Baseball Prospectus entwickelte und diese Woche vorgestellte Indikator. DRC+ liefert eine Gesamtbeurteilung der Leistungen eines Spielers als Batter.

Als wichtigster Beitrag fließen in DRC+ die Resultate der Plate Appearances des betreffenden Spielers ein – Hits, Walks, Strikeouts, Groundouts und alles, was sonst noch passieren kann. Diese Resultate werden dann gewichtet – erstens nach der Höhe des Beitrags, den sie zur Erzielung von Runs leisten (z. B. hat ein Double einen höheren positiven Beitrag als ein Walk, ein Strikeout hingegen hat einen negativen Beitrag und in ein Doubleplay zu grounden einen noch negativeren); zweitens nach dem Ausmaß, zu dem der Batter selbst für sie verantwortlich ist (d. h. man versucht seine Eigenleistung gegenüber den Einflüssen von Zufall, Mitspielern, gegnerischen Feldspielern usw. zu isolieren); drittens nach dem Kontext, in dem sie erzielt wurden (z. B. in welchem Ballpark, gegen welchen Pitcher etc.).

Das Plus in DRC+ kennt man aus anderen Statistiken wie ERA+, OPS+ und so weiter. Es bedeutet, dass der Indikator in eine leicht lesbare Form gebracht wird, indem man einen Wert von 100 als Durchschnitt definiert. So kann man daran, ob der DRC+ eines Batters über oder unter 100 liegt, direkt ablesen, ob es sich um einen über- oder unterdurchschnittlichen Batter handelt. Als Faustregel kann man ab 120 DRC+ von einem guten und ab 145 DRC+ von einem hervorragenden Batter sprechen.

Das klingt interessant, aber natürlich stellt man sich unwillkürlich die Frage, was dieser neue Kennwert anders – und idealerweise besser – macht als bekannte Indikatoren mit vergleichbarem Anspruch, also zum Beispiel wOBA, wRC+ oder OPS+. Tatsächlich weisen alle diese Indikatoren im Vergleich miteinander sowie mit DRC+ relativ hohe statistische Zusammenhänge auf. Sie messen also weitgehend das Gleiche. Laut den von Baseball Prospectus vorgestellten Berechnungen liefert DRC+ im Vergleich mit den anderen Werten genauere Messungen, das heißt einen kleineren anzunehmenden Zufallsfehler und eine größere Vorhersagefähigkeit. Letzteres wird vor allem dadurch erreicht, dass DRC+ einen stärken Schwerpunkt als die anderen Werte darauf legt, zufällige und extern verursachte Einflüsse auf die Leistungen des Batters zu isolieren und herauszurechnen.

Es bleibt abzuwarten, ob es DRC+ gelingt, OPS+ und wRC+ als die meistzitierten Sabermetrics für Batting-Leistungen abzulösen. Der Ansatz ist in jedem Fall vielversprechend und ich bin gespannt, wie die anderen Institutionen der Baseballstatistik – vor allem Fangraphs und Baseball-Reference – auf den Vorstoß von Baseball Prospectus reagieren.

Ich möchte den Artikel natürlich nicht beenden, ohne ein paar konkrete Zahlen genannt zu haben. Der beste Batter der Saison 2018 war laut der neuen Statistik Mike Trout mit 180 DRC+ vor Mookie Betts mit 174 DRC+. Die ersten fünf Plätze der Rangliste sind fest in der Hand der American League, erst auf Rang sechs findet sich mit Christian Yelich (145 DRC+) der erste Akteur aus der National League. Historisch betrachtet war Babe Ruth mit 197 DRC+ über seine Karriere hinweg der beste Batter, gefolgt von Ted Williams (180 DRC+), Barry Bonds (175 DRC+) und Lou Gehrig (168 DRC+). Zu beachten ist, dass DRC+ bisher nur für die Zeit ab 1921 berechnet wurde; daher bleiben zum Beispiel die ersten Jahre von Babe Ruth sowie ein Großteil der Karriere von Ty Cobb unberücksichtigt.

Dezember 9th, 2018 by