Grand Slam am Donnerstag 3/2019

Die Free Agency der MLB entwickelt sich, wenn auch langsam und in kleinen Schritten. Nachdem letzte Woche vor allem Catcher und Reliever gefragt waren, haben nun die besten verfügbaren Second Basemen ihre neuen Arbeitgeber gefunden. Brian Doziers Anheuern in Washington hatte es in letzter Sekunde noch in den letzten Grand Slam geschafft. In den Tagen darauf entschieden sich Jed Lowrie und D.J. LeMahieu, dass es sie beide nach New York zieht. Die größten Schlagzeilen machte derweil ein junger Sportler, der vielleicht nie in der MLB spielen wird.

Murray meldet sich zur NFL-Draft
Die Posse um Kyler Murray geht weiter: Der 21-Jährige ist ein Top-Talent sowohl als Baseball-Outfielder wie auch als Football-Quarterback und er kann sich offenbar nicht zwischen den beiden Sportarten entscheiden. Letztes Jahr gab er den Oakland Athletics, die ihn in der ersten Draftrunde wählten, eine feste Zusage, zum diesjährigen Spring Training eine Profikarriere im Baseball zu beginnen. Nun hat er sich allerdings am letztmöglichen Tag auch für die NFL-Draft im April angemeldet, für die er ebenfalls als Kandidat für die erste Runde gilt. Von dem knapp 5 Millionen Dollar schweren Vertrag mit den A’s ist Murray offiziell noch nicht zurück getreten. Man muss aber wohl davon ausgehen, dass die Verantwortlichen der NFL-Teams eine klare Entscheidung von ihm verlangen, bevor sie einen hohen Draftpick in ihn investieren.

Lowrie und LeMahieu gehen nach New York
Die Parallelen sind unübersehbar: Beide New Yorker Teams haben sich die Unterschriften von etablierten Second Basemen gesichert, beide haben dafür Zweijahresverträge vergeben und die finanzielle Größenordnung ist ebenfalls ähnlich: Jed Lowrie erhält von den Mets 20 Millionen Dollar, D.J. LeMahieu 24 Millionen von den Yankees. Gemeinsam ist beiden Verpflichtungen auch, dass sie relativ überraschend kamen. Denn die Yankees haben an der zweiten Base Gleyber Torres und die Mets verstärkten die Position erst vor wenigen Wochen mit Robinson Cano. LeMahieu ist wohl flexibel genug, an allen drei Bases zu spielen und die Rolle eines Super-Ersatzspielers einzunehmen, der auch ohne echten Stammplatz fast täglich zum Einsatz kommt. Lowrie hingegen spielte in seiner Karriere bisher fast ausschließlich als Second Baseman. Realistische Optionen der Mets mit Lowrie auf 2B könnten darin bestehen, Cano Einsatzzeit an der ersten Base zu geben und Jeff McNeill im Outfield zu testen.

Flores zu den Diamondbacks
Keine Verwendung mehr hatten die Mets angesichts ihres gut gefüllten Infields für Wilmer Flores. Er erhielt kein Arbitration-Angebot und konnte sich einen neuen Klub suchen, den er nun in den Arizona Diamondbacks gefunden hat. Der 27-Jährige erhält einen Vertrag über 4,25 Millionen Dollar im ersten Jahr plus Verlängerungsoption für den Verein, die Flores im zweiten Jahr weitere 5,5 Millionen einbringen würde. Flores kann auf sämtlichen Infield-Positionen spielen und hatte – außer im vergangenen Jahr – immer deutlich bessere Zahlen gegen Linkshänder als gegen Rechtshänder. Damit könnte er in Arizona vor allem für Jake Lamb an der ersten Base ein sinnvoller Platoon-Partner sein.

