Grand Slam am Donnerstag 9/2019

Seit einer Woche fliegen wieder die Bälle in den Spring-Training-Spielen. Die Los Angeles Dodgers haben vier von fünf Spielen gewonnen, die Oakland Athletics haben fünf von sechs verloren, der Rest der Liga steht irgendwo dazwischen – und eigentlich ist es komplett egal, denn Spielergebnisse sind in der Saisonvorbereitung noch nicht mal zweitrangig. Dass ausgerechnet „unser“ Max Kepler am Sonntag einer der ersten Spieler war, die die Aufmerksamkeit auf sich zogen, hat mich trotzdem sehr gefreut: In seinem ersten At Bat des Jahres schlug er direkt einen Homerun und im zweiten gleich noch einen. Hier die übliche Übersicht, was sich sonst diese Woche in der MLB getan hat – und was sich noch nicht getan hat, obwohl alle darauf warten:

Twins holen Marwin Gonzalez
Ich wüsste von kaum einem Team, bei dem Marwin Gonzalez in dieser Offseason nicht irgendwann mal im Gespräch war. Das Rennen gemacht haben nun letztlich die Minnesota Twins, die ihm einen Zweijahresvertrag über 21 Millionen Dollar angeboten haben. Vielseitigkeit ist der große Trumpf, den Gonzalez mitbringt. Er hat in seinen sieben Jahren bei den Houston Astros alle Positionen außer Pitcher und Catcher gespielt – manchmal drei in einem Spiel – und überall hat er seine Sache gut gemacht. Einen wie ihn kann man wirklich immer gebrauchen.

Rekordvertrag für Arenado
Auch Nolan Arenado könnte jedes Team gut gebrauchen – nicht als Allrounder wie Gonzalez, sondern schlichtweg als einen der besten Third Basemen der Liga. Das wissen auch die Colorado Rockies, die Arenado ein Jahr, bevor er ein heiß umworbener Free Agent geworden wäre, mit einem neuen Vertrag ausgestattet haben. Der Kontrakt läuft über acht Jahre und bringt Arenado gut 260 Millionen Dollar ein. Arenados Jahresgehalt ist damit das höchste, das je ein Nicht-Pitcher verdient hat. Der Vertrag enthält eine Klausel, die dem Klub verbietet, Arenado ohne seine Zustimmung zu traden; außerdem hat Arenado die Möglichkeit, nach drei Jahren einseitig aus dem Vertrag auszusteigen.

Yankees verlängern mit Hicks
Auch die New York Yankees bleiben am Ball beim Bemühen, ihre Leistungsträger langfristig zu halten. Nach Pitcher Luis Severino hat nun auch Center Fielder Aaron Hicks einen neuen Vertrag unterschrieben. 70 Millionen Dollar für sieben Jahre sind für die Yankees eine überschaubare finanzielle Größenordnung; die Laufzeit erscheint mir allerdings überraschend lang für einen 29-jährigen Spieler auf einer körperlich anspruchsvollen Feldposition.

Mikolas bleibt in St. Louis
Die dritte nenneswerte Vertragsverlängerung dieser Woche hat Pitcher Miles Mikolas von den St. Louis Cardinals bekommen. Der 30-jährige Rechtshänder hatte letztes Jahr ein beeindruckendes MLB-Comeback nach drei Jahren in Japan. Sein bisheriger Zweijahresvertrag über 15,5 Millionen Dollar gilt noch für 2019, daran anschließend läuft der neue Vertrag über weitere 68 Millionen bis 2023. Mikolas wird für die Cardinals am Opening Day starten.

Neues von der Harper-Front
Wer erwartet hatte, dass kurz nach der Unterschrift von Manny Machado in San Diego auch Bryce Harper sein neues Team bekannt geben würde, wird enttäuscht sein: Die Hängepartie um den wohl hochwertigsten Free Agent dieses Jahres geht weiter. Als Favorit für seine Verpflichtung gelten seit Wochen die Philadelphia Phillies. Die Phillies sind offenbar die einzigen, die Harper bisher ein offizielles Angebot gemacht haben, das die 300 Millionen für zehn Jahre übertrifft, die Machado von den Padres bekommt. Einen besseren Vertrag als Machado zu erhalten, scheint Harper sehr wichtig zu sein. Aber er tut sich schwer damit, sich für die Phillies zu entscheiden, vor allem weil für ihn offenbar die Chemie mit deren Manager Gabe Kapler nicht stimmt. Darüber hinaus könnte es in den andauernden Verhandlungen um eine Opt-Out-Klausel gehen, wie sie Machado nach fünf und Arenado nach drei Jahren in ihren Verträgen haben. Als weitere Kandidaten für die Harper-Verpflichtung sind noch die Los Angeles Dodgers und die San Francisco Giants im Rennen. Beide Teams wollten sich bislang nicht auf einen Zehnjahresvertrag einlassen, doch zumindest die Giants könnten sich gerüchteweise in dieser Hinsicht noch bewegen. Langer Rede kurzer Sinn: Ich weiß auch nichts, warten wir es einfach ab.

Setzt Kimbrel aus?
Auch Craig Kimbrel, bis letztes Jahr Closer des World Champions Boston Red Sox, ist bislang noch ohne neues Team. Der 30-Jährige fordert einen Vertrag über fünf bis sechs Jahre für mindestens 100 Millionen Dollar und besteht wohl so konsequent auf diesen Werten, dass bereits spekuliert wird, ob er dieses Jahr komplett aussetzt, wenn ihm niemand ein entsprechendes Angebot macht. Sein Agent David Meter hat diese Spekulationen allerdings umgehend dementiert und angkündigt, Kimbrel werde „in naher Zukunft“ einen neuen Vertrag unterschreiben. Darum, bei welchem Team das sein könnte, ist es allerdings erstaunlich ruhig. Anfangs interessierte Kandidaten wie die Red Sox, die Atlanta Braves, die Philadelphia Phillies und die St. Louis Cardinals haben sich inzwischen alle anderweitig orientiert.

Und was ist eigentlich mit Dallas Keuchel?
Auch um Dallas Keuchel ist es erstaunlich ruhig. Der linkshändige Starter ist neben Harper und Kimbrel der dritte im Bunde der arbeitslosen Starspieler. Auch er ist offenbar mit überzogenen Forderungen in die Offseason gegangen: Einen Vertrag über sechs bis sieben Jahre und ein Jahresgehalt von 25 bis 30 Millionen Dollar waren seine Wunschvorstellung. Von der dürfte er inzwischen abgerückt sein; jedenfalls sollte er das, wenn er ernsthaft nach einem neuen Vertrag sucht. Gut gebrauchen könnten den Linkshänder einige Teams, zum Beispiel die San Diego Padres, die St. Louis Cardinals oder auch die Houston Astros, bei denen er seine gesamte bisherige Karriere verbracht hat.

Februar 28th, 2019 by