Baseball-EM: Hohe Hürde im Viertelfinale

Das Viertelfinale als Minimalziel wurde erreicht. So lautet aus Sicht der deutschen Nationalmannschaft die gute Nachricht zum Abschluss der Vorrunde der EM in Bonn und Solingen. Die schlechte Nachricht ist, dass man die Gruppe mit zwei Siegen und drei Niederlagen nur als Vierter abschließen konnte und es deshalb nun mit Schwergewicht Italien zu tun bekommt.

Deutschland startete am Samstag mit einem überzeugenden 9:1 gegen Schweden, das sich aber im weiteren Verlauf des Turniers nicht als echter Gradmesser herausstellte. Im zweiten Spiel gewannen die Deutschen mit etwas Glück und einem einsamen Homerun von Marco Cardoso ein hochklassiges Pitcherduell gegen Großbritannien 1:0. Einen Tag später fehlte eben jenes Glück: Man war gegen Israel jederzeit auf Augenhöhe, lag zeitweise in Führung, aber am Ende stand eine 2:4-Niederlage nach einem Extra-Inning. Gegen Rekordmeister Niederlande am Dienstag ging das deutsche Team verdient 1:8 unter, und leider war auch am Mittwoch gegen Tschechien trotz eines guten Starts und zwischenzeitlichen Aufbäumens nichts zu holen, sodass man sich 6:10 geschlagen geben musste.

Vom Titel zu sprechen, wie es einige der deutschen Spieler vor dem Turnier getan hatten, dürfte nach dem bisherigen Verlauf vermessen sein. In das Spiel gegen Italien geht Deutschland als klarer Außenseiter. Ein realistisches Ziel, das die deutschen Baseballer noch erreichen können, ist Platz 5 der Gesamtwertung. Dieser Rang würde zur Teilnahme am Qualifikationsturnier für Olympia 2020 berechtigen. Vier Plätze werden durch das Erreichen des Halbfinales vergeben, der letzte Quali-Teilnehmer wird in einer Platzierungsrunde der Viertelfinalverlierer ausgespielt. 

Die Top-Favoriten auf den EM-Titel sind nach wie vor die Niederlande und Italien. Italien gewann in der Vorrunde souverän alle fünf Spiele, allerdings in der vermutlich etwas leichteren Gruppe B. Die Niederlande kassierten in Gruppe A eine 6:8-Niederlage gegen Tschechien, dominierten aber alle anderen Partien, darunter die gegen Deutschland und Israel.

Israel hat sich mit starken Leistungen und Siegen über Deutschland und Tschechien etwas überraschend in den Kreis der Titelkandidaten gespielt. Wobei man sagen muss, dass das so überraschend dann doch nicht ist, denn das israelische Team wurde in den vergangenen Monaten gewaltig aufgerüstet. Innerhalb eines Jahres wurden 18 Spieler eingebürgert. Fast das gesamte Nationalteam besteht aus US-Profis, darunter ehemalige MLB-Spieler wie Ty Kelly und Danny Valencia, welcher drei Tage vor der EM seinen israelischen Pass abgeholt hat. Diese Art der Kaderaufstellung ist rechtlich offenbar einwandfrei. Ich erlaube mir allerdings, sie weder schön noch dem israelischen und dem europäischen Baseball förderlich zu finden.

Die Viertelfinalspiele finden am Freitag statt und sind wie sämtliche Partien des Turniers live auf baseballsoftball.tv und gametime.sport zu sehen. Einen Liveticker sowie Ergebnisse und Statistiken gibt es auf baseballstats.eu. Deutschland erhält mit seiner Partie gegen Italien erneut den Prime-Time-Slot um 19 Uhr auf Platz 1 in Bonn. Die anderen Viertelfinals bestreiten zuvor über den Tag verteilt die Niederlande gegen Belgien, Israel gegen Frankreich und Tschechien gegen Spanien. Sollte den Deutschen die kleine Sensation gelingen, ins Halbfinale vorzustoßen, wird der Gegner dort Frankreich oder Israel sein.

Neben dem Ringen um den Titel und dem um Quali-Platz 5 gibt es in dem Turnier auch einen Abstiegskampf. Österreich, Großbritannien, Kroatien und Schweden spielen an den kommenden drei Tagen untereinander die Ränge 9 bis 12 aus, zwei davon steigen aus dem A-Pool der Europameisterschaft ab. Großbritannien dürfte das stärkste dieser Teams sein. Gegen Schweden gewannen die Briten ihr letztes Vorrundenspiel heute Nachmittag souverän 13:7. Mit einem 4:3-Sieg über Tschechien war ihnen zuvor der größte Upset des Turniers gelungen und am Ende war es nur der äußerst knapp verlorene direkte Vergleich gegen Deutschland, der sie vom Viertelfinale fern hielt.

September 11th, 2019 by