Dodgers ertraden neuen alten Catcher
Nach dem Abgang von Yasmani Grandal waren die Los Angeles Dodgers händeringend auf der Suche nach einem neuen Catcher. Wie vielen anderen Klubs waren auch ihnen die Forderungen, die die Miami Marlins für J.T. Realmuto stellen, offenbar zu hoch. Deswegen haben sie sich nun zumindest vorerst mit einer günstigeren Tradeoption begnügt: Russell Martin kommt von den Toronto Blue Jays im Austausch gegen die Minor Leaguer SS Ronny Brito und RHP Andrew Sopko. Die Blue Jays übernehmen rund 16,4 Millionen Dollar von Martins Gehalt im finalen Vertragsjahr 2019, sodass die Dodgers ihm nur 3,6 Millionen zahlen müssen. Für dieses relativ überschaubare Geld haben sie nun einen in Kürze 36-jährigen Catcher mit unverändert guter Defense, dessen Offensivleistungen jedoch in den letzten Jahren spürbar nachgelassen haben. Martin war 2002 von den Dodgers gedraftet worden und hatte bereits von 2006 bis 2010 für sie gespielt.

Giants und Blue Jays ergänzen Pitching-Staff
Die San Francisco Giants haben sich mit Pitcher Derek Holland auf einen Einjahresvertrag geeinigt. Der Linkshänder erhält 7 Millionen Dollar und kann dieses Gehalt in Abhängigkeit von der Anzahl seiner Starts auf bis zu 9 Millionen steigern. Zudem haben die Giants die Option auf ein weiteres Vertragsjahr. Holland hatte seine durch Verletzungen beeinträchtigte Karriere letztes Jahr in San Francisco erfolgreich wiederbelebt und es auf einen ERA von 3.57 in 30 Starts mit 171.1 Innings gebracht. Auch die Toronto Blue Jays haben ihr Pitching-Personal ergänzt: David Phelps, der die letzte Saison durch eine Tommy-John-Surgery verpasst hat, unterschreibt einen Einjahresvertrag plus Kluboption für 2020. Phelps wird mindestens 2,5 Millionen Dollar verdienen, hinzu kommen mehrere leistungsbezogene Boni. Der ehemalige Starter war von den Seattle Mariners 2016 zum Reliever umfunktioniert worden und hatte in dieser Rolle starke Leistungen gebracht, bevor die Verletzung ihn ausbremste.

Ein neuer Outfielder für die Rays
Die Tampa Bay Rays haben ebenfalls noch ein Puzzlestück hinzugefügt: Zu ihnen kommt Outfielder Avisail Garcia, der von den Chicao White Sox keinen neuen Vertrag erhalten hatte. Garcia bekommt für einen Einjahreskontrakt leistungsabhängig zwischen 3,5 und 6 Millionen Dollar. Die starke Leistungsbezogenheit des Vertrages erscheint logisch, denn Garcias bisherige Karriere war ein ziemliches Auf und Ab. Die Rays wollen offenbar sicher gehen, dass sie nicht zu viel bezahlen, falls sie nicht wie erhofft den Avisail Garcia von 2017 erhalten, sondern eher den von 2018.

Harper und Machado lassen sich weiterhin Zeit
Nicht viel Neues gibt es derweil im Hinblick auf die beiden begehrtesten Free Agents dieser Offseason, Bryce Harper und Manny Machado, zu vermelden – ganz ohne diese beiden Namen kommt ein Grand Slam am Donnerstag zurzeit aber auch nicht aus. Die Erkenntnisse der letzten Tage sind: Die Philadelphia Phillies gelten als Favorit, entweder Harper oder Machado – jedoch nicht beide – an Land zu ziehen. Die Chicago White Sox sind ebenfalls an beiden interessiert, werben aber vor allem um Machado. Sie haben ihm wohl schon vor einigen Wochen ein Angebot in der Größenordnung von sieben Jahren und 175 Millionen Dollar unterbreitet – was zwar eine Menge Geld ist, aber weniger als das, was von den meisten Experten als sein Marktwert angesehen wird. Bezüglich Harper sind auch die Washington Nationals noch im Rennen, obwohl die Gerüchte um eine Rückkehr ihres Superstars seit letzter Woche wieder deutlich abgekühlt sind. Über die New York Yankees hieß es schon mehrmals, sie seien in Bezug auf Machado und/oder Harper aus dem Rennen, aber sie scheinen mindestens noch mit einem Auge darauf zu schielen, wie sich die Sache entwickelt.

Januar 17th, 2019 